Nr. 32 Erstes Blatt Der Siepener Anzei erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sietener Kamilienblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche deitfragen Ferusprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Neue Schlachten in den Karpathen. Die Russen in der Bukowina in vollem Rückzuge. England und die Blockade. (WTB.) Großes Hauptquartier, 6. Februar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Erneute französische Angriffe gegen die von uns gewon⸗ nenen Stellungen nördlich von Massiges blieben ohne Erfolg. Ebenso scheiterte ein feindlicher Vorstoß in den Ar⸗ gonnen. Oestlicher Kriegsschauplatz. „Die Russen griffen gestern an der ostpreußischen Grenze, sowie füdlich der Weichsel gegen unsere Front Humin— Bzura⸗Abschnitt an. Alle Angriffe wurden abgewiesen. Wir machten 1000 Gefangene und erbeuteten sechs Ma⸗ schinengewehre. Hauptsächlich von englischer, aber auch von französischer Seite wird fortgesetzt die Behauptung wiederholt, daß die Deutschen gewissermaßen zur Feier des Geburtstages S. M. des Kaisers Vorstöße in großem Stil inszeniert —. die sämtlich mit schweren Rückschlägen für uns en⸗ igten. Daß diese Behauptung in heimtückischer Absicht einfach erfunden ist, beweisen unsere amtlichen Be⸗ richte über die Ereignisse an den in Frage lommenden Tagen. Eine solche Kampfesweise kann natürlich auch nicht die Per⸗ son des Kriegsherrn berühren. Die deutsche Heeresleitung möchte aber nicht unterlassen, sie in ihrer Erbärmlichkeit vor aller Welt an den Pranger zu stellen. Oberste Heeresleitung. Großes Hauptquartier, 7. Febr.(WTB. Amt⸗ lich.) Südöstlich Npern nahmen wir einen französischen Schützengraben und erbeuteten dabei zwei englische Maschi⸗ nengewehre. Südlich des Kanals bei La Bassée drang der Feind in 1 unserer Schützengräben; der Kampf dort ist noch im Gange. Im übrigen auf beiden Kriegsschauplätzen außer Ar⸗ tilleriekämpfen keine wesentlichen Ereignisse. Oberste Heeresleitung. *** Die Russen haben, wie sie in ihrem amtlichen Bericht zugeben, gegenwärtig auf fast allen ihren Linien heiß zu kämpfen. Das scheint weniger das Zeichen ihrer angeblich neu erwachten Offensive zu sein als vielmehr ein plan⸗ mäßiges Zusammenarbeiten der verbündeten. Deutschen und Oesterreicher. Wenn nicht alles täuscht, gibt es in den nächsten Tagen Ueberraschungen, wie wir sie aus der Taktik Hindenburgs von früher her kennen. Schon jetzt freuen wir uns der neuesten Erfolge Oesterreich-Ungarns in der Bukowina, wo die Russen nach der amtlichen Wiener Meldung in vollem Rückzuge sind und wo Kimpolung, eine Stadt von etwa 50000 Einwohnern, wieder den Ein⸗ zug unserer Verbündeten begrüßt hat. „Von England haben wir heute einige Treibereien in Bezug auf die deutsche Ankündigung der Blockade zu ver⸗ zeichnen. Manche Londoner Blätter scheinen nicht an den Er nst der deutschen Absichten zu glauhen, wobei sie natür⸗ lich darauf hinwirken wollen, daß die Panik der Reedereien und die Einstellung von Handelsverbindungen sich nicht weiter verbreiten. Man will den Protest gegen das deutsche Vorgehen in der Hauptsache den Neutralen überlassen. In dieser Beziehung läßt man es an den üblichen Hetzereien nicht fehlen. Washingtoner Berichterstatter der englischen Blätter wollen schon wissen, wie Präsident Wilson und seine Ratgeber gegen die deutschen Pläne vorgehen wollen. Wir dürfen die Angaben einer„Morning Post“ jedoch als müßiges Gerede abtun. In Wirklichkeit wissen wir noch gar nichts darüber, wie die Neutralen etwa auf die deutsche Denkschrift sich einrichten werden, aus dem ein⸗ fachen Grunde, weil die Zeit, die seit der Berliner Veröffent⸗ lichung verstrichen ist, noch viel zu kurz ist. Unmaßgebliche Zeitungsäußerungen, die in ihren Ansichten wenig bestimmt sind und ziemlich weit auseinandergehen, brauchen wir nicht langer Widerlegungen zu würdigen. Wir sind davon über⸗ zeugt, daß die deutsche Regierung festbleibt! Bemerkens⸗ wert aus der englischen Presseflut ist nur die Aeußerung der„Times“, die erklärt, es sei keineswegs unerlaubt, wenn gefährdete Handelsschiffe neutrale Flaggen hissen! Das klingt also wie ein Geständnis, daß England eine darauf bezügliche gehezme Anweisung herausgegeben hat. Zu widerlegen braucht man die„Times“ nicht mehr, ihre Meinung atmet echt englischen Geist: erlaubt ist, was nützt. Wir wollen hoffen, daß die deutschen Maßnahmen den vollen erwünschten Erfolg n. Uebermütigen und über⸗ triebenen Erwartungen wollen wir uns aber nicht hingeben. ßadmiral v. Köster hat dieser Tage in Kiel einen Vor⸗ r gehalten, in dem er folgende Schlußsätze sprach, denen wir uns nur anschließen können: Immerhin müsse man sich aber hüten, zu voreiligen und fal⸗ schen Schlüssen zu kommen. Unsere vereinigten Feinde hätten immer noch eine große Uebermacht, die sich in den Zahlen 1 zu 4 ausdrücken lasse, und auch im Mittelmeer stehe unseren Verbün⸗ deten eine Flotte im Verhältnis von 1 zu 2 gegenüber. England wolle seine Flotte bis zum Friedensschluß intakt erhalten, um dann beim Friedensschluß ein gewichtiges Wort mitsprechen zu können. Demgegenüber müssen wir, bei allem Offensivgeist un⸗ serer Flotte vorsichtig sein und uns nicht zu einer unüberlegten 5 hmreißen lassen. Eine Hauptaufgabe unsc rer Flotte ser der 1065. Jubtgang a Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle Schutz unserer Küsten, die bei einer Niederlage zur See dem Feinde leichte Angriffspunkte bieten würden. Wir müssen zu Ende des Krieges unbesiegt zu Wasser und zu Lande dastehen, dann werden wir auch einen ehrenvollen Frieden erringen, der die n Englands auf den Weltmeeren endgültig be⸗ eitigt. 0 8„ Die Antwort der Engländer. London, 7. Febr.(WTB Nichtamtlich.) Die„Morning Post“ schreibt in einem Leitartikel über die angedrohte deutsche Blockade, die deutsche Erklärung wäre eine klare, ehrliche Prokla⸗ mation gewesen, wenn sie sich nicht auf eine Politik bezöge, mit der man schon begonnen habe. Der Feind habe bereits britische Schiffe ohne Warnung versenkt, so daß England jetzt leine Ursache habe, ihm für die Ankündigung einer schon begon- nenen Sache zu danken. Was für Schäden die deutschen Tauchboote anrichten könnten, sich darüber ein Urteil zu bilden, fehle die Er⸗ fahrung. Eine rhetorische Denunziation der deutschen Methoden sollte man den Neutralen überlassen, die als Uninteressierte in einer besseren Lage seien, ein Urteil zu fällen. Für England sei die beste Antwort, die eigene Blockade schärfer zu machen. Die britischen Handelsschiffe und Küsten⸗ dampfer könnten schnell mit Gewehren, Maschinengewehren, Bom⸗ ben und Schnellfeuerkanonen bewaffnet werden. Dadurch wür⸗ den sie noch nicht in Kriegsschiffe verwandelt und könnten sich doch gegen seeräuberische Angriffe schützen. Eine solche Methode wäre viel wirkungsvoller als moralische Denunziationen, Waffen, die bei einigen modernen Engländern r seien. Wir führen schließlich doch Krieg, schließt das Blatt, und es ist besser, wirklichen Krieg mit allen Schrecken ohne kriegerischen Altruis⸗ mus zu haben, anstatt zu versuchen, den Krieg zu zi⸗ vilisieren, denn Versuche, einen Tiger zu zähmen, führen nur zu Ueberraschungen und Enttäuschungen. Die beste Kriegführung ist und bleibt, dem Feinde den größtmögli⸗ Schaden zuzufügen, damit er sich desto schneller ergibt. rsuche anderer Art seien ohne Erfolg. Der Feind zwürgt un, zu drastischeren Maßregeln. Es ist klar geworden, schreibt die Daily Mail“, daß die verschiedenen Nationen einen verschiedenen Geschmack für Bluff haben. Der Bluff der deutschen Blockade der britischen Küste hat überall sofort eingeschlagen. Jedermann kann eine Blockade pro⸗ klamieren. Die Schwierigkeiten fangen aber erst an, wenn man versucht, sie durchzuführen. London, 6. Febr.