— 8 Der Sichener erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienbläster; weimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Glehen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelleö! 5 Adresse für Drabtnach⸗* richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. 1 n 9 105. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei N. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Freitag, 5. Februar 1915 Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- scheijtleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge— richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen, die Blodade der englischen Müsten. Die Mannschaft der„Emden“ bei Hodeida gelandet! (WT B.) Großes Hauptquartier, 4. Februar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Auf der Front zwischen Nordsee und Reims fanden nur Artillerielämpfe statt. Erneute französische Angriffe bei Perthes wurden unter Verlusten für den Feind abgewiesen. Nördlich und nordwestlich Massiges(nordwestlich St. Ménehould) griffen unsere Truppen gestern an, stießen im Stur ůn über drei hintereinander liegende feindliche Grabenlinien durch und setzten sich in der französischen Hauptstellung in einer Breite von zwei Kilometern fest. Sämtliche Gegenangriffe der Fran⸗ zosen, die auch nachts fortgesetzt wurden, sind abgeschla⸗ gen worden. Wir nahmen sieben Offiziere, 601 Mann gefangen und erbeuteten neun Maschi⸗ nengewehre, neun Geschütze kleineren Kali⸗ bers undpiel Material. Sonst ist nur erwähnenswert, daß in den Mittelvogesen das erste Gefecht einer Schneeschuhtruppe gegen französische Jäger erfolgreich für uns verlief. Oestlicher Kriegsschauplatz. In Ostpreußen wurden schwache russische An⸗ 81* gegen unsere Stellung südlich der Memel abge— ie sen. In Polen nördlich der Weichsel fanden im Anschluß an die gemeldeten Kavalleriekämpfe Plänkeleien kleinerer ge⸗ misch ger Truppenabteilungen statt. An der Bzura südlich Sochaczew, brach ein russi⸗ scher Nachtangriff unter starken Verlusten des Feindes zusammen. Unser Angriff östlich Boli mo w machte troß heftiger Gegenstöße des Feindes Fortschritte. Die Zahl der Gefangenen erhöhte sich. In den Karpathen kämpfen seit einigen Tagen deutsche Kräfte Schulter an Schulter mit den österreichisch⸗ ungarischen Armeen. Die verbündeten Truppen haben in dem schwierigen und verschneiten Gebirgsgelände eine Reihe schöner Erfolge erzielt. Oberste Heeresleitung. *** (WB.) Berlin, 4. Febr.(Amtlich.) Der„Reichs⸗ anzeiger“ meldet im amtlichen Teil folgendes: . Bekanntmachung: 1. Die Gewässer rings Großbritanniens und Irlands, ein⸗ schließlich des gesamten englischen Kanals, werden hier⸗ mit als Kriegsgebiet erklärt. Vom 18. Februar 1915 an wird jedes in diesem Kriegsgebiet angetroffene feind⸗ liche Kauffahrteischiff zerstört werden, ohne daß es immer möglich sein wird, die dabei der Besatzung und den Passagieren drohenden Gefahren abzuwenden. 2. Auch neutrale Schiffe laufen in dem Kriegs⸗ gebiet Gefahr, da es angesichts des von der briti⸗ schen Regierung am 31. Januar angeordneten Mißbrauchs neutraler Flaggen und der Zu⸗ fälligkeiten des Seekrieges nicht immer vermieden wer⸗ den lann, daß die auf feindliche Schiffe berechneten An— griffe auch neutrale Schiffe treffen. „3. Die Schiffahrt nördlich um die Shetlandsinseln in dem östlichen Gebiet der Nordsee in einem Streifen von min⸗ destens 30 Seemeilen Breite entlang der niederländi— ö schen Küste ist nicht gefährdet. Berlin, 4. Februar 1915. 5 Der Chef des Admiralstabs gez.: v. Pohl. *** Der Festlandskrieg schreitet mühsam, aber unaufhalt⸗ am und sicher zu unseren Gunsten vorwärts, wie auch r neueste deutsche Tagesbericht wieder beweist, aber zu— gleich hat das vielgehaßte Deutschland trotz seiner ungün⸗ stigen geographischen Lage es zuwege gebracht, daß auch von der hohen See her hochgemute deutsche Hoffnungen erstehen. Es treten zugleich Erscheinungen vor uns hin, die zwar den Verlauf des Krieges nicht wesentlich beein— flussen, aber die deutsche Stimmung zu erhöhen geeignet sind und beweisen, daß unser Vaterland im Auffstieg, nicht im Niedergange begriffen ist.„Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser“, dieses Wort unseres Kaisers hat noch seinen vollen Klang behalten. Wie einen wundervollen Heldensagenbesitz werden wir die Taten und Fahr- ten der„Emden“ und ihrer Mannschaft den Herzen unserer Nachfahren überliefern. Ist das Schicksal dieser Seeleute, deren Rest nach abenteuerlicher Fahrt in einem befreundeten türkischen Hafen glücklich gelandet ist, nicht des Heldengesanges eines großen Dichters würdig? Wir lönnen heute nicht alle Kriegstaten der„Em— den“ noch einmal einzeln aufzählen, es muß später ein köstliches Buch werden, in dem die Taten der Vielgewander⸗ ten verzeichnet stehen. Zuletzt aber hatten die deutschen Herzen getrauert, als der tapfere Kreuzer bei einer Insel im indischen Ozean am 9. November unter dem Feuer eines überlegenen Feindes zusammenbrach. Eine kleine Abteilung der Bemannung war bekanntlich gelandet, um eine radio— telegraphische Station zu zerstören, und ihr ist es später gelungen, sich eines Kauffahrteischiffes zu bemächtigen, das als Hilsskreuzer ausgestattet wurde und von neuem in den Kampf steuerte. Dieser deutsche Hilfskreuzer hat sodann dem Feinde durch Versenkung von Küstenschiffen neuen Schaden zugefügt. Wir mußten darauf gefaßt sein, daß er schließlich doch ein rühm liches Ende nehmen würde, denn es war an— zunehmen, daß die Feinde mit Lust danach trachten würden, diese Planken deutschen Ruhmes auseinanderzureißen. Aber es ist anders gekommen. S. M. neues Schiff, wohl mit dem in der letzten Meldung genannten„Ayesha“ identisch, ist durch die Straße von Perim ins Rote Meer entkommen und an der Küste des Yemen, in Hodeida, gelandet. Ein fran⸗ zösischer Panzerkreuzer weilte tatenlos in der Nähe. Es läßt sich denken, daß unsere Verbündeten, die Türken, unsere Landsleute mit großem Jubel begrüßt haben. Ein Stück herrlicher Romantik zerreißt die noch vor uns liegenden Schleier kränklich nüchterner Anschauungsweise eines nicht mehr„modernen“ Zeitalters. Aus solchen Quellen, die wir uns in der frischen weiten Welt erschlossen haben, wollen wir neues Geistesschaffen speisen, wenn wir die Feinde besiegt und für unser Deutschland neues Licht und neue Luft ge⸗ wonnen haben.. *** Deutschlands Zukunft liegt auf dem Wasser, und dieser Krieg zeigt uns, daß die„blaue Göttin“ unser Reich sein und bleiben muß. Die Blockade der englischen Küsten ist jetzt durch den Chef des deutschen Admiralstabes amtlich erklärt worden. Was dazu gesagt werden mußte, hat die deutsche Regierung in einer Denkschrift zugleich der ganzen Welt verkündet. Vesonders die an die Neutralen gerich⸗ teten Worte der deutschen Kundgebung machen einen starken und nachhaltigen Eindruck. Wir dürfen die Gewißheit hegen, daß die deutsche Marineleitung alle Bedingungen einer regelrechten Blockade prompt erfüllt 4 Dahin gehört, daß genügend Schiffe und Kampfmittel bereitgestellt sind, um die angeordnete Maßregel durchzuführen. Es ist natür⸗ lich zu erwarten, daß mißgünstige Auskandspolitiker das Vorgehen Deutschlands verdächtigen und wieder als barbarisch hinstellen werden. Die klaren und beweiskräftigen Darlegungen in der amtlichen deutschen Denkschrift aber lassen sich nicht verschweigen, und so stehen hinter dem energi⸗ schen Vorgehen der deutschen Regierung nicht nur das ein⸗ stimmige, ungebeugte deutsche Volk, sondern auch wohl- erkanntes Recht und gerechte Vergeltung. Schließlich werden auch verblendete Neutrale einsehen lernen, daß es mit der englischen Führerschaft in der Welt ein Ende haben muß. Die Mannschaft der„Emden“ glücklich gelandet. (WTB.) Berlin, 4. Febr. Nichtamtlich.) Ueber S. M. Schiff„Ayesha“ geht die Nachricht ein, daß der Kom⸗ mandant, Kapitänleutnant von Mücke, mit dem Lan- dungskorps S. M. S.