zweites Blatt SEtrscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die„Sießener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das »xreisblatt für den Mreis Sietzen“ zweimal wöchentlich. Die„Tandwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweunal. 165. Jahrgang 2 Freitag, 12. März 1015 1 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen. 2. le ener Anz el ger Schrüttleitung, Geschäßtsftelle u. Druckerei: Schul⸗ General⸗Anzeiger für Oberhessen straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: Sol, Schrist⸗ leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten Anzeiger Gießen. Aus dem Finanzaussshuß der hessischen zweiten Kammer. g rb. Darmstadt, 11. März. Der erweiterte Finanzausschuß setzte gestern unter dem Vor⸗ jtd des Abg. Dr. Osann seine Beratungen über die verschiedenen Schulanträge fort. Die Großh. Regierung war durch die drei Minister und die Herren Ministerialrat Schliephake, Geh. Landesökonomierat Müller, Geh. Legationsrat Dr. Neid⸗ hart und Geh. Oberschulrat Scheuermann vertreten. Die Regierung widersprach auch heute den radikalen Anträgen Korell und Calman. Für eine ae Freigabe des Nachmittagsunter⸗ richts seien die Verhältnisse im Lande zu sehr verschieden. Wenn im Vorjahr die Ernte eingebracht und die Herbstbestellung bewirkt werden konnte, so müsse dies unter Ausnutzung der gewonnenen Erfahrungen auch für die kommenden Arbeiten trotz weiter ver⸗ miinderter Arbeiterzahl möglich sein. Jedenfalls müsse die Ent⸗ scheidung bei den Kreisschulkommissionen verbleiben. Im Verlauf der weiteren Aussprache brachte der Abg. Bach folgenden Ver⸗ mittlungsantrag ein: 1 abe e den 11 5 der F dies notwendig nen läßt, kann wa ieges auf Antrag des Gemeinde⸗ und Schulvorstandes: 1. der Nachmittags unterricht ausgesetzt werden, 2. können die Schüler und Schülerinnen des obersten oder der beiden obersten Jahrgänge ganz vom Unterricht befreit werden. Der Abg. Calman änderte seinen gestrigen Antrag in fol⸗ gender Weise ab: 9 Beurlaubungen in Volksschulen für die Dauer der allgemeinen Mobilmachung. Wir beantragen: 1. daß in Gemeinden mit stark überwiegender landwirtschaft⸗ licher Erwerbstätigkeit der letzte Jahrgang der Volksschulen, so⸗ wohl der Knaben wie Mädchen, für die Zeit von Beginn des Schul⸗ jahres bis Ende der Herbstarbeit beurlaubt wird, es sei denn, daß sich ein Schüler oder eine Schülerin nicht dauernd in der e beschäftigt und der Schulvorstand deshalb den Ur⸗ versagt: 5 2. daß im ländlichen Volksschulen die jüngeren Jahrgänge während dieser Zeit, soweit auch hier das rfnis vorliegt, ganz oder teilweise beurlaubt werden;: 3. daß berechtigten Urlaubsgesuchen in gewerblichen Kreisen ebenfalls entsprochen wird; ö 4. daß während des Sommers in allen ländlichen Schulen der Nachmittagsunterricht auf Antrag des Schulvorstandes ganz oder teilweise ausfällt; 0 5. daß in anderen Schulen ähnlich begründeten Urlaubs⸗ gesuchen tunlichst entsprochen wird. Die Regierung erklärte sich mit dem Antra Bach ein verstan⸗ den,— gegen den abgeänderten Antrag Calman einzuwenden, daß die Befreiung der obersten Schulklassen allgemein gefordert werde, muten sie von der Prüfung und. f der Kreisschulkommission abhängig zu machen.