(W. B. Nichtamtlich.)„Daily Telegraph“ schreibt: Nach einer Umfrage in hiesigen Schiffahrtskreisen hält man die deutsche Ankündigung nur für einen Bluff. Wenn auch einige englische und neutrale Schiffe zu Grunde gegangen sind, so besteht doch nicht die Absicht, die Fahrordnun⸗ gen zu ändern. Der Direktor einer Schiffslinie sagte, daß er nach dem Beutezug in der Irischen See daran gedacht habe, nach einer Rücksprache mit der Admiralität aber den Gedanken aufgegeben habe und auch jetzt keine Veränderungen beabsichtige. Amsterdam, 6. Febr.(W. B. Nichtamtlich.)„Allgemeen Handelsblad“ meldet aus London: Der Korrespondent der„Times“ sagt, daß alle Schiffe, die in den englischen Küstengewässern fahren, alle verständigen Vorsichtsmaßregeln ergreifen. müßten. Die englische Flotte dürfe in ihrer Wachsamkeit nicht nachlassen. Es sei aber töricht, der deutschen Blockade große Bedeutung beizumessen. Die deutsche Erklärung sei nur ein neues Zeichen von Angst. Diese Drohungen seien zum„Konsum“ in Deutschland selbst bestimmt, um dem deutschen Volke Mut zu machen. In der ganzen Zeit, während welcher die deutschen Unterseeboote sich im Kanal befanden, sei kein einziges englisches Truppentransportschiff in den Grund gebohrt worden. Darum habe man es für nötig befunden, eine Erklärung auf dem Papier anzukündigen, um die Gefahren in übertriebenem Lichte darzustellen.(Es scheint, daß vielmehr die„Times“ ihren Landsleuten Mut zu machen nötig hat, als Deutschland. Im, übrigen: Man warte doch ab! D. Red.) London, 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Tele⸗ graph“ meldet aus New Pork: Einige Freunde der ameri⸗ kanischen Schiffahrt hielten es für möglich, daß die Gefahr der deutschen Tauchboote eine Aenderung in der britischen Politik be⸗ züglich der Uebertragung von Handelsschiffen Krieg⸗ führender an Amerikaner und andere neutrale Flag⸗ gen herbeiführen werde, da die britische Regierung es vorteilhaft finden könnte, wenn deutsche Schiffe in amerikanischen Besitz über⸗ gehen, um sie für den Transport von Lebensmittel nach England zu benutzen. Diese Partei bilde jedoch eine kleine Minorität. London, 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich) Der Washing⸗ toner Korrespondent der„Morning post“ meldet: Das Staatsdepartement unterzieht die deutsche Ankündigung einer ernsten Erwägung, da es sich bewußt sei, daß Deutsch⸗ land eine Frage angeschnitten habe, die für die Vereinigten Staa⸗ ten von unabsehbaren Folgen sein könne. Die Regierung habe noch keine Schritte getan, da da Angelegenheit reifliche Ueber— legung erfordere. In amtlichen Kreisen herrschte die Meinung vor, daß die Regierung zu tainem Protest gezwungen sei, und daß im Falle der Versenkung amerikanischer Schiffe durch deutsche Unterseeboote zwischen beiden Regierungen eine Krise entstehen würde. Die Versenkung amerikanischer Handels⸗ schiffe auf hoher See würde nach Ansicht dieser Kreise einer kriegerischen Handlung und Absicht der Seeräuberei gefährlich nahekommen. Die Washingtoner Regierung würde dadurch zu Maßnahmen. der Wiedervergeltung getrieben werden. Amerika erkenne nur eine effektive Blockade, keine papierne Blok⸗ kade an. Die deutsche Drohung, Schiffe ohne Rücksicht auf das Leben der Besatzung zu zerstören, rief Entrüstung hervor. Die Schiffahrtskreise sind jedoch nicht sehr beunruhigt, da man nur an einen Bluff glaubt, der darauf berechnet sei, Entsetzen zu verbreiten. 0 London, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Telegraph“ meldet aus Washington, Amerika werde sehr wahrschein⸗ lich gegen die deutsche Ankündigung Protest einlegen. Magdeburg, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der „Magdeburger Zeitung“ berichtet ein Mitarbeiter: Nach f Montag, 8. Februar 1015 9 Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den euilleton: Aug. Goetz; ür Stadt und Land, Bermischtes und Ge⸗ ichtssaal: Otto Braun, für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Schul einer Londoner Drahtnachricht des„Stockholms Dagblad“ wurden durch Befehl der britischen Admiralität sämtliche Handelshäfen des vereinigten Königreichs für be⸗ festigte Plätze erklärt. Ein Geständnis der„Times“. Berlin, 8. Febr. Der Vertreter der„National Ti⸗ dende“ teilte gestern, wie verschiedenen Morgenblättern aus Kopenhagen gemeldet wird, mit, er habe wegen der Meldung, daß die englische Admiralität die englischen Han⸗ delsschiffe beordert habe, unter neutraler Flagge zu segeln, alle betreffenden Autoritäten befragt, aber nirgends auch nur eine Andeutung von einer Bestätigung dieser Behaup⸗ tung erhalten. Der Marinesachverständige der Londoner „Times“ läßt sich hierzu laut„Berl. Tagebl.“ vernehmen: In gewöhnlichen Zeiten haben die Handelsschiffe nicht das Recht, eine neutrale Flagge zu führen. Aber der Gebrauch zur See und viele Präzedenzfälle beweisen, daß es zulässig ist, daß ein Schiff die neutrale Flagge hißt, um einem Feinde zur entfliehen. Jede Nation, die eine einigermaßen bedeutende Han⸗ delsflotte besessen hat, wird in ihrer Geschichte dafür Beispiele finden. Wenn unsere Handelsschiffe eine neutrale Flagge hissen, um der Aufmerksamkeit eines feindlichen Unterseebootes zu ent⸗ gehen, so haben sie das Recht vorläufig auf ihrer Seite. Der Berliner„Lokalanzeiger“ bemerkt zu dieser Aeuße⸗ rung: Wann hatten die Engländer nicht das„Recht“ auf ihrer Seite? Für sie ist nur alles Recht und Gesetz sen, was sie tun.— Der deutsche Botschafter in Washington soll, wie das„Berl. Tagebl.“ sich melden läßt, der Regie⸗ rung der Vereinigten Staaten erklärt haben, daß Deutsch⸗ land nicht die Absicht habe, amerikanische Schiffe zu be⸗ 7 lästigen und fortzunehmen, die Lebensmittel für die bürger⸗ liche Bevölkerung der feindlichen Länder anfahren. Die Brotverteuerung in England. London, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Nach dem „Evening Standard“ soll der Weizenpreis in der näch⸗ sten Woche auf 60 Schilling für das Quarter erhöht werden; vor dem Kriege betrug er 35 Schilling. Der Preis des Brotes stieg auf 8 Pence für das Vierpfund-Brot, Mehl auf 4½ Pence für den Quart, Steinkohlen auf 34 Schilling für die Tonne. Noch ein Ausstand in England. London, 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) 36 000 weibliche Arbeiter in den Khaki⸗Spinnereien von Leeds dürften nächste Woche in den Streik treten, da die Verhandlungen mit den Arbeitgebern über eine Lohn⸗ erhöhung ergebnislos geblieben sind. 915 Neue Angriffe der englischen Flotte auf die belgische Küste. Berlin, 8. Febr. Ueber neue Angriffe der englischen Flotte auf die belgische Küste wird der„Deutschen Tageszeitung“ aus Rotterdam vom 7. Februar gemeldet: Zwischen Nieu port und Ostende hört man heftigen Kanonendonner. Die feindliche Flotte unternahm wieder einmal einen Angriff auf die belgische Küste, der durch die deutschen Küsten batterien abgewehrt wurde. Berlin, 8. Febr. Ueber die Kämpfe an der flandrischen Küste heißt es im„Berliner Lokal-Anzeiger“ aus Amsterdam vom 7. Februar: Der„Telegraaf“ meldet aus Sluis: Samstag mittag begann die Kanonade der Marinegeschütze von neuem. Die Verbündeten setzen die Offensive fort. Auch die französi⸗ schen Flieger waren wieder sehr tätig. Deutsche Flug⸗ zeuge umkreisten Zeebrügge din größerer Zahl als bisher. Ein Luftkampf ist zu erwarten. Neue Entscheidungen in Russisch⸗Polen? Berlin, 8. Febr. Der Petersburger Berichterstatter des Mailänder„Secolo“ telegraphiert, wie verschiedenen Berliner Mor⸗ genblättern gemeldet wird: Die furchtbarste Schlacht, welche die Geschichte aufweist, findet zwischen der Rawka und den Kar- pathen statt. Die Deutschen haben nur einen Scheinrückzug in der Front Rawka⸗Bzura unternommen, um sich destomehr zwischen Weichsel und Rawka zu verstärken.