„Emden“ in der Nähe von Ho⸗ deida(Südwestküste von Arabien) eingetroffen und von den türkischen Truppen mit Begeisterungemp⸗ fangen worden sei. Nachdem die Fahrt durch die Straße von Perim unbemerkt von den englischen und französischen Bewachungsstreitkräften gelungen war, vollzog sich die Lan— dung an der Küfte ungestört in Sicht eines fran⸗ zösischen Panzerkreuzers. Deukschrift über die Gegenmaßnahmen gegen völker— rechtswidrige Maßnahmen Englands zur Unterbindung des neutralen Seehandels mit Deutschland. Seit Beginn des gegenwärtigen Krieges führt Großbritannien gegen Deutschland den Handelskrieg in einer Weise, die allen völker rechtlichen Grundsätzen Hohn spricht. Wohl hat die britische Regierung in mehreren Verordnungen die Londoner Seekriegsrechtserklärung als für ihre Seestreitkräfte maß⸗ gebend bezeichnet, in Wirklichkeit aber sich von dieser Erklärung in den wesentlichsten Punkten losgesagt, obwohl ihre eigenen Bevollmächtigten auf der Londoner Seekriegsrechts-Konferenz deren Beschlüsse als geltendes Völkerrecht anerkannten. Die britische Regierung hat eine Reihe von, Gegenständen auf der Liste der Konterbande gesetzt, die nicht oder doch nur sehr mittelbar für kriegerische Zwecke verwendbar sind, und daher nach der Londoner Erklärung wie nach den allgemein anerkannten Regeln des Völkerrechts überhaupt nicht als Konterbande bezeichnet wer— den dürfen. Sie hat serner den Unterschied zwischen absoluter und relativer Konterbande tatsächlich beseitigt, indem sie alle für Deutschland bestimmten Gegenstände relativer Konter— bande ohne Rücksicht auf den Hafen, in welchem sie ausgeladen werden sollen, und ohne Rücksicht auf die feindliche oder friedliche Verwendung der Beschlagnahme unterwirft. Sie scheut sich sogar nicht, die Pariser Seerechtsdeklaration zu verletzen, da ihre Seestreitkräfte von neutralen Schiffen deutsches Eigentum, das nicht Konterbande war, wegge⸗ nommen haben. Ueber ihre eigenen Verordnungen zur Lon⸗ doner Erklärung hinausgehend, ließe sie weiter durch ihre See⸗ streitkräfte zahlreiche wehrfähige Deutsche von neutra⸗ len Schiffen wegführen und sie zu Kriegsgefangenen machen. Endlich hat sie die ganze Nordsee zum Kriegs⸗ schauplatz erklärt und der neutralen Schiffahrt die Durchfahrt durch das offene Meer zwischen Schottland und Norwegen, wenn nicht unmöglich gemacht, so doch aufs äußerste erschwert und ge⸗ fährdet, so daß sie gewissermaßen eine Blockade neutraler Küsten und neutraler Häfen gegen alles Völkerrecht ein⸗ führte. Alle diese Maßnahmen verfolgen offensichtlich den Zweck, durch die rechtswidrige Lahmlegung des legitimen neutralen Han⸗ dels nicht nur die Kriegführung, sondern auch die Volkswirt⸗ schaft Deutschlands zu treffen und letzten Endes auf dem Wege der Aushungerung das ganze deutsche Volk der Vernichtung preiszugeben. Die neutralen Mächte haben sich den Maßnahmen der britischen Regierung im großen und ganzen gefügt; insbesondere haben sie nicht erreicht, daß die von ihren Schiffen völkerrechts⸗ widrig weggenommenen deutschen Personen und Güter von der britischen Regierung herausgegeben worden sind. Auch schlossen sie sich in gewisser Richtung sogar den mit der Freiheit der Meere unvereinbaren englischen Maßnahmen an, indem sie offenbar unter dem Druck Englands, die für friedliche Zwecke bestimmte Durchfuhr nach Deutschland auch ihrerseits durch Aus⸗ fuhr⸗ und Durchfuhrverbote verhindern. Vergebens machte die deutsche Regierung die neutralen Mächte aufmerksam, daß sie sich die Frage vorlegen müsse, ob sie an den von ihr streng beobach⸗ teten Bestimmungen der Londoner Erklärung noch länger fest⸗ halten könne, wenn Großbritannien das von ihm eingeschlagene Verfahren fortsetzen und die neutralen Mächte alle diese Neu⸗ tralitätsverletzungen zu Ungunsten Deutschlands länger hinnehmen würden. Großbritannien beruft sich für seine völkerrechtswidrigen Maßnahmen auf die Lebens interessen, die für das bri⸗ tische Reich auf dem Spiele stehen, und die neutralen Mächte scheinen sich mit theoretischen Protesten abzufinden, also tatsächlich die Lebensinteressen von Kriegführenden als hinreichende Entschuldigung für jede Art der Kriegführung gelten lassen. Solche Lebensinteressen muß nunmehr auch Deutschland für sich anrufen; es sieht sich daher zu seinem Bedauern zu mili⸗ tärischen Maßnahmen gegen England gezwungen, die das eng⸗ lische Verfahren vergelten sollen. Wie England das Gebiet zwischen Schottland und Norwegen als Kriegsschauplatz bezeich⸗ nete, so bezeichne Deutschland die Gewässer rings um Gro ß⸗ britannien und Irland mit Einschluß des gesamten eng⸗ lischen Kanals als Kriegsschauplatz und wird mit allen Gebote stehenden Kriegsmitteln der feindlichen Schiffahrt daselbst entgegentreten. Zu diesem Zwecke wird es vom 18. Februar 1915 jedes feindliche Kauffahrteischiff, das sich auf den Kriegsschauplatz begibt, zu zerstören suchen, ohne daß es immer mög ich sein wird, die dabei den Personen und Gütern drohenden Gefahren abzuwenden. Die Neutralen werden daher gewarnt, solchen Schiffen weiterhin Mannschaften, Passagiere und Waren anzuvertrauen. Sodann aber werden sie darauf auf⸗ merksam gemacht, daß es sich auch für die eigenen Schiffe dringend empfiehlt, das Einlaufen in dieses Gebiet zu ver⸗ meiden. Denn wenn auch die deutschen Seestreitkräfte Anwei⸗ sung haben, Gewalttätigkeiten gegen neutrale Schiffe, soweit sie als solche erkennbar, zu unterlassen, so kann doch angesichts des von der britischen Regierung angeordneten Mißbrauchs neu⸗ traler Flaggen und der Zufälligkeiten des Krieges nicht immer verhütet werden, daß auch sie einem auf feindliche Schiffe berechneten Angriff zum Opfer fallen. Dabei wird aus⸗ drücklich bemerkt, daß die Schiffahrt nördlich um die Shetlands⸗ inseln, in dem östlichen Gebiet der Nordsee und in einem Streifen von mindestens 30 Seemeilen Breite entlang der niederländischen Küste nicht gefährdet ist. Die