Erstes Blatt Der Sledener Anz erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sleßener Famillendlätter; nweunal wöchentl. Mreis⸗ latt fur den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag), zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Feitftragen Nerusprech Anschlüse: für die Schristleung!12 Verlag, Geschäitsstelled l Adresse ür Drahtnach- richten: Anzeiger Gießen. Annahme don Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. n* 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. ⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. n VT 1 Samstag, 6. Februar 1015 Beiugdvrels: monatl. 75 Pl., viertel jährl. Mt. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel; jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Uf. ausw. 20 bi.— Haupt⸗ schrijtleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz, für Stadt und Land Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil:. Beck, sämtlich in Gießen. Oesterreichisch⸗ungarische Erfolge in den Karpathen (WTB.) Großes Hauptquartier, 5. Febr. vor⸗ mittags.(Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der ganzen Front nur Artilleriekümpfe. Ein vereinzelter französischer Vorstoß auf unsere Stel⸗ lungen nordwestlich Perthes blieb ohne Erfolg. Oestlicher Kriegsschauplatz. An der ostpreußischen Grenze wurden erneute Angriffe der Russen südlich der Memel zurückgewiesen. Ebenso mißlangenstarke russische Angriffe gegen unsere neu gewonnenen Stellungen östlich Bolimow. Die Zahl der dort gemachten Gefangenen beträgt seit dem J. Februar im ganzen 26 Offiziere und annährend 6000 Mann. Oberste Heeresleitung. *** „Mir scheint, Herr Churchill hat den Mund etwas zu voll genommen“, so soll der Reichskanzler int Gespräch mit einem dänischen Zeitungsmanne geäußert haben. Churchill hat bekanntlich vielerlei gewaltige Pläne. Wie er mit der englischen Flotte die deutschen Schiffe wie Ratten aus ihren Löchern hervorholen wollte, ist bekannt. Neuerdings hat er seine Hoffnungen aber auf eine andere Methode gesetzt: er will Deutschland aushungern lassen. Darauf klingt das wei⸗ tere gemächliche Wort des Herrn v. Bethmann Hollweg sehr gut: Wir werden in Deutschland eher etwas sparen, als uns den Engländern ergeben. Es spricht daraus eine ruhige Zuversicht, ähnlich wie sie der greise Kaiser Franz Josef neuer⸗ Dings in einemHandschreiben an den Grafen Stürgkh geäußert hat. Churchills gleichgestimmte russischen Brüder, die, nach dem heute vorliegenden österreich-ungarischen Tagesbericht wieder sowohl in den Karpathen als auch in der Bukowina. die kräftigsten Hiebe bekommen haben, nehmen den Mund nicht weniger voll als der englische Redelord. Was die „Birschewija Wiedomosti“ aus angeblich amtlichen Quellen über die Friedensaussichten faselt, ist zwar herausfordernd dreist, angesichts der militärischen Tatsachen, darf aber nur belächelt werden. Man spricht davon, in Ermangelung tüch⸗ tiger eigener Feldherren wolle der Zar den französischen General Pau als einen seiner Armeeführer anstellen. Noch größere Armutszeugnisse stellen unsere Feinde sich dadurch aus, daß sie, wenigstens soweit England und Frankreich in Betracht kommen, ja panische Instrukteure ein⸗ stellen.(Vergleiche eine der nachstehenden Meldungen.) Mit Truppensendungen auszuhelfen hat Japan deutlich abge- lehnt. Jetzt erniedrigen sich unsere Gegner dadurch, daß sie fremde Instrukteure für ihr großes Waffenspiel zur Hilfe herbeirufen. Eine bunt gemischte Gesellschaft! Da ist es schon richtig, wenn der Abgeordnete Erzberger, der im„Tag“ wieder einmal seine Gedanken verrät, unseren leitenden Kriegsmännern den Rat gibt:„Nur keine Senti⸗ mentalität“: England führt überhaupt nicht den Krieg nur gegen die Krieger, sondern England führt den Krieg gegen das deutsche Volk in seiner Gesamtheit, gegen Kinder, Frauen und Greise. Dazu hat es aufgeboten seine Verbündeten und Satrapen aus allen fünf Erdteilen. England nimmt 1000 Pfund aus den Hän⸗ den des Kaffernhäuptlings entgegen, um den Krieg„im Na⸗ men der Kultur“ gegen Deutschland zu führen. England nimmt Hilfstruppen von weißer, gelber, brauner, roter und— wenn es möglich wäre— auch von gefleckter Rasse und schickt sie alle gegen Deutschland„im Namen der Zivilisation“. England kennt kein völkerrechtliches Gesetz, England kennt keine Abmachungen, die es unterschrieben hat, England mißachtet alle Kontrakte, die im Laufe der Jahre zwischen den Nationen auf seine eigene Initiative geschlossen worden sind. Es hat und äußert nur einen Willen: den Krieg mit der denkbar größten Rüchsichtslosigkeit ge⸗ gen Deutschland durchzuführen. Wenn Erzberger feststellt, England führe den Kampf auch gegen Kinder, Frauen und Greise, so meint er, wie der Reichskanzler es ähnlich ausgesprochen hat, daß die Aushungerungspläne der Engländer eine solche barbarische Kriegsführung bedeuteten. Nun fürchten wir uns ja vor dieser Methode nicht, denn es soll den Herren Churchill und Konsorten eben micht gelingen, das deutsche Volk auszuhungern. Man kann sich also fragen, ob es ganz zweckmäßig ist, wenn der genannte Zentrumsabgeordnete mit den Kraftausdrücken eines Holofernes Schwefel vom Himmel regnen läßt: Ueber 400 Handelsschiffe hat England uns weggestohlen. Die Antwort soll dahingehen, daß für jedes deutsche Handelsschiff min⸗ destens eine englische Stadt oder ein englisches Dorf durch unsere Flugzeuge vernichtet werde. Jeder Tag, an dem England die Er⸗ nährung unseres Volles durch die Seesperre zu vereiteln sucht, soll beantwortet werden durch Schrecken und Tod, den deutsche Flugschifse in die Reihen des englischen Volkes tragen. Warum hier Rücksichtnahme geübt werden sollte, ist ganz unverständlich und unbegründet. Alle Mittel, welche die deutsche Technik und die deutsche Chemie unserer Vaterlandsverteidigung bietet und bieten kann, sind gerade gut genug, um nach England die Schrecken des Krieges zu tragen. Wenn wir es verstehen, Feuer vom Himmel regnen zu lassen, warum sollte es nicht angewendet werden? Wir sind schon zufrieden, wenn die deutsche Regierung an dem festhält, was sie in ihrer Denkschrift zur Blockade der eng 1 Küsten gesagt hat. Aber die Zuversicht, daß Deutschland schließlich die Oberhand behalten werde, lebt im deutschen Volke ganz allgemein. Wir wollen eine vor- treffliche Bemerkung des sozialdemokratischen Abgeordneten Scheide mann nicht übergehen, die in einer Hamburger 8 und der Bukowina. sozialdemokratischen Versammlung gefallen ist. Der„Vor⸗ wärts“ druckt die Rede, freilich nicht ohne einen etwas bissigen Kommentar, in seiner Freitagnummer ab. Scheide— mann stimmt ganz mit dem Reichskanzler darin überein, daß wir durchhalten müßten. Wir können, so sagt er, nicht wünschen, daß das Opfer unserer kämpfenden Brüder umsonst gebracht, daß das Blut so vieler Söhne unseres Landes vergebens geflossen sein soll. Ueber die Zukunft, so führte Scheidemann zum Schluß aus, machen wir uns gar keine Illusionen. Es gibt Schwarzseher, die behaupten, dem deutschen Volke werde es nach diesem Kriege nicht anders ergehen als nach 1813. Darauf habe er, Redner, zu er⸗ widern: Es wird unzweifelhaft wieder so kommen. wenn die Quertreiber die Oberhand bekommen. (Stürmischer Beifall.) Aber er habe auch die feste Zuversicht, daß das deutsche Volk, daß insbesondere die deutschen Arbeiter es sich nicht gefallen lassen, daß derartige Dummheiten gemacht werden. Einig, wie wir in den Krieg gezogen sind, wollen wir wieder daraus hervorgehen, um dann den neuen Kampf für die freiheitliche Entwickelung Deutschlands im Innern ebenso geschlossen und ein⸗ mütig aufnehmen zu können.