r. 62 Imeites Blatt Erfchetnt täglich wett A u¹jdh⅝rꝛe des Sotmitugs. Die„Gießener Femisienblatter werben dem „Anieiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „Kreisblatt für den kreis Sletzen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen zeit⸗ ragen erscheinen monatlich zweimal. 6 Aus dem hessischen Landtag. rb. Darmstadt, 14. März. die bevorstehende Frühjahrstagung der hessischen Landstände sind der Zweiten Kammer von 5 Mitgliedern 00 iedener Parteien Anträge unterbreitet worden, die sich in erster Linie auf die Verhältnisse der gegenwärtigen Kriegs 9 So haben die Abgg. Calman, Schott und Stöpler mit erstützung der Nationalliberalen Partei einen Antrag eingebracht, worin sie die Gewährung von Zuschüssen seitens des Staates zur Invaliden⸗ und 5 5 5 örigenrente fordern. Sie beantragen, vorbe⸗ haltlich des späteren Rückgriffs gegen das Reich, in den Staatsvoranschlag einen Ausgabeposten von 250 000 Mark einzustellen, der zu Schussen zur Kriegsinvalidenrente und zur Rente für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer bestimmt sind, um den Kommunalverbänden 1. in Fällen, in denen die gesetzliche Rente für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer nicht ausreichend erscheint, weiter e Zu⸗ schüsse zu ermöglichen, damit 2. diese Verbände Halbinva⸗ liden, noch keine geeignete Arbeit gefunden haben, und namentlich Halbinvaliden mit Angehörigen, weitere Bezüge zuwenden können. Ein weiterer Antrag derselben 8 betrifft (wie wir schon mitteilten. D. Red.) die Be anntmachung der wirtschaftlichen Kriegsgesetze. Eine weitere, sehr zeitgemäße Anregung wird die Regierung gleichzeitig von den erwähnten nationalliberalen Antragstellern und von den Sozialdemokraten betreffs der Besteuerung eines grö ⸗ ßeren Vermögenszuwachses gegeben. Die National⸗ liberalen beantragen, Großh. Staatsregierung aus Anlaß der Kriegszeit zu Sauen in Erwägung einzutreten, ob nicht die durch die Kriegslage Einzelnen zugefallenen außer⸗ gewöhnlich großen Gewinne, welche 1. durch Erhöhung des Wertes der Lagerbestände, 2. durch Spekulation mit Gegen- ständen des Massenverbrauchs, 3. durch Staats⸗ und Heeres⸗ lieferungen erzielt wurden, einer Sonderbesteue⸗ rung zu unterwerfen sind.— Der dieselbe Frage be⸗ handelnde Antrag der sozialdemokratischen 1 lautet: Großh. Regierung zu ersuchen, alsbald ein Gesetz in Vorlage zu bringen, durch das der während der Kriegszeit erfolgte 1 zu einer besonderen prog ressiv gestalteten Steuer herangezogen wird. Dieser Antrag erweckt durch seinen Wortlaut und die Betonung des Wortes„progressiv“ den Anschein, als ob er weitergehende, den langjährigen Wünschen der Antragsteller entsprechende Forderungen verträte. Nach seiner Begründung bezweckt er aber genau dasselbe, wie der nationalliberale An⸗ trag, denn in der Begründung wird ausgeführt: Der Krieg erfordert Opfer an Gut und Blut in allen Schichten des 8 Volkes. Die Erwerbsmöglichkeiten sind allgemein verschlechtert und machen es notwendig, daß in der Lebens⸗ haltung zahlloser Volksglieder eine Einschränkung eintreten mußte. Will ig trägt das Volk alle Opfer in dem Bewußt⸗ Act— das e ee e 2 Schi Bevölkerung endgültigen Sieg Deuts lands ermöglichen wird. Wenn aber in der Zeit der all⸗ meinen Notlage Einzelne es vermögen, infolge des Krieges bedeutende Gewinne zu 1 so ist das Verlangen berechtigt, diesen jetzt erzielten Vermögens⸗ zuwachs einer besonderen, möglichst hohen und progressiv stal teten Steuer zu unterwerfen. Es darf z. B. auf gewisse e erg der du geische verwiesen werden, die oft große, weder durch Leistung, noch durch Risiko gerecht⸗ fertigte Gewinne zu machen in der Lage sind. Niemand sollte aus der allgemeinen Not einen Vorteil ziehen, ohne davon wieder einen wesentlichen Teil an die Allgemeinheit abzuführen. —vortragsabend von Dr. Ludwig Wüllner. Der ft schöpferische Geist vergreift sich nicht an den großen Stoßen and Problemen der lebendigen Gegenwart. Natur und Zeit müssen außerordentliche Kräfte in einem Individuum potenziert haben, das die Schwierigkeiten der dichterischen Gestal⸗ tung 8 iger Ereignisse oder Persönlichkeiten überwinden und den Stoff zur numentalität erheben kann. Distanz ist nach Goethes Wort ein Haupterfordernis, um einen künstlerischen Stoff igen zu können. In 271 55 Sinne mag es ein Pro amm sein, wenn Tr. Ludwig Wüll ner auf die Zeitdichtung Verzicht leistet und die Kulturmission der deutschen Dichtkunst einstweilen noch in den ragenden, lichten Tempeln sucht, die ein Goethe und ein 5 ihr errichtet haben. Es wird in diesen Tagen in der Kunst⸗ politik laut nach einigenden Zielen, nach dent reinen Ausdruck und dauernden Formen für deutschen Lebensgeist und Kulturwillen ge⸗ rufen. Und es ist schon erkenntlich, wie das neue Welt pathos des deutschen Geistes lyrische Töne in unserm Empfinden weckt gleich denen, die die ersten Strahlen des Frührvots aus der Memnons⸗ säule zauberten. Freuen wir uns ihrer und leugnen sie nicht! Eine Stunde der Weihe und Einkehr aber gedeiht am herrlichsten unter den himmel⸗ und erdebeschattenden Fittichen des Genius; der Ge⸗ nius aber ist nur dort, wo der schöpferische Wille aus dem Ethos der Persönlichkeit heraus die Materie seinem Geist unterwirft und sie