ä Ur. 50 Erstes Blatt Der Sletzener 1 erscheint täglich, außer Sonntags.— Beuagen: viermal wöchentlich Sietener Famil iendlätter; mal wöchentl. Kreis- lati füt den Kreis Siegen (Diensꝛag und Freitag); zweimal monatl. Land- wirtschaftliche deitfragen Ferusprech Anschluße: 1 5 Geschãtsstelled Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Siezen. Annahme don Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Wc„ 165. Jahrgang 0 2 jährl. Me. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel; jährl. ausschl. Bestellg. 1 Zeilenpreis: lokal 15 U., ausw. 20 Pi.— Haupt⸗ schristleiter: Aug. Goetz. General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch- und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druderei: Schulstr. 7. Donnerstag, II. März 1915 Geznaspre* monatl. 75 Bj., viertel⸗ Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Bermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämilich in Gießen. Furchtbare verluste der Franzosen in der Champagne. Ein Deutsches Unterseeboot untergegangen. Die dritte Kriegstagung des Reichstags. 1 Großes Hauptauartier, 10. März. (amtiich f Westlicher Kriegsschauplatz. Die Gefechtstätigkeit war durch Schnee und starken Frost einerschränkt. in den Vogesen sogar fast behindert. Nur in der Champagne wurde weiter gekämpft. Bei Souagin blieben bayerische Truppen nach lang undauerndem Handgemenge siegreich. Nordöstlich von Le Mesnil drang der Feind an einzelnen Stellen vorüber⸗ gehend in unsere Linien ein. In erbittertem Nahkampfe, bei dem zur Unterstützung heraneilende französische Reserven durch unferen Gegenstoß am Eingreifen verhindert wurden, warfen wir den Feind endgültig aus unserer Stellung. Oestlicher Kriegsschauplatz. Ein erneuter Versuch der Russen, bei Au gu sto w durch⸗ zuftoßen, mißlang. Der Kampf nordwestlich von Ostrolenka dauert an. Die Gefechte nordwestlich und westlich von Prasz ny sz n writer einen für uns günstigen Verlauf. Ein Angriff von uns nordwestlich von No wo Miast o macht Fortschritte. 1 Mit den heute und in den letzten Tagen gemeldeten Kämpfen ist die Winterschlacht in der Champagne soweit zum Abschluß gebracht, daß kein plötzliches Aufflackern mehr an dem Ergebnis etwas zu ändern vermag. Die Schlacht entstand, wie hier schon am 17. Februar mitgeteilt wurde, aus der Absicht der französischen Heeres⸗ leitung, den in Masuren arg bedrängten Russen in einem ohne jede Rücksicht auf Opfer angesetzten Durchbruchsversuch, als dessen nächstes Ziel die Stadt Vouzier bezeichnet war, Entlastung zu bringen. Der bekannte Ausgang der Masurenschlacht zeigt, daß die Absicht in keiner Weise erreicht wurde. Aber auch der Durchbruchsversuch selbst darf heute als völlig und kläglich gescheitert bezeichnet werden. Angesichts aller Angaben in den offiziellen französischen Tagesveröffentlichungen ist es dem Feinde an keiner Stelle gelungen, auch nur den geringsten nennenswerten Vorteil zu erringen. Wir verdanken es der heldenhaften Haltung unserer Truppen, der Beharrlichkeit ihrer Führer, in erster Linie dem Generalobersten von Einem, den kommandierenden Generalen Riemann und Fleck. In Tag und Nacht un⸗ unterbrochenen Kämpfen hat der Gegner seit dem 16. Februar nacheinander mehr als sechs voll aufgefüllte Ar- meekorps und ungeheure Massen schwerer Artillerie— Munition eigener und amerikanischer Fertigung, oft mehr als 100 000 Schuß in 24 Stunden, gegen die von z wei schwachen rheinischen Divisionen verteidigte Front von 8 Kilometern Breite geworfen. Unerschütterlich haben die Rheinländer und die zu ihrer Unterstützung herangezogenen Bataillone der Garde und an— derer Verbände den Ansturm sechsfacher Ueberlegenheit nicht nur festgehalten, sondern sind ihm oft genug mit kräftigen Vorstößen zuvorgekommen. So erklärt sich, daß, trotzdem es sich hier um reine Verteidigungskämpfe handelte, doch mehr als 2450 unverwundete Gefangene, darunter 35 Offiziere, in unsern Händen blieben. Freilich sind unsere Verluste einem tapferen Gegner gegenüber schwer. Sie übertreffen so⸗ gar diejenigen, die die gesamten an der Masurenschlacht be⸗ teiligten deutschen Kräfte erlitten. Aber sie sind nicht umsonst gebracht. Die Einbuße des Feindes ist auf minde- stens das Dreifache der unseren, d. h. auf mehr als 45 000 Mann zu schätzen. Unsere Front in der Champagne steht fester als je. Die französischen Anstrengungen haben keinerlei Ein⸗ fluß auf den Verlauf der Dinge im Ssten auszuüben ver⸗ mocht. Ein neues Ruhmesblatt hat deutsche Tapferkeit und deutsche Zähigkeit erworben, das sich demjenigen, das fast zu derselben Zeit in Masuren erkämpft wurde, gleichwertig an⸗ reibt. Oberste Heeresleitung. * 8* Seit Wochen hörten wir von heißen Kämpfen in der Champagne, und die deutschen Meldungen darüber sowohl wie die französischen buchten die Erfolge auf ihrer Seite. In dem gestrigen Tagesbericht der deutschen Heeres⸗ leitung ist nun der Beweis geliefert, daß die Durchbruchs⸗ versuche der Franzofen kläglich und mit furchtbaren Ver⸗ n lusten gescheitert sind. Obgleich wir dabei erfuhren, daß auch die deutschen Verluste„einem tapferen Gegner gegen⸗ über“ schwer gewesen seien, durften wir die ausführliche Nachricht doch als eine hocherfreuliche Siegeskunde be— trachten. Die Einbuße des Feindes betrug mehr als das Dreifache der unsrigen, d. h. mehr als 45 000 Mann! Drei Wochen lang, seit dem 16. Februar, hat der Feind mehr als sechs voll aufgefüllte Armee⸗ korps und ungeheure Mengen Artilleriemunition ein— gesetzt, aber die von zwei rheinischen Divisionen vertei⸗ digte Front, nur 8 Kilometer breit, wankte nicht! Voll Stolz dürfen wir das Wort unserer Heeresleitung verneh— men, daß in diesen Kämpfen deutsche Tapferkeit und deutsche Zähigkeit sich ein neues Ruhmesblatt erworben haben, das sich dem in Masuren erkämpften gleichwertig anreiht. Kein Wiederaufflackern der französischen Angriffe vermag an dem Ergebnis noch etwas zu ändern. Vouzier, das Angriff⸗ ziel der Franzosen, liegt etwa 12 Kilometer nordwestlich vom nördlichen Teil des Argonner Waldes. Ein deutsches Unterseebbot ist uns verloren gegangen: wir sind auf solche Nachrichten gefaßt, da wir wissen, wie tapfer und unermüdlich unsere Unterseebvote bei der Arbeit sind. Hat die britische Admiralität doch erst gestern wieder bekanntgegeben, daß drei britische Schiffe mit Erfolg tor⸗ pediert worden sind, und dabei ist wohl daran festzuhalten, daß man in London keineswegs alle Verluste der Handels⸗ schiffahrt bekannt macht. Dadurch, daß die Briten nur über einzelne Vorkommnisse Bericht erstatten, wollen sie der Welt Sand in die Augen streuen und es so hinstellen, als ob die deutschen Unterseebvote nicht sehr viel ausrichten könnten. Den Gipfel der Unritterlichkeit aber erklimmt die englische Marineverwaltung damit, daß sie amt⸗ lich erklären läßt, sie könne den gefangenen Offizieren der deutschen Unterseeboote nicht die gleiche ehrenvolle Be⸗ handlung zuteil werden lassen wie den übrigen Gefangenen. Charles Beresford stellte sogar den Antrag, man solle die gefangenen Offiziere der Unterseeboote als Seeräuber auf⸗ hängen! Nun, dagegen einzuschreiten hätten wir ein gutes Mittel: Die deutsche Heeresleitung würde sicherlich unverzüglich dieselbe Anzahl gefangener englischer Offi— ziere die gleiche Todesart sterben lassen. Die Engländer scheinen schöne Begriffe von Subordination in Heer und Flotte zu haben, ganz abgesehen von ihrer Willkür, mit der sie den Seekrieg führen ohne Rücksicht auf Völkerrechts⸗ grundsätze! Die deutsche Regierung wird vermutlich auch gegen die schimpfliche Behandlung Gefangener unserer Unterseeboote die geeigneten Maßnahmen zu ergreifen wissen. *** Unterseeboot„u 20“ untergegangen. Berlin 10. März.