(Langanhaltender, starker Beifall.) Die Herren Liebknecht und Ledebour versuchen bekannt- lich, das sozialdemokratische Lager zu spalten, was ihnen aber dank der einmütigen Haltung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion schwerlich gelingen wird. Gegen diese Bemühungen sind auch die angeführten Worte Scheide— manns gemünzt. *** Aeußerungen des Reichskanzlers. Berlin, 6. Febr. Kopenhagener Blätter gaben eine Unterredung ihres Berliner Vertreters mit dem Reichs- 13 wieder, aus der die„Voss. Ztg.“ folgendes mit⸗ teilt: Reeichskanzler von Bethmann Hollweg sagte: Ich habe soeben einen Ausspruch von Churchill gelesen. Er soll gesagt haben, die Knebelung Deutschlauds durch Englond werde nicht eher auf⸗ zören, bis Deutschland sich auf Gnade und Ungnade ergebe. Mir kommt es so vor, als ob Churchill den Mund etwas voll genommen hat. Selbst wenn gespart werden muß, werden die Deutschen das lieber tun, als sich Churchills Bedingungen unterwerfen. Die organisatorische Arbeit, welche geleistet werden muß, ist eine sehr schwierige, aber wir werden sie lösen. Mit ernstem Gesicht sei der Reichskanzler fortgefahren: England behandelt uns wie eine belagerte Festung. Churchill will ein Volk von 70. Millionen aushungern. Kennen Sie eine barbarischere Form der Kriegsführung? Und glauben Sie, daß wir uns vor einer Heuchelei beugen werden, die ein solches Vor⸗ gehen mit den Menschenrechten für vereinbar hält und gleich⸗ zeitig im Namen der Zivilisation auftritt? Glaubt England wirklich, daß wir uns scheuen, den günstigsten Zeitpunkt zu den allerenergischsten Gegenmaßregeln zu benützen. Wir bedauern, wenn in diesem Handelskrieg die Interessen der Neutralen ge— schädigt werden, aber wir können nicht darauf verzichten, diesen Handelskrieg zu führen, den England schon längst zum Schaden der Neutralen angefangen hat, leider aber ohne daß von ihrer Seite ein wirksamer Protest dagegen gerichtet wurde. Der Kaiser an Generaloberst v. Kluck. Berlin, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kriegs⸗ zeitung des„Berl. Lokalanz.“ meldet: Wie wir hören, hat der Kaiser an den Generalobersten von Kluck, der in diesen Tagen einen Sohn auf dem Felde der Ehre verloren hat, folgendes telegraphiert: Ich höre zu meinem aufrichtigen Bedauern, daß Ew. Exzellenz im Marinekorys einen Sohn verloren haben. Ich möchte Ihnen meine herzlichste Teilnahme aussprechen mit dem Hinzufügen, daß ich und das Vaterland die Größe der Opfer wahrhaftig zu würdigen wissen, welche in diesem Kampfe um unsere heiligsten „ werden. Der Allmächtige tröste Sie. Wil⸗ elm Ehrentafel für hervorragende Waffentaten. Berlin, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Vom Generalquar⸗ tiermeister wird uns mitgeteilt: Vaterländisch gesinnte Männer haben der Heeresleitung eine Anzahl Geldspenden für hervor- ragende Waffentaten zur Verfügung gestellt. Auf eine Rundfrage bei den Truppenteilen nach besonders tapferen und würdigen Soldaten liefen zahlreiche Berichte ein, die beweisen, mit welcher Unerschrockenheit und Todesverachtung unsere Trup— pen fürs Vaterland kämpfen. Jeder der gemeldeten Streiter ist ein Held, aber nicht jeder kann eine Spende erhalten. Ihre Namen und Taten aber sollen jetzt schon öffentlich be⸗ kanntgegeben werden, den Helden zur Ehre, den Ange— Hörigen zum Stolz, den jungen Mannschaften zunr Ansporn. Es wäre erwünscht, wenn die Kunde dieser Taten gerade in den Heimatorten der Tapferen verbreitet würde. Zu diesem Zwecke wird die Mithilfe der Presse erbeten. Wir geben dem Wunsche des Generalquartiermeisters gern Folge und werden Einzelschilderungen unter der wiederkehrenden Ueberschrift„Ehrentafel“ verbreiten. Aus Dünkirchen und Boulogne. Kopenhagen, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„National Tidende“ meldet aus Belundborg: Der Kapitän des norwegischen Dampfers„Diana“, der aus Dünkirchen zurückkommt, be- richtet von großer Nervosität in Dünkirchen. In den 12 Tagen, die das Schiff dort vor Anker lag, ist Dünkirchen fünfmal von Fliegern bombardiert worden. Boulogne steht völlig unter englischer Verwaltung. Ein englisches Posthaus und die englische Zensur sind eingerichtet worden. Sonst ist die Stadt nur noch ein großes Hospital. Seit Mitte Januar kommen große englische Transporte zu Schiff an. Ein feindlicher Flieger über Müllheim i. B. Müllheim i. Baden, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Heute nachmittag 3½ Uhr warf ein feindlicher Flie- ger Bomben über Müllheim. Von diesen fielen zwei etwa 400 Meter vom Garnisonlazarett entfernt nieder. Sie platz⸗ ten in dem weichen Ackerboden und richteten keinen Scha⸗ den an. Japanische Instrukteure für England und Frautreich. Genf, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Blättermeldun⸗ gen aus Pontarlier zufolge sind in Marseille 118 ja⸗ panische Instrukteure eingetrofsen. Ein Teil davon ist für England bestimmt, die anderen werden der fran⸗ zösischen schweren Artillerie zugeteilt. Das englische Kriegsheer auf dem Papier. London, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Der Voranschlag für den Heeres⸗ etat ist heute veröffentlicht worden. Er sieht eine Kriegs⸗ macht von 3 Millionen Mann im Vereinigten König⸗ reiche und in den Kolonien vor, abgesehen von den Truppen in Indien. England bezahlt für die Belgier. Hamburg, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Ham⸗ burger Nachrichten“ melden aus Brüssel: Die Bank von England hat der belgischen Regierung jn Le Havre ab 1. Februar einen neuen Kredit von 250 Millionen Franken eröffnet, wodurch die belgische 527 an England auf 600 Millionen Franken an⸗ wächst. Auszeichnungen für Tapferkeit im g französischen Heere. Lyon, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Republi⸗ cain“ meldet aus Paris: Das von der Kammer gestern angenommene Gesetz betreffend das Kriegskreuz be⸗ stimmt weiter, daß jeder Offizier und Soldat des französi⸗ schen Heeres, der dreimal im Tagesbefehl mit Namen er⸗ wähnt worden ist, das Anrecht auf die Ehrenlegion besitzen soll. Aus der französischen Kammmer. Lyon, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Nouvelliste“ meldet aus Paris: Der Kammerausschuß für die Handels⸗ marine beantragt, daß die englische Regierung die Zu⸗ lassung französischer Reeder bei Versteigerungen von durch die englische Flotte gekaperten Schiffe gestatte. Der Acker bauminister erklärte im Kammerausschuß für Ackerbau, die Regierung habe Maßnahmen getroffen, um einer weiteren Preiserhöhung für Getreide und Mehl vorzubeugen, und die Vorbereitung der Ernte von 1915 zu sichern. Die Ernährung des Landes sei sichergestellt, der Getreidepreis werde wieder die normale Höhe erreichen. Die Finanzminister Rußlands, Englands und Frankreichs. Paris, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Petit Parisien“ berichtet: Die Unterredungen zwischen Bark, Lloyd George und Ribot werden streng geheim ge⸗ halten. Es wird keine Mitteilung an die Presse gelangen, bevor die Unterhandlungen beendet sind. f Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 5. Febr. 1915 mittags: In Polen und West⸗ galizien ist die Lage unverändert. Die Angriffe, die die Russen in den Karpathen stel⸗ lenweise täglich wiederholen, brechen unter den schwersten Verlusten zusammen. Im Waldgebirge schreiten die eigenen Angriffe fort. Die russische Offensive in der Bukowina war bis Mitte Januar in das oberste Tal der Moldawa gelangt. Dem weiteren Vordringen der hier angesetzten stärkeren feind— lichen Kräfte geboten zunächst unsere Stellungen bei Jako⸗ beny und Kirlibaba Halt. In mehrtägigen Angriffen ver⸗ suchte der Gegner um den 20. Januar, den Widerstand der die Hauptübergänge deckenden Truppen zu brechen. Da alle Versuche, unsere Höhenstellungen zu stürmen, scheiterten, und eigene Truppen, selbst zur Offensive übergehend, am 22. Januar Kirlibaba dem Gegner entrissen, zog sich der Feind in den folgenden Tagen mit seinen Hauptkräf— ten in den Richtungen auf Kimpolung und Moldawa zurück, wo er verblieb. In den letzten Tagen haben nun neue Kämpfe begonnen. Unsere Truppen, die auch hier im Ueberwinden der durch Terrain und Witterung bedingten großen Schwierigkeiten Hervorragendes leisten, sind in das Moldawatal eingedrungen, warfen den dort befindlichen Gegner zurück und nahmen Izwor, den Ort Moldawa und Breaza in Besitz. Die Zahl der in den Karpathenkaͤmpfen gemachten Gefangenen erhöht sich 9 weiter um 4000 Mann. Der Steilvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. . 3 8 25 e ne ant —— 2 5 Der amtliche russische Bericht. Petersburg, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht des Großen Generalstabes. In O stpreußen drangen wir am 2. und 3. Februar an beiden Ufern der Scheeschuppe in Gegend Lasdehnen unter fortwährenden Kämpfen vor. Am lin⸗ ken Weichselufer hielt die Schlacht an der Front Borzymow Volig.—Chielsowska mit auszerordentlicher Hestigteit an. Große feindliche Massen waren angesetzt zu dem Zwecke, unsere Front ein⸗ zudrücken. Die Deutschen brachten hier in einem Abschnitt von 10 Werst sieben Divisionen, unterstützt von 100 Batterien, zur Aufstellung. Einzelne Divisionen entwickelten sich auf der Front von nur einer Werst. Unser Gegenangriff begann in der Nacht vont 3. Februar und hatte eine Reihe von Bajonettkämpfen zur unmittelbaren Folge. Es gelang uns, den Feind zum Uebergehen in die Defensive zu zwingen. Bei Bor z y mo w eroberten wir zwei Reihen deutscher Schützengräben und warfen den Feind aus Jumina. Nach diesem hartnäckigen Kampfe erstürmten unsere Truppen ein Grundstück bei Volia—Chiellowska, das der Feind seit zwei Tagen besetzt hielt. Indessen war die benachbarte Brennerei am 3. Februar noch im Besitze des Feindes. Die Schlacht dauert mit gleicher Heftigkeit an. Dann entwickelten sich Kämpfe auf der Front vom Dukla⸗Passe zu den Uebergängen von Wysch⸗ ko w. Bei Soidnik im Latorcztale und in Richtung auf Uzsok rückten wir vor, machten 2000 Gefangene und erbeuteten 10 Maschinen⸗ gewehre. An den Uebergängen bei Tucholka in den Beskiden setzten unsere Truppen in den letzten Tagen dem Feinde hartnäckigen Wi entgegen und nahmen mindestens zehnmal Bajonett⸗ kämpfe an, auf die sie mit Gegenangriffen antworteten. Am 3. Fe⸗ bruar beschlossen wir, unsere Truppen vpn diesen Uebergängen in bereits vorbereitete Stellungen zurückzunehmen. Die feind⸗ lichen Kräfte, die hier operieren, find ganz bedeutend. Die Versuche des Gegners, über den Paß von Wyschkow gegen Tartarow hin vorzudringen, wurden unter großen Verlusten zu⸗ rückgeschlagen. Angebliche amtliche russische Auffassungen. 5 Stockholm, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die Peters⸗ burger„Birschewija Wiedomostie“ vom 28. Januar r Regierung einige Fragen äußeren itik wi zu ge⸗ ben, Von Zeit zu Zeit kursteren bei uns Gerüchte über die Mög⸗ lichkeit eines Separatfriedens, entweder mit Deutschland deder Oesterreich⸗Ungarn, oder endlich mit Ungarn allein. Diese Gerüchte entbehren jeder Grundlage. Der Friede mit Deutschland wird nur nach dem endgültigen, vollen Siege über den Germanis⸗ mus geschlossen werden, denn nur in diesem Falle wird in Europa wirklich dauernde Ruhe herrschen. Dieses Resultat könnte schon jetzt erreicht werden Zu diesem Zweck müßte man aber 2 bis 300000 Menschenleben opfern. Um ein solches Blutvergießen zu vermeiden, erachtet die Regierung es als notwen⸗ dig, den Termin des Sieges hinaus zuschieben, um⸗ somehr, als sie von dem schließlichen Siege unserer Waffen über⸗ zeugt ist Ein Separatfrieden mit Oesterreich-Ungarn ist faktisch unmöglich Wenn die Monarchie der Habsburger um Frieden bittet, so müßte sie sich als besiegt erklären. Die Bedingungen, die der Monarchie in diesem Falle gestellt werden müßten, wären für sie ummannehmbar. Die Doppelmonarchie müßte in diesem FJiaalle nicht nur mit unseren Forderungen, sondern auch mit solchen der Serben und Montenegriner rechnen; auch müßten dann die 3 der Slaven in Oesterreich⸗Ungarn erfüllt werden, auch die Gerüchte von einem Separatfrieden mit Ungarn allein „ 1 1 * EE eine Zerstückelung der Monarchie bedeutet. Grundlos sind unter Tremung Ungarns und Oesterreichs. Die erste und wichtigste Bedingung eines solchen Vertrages wäre un⸗ sere und unserer Alliierten Forderung, daß sich Un⸗ garn nicht nur von Oesterreich, sondern auch von Deutschland 5 und auf unsere Seite tritt. Es ist nicht zu erwarten, daß Ungarn die Forderung annehmen wird, die es zwingen würde, gegen Oesterreich mit der Waßte in der Hand zu kämpfen. Der„Rietsch“ vom 29. Januar bespricht diese Kundgebung und bemerkt, daß man zum ersten Male in einer offtzibsen Kund⸗ gebung in Rußland von einer Teilung Oesterreichs spricht. Ein Handschreiben des Kaisers Franz Josef. 