Erstes Blatt Gie Der Sletzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags. Beilagen: viermal wöchentlich 6 leublätter; Tian far de dent inis latt für den Kreis Gleßen (Dienstag und Freud); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche de en Ternsprech- Anschlüsse: für die Schrutlenung 12 Verlag, Geschaftsstelleö1 7 Adresse für Drabtnach⸗ 0 richten: Anzeiger Hießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. ßen * 1. 8 105. Jahrgang 9 nzeiger General⸗Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und Derlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschästsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. ren e Montag, 29. März 1915 Bezugsgre monatl. 75 Pf., viertel jährl. Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pji.; durch die Post Mik. 2.— viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Uf. ausw. 20 Pi.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goeg: für Stadt und Land, Vermischtes und Ge— richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Günstiger Verlauf der Schlacht in den Karpathen. Ruffische Vorstöße WTB.) Großes Hauptquartier, 27. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. 5 In den Vogesen setzten sich die Franzosen gestern abend in den Besitz der Kuppe des Hartmannsweiler 214 s. Der Kuppenrand wird von unseren Truppen ge⸗ en. ö Französische Flieger bewarsen Bapaume sund Straßburg i. Elss mit Bomben, ohne militärischen Scha⸗ den anzurichten. In Bapaume wurden ein Franzose getötet, zwei schwer verwundct. Wir zwangen einen feindlichen Flieger nordwestlich von Arras zum Landen und belegten Calais mit einigen Bomben. Oest licher Kriegsschauplatz. Die Russen, die zum Plündern genau so wie auf Memel don Tauroggen auf Tilsit aufgebrochen waren, wurden bei Laugszargen unter slarlen Verlusten geschlagen und über die Jezioruna hinter den Jura-Abschnitt zurück- lewarfen. Zwischen dem Augustower Walde und der Weichsel wur⸗ den verschiedene Vorstöße der Russen abgewiesen. An ein⸗ zelnen Stellen wird noch gekämpft. Oberste Heeresleitung. (WB.) Großes Hauptquarti er, 28. März. Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. S östlich von Verdun wurden französische Angriffe auf den Maashöhen bei Combres und in der Woevre⸗ Ebene bei Marchsville nach hartnäckigen Kämpfen zu un⸗ seren Gunsten entschieden. In den Vogesen am fanden nur Artilleriekämpfe statt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Russische Vorstäße im Augusto wer Walde wurden abgeschlagen. . wischen Pisser und Omulew erfolgten mehrere ede Angriffe bie n die sämtlich in unserem Feuer zusammen⸗ brachen. Bei Wach nahmen wir 900 Russengefangen. Oberste Heeresleitung. *** Nach dem neuesten österreichisch-ungarischen Tages⸗ bericht befestigt sich die Hoffnung, daß die russischen Be— müthungen in den westlichen Karpathen scheitern werden, und da auch im Norden russische Vorstöße blutig abgewiesen worden sind, wird Nikolai gar bald wieder auf die Defensive angewiesen sein. Von den Da rdanellen hört man auch nichts mehr über weitere Angriffe. Dagegen erschöpft sich die englische Kriegskunst wieder einmal in allerlei unlau⸗ teren Machenschaften. Ueber die Reise des Freiherrn von der Goltz nach Berlin wurde, sicherlich aus englischer Quelle, die Lügenmär verbreitet, der Pascha habe, nach seinem eignen Ausspruch, deshalb die türkische Hauptstadt verlassen, weil der Türkei eine Katastrophe bevorstehe. Es lohnt wirklich nicht, diesen Schwindel zu widerlegen; wir dürfen vielmehr auf die Unterredung verweisen, die Freiherr v. d. Goltz mit dem Vertreter eines rumänischen Blattes gehabt hat und die wir nachstehend wiedergeben. Ein anderer, er wie- sener englischer Streich hat vor Smyrna sich abgespielt. Der Befehlshaber der englisch-französischen Flotte hat näm⸗ lich den Gouverneur von Smyrna und den Gouverneur des Wilajets Aidin mit versteckten Bestechungen zu trak⸗ tieren versucht. Der Wortlaut des betr. Briefes ist in Kon⸗ stantinopel veröffentlicht worden; er lautet: Ew. Exzellenz! Nachdem ich die Befestigungen von Smyrna zum Schweigen gebracht, habe ich die Ehre, Ihnen folgenden Vor⸗ schlag zu unterbreiten: 1. Alle Befestigungen und Batterien, die sich am Busen von Smyrna befinden, ergeben sich. 2. Eine bis zum Hafen von Smyrna reichende, von Minen freie Zone wird be⸗ dingungslos freigegeben. Ich kann Ihnen die Versicherung geben, daß die Verbündeten unnützes Blutvergießen vermeiden und die Stadt Smyrna und ihre Umgebung vor den Zerstörungen des Krieges bewahren wollen. Deutschland hat der Türkei mit diesem Kriege keinen Freundschaftsdienst erwiesen, und auf die Aufwiege⸗ lung Deutschlands hin haben, wie Sie wissen, Enver Pascha und seine Gesinnungsgenossen Ihr Land in eine schlimme Lage gebracht Mit Annahme der Natschläge ihrer falschen Freunde bat die Türkei die Freumdschaft Englands und seiner Verbündeten, die seit Jahrhunderten währte, verloren. Die Folge davon ist das Unglück der Türkei. Die russischen Armeen rücken nach ent⸗ scheidenden Siegen im Kaukasus vor, die gegen Aegypten unter⸗ nommene Aktion ist pöllig ergebnislos geblieben und selbst Kon⸗ stantinopel ist in Gefahr, in die Hände der Verbündeten zu fallen. Ew. Exzellenz sehen, daß der endgültige Sieg den Verbündeten zufallen wird Die verbündeten Mächte hegen gegen Ew. feindlichen Gefühle und Ew. wollen verstehen, daß, wenn die oben dingungen angenommen werden, es möglich sein wird, andere Verhandlungen zu führen und ur Verfügu⸗ . 5 Ver⸗ f letzten Wochen die Hartmannsweiler Kopfe ü Man kann übrigens nicht sagen, daß in London seit den Sieges zuversicht gestiegen sei. Einen Be⸗ weis dafür liefert die englische Presse mit folgender Ver⸗ öffentlichung: London, 28. März. WTB. Nichtamtlich.) Die von den Blättern veröffentlichte Rede des Direktors vom Eton College, Lyttelton, erregt Aufsehen. Lyttelton führte darin aus: Nichts von dem, was wir tun können, um den Frieden in Europa auf⸗ zurichten, würde den gexingsten Wert haben, wenn wir nicht be⸗ weisen, daß wir bereit sind, nach dem Grundsatz zu handeln, daß lede Nationallen anderen volles Vertrauen ent⸗ gegenbringen und der Zeit entgegensehen soll, wo es ihr erlaubt sein wird, nach ihrer Weise zu leben und sich zu entwickeln. Wenn England nicht vortritt und sicherbötig macht, aus demselben Grunde, den es anderen aufzwingen will, seinerseits Konzessionen zu machen, würde man es mit Recht für Erzheuchler erklären. Bedeutende Männer wären dafür, daß England, wenn die Internationalisierung des Kieler Kanals verlangt würde, damit das Versprechen verbinden solle, auch Gibraltar zu internationalisieren, aber andere einflußreiche Männer, denen er biesen Plan vorgetragen hätte, meinten, England könne nichts tun) wodurch die Stärke des Reiches beeinträchtigt werden würde. Wenn England an allem festhält, was es sich in der Vergangenheit aneignete, darunter an Besitzun⸗ gen, die durch sehr fragwürdige Mittel erworben worden wären, und erklärt, daß es keinen Zoll Bodens und kein einziges Vorrecht aufgeben will, sagt es sich von den Grundsätzen des Christentums los und verläßt sich auf den Grundsatz des Wettbewerbes. Eng land ist verpflichtet, keinen Zweifel darüber zu lassen, daß, wenn die Gelegenheit kommt, es willens ist, die Rolle einer verläßlichen Nation zu spielen, die zu Opfern be⸗ reit ist. 5 Man geht wohl nicht fehl, daß hier den leitenden englischen Männern der Rat erteilt wird, gelegentlich Frie⸗ densverhandlungen anzub en, und zwar unter Daran⸗ etzung von Opfern und Angeboten. Wenn die Engländer des Sieges gewiß wären. und das Gefühl der Ueber⸗ legenheit über den Feind hätten, so würde dieser Vor⸗ schlag in der Presse kaum ernstlich zur Erörterung gestellt werden.