(WTB. Amtlich.) Einer Bekannt⸗ machung der britischen Admiralität zufolge ist das deutsche Unterseeboot„u 20“ durch den englischen Zerstörer„Wiel“ gerammt und zum Sinken gebracht worden. Die Besatzung ist gerettet.. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes gez. Behncke. Paris, 10. März.(WTB. Nichtamtlich)„Echo de Paris“ meldet, daß Admiral Beresford auf Grund eines alten See⸗ kriegs⸗Gesetzes, welches bestimmt, daß Seeräuber gehängt werden sollen, verlangt, daß dies Gesetz auf die gefangenen Offi⸗ ziere deutscher Unterseeboote angewendet werde. Hamburg, 10. März.(WTB. Nichtamtlich.) Das „Hamburger Fremdenblatt“ meldet aus Rotterdam: Vom 1. bis 6. März sind auf der Fahrt von England nach Holland und England nach Skandinavien neun eng⸗ lische Dampfer überfällig. Die Londoner Reede⸗ reien schränken auch weiterhin die Annahme von Fracht⸗ stücken nach Holland und Skandinavien ein. Kristiania, 10. März.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung der„Sjöfahrts Tidende“ soll nachgewiesen sein, daß eines der auf dem Dampfer„Bellridge“ nach der Explosion gefun⸗ denen Metallstücke deutscher Herkunft war, da es eine deutsche In⸗ schrift trug. Ob der Schaden von einer Mine oder einem Torpedo herrühre, sei noch unbestimmt. Außer dem hierher geschickten Me⸗ tallstück seien noch andere gefunden worden, als das Schiff in New Castle ins Dock ging. Das Metallstück sowie der entstandene Schaden würden von Sachverständigen untersucht. Spionage eines englischen Vizetonsuls. Berlin, 11. März. Die„Voss. Ztg.“ berichtet aus 5 Hamburg über die Spionage eines englischen Bizekonsuls. Danach haben Kapitäne deutscher Dampfer dem Rotterdamer Korrespondenten des„Hamb. Fremden- blattes“ mitgeteilt, daß der englische Vizekonsul Dijjon am 22. Februar die Liegeplätze der deutschen Schiffe feststellte und sich besonders für den Maashafen interessierte, wo 15 deutsche und 3 österreichische Dampfer liegen. i Die neuen Reserven Frankreichs. Frankreich hat soeben die Musterung der Jahresklasse 1916 beendet, und ein der Kammer vorgelegter Gesetzentwurf soll den Kriegsminister ermächtigen, diese Klasse einzuberu⸗ fen. Zugleich soll der Jahrgang 1917 gemustert werden. Welcher Zuwachs an Mannschaften ist nun aus diesen ver⸗ zweifelten Anstrengungen zu erwarten? Die französische Volkszählungsstatistik bietet nicht so genaue Unterlagen wie die deutsche, und die Resultate beider lassen sich nicht so ohne weiteres vergleichen, da die drei letzten französischen Zäh⸗ lungen in die Jahre 1901, 1906 und 1911 fallen, von denen die letztere noch nicht bearbeitet ist. Doch ist festzustellen, daß die Ziffer für den Geburtsjahrgang 1879 im Reiche 509 200, in Frankreich 314 300 war, Deutschland also ein Mehr von 194 900 hatte. In den folgenden 6 Jahren schwankte dieses Mehr zwischen 197300 im Jahre 1883 und 221 400 im Jahre 1885. Da die Sterblichkeit in den in Betracht kommenden Jahrgängen ziemlich gleich sein wird, so wird auch das Verhältnis der Rekrutenzahlen entsprechend sein. Um die Wende des 20. Jahrhunderts betrug also das männliche Menschenmaterial des Reiches in den vorerwähnten? Jahr⸗ gängen etwas über 3690 000, das französische nur 2 255 000, also 1435 000 weniger. Verschiebt man zur Fortsetzung des Vergleiches diese sieben Jahrgänge um zehn Jahre, so ergibt sich unter Benutzung der Anhaltspunkte aus der französi⸗ schen Volkszählung von 1906 und der deutschen von 1910, daß die Gesamtsumme in Deutschland auf 4300 000 ange- wachsen, in Frankreich auf 2 240000 vermindert ist. Der Jahrgang 1916 wird ganz sicher, selbst wenn an die Taug⸗ lichteit die allergeringsten Ansprüche gestellt werden, den Franzosen kaum 240 000 Mann bringen, wobei noch gar nicht berechnet ist, daß ein Teil dieser Rekruten schon jetzt freiwillig dient. Berhaftungen in Paris. Berlin, 11. März. Die„Voss. Ztg.“ meldet aus Stockholm: In Paris sind eine Reihe Anarchtisten verhaftet worden unter der Beschuldigung, den Deutschen Mitteilungen über französische Kriegsmaßnahmen geliefert zu haben. Das siegreiche 21. Armeekorps. Berlin, 10. März.(Priv.⸗Tel.) Nach der„Voss. Ztg.“ meldet die„Köln. Ztg.“, daß das 21. Armeekorps im Osten vom 18. bis 21. Februar, also innerhalb drei Tagen, 84 Geschütze, über 30 Maschinengewehre und unzählige Mu⸗ nitions⸗ und Proviantwagen, sowie einige tausend Pferde und etwa 24000 Mann mit 200 Offizieren erbeutete. Russischer Offiziersmangel. Petersburg, 10. März.(WTB. Nichtamtlich.) Im „Rußki Invalid“ werden die Bestimmungen über die be⸗ schleunigte Ausbildung von Offizieren bekannt gegeben. Es wird eine nur viermonatige Vorbereitung vor⸗ gesehen. Auch Landstürmer, die den nötigen Bildungsgrad haben, werden zum Offiziersstande zugelassen. Austausch von Gefangenen mit Rußland. Berlin, 10. März.(WTB. Amtlich.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Die durch Vermittlung einer neu⸗ tralen Macht mit der russischen Regierung gepflogenen Verhand⸗ lungen wegen Austausches der zum Waffendienst untau g lichen Zivilpersonen sind nunmehr zum Abschluß ge⸗ kommen. Es dürfen jetzt auch alle im Alter zwischen 17 und 45 Jahren stehenden männlichen deutschen Staatsangehörigen Ruß⸗ land verlassen, wenn sie militäruntauglich, krank oder verkrüppelt sind ebenfalls zur Abreise aus Rußland berechtigt. Die Abreisenden sind ebenfalls zur Abreise aus Rußland berechtigt. Die Abreißenden dürfen ihr ganzes Gepäck, Geld, Wertsachen mit Ausnahme von Goldgeld und Bankeinlagen mitnehmen. 8 Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. (TB.) Wien, 10. März. Amtlich wird verlautbart, 10. März 1915: An der Front in Russisch⸗Polen herrscht auch weiter lebhafte Gefechtstätigkeit. In Westgalizien wurde das von unseren Truppen südlich Gorlice eroberte Gebiet noch erweitert. Ein anschlie⸗ zender Schützengraben des Feindes wurde erstürmt und 200 Mann zu Gefangenen gemacht. Bei günstigeren Sichtverhältnissen hatte gestern in eini⸗ gen Abschnitten der Karpathenfront unsere Artillerie durch gute Wirkung sichtliche Erfolge. Eine nahe vor der eigenen Stellung liegende Bergrückenlinie, die von feindlicher Infanterie besetzt war, wurde infolge des flankierenden Feuers unserer Artillerie fluchtarti ggeräumt. Der Feind erlitt hierbei unter wirksamstem Schrapnellfeuer chwere Verluste. Bei der Eroberung einer Stellung an dieser Front wurden 300 Mann gefangen diel Kriegs⸗ material erbeutet. Vor unseren Stellungen in Südostgalizien herrscht im allgemeinen Ruhe. Nördlich Nadworna wu' de ein Vorstoß schwächerer feindlicher Kräfte abgewiesen, gleichzeitig an an⸗ derer Stelle mehrere feindliche Bataillone, die gegen die eigene Front vorgegangen waren, zurückgeworfen, in der Verfolgung 190 Mann gefangen. In der Bukowina hat sich in der letzten Zeit nichts ereignet. Am nördlichen Pruth⸗lfer bei Czernowitz fanden nur unbedeutende Plänkeleien statt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. 18 3 Ein schändliches Vorhaben der Ruffen. 5 Wien, 10. März.