1* r Nr. 20 Der Siechener erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche Zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäfts stelleö 1 Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt England will unter fremder Flagge segeln! n S Gießen 10. Jahrgang General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag de Brühl'schen Uni Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7 5 9 Abhole- u. Zweigstellen monatl. 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. * Donnerstag, 4. Februar 1915 Bezugsvreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Gute Fortschritte in Polen! (TB Großes Hauptquartier, 3. Februar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Französi⸗ sche Angriffe gegen unsere Stellungen bei Perthes wurden abgewiesen. Auf der übrigen Front fanden nur Artillerie— kämpfe statt. Oestlicher Kriegsschauplatz. Von der ostpreu⸗ ßischen Grenze nichts Neues. In Polen nördlich der Weichsel haben die Kavallerie— kämpfe mit dem Zurückwerfen der Russen geendet. Südlich der Weichsel führte unser Angriff öst⸗ lich Bolimow zur Eroberung des Dorfes Hum in; um Wola⸗Szydlawiecka wird noch gekämpft. Seit dem 1. Febr. sind hier über 4000 Gefangene gemacht und 6 Maschinengewehre erbeutet worden. Russische Nachtangriffe gegen unsere Stellungen an der Bzura wur⸗ den abgewiesen. Oberste Heeresleitung. *** Der seinem Inhalte nach nachfolgend wiedergegebene Geheimerlaß der britischen Admiralität, wonach die eng⸗ lischen Handelsschiffe wegen der Unterseebootsgefahren me u⸗ trale Flaggen führen sollen, ist eine nette Ueber⸗ raschung! Die Meldung darüber stammt zwar nicht aus deutscher amtlicher Quelle, aber da das Wolff-Bureau, das unter amtlicher Aufsicht steht, sie mit dem Bemerken wieder— ibt, sie entspringe einer sicheren Nachricht, dürfen wir aum einen Zweifel hegen. Wir sind gespannt darauf, was man in London auf die deutsche Feststellung erwidern wird. Da es sich um einen Geheimerlaß handelt, wird man viel- leicht alle Auskunft ablehnen, die zu verlangen alle neu⸗ tralen Mächte sicherlich berechtigt sind. Der britische Leu fühlt sich in seiner Haut nicht mehr sicher. Welche neutrale Flagge empfiehlt er seinen Handels⸗ schiffen nun wohl in erster Linie? Die Streitfragen mit Amerika sind noch nicht dn aus der Welt geschafft, und die Beschlüsse, die von den drei nordischen Königen zur vollen Aufrechterhaltung der Neutralität ihrer Länder gefaßt wor⸗ den sind, kennt er nicht; er muß demnach do wohl auf energischen Widerspruch gefaßt sein. Angst und Not gebären oft unerlaubte Schritte, aber die wunderlichste Handlungs⸗ weise in dieser Lage hat doch nun Groß⸗Britannien, die„Be⸗ herrscherin der Meere“, an den Tag gelegt! Man wird, vorausgesetzt, daß der Erlaß ehrlich bestätigt werden sollte, in London sich vielleicht darauf berufen, daß die Deutschen, die so rücksichtslos auf„friedliche“ Handelsschiffe Jagd machten, zuer st die Menschenrechte verletzt hätten und daß England mit seinem neuen Geheimerlasse nur einem Zwange gehorche, um das deutsche Vorgehen unwirksam zu machen. Darauf würde aber selbstverständlich erwidert werden müssen, daß Deutschland und England ihren Krieg und alle ihre sonstigen Händel allein miteinander abmachen müssen. Der Krieg bringt in erster Linie Machtfragen, und erst in zweiter Linie Rechtsfragen zur Entscheidung. Die Machtprobe ist bis jetzt für England kläglich ausgefallen. Die größte und zahlenmäßig stärkste Seemacht, die zu allem Ueberfluß noch der französischen und russischen Unterstützung sich erfreut, kann, wie jener elegisch gestimmte Inselbewoh— ner in der„Braut von Messina“ spricht,„seine Kinder nicht schützen“, und macht aus dem Krieg eine feige Maskerade. Weitere Meldungen berichten heute, daß künftig britische Handelsschiffe von Kriegsschiffen begleitet und bewacht wer⸗ den sollen; es ist möglich, daß die englischen Seelords durch einen solchen Erlaß, der weniger geheimgehalten zu werden braucht, das Dekorum zu retten gedenken, denn so allein hätte man sich die würdige Haltung einer großen Kriegs⸗ macht zu denken. Es geht aber nicht ohne Betrug England braucht, wie es aus seiner Presse hat herausklingen lassen, seine Kriegsschiffe für strategische Pläne und will sich, so sagte man, durch das Vorgehen der deutschen Unterseeboote von dieser Haltung nicht abbringen lassen. Das Gros der Handelsflotte wird also, dabei bleibt es, unter neutraler Flagge segeln. 2 Wir freuen uns darüber, daß unsere amtlichen Stellen auch bei dieser Gelegenheit die notwendige Entschiedenheit gezeigt und gründlich auf den Busch geklopft haben, unter der die englische Tücke sich verbirgt! Wenn die neutralen Mächte über Schädigungen ihres Handels durch deutsche Unterseeboote sich in der Zukunft beschweren sollten, ohne vorher die Wahrheit über den britischen Geheimerlaß gefor— dert zu haben, so würden sie unrecht tun. England hat sich ihnen gegenüber klipp und klar zu äußern, und die Neu- tralen dürfen den Mißbrauch ihrer Flagge unter keinen Umständen und auch nicht im geringsten Umfange dulden. Es ist möglich, daß der Geheimerlaß ebenfalls unter falscher Deckung herausgegeben worden ist. Die deutsche Marine⸗ leitung kann gar nichts anderes tun, als auf das schärfste Wacht halten zu lassen. Alle verdächtigen Schiffe müssen an⸗ gehalten werden. Und findet sich wirklich ein englisches Han⸗ delsschiff, das sich mit fremder Flagge geschmückt hat, so kann die deutsche Kriegsführung nicht 240 leiseste Tadel treffen, wenn sie die äußersten Kriegsmittel gebraucht. England ist es, das in Wahrheit den Handel auf den' Meeren gefährdet. Es beharrt Amerika gegenüber auf seinem „Rechte“ und verschont die wahrheitsgemäße neutrale Flag⸗ 71 nicht mit Belästigungen. Es hat die Beschränlung es Handels als ein ganz besonderes Mittel der Krieg⸗ führung in Anspruch genommen und gründet es auf die Macht, die es dur See besitze. Daraus ergeben sich Folge⸗ *. rungen, die nicht willkürlich abgeschnitten werden können. Deutschland gebraucht seine Seestreitkräfte, und wenn es dem feindlichen Insellande in seinen Gewässern deshalb ungemütlich zu werden anfängt, so muß ihm bedeutet wer⸗ den, daß es allein die Folgen seines Vorgehens zu tragen hat und ihm nicht erlaubt ist, einen so ungeheuer⸗ lichen Bruch der völkerrechtlichen Gepflogenheiten zu voll— ziehen, wie er in der Hissung fremder Flaggen auf seinen Handelsschiffen erblickt werden müßte. Es ist kein Zweifel: die englischen und französischen Küsten werden fortan zu heißen Kampfplätzen werden! * 4* Ein Geheimbefehl der englischen Admiralität. Berlin, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Aus sicherer Quelle wird folgender geheimzuhaltender Befehldereng⸗ lischen Admiralität bekannt: Wegen des Auftretens deutscher Unterseeboote im englischen und dem Iri— schen Kanal sollen sofort alle englischen Handels⸗ schiffeneutrale Flaggen hissen und alle Abzeichen wie Reedereizeichen, Namen usw. verdecken. Hausflaggen sind nicht zu führen. Dieser Befehl ist geheim zu halten. Berlin, 4. Febr. Zu dem Geheimerlaß der engli⸗ schen Admiralität äußern die Morgenblätter übereinstim⸗ mend, daß hier ein Mißbrauch der neutralen Flagge in Frage komme. Im„Berliner Tageblatt“ heißt es: Es macht einen sehr eigenartigen Eindruck, daß die Engländer, die in ihrem Natio⸗ nallied„stolz über die Wogen ihre Bahn ziehen“, jetzt die nationale Flagge ängstlich zu verstecken suchen. Englands Handelsschiffahrt käuscht, wenn es nach dem Geheimerlaß 5e eine falsche Flagge vor. Man wird schwerlich behaupten können, daß sich in dieser Maß⸗ nahme ein besonderes Zutrauen in die englische Herrschaft auf dem Weltmeere ausdrückt. Wenn abe auch über Kriegslisten nicht zu streiten ist, so kompliziert sich die Lage für die Neutralen in höchst bedenklicher Weise. Wir hoffen, daß den Neutralen die neueste englische Taktik doch etwas zu stark sein wird und daß sie sich des⸗ halb derartige Willkürakte, die sie selbst auf das höchste gefährden, ernstlich verbitten werden. Die„Vossische Zeitung“ schreibt: Dieser Geheimerlaß ist ein Zeichen der Schwäche, das vor wenigen Wochen kein Eng⸗ länder seiner Admiralität zugetraut hätte. Die neutralen Mächte werden sich die durch die Befolgung des Erlasses der englischen Ad⸗ miralität entstehende Gefährdung ihrer eigenen Schiffe kaum ge⸗ fallen lassen können. Die„Rundschau“ schreibt: Unsere U-Boote werden sich durch Englands Flucht unter die neutrale Flagge nicht davon ab⸗ halten lassen, ihre Pflicht zu tun. Daß aber England zu einem so schmutzigen Mittel gegen seine neutralen Geschäftsfreunde glaubt greifen zu müssen, das ist der sicherste Beweis dafür, daß es das Messer am Halse fühlt. England verkriecht sich, sagt die„Pio st“. Die„Kreuzzeitung“ aber äußert: Die englische Flagge verschwindet von dem Meere, und das ist der erste Erfolg der Auf⸗ nahme des Unterseebootkrieges. Was ist dieser Befehl anders als das Eingeständnis: Wir vermögen unsere Flagge nicht mehr zu be⸗ schützen. Daneben ist es eine abermalige grobe Verletzung des Völker rechts und ernster Interessen der Neutralen. Die deutschen Unter⸗ seeboote werden ihre Torpedos auch gegen neutrale Schiffe richten müssen, wenn die neutralen Mächte nicht dafür sorgen, daß der von der englischen Admiralität angeordnete Mißbrauch ihrer Flagge unterbleibt. Jedenfalls ist es freudig zu begrüßen, daß der Geheim⸗ befehl nicht geheim geblieben ist, sondern in Berlin sehr schnell bekannt geworden und nun aller Welt mitgeteilt worden ist. Der Berliner„Lok.⸗Anz.“ schreibt: Wenn es je einen Miß⸗ brauch der neutralen Flagge gegeben hat, der unter keinen Um⸗ ständen geduldet werden darf, dann liegt er hier vor. Wir sind begierig, zu erfahren, was die neutralen Staaten unternehmen werden, um sich gegen diesen Mißbrauch zu schützen. Eine weitere englische Vorsichtsmaßnahme. Berlin, 4 Febr. Nach dem„Hamburger Fremden blatt“ wird aus Kopenhagen gemeldet, daß die englische Ad⸗ miralität infolge der gemeldeten Tätigkeit deutscher Unter⸗ seeboote an der britischen Küste das Auslaufen von Schiffen ohne genügende Begleitung von Kriegs- schiffen allgemein verboten hat. Berlin, 4. Febr. Wie dem„Berl. Lok.⸗Anz.“ aus Zürich telegraphiert wird, ist auf Anordnung des englischen Seeamts der Hafen von Fleetwood geschlossen worden. Kein Schiff darf aus- oder einfahren. Die gleiche Maßnahme wurde in Barrow und Heysham getroffen. Echt englisch! London, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Shipping Ga⸗ zette“ setzt eine Belohnung von 500 Pfund Sterling aus für die Bemannung desjenigen Schiffes, das zuerst ein deutsches Unterseeboot zum Sinken bringt. Der englische Dampfer„Ikaria“ gesunken. London, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Central News“ erfahren aus Paris, daß der englische Dampfer„Ikaria“, der bei Havre torpediert wurde, im Hafen gesunken ist, daß aber ein Teil der Ladung gerettet wurde. Ein deutsches Luftschiff über Passy. London, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Londoner Blätter berichten, daß am Montag ein deutsches Luftschiff über Passy Bomben abwarf. Der Fall„Dacia“. a London, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Meldung des„Daily Chronicle“ aus New York ist die „Dacia“ gestern von Galveston nach Rotterdam mit einer Ladung Baumwolle im Werte von 175000 Pfund Sterl. abgefahren, die für Bremen bestimmt ist.— Das frühere — deutsche Schiff„Pionier“, welches von der Standard Oil Company angekauft und in das amerikanische Schiffs⸗ register eingetragen worden ist, ist mit einer Ladung Pe⸗ troleum abgefahren. Morgen wird ein anderes ehemals deutsches Schiff,„Moreni“, folgen. Anschlag auf einen euglischen Militärzug. London, 3. Febr.(WTB.) Auf der Greatwestern Bahn in der Nähe von Avon mouth wurde gestern der Versuch gemacht, einen Eisenbahnzug, auf dem Truppen und Munition vermutet wurden, durch Auflegen eines Klippenstückes auf die Schienen zur Entgleisung zu bringen. Durch die Schildwache wurde der Ver⸗ such rechtzeitig entdeckt. . Avonmouth ist ein Hafen am Serein in der Nähe von Bristol in der englischen Grafschaft Sloucester Die Red.) * * Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 3. Februar mittags. In den Ost⸗Bes⸗ kiden wurden neue sehr heftige Angriffe, die auch nachts andauerten, wieder unter schweren Verluften der Russen zurückgeschlagen.— Die Kämpfe im mittleren Waldgebirge nehmen einen günstigen Verlauf. Die verbündeten Truppen die gestern vom Feinde hart⸗ näckig verteidigte Höhenstellungen eroberten, machten 10 5 Gefangene und erbeuteten mehrere Maschinen⸗ gewehre. 7 In Polen und Westgalizien ist die Situation unverändert; es herrschte größtenteils Ruhe. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: ö fer, Feldmarschalleutnant. Die Kämpfe im Kaukasus. Petersburg, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der General- stab der Kaukasusarmee teilt in seinem amtlichen Be vom 1. Februar mit: An der Front der Armee hat kein be⸗ merkenswerter Kampf stattgefunden. Die Sühne für den Mord am Erzherzogspaar Franz Ferdinand. Sarajewo, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Heute früh wurden im Hofe des Festungsgefängnisses Veljko Cubri⸗ lovic, Misko Jovanovic und Danilo Ilic, die im Hochverratsprozeß zum Tode verurteilt worden wa⸗ ren, hingerichtet. Die Hinrichtung vollzog sich ohne Zwischenfall. Die gleichfalls zum Tode verurteilten Jakov Milowic und Nedjo Kerovic wurden begnadigt. Die Todesstrafe wurde in lebenslänglichen bezw. 20 jährigen schweren Kerker umgewandelt. Nei der Mörder des Erzherzogs, der wegen seines jugendlichen Alters nicht zum Tode verurteilt werden konnte, erhielt eine 20 jährige Kerkerstreo fe Der amtliche französische Bericht. Paris, 3. Febr.