deutsche Regierung kündigt diese Maßnahme so recht⸗ zeitig an, daß die feindlichen wie die neutralen Schiffe Zeit behalten, ihre Dis positionen wegen des Anlaufens der am Kriegsschauplatz liegenden Häfen danach einzurichten. Es darf erwartet werden, daß die neutralen Mächte die Lebensinteressen Deutschlands nicht weniger als die Englands berücksichtigen und beitragen werden, ihre Angehörigen und deren Eigentum von dem Kriegsschauplatze fernzuhalten. Dies darf umsomehr erwartet werden, als den neutralen Mächten auch daran liegen muß, den gegenwärtigen verheerenden Krieg so bald als möglich beendigt zu sehen. Die Wirkung des deutschen Vorgehens. Berlin, 5. Febr. Unter der Ueberschrift: Die dentschen Auslandskreuzer an der Arbeit, bringt die„Tägl. Rundschau“ folgende Meldung der„Berlingske Tidende“ aus Paris: Der „Temps“ veröffentlicht eine Liste von 12 englischen und französischen Handelsschiffen, mit einem Ge— samttonnengehalt von 680080 Tonnen, von denen jede Nachricht fehlt. Man nimmt an, daß sie verloren sind. Die meisten dieser Schiffe waren auf dem Wege nach Süd⸗ amerika. In Schiffahrtskreisen glaubt man, daß ihr Ver⸗ schwinden auf das neuerliche Auftreten deutscher Hilfskreuzer im Atlantischen Ozean, namentlich des Hilfskreuzers„Kronprinz Wilhelm“ zurückzuführen sei. Das Verschwinden der Schiffe hat in Seeversicherungskreisen Beunruhigung hervorgerufen und die Seeversicherungsprämien, besonders für Rückversicherungen, sind plötzlich bedeutend gestiegen. London, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die North⸗ western-Eisenbahn-Gesellschaft stellte alle Schiffs⸗ verbindungen zwischen Holyhead und den irischen Häfen sowie auch zwischen Dublin und Greenore ein. Die Schnelldampfer verkehren nicht mehr. Die City of Dublin Schiffahrts Gesellschaft, welche nach und von Liverpool, Bel— fast und Manchester verkehrt, unterbrach gestern abend den Dienst. Die Postdampfer zwischen Kingstown und Holy— head bleiben im Verkehr, da die Regierung alles Risiko übernahm. London, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Tele⸗ graph“ meldet aus Belfast: Die Einstellung einer An- zahl regelmäßiger Dampferdienste zwischen England und Irland hat große Unannehmlichkeiten für Passagiere und Post im Gefolge. Die Gesellschaften weigern sich, Rind- vieh und Güter für überseeische Transporte anzunehmen. Die Versicherungsprämie ist heute auf 1 Pfund gegen zehn Schilling gestern gestiegen und gegen 2,6 Schilling vor dem Krieg. Namentlich sind die Kohlenpreise hoch. Die Linie Larne⸗Stranraer verkehrt weiter. Der Dampfer von Hei⸗ sham ist heute zum erstenmale wieder gefahren. Amsterdam, 4. Febr.(WTB. i Nichtamtlich.)„Nieube van den Dag“ melden aus London: In Schiffahrtskreisen rn D * a J g 1 1 een* o herrscht Unruhe über das Schicksal des Dampfers„Oriole“ von der General Steam Navigation Company. Das Schiff fuhr am Freitag von London nach Le Havre ab, aber seit der Abreise hörte man nichts mehr von dem Schiff oder seiner Mannschaft. Man glaubt, daß„Oriole“ eines der beiden unbekannten Schiffe war, die von einem deutschen Unterseeboot torpediert wurden. Die„Oriole“ maß 1490 1 Tonnen; sie war im vorigen Jahre gebaut. 5 Echt englisch! 1 Berlin, 5. Febr. Nach einer Meldung der„Tägl. 5 Rundschau“ hat die englische Schiffahrtszeitung„Siren and Shipping“ ebenfalls wie das Organ des Schiffahrts⸗ interessenten„Shipping Gazette“ einen Preis von 10000 Mark für die Besatzung desjenigen Handelsschiffes aus⸗ gesetzt, dem es zuerst gelingt, ein deutsches Unterseeboot zum Sinken zu bringen. Der Preis ist an die Bedingung geknüpft, 1 daß es ein Handelsschiff und kein Hilfskreuzer 10 und daß * das Schiff keine von der Regierung gestellten Geschütze an * Bord hat. Holland über die deutsche Warnung. Berlin, 4. Febr.(Ctr. Blu.) Ueber die Aufnahme der deutschen Warnung an die neutrale Schiffahrt in Holland berichtet die„Tägl. Rundschau“ aus dem Haag: Die An⸗ kündigung des„Deutschen Reichs⸗ und Staatsanzeigers“ an die neutrale Schiffahrt, daß die neutralen Handelsschiffe bei ihren Fahrten nach der Nord- und Westküste Frankreichs * großen Gefahren ausgesetzt wären, wird von der hollän⸗ dischen Presse sehr ernst aufgefaßt und teilweise ziem⸗ lich erregt besprochen. Das„Handelsblad“ sagt: Warum müssen die Handelsdampfer, bei denen gewöhnlich nur eine flüchtige Untersuchung bereits erkennen läßt, welcher Art dis ö g ist, gezwungen werden, den zeitraubenden Umweg über Schottland zu machen? Die Warnung kann so aufgefaßt werden, 5 als ob die Handelsschiffe, gleichviel welcher Nation, welcher La⸗ daun oder Zielbestimmung, ohne besondere Untersuchung vernichtet 7 können, sofern sie nur der Route in der Nähe der für 5 die Kriegsoperationen dienenden französischen Häfen folgen. Diese Handlungsweise liefe allen Bestimmungen wie der Menschlichkeit zuwider, da die einzige Waffe der Deutschen im Kanal Untersee⸗ boote, treibende Minen und Luftschiffe sind, weshalb meistenteils eine Rettung der Mannschaften der versenkten Dampfer nicht er⸗ folgen könnte. Das„Handelsblad“ hofft, daß die Absichten der deutschen Regierung nicht in dieser Richtung liegen. Jedenfalls wäre eine baldmöglichste Klarlegung wünschenswerk. Zum Schlusse fordert das Blatt die holländische Regierung auf, eine deutliche Antwort auf die Note des„Reichsanzeigers“ zu geben und emp⸗ fiehlt gegebenenfalls das Zusammengehen aller neutralen Länder gegen die beabsichtigte Haltung der deutschen Regierung. 5 einer weiteren Meldung desselben Wlattes sind nnicht nur, wie schon berichtet, die Versicherungen wegen LKLriegsrisiko gestiegen, sondern auch die Frachtsätze für Stchiffsladungen haben infolge der deutschen Unterseebvots⸗ angriffe eine ungewöhnliche Erhöhung erfahren. Der Fracht⸗ preis nach Argentinien, der vor dem Kriege 12 Schilling 6 Pence die Tonne betrug, ist auf 70 Schilling gestiegen, der Frachtsatz von Galveston nach Havre ist 155 Schilling und von Galveston nach Liverpool 120 Schilling die Tonne. 5 Echo aus Skandinavien. 5 Kristiania, 4. Febr. In der deutschen Warnung an die neutrale Schiffahrt, sich der französischen Nord⸗ und 5 * Westküste zu nähern, schreibt das angesehenste Blatt der * standinavischen Reederinteressen,„Norges Handels⸗ sog⸗Sjoe farts Tidende“: 1 Diese Mitteilung ist in gleicher Weise aufzufassen wie die bri⸗ tiische Ankündigung, daß die Nordsee als Kriegsgebiet zu betrachten sei. Sie ist weder ein Verbot noch eine Drohung, sondern eine wohlwollende und korrekte Warnung, für die die Neutralen nur dankbar sein können. Hiernach ist es die Sache jedes Einzelnen, das Risiko zu überlegen und sich zu . ob er es eingehen will. Nach dem, was wir erfahren, ist es kaum wahrscheinlich, daß die deutsche Mitteilung irgend⸗ welche Erhöhung der Kriegsrisiko⸗Prämie verurfachen wird. Jeden⸗ falls nicht jetzt schon. Ob sie dazu führen wird, daß die iffe neue Wege einschlagen, ist nicht bestimmt. Augenscheinlich ist man gewillt, zunächst den Verlauf der Dinge abzuwarten. 