— Die Abg. Korell⸗ Ingelheim und Uebel zogen ihre Anträge 1 des ab⸗ ten Antrags Calman zurück, der mit Mehrheit angenom⸗ men wird. 5 wurde sodann die Aus spruche liber die Anträge, die sich auf die Bolksernährung beziehen, fortgesetzt. bel wurden die Maßnahmen der Reichs regierung und auch der Landesregierung in Bezug auf die Höchstpreise, die Beschlagnahmungen usw. einer f en Kritik unterzogen. Allgemein wurde bedauert, daß diese Maßnahmen vielfach zu spät und in unzureichendem Maße ge⸗ troffen worden sind. Namentlich gilt das von den Höchstoreisen auf Mehl und auf landwirtschaftliche Hilfsstoffe(Futtermittel und Düngemittel). Von anderer Seite wurden in diesem Zusammenhan auch die Wirkung der Maßnahmen und die Preissteigerungen auf die konsumierende Bevölkerung in den Städten beleuchtet. Sowohl aus ländlichen wie aus städtischen Kreisen wurde auf die wachsende Mißstimmung hingewiesen, die aus unzweckmäßigen oder aus unter⸗ lassenen Maßnahmen veranlaßt werde, es wurde abet auch all⸗ seitig ebenso nachdrücklich betont, daß die Mißstimmung, soweit sie auf mangelndes Verständnis der Lage der einzelnen Volksteile untercinander zurückzuführen ist, bekämpft werden muß, da alle Volksteile sich in der gegenwärtigen Zeit gegenseitig vertragen und verstehen lernen müssen, da von der Einigkeit des gesamten Volkes der Ausgang des großen Ringens abhängig ist.— Die Beratungen wurden auf Freitag vertagt. ö 5 f Von den Wiener Bühnen. Aus Wien wird uns geschrieben: Ter Wiener Hans Müller, der mit seinem neuesten Werk„Die blaue Küste“ in der Neuen Wiener Bühne zu Worte kam, nennt die vier Akte ein leichtes Spiel“. Da der Einfall dieser Komödie sehr dünn, die wirklichen Scherze noch dünner, die überlebtesten Geistreiche⸗ leien aber in der, wörtlich genommen: erdrückenden Majorität sind, war der nur von spärlichen Zischern getrübte Erfolg eine Täu⸗ schung. Die Langweile des Abends wurde, außer durch Frau Ro⸗ land, nur durch die Frisierkunst des Herrn Korff unterbrochen, der einen abenteuerlustigen Grafen mimte und als Friseur sich in die Nähe der Angebeteten schmuggelt. Er muß zur Probe die Zofe frisieren, und Herr Korff brachte zum Ergötzen des Publikums ig ein tadelloses Haargebäude zusammen. Das war die billige Sensation des verlorenen Abends. Im Burgtheater erzielte Hauptmanns„Bogen des Odysseus“ bei seiner Erstaufführung in Anwesenheit des Dich⸗ ters einen mehr lauten als Linie Herr Marr als Odysseus und Frau Wolgemutzh als Leukvne Teil batten. Die Regie stellte sehr wirkungsvolle Szenen. Felir Philippis! Schauspiel„Der Fall Ravelli das im Deutschen Volkstheater seine Hlraufführung erlebte, ver⸗ leugnet als geschickt aufgemachte Kolportagekomödie keinen Augen⸗ blick i Erzeuger und ist ihren älteren Geschwistern wie aus dem icht geschnitten. Der Erfolg war trotz der ausgezeichneten Frau Wallentin ziemlich matt, zumal die e e szene die Wirkung des letzten Aktes zerstörte. 9* 7 rufen hier zuerst die Reaktion hervor, von der die Gegen⸗ oßen Erfolg, an welchem in erster f Aus dem Budgetausschuß des Reichstags. Berlin, 11. März.(WTB.) Der verstärkte Budget⸗ ausschuß des Reichstages begann heute die Erörterung des Etats des Auswärtigen Amts mit einer Aussprache über die gesamte politische Lage. Der Referent eröffnete diese Aussprache mit einem allgemeinen Ueberblick über die militärische und poli⸗ tische Lage. Danach gab der Staatssekretär des Auswärtigen Amts Auskunft über die gegenwärtige diplomatische Lage und schilderte dabei im einzelnen unsere Beziehungen zu den neutralen Mächten. Ausführlich wurde die Lage der Zivil⸗ und Kriegsgefangenen in feindlichen Ländern besprochen. Be⸗ richte, die von neutraler Seite dem Auswärtigen