5 Wien, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser hat an den Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh folgendes Handschreiben gerichtet: Ait den Zeitraum uns durch die 1„Lieber Graf Stürgkh! Zurückblickend eines halben Jahres, während dessen wir in U feindlichen Absichten unserer Gegner aufgenötigten Kampfe stehen, gedenke ich dankbaren Herzens der opferfreudigen Haltung, die meine treuen Völker in dieser schweren Zeit bekunden. Von wür⸗ diger, ernster Zuversicht beseelt, haben sie sich den großen Anforderungen der Zeitläufte voll gewachsen ge⸗ zeigt, haben sie in der edlen Bereitwilligkeit, ihre Söhne zu den Fahnen zu schicken, in einsichtsvoller Anpaffung an die Bedürf⸗ nisse der Kriegszeit, in hingebender Fürsorge für die Opfer des Kampfes ihren hohen Patriotismus und ihre altbewährten staats⸗ bürgerlichen Tugenden aufs Neue glänzend bewiesen. Diese wohl⸗ tmende Erfahrung stärkt meine Zuversicht, die in dem Vertrauen auf die in heldenmütigen Taten neuerlich so ruhm⸗ voll erprobte Tüchtigkeit meiner Wehrmacht fest begründet ist. Unter der Leitung meiner Regierung, die sich in dem Bestreben, alle Kräfte in den Kampf des uns allen gemeinsamen Zweckes zu stellen, nach wie vor mit meiner ungarischen Regierung begegnet, wird die Bevölkerung auch weiterhin mit Gut und Blut fest zum geliebten Vaterlande stehen. Ich bin dessen gewiß, daß ihr nach dem Schluß des Krieges, dessen schwere Lasten sie bis aus Ende zu tragen freudig entschlossen ist, der mit Hilfe des All⸗ mächtigen zu erringende Friede, der Lohn aller Mühen, Leiden und Gefahren des treu und beharrlich ausgefvchteten Lampfes beschieden sein wird. Dies beauftrage ich Sie, mit dem Ausdruck meiner wärmsten Anerkennung und meines Dankes, der Bevölkerung zur Kenntnis zu bringen. Wien, 4. Februar 1915. Franz Josef m. p. Stürgkh m. p.“ Ein bezeichnender russischer Armeebefehl. Berlin, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Folgender Armeebefehldes rufsischen Höchstkommandie⸗ renden gelangte in die Hände der deutschen Heeresleitung in Rawa:„6/19. Oktober 1914, Warschau. Der Höchstkom⸗ mandierende lenkte die Aufmerksamkeit darauf, daß in der vergangenen Kriegsperiode einige Korps und Divisionen eine große Menge Geschütze und Maschinengewehre verloren 5 g N V lage entsprochen hat. S. Kais. Hoheit befahl aus diesem Grunde, die Kommandeure der Truppenteile darauf aufmerk⸗ sam zu machen, daß es notwendig sei, das Kriegsmaterial etwas mehr zu schonen wegen der Schwierigkeit des Ersatzes und weil äußerst unerwünscht ist, daß unsere Gegner durch Zurücklassen unserer Geschütze und Maschinen⸗ gewehre bereichert werden. Gleichzeitig befahl S. Kais. Hoheit, alle Kommandeure, welche sich der ungenügenden Schonung des Geschütz- und Maschinengewehrmaterials schuldig machen, in Strafe zu nehmen. In Urschrift gez. der Kommandeur der II. Armee: Gen. d. Kav. Scheidemann.“ Die russische Knute. Wien, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Das Wiener Polenblatt„Noviny“ berichtet aus Le mb erg, daß dort unter der russischen Herrschaft die körperliche Züch⸗ tigung eingeführt worden ist. Ein Lemberger Bürger er⸗ zählte dem Berichterstatter des Blattes, daß er wegen eines geringen Vergehens gegen eine behördliche Vorschrift in den Kerker geschleppt und dort an eine Bauk gefesselt wurde, worauf an mit Nagafkas bewaffnete Kosaken der Befehl er⸗ ging, ihn zu züchtigen. Die Schläge fielen auf den entblößten Körper. Derselben Strafe wurde auch das Mitglied des Lem— berger Gemeinderats Mokrzycki unterzogen. Eine russische Erfindung. Berlin, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Durch die russische Gesandtschaft im Haag wurde amtlich die Meldung verbreitet, daß ein russisches Unterseeboot am 29. Januar ein deutsches Torpedoboot in der Ostsee bei Moen zum Sinken gebracht habe. Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß die Nachricht auf freier Erfindung beruht. ** * Aus dem englischen Unterhaus. London, 5. Febr.(WTB Nichtamtlich.) In der Sitzung des Unterhauses am Mittwoch antwortete Bonar Law auf die Rede des Premierministers, der sich gegen die Einbrin⸗ gung von Gesetzes vorlagen, die einen Streit der Parteien erwecken könnten, aussprach, er fände den Vorschlag der Regierung vernünftig und wolle ihm keinen Widerstand ent⸗ gegensetzen. In gewöhnlichen Zeiten würde die Opposition der Regierung nur sehr ungern eine solche Machtvollkommenheit ein⸗ räumen; die Regierung wolle aber offenbar dasselbe tun, wie die französische und kanadische Regierung, nämlich die Session als Kriegssession behandeln. Er erkläre sich mit der Erklärung des Carl of Crewe im Oberhause, die mit den Worten des Premier⸗ ministers übereinstimme, einverstanden. Der Liberale Hogge pro⸗ testierte dagegen, daß den Mitgliedern auch das Recht entzogen werde, Vorlagen nicht parteimäßigen Charakters einzubringen, und beantragte ein Amendement in diesem Sinne. Die Regie⸗ rung machte auch die Presse mundtot. Sie verbot ihr, bei der Entsendung des Gesandten an den Vatikan für 24 Stunden Zusatzantrag. Der Vorschlag der Regierung wurde angenommen. * Ueberfällige englische Dampfer. London 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Man befürch⸗ tet, daß der Dampfer„Borowdale“ aus Sunderland, unterwegs von London nach Grandville, bei St. Malo einem Unterseeboot zum Opfer gefallen ist. Auch die Dampfer „Sorata“ und„Oreonia“ sind überfällig. Die gesitteten Engländer. Konstantinopel, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der Agence Milli. Aus Bafssora geflüchtete Moslems erzählen, daß die Engländer die Stadt 8 u einer Wüste gemacht haben. Sie fällten den berühm⸗ ten Dattelpalmenhain. Die Bevölkerung flieht massenweise infolge der unglaublichen Bedrückungen.— In Dscheddah schossen die Engländer vom Meere aus auf eine Gruppe betender Moslems und die Moscheen, welche sie zu zer⸗ stören versuchten. Nach diesen Handlungen der Barbarei verkünden die Engländer in ihren Bekanntmachungen an die Moslems entfernter Länder zynisch, daß sie die Mos⸗ lems und die heiligen Stätten achten. Die Schlacht bei Korna. Konstantinopel, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Das osmanische Informationsbureau teilt folgende Einzel⸗ heiten über den Kampf, der am 20. und 21. Januar bei Korna in Mesopotamien stattfand, mit: Sechs Bataillone feindlicher Infanterie rück⸗ ten mit vier Batterien und zwei Maschinengewehr⸗Schwadro⸗ nen, unterstützt von drei Kanonenbooten, in einem in ein Ka⸗ nonenboot umgewandelten Schiffe in der Nacht in Schwarm⸗ linie gegen den linken Flügel der Türken vor. Die feindlichen Kanonenboote, die sich gleichfalls dieser Stellung näherten, eröffneten das Feuer auf fünf Kilometer Entfernung. Nach drei⸗ stündigem Kampfe mit drei feindlichen Bataillonen gelang es dem anderen feindlichen Regiment, das unseren linken Flügel zu durchbrechen beabsichtigte, bis auf 800 Meter sich zu nähern. Unsexe Reserven erwiderten das Feuer heftig und gingen sodann zur Offensive über. Da inzwischen unsere Linientruppen aus ihren Stellungen heranrückten, mußte der Feind sich