Nr. 69 Der Sleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: Erstes Blatt viermal wöchentlich Sletzener Famlllenblätter; eimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land wlrtschaftliche deitfragen Nernsprech- Anschlüsse: sür die Schriftleitung 112 Berlag, Geschafts stellebl Adresse für Drahtnach⸗ richten Anzelger Sleßen. me von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. 1ᷓ590ũ. Jahrgang 0 jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch dis Post Mt. 2.— viertel 0 jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pi, 5 ausw. 20 Uf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. General-Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch- und steindruderei n. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Beck, sämtlich in Gießen Dienstag, 23. März 1915 Bezugso re monatl. 75 Pf., viertel- Verantwortlich für den politischen Teil und das Zeuille ton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. przemysl gefallen. Deutsche Erfolge im Often. TB.) Großes Hauptquartier, 22. März. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Ein nächtlicher Versuch der Franzosen, sich in den Be⸗ sitz unserer Stellung am Südhang der Loretto⸗Höhe zu setzen schlug fehl. 2 g Auch in der Champagne, nördlich von Le Mesnil, scheiterte ein französischer Nachtangriff. Alle Bemühungen der Franzosen, die Stellung am Reichsackerkopf wiederzugewinnen, waren erfolglos. Oestlicher Kriegsschauplatz. Aus Memel sind die Russen gestern nach kurzem Gefecht füdlich der Stadt und hartnäckigem Straßenkampf wieder vertrieben worden. Unter dem Schutz der russi⸗ schen Truppen hat hier russischer Pöbel sich an Hab und Gut unserer Einwohner vergriffen. Privateigentum auf Wagen geladen und es über die Grenze geschafft. Ein Bericht über diese Vorgänge wird noch veröffentlicht werden. 1 Nördlich von Mariam pol erlitten die Russen bei abgewiesenen Angriffen schwere Verluste. Westlich des Or zue, bei Jednorozek und nordöstlich von Prasznisz, sowie nordwestlich von Ciechanow brachen rus⸗ sische Tag⸗ und Nachtangriffe unter unserem Feuer zusam⸗ men, 420 Gefangene blieben bei diesen Kämpfen in un⸗ „ serer Hand. Oberste Heeresleitung. N 1— 1 0 Der neueste Erfolg der Russen, die Einnahme der Festung Przemysl, bedeutet kein besonderes Ruhmesblatt für sie. Seit 4½¼ Monaten waren alle ihre Angriffe auf die von ihnen belagerte Festung gescheitert. Wenn man die schnellen Siege der deutschen Waffen über belgische und französische Festungen zum Vergleich heranzieht, erscheint die russische Tapferkeit in keinem glanzvollen Lichte. Przemysl lag wie] Kraft. eine Insel in einem brandenden Meere von Feinden; dennoch mützte den Russen ihre große Ueberzahl nichts, und die tapfere Besatzung hielt bis zuletzt wacker stand; nur durch Hunger und Propiantmangel getrieben, öffnete sie dem Feinde die Pforten der Stadt. Die Russen werden einige Tausend Ge⸗ fangene machen, aber auf die Besitznahme von brauchbarem material verzichten müssen, denn die österreichisch⸗ e Verteidiger haben die Befestigungen, alle Forts, Munition, vor der Uebergabe zerstört. Przemysl war bekanntlich im vorigen Herbst schon ein⸗ mal von den Russen belagert, nachher aber glücklich entsetzt worden. Diese erste Belagerung hatte 23 Tage gedauert; am 11. Oktober wurden die Russen zurückgetrieben, wobei sie etwa 15 000 Mann in den Händen der Oesterreicher lassen mußten. Vorher schon hatten sie schwere Verluste erlitten; 5— Russen waren bei den Anstürmen auf die Festung 5 en. U Ueber den letzten Ausfall der Besatzung am 19. März waren in Wien rühmliche Angaben gemacht worden; durch die Uebermacht wurden die österreichisch-ungarischen Truppen zwar gezwungen, sich wieder hinter die Wälle zurückzuziehen, allein sie haben sich tapfer geschlagen und sind nicht besiegt worden. Längerer Widerstand wäre aussichtslos gewesen, denn auf den Höhen der Karpathen sind unsere Bundesgenos— sen zwar in langsamem Vorrücken begriffen, allein an die Entsetzung der Festung konnte noch nicht gedacht werden. Nach den letzten Wiener Meldungen tobt in den Karpathen eine neue Riesenschlacht, deren Entscheidung mit großer Spannung erwartet wird. Der Mittelpunkt dieser neuen Kämpfe liegt im Westen und Südosten von Przemysl, bei Dukla, Uzsok und Lupkow, wo die Russen, die in ungeheurer Zahl angestürmt sein sollen, fürchterliche Verluste erlitten haben sollen. Wir wollen hoffen, daß dort die russische Macht gebrochen werden kann. Die deutschen Waffen sind den Russen gegenüber nach wie vor glücklich. Aus Memel sind die russischen Horden hinausgeworfen worden, und an anderen Stellen des nordöstlichen Kriegsschauplatzes, in Feindesland, sind Angriffe der Russen erfolgreich zurückgeschlagen wor— den. Mariam pol, das in der neuesten amtlichen Meldung genannt wird, liegt etwa 40 Kilometer östlich von der Grenz— stadt Eydtkuhnen; die Russen erlitten dort bei abgewiesenen Angriffen schwere Verluste. Die andern von der obersten Heeresleitung genannten Gefechte spielten sich in Polen, nördlich der Weichsel ab. Der Orzyc uist ein Nebenflüßchen des Narew; sein mittlerer Lauf liegt etwa 15 Kilometer von Prasznisz entfernt. Der Fall von Przemyfl. Wien, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird berlautbart: 22. Mürz 1915. Nach 4½ monatiger Einschlie⸗ zung am Ende ihrer Kräfte angelangt, ist die e stung Przemysl am 22. März in Ehren gefallen. Als die Verpflegungsvorräte Mitte dieses Monats knapp zu werden begannen, entschloß sich General der In⸗ lerie v. Kusmanek zum letzten Angriff. Die Ausfalls⸗ Kuppen brachen am 19. ds. Mts, zeitig morgens über die Gürtellinie vor und hielten in siebenstündigem Gefecht gegen starke russische Kräfte bis zum Aeußersten stand. Schließ- lich zwang die Ueberlegenheit der Zahl zum Zurückgehen hinter die Gürtellinie. In den folgenden Nächten gingen die Russen gegen mehrere Fronten von Przemysl vor. Diese Kämpfe brachen gleich allen früheren in dem Feuer der tapfer verteidigten Besestigungen zusammen. 1 Da nach dem Ausfalle am 19. dieses Monats auch die dußerste Beschränkung in der Verpflegration nunmehr . einen dreitägigen Widerstand gestattete, hatte der Festungskommandant mittlerweile den Befehl erhalten, nach Ablauf dieser Frist und nach Vernichtungdes Kriegs⸗ materials den Platz dem Feinde zu überlassen. Wie ein . der Festung meldete, gelang es tatsächlich, die orts samt Geschüten Munition und Befesti⸗ gungsanlagen zu zerstören. Dem opfermütigen Ausharren und dem letzten Kampfe der Besatzung gebührt nicht minderes Lob als ihrer Tapferkeit in den früheren Stürmen und Gefechten Diese Anerkennung wird auch der Feind den Helden von Przemysl nicht versagen. a ö Der Fall der Festung, mit dem die Heeresleitung seit längerer Zeit rechnen mußte hat keinen Einfluß auf die Lage im Großen, Bei der Feldarmee dauern die Kämpfe im Karpathenabschnitt vom ÜUzsoker Paß bis zum Sattel von Konieczna an. