0 85 Nr. 50 Der Sleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sietener Famillendlätter; eimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Giezen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelleöl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. gange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Montag, 8. März 1915 Bezugev reis: monatl. 75 h., viertel jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Entscheidende Wendungen in Griechenland. (WTB.) Großes Hauptquartier, 6. März. Amtlich.). 5 Westlicher Kriegsschauplatz. Den Engländern entrissen wir südöstlich von Ypern im Gegenangriff einen Graben. Die französischen Versuche, uns aus der auf der Lo⸗ retto⸗Höhe eroberten Stellung wieder herauszudrängen, scheiterten. Die Angriffe wurden abgewiesen. 50 Franzosen blieben in unserer Hand. In der Champagne setzten die Franzosen ihre An⸗ griffe bei Perthes und Le Mesnil fort. Alle Angriffe schlugen fehl. Bei Perthes machten wir 5 Offiziere, 140 Fran⸗ zosen zu Gefangenen. Im Gegenangriff entrissen wir den Franzosen ein Wäldchen nördlich Perttes und ein Graben⸗— stück ihrer Stellung bei Le Mesnil.* Ergebnislos verliefen französische Angriffsversuche auf unsere Stellungen bei Vauqunis und Consenvoye, sowie östlich Badonviller und nordöstlich Celles. Oestlicher Kriegsschauplatz. Nachdem die gesamte Kriegsbeute in dem Waldgebiet nordwestlich Grodno und um Augustow geborgen ist, ohne daß die Russen uns trotz energischer Gegenmaßnahmen daran zu hindern vermochten, stehen die dort verwendeten Truppen nunmehr für andere Operationen zur Verfügung. liche Sonst um Grodno und bei Lomza nichts wesent⸗ i S. Nordöstlich Prasznysz brach ein russischer Angriff unter schweren Verlusten für den Feind zusammen. Auch nordwestlich Plonsk wurde ein russischer Angriff abgewiesen.. Südlich der Weichsel nichts zu melden. Oberste Heeresleitung. (WT B.) Großes Hauptquartier, 7. März. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. a Zwischen der See und der Somme fanden im allgemeinen nur Artilleriekämpfe statt. Nächtliche Versuche —55 1 8 südlich von Ypern vorzustoßen, wurden ver⸗ eitelt. In der Champagne machten unsere Truppen Fort⸗ schritte. Wir nahmen dem Feinde einige Gräben und etwa 60 Gefangene ab. Ein französischer Massenangriff gegen unsere Stellung nardöstlich von Le Mesnil brach unter schwersten Ver⸗ lusten für die Franzosen in unserem Infanterie- und Ar⸗ tilleriefeuer zusammen. Oestlich von Badonviller wurden feindliche Vor⸗ stö ße zurückgewiesen. N In den Vogesen kamen gestern eingeleitete Kämpfe westlich von Münster und nördlich von Sennheim noch nicht zum Abschluß. 5 Oestlicher Kriegsschauplatz. Unsere Bewegungen nordwestlich von Grodno ver⸗ laufen planmäßig. Ein ruf ischer Nachtangriff auf Mocarece, nordöstlich von Lomza, wurde abgeschlagen. Auch westlich Prasz ny sz wurden stärkere russische An⸗ griffe zurückgewiesen. Unsere Angriffe südöstlich Rawa waren erfolgreich. 3400 Russen wurden gefangen genommen und 16 Maschinengewehre erbeutet. Oberste Heeresleitung. *** Nach einem Kronrat unter dem Vorsitz des Königs Kon⸗ stantin hat der griechische Ministerpräsident Venizelos seinen Rücktritt erklärt. Er hat es dabei für angebracht er⸗ achtet, deutlich zu erklären, daß der König seine Vorschläge nicht gebilligt habe. An dem Kronrat hatten aber auch frü⸗ here Minister und Vertreter des Heeres teilgenommen, und so wird denn auch von ausländischen Beurteilern, denen frei⸗ lich die genauen Grundlagen zu einem verläßlichen Urteil, wie auch uns heute noch, fehlen, festgestellt, der Generalstab habe dem König aus militärischen Gründen abgeraten, dem Vorschlag auf Unterstützung der Dreiverbandsmächte zu will⸗ fahren, mit dem Hinweis auf Bulgariens mögliche feindliche Haltung. Eine Meldung, die über Zürich verbreitet wurde, wonach Venizelos dem Dreiverband die Unterstützung durch Entsendung einer Hilfstruppe von etwa 100 000 Mann habe verweigern wollen, darf wohl ins Reich der Fabel ver⸗ wiesen werden. b Venizelos, dem von der Kammer und vom Volk auf den Straßen Athens nach der Entscheidung laut Presse⸗ meldungen lebhafte freundliche Kundgebungen bereitet wurden, genoß in Griechenland ein großes Ansehen, und in der Tat hat der schlaue Politiker dem Lande manche Er⸗ rungenschaft verschafft. Seine politische Laufbahn— er war vordem Rechtsanwalt— begann er, als Sohn eines kreti⸗ schen Kaufmanns, in Kreta, wo er die griechische Agitation leitete. Er hat denn auch 1905 bei dem Kusstande der Kreter gegen die Türken gefochten, und er ließ sich durch keine Hindernisse abhalten, an der Verwirklichung seiner Pläne peiterzuarbeiten. 1910 wurde er an die Spitze der provisori⸗ schen Regierung gestellt, die einen Anschluß an Kreta an⸗ strebte, und den zweiten Sohn des Königs Georg wußte er von seinem Posten als Oberkommissar von Kreta zu verdrängen. Nachdem er Eingang ins griechische Parlament sefunden hatte, wuchsen die Pläne des ehrgeizigen Mannes. s Dragumis von der Regierung zurücktrat, bildete Veni⸗ ein neues Ministerium, und damals schon war es klar, Griechenland fortan eine entschieden türkenfeindliche 3 3 Politik einschlagen würde. Geschickte innere Reformen stärk⸗ ten den Einfluß Venizelos'. Er erhöhte die Wehrkraft Grie⸗ chenlands und war eine treibende Kraft beim Abschluß des Balkanbündnisses gegen die Türkei. Ueber manche Mei⸗ nungsverschiedenheiten, die er mit seinem Königshause hatte, schreibt uns ein Berliner Mitarbeiter folgende Einzel⸗ heiten, die viele unserer Leser noch in Erinnerung haben werden, da wir seinerzeit darüber berichtet haben: Auf dem Marsche gegen Monastir erlitt eine griechische Mi⸗ litärkolonne, die sich in ihrem Eifer nicht genau an die Befehle des Hauptquartiers gehalten hatte, eine Schlappe. Der Kronprinz legte dem unliebsamen Ereignis nur geringe Bedeutung bei, Ve⸗ nizelos jedoch bekam es mit der Angst zu tun und forderte ohne Vorwissen des Königs die Serben, die damals in Prilep stan⸗ den, zu beschleunigtem Vormarsch gegen Monastir auf. So kam es, daß die Serben früher in Monastir eintrafen, als die Griechen, und diese von einer starken griechischen Bevölkerung bewohnte Stadt serbischer Besitz wurde. Der Kronprinz soll damals gegen Venizelos getobt und ihm alle Verantwortung für diesen Verlust zur Last gelegt haben. 