— Auch dem„Corriere della Sera“ wird aus London gemeldet: Die deutschen Operationspläne scheinen neue Entscheidungen vorzubereiten. Die Angriffe an der Bzura und Rawla werden mit einer Stärke geführt, die alle bis⸗ herigen Kämpfe an der Front in den Schatten stellen.— Mel⸗ dungen eines polnischen Blattes zufolge werden die wirtschaft⸗ lichen Verluste in Russisch⸗Polen infolge des Krieges bis jetzt auf eine Milliarde Rubel geschätzt. Der Kaiser im Osten. Berlin, 6. Febr.(WTB. Amtlich.) S. M. der Kai⸗ ser hat sich über Czenstochau auf den östlichen Kriegs⸗ schauplatz begeben. 94 Berlin, 7. Febr.(WTB. Amtlich.) S. M. der Kaiser besuchte gestern die schlesische Landwehr in ihren Schützen ⸗ gräben bei Gruszezyn östlich Wloszezowe. f N f 5 g 5 2 N . c J n CCC 5 von Ibn Reschid Das n Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte. Wien, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart 6. Febr. 1915: An der ganzen Karpathenfront und in der Bukowina dauern die Kämpfe an. Die Situation in Polen und Westgalizien ist un⸗ verändert. Ein russischer Nachtangriff bei Kopuczno wurde ubgewiesen. 8. Am südlichen Kriegsschauplatz hat sich in der letzten Zeit nichts Wesentliches ereignet.. Der Stellvertreter fs des Generalstabes v. Höfer, Feldm alleutnant. Wien. 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 7. Febr. mittags. Die Lage in Russisch⸗ Polen und Westgalizien ist unverändert. An der Karpathenfront wird heftig gekämpft. In der füdlichen Bukowina sind unsere Truppen in erfolgreichem Vordringen. die Russen in vollem Rückzuge. 1200 Gefangene eie gemacht und zahlreiches Kriegsmaterial erbeutet. Nachmittags zogen unter dem Jubel der Bevölkerung eigene Truppen in Kim— polung ein. 5 Auf dem südlichen Kriegsschauplatz keine Ver⸗ änderung.. 5 In der Adria hatte ein Luftangriff unserer bra⸗ ven Flieger auf französische Transporte guten Er⸗ folg. Durch Bombenwürfe wurden mehrere Treffer erzielt. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Der amtliche russische Bericht. Petersburg, 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht des Großen Generalstabs vom 6. Februar: In O st⸗ preußen nahmen die Kämpfe im Tale der Inster und Szeszuppe einen erbitterterten Charakter an. Auf der Schlacht⸗ nt am linken Weichselufer war sehr heftiges Artilleriefeuer. roß der Gegenangriffe der Deutschen setzten sich unsere Truppen nicht nur auf dem linken Ufer der Bzura nahe ihrer Mündung fest, sondern sie gingen auch später zum Angriff über und be⸗ mächtigten sich eines sehr bedeutenden feindlichen Stützpunktes im Norden des Dorfes Vitkowidze Nahe dem Gute Borzymow haben wir auf einem beträchtlichen Abschnitt die deutsche Schützengraben⸗ linie genommen und uns eines Teiles der Gräben zweiter Linie bemächtigt. Im Gebiete von Borzymow hat der Feind drei erfolg⸗ lose Angriffe unternommen. Demonstrative Angriffe des Feindes in der Gegend zwischen Malogostsche und Chenchny sowie in der Gegend der oberen Weichsel nahe Chaoli⸗Bogovitze und in Galizien südlich von Tschenjkowitze wurden ohne Schwierigkeit abgewiesen. In den Karpathen wurden erbitterte Kämpfe im Nor⸗ den der Linie Zboro⸗Stroko⸗Meso und N geliefert, wo wir weiter fortschreiten. Im Gebiete der Beskiden pässe wurde die feindliche Offensive beeinträchtigt. In den Stellungen am Wyschkoff⸗Paß und auf den Straßen nach Madvorno wiesen wir kräftig alle feindlichen Angriffe zurück. Die Kämpfe im Kaukasus. Konstantinopel, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Kaukasus eingetroffene Nachrichten besagen, daß eine aus Angehörigen verschiedener Stämme zusammen⸗ gesetzte türkische Kolonne, die in der Richtung von El Artawin in der Nähe von Schylan nördlich von Korn a auf Rekognoszierung ausgezogen war, einen Zusammen⸗ stoß mit feindlicher Kavallerie hatte, die nach großen Verlusten genötigt wurde, sich in Unordnung zurück⸗ 2 510 Der Feind räumte die Stellungen und zieht sich ndig gegen Süden zurück. Die Zahl der Stämme, die sich der türkischen Armee anschließen, wächst von Tag zu Tag. Die arabischen Streitkräfte unter dem Kommando sind auf dem Kriegsschauplatz eingetroffen. Cholera in Petersburg. Hamburg, 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Wie den „Hamburger Nachrichten“ über Stockholm aus Peters⸗ burg berichtet wird, ist dort eine Choleraepidemie ausgebrochen, die täglich rasende Fortschritte macht. Schon sind sehr viele Todesfälle zu verzeichnen. Hungersnot in Odessa. Odessa, 6. Febr.(WWB. Nichtamtlich.) In Odessa herrscht große Not an Nahrungsmitteln. Infolge Ueberlastung der Eisenbahnen und des Fehlens von Waggons ist die Zufuhr von Getreide auf ein Minimum er 0 beschloß, täglich 40 Waggons zur Linderung der Not zu stellen. Aus der russischen Duma. a Petersburg, 6. Febr. WTB Nichtamtlich.) Im Budget⸗ ausschuß der Duma beklagte sich der Referent Ratkow Rasch⸗ nom darüber, daß die Zinsen für die kurzfristigen Schatzanweisun⸗ * nicht im Budget eingestellt sind. Der Direktor der Kredit⸗ anzlei erwiderte, daß sich die Einstellung erübrige, da die Schatz⸗ anweisungen in eine konsolidierte Anleihe verwandelt werden sollen, zu deren Summe auch die Zinsen gerechnet werden. Der Abge⸗ ordnete Teschemoswitow brachte zur Sprache, daß bei der Ver⸗ haftung von fünf sozialdemokratischen Abgeord⸗ neten eine ganze Reihe von Ungesetzlichkeiten verübt worden seien. Der Gehilfe des Justizministeriums Werjowkin erwiderte darauf mit einer verlegenen Handbewegung:„Was kann ich san sagen? Die sozialdemokratischen Abgeordneten befinden in Untersuchungshaft.“ Die Türken am Suezkanal. Konstantinopel, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Große Generalstab meldet: Unsere Vorhuten sind in den Gegenden östlich des Suez⸗Kanals angekommen und haben die englischen Vorposten gegen den Kanal zu⸗ rückgedrängt. Bei dieser Gelegenheit fanden Kümpfe in — Umgegend von Ismailia und Kantara statt, die noch andauern. * 6* Wechsel im österreichisch⸗ungarischen Finanzministerium. Wien 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Offiziös wird gemeldet: Der bereits angekündigte Rücktritt des gemein⸗ samen Finanzministers Ritter v. Bilinski ist erfolgt. Zu seinem Nachfolger ist der frühere Ministerpräsident Ernst v. Körber ernannt worden, der in den nächsten Tagen vom Kaiser vereidigt werden wird. Eine bulgarische Anleihe bei deutschen, österreichischen und ungarischen Banken. Sofia. 