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Wien, 22. März.(WTB Nichtamtlich.) Feldmarschall Erzherzog Friebrich hat nachstehenden Armee befehl erlassen: Nach viereinhalbmonatigen, heldenmütigen Kämpfen, in denen der rücksichtslos und zähe, aber stets vergeblich anstürmende Feind ungeheure Verluste erlitt, und nach blutiger Abwehr seiner noch in der letzten Zeit, insbesondere am 20. und 21. März, Tag und Nacht untornommenen Versuche, die Festung Przemysl in die Hand zu be⸗ kommen, hat die heldenmütige Besatzung der Festung, die noch am 19. Marz mit letzter Kraft versuchte, den übermächtigen Ring der Einschließung zu sprengen, durch Hunger gezwungen, auf Befehl und nach Zerstörung aller Werke, Brücken, Waffen, Munition und Kriegsmaterial aller Art die Trümmer von Przemysl dem Feinde überlassen. Den unbesiegten Helden von Przemysl unseren kame⸗ radschaftlichen Gruß und Dank. Sie wurden durch Naturgewalten, nicht durch den Feind bezwungen, sie bleiben uns ein hehres Vor⸗ bild treuer Pflichterfüllung bis an die äußerste Grenze menschlicher Verteidigung von Przemysl bleibt für alle Zeiten ein leuchtendes Ruhmesblatt unserer Armee. Feldmarschall Erzherzog Friedrich. Berlin, 23. März. Den Helden der gefallenen Frstung Przempsl widmen die Morgenblätter warme Worte. Die„Vos. eitung“ sagt: 20 Wochen hat die Festung in heldenmütigem se allen üffsversuchen der Russen Widerstand geleistet. Durch zahlreiche Ausfälle wurde die Verteidigung in offensivem modernem Sinne geführt. Die Ausfälle fesselten starke anderen Stellen fern. Damtt hat die Festung eine der wichtigsten russische Kräfte und hielten sie von ihrer Verwendung an Aufgaben erfüllt und sehr wesentlich zu dem bisherigen glücklichen 1 der Operationen beigetragen. Es ist ein trauriges Schick⸗ sal, daß die Besatzung trotz ihres heldenmütigen Widerstandes und trotz aller erfolgreichen Ausfälle sich schließlich doch hat ergeben müssen. Es liegt ein gewisser Trost darin, daß es nicht die feind⸗ liche Wafsenwirkung gewefen ist, die diesen unglücklichen Ausgang herbeigeführt hat, sondern daß es äußere Einflüsse waren, gegen die jede menschliche Macht wir kungslos bleibt. Im„Berl. Lokalanzeiger“ heißt es: Es liegt uns fern, den Verlust, den unser tapferer Bundesgenosse erlitten hat, verkleinern zu wollen. Wir sind aber auch überzeugt davon, daß unser Bundesgenosse nach kurzem traurigen Gedenken ebenso stolz und entschlossen sein Haupt erheben wird, um der durch den Fall der Festung geschaffenen Lage mit altbewährter Tapferkeit gerecht zu werden. Das„Berliner Tageblatt“ führt aus: Es unterliegt keinem Zweifel und muß auch von dem Feinde anerkannt werden, daß der Verteidiger General von Kusmanek und seine Truppen in höchstem Maße ihre Pflicht getan, den äußersten Mut und die zäheste Ausdauer bewiesen und bis zum letzten Augenblick die ihnen anvertraute Festung gehalten haben. Die Russen hätten dieser Verteidigung gegenüber wahrscheinlich nie einen entschwiden⸗ den Erfolg erzielt, wären nie in den Besitz der Festung gelangt, wenn nicht der Proviantmangel und der Hunger die Besatzung zur Uebergabe gezwungen hätten. Die„Deutsche Tageszeitung“ sagt: Die Festung ist nicht durch die russischen Waffen, sondern durch Hunger bezwungen worden, so daß nicht den Russen, sondern wur der Besatzung Ehre darüber erwächst, die 4½ Monate hindurch alle Angriffe des Feindes erfolgreich Stand gehalten hat. Die Voltsernährung in desterreich. Wien, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Den Blättern zufolge ergab die Aufnahme der Getreide- und Mehl vorräte in ganz Oesterreich ein sehr befriedigendes Ergeb nis. Mehrere Provinzen verfügen über ansehnliche Ueber schüsse über den Bedarf bis zur Einbringung der neuen Ernte. Immerhin ist Oesterreich— namentlich für die Ver sorgung mit Mais auf die Mithilfe Ungarns an⸗ gewiesen. Es sind Verhandlungen darüber im Zuge. Auch die Frage der Einführung der Brot- und Mehlkarten bildet den Gegenstand eingehendster Beratungen und Ermitt lungen. Die in der letzten Woche in Wien vorhandenen Schwierigkeiten bezgl. der Brotvpersorgung sind bereits be hoben. Die Broterzeugung ist bereits vollständig normal, Rußlands finanzielle Klemme. Petersburg, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Ruß land plant Monopole auf Tee, Zündhölzer, Petroleum einzuführen und die Elektrizität zu besteuern mit Ausnahme der für den Fabrikbetrieb benötigten. Der Rubelturs in London. Kristiania, 22. März(WTB Nichtamtlich.)„Norges Handelstidende“ berichtet über den Rubelkurs in Lon don: Für 10 Pfund Sterling müssen jetzt 115,5 Rubel bezahlt werden. Der zubel steht also rund 20 Prozent unter normal, da normalerweise dafür etwa 95 Rubel genügten. Unsere Zeppeline über Paris. Paris, 22. März.(WT Nichtamtlich) Meldung der „Agence Havas“. Zwischen ½%2 Uhr und 3 Uhr morgens flogen vier Zeppeline aus der Richtung Compie g ne gegen Paris, dem Oise⸗Tal folgend. Zwei wurden zur Umkehr gezwungen, bevor sie Paris erreichten. Die anderen wurden von der Abwehr⸗ artillerie angegriffen; sie überflogen nur ein Viertel der nord⸗ westlichen Parifer Peripherie und die benachbarten Gebiete. Nach⸗ dem sie 12 Bomben geworfen hatten, von denen einige platzten, zogen sie sich zurück. Der Sachschaden ist unbedeutend. Sieben oder acht Personen wurden getroffen, eine davon schwer. Verschiedene Luftschiffabwehrposten eröffneten das Feuer auf die Zeppeline. welche ständig von Scheinwerfern beleuchtet waren. Ein Zeppelin wurde anscheinend getroffen. An der Aktion nahmen auch Flu g⸗ zeuggeschwader teil, aber Dunst behinderte die Verfolgung. Zusammengefaßt kann man sagen, daß der Zeppelinüberfall auf Paris völlig mißlangen ist. Er gestattete, das gute Arbeiten der Verteidigungsmaßregeln festzustellen. Die Parifer Bevölkerung war ausnehmend ruhig. Auf der Rückfahrt warfen die Zeppeline zwölf Brandbomben auf Compiègne, welche unbedeutenden Sachschaden verursachten. Drei andere Bomben trafen ohne Erfolg Ribe au⸗ court und Dillincourt nördlich Compiegne. 