durch die Kraft der Schönheit meistert. Der Zeitgeist aber hat auf die Kunst gemeinhin nur den Einfluß wie etwa das Wetter auf den Wandersmann: Sein Wehen färbt die Wangen beider rot. Eine Wundergeige bleibt eine Wundergeige, ob sie dem arm⸗ seligen Dorfmusikanten oder dem gottbegnadeten Künstler in die Hand kommt. Aber nur der letztere haucht ihr den Atem des Lebens ein. Wüllner ist der Berufene, die Wundergeige unserer Dichterfürsten im Sturm der Gefühle jauchzen und in den sub⸗ tilsten Seelenschwingun erbeben zu lassen, weil er die Psycho⸗ logie des vom Dichter Gestalteten in sdie feinsten und verschlungen⸗ sten Wege verfolgt und ausdeutet und das innerliche Nacherleben 5 souperänen äußeren Mitteln wie ein König aus prägen und Aber soll ich beten, danken, Geb ich meine Liebe kund, Meine seligsten Gedanken Sprech ich wie der Muttermund Diese Heiligung der Pracht und des unermeßlichen Reichtums unserer Mentterspra wird in ihrer Tiefe offenbar, wenn Wüllner das Wort wie Naturgewalt dröhnen und wie Windhauch im Lenz schmeicheln läßt. Die Empfindung wird zur Selbstverständlichleit, daß diese Wunderwerke der Poesie erst ihre Bestimmung erfüllen, 8 die Stimme Menschen wenn Stir Bogenstrich schwingen und klingen läßt, wenn den funkelnden . Retzitation die prunkende Fassung gibt. ießen sie wie die Geige unter dem ber r 105. Jahrgang er Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Montag, 15. März 1915 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Unwersitäts Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul⸗ straße 7. Geschñstsstelle u. Verlag: S851, Schrift · leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Aus dem Buogetausschuß des Reichstags. Berlin, 13. März. „Die heutige Sitzung des verstärkten Budgetausschusses des Reichstags galt ebenso wie ein Teil der gestrigen der Ernährungs⸗ frage unseres Volkes. Darüber, daß wir mit unseren Nahrungs⸗ mitteln durchkommen müssen und durchkommen werden, herrschte Einstimmigkeit. Im Vordergrunde stand zunächst die Kartoffelfrage. Es wurde darauf hingewiesen. daß die hohen Preise für Kartoffeln schlimmer wirkten als diejenigen für andere Nahrungsmittel. Man solle daher die Brennereien noch mehr beschränken als bisher, eine Maßnahme, die wegen des gewerblichen Spiritusbedarfs als nicht annehmbar erklärt wurde. lleber die Art, in welcher Weise die Kartoffeln in gerechter Weise verteilt werden sollten, gingen die Ansichten auseinander Man befürwortete auf der einen Seite die Beschlagnahme aller Kartoffelvorräte. Nach der Ansicht meh⸗ rerer Redner wird jedoch von einer generellen und schematischen Beschlagnahme aus technischen und anderen Gründen Abstand zu nehmen sein. Man wird sich damit begnügen müssen, gewisse Reservevorräte und die Beschlagnahme durch lokale Organe im Bedürfnisfalle sicher zu stellen. Die verantwortlichen Stellen werden sich mit dieser Frage demnächst zu beschäftigen haben. Die statistischen Erhebungen über die Kartoffelvorräte sollen be⸗ schleunigt und die Ergebnisse der Kreise telegraphisch mitgeteilt werden. Von verschiedenen Seiten wurde angeregt, man solle die Trockenkartoffeln für spätere Monate aufbewahren und vorerst Frischkartoffeln namentlich auch zum Backen verwenden. Die Frage der Schweineabschlachtung kam erneut zur Erörterung. Zwangsweise Abschlachtung und Festsetzung von niedrigen Höchstpreisen wurde unter Hinweis auf die Ersparnis an Svpeisekartoffeln und Magermilch und mit Rücksicht auf die Verbilligung der Fleischnahrung gefordert. Von anderer Seite wurde demgegenüber betont, daß die Verminderung des Schweine⸗ bestands auch ohne Zwang lediglich durch Erhöhung der Ent⸗ eignungsrichtpreise, die in ihrer jetzigen Bemessung die Futter⸗ kosten nicht deckten und zur Zurückhaltung der Schweine vom Markt führten, zu erreichen sein würde. Da ein klares Bild über die Notwendigkeit verschärfter Maßnahmen erst auf Grund der für den 15. März angeordneten Zählung des Schweinebestandes wonnen werden könne, wurde die beschleunigte Sammlung der ählungsergebnisse und ihre Mitteilung an den Reichstag vor der Verabschiedung des Etats gewünscht und— soweit durchführ⸗ bar— zugesagt. Ebenso wurde eine Beteiligung des Reichs an dem den einden erwachsenden Risiko aus der Verarbeitung des frischen Schweinefleischs in Dauerware in Aussicht gestellt. Seitens des Staatssekretärs des Innern wurde auf die außer⸗ ordentliche Schwierigkeit bingewiesen, die Beziehungen zwischen den einzelnen Erwerbsständen bei den durch den Krieg veranlaßten Mafmahmen abzugleichen. Man baue vielsach auf nicht sicherem Grunde. Bei Besprechung einiger mit der Kriegsgetreide⸗ Gesell⸗ schaft und ihrer Geschäftsführung zusammenhängenden Fragen wurde bemängelt, daß noch keinem Kreise die ihm aus 8 26 a der Bundesrats verordnung vom 25. Januar 1915 zurstehende Selbst⸗ verwaltung seiner Getreidevorväte übertragen sei. 5000 pfei ganzen Getreideverteilung egte ie Ri Uirien, die neuerdings für seine Anwendung gegeben seien, an der Hand eines an die Bundesregierungen gerichteten ibens dar. Gegenüber dargelegten Bedenken, daß für einzelne Berufe die Menge von 200 Gramm Mehl tüglich nicht ausreiche, wurde darauf hingewiesen, daß es sich bei dieser Zifser nur um einen Durchschnittssatz handele Insbesonderr erklärte der Staats⸗ sekretär des Innern, daß die Kommunen die Selbstbewirtschaftung der ihnen nach dieser Kvpfziffer zugewiesenen Mehlmengen gerade deshalb erhalten hätten, um entsprechend den Bedürfnissen zu in⸗ dividualisieren.