Amt erstattet worden sind, sind zwar in mancher Beziehung beruhigend, in vielen Fällen sind die feindlichen Regierungen jedoch ihren Pflich⸗ ten in der Behandlung der Gefangenen nicht nachgekommen. Die gegen das Völkerrecht festgehaltenen Zivilgefangenen sind vielfach schlechter behandelt worden als Kriegsgesangene. Die Unterkunfts⸗ verhältnisse haben namentlich zu Beginn des Krieges große Mängel aufgewiesen. Besonders schlecht erscheint die Lage der mittellosen Zivilgefangenen in Rußland. Zur Erleichterung ihrer Lage ist der amerikanischen. Botschaft in Petersburg, ebenso wie denen in den anderen feindlichen Ländern unbeschränkter Kredit zur Ver⸗ fü rung gesellt worden. Dauernd ist die Reichsregierung in Ver⸗ bindung mit den Schutzmächten und wohltätigen Vereinigungen bemüht, für die Besserung der Lage der Gefangenen zu sorgen. Mit schärfster Entrüstung wurde der durch die Hinrichtung der Deutschen Ficke und Grüdler in Casablanca begangene Justizmord besprochen. Von der Regierung wurden die Schritte dargelegt, die geschahen, um die Vollstreckung zu verhindern. Ueber Vergeltungsmaßregeln behält sich die Reichsregierung ihre Ent⸗ schlüsse vor bis zum Eingang des Urteils. Die durch die Presse bekannt gewordene Ankündigung der britischen Admiralität, daß die gefangenen Besatzungen von„u“-Booten einer anderen Behandlung unterworfen werden sollen als andere Kriegsgefangene, wurde sofort zum Gegenstand einer Anfrage bei der englischen Regierung gemacht. Dabei wurde kein Zweifel darüber gelassen, 25 zur schärfsten Vetaettun g gegriffen werden würde, alls sich die Ankündigung bestätigt. Die Angabe, daß die Eng⸗ länder deutsche Gefangene auf Schiffe gebracht hätten, um sie ge⸗ wissermaßen als Kugelfang gegen deutsche Angriffe zu benutzen, hat sich als irrtümlich herausgestellt. Der Grund der Maßnahme ist in Unterkunftsschwierigkeiten zu suchen; Gefahr liegt für diese Gefangene nicht vor. In eingehenden Erörterungen beschäftigte sich der Ausschuß mit der brutalen völkerrechtswidrigen wirtschaftlichen Kriegführung Englands. Es wurde allgemein zustimmend an⸗ erkannt, daß die dagegen ergriffenen Vergeltungsmaßnahmen not⸗ wendig und wirkungsvoll sind. Die in der Frage des„U“-Boot⸗ krieges ergangenen Noten fanden allgemeine Billigung. Wie es im englischen Hauptquartier aussieht. Eine interessante Schilderung des britischen Haupt⸗ quartiers in Frankreich finden wir in den Darstellungen einiger englischer Berichterstatter, die von French emp⸗ besich 8 sind 7— 9 1 Delg ene genau ichtigen durften.„Das warz eiß französis Hanel, vüni Wahl. aer, d ie beben Zu dustrien, die in Friedenszeiten die Stadt das englische Hauptquartier aufgeschlagen ist. Hier und da erinnert noch das Stück eines sestigungswerkes an die alten Kriegstage des Ortes, als Marlborpugh, Turenne oder Conds um jeden Zoll breit von Französisch⸗Flandern kämpften. Nun ist wieder Krieg die Industrie des Ortes. Die Stadt selbst liegt tatsächlich fern vom Kriege, aber geistig wird sie vom Feinde belagert, denn alle Angriffe ernähren, in der bewegung ausgeht. In dem engen Umkreis dieses Platzes vollzieht sich das gn e Denken des Feldheeres; hier ist leichsam das Gehirn der Schlacht. Die Stadt läßt äußer⸗ ich weniger vom Kriege erkennen als irgend eine, die ich innerhalb des Operationsgebietes besucht habe. Zwar stößt man selten auf Bürger, aber die Soldaten sind auch nicht zahlreich. Nur hier und da steht eine Schildwache mit auf⸗ gepflanztem Bajonett vor dem Haus eines wohlhabenden irgers. Nur eine ungewöhnliche Anzahl von Offizieren 15 es auf den Straßen, deren Mützen mit dem roten treifen sie als Mitglieder des Generalstabs erkennen lassen. Der Stab stellt eine ganze Regierung dar. Aus wieviel Leuten er ge ärtig besteht, kann ich nicht sagen, aber für das Wachstum unserer Heere in Frankreich seit dem kraft nach. Seine stärksten Reize hat der Mirakelfilm in den Massen⸗ szenen, so in dem Aufzuge der Siechen, in dem Frühlingsreigen, in der Gerichtsszene. Die Direktion der Sendlingertor-Lichtsviele“ hat sich die Sache etwas kosten lassen. Sie bietet ein wirklich recht . Orchester und einen Frauenchor, der in den Klosterszenen itaneien singt. Daß bei Beginn eine Schar brauner Klosterfrauen das Theater durchzieht, wirkte allerdings sehr komisch. R. R. — Ein englischer Bismarck⸗Roman.„Der Mann von Eisen“ heißt das neueste soeben erschienene Werk des viel⸗ gelesenen englischen Romanschriftstellers Richard Dehan und erhebt damit den Anspruch, ein Bismarck⸗Roman zu sein. Aber freilich spielt der eiserne Kanzler darin eine merkwürdige Rolle; er tritt erst auf der 240. der 800 Seiten auf und liefert nur gleichsam die geschichtliche Hintergrundfigur für die höchst spannenden Aben⸗ teuer des englischen Helden und der französischen Heldin. Der Ro⸗ man spielt im deutsch⸗französischen Krieg und behandelt die Liebe eines Engländers zu einer Französin, der Tochter eines Obersten, der im Kriege fall. Bismarck rettet die Beiden vor den preußi⸗ chen Truppen, als die Heldin Juliette ihren toten Vater sucht und der liebende Brite sie begleitet; vorher hat er schon einmal den jungen Mann vor einer aufgeregten Volksmenge beschützt. Juliette will zum Dank als eine zweite Charlotte Corday den großen Mann umbringen; aber als Bismarck eine Stecknadel verschluckt und daran zu sterben droht, siegt das Mitleid und sie rettet ihn, indem sie ihm die Nadel aus dem Hals zieht. Dafür werden auch die Beiden unter Bismarcks Schutz ein glückliches Paar. Und zu dem Titelhelden eines solchen Kolportageromans muß Bismarck einem schreibseligen Engländer herhalten! —Englischer Klub⸗Klatsch. Eine für die Stimmung in 1. bezeichnende Ermalntung unter dem Titel„Von Klub⸗ Klatsch“ bietet ein Leitartikel der Times.„In Kriegszeiten holt man sich so leicht eine Gemütsverstimmung wie bei schlechtem Wet⸗ ter eine Erkältung, und die eigentlichen Herde für diese VBerstim⸗ mungen sind die Klubs“, heißt es da.„Jeder, der so wenig zu tun daß er den ganzen Tag an den Krieg denken kann, wird sicherlich daruber verstünmt sein, so wie jeder, der den ganzen Tag über seine Gesundheit nachdenkt, ein Hypochonder wird. Solche Leute gibt's immer im Klub; sie sind hier, weil sie sonst nichts zu tun haben, und ihre Verstimmung übertragen sie auf andere. Ihre Informationen wollen sie immer aus den besten Quellen haben, und ihre Nachrichten sind, da sie aus einem verstimmten Gemüt kommen, stets trüber und grausiger Art. Und darin liegt ihre Ansteckungsgesahr, denn sie locken die Verstinnmung hervor, ich es in den ersten Tagen des Krieges besuchte, in vier Räumen untergebracht war, während es jetzt etwa ein Dutzend Gebäude besetzt hält. Alle Bedürfnisse der Armee 1 7 August spricht die Tatsache, daß das Hauptquartier, als 1 1 werden von hier aus befriedigt. Das Kriegsministerium hat seine eigene Abteilung; das Justizministerium ist durch das Militärgericht vertreten, das