5 Paris, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Matin“ meldet: Bei Pont⸗ a Mousson flog ein Zeppelin in der Richtung auf Nancy zu, mußte aber infolge des Feuers der fran⸗ zösischen Artillerie umkehren. Berlin, 23. März. Wie der„Tägl. Runschau“ aus dem Haag gemeldet wird, wurde die Zahl der über Paris abgeworfenen Bomben nunmehr auf über 45 fest⸗ gestellt. Neun Häuser sollen vernichtet sein. Der amtliche französische Bericht. Paris, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht vom 21. März abends: Der Feind hat erneut mit 27 Granaten die Kathedrale von Soissons beschossen, welche stark gelitten hat, und auf der entgegen den deutschen Angaben niemals ein Posten oder ein Observatorium errichtet, oder die Rote⸗Kreuz⸗ Flagge gehißt war. In der Champagne rückten wir am 20. März leicht östlich der Höhe 196 nordöstlich Le Mesnil vor. Am 21. März fand nur ein einfaches Bombardement statt. In den Argonnen den ganzen Tag ziemlich heftiges Gewehrfeuer ohne Infanterieangriff. In Eparges behaupteten wir die gestri⸗ gen Gewinne, trotz zweier heftiger Gegenangriffe, welche mit schwe⸗ ren Verlusten für den Feind zurückgeworfen wurden. In den Vo⸗ gesen gewannen wir den Kleinen Reichsackerkopf wieder, nachdem wir gestern den Großen und den Kleinen Reichsackerkopf verloren hatten. Unser Gegenangriff, um den Großen Reichsackerkopf wieder zu nehmen, dauert fort. Die Verluste der Engländer bei Neuve Chapelle. Manchester, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der Londoner Korrespondent des„Manchester Guardian“ erfährt von einer Seite, die die vorliegenden Berichte einsehen konnte, daß die gesamten Verluste der Engländer bei Nieuve Chapelle 8000 bis 9000 Mann betragen haben. Ueber 1000 verwundete Inder sind bereits in England ange⸗ kommen. London, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die neuen Ver⸗ lustlisten geben die Verluste an britischen Offizieren in den Ge⸗ fechten bei Neuve Chapelle und St. Eloi auf 724 Mann an. Kitcheners Bitte an die Arbeiter. London, 22. März.(WTB Nichtamtlich) Lord Kit⸗ chener hat einen Brief an den Sekretär der Gewerkschaft der Hafenarbeiter in Liverpool gerichtet, um die Arbeiter zu bewegen, auch am Samstag zu arbeiten. Die Sitte, Samstag zu feiern, war kürzlich eingerissen wodurch die bereits bestehende Stockung in den Häfen noch größer wurde. Die Verhältnisse in Liverpool sind schon seit Beginn des Krieges unbefriedigend. Im Londoner Hafen ist der Streik der Hafenarbeiter beigelegt. Ein feindlicher Flieger über Müllheim i. B. Müllheim Baden), 22. März. feindlicher Flieger drei Bomben über der Stadt und der Artilleriekaserne ab. Ein Mann wurde schwer, zwei leicht ver⸗ letzt. Erfolgreich unterdrückte Ausschreitungen in einer belgischen Kreisstadt. Brüssel, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) In der Kreisstadt Ternath machte eine Anzahl Belgier bei Ge⸗ legenheit der von den deutschen Behörden ausgeübten An⸗ wesenheitskontrolle einen Versuch, Ausschreitungen gegen die mit der Aufsicht betrauten Landsturmleute zu begehen. Bei dem pflichtmäßigen Gebrauch der Waffen gegen die Rädelsführer wurden fünf von diesen verletzt, zwei davon sind ihren Wunden erlegen. Nur dem ebenso tatkräftigen wie maßvollen Eingreifen der deutschen Soldaten ist es zu danken, daß es gar nicht erst zu bedenklicheren Auftritten und nachteiligen Folgen für die Stadt und die Bevölkerung gekommen ist. 5 Der Seekrieg. Berlin, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Wozu England neutrale Dampfer ausnutzen möchte, und was deutsche U-Boote von Schiffen unter neutraler Flagge unter Umständen zu erwarten haben, zeigt folgende Aussage neutraler Schiffsoffiziere: Der Kapitän John Hanßen und der erste Offizier Janßen, beide ame rikanische Bürger von dem amerikanischen Dampfer „Oliver J. Olson“, haben übereinstimmend folgendes aus- gesagt? Wir fuhren von Savannah um Schottland nach Bre⸗ men. Ber der Insel Foula im Westen Schottlands kamen von dem englischen Hilfskreuzer„Gelhti ein Leutnant, ein Kadett und sechs Seeleute an Bord, die uns nacht Kirkwalk brachten. Während diefer Fahrt erklärte der Leutnant, der die Führung des Schiffes übernommen hatte, er würde, wenn ein deutsches U. Boot erschiene, solches mit dem„Oliver J. Ol⸗ son“ in Grund zu bobren ver suchen. Weun der uwert⸗ Abends 7 Uhr warf ein r f 8 J der aut sein. Diese den 1 Orten zu erregen. Man müf die Kab! sachverständige des„Corriere della Sera“ führt den Verlust des Man habe den Eindruck, daß die türkischen Kñanonen unter hervor, dessen welche sit daß ein Alliierten durch die zwei und spricht die Anzeichen neuer Ereignisse sei.„Liberal“ erklärt, die Re⸗ 88 2 kanische Kapitän ihm auch gleich antwortete, das möge er mit einem neutralen amerikanischen Schiffe nur einmal versuchen, so zeigt doch die Aeußerung dieses englischen Offiziers jedenfalls wieder einmal, wie die Engländer die Rechte der Neutralen einschätzen. Amsterdam, 22. März.(WTB. Nichtamtlich Ein Blatt meldet aus: Ein deutsches Unterseeboot tor⸗ pedierte am Sonntag nachmittag den Dampfer„Cern⸗ torr“, der von Newrastle nach Genua unterwegs war, bei Beachh Head. Der Dampfer sank, die Mannschaft wurde gerettet. Rotterdam, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ meldet aus London: Der Dampfer „Cairntorr“, der eine Ladung Steinkohlen führte, wurde 11 Meilen von Beachy Head torpediert. Er fuhr im Augenblick der Explosion in westlicher Richtung. Der Steuermann sah den Tor⸗ pedo, bevor das Schiff getroffen wurde. Die Explosion war sehr stark, aber die Mannschaft war imstande, ohne Schwierigkeiten die gu Boote flott zu machen. Rettungsboote von Eastbourne und New⸗ haven eilten herbei. Das deutsche Unterseeboot wurde in einer Entfernung von etwa 300 Metern gesehen. Zwei deutsche Unterseeboote vor Gibraltar? Höln, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Köln. Ztg.“ berichtet aus Madrid vom 15. März:„El Debate“ behauptet aus bester Quelle zu wissen, daß sich in den Ge⸗ wässern von Gibraltar zwei deutsche Unterseeboote befanden, die bei der Verfolgung zweier englischer Kriegs⸗ schiffe einige Stunden zu spät ankamen. Die englischen Behörden hatten hiervon Kenntnis, bewahrten aber das größte Stillschweigen. Kämpfe in Belgisch⸗Kongo. Paris, 22. März.