5 Das stärkste Zerwürfnis zwischen König Konstantin und Veni⸗ zelos datiert aus dem Jahre 1913. Der König hatte, wie man sich wohl noch erinnert, in seinem Berliner Trinkspruch während seines Septemberbesuches ein ehrliches und begeistertes Loblied auf die deutsche militärische Ausbildung gesungen und in der Pariser Presse erhob sich darüber ein großes Gezeter. Da war es Herr Venizelos, der aus Schreck vor dem französischen Zorn und aus Anleihegründen sich bemüßigt fühlte, den König wegen seiner Rede ölfentlich zu schulmeistern. Dem König wur⸗ den Iodurch erst recht Verlegenheiten bereitet. Die Reise nach Paris mußte verschoben werden und die Hetze gegen den König wollte kein Ende nehmen. König Konstantin war auch nie ein besonderer Freund der von Venizelos stark begünstigten französischen Militärmission. Als er, noch als Kronprinz, nach langer Abwesenheit aus der halb erzwungenen Verbannung(die er in Potsdam und Frankfurt a. M. zugebracht hatte) nach Athen heimkehrte, fand er dort den General Eydoux und dessen Offiziere vor. Und während der beiden Balkan⸗ feldzüge mußte er die hämische Nachrede hören, er spiele sich als der große Feldherr auf, aber hinter ihm stehe doch Eydoux, der alles mache. General saß währrnd der ganzen Kriegs⸗ zeit in Athen. Während blutigen Kämpfe bei Janina schickte er dem Könige(durch Venizelos“ Vermittlung!) einen Operations⸗ plan. Konstantin warf einen flüchtigen Blick auf die strategische Fleißarbeit und schickte sie zurück. Venizelos kam so in eine pein⸗ liche Lage und die Franzosen fühlten sich gekränkt. König Konstantin hat bekanntlich eine Schwester der deutschen Kaiserin zur Frau. Das wird den Anhängern des Dreiverbandes wohl Anlaß zu Hetzereien gegen den König geben. Allein dieser hat im griechischen Volke ebenfalls star⸗ ken Rückhalt, und dieses kennt ihn aus dem Balkankriege her als einen Mann, der mit allen Kräften danach strebt, die Macht seines Landes zu vergrößern. Man wird ihm also keineswegs Schwäche seiner Politik vorwerfen dürfen, zu⸗ mal seine Absichten noch in Dunkelheit gehüllt sind. Hält er 8 noch nicht für gekommen, an den weltpoliti⸗ schen Auseinandersetzungen selbst aktiv teilzunehmen? Die Zukunft erst muß erweisen, ob König Konstantin seine bisher deutsch-freundliche Gesinnung beibehalten wird oder nicht. Aus Italien berichtet die„Köln. Ztg.“ über einige bemerkenswerte Pressestimmen. Dort rief die Nachricht von dem Ausgang des Kronrats in Athen erhebliche Ueber— raschung hervor. „Corriere della Sera“ bemerkt, offenbar halte der König den entscheidenden Augenblick noch nicht für gekommen und wolle sich die Freiheit des Entschlusses noch vorbehalten. Er habe den Drei⸗ verbandsmächten wohl die griechischen Häfen zur Verfügung gestellt, möchte aber in Berlin nicht verstimmen. Immerhin bedeute der Entschluß nicht einen Umschwung zugunsten Deutschlands.„Secolo“ führt aus, Venizelos habe dem Dreiverband ungefähr 100 000 Mann zur Verfügung stellen wollen. Der König übernehme nun eine schwere Verantwortung. Der„Perseveranza“ erklärt ein Balkan⸗ diplomat, der Entschluß des Königs sei nicht als endgültig anzusehen; wahrscheinlich sei die angebliche Spannung zwischen dem König und Venizelos nur vorgetäuscht, um für alle Fälle freie Hand zu haben. In der„Perseveranza“ veröffentlicht ferner Emanuel Prinetti einen Aufsatz, in dem er ausführt, Italien habe noch keinen Grund, einen endgültigen Entschluß zu fassen. Die Dardanellenfrage sei nicht von solcher Tragweite, daß es deswegen seine bisherige Hal⸗ tung aufgeben müsse. Die„Perseveranza“ fügt bei, mit den Ope⸗ rationen gegen die Dardanellen habe die Krisis der Neu- tralität begonnen, die nicht überwunden werden könne, ohne daß Italien seine Ansprüche, sei es durch diplomatische Verhand⸗ lungen, sei es mit Waffengewalt, geltend mache. Wir verzeichnen im Anschluß daran noch, daß heute die„Nationalliberale Korrespondenz“ sich mit den italienisch⸗österreichischen Beziehungen beschäftigt: Daß die reale Macht Italiens die Entscheidung dieses Krie⸗ ges nicht wenig zu beeinflussen vermag, dürfte kaum jemand zu bestreiten wagen. Die Aufgaben dieses Krieges sind für uns schon schwer genug. Das kann man ruhig aussprechen, ohne dar⸗ über Zweifel aufkommen zu lassen, daß wir auch zu größe⸗ ren Leistungen und schwereren Opfern imstande sind. Der eigent⸗ liche Furor teutonicus ist noch nicht losgebrochen. Daß wir aber weitere Komplikationen vermeiden wollen und vermeiden müssen, soweit es ohme Schädigung wirklicher Lehensinteressen angeht, dürfte die einhellige Meinung in unserem Vaterlande sein. i Der Nücktritt des Kabinetts Benizelos. Athen, 6. März.(WD. Nichtamtlich) Agence d' Athenes meldet: Unter dem Vorsitz des Königs fand geste 3. nachmittags eine Beratung der ehemaligen Ministerpräsiden⸗ ten statt. Anwesend waren Venizelos, Dragumis, Theo- tokis, Rhallis und der Chef des Generalstabs General Dus⸗ manis. Venizelos setzte in einer langen Rede auseinander, welche Politik die Regierung zu befolgen für notwendig finde. So⸗ dann sprachen nacheinander Theotokis, Dragumis und Rhallis. rn um 3 Uhr Venizelos ergriff von neuem das Wort, sodann hob der Köneg die Sitzung auf und dankte den Teilnehmern. Als Venizelos den Palast verließ, wurde er von der Menge mit stürmischen Bei⸗ fallskundgebungen empfangen. WTB. Athen, 6. März.(Nichtamtlich.) Die Agence Athe⸗ nes meldet: Der Ministerpräfident Venizelos erklärte in der Kam⸗ mer, das Kabtnett demissioniere, da der König die Politik der Regierung nicht billige. Athen 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence d'Athenes: Der König hat Alexander Zaimis zu sich be⸗ rufen und ihn mit der Kabinettsbildung betraut. Zaimis hat sich ein vierundzwanzigstündige Frist erbeten, um sich zu entscheiden. Berlin, 8. März. Der„Berl. Lokalanzeiger“ meldet zu der griechischen Ministerkrise, daß der energische Entschluß des Königs als ein Beweis dafür angenommen werden kann, daß die 8 über die Zustimmung des Gencralstabschef zu Venizelos' Vorgehen irrig waren und daß der Generalstab sich im Gegenteil völlig den Entschlüssen des Königs ange chlo sen hat.— Auch die römische Pr sse ist, wie der„Berl. Lokalanzeiger“ meldet, überzeugt, daß Konig Konstantin die Vor⸗ schläge Venizelos' auf den Rat des Generalstabschefs, der ein Eingreifen Bulgariens fürchtete, abgelehnt hat „Giornale d'Italia“ hält die dadurch geschaffene Lage für kri⸗ tisch, denn Venizelos sei der populärste Grieche und gelte als Schöpfer Groß⸗Griechenlands. Der neue griechische Gesandte in Konstantinopel. Konstantinopel, 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die Pforte hat der Ernennung Dr. Streits zum grie⸗ chischen Gesandten in Konstantinopel das Agrs⸗ ment erteilt. ** * Der Angriff auf die Dardanellen. Konstantinopel, 6. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Agence Milli“ erfährt von den Dardanellen, daß die feindliche Flotte gestern mit sieben ihrer großen Einheiten die Umgebung von Gheikly und die Forts Kumkale und Sedulbahr erfolglos beschossen hat. Erkundungsabteilungen, die sie landen wollte, wurden durch das heftige Feuer unserer. Batterien zurückgewiesen. Konstantinopel, 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt mit: In der allgemeinen Lage ist keine wesentliche Aenderung eingetreten. Nach⸗ mittags beschossen sechs feindliche Panzerschiffe unsere Bat⸗ terien in der Dardanellenstraße; unsere Batterien ant⸗ worteten mit Erfolg. Konstantinopel, 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Das Hauptquartier teilt folgende ergänzende Einzelheiten über das heutige Bombardement mit. Die englischen Schiffe„Majestic“ und„Irresistible“ verstärkten die feindliche Flotte. Aber durch das Feuer unserer Batterien wurde ein französischer Pau⸗ zerkreuzer außer Gefecht gesetzt und ein englischer Panzerkreuzer beschädigt. Infolge unserer Beschießung zogen sich die feindlichen Schiffe um 3¼ Uhr zurück und stellten das Feuer ein. Unsere Batterien haben keinerlei Schaden erlitten. Konstantinopel, 7. März.