in Unordnung zurückziehen, wobei er überaus große Verluste erlitt. Da ein Kanonenboot beschädigt wurde, ge⸗ staltete sich der Rückzug zur regellosen Flucht. Auch die Kanonenboote mußten, obwohl sie sich bemühten, den Rückzug durch ein Bombardement zu decken, sich gegen Mittag zurück⸗ ziehen. Während des Kampfes und der darauf folgenden Ver⸗ folgung verlor der Feind 400 Mann an Toten und 600 Mann an Verwundeten und ließ zahlreiches Kriegs⸗ und Sanitätsmaterial im Stiche. Unfere Verluste belaufen sich auf kaum ein Zehntel der feindlichen. Die Ausdauer unserer Artillerie war über alles Lob erhaben. Sie unterbrach das Feuer gegen mehr als 30 feindliche Schnellfeuergeschütze nicht einen Augenblick. Das in ein Kanonenboot umgewandelte Schiff fing Feuer und sank. Unsere beiden Geschütze brachten zwei feindliche Maschinengewehre zum Schweigen und zwangen sie zum Rückzuge. Die Tapferkeit unserer Truppen flößte dem Feind einen solchen Schrecken ein, daß er nicht einmal die be⸗ festigten Stellungen mehr zu halten vermag. Aus Stadt und Cand. 5 Gießen, 6. Februar 1915. Der Gießener Landsturm in Feindesland. 1 —— Kaisers Geburtstag! Wie eigen berührte es uns alle doch, wenn wir in den letzten Wochen daran dachten, daß dieser höchste militärische Festtag in Bälde bevorstehe. Kaisers Geburts⸗ tag in Kaisers Rock! Bilder aus längst vergangenen Zeiten tauchen auf. Wie der Rekrut nach sauren Ausbildungswochen zum erstenmal spüren darf, daß„dem Kniser dienen“ nicht nur ernste, harte, sondern auch frohe Stunden in sich schließt, daß sauren Wochen auch frohe Feste folgen: wie er zum erstenmal unter den Töchtern des Landes schüchtern Umschau hält, um sich eine schmucke Tänzerin für den Kompagnieball am Abend zu sichern usw. usw. Und nun wieder Kaisers Geburtstag vor der Tür! Zwanzig Jahre zogen inzwischen dahin, des Lebens— und Mühen haben ihre Spuren in den Gesichtern hinterlassen, hier und da zeigt Haar und Bart einen grauen Anflug, und die Hände zeugen mit ihren Schwielen davon, daß das Leben„Müh' und viel Arbeit“ ist. Und doch, wenn man sie gesehen hat bei der Parade am 27., dann haben, wobei die Höhe der Verluste nicht immer der Gefechts⸗ darüber zu schreiben.— Der Liberale King unterstützte den h n 1 8 2 noch Spannkraft genug, um noch ganz anderes zu lei der Leier sie an andere Stelle ruft!. 8 Schon wochenlang vorher begannen die Vorberei zum Fest. Es ist ein anderes, in der Garnison eine st Feier einrichten, wo der Kammerun izier gewissenhaft alles von Jahr zu Jahr aufbewahrt, was alter Ueberlieferung gemäß 5 ist, wo neues nur in bescheidenstem—— beschafst werden darf, denn es kostet Geld, und Geld ist bekanntlich beim Soldaten wie i rompagniekasse immer— nötig; oder die Vorbereitun in Feindesland treffen, wo zwar nichts a ist, a mit Hilfe einiger„Bons“(die die Kommandantur in diesem Fall bereitwilligst unterschreibt und die Mairie nolens volens stem: pelt) und mit französischen Hilfskräften leicht und reichlich alles in der Kom besckafft wird. So konnten wir denn am 25. beginn, ne den pröch⸗ 0 5 daarmes vor der Mairie, der für den Zweck wie geschaffen ist, zur Parade zu schmücken. Und wenn sich zbundert fleißige Hände regen“, so„schreitet die Arbeit munter sort“. Am 26, mittags waren rings üm den Platz(vom franzöfi⸗ schen Nationalfest noch vorhanden) Flaggenmasten aufgestellt, die mit Grün umwunden, abwechselnd deutsche und die Flaggen der tigen place — Bundesstaaten trugen. Die mächtige Front der Mairie spar mit Grün geschmückt und ebenfalls reichen Flaggenschmuck; tru . mult der Krone, die abends hun⸗ derte von strahlenden Glühlampen trugen. Vor der Mairie wurde der Altar unter schwarz⸗weiß⸗rotem Zelt aufgestellt, vorn mit dem Eisernen Kreuz geschmückt, sonst ganz in Weiß gehalten, auf beiden Seiten von Tannen und grünen Pflanzen flankiert und o eine wirkungsvolle Gruppe bildend, über der ein mächtiger ä deutscher Adler seine Schwingen ausbreitete. . Tie Festordnung war, dem Wunsch des Kaisers folgend, ret von allem, was nach rauschender, rein äußerlicher Festlich⸗ leit aussehen konnte: wiederum sollte sie den Franzosen aber auch einen starken Eindruck von deutscher Kraft geben, wie sie nach sechs Kriegsmonaten noch ungebrochen ist. Am Abend des 26., um 6% Uhr, setzte sich der Zapfenstreich unter Voran⸗ tritt unserer Bataillonsmusik von der Kaserne aus in Marsch. Eine reichliche Zahl farbiger Lampions gab dem Zuge ein recht festliches Gepräge. Es ging durch eine ganze Anzahl Straßen bis zur Mairie, wo unsere höheren Offiziere an den Fenstern der Kommandantur Aufstellung genommen hatten, unter ihnen unsere Exzellenz, der Kommandeur der Inspektion, General⸗ leẽntnant Graf v. Montgelas. Hier brachte die Musik eine Anzahl Musikstücke zu Gehör, zum Schluß den Zapfenstreich und dann gings zurück zur Kaserne. Es braucht wohl nicht be⸗ sonders hervorgehoben zu werden, daß die Franzosen, die schon die Vorbereitungen auf der„Place d'armes“ mit großem In⸗ teresse verfolgt hatten, auch in großer Zahl anwesend waren; einige Tausend werden es wohl gewesen sein. Und daß alle dienst⸗ freien Soldaten dabei waren, versteht sich am Rande. Am andern Morgen war großes„Wecken“ Uhr begann Manust chaften daneben mächtige weiße die zahlreichen Orde mein. Einleitend über den weiten P Graf von Mont Ansprache das dreifache Hurra auf unsern obersten Kri aus, damit zugleich das Gelöbnis unwandelbarer Atemzug erneuernd. Zugleich 223 alle Kirchenglocken 1 3 1 9 so stramm, daß die zahlreich anwesenden Aktiven und Reservisten laut 8 0 vorbei, stramm, ohne im Tritt, und heraus die ine, daß das Pflaster dröhnt. Und dann in bunter Folge alles, was unsere Stadt an Truppen birgt: Artillerie und Kavallerie, Kraftfahrer und K ene in Uniform und Zivil, Sanitäter und Rotes 2 immer noch eine Formation, und immer größer wurden die Augen der Franzosen, die in großer Zahl den Platz um⸗ standen und sich nicht 1— wundern konnten, wo nur alle die Allemands herkamen. enn mindestens die gleiche Anzahl stand ja noch als Zuschauer dabei. Aber alles hat einmal ein Ende, und so war denn schließlich auch die letzte Gruppe mit dem Roten Kreuz vorüber, die Mufsik schwenkt ein und die Offiziere treten zur feierlichen Paroleausgabe zusammen, bei der Exzellenz die ver⸗ liehenen Eisernen Kreuze verteilt. Auch unser verehrter Batail⸗ lonskommandeur, Oberstleutnant v. Knobelsdorff, durfte ein solches in Empfang nehmen, nach seinen eigenen Worten„in An⸗ 5 erkennung treuer Pflichterfüllung des Gießener Landsturms“.