(WTB. Nichtamtlich) Der„Matin“ mel⸗ det aus Le Hapre: Nach einem amtlichen Bericht des Generalgou⸗ verneurs von Belgisch⸗Kongo haben sich die Franzosen und Belgier im Verlaufe'der Operationen im Sanga⸗Ge⸗ biete nach dreitägigen heftigen Kämpfen am 22. Dezember der Station Mol un du bemächtigt. Der belgische Dampfer„Luxem⸗ burg“ versenkte während des Kampfes das deutsche Boot„Bonga“. Aus Deutsch⸗Südwestafrita. Swakopmund, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus: Eine starke Abteilung berittener Trup⸗ pen kam am 20. März mit dem Feind in Berührung, der sich in einer stark befestigten Stellung eingegraben hatte und durch Feldartillerie und Maschinengewehre unterstützt wurde. Ein hef⸗ tiges Gefecht folgte. Die Operationen wurden von Botha ge⸗ leitet Zur Zeit der Absendung dieses Telegramms dauert der Kampf noch fort. Unsere Verluste scheinen ziemlich schwer 1 sein. Der Schauplatz des Kampfes ist der Bezirk um Barre n⸗ o pie. *** Die Verteidigung der Dardanellen. London, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Eine Mitteilung der Admiralität sag, daß infolge der Verluste durch treibende Minen der Angriff auf die Dardanellen nicht bis zu Ende verfolgt wurde.. Konstantinopel, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die „Agence Milli“ veröffentlicht folgendes: Der Feind gefällt sich darin, phantastische Nachrichten über angebli che Meinungs⸗ verschiedenheiten zwischen En ver Pascha und Ta⸗ laat Bey zu verbreiten. Obwohl solche Absurditäten jede Zurück⸗ weisung erübrigen, sind wir nichtsdestoweniger ermächtigt, bei dieser Gelegenheit zu erklären, daß engste Uebereinstimmung in den An⸗ sichten und Zielen, sowie vollkommene Harmonie zwischen den verschiedenen Mitgliedern der Regierung wie zwischen der Regie⸗ rung und dem Volke besteht. a ö Mailand, 22. März.(WTB. Nichtamtlich) Der Marine⸗ „Irresistible“ auf die Wirkung der türkischen Kanonen zurück. deutscher Leitung ihre Pflicht getan hätten, was man nicht im gleichen Maße von der Flotte der Alliterten sagen könne. Dieses gehe aus der Absetzung des Admirals Car den rkrankung nur ein Vorwand sei. Der Verlust 925 die Unbrauchbarkeit zweier Panzer sei für Frankreich be⸗ ächtlich, da es nicht mehr über viele Schiffseinheiten verfüge, von der Westküste entfernen könnten.—„Serolo“ meldet, anzösischer Panzer, der an der Beschießung der Darda⸗ nellen teilgenommen hat, in Malta eintraf, um die erlittenen schweren Beschädigungen auszubessern.. Konstantinopel, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier meldet: Auch heute herrschte in den Dardanellen Ruhe. Berlin, 23. März. Ueber französische Ver⸗ stärkungen für die Dardanellen berichtet ein Telegramm der„Voss. Ztg.“ aus Athen, demzufolge die Flotte der französischen Ueberdreadnoughts „France“ und„Courbet“ sowie die vier Dreadnoughts ff Tor 2„Diderot“*** und ünf Torpedojäger verstärkt werden soll. Zwei englische Linienschiffe seien bereits eingetroffen. Der türtische Feldzug gegen Aegypten. Konstantinopel, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter Syriens veröffentlichen eine Proklamation des Ober⸗ besehlshabers der Expeditionsarmee gegen Aegypten, Die mal Pasch a, worin er die lügenhaften Gerüchte über die erste offensive Erkundung gegen den Suezkanal kategorisch dementiert. Die Proklamation kündet ferner an, daß die Armee lebhafte Vorbe⸗ reitungen für die späteren Operationen treffe, worüber bald Nach⸗ richten bekannt 4 7 werden würden. Sie mahnt zur Ruhe 0 die ie 3* 3—* ꝙ— Hilfe in Kairo einziehe. Die Proklamation besagt au em, die türkischen Lerlse bei der erwähnten Erkundung waren: 14 Pte ziere getötet, 18 verwundet und 18 vermißt, 109 Mann getötet, 296 verwundet, 446 vermißt, diese wahrscheinlich gefangen. ö Ein neuer Aufstand in Marokko? Paris, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.)„Temps“ meldet aus Madrid: Aus Tanger wird 9 tet, daß die Debala⸗Kabylen, mit Ausnahme der Wadras⸗Kabylen und Anglera⸗Kabylen, Raisuli zum Sultan ausgerufen ätten. Die Krieger der stämme kommen täglich nach anger, um Lebensmittel aufzukaufen, was gewöhnlich das gierung müsse infolge der Proklamierung Raisulis auf der sei anscheinend erfolgt, um Unruhen in N se erwarten, daß en in der spanischen Zone die unter⸗ stützen, die eine große Ausdehnung annehmen könne.— Dato erklärte einigen Journalisten, er U bisher keine amtliche Bestätigung von der Proklamierung Raisulis. Schwedische Sympathie. Stockholm, 22. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der schwedische Reichstagsabgeordnete Hildebrand ver fent⸗ lichte dieser Tage ein Buch, betitelt:„Ein starkes Vol 1 welchem er die Eindrücke schildert, die ihm eine Reise dur Deutschland im Dezember und J Das Buch, das von der Kritik sehr günstig beurteilt wird, enthält 16 Einzelstudien, die alle von der wärmsten und auf⸗ richtigsten Sympathie für das deutsche Volk erfüllt sind. Be⸗ sonde res Interesse erweckt hier der Teil, der den Wechfel in sozialökonomischer und sozialpolitischer Hinsi t, wie ihn der Krieg herbeigeführt hat, behandelt. In erten Worten anuar gebracht habe. chs vertreten, einen angesehenen Platz geschaffen te. S die das deutsche Gesellschaftsleben in wenigen Monaten in völlig neue Bahnen lenkte. China und Japan. Petersburg, 22. März(WTB Nichtamtlich.) In der Mandschurei kommen fortgesetzt japanische Trup⸗ pen an. Wie die„Rußkoje Slowo“ aus Peking berichtet, meldet die dortige offtziöse Zeitung„Ashianahe“, über einen großen Teil der mit Japan zur Verhand stehenden Punkte sei eine. erzielt worden, in allen Fragen, die die Integrität Chinas berühren, blieben aber beide Teile fest bei ihrem entgegengesetzten Standpunkte. Gestern erhielt China die Nachricht von einer Kundgebung der japanischen Flotte. Das japanische Heer steht zum Abtransport bereit; wenn im Laufe der Woche eine Eini⸗ ng nicht erfolgt, droht Japan vorzugehen. Aber jeder Chinese ist bereit, für sein Vaterland zu kämpfen und zu sterben. Aus Stadt und tand. Gießen, 23. März 1915. Das tägliche Brot. Wer uns vor einem halben Jahre noch hätte 45 wollen, daß wir unsern Brot⸗ und Kuchenverbrauch bald nicht mehr vom eigenen Geldbeutel, sondern vom Staate regeln lassen, daß wir Kartoffeln im Brot essen würden, und daß man eine Art Preisausschreiben für die Kommunen erlassen werde, bei dem derjenige am meisten Aussicht auf einen Gewinn hat, der am wenigsten Brot esse,— den hätten wir wohl ausnahmslos gefragt, ob er seine ge⸗ sunden Sinne zusammen habe, hätten ihn zum mindesten als einen gemeingefährlichen Miesmacher verschrien. Und heute? Nun, es genügt nicht mehr, die gewohnte Bitte ums tägliche Brot ins Morgengebet einzuflechten— man muß auch Brotmarken 12 sonst nützt der größte Dar⸗ lehnskassenschein nichts. Dem Kartoffelbrot hat sich all⸗ gemach auch der verwöhnte Magen angepaßt, nachdem die Bäcker aus dem Stadium des Experimentierens mit dem neuen Material