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Agence Bulgare“ meldet: Das Syndikat deutscher, österreichischer und ungarischer Banken, das mit der bulgarischen Regie⸗ rung einen Vertrag auf Gewährung einer Anleihe im Betrage von 500 Millionen Franks abgeschlossen hat, beschloß in Anbetracht der gegenwärtigen Verhältnisse des Geldmarktes, welche die Durchführung der Anleihe nicht gestatten, Bulgarien, damit das bulgarische Schatzamt sich nicht in Verlegenheit befinde, auf diese An⸗ leihe gegen al pari aufgenommene Schatzbons einen Vor⸗ schuß von 150 Millionen Franks zu 7½ Prozent Zinsen zu gewähren, wovon 75 Millionen im Augenblick der Unterzeichnung der Vereinbarung, der Rest in Teilbeträgen von 10 Millionen alle 14 Tage vom 9. März bezw. 1. April angefangen, zu zahlen sind. Es handelt sich um eine rein finanzielle Operation. Das Abkommen wird der See nicht unterbreitet werden. Wenn ein Teil des Vorschuß⸗ betrages in Verwahrung der Banken bleibt, werden diese der bulgarischen Regierung für den betreffenden Betrag gleichfalls 7½ Prozent Zinsen gutschreiben. Staatssekretär v. Jagow über die Neutralität der Schweiz. Bern, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Vertreter des„Berner Bund“, Stegemann, wurde in Berlin von dem Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, von Jagow, empfangen, der sich in liebenswürdiger Weise über die deutsch⸗schweizerischen Beziehungen äußerte. Wie Jagow sagte, hat die streng neutrale Haltung der Schweiz in Deutschland den günstigsten Eindruck gemacht. Der Staats⸗ sekretär sagte weiter: Die Schweiz hält ihre Haltung, welche sie schon vor dem Kriege in der Politik betätigt hat, unter den schwierigsten Um⸗ ständen klug und tatkräftig aufrecht. Man wird dem Schweizer Bundesrat die höchste Anerkennung zollen müssen, daß er es ver⸗ standen hat, die Lebensinteressen der Schweiz mit diesem Stand⸗ punkt zu vereinigen. Die deutsche Regierung wie das deutsche Volt sind von freundschaftlichen Gefühlen für dieses Land erfüllt. Wir haben an einer neutralen, selbständigen und wehrhaften Schweiz ein sehr lebhaftes Interesse und sind auch gewillt, die Be⸗ ziehungen in diesen schweren Zeiten tunlichst zu pflegen, besonders auch auf wirtschaftlichem Gebiete. Naturgemäß erleiden die Han⸗ delsbeziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz durch den Krieg gewisse Störungen und Einschränkungen. Wir waren aber von vornherein der Auffassung, daß die Schweiz, die in ihrer Binnenlandstellung zwischen den kriegführenden Nationen einge⸗ bettet ist, der Zufuhr bedarf und alles erhalten muß, was sie zum Leben braucht. Deutschland hat deshalb z. B. soviel es konnte zur Aufrechterhaltung der Kohlenausfuhr getan, und es hat auch nicht versäumt, der Schweiz das Getreide zukommen zu lassen, das für sie noch in Mannheim eingelagert war. Ganz besonders hob der Staatssekretär noch die humanitäre und charitative Tätigkeit der Schweiz hervor, wodurch sie sich in diesem Kriege die Dankbarkeit aller kriegführenden Parteien gesichert habe. Schließlich erklärte der Staatssekretär, daß ein wahrhaft neutrales Land, wie es die Schweiz dank der weisen Leitung des Staates und der Grundstim⸗ mung ihrer Bevölkerung sei, nicht nur ein Recht auf vollkommene Respektierung habe, sondern daß die S iz zweifellos auch die Kraft besitze, als lebendiges Staatsgebilde ihre besondere Auf⸗ gabe und ihre friedliche Mission im Schoße Europas zu erfüllen. Stegemann hatte noch Gelegenheit, mit dem Reichs⸗ kanzler zu sprechen, der sich in gleichem Sinne äußerte. Eine Wehrstener in der Schweiz. Bern, 7. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Zur Deckung eines Teiles der Kosten des Truppenaufgebots während des Krieges hat der Bundesrat die Aufnahme eines neuen Verfassungsartikels beantragt, durch den der Bund befugt wird, eine einmalige direkte Kriegs⸗ steuer auf Vermögen und Erwerb zu erheben. Vermögen unter 10000 Franken und Erwerb bis zu 2500 Franken bleiben steuerfrei. Für Witwen und Waisen kann das steuer⸗ freie Vermögen erhöht werden. Der Steuersatz bei natür⸗ lichen Personen ist progressiv von 1 bis 15 pro Tausend des ee ½ bis 8 pro Hundert des Reinerwerbs. Bei Aktien⸗ und Kommanditgesellschaften beträgt der Steuersatz nach der Dividende 2 bis 10 pro Tausend des eingezahl⸗ ten Aktienkapitals, des Reservefonds und anderer Rück⸗ e sowie 2½ pro Tausend des nicht eingezahlten Aktienkapitals. Bei Genossenschaften beträgt der Steuer⸗ satz 3 pro Hundert des Reinertrags. Der unterliegt der Abstimmung des Volkes und der Stände. 4000 deutsche Kriegsgefangene in Marokto. Paris, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Wie der „Temps“ berichtet, befinden sich seit dem 1. Februar 4000 deutsche Kriegsgefangene in Marokko und sind in Abteilungen von 100 bis 300 in den Gebieten der Schania Dukkala untergebracht.(2000 in dem Bezirk von Rabat, 1500 im Bezirk Fez und 500 im Bezirk Mekines.) Sie erhalten denselben Sold wie die französischen Soldaten, dazu einen Zuschlag von 20 C. für jeden Arbeitstag. Die Gefangenen werden zu Straßen- und Erdarbeiten 3 Die Disziplin ist sehr gut und der Gesundheitszustand gut. Kundgebung englischer Sozialisten. London, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Eine A bekannte Sozi a 110. en darunter Hyndman und Thorne, veröffentlichten eine Kund⸗ gerung in welcher sie erklären, die gesamte Organisation der Arbeiterklasse Großbritanniens erkenne an, daß der Krieg fortdauern müsse, bis die von Preußen hende Bedrohung des Friedens und der Freiheit beseitigt ei. Der Friede sei weder erwünscht, noch überhaupt zu erörtern, ehe Belgien und Frankreich völlig befreit seien. Aus Südafrita. Pretoria, 7. Febr.(WTB Nichtamtlich) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Deutschen griffen Kako⸗ mas an, wurden aber mit einem Verlust von neum Toten und 22 Verwundeten E Die britischen Ver⸗ luste betragen einen Toten und zwei Verwundete.(Wie die englisch⸗füdafrikanischen Verlustangaben zu bewerten sind, ist hinlänglich bekannt.) London, 6. Febr.(WDB. Nichtamtlich.) Die„Times“ meldet aus Kapstadt: Die Uebergabe Kemps und die jeden Augenblick zu erwartende(7) Uebergabe Maritz' sind politisch und strategisch sehr wichtig, da man immer einen An⸗ griff von jenseits der Grenze befürchten mußte und die Re⸗ gierung deshalb nicht ihre ganze Kraft auf das Hauptziel des Feldzuges richten konnte. Kemp und Maritz verfügten über ungefähr 1200 bis 1500 Buren. Bei Kemps Kommando be⸗ fand sich van Rendsburg, der großen Einfluß besaß und einen beträchtlichen Teil der Verantwortung für den Aus⸗ bruch der Erhebung trägt.