— Mittags gabs überall festliches Essen und nachmittags war alles, was nicht auf Wache war, dienstfrei. Da l hat dann mancher das seit Wochen zum erstenmal sonnige Wetter N benutzt, um sich ein wenig umzusehen und die bescheidenen land⸗ f schaftlichen Schönheiten der Stadt und ihrer Umgebung in sich aufzunehmen. ends gabs ein gutes Nachtessen: Kartoffelsalat und frische a oberhessische Burst von französischen Schweinen. Nach dem Essen fand sich jede Kompagnie in einem entsprechend hergerichteten Saal ihres Reviers zusammen, um noch einige Stunden bei etlichen Gläsern Bier und Liebesgabenzigarren, bei den Klängen der Bataillonsmusik und Vorträgen ernsten und heiteren Juhalts den Tag zu beschließen. Wie nachträglich bekannt wird, hat des Kaisers Gnade noch weiter das Eiserne Kreuz verliehen: den euten und Kompagnieführern Heyer und Scherer, dem Offizier⸗ Stellvertreter Mendelsohn und dem eee Ritter des Eisernen Kreuzes: Regier Neuweger. . sessor K. Wittmer aus Darmstadt, Leutn. d. R. im Feld⸗ rt.-Regt. 84. Leutn. d. L. und Bat.⸗Adj. Lehramtsreferen⸗ dar Dr. W. Glitsch aus Friedberg, Landw. ⸗Regt. 116. Jeldpostsekretär Heinrich Diehl aus Kirchhain. Landwehr⸗ mann Siegmund Nußbaum aus Niederklein, Inf.⸗Kegt. 167. Off. Stellv Schumann Kratz aus Bade! g Oberfäger Richard Müller aus Gönnern, 11. Jäger⸗Bat., Maschinengewehr⸗Abt. Gefr. Befort aus Wehlar, Inf.⸗ Regt. 116, Maschinengewehr⸗Komp. Oberstleutnant Stem⸗ pel aus Butzbach(1. Kl.). Hauptmann Wilcke aus 2 bach. Uffz. d. R. Ferdinand Jung aus Biedenkopf, 1— Juf.⸗Regt. 71. Dr. Heinrich Zöller aus Schlitz, Leutn. im Art.⸗Regt. 43, abkommandiert zum akt. Inf.⸗Regt. 53. Leutn. und Kom ieführer Karl Hahn aus Schlitz. Gefr. Karl Eisenbach aus Schlitz, Leibg.⸗Inf.⸗Regt. 115. l draft aus Uellershausen, Drag.⸗Regt. 15. Gefr. Roß⸗ mann aus Frankenhausen, Inf. Regt. 116. Lehrer Pfl. anz aus Atzenhain, Leutn. d. R. im Inf. 99. 1 1 Witting vom 2. Bat. Ju dgl. 116. Feldunterarzt Dr. Goldmann im 3. Bat. Inf.⸗Regt. 116. ö „ Der zweite hessische Lazarettzug. Der Hessische Landesverein vom Roten 1 i tigl. Genehmigung und nach den Vorschriften des Kb et, der in den nächsten Tagen von der Heeresleitung hat man das Gefühl: Diese Männer sind noch nicht alt, sie haben it Kri sministertums einen zweiten übernommen und seiner Bestimmung übergeben werden 5 Er führt die Bezei:„Vereinslazarett⸗ zug F Hessen“ und besteht aus: 26 Krankenwagen mit 263 Betken, 2 Wagen für die leitenden Mannschaften, 2 Wagen für Aerzte und Schwestern, 1 Küchenwagen, 1 Vorratswagen, 1 Magazin⸗ 2 1 Verband⸗ und Apothekenwagen, 1 Gepäckwagen, 1 bedeckten Güterwagen, 2 Heizkesselwagen, zusammen 38 Wagen mit 80 Achsen. Das erforderliche Wagenmaterial ist mit Genehmigung des Königl. Preuß. Ministers für öffent⸗ liche Arbeiten von der Königl. Preuß. und Großh. Hess. Eisenbahndirektion Mainz überwiesen und in der Eisenbahn⸗ hauptwerkstätte 1! von dem Werkstättenamt Ia zu Darmstadt umgebaut und hergerichtet worden. Das Begleitpersonal hat zu bestehen aus: 1 inaktiven Offizier, 1 leitenden Arzt, 2 Hilfsärzten, 1 Rechnungsführer, 27 Krankenpflegern, darunter 1 Kolonnenführer, 4 Krankenschwestern, 2 Köchen, 1 Diener und 1 Schlosser und dem Eisenbahnpersonal. Als leitender Arzt hat sich der Großh. Kreisarzt Medizinalrat Dr. Groos in Darmstadt freiwillig für drei Monate ver⸗ pflichtet. Den Dienst als Krankenpflegerinnen übernehmen vier freiwillige Krankenpflegerinnen vom Roten Kreuz, eine Schwester und drei Hilfsschwestern. Von den 27 Kranken⸗ pflegern gehören 25 der Hess. freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz und zwei der Genossenschaft freiwilliger Krankenpfleger im Kriege an. Die Vorbereitung des Vereins- lazarettzugs lag in den Händen der Krankenbeförderungs⸗ abtetlung des Roten Kreuzes unter Leitung des Herrn Ministerialrats Dr. Kratz. Die Mittel für die Aufstellung und Ausrüstung des Zuges wurden dem Hessischen Landes- verein vom Roten Kreuz von den evangelischen Ge⸗ meinden des Landes zur Verfügung gestellt. Die vortreffliche Ausstattung des Zuges mit den sehr bedeuten⸗ den Vorräten an Weißzeug, Koltern und Gummidecken hat der Verband evangelisch⸗ kirchlicher Frauen⸗ vereine in Hessen übernommen und dabei in kurzer Zeit eine recht beachtenswerte Aufgabe gelöst. Daneben haben noch zahlreiche Einzelpersonen und Frauengruppen es sich nicht nehmen lassen, sei es direkt oder durch Vermittlung des zuletzt genannten Verbandes, sich mit Stiftungen an der Ausrüstung des Zuges zu beteiligen. Die Großherzogin hat gestattet, daß der neue Vereinslazarettzug den Namen Großherzogin von Hessen führt und wird den Zug am Sonntag, den“ Februar, vor⸗ mitt, 11½ Uhr, besichtigen.— Am Sonntagnachmittag, am Montag den 8. d. M. ist eine allgemeine Besich⸗ tigung vorgesehen. Dann wird das rollende Krankenhaus seine Fahrt in das Feindesland antreten und unsere kranken und verwundeten Soldaten den heimatlichen Lazaretten zu— führen. Die Besichtigung des Vereinslazarettzuges 03 Groß⸗ herzogin von Hessen durch das Publikum kann stattfinden: Sonntag, den 7. Februar, von 1 Uhr bis 5% Uhr nachmittags und Montag, den 8. Februar, von 10 Uhr vormittags bis 5½ Uhr nachmittags. Das Eintrittsgeld beträgt: Sonnta und Montag von 1 Uhr ab 50 Pfg., Montag von 10 bis 1 Uhr 1 Mk. Der Eingang zur Besichtigungsstelle, am Güterbahn⸗ hof in Darmstadt, befindet sich im Dornheimer Weg. *, Ernennung. Die Großherzogin hat am 1. Februar den Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Pro⸗ vinz Oberhessen Ferdinand Schmidt zum Oberlandes⸗ gerichtsrat bei dem Oberlandesgericht, mit Wirkung vom 21. Februar 1915 ernannt. Auszeichnung. Anläßlich der 50. Wiederkehr des Tages, an dem er in den hessischen Staatsdienst getreten ist, wurde Herrn Geh. Forstrat Prof. Dr. Wimmen auer das Fomturkreuz 2. Klasse des Verdienstordens Philippsdes Großmütigen verliehen. Die Auszeich⸗ nung wurde dem Jubilar durch den Rektor der Universität überreicht. Die Zahl der Kriegergräber auf dem Fried⸗ 920 am Rodberg auf dem hierfür von der Stadt bereit⸗ gestellten Leichenfeld beträgt jetzt nach halbjähriger Dauer des Weltkrieges 64. Es sind 35 unserer tapferen deutschen Soldaten und 29 Franzosen, Belgier und Russen, welche, in unsere Stadt verwundet eingebracht, verstarben, zur letzten Ruhe gebettet. 1 *Die erste N des Schwurgerichts im Jahre 1915 für die Provinz Oberhessen beginnt am Montag den 8. März. Den Vorsitz führt Landgerichtsrat Schudt. * Der Obst⸗ und Gartenbauverein hat auf 4 5 abend 8½ Uhr im Hotel Schütz eine Versamm⸗ ung anberaumt, die sich mit der Frage der Errich- tung von Kleingärten in Gießen befassen wird. Der Verein erwartet zahlreichen Besuch aus Juteressentenkreisen. Landkreis Gießen. B. G. Großen-⸗Buseck, 5.