herausgekommen find; und heute behauptet manch einer, es sei ein schwerer Fehler, daß man nicht immer K Brot gebacken, und es sei nur zu begrüßen, daß uns der Krieg als Geschenk einen solchen Lekkerbissen Sar habe. Es wird nicht lange mehr dauern, dann werden wir auch die Brotmarken zu den Erscheinungen des täglichen Lebens rechnen, über die kein Mensch mehr ein Wort ver⸗ liert. Einstweilen aber haben sie noch den Reiz der Neuheit für sich und beleben an Straßenecken und Stammtischen das Gespräch in zeitgemäßer Weise. Sogar der Volkswitz hat sich ihrer stellenweise schon bemächtigt, und der Berliner —4 seinen weniger korpulenten Mitmenschen teilnahms⸗ voll, ob man ihm die Brotmarken„jeklaut“ hat. Gestern hat auch in Gießen die allgemeine Ver⸗ teilung der bedeutungsvollen Heftchen begonnen. An zwölf Verteilungsstellen machte man sie dem Publikum zugänglich, nachdem die umfangreichen Erhebungen und Vorarbeiten in den letzten Wochen— zum großen Teil dank ehrenamtlicher Tätigkeit— zu einem gedeihlichen Ende geführt worden waren. Schon in den frühen Vormittags⸗ stunden umstanden, eingedenk der Bitte, nicht erst am Schluß der Zeremonie zu erscheinen, die Empfangsberechtigten in hellen Haufen die Ausgabetische, um gegen Vorl irgend eines gültigen Beweises ihrer staatsbürgerlichen ntität die bunten Zettel entgegenzunehmen, die augenb wichtig sind wie— eben das tägliche Brot. Bei gar manchem, der in den letzten Tagen zu Hause mit Brotmesser und Wage operiert hatte, um festzustellen, wie weit er im Brotkonsum denn eigentlich noch gehen dürfe, beseitigten erst die ge⸗ druckten Marken den letzten Zweisel daran, daß er wohl oder übel nun doch eine kleine, im Sinn des großen Ga liegende Korrektur des Speisezettels werde eintreten lassen müssen; und manche Hausfrau, die im Bewußtsein treu erfüllter ökonomischer Pflichten ihren Mehlvorrat hatte an⸗ * müssen, machte ein erstauntes Gesicht, als sie fand, aß man ihr im Markenheft gewissenhaft eine entsprechende Anzahl der kostbaren Scheine abgeknöpft hatte. Wie gesagt, man wird sich im Handumdrehen auch an den legitimierten Brötchenkauf gewöhnen und den Wert der Brotmarken recht u würdigen verstehen; wird es auch nicht machen wie jene zäckersfrau und ihre Kundschaft in einem Orte der Um⸗ hegen, die alle die Brotmarken als Geldersatz ansahen und ie sich samt und sonders herzlich freuten, die eine, weil die Ladenklingel den ganzen Tag ging, die andern, weil sie so billig zu Brot kamen. Später, wenn einmal 1 Zeiten der Geschichte an⸗ 8 wird man gern noch einmal eins der farbigen lättchen mit der Auf chrift:„Wer Brotmarken spart, er⸗ weist dem Vaterlande einen Dienst“ zur Hand nehmen und sich daran erinnern, wie die unscheinbaren Zettel einen Beweis 4 5 haben für Deutschlands Sieger⸗ willen. Sie werden dann in ihrer Art ein Dokument sein, aber keines wie die Hungerpfennige aus alter Zeit, sondern ein solches für die Fraft eines zielbewußten Volkes, dem —— 121 von Feinden das tägliche Brot nicht nehmen onn 7 *Osterliebesgaben. Die Heeresverwaltun⸗ ma wiederholt darauf aufmerksam, daß es nicht N. besondere Osterliebesga en-Sendungen an die Front 9 5 schicken. Weder die Militärpaketdepots noch die Güterabfertigungsstellen übernehmen die Fortführung derartiger. Transporte. Eine Massenaufliefe⸗ rung von Osterpaketsendungen würde die Sperrung der Militärpaketdepots nach sich ziehen können. Soweit Samm- lungen für Osterli aben bereits im Ga sind, sind die Pakete auf dem einzig zukässigen Bege durch die im Bezirke eines jeden stellvertretenden Generalkom⸗ mandos errichteten amtlichen Abnahmestellen vorzuführen. Diese Abnahmestellen 1 für die Weiterleitung unter Berücksichtigung des Bedarfs und der Mö lichkeit der Weiter⸗ verfrachtung, ohne sich jedoch an einen bestimmten Zeitpunkt wie das Osterfest bi zu können. Stadtverordneter Habenicht f. Der Tod des Stadtverordneten Habenicht hat in gar manchen Kreisen, denen der Verstorbene seine vielseitige Kraft ge⸗ widmet hat, schmerzliche Lücken gerissen, Lücken, die nament⸗ lich auch das Stadtverordnetenkollegium emp- finden muß, wo sich Friedrich Habenicht durch sein treffen⸗ des Urteil und die Gabe, seinen Standpunkt rednerif in irken kam auch in einer Reihe von Ausschüssen und utationen zur beachtlichen 8 Das Volksbad dankt dem Verstorbenen die eifrige rge für seine Er⸗ richtung und die langjährige Rechnungsführung, der Saal- 1 ihm, den man vor einigen zum ersten Vorsi wählte, den tatkräftigsten Förderer seiner Aufgabe. Lange Zeit hindurch Vorsitzender des Kro n⸗ i t begei schilde rt der Versasser die großartige und kühne Organisation, bauer . RAW licklich so]) 85 glied des Konzertvereins hat der Tote am Musille unserer Stadt regen, verdienstvollen Anteil genommen. Weiterhin gehörte er dem Vorstande der Bezirksspar⸗ kasse Gießen an. Politisch zählte er sich zur Fortschritt⸗ lichen Volkspartei, die in ihm einen besonnenen, maßvollen Vertreter ihrer Ziele verloren hat. Liebenswürdiges Men⸗ schentum und gewissenhafte Pflichterfüllung sichern vor allen anderen Eigenschaften dem Verstorbenen ein ehrenvolles Gedenken in der Bürgerschaft. 1 „ Liebesgaben des Mäßigkeitsvereins für das eutsche Ostheer. Dem Deutschen Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke ist es gelungen, für rund 50 000 Mk. an Liebesgaben zu sammeln die bereits zum größten Teil an die Front abgingen. Zurzeit wird eine neue große Sendung für unsere in den Karpathen kä pfen⸗ den Truppen vorbereitet, zu denen ja leider nur spärlich Liebesgaben-Sendungen vordringen. Beit di Sammlung nimmt der genannte Verein n 5 dankbarst entgegen. Unter den vielen Dankeszeichen, die dem Vereine von unseren Tapferen im fernen Osten für seine Sendung(darunter auch alkoholfreier Punsch und Glühwein) zugegen, war auch folgender launige Gruß vom Abteilungsstabe eines Garde-Feldartillerie-Regiments: Waldhöhle am Wegekreuz, an der R„den 29. Januar 1915. Heute kam des Wegs daher Eine Kiste groß und schwer. 1 Rings aus ihren Erdenhöhlen Krabbeln staunend Kriegerseelen, Und ein jeder gerne wüßte, 8 Was in dieser großen Kiste. Man erbrach nun ihr Gehäuse; Prächt'ge Fische in der Reuse Hat man schmunzelnd dann entdeckt Und verteilt, wie es bezweckt. — 3 Ar riegte reichli j Auch die leichte Mun.⸗Kolonne Schwimmt in eitel Dankeswonne Ob der Ohrenwärmer, Hemden, Unterhosen für die Lenden, Zucker, Tee und Nn 5 Hustenbonbons süß gleich ssen, Speck, Kakao, Taschentücher ir die kälteroten Riecher, 5 hermosflaschen, Tabakspfeifen, Suppenwürfel, bunte Seifen, Blocks, Speck, Honig, Würste, Salz, Wärmer für Puls, Lunge, Hals, Schokolade, Pfefferkuchen, Tabak, köstlich zu versuchen, Strümpfe, Keks und T.