(W. B. Nichtamtlich.) Amtlicher Be⸗ richt von gestern nachmittag 3 Uhr: Der 1. Februar war durch die Verdoppelung der Heftigkeit der Artilleriekämpfe auf beiden Seiten und durch eine Reihe deutscher Angriffe, die übrigens von untergeordneter Bedeutung waren, gekennzeichnet. Alle diese Angriffe wurden mit im Verhältnis von den Deutschen eingesetzten Mannschaftsbeständen unter schweren Verlusten für die Deutschen zurückgeschlagen. In Belgien entwickelte die deutsche schwere Artillerie besondere Tätigkeit längs der Front der belgischen Truppen, namentlich gegen verschiedene Stütz⸗ punkte, deren sich diese seit einiger Zeit im Yeergebiet bemächtigt haben. Um Ypern fanden stellenweise sehr heftige Kanonaden statt. Zwischen Lys und Somme griffen Teile eines deutschen Regiments den englischen Posten bei Cunnocy an und warfen ihn zuerst zurück, doch besetzten nach einer Reihe von Gegenangriffen die Engländer das verlorene Gelände wieder, rückten dann weiter vor und bemächtigten sich feindlicher Schützengräben. Die im gestrigen Abendbericht gemeldete Aktion, welche sich längs der Straße Bethune— La Bassée abwickelte, war für unsere Infanterie besonders glänzend. Die deutschen Mannschaftsbestände betrugen anscheinend mindestens ein Bataillon. Die beiden ersten Angriffe zerschellten in unserem Feuer, bei dem dritten gelang es ihnen, in einen unserer Schützengräben einzudringen. Ein sofortiger Bajonettangriff gestattete uns aber, den Feind zurückzuwerfen. Nur einige Deutsche konnten ihre Schützengräben wieder erreichen, alle anderen wurden gefangen oder getötet. Zwischen der S om me und Oise, längs der Front an der Aisne kein bedeutendes Er⸗ eignis außer einem deutschen Angriff gegen Beaumont Hamel, welcher nicht erwidert wurde. Unsere schwere Artillerie beschoß den Bahnhof von Noyon, wo Verproviantierungsoperationen des Feindes stattfanden, und rief zwei Explosionen hervor, deren Rauch 2% Stunden in der Luft hängen blieb. Im Gebiete von Perthes fahren wir fort, planmäßig vorzurücken. Wir haben das kleine Gehölz nordöstlich des Dorfes wieder besetzt. Im Wosvre versuchte der Feind am Westvorsprung des Waldes von La Bouché, nordöstlich Troyon, einen sofort aufgehaltenen Angriff. Von der Front in Lothringen und den Vogesen ist nichts zu melden. Amtlicher Bericht vom 2. Februar, abends 11 Uhr: Zwi⸗ schen Meer und der Lys versuchte die deutsche Artillerie die unsrige unter Feuer zu nehmen, der Versuch war aber erfolglos. In dem Abschnitt von Arras herrschte während der ganzen Nacht vom 1. auf den 2. Februar Gewehrfeuer, ohne daß ein Infanterieangriff erfolgte. Bei Soissons beschädigten wir Batterien des Feindes und warfen in St. Paul den Angriff einer Abteilung Infanterie zurück. Neue Fortschritte sind zu verzeichnen bei Perthes, Le Hurlus und am Rande des Waldes, dessen Besetzung durch unsere Truppen früher schon ge⸗ meldet worden ist. In den Argonnen bei Bagatelle warfen wir einen deutschen Angriff zurück. Im Elsaß fand eine Nacht⸗ kanonade in Uffholz statt. Gegen Unter⸗Burnhaupt machten wir Fortichritta — 0 Die internationale Agentur für Kriegsgefangene. Genf, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich) Die Internationale Agentur für Kriegsgefangene hat vom 15. Oktober bis 30. Januar an Familien von Gefangenen 104500 Auskünfte ver⸗ mittelt und 26 500 mündliche Anfragen erledigt. Ein Kampf in den Lüften. Berlin, 4. Febr. Der Kapitän eines in Vlissingen eingetroffenen Dampfers erzählt, wie der„Rundschau“ aus dem Haag gemeldet wird, daß er am Sonntag Zeuge eines Kampfes zwischen Flugzeugen über dem Kanal in der Nähe der französischen Küste gewesen sei. In großer Höhe über dem Wasser habe er vier Flugzeuge bemerkt, die m itein⸗ ander kämpften. Der Kampf habe etwa zehn Minuten gedauert, bis sich zwei Flugzeuge in großem Bogen nach der französischen Küste flüchteten. Verluste der britischen Garde. London, 3. Febr(WTB Nichtamtlich.) Wie, Daily Chro⸗ nicle“ erfährt, werden seit den letzten Kämpfen bei La Bassee viereinhalb Kompagnien der britischen Garde vermißt. * 5* Der Handel der Vereinigten Staaten. London, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Einem Be⸗ richte des Daily Telegraph“ zufolge zeigt der Handelsaus⸗ weis der Vereinigten Staaten im Dezember gegen den glei⸗ chen Monat des Vorjahres eine Abnahme der Ein fuhr aus Großbritannien um 13 500 000 Dollar, aus Frankreich um elf Millionen Dollar, aus Deutsch⸗ land zehn Millionen, aus Rußland, Italien und Belgien sse fünf Millionen. Die Ausfuhr stieg in demselben Monat nach Großbritannien um zwanzig, nach Italien um siebzehn, nach Holland um zwei Millionen, fiel dagegen im Vergleich des Vorjahres nach Deutschland um 31, nach Belgien um fünf, nach Oesterreich⸗-Ungarn um drei und nach Rußland um vier Millionen Dollar. Norwegens Neutralität. Köln, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Köln. Ztg.“ bringt unter der Ueberschrift„Norwegische Neutralität“ folgendes Berliner Telegramm: Der frühere norwegische Staatsminister Konnow hielt vor kurzem in einer Stu- dentenversammlung eine Rede über die neutrale Stellung Norwegens und äußerte dabei: Unbeschadet der Neutralität müsse die öffentliche Meinung mehr zu Wort kommen als bisher und zu Tatsachen, wie das Schicksal Belgiens und auch zu den belgischen und französischen Angriffen und ldigungen gegen Deutschland entschiedenere Stellung nehmen. Das Verhältnis Norwegens zu Deutschland sei zwar in diesem Kriege stets freundlich gewesen, die Sympathien der Norweger seien aber überwiegend auf seiten der Entente, wie das bei den alten Handels- und Kulturbeziehungen Norwegens zu den Westmächten nicht anders zu exwarten sei. Englands Sieg gelte als selbstver⸗ ständlich. Die Oeffentlichkeit billige zwar die Politik des skandina⸗ vischen Zusammenhaltens, müsse aber nähere Aufschlüsse über die von Norwegen mit den anderen skandinavischen Regierungen betrof⸗ fenen Vereinbarungen verlangen, da bei der Verschiedenheit der auswärtigen Interessen der Fall doch möglich sei, daß die nor⸗ wegische und schwedische Politik in Gegensatz geraten. Die Kritik, die Staatsminister Konnow an der Verab⸗ redung der skandinavischen Staaten hielt, berührt uns nicht. Wir glauben nicht, daß sie in Norwegen selbst viel Boden izndet. Dagegen können wir nicht vorbeigehen an den Wor- ten, in denen der frühere Staatsminister seinen Landsleuten Parteinahme für Belgien und England anzuraten scheint. Sollte dies die Absicht des Ministers gewesen sein, so wür⸗ den wir eine solche öffentliche Aufforderung zu Sympathie⸗ kundg für unsere Gegner mit der Neutralität Nor⸗ 2 schwer in Einklang bringen können. Wir verlangen nicht, daß irgend jemand seine Gefühle zu unseren Gunsten kommandiere, was wir aber von den Neutralen erwarten können, ist eine besondere Zurückhaltung und die Vermei⸗ dung einer Parteinahme in Fragen, die