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kriegs⸗ presseguartier wird gemeldet: Gestern nachmittag erschien r befestigten Stellung unserer Truppen nördlich von Nad⸗ worua ein russischer Parlamentär und teilte folgendes mit: Auf Befehl des russischen Kommandanten würden morgen vor⸗ mittag ungefähr 1500 Juden familien, welche heute Kumiona und Tysmienczany versa nmelt seien, über die rus⸗ Linie hinaus zu den österreichisch-ungarischen Truppen ab⸗ den werden. Da die Judenfamilien befürchteten, von den f ichern angeschossen zu werden, erschien der Parlamentär, um dies mitzuteilen. Durch dieses unerhört brutale Vorgehen be⸗ zweckt der Frind zweifellos, Tausende Unbeteiligter, die er brotlos und obdachlos gemacht hat, gleich einer Viehherde vor sich her⸗ zutreiben, um sich ungefährdet unseren Stellungen zu nähern. Die Verwirklichung dieses scheußlichen Vorhabens, das als Schande des Jahrhunderts bezeichnet werden muß, kann bei dem tiefsten Mitgefühl für die armen Opfer der barbarischen Willkür aus militärischen Gründen nicht geduldet werden. Der Raum vor den befestigten Stellungen muß nämlich, da ein Waffen⸗ stillstand für das Abschieben der Judenfamilien vom Feinde weder angeboten noch unsererseits wegen des Heranziehens feindlicher 1 annehmbar ist, bei jeder Annäherung von der Seite russischen Kommandanten wurde daher durch den Parlamentär nach⸗ stehende schriftliche Antwort übersandt: r 5 Das Ueberschreiten der eigenen Linie von seiten des Feindes kann unter keinen Umständen für irgend jemand gestattet werden, daher wird der Raum vor der eigenen Front unter Feuer ge⸗ halten. Ich ersuche, die Judenfamilien in Kamiona und Tysmie⸗ niczany hiervon in Kenntnis zu setzen, und füge hinzu, daß die ungeheure Verantwortung für die beabsichtigte un⸗ menschliche Handlung, Tausende unschuldiger Landbewohner gegen unsere Stellungen zu treiben, ausschließlich dem russischen Kommandanten zufällt, der den barbari⸗ schen, jedem Kriegsgebrauch hohnsprechenden Befehl erteilt hat, und dies um so mehr, als keine Gewähr dafür besteht, daß die Unschuldigen nicht bloß als Schild für die Annäherung der — chen Truppen dienen werden. Es wird dafür gesorgt, daß ieses Verhalten vor aller Welt gebrandmarkt werde. Sondlerblatt des Gießener Anzeigers mit dem Tagesbericht der obersten heeresleitung Zustellung taglich zwischen 1 und 5 Uhr, auch Sonntags · Bezugspreis 50 pfg. monat⸗ lich. Im Einzelverkauf 5 Pfg. durch die Austrager und in der 6cschaftsstelle des Gleßcner Anzeigers. hessische Zweite Kammer. Darmstadt, 10. März. Unmittelbar nach der heutigen öffentlichen Sitzung der — Kammer trat der erweiterte Finanzausschuß unter Vorsitz des Abg. Dr. Osann zur Aufnahme seiner Beratu zusammen. Es wurde beschlossen, mit der Be⸗ ratun r Kapitel für das Staatsministerium und das Ministerium des Innern die Besprechung der vorliegenden * zu verbinden. Anfrage des Abg. Adelung, die Wochenhilfe für 5. von Kriegsteilnehmern betreffend, erledigte sich eine Zusage des Ministertums, beim Bundesrat für die Ausdehnung der Versicherung im Sinne des Antrags Ade⸗ lung einzutreten trotz der unverkennbaren Schwierigkeiten, die der Ausführung entgegenstehen; das ürfnis sei jedenfalls anzuerkennen. Der Minister des Innern beantwortete sodann die verschiedenen Anträge und Anfragen der Abgg. Korell⸗ Angenrod, Finger und Genossen, die Höchstpreise für Nah⸗ rungsmittel und sonstige Bedarfsstoffe sowie die Maß⸗ nahmen zur Sicherung der Volksernährung betreffend. Zu einem guten Teil dürfte den Anregungen und Anträgen durch die inzwischen erlassenen weiteren Verordnungen des Bundesrats entsprochen sein. Es wird namentlich verwiesen auf die Beschlagnehmung von Brotgetreide und Mehl zu⸗ gunsten der eee auf die Maßnahmen zur Einschränkung Verbrauchs von Kartoffeln und Ge⸗ treide in Brauereien und Brennereien, auf die Einschrän⸗ kung des Zuckerrübenbaues und anderes mehr. Einzelne wie z. B. die Festsetzung eines Höchstpreises für Mehl lassen sich für den engeren Bezirk des Großherzog⸗ tums Hessen überhaupt nicht ausführen, wenn nicht gleich⸗ zeitig die benachbarten Wirtschaftsgebiete mit einbezogen werden könnten. Die Diskussion über diese Anträge und die Antwort der Regierung wird auf morgen verschoben. Es gelangte sodann der Antrag der Abg. Brauer und Genossen, den Ausfall der Fortbildungsschule auf dem Lande während der Dauer des Krieges betreffend, zur Beratung. Der Vertreter der Regierung bemerkte dazu, daß 2 An⸗ gelegenheit durch eine bereits im Oktober erlassene Verfügung an die Kreisschulkommissionen in einem Sinne geregelt sei, die wohl den Wünschen der Antragsteller entspräche. In⸗ zwischen sei der Antrag auch dadurch gegenstandslos gewor⸗ den, daß nunmehr für den vergangenen Winter der Fortbil⸗ dungsschulunterricht geschlossen sei. Von seiten der Antrag⸗ steller und anderer Mitglieder des Ausschusses wurde dem⸗ gegenüber bemängelt, daß der Erlaß des Ministeriums von den unteren Instanzen nicht durchweg in einer Weise aus⸗ geführt worden ist, die den berechtigten Wünschen und Inter⸗ essen der landwirtschaftlichen Bevölkerung entspricht. Ins⸗ besondere sei es auch ein Mangel gewesen, daß die Maßnahme der Regierung nicht allgemein öffentlich bekannt gegeben wor⸗ den ist, so daß die Interessenten vielfach nichts davon wußten, welche Anträge sie bei den Kreisschulkommissionen zu stellen tigt waren. Als weiterer Gegenstand kam der Antrag des Abg. Ko⸗ rell⸗Ingelheim zur Verhandlung, der das Ausfallen des Nachmittagsunterrichts in den Volksschulen der ländlichen Gemeinden für das Sommerhalbjahr fordert, so lange der Krieg dauert. Die Regierung teilte hierzu mit, daß sie bereits im ar ein Ausschreiben an die Kreisschulkommissionen erlassen habe, wonach begründeten Urlaubsgesuchen aus An⸗ laß der Erntearbeiten Rechnung getragen werden soll. Würde dadurch die Schließung der Schule für eine bestimmte Zeit⸗ dauer erforderlich, so ist vorher Entschließung der Schul⸗ abteilung einzuholen. Eine allgemeine Schließung des Nach⸗ mittagsunterrichts in den ländlichen Gemeinden befürwortet die Regierung nicht. In Verbindung mit dem Antrag Korell steht ein Antrag des Abg. Callmann, der noch weitergehende Feindes unbedingt unter Feuer genommen werden.— Dem Bezug auf den Volksschulunterricht fordert. In der Besprech⸗ ung spricht sich die Mehrzahl der Redner für den Antrag Ko⸗ rell aus, da in der gegenwärtigen Zeit und nachdem durch weitere Einberufungen zum Heeresdienst die Zahl der land⸗ wirtschaftlichen Hilfskräfte noch weiter erheblich beschränkt worden ist, alles geschehen müsse, was möglich ist, um die Ein⸗ bringung der Ernte des laufenden Jahres sicher zu stellen. Einige Redner halten in Uebereinstimmung mit der Haltung der Regierung die vorliegenden Anträge für zu weitgehend, da eine Abgrenzung von rein landwirtschaftlichen und ande⸗ ren ländlichen Gemeinden schwer durchführbar sei und durch eine verallgemeinerte Maßregel Schulbefreiungen vielfach auch für Kinder anderer Berufsstände Platz greifen, die weder notwendig noch erwünscht sind. Die Abstimmung über die vorliegenden Anträge wird auf morgen verschoben. Aus dem Reiche. München, 10. März.