⸗Papier, Das man schätzt im Walde hier, Kondensierte Milch, Zigarren.— Schließlich war noch auf dem Karren, Gern begrüßt mit Mordshurra, Eine Mundharmonika. Alle diese Kriegsgeschenke Vom Verein, der die Getränke Geist'ger Art verachtet und Stets den Mißbrauch dieser rund Als verwerflich tadelnd straft Und uns soviel Freude schafft. Ihm von Mann und Offizier Sei 6 ein Hurra hier. 7— ig aus der Pollakei 5 öne unser Dankgeschrei, ö Und ein Gläs warmer Punsch Unterstütze unsern Wunsch, Daß den Spendern 1 1 Geschäfts⸗ ufen. Ein n Lösung 1 tert we — 9 fa Man tu Karten zu wo. e am 1 en schreiben. Der sicherste Wen ist der Weg durch den Deut⸗ schen Hilfs verein in Stockholm. An den schickt man den offenen Brief für den Internierten nebst einigen Zeilen an den Verein gelbst, beides wieder in einem offenen Kuvert und läßt sich auf der Post zweiinter nationale Ausweisscheine eben resp von der Poststelle 8 Diese legt man dem Schrei⸗ ben bei. Beide kosten zusammen 1 Jedem Schreiben ist en aue deutliche Adresse des Absenders und des En pfängers beizufügen— Neulich wurde mir ein Brief, der durch Vermittlung eines Kopenhagener Hauses besorgt werden sollte, obwohl er offen war, von der deutschen Militärbe⸗ örde zu ickt mit dem aufgedruckten Bemerken:„Auf Befehl der Militärbehörde zurück.“„Als Kriegsgefangenensendung ohne Vermittlung tarfrei und offen direkt an den Kriegsgefangenen aufzugeben.“ Aber bis jetzt sind solche Sendungen überhaupt nicht e e en ver 5A. eu erseits ni anstandet worden. Ob meine jetzigen Briefe ein besseres Los haben werden als die vorausge 1 muß ich abwarten. Das Los ur der dort Internierten, die erfügung haben, ist gut. Die Aivubebbede unter der sie stehen, behandelt sie angemessen.“ Stadttheater Nochmals sei auf das heutige Ge⸗ samtbenefiz der darstellenden Mitglieder des Stadt⸗ theaters hingewiesen. ö f * Der Lichtbildervortrag über unsere Feld⸗ post, den gestern abend Postassistent Hans Engel aus Dortmund in der neuen Aula auf Veranlassung des Zweigvereins vom Roten Kreuz Gießen hielt, war leider nicht so besucht, wie man es in en Quartettvereins und Vorstandsmit⸗ f zu dieser rlin W. 15) Aftbetracht der rect intrressanten 9 ö im Verbindung mit dem guten Zweck hätte erwarten dürfen. Der Redner schilderte, f Riesenarbeit unsere Post im Inlande mit der Fortschaffung der gewaltigen Menge von Liebesgaben⸗Paketen an das im Felde kämpfende. Heer nach zwei Grenzen zu leisten hat und wie dann in Feindesland erst die Schwierigkeiten der eigentlichen Feldpost beginnen, um die Sendungen bis in die Hände jedes einzelnen Soldaten an die Front zu bringen. Mahnend erhob der Redner seine Stimme gegen die überflüssige, die Post unnötig be⸗ lastende Vielschreiberei: er versicherte, daß es Familien gibt, die so unvernünftig sind, daß jedes einzelne der 6 oder 7 Familienmitglieder jeden Tag einen besonderen Feldpostbrief an denselben Empfänger 8 statt die Briefe in einen Umschlag zu tun. Würde jeder Brief nur 10 Pfg. Porto kosten, so würde dieser Unfug aus der Welt geschafft werden. Ebenso verurteilte der Vor⸗ tragende das Absenden von Bier⸗ oder Ulkkarten an unsere Sol⸗ daten im Felde. Danach stehe den Leuten draußen im Schützen⸗ graben der Sinn gar nicht. Die Zeit sei viel zu ernst, um fade zu machen. Man solle sich auch nicht wundern, wenn hier da eine Sendung nicht an den Adressaten gelangt, denn gar häufig seien die Verpackung oder die Adresse von Sendungen so mangelhaft, daß man fie statt an den gewollten Empfänger an das Lazarett für* 4 53 Feldpostsendungen abliefern müsse. Was man in diesem Lazarett nach dieser Richtung zu sehen bekomme, sei ganz unglaublich. Man müsse sich wundern, daß selbst unsere gebildeten Kreise Liebesgaben, wie Butter und Schmalz in Ziga⸗ rettenkasten oder Rum usw. in Glasflaschen ganz unzulänglich verpackt zur Beförderung bringen. Zum Schluß zeigte der Redner einen Ueberfall in Feindesland, der von Zivilisten auf einer Wald⸗ straße auf die Feldpost verübt wurde. Zur Kriegsanleihe wurden, wie man uns noch nach- träglich mitzuteilen bittet, von den Beamten und Arbeitern der Etsenbahn⸗Betriebswerkstätte Gießen 7600 Mark gezeichnet. * Der Ausschuß der Studentenschaft an der Landesuniversität stistete für Sanitätshunde 100 Mark, für die Gießener Hinterbliebenen 50 Mark. in Die Versendung mehrerer Pakete mit einer Paketkarte ist für die Zeit vom 29 März bis einschließlich 3. April im inneren deutschen Verkehr nicht gestattet. * Gold und Messing. Wie auch bei geringen Leuten in mancher verborgenen Ecke des Kleiderschrankes oder der Truhe noch manches Goldstück schlummert, beweist die Tatsache, daß in der hiesigen Stadtknabenschule Aleine Tageschronil. Der in Hannover kürzlich verstorbene Rentner Wellecke vermachte, dem annoverschen Kurier“ zufolge, der dortigen Blindenanstalt 000 Mark. Ein Teil des Kapitals soll zur Er⸗ bauung eines Asyls für arbeitsunsähige Blinde verwandt, der Rest zur Verpflegung der in das Asyl aufgenommenen Blinden dienen. Bandel. it Gewerkschaft Louise, Brauneisenstein, welche ihre Grubenfelder in der Provinz Oberhessen, ihre kaufmännische Gere waltung in Nieder-Ohmen hat, zahlt für das erste Quartal 1915 eine Ausbeute von Mk. 30 je Kux. Märkte. 0 10, Frankfurt a. M., 23. März. Heu- und Strohmarkt. Man notierte: Heu 4,80—5,10 Mk. Stroh(Kornlangstroh) 0.00 bis 6.00 Mt., Wirrstroh 0,00—0,00 Mark. Alles je 50 Kilo. Ge⸗ schäst langsam. Die Zusuhren waren aus den Kreisen Friedberg, Hanau und Dieburg. Standesamts nachrichten. Bad⸗Nauheim. Eheschließungen: Febr 13 Res. der 1 Stamm⸗Kom⸗ pagnie des Inf.⸗Ers.⸗Batl. Nr. 88 Konrad Wilhelm Kuhn, Stuk⸗ käteur in Mainz, mit Katharina Maria Esch in Bad⸗Nauheim. 15. Leutnant im Ersatz⸗Pionier⸗Batl. Nr. 31 Philipp Georg Richard Bert, in Mainz⸗Kastel, mit Else Wilhelmine Karoline Fanselau in Berlin⸗Friedenau.— 24. Johann Wilhelm Schaller. Witwer, Hotelbesitzer, mit Elisabethe Wagner, beide in Bad⸗Nau⸗ Fe— Landsturm⸗Rekrut im Rekruten⸗Depot 2, Ers.⸗Batl. Res⸗ nf.⸗Rgt. 118, Theodor Becker, Weißbinder in Monzernheim, mit Pauline Ida Harnisch in Bad⸗Nauheim. Geborene: Febr 2. Dem Bäckermeister Karl Hugo Ernst Piorkow ein Sohn, Friedrich Karl Otto Sigurd.— 3. Dem Leder⸗ schärfer Pinkus Rusbaum ein Sohn, Bernhard.— 4. Dem Hand⸗ arbeiter Peter Dienst ein Sohn, Heinrich Karl Konrad.— 9. Dem 9 Johannes Kaufmann eine Tochter, Marie Lina Emmy.— 8. Kaufmann Karl Stamm ein Sohn, Richard Karl.