„ Gegenüber der Forderung auf Festsetzung von Höchstpreisen für Mehl und Brot durch den Bundesrat wurde geltend gemacht, daß die Kommunalverbände das Mehlhandelsmonopol und damit die Regulierung des Mehlpreises in der Hand haben, wober aller⸗ dings die Preise, welche die Kriegsgetreide⸗Gesellschaft fordert, die unterste Grenze bilden. In dieser Hinsicht hat der Staatssekretär des Innern und der Reichskommissar für Brotversorgung zugesagt, auf einen möglichst niedrigen Mehlpreis hinzuwirken. In der Frage der Einschränkung der Bierproduk⸗ tion wurde von einer Seite eine weitere Einschränkung der Wüllners Vortragswahl an sich zeigte einen unendlich feinen Reiz, dessen Hauptwert in der diskreten Abstimmung auf die Zeit, in der wir leben, lag. Ueber Goethes allumspannende, Welten⸗ raum und Menschentum wie ein Vulkan mit Urgewalt schaffende Gedankendichtung, die die Seele in ihren tiefsten Tiefen aufwühlt, führte der Weg zu den rätselaugigen, uralten Sehnsüchten der Mensch⸗ heit, wie sie aus dem König von Thule, dem Fischer und der Flammen⸗ auferstehung der Bajadare seufzen. Aus dem Drängen und Suchen nach dem Löchsten, der Sehnsucht nach Voller dung und nach dem Schwinden der Resignation führten Liliencrons windhelle Schwin⸗ gen zu den brausenden Höhen der Empfindungen, die das Welt⸗ geschehn in der Menschenseele weckt. Die furchtbar⸗erhabene, in heiliger Flamme lodernde und dennoch so kindlich⸗ rührende Zwie⸗ sprache zvischen Vaterland und Volk, mag, will man Wüllners Vortragsfolge als gewollte Steigerung einer gedanklichen Ent⸗ wicklung ansehn, den Gipfel zu bedeuten haben. Das Lied von der Glocke mit seiner hinreißenden, stürmenden Sprache und seinem ernsten sittlichen Gehalt erschien zum Schluß als ein Symbol für den Zusammenhang irdischen und unirdischen Geschehens, des Verlangens nach dem Frieden auf der Menschenerde. Aeußerer Höhenunkt des Abends mag Goethes„Prometheus“ mit seiner titanischen 9 9 77 der Menschen an die Bevormundung durch die Scheinherrlichkeit der Himmlischen gewesen sein. Fur die Besucher bedeutete der Abend eine Selbstbesimrung und ein Erlebnis, deren sich weitere Kreise hätten teilhaftig machen sollen. Es ist bitter, wenn Possen vom Schlage des abgeschmackten „Wie einst im Mai“ auch in der jetzigen Zeit mehr Anziehungs⸗ kraft auszuüben vermögen, als Wüllners in Gießen keineswegs unbekannte, hohe Kunst. Schön wäre es auch, wenn unser Theater für derlei Sonderabende über eine entsprechende Dekoration ver⸗ fügen würde. Stilvoller als die zweifelhafte Eleganz eines Kulissen⸗ salons aus der Zeit eines verwilderten Kunstgeschmacks wären beispielsweise die ruhigen Linien einfarbiger, wallender Vorhänge. 3 * — Die Kinoschlacht. Ein lustiges Erlebnis von einer französischen Kinoaufnahme auf dem Schlachtfeld und von ihrem jähen Ende durch deutsches Eingreifen erzählt Georg Hirl in Ueber Land und Meer(Teutsche Verlagsanstult) aus den Kämpfen bei St. Hilaire. Ein Fußartillerist, wegen seiner Körpergröße der „Zange Paul“ genannt, hatte mit ein paar Kameraden während eines heftigen Artilleriegefechtes den Auftrag erhalten, Holz her⸗ beizuschaffen. Dabei schlichen sie sich durch den dichten Wald bis an die französischen Stellungen heran und wurden ümbevbachtete Augen⸗ zeugen einer merkwürdigen Szene.„Mitten auf der Straße stand in einem Automobil ein Zivilist, der heftig gestikulserend auf etwa 20 Franzosen und einen Offizier einsprach Es schien, als ob er irgend etwas den Franzmännern nicht recht Verständliches unter handelte. Plötzlich zog er seine Börse und 8 dem fran⸗ zösischen Patrouillenführer eine anscheinend größere Geld Produktion unter die vom Bundesrat angeordneten 60 Prozent herab sowie die Gestattung eines Zusatzes von Surrogaten bei der Bierbereitung gewünscht. Demgegenüber wurde darauf hingewiesen, daß man mit der Einschränkung der Bierproduktion nicht zu weit gehen dürfe und namentlich auf die Interessen der kleinen Braue⸗ f reien, die— was übrigens von einer Seite bestritten wurde— unter einer zu starken Einschränkung schwerer leiden würden als die großen, Rücksicht nehmen müsse. Es wurde betont, daß man jeden⸗ falls zunächst die Wirkung der vom Bundesrat angeordneten Ein⸗ schränkung der Produktion und das Ergebnis der eingeleiteten Er⸗ hebung über die Gerste⸗ und Malzvorräte abwarten sollte. Dm Wunsch, eine Verwendung von Surrogaten zu gestatten, wurde ent⸗ gegengehalten, daß als Surrogate nur Zucker und Reis in Betracht kommen würden, die beide nicht im Ueberfluß vorhanden sind und deren Zulassung als Malzsurrogate nur eine Verschiebung, 8 keine Ersparung von Nahrungsmitteln bewirken würde. Auch wurde darauf hingewiesen, daß für die Zulassung von Surrogaten eine Aenderung der Biersteuergesetzgebung nötig wäre, was nament⸗ 9 lich in den süddeutschen Staaten mit eigener Biersteuergesetzgebung. 8 nicht in einfacher Weise durchzuführen wäre.— 1 Aus dem Reiche. 4 Treffliche Worte des Reichskanzlers. 5 1 Berlin, 13. März.