(WTB Nichtamtlich.) Der frühere Kultusminister, Anton Ritter von Wehner, bayerischer Staats⸗ rat im außerordentlichen Dienst, ist heute nachmittag gestorben. Herrn Archers letzte„Antwort“. Seinem in der Nr. 41 vom 18. Februar wiedergegebe⸗ nen Artikel hat Knut Hamsun jetzt noch einen folgen lassen, den man mit Vergnügen lesen wird. Wir übersetzen ihn aus der Zeitung„Tidens Teign“ vom 28. Februar: Worauf er mir jedesmal„antwortet“, weiß ich nicht, da ich ihn wirklich nach nichts frage. Ich weiß bloß, daß ich so kurz sein werde wie möglich; ich habe weder die Zeit noch die Gesundheit zu ufer⸗ losen Diskussionen. 5 Herr Archer„will bloß bemerken, daß zwischen der Sache Belgiens heute und der Dänemarks im Jahre 1864 keine Aehn⸗ lichkeit besteht... England war durch keinen Vertrag verpflichtet, Dänemark zu beschützen“ Dänemarks Integrität wurde in London am 8. Mai 1852 ga⸗ rantiert. Das Protokoll wurde von den Großmächten unterzeichnet, — 1— von England. Die englische Regierung versuchte auch, ihre Schutzpflicht zu erfüllen, sowohl Palmerston als Russel wollten das Kanalgeschwader schicken; aber eine Partei mit größerer Macht verhinderte das.(U. a.„Danmarks Riges Historie“ VI.) eber die Kolonialpolitik erklärt Herr Archer,„daß Deutsch⸗ land durch seinen unverhüllten und unbändigen Neid gegenüber dem englischen Kolonialreiche verleitet worden sei, England in den Krieg hineinzuziehen.“ ö In der Auffassung der Deutschen wird der eine oder andere nicht mit Herrn Archer einig sein, unter andern der Engländer Professor Cramb, der sein eignes Land hochschätzt, aber auch ein Kenner anderer ist(„Germany and England“). Viele werden lächeln und sagen, daß das Verhältnis gerade das umgekehrte ist, der Neid ist auf Englands Seite. Was sollen wir Außerhalb⸗ stehenden nun denken? Herr Archer macht einen etwas miß⸗ trauisch, wenn er fortfährt: 3 Jahrhunderten, wo die große Verteilung stattfand, war Deutschland nicht bereit, einen Teil der öden Strecken(7) der Erde an sich zu nehmen.“. Die Teilung der Erde geht beständig vor sich. Obgleich Deutsch⸗ land auch jetzt ganz und gar nicht dabei sein dürfte— es ist bloß unbändiger Neid von Deutschland, daß es dabei sein will I so hat es sich doch etwas Luft in die Lungen verschafft, trotz Englands heftigstem Widerstande, es hat oder hatte Kiautschau, die Bagdadbahn, Samoa. die Karolinen. Trotz Englands hef⸗ tigstem Widerstande. Aber zu derselben Zeit, wo England acht gab, wie eine Wand vor aller Ausdehnung Teutschlands zu stehen, eignete es sich selber an: Fidii, den Suezkanal, Cypern, Britisch Südafrika, die Staaten auf Malakka, Transvaal, den Oranje⸗ freistaat, die Oberhoheit über Birma, Afghanistan, Koweit, Aegypten — ich nenne nicht Persien, nicht Tübet, nicht Arabien. Alle diese Aneignungen haben stattgefunden, nachdem Deutschland„bereit“ war Ach ja, die Teilung der Erde geht beständig vor sich: neulich lieferte England in die Hände seines gelben Waffenbruders die Kolonie Kiautschau, die Deutschland ehrlich und redlich auf 99 Jahre von Ching gepachtet hatte Es ist Englands Kolonialpolitik, die Deutschland gezwungen hat, eine Flotte zu bauen. Worauf England es isolierte. Das ist die Wahrheit über die Isolierungspolitik. Das ist auch die Wahrheit darüber, daß England den Krieg verursacht hat. Herr Archer klärt uns„über die wahre Natur des englischen Kolonialreiches“ auf, daß dieses in zwei Klassen zerfällt: die erste bilden Länder mit Wilden,„die zweite Klasse besteht aus Indien und— uns aufgezwungen durch unsern Besitz Indiens— Aegypten“. Ich weiß nicht, wieviel oder wie wenig Herr Archer von Indiens Geschichte gelesen haben mag, ich selbst kenne allzu wenig davon. Portugiesen, Holländer und zum Teil Franzosen waren dort die ersten Kolonisten, die Engländer wurden Indiens Herren durch Betrug und Gewalt(U. a. Macaulay: Essay on Lord Clive) Ich weiß auch nicht, wie viel oder wie wenig Herr Archer von Aegyptens Geschichte gelesen haben mag, ich selbst bin wieder so gut wie unwissend. Aber ich glaube zu wissen, daß die Engländer anderthalb hundert Jahre hindurch mit Indien fertig wurden, be⸗ vor sie„gezwungen“ waren, Aegypten zu verschlingen. Herr Ar⸗ cher wird vielleicht behaupten, daß der Suezkanal die Annexion Aegyptens notwendig machte? Er weiß doch sicher, daß der Suez⸗ kanal ein französisches Werk ist und daß England lange Zeit hin⸗ durch ein bitterer Gegner der Anlage war! Erst in einem gegebe⸗ nen Augenblicke, da alles reif war, kaufte England die feindlichen Aktien auf und wurde Herr des Kanals— nicht, weil es„ge⸗ zwungen“ war. Herr Archer schreibt über Indien:„Diese Eroberung ist in großer Ausdehnung etwas gewesen, wozu England gegen seinen Willen genötigt war.“. Der eine und der andere Landsmann des Herrn Archer hat sich hier vorsichtiger ausgedrückt, ja sogar im Gegensatze zu ihm. Für einen Außerhalbstehenden war England in Indien so „gezwungen“, wie es an andern Orten der Erde g ingen ge⸗ wesen ist, zum Beispiel in Afrika und in den äcppbschen Grenz⸗ ländern; sobald es eine Provinz erobert hat, sieht es augenblicklich ein, daß ihm auch die Nachbarprovinz fehlt, dann wieder die nächste Provinz und noch die nächste— schließlich sieht es sich gezwungen,„gegen seinen Willen“ das ganze Land zu erobern. So ist es zugegangen und so wird es immer weiter gehen, wenn England zu gebieten hat. Das wird niemals aufhören. Einmal wird es vielleicht auch— beständig gegen seinen Willen— sich gezwungen sehen, seine Augen auf das zweite Gibraltar zu werfen: den großen Belt. Das geschieht an dem Tage, wo die russische — kommt, und für den Fall, daß England zu ge⸗ ieten hat. 1 „Das einfache Verhältnis ist,“ so schließt Herr Archer, „daß England in Indien kein anderes Recht hat, als das Recht, das es sich durch eine gute Regierung von länger als einem Jahrhunderte erworben hat, die ihm— das wissen wir— die valität der Fürsten sowohl als des Volkes gesichert hat.“ Das ist für mich keine neue Rede, ich habe ft 7 ie besseren Ausgaben gelesen. Aber ich habe sie bis jetzt bei keiner Autorität gelesen als bei Herrn Archer. Der Grund ist viel⸗ leicht, daß andere nicht haben, sich und wirklich in Indien ein viel stabileres Recht als das von Herrn Archer erwähnte: es hat das Recht der Macht, das Recht des Eroberers. Ich gedenke damit nicht, die an und für sich gute Re⸗ gierung der glän zu fen. Die Regierung ist sicher so gut, wie fremde Herren sie ausüben können. Und ich bin mit Erleichterungen für die landwirtschaftliche Bevölkerung in 3 . Herrn Archer darin ganz einig, daß ien eine deutsche Ver⸗ waltung nicht wüllkommiener ehen als eine britische Ich 1 Kulturvölfer irgend n Sie haben auch gar— 2 3—— N* 5 5 e Herrsi zur— eine Lebensnotwendigkeitt (Archer und andere Engländer.). f Dasselbe meinten Venedig, Portugal, Holland,— sie ver⸗ loren ihre Herrschaft zur See, aber sie leben noch. Ho war einmal in höherem Grade ur Se 7 1 trat ein Wechsel ein, aber Holland ist, wie bekannt, nicht zugrunde Herr zur See als England heute, da gegangen. Sein Volk ist eines der gesündesten und glücklichsten in der Welt. Die Holländer nahmen bloß die notwendige e W— e Engländer. apoleon e: ein au 5 denken: ein Herr auf dem Wasser. Das Schicksal wollte, daß das Land wieder unter mehrere Herren verteilt würde, und 1 ein ähnliches Schicksal die Herrschaft auf dem Wasser treffen, so würde nichts Schlimmeres geschehen, als daß ein veralteter Ge⸗ danke in den Grund gebohrt würde. and wird sein Leben umgestalten und wird andere notwendig glaube üderhaupt nicht, daß alte ige Ku eine Verwaltung. Ein Viertel des ganzen bewohnten Festlands und dazu die Herrschaft auf der See,— es kommt darauf an, wie lange die Welt sich diesen kostspieligen Apparat leisten kann bloß um der 46 Millionen Engländer willen! N Abes die Welt hin! 5 Das muß für diesmal mein klein sein, ich finde weiter nichts, worauf ich mich einlassen müßte. Ich schenke Herrn Archer viel, u. a. schenke ich ihm sein Gerede„daß Deutschland mit demselben Recht von Amerika den Staat New Pork nehmen könne, wie von England eine überseeische Kolonie.