nicht spruchreif sind. Wir nehmen an, daß wir für diese Auslegung der Neutrali⸗ tt 9 in Norwegen die übergroße Mehrheit der öffent⸗ lichen 9 auf unserer Seite haben werden, und hoffen uns nicht 81 täuschen, wenn wir voraussetzen, daß die Rede des Staatsministers Konnow in der norwegis Oeffentlichkeit selbst nicht unwidersprochen bleiben wird. Die 9 die Deutschlands Feinde aus den Erklä⸗ rungen des Staatsministers Konnow ziehen könnten, wür⸗ den vielleicht diesen selbst nicht erwünscht sein. England, das die norwegischen Schiffahrtsinteressen so wenig rück- sichtsvoll behandelt, kann durch solche Aeußerungen nur in der Meinung bestärkt werden, daß es sich mit Norwegen noch mehr erlauben darf. Aus dem Reiche. Der Kaiser und die Eisenbahner. Berlin, 1. Febr. Die preußisch⸗hessischen Eisenbahner hatten 300000 Mark Se diese dem Kaiser 27 Geburtstag für Zwecke der Kr iegs⸗ wohltätigkeit zur Verfügung gestellt. Der Kaiser hat daraufhin folgendes Telegramm an den Minister v. Breiten⸗ bach gesandt:„Großes Hauptquartier, den 27. Jan. 1915. Mit* Befriedigung habe ich aus Ihrer Meldung vom 20. d. M. ersehen, welche staunenswerte Opfer⸗ freudigkeit die Beamten und Arbeiter der preußisch⸗ hessischen Eisenbahngemeinschaft und der Reichseisenbahnen durch die Aufbringung von mehreren Millionen Mark zur Linderung der schweren Wunden des Krieges betätigt en. Mit Freuden nehme ich die mir zum Geburtstag für ie Zwecke der.— dargebotene Spende von 300 000 Mark als eine besondere Aufmerksamkeit an und behalte mir die Bestimmung über ihre Verwendung n —— ersuche Sie aber schon jetzt, —— allen beteiligten Eisen⸗ eamten und Arbeitern für ihr vorbildlich op erwilliges Verhalten und zugleich für ihre treue Pflichterfü ng unter schwierigsten Verhältnissen meinen Dank und meine An⸗ erkennung auszusprechen. gez. Wilhelm R.“ Vom badischen Landtage. N Karlsruhe, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Im freien Ausschuß des außerordentlichen Landtages begründete heute 7 minister Dr. Rheinboldt eingehend die einzige Gesetzesvorla der Regierung an den außerordentlichen Landtag: Bewilli⸗ E von 35 Millionen Mark, die zum Ersatz ausfallen⸗ der Einnahmen, vorübergehender Verstärkung der Betriebsmittel und Deckung der Kosten außerordentlicher Kriegshilfsmaßnahmen dienen sollen. Der Minister wies darauf hin, daß, wenn wir, was ja heute noch nicht gesagt werden könne, mit großen finan⸗ Einbußen aus diesem Kriege hervorgehen sollten, wir in Ordnung der Finanzen Badens wieder unverzagt von vorne anfangen würden. Es sei ihm nicht bange, daß das Verlorene wieder eingebracht werden könne, wenn die wirtschaftlichen Kräfte— werden und wenn, wie der Minister zuversichtlich hofft, nach dem Kriege die Opferfreudigkeit anhalte, die heute das ganze Volk beseele, und die sich dann hauptsächlich in unver⸗ drossener Arbeit, in Geduld und Genügsamkeit zu zeigen haben och] sind deshalb in diesem Falle an Wochengeld nur 361 Dr. Frhr. v. Dusch im Auftrage des Großherzogs mit einer Ansprache eröffnet werden. Sozialdemokratie und Regierung. Berlin, 4. Febr. Aus der sozialdemokratischen Reichstags⸗ fraktion teilt der„Vorwärts“ mit, die Fraktion hat sich mit der Frage beschäftigt, wie sich ihre Mitglieder gegenüber Er suchen der Regierung zur Mitwirkung bei politischen oder wirtschaftlichen Aufgaben verhalten sollen. Die Fraktion wiederholte ihren früheren Beschluß, daß keines ihrer Mit⸗ glieder ohne ihre Zustimmung oder wenn sie nicht versammelt ist, ohne die Zustimmung des Vorstandes, die Ausführung von Ersuchen der Regierung übernehmen darf. Sie beauftragt den Vorstand, bei der Genehmigung zurückhaltend zu sein. * Berlin, 3. Febr.(W. B. Amtlich.) Das Offiziers⸗ pensions⸗ und Mannschaftsversorgungs⸗ und das Militärhinterbliebenengesetz finden auf die als Kriegsfreiwillige in den aktiven Militärdienst Eingetre⸗ tenen in gleicher Weise Anwendung, wie auf die anderen Heeres⸗ angehörigen. Die hin und wieder geäußerte Besorgnis, daß die Kriegsfreiwilligen für sich und ihre Angehörigen keine Versor⸗ gungsansprüche hätten, ist daher unbegründet. Straßburg, 3. Febr.(W. B. Nichtamtlich.) Seit gestern tragen die Mannschaften und Offiziere der freiwilligen Feuerwehr Straßburg, zurzeit Garnisonsfeuerwehr, Uni⸗ formen und Gradeabzeichen nach deutschem militärischem Muster und Zuschnitt.„Die früher getragenen Käppis sind bereits seit dem ersten Mobilmachungstage abgeschafft, ebenso auf einen Gou⸗ vernementsbefehl der Gebrauch der Clairons(Fanfarentrompeten nach französischem Muster). Stuttgart, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Nach dem „Staatsanzeiger“ hat Herzog Ülrich von Württem⸗ berg das Eiserne Kreuz erster Klasse erhalten. 5 Deutsche Kolonien. Die deutschen Missionare in Deutsch-Ostafrika. Herrnhuth, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Aus der schottischen Missionsstation Livingstonia am Nordwestufer des Nyassa⸗Sees kommt die erste Meldung über das Er⸗ Die im Bezirksamt in Neu-Langenburg tätigen Herrnhuther Missio⸗ nare, insonderheit der Schulleiter Gemuseus in Rungwe, waren alle wohl. Die am Sstufer des Sees tätige Berliner Mission habe keinen Schaden gelitten. Kein Feind sei über die Grenze ge⸗ kommen. Mehrere jüngere Missionare und Laienbrüder hätten an den Kämpfen teilgenommen. Aus Stadt und Cand. Gießen, 4. Februar 1915. Die Wochenhilfe während des Krieges. Nachdem durch Notgesetz vom 4. August 1914 die Leistungen der Krankenkassen auf die Regelleistungen beschränkt worden waren, ist am 3. Dezember v. J. eine für die Volkserhaltung besonders wichtige Verordnung des Bundesrats in Kraft getreten, die auf dem Gedanken beruht, Wöchnerin nen eine ausreichende Wochenhilfe zu gewähren. Anspruch auf diese Unterstützung haben vor allem Wöch⸗ nerinnen, deren Ehemänner durch die Mobilmachung zum Kriegs⸗ Sanitätsdienst usw. herangezogen worden sind, gleichviel, ob die⸗ chen gefallen oder an Krankheit gestorben, erkrankt, selben inzwis verwundet oder gefangen genommen worden sind und deshalb Kriegsdienste nicht weiter leisten oder ihre Erwerbstätigkeit nicht aufnehmen können. Bedingung ist, daß der Ehemann vor Eintritt in den Kriegsdienst in den vorhergegangenen 12 Monaten oder un⸗ mittelbar vorher mindestens 6 Wochen bei einer reichsgesetzlichen Krankenkasse gegen Krankheit versichert war. Als Wochenhilfe wird gewährt: 1. ein einmaliger Beitrag zu den Kosten der Entbindung in Höhe von 25 Mk.; 2. ein Wochengeld von 1 Mk. täglich(eenschließlich der Sonn- und Feier⸗ tage) auf die Dauer von 8 Wochen, von denen mindestens 6 Wochen in die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen; 3. eine Beihilfe bis zum Betrage von 10 Mk für Hebammendienste und ärztliche Behandlung, falls solche bei Schwangerschaftsbeschwerden erforder⸗ lich werden; 4. für Wöchnerinnen, die ihre Neugeborenen stillen, ein Sitllgeld von 