* 5 Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte. Wien, 27. März.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 27. März mittags. Unter schweren Verlusten des Feindes scheiterten an der Schlachtfront in den Kar⸗ bathen neuerliche starte russische Angriffe. Auf den Höhen bei Bannyppölgy und beiderseits des Latorcza-Tales ec. Laborczréy dauern die Kämyfe mit großer Heftig⸗ eit an. 1 In der Bukowina warfen unsere Truppen nordöst⸗ lich Czernowitz stärkere russische Kräfte nach heftigem Kampfe bis an die Reichsgrenze zurück, eroberten mehrere Ortschaften, machten über 1000 Ge fangene erbeuteten zwei Geschütze. a In Russisch⸗ Polen und W̃ Veränderung. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Wien, 28. März.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 28. März 1915. Die russischen Angriffe im Ondava⸗ und Laborcza⸗Tale wurden blutig ab⸗ gewiesen. der Kampf auf den Höhen beiderseits dieser Täler ist seit gestern abgeflaut. Tagsüber und während der Nacht Geschützkampf und Geplänkel. In den übrigen Abschnitten der Ka rhathenfront auch weiter hartnäckige Kämpfe. 123 0 Russen wurden gefangengenommen. Verfolgungsgefechte in der nördlichen Bukowina brach⸗ ten weitere 200 Gefangene ein. Die Situation in Ruf⸗ sisch⸗Polen und Westgalizien ist unverändert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs. v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Statthalterwechsel in Böhmen. Wien, 27. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser hat den Statthalter von Böhmen, Fürsten von Thun, auf seine Bitte wegen eines ernsten Augenleidens von seinem Posten enthoben und in den Ruhestand versetzt. In einem Handschreiben gedenkt der Kaiser mit besonderer Anerken- nung und wärmstem Danke der hervorragenden Dienste, die der Fürst in arbeitsreichen und verantwortungsvollen Stel— lungen dem Kaiser und dem Staate geleistet hat, und ins⸗ besondere seiner während einer mehr als vierjährigen Tätig— keit an der Spitze der Verwaltung in Böhmen unter schwie⸗ rigen Verhältnissen unablässig bekundeten Bemühungen um die Anbahnung eines engeren Verhältnisses in den natio⸗ nalen Fragen und um die Herstellung einer finanziellen Ord⸗ nung im Landeshaushalt. Der Kaiser wünscht dem Fürsten volle Wiederherstellung seiner Gesundheit und verleiht ihm als Zeichen seiner fortdauernden Gewogenheit die Brillan⸗ ten zum Großkreuz des St.⸗Stephans⸗Ordens.— Zum Statthalter von Böhmen wurde der Landespräsident von Schlesien, Graf Max Couienhove, ernannt, an dessen Stelle der frühere Minister Baron Adalbert Widmann tritt. *** Der Gesundheitszustand des deutschen Heeres. Berlin, 27. März. WTB. Amtlich) Aus dem Großen Hauptquartier geht uns folgende Mitteilung zu: Ausländische Blätter brachten in der letzten Zeit häufig ungünstige Nach⸗ richten über den Gesundheitszustand nuseres Heeres. estgalizien keine im Nordosten abgewiesen. 1 Dieser ist durchaus zufriedenstellend. Unsere Soldaten haben die Anstrengungen des Winterfeldzuges vortrefflich über⸗ standen. Eigentlich hatten sie nur in den Karpathen unter der Witterung zu leiden. Epidemische Krankheiten, außer ganz vereinzelten Fällen von Flecktyphus und Cholera im Osten, sind nicht mehr zu verzeichnen. Zu diesem günstigen Ergebnis haben in erster Linie die rechtzeitig ergriffenen hygienischen Maß⸗ nahmen beigetragen, so die Schutzimpfungen gegen Pocken, Cholera und Typhus, die Verwendung fahrbarer Trinkwasserbereiter, die Anlage von Wannen- und Brausebädern hinter der Front, auf Bahnhöfen und in Bäderzügen, die Herrichtung von Desinsektions⸗ anstalten und die Maßnahmen für Kleiderreinigung und Ent⸗ läusung.— Auch die weitverbreitete Annahme, daß geschlecht⸗ liche Krankheiten in unserem Heere eine Ausdehnung gewonnen hätten, die sie zu einer Volksgefahr mache, ist nicht zutreffend. Die Gesamtzahl der auf dem nestlichen Kriegsschauplatz an Geschlechts⸗ lrankheiten leidenden Mannschaften bleibt etwa um die Hälfte hinter derjenigen der in der Heimat befindlichen Mannschaften, die diese niemals verlassen haben, zurück. Eine weitere Ein⸗ schränkung der geschlechtlichen Krankheiten beim Heere bildet das unausgesetzte Bemühen aller verantwortlichen Männer. Neben entsprechenden Ueberwachungs⸗ und Vorbeugungsmaßmahmen fin⸗ den Belehrungen der Mannschaften statt, wobei Offiziere, Aerzte und Geistliche zusammenwirken. Die französischen Reserven. Lyon, 27. März. WTB. Nichtamtlich. Der„Lyon Révu⸗ blicain“ meldet aus Paris: Der Heeresausschuß der Kammer hat den Regierungsvorschlag betr. Einberufung des Jahr⸗ ganges 1917 und ärztliche Untersuchung aller zwischen dem J. August und dem 31. Dezember 1914, als untauglich Befundenen, sowie der Zurückgestellten der Jahrgänge 7913 bis 1915 ange- nommen. Deutsche Flieger. Paris, 28. März.(WTB. Nichtamtlich) Die Abendblätter melden, daß ein deutsches Flugzeug Gérardmer ũ be v log und 14 Bomben warf, durch die ein Soldat getötet wurde. Der Sachschaden sei unbedeutend. Eine Taube überflog Dünn- kirchen und warf 6 Bomben ab, eine andere Taube warf über 3 eine Bombe. Beide Male sei kein Schaden angerichtet wo Berlin, 29. März. Ueber die Luftangri deutscher Flie⸗ ger auf Calais berichtet Iatt„Berliner geblatt“ die Mann schaft des in England angekommenen schwedischen Dampfers „Diana“, der gerade in den Docks von Calais lag, daß die Flie⸗ ger über die Docks zur Stadt hinzogen, und die Besatzungen der Schiffe sofort unter Deck flüchteten. Die Aeroplane warfen eine große Anzahl Stahlpfeile auf die Schiffe und Quais. Im ganzen sollen etwa 500 Pfeile geworfen worden sein. Auch Bom⸗ ben wurden geworfen, aber so viel zu erfahren war, soll der an⸗ gerichtete Schaden nicht groß sein. Am Quai seien einige Einrich⸗ tungen zerstört worden. Auch der Arsbruch eines Feuers sei be⸗ merkt worden. Der Angriff sei etwas später abgewehrt worden. 3 mit Kanonen und Gewehren auf die Aeroplane gefeuert wurde. Gefangene französische Flieger im Breisgau. Berlin, 29. März. Ueber die Landung französischer Flieger im Breisgau in der ersten Hälfte der vergangenen Woche läßt sich die„Voss. Ztg.“ aus dem badischen Rhein⸗ land noch melden: Die beiden Flieger, zwei Unteroffiziere, entstiegen unversehrt dem Flugzeug und zündeten dieses dann an, so daß es sofort lichterloh brannte. Eine nach Hunderten zählende Menschenmenge kam hinzu und umringte die Flieger. Sie ließen sich ruhig gefangen nehmen und der Militärbehörde ausliefern. Das Flugzeug, aus dessen— einige Schriftstücke gerettet wurden, wurde abmontiert und fortgeführt. Die englischen Verstärkungen. Berlin, 29. März. Aus England wird laut schau“ über Haag berichtet, daß zu Anfang der vorigen Woche in h 50000 Mann englische Truppen und in Dover 75000 Mann lagen, die nach französischen Häfen übergesetzt werden sollten. Der Kriegsschauplatz in den Tälern des Niemen und Narew. Berlin, 29. März. Dem„Berliner Lokalanzeiger“ zufolge meldet die„Times“ aus Petersburg, daß das Ein⸗ treten wärmeren Wetters in den Tälern des Njemen und Narew die Schwierigkeiten der Operationen in jenen sumpfigen Gegenden vermehrt habe. Man erwartet zunächst dort keine ausgedehnten Operationen. 