(W. B. Nichtamtlich.) Der Sonderberichterstatter von Wolffs Telegr.⸗Bureau 1 aus den Dardanellen: Die gestrige Entwicklung des Artillerie⸗ kampfes gegen die äußeren Dardanellen zeigt deutlich, daß auf englischer Seite die Erkenntnis zunimmt, daß ein Er⸗ folgohne ungeheure Opfer schwierig ist. Die gestrige Beschießung am Dardanus beobachtete ich aus unmittelbarer Nähe. Die Granaten zweier fortwährend die Stellung wechselnder Kr fielen in die Nähe des Dorfes und in die See, aber nicht in die türkischen Batterien, die antworteten und drei Tref⸗ fer erzielten, ohne selbst einen Mann einzubüßen. Infolgedessen schoß die englische Schiffsartillerie aus noch größerer Entfernung, woraus hervorgeht, daß bei ihr der Wunsch nach eigener Schonung größer ist als das Streben nach Erfolg. Die türkischen Offiziere und Mannschaften sind von der zuversichtlichsten Stimmung erfüllt. Konstantinopel, 7. März.(WTB Nichtamtlich.) Die Blätter melden, daß die feindlichen Schiffe, welche gestern die Forts vor Smyrna auf große Entfernung beschossen, sechzig Granaten abfeuerten, ohne jedoch Schas den anzurichten. Die Bevölkerung blieb ruhig. Ein feind⸗ licher Kreuzer beschoß einige Hütten von Papaslik bei Edremid(Adramyttium). Konstantin— 5 6. März.(WTB Nichtamtlich.) Wie die„Agence Milli“ erfährt, erschien gestern nachmittag ein englischer Kreuzer mit drei Schornsteinen vor Dikili gegenüber Mytilene und gab etwa 80 Schüsse ab, worauf er, ohne ein Ergebnis erzielt zu haben, abfuhr. Konstantinopel, 6. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Agence Milli“ meldet aus Bagdad: Der Angriff, den türkische Aufklärungstruppen, unterstützt durch Freiwillige, auf Chabie südlich von Kornau unter⸗ nahmen, endete erfolgreich. Eine Anzahl englischer Gefan⸗ ener und Verwundeter fiel in die Hände der Türken. Nach n Aussagen der Gefangenen erlitt der Feind schwere Verluste. Italien und die Baltan⸗Neutralen. N Berlin, 8. März. Das„Berl. Tagebl.“ erklärt, daß die italienische Frage sich infolge der Dardanellenangelegenheit zwar noch verschärft habe, daß aber beruhigende Möglichkeiten vorhanden eien, die freilich im Augenblick noch keine Sicherheit sind. bindung, aber die Haltung Rumäniens könne von den italienischen Entschließungen beeinflußt werden. Gerade jetzt könne nur ein starker äußerer Anlaß Rumänien zum Verlassen der bisher unter der rührigen Leitung Bratianus eingeschlagenen Richtung drängen. — Zum Rücktritt des Kriegshetzers Venizelos wird Ar schen Italien und Rumänien bestehe keine zwingende. 8* 8 F D r 1 N . verlautbart, 7. März, mittags: In einigen Frontabschnitten 1 mung vorgeschobener Stellungen gezwungen. tithben ausgefuprt, dag Sentzelos Fehler darin gelegen habe, daß er nicht 1 t habe, daß auch das Schicksal der Türkei auf den Schlacht⸗ 0 n Polens und Nordfrankreichs mitentschieden werde, und 8 ech Verschickung der griechischen Truppen Bulgarien, das den Verlust Salonikis nicht verschmerzt habe, sicher auch ein Wort mitreden würde. Zaiwis, Venizelos vermutlicher Nachfolger, ent⸗ stamme einem berühmten griechischen Politikergeschlecht, sei jetzt Gouverneur der Nationalbank und gehöre zurzeit keiner politischen Partei an Immerhin dürfte sich der König durch sein kühnes Vorgehen die Kriegshetzer nicht dauernd vom Halse geschafft haben. Aus Rumänien. Bukarest, 7. März.(WB. Nichtamtlich.) Meldung der 8 5 Rumaine. Die Parlamentssession ist bis einschließlich 11. März verlängert worden. Das Parlament ermächtigte die Regierung, den Belagerungszustand zu ver⸗ hängen, falls es nötig sein sollte. Der Kronprinz von Montenegro. Cetinje, 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kron⸗ prinz von Montenegro liegt hoffnungslos krank darnieder. Ein französisches Expeditionskorps. Paris, 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Amtliche Mit- teilung des Kriegsministeriums. Angesichts der Lage in den Dardanellen, und um auf jede Eventualität vorbereitet 7 sein, hat die Regierung beschlossen, ein Expeditions⸗ korps in Nordafrika zu konzentrieren. Die Truppen sollen auf das erste Signal zur Einschiffung bereit sein, um an die Stelle befördert zu werden, wo ihre Anwesenheit, durch die Umstände erforderlich sein wird. f Die„Nachricht des Kriegsministeriums“ ist vielleicht auf eine Täuschung berechnet, denn Frankreich hat doch kein Interesse daran, seine wahren Absichten in Bezug aauf die Verwendung seiner Truppen in die Welt hinauszu⸗ vosaunen. *** Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte. Wien, 6. März.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart, 6. März 1915: Partielle Vorstöße der RNussen im Abschnitt östlich Piotrkow in Polen scheiterten in unserem wirkungsvollen Artilleriefeuer. Im übrigen hat sich an dieser Front und an jener in West⸗ galizien nichts Nennenswertes ereignet!“ „ In den Karpathen dauern die Kämpfe um einige Höhenstellungen noch an. Ungünstige Witterungs- und Sscht⸗ verhältnisse herrschen vor. 5 Im Kampfgebiet in Südostgalizien ist nach den Ereignissen der letzten Zeit vorübergehend Ruhe eingetreten. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Wien, 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird in Russisch⸗Polen waren gestern heftige Kämpfe im Gange. die sich stellenweise auf den nächsten Distanzen ab⸗ spielten. Durch gute eigene Artilleriewirkung wurden rus⸗ sche Abteilungen unter beträchtlichen Verlusten zur Räu⸗ In den Karpathen wo verschiedenen Orts die Kümpfe um günstige Höhenstellungen andauern, wurden Nachtangriffe der Russen überall abgewiesen, S8 Offiziere, 570 Mann gefangen genommen. N In Ostgalizien hält die Ruhe an. . Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: 1 152 v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Wien, 6. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter mel⸗ den: 9 ganzen Front, namentlich in den Kar pa⸗ fielen wieder gewaltige Schneemassen. Die mäch⸗ nge Schneedecke im Vereine mit dem uaufhörlichen dichten Schnectreiben, welches keinen Ausblick gestattet, macht jede mili⸗ tarische Aktion unmöglich. Selbst da, wo die beiden Fronten ganz nahe aneinander heranreichen, behindert das Wetter die Ge⸗ fllechtstätigkeit, so daß auf der ganzen Linie Ruhe war. Beson⸗ ders unangenehm macht sich der Witterungswechsel in den Kar⸗ bvathen fühlbar, wo auf den Höhen ohnehin viel Schnee liegen geblieben ist, so daß hier augenblicklich jede Truppenbewegung ausgeschlossen ist. Graf Tisza in Wien. Wien, 6. März.(WTB. Nichtamtlich.) 5 r Tisza ist gestern hier eingetroffen sier in Audienz empfangen worden. Im Anschluß an die Audienz hatte der Ministerpräsident Besprechungen mit dem 3—+ des Aeußern, Burian und dem Ministerpräsiden. ten Grafen Stürgkh; abends reiste Graf Tisza nach Buda⸗ pest zurück. 3*** Ein Zeppelin über Calais. 25 Berlin, 8. März. Nach einer Meldung der . 51 weiß„Daily Chronicle“ vom 5. n Der Minister⸗ und vom Kai⸗ „Vossischen 4 il März zu berichten, 45 eppelin über Calais gesichtet worden sei. LE r in der Richtung Boulogne. Später sei das Schiff im Nebel verschwunden. Man wisse nicht, wie weit westlich von Calais es vorgedrungen sei. Nach demselben Blatt hat am 3 zwischen Nancy und Toul eine Jagd auf einen deutschen Flieger stattgefunden, aber weder der feindlichen Artillerie noch einer ganzen Anzahl französischer Flieger gelang es, den deutschen Flieger zur Strecke zu bringen. Der Austausch der Verwundeten mit Frankreich. Karlsruhe, 6. März.