50 Pfg. täglich leinschließlich der Sonn⸗ und Feiertage) bis zum Ablauf der 12. Woche nach der Niederkunft. War die öchnerin im letzten Jahre ihrer Niederkunft min⸗ destens 6 Monate selbst Mitglied einer reichsgesetzlichen Kranken⸗ kasse, so erhält sie, falls ihr nach der Satzung ihrer Kasse ein höheres Wochengeld zusteht, einen entsprechend höheren Betrag. Auch Wöchnerinnen, die bei einer Krankenkasse versichert, deren Ehe⸗ männer aber nicht Friegsteilnehmer sind, erhalten neben dem ihnen nach 195 der Reichs versicherungsordnung zustehenden Wochengeld die sonstigen Leistungen der Kriegswochenhilfe(Ent⸗ bindungskosten, Beihilfe für Hebammendienst, ärztliche Behand⸗ lung bei Schwangerschaftsbeschwerden und Stillgeld). Dasselbe gilt für die bei einer Krankenkasse versicherten Wöchnerinnen, deren Ehemann zwar Kriegsteilnehmer ist, vor seiner Einberufung zum Kriegsdienst aber nicht Mitglied einer reichsgesetz⸗ lichen Krankenkasse war. Die Wochenhilfe wird durch die Krankenkasse ausbezahlt, welcher der Ehemann angehört. Ist die Wöchnerin selbst Mitglied einer reichsgesetzlichen Krankenkasse, so leistet die letztere die Wochenhilse. „Die Vorstände der Krankenkassen können beschließen, statt dem einmaligen Beitrag zu den Kosten der Entbindung und der Beihilfe für Hebammendienste und ärztliche Behandlung freie Behandlung durch Hebammen und Aerzte sowie etwa notwendige Arznei bei Niederkunft oder Schwangerschaftsbeschwerden zu gewähren. Das Reich ersetzt den Krankenkassen die vollen Leistungen in allen Fällen, in denen nur der Ehemann Mitglied der betr. Kasse war, oder noch ist. Falls auch die Wöchnerin gegen Krankheit versichert ist, vergütet das Reich den Krankenkassen alle Leistungen mit Ausnahme des der Wöchnerin satzungsgemüß zustehenden Wochengeldes. Ist nur die Wöchnerin, nicht aber der Ehemann, Mitglied einer Krankenkasse, so hat die Kranken⸗ kasse alle Leistungen aus eignen Mitteln zu gewähren. Die Verordnung über die Kriegs⸗Wochenhilse ist mit dem 3. Dezember 1914 in Kraft getreten. Diejenigen Wöchnerinnen, die vor dem 3. Dezember 1914 entbunden haben, können nur Mose en und Stillgeld und dies auch nur in beschränktem Maße beanspruchen. Ist die Wöchnerin z. B. am 15. November 1914 entbunden worden, so sind bis zum Inkrafttreten der Kriegs⸗ wochenhilfe(3. Dezember 1914) bereits 18 Tage 9 Es * 38 Tage, an Stillgeld 84—18— 66 Tage zu zahlen. Wochengeld ist dann nicht mehr zu zahlen, wenn die Entbindung mehr als 8 Wochen vor dem 3. Dezember 1914 liegt, ebenso würde Still- eld in Wegfall kommen, wenn die Niederkunft mehr als 12 ochen vor dem 3. Dezember 1914 stattgefunden hat. Das Wochengeld ist auch dann weiterzuzahlen, wenn die Wöchnerin innerhalb der Bezugszeit eine Beschäftigung aufnimmt, dagegen erlischt der Anspruch auf Stillgeld, sobald die Wöchnerin das Neugeborene nicht mehr stillt. Die Wochenhilfe muß auch in Fällen der Tode, Fehl⸗ oder Frühgeburt geleistet werden, doch kommt hier selbstverständlich das Stillgeld in Weg⸗ fall. Der Anspruch auf die Leistungen der Wochenhilfe verjährt erst in zwei Jahren. Bei Streitigkeiten zwischen der Wöchnerin und der Kranken- kasse über die Leistungen der Kriegswochenhilfe entscheidet in erster Instanz das Versicherungsamt, in zweiter und letzter Instanz das Oberversicherungsamt. Außer den Krankenkassen, die durch diesen neuen Zweig so⸗ zialer Fürsorge wesentlich belastet werden, bringt das Reich durch die Einführung der Kriegswochenhilfe große finanzielle Opfer, die auf monatlich 2 Millionen Mark geschätzt werden. Es ist aber andererseits auch für die draußen im Felde stehenden Ehemänner eine große Beruhigung, daß ihre Frauen nach der Niederkunft vor äußerer Not geschützt und der bittersten Sorge um 995 4* werde.— Wie bekannt, wird vormittag 9½½ Uhr der außer⸗ morgen Landtag durch den Präsidenten des Staatsministeriums der Neugeborenen enthoben sund. gehen deutscher Missionare in Deutsch-Ostafrika. Auf dem Felde 05. 1 Aus Hessen und den Nachbargebieten. f . Adol!, Notnb, Juf.-Rgt. 106, aus Darmstadt.— Landwehrmann Georg Baumgärtner, Res.⸗Jnf.⸗Rgt. 116, aus Darmstadt.— Louis Herrmann aus Bobenhausen II.— Unter- offizier Albert Eckhardt, Juf.-Agt. 130, aus Fürsurt.— Land- wehrmann Ferd. Krämer, Res.-Inf.-Rgt. 87, aus Weilburg.— Unteroff. Karl Steinbach, Res.-Ins.⸗Agt. 7, aus Löhnberg.— Landwehrm. Heinr. Dokter, 24. Res.⸗Jäger⸗Bat., aus Naun⸗ heim.— Leutnant d. Res. Landesassessor Wilh. Krekel, Jeld⸗Art.⸗ 1 Agt. 27, aus Wiesbaden.— Füsilier Johs. Reinhardt, Fü. ligt. 80, aus Holzhausen v. d. H. Res. Johann dermann, Res.-Inf.⸗Rat. 168, aus Ockstadt.— Landwehrm. Adam Grün e⸗ wald, Res.⸗Ins.⸗Rgt. 116, aus Heimertshausen.— Landwehrm. Friedrich Westerweller, Res.-Ins.⸗Rgt. 116, aus Jauerbach bei Nidda.— Res. Rud. Schwab, Res.-Agt. 116, aus Geiß⸗Nidda. 2 Ritter des Eisernen Kreuzes: Oberstleutn. und Regimentskomm. Schenck aus Weilburg(1. Kl.). Gefr. d. R. Konrad Ga th aus Ahausen, Inf.-Regt. 168, beim Stabe der 50. Res.⸗Inf.⸗Brigade. Gefr. Richard Leuser aus Wetzlar, Res.⸗Inf.⸗Regt. 80(1. Kl.). Rechtsanwalt Dr. Seyd aus Friedberg, Leutn. und Kompagnieführer d. L. I, Res.⸗Inf.⸗Regt. 80, 1. Bat. Feldw.⸗Leutn. Kgl. Förster Otto Koch und Off. Stellv. Lehrer Hermann Koch, Söhne des Hegemeisters a. D. Koch in Frankenberg. Wehrmann Sieg⸗ mund Nußbaum aus Niederklein, Inf.Regt. 167. Uffz. Lehrer August Döll aus Lanzenhain. Leutn. Geibel aus Dutenhofen, Inf.-Regt. 136. Uffz. Schwab, Inf.⸗Regt. 83, früher bei der Unteroffizierschule Wetzlar. Leutn. d. L. im Landw.⸗Inf. Regt. 87 Oberingenieur Friedrich Heicher aus Offenbach. Oberlt. und Kompagnieführer Ernst Efferz aus Biedenkopf, Landst.⸗Bat. Schlettstadt. Res. im Res.⸗Inf.⸗ Regt. 167 Joh. Jost Beimborn aus Herzhausen. Graf Schmising⸗Kerssenbrock aus Wiesbaden, Malteser⸗ Ritter und Delegierter beim Kriegslazarett des 7. A.⸗K. Gefr. Herm. Schult aus Hungen, Landw. Regt. 87. vorschüler Gefr. Friedrich Hofmann aus Dillenburg, 6. e zu Lötzen. Vizewacht⸗ meister Georg Raab, Drag.⸗Regt. 6, aus Beienheim. Vize⸗ wachtmeister Wilh Bausch, Beigeordneter in Nieder⸗Wöll⸗ stadt. Res. Johs. Fink aus Schrecksbach(1. Kl.). * Oberstleutnant von Knobelsdorff, der Kommandeur des Landsturmbataillons Gießen, erhielt am Geburtstage des Kaisers das Eiserne Kreuz 2. Klasse. * Ein Ernährungsmerkblatt ist von der. stelle für Volkswohlfahrt, Berlin W. 50, Augsburger Str. 61, herausgegeben worden, das wertvolle Ratschläge für die Küchen⸗ führung während der Kriegszeit enthält. Das Ernährungsmerk⸗ blatt wird zum Zweck der Verteilung an die Bevölkerung unent⸗ geltlich in größeren Mengen an Behörden, öffentliche Körper⸗ schaften und Anstalten, Geistliche, Aerzte, Lehrer und Lehrerinnen, J Gewerkschaften, Berufsvereine, Genossenschaften, Inhaber land⸗ wirtschaftlicher und gewerblicher Unternehmungen, Frauenvereine, gemeinnützige und religiöse Vereine versandt. Für Einzelbezug wird Beifügung eines Freikouverts erbeten. f 95 Amtliche Personal nachrichten. Die Groß⸗ herzogin hat am 30. Januar ds. Is. dem Pfarrer Gustav Mahr zu Langsdorf die evangelische Pfarrstelle an der Matthäus⸗ gemeinde zu Gießen übertragen.