Finanzministerium durch den Oberzahlmeister, die öffentlichen Arbeiten durch den Generalquartiermeister und das Unterrichtsministerium kann man in einer Offiziersschule verkörpert sehen, die hier eingerichtet ist. So hat jede Abteilung der Regierung hier ihre Vertretung, und die Leute, die hier arbeiten, stellen die verschiedensten Berufe dar. männer, Ingenieure, Kartographen, Photographen, Sach⸗ verständige für das Fliegerwesen, Leute, die den Trans⸗ port besorgen, Mitglieder des diplomatischen Dienstes, Sprachkundige, Detektivs, Gelehrte, Historiker, Journalisten usw. Die ganze Einrichtung der Organisationen des Großen Da gibt es GeldF⸗ Hauptquartiers ist so auf eine sehr breite Basis gestellt. Neben den strategischen Hauptfragen werden hier Fragen 93 behandelt; es ist eine der Politik und der Verwaltung Mannigfaltigkeit von diplomatischen, industriellen, ökono⸗ mischen, sozialen und militärischen Faktoren, die hier zusammenläuft. Nur ein Teil ist z. B. das Hauptquartier des Fliegerkorps, und doch eine ganze Welt für sich. Die Luftflotte empfängt ihre Stärke und Wirksamkeit von den Vorratshäusern und Werkstätten, die ringsherum entstanden sind. In den Vorratshäusern findet 3 man jeden erdenklichen besonderen Teil, der zu einer Flug⸗ maschine gehört, in zahlreichen Exemplaren aufgestape In den Werkstätten arbeiten Zimmerleute neben Elek⸗ trikern und Mechanikern; ein besonderes Bureau erstattet Bericht über jeden Flug, über seinen Erfolg oder Miß⸗ 885 Und eine solche Organisation bis ins kleinste muß jede der zahlreichen Abteilungen haben. Wenn Ihr Brot verzehrt, denkt an das bater⸗ land, und spart für kommende Seit. 5 0 2 Gerichts aal. 1 Mordprozeß Vogt. 1 rm. Darmstadt, 11. März. Die Schwurgerichts verhandlung im Fall Vogt⸗ Heydrich wurde am heutigen zweiten Iungstage mit der Zeugenvernehmung fortgesetzt. Verschiedene i Nachbarschaft des Unglückshauses wohnende Villenbefitzer machen nähere über Entdeckung des Brandes und des Mordes, wobei die iin tragt wurde, am kommenden Samstag 7 seiner Tochter und spricht sich ungünstig über Heyd⸗ rich aus. 4 In der Nachmittagssitzung wird die zweite Frau des Ermordeten, geb. Müller, vernommen, die über die Ehescheidung nähere Angaben macht. Frühere Lehrer und Mitschüler schil⸗ dern Vogt als sehr soliden, fleißigen Menschen. Seme Wirtin in Heidelberg, bei der er 6 Semester wohnte, hat gefunden, der W e, bebe fr. Aft 3 951 5 15 klärt, daß sie am Donnerstag vor 8 von Vogt beauf⸗ 1 daß Vogt seit seiner Bekanntschaft mit der H. seine Studien ver⸗* die in so vielen Herzen schlummert. Was sie sagen, ist wahrschein⸗ lich sinnlos, aber da der Zuhörer ebenfalls geheime Aengste hat, so ist er schnell bereit, das Schlimmste zu glauben. Der Zuhörer vergißt dann, daß der Klub⸗Mießmacher als ein urteilsloser Ge⸗ selle bekannt ist, daß er der letzte wäre, der etwas genaues weiß, da die Behörden ihre Geheimmisse und gefährlichen Nachrichten so einem Klub⸗Mießmacher gerade nicht ausliefern würden; er ver⸗ 8 2 gißt das, weil er selbst ängstlich ist und Angi jedes Urteil aus- schließt. So wiederholen denn die andern das, was ihnen der Mießmacher erzählt hat, jedem, der es hören will, und so breitet sich die von einem Unverständigen plötzlich erzeugte Gemütsver⸗ stimmung auch auf die aus, die von seiner Bekanntschaft bisher verschont blieben. Um solch eine„Erkältung der Seele“ zu ver⸗ meiden, muß man, wenn man dem Mießmacher nicht aus dem Wege gehen kann, sich