(WTB Nichtamtlich.) Die amt⸗ liche„Karlsruher Zeitung“ schreibt halbamtlich: Wie wir n, hat der Kaiser aus Gründen der Menschlichkeit fohlen, daß der Aus tausch der für diesen Zweck bereits in Konstanz und Umgebung versammelten fran zösischen Offiziere und Unteroffiziere in vollem Umfange vor⸗ genommen werde, trotzdem wir 7 1 von Frank⸗ reich nicht die gleiche Zahl ebenso schwer verwundeter deutscher Offiziere und Unteroffiziere erhalten werden. Im — wird, der weitaus größeren Zahl der in unseren Händen befindlichen Kriegsgefangenen entsprechend, die Zahl der von Deutschland ausgelieferten schwerverwun⸗ deten Franzosen natürlich größer sein, als die der aus Frankreich heimbeförderten schwerverwundeten Deutschen. 780 000 Gefangene in Deutschland. Derlin, 6. März. WTB. Nichtamtlich) Wie die Blätter melden, wurde den Mitgliedern des preußischen Landtages, die 4 Gefangenenlager in Döberitz besuchten, die itteilung gemacht, daß bisher in den deutschen Kriegsgefange⸗ nenlagern insgesamt 780 000 Mann interniert sind. Die französischen Reserven. Paris, 6 März.(Wü Nichtamtlich.) Dem„Temps“ zu⸗ folge hat der lee eee. der Kammersitzung am Donnerstag zwei Anträge bezüglich der Einberufung der Jah⸗ resklasse 1916 und der Aushebungsarbeiten für die Jahresklasse 1917 eingebracht. Der erste Gesetzesantrag wird damit begründet, daß die Ausbildung der Jahresklasse 1915 bald genügend fort⸗ * sei, so daß die Klasse an der Front verwendet werden ne. etzesantrag anzunehmen, wonach die Einberufung der Jahresklasse 1916 durch einen Erlaß des Kriegsministers erfolgen kann. Durch den zweiten Gesetzesantrag soll der Kriegsminister ermächtigt wer⸗ den, die Jahresklasse 1917 einzuberufen, sobald die Jahresklasse 1916 ausgebildet und an die Front geschickt worden ist. Die Re⸗ krutierungslisten der Jahresklasse 1917 sollen von jeder Gemeinde ausgearbeitet und spätestens am ersten Sonntag des Monats April in allen Bürgermeistereien Frankreichs angeschlagen werden. Die einmonatliche Frist, welche den Zusammentritt der Aushebungs⸗ kommission von der Veröffentlichung der Listen trennt, wird auf 10 Tage herabgesetzt. Ferner sollen die zurückgestellten Mannschaf⸗ ten der Jahresklassen 1913, 1914 und 1915 sowie die zwischen dem 1. August und 31. Dezember 1914 untauglich befundenen Mannschaften aller Jahresklassen mit der Jahresklasse 1917 einer nochmaligen Untersuchung unterzogen werden. Die Ausrüstung der englischen Offiziere. Rotterdam, 7. März.(W. B. Nichtamtlich.) Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ berichtet, daß die Feldausrüstung der britischen Infanterie⸗ Offiziere abgeändert wor⸗ den sei. Die Offiziere trügen nicht mehr Säbel, sondern Gewehre und Tornister wie die Soldaten. Das Offiziersabzeichen werde zukünftig auf dem Aermelaufschlag getragen. Flüchtlinge aus Rußland. Wien, 7. März.(WTB Nichtamtlich.) Gestern nachts traf auf dem Ostbahnhof ein Zug mit 720 Personen, die aus Warschau und Odessa ausgewiesen worden waren, ein. Es waren meist Frauen, Mädchen, Kinder und alte Leute. Unter den Ausgewie⸗ senen befanden sich 450 deutsche Staatsangehörige, die vom Deut⸗ schen Kriegshilfskomitee herzlich empfangen, belöstigt und beschenkt wurden. Nach einem mehrstündigen Aufenthalt setzten die Flücht⸗ linge ihre Reise nach Deutschland fort. Heute abend trifft ein zweiter Sonderzug mit etwa 900 Personen ein. Der Seekrieg. Rotterdam, 7. März.(W. B. Nichtamtlich) Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ meldet: Der Kapitän des norwegischen Dampfers„Röskwa“, der in Swensea ankam, erzählte, daß er sechs Meilen von der französischen Küste einem deut schen Tauchboot begegnet sei. Als die Deutschen sahen, daß das Schiff keine Ladung führte, seien sie wieder untergetaucht. Die Besatzung von„u 8“. London, 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Ti⸗ mes“ berichtet, daß die Offiziere und Mannschaften des deut— schen Unterseebootes„Us“ am 5. März in Dover gelandet worden sind. Euglische Anmaßung gegenüber den Neutralen. Stockholm, 6. März.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einem Telegramm aus London hatte„Daily Telegraph“ kürzlich ge⸗ meldet, daß ein Uebereinkommen zwischen der engli⸗ schen, der holländischen und den skandinavischen Regierungen dahin getroffen worden sei, daß jede Aus⸗ fuhr von Lebens- und Futtermitteln direkt nach den in Frage kommenden Ländern konsigniert werde und daß die Regierungen dafür sorgen sollten, daß die Waren nicht wieder exportiert würden.„Die neue englische Blockade wird,“ hieß es weiter,„zur Folge haben, daß die britischen Konsuln und anderen britischen Vertreter kontrollieren werden, daß der Export ausschließlich zum eigenen Verbrauch verwendet wird.“„Göteborgs Morgenpost“ bespricht diese über⸗ raschende Meldung und weist sie, was Schweden anlangt, in bestimmten Worten zurück.„Man weiß,“ sagt das Blatt,„daß Amerika, Bulgarien und Griechenland sich in eine derartige Kon⸗ trolle gefunden haben, von schwedischer Seite ist jedenfalls ein gleiches Uebereinkommen mit der britischen Regierung nicht ge⸗ troffen worden. Es wird weiter bekannt, daß die Zeugnisse der schwedischen Regierung über die inländische Verwendung der be⸗ treffenden Güter nicht respektiert worden sind. Darüber müssen wir uns stillschweigend hinwegsetzen, aber ausländische Kommis⸗ sare in unseren Häfen, die ermächtigt sein sollen, uns vorzu⸗ schreiben, wie wir unsere eingeführten Waren verwenden dürfen, dulden wir nicht. Dahin ist es wenigstens noch nicht gekommen.“ Die Teuerung in England. London, 7. März.(W. B. Nichtamtlich.) Nach einem Artikel der„Labour Gazette“ hält die Preissteigerung für Mehl, Brot und Fleisch in Großbritannien an. Bisher sind die Preise für Lebensmittel im Januar im Kleinhandel um 3 bis 4 Prozent, für Brot und Mehl um 9 bis 12 Prozent gestiegen. Die Vorschläge Amerikas. London, 7. März.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Tele⸗ graph“ meldet aus Washington vom 5. März: Bryan und die amtlichen Kreise sind von dem freundschaft⸗ lichen Ton der deutschen Antwortnote befriedigt. Sie betrachten sie als eine Grundlage für die weiteren Be⸗ mühungen der Regierung der Vereinigten Staaten, ein Uebereinkommen zwischen beiden Nationen zu erzielen. Man laubt nicht, daß die englische Regierung alle Vorschläge utschlands annehmen wird, aber wenn sie selbst einen Teil davon annähme, so würde dies Gelegenheit zu weiteren Ver⸗ handlungen geben und vielleicht zu einem Abkommen in einer etwas anderen Form führen. Aus Italien. Rom, 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Eine amtliche Verfügung bestimmt, daß ab 22. März nur noch eine einzige Sorte Brot mit einer Mischung von 80 Pro⸗ ent Weizenmehl gebacken werden darf. Dieses Brot ent⸗ 1 den Anforderungen der Ernährungshygiene und 1 bemerkenswert geringeren Verbrauch von Weizen bewirken. Eine Republit Nordportugal. Madrid 7. März.