5 Revolten bei der Retrutenaushebung in Sibirien. Hamburg, 28. März.(WTB. Nichtamtlich.) Das „Hamb. Fremdenbl.“ meldet: Das Stockholmer„Afton⸗ bladet“ veröffentlicht einen Brief aus Tomsk in Sibi⸗ rien über Revolten bei der Rekrutenaushebung. Die Bevölkerung der drei Städte Bernaul, Omsk und Nikola⸗ jewsk leistete in Barikadenkämpfen Widerstand gegen das Militär. In den Straßenkämpfen konnten die Truppen nur mit Hilfe von Kanonen und Maschinengewehrfeuer die Auf— rührer bezwingen. Große Erbitterung herrscht gegen die russischen Unterdrücker. *** Bon den Dardanellen. Konstantinopel, 27. März.(WTB Nichtamtlich.) Seit dem für den Gegner so verlustreichen Kampfe in den Dardanellen fanden bis zum 25. März keinerlei Unterneh- mungen der Verbündeten gegen die Dardanellen oder andere türkische Plätze am Aegäischen Meere statt. In der ver⸗ angenen Nacht versuchten feindliche Torpedo⸗ „Tägl. Rund- vote mit Minensuchfahrzeugen nach Monduntergang daber sofort d das Feuer der Batterien vertrieben. Die Meldungen der englischen Presse über Kämpfe und er⸗ fiolgte Landungen der Verbündeten bei den Dardanellen ober bei der Sarosbucht sind freie Erfindungen. Konstantinopel, 28. März. WTB. Nichtamtlich Das Hauptquartier teilt mit: Heute früh bemerkten unsere Be⸗ obachtungsposten am Bosporus einige russische Kriegs schiffe, die aus sehr großer Entfernung einige Granaten gegen unsere Wachtschiffe abschossen und sich dann schnell entfernten. Von den anderen Kriegsschauplätzen ist nichts zu melden. 5 Konstantinopel, 28. März. WTB. Nichtamtlich Das (Hauptquartier teilt mit: Freitag abend versuchten Tor⸗ pedoboote und Minen suchschiffe des Feindes in die Dar⸗ 1 danellen einzudringen. Sie wurden aber durch das Feuer unserer Batterien zurückgetrieben. Berlin, 29. März. Dem Berliner„Lokalanzeiger“ wird aus den Dardanellen gemeldet. Der Sturm in den Meerengen hält angeblich schon den siebenten Tag an. Ein Teil der englisch⸗ französischen Flotte, die am 18. März, die Dardanellen schwer beschädigt verlassen hatte, fuhr nach Saloniki, um dort, wie seit Wochen, Verwundete auszuschiffen und Proviant einzunehmen. Jetzt hat, wie das„Berl. Tagebl.“ meldet, die griechische Re⸗ gierung die Wiederabfahrt binnen 24 Stunden gefordert, um ihre strenge Neutralität zu bekunden. Bukarest, 28. März.(WTB. Nichtamtlich. In einem vom „Adeverul“ veröffentlichten Interview hat sich Generalseld⸗ marschall v. d. Goltz-Pascha über die Lage in Konstantinopel und an den Dardanellen folgendermaßen geäußert: Die 1 itt durchaus ruhig. Der Sultan bewohnt, wie bisher, sein Schlo am Meere und denkt nicht daran, die Stadt zu verlassen. Die Zu⸗ persicht, die seit dem letzten Siege noch gestiegen ist, ist allgemeine Tatsache. Daß ich gerade jetzt von Konstantinopel abgereist bin, mog als Zeichen dafür gelten, daß keine Gesahr vorhanden ist. Die Türken waren überzeugt, daß der Angriff der Flotter der Alliierten mißlingen werde. Der Erfolg hat allerdings die Er⸗ wartungen übertroffen, denn er wurde von den schwächsten Be⸗ festigungen außerhalb des Minenfeldes errungen. Ein neuer An⸗ griff der alliierten Flotten ohne gleichzeitige Truppenlandungen ist unwahrscheinlich, aber auch für diese ist die Türkei vorbereitet, indem an den in Betracht kommenden Stellen eine große Armee bereitgehalten wird. Den Gerüchten über Munitionsmangel hielt v. d. Goltz entgegen, daß die Türkei nicht nur beträchtliche Mengen davon vorrätig habe, sondern daß sie auch selbst Munition erzeuge. Der Wunsch der Türkei nach einer Verbindung mit Europa habe seine Ursache darin, daß die türkische Waffenindustrie nicht so ent⸗ wickelt sei, wie die mitteleuropaische. Die Türkei könnte eine halbe Million Mann mehr ins Feld stellen, wenn die Aus rüstung mit Munition für diese sicher gestellt wäre. Uebrigens, sagte 5 2 d. Goltz, mag der Feind kommen und sich von dem, doas ach 5 sage, il gegen die arc ve Sperre vorzugehen, wurden Ein französischer Kreuzer gesunten? Athen, 28. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der Sonder⸗ berichterstatter der„Estia“ meldet aus Mudros, daß ein französischer Kreuzer am 22. März in der Nähe der türkischen Forts von Dardanos vom Land austorpediert worden sei und in 1½ Minuten mit der gesamten Be⸗ satzung sank. Der Name des Kreuzers wird geheim ge⸗ halten.(Von türkischer Seite ist die Nachricht bisher un— bestätigt. 11 Lebhafte Tätigteit im Hasen von Malta. 8 Berlin, 29. März. Im Suez⸗Kanal herrscht nach dem„Berliner Lokalanzeiger“ Ruhe. Dagegen sieht man eine au lebhafte Tätigkeit im Hafen und in den Docks von Malta, min d vier französische Panzerschiffe, die in den Dardanellen beschädigt worden waren, repariert werden. Im Quarantänehafen liegen zwei englische Panzerschiffe ebenfalls in Reparatur und acht Torpedoboote, die leicht beschädigt sind. 5 Die Haltung Rumäniens. 2 London, 28. März.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reu⸗ tersche Bureau erfährt von dem nach London zurückgekehrten rumänischen Gesandten, daß Rumänien die frühere Hal⸗ tu ng beizubehalten gedenkt und entschlossen ist, ehr⸗ lich seine Pflichten zu erfüllen und seine nationalen Inter⸗ eessen zu schützen. Der Gesandte erklärte dabei, daß es dar über in Rumänien nur eine Meinung gäbe. 0 Der Seekrieg. Liondon, 28. März.(WTB Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des„Daily Chronicle“ aus Portsmouth erklärte die Admiralität, daß die„Delmira“ offenbar nicht ge⸗ sunken ist, da berichtet wird, daß sie bei St. Vaast Lahogue 95* ist und brennt. Der Wert des Schiffes wird mit 36000 Pfund Sterling angegeben. Der Kapitän erzählte, daß die„Delmira“ ein sehr schnelles Schiff war und daß er dem Unterseeboot hätte entwischen können, wenn nicht die Heizer, die aus Chinesen bestanden, als sie hörten, daß „ das Schiff von einem Unterseeboot verfolgt werde, die Kessel im Stich gelassen hätten und auf ilt wären. Dadurch verlor die„Delmira“ Dampf und— anhalten. Der Kapitän des Unterseebootes war sehr höflich und bot der Besatzung Wein an, der aber zurückgewiesen wurde. Das Unterseeboot schleppte die Rettungsboote der„Delmira“ eine Stunde lang gegen die englische Küste und ließ sie 8 als das Handelsschiff„Lizzie“ in Sicht kam, das ie Bemannung aufnahm. Liverpool, 28. März.(WT. Nichtamtlich.) Das Reutersche Bureau meldet: Der Dampfer„Vosges“ wurde an der Küste von Cornwall durch Geschützfeuer zum Sin⸗ ken gebracht, wahrscheinlich von einem Unterseeboot. Der ererste Maschinist wurde getötet, drei Mann der Besatzung ernstlich verletzt. Die übrigen 30 Mann landeten bei New⸗ quay. Hull, 28. März.(WTB. Nichtamtlich.) Als der Damp⸗ fer„Tyches“ der Wilsonlinie, von Bombay nach Hull un⸗ terwegs, sich am Sonntag den Downs näherte, wurde be⸗ obachtet, daß ein deutsches Unterseeboot auf den Dampfer lossteuerte. Der Kapitän gab Volldampf, trotzdem . 