(WTB. Amtlich.) Die„Nordd. 1 Allg. Ztg.“ meldet: Der Geh, Justizrat, Professor Dr. Kahl, hat an den Reichskanzler ein Schreiben gerichtet, in welchem er die am 28 Februar erfolgte Gründung der Frei⸗ en Vaterländischen Vereinigung“ mitteilte. Der Reichskanzler hat auf diese Mitteilung mit folgendem 0 Schreiben geantwortet: 5 „Für die Mitteilung, die Sie mir von der Gründung der Freien Vaterländischen Vereinigung und ihrem Ziele machen. sage ich Ihnen aufrichtigen Dank. Sie wollen den Strom nationaler Gesinnung, den der Krieg gesammelt hat, in die Friedenszeit hinüberleiten. Die Be ung des großen Erleb⸗ nisses daß dieser Krieg das deutsche Volk in allen seinen Gliedern und Schichten geeint gezeigt hat, soll uns ein heiliges ht⸗ nis sein. Ich begrüße es daher mit Freude und Dank, wenn führende Männer aller Richtungen sich in dem warmen Be⸗ mühen einigen, dieses Vermächtnis zu sichern. In einem Augen⸗ blick, da um das Ziel des Krieges, die Niederwerfung un erer Feinde, noch gerungen wird, und da die Deutschen draußen und zu Hause ein einziger Wille ganz beherrscht, der Wille zum Siege, können wir nicht schon im einzelnen alle 7 Fragenerörtern, diebeiund nachdem Friedens schluß zulösen sind. Möge der Tag bald kommen, da die Fesseln des freien Meinungskampfes gelöst sind denn es wird zugleich der Tag s. an dem das blutige Ringen zu Ende geht. Einstweilen aber mögen wir den Geist vor⸗ bereiten, in dem unser Volk die Bedingungen seines zukünftigen 4 1 Lebens mitzuschaffen haben wird. In den Leitsätzen dieser Ver⸗ 75 einigung glaube ich diesen Geist zu erkennen. Gewiß, aber der Parteienstreit wird wieder anheben. Aber wie sich alle Schichten des Volkes in der Stunde der Not so recht verstehen lernten so müssen auch die neuen innerpolitischen Kämpfe von der 8 seitigen? beherrscht sein. die alle Schichten des Volkes vom Fürsten bis zum Arbeiter umschließt. Sie haben zusammenn geblutet, alle ihr Bestes gegeben und haben erfahren, wie Großes ein von heiliger Liebe zur Heimat beseeltes Volk leisten kaun. wenn es einig ist. d e e e 2 schaffenden Volk, und die Achtung vor jeder ehrlichen Gesin⸗ nung leitet, sehe ich mit freudigem Vertrauen der Aufgabe ent⸗ gegen, die der Friede uns stellen wird, der Aufgabe, ein nach außen stärkeres Deutschland innerlich im Geiste der Freiheit und der gemeinsamen Vaterlandsliebe weiter auszubauen. 9 Vergällungsfrist für Rohzucker.* Berlin, 14. März.(WTB. Amtlich) Der Reichs⸗ 65 kanzler dehnte unter Abänderung von§ 1 Abs. 2 Zif⸗ 15 fer 1 unter e der Bekanntmachung über die Verwendung 1 von Rohzucker(Erstprodukt) vom 12. Februar 1915 die 5 Frist, binnen deren die Vergällung von Rohzucker(Erst⸗ produkt) beendet sein muß, bis Ende März, 1915 aus. 1 Fristverlängerung gilt aber nur für Verträge über Liefe⸗ rung von Erstprodukten zur Herstellung von Futtermit⸗ 98 2 9 aus. Dieser dankte und beorderte nun einen Teil seiner Leute links 5 in den Wald, während die andern rechts von dem von den Deutschen stehen gelassenen Fuhrwerk hinter den Bäumen verschwanden. Der Zivilist schien mit dem Treiben einverstanden zu sein, kramte kurze Zeit in seinem Auto, und plötzlich erstand aus dem Hintergrund des Kraftwagens eine photographische Kamera. Paul ging nun ein Licht auf. Ganz sicher wollten die Franzmänner den verwaisten Wagen stürmen. Wie sich aber bald herausstellte, verhielt sich die Sache anders, und zwar wollte ein Teil der Schleichpatrouille einen Ueberfall auf die deutsche Soldaten imitierenden Kollegen machen, 5 der Kinboperateur aber wollte den Vorgang aufnehmen.“ De. u. erschrockene Fußartillerist beschloß, den einen Strich durch die Rechnung zu machen. Als die 72 Franzosen sich von dem Auto entfernt hatten, um eine regelrechte Schlacht für den Film aufzuführen, flüsterte er seinen Kameraden zu:„Obacht geb'n! Oes drei springt's hinten aufi zum Photograph'n, und i sorg, daß da Chauffeur glei abfahrt!“ Kaum hatte er so seine Anweisung gegeben, da hob der Mann im Auto seine Hand und begann an der Kurbel des Apparates zu drehen Aus dem Wald, links der Straße, stürzten in diesem Moment der französische Offizier und fünf seiner Leute, während die diesseits 1 gelagerten unsichtbaren Franzmänner unter heftigem Hurrabrüllen ein Schnellfeuer eröffneten. Natürlich schossen die Kerle in die 27 Luft, aber ihre stürmenden Landsleute gebärdeten sich, als gelte es den heftigsten Kampf. Das Pferd am Wagen sank— wirklich getroffen— zu Boden, und der französische Leutnant imitierte, mit seinem Säbel in der Luft fuchtelnd und zu Boden stürzend, einen Treffer. Der lange Paul aber ärgerte sich ob dieses wider⸗ lichen Spiels nicht wenig und stürzte sich mit einigen Sprüngen zu dem erschrockenen Chauffeur, während seine Kameraden die kurbeldrehenden Arme des Operateurs gleichzeitig hemmten. Wü⸗ tend— aber um so echter— klang das während dieser bliß⸗ schnellen Tat gebrauchte Hurra der vier Bayern. Die Franzmänner waren erst baff, und als sie ihren bedrängten Landsleuten zu Hilfe eilen wollten, da ratterte der Motor, die Räder des Autos drehten sich schnell und immer schneller— und bald waren Wagen und Insassen hinter der Straßenkurve verschwunden.