immer wieder fragen, ob der etwas über den Krieg wissen kann, der sonst von nichts etwas weiß. Man frage ihn nicht genauer aus, denn er wird dann nur noch mehr lügen, und seine Lügen werden glaubhafter erscheinen. Man glaube kei⸗ nem, der diese Geheimnisse für wahr hält, weil er sie von jeman⸗ den gehört hat, der direkt von der Front kommt. Man bedenke, daß die Leute an der Front nichts wissen, außer dem, was ge⸗ rade unter ihren Augen passiert, und daß ein Mann, der 5 lich nicht die Wahrheit sagt, sie nicht deshalb eher sagt, weil er aus Flandern kommt. Er mag so tapfer sein wie ein Löwe und ein durch und durch anständiger Kerl; es gibt nun einmal Leute, die alle Tugenden haben und doch nicht die Wahrheit reden, wenn sich ihnen Gelegenheit bietet, irgend eine aufregende Geschichte zu erfinden. Und das sind gerade die Leute, die uns all die furcht⸗ baren Geschichten erzählen; sie möchten durchaus etwas Neues, etwas Aufregendes und Abenteuerliches mitteilen, und da man so etwas selbst im Rriege nicht immer erlebt, lassen sie ihre Phan⸗ tasie spielen. Deshalb ist die beste Regel, alle Gerüchte über den Krieg nicht zu glauben, von welchen höchsten Stellen sie auch aus⸗ gehen sollen. Am schlimmsten ist der russische Klatsch, der die un⸗ geheuerlichsten Formen angenommen hat. Denke daran, daß dein Klub⸗Mießmacher, der heute alles so genau weiß, gestern ebenso genau wußte, was sich nicht bestätigt hat, und es vergessen hat. Morgen wird er vergessen haben, was er heute so genau weiß, wenn es sich als falsch herausstellt; aber er wird wieder etwas Neues wissen, und solange der Krieg dauert, wird er auch wahr⸗ scheinlich einen finden, der ihm glaubt.“ wachlässigte. Sie hat ihn wiederholt gewa Nach Verlesun Antworten. Vorsitende dem An, fem Lichte zu betrachten sei g doch gab verschiedener bleibt a er 1 tokolle mucht der agten Vogt nochmals ganz ener⸗ gischen Borhalt über sein eigentümliches Verhalten, das anfangs den Eindruck machte, als ob er durch ein reumütiges Geständnis die Tat wirklich bereue, während er im Laufe der Verhandlung immer zurückhaltender werde, statt sein Gewissen zu erleichtern.— Der Sachverständige Medizinalrat Dr. Wagner⸗Gießen erklärt dann in seinem Gutachten, daß V. etwas eigenartig veranlagt und verschlossen, im übrigen körperlich und geistig normal und seine freie Willensbestimmung nicht beeinträchtigt sei.— Sachverstän⸗ diger Oberarzt Dr. Berliner⸗Gie ßen hat Frau H. 6 Wochen beobachtet und hält auch die Angellagte für die Tat verantwortlich, wenn sie auch als stark hysterische, kränkliche Frau in weniger schar⸗ fem Damit ist die Beweisaufnahme ge⸗ schlossen, und die Verhandlung wird auf Freitag vormittag vertagt. Nutzholz⸗Versteigerung. Dienstag, den 16. ds. Mts., nachmittags 1 Uhr er frivole Abonnent in L. verwendung ist den maßgebenden Stellen . R. in Cl. zirkskommando zu richten die Wuwe und die Kinder unter 18 Vriefkasten der Redaktion. (An enume Anfragen bleiben unberüchsichtigt.) Aller Voraussicht nach in vort ufig nicht damit zu rechnen, daß L. o. W. einberufen wird. vorbehalten. etwaige Einberufung dür te nach Jahresklassen erfolgen. Hinerläßt ein ge allener Kriegstelnehmer eine Witwe oder eheliche oder leguimitierte Abtömmiinge, so werden stellvertretende Korpsintendantur, zu deren Geschästsbereich der Trupventell des Verstortenen gehört, oder an das zutändige Nach Ablauf der Enadenzeit erhalten Jahren Witwen- und Waisen- geld, Die Art der Eine sowie Kriegswitwen- und Kriegswaisengeld. Vewilliaung dieser Ver orgungsgebührnisse sind an Ortspolizeibehörde(Bürgermeisterei) zu richten. F. Sch. in W. N Wege, doch fragt es sich, ob das Semester unter den vorliegenden Umnänden später angerechnet wird. * 1 Dem Besuche der Universität steht nichts im für einen gewissen Zeitraum nach dem Tode des Kriegs- teuneumers Gnaden gebührnisse gewaäyrt.