775 das Unterseeboot aber den Dampfer ein und schoß ein orpedo ab, das am Bug des Schiffes vorbeiging. 9 Die englischen Schiffs verluste. Berlin, 29. März Ueber englische Schiffsverluste mel⸗ det die„Kölnische Zeitung“ aus Kristiania: Nach Lloyds Register sind bis zum 30. September 1914 durch Kriegs⸗ schiffe oder Minen verloren gegangen 84 Dampfer von zusfsammen 200396 Tonnen und zwei Segler von 484 Tonnen. Eine englische Anleihe in Amerika? Kopenhagen, 27. März.(WTB Nichtamtlich.)„Na⸗ tionaltidende“ meldet aus New Nork,* and suche zur⸗ zeit eine Anleihe von 100 Millionen Dollar in Ame⸗ rika zur Bezahlung von Kriegsbedürfnissen aufzunehmen. Aus Indien. 77 15 15 1 * 77 r . 1 I , sammlung trat begeisterte Uebereinstimmung aller Mitglieder mit der Reichsregierung in der Frage der Fortsetzungdes Krie⸗ ges zutage. Es wurde einstimmig der Wunsch ausgesprochen, daß die Regierungsperiode des Lord Hardinge bis zum Ende des Krieges ausgedehnt werde Die finanzielle Starke Indiens rief Be⸗ friebigung hervor. Bei Schluß der Aussprache wies Lord Hardinge auf den trotz der großen Ansprüche gesunden Zustand der Finanzen bin, der das Land in die Lage versetzt, auch noch weitere Lasten auf sich zu nehmen. Ueber die Politik der Regierung bezüglich der Weizenausfuhr sagte Lord Hardinge, es werde wahrschein⸗ lich ein ungewöhnlich großer Ueberschuß für die Ausfuhr vorhanden sein. Die Ausfuhr würde erheblichen Nutzen bringen, der den acker⸗ bautreibenden Kreisen der Bevölkerung zugewendet werden solle. Ueber seinen jüngsten Besuch am persischen Golf erklärte der Vize⸗ könig, die Provinz Basra, die unter der türkischen Regierung gelitten habe, verspreche für die Zukunft außerordentlich viel. Die Bevölkerung sei spärlich. Die Stadt Basra könnte mit verhältnis⸗ mäßig geringen Ausgaben in einen Weizenausfuhrhasen für Meso⸗ potamien und Nordpersien verwandelt werden. Nur die Ufer des Schat⸗el⸗Arab seien bebaut. Die einfachste Bewässerung würde ge⸗ nügen, um weite Siedlungen anzulegen und das Land in ein Para⸗ dies zu verwandeln. Lord Hardinge fuhr fort: Mit tiefem Be⸗ dauern habe ich gehört, daß der Antrag, eine Adresse an den König zu senden, die sich gegen die Möglichleit eines Exekutiv⸗Councils in den vereinigten Provinzen ausspricht, vom Oberhause ange⸗ nommen worden ist. Da nichts über ein ähnliches Vorgehen im Unterhause bekannt ist, kann man annehmen, daß die Proklamation nicht vom ganzen Parlament verworfen worden ist. Es ist eine sehr ernste Sache, daß eine kleine Anzahl Peers, die sich vielleicht keine Vorstellung von dem Fortschritt in Indien macht, einen Vor⸗ schlag zu verwerfen vermochte, der dem Parlament von der indischen und der Reichsregierung mit völliger Billigung der öffentlichen Meinung unterbreitet wurde. Ich glaube, daß eine Abänderung des Gesetzentwurfs über dergleichen Möglichkeiten notwendig ist. Ich vertraue darauf, daß die Reichsregierung das anerkennen wird. Lord Hardinge sprach schließlich die Erwartung aus, daß die Be⸗ völkerung des Landes sich durch das Vorgehen des Oberhauses nicht entmutigen lassen werde. Er hoffe zuversichtlich, daß die vereinigten Provinzen trotz der vorübergehenden Niederlage bald Exekutiv⸗Councils haben würden. China und Japan. Berlin, 27. März.(Priv.⸗Tel.) Die„Voss. Ztg.“ mel⸗ det aus Kopenhagen: Einer Meldung der„Nowoje Wremja“ aus Peking zufolge forderte die japanische Gesandtschaft die japanischen Staats angehörigen auf, China zu verlassen. Parlamentswahlen in Japan. London, 28. März.(WT. Nichtamtl.) Die„Times“ melden aus Tokio: Am 26. d. M. fanden nach heftigem Kampfe die Wahlen statt. Nach einer Schätzung der Kon⸗ servativen erhielt die Regierung eine kleine Mehr⸗ heit. Man glaubt, daß die Regierung imstande sein wird, vor dem Zusammentritt des Parlaments im Mai eine Ar- beitsmajorität zu bekommen. e dem Reiche. Herabsetzung der Mehlpreise durch die Kriegs⸗ getreidegesellschaft. Berlin, 27. März. WTB. Nichtamtlich.) Der Aufsichtsrat der Kriegsgetreidegesellschaft beschloß in der heutigen Sitzung, daß von dem Zeitpunkt der geregelten Verteilung der Mehlbestände nach dem teilungsplan der Reichsverteilungsstelle, d. h. ab 1. April 1915 die Preise für Mehl allgemein herabgesetzt werden. Die Preise passen sich allgemein der Abstufung der Getreidepreise in den Höchstpreisbezirken nach dem Höchstpreisgesetz vom 4. Aug. 1914 und der Bekanntmachung des Bundesrates über Höchstpreise vom 28. Oktober 1914 an, doch sind im ganzen nur zehn Preis⸗ bezirke gebildet worden. Der niedrigste Preis für Roggenmehl stellt sich auf 35 Mk. einschließlich Sack und Fracht, der höchste Preis im zehnten Preisbezirk auf 38 Mk. Die Preise für Weizenmehl bewegen sich zwischen 40,75 Mk. und 43,75 Mk. Der mittlere Preis für Roggenschrot wird ab 1. April 32,50 Mk. sein. Die Preise bedeuten eine erhebliche Herabsetzung gegenüber den letzten Mehlpreisen im freien Handel. Bismarcks Geburtstag und die Kirche. Berlin, 29. März. Zur Jahrhundertfeier von Bis⸗ mards Geburtstag hat der Evangelische Oberkirchenrat einen Erlaß herausgegeben, in dem es heißt: In dieser gewaltigen und ernsten Zeit, in welcher das deutsche Volk mit heißem Danke des Segens und des Kräftezuwachses gedenke, die ihm durch die Be⸗ ndung des Deutschen Reiches und die feste Vereinigung seiner tämme zu einem unerschütterlichen starken und aufstrebenden Volkstum zuteil geworden seien, mache sich auch in den Kreisen unserer Geistlichkeit der Wunsch geltend, des mit der Gründung des Reiches unlöslich verbundenen großen ersten Kanzlers in den Gottesdiensten unserer Landeskirche zu gedenken. Eine kirchliche Feier vertrage sich nicht mit dem Charakter der stillen Woche. Es bleibt den Geistlichen überlassen, über den Zeitpunkt der Feier nach ihrem Ermessen und nach dem Wunsch ihrer Gemeinden zu befinden. 7 6. ständiger Reichstagsausschuß für Handel und Gewerbe. Als Vertreter der wirtschaftlichen Vereinigung ist der Abgeordnete Dr. Werner dem genannten ständigen Aus⸗ schuß beigetreten. 5 ——— 2— p Aus Stadt und Cand. Gießen, 29. März 1915. Karwoche. Mitten in den Lärm der Zeit hinein sind feierlich und mild die Glocken des Palmsonntags erklungen. Vor die Augen der sinnenden Seele ist die Gestalt des Heilands getreten, der in den letzten Tagen seines Erden⸗ wallens, umbraust von Hosianna⸗-Rufen, in Zion einzog über die grünen Palmwedel, die die Menge auf seinen Pfad gestreut hatte. Aber in die Huldigung der Menge klangen damals schon das Zischen des Hasses und die Todesklage, und die sieghafte Sonne wurde verdunkelt von den Schat⸗ ten, die von der Schädelstätte her die Welt umdelstern sollten. Eine zwiespältige Stimmung liegt über dem Palmsonntag der Kirche. Das Hohelied des Triumphes führt in die dunkeln Tage der Karwoche. In den meisten Gegenden Deutschlands ist der Palm⸗ sonntag der hauptsächlichste und eigentliche Tag der Ein⸗ segnung. Zwiespältig ist auch die Stimmung dieses Tages. In die Freude, daß nun ein Abschnitt des Lebens erreicht ist, mischt sich das verhaltene Weh der kommenden Trennung vom Elternhause, denn die Hand, die dem Kinde am Palm⸗ sonntag segnend auf dem Haupte ruhte, wird manchem bald zum Abschiedsgruß gereicht werden. Manch eines