— 13. Dem Gerichtsdiener Reinhard Lehmann ein Sohn, Siegfried. — 14. Dem Postschaffner Georg Löbig ein Sohn, Georg Siegfried. — 17. Dem Hoteldiener Georg Bernhard Julius Müller ein Sohn, Hermann Kurt.— 21. Dem Badcewärter Friedrich Karl Sprengel eine Tochter, Juliane Ida.— 27. Dem Kaufmann Ludwig Franz bis jetzt nahezu 9000 Mark Gold gesammelt wurde. Elfri Außerdem brachten die Knaben 70 pfund messingene Pa⸗ tronen⸗Hülsen und 30 Pfund anderes Messing zusammen. Als Belohnung für ihre Sammlungen erhielten sie gestern den versprochenen schulfreien Tag. * Sammlung von Goldmünzen durchdie Land⸗ briefträger. Zur Beschleunigung des Rückflusses der Gold⸗ münzen in die Reichsbank war in mehreren Oberpostdirektions⸗ bezirken die Einrichtung roffen worden, daß die Land⸗ besteller auf ihren Best n versuchsweise für vier Wochen Goldgegen Papiergeld umtauschten. Der Versuch hat das außerordentlich günstige Ergebnis gezeitigt, daß rund 5,4 Mil⸗ lionen Mark Gold eingetauscht und an die Reichsbank ab⸗ geliefert werden konnten. Dabei hat sich gezeigt, daß sich in den leinen Städten und auf dem Lande noch bedeutende Goldbeträge in den Händen des Publikums befinden. Das Reichs⸗Postamt hat das geschilderte Verfahren nunmehr auf das gesamte Reichs⸗Post⸗ gebiet ausgedehnt, so daß sich jetzt überall die Landbesteller nit dem Umtausch von Gold gegen Papiergeld befassen. Landkreis Gießen. Allendorf a. d. Lda., 21. März. Wie am Ende des vierten Kriegsmonats sand heute hier in der Kirche wieder eine ergreiiende Feier statt zum Gedächtnis von drei weiteren auf dem Felde der Ehre Gefallenen aus unserer Gemeinde. Auch diesmal beteiligte sich der Krieger, erein mit verhüllter Fahne. Bis jetzt sind acht hiesige Krieger gefallen.— Lehrer Sager don hier, Offizier⸗ Stellvertreter im Res.-Inf.-Regt. 254, erhielt kürzlich das Eiserne Kreuz. — Hessen⸗Nassau. O Fellingsbhausen, 22. März. Weiß bindermeister Friedrich Bernhard, der als der jüngste unter 4 Brüdern am Feldzug 18 0/1 teilnahm, wurde am Sonntag unter großer Be — beerdigt. Die Gießener Landsturmkapelle spielte Trauer⸗ oräle. h. Cronberg, 22. März. Der bjährige Gärtner Karl Gröber ließ sich auf dem hiesigen Bahnhose von einem Zuge übersahren und wurde sosort getötet. ———————— Sturm an der maroktanischen Küste. Paris, 22. März.(W. T. B. Nichtamtlich.) Die„Agence Havas“ meldet aus Algeciras: Seit zwei Tagen wütet ein furchtbarer Sturm an der Küste. Hunderte von Schiffen aller Nationalitäten sind in die Bucht von Algeciras geflüchtet. Vier mit spanischen Aus wanderern besetzte Barken sind gekentert. Die Zahl der Ertrunkenen wird auf 800 geschätzt. — ö Vermischtes. A Fulda, 22. März Bei Kerzell sand heute nachmittags 2 Uhr ein Zusammenstoß zweier Güterzüge statt. Beide Geleise sind gesperrt. Ein Mann wurde schwer verletzt, der Material- schaden ist bedeutend. 2 85 illinge, Christiane Martha Else, Eleonore Franziska Sterbefälle: Febr. 7. Dr. Karl Eser, Großh. Bade⸗ direktor, Geh. Baurat, 60 Jahre alt.— 8. Flora Mai, geb. Ko⸗ kosky, Rentnerin, 38 Jahre alt.— 10. Katharine Grünewald, 80 Jahre alt.— 12. Max Hermann Teschner, 12 Tage alt.— 14. Nark Hammann, 1 Monat alt.— 15. Rentner Johann Heinrich Fritz, 71 Jahre alt.— 17. Rentnerin Elisabethe Eller, geborene Momberger, 68 Jahre alt.— 24. Peter Wilhelm Heinrich Krauß, 3 Jahre alt.— 28. Friedrich Wilhelm Suter, 5 Jahre alt. Friedberg. Aufgebote: März 15. Adolf Keller, Evangelist in Reinach. mit Katharina Lydia Oetliker in Zofingen. Geborene: März 12. Tem Maler Jakob Wilhelm Faatz ein Sohn, Friedrich Philipp. Sterbefälle: März 14. Anna Wilhelmine Maria Thaler, geb. Schmidt, 40 Jahre alt.— Georg Ritschel, Arbeiter in Assen⸗ 7 58 Jahre alt.— 16. Marianne Benedikte Reitz, geb. Mulch. 7 Jahre alt. Im Felde gefallen: Dezbr. 18. Eugen Dölger, Vize⸗ feldwebel, Student an der Städtischen Polytechnischen Lehranstalt. 22 Jahre alt. Hungen. Geborene: März 7. Dem Forstwart Friedrich Ziegler eine 9 Ama.— 8. Tem Bahnhofswirt Wilhelm Pletsch II. ein n. Sterbefälle: März 15. Heinrich Schmidt I., 57 Jahre alt.— 17. Maria Falk, geb Seipp, 31 Jahre alt. meteorologlische Beobachtungen der Station Gießen. 8 2 42— 8 722 nan Se 1 ß r ale 118 E58 3 23 3 52 8. 55 S 8 5 S& Fes 22] J 52,2 11,1 3,0 30 8 2 1 Sonnenschein 22.8 51,2 3,8 4.2 71 2 0 Klarer Himmel 23.„ 50,6] 2,8 3,6 64 WSW. 2 7 Sonnenschein . zchste Temperatur am 21. bis 22. März 1918 7 118 0. liedrigsie„ 71.„ 1„ ji.. Miederschlag: 0, min. ——— Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Mittwoch, den 24. März 1915: Wolkig, noch meist trocken, mild, füdwestliche Winde. Heute großer Waggon O Taleneia Jes men; Im Pr Letzte Nachrichten. Die französischen Reserven. Genf, 23. März. Nach Meldungen französischer Blätter be⸗ absichtigt der Kriegsminister Millerand die Reserveterritorial⸗ Truppen der Klassen 1890 bis 1887 ebenfalls einzuberufen, ebenso die nachträglich ausgemusterten Untauglichen dieser Klassen. Der Dampferdienst Vlissingen— England. Rotterdam, 23. März. Infolge der Einstellung des Güter⸗ transportes der Dampfschiffahrtsgesellschaft Zeeland von Vlissingen nach England verkehrt auch der Fleischtransportzug, der sonst mittags von Groningen nach Vlisfingen ging, nicht mehr. Der Postdampfer„Orange Nassau“ fuhr heute früh wie gewöhnlich von Vissingen nach Til⸗ burby, hatte aber nur Passagiere und Post an Bord. Die Amster⸗ dam⸗holländische Stbombootmaatshappy, deren Dampfer„Zaan⸗ stroom“ von den Deutschen nach Zeebrügge gebracht worden ist, nimmt zunächst eine abwartende Haltung ein. Sie läßt ihre Dampfer in gewohnter Weise abgehen und will eine Erklärung der Direktion hatte eine Unterredung mit dem Minister des Aeußern im Haag. 5 Das Leben in Warschau. Lodz, 23. März. Ein deutscher Kaufmann berichtet nach der deutschen„Lodzer Zeitung“ Über die Lage in Warschau folgen⸗ des: Die Stimmung ist allgemein recht gedrückt. Ob⸗ gleich man unter dem Zwange der strengen Polizeimaßregeln seiner Ansicht nicht laut Ausdruck geben darf, zweifelt doch niemand mehr daran, daß die 2 0— 13 Feinde genommen werden wird. Aeußer seinen ge⸗ wohnten Gang. Die Behörden sind alle noch in der Stadt. Die Reichsbank ist geöffnet. Polizei und Gericht arbeiten, aber die Unsicherheit ist groß. Es herrscht große Teuerung. Einzelne Artikel waren zeitweise gar nicht zu haben, wie Tee. Zucker, Tabak und Mehl und fehlten tagelang vollständig. Besonders empfindlich ist der Mangel an Heizmaterial. Vor ungefähr drei Wochen bekamen alle Angehörigen der feindlichen Staaten den Ausweisungsbefehl. Sie