(Anm.: Die Richtigkeit all dieser Reutermeldungen läßt sich von hier aus natürlich in keiner Weise nachprüfen.) London, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reuter⸗ sche Bureau meldet aus Kapstadt vom 4. Februar: Kemp, Maritz und Devilliers kamen unter dem Schutz der weißen Flagge am 30. Januar nach Upington. Das bnis der Besprechungen war, daß sich Hemp, 40 andere Offi⸗ ziere und 517 Rannergaben. Die Kriegsgefangenen sind meist aus Transvaal und dem Freistaat. Kemp ist krank und wurde ins Lazarett geschafft. ———— us dem Reiche. Der Reichstag. Berlin, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Reichs⸗ präsident Dr. Kaemps erläßt folgende Bekanntmachung: Die Plenarsitzung des Reichstages findet am 10. März um 2 Uhr nachmittags statt. Den Gegenstand der Beratung teile ich demnächst mit. N undesbeschluß gef Die kommende neue Kriegsanleihe. f Berlin, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) üglich der Ausgabe einer neuen Kriegsanleihe a maßgebender Stelle, daß über den Zeitpunkt noch nichts Genaues feststeht. Seit langem war bekannt, daß sie für das Frühjahr und vielleicht schon im März erwarten sei. In den letzten Tagen scheinen aber Spekulanten das Bevor⸗ stehen der Anleiheausgabe durch Umtauschoperationen aus⸗ nützen zu wollen, obgleich der Emissionspreis der neuen Anleihe noch nicht feststeht und es daher recht fraglich er⸗ scheint, ob Verkäufe in der ersten Kriegsanleihe den erhofften Nutzen bringen werden. Andererseits. das patriotische 93 in der jetzigen ernsten Zeit davon abhalten, durch spekulative Verkäufe den Kurs der Kriegsanleihe herabzu⸗ drücken. Es müßte einen 9 Eindruck im Auslande hervorrufen, wenn durch das Verschulden einiger Gewinn⸗ suhreßf 75 Kurs der Kriegsanleihe eine Abschwüchung er⸗ ahren sollte. Eine neue Verordnung 1— 5 Verkehr mit Getreide 1 ehl. Berlin, 6. Febr.(WTB. Amtlich.) In der heutigen Sitzung des Bundesrates wurde der Verordnung wegen der Aenderung der Bekanntmachung über die Regelung des Verkehrs mit Brotgetreide und Mehl die Zustimmung erteilt, ferner wurde beschlossen, den Kommunalver⸗ bänden die Befugnis zu verleihen, ihre 8 zur Anzeige der Vorräte zu ichten, die bei der Erhebung durch das Reich am 1. Februar 1915 nicht erfaßt worden sind, weil sie unter einem Doppelzentner verblieben. Die Kommunalverbände können dann diese Vor⸗ räte sichübereignenlassen, soweitsie bei dem einzelnen Besitzer 25 Kilogrammübersteigen. Hierdurch werden die Kommunalverbände in den Stand ge⸗ etzt, aus privaten Haushaltungen, die fie überreichlich mit ehl eindeckten, noch hl der Allg heit zuzuführen. Ein Aufruf für Motorbootfahrer. Berlin, 8. Febr. In einem Aufruf des Kommandan⸗ ten des Freiwilligen Motorbootkorps, des Vize⸗ admirals Aschenborn, wird an alle Besitzer von kräftigen Motorbooten die Bitte gerichtet, ihre Boote und auch sich selbst, die nicht mehr militärpflichtigen Wassersportleute, Be⸗ rufsseesoldaten, dem Vaterland zur Verfügung zu stellen. Berlin, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die Groß⸗ Berliner Gemeinden beabsichtigen, Brotkarten Familienkarten, einzuführen, wobei die Absicht best Freizügigkeit innerhalb des Großberliner Gebietes Einkäufe nicht einzuschränken. Zur Erreichung des„ sichtigten Zweckes sollen eine strenge Kontrolle und Straf⸗ borschriften erlassen werden. Vor dem endgültigen Inkraft⸗ treten der Einrichtung der Brotkarten wird der Bevöl 2 Zeit gelassen, um sich in das System der Brot⸗ arten, die den Einzelnen zugesandt werden, einzuleben. Berlin, 8. Febr. Ueber die geschäftliche Behandlung des preußischen Voranschlags sagt der„Bor⸗ wärts“: Die eigentliche Generaldebatte ist nicht schon am Dienstag, wo nur die Sozialdemokraten eine Erklärung ab⸗ Den werden, sondern bei der zweiten Lesung des Etats des taatsministeriums am 15. Februar zu erwarten. Hierbei soll über die mit dem Kriege zusammenhängenden Fragen gesprochen werden. Eichstätt, 6. Febr.(WWB. Nichtamtlich.) Bei der strigen Reichstagsersatzwahl in dem bapyerischen und zwar in der Form als Einzelkarten,. d 5 e 1 die beab⸗ Wahlkreis Eichstätt wurde Freiherr v. Frankenstein (Zentrum) mit 6678 Stimmen gewählt; 37 Stimmen waren zersplittert. 2 ——— 5 Deutsche Kolonien. Die Deutsche Kolonialgesellschaft erläßt einen von ihrem Präsidenten, dem Joh Albrecht zu Mecklenburg, unterzeichneten feierlichen Pro⸗ test gegen das Vorgehen der länder und sen in den deutschen Kolonien, das das ganze europäische Kulturwerk in Afrika zu zerstören geeignet sei. Die Aus Krieges auf des die gegen europäische Angriffe nicht geschützten deutschen afri⸗ kanischen Kolonien sei in keiner Weise durch das geboten, und die Zerstörung europäischer Kulturarbeit in Afrika durch andere europäis e Völker könne das Ergebnis des Weltkrieges nicht beeinflussen. Aber die Wirkung „davon, daß jetzt vor den Augen der Eingeborenen Wei N Weiße und unter ihnen ße kämpfen en, Schwarze gegen wird in Zukunft dem Kolonisationswerk jedes europäischen Volkes in Afrika verhängnisvoll werden. Der Protest führt dann aus, in welcher sinnlos⸗brutalen Härte umsere Gegner in den deutschen Kolonien vorgehen: So haben die Franzosen die aus To 22 Kilometer weit 2 5. 4 das Innere dieser Kolonie Arbeit in der Tropensonne täglich sieben Stu lang Ka * ro 1— 2 die Engländer unbewa deutsche Namder d auf Frachdunper 9 gebracht, ohne daß si und au„ 0 wendigsten Gebrauchsgegenstände nritnehmen konnten. westafrika haben die Engländer den unperteidigten Ort Lüderitz⸗ bucht nach friedlicher Uebergabe der Plünderung f die im Privatbesitz befindlichen Diamantfelder beraubt. bevölkerung wurde aus ihren imstätten— in südafrikanische Konzentrationslager verbracht. Gegen alles Völker- recht haben die Engländer un verteidigte 1 wie 8 Swakopmund r*— beate des el Art verübt. Geradezu— 9 5 gegen Empfinden unferes Zeital warßz ichnet werden, daß die Engländer seit Beginn des Krieges bis 1* jeden ichter zwischen der Bevölkerung der afrikanischen Kolonien und ihren 0 in der— ge⸗ waltsam verhindern. Hierdurch zerreißen sie kalten das zwischen beiden Teilen Familienband die und al um bas Schicksal ihrer Lieben preis-. Gott, truse e Aus Stadt und and. Gießen, 8. Februar 1915. Landsturmyflichtigen des Kreises, die in den Jah⸗ ren 1 bis 1145—.— sind, vom 19. bis zum 26. Februar 1915 in Gießen statt. Personalien. Tie am 12. Januar 2 belege des Pfandmeisters Wilhelm Bock zu Friedberg. den i- treibungsbezirk Gießen wurde auf sein Nachsuchen zurück⸗ enommen.— Der Plandmeister des Beitreibungsbezirks Worms II 51765 Krämer 50 7 2 in—— eßen versetzt.— e Stelle andmeiste den Beitreibungsbezirk Worms II. » Heldentod. Oberst Rott, der an der Spitze des Reserve⸗Infanterie-Regiments 222 ins Feld gezogen ist, ist am 4. ar gefallen. Diese traurige Mitteil. kam W 420 Ae, Lie wic der e bindung st und die von ihn gehört haben, one Zweie „ sautet von — 2— das schmerzlichste empfunden werden. Er hat sein Regiment von Sieg zu Sieg geführt, er war im Verein mit seiner unermüdlichen Gemahlin, der Frau Oberst Rott in Wiesbaden, für das Wohl⸗ 5 17 jungen Krieger stets in rührender Weise besorgt. Oberst Rott hat sich das ehrenvollste Gedächtnis gesichert. Der Name dieses braven Mannes wird mit dem Namen der Bischweiler und der 222er unlösbar verbunden bleiben. 