muß hinaus in die heimatferne Fremde. Wohl dem, das im Elternhaus den Begriff des Heimsegens und der Heim⸗ freude kennen lernte. Ihm wird aus dem Worte Heimat immer ein lieber Mutterruf entgegenklingen, bis die Augen trübe werden. Wer den Halt der Heimat nicht hat, der wird vor allen anderen ein Spiel der Lebenswellen. Wie hat das Delhi, 28. n Nichtamtlich) Meldung des R terschen Bureaus. In g der gesetzgebenden 9 Ver⸗ alte Volkslied recht, wenn es singt, daß es auf der ganzen 9 . Erde keinen schöneren teuern Vaterland. Karwoche und Heimsegen! Noch andere Gedanken wecken die beiden Worte, wenn man sie im Sinne des großen Völkerringens betrachtet. Die Leiden und die Trauer der vorösterlichen Tage und die Opfer des Schlachtfeldes haben für uns den gleichen Sinn; beide haben ein Ziel: die Kar⸗ woche führte vor Jahrhunderten durch Not und Tod zu Auferstehung und Heimat für alle, die der Erlösung be⸗ durften, und die finstere Zeit des Krieges wird uns, so hoffen wir alle zuversichtlich, Läuterung und Sicherung der Heimat auf Erden bringen. Das Osterfest der Kirche ist nicht mehr fern; möge es mit dem vaterländischen Osterfest ähnlich sein. * Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) 75 Landwehrmann Ludw. Ph. ODosmann, Inf. digt. 168, aus Leun.— Lt. d. Res. Dr. jur. Otto Küchler, Feld- AUrt.-Rgt. 25, aus Darmistadt.— Musk. Derm. Dietermann, Ins.⸗Ngt. 222, aus Berg-Ebersbach.— Gefr. d. Res. Pb. Schmidt, Inf.-⸗Agt. 115, aus Darmstadt.— Hornist Ger. Fridolin Gustab Treusch, Inf.-Agt. 115, aus Darmstadt. * * Volkswirtschaftliche Merkblätter. In der Merkblätterfolge des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung ist das zweite Blatt soeben erschienen. Es gibt in gedrängter Form ein durchschlagendes Material an die Hand, im Volke die Einsicht zu verbreiten, daß das Gebot des Krieges dem Verbrauch von Ostereiern und dem Kuchenbacken zu Konfirmation und Kommunion ent⸗ dene et. Die Merblätter stehen allen tätigen Mitarbei⸗ tern kostenlos bei der Geschäftsstelle des Rhein- Maini⸗ schen Verbandes für Volksbildung, Frankfurt a. M., Pauls⸗ platz 10, Fernsprecher Hansa 5303, zur Verfügung. Die Geschäftsstelle bittet alle Persönlichkeiten, die zur tätigen Mitarbeit bereit sind, sich mit ihr in Verbindung zu setzen. * Vaterländischer Abend. Die Abrecznung über die Einnahmen und Ausgaben des von hiesigen Gesang⸗ vereinen am 7. Februar d. J. veranstalteten„Vaterlän⸗ dischen Abends“ konnte verschiedener Umstände halber erst jetzt abgeschlossen werden. Sie ergab den hübschen Ueber⸗ schuß von 763 Mk., der dem Herrn Oberbürgermeister für die Sammlung zur Unterstützung der durch den 8 en. ihre Habe gebrachten O stpreußen übergeben naurde. denen, die sich selbstlos in den Dienst dieses schösen Zweckes gestellt haben, sei auch an dieser Stelle herzlichst gedankt. * Kanalisation. Die Fortführung unserer Kanali⸗ sation in der Frankfurter Straße ist jetzt beendet. Die Ent⸗ wässerung ist durch den vor Jahren angelegten Tunnel un⸗ ter dem Bahnkörper an der Margareten Hülte geleitet. Durch die Fortführung des Sils ist für eine Anzahl Unternehmer Arbeit geschaffen, denn jetzt schon werden einige Haus⸗ anschlüsse an der neuen Kanalstrecke vorgenommen. Wir hören, daß auch die Beamtenwohnhäuser der Eisen⸗ 8 sämtlich an die Kaualisation Anschluß er⸗ ten. 5 Stadttheater. Nach dem ehrlichen starken Erfolge, den Direktor Steingoetters Bismarckfestspiel abend er⸗ rungen hat, ist auf vielseitigen Wunsch für Mittwoch, den 31. März, nachmittags 4 Uhr, eine Wiederholung desselben angesetzt worden. Die Preise zu dieser Volks⸗ und ES Aer el⸗ lung betragen durchweg 25 Pig. für den Platz, mit Ausnahme der Logen, die 50 Pfg. kosten. Es ist auf diese Weise auch denen, die für die offizielle Bismarckfeier am Mittwoch abend keine Plätze mehr erhalten konnten, nochmals Gelegenheit geboten, sich an einer Bismar igung zu beteiligen. * Bankverkehr am Karsamstag. Die Mittel⸗ deutsche Creditbank und die Bank für Handel und Industrie halten am Samstag vor Ostern ihre gesamten Geschäft räume geschlossen. 5 g ** Verbot der Versendung von Osterkarten und Pfingstkarten. In gleicher Weise, wie die Versen⸗ dung von Neujahrsglückwunschkarten wird den Angehörigen des Heeres auch die Versendung von Oster- und Pfingst⸗ Glückwunschkarten untersagt. * Frühjahrskontrollversammlungen. Die Bekanntmachung des Bezirkskommandos Gießen über die Frühjahrskontrollversammlungen 1915 empfehlen wir der Beachtung der in Betracht kommenden Kreise. Landkreis Gießen. m. Lollar, 28. März. Gestern abend fand an der Kirche bei Kirchberg die bereits am Tage vorher angekündigte Gedenk⸗ feier zum 100 jährigen Geburtstage unseres ersten Reichskanz⸗ lers, des Fürsten Bismarck, statt. Die Jugendwehren, die oberen Schulklassen und eine zahlreiche Menschenmenge aus den Orten des Kirchspiels Kirchberg hatten sich hierzu eingefunden. Die Feier wurde eingeleitet durch den gemeinschaftlichen Gesang des Liedes„O Deutschland, hoch in Ehren“, das von Herrn Lehrer Seipp⸗ ingen auf Trompete begleitet wurde Hierauf sprach Lehrer Seipp über:„Bismarck und seine Zeit“. Ausgehend von der Uneinigkeit Deutschlands, die den Zerfall und die Zer⸗ stückelung des Reiches herbeiführte, seierte der Redner unseren Bismarck als den Neubegründer und Errichter unseres geeinten Vaterlandes. Herr Dekan Gußmann⸗ Kirchberg hielt eine wei⸗ tere kurze kernige Ansprache. Der des Liedes„Deutschland, Deutschland über alles“ folgte Den Schluß der Feier bildete der militärische Zapfenstreich, der von den Spielleuten der Jugend⸗ wehr⸗Lollar ausgeführt wurde. Hierauf ertönte in die stille 2 Kommando„Hut ab zum Gebet“ und Herr Lehrer Seipp trug das Lied„Ich bete an die der digen, dem Tage entsprechenden— Anschließend an die Feier fand eine Nachtübung 5 statt. Die Gefechtslage war folgende:„Der Feind ihn am Tage vorher verlustreichen Dogg über die Lahn in der Richtung nach Gießen 1. 1 feindliche Kräfte hatten sich jedoch auf dem Höhenzug Stausenberg-Kirchberg festge⸗ setzt, die zurückzutreiben waren. Angreifer waren die Jungmann⸗ schaften von Lollar, Mainzlar, Daubringen und Rut⸗ tershausen. Die Jungwehr von Staufenberg und Mit⸗ glieder des Kriegervereins Lo lar markierten den Feind. Das hügelige Gelände ltete den Anmarsch und die Entwick⸗ lung des Gefechts äußerst reizwoll. Die Jungmannschaften zeigten troz ihrer kurzen Ausbisdung anerkennenswerte Leistungen in Marschsicherungen, Pa len⸗ und Meldedienst, sowie in der Geländeausnũ Vorgehen. Kurz nach 12 Uhr war die 5 beendet. abgehaltener Kritik traten die Jungmann⸗ den Heimmarsch an. 5 -n. Reiskirchen, 27. März. Lehrer Heinrich Feudner von hier ist im Kreiskrankenhaus zu Tilsit seiner am 7. Jebruar ds. Is. erhaltenen schweren Verwundung erlegen. d. Hungen, 29. März. Samstag morgen versammelten sich im großen Saale der„Traube“ die Schüler der höheren Bürgerschule und der Volksschule zur gemeinsamen Bis marcks⸗ se ier. Kirchenrat Hainer hielt eine kernige Ansprache und schilderte den großen Deutschen als den Baumeister des deutschen Reiches. Verschiedene Gesänge der beiden Oberklaßen und der Vortrag schöner vaterländischer Gedichte trugen sehr zur Ver⸗ schönerung der Feier bei. Prinzessin ber mann von Braun- sels wohnte der Feier bei und stistete jeder Schulklasse ein ichs unes 7 1 8 1 5 12 80 17 5 0 U ch f Kreis Büdingen. 