(WTB. Nichtamtlich.) Die Blätter melden aus Badajoz, daß die portugiesischen Demo⸗ kraten bei der Zusammenkunft im l'Amigo General Correra Barreto zum Präsidenten der Republik Nord- portugal proklamierten. *** Politische Verhaftungen in Moskau. Moskau, 7. März.(WD Nichtamtlich) In den Räu⸗ men der Gesellschaft für die Organisation der Volks⸗ bildung und der Volksbelustigungen, in denen auch die pro⸗ fessionellen Metallarbeiter⸗ und Bäckerverbände untergebracht sind, ist auf die Weisung der politischen Polizei bei dem Sekretär des Bäckereiarbeiterverbandes Gussew eine Haussuchung vorgenommen worden, welche 3 Stunden währte; etwa 40 dort befindliche Personen wurden gleichfalls durchsucht. Neun Verhaftungen wurden vorgenommen. Eine russische Wehrsteuer. Petersburg, 6. März.(WTB Nichtamtlich.) Der Staats rat beschloß, zur Beseitigung des Pestaits n Etat für 1915 eine Kriegskopfsteuer für die Dauer von drei Jahren einzuführen, die von jedem vom Kriegsdienst Befreiten zu zahlen sein würde. Morgan in Petersburg. Kopenhagen 6. März.(WTB Nichtamtlich.)„Poli⸗ tiken“ meldet aus Petersburg: William Morgan ist in Petersburg eingetroffen, um mit den Kreisen einfluß⸗ reicher Finanzmänner in Rußland zu verhandeln. Die Haltung Persiens. Petersburg, 6. März.(WTB. Nichtamtlich.)„Ruß⸗ er Zeitpunkt sei gekommen, in sehr kurzer Frist die Jahres⸗ klasse 1916 ri 1 4 5 417 2 einzuberufen. Der Kriegsminister e 0 koje Slowo“ meldet vom 27. Februar aus Teheran: In Persien greife eine sehr ernste, bedrohliche Bewegung des õießener Anzeigers obersten heeresleitung gegen die Ententemächte um sich, die von amtlichedß Seite unterstützt werde. Es werde die Entfernung aller euro⸗ päischen und besonders der belgischen Finanzkontrolleure verlangt, sowie die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht und die Aufnahme großer Anleihen für Reformzwecke ge fordert. Salar ed Dauleh sei mit bedeutenden Kräfken in Persien eingerückt. — i Aus dem Reiche. Vom preußischen Landtag. 3 Berlin, 6. März.(WTB. Nichtamtlich.) Der Aeltestenrat des Abgeordnetenhauses hielt eine Besprechung über die Frage der Vertagung des Landtags ab. Es wurde einstimmig be⸗ schlossen, bei der Regierung dahin zu wirken, daß die Vertagung Ende Man eintrete, da unter Umständen die gegenwärtigen Zeitverhältnisse schleunige Maßnahmen, wobei die Mitwirkung des Landtags erforderlich ist, notwendig machen könnten. In der Sommersession könnte dann auch das Fischereigesetz, mög⸗ licherweise auch das Wohnungsgesetz erledigt werden; das letztere, sofern es gelingt, die noch bestehenden Meinungsverschie⸗ denheiten zu beseitigen. Der Präsident des Abgeordnotenhauses nahm für die nächsten Tage folgenden Beratungsplan in Aus icht: Montag, 8. März, 1½ Uhr: Zentralgenossenschaftskasse, direkte Steuern, indirekte Steuern, Finanzministerium mit klei⸗ nen Nebenetats und Etatsgesetz. Dienstag, 9. März 11 Uhr: Be⸗ ratung des Antrags des Staatsministeriums, betreffend die Ver⸗ tagung beider Häuser des Landtags, dritte Beratung des Etats, zweite und dritte Beratung des Eisenbahn⸗Anleihegesetzes mit der Kleinbahn⸗Denkschrift, zweite und dritte Beratung des Knapp⸗ schafts⸗Kriegsgesetzes, Verordnung betreffend Bildung von Genos⸗ senschaften zur Bodenverbesserung und Verordnung, betreffend Zusammenlegung von Moorländereien.— Von Mittwoch, 10. März, bis zum Sonnabend, 13. März, sollen keine Sitzungen stattfinden, am Montag, 15. März, soll das Haus vertagt werden. Sondlerblatt mit dem Tagesbericht der Zustellung täglich zwischen 1 und 5 Uhr, auch Sonntags- Bezugspreis 50 pfg. monat; lich. Im Einzelverkauf 5 pfg. durch die Austräger und in der seschaftsstelle des Gießener Anzeigers. und Cand. Gießen, 8. März 1915. Von der Landesuniversität. L. U. Am Schluß des Semesters fand durch den Rektor der Universität und den studentischen Ausschuß eine Besich⸗ tigung der verschiedenen Einrichtungen statt, die im Inter⸗ esse der Studentenschaft während und trotz des Krieges in Ausführung begriffen sind. Zuerst wurde die Anlage vor der Universität, die unter Verwendung der von Staat und Stadt, sowie der Dozenten durch Herrn Stadtgärtner Balser ausgeführt wird, erläutert und ge⸗ prüft. Sie soll neben ihrem ästhetischen Zweck in prakti ch⸗ en Aus Stadt nützlicher Weise besonders den Studierenden Gelegen bieten, um sich in den Pausen des Unterrichtes zu 45 0 15 In der Anlage sind 1,50 Meter breite 7 und eine größere Zahl von Bänken in nischenartig angelegten Pflan⸗ zungen vorgesehen. Die Einfriedigung wird durch einen Gitterzaun geschehen, an dem entlang vorn eine Reihe von Linden gepflanzt wird. Die bisher kahle Fläche vor der Aula wird durch ein großes Beet belebt, in dessen Mitte sich hoffentlich bald der geplante„Ludwigs⸗Brunnen“ mit dem Denkmal des Stifters der Universität erheben wird. Die Streifen entlang dem Gebäude werden ebenfalls neu an⸗ gelegt und mit Sitzplätzen versehen. Die Probebänke, die schon einige Tage in dem Flur der Aula ausgestellt waren, wurden an die richtigen Stellen gebracht und geprüft. Das ewählte Modell fand Beifall.— Wir hoffen, daß die An⸗ age in der geplanten Form eine Zierde der Universität und der Stadt werden wird. N Sodann wurde das Gelände zwischen Rektorat und Aula besichtigt, das bisher als früherer Zimmerplatz völlig brachliegend, nunmehr ein Studentengarten werden soll. Das dabei gewonnene Land wird während des Krieges teilweise noch zum Gemüsebau verwendet werden, im übri⸗ gen aber jetzt schon in einer jenem 7 entsprechenden Weise bepflanzt werden. Die Anlage soll zugleich als Garten des kunstwissenschaftlichen Institutes dienen. Weiter ging der Weg zu dem Gelände des zukünftigen Sportplatzes zwischen dem Gebäude der Maschinen⸗ gewehrkompagnie und dem Wäldchen an der Fuldaer. Vom städtischen Tiefbauamt war der Grundriß Aeg bat. so daß der ganze Plan mit seiner. Laufbahn, den Ball⸗ spielplätzen und den sonstigen Anlagen zum Vorschein kommt. Die Gliederung wird in drei Terrassen. Der Blick über den ganzen Platz von der Gegend unter dem Schützen⸗ hause nach dem Schiffenberg zu ist sehr 8 Im Interesse der Volksernährung soll der größte Teil des Geländes, das von der Stadt der Universität verkauft ist, im Umfange von ca. 25 500 Quadratmeter während des Krieges noch lle landwirtschaftlichen Zwecken verwendet werden. Jedenfalls wird durch diesen großzügig geplanten Spiel⸗ und Sport⸗ platz die Universität und die Stadt Gießen eine neue An⸗ ziehungskraft erhalten. ö ließlich wurde an dem Wege nach dem Gleiberg hinter der Hardt das steil ansteigende Gelände besucht, das im vorigen Jahre der Universität zur Benutzung überwiesen worden ist. Dieser Universitäts⸗Garten umfaßt un⸗ Alki 5000 Quadratmeter. Der an dem Fußweg nach dem Gleiberg zu auahest Teil, ein alter mit Terrassen versehe⸗ ner Garten, wahrscheinlich ein früherer Wein ist im vorigen Sommer schon mehrfach von Dozenten und Studen⸗ ten zu geselligen n benutzt worden und wird wahr⸗ scheinlich—9 7 Schluß des 8 hoffentlich 3 E Sommer, immer 2 benutzt werden. Der andere Teil des Geländes zieht am Steinbruch entlang in die Höhe und bietet prächtige Aussichten in das Lahntal Hoffentlich werden die in Ausführung richtungen weiter dazu beitragen, um der Studenten den Aufenthalt an unserer Unixersität und in unserer zu einem behaglichen zu n. N 9 begriffenen Ein⸗ chaft 5 Auf dem Felde der Ehre gefallen. 