5 Neue Unterseeboote sür England. * London, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einem Bericht der„Afsociated Preß“ werden in Kanada 20 Un⸗ terseeboote für England gebaut, wovon 10 vor diesem Herbst abgeliefert werden sollen. Französische Bewunderung deutscher Leistungen. N Paris, 4. Febr.(WTB Nichtamtlich.) Der„Temps“ bewundert die Geschicklichkeit der Deutschen in der Herstellung neuer Verbindungslinien, von denen beispiels⸗ weise eine Verdun im Halbkreise umgebe, während ein ande⸗ rer Schienenstrang bis St. Mihiel vorstoße. Auch in Frank⸗ eich, fährt der Artikel fort, verbirgt man sich nicht mehr, daß Deutschland bis zum Aeußersten aushalten und nicht nach⸗ geben wird, solange es nicht in nicht wieder gut zu machender Weise niedergerungen ist.— In angesehenen Kreisen Frank- reichs gibt man sich auch wegen der Maßnahmen der deut⸗ schen Regierung gegen den Getreide- und Brotverbrauch keinen Illusionen hin, sondern sieht darin vielmehr einen 8 1 für den Willen, den Kampf bis zum Aeußersten fort⸗ zusetzen. .** . Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. „ Wien, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 4. Februar mittags. In Polen und West⸗ galizien keine besonderen Ereignisse. 5 Die Kämmfe in den Karpathen dauern mit unver⸗ minderter Heftigkeit an. Im westlichen Frontabschnitt wur⸗ den feindliche Angriffe abgewiesen. Den im mitt⸗ leren Waldgebiet vordringenden eigenen Kolonnen gelang es auch gestern, erneut Raum zu gewinnen und einige Hioundert Gefangene zu machen. N Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Erfolgreiche österreichische Flieger. Berlin, 5. Febr. Ueber erfolgreiche Flüge öster⸗ reichischer Aviatiker läßt sich der Berliner„Lokalanz.“ aus Budapest berichten. Der Aviatiker Stephan Dabos flog über Cetinje und warf sechs Bomben ab. Drei schlugen in das Arsenal, zwei in eine Kaserne, die dritte fiel auf das Dach eines Privathauses. In der letzten Zeit haben die österreichisch⸗ungarischen Flieger häufiger Aufklärungsflüge über Belgrad unternommen. . Der Zar. Der 3 arskoje⸗Sselo, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) 5 Nussische Weizen⸗ und Zucerlieferungen 5 1 * 1 * ar hat sich zur Front begeben. für Frankreich. London, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Tele⸗ graph“ meldet aus Paris vom 1. Febr.: Zwischen der krrussischen und der französischen Regierung ist ein Vertrag abgeschlossen worden, nach dem Rußland Frankreich 25 . !!... Millionen Pud Weizen und sechs Millionen Pud Zucker liefern soll. Der Termin der Ablieferung ist auf mehrere Monate verteilt. Die französische Regierung erbot sich, die Lieferung im voraus zu bezahlen. i Türkisch⸗englische Kämpfe. Kairo, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Gestern hatten die britischen Truppen eine Begegnung mit dem Feinde bei Is⸗ mail a. Der Sandsturm hinderte den Feind am Vorrücken. Wir hatten sechs Verwundete. erlin, 4. Febr.(Priv.⸗Tel.) Das„Berl. Tageblatt“ meldet aus Konstantinopel: Nach einer über Athen hier eingetroffenen Meldung soll in Kairo von einem in⸗ dischen Mohammedaner angeblich ein Anschlag gegen den Oberkommandierenden von Aegypten, General Maxwell, verübt worden sein. Der Täter soll auf offener Straße mehrere Revolverschüsse abgegeben, den General verfehlt, aber den Adjutanten getötet haben. Brotmangel in Italien. Berlin, 4. Febr.(Priv.⸗Tel.) Die„B. Z. am Mittag“ meldet aus Rom: Neue Tumulte, hervorgerufen durch den steigenden Brotmangel, ereigneten sich in Sizilien, Sardinien und Toskana. Mehrfach mußte das aufgebotene Militär von der Waffe Gebrauch machen. Ein Schuß aus dem Fenster tötete einen zwölfjährigen Knaben. Ein ungarischer Protest in Amerika. Budapest, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einem Bericht des„Az Est“ hat die Liga der New Yorker ungarischen Arbeiter dem Präsidenten Wilson einen Protest gegen die Verletzung der Neutralität über⸗ reicht, die dadurch begangen werde, daß in zahlreichen Jabriken für die Länder der Entente KHriegsaus⸗ rüstungsgegenstände hergestellt werden. Die ungari⸗ schen Arbeiter dieser Fabriken sind somit gezwungen, sich gegen Leben und Interessen ihrer eigenen Landsleute zu vergehen. Der Protest schließt mit dem Ersuchen an den Präsidenten, auf eine wahre und ehrliche Einhaltung der Neutralität strenge bedacht zu sein. 17 5 a *** Die Lebensmittelnot im englischen Unterhause. London, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) In der gestri⸗ gen Sitzung des Unterhauses fragte Henderson(Ar⸗ beiterpartei) den Premierminister, ob er eine Erklärung dar⸗ über abgeben wolle, wie weit der hierfür aufgestellte Ka⸗ binettsausschuß den Preisen für Lebensmittel nach⸗ hing, was für Daten vorlägen, ob die Untersuchung bald eendet sei und dem Hause bald Gelegenheit geboten würde, die Frage der Preise für Lebensmittel und für andere not⸗ wendige Gebrauchsgegenstände zu erörtern. Ashquit ant⸗ wortete, der Ausschuß habe der Frage seine volle Aufmerk⸗ samkeit zugewendet. Er könne noch nicht sagen, wann die Arbeiten abgeschlossen werden würden. Es werde jedoch ohne Verzögerung geschehen, da die Regierung sich der Dringlich⸗ keit der Frage bewußt sei. Henderson kam später nochmals auf dasselbe a zu sprechen und wies auf die Stimmung im Lande, besonders unter den armen Leuten, hin, die die gegenwärtigen Preise, welche an Hungersnotpreise grenzten, besonders hart empfänden. Er e eine Be⸗ sprechung der Angelegenheit zu Beginn der nächsten Woche. Ashquit antwortete, die Frage solle so bald wie möglich be⸗ handelt werden. London, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Ab nächsten Sonntag werden die Milchpreise in London um einen halben Penny für das Quart erhöht. Auch die Mehl⸗ preise steigen weiter.. Vom Burenkrieg. Pretoria, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) 8 des Reuterschen Bureaus. Vier Offiziere und 10 Buren welche zum Teil zu den Streitkräften Maritz' ge⸗ hörten, haben sich bei Kakamas ergeben. 500 Mann haben sich mit Kempergeben. ö N Heldentod eines deutschen Offiziers. Berlin, 4. Febr. Am 30. November 1914 war eine Offizierspatrouille unter Führung des Leutnants v. Gries hei m nach Bielsk zu Zwecken der Aufklärung ausgesandt worden. Die Patrouille, bestehend aus dem Offizier, einem Unteroffizier und 14 Mann, wurde in der Gegend von Lelice plötzlich von 40 russi⸗ schen Husaren umzingelt und beschossen. Gleich zu Beginn des Scharmützels fiel das Pferd des Leutnants v. Griesheim. Die Patrouille kehrte ohne ihn und 4 Husaren zu ihrer Schwadron zurück. Zu Fuß lief Leutnant v. Griesheim über gefrorenen Acker und das brechende Eis eines Grabens in ein nahegelegenes, einzelstehendes Haus. Der befehlführende russische Offizier 2 den deutschsprechenden Besitzer des Hauses an Leutnant v. Gries⸗ heim, mit der Aufforderung, sich zu ergeben. Leutnant v. Gries⸗ heim lehnte das ab Die Aufforderung wurde wiederholt und damit begründet, daß jeder Wiederstand des einzelnen gegen eine Truppe unmöglich sei. Leutnant v. Griesheim zählte die Patronen in seinem Revolver und ließ dem russischen Offizier sagen:„Ein deutscher Offizier ergibt sich nicht; ich habe noch fünf Patronen: die reichen für euch und mich.