“ Der Chauffeur wurde durch einen vorgehaltenen Revolver zum Gehorchen ge⸗ zwungen; der lange Paul ließ moch einmal während der Fahrt halten, um sich mit Holz zu versehen, und als dann das Auto mit seinem seltsam gemischten Inhalt bei der Batterie wohlbehalten ankam, wurde es mit großem Hallo empfangen. Als ein paar Tage später. der Batteriechef dem zum Unteroffizier beförderten Paul wieder einen Auftrag gab, meinte er:„Sie müssen heute unbedingt noch von irgendwoher Heu für unsere Pferde beschaffen. Bringen Sie uns wieder ein Auto, ein paar Gefangene und einen nicht übel geratenen Film, dann gratuliere ich Ihnen im voraus zum 13 Eisernen Kreuz.“ Paul brachte auch glücklich eine Fuhre Heu, aber zugleich einen von einer französischen Kugel zerschmetterten Unter⸗ schenkel mit, den er sich jetzt im Feldlazarett ausheilen lassen ß. * 9 * 9 W kern, die vor dem 12. Februar abgeschlossen und chrem In⸗ 1 nach vor dem 15 1915 zu erfüllen sind. Durch die Fristverlängerung soll die nachträgliche Erfüllung der ——. ermöglicht werden, wenn sie infolge besonderer Umstä nicht rechtzeitig erfolgen konnte. Die Fristverlängerung gilt nicht für die unter§ 1, Abs. 2,. fer 3 der Bekanntmachung aufgeführten Verträge. Bei Ver⸗ trägen, die nicht vor dem 12. Februar 1915 abgeschlossen sind, verbleibt es also bei der Vorschrift, daß die Vergäl⸗ lung vor dem 15. März 1915 beendet sein muß. Durch die Verlängerung der Vergällungsfrist wird weder 8 1, noch 83 der Bekanntmachung über zuckerhaltige Futtermittel vom 12. Februar 1915 berührt. Vergällter Zucker ist ein Futtermittel im Sinne dieser Paragraphen und darf da⸗ her von daselbst bezeichneten Personen nach dem 14. März 1915 nur durch die„Bezugsvereinigung“ abgesetzt werden. Die Vorschrift schließt aber nicht aus, daß vorher abge⸗ schlossene Verträge über Lieferung von Futterzucker auch nach dem 14. März erfüllt werden. Wenn die Bezugsvereini⸗ gung von ihrem Rechte, käufliche Ueberlassung des Futter⸗ zuckers zu verlangen, Gebrauch macht, dürfen die in 8 3 genannten Personen nur die Mengen zurückbehalten, die zur Erfällung von Verträgen erforderlich sind, die— nachweislich— vor dem 12. Februar 1915 abgeschlossen und ihrem Inhalte nach vor dem 15. März 1915 zu er⸗ füllen sind. 1 Aus Stadt und Caud. Gießen, 15. März 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. Aus Hessen und den Nachbargebieten.) t. d. Res. Oberlehrer Dr. W. Baumann, Inf.-RNgt. 116, aus Windecken.— Ref Phil. Rohm, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 88, aus Hochstadt.— Et. Rolf Limpert, Ins.⸗Rgt. 17, aus Hanau.— Stabsarzt Dr. Paul Denne aus Mainz.— Gefreiter Konrad Kaiser, Landwehr⸗Inf.-⸗Rgt. 116, aus Rumpenheim.— Res. Albert Kaufmann, Ins.-Rgt. 80, aus Falkenbach.— Musk. 1 Rödde, Res.⸗Inf.-Agt. 254, aus Mainz.— Offizier · Stellv. Friedr. Merz, Inf.-Rgt. 168, aus Kettenheim.— Musk. Karl Roßbach, Res.-Inf-Rgt. 251, aus Wallau.— Gesr. Ernst Langensiepen, Inf.⸗Rgt. 223, aus Engelbach.— Kriegsfreiw. Wilh. Braß aus Wiesbaden.— Kriegsfreiw. Franz Martin aus Wiesbaden.— Landwehrm. Johs. Karl Birkenstock, Landw.-Inf.-Agt. 116, aus Eifa.— Res. Karl Roth, Infanterie⸗ Regiment 115, aus Ober ⸗Sorg. Unteroffizier der Land⸗ wehr, Bankbeamter Heinrich Reeg, Stab der 25. In⸗ fanterie⸗Division aus Darmstadt. Res. Heinrich Feigk, Landw.⸗Ersatz⸗Bat. 10, aus Roßdorf.— Kriegsfreiw. Otto Goe⸗ deckemeyer aus Weiterstadt.— Res. Phil. Schott, Inf.⸗ f 118, aus Ober⸗Saulheim.— Ersatz⸗Res. Heinrich Kerker, Inf.⸗Regt. 117, aus Obersaulheim.— Landwehrm. Jakob Ger⸗ mann aus Rödelheim— Gefr. Wilhelm Buchheimer, Res.⸗ Pionier⸗Bat. 32, aus Mainz.— Gefr. der Res. Konrad Kaiser, Landw. ⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Rumpenheim.— Gefr. der Res. Wilhelm Dietz, Inf.⸗Regt. 168, aus Rumpenheim.— Einj.⸗ K—2 Karl Kräuter, Füs.⸗Regt. 80, aus Aßlar.— Musk. Gustar Ellenberger, Inf.⸗Regt, 144, aus Biedenkopf.— Vizefeldwebel Wilhelm Bär, Res.⸗Inf.⸗Regt. 253, aus Langen⸗ diebach. Sanitätsunteroff. Karl Bergmann, Res.⸗Inf.⸗ Regt. 88, aus Groß⸗Krotzenburg.— Off.-Stellv. Ernst Loof Silber ans ben Rgrgatben Kunstschlofsermet 5 ilder aus den Karpathen. i⸗ ster Arthur Graefe, der als Regimentswaffenmeister bei den„Bischweilern“ in den Karpathen steht, hat Zei gefunden, in einer Serie flott gezeichneter Feldpost⸗ karten mit dem Bleistift Eindrücke und Augenblicksbilder aus den 9 i sestzuhalten. Einzelne der Bildchen sind von köstlichem Humor. So sieht man den Beichner auf einem derselben am mehr als primitiven Ar⸗ beitstisch, dem Baumstumpfe als Stuhle dienend, in einer KRuthenenhütte. Auf der istöckigen Ofenbank hockt eee le wurf, Nag, eit ant den inte a ng: sie setzt mit inken Bein die an der Decke hängende Wiege des jüngsten Spröß⸗ lings in Bewegung und qualmt wie ein Schlot aus einer langen Pfeife. Unter der Ofenbank ist ein Hühnerstall zu sehen, während eine fette Gans in schöner Freiheit ihr Fut⸗ ter vom Stubenboden verzehrt. Zwei Kinder, denen man anscheinend eine solche Vergünstigung nicht gewähren kann, sitzen in einem Verschlag in der Ecke.