(Die Ge- Aus Dr. währung ist auch unter bestimmten Voraussetzungen an Verwandte des Versorbenen möglich). Anträge auf Zah- lung der Gnadengebührnisse sind entweder an diejenige In Mehlspeisen u. Supp —— oetker's Gustin sind billig, nahrhaft und wohl- sch eckend. Keine deutsche Hausfrau wird noch das englische Mondamin kaufen. Paketen zu 15, 30 und 00 Pfg., überall zu haben. lh Be; Drucksachen aller Art liefert in jeder gewünschtes Ausstattung stilrein u. preis wert die Brühl'sche Univ-Oruckeret (wasserdicht) sowie Gamaschen un var, Or. Diehl-, N⸗ssia- u. Salvator- stiefel Konfirmanden— Für Knaben und Mädchen. Boxkalf und Chevreaux mit und ohne Lackkappe zu den alten billigen Freisen so lange der Vorrat reicht.— Grosse Auswahl in Militärschaf t- u. 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Mund gewöhnlich. Gesicht hager. Gröne 1,75 m. Hgare blond. Nase gewöhnlich. Bart blond. Schnurrbart. Gesichtsfarbe blaß. Besond. Kennzeichen: nichts. Kleidung: Beim Ent⸗ weichen feldgraue Unisorm. mpfehlungen Knochenmühlen „Heureka“ bestbewäbhrtestes System empfiehlt(1913a Edgar Borrman, Gießen Telephon 165 Neustadt 11 Küchenlumpen Ia. Hängegassparbrenner à Mk. 5.40 031⁵ Carl Schunck, Bahnheistr. 54. Husten u. Heiserkeit verschwinden bald nach!;e- brauch von Dr. kuf leb's Hustentropfen, 4 50 Pf. Cenftel-Drogerie Emil Karn. 3 e Trauen sparen! In der„Kleidung“ da- durch, dub sie das grob- artige Favorit-Moden- Album mur 60 Pf.) mit sein. wundervollen Vor lagen zu Rate zieh. Alle Modelle können mit Fa- vorit-Schnitten preisw. nachgeschneid. werden. Erhältlich bei 1081a A. Salomon& Co. Samstag, 13. d. Mis. Zusammenkunft um Vereinsbeim(Köbler). 2843 v Zentral- Depot für Liebesgaben, Berlin W. 50. Sondersammlung zur Bekämpfung der Uugezieferplage im Osten. Mitbürger! Helft die Läuseplage bekämpfen! Unsere Truppen, namentlich im Osten, leiden unsaghar unter der Ungezieservlaae. Durch die Muteilung des Berliner Pollzetprasidenten und den— des Spezialarztes für Haut⸗ und Haarkrankheiten, Dr. med. Dreuw, in Nr. 78 des Berliner Tageblatt, sind weite Kreise der Bevölkerung auf die großen Gesabren hinge ⸗ wiesen worden, welche die Läuseplage für die Verseuchung — Heimatgebieties und des Heeres durch Flecktupbus edeutet. Das Zentral⸗Depot für Liehesgaben, Berlin W. 50, hat bereits große Mengen Bekämpfungsnüttel binaus⸗ esandt; trosdem mehren sich täglich die Bitten unserer Soldaten, sie von der Läuseplage zu befreien Lieber wollen unsere Soldaten Hunger, Durst und Schmerzen, als das unerträgliche Jucken erleiden. Eine d Uebersendung geeigneter Mittel durch das Zentral⸗Depot soll nun schleunigst nach Anwei⸗ sung des Kriegsministeriums in der Weise in die 51 geleltet werden, daß alle im Osten stehenden Truppenteile genügend damit versorgt werden. 1 Die Beschaffuna dieser Bekämpfungsmittel verursacht bei der großen 12205 unserer im Osten stehenden Sol ⸗ daten erhebliche Unkosten, und da der freiwilligen Kran⸗ kenpflege keine genügenden Geldmittel zur rfügung steben, werden alle deutschen Bürger gebeten, mitaubelfen. Wenn jeder. der in diesen schweren Kriegszeiten am beimatlichen Herd bleiben konnte, nur einen Betrag von wenigstens M. 1.