“ Es entspann sich darauf ein kurzes Gefecht, in dem Leutnant v. Griesheim zwei schwere Wunden davontrug. Als der russische Offizier eintrat und den Jutode⸗ getroffenen fragte, weshalb er sich nicht ergeben habe, zeigte tnant v. Griesheim auf sein Eisernes Kreuz und sagte:„Da⸗ mit ergibt man sich nicht.“ Er wurde sosort verbunden, starb aber auf dem Transport. Der russische Brigadekommandeur ordnete für den deutschen Offizier ein Begräbnis mit militärischen Ehren an. Eine russische Schwadron mit Gewehren gab ihm das letzte Geleit auf dem Kirchhof zu Drobin. Der Ortsgeistliche hielt die Andacht. Die Russen schmückten das Grab mit einem hohen Holzkreuz, auf das sie in deutschen Buchstaben setzten, was auf der Erkennungsmarke des Gefallenen stand: v. Gries heim, Leut⸗ nant im 4 Husaren⸗Regt. Nr. 12, dazu oben links, in russi⸗ scher Schrift, das Datum. Beim Wiedereinzug des Regiments in Drobin am 30. De fand man das Grab des jungen Offiziers Die Richtigkeit des Berichtes bezeugen der Ortsgeistliche, der biner Arzt, und ein deutscher Husar, der in Drobin in Gefangenschaft geriet. Das Heldengrab des fungen gefallenen Husaren⸗Offiziers schmückten in stiller Andacht am Silvestertag 1914 seine Regimentskameraden und seine Husaren, denen er für 5 11 wahrer Held und treuester Kamerad im Gedächtnis eiben wird. — Aus Hessen. Der künftige Staatshaushaltsplan. R-B. Darmstadt, 5. Febr. Der Br der Zweiten Kammer ist von seinem Vorsitzenden Abg. Dr. Osann für Donnerstag, 11. Febr., zu einer n einberufen worden, in der eine gemeinsame Beratung mi der Regierung über die eventuelle Gestal des Staats⸗ haus halts im künftigen Etatsjahr n wird. Zu⸗ nächst handelt es sich darum, festzustellen, in welcher Weise die 1e das Budget zu erledigen gedenkt. Im preußi⸗ schen Landtage ist die Beratung bekanntlich dahin erledigt worden, daß vorbehaltlich notwendiger Ae der R 2 N Aus Stadt und Cand. a N Gießen, 5. Februar 1915. Militärische Ausbildung der Jugend. Der letzte Sonntag n„ Jugendkompagnien in einem kleinen Gefecht, das der bildung der Patrouillen diente, nach dem Hochwartturm. Am Mittwoch abend unterrichtete Herr Horst über„Ver⸗ halten im Gefecht“, 5 Herget über die„Kriegsartikel“. Herr Kern über unser„Militärgewehr“, Zum Schluß schil⸗ derte Herr nt Schupp in sehr interessanter Weise die Kämpfe unserer 116 er am 16. und 17. September, in denen er sich das Eiserne Kreuz erwarb. Die de 2 45 aufmerksam seinen Ausführungen und spendete ihm geisterten Beifall. 1 3 . Tie Veranstaltungen des Bezirks Gießen-Stadt für die militärische Ausbildung der Jugend, die nunmehr fast drei Monate dauern, haben bis jetzt recht guten Erfolg gehabt. Die Jugend nimmt ihre Aufgabe recht ernst; und ohne Rück⸗ sicht darauf, ob das Wetter günstig oder weniger bunstig ist, erscheint ein fester Bestand allsonntäglich zur Uebung. Das ist sehr erfreulich und verdient Anerkennung. Denn, wenn einmal die Ausbildung eine„militärische“ sein soll, so darf nicht nach dem Wetter gefragt werden. Bedauerlich ist und bleibt aber für unsere Stadt die eine Tatsache, daß noch zahlreiche der jungen Leute, für die in erster Linie die ungeheure Arbeit, die die Uebungsleiter jeden Sonntag auf sich nehmen, berechnet ist, sich für zu gut halten, teil⸗ zunehmen, also junge Leute im 18. und 19. Lebensjahr und die jüngeren Jahrgänge des ungedienten Landsturms. Sie haben bedauerlicherweise noch nicht den Ernst der 14 er⸗ faßt und sind sich darüber noch nicht klar geworden, daß sie, wenn sie nicht freiwillig hinausziehen wollen, dem Vater⸗ land und seinen tapferen Verteidigern doch auch ein Opfer ö bringen müssen, das kleine Opfer, am Sonntag sich wäh⸗ rend dreier Stunden für den militärischen Dienst vorzu⸗ bereiten. Während die Brüder draußen unter den schwerslen Entbehrungen, in Sturm und Regen ihr Leben und ihre Gesundheit uns allen zum Opfer bringen, wollen sie in der Heimat sich nicht in ihrem Sonntagsvergnügen— lassen. Wie schön würe es aber, wenn diese jungen frei willig aus sich heraus, ohne Ansehung des Standes, des Berufs usw. nebeneinander als„deutsche“ junge Männer mitmarschieren würden, um den Kö zu ü stählen fürs Vaterland. So erwächst denn den Eltern, Lehrherren und Meistern die ernste Pflicht, ihre Jugend zum Besuch der Uebungen zu veranlassen und ihnen den notwendigen Urlaub, sofern er nötig ist, hierzu zu geben. Habtihr Eltern, Lehrherren und Meister eure vaterländische Pflicht nach dieser Richtung 90 tan? Welche Bedeutung die Behörde diesen banner eimißt, geht aus einer e hervor, nach bei dem letzten Aushebungsgeschäft in Alsfeld jeder Ge⸗ stellungspflichtige von der Kommission befragt wurde, ob er einer Jugendwehr als Mitglied angehöre und welcher. Im verneinenden Fall mußte er sich sofort anmelden. Jeden jungen Mann, der für den Militärdienst tauglich ist, einer Jugendkompagnie aber noch nichr angehört, sollte man a. sehen als einen solchen, der bis jetzt nicht gelernt hat, seine persönliche Bequemlichkeit der nationalen Pflicht unter⸗ zuordnen. Erst wenn alle mitwirken, die Zahl dieser zu ver⸗ mindern oder gar zu beseitigen, hat die schwere Zeit des Krieges ihre erzieherische Wirkung auch auf unsere Jugend voll und ganz ausgeübt. Einstweilen freuen wir uns aber herzlich leit Erreichten 5 3 5 auf, doppelt fleißig mitzuwirken u urch die Freiwillig keit des Wertes von heute doppelt zu adeln.. 8 üben und 1 * Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Kriegsfreiw. Reinhard Euker, Res.⸗Jägerbat. 24, aus Mar⸗ burg.— Landwehrmann Joh. Heinr. Rentzel, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 116, aus Kesenrod.— Landwehrmann August Pfeil, Res.-Inf.⸗ Rgt. 116, aus Worms. „..* * Ritter des Eisernen Kreuzes: Leutn. d. R. Sievers, Res.⸗Inf.⸗Regt. 116, g wã Gießen(1. Klasse). Oberjäger Paul Kilian, Kriegsfreiw. im Res.⸗Jägerbat. 24 Gefr. Georg e r. Vizefeldw. und„ im Inf-⸗Regt. 81 Karl Gebhard aus Allendorf(Kr. Kirchhain). Stabsveterinär bei der Res.⸗Fuhrp.⸗Kol. 32 Goldmann, Kgl. Kreistier⸗ arzt in Ziegenhain. Wehrm. Volk aus Offenbach, Res.⸗Inf.⸗Regt. 116. Leutn. Oberpostass. Kling aus Bad⸗ Nauheim, Landst.-Bat. 2 N, 5 ann v. Jon⸗ quières in Runkel. tn. Geibel aus Dutenhoser, Inf. Regt. 136. Bergvorschüler Friedrich Hofmann aus Dillenburg, Gefr. bei der 6. Festungs⸗Telegr.⸗ San. Uffz. Karl Heun aus Niederscheld. Hauptm. d. L. Rhein⸗ wald aus Oppenheim, Landw.⸗Fußart.⸗Regt. 2(1. Klasse). Leutn. Hugo Wasmuth aus Ems, Fußart.⸗Regt. (1. 1 5 Kurt Sturm aus ü 10 f 8⁰ und Uffz. Leo Gleim, Res.