— Solange es noch Gänse, Hühner und Tabak gibt, mag es angehen; aber höher in den Bergen, wo unsere braven Bischweiler im Kampfe . en, mag man auch die primitiven Herrlichkeiten einer 5 enenhütte nur mehr aus der Erinnerung kennen. der Jahresbericht des Gießener Volks⸗ bads für 1914 liegt jetzt vor. Er zeigt, daß die Benutzung der Anstalt gegenüber dem Vorjahr um rund 6700 Bäder zurückgegangen und dementsprechend auch die Einnahme gesunken ist. Die Zahl der verabreichten Bäder betrug sie 518(gegen 129 260 Bäder in 1913). Die Bäder verteilen 5 550 Wannenbäder, 1619(2151) Heißluft⸗ und Dampf⸗ bäder und 31164(35 802) Brausebäder. Unter den Schwimmbädern befinden sich 13 285(13 702) Volksbäder 2 10 Pfg. Aus diesen Mitteilungen geht hervor, daß der Rück⸗ gang sich auf alle Bäderarten verteilt mit Ausnahme der Wannenbäder, deren Zahl durch den Hinzutritt der billigen Wanne 3. Klasse um 1695 gegen das Vorjahr gestiegen ist. Den stärksten Besuch hatte die Anstalt im Juli mit 13 696 Bädern(Mai 13 433). Der schwächste Besuch trat im De⸗ zember mit 7162 Bädern ein. Die Gesamteinnahme aus Bädern betrug 39 268 Mark(43 169 Mk.). Der Kosten⸗ verbrauch hat sich infolge der Abnahme der Bäder ver⸗ kringert; er betrug in Geld ausgedrückt 9341 Mk.(11394). Auch der Wasserverbrauch hat gegenüber dem Vorjahr sich nur auf 59 434 ebm(65 603) belaufen und hat eine Weni⸗ gerausgabe von 250 Mark beansprucht. Außer für Gehälter und Löhne, hat man aber überall in den Ausgaben Erspar⸗ nisse gemacht, so daß der Abschluß nicht ungünstiger abschließt als im Vorjahr. .* IsraelitischerGottesdienstim Gefangenen⸗ lager. Landrabbiner Dr. Sander hielt im Lager auf dem rieb in einer zu diesem Zweck zur. gestellten Baracke fangene, überwiegend 5 fach einen Gottes dien st ab, an dem ca. 300 1—.— Nationalität, teilnahmen. Uebrigens werden die russischen genen demnächst nach Worms geschafft werden. Landkreis Gießen. OStorndo rf, 13. Marz. Zu den 4 Tapferen aus unserer Gemeinde, die mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden, ist 5 23 noch ein weiterer gekommen: Unteroffizier Edelmann„der se 1 4 Jahren die 1. Schulklasse verwaltete. 3 Starkenburg und Rhrinhessen. 5 m Offenbach, 14. März. Ein Un fall mit tödlichem Aus⸗ gang trug sich am Samstag nachmittag gegen 5 Uhr auf dem hie sigen Hauptbahnhof zu. Als der von Bebra kommende D-Zug 609 auf der hiesigen Station einlief, sprang der Rangierführer Schneider entgegen der Vorschrist auf den noch in der Faort befindlichen Zug auf. Er glitt jedoch auf dem Trütbrett des Wagens aus, geriet unter die Räder und wurde völlig zer malt. Auf Anregung des Kommandeurs des hiesigen Ersatzbataillons, wie folgt: 67133(71 403) Schwimmbäder, 22 599 T werden, die den hier garnisonierenden Soldaten während ihrer freien Dienstzeit angenehmen Aufenthalt und Erholung bieten sollen. ———— Sießener Strafkammer. th. Gießen, 12. März. Ein jugendliches Quartett. 1 Vier Buben von Ober⸗Erlenbach wollten ihrem Lehrer einen Streich spielen. Sie stiegen zu dem zufällig offenen Kellerfenster der Lehrerwohnung ein und eigneten sich vier Fläschchen Wein an. Die Strafkammer faßte die Sache milde auf und erkannte 15 ——*„ eine Geldstrafe von 5 Mk., im Nichtzahlungsfall einen Tag Gefängnis.. Vergehen gegen die Kartoffelhöchstpreise. Der Landwirt Ludwig B. von Gambach wollte sein Pferd zur Konsultation in die Veterinärklinik nach Gießen bringen. Es war Ende August und so nahm er zwei Sack Kartoffeln mit auf den Wagen, womit er in Gießens Straßen umherfuhr, damit rech⸗ nend, daß bei der herrschenden Kartoffelnot ein Käufer sich frei⸗ willig erbieten würde, der mehr als den festgesetzten Höchstpreis für die Ware, der 6,50 Mk. für das Malter betrug, geben würde. B. bot die Kartoffeln zu 7,50 Mk. das Malter an, fand auch endlich jemanden, der den Preis zahlen wollte, aber verlangte, B. sollto die zwei Sack wiegen lassen. Dieser aber meinte, er habe die Säcke schon gewogen und versicherte auf Treu und Glauben, es seien 2½ Zentner. Da ber Kunde aber dem Handel nicht traute, wurde B. grob und fuhr eiligst davon. Nun ging der Kartoffelkunde zur Polizei und schilderte das Handelserlebnis. B. wurde in der Frank⸗ furter Straße gestellt, seine Kartoffeln wurden im Beisein eines Polizeibeamten gewogen, wobei sich herausstellte, daß dieselben 2 Zentner und 10 Pfund wogen. Die Strafkammer war der Ansicht, daß B. s Tat nahe an Betrugs versuch grenze; jedenfalls aber habe er die Verordnung wegen der Höchstpreise verletzt und sei deshalb mit 150 Mk. Geldstrafe, im Unvermögensfall für je 5 Mk. mit einem Tag Gefängnis zu bestrafen. Gegen den Belagerungszustand und die Verordnung des Generalkommandos betreffend die poli⸗ zeiliche Anmeldung von Ausländern, deren Heimatsstaat sich mit uns im Kriegszustand befindet, hat sich der Kaufmann Josua R. in Bad⸗Nauheim vergangen. Der Angeklagte ist in Palästina ge⸗ boren, türkischer Staatsangehöriger und verwaltet in der Bade⸗ stadt ein Logierhaus. Er hat in zwei Füllen im August an einem 1 nachts Russen, die in Offenbach,—— furt und Darnist ihren Wohnsitz verlassen mußten, als Wohn⸗ gäste aufgenommen, diese aber erst am Montag resp. Dienstag der Polizei angemeldet, obschon er wußte, daß dies innerhalb 12 Stunden nach deren Ankunft geschehen mußte. Der Angeklagte entschuldigt seine Versäummis damit, daß am Freitag nachmittag anfangend bis Samstag abend Sabbat sei und er, um en nicht zu entweihen, die vorgeschriebene Anmeldung nicht bewirken