wurden, wie auch unser Gewährsmann⸗ auf Umwegen in die Heimat abgeschoben mit Ausnahme der⸗ jenigen, die gedient hatten und nur wegen Ueberschreitung der Altersgrenze die Erlaubnis bekommen hatten, aus dem Uralgebiet zurückzukehren. Sie wurden mim wieder dahin verschickt. Die deutschsprechenden russischen Untertanen werden einstweilen noch nicht behelligt. Die aus den Vororten zogen in Massen zur Stadt, weil sie sich hier vor der Ausweisung sicherer glaubten. Telegrammwechsel zwischen dem Prinzen Adalbert und den Verteidigern der Dardanellen. Konstantinopel, 23. März. Prinz Adalbert von Preußen hat aus Anlaß des türkischen Sieges vor den Dardanellen an Enver Pascha folgendes Telegramm aus Wilhelmshaven gerichtet: Ew. Exzellenz spreche ich zu der glänzenden Waffentat der Be⸗ satzung der Dardanellenforts, die das Sinken dreier Linienschifse zur Folge hatte, meine bewundernden Glückwünsche aus. Enver Paschas Antwort lautete. Ew. Königlichen Hoheit danke ich untertänigst für die gnädigen Glückwünsche zu der siegreichen Abwehr der feindlichen Schiffe gegen die Dardanellen. Ich wünsche, daß dieser Erfolg auch für unsere gemeinsamen großen Aufgaben von Nutzen sein möge. Auch General v. Falkenhayn hat Enver Pascha zu dem Siege in den Dardanellen beglückwünscht. Gegen Liebknecht und Genossen. Dresden, 3. März. Die„Dresdner Volks- zeitung“, deren Chefredakteur der Reichstagsabgeordnete Dr. Gradnauer ist, schreibt u. a.: Wir bedauern in hohem Maße, daß die Abstimmung über die Kriegskredite und über den Etat nicht überstinrmend durch alle Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion erfolgt ist. Wir stellen jedoch fest, daß die Haltung der nicht mitabstimmenden Mitglieder keineswegs eine Verleugnung des Eintretens für die Landesvertei⸗ digung bedeutet. Die Fraktion hat sich nochmals ausdrücklich für den Grundsatz der Landesverteidigung und der Pflichterfüllung egen die herandrängenden feindlichen Heerscharen erklärt. Wenn Liebknechn und Rühel es für angemessen hielten, ersterer zum zweiten Male, sich demonstrativ gegen die Beschlüsse der überwältigenden Fraktionsmehrheit aufzulehnen, so ist das nur ein Ausfluß der seltsamen Einwirkung, daß sie allein das Programm und die Parteibeschlüsse der Sozialdemokratie richtig zu beurteilen befähigt seien. Das Verhalten Ledebours ist als bedauerlich zu bezeich⸗ nen. Er hätte seine Angriffe in der Fraktionssitzung oder in der Budgetkommission anbringen können anstatt dem Auslande so die Möglichkeit gehässiger Ausnutzung zu geben. — Auf einen neuen Weg zu sparen, verweist die bekannte prak · tische Moden⸗und Hausfrauen Zeitschrift„Dies Blatt gehört der Hausfrau“. Wenn es auch den Berufs schneiderinnen stets vorbe ⸗ balten bleiben sol und wird, jene Aufgaben der Schneiderkunst zu erfüllen, die besonderes Geschick erfordern, so gibt es doch zablret einfachere Aufgaben, die auch jede geschickte Hausfrau und je fleissige Haustochter bewältigen kann. Sie mögen es nur einmal versuchen. Leicht genug ist es ihnen heutzutage gemacht, das sich mit Hilfe von Schnittmustern jedes einfachere Kleidungsstück bei nur einigermaßem guten Willen leicht im Hause berstellen läßt. Die Leserinnen werden 15 besonders auf den der beutigen Nummer beiliegenden Prospekt der genannten Zeitschrift verwiesen. 26490 Versteigerung. Mittwoch, den 24. März 1915, nachm. 2 Ubr, ver⸗ steigere ich im Auktions saale eustadt 55: 19 1 Sofa, 1 Nähmaschine und 1 Kaffeeröster. Gießen, 2. ite 1915. eise ermässigt! eingetroffen. 5 0 Wie bisher Kisten zu 420, 714 und 1064 Stück in nur guter, fützer, dünnschaliger Ware. R. Mas aus Tirol(Oesterreich) Spanischer Garten, Babnbofstr. 48. Tel. 932. Anzüge Ueberzieher Damen-Kostüme Müller, Großb. Gerichts vollzieher. 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U l ll gractere, Gen Scheit Möbel— Teppiche— Gardinen-Lager g 8 75 über den Vorfall von deittscher Seite abwarten. Ein Mitglied — Sparkasse Giessen, den 23. März 1915. im 49. Lebensjahre sanft entschlafen Giessen, den 22. März 1915. 31/¼ 2 Nachruf. Am 21. März verschied das langjährige Vorstandsmitglied unserer Herr Stadtverordneter Friedrich Habenicht. Allzufrüh musste er von uns scheiden. gegangenen einen treuen Mitarbeiter, Freund und Berater unserer Anstalt. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Der Aufsichtsrat und Vorstand der Bezirkssparkasse Giessen. Todes-Anzeige. Freunden und Bekannten hierdurch die schmerzliche Mitteilung, dass gestern abend nach langem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Luise Wörner, geb. Lohnes Für die trauernden Hinterbliebenen: 4 Michael Wörner, Lehrer. Die* 2 findet am Mittwoch, den 24. März ds. Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. Beileidsbesuche dankend verbeten. Wir verlieren in dem Heim- 270 ist. 26904 4 nachmittags Danksagung. Für die herzliche Anteilnahme und die schönen Blumenspenden bei dem Heimgange unserer teuren Entschlafenen sprechen wir allen unsern wärmsten Dank aus. Familie Stauß. Gießen, 22. März 1915. 01583 Danksagung. Für die vielen 3 herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei dem Hinscheiden meines lieben Mannes, unseres Vaters und Großvaters August Th. Krämer f sagen wir allen unseren innigsten Dank. Be⸗ sonderen Dank Herrn Pfarrer Hartmann für die trostreichen kernigen Worte am Grabe und dem Herrn Direktor des Spar⸗ und Vorschuß⸗ vereins für den am Grabe niedergelegten Kranz. Katharine Krämer Ww. Familie Theodor Krämer Familie Karl Krämer Alten⸗Buseck, den 22. März 1915. 2008 25 sowie sämtliche ö— Artikel für def rauer Hüte Trauerbedarf 8 = grosser Auswahl zu billigsten Preisen Auf Anruf 240 5 5 A. Salomon& Cie. bereit willigst sof. 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Den Heldentod fürs Vaterland starb im Februar mein lieber Sohn, unser guter Bruder, Schwager, Onkel Heinrich Hillgärtner Ersatz- Reservist im Reserve-Infanterie- Regiment 223, Im Namen der trauernden Higterblishenen: 5 0 Margareta IIillgärtner Witwe. Beuern, Würzburg, den 21. März 1915. In Russlands Erde ruht mein Glück, Du treuer Gatte kehrest nimmermehr zurück. Viel zu früh verließest Du die Die in der Heimat um Dich weinen. Den Heldentod fürs Vaterland starb in Russland am 11. Dezember 1914 mein innigst geliebter Mann, unser guter Vater, Sohn, Bruder, Schwiegersohn, Schwager Wehrmann Johannes Klingelhöfer Roser ve-Regiment Nr. 116, 5. Komp. In tiefer Trauer: Marie Klingelhöfer, geb. Walther u. Kind Familie K. 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