⸗Inf.⸗Regt. 88(1. Klasse). Topo⸗ graph Friedrich leads el 9 e eee en Generalstabs, zurzei ung N 2. Affe d. R. Wilh. Engel aus m, Nerf Rege 168. 50 1 Elbrecht aus Lindheim, Art.⸗Regiments⸗ Stab 61. 5 * Das Gant ue 2 Wahn er 75 im Infanterie⸗Regiment iser m): Ol eutn. Rothardt, Regimentskommandeur. Leutn. d. R. Gabke. Leutn. d. R. Rohde. e Dr. Zang, 2. Komp. Unter⸗ ägerbat. 11. arzt Dr. Goldmann, 3. m. Witting, 2., Gießen. Off. Stellv. Spoer ießen. Off. Uffz. 2 L., Frankfurt a. M. Uffz. 520 1 Laux, 5., Rottenburg. Lollar. tz d. N. Audi 5. Werdohl. San.-Uffz Häusler, 8, 0 Gen f Dick, 12. Essenheim. San.⸗Uffz Schäfer, M.⸗G., Mü, Gefr. d. L Cha- gel. 4, Srwerberß 7. Rüddin, Musk. Sg Schlee wenzer, vorjährige Etat auch für das laufende Jahr genehmigt würde. 1 1—. ch Musk. ttag führte die hielten f wärtig verwundet in ülle r. 4 f 0 erreitsmedaille erhielten: . e— furt a. M. Leutn. d. R. Schäfer, J.— * Fliegerdank. Von der Inspektion der Flieger— geht uns mit der Bitte um Veröffentlichung folgen⸗ des Dankschreiben zu:- „Für unsere im Felde stehenden Flieger sind auch aus dem Großherzogtum Hessen viele Liebesgaben an Geld, Woll— sachen, Zigarren, Eßwaren usw. eingegangen. Die Juspektion der Fliegertruppen in Berlin spricht allen Gebern herzlichen Dank aus. Nach Möglichkeit werden die Spenden in erster Linie den in der Fliegertruppe stehenden Hessen zu Gute kommen. Berlin⸗Schöneberg. Inspektion der Fliegertruppen. gez. Roethe, Major.“ Amtliche Personalnachrichten. Die Gro ß⸗ herzogin hat am 3. Februar d. J. den Oberlehrer an dem Gym— nasium Fridericianum zu Laubach Otto Wassem zum Oberlehrer an dem Realgymnasium zu Darmstadt mit Wirkung vom 1. April 1915 ernannt.— In den Ruhestand versetzt wurde am 26. Januar ds. Is. die Lehrerin Mathilde Frank zu Offenbach auf ihr Nach— suchen mit Wirkung vom 1. Februar 1915 an.— Die Groß- berzogin hat am 4. Februar ds. Is. den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen Amtsgerichtsrat Ernst August Hirsch zum Landgerichtsrat am Landgericht der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 21. Februar 1915 und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Groß-Umstadt Amtsgerichtsrat Fritz Scha de zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt J und am 3. Februar d. J. den Forst- assistenten Hermann Koch zu Lorsch zum Oberförster und den Forstassessor Wilhelm Jochem aus Laubach zum Forstassistenten ernannt. Auszeichnung. Dem Feldunterarzt Fritz Salomon aus Gießen, der schon Ritter des Eisernen Kreuzes ist, wurde am 27. Januar vom Großherzog auch das Hessische Sanitäts- kreuz verliehen. Stadttheater. Man schreibt uns aus dem Theater- bureau: Am nächsten Sonntag nachmittag findet bei Volks- preisen die unbedingt letzte Aufführung von Paul Heyses vater⸗ ländischem Schauspiel„Colberg“ statt.— Am Sonntag abend wird Heinrich Stobitzers Lustspiel„Barbaren“ zum ersten Male egeben. Das Stück behandelt Kriegsepisoden aus 1870/71, und bringt gar manches, was zeitgemäß anmutet. Das Werk ist zurzeit überall in den Spielplan aufgenommen und hatte in letzter Zeit auch starken Erfolg in Frankfurt a. M. Da eine Aufführung von „Barbaren“ im Abonnement nicht vorgesehen ist, so gelten bei der Sonntag-Abend⸗Vorstellung Gutscheine. * Vaterländischer Abend. Wir machen nochmals auf das am Sonntag stattfindende, von hiesigen Sängern veranstaltete Wᷣẽ o hltätigkeitsktonzert ausmerksam, und bemerken, daß der Eingang zur Galerie nur von der Goethestraße, zum Saal nur von der Ludwigstraße freigegeben ist. Die vorletzte Probe des Massenchores findet am Samstag in der Aula statk.(Siehe Anzeigenteil.) Fun der Höhle des Löwen. Es ist schon in Friedens⸗ zeiten niemals ohne Reiz gewesen, mündlich oder gedruckt zu ver⸗ nehmen, daß eigentlich nur Paris und London Weltstädte im Sinne des Wortes seien, und daß das. Berlin mangels jeglichen Stils und jeder echten und alten Tradition der Lebens⸗ formen mit ihnen nicht im Entferntesten zu vergleichen sei. Nun, es hat sich gezeigt, daß die militärische Tradition Berlins und Deutschlands mit Pariser und Londoner Stil wenig Federlesens gemacht hat, und daß vor ihrem Gebot das Seine⸗Babel und die Riesenstadt an der Themse ihren Weltstadt⸗Nimbus in einer Art verloren haben, der in Paris ans Tragische, in London ans Gro⸗ teske streift. Harüber plauderte gestern abend im Stadttheater, dessen aufmerksame Leitung auch hier wieder einmal einer For⸗ derung der Stunde entgegen kam, Herr Norbert Jacques, der im Auftrage der„Frankfurter Zeitung“, und, irren wir nicht, unter dem Schutze luxemburgischer Staatsangehörigkeit, Frankreich und Sede im Dezember bereist hat und einige Zeit den Puls der Geschichte an den empfindlichsten Stellen der uns feindlichen Mächte spüren konnte. Es war von einem eigenartigen, teils er⸗ schütternden, teils pikanten Interesse, aus den zwanglosen Schil⸗ derungen des Vortragenden die abgründigen Unterschiede heraus⸗ zulesen, die unser deutsches Wollen, Handeln und Empfinden heute vom Durchschnitts⸗Franzosen und Engländer trennen. Der Red⸗ ner verzichtete durchweg auf psycho⸗analytische Erörterungen oder die Untersuchung elhischer Momente, sondern gab vor allem kleine und kleinste Ae frisch hergusgegriffene Ausschnitte aus seinen Reiseerlebnissen, zuständliche Schilderungen und Stim⸗ mungsbildchen, erlauschte Gespräche und Meinungsäußerungen; eben dies machte seine 8 fesselnd. Aus den bunten Steinen setzte sich mosaikartig ein Gesamtbild zusammen, vor dessen zwingender Anschaulichkeit, was Frankreich angeht, die Empfindung eines mit Grauen gemischten Mitleids zustande kam, und das hinsichtlich Englands von der zwingenden Notwendig⸗ keit von neuem überzeugen konnte, gerade diesem Feind die Ver⸗ nichtung zu bereiten.— Man folgte dem Vortragenden auf schleichendem, mit Verwundeten überladenem Bahnzug nach Lyon, der einst vom Lied der Arbeit dröhnenden, jetzt erstorbenen In⸗ dustriezentrale Frankreichs, begleitete ihn in alte Kirchen, in deren schlecht erhaltenen Räumen Frankreich sich wieder darauf besinnt, die älteste Tochter des Katholizismus zu sein, und wo es für die Niederlage Deutschlands betet, man vernahm von dem Treiben der französischen Regierung in Bordeaux, wo Frankreich vornehmlich vom Restaurant„Zum feinen Kapaun“ aus in Gesellschaft der Pariser Halbwelt und ohne Rücksicht auf die Polizeistunde seinen Kurs erhielt: man hörte aus Gesprächen die Riesengröße der fran⸗ zösischen Verluste, den gänzlichen Stillstand jedes Geschäfts⸗ und Handelslebens, die Möglichkeit, seinen Patriotismus in bar zu erlegen, statt Blutopfer zu bringen,. das dem Deutschen so wesensfremde, selbsthypnotische Phrasengeklingel des Franzosen. das mit der Wirklichkeit viel weniger, als mit vagen, erhofften Vorstellungen rechnet; man sah die toten Straßen und die unheim⸗ liche Dunkelheit von Paris, dessen Nerven nicht mit dem Roten. FRITZ NOV AC Kreuz„degoutiert“ werden dürfen. Aus allem wurbe die fast ge⸗ spenstische Verblendung des unglücklichen Volkes, dessen seelische Verfassung nur mehr an Schatten und Kleinlichkeiten Genügen findet, offenbar.