“ erinnert mich an einen andern geistreichen Herrn, der mir neulich antwortete, nach meiner Lehre müsse Rußland zu kolonisieren beginnen in— Deutschland. Die Verschiedenheit zwischen Herrn Archers erstem Artikel und seinem zweiten ist sehr groß, die„Antwort“ kommt mir dies⸗ mal merkwürdig unenglisch vor und recht unnötig. Daher habe ich jetzt bloß auf ein Mißverständnis da und einen Irrtum do weisen wollen— einzig und allein, weil Herrn Archers Name — 555 dem Artikel steht. Ich wäre sonst nicht noch einmal auf⸗ getreten. 1 rel auf dem Rück⸗ zuge bin, so will ich darauf eingehen, daß i are Linie im Rückzuge begriffen bin. Ist das nicht 7 a habe in meinem letzten Artikel alle Punkte wieder aufgestellt f — an ihnen festgehalten,— das nennt Herr Archer Rückzugs Er nuuß schwatzen gelernt haben. 5 Mit einigem Grunde könnte dagegen ich Herrn Archer am dem Rückzuge finden: er läßt jetzt die vielen Punkte fahren, derent⸗ wegen er mich vorher angriff, Ich mache don diesem Umstande keinen Gebrauch, denn das würde unaufrichtig sein. Wie ich das vorige Mal angedeutet habe, zweifle ich nicht daran, daß Herr Archer antworten und antworten könnte und daß ich wieder antworten könnte, wir könnten es beide gut und lange aushalten. Aber das führt zu nichts. Wir stehen da einander gegenüber, je⸗ der mit seinem Gesichts punkte, der eine ist britisch, der andere ger⸗ manisch. Wir stehen jeder auf seinem Grunde. Knut Hamsun. Aus Stadt und Caud. Gießen. 11. März 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. f (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Vizefeldwebel Jean Krimmel, Res.-Inf.⸗Rgt. 68, aus Mainz-Kastel.— Musk. Heinr. Steinmetz aus Mainz.— Kriegsfreiw. Julius Oppermann aus Wiesbaden.— Vi webel Lehrer Wilh. Kuh aus Wiesbaden.— Unteroff. d. L. Friedrich Dannheimer, Landwehr⸗Inf.-Rgt 116, aus Worms. Oberveterinär und prakt. Tierarzt in Heidelberg Albert Kaeser aus Rimbach i. O.—. Lt. d. L. Kgl. Bergrat in Reck ⸗ linghaufen Wilh. Frick aus Dillenburg.— Landwehrm. Konrad Schneider, Landwehr-Inf.⸗Rgt. 87, aus Wallenrod.— Tam⸗ 3 . ö N N N r ² ˙⸗m ˙·2n—wfn ̃ Ä— y ehrer bour Chr. Lust, Inf.-Agt. 116, aus Mixseld. * * Ritter des Eisernen Hreuzes. Unteroff. der Landw. Heinrich Giffey, Landw.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Gießen(wurde gleichzeitig 2 5 Feldwebel befördert).. Wilh. Luft, Inf.⸗Regt. 167, aus Lauterbach. Un 5 Adolf Grünewald, Inf. Regt. 142, aus Hopfgarten. e Kriegsanleihe. Man bittet uns, darauf hin⸗ zuweisen, daß sowohl die Mitteldeutsche Creditbank, wie die Bank für Handel und Industrie, hier, auch nachmittags in der Zeit von 3—5 Uhr Zeichnungen auf die neue öprozentige Kriegsanleihe entgegennehmen. ** Der Nachwuchs für unsere Volksschule wurde am Montag und Dienstag dieser Woche angemeldet. Danach treten nach Ostern, mit Beginn des neuen jahres, neu ein in die Knabenschule: 178 A⸗B⸗C- Schützen (gegen 190 im Vorjahr), in die Mädchenschule: 194(206). * Die städtische Fortbildungsschule, die am 1. November v. J. den icht und W—6 1. März geschlossen wurde, ist von 375 Knaben in 15 KAassen . i N 7 2 a 3 4 f 1 H tigsten Aufgaben die Gewinnung von Kriegs⸗Kranken⸗ Reger en zum dem Noten Kreuz. Aufgabe sucht er vor allem dadurch zu erfüllen, daß er Ber krankenpflegerinnen ausbildet und anstellt, um Frieden zur Ausübung der Krankenpflege zu verwenden und für c den Kriegsfall der Heeresverwaltung zur Unterstützung des Kriegs- sanitätsdienstes zu überweisen. Außerdem betreibt der Alice-⸗ A 1. 3„ 1 „ 0 ankenypflege eruf auszuüben, 5 Nut namentlich des len e wollen. Um nun gen die seit inn des. neben den hier so be⸗ Verbände ice-Franenvereins, Frau Staats- Ahne ee as Zenn— en mitee. Kriegsschwestern des Alice-Frauenvereins tragen mit der„Kriegsschwestern⸗ Aufnahme durch das Zentralkomitee verliehen Nähere Auskunft, namentlich über die Rechte und Pflichten „Kriegsschwestern, erteilen gern die Mitglieder des Zentral- komiters und die Vertrauensdamen des Alice⸗Frauenvereins. Bis jezt sind bereits 14 Kriegsschwestern in den Verband aufgenommen Stadttheater. Zum Vortragsabend von L 01 Wüllner am kommenden Samstag sei noch eine Veen der Dresdener Nachrichten mitgeteilt:„Ludwig Wüllner als Rhap⸗ sode Ein Mensch und Künstler wie aus einer anderen Welt Do erscheint Ludwig Wüllner auf dem Podium—, die Erinne⸗ an das Kleine und Kleinliche all derer, die sich, mehr oder weniger berufen, zu den Vortragstischen drängen, versinkt irgend wohin, wenn dieser Mann für die Pracht und Schönheit deutscher n erglüht. Man ist, selbst ohne Anlage zum Miß⸗ en, leicht geneigt, seelischen Ekstasen während der Dauer eines Vortragsabends nicht so recht Glauben zu schenken. Wüllners sug⸗ gestiwe Kraft ist aber so gewaltig, d er sich, losgelöst von sei⸗ ner Unmgebung, nicht nur selbst in den Stimmungsbereich der Dich⸗ tung hineinzwingt, sondern die Zuhörer so mitreißt, daß das Dargebotene zum inneren Erlebnis für sie wird.“ Deutschlands finanzielle Rüstung wird morgen abend Professor Dr. Skalweit in einem Vortrag in der Neuen Aula behandeln. Abgef 1 von dem rein staats⸗ bürgerlichen Interesse, das der Kriegsanleihe entgegen⸗ gebracht wird, wird ein Vortrag, der diese und die deutsche Finanzlage zum Gegenstand hat, so viel des allgemein Wis⸗ senswerten bieten, daß ein starker Besuch zu erwarten ist.— Die betreffende Bekanntmachung des Oberbürgermei⸗ sters n unsere Leser im Anzeigenteil. Berufsjubiläum. Am 12. März l. J. kann der Rechner der Bezirkssparkasse Gießen, Herr Wilh. Eisenhauer, auf eine 40jährige Tätigkeit bei dieser Kasse zurück⸗ blicken. Gewiß ein Zeichen gegenseitigen Vertrauens des n und seines pflichttreuen Beamten. er Postscheckverkehr. Im Reichspostgebiet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende 2— 1915 auf 101 655 gestiegen.(Zugang im Monat Februar 791). Auf diesen Postscheckkonten wurden im Februar gebucht 1779.5 Mil- lionen Mark Gutschriften und 1764.6 Millionen Mark Last-⸗ schrüten. Bargeldlos wurden 1982,8 Millionen Mark des Um- satzes beglichen. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug im Februar durchschnutlich 265,1 Millionen Mark Im inter- — Postüberweisungsverkehr wurden 5,2 Millionen Mark umgesetz „Wenn unanbringlich, zur Verfügung der Truppe“. Feldpostbriefe mit Wareninhalt(Päckchen) nach dem Heere, die aus irgend einem Grunde dem Empfänger nicht ausgehändigt werden können, müssen an den Absender zurück⸗ 1— werden, wenn dieser nicht durch einen Vermerk, wie z. B. unbestellbar, zur Verfügung des Truppenteils“, oder „Wenn unanbringlich, zur Verfügung der Truppe“, den Wunsch ausgedrückt hat, daß sie in solchem Falle den Kameraden des Adressaten zugute kommen sollen. Oft genug bedauern es die Ab⸗ sender, für die der Inhalt der Sendung nach der Rückkunft viel⸗ — keinen Wert mehr hat, daß die Liebesgabe, die den zunächst teil ist. mit gens sind auch Zettel solchen im Handel Die Gch die Feldpostartikel feil halten, können zur der guten Sache viel beitragen, wenn sie den Käufern solche Zettel anbieten oder bei versandfertigen Waren den Ver⸗ merk auf die Umhüllung aufdrucken lassen. 