08(Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Raservist Eugen Kirschs, Ini. ⸗Agt. 117, aus Mainz.— Musketier Karl Aumann, Ins. Rgt. 254(früher 117), aus Dromersheim.— Leutn. d. Res. Vikar Wilhelm Müller aus Wetzlar.— Reservist Karl Kirschner, Insant.⸗Rgt. 115, aus Langenselbold.— Kriegssfreiw. Heinr. Rinn aus Wies baden.— Kriegssreiw. Hermann Thomae aus Wiesbaden.— Unteroff. Richard Hees, Pionierbat. 21, aus Niederrosbach.— Landsturm— mann dermann Klapper, Landstuem Inf.-Agt. Limburg, aus 3— Vizeseldwebel Kurt Stumpf, Ins.⸗Rgt. 169, aus esa.— Gefr. Peter Bregenzer, Res.-Inf.-Rgt. 221, aus Offenbach a. M. 5 Ritter des Eisernen Kreuzes: Wehrmann Krombach aus 181 Gefr. im Res.⸗Inf.⸗Regt. 81. feldwebel Permann Schäfer im Brigade⸗Ersatz⸗Bat. 50 und Kanonier Schuppach im Feldart.⸗Regt. 27, beide aus Holzheim, Unterlahnkreis. Lehrer Kreiling aus Stein⸗ heim bei Hungen, Vizefeldw. d. Res. im Res.⸗Inf.⸗Regt. 222, Maschinengewehrzug. Leutn. im 116. Landw. Regt. Wilh. Klietsch aus Friedberg. Stabsarzt im 18. Armeekorps Dr. Karl Zang aus Friedberg. Leutn. d. R. Lehrer Karl Schmidt aus Langsdorf, Landw. Regt. 116. Vizefeldwebel Kottmann, Inf.⸗Regt. 60, aus Wetzlar. * Ordens⸗Verleihung. Die Großherzogin hat am 10. Februar dem Kreisfeuerwehrinspektor Martin Loos in Gießen die Krone zum Silbernen Kreuz des Ver— dienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. 8** Post nachrichten. Die schweizerische Postverwaltung hat das Umwandlungs verhältnis für Postanweisungen. an Krie⸗ 11 in Frankreich bei der Umschreibung in Bern auf 10 r. für je 100 Fr. festgesetzt. Wenn also in Frank⸗ 1 100 Fr. dem Gefangenen ausgezahlt werden sollen, so ist in tschland der jeweilige Gegenwert von 104 Fr. einzuzahlen. Das an für Postanweisungen aus Dänemark nach Deutschland ist von der dänischen Post⸗ verwaltung auf 86 Kronen 75 Oere- 100 Mk. festgesetzt wor⸗ den.— Im Feldpost verkehr werden teilweise im Privat⸗ wege hergestellte Feldpostkarten benutzt, die von den amt⸗ lichen Jeldpostkarten dadurch abweichen, daß der Vordruck für den Absendervermerk nicht auf dem linken Teile der Vorderseite, son⸗ dern oben an der Längsseite angebracht ist. Solche Karten ent⸗ sprechen nicht den bestehenden Vorschriften, nach denen die im Privatwege hergestellten Feldpostkarten mit den amtlichen 1m Vordruckgenauübereinstimmen müssen. Vor der Ver⸗ g und Benutzung jener abweichenden Feldpostkarten wird namentlich auch deshalb gewarnt, weil sie den großen Nachteil haben, daß der so wichtige handschriftliche Absendervermerk durch den. Aufgabestempel teilweise verdeckt und unleserlich gemacht wird. ** Klein gartenbau und Kriegsfürsorge. Die von dem Landes aus schuß zur Förderung des Klein⸗ gartenbaues gegebenen Anregungen haben, wie sich aus den zahlreichen eingegangenen Zuschriften ergibt, im ganzen Land außerordentlichen Widerhall gefunden. Der erwähnte Ausschuß hat zunächst ein Merkblatt eee und Kleingarten⸗ bau“ ausgearbeitet, das die Bedeutung und die Aufgaben des Klein⸗ gartenbaues in der gegenwärtigen Zeit behandelt und die Mittel und Wege erörtert, wie die Organisationsfrage an den einzelnen Orten am besten gelöst werden kann. Das Merkblatt ist an Großh. Ministecium des Innern, das Großh. Ober⸗Konsistorium, das Bischöfliche Ordinariat, die Landwirtschaftskammer, sämtliche Kreis⸗ ämter und Kreisschulkommissionen, sämtliche Ortsvorstände des Landes, sämtliche Baugenossenschaften, verschiedene Frauenvereine und eine Reihe von Gartenbauvereinen abgegeben worden und hat, wie zahlreiche Nachbestellungen zeigen, sich als praktisch und anregend erwiesen. Der Ausschuß hat nun ein zweites Merkblatt „Kleingartenbau in der Kriegszeit“, das sich mit rtentechnischen Fragen beschäftigt, also praktische Ratschläge und inke für die Gartenbestellung unter besonderer Berücksichtigung der Zeitlage enthält, verfaßt, das in den nächsten Tagen im Druck N Dieses Merkblatt wird an jedermann kostenlos abgegeben; Bestellungen sind an den Vorstand der Landes ver⸗ sicherungsanstalt Großh. Hessen, Darmstadt, Wilhelminenstr. 34, zu en.— Bemerkt sei noch ausdrücklich, daß der Ausschuß zur Förderung des Kleingartenbaues auch weiterhin gern in allen einschlägigen Fragen, sowohl was die Organisation des Kleingartenbaues wie die Gartenbestellung selbst betrifft, an die Interessenten Auskünfte erteilt. Anfragen bittet man ebenfalls an d rstand der Landesversicherungsanstalt Großh. Hessen zu richten. 0 7 Eine neuer Postwagenbrand. Unlängst ist wieder ein mit 14 beladener Eisenbahnpostwagen offenbar in⸗ folge Selbstentzündung einer Sendung zwischen den an der Ostbahn gelegenen Stationen Rehfelde und Strausberg in Brand geraten. Der Wagen war in Bromberg mit 600 Paketen und 80 Briefsäcken, enthaltend Feldpostpäckchen, die zum Teil für die Feldpostsammelstellen in Köln⸗Deutz, Metz, E e Trier und Berlin bestimmt waren, beladen worden. Ein Teil der Ladun ist verbrannt, ein anderer Teil hat beim Löschen des Feuers dur das Wasser gelitten; nur wenige Sendungen sind unversehrt ge⸗ blieben. In dem Brandschutt haben sich an verschiedenen Stellen Reste von—— sowie die Hülse einer Militärpatrone vorgefunden. Der Mißbrauch, feuergefährliche Sachen in Postsen⸗ dungen zu verschicken, hat offenbar auch in diesem Falle den Brand verursacht. Von amtlicher Seite ist mit Rücksicht auf die wieder⸗ holt vorgekommenen Selbstentzündungen von Postsendun⸗ gen und die dadurch hervorgerufenen umfangreichen Brände vor der Versendung feuergefährlicher Gegenstände durch die Post drin⸗ gend gewarnt worden. Diese Warnung kann nicht ernstlich genug wiederholt werden. Zu den feuergefährlichen Gegenständen gehören auch Reib⸗ oder Streichzünder und Zündhölzchen jeder Art, ein⸗ schließlich der im Geschäftsverkehr als„Wachskerzchen“ bezeichneten Wachsstreichzünder; sie dürfen unter keinen Umständen mit der Post bersandt werden. Durch Zuwiderhandlung gegen dieses Verbot wer⸗ den in erster Linie unsere im Felde stehenden Truppen geschädigt, weil Sendungen mit leicht entzündlichen Gegenständen eine stän⸗ dige 225 für die übrigen sehnsüchtig erwarteten Feldpostsen⸗ dungen bilden. Außerdem hat jeder, der dam Verbot zuwiderhandelt — vorbehaltlich der Bestrafung nach den Gesetzen—, für den entstehenden Schaden zu haften. Stadttheater Da sich nach der überaus freundlichen Aufnahme, die dem Lustspiel„Wohltätige Frauen“ von L Arronge am Freitag zuteil geworden ist, lebhafteres Interesse — dasselbe zeigt, sei allen Interessenten mitgeteilt, daß nach Lage es Spielplanes eine Wiederholung des Werkes nach der morgigen Dienstag⸗Abonnements⸗Vorstellung nur noch an einem Sonntag⸗ Nachmittag möglich ist. Landkreis Gießen. A Climbach, 6. März. Heute abend sand in dem mit Tannengrün und Fichtenzapfen sinnvoll und schlicht geschmückten Saale des Gastwirts Römer eine recht schön verlaufene Bis marck- eier statt. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag des Lehrers Roth über„Bismarck und seine Zeit“. Die zu Gehör gebrachten N Lieder und Gedichte sanden lebhasten Beifall. Der Erfolg der Veranstaltung war ein für die kleine Gemeinde recht schöner; 80 Mk. wurden zum Besten Ostpreußens und Elsaß⸗ Lothringens gestistet. Kreis Büdingen. h. Büdingen, 7. März. Zur wirksamen Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche ordnete das Kreisamt Büdingen an, daß Soldaten die verseuchten Ställe und Gehöfte nicht betreten dürfen, es sei denn, daß dringende dienstliche Interessen dies nötig machen. Den Soldaten, die fl in verseuchten Gehöften aufhalten, wird angeordnet, vor dem lassen des Hofes die Kleider zu reinigen und das Schuhwerk zu desinfizieren. 1 Nidda, 7. März. Wachtmeister Wiener ist zum I. April von hier nach Bodenheim bei Mainz versetzt. Die Bevölkerung sieht den Beamten sehr ungern aus dem Bezirk 1 f schelden. Zu seinem Nachfolger ist Wachtmetster Wisch⸗ mann von Wendelsheim im Kreise Alzey ernannt worden. h. Nidda, 7. März. Eine vom Kreisrat Boeckmann eleitete Versammlung der Bürgermeister des Krei⸗ bes Büdingen, der auf Einladung des Kreisamts auch Vertreter des Müller⸗ und Bäckergewerbes beiwohnten, beschloß nach einem Vortrag des Kreisrats über„Die Rege⸗ lung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl im Kreise Büdingen“ für die striktiste Durchführung aller vom Kreisausschuß gefaßten Beschlüsse Sorge zu tragen. Ueber die„Beschlagnahme des Hafers“ sprach sodann Kreisamt⸗ mann Schäfer. Auch seine zu den Maßnahmen gemach⸗ ten Vorschläge und Erläuterungen fanden die Zustimmung der Versammlung. l- Kohden, 6. März. Gestern feierten hier Landwirt Ludwig Lenz und Ehefrau Margarethe geb. Schneider das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Das Jubelpaar er ⸗ freut sich noch auffallender Rüstigkeit und bester Gesundheit. Kreis Alsfeld. (h) Alsfeld, 7. März. Das Hreis amt des Kreises Alsfeld, das erst vor kurzem die Polizeistunde in den Schankwirtschaften aller Kreisorte unter 2000 Einwohnern auf 11 Uhr abends beschränkte, hat eine weitere Verschärfung dahin eintreten lassen, daß sich in allen Schankwirtschaften der genannten Orte vom Beginn des Vormittagsgottes— dienstes bis zu Schluß des Nachmittagsgottesdienstes Gäste aus dem Orte nicht aufhalten dürfen. Auf Gasthäuser und Garküchen findet das Verbot keine Anwendung. Ferner wird die Einschränkung der Polizeistunde auf 10 Uhr abends in Aussicht gestellt, namentlich während der Frühjahrs- bestellung. Kreis Schotten. f n. Schotten, 6. März. Die Schüler der hiesigen Real⸗ schule brachten in ganz kurzer Zeit über 6000 Mk. in Gold zusammen. Kreis Friedberg. Bad-Nauheim, 8. März. Unter Leitung des Herrn Professor Dr. Kollmann⸗Darmstadt stattete Samstag nachmittag der Verein Deutscher Inge⸗ nieure, Bezirk Frankfurt a. M., Bad⸗Nauheim einen Be⸗ such ab. Im Namen der Bade- und Kurverwaltung und der Ministerialbehörde begrüßte Oberfinanzrat Balser, der derzeitige kommissarische Vorstand des Bades, die Gäste. Im Elektrischen Werk hielt der technische Leiter der staatlichen Betriebe, Regierungsbaumeister Berck, einen Vortrag über die Quellen, Badeanlagen und technischen Betriebe, und der V Regierungsbaumeister des Tiefbauamts Lorenz sprach über das Gruppenwasserwerk Bad⸗Nauheim. Bei dem sich an⸗ schließenden Rundgang wurden die Bade- und die einzelnen technischen Anlagen, sowie Park, das Kurhaus und die Trink- kuranlagen besichtigt und an Ort und Stelle die entsprechen⸗ den Erläuterungen gegeben. Starkenburg und Rheinhessen. rm Darmstadt, 8. März. Ueber 100 000 Mark hat die Goldsammlung der Schüler des hiesigen Real⸗Gymn a- siums ergeben, so daß ihnen durch den Direktor für morgen Montag, der zweite schulfreie Tag gewährt wurde— und immer noch wird mit gutem Erfolg weiter gesammelt. i m. Offenbach, 8. März. Die städtische Kriegs⸗ fürsorge hat bisher einen Kostenaufwand von 1116 000 Mark verursacht. Da die für diese Zwecke bewilligte Million Mark bereits überschritten worden ist, sollen weitere 500 000 Mk. für die Kriegsfürsorge zur Verfügung tellt werden. Unter den bisherigen Ausgaben, denen neben r bewilligten Summe an reiwilligen % Million Mark gegenüberstehen, sind a die Mittel für Militärzwecke von rund 240 000 Mk. und 100 000 Mk. für die Beschaffung von Dauerfleischwaren enthalten, die zum Teil wieder zurückerstattet werden. 1 ch. Bingen, 7. März. Etwa 200 kriegs gefangene Franzosen und zwar solche aus der Champagne, werden Mitte April hier eintreffen. Sie sind von der Mtlitärbehörde dem Vereine Binger Weinbergsbesitzer zur Verfügung gestellt worden und sollen für die Arbeiten in den einbergen ver⸗ wendet werden. Hessen⸗Nassau. Marburg, 6. März. In der heute im Fürstenhaus unter dem Vorsitze des Kgl. Landrats v. Löwenstein——— tenen Kreistagssitzung wurde zunächst beschlossen, zur Un⸗ terstützung der Kriegerfamilien zu dem ersten Darlehen von 200 000 Mark weitere 300 000 Mark aufzunehmen. Der Kreis⸗ haushaltsetat für 1915 paßt sich dem vorjührigen an, er schließt] B ab mit 540 750 Mk., ebenso genehmigte man den Voranschlag der Kreisbahn mit 1 Einnahme von 91550 Mk. und einer Ausgabe von 84 630 Mk. Zur Verzinsung des Baukapitals müs⸗ sen 43 367.86 Mk. durch Steuern gedeckt werden. Die Rechnung der Wandererarbeitsstätte für 1913 schließt ab mit 161 894.37 Mk. Einnahmen und 170036 Mk. Ausgaben. Unter g des Holzlagerbestandes waren vom Kreise 2663.27 Mk. zu decken. Ein Antrag, welcher sich mit der Eberkörung befaßte, wurde ab⸗ gesetzt, weil die Schweinezucht bei den jetzi Verhältnissen wohl ganz außer Betracht käme. Die übrigen Punkte der Tages⸗ ordnung betrafen Wählen zu den verschiedenen NTommissionen. m Kirchhain, 7. März. In dem Kira spiel Ober⸗Ohmen sind von Pfarrer Jung in kurzer Zeit 17000 Mark gesammelt worden. In dem kleinen Dorse Wettsaasen wurden von Lehrer Roth 1840 Mark in Gold zusammengebracht.— Im Saale des Hotel Mosebach hielt heute nachmittag Frau Prosessor Rade Marburg einen Vortrag über„Volksernährung während des Krieges. Der Saal war von Frauen und Töchtern bis auf den letzten Platz hesetzt. Frankfurt a. M., 7. März. Unter dem Vorsitz des Land⸗ wirts E. Viehmann(Rumpenheim) hielten am Samstag in der Harmonie in Sachsenhausen die einigten Landwirte von Frankfurt und Umgebung ihre diesjährige Hauptver⸗ lammlung ab. Nach einer Ehrung der fürs Vaterland ge⸗ fallenen Mitglieder erstattete Direktor Hirschel⸗ Friedberg den Jahresbericht. Er wies auf die Tatsache hin, daß die Landwirtschaft in jeder Beziehung in der Lage sein werde, den Krieg auch wirt⸗ schaftlich für Deutschland zum Siege zu gestalten. Eine Aus⸗ hungerung der Bevölkerung sei undenkbar. Wenn jetzt eine allgemeine Teuerung der von der Landwirtschaft er⸗ zeugten Lebensmittel eingetreten sei, so ser dies in erster Linie auf die gewaltige Steigerung aller Futterartikel zurückzuführen. Verschiedene Versuche des Vereins, die Stadt Frankfurt im Herbst 1914 mit Kartoffeln zu versorgen, seien an dem Widerstand der städtischen Behörden gescheitert, obgleich für das Malter mur ein Durchschnittspreis von 5 Mark gefordert wurde. Heute würde die Frankfurter Stadtverwaltung das Angebot wohl gerne an⸗ nehmen.