— Der Redner führte die Zuhörerschaft dann nach London. Ist Paris aus der ville de la lumiere eine Stadt der Dunkelheit geworden, so ist London aus der Heimstätte nüchternen, wenn auch mit viel Aeußerlichkeiten arbeitenden Geschäftssinnes⸗ eine Stadt wahnwitziger Erregung und immer neuer Zwangsvor⸗ stellungen geworden. Die alle Begriffe übersteigende, für uns Deutsche lächerlich wirkende Reklame für den Krieg und die Angst vor dem Feind aus der Luft beherrschen die Stunde. Der Londoner hat seine sonst sprichwörtliche Zurückhaltung vollkommen aufgege⸗ ben; sein und seiner Mitbürger Gemütsleben hat sich immer noch nicht darauf einstellen können, daß Deutschland es gewagt hat und wieder wagen kann, Englands Boden zu berühren. Der englische Vetter aber hat Blut gerochen; seine oft bewiesenen Raubtier⸗ instinkte sind erwacht; wessen man sich von ihnen zu versehen hat, lehren unzählige Beispiele; deshalb muß, so schloß der Vortragende, die deutsche Faust die Firma Lord, Busineß und Zufall aus der Geschichte tilgen; denn nur durch diese drei Faktoren ist England zu seiner unerträglichen Weltvormundsrolle gelangt.— Die Zu⸗ hörerschaft, die von Anfang bis Ende des anderthalbstündigen Vor⸗ trags gespannt gelauscht hatte, spendete am Schlusse starken Beifall. ** Ein Porträt. Es wird die zahlreichen Freunde des Rechtsanwalts Kaufmann interessieren, daß im Schau⸗ fenster der Kunsthandlung Hirtz, Seltersweg, ein Porträt des Gefallenen ausgestellt ist. Es ist gemalt von dem auch hier wohl— bekannten Stuttgarter Künstler Otto Jung. N* Aufnahme der Getreide- und Mehlvor⸗ räte. Der Oberbürgermeister weist heute in einer Bekannt⸗ machung darauf hin, daß diejenigen Anzeigepflichtigen in der Stadt Gießen, welche keine Vordrucke erhalten haben, dies umgehend im Stadthaus, Gartenstraße 2, Erd— geschoß, Zimmer Nr. 8, anzeigen müssen. ** Mehlaufnahme. Unsere Schutzleute sind seit dem Montag treppauf treppab unterwegs, um die Mehlvor⸗ räte in den Haushaltungen festzustellen. Es ist dies keine kleine Arbeit, denn wir haben in Gießen zwischen 5500 und 6000 Haushaltungen, die für die Aufnahme in Betracht kommen. Es wird uns versichert, daß sehr selten in einer Haushaltung mehr als 2 Zentner Mehl vorhanden sind. Verschiedene kluge Hausfrauen sollen denjenigen Teil des Mehlsegens, der über die zulässigen 2 Zentner in ihrem Besitz war, ihrem Bäcker noch rechtzeitig vor der Aufnahme überlassen haben, der so freundlich war, den Vorrat billig zu erwerben. * Die Eisernte hat am Freitag voriger Woche begonnen. Das Eis ist in stehenden Gewässern ca. 20 bis 25 Zentimeter stark und sehr fest. Bezahlt wird dafür in diesem Jahre 9—10 Pfg. für den Zentner. Es Pagen bisher 10001200 Zentner Eis über die städtische Wage an der Neustadt. Kreis Lauterbach. O Se 3. Jebr. Dem Unteroffizier Lehrer August Döll aus Lanzenhain wurde das Eiserne Kreuz gerliehen. Döll ist schwer verwundet. ö Hessen⸗Nassau. — Oberbürgermeister a. D. Exzellenz Dr. Adickes 5. h. Frankfurt a. M., 4. Febr. Der Schöpfer des neu⸗ zeitlichen Frankfurt, Oberbürgermeister a. D. Franz Adickes, ist vorgestern nacht nach schwerer Krankheit im 68. Lebens⸗ jahre verschieden. Mit Adickes erlosch ein bedeutendes Menschenleben, dessen Wirken noch durch lange Jahrzehnte in der Main⸗ metropole nicht nur, sondern auch weithin im Lande als ein reichgesegnetes nachklingen wird. In 22 Jahren seiner bürgermeisterlichen Tätigkeit gestaltete Adickes die Stadt Frankfurt mit überragendem Weitblick für die Zutunft zu einer Weltstadt, einem modernen Gemeinwesen im besten Sinne des Wortes um. Als er seine Wirksamkeit begann, waren für ihn die Zeitumstände zur Durchführung seiner Pläne besonders günstig. Miquels Sparpolitik hatte die städtischen Kassen bis zum Rande gefüllt. Unterstützt von einer opferwilligen Bürgerschaft begann Adickes eine durch— eifende Wohnungsreform in den Altstadtdurch⸗ rüchen. Dann schuf er den mustergültigen Bebauungs- plan, die prunkenden Anlagenxringe, die stolzen Straßen- züge. Er baute die Bildungsanstalten zu Musterinstituten aus, verschaffte der Stadt neue Industrien; er setzte den Bau des Osthafens durch, baute die vielbefehdete und heute so unentbehrliche Festhalle. Aus der von ihm gegrün⸗ deten Akademie ließ er die stolze Krönung seines Lebens- werkes, die Universität, hervorwachsen. Und selbst als er vor drei Jahren zurücktrat, war er bis vor Tagen noch unermüdlich für„seine“ Universität tätig. Dankbare Bürger⸗ liebe ernannte ihn, den„Vater von Großfrankfurt“, um Ehrenbürger der Stadt.— Auch politisch trat der Verstorbene hervor; im preußischen Herrenhause betätigte er sich in der Verwaltungs- und Justizgesetzgebung in her⸗ vorragender Weise. Die„Lex Adickes“, das Gesetz zur Er⸗ leichterung von Stadterweiterungen, hält den Namen ihres Schöpfers dauernd im Gedächtnis der Nachwelt fest. Der Magistrat beschloß in einer gestern abgehaltenen Trauersitzung, die Beisetzung des Verstorbenen auf Kosten der Stadt zu bewirken und bis zum Beisetzungstage das Rathaus halbmast flaggen zu lassen. Die Beisetzung findet Sonntag früh vom Römer aus statt. 4 Letzte Nachrichten. Aus der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion. Berlin, 5. Febr. Die sozialdemokratische Reichs⸗ tagsfraktion hat, wie der„Vorwärts“ schreibt, sich gestern in eingehender Weise mit der Frage des Friedens beschäftigt. Außerdem hat sie sich mit einer Reihe wichtiger sozialpoli⸗ tischer Anregungen befaßt. In allen diesen Fragen wurde eine erfreuliche Uebereinstimmung erzielt. In den Fral⸗ tionsvorstand ist an Stelle des ausgeschiedenen Genossen Lede⸗ bour Genosse Hoch gewählt worden. Als Etatsredner wurden die Genossen Haase und Scheidemann bestimmt. Im An⸗ schluß an die im„Vorwärts“ veröffentlichte Erklärung des Abg. Liebknechts faßte die Fraktion folgenden Beschluß: „Die Fraktion weist die Behauptung, daß die Bewilligung der Kriegskredite den Interessen des Proletariats, dem Parteipro⸗ gramm und den Beschlüssen internationaler Konferenzen wider⸗ spricht, mit aller Entschiedenheit zurück. Was die Verbreitung irre⸗ führender Mitteilungen an das Ausland durch Liebknecht betrifft, so ist mehr als genug festgestellt worden, um den Beschluß der Frak⸗ tion zu rechtfertigen.“ Weiter hat die Fraktion folgenden Beschluß gefaßt;„Die Fraktion erklärt den von Liebknecht gegen die Ge⸗ schäftsführung des Vorstandes erhobenen Vorwurf der Verschlep pungs⸗ und Vertuschungspolitik als jeder tatsächlichen Grundlage entbehrend und verurteilt sein Vorgehen auf das schärfste.