konnte. Sonntags aber ist das Amt zur Anmeldung der F nur 2½ Stunden offen. Am Montag vormittag hat er die Gäste dann gemeldet. Er rechnet die Stun unter Abzug des Sabbat zusammen, während welchen das Polizeiamt offen gewesen ist, und meint, er habe nach die er Rechnung innerhalb 11½ Stunden die Fremden angemeldet. Die Strafkammer ließ aber diese Rech⸗ nungsweise des Angeklagten nicht zu. Wenn er so fromm sei, so hätte er am Freitag vormittag die Gäste anmelden sollen. Wir befänden uns im Kriegszustande, und da seien alle Anord⸗ nungen der Behörden pünktlich zu befolgen. Da eine Geldstrafe nicht zulässig, die Verfehlung des Angeklagten aber nicht schwer ist, so hat die Strafkammer auf die niedrigste zulässige Strafe von 1 Tag Gefängnis erkannt. Herr Josua R. will gegen das Urteil Berufung verfolgen, weil man seine religiösen Gefühle dabei nicht berüclsichtigt hat. Eine verunglückte Berusung schöffengerichtlichen Urteil, das ihr wegen Diebstahls eine Gefängnis zuerkannte, eine Freisprechung erzielen. Die der kleinen Mühlgasse waren aber in der Sache als Zeugen so be⸗ weiskräftig, daß die Strafkammer, obschon schließlich die An klagte nrit einer Herabsetzung der Strafe sich zufrieden geben wollte, die Berufung verwarf und die Angeklagte auf den Gnadenweg verwies, wenn sie die Strase vermindert haben wolle. Ein gan; 1 Betrüger ist der Schweizer Wilh. W., wohnhaft in Buchenbrücken. Aa ein langes Strafregister aufzuweisen und verbüßt augenblicklich 1 Jahr Gefängnis wegen Betrügereien, die er im Bezirk Wies⸗ baden verübt hat. Der Angeklagte ist geständig, in 3 Fällen von n 85 in der Wetterau unter Vorspiegelung unwahrer Tatsachen ich Beträge von je 20 Mark erschwindelt zu haben; er hat weiter einem F. händler in Friedberg unter der Angabe, die Militär⸗ verwaltung leiste Zahlung, veranlaßt, ihm einen neuen Luftschlauch im Werte von 3 Mark für sein Fahrrad zu liefern. Ferner— ihm 7 Fälle des Betrugsversuchs zur Last, indem er von Land⸗ wirten der Wetterau Einzelbeträge von 20—30 Mark zu erlangen versuchte. Die Strafkammer erkannte au eine Zusatzstrafe von 1 Jahr, so daß Angeklagter zusammen für seine Schwindeleien 2 Jahre ängnis zu verbüßen hat. Wegen 1 5. wurde der Metzgerssohn Artur Sch. von Büdingen zu einer Geld⸗ strafe von 50 Mark, im Unvermögensfalle 10 Tage Gefängnis verurteilt. Er hatte einem Landwirt in Hitzkirchen 2 Schweine abgehandelt, für welche dieser 55 Pfenni pro Pfund achtgewicht haben wollte. Sch. erklärte jedoch, er wolle das Vieh für eine Metzgersfran in Büdingen haben, de⸗ ren Mann im Felde stehe, und da könne er nicht mehr als höchstens 53 Pfg. für das Pfund bezahlen. Der Landwirt erklärte als Zeuge, er habe nur, weil die Tiere für eine Kriegerfrau von Sch. gekauft seien, den billigeren Preis zugestanden. Nach einigen agen stiegen aber fette Sabveine im Preise bis auf 58 0 2 und da Sch. die beiden Tiere nicht an die Frau des Kriegers, sondern an einen Metz in Büdingen für 60 Pfg. das Pfund verkauft hat, fühlte sich der Verkäufer geschädigt und erstattete Betrugsanzeige beim Gendarmen. Das Schöffengericht in Bü⸗ dingen hatte in der Sache in erster Instanz auf Freisprechun, erkannt. Die Strafkammer war aber der Ansicht, es habe si Sch. einen widerrechtlichen Vermögensvorteil von 2 Pfg. pro Pfund Schweinefleisch verschafft und um diesen Betrag den Land⸗ wirt geschädigt. —— Mordprozeß Vogt. O Darmstadt, 13. März. Ueber die Schluß verhand⸗ teidiger der Angeklagten Heydrich, Justizrat Hallwachs, führte aus: Gewiß hätten Vogt und die Frau Heydrich mit dem Ge⸗ danken gespielt, den Ehemann zu deseitigen. Aber diese Gedanken fanden vor der Tat ihren Abschluß. Wenn die Gasgeschichte ein Mordanschlag gewesen wäre, dann sei es doch auffallend, daß der Mann gar nichts von Mordversuch sagte. Die Frau erklärte, sie könne die Möglichkeit zugeben, aber sie wisse nicnt, daß sie es mit Vorsatz und lleberlegung getan habe, da sie ja gar keine Vor⸗ stellungen mehr davon hätte infolge des Bowlenabends. Es könne also von einem Mordversuch gar keine Rede sein, noch weniger aber von emer Anstiitung zur Tat vom 16. Mal, nachdem die Frau am Donnerstag vorher zu Vogt sagte, daß sie Schluß machen wollte. Frau H. ließ sich von 8215 das seste Versprechen geben, nichts gegen ihren Mann zu tun. Hallwachs schließt gleichfalls mit dem Appell an die Geschworenen, nur die Tatsachen reden zu lassen.— In seiner Replik führt Oberstaatsanwalt Schwarz aus, daß diesen Vorgängen am Donnerstag vor der Tat nicht die Be⸗ deutung zukomme, die ihnen die Verteidiger beilegen. Demgegen⸗ über unterstreichen in der Duplir die beiden Verteidiger nochmals diese Bedeutung für die Frage, daß Mord nicht vorliegt. Die beiden Angellagten haben das letzte Wort. Vogt erklärt, daß er seinen Aussagen nichts hinzuzufügen habe. Frau Heydrich betont nochmals, daß sie am Donnersitag vor der Tat ausdrücklich mit Vogt vereinbarte, nunmehr Schlu zu machen mit den früheren Planen. Sie habe mit der Tat nichts zu tun. Darauf solgt die Rechtsbelebrung. Nach drewwiertelstündiger Beratung verkündete der Obmann der Majer Albrecht, sollen auch hier Soldatenheime errichtet . Geschworenen deren Schuldspruch. Darnach bejahten die Ge⸗ schworenen gegen Vogt die Fragen wegen Mordes verfolgte die Ehefrau Fr. R. aus Gießen. Sie wollte von einem führer Frauen lehr lung im Prozeß Vogt⸗Heydrich ist noch nachzutragen: Der Ver⸗ Mau und Beihille Mordverfuch, Frau 1— 5 wegen Anstinung zum Mord, iftung zur Brandstistung un wegen Mordversuchs Während Vogt den Spruch gefaßt und er⸗ geben auinahm, sank Frau H. ohnmächtig zusammen. 