— Der Rechnungsabschluß der Kasse weist für das letzte Jahr 6931 Mark Einnahmen und Ausgaben auf. Die ausschei⸗ denden Mitglieder des Ausschusses wurden wiedergewählt. Neu wählte man hinzu Richard Vorbach⸗ Rodheim, Aloys Ru p⸗ pel⸗ Kloppenheim, Dräser⸗Niederursel, Weil⸗Obererlen⸗ bach und Heinrich Wittig ⸗Rendel.— Die Besprechung der Lage auf dem Milchmarkt ergab volle Uebereinstimmung der Mitglieder mit den vom Vorstande getroffenen Maßnahmen. Der gegenwärtige N Milchpreis soll nur eine Ausnahme bil⸗ den, aber in erster Linie den Landwirten zugute kommen. Die Mitglieder sollen an den jetzt festgesezten Preisen unter allen Umständen sesthalten und sich von den Milchhändlern, die noch höhere Preise bieten, nicht täuschen lassen. Es seien das diesel⸗ ben Milchhändler, die in gewöhnlichen Zeiten am meisten nden rund der ee ee ee 1 ung wi von essi Ae Venirbrng bes Nlarerzehs in den bi) bir Aa- ung iner, a seuche gesperrten Ortschaften gestattet werden. Auch im Kreise f Hanau steht eine Milderung der Vorschriften in dieser Beziehmg 1 bevor, Beim Bezug der Treber von den Brauereien wurde den 8 Mitgliedern freie 5 gelassen, da man den Brauereien keine 1 Vorschriften über die Höhe des Preises machen könne. 5 h. Frankfurt a. M., 7. März. Im Alter von 48 Jahren b starb am Samstag Professor Dr. Hugo Apolant. In ihm verliert die morphologische Wissenschaft einen der hervorragend⸗ sten Forscher auf dem Gebiete der experimentellen Geschwulst⸗ forschung. Fast 13 Jahre wirkte er zulest am hiesigen Kgl. Institut für experimentelle Therapie, das durch ihn und seinen Mitarbeiter Geheimrat Ehrlich Weltruf erlangt hat Profes⸗ sor Dr. Apolant war zugleich auch außerordentlicher Honorar professor der Frankfurter Universität, die in dem Ent⸗ schlafenen das erste Mitglied ihres Lehrkörpers verliert. f 2 Aus Hessen⸗Nassau, 7, März. Der Kriegsausschuß der Landes versicherungsanstalt der Provinz hat be⸗ scklosfen, unter gewissen Voraussetzungen den Hinterbliebe⸗ nen der Versicherten, die infolge 1 dem Vaterlande geleisteten Kriegshilfe gefallen oder gestorben sind, oder innerhalb 6 Monate nach Friedensschluß noch sterben sollten, aus dem für 1 fahrtszwecke bewilligten Mitteln eine einmalige freiwillige? kes⸗ und Ehrengabe zu spenden. Es sind bestimmt für eine Witwe 50, für 1 Kind bis zu 15 Jahren 30, für 2 Kinder bis 15 Jahren zusammen 50, für mehr als 2 Kinder bis zu 15 Jahren zusammen 70 Mark. Die Gesamtsumme der Aufwendung darf 250 000 Mk. nicht übersteigen. + Eschwege a. d. Werra, 7. März. Infolge der Schnee⸗ schmelze und der starken Regenfälle führen Werra und Jul da Hochwasser. Im Fuldatal sind weite Strecken überschwemmt und gleichen einem See. Verschiedene Dörfer sind von dem Ver⸗ kehr abgeschnitten. Vermischtes. — 5 710 090 Mark für Morgans Fragonards. Ueber den Verkauf der berühmten Wandbilder, die Fragonard für den Pavillon der Dubarry gemalt hatte und die einen der kost⸗ barsten Kunstschätze Morgans bildeten, ist bereits berichtet worden. Nun wird auch der Preis und der Käufer mitgeteilt. Ter liche 9 A eil des— 15— 3 che Mil⸗ ionär Henry Clay Fri n, u 5 er die dereinst von einem entfernten Verwandten des Malers für 400 Mk. aufgekauften Bilder zahlte, beläuft sich auf 5 210 00⁰⁰ Mk. Bandel. 1 erwarten zu können. Der Krieg, durch den die Darmstädter gerung um fast 32 3 die Debitoren eine itoren für— lieferungen zusammenhängt. In Anbetracht der ganzen Verhält⸗ I Verwaltung billigen müssen. 8 Amtlicher Wetterbericht. R Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. 0 Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 9. März 1915: Meist heiter, trocken, kalt, östliche Winde, Nachtfrost. e Methode zur Desinfektion der Mund⸗ und Rachenhöhle. In der rauhen Jahreszeit ist die Gefahr einer Erkältung und die Au 8 die Bakterien der sogenannt. Erkältungs krankheiten am größten. Als Schutz be⸗ währen sich die Formamint⸗Tabletten der Firma Bauer& Cie. Sie machen beim Aufsaugen im Munde den Speichel zum Desinfektionsmittel, das in alle Fä der Schleimhäute ein⸗ dringt und die dorthin gelangten 9 vernichtet. 3 Versendung an unsere Krieger eignet sich besonders die„For⸗ mamint-Feldpostbrie ng“, die in Apotheken und Drogerien er⸗ ältlich ist. Es sei ausdrücklich auf den der heutigen Nummer iegenden Prospekt verwiesen. 2185 D g — erlin. — Ausser gewöhnlich billige Angebote rur Ifirmanden Für Mädchen: Weiße Unterröcke 225, 150, 95 Pig. Reise- Muster Weiße Hemden 195, 150, 95 Weiße Hosen 175, 125, 95 Pfg. Strümpfe, Handschuhe Reise- Muster, spottbillig. Für Knaben: 5 4 Kragen für 95 Pfg. 3 Kragen fur 95 Pig.. 3 vorhemden fur 95 Pig. 0 3 Paar Manschetten fur 95 Pig. Schwarze Binden, Handschuhe enorm billig Konfirmanden-Hute St. 1.50 Mk. Kauahaus Keat'-P Giessen 14 Bahnhofstrasse 14. Aigga Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer 5 innigstgeliebten, unvergesslichen Frau Josephine Heichelheim geb. Neustadt 5 sprechen wir unseren wärmsten Dank aus. 84 i Die tieftrauernden Hinterbliebenen 21010 1 5 1. d. N. 5 6 5— 27 1 5. 8 2 5 5 l . Siegmund Heichelheim, Geh. Kommerzienrat. 5 2 * Für ⸗kaufmännische Arbeiten wird Fräulein oder Herr gesucht. Keuntnisse der Stenographie erwünscht. Schriftl. Angebote mit Zeugnissen und Gehaltsansprüchen unt. 21280 an den Gießener Anzeiger erbeten. Tür Bauarbeiten in Belgien suchen wir sofort 100 Nülfsarbeiter Ar Erde und Betonarbeiten, welche militärfrei find.“ Stundenlohn 1 127 Für Unterkunft und Verpflegung wir 2 Die Todesstunde schlug zu früh, Doch Gott der Herr bestimmte sie. Todes⸗Anzeige. Nach langer Ungewißheit und sorgenvollem Warten traf heute die amtliche Nachricht ein, daß unser lieber, braver Sohn, unser guter Bruder, Schwager und Onkel Wilhelm Müller Ersatz-Reservist der 4. Komp. im Inf.-Regt. 168 im Alter von 24 Jahren am 12. Dezember 1914 Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten nach langer Ungewib- heit die traurige Nachricht, daß mein hoffnungsvoller, treusorgender, guter Sohn, unser heißgeliebter Bruder, Schwager und Onkel Albert Ruppert im Alter von 26 Jahren am 27. Dezember bei Bolimo in Rußland gefallen ist. 2100 pro Tag abgezogen. 2188 D Heuchelheim, Frankfurt, Hallgarten, den 4. März 1915. In tiefstem Schmerz: Wilhelm Ruppert, Schuhmacher und Kirchendiener, nebst sämtlichen Famillenanzehörigen Käte Tilipowitz. Statt jeder besonderen Anzeige. Im Dienst fürs Vaterland starb am 24. Februar unser lieber, einziger Sohn, Bruder, Enkel, Neffe und Fritz Metzler Unterarzt im Reserve- Infanterie-Regiment 253 vorgeschlagen zum Eisernen Kreuz. Schwager Familie Metzler-Walz. Darmstadt, den 5. März 1915. Wir bitten von Kondolenzbesuchen abzusehen. 12209 Laaer Argent von Otto Schaaf, Giessen. Der beste Likör im Felde! st nicht nur ein äußerst wohlschmecken- er Tafelllkör, sondern auch bei allen lazenbeschwerden empfehlenswertes Be- trüäuk für Jedermann. Fl. Mk. 2.50, ½ Fl. Mk. 1.50, Feldpost- brief(250 g versandfertig 50 Pfg. Verner: Arrak, Kognak. Rum und Punsch in Feldpost packung. Adler-Drogerie, zuszzrzs. 1 9* 1 2 r Lichtspiel Haus Der Lumpenbaron Grosses Filmlustspiel in 3 Akten. 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