“ Patriotische Ansprache eines sozialdemokrat. Abgeordneten. Berlin, 5. Febr. Am Schluß der gestrigen Sitzung der badischen Kammer hielt der Vizepräsident Geiß, ein Sozialdemokrat, eine patriotische Ansprache. Er gab, wie der„Vossischen Zeitung“ gemeldet wird, der Hoffnung Ausdruck, daß die Arbeit, die draußen im Felde und hier im Hause geleistet werde, der deutschen Bürgerschaft einen ehrlichen Frieden sichern werde. Sodann brachte Geiß ein dreifaches Hoch auf den Großherzog und das Vaterland aus, worauf die Tagung ge⸗ schlossen wurde. Englands Schmerz über die deutsche Blockadeankündigung. Haag, 5. Febr. An welch empfindlicher Stelle England durch die deutsche Ankündigung auf das Vorgehen gegen englische Trup⸗ pentransporte und gegen verdächtige Dampfer getroffen wurde, ist aus den fortgesetzten Wutausbrüchen der englischen Presse zu entnehmen. Wie aus einem Privattelegramm des„Nieuwe Rot⸗ terdamsche Courant“ aus London hervorgeht, scheint England aus der Ankündigung insofern Kapital schlagen zu wollen, als sie in Amerika eine Entrüstung gegen Deutschland zu entfachen ver⸗ suchen.„Daily Mail“ läßt sich z. B. aus Philadelphia drahten, daß der dortige„Public Ledger“ sich über die deutsche An⸗ kündigung des Unterseebootkrieges folgendermaßen ausläßt: Wünscht Deutschland noch mehr Feinde zu haben? Die Regierung in Berlin scheint tatsächlich die ernstesten internationalen Ver⸗ wicklungen durch den Unterseebootangriff auf Handelsschiffe ris⸗ kieren zu wollen. Was wird die amerikanische Regierung dazu sagen, wenn amerikanische Schiffe und Bürger dieser Gefahr aus⸗ gesetzt werden und in ihr umkommen? Der Leiter einer großen holländischen Schiffahrtsgesellschaft, mit dem unser Sonderbericht⸗ erstatter heute sich über die Frage unterhielt, nahm die Sache zwar auch sehr ernst auf, wies aber auf den Umstand hin, daß in der deutschen Note von einer Gefahr für Handelsschiffe nur dann die Rede sei, wenn sich diese in den Gewässern der nord⸗ und westfranzösischen Häfen aufhielten. Unverdächtige neutrale Schiffe kämen aber kaum in diese Gewässer und für die Lebensmittelzu⸗ fuhren müßten die neutralen Schiffe eben Bordeaux oder süd⸗ französische Häfen wählen. Das Unterseeboot in der Irischen See. Amsterdam, 5. Febr. In Londoner Marinekreisen herrscht die Ansicht, daß das deutsche Unterseeboot die Irische See ver⸗ lassen habe und daß der Verkehr in dem Irischen Kanal wieder ungestört sei. Gerüchte, wonach das deutsche Unterseeboot von einem dänischen Dampfer mit Oel versehen wor⸗ den sei, können natürlich nicht amtlich bestätigt werden. Der „Globe“ behauptet, es könne keinem Zweifel unterliegen, daß die Unterseeboote häufig von Schiffen Oel erhalten, die unter neu⸗ traler Flagge fahren. Das Blatt verlangt deshalb, daß alle Schiffe, deren Ladung Oel enthalten, einer strengen Kontrolle unterstellt werden, wenn sie durch Gewässer fahren, in denen sich Untersee⸗ boote aufhalten, und wenn nötig, gezwungen werden, eine andere Route zu wählen. Wahrscheinlich wird im Unterhaus ein Antrag nach einem Aus fuhrverbot für Oel gestellt werden. Stiftung eines Kriegskreuzes für französische Soldaten. Paris, 5. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kammer hat gestern ein Gesetz angenommen, durch welches eine Aus- zeichnung für Soldaten, das Kriegskreuz, ein⸗ geführt wird. Das Kriegskreuz wird Offizieren und Mannschaften verliehen, die seit Kriegsausbruch in dem Tagesbefehl des Heeres namentlich aufgeführt sind.— Wäh⸗ rend der Sitzung warf eine Frau, die sich auf der Zuschauer⸗ tribüne befand, Papierblätter in den Sitzungssaal. Die Frau, die anscheinend geisteskrank ist, wurde verhaftet. Beim Ver⸗ hör machte sie in gebrochenem Französisch verworrene An⸗ gaben und behauptete, eine Russin zu sein. Bis die Perso⸗ nalien festgestellt sind, wurde sie in Polizeigewahrsam ge— nommen. Amtlicher Wetterbericht. 5 Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 6. Jebruar 1915: Wolkig, trocken, südöstliche Winde, etwas kälter. Ausstattungsgeschäft und Wäsche- Fabrik. Es empfiehlt sich, den Bedarf aueh für später zu decken, da die Preise der meisten Artikel äumungs-Ausverkauf In allen Abteilungen sind grosse Posten zu extra billigen Preisen ausgelegt. ber 30 Prozent teurer werden 11818 Achtungg Achtung! me morgen Samstag wieder mit einer großen — 22 billigem Gemüse W auf den Markt. 7 ohl Stück 30 Pfg., Spinat 2 Pfund 35 Pfg., Blans get 2 fund 22 Pia. Nofentobt 2 Mind 28 Pfg. Jeld⸗Sglat 2 Teller 15 Pfg., Schwarzwurzel Pfund 25 Pf., eißkraut, rote Fr. Huhn. auch, Sellexie, Wirsing, Rotkraut, N Abe, Jetwite edel Mö 1 e- Möhren usw. Feldpostschachteln fabrizieren und halten in gangbaren Größen am Lager Christ& Herr, Gießen Grapbische Kunstanstalt, Stein⸗ und Buchdruckerei Jernsprecher 500. 114 2220 Walltorstraße 77. Jede Plattanstalt brancht eine Patentplättmeschine von der rorrtor Wüscherel-Haschinenfabrik Rumsch à Hammer 7500 St. Im Betriebe. Lebende Lahnhechte, Backfische bei M. Simon, Walltorstr. 48 Komme Samstag auf den Porst I. 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Ordentliche Haupt-Versammlung Samstag, den 13. Februar 1915, abends 9 Uhr, im Saale des Gewerkschaftshauses(Schanzenstraßes Tagesordnung: 1. Geschäfts⸗ und Kassenbericht. 2. Festsetzung der Sterbeunterstützung. 3. Neuwahl des Vorstandes und Aufsichtsrates. 4. Verschiedenes. Zu zablreichem Besuche ladet ein 11690 Der Vorstand. Obst⸗ und Gartenbauverein Gießen Zusammenkunft (Ortsgruppe des Oberhessischen Obstbauvereins) Samstag, den 6. Februar Samstag. den 6. Februar 1915, abends 8½ Ubr: Vereinslokal Kobler. 11820 vereinsversammlung im Hotel Schütz Fur ngeang . nach Dutenhofen. cieinaärten, be Nena Laer e Unsere Mitglieder lade ich hierzu freundlichst ein und 2 richte weiter an alle Gaxtenliebbaber und namentlich an alle Hausfrauen die dringende Bitte, zu dieser Ver⸗ sammlung recht zablreich erscheinen zu wollen.. Die vorliegenden Fragen find von großer Bebe Oir.: Hermann Steingoetter. Teibidimer, Anieid mer, Aanssebuger Nuloudrmer, Ctrenschlger, Gesals Cgfitiers. Antergiel- Pesge ca. 125 em lang, wasserdichter Bezug, gefüttert mit Hamster, eee 07010 teten eeectl ii iciciö tötete tet munnmnunmunmnmnnmmnrn Schmaschen, Katze od. Bisam, bequem ür unf 3 ährung. a 5 unter dem Uniform-Mantel zu. 10 d.— bis 123.— 1 eee Win Ifir 1 5 3 sind e 157. ver- Simon, Stadtverordneter. 1 2 e ehen und wegen ihrer vielen praktischen Eigenschaften sehr beliebt Nader fandischer hend Uflageverbeperein ewöbnl. Preisesermäßigt 5 15„ J.)] Neuheit: Neuheit 8 ee Grüne Ostern 0 3 Unsere Mitglieder u. deren f n eldgraue Uniformen ferlig und nacs Nass, AMellpræue Jahn, Sen tas. af mentgellie Brrctung 6 Nililurmdrlel. Malsbinden. Gübel. elne. Purlepees Aula ane dene der ener, cache endes Gewerbeordnung, Steuer⸗ nen angelegenbeiten. Sub- Volks-Preisel Volks-Preise! 2 missionswesen sowie bei An⸗ 2 besellschaft, wa v. dort Kied Colbherg. f gaben usw. durch Mitglie istorisches auspiel in S rluelsberger⸗ H. 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