35 Landkreis Gießen. = Allendorf a. d. da., 10. Marz. Der heutige Markt wurde durch den Ernst der Zeit sehr beeinflußt. In frstheren Jahren waren neben Ferkeln besonders Schase in großer Zahl auf dem Frübjahrsmarkte zum Verkauf gestellt; diesmal aber war das Angebot in beiden Tiergattungen gleich Null, obwohl sich viele Kauflustige eingefunden hatten. Kreis Büdingen. h. Büdingen, 10. März. Die Bäckerzwangsin⸗ ng für den Kreis Büdingen beschloß wegen der Steigerung r Mehl⸗ und Milchpreise in Zukunft Brötchen überhaupt nicht mehr zu backen, jegliche Backwaren nur gegen Barzahlung zu verabfolgen und das Brot nicht mehr den Käufern in die Wohnung zu schicken. Ferner müssen die Käufer alles Verpackungs material, wie Düten usw., den Bäckern besonders vergüten. Das Vierpfundbrot kostet 70, das Zwei⸗ brot 35 Pfg. Die von der Innung gefaßten Beschlüsse haben r den ganzen Kreis Büdingen Geltung. Kreis Alsfeld. XJ Ruppertenrod, 10. März. Zu den fünf Tapseren aus unserer— die mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurden, sind jetzt noch zwei weitere gekommen, so daß die Zahl der mit dem Eisernen Kreuz Belohnten aus unserem Orte sieben beträgt. Die letzteren sind der Offiziers⸗ Stellvertreter Fried- rich Kratz und der Landwehrmann Karl Geiß, beide stehen in Frankreich. 7* Kreis Schotten. Aus dem Vogelsberg, 10. März. Daß der alte . der schon seit Jahrzehnten in den Scheuern oder auf dem peicher in einem Winkel lagert, noch so zu Ehren kommen und so 1 werden würde, das hätte kein Landwirt geträumt. Allerdings rosten und rasten und verfallen die 1 die zu seiner 1 e gehörten: Breche, Schwingstock, Spinnrad, Haspel und Webstuhl, weil die Hausindustrie des Tuchmachens ein⸗ segangen ist. Der Flachs aber, der noch aus dieser Blütezeit — ist durch den Weltkrieg ein sehr begehrter Kauf⸗ gegenstand geworden. Die Händler, die jetzt die Häuser emsig — 42 in denen noch Flachs aufbewahrt wird, bezahlen den —* je nach dem Stadrum der Verarbeitung, mit 30 bis 60 So sieht man nicht selten ganze Wagenladungen mit Flachs durch unsere Ortschaften fahren. Herchenhain, 10. März. Wieder hat der Krieg ein neues Opfer aus unserer Gemeinde gefordert. Der 0 Bürgermeisters Komp, der im Res.⸗Inf,⸗Regt. 223 stand, ist am 18. Februar den Heldentod fürs Vaterland gestorben. Starkenburg und Rheinhessen. Michelstadt, 10. März. Die Großherzog in hat zum 8. März d. J. dem Hauptlehrer an der Volksschule zu Michel⸗ stadt i. O. Georg Diehl anläßlich seines 50jährigen Dienst⸗ jubiläums den Charakter als„Rektor“ erteilt. f Kreis Wetzlar. „ Wetzlar, 10. März. Dem Regierungs- Baumeister Schuffsenbauer wurde der Charakter als Baurat mit dem persönlichen Range eines Rates vierter Klasse verliehen. h Hohensolms, 10. März. Am Montag wurde zu Bermoll Gastwirt P. Mäuser, Leteran von 1864, 1866, 1870/1, im Alter von 74 Jabren zur letzten Ruhe gebettet. * Volpertshaasen, 10. März. Als Nachfolger für Pfarrer Gaul wurde Psarramtskandidat Wilhelm Pfaff aus Wißmar für die vereinigte Pfarrei Volpertshausen, Weidenhausen und Vollnkirchen gewählt. 2 Hessen⸗Nassau. 1 J. Frankenberg, 10. März. Ein merkwürdiges Geschick alte ein abhanden gekommener Trauring in einer hiesigen Familie. Beim Schlachten war ex vom Vater verloren worden und nicht wieder zu finden. Nach Wochen meldete jetzt der Sohn vom Schlachtserde in Rußland, daß er Vaters Truuring in einer seiner Würste gefunden habe. 3 Sohn des de X Hanau, 2 Von der Militärverwaltung ist den gesamten Arbeitern der Kgl. Pulverfabrik bei Hanau eine zehnprozentige Teuerungszulage gewährt worden. Hanau a. M,, 10. März. Wie bekannt, besteht die Ab⸗ sicht, den bei Durchführung der Kanalisierung stark zu stauenden Main zur Erzeugung von elektrischer Energie zu benu und in Verbindung mit der Edertalsperre einen großen Be⸗ zirk mit ihr vorteilhaft zu versorgen. Es wird damit gerechnet, aus der Staumasse des Mains an den hier in Betracht kommenden drei Staustusen etwa 20— 24 Millionen Kilowattstunden jährlich zu 8 und sie zu einem billigen Preise abgeben zu können, da ich die Anlage- und Erzeugungskosten niedrig stellen werden. In Hanau hat schon im April v. Js. zur Besprechung des Projektes eine Konferenz stattgesunden, an welcher Vertreter der Weser- und Main⸗Strombauverwaltung, sowie die Vertreter der Städte und Kreise vom südlichen Teile des Regierungsbezirks Kassel teilge⸗ nommen haben. Neuerdings ist in einer Sitzung der verstärkten Budgetkommisston des preußischen Abgeordnetenhauses vom Minister für öffentliche Arbeiten selbst das Projekt erörtert worden. Um die Angelegenheit weiter zu fördern und zu erörtern, ist am 9. d. Mts in Fulda eine Konferenz von Vertretern der Stadt⸗ und Landkreise Hanau, Gelnhausen, Schlüchtern, Fulda und Hünseld abgehalten worden. Aus den gegebenen Darlegungen ging hervor, daß dem preußzischen Landtage in seiner nächsten Tagung eine ent- sprechende Vorlage über das Projekt unterbreitet werden soll. Es steht außer allem Zweifel, daß in Verbindung mit der Fortjührung der Mainkanalisation von Offenbach bis Aschaffenburg das in Aus⸗ sicht genommene großzügige Wert für die industrielle Entwicklung eines umfangreichen Bezirks von g ößter Bedeutung sein wird. + Eschwege a. d. Werra, 10. März. In dem benachbarten thüringischen Dorfe Tennstedt war seit einigen Tagen der iährige Sohn des Landwirts Rex spurlos verschwunden. Dem Vater fiel das scheue Wesen, das sein zweitältester Sohn seit dem Verschwinden des ältesten zur Schau 1e auf, und er forderte gestern von ihm Rechenschaft über den Verbleib des Verschwun⸗ denen. Der Gefragte gestand daraufhin ein, daß er seinen Bruder im Streite erstochen habe. Kurz vor der Verhaftung er⸗ hängte sich der Mörder auf dem Dachboden, nachdem er sich vorher tiefe Messerstiche in die Brust beigebracht hatte. Die Leiche des Ermordeten, die mehrere tödliche Stiche im Hals und in der Brust aufwies, wurde gestern abend in einer Scheune vergraben und mit Stroh zugedeckt aufgefunden. Schwurgericht. Totschlagsprozeß Furmansky. th. Gießen, 11. März. In der gestrigen Nummer teilten wir das Urteil im Prozeß gegen den Dienstknecht Furmansky mit. Der Prozeß hat bereits anfangs Oktober vorigen Jahres das Schwurgericht beschäftigt, und wir haben seinerzeit(Nr. 231 des Gieß. Anz. von 1914) die Verhandlungen wiedergegeben. Zur Orientierung sei wiederholt: F. hatte zusammen mit seinem Kol⸗ legen Scheld scharf gezecht. Zwischen den beiden entstand ein Streit, in dessen Verlauf ersterer mit einer Laterne geschlagen und be⸗ schimpft wurde Nachdem Scheld zu Bette gegangen war, soll sich F. in dessen Zimmer, das neben dem seinigen gage 1 und den Schlafenden mit einer Bierflasche erschlagen haben. F. gab an, davon nichts mehr zu wissen. Man hatte es im Oktober für not⸗ wendig erachtet, den F. auf seinen Geisteszustand hin unter⸗ suchen zu lassen, Bei den diesmaligen neuen Verhandlungen äußer⸗ ten sich nunmehr die Sachverständigen, die den F. untersucht und beobachtet und die Leiche des Erschlagenen obduziert haben. Medizinalrat Dr. Nebel erklärt, er habe die Sektion an der Leiche des Scheld 2 Er fand an der linken Seite an der Schläfe und am Ohr zwei sehr tiefe schwere Wunden, ebenso eine Verletzung über dem linken Auge. Durch