„ebr. Der Straßenwart Chrt Pfeiser III., der als Gefreiter in einem Landwehr-Regimen⸗ ausgerückt ist und als Krankenträger tätig war, ist zum Vizeseldt webel befördert und mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet worden. kl. Lollar, 5. Jan. Unteroffizier der Reserve Meden⸗ bach von der 4. Kompagnie des Linien-Infanterie⸗Regiments Nr. 116 wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Er befindet sich z. Zt. in der Heimat zur Erholung von seiner schweren Verwundung. JWeitershain, 6. Febr. Der Unteroffizier Heinrich Weiß im Ersatz⸗Jnfauterie-Reg ment 116 ist zum Sergeanten be- ördert worden. Gleichzeitig wurde ihm das Eiserne Kreuz berliehen. f 5 Kreis Büdingen. — Büdingen, 4. Febr. Erst vor wenigen Tagen verunglückte der Knecht des Landwirts Seib in Lorbach, als ihm im Felde die Pferde durchgegangen und er unter den Wagen geraten war. Gestern wäre es einem hiesigen 1 Schmiedemeister beinahe gerade so ergangen. Er hatte si das Fuhrwerk in Lorbach 2 5 6 zu fahren. Beim Nachhausefahren setzte er sich auf den leeren Wagen, als plötzlich ein Eisenbahnzug heranbrauste. Die Pferde wurden scheu und rannten davon. Der Fuhrmann verlor die Gewalt über sie und rettete sich durch einen geschickten Sprung vom Wagen. An der Gym⸗ nasiumstraße kam das Fuhrwerk beim Umbiegen um eine Ecke zum Stehen. Ein Pferd rannte wider einen Wandstein neben an der Straße und brach ein Bein. Das wertvolle junge Tier mußte abgeschlachtet werden. Starkenburg und Rheinhessen. m Offenbach a. M., 6. Febr. Nach der neuesten Ein- wohner⸗Statistitk vom 1. Januar hat die Stadt Offenbach, einschließlich des Stadtteils Bürgel, insgesamt 78 970 Einwohner gegen 80 237 während der gleichen Zeit des Vorjahres. Der Rück— gang der Einwohnerzahl ist auf die Einberusung der zahlreichen. hier nicht ständig ansassigen Arbeiter zurückzu ühren, während die anderen Kriegsteilnehmer, die einen eigenen Haushalt süßren, aut gezählt sind.(Auch die übrigen vier großen Städte des Groß herzogtums haben im Vergleich zum vorhergegangenen Jahre einen Rückgang zu verzeichnen. So beträgt nach dem Stand vom 1. Januar 1915 die Einwohnerzahl der Städte Mainz mit Mom bach, Kastell und Kostheim 20 548, Darmsta dt 86266, Worms mit Vororten 49 380 und Greßen 32844.) ch. Aus Rheinhessen, 5. Febr. Die letzte Woche brachte wiederum strengere Fröste, so daß die Arbeiten inden Weinbergen nicht durchgeführt werden konnten. Da diese Arbeiten bis jetzt gut gefördert wurden, so schadet der augenblickliche Stillstand nicht viel. Dagegen ist der Nutzen, der durch die Kälte bei der Bekämpfung der Reb— schädlinge und Pilzkrankheiten erwächst, recht ansehnlich. Die Nachfrage 1914er Weinen ist in letzter Zeit lebhaft gewesen. Die gut ausgebauten Weine finden in Handelskreisen guten Anklang. Die letzte Woche brachte größere Verkäufe, so daß Hoffnung vorhanden ist, daß der Geschäftsgang auch weiterhin Leben zeigt. Bezahlt wurden zuletzt für das Stück 1914er in Wörrstadt 470 Mark, in. Schwabenheim 475, in Dittelsheim 500, in Heßloch 510, in Ockenheim 540, in Bechtheim, Guntersblum und Metten⸗ heim 600 und in Alsheim 720 Mark. Auch von den älteren Weinen konnten ansehnliche Mengen abgesetzt werden. Die Preise für diese Weine sind fest. Es kostete das Stück 1912 er in Engelstadt 500 Mark, in Jugenheim 510, in Oppenheim 700, das Stück 1913er in Schwabenheim 540, in Spiesheim 525, in Wolfsheim 540 bis 550, in Schimsheim 550, in Siefersheim 570 und in Guntersblum 600 Mark. Kreis Wetzlar. m. Lützellinden, 5. Febr. Von den aus unserer Ge⸗ meinde ins Feld gezogenen 115 Mann sind 3 mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden und zwar: Feld⸗ webel Gilbert(81. Inf.⸗Regt.), Unteroffizier Möglich 26. Pion.⸗Bat.) und Unterofsizier Weber(4. Drag.⸗Rgt.). g Leider sind auch schon 5 Mann im Kampfe gefallen und 2 gerieten in Gefangenschaft. 5 1E Hessen⸗Nassau. J Marburg, 5. Febr. Dem Professor der Medizin Kreisrat Dr. Heinrich Hildebrand hier wurde auf der Baltischen Ausstellung in Malmö die Kgl. Schwedische Medaille verliehen. m. Kirchhain, 5. Febr. Immer noch werden in der städtischen Festhalle von einzelnen Gemeinen gesammelte Wollsachen und Kleidungsstücke eingeliefert und die Des⸗ infektion wird fortgesetzt. Bisher sind über 400 Decken fertiggestellt, von denen 375 bereits an das 11. Armeekorps abgesandt wurden. Die noch gut erhaltenen Kleidungsstücke werden nach Ostpreußen und Elsaß⸗Lothringen verschickt.— Im benachbarten Betzriesdorf hatte eine alte Frau ihre Ersparnisse, 240 Mark, in einem alten wollenen Hemde aufbewahrt, das sie in der Gedankenlosigkeit bei der Samm⸗ lung zur Reichswollwoche hergab. Es hat nicht geringe . 5 gekostet, der Frau wieder zu ihrem Schatze zu ver⸗ helfen. h. Frankfurt a. M., 5. Febr. Opernhaus und Schauspielhaus, die finanziellen Sorgenkinder der Stadt, haben auch im letzten Geschäftsjahre mit einer gewaltigen Unter⸗ bilanz gearbeitet. Zwar ließ sich ursprünglich das Ergebnis recht günstig an, doch die drei ersten Kriegsmonate, die letzten des Geschäftsjahres, stießen alle schönen Rechnungen um, so daß das Gesamtergebnis als das schlechteste der letzten Jahre bezeichnet werden muß. In der Zeit vom 1. November 1913 bis 31. Ok⸗ tober 1914 betrugen die Einnahmen im Opernhause 1051 866 Mk., im Schauspielhause 578 461 Mk., die Ausgaben 1 426 941 Mk. bezw. 739 951 Mk. Die Gesamteinnahmen beliefen sich auf 1667 975 Mark, die Gesamtausgaben auf 2 256614 Mk., so daß der Be⸗ triebsverlust 588638 Mk. beträgt. Zur Deckung dieses gewaltigen Verlustes wurden die Stadt mit 502 500 Mk. und die Garantiezeichner mit etwa 80 000 Mk. herangezogen. Herichtssaal. Breslau, 5. Febr.(W. B. Nichtamtlich.) In dem seit 15 Jahren schwebenden Prozeß des Grasen Kwilecki sist beute das Urteil des Oberlandesgerichts Breslau als Berufungsinstanz ergangen. Die Klage der Bahnwärtersrau Cäcilie Meyer, sest⸗ zuftellen, daß der angeblich 189 geborene Graf Stanislaus Kwi— lecki identisch sei mit einem von ihr am 22. Dezember 189. geborenen unehelichen Knaben, wurde mit der Begründung zurück— gewiesen, daß der von der Klägerin angetretene Idenditätsbeweis als nicht gelungen erachtet wird. Bandel. A Die Bromsilber⸗ Konvention, welche auf drei Jahre verlängert wurde, beschloß eine Preiserhöhung von 2 Mk für 1000 Bromsilberkarten. Gleichzeitig wurden die Preise des Kleinverkaufs um 50 Pig. pro 100 Karten gesteigert.— Der Ver- band deutscher Ketten sabriken beschloß, seinen Rabattsatz auf — 8K— von den Fabriken bezogene Ware von 30 Proz. auf 25 Proz. herab zusetzen.— Der Verband der deutschen Veredlungsanstalten für Baum wolle beschloß, vom 15. Februar ab für Baumwollgewebe eine Preiserhöhung von 10 Proz. eintreten zu lassen. Wetteraussichten in Hessen am Sonntag, den 7. Februar 1915: Bededt und trocken, sünösteiche Winde, kalt. Letzte Nachrichten. Die Wirkungen des Unterseeboot-Krieges. i. Köln, 6. Febr. Laut„Köln. Ztg.“ berichtet der „Nieuwe Rotterdamsche Courant“: Infolge des deutschen Tauchbootkrieges haben bis gestern mittag die „White Star Line“ und 24 andere englische Linienschiffahrts⸗Gesellschaften den Verkehr der Liniendampfer eingestellt.— Dasselbe Blatt meldet aus Amsterdam: Die„Harrison Line“ in Liverpool meldet, daß vier ihrer Dampfer, die in dieser Woche Liverpool anlaufen mußten, überfällig sind. Die Blockade und die englische Presse. (i) Köln, 6. Febr. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der holländischen Grenze: Die neuesten Londoner Blätter haben noch keine Zeit gefunden, sich zu der Ankündigung der Sperre der englischen Gewässer durch Deutschland selbst gehen Entrüstung und Ueberraschung her⸗ vor.„Daily Chronicle“ stellt fest, die Blockade sei nach den völkerrechtlichen Bestimmungen ungültig, da Deutsch⸗ land nicht die Mittel habe, dieselbe ausreichend zu gestalten. Nur dann aber sei eine Blockade nach den geltenden Grund⸗ sätzen anzuerkennen.(An solche theoretische Erörterungen werden sich die deutschen U-Boote schwerlich kehren; die praktischen Folgen ihrer Arbeit zeigen sich ja jetzt schon. Red d.„G. A.“). Belgien rekrutiert. i. Köln, 6. Febr. Die„Köln. Ztg.“ meldet von der französischen Grenze: Nach einer Meldung des Temps“ beabsichtigt die belgische Regierung in Le Havre, alle waffenfähigen belgischen Flüchtlinge ausfindig zu machen und ins Heer einzureihen. Obwohl es in den diesbezüglichen Bekanntmachungen nicht ausdrücklich gesagt ist, geht doch daraus hervor, daß es sich um eine zwangs⸗ weise Maßnahme mit Hilfe der französischen und eng⸗ lischen Behörden handelt— Die Pariser Konferenz der Entente-Finanzminister. Genf, 6. Febr. Ueber die Pariser Konferenz der drei Finanz⸗ minister der Entente-Mächte ist ein Communiqué ausgegeben worden, in welchem es heißt: Die Minister erklären einstimmig, daß die drei Mächte gewillt seien, ebenso wie ihre militärischen, so auch ihre finanziellen Kräfte zu vereinigen. Sie beschlossen, ihren Regierungen vorzuschlagen, daß diese zu gleichen Teilen Vorschüsse auf sich nehmen, die denjenigen Ländern ge⸗ währt werden oder zu gewähren seien, die mit den Verbündeten kämpfen oder die Waffen noch ergreifen werden. Der Betrag diefer Vorschüsse soll von den eignen Hilfsmitteln der drei Mächte gedeckt werden sowie von der Emission einer Anleihe, die zu ge⸗ eigneter Zeit von den drei Mächten vorzunehmen sei. Die Mi⸗ nister beschlossen, gemeinsam alle Einkäufe vorzunehmen, die ihre Regierungen bei den neutralen Mächten zu machen haben, und trafen die nötigen Maßnahmen, um den Import nach Rußland zu erleichtern. Die holländische Neutralität im englischen Unterhause. London, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) In der gestrigen Unterhaussitzung wurde die Frage an die Regierung ge⸗ stellt, ob die holländische Regierung vor Ausbruch des Krieges der deutschen Regierung die holländischen Rechte in den Gewässern des Rheins abgetreten hätte; ferner, ob und was für eine Wirkung in diesem Falle nach Ansicht der britischen Regierung dies auf die Stellung Hollands als neutralen Staates hätte. Sir Edward Grey erwiderte: Die freie Schiffahrt auf dem Rhein wurde durch drei Verträge gesichert: 1. durch den Annex zu der Wiener Kongreßakte von 1815, 2. durch den Ver⸗ trag vom 31. März 1831 zwischen Baden, Bayern, Frankreich, Hessen, den Niederlanden und Preußen, endlich durch den Ver⸗ trag vom 17. Oktober 1868 zwischen Frankreich, Bayern, den Niederlanden und Preußen. Die britische Regierung kenne kein anderes Abkommen über die Rechte der Uferstaaten. Neue Feinde der Russen. Konstantinopel, 6. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Agence Milli wird aus Teheran gemeldet, daß Fargam Salana, das Oberhaupt des Stammes der Talas, welcher die Ge⸗ gend von Enzelt am Kaspischen Meer bewohnt, sich mit dem ganzen Stamme gegen die Russen erhoben habe. Er habe Enzelt angegriffen, den Zentralposten der Russischen Automobilgesellschaft zerstört und sich darauf ins Gebirge zurück⸗ gezogen. Auch ein Teil des berühmten kriegerischen Stammes der Schahzevennen habe sich erhoben und begonnen, die Russen anzugreifen, um sie zu vertreiben. Die Erhebung sämtlicher Stämme Nordpersiens gegen die Russen steht bevor. Ankunft türkischer Gefangener in Kairo. Mailand, 5. Febr. Gestern sind die ersten türkischen Gefangenen hier eingetroffen, 40 Soldaten und ein Offizier von Port Said. Sie waren mit Stricken zu⸗ sammengebunden und von englischen Soldaten umgeben. Eine große Volksmenge folgte in Schweigen dem Zug über den Boulevard Abbas bis zur Kaserne Karsnil.— Auf die Bevölkerung hat die Nachricht von den Kämpfen am Suez⸗ kanal einen großen Eindruck gemacht. Verschwendet kein Brot! Jeder spare, so gut er kann. (735 1 2— 2 + We.———— Wichlig für Asthmatiker! r. Im Felde„hermes Lehr- Institut Jetle Plättanstalt) 8 8 ne Herrn 1* 1 1 InsereNkrie br 3 3 r. West-Anl. 51 Bahnhofstr. 45 braucht elne Patentplattmaschine von der 5 cegenhuse. Post Ausen à. elme mub ein ros altungen für Alle Asthmatiker sein, indem ihnen ein Weg gezeigt 1 Kaiser's Forster wäscherei-Hanrhinenfabrik Bumsch& Hammer 8 wird, wodurch sofortige Linderung eintritt. Seine eige- im Felde 3 7500 St. Im Betriebe. Forst I. 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Challier und abends an der Kasse zu haben. 1002 Offnung des Saales 4%½ Uhr. Tingang zum Saal nur von der Ludwig- 8 Sonntag, d. 7. Februar, abds. 5 Uhr in der Aula der Universität Vatefländischer 1 1 1 Mittwoch, den 10. Februar 1915, abends 8½ Uhr, im Hotel Großherzog von Hessen Vortrag Dr. Bruno Wille, Friedrichshagen über: „ristanpen der Taldsoptie in zehren Lal. Karten zu Mk. 1.00 und zu Mk. 0.50 sind im Vor⸗ verkauf in der Frees'schen Buchhandlung zu haben, Der Reinertrag ist für die Kriegsfürsorge bestimmt. Konsumverein Gießen und Umgegend. Sonntag, den 14. Februar 1915, nachm. 3 uhr: Llssppordeull Cenerahersanmlng im Saale des Gewerkschaftshauses, Schanzenstr. 18. Tagesordnung: 1. Innere Angelegenheiten. 5 2. Neuwahl des Aufsichtsrats. Anträge zur Generalversammlung müssen bei dem Unterzeichneten bis spätestens 10. Februar abends ein⸗ gelaufen sein, wenn sie zur Beratung gestellt werden sollen. Nur Mitglieder haben Zutritt. Legitimation! [Cale Ernst Ludwig Straße, zur Galerie von der Goethestr. aus. 0 2 9 Licht- Spiel- Haus Spielplan vom 6. bis 9. Februar 1918: 1e Har das Iserne Kreuz ervarh oder Lehmanns Feldposthrief Militarlustspiel in 2 Akten. Die neuesten Aufnahmen vom Kriegsschauplatz Ein Fehltritt. Drama. Interessantes Sportbild. Onkel Centnerchens Liebes abenteuer. Posse Kunstschwimmen und Tauchen 1224 Hllitar chne Charge zahlt werktags die Halfte. Alle welche an Haemorrboiden erkrankt sind und disber vergeblich Heilung suchten, sollten einen Versuch mit d bestbe währten DUN Zäpfchen machen. 1 Schachtel— 12 Stuck kostet Mk. 2.— und let nur 10 Apo- theken zu baben. wo nicht, durch die Fabrik: & Co., Dunpräp. 6. m. d. H., Darmstadi. Neustet Proelt kostenlos. Der Aussichtsrat: F. Vetters. 1247 Sonntag Nünstler- Konzert Aug. Schwab, Plockstr. 4 empfiehlt für den Feldbedarf: Taschen- und Armband-Uhren in guter 3 mit und ohne Leuchtblatt, von 6.50 Mk. an. 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