— spendet, können wir unsexen tapferen Krlegerw Erxlösung von der Ungezieferplage bringen. Helft alle! Gebt schuell! Eile tut not: Unsexe Geschäftsstelle ist gern bereit. Beträge für das Zentral⸗Depot für Liebesgaben, Berlin„entgegen zunebmen und öffentlich darüber zu quittieren. Amtliche Bekanntmachungen der Stadt Gießen. Die Friedböfe sind in der Zeit vom 16 Märs bis —— 1915 von 6 Uhr morgens bis 8 Übr abends geößfne Die Auszahlung der Jamilien-Unterstüun 16. bis Ende März an die Angehörigen der zum— dienst Einberufenen findet Dienstag, den 16. März Mittwoch, den 17. März Donnerstag, den 18. Mürz und Se den 19. März vormittags von 8 bis 1 Uhr, im Stadthaus, Zummer Nr. 16, statt. B Aufnahme der Kartoffelvorräte. Auf Beschluß des Bundesrats sollen am 18 de. Nes. im Deutschen Reiche sämtliche Kartofselvorräte ermittelt werden. Es sind alle Kartoffelvorräte(Speisekaxtoffeln, Kartoffeln zu Saat-, Futter- und gewerblichen Zwecken) ohne Ausnahme zu ermitteln. Kartoffelmengen, die sich am 15. März auf dem Trans vort befinden, sind vom Empfänger anzugeben. Die Erhebung wird von Zählern vorgenommen, die von Haus zu Haus gehen und die Vorräte aufnehmen. Die Haushaltunssvorstände oder deren Stellvertreter sind verpflichtet, den Zäblern die Vorräte anzugeben. Die Zähler sind befugt, Ermittelung richtiger Angaben Vorratsräume oder 2 Aufbewahrungsorte zu untersuchen und die Bücher des zur Anzeige Verpflichteten zu prüsen. Wer wissentlich unrichtige oder unnollständige An⸗ gaben macht, wird mit Gefängnis bis zu 6 Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10000 Mark bestraft: auch können Vorräte, die verschwiegen werden, im Urteil für den Stagt a sahelt erklärt werden. 5 Wer fahrlässis 20 oder unvollständige An ⸗ gaben macht, wird mit Geldstrase bis 4 3000 oder 2 e mit Gefängnis bis zu 6 estraft. Um die Durchführung der Erhebung zu erlei. werden alle Besitzer von vorrüten ersucht, schon vor dem 15. Märs eine genaue Schätzung ihrer Be; stände vorzunehmen, damst die Aufnahme selbst ohne Zeitverlust vor sich gehen kann und unrichtige Angaben vermieden werden Gseßen, den 11. Märs 1915. 5 Der Oberbürgermeister Keller.. Wirtschaftsverpachtung. Das städtische Anwesen Schloßgasse 9„Zur Stadt München“ ist ab 1. April d. Js. anderweit zu ve Angebote hierauf werden im Stadthaus, Gartenstr. 2 Zimmer Nr. 13. entgegengenommen. 2B Vergebung von Erdarbeiten. 7 1 50 Stück B b Feld · weg längs der hberbessiicken Essenbabn, nördlich der Licher Straße, se Freitag den l. Nin d. J., vormittags Ile Ur. auf unserem Tiefbauamt vergeben werden. e dingungs unterlagen liegen daselbst offen und 1 gebote auf Vordruck bis zum vorgenannten eitpunkt verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen an das Tiesbauamt einzureichen.— Zuschlagsfrist 255 Wochen. Holzversteigerung im Gießener Stadtwald (Jorstwartei Gießen I. Forstwart Brick-Rödgen ontag, den 15. März 1915, vorm. 9½ Ubr Fr de i en esboden, eu e e Gelber, Abieitng 9.18. 14, 15, 17, A8. 2. 0. 55 u. 80 ver* 100 Jichten⸗Dexbstangen mit 6.05 Istm. 1003 Naar isstangen mit 2 5 1700 Fichten- Bohnenstangen mit 1.57 Istm. Rm. Birken⸗Knüppelholz 9 Kiefern Knüppelholz 60 en Buchen⸗Retsig 100 Wellen Kiesern⸗Reisig I—.— 8 5 Rm. Kiesern⸗Stockholz 56.8 Am ichten⸗Stockholz. ie Zusammenkunft ist rünberger am 12 Wan 8 die— 9 N