50 * Die Frage von Kleingärten für Gießen wurde am Samstag abend im Saale des Hotel Schütz in einer öffentlichen Versammlung des Obst⸗ und Gartenbau- vereins Gießen recht eingehend erörtert. Einleitend hielt Dr. Hoffmann Friedberg, der in Feldgrau erschienen war, einen sehr anschaulichen Vortrag über den vollswirtschaft— lichen Nutzen 3 r Anlagen, wobei er auch die soziale un 1 streifte. Er wies darauf hin, daß die Städte Mainz, Darmstadt, Offenbach und Worms darin der Stadt Gießen längst vorangegangen sind und daß er seit langen Jahren auch in Gießen für die Schaffung von Kleingärten eingetreten sei. Es sei erfreulich, zu hören, daß nunmehr die Tobe ische Verwaltung der Frage ernstlich näher— etreten ist, dem sich zeigte, daß dafür ein Bedürfnis ich herausgestellt hat. An den Vortrag schloß sich eine recht lebhafte Aussprache, in welcher zum Ausdruck kam, daß man diese Gärten in einfacher Weise hergestellt wünscht, daß es vollständig ausreiche, wenn deren Umzäunungen in Holz hergestellt wird, so daß die Anlage an sich nicht viel losten wird. n Compter machte die Mitteilung, daß der Eisenbahnminister verfügt habe, für Beamte 1 Grundstücke pachten, welche sich für Feld⸗ und Gartenbau eignen. Man habe sich bereits mit der Stadt ins Benehmen 57 etzt, welche bereit ist, in der Nähe der Margaretenhütte 1085 pachtweise für den Zweck zu überlassen. Dankenswerterweise lat auch schon ein Privatmann Gelände gratis für diesen Zweck zur Verfügung gestellt. Man betonte in der Aus⸗ sprache, daß es bei den teuren Gemüsepreisen unbedingt nötig sei, Hand ans Werl zu legen, um jedes Stück Boden intensiv für gärtnerische Zwecke auszunutzen, und dies könne nur geschehen, wenn dem kleinen Bürgersmann, Arbeiter, Handwerker und Beamten Gelegenheit gegeben wird, dabei mitzuhelfen. Die Versammlung stimmte einstimmig einer von Geh. Regierungsrat v. Ihering vorgeschlagenen Entschließung zu, in der der Vorstand des Obst⸗ und Garten⸗ bauvereins beauftragt wurde, dem Oberbürgermeister Keller und der Stadtverordnetenversammlung mitzuteilen, daß die Versammlung es dankbar begrüßt, daß die städtische Ver⸗ waltung der Schaffung von Kleingärten nähergetreten ist und daß man die Erwartung hegt, daß die Verwirklichung des Gedankens E bald in die Wege geleitet wird. ** Dr. Bruno Wille aus Friedrichshagen, der Dichter der„Offenbarungen des Wacholderbaumes“ und der „Abendburg“ spricht am Mittwochabend hier im Hotel Großherzog. Man schreibt uns darüber: Bruno Wille ist hier kein Unbekannter mehr und noch jedesmal, wenn er hier sprach, lauschte ein zahl⸗ reiches Publikum seinen tiefsinnigen und dichterisch verklärten Aus⸗ führungen. Ueber Bruno Wille, den Dichterphilosophen und be⸗ geisterten Propheten eines neuen Idealismus, äußert sich der Ber⸗ liner Kritiker Ernst Krauß:„Aus dem verworrenen Gestrüppe, das die Berliner Literaturbewegung der 80er Jahre mit unheim⸗ licher Schnelligkeit zur Höhe trieb, haben sich nur wenige eigentlich kraftvolle und ebenmäßige Stämme herausentwickelt, die sich dank ihrer tieferen Wurzelkraft in dem steinigen Grunde festzuhalten vermochten, und die nun weit über jenes Unterholz hinaus, als ganze Naturen von reichen und eigentlichen Lebensformen vor uns tehen. Zu diesen wenigen gehört Bruno Wille.“— Und in der Tat erzwingt sich die glänzende Begabung dieses Dichterphilosophen in steigendem Maße die Beachtung weitester Kreise. Wurde do s. Zt. sein Roman„Die Abendburg“ mit dem großen Reklampreis von 30 000 Mark ausgezeichnet. So dürfte es wohl interessieren, 1 5 5 rechter Dichter in schwerer und ernster Zeit uns zu sagen hat. — Stadttheater. Otto Ernsts Komödie„Flachsmann als Erzieher“, die im morgigen Dienstagsabonnement neuein⸗ studiert in Szene 2 75 ist in den Hauptrollen t mit den Herren Dworkowski, Steinhofer, Schubert, Goll und Grosser, sowie den Damen Schild, Jüngling und Sonntag⸗Blume. * Aus dem Gefangenenlager. Die Zahl der Ge⸗ fangenen im Lager auf dem Trieb wird demnächst 10 000 er⸗ reichen. Die Militärverwaltung wird deshalb in den nächsten Tagen die Lieferung von 6 zerlegbaren Holzbaracken für je 200 Gefangene in Auftrag geben. Es besteht Aussicht, daß die Arbeit wieder Gießener Unternehmern übertragen wird. * Der Postanweisungsverkehr. Von jetzt ab gel⸗ ten neue Einzahlungskurse für Postanweisungen nach den Nie⸗ derlanden: 100 Gulden= 189 Mark, nach den vereinig⸗ ten Staaten von Amerika: 100 Dollar= 468 Mark. Kreis Friedberg. * Bad ⸗Nauheim, 7. Febr. In vergangener Nacht ent⸗ scklief nach schmerzlichem Leiden der Vorstand der Groß h. Bade⸗ Kurverwaltung Geheimer Baurat Dr. Karl Eser. Der Verstorbene, unter dessen Leitung die gänzliche Umgestal tung unseres Bades erfolgte und sämtliche Neu Badehäuser, Trinkkuranlagen, Ma n staatliche Waschanstalt, Fern⸗ heizkanal usw., entstanden sind, hat sich weit über die Grenzen Hessens hinaus einen ehrenvollen Ruf als bedeutender Fachmann. auf dem Gebiete der Balneologie erworben. Dr. Eser wurde geboren 1854, studierte in München Chemie und Tiefbaukunde und trat dann in den bayerischen Staatsdienst. 1901 kam er nach Bad⸗ Nauheim und wurde 1907 nach Vollendung der Lauterer Wasserleitung zum Geh. Baurat ernannt. r. Bad⸗-Nauheim, 7. Febr. Der Turnverein 1860 batte am 1. Januar d. Is. einen Mitgliederbestand von 11 Ehren- und 429 ordentlichen Mitgliedern, 38 Zöglingen und 25 Turnerinnen. Die Fechtriege zählt 17 ordentliche Mitglieder; 132 Mitglieder des Vereins stehen zurzeit im Felde. Trotzdem hatte der Verein mit 95 Turnstunden bei einer Teilnehmerzahl von durchschnittlich 45 bis 60 Turnern einen recht erfreulichen Turnbetrieb aufrecht erhalten. Von den ins Feld gezogenen Mitgliedern sind bisher acht gesallen, vier haben das Eiserne Kreuz erhalten. 5 Starkenburg und Rheinhessen. rm. Darmstadt, 7. Febr. Der von der evangelischen Lan⸗ deslirche in Hessen gestiftete, mit Genehmigung des Chefs des Feldsanitätswesens aufgestellte zweite hessische Vereins⸗ lazarettzug O. 3. Großherzogin von Hessen wurde Jeute vormittag 12 Uhr in Anwesenheit der Landesmutter mit Gefolge seiner g übergeben, wozu sich außer der Fürstin mit Gesol die Vertreter des Roten Kreuzes, der Landeskirche, des Ministeriums, des Kreisamtes, der Medizinalbehörden, der Linienkommandantur eingefunden hatten. Oberkonsistorialpräsident Nebel sprach zunächst im Namen der Landeskirche der Groß⸗ herzogin und allen Gemeinden der Landeskirche herzlichen Dank aus, an dem besonders auch die Frauenvereine, welche für die innere Ausstattung sorgten, einbegriffen seien. Er bat das Rote Kreuz, den Laza zu über en, um ihn dem edlen Zwecke zuzuführen. Der Vorsitzende des Landesvereins vom Roten Kreuz Erz. Korwen sprach auch im Namen des Roten Kreuzes der Landesfürstin, den evangelischen Landesvereinen, allen Behörden und Dienststellen und auch allen Einzelpersonen, welche sich um das Zustandekommen des schönen Werkes Verdienste erworben haben, 2 Dank aus und übergab dann den Zug der Linien⸗ Kommandantur. Unter Vorantritt der Regierung wurde daun der 38 starke, mit einem Gesamtkosten-Aufwand von uber 50000 Mek. hergestellte 819 der unter der militärischen Leitung des Oberleutnants, Geh. Hberkonsistorialrates Dr. Merck, 5 besichtigt. Der Zug steht unter der ärztlichen . Medizinalrates Dr. Groß, dem 9 Herren Sanitätsrat Dr. N und Dr. Schaub zur Seite stehen. elen⸗Fabrik) ein Grundstücksf ch ville begeben müßten, Kreis Wetzlar. l. Krofdorf, 7. Febr. Mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet wurde der Unteroffizier Adolf Gümbel von hier. Trotz schwerer Verwundung im Gefecht bei Neuchateau am 22. August übermittelte er einen wichtigen Befehl im heftigsten Kugelregen von einem Bataillon zum andern. Während Gümbel wieder im Osten sich befindet, erhielt dessen Frau die Auszeich⸗ 5 mit ehrenvollem Schreiben an Kaisers Geburtstag zuge⸗ andt. = Krofdorf, 7. Febr. Am Freitag sand im hiesigen Königl. Forst(Schutzbezirk