2 8= Wallernbausen, 28. März Lehrer Rich. Schäfer von hier erhielt das Eiserne Kreuz und wurde zum Leut nant d. L. befördert. Kreis Alsfeld. A Homberg 27. März. Dem Vizeseldwebel Sohn des verstorbenen Bäckermeisters und Landwirts Ludwig Vorn VI., wurde die Hessische Tapferkeitsmedaille verliehen. 5 Kreis Schotten. Laubach, 26. März. Dem soeben erschienenen Jahres- bericht des Gymnasiums ist folgendes zu entnehmen: Die Zahl itler betrug am 15. Mai 1914 100, die Gesamtzahl war 108 und am Schlusse hatte die Anstalt noch 75 Schüler. Aus Lau⸗ bach besuchten das Gymngstum 33, aus anderen hessischen Orten 49 und aus nicht hessischen Orten 19 Schüler. Zu Kriegsbeginn unter⸗ zogen sich der Not⸗Reifeprüfung vom 5.—8. August 15 ber prima⸗ ner und 2 Unterprimaner, ebenso traten 6 Unterprimaner und 5 Obersekundaner in den Heeresdienst ein. Von diesen ist Ludwig Chelius aus Marburg den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Das Eiserne Kreuz erhielt Werner Lucius aus Üsenborn. Von dem Lehrerkollegium wurden fünf Mitglieder zum Heeresdienst einberufen. Ausgezeichnet mit dem Eisernen Kreuz ist Lehramts⸗ assessor Roßler am 2. November schweren Verletzungen erlegen. In französische Kriegsgefangenschaft geriet Lehramtsassessor Rudolf Graf.— Direktor Hugo Müller wurde mit Wirkung vom il zum Direktor des Großh. Gymnasiums zu Offenbach ernannt, an seine Stelle wurde Professor Friedrich Henk, bis⸗ her Oberlehrer an dem Realgymnastum zu Darmstadt, die Leitung der Anstalt übertragen. Das Schuljahr 1915/16 beginnt Montag, Louis Born, den 12. April, die Aufnahmeprüfung der neuangemeldeten Schüler findet vormittags 8 Uhr statt. 2 Kreis Friedberg. Die Getreuen von Butzbach. Aus der Flut der Erinnerungen an den Al treichskanz⸗ ler, dessen hundertsten Geburtstag das deutsche Volk in diesen Tagen feiert, taucht auch das Gedenken an die„Getreuen von Butzbach“ wieder auf. Als man vor 20 Jahren allenthalben sich zum 80. Geburtstag Bismarcks festlich rüstete, bildete sich in dem Restaurant Kalbfleisch zu Butzbach unter der Leitung von Direktor Jager etzt Schulrat in Offenbach, Medizinalrat Vogt, Hauptlehrer Storch und Professor Wamser eine Gesellschaft Butzbacher Bürger, die beschloß, dem großen Staats⸗ manne alljährlich zum Geburtstage eine besondere Gabe als An⸗ gebinde zu überreichen. Das Geschenk mußte in Butzbach her⸗ gestellt sein, wenn möglich von den„Getreuen“ selbst und aus — 9 der berühmten Butzbacher Lederindustrie. Im Jahre 1 0 17 3 1 Kanzler— Paar 2 5 8 wo 0 als ein eter, gearbeitet aus lstem Bu naturfarbenen Leder. Professor Wamser malte an die Schale in. vollendeter Brandmalerei den Kyffhäuser mit der Inschrift: f * aus* 172* 1 fen wird es wied flommen. . ser einst mit s nabgenommen?“ und das Niederwalddenkmal mit dem Reim: 8 te preist ein stolzes Werk des weisen Meisters Hand, Der kunstvoll aufgebaut ein starkes Vaterland!“ Auf dem blinkenden Sporenriemen liest man den Spruch: „Germania hat der Schuh gedrückt, 1 bis dir das rechte Maß geglückt.“ Als Dank für die hochoriginelle Gabe sandte Bismarck den Getreuen sein Bild mit eigenhändiger Widmung. Die Stiefel wurden 1896 auf der Kölner stellung ausgestellt und er⸗ regten dort ein solches Aufsehen, daß die Kölner Schuhmacher⸗ innung die Butzbacher Getreuen zu Ehrenmitgliedern ernannte. „Das Jahr 1896 brachte die zweite Gabe, einen Rauchtisch mit Wappenturm, Bismarckstiefel und Wichsschale mit Bärste. Der Fuß des Tisches wird aus sieben verschiedenartigen Stämmchen gebildet, die ein Stahlring festhält. 5 Die ee bestand. ledernen apierkorb, der alle jene Schriftstücke verschlucken sollte, die undeutsches, kleinliches, neidisches Wesen und Undankbarkeit er⸗ sonnen hatten; ja: 5 5 Laß schreiben nur den gift'gen Neid, jucken f es wird der Lederbauch gar bald is in des Kanzlers reichbewegtem Leben ieht.— Alle Sprü i e eee ee 15 5 e marck seine r Getreuen i AUuebersendung einer Sachsenwaldeiche. Der 2 2 r Jäger ge⸗ stifteten und dann der Stadt geschenkten Bismarcks a pflanzt.— Alle ges⸗ Bismarckerinnerungen—— 75 einem eren Zimmer des Restaurants Kalbfleisch Aufnahme und graphien und Nachbildu Geschenke— Bismarck von den Getreuen als 2 Vernigtes ein und brachte alle in Butzbach vorhandenen Erinnerungen an den 6 8 F unerung an ihn dadurch weiter, Geschichts⸗ und Starkenburg und Rheinhessen. r. Mainz, 27. März. In der beutigen Sitzung der Stadtverordneten wurden in Anbetracht der Teuerungs⸗ verhältnisse die Armen⸗ und Kriegsteslnehmer⸗Unterstützungen um 20 Prozent erhöbt. Die Bewilligungen sind nur als außerordent⸗ liche Teuerungszulagen anzusehen und gelten nur für die Monate Abrit und Mal.— Laut Beschluß der Stadtverordneten soll mit dem 1. April 1915 das Oktroi auf Brenn materialien ausgeboben werden. Bisher gingen 133 000 Mk. Oktroi auf Brenn materialien ein. Dem Beschluß aus dem Jahre 1910 wurde beigetreten und fällt mit dem 1. April das Oktroi auf Brenn- materialien. Ein Stadtverordneter war der Meinung, daß mit dem Wegfall des Oktroi die Preise für die Konsumenten auch nicht um einen Pfennig billiger würden und die Bürgermeisterei dann Höchstpreise für Kohlen und Holz sestsetzen müsse. 5 5 r. . Wetzlar, 28. März. ie Jabresrechnung der Stadt kasse für 1913 mit 3806 Velegen(gegenüber 3840 im 45 i 4K—— 8 905 147,50 Mk.(Reste 17 942,11 ., in Ausgaben m ö 7 Mk., mi i 285 10844 1. 1 Mk., 3 mit einem Bestand d Weglar, 28. März. Trotz dem Kriege schloß die Kreis- svparkasse mit einem Reingewinn von 153 998 Mark für das Jahr 1214 ab. Die Zahl der Sparer erhöhte sich von 13 366 mit 13 861 726 Mark Cinlagen im Jahre 1913 auf 13 739 mit 14377 732 Mart im letzten Jahre. Also trotz dem Kriege rund eine halbe Million Mark an Einlagen mehr. b. Schlüchtern, sen drassan Kreises Schlüchtern wurde vom Lan alten kurbessischen Jagdgesetze jedes 1 b 0 Wild verboten. Die 12 sollen 1 5 darf nur in umstiedigten Revieren Oballen er 1 widerhandlung 8 5 23 werden. den 9 4 Bei Zu- en gegen das Verbot wurde zuständigen 2 Staarsrevte . N r 9 ern die vefugnis zum sosortigen Aoschuß des Wildes erteilt. X Danau, 26. März. Die Stadtverordneten haben beschlossen, den Magistrat zu ersuchen, Kartoffeln in größerer Menge zu beschaffen und diese an die Bürgerschast in Mengen, wie sie für die einzelnen Familien als Selbstverbraucher in Betracht kommen, so lange zu 10 Pit. für den Doppelzentner abzugeben, bis der Höchstpreis für den Doppelzentner weniger als 10 Mk. beträgt. h Dillenburg, 28. März. Beim leichtsinnigen Umgehen mit einem Gewehr schoß ein siebzehnjähriger Arbeiter seinem gleichalterigen Freunde eine Kugel in den Kops. Der junge Mann liegt hoffnungslos darnieder. Candwirtschaft. Günstiger Saatenstand in Oesterreich-Ungarn. Wien, 28. März.