0 berstaatsanwalt Dr. Schwarz beantragte darauf Vogt wegen Mordes die Todesstrafe, wegen Brandstistung zehn ahre Zuchthaus, wegen Beihilfe zum Mordversuch 10 Je uchthaus gegen Frau Heydrich een 1 zum Mord odesstrafe, wegen Anstiftung zur stiftung 10 Jahre Zucht⸗ haus und wegen Mordversuchs 14 Jahre Zuchthaus. Verteidiger des Vogt Rechtsanwalt Neuschäffer beantragte Verweisung an das nächste Schwurgericht wegen offenbaren Fehl⸗ 1 zum Nachteil des Angeklagten Vogt. Im übrigen enthalte er ich weiterer Aeußerungen. Der Verteidiger der Frau He ustizrat Hallwachs stellte aus gleichem Grunde denselben ntrag hinsichtlich des ganzen Urteils gegen Frau Heydrich. Das gegen 11 Uhr verkündete Urteil des Gerichts lautete: Gegen Vogt wegen Mordes die Todesstrafe, wegen Brand⸗ stiftung und Beihilfe zum Mordversuch insgesamt 10 Jahre Zucht⸗ 1 gegen Frau Heydrich wegen Anstiftung zum Mord die od 115 5 81 1 2 3 5 zur Bran ing insgesamt 12 Jahre Zucht. er gegen beide Angeklagten auf Aberkennung der bürgerlichen Ehren rechte auf Febensdauer und Tragung sämtlicher Kosten. Den Antrag der Verteidiger hält das Gericht für unzulässig; der Spruch der Geschworenen rechtfertige keinesfalls die— 2 5217 der Strafprozeßorbnung. Nach dem Spruch der Geschworenen mußte die Todesstrafe ausgesprochen werden. i l Das Urteil im belgischen Hochverratsprozeß. Brüssel, 14. März.(W. T. B. Nichtamtlich.) Das Gou- vernementsgericht sprach die des Hochverrats angeklagten belgischen Beamten, obwohl sie des Verbrechens dringend verdächtig waren, frei, weil aus dem Material nicht der volle Beweis ihrer Schuld erbracht werden konnte. Das Urteil zeigt, daß deutsche Richter auch dem Feinde gegenüber den altbewährten Gerechtigkeitssinn wahren. O Mainz, 13. März.(WTB. Nichtamtlich.) Vom hiesigen Kriegsgericht wurden gestern die drei a 8 Februar aus der Mainzer Zitadelle geflüchteten und zwei Tage später in der Nähe von Worms wieder festgenommenen französischen Offiziere verurteilt. Einer erhielt drei drei die beiden anderen je drei Monate Gefängnis. ö Eingesandt. 1571 (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rub henden Artike 3 die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei 2 Verantwortung.) 4 An die Schüler und Schülerinnen der höheren Schulen. Wollt Ihr nicht auch mittun bei der Kriegsanleihe? Viele von Euch haben doch Sparkasseneinlagen. Wie wäre es, wenn Ihr ein-, oder zwei- oder gar mehrere hundert Mark davon in Kriegs- anleihe anlegen wolltet! Das ist eine gerade so sichere Anlage; Ihr nützt dadurch dem Vaterland und Ihr bekommt dazu noch höhere Zinsen. Ihr braucht nur der Sparkasse mitzuteilen, wie viel Ihr zeichnen wollt, das übrige besorgt diese. Aber nicht lange be⸗ innen: Freitag, den 19. März, 1 Uhr, ist Schluß der Zeichnung! In Frankfurt hat allein eine Sexta 12 700 Mk. gezeichnet. Und lönnt Ihr nicht auch Angehörige und Bekannte zur Zeichnung ermuntern?! 1 2 Standesamts nachrichten. Aufgehote: Type terne E 1 un 2 bach eee 4. ed 5 lehrer in eborene: 8 schmidt ein Sohn, Wi Kurdirektor Wi Gold- m.— März 2. Dem Schriftsteller und Im Waehling⸗ i ein Sohn, Fri — 3. 1 Chen bahn Anterufstie** 85 Sue en Ehn, deneic is etn 7 5 wo Mitsch eine Tochter, Therese Mar Hier„Sen le erg 6, Mei or ging Schraub, alt, Licher Straße 74.— 7. Philipp Gunderloch, löhner, 65 Jahre alt, Licher Straße 106.— Otto Heinrich Buck 18. berger, 1 Jahr alt, Lindengasse 18. 8— Clisabeth Wagner, geb. Lemp, 71 Jahre alt, Walltorstraße 44.— 9. Katharine Deubel, 62 Jahre alt, Licher Straße 74.— 10. Mathilde Wilhelmine Luise Auguste Strack, 72 Jahre alt, Ludwigstraße 44. Im Felde gefallen: September 16. Wilhelm Lotz, Schlosser, Wehrmann, 32 J i Cernay en Dormois gefallen.— gefallen.— Dezember 3. Hermann Hans Hirt, Student, Kri freiwilliger, 19 Jahre alt, Löberstraße 23, bei— fallen.— Januar 17. dor Spitznagel, Lehramtsassessor, Leutnant der Landwehr, 37 Jahre alt, Schiffenberger Weg 60, bei Bois de Pröétre gefallen. 12 Albach. Geborene: März 5. Dem Maurergesellen Ernst Ludwig Keßler ein Sohn, Ernst. Eyesolieg N Staubi Ehe ießungen: a 7. g Friedri i, Laar mit Marie Auguste Wagner, beide in Fri Geborene: März 3. Dem Königl. Bauassistenten Karl Lack in Schweidnitz eine Tochter, Liselotte. e 20 Jahn ait ebenen 9. Man n„ben Musketier, rer, Jahre 7.— arz 4. n nie Wilhelmine Hilbrecht, 27 Jure alk 8 Hungen.. Geborene: März 2. Dem Reservelokomotivführer Martin Studenroth ein Sohn, Helmut. Odol in hübscher Metall⸗Felddose ½ Flasche 85 Pfg.(ende: fen pre) In allen einschlägigen Geschäften.(Porto 10 Pf) —— Amtlicher Teil. Au die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Auf verschiedene hierher gerichtete Aufragen benachrichtigen 1 Brot- und Me rte ür fand wir Sie, daß in aller Kürze ndgemeinden La des Kreises eingeführt werden. Na mun en Ferber N in Kürze 15 Fleßen, den 4. Mürz 1915. Seghers Kreisamt Gießen. „Usinger. n