— Der Großherzog hat f am 30. Dezember v. Is. den Bahnwärtern Adam Heilmann zu Hetzbach, Edmund Körbel zu Stockstadt a. M. und Wilh, Löchel zu Göbelnrod, sämtlich in der Hessisch⸗Preußischen Efsen⸗ bahngemeinschaft, aus Anlaß ihrer Versetzung in den Ruhestand das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift„Für treue Dienste“ verliehen.— Die Großherzogin hat am 15— nuar ds. Is. den n in der Hessisch⸗Preußi Eisenbahngemeinschaft Georg Köhler zu Mainz auf sein Nach⸗ suchen vom 1. Februar d. Is. an in den Ruhestand versetzt ihm aus diesem Anlaß das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen.— Am 12. Januar ds. Is. wurde der Lademeister in der Hessisch⸗Preußischen Eisenbahn⸗ gemeinschaft Sebastian Barnewald zu Kranichstein auf sein Nachsuchen vom 1. Februar ds. Is. an in den Ruhestand versetzt. Die Tätigkeit der Gewerbe- und Kauf⸗ mannsgerichte im Großherzogtum Hessen erstreckte sich im Jahre 1913 auf 1701 Fälle von Rechtsstreitigkeiten, die bei den Gewerbegerichten, und 270 Fälle, die bei den Kauf⸗ mannsgerichten anhängig gemacht worden waren. Hiervon waren von ersteren 1590, von letzteren 240 auf Klage von Arbeitnehmern gegen Arbeitgeber geltend gemacht. Die Tätig⸗ keit der Gewerbegerichte als Einigungsämter wurde nur seitens der Arbeiter in 2 Fällen angerufen, während die Kaufmannsgerichte als Einigungsämter überhaupt nicht in Tätigkeit getreten sind. Stadttheater. Nochmals sei auf den heutigen interessanten Vortrag des Herrn Norbert Jacques über Erlebnisse in Feindesland im Dezember 1914 bingewiesen. Der Vortrag beginnt um 8 Uhr, es sind kleine Preise festgesetzt. Vaterländischer Abend. Man könnte meinen, daß in dieser Zeit, in der der Konzertverein. steh in so dan⸗ kenswerter Weise in den Wohlfahrtsdienst gestellt eine weitere Konzertveranstaltung des Guten zu viel ei. Indessen lann zur Anregung des Opfersinnes augenblicklich nicht nug geschehen, damit die Not, die der eg über einzelne Teile unseres Volkes gebracht hat, nach Möglichkeit gemil⸗ dert„ Andererseits unterscheidet sich die für Sonntag, den 7. d. Mts geplante Veranstaltung doch wesentlich von dem, was bisher musikalisch geboten wurde. Sechs hie⸗ sigechesangvereine haben sich unter Franz Bauers rühmlichst bekannter künstlerischer Leitung zu einer hier seltenen und daher umso lieber entgegengenommenen Dar⸗ bietung von Männerchören vereinigt. Das sor ausge⸗ wählte Programm enthält zudem durchweg leicht verständ⸗ liche Musik, der aber eine tiefgehende Wirkung eigen ist. Der Abend ist zur Hälfte dem Gedenken an unsere gefallenen Helden gewidmet. Körners„Gebet vor der 2 Uh⸗ lands„Der gute Kamerad“ und das ahnungsvolle„Morgen⸗ rot, Morgenrot“ von Hauf beherrschen die Stimmung dieses a Teiles. Die hieran anschließende Ansprache des Herrn Geh. Kirchenrats D. Eck wird den Gefühlen für unsere Gefallenen Ausdruck verleihen und zugleich hinüberleiten zum zweiten, allgemein vaterländischen Teil. Die beiden ersten Chöre, das „* von Franz Bauer für vierstimmigen Männerchor gesetzte „O euch hoch in Ger das 3 Vater⸗ landslied von Marschner, schlagen starke vaterländische Töne 1 von oft hinreißendem Rhythmus an. Die altniederländif Volkslieder in der Bearbeitung von Kremser, die den bilden, werden auch diesmal ihre mächtige, erhebende zur Andacht stimmende 1 verfehlen. In dieses reiche Programm werden zwei Vorträge der so schnell be⸗ liebt gewordenen Kriegskapelle des Herrn Musikdirektors Krauße, Beethovens Egmont⸗OQuverture und eine Fan⸗ tasie aus Lohengrin, noch eine besondere Abwechslung brin⸗ gen. Man darf hoffen, daß alle Kreise unserer Mitbür, durch zahlreichen Besuch den Eifer der Sänger und Musiker bel d zugleich eine reiche Spende für unsere ost⸗ . heuer Velber de herben 8 ver Postverrehr mit Kriegsgefangenen. Den Paketen an deutsche Kriegs⸗ und Zivilgefangene im Auslande brauchen keine Zollinhaltserklärungen, weder auf weißem, noch auf grünem Papier, beigegeben zu werden. Die Pakete dürfen leine schriftlichen Mitteilungen enthalten; bei Nichtbeachtung dieser Vorschrift werden die Pakete von der Weiterbeförderung aus⸗ t geschlossen. Die Absender müssen auf der Vorderseite der Paket⸗ karten außer dem Vermerk:„Kriegsgefangenensendung“(oben rechts) noch den Vermerk:„Das Paket enthält keine schriftlichen Mitteilungen“ niederschreiben, und zwar in dem sonst für die Wert⸗ angabe und den Nachnahmebetrag(bei Wertpaketen nur in dem für den Nachnahmebetrag) vorgesehenen Raume. Auf die Not- wendigkeit genauer und deutlicher Aufschriften auf Paketen und Paketkarten wird erneut hingewiesen; die Aufschriften sind stets in lateinischen Buchstaben zu schreiben. Es 10 zu beachten, daß im Sinne dieser Vorschriften als Zivilge⸗ angene allgemein nur die in Gefangenenlagern oder Zivilgefängnissen auf militärische Anordnung hin festgehaltenen, nicht aber die auf freiem Fuße befindlichen Zivil— personen—— können, die nur unter Aussicht gestellt oder ge— wissen Beschränkungen unterworfen sind.— Alle zurzeit für den Postverkehr der deutschen Kriegs- und Zivilgefangenen im Auslande gültigen Vorschriften sind in einer neuen Uebersicht zusammen⸗ gestellt worden, die anstelle der bisher gültigen Uebersicht im Schaltervorraum aller Postanstalten ausgehängt wird. Unentgeltliche Benutzung der deutschen Pa⸗ bentschriften. Bei der Bibliothek der Großh. Zentralstelle für die Gewerbe, Darmstadt, Neckarstraße 3, befindet sich eine Aus⸗ legestelle der vom Kaiserlichen Patentamt in Berlin herausgegebe⸗ nen Patentschriften über die seit dem 1. Juli 1877 erteilten Patente. Die Auslegestelle ist geöffnet werktags von 9— 9/ und 3—6 Uhr(Samstag⸗Nachmittag ausgenommen) und kann von jedermann unentgeltlich benutzt werden. Durch diese Einrichtung soll jedermann Gelegenheit gegeben werden, sich über den Inhalt von Patenten zu unterrichten. Um auch auswärts wohnenden Per⸗ sonen die Einsicht der Patentschriften zu ermöglichen, ist die leih⸗ weise Abgabe einzelner Nummern auf kürzere Zeit gestattet. Die neu erscheinenden Patentschriften werden den Auslegestellen in ein⸗ wöchigen Zwischenräumen überwiesen und dem Publikum alsbald nach ihrem Erscheinen zugänglich gemacht. Auskunft in Fragen des Patentwesens und der Gesetzgebung auf dem Gebiete des ge⸗ werblichen Rechtsschutzes wird in den Dienststunden jederzeit erteilt. Warnung. Die„Allianz⸗Hausmission“ mit dem Sitz in Berlin-Steglitz läßt durch J Mädchen in „Schwesternkleidung“ ein frommes Blättchen„Die Posaune Gottes“ für 10 Pfg. das Stück von Haus zu Haus verkaufen, mit der An⸗ gabe, daß der Erlös zur Aufnahme und Pflege armer Kranker Ver⸗ wendung finden würde. Es wurde aber festgestellt, daß dies nicht der Fall ist und das Unternehmen für die Allgemeinheit nichts leistet, weshalb hiermit davor gewarnt wird, zumal zur jetzigen Zeit die Opferwilligkeit des Publikums erst recht nicht von der artigen Unternehmungen ausgebeutet werden darf. unbekannt an Unbekannt. In Zuschriften an die 1 ist dem Wunsche Ausdruck gegeben worden, es möchten dungen an Feldzugsteilnehmer, die gefallen oder sonst nicht aufzufinden sind, nicht an die Absender 8 sondern an besonders bedürftige Kameraden der Gefallenen ausgehändigt werden. Wie bekannt, ist diesem Wunsche bereits nachgekommen worden. in denen der Absender auf der Sendung ausdrücklich erklärt hat, daß diese zur Verfügung des Truppenteils gestellt werden soll, wenn der Adressat gefallen ist. Dadurch wird erstens dem Verderben der in den Sendungen enthaltenen Lebens- mittel vorgebeugt, und zweitens vielen unserer Krieger, die keine Familienangehörige haben, geholfen. Gerade auf letzteren Umstand könnte weitgehend Rücksicht genommen werden. Die fast ohnegleichen dastehende Entfaltung der Liebestätigkeit hat vielfach zur Folge, daß ein Teil unserer im Felde stehenden Soldaten, die einen großen Familien⸗ anhang haben, mit Gaben überhäuft, die anderen aber, die ganz allein stehenden, leer ausgehen würden, 1 1 nicht der kameradschaftliche Geist unserer Truppen dies bis zu einem gewissen Grade verhinderte. Wir haben nicht nur familienlose Soldaten im Felde, sondern auch familienlose Männer und Frauen jeden Alters in der Heimat, darunter sehr viele Bemittelte. Diese könnten, e von ihrer Beteiligung an Geldsammlungen für Liebeswerke, sich noch hilfreich betätigen, wenn sie selbst Liebesgaben an die Trup⸗ penteile schickten mit der Bestimmung, diese denjenigen auszuhändigen, die von 4 2 nichts zu erwarten haben. Es liegen schon Beispiele der angedeuteten Art vor; den Absendern gingen fast ausnahmslos in herzlichen Worten Dankschreiben von den bis dahin unbekannten Empfängern zu. Erst in den letzten Tagen erhielt eine hiesige Frau, die ein Paket Lie aben zur Aushändigung an einen bedürfti⸗ gen Soldaten gestiftet hatte, eine Karte, in der der Pionier Fra Bytomski von der 1. Landsturm⸗Kompagnie des Schlef Pionierbataillons Nr. 6 seinen Dank wie folgt aus⸗ drückt:„Sehr geehrte Frau S. Auf der Fahrt nach Rußland erhielt ich ein Paket mit Liebesgaben, das von Ihnen gestiftet war und mir als Glücklichen unbekannter⸗ weise ausgehändigt wurde. Der Inhalt darin war, daß ich alles sehr gut verwerten kann. Ich spreche Ihnen hiermit meinen herzlichen Dank aus. Ich stelle auch meinen Mann und werde kämpfen bis zum letzten Atemzuge. Sieger müssen wir bleiben. Der liebe Gott soll Ihnen wieder alles er— gänzen. Das war meine erste Liebesgabe seit dem 5. August; sie hat mich sehr erfreut. Es grüßt herz⸗ lich unbekannterweise mit Hochachtung Fr. Bytomski.“ Kreis Alsfeld. 0 „Ober⸗Ohmen, 3. Febr. Die zweite Brennholz⸗ bersteig er ung, die in den Riedeselschen Waldungen abge⸗ halten wurde, zeigte eine kleine Anziehung der Preise, besonders bei den Reisern. Dessenungeachtet muß dennoch der Preis des Brennholzes im Vergleich zu demjenigen des Vorjahrs als billig bezeichnet werden. Es wurden bezahlt für 4 Rm. Buchenrollen 26—28 Mk., 4 Rm. Buchenscheit 24—25 Mk., 4 Rm. Buchen⸗ vrügel 20—2 Mk, 4 Rm. Buchenreisig 5—6 Mt. a Kreis Schotten. Sichenhausen, 3. Febr. Auf dem Felde der Ehre starb lin Westen den Heldentod er Feldwebel-Leutnant, Ritter des Eisernen Kreuzes, Heinrich Oechler von hier. Aus dem Vogelsberg, 3. Febr. Wer auf den Bürgermeistereien unserer Ortschaften die bei der Reichs wol l⸗ woche zusammengekommenen Vorräte an Wollsachen sieht, von den ganz neuen Schlafkoltern bis zu den wohlerhaltenen Kkei— dungsstücken, die ungebraucht die Kleiderschränke füllten, der kann den Opfersinn ermessen, der auch die Bewohner des einsamsten Gebirgsdörschens von ganzem Herzen erfüllt. Wenn die Woll⸗ stofsvorräte unserer Ortschaften an den Zentralstellen zusammen⸗ fließen, dann gibt es Eisenbahnzüge voll. O Aus dem oberen Vogelsberg, 1. Febr. Seit gestern sind noch große Schneemengen auf unsere schon verschneiten Berge niedergegangen. Die Schneedecke hat eine durchschnittliche Höhe von über 40 Zentimeter erreicht. Die Fichtenbestände, die man im Vogelsberg auf ausgedehnten Flächen finden kann, sind wieder mit bedeutenden Schneemassen belastet, so daß zu erwarten steht, daß auch in diesem Winter die Bestände wieder sehr zu leiden haben werden. Hessen⸗Nassau. X. Marburg, 3. Febr. Die Rechnungen der Wander⸗ arbeitsstätten des Bezirksverbandes Kafsel(Rin⸗ zeln, Marburg, Hanau, Bebra, Kassel) über die laufenden Ein⸗ nahmen und Ausgaben schließen ab für das Etatsjahr 1. April 1913 bis 31. März 1914 in Einnahme mit 124 050,59 Mk. und in Aus⸗ mit 180 182,21 Mk. Es ist deshalb als 1102 9 der Kreise und Bezirksverbandes eine Summe von 65 131,62 Mk. erforderlich 2 gegen 62 726,25 Mk. im Vorjahre. Die Steigerung dieses Zu⸗ schusses um rund 2400 Mk. ist in der Hauptsache auf die erhöhte Inanspruchnahme der Wanderarbeitsstätten insolge größerer Ar⸗ beitslosigkeit im Vorjahre zurückzuführen, denn es sind in 1913 gegenüber dem Jahre 1912 14529 Verpflegungstage mehr ent⸗ tanden. Wenn die Wanderarbeitsstätten bei einem Mehr von 14 529 an Verpflegungstagen nur einen Mehrzuschuß von rund 2400 Mk. nötig hatten, so folgt daraus, daß auch im Etatsjahr 1913 die finanziellen Erfolge der Wanderarbeitsstätten sich im allgemeinen wiederum gebessert haben. Von dem Gesamtfehlbetrag des Jahres 1913 entfallen 72 Pfg. auf jeden Kolonisten⸗ und Wanderer⸗Verpflegungstag gegenüber 88 Pfg. im Vorjahr und 1,19 Mk. im Jahre 1911. h. Cronberg, 3. Febr. Auf der Falkensteiner Straße erlitt ein Frankfurter Herr beim Rodeln eine schwere Ver⸗ letzung am Unterleibe, die die sofortige Ueberführung in das hiesige Kaiserin-Friedrich⸗Krankenhaus bedingte. Außerdem wur⸗ den weitere sechs Personen, meistens Frankfurter, bei dem Rodel⸗ sport verletzt, allerdings in wenig gefährlicher Art. — Candwirtschaft. Berlin, 3. Febr.(W. B. Amtlich.) Aus der landwirtschast⸗ lichen Praxis heraus ist die Befürchtung ausgesprochen worden, daß im Herbst infolge des Gespann- und Leutemangels das Pflügen der Kartofselschläge und damit auch das Nachsammeln der im Acker verbliebenen Kartoffeln vielfach unterblieben ist und letzteres auch jetzt bei dem Pflügen häufig unterbleiben dürfte, u. a. in der Annahme, daß die Kartoffeln doch erfroren seien. Letzteres trase aber nicht zu. Wenn nun wohl auch angenommen werden kann, daß diese Arbeiten bei dem außergewöhnlich milden Wetter im wesentlichen jetzt nachgeholt sind, so ist doch erwünscht, wenn in allen in landwirtschaftliche Kreise kommenden Zeitungen und Zeitschristen auf diesen Punkt baldmöglichst hingewiesen wird. In diesen Kriegszeiten ist es um so mehr die Pflicht eines jeden Landwirtes, auch hierbei keine Nährstosse umkommen zu lassen, als der hohe Preis der Kartoffeln wie der Futtermittel die Arbeit sicher bezahlt machen wird. Universitäts⸗ Nachrichten. Heidelberg, 3. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Im Alter von 80 Jahren ist heute hier der frühere Professor für pathologische Anatomie an der hiesigen Universität, Wirklicher Geheimer Rat Dr. Julius Arnold, Exzellenz, gestorben. Gerichts aal. 5 Die Höchstpreise. X Hanau, 3. Febr. Die Strafkammer hat den Kauf⸗ mann Hermann G. aus Langenselbold wegen Ueberschreitung des für den Verkauf von Speisekartoffeln festgesetzten Höch st⸗ preises zu 300 Mark Geldstrafe verurteilt.“ Ein Eisenbahnunfall. Wien, 3. Febr.(W. B. Nichtamtlich.) Heute früh suhr ein Personenzug auf den vor der Station Gerasdorf haltenden, in Wien⸗Ostbahnhof um 6⸗55 Uhr früh fälligen Prager Schnell- zug bei dichtem Nebel auf. Von den in dem letzten Wagen des Schnellzuges befindlichen Reisenden wurden vier schwer und fünfzehn leicht verletzt. Der Schnellzug, dessen zwei letzte Wagen entgleisten, setzte mit den unbeschädigten Wagen die Fahrt nach dem Wiener Ostbahnhof fort, wohin er auch die Ver⸗ letzten brachte. Die Schwerverletzten wurden in ein Hospital ge- bracht, während die Leichtverletzten der häuslichen Pfloge übergeben wurden. Die Ursache des Unglücks ist noch nicht aufgeklärt. Märkte. FC. Wiesbaden. Viehhof⸗ Marktbericht vom 3. Febr. Auftrieb: Rinder 136(Ochsen 13, Bullen 12, Kühe und Färsen 111), Kälber 212, Schase 22, Schweine 417. Der Auftrieb wurde bei lebhastem Handel geräumt. Die Preise hielten sich au derselben Höhe wie am 1. Februar. ch. Bingen, 3. Febr. Marktpreise. Weizen Mk. 27,50, Korn Mk. 23,50, Gerste Mk. 22,50, Hafer Mk. 24,00, Deu Mk. 0,00, Stroh Mk. 0,00, Kartoffeln Mk. 8,00, Erbsen Mk. 00,09, Linsen Mk. 00,00, Bohnen Mk. 00.00, Weißmehl Mk. 49,00, Roggenmehl Mk. 39,50; alles für 100 Klgr. Butter 1 Klgr. Mk. 2,30, Milch 1 Liter 22 Pfg., Eier 10 Stück Mk. 1,15. Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Aufragen bleiben uuberücksichtigt.) B. Wir haben einen Aussatz über die Lage der Kleinbauern von Dr. W. wohl erhalten, können ihn aber nicht veröffentlichen, da 3 uns nicht gestattet ist, an Maßnahmen der Regierung Kritik zu üben. —— Kirchliche Nachrichten. Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 6. Februar 1915: Loraben) 5.15 Uhr. Morgens 9.00 Uhr. Nachmittags: 3.30 Uhr. Sabbataus gang: 6.15 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. 8 Sabbatseier am 6. Februar 1915: itag abend 5.00 Uhr. amstag vormittag 8.30 Uhr. Samstag nachmittaz 3.30 Uhr. Sabbat⸗Ausgang 6.15 Uhr. l Wochengottesdienst: Morgens 7.00, nachmittags 5.00 Uhr. Amtlicher Wetterbericht. 1 Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 5. Februar 1915 Bedeckt, zeitwesse Niederschlage, mild, südliche Winde. . Letzte Nachrichten. Die nüchste Tagung des Reichstags. Berlin, 4. Febr. Der„Vorwärts“ schreibt: Der Reichstag ist bis zum 2. März vertagt worden. Er wird aber, wie verlautet, nicht an diesem Tage zusammentreten, sondern erst am 10. März seine Arbeiten wieder aufnehmen. Die Verzögerung hat ihren Grund darin, daß dem neuen Staatssekretär des Reichsschatzamtes Dr. Helfferich geit gegeben werden soll, sich in sein neues Amt einzuarbeiten. Dem Reichstag wird bei seinem Zusammentritt sofort der Etat zugehen, der sich allerdings von dem sonst üblichen Etat insofern unterscheiden wird, als die Einnahmen nicht spezifiziert werden können. Man nimmt an, daß die Tagung des Reichstages etwa zwei Wochen in Anspruch nehmen wird. Die Geschäftsordnungskommission wird sich sofort nach ihrer Wahl mit dem Mandat Wetterlés beschäftigen. Aus Soissons. Lyon 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.)„Nouvelliste“ meldet aus Soissons, daß die Trinkwasserbehälter von Sois⸗ sons durch die Beschießung sehr beschädigt seien. Sie konnten aber nach zweitägiger Arbeit ausgebessert werden. Der Bürgermeister von Soissons hat Maßnahmen getroffen, um die Wirkung der Brandgranaten zu bekämpfen — Die deutsch⸗österreichische Waffenbrüderschaft. Kriegspresseguartier, 4. Febr. Die deutsch⸗öster⸗ reichisch-ungarische Waffenbrüderschaft kommt immer mehr in der durchgreifenden Vermischung der beiden Teile an der Ostfront zum Ausdruck. Kämpften anfangs nur in Polen und in Westgalizien die verbündeten Armeen in gemeinsamen Verbänden, so haben jetzt auch deutsche Truppen erfolgreich in die Karpathenoffen⸗ sive eingegriffen. Die von ihnen gestern mit großer Bravour und Todesverachtung durchgeführte Erstürmung einer wichtigen Höhe im Waldgebirge war eine prachtvolle Heldentat. Die Höhe war von den Russen durch Verschanzungen so befestigt und mit starken Kräften so energisch und hartnäckig verteidigt, daß sie als uneinnehmbar galt. Dennoch gingen die Deutschen auf dem für sie ungewohnten und besonders in dieser Jahreszeit außerordentlich schwierigen Terrain so hartnäckig vor, daß die Höhe fiel und dit Russen sich in eiliger Flucht hartnäckig zurückziehen mußten. Zur bevorstehenden Räumung Lembergs. Wien, 4. Febr. Die Petersburger Nowoje Wremja verweist auf die kritische Lage, welche sich für die Russen bei längerem Verweilen in der Stadt Lemberg ergeben könnte und bereitet die öffentliche Meinung in Rußland auf die Wahrscheinlichkeit der Räumung der Stadt Lem berg durch die Russen vor. Diese Nachricht ist vermutlich auf die russischen Truppenverschiebungen in Lemberg zurück⸗ zuführen. In Lemberg ist durch den russischen Gouverneur das Standrecht erklärt worden. Die öffentlichen Kassen sind bereits aus der Stadt geschafft worden. Hilfskreuzer„Kronprinz Wilhelm“. Buenos Aires, 4. Febr. Der deutsche Hilfskreuzer „Kronprinz Wilhelm“ hat das englische Schiff„Botaro“ von der 9 925 Steamship Co., das 4500 Tonnen groß war, versenkt. Internierung französischer Fliegeroffiziere. Rotterdam, 4. Febr. In der Nähe des Dorses Cats auf der Insel Noodheveland der Provinz Zeeland(vor der Schelde⸗ mündung) landete heute mittags 12 Uhr ein französisches Flugzeug, das mit 2 französischen Offizieren bemannt war. Die Offiziere wurden interniert. Sie erklärten, daß sie sich im Nebel verirrt hätten. Bulgarien und Rumänien. Sofia, 4. Febr.(WTB. Nichtamtlich.) Der Direktor der bulgarischen Eisenbahnen ist gestern abend nach Bukarest abge⸗ reist, um die technischen Einzelheiten der Durchfuhr der bulgarischen Waren durch Rumänien zu regeln. Diese Regelung wird voraus⸗ sichtlich auf der Grundlage erfolgen, daß eine Anzahl von Wagen festgesetzt wird, die dem bulgarischen Handel zur Verfügung stehen wird. Die Gebete für den Frieden. Basel, 4. Febr. Die katholischen französischen Zeitungen äußern ihre Bestürzung darüber, daß die Pariser Regierung, wie bereits gemeldet wurde, am Sonntag den Zettel mit dem Text! des von dem Papste verfaßten