(WTB. Nichtamtlich.) Aus beiden Staaten des Reiches liegen sehr günstige Nachrichten über den Saatenstand vor. Die Ueberwinterung der Saaten dürste kei⸗ nen irgendwie nennenswerten Schaden gebracht haben. Die Ent⸗ wicklung der Saaten ist der Jahreszeit vollkommen entsprechend. Der Frühjahrsanbau ist überall im vollen Zuge. Witterung und Bodenbeschaffenheit sind überall günstig. Es verdient hervorgehoben zu werden, daß große Flächen, besonders in Böhmen und Mähren, infolge der Einschränkung des Rübenbaues über⸗ wiegend mit Brotgetreide und Gerste bestellt werden. Auch Ar⸗ beitskräfte sind überall genügend vorhanden. Nach menschlicher Voraussicht sind sichere Grundlagen für eine gute neue Ernte in den wichtigsten Getreidegattungen vorhanden. Gießener Strafkammer. th. Gießen, 26. März. Nötigung einer Behörde durch Drohung. Der Kaufmann Ferd. K., Teilhaber einer Firma in Friedberg, . sich bei Vergebung der Ofenlieferung für die Friedberger aserne benachteiligt; aber auch die anderen Eisenhändler in Fried⸗ berg fühlten fich mit der Vergebung der Lieferung, die durch einen Wettbewerb ausgeschrieben, an eine Gießener Firma vergeben worden war, in ihrem Recht auf Lieferung gekränkt. Man war in den betreffenden Lieferantenkreisen in F. der Ansicht, daß es bei dieser Ofenvergebung nach Gießen nicht mit rechten Dingen zu⸗ gegangen war, und hatte auch scheinbar einen gewissen Anhalt für diesen Glauben. Der Friedberger Kaufmann K. wandte sich an die Intendantur des 18. Armeekorps, welche in Friedenszeiten bei Submissionen auf Lieferungen und Arbeiten den Zuschlag erteilt, als er erfuhr, daß die Oefen von Gießen aus geliefert werden sollten. Als ihm von dieser Behörde bedeutet wurde, daß während des Krieges das Militär⸗Bauamt Gießen mit Zustimmung der Intendantur in zweifelsfreien Fällen bei Submissionen die Lie⸗ ferung vergeben dürfte, erhob K. Beschwerde an die Inten⸗ dantur, die er eingehend begründete, weil der Zuschlag zur Liefe⸗ rung der Oefen nach Friedberg an die Gießener Firma erteilt war und ersuchte um Wiederaufhebung des Zuschlags eventuell um die usicherung, daß man ihn bei der nächsten Arbeitsvergebung in ießen schadlos halten solle, da er sonst den Fall der Presse und einem Reichstagsabgeordneten unterbreiten werde. Der Angeklagte hat sich nach Ansicht der Militär⸗Baube⸗ hörde der Nötigung nach 8114 des StGB. schuldig gemacht, und es wurde deshalb Anklage vor dem 1 Friedberg erhoben, welches auf Freisprechung erkannt hatte. Ter Fall, welcher für die gesamten Unternehmerkreise großes Interesse hatte, wurde in die Berufungs⸗Instanz vor die Strafkammer Gießen ge⸗ bracht Durch die Beweisaufnahme wurde dargetan, daß das Militär⸗Bauamt bei Vergebung der Lieferung der Oefen vollkom⸗ men korrekt verfahren sei, wenn auch das Ausschreiben zu der Sub⸗ mission nicht genau erkennen ließ, welche Art von Oefen verlangt wurde. Man hatte einfach Germania⸗Oefen ausgeschrieben, von denen es 30 Sorten gibt, und es war, wie der Vertreter des An⸗ — 4 richtig hervorhob, das reine Lotteriespiel, wer gerade iejenige Sorte(Rippen⸗Oesen) anbot, welche die Militär⸗Bau⸗ behörde haben wollte. Dabei wurde festgestellt, daß im Militär⸗ Baubureau in Friedberg man auf Anfrage, welche Sorte Germania⸗ Oefen verlangt werden, keinen rechten Bescheid erhalten konnte. Die Strafkammer wax der Ansicht, daß die Freisprechung des An⸗ geklagten von den Schöffen zu unrecht erfolgt sei, dieser habe durch Drohung eine Behörde zur Vornahme einer Amtshandlung nötigen wollen, damit sei der 8 114 des StchB. erfüllt. Dem An⸗ geklagten müsse sein guter Glaube und die Erregung, in der er sich befunden, welche durch die anderen Friedberger Konkurrenten noch gesteigert wurde, zugute gehalten werden. Es wurden ihm weit⸗ ildernde Umstände zugestanden, so daß auf eine Geld⸗ straße von 50 Mark, im Unvermögensfalle 5 Tage Gefängnis erkannt werden konnte. Konkurs vergehen. Der Schneidermeister Georg H., früher in Gießen, betrieb unter der Firma Schw. Söhne Nachfolger am Platze ein Manufaktur⸗, Schneider⸗ und Restegeschäft. Er gab seiner Schneidereikundschaft Kredite, obschon er selber nur kapitalschwach war. Als der Krieg ausbrach, bezahlte die Kundschaft des H., die zum großen Teil zur Fahne eingezogen wurde, nicht mehr und die Firma brach zusam⸗ men. Es war im Geschäft weder ordnungsmäßige Buchführung vor⸗ handen, noch waren Bilanzen gezogen. Der Angeklagte entschuldigte sich damit, daß er als gelernter Schneider von der Buchführung keine Ahnung hat, auch der Vorgänger, der allerdings ein kapital⸗ kräftiger Mann war, hätte das Geschäft ohne Bücher geführt. Die Strafkammer faßte den Fall sehr milde auf, erkannte an, daß der Angell mit seiner Familie sehr sparsam gelebt hat und daß er ein Opfer des Krieges geworden sei. H. wurde zu einer Geld⸗ strafe von 20 Mark eventuell 4 Tage Gefängnis verurteilt. 2 Sünder gegen die Höchstpreise. Der Landwirt Herm. U. von Wölfersheim hatte Mitte No⸗ vomber v. J. 20 Zentner Kartoffeln à 6,80 Mark frei Bahn⸗ hof an einen Handelsmann verkauft, obgleich der Höchstpreis damals im Kreise Friedberg 6,50 Mark der Zentner war. Der Angeklagte erklärte, der Handelsmann habe erklärt, er wolle 30 Pfg. mehr geben, wenn er nur Kartoffeln bekomme. Daraufhin habe er die Ware sehr sorgsältig verlesen und das Geschäft gemacht. Die Strafkammer erkannte auf eine Geldstrafe von 25 Mark eventuell 5 Tage Gefängnis. Der Vertreter der Staatsbehörde hatte 100 Mark 1 beantragt.— Der 80 Jahre alte Landwirt Andr. w. H. von Oppershofen hat für seine Kar⸗ toffeln pro Zentner 7,50 Mark geboten bekommen und den Preis auch genommen. Er erklärte, er habe überhaupt Kartoffeln nicht verkaufen wollen, da sei ein Händler zu ihm gekommen und habe gesagt, die Kartoffeln könnten kosten, was sie wollen, er sei in Verlegenheit und zahle den Preis. Der Angeklagte erklärte weiter, er sei in Ehren alt geworden und habe von den Höchstpreisbe⸗ stimmun nichts gewußt. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 50 Mark und bemerkte dazu, daß die wirtschaftlichen Kriegsgesetze nur durchgesetzt werden können, wenn man eine Ueber⸗ tretung diefer Gesetze und Verordnungen gehörig bestraft. Die Strafkammer hielt aber auch in diesem Fall eine Geldstrafe von 25 Mark für ausreichend. ückfällige Diebe. Der 42jährige Arbeiter K. Ed. K. aus Schwanheim, der wieder⸗ holt wegen Diebstahls vorbestraft ist, hat sich wieder eines Rück salles schuldig gemacht. Er hat am Abend in einer Wirtschaft an einen Schreiner seinen Koffer mit Garderobe für 8 Mark ver⸗ kauft, am anderen Tag aber hat er den Koffer aus dem Gewahrsam des Wirtes genommen und hat das Althändler noch einmal zu Geld gemacht. c An en zu naten Gefängnis.— Elisabeth H. von Wetter ist,—.— sie erst 19 Jahre zählt, schon wiederholt wegen Dieb⸗ stahls vorbestraft. Sie hat gelegentlich eines Besuchs im Gießener Säuglingsheim eine Handtasche mit Portemonnaie und 7 Mark u 9 Die Straf⸗ Zubilligung mildernder Umstände den nhalt usw. mitgehen heißen. Die kl. will wegen des e ie Ee e Denen ee 6 d e PPC fremde Eigentum bei einem sch ͤĩÄͥ 45 * a Not gewesen und habe den Geldbetrag zn Ankauf von ein Paar Schuhen nötig gehabt. Das Gericht bewilligte der jugendlichen Angeklagten 2 Umstände und erkannte auf 3 Monate Gefängnis. Ein Tierfreund. Der in Grünberg geborene 22jährige Elektrotechniker Aug. Gr war zuletzt bei der Installation in Stangenrod tätig und wird be⸗ schuldigt, im Dezember v. J. nachts in zwei Fällen Stallhasen entwendet zu haben. Aus den Akten wird festgestellt, daß der Angeklagte zuerst einen Bienenstock entwendet, später aber einen Hasendiebstahl begangen und dafür bestraft wurde, also diese Tier⸗ freundlichkeit als Spezialist betreibt. Der Angeklagte ist ge⸗ ständig, in Stangenrod einmal einen Hasen mitgenommen zu haben, den zweiten Hasendiebstahl bestreitet er. Der Angeklagte ist als rückfälliger Dieb zu bestrafen. Die Strafkammer billigte— 2 G. f mildernde Umstände zu und erkannte auf eine Gefängnisstrase von 3 Monaten unter Anrechnung von 25 Tagen Untersuchungshaft auf 1 die Strafe. N Die Strafkammer zog dann durch Urteil ein falsches 1ʒ⸗Mark⸗ stück ein und verurteilte die Militärpflichtigen Wilh. Friedrich, unbekannten Aufenthalts, Reinhold Gerhard, zuletzt in Edin⸗ burg, England, und den Studiosus Urbansky, in Warschau wohnhaft, Nichtstellung zur Militärpflicht, zu je einer Geld⸗ 2 strafe von 300 Mark eventuell 30 Tage Gefängnis. 