einen mit großer Wucht geführten Schlag an der Schläfe ist die Schädeldecke zer⸗ trümmert worden 3 deraxt, daß am Rande des Schädels 5 ba ste Verletzun erhält, ganz außerstande ist, sich noch ins zu begeben. Auch der Bluterguß aus den Wunden habe hinlänglich bewiesen, daß die tödlichen Schläge dem Scheld nur im Bette beigebracht sein können. Furmansky bleibt dabei, er habe nicht geschlagen, als Scheld schon im Bette lag; er will nichts davon wissen, daß er an dem Abend bei Scheld im Zimmer war. Professor Dr. Berliner, der den Angeklagten auf seinen Geisteszustand beobachtet hat, erklärt, daß der Angeklagte ein geistig recht regsamer Mensch ist, der sich mit einer gewissen Geschicklichkeit heute verteidigt hat. Irgendwelche Merkmale an⸗ geborenen Schwachsinnes seien nicht an ihm gefunden worden. Er habe den Angeklagten mehrere Wochen in der Klinik beobach⸗ tet, habe gewisse Leistungen von ihm im normalen, nüchter⸗ nen Zustand verglichen mit Leistungen desselben, nachdem mam ihn mit Alkohol behandelt habe, und er müsse sagen, es . ein Unterschied in den Leistungen nicht. Der ständige ist der Ansicht, daß der Angeklagte bei Begehung der Tat sich in einem Zustand befunden hat, die die Strafbarkeit nicht ausschließt. Der Verteidiger Rechtsanwalt Leun plädierte nach dem Vortrag des Staatsanwalts auf Bejghung der Frage nach Körperverletzung mit Todeserfolg. Diesem Standpunkt schlos⸗ sen sich die Geschworenen unter Versagung mildernder Umstände an und verurteilten den Angeklagten, wie schon mitgeteilt, zu fünf Jahren Zuchthaus und fünfjährigem Ehrverlust. —— Gerichts saal. Mordprozeß Vogt. O Darmstadt, 10. März. Ein Mordprozeß begann gestern vor dem hiesigen Schwurgericht. Angeklagt sind; Der 23 Jahre alte Student der Medizin Wilhelm Vogt aus Darmstadt wegen Mordes, Brandstiftung und Beihilfe zum Mordversuch, sowie die 35 Jahre alte Frau Helene Heydrich geb. Schulze aus Groß⸗Lichterfelde wegen Anstiftung zum Mord und Mordversuchs. Vogt wird be⸗ schuldigt, am Samstag, den 16. Mai v. J., gegen 6 Uhr in der Villenkolonie Eberstadt den dort ansässigen Rentier Wolfgang eydrich ermordet, das Wohnhaus in Brand gesteckt sowie der Ehefrau des Ermordeten in der Nacht vom 3. auf 4. Mai vorigen Jahres bei einem Mordversuch Beihilfe geleistet zu 8 Der Frau Heydrich werden zur Last gelegt dieser Mord— versuch, sodann die fortgesetzte Anstiftung des Vogt zur Ermordung ihres Ehemannes. u bannen, und zwar derart, da Wunsch zu erkennen he, Pas mit Selbstmordgedanken und verstand so, den jugend⸗ viebhaber ihrem Plane immer gefügiger zu machen. Sie arran⸗ wo sie den Gas⸗ indes erwachte sen 8 941 Leben.— Am 9 n illa. Dort half u er zu⸗ nächst dem Rentier, der allein war, in dessen Arbeitszimmer beim JJCTTT(u(ͤͤ]³Ü» c über beu Leidmum ub steckte sie mit einem Venzinfeuer⸗ zeug in Brand. Vogt flüchtete in das obere Stockwerk, von wo ihn die igeeilte Feuerwehr herunterholte. Vogt kam bald in Untersuchungshaft, in die ihm auch nicht lange danach seine Komplicin folgte. Sie suchten sich gegenseitig die Hauptschuld an dem Verbrechen zu geben. f Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Schwarz, als Verteidiger des Vogt fungiert Rechtsanwalt Neuschäffer, wäh⸗ rend Frau Heydrich durch Justizrat Hallwachs verteidigt wird.—— medizinischen Sachverständigen sind mehr als 40 Zeu⸗ gen geladen. Vogt bestritt in der gestrigen Verhandlung, mit Ueberlegung gehandelt zu haben, während Frau Heydrich im Gegensatz zu ihrem vor dem Untersuchungsrichter abgelegten Geständnis in Al ede stellte, von dem Mordplan das geringste gewußt zu haben Sie sei unschuldig angeklagt.— Sachverständiger und Gerichtschemiker Dr. Popp Frankfurt erläutert dann seine Untersuchungen und erklärt, daß H. schon tot war, als der Brand entzündet wurde.— Sachverständiger Branddirektor Fischer ist der Ueberzeugung, daß leichtentzündliche Chemikalien bei dem Brand zur Verwendung kamen.— Untersuchungsrichter Dr. Wolff macht ausführliche Mitteilungen über die Vernehmung der beiden Angeklagten und kann die von diesen abgelegten Geständnisse, die ohne jeden Zwang erfolgten, nur wiederholen. Die Verhandlung wird heute fortgesetzt. Vermischtes. »Die Radioaktivität des Diamanten. Diamanten an sich sind zwar nicht radioaktiv, doch besitzen sie nach den jüngsten Untersuchungen die Fähigkeit, unter dem Einflusse radio- aktiver Vestrahlung eine erhebliche Radioaktivität anzunehmen: dies hat jüngst einer der angesehensten englischen Chemiker, Sir William Crookes, in der Londoner Royal Soicety als Ergebnis seiner Versuche mikgeteilt. Die Diamanten behalten, wie er aus⸗ führte, diese Radioattwität sogar lange Zeit hindurch. Unter anderem legte er der Gesellschast einen Diamanten vor, der vor 12 Jahren einige Monate hindurch den Emanationen des Radiums ausgesetzt worden war und heute noch immer radioaktive Strahlen von sich gibt. Crookes hat ihn verschiedenen chemischen Einflüssen ausgesetzt, ohne ihm dadurch die Eigenschaften der Madioaktivität wieder nehmen zu können. Wenn man eine photographische Platte diesem radioaktiven Diamanten aussetzt, ist seine Einwirkung noch genau so, wie vor 12 Jahren. ——— Bandel. * Hessische Landes⸗ Hypothekenbank. Dem so⸗ eben erschienenen Geschäftsbericht der Hessischen Landes Hypothekenbank in Darmsiadt für das Jahr 1914 ent- nehmen wir das Folgende: Der Bestand als Tilgungsdarlehen, — JV 7 die seiiens der Bank unkündbar sind und im Zinstuß nicht ge: steigert werden können, hat sich um 5 Millionen Mark auf rund 177 Millionen Mark erhöht. Von diesem Betrag sind 66 Mil- lionen Mark zu 3¾ Prozent und 111 Millionen Mark mit ca. 4½ Proz. zu verzinsen.— Die zur Gewährung von Pypothek- und Kommunaldarlehen erforderlichen Gelder beschaffte sich die Bank durch die Ausgabe von Pfandbriesen und Kommunal- Obligationen, von denen am Jahresende insgesamt rund 173 Millionen Mark im Umlauf waren.— Nach Kriegsausbruch betrachtete es das In- stitut bei der Darlehensgewährung als seine Aufgabe, in erster Linie kleinere Landwirte und Gewerbetreibende sowie Arbeiter usw. zu berücksichtigen, die sich nur schwer an anderer Stelle die er⸗ forderlichen Mittel beschaffen konnten. — Fürst Bülows Konferenzen mit Salandra. Rom, 11. März. Fürst Bülow hatte gestern im Mi⸗ nisterium des Innern mit dem Ministerpräsidenten Salandra eine längere Unterredung. Eine offiziöse Note erklärt hierzu, der Vorgang habe keinerlei besondere Be⸗ — deutung, da Fürst Bülow auch in den lezten Tagen mehrfach mit Salandra Besprechungen gehabt hatte. Der Unterseebootskrieg. Haag, 11. März. Bei Mersey entkam der Dampfer„Clan mac Rae“ knapp einem deutschen„U“-Boote, das ihn 25 Mi⸗ nuten verfolgte. Der Dampfer fuhr im Zickzack. Bei Middles⸗ borough wurde der Dampfer„Barland“ nur durch das Da⸗ zwischenkommen von Torpedobooten gerettet. Das angreifende Un⸗ terseeboot entkam. Haag, 11. März. Aus England zurückgekehrte Holländer, die zu Reederkreisen in engen Beziehungen stehen, erzählen, daß in Liverpool ein Gerücht umlaufe, wonach ein 30 000 Tonnen⸗ Dampfer der Cunard Line in der vorletzten Woche 32 Seemeilen westlich Liverpool torpediert worden sei. Das Schiff sei aber nicht zum Sinken gekommen, da die Schotteneinrich⸗ tungen gewirkt hätten und fünf Schotten geschlossen werden komn⸗ ten. Begleitet von zu Hilfe eilenden Dampfern und Torpedobooten konnte das Schiff in den Hafen geschleppt