Waldhaus) ben starkem Andrang die erste Holzversteigerung statt. Die Preise waren durchaus normal. Buchenscheitholz kostete 910 Mk., Buchenknüppel 8 Mk. pro Rm. und Buchenreisig wurden 25 Rm. mit 30 Mk. bezahlt. Selbst au- grenzende hessische Gemeinden decken ihren Brennbedarf mit Vor- liebe im hiesigen Staatswald. Hessen⸗Nassau. w. Frankfurt, 7. Febr. In den Römerhallen fand heute früh die Trauerfeier für den verstorbenen Oberbürgermeister a. D., Wirklichen Geheimen Rat Dr. Franz Adickes statt. Als Vertreter des Kaisers wohnte Oberpräsident Exzellenz Hengstenberg⸗ Kassel der Feier bei. Ferner waren vertreten die staatlichen Be⸗ hörden, die wissenschaftlichen Institute und Gesellschaften, zahl⸗ reiche Vereine, die Stadt Altong, wo Adickes früher Oberbürger⸗ meister gewesen war, die Universität Gießen usw. Die Trauerrede hielt Pfarrer D. Foerster. Weitere Ansprachen hielten Ober⸗ bürgermeister Voigt, Stadtverordneter Funk und der Rektor der hiesigen Universität, Prosessor Dr. Wachsmuth. An dem Leichen⸗ zug nahmen zahlreiche Vereine mit ihren Fahnen, die Studenten- schaft usw. teil.— Von dem Kaiser und dem Kronprinzen sind folgende Telegramme eingelaufen:„S. M. der Kaiser und König ha n Ihre Meldung von dem Hinscheiden des von Allerhöchst Ihm besonders verehrten früheren Oberbürgermeister von Frank- urt a. M., Wirklichen Geheimen Rat Adickes, mit lebhaftem Be⸗ dauern entgegengenommen und sprechen der Stadt Frankfurt zu diesem schweren Verluste Allerhöchst Ihr wärmstes Beileid aus. Seine Majestät werden der ausgezeichneten Persönlichkeit des Ent⸗ schlafenen und seiner hervorragenden Verdienste stets gern und dankbar gedenken. Seine Majestät ermächtigen Sie, auch den Hinterbliebenen des Verewigten Allerhöchst Ihr wärmstes Beileid auszusprechen. gez. von Valentini“— Von dem Kronprinzen des Deutschen Reiches ging folgendes Telegramm ein:„Anläßlich des Ablebens des frühere 2 von Frankfurt, Adickes, den ich auf Grund persönlicher Bekanntschaft ganz besonders verehrt und dessen hochverdienstvolles Wirken für Frankfurt auch ich kennen gelernt und gewürdigt habe, spreche ich dem Magistrat meine aufrichtige Teilnahme aus. Wilhelm, Kronprinz.“ Wie die Franzosen ihre„Gefangenen“ behandeln. Aus unserem Leserkreis wird uns ein Brief zum Ab⸗ druck zur Verfügung gestellt, der sehr anschaulich zeigt, wie es mit der Menschlichkeit bestellt ist, deren unsere westlichen Nachbarn sich so gerne rühmen, indem sie uns als Bar⸗ baren und Verbrecher ausschreien. Die Verfasserin, eine Dame aus Aschaffenburg, lebte in Frankreich und war mit ihrer 3 nach dem Kriegsausbruch zunächst unbelästigt eblieben. In der Zeit vom 28. Oktober aber bis 8. Januar hatte sie die unwürdigste und roheste Behandlung auszu⸗ stehen. Die briefliche Schilderung lautet: Wir hielten uns nach Ausbruch des Krieges in einem kleinen Seebad an der Westküste auf, weil wir uns dort gut geborgen glaubten, umsomehr als uns vom Kriegsministerium die Ver⸗ icherung E worden war, daß wir dort unbehelligt bleiben sollten. Wir lebten nun dort ich, in keiner Weise von den Aufregungen berührt, von denen ganz Frankreich bewegt war, bis am 28. Oktober uns die Mitteilung vom Polizeikommissär gemacht wurde, daß wir uns am andern Tage sofort nach Abbe⸗ wo wir weitere Bestimmungen über unsern ferneren Aufenthalt entgegenzunehmen hätten. in wurden wir frei befördert, während wir für unser Gepäck 100 Franken zahlen mußten. In Abbeville angekommen, wurden wir vom Kommisfär in ein strenges Verhör genommen, dessen Ausdehnung sich gar nicht schildern läßt. Ein fortwährendes Hervorheben der französischen Gerechtigkeit und Umsicht war begleitet von der Drohung, daß wir sicher totgeschossen würden. Jam wurden wir in ein Gefängnis gebracht, wo wir 10 Tage in und Sorge verlebten. Wir wußten nicht, was noch weiter unser Los sein würde. Die verschlossenen Türen sowie die Eisenvergitterung des kleinen Fensters, der kalte Beton⸗ boden, das wenige nasse Stroh, welches unser Lager bildete, waren nicht dazu angetan, sich in solchem Zustande behaglich zu fühlen. Man kann sich denken, was wir gefroren und ge⸗ hungert haben. Unsere drei Kinder wurden nach fünf Tagen uns genommen und kamen in eine andere Unterkunft, wo sie etwas menschlicher behandelt wurden, aber das wußten wir nicht, und so wurde unser Leid noch weiter gesteigert durch die Sorge um unsere Kinder, über deren Schicksal wir ja nicht im geringsten unterrichtet waren. Unser Gepäck wurde in der rohesten, unmenschlichsten Weise aufgerissen und der Inhalt auf dem Boden herumgeworfen. Was irgend Wert hatte von Schmuckgegenständen, Silber, alles das wurde uns genommen, nur die notwendigsten Kleidungsstücke uns in Gnade belassen. So wurde auch unsere Wohnung in der Nähe von Paris mit allem— Möbel, Bilder, Ein⸗ richtung, uns vom Staate beschlagnahmt. Am 8. November wurden wir dann per Auto nach einem anderen Orte verbracht. Die Herren unserer Familie, in Ket⸗ ten gefesselt, getrennt von uns, wieder wo anders hin, wir wu nichts von einander, auch nichts von den Kindern, wie es ihnen ging. Nach einer kurzen Fahrt kamen wir nach Hesdin, wo uns in einem Militärgefängnis, in einem pferde⸗ stall⸗ ähnlichen Raume, Wohnung angewiesen wurde, kalt und feucht, dunkel, mit einem Strohlager wie in Abbeville. Unsere esundheitlichen Verhältnisse waren derart, daß man uns einen Arzt schickte, der aber wenig Interesse an uns zeigte, uns aber für Decken sorgte. Neben uns waren alle möglichen Leute ein⸗ gesperrt, Leute aller Nationen, darunter eine Französin, die da⸗ bei betroffen wurde, als sie einem deutschen verwundeten Sol⸗ daten ein Stück Brot gegeben hatte. Nach vierwöchigem Aufenthalt in diesem Schreckensgefängnis, krank, erfroren und erschöpft von Angst und Entbehrung, Tag und Nacht von Militär mit aufgepflanztem Bajonett bewacht und immer in fortwährender Sorge um unsere Kinder und Herren, in steter Angst, totgeschossen zu werden, kamen wir vor ein Kriegsgericht, wo wir wieder einem strengen Verhör unterzogen wurden. Man konnte scheinbar keine Gründe heraus⸗ finden, woraufhin sie uns wirklich totschießen durften. Diese Stunden vor dem Kriegsgericht waren die qualvollsten der ganzen Gefangenschaft. 1. ö Nach 5 Tagen wurden wir wieder weiterbefördert, wohin, das entzog sich unserer Ahnung. Nach langer, schrecllicher Fahrt, teilweise aus Erschöpfung und Hunger auf dem des Eisenbahnwagens liegend, fuhren wir über Paris. Dann kamen wir nach Chalet. Dort sollten wir bleiben. Am nächsten Tage schickte man uns doch wieder fort. Unterwegs mußten wir in Angers umsteigen, und hier wurde uns von dem uns begleꝛ⸗ tenden Gendarmen mitgeteilt, daß wir hier bleiben müßten. Seit⸗ dem waren wir in Angers, wo es doch einigermaßen erträglich war, da wir, wenn auch nicht gerade gute, so doch genießbare Nahrung bekamen. Wir durften im Hofe der Kaserne, in der wir untergebracht waren, uns aufhalten und Luft schöpfen, wir waren nicht Tag und Nacht hinter Schloß und Riegel. Was uns hier die größte W verursachte, war der Umstand, die Grausamkeit und Ungerechtigkeit mit an⸗ sehen zu müssen, womit andere arme Gefangene behandelt wurden, besonders Frauen und Kinder. Es gibt keine Worte, um diese Zustände zu schildern. Rühmlich muß ich den Soldaten, die uns bewachten, nachreden, daß sie alle sehr rüdfichtsvoll und schonend gegen uns waren. Auch der Adjutant von Angers hat sich sehr menschlich gegen uns gezeigt. Was ein Wort, das nur einen Schimmer von Mitleid in sich trägt, für eine Wirkung hat, weiß nur der, der es selbst an sich erfahren hat. Als wir nun in Erfahrung gebracht hahen, daß deutsche Gefangene, Frauen und Kinder ausgetauscht en sollen und wir unsere Kinder auch wieder ber uns hatten, haben wir sosort das Exsuchen gestellt, mit fortkommen zu können, was uns auch gewährt wurde. Einer unserer Herren wurde auch entlassen, der andere befindet sich noch in Orleans in Ge⸗ fangenschaft. 