1 ———— 1 Dermischtes. 7 “ Deutsche Modeschau. Aus Berlin wird vom* 27. März berichtet: In der Wandelhalle des Abgeordneten⸗ hauses fand eine vom deutschen Werkbund veranstaltete, unter 15 dem Protektorat der Kronprinzessin stehende Vorführung von Früh⸗ 4 jahrs- und Sommerkleidern statt, welche die Probe darauf bedeuten 90 sollte, ob die deutsche Modeindustrie in der Lage ist, sich von der Pariser Vorherrschaft sreizumachen. Damen und Herren der ersten Gesellschast Berlins folgten überaus zahlreich der Einladung des Werkbundes. Geh. Kommerzienrat Bruckmann-Heilbronn begrüßte 1 die Erschienenen und legte in packenden Worten die überaus erust⸗ haften Ziele der Veranstaltung dar. Der Ausbruch des Weltkrieges bedeutete für diese schon lange vorbereiteten Bestrebungen ein„Jetzt oder Nie“. Die nun beginnenden Vorführungen waren die Schöpf- ungen von acht großen Berliner Modehäusern und erweckten bei allen Teilnehmern die Ueberzeugung, daß es lediglich eine Frage des Selbstvertrauens und des Willens ist, ob die Formgebung der deutschen Frauenmode sich sortan ganz auf eigene Füße stellt. Die sachlichen Vorausetzungen sind sicherlich alle gegeben. Bismarckseier in Wien. Der deut chnationale Verein für Oesterreich begeht die 100jährige Geburtstagsseier des ersten Reichskanzlers im großen Konzerthaussaale in Wien unter Mit⸗ wirkung des Schubertbundes. Die Gedenkrede hat Reichstags⸗ abgeordneter Dr. Werner-Gießen übernommen. Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Dienstag, den 30. und Mitt woch, den 31. März 1915: Passahfest. 5 1. Tag: Vorabend: 6.45 Uhr. Morgens: 8.30 Uhr. Nachmittags: 4 Uhr. 2. Tag: Vorabend: 7.45 Uhr.. Morgens: 8.30 uhr. Nachmittags: 4 Uhr. Abends: 7.45 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. 9 Dienstag, den 30. und Mittwoch, den 31. März 1915: 0 Passahfest. 1 1. Tag: Vorabend 6.40. Vormittag 8.00. Predigt. Nachmittag 4.00. 2. Tag: Vorabend 7.40. Vormittag 8.00. Nachmittag 4.00. Festesausgang 7.40. Wochengottesdieust morgens 6.30, abends 7.45. —— r 2 o ů⁵Ä—ñů—— 53 Amtlicher Wetterbericht. 2 Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. 9 Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 30. März 1915 Wolkig, meist trocken, wechselnde Winde. 17 Letzte Nachrichten. * Ein Transport von tausend russischen Gefangenen kam heute morgen hier an und wurde im 1 Gefangenenlager untergebracht. 1 1* Predigt. — Neue Truppenverschiebungen in Rußland. Wien, 29. März. Die„Wiener Allgemeine Zeitung“ meldet aus Bukarest: In Süd⸗ und Mittelrußland ist der Bahnverkehr vollständig in den Dienst der Militärverwaltung gestellt. Wie ver⸗ lautet, findet eine Umgruppierung der russischen Streitkräfte statt. —Bukarester Blättern zufolge seien die Verluste der Russen in den Karpathen derart schwer, daß mehrere Regimenter gänzlich ver⸗ schwunden sind. f Die Haltung Griechenlands. Konstantinopel, 29. März. Ein Teil der englisch⸗ran⸗ zösischen Flotte, die am 18. März schwerbeschädigt die Dardanellen verlassen mußte, war, wie Deveschen aus Saloniki melden, nach Saloniki geschleppt worden, um dort, wie seit Wochen Verwundete aus zuschiffen und Proviant einzunehmen. Jetzt hat die griechische Regierung entgegen ihrer bisherigen Haltung die Wieder⸗ abfahrt binnen 24 Stunden gefordert, um ihre strenge Auffassung der Neutralität seit dem Sturze Venizelos noch zu bekunden. Da somit auch die kleinsten Reparaturen wegfallen mußten, wurden die Schiffe sofort nach Malta geschleppt. Der bekannte Brief des Vizeadmirals Pears, der sortgesetzt das größte Aufsehen erregt, wird heute hier im Original in englischer Handschrift veröffentlicht. 1 Der griechische Marineminister über die Lage an den Dardanellen. Kopenhagen 29. März. Der Athener Korrespondent des„Corriere della Sera“ hatte eine Unterredung mit dem 2 9 1775 Marineminister Stratos, der das Dardanellen⸗ unternehmen sehr skeptisch beurteilte. Mit der Flotte allein würden die Verbündeten nicht zum Ziele gelangen. Schwierig sei es ferner, eine etwaige Besetzung Konstanti⸗ nopels aufrecht zu erhalten, falls man nicht das türkische Heer in Thrazien vernichte. Der Korrespondent fügt hinzu, die englische Diplomatie arbeitet auf Leben und Tod, um Griechenland schließlich doch noch für die Sache der Dar- danellenforcierung zu gewinnen. Eine neue deutsche Zeitschrift in Spanien. Amsterdam, 29. März.„Daily Telegraph“ berichtet, daß in wen Tagen eine Feng ausgestattete und interessante Zeitschrift unter dem Titel Germania“ in Barcelona er⸗ einen werde. Ihr Zweck sei, die bisherigen guten Beziehungen zwischen Spanien und Deutschland zu fördern. Ihr Herausgeber ist der bekannte Journalist Louis Almerich. Denkt daran, daß auch das Brot zn unseren Waßen ge⸗ bit. Enrrsauftit nit den Bret it dricgöpfigt.. 8 — — * „jJͤͥͤͥ ³˙ÜAm ß eh, Es hat Gott dem Allmächtigen lieben Philister Pfarrer i. P. am 25. März 1915 im 75. Lebensjahre Der Giessener Wingolf. 2926 I. N. u. A.: Da a b Aiisfillirtng enpsiehili August Hildebrand css A, 00 theol. gefallen, unseren zu sich zu rufen. % einfacher uud eleganter Modewarenhaus CARL NOWACK Aas Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teil— nahme, sowie für die zahlreichen Blumen— spenden beim Tode unseres lieben Sohnes sagen hiermit herzlichsten Dank Alfred Thormann u. Frau. Gießen, den 29. März 1915. 1. Ihre am 27. März vollzogene Kriegstrauung geben bekannt Albert Haake Leutnant der Reserve Frau Liesel Haake geb. Klein. Giessen, 29. März 1915. Alice-Schule. Beginn sämtlicher Kurse in der Koch- und Haus⸗ haltungsschule, im Kleidermachen, Weiß zeug⸗ Nähen und Bügeln am Mittwoch, den 7. April 1915 Letzter Anmeldungstermin 2604 Santstag, den. 3. April, von 10 bis 6 uhr]! im Schulhaus, Steinstraße 10. Kpabenpensonat Goelheschüle, O fenbaeh 4. MI Privat- Neat- u. Pandelsschule, verb. mit borschule, ertellt Einsahrigenzeugnis- Sorgf. Ueberwach. d. Schularbeit. Gr. Garten. Neubau m. Zentralh., el. Licht. Mäß. Pensionspreis. Gute Verpfleg. u. Aufsicht. Prospekte durch d. Direktion. 1708ss! Ciessener Paedagogium JIecpbeabsichtige, im neuen Schul— jah die Andghen in besen- deren Klassen, Setrenut von den Jungen, zu unterrichten. An- meldungen zu den bekannten Be- dingungen Prospekt und Jahres- bericht unentgeltlich) werden für Mädchen nur bis zum 10. April entgegen genommen. Aufnahme vom 9. 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