werden. Der Vorfall werde in England streng geheim gehalten, um im Passagier⸗ 8 zwischen England und Amerika keine Störung eintreten zu lassen. Amsterdam, 11. März. Reuter meldet, daß am 5. März der Dampfer„Lydia“ von Jersen nach Southampton mit fünfzig Passagieren unterwegs von einem Unterseeboot beschossen und tor⸗ pediert worden 1 aber nicht getroffen wurde. Am 22. Februar sei ein Torpedo auf den Dampfer„Viktoria“ abgeschossen worden. Der Dampfer sei nicht getroffen worden. Der norwegische Dampfer „Nadso“, der in Spansen angekommen ist, meldet, auf der Fahrt längs der 2 ein deutsches Unterseeboot gesehen zu haben. Das Unterseeboot sei plötzlich 1 Da es aber zu dicht heran war, um ein Torpedo abzuschießen, verschwand es ebenso plötzlich, als es ein britisches Torpedoboot herankommen sah. Die Behandlung der gefangenen„Uu“-Bootoffiziere. Amsterdam, 11. März. Als einen Beweis menschlichen Verwirrens, Denkens und Handelns und als eine Störung des moralischen Empfindens bezeichnen„Nieuws van den Dag“ den Beschluß der englischen Regierung, die Besatzung von U-Booten nicht als ehrenvolle Kriegsgefangene zu behandeln. reinste Rachsucht. Für jeden unparteiischen sei es ohnedem klar, daß die Bemannung eines solchen U-Bootes zu den tapfersten und künhusten Sertaten zählt, die im Dienste ihres Vaterlandes die ge⸗ jährlichste und schwierigste Aufgabe als Pflicht erfüllen und ein⸗ fach zu gehorchen haben. Da die Engländer die Befehlshaber in Kiel und Berlin nicht treffen können, kühlen sie ihre Wut an den tapferen Seeleuten. Aus allen Aeußerungen der englischen Blätter spricht der Wahnsinn. Ein Torpedoangriff auf ein englisches Hospitalschiff. DD. Haag, 11. März. Die deutsche Gesandtschaft im Haag veröffentlicht folgende Erklärung: Das britische Hospitalschiff „Asturia“ wurde zum großen Bedauern der deutschen Regierung am 1. Februar, 5 Uhr 45 Min. nachmittags, von einem deutschen Unterseeboot durch einen Torpedoschuß angegriffen. Die„Asturia“ hatte die für ein Dampfschiff vorgeschriebenen Lichter angesetzt und wurde bei Beginn der Dämmerung, als man die Kennzeichen der Fl. nicht unterscheiden konnte, für ein Truppentransportschiff ade Das abgeschossene Torpedo ging glücklicherweise fehl. So⸗ der Charakter der„Asturia“ als Hospitalschiff festgestellt wor⸗ den war, wurde selbstverstä gesehen. Der daͤnische Dichter Thor Lange f. Berlin, 11. März. Das„Berliner Tagebl! aus Kopenhagen: Der derühmfe dänische Dichter Lange ist in einem Sanatorium in Kiwe an Arterien⸗ 2 gestorben. ndlich von einem weiteren Angriff ab⸗ meldet Das sei die Thor T 96 . Statt jeder besonderen Anzeige. Heute früh entschlief sanft nach kurzem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante frau Hina Jacobi, geb. Leclerc. Im tiefsten Schmerze a im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Heinrich Jacobi, Gr. Kreisgeometer, Feldwebelleutnant, 2z. Zt. im Felde Familie Ludwig. Giessen(Löberstr. 18), Heppenheim a. B., 10. März 1915. Die Beerdigung findet in Heppenheim Freitag nach- mittag 2½ Uhr statt. 2⁰⁸ Todes-Anzeige. Heute nachmittag um 1 Uhr entschlief sanft unsere liebe, gute Schwester, Schwägerin und Tante Fräulein Mathilde Strack im nahezu vollendeten 73. Lebensjahre. Wir bitten um stille Teilnahme. Im Namen der Trauernden: Giessen, 10. März 1915. Emma Strack. Die Beerdigung findet nächsten Samstag, nachmittags 2 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. 2 Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, dass am Dienstag, abends 8 Uhr, mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel Friedrich Vogel I., Flurschütz nach kurzem, schwerem Leiden im 62. Lebensjahre sanft in dem Herrn entschlafen ist. Vortrag! Am Freitag, den 12. März 1915, abends 8 Uhr, wird in der neuen Aula(Eingang von der Ludwig⸗ oder Goethestraße) ein öffentlicher Bortrag über: Die Kricgsanleihe n. die Finanzlage Deutschlands stattsinden. Redner: Herr Professor Dr. Skalweit, Gießen. N LEintritt frei!: Ich richte die dringende Bitte an die Bürgerschaft, den Besuch dieses auftlärenden Vortrages nicht zu versäumen. Die trauernden Hinterbliebenen: Frau Katharine Vogel, geb. Rau Karl Vogel und Familie Friedrich Vogel und Familie Adolf Seibert und Familie Karl Rau und Familie Adolf Vogel, zur Zeit im Felde. Wieseck, Worms, den 11. März 1915. Die Beerdigung findet Freitag, den 12. März, nachmittags 4 Uhr. vom Sterbehause, Kirchstraße 49, aus statt. 22⁰0 Gießen, den 10. März 1915. Der Oberbürgermeister: Keller. 20¹ Todes-Anzeige. Verwandten. Freunden und Bekannten die schmerzliche Mit- tellung, daß unser lieber, einziger Sohn Justus Heuser, Lehrer Unteroffizier der Reserve nach kurzem, schwerem Leiden im Alter von 24 Jahren sanft ent- schlafen ist. Um stille Teilnahme bitten Die tief trauernden Eltern: Oberpostschaffner Heuser und Frau, geb. König. Gershausen, den 10. März 1915. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 13. Marz 1915, nachmittags 5 in Gershausen ost Kirchheim, Kreis Herstelch statt. 18895 Günstige Gelegenheit 1 zum Einkauf preiswepter Frühjahrs- und Sommer-Schuhwaren Um mein grosses Lager in schwarzen und braunen Stiefeln und Schuhen vor Eintreffen der Frühjahrs- waren zu räumen, verkaufe vorjährige Artikel und Einzelpare trotz enormer Preisaufschläge zu bedeutend ermässigten Preisen. Konfirmanden Stiefel in grosser Auswahl. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem f Hinscheiden unserer innigstgeliebten, unvergesslichen Frau Rosa Abt, geb. Strauss sprechen wir unseren wärmsten Dank aus. Sohuphaus L. Süss Marktstr. /f Alseinverkauf der berùuhmten„Herz Schuhwaren. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. I. d. N.: Jacob Abt. Giessen, im März 1915. Statt Karten N 7 fineumatismus-, Ischias- und Gichtleidende nehmen 2 Slänzend bewährten Petrin- Tabletten Name gesetzlich geschützt nerkannt bestes Mittel, da vollständig 1 lieh, obne jegliche Nebenerscheinungen und sicher wirkend.— Zu haben in allen Apotheken. NB. Patienten wird Rat and H lte erteilt Neltkestrasze 7. Die glückliche Geburt eines gesunden Jungen zeigen hocherfreut an Hofrat Jacob Grũnewald u. Frau Isabella geb. Jaffe Giessen, den 10. März 1915. Die Geburt eines prächtigen Mädels zeigen hocherfreut an Dipl. Handelsl. Bruno Erler 2. Zt. im Felde Lini Erler, geb. Schmidt 1 im März 1915 Hadtheaber biegen ern 12. 7 1915, ends 8 Uhr 14. ere ag; denn Vorstellg. Gewöbnl. Wreiselermäßigth Die deutschen ene * in 4 Akten von 2314 SSS e eee Schwerhoͤrigen beieee Angel⸗Schellfische Feldpost⸗Flaschen gl nahen und Ertaubten zur Nachricht, daß ich am 17., 18. und 19. Mars unentgeltlich Auskunst und 3 Vrobestunden gratis zum Erlernen des Absehens vom Munde von 10—12½ und 3—5 in Gießen im Hotel Schütz, Bahn hofstraße 52 erteile. 2258 Fräulein Helene Muhle ärztlich empfohlene Lehrerin der Absebkunst 3. Zt. Darmstadt, Wilbelminenstraße 19 ll. große 60 Pf.,— 55 Pf. kleinmittel 50 Pf. per Pfd. la. grosser Gbliau,„ opfloe im Ausschnitt ver Pfd. 55 Pf. 278 sind blutfrisch beute eingetroffen bei Georg Wallenfels Marktpl. 21, nächst d. Engel⸗ avotheke Telephon 46. aus Glas in bruchsicheren Holzhülsen als ½ und 1⸗Pfund⸗Pakete. Sehr billige Preise. Wiederverkäufer Rabatt · Porzellanhaus Löwer& Bechstein Neustadt 2/4 20 Telephon 484 Vortragsabend Dr. Luduig Wullner Ende gegen 10 Uhr. 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