5 a Nach einer Fahrt von drei Tagen und Nächten sind wir⸗ gut verpflegt unterwegs, in Frankreich von seiten der Regierung in der Schweiz besonders von seiten der Heilsarmee und des Roten Kreuzes, wieder in Deutschland in der lieben Heimat an⸗ gekommen, wo wir Erholung und Ruhe nach so schweren Tagen zu finden hoffen. —— vermischtes. »Amerikanische Kriegs aphorismen. Die Peeise für Nahrungsmittel sind jetzt in Europa insolge des Krieges so hoch, daß sie, wenn der Krieg noch zehn oder zwölf Jahre dauert, die durchschnittlichen Preise bei uns erreichen werden.(Boston Transcript.) Das neue Wahlgesetz in China bestimmt, daß die Dauer der Präsidentschast zehn Jahre oder unbegrenzt ist. Das ist ein Ausdruck von Unbestimmtheit, den selbst Woodrow Wilson unterschreiben könnte.(Boston Transeript). Wenn die Verbündeten nach ihren Berichten brusttief im Schnee stehen, kann man glauben, daß sie das deutsche Fener kühl aushalten.(Boston Transcript). Bandel. i Die Verbände der Papierindustrie haben für neue Abschlüsse die Preise für Schreibpapier und Lichtpausepapier durchweg auf weiteres bis zu 50 Prozent erhöht. wöchentl. Uebersicht der Todesfälle i. d. Stadt Gießen. 4. Woche. Vom 17. bis 23. Januar 1915. Einwohnerzahl: angenommen zu 32 900(inkl. 1600 Mann Militär). Sterblichkeitsziffer: 12,65%, Nach Abzug von 9 Ortsfremden und 7 im Kriege Gefallenen. Kinder Es starben an us... ft Zu wachsene im 858 ven,. Lebens schwäche 2(2)— 1 Unterleibstyphus 10) 1000—— Lungentuberkulose 10 10)—— Tuberkulose anderer Organe 1—— 1 Erkrankungen der Atmungsorgane 2(I) 2(I)—— Erkrankung des Herzens 1 1—— Gehirnschlag 2 2—— Erkrankung der Verdauungs⸗ organe 1— 1— Blinddarmentzündung 10 109—— Krebs 2 2—— Kriegsverletzungen 7 2—— anderen Krankheiten 3(63) 2(2)— 109 Summa: 24(9) 19(6 3(2) 2(I) ) 1 Kriegsgefangener. Anm.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Amtlicher Wetterbericht. 80 ö Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. etteraussichten in Hessen am Dienstag, den 9. Jebruar 1915; Wechselnd bewöllt, zeitweise Niederschläge, mild, südwestliche Winde, Letzte Nachrichten. Eine Erklärung des Fürsten Bülow. Budapest, 8. Febr. Bei einer Unterredung, die Fürst Bülow mit der Mitarbeiterin des„Az Est“ hatte, sagte der Fürst von der italienischen Politik: Ich habe Vertrauen zu der politischen Klugheit und Urteilskraft der leitenden Kreise in Italien und hoffe, daß sie den richtigen Weg auch fernerhin finden und befolgen werden, und ich nicht daran, daß es der italienischen Regierung und dem italienischen Volke von österreichisch-ungarischer Seite er⸗ leichtert wird, weiter in Frieden und Eintracht mit den Zen⸗ tralmächten zu leben. Die Blockade der englischen Küfte. Rotterdam, 8. Febr. Zur deutschen Blockadeankündigung gegen England schreibt der„Nieuwe Rotterdamsche Cou⸗ rant“: Daß die deutsche Erklärung eine Prahlerei ist, ist mög⸗ lich, aber man weiß nicht, inwieweit die englischen Erklärungen nicht auch Prahlereien sind. Die Engländer reden nur von Schif⸗ fen und Versicherungen, vergessen aber, daß die Schiffe ohne Be⸗ satzung nicht fahren können. Es sei fraglich, nachdem erst einige Handelsschiffe versenkt wurden, ob sich noch Leute finden lassen werden, die für die Interessen anderer ihr Leben wagen.— Der antirevolutionäre„Standard“ schreibt: Deutschland hat sicherlich das Recht, keinen Versuch zu unterlassen, um die Ueberfahrt eng⸗ lischer Truppen über den Kanal zu verhindern. Zu diesem Zweck bedarf es der Aktionen in der Luft, auf dem Wasser und unter dem Wasser. Dadurch muß natürlich das Meer für die Handels⸗ flotte weniger sicher werden. Die Kämpfe am Duklapaß. K. K. Kriegspressequartier, 8. Febr. Der Kampf am Duklapaß ist zugunsten der österreichisch-ungarischen Armee ausgefallen. Die russische Artillerie war in diesem Falle der Schwierigkeiten des Transportes und wegen anderweitiger Bindung verhältnismäßig schwach: dagegen hatten die Russen im Raume von Dukla sehr starke Infanteriekräfte, mit denen sie gegen die Paßhöhe vorstießen. Bei diesem Vorstoß suchten sie nach ihrer alten durch Massenwirkung zu erzwingen. Das Vorgehen geschah staffel⸗ förmig in Schwarmlinien, die bis zu 6 Reihen hintereinander lagen. In einem Falle wurden die ersten 3 Schwarmlinien von den österreichisch⸗ungarischen Schützengräben aus beim Sturm voll⸗ ständig abgeschossen, erst den anderen drei Linien gelang das Eindringen in die Stellung der öpsterreichisch⸗unga⸗ rischen Truppen, die sich hier zurückziehen mußten. Die Russen drangen hierauf über die Paßhöhe vor. Ihr weiterer Vormarsch wurde noch am hellen Tage eingeleitet, indem die russi⸗ schen Schwarmlinien von den Höhenzügen in das Tal herabstiegen. Abends begannen sie die von den österreichisch⸗ungarischen Truppen gehaltenen Hügel r Auf halber Höhe machten sie im tiefen Schnee, da ein wütender Schneesturm einsetzte, notgedrun⸗ gen Halt und verbrachten so die ganze Nacht im Freien. Als dann am anderen Morgen der Sturm anbefohlen wurde, hatten zahlreiche Leute erfrorene Gliedmaßen, die übrigen waren vollstän⸗ dig erschöpft. Infolgedessen brach der Sturmangriff unter dem Feuer der österreichisch⸗ungarischen Truppen zusammen. Haufen von Toten und Verwundeten bedeckten das Schlachtfeld und es wurden viele Gefangene gemacht. Die Russen zogen sich schließlich fluchtartig zurück und wurden von den nachdrängenden österreichisch⸗ ungarischen Truppen verfolgt. Wunderbare Rettung. Rom, 7. Febr.(Priv.⸗Telegr.) In Paterno haben heute* vom 13. Januar den 33 Jahre alten Richete Caiolo ge⸗ Automobil— 5 Soldaten aus n Trümmern des Erdbebens borgen, der sich bei guter Gesundheit befand. Caiolo lag einem Gewölbe und hat sich ohne Nahrung am Leben er und nur Wasser getrunken. Er wurde in einem Avezzano gebracht, wo er allein und ohne Hilfe ausstieg. zweifle auch ethode den Erfolg ohne Schonung ihres Menschenmaterials In allen Abteilungen sind grohe Posten zu weit reduzierten Preisen ausgelegt.— Es empfiehlt sich, den Bedarf in eissvaren, Masche, Leinenvaren und pettyaren de brebe der nellen de Ii ber 30 Prozent teurer werden ̃ broße posten Dacmgn-Washe aus hemdentuch ung Fockköper bis zu 25 Prozent e 30 Prozent unter Preis 5000 Meterlemdenuche, Plockköperu.Fockokee Weit unter heutigen Tagespreisen in Bettwaren sind grosse Posten zu Ausverkaufs-Preisen ausgelegt N ferihe delicher, Jethenige Loterächer Ind Asten enorm llt e Leinen-Waren wie Tischtücher, Servietten, Handtücher und Küchenwäsche ist zu Räumungspreisen ausgelegt l dar- Aike ind iter ute zenge 2 Pana dt l elle Madera Derten und bunt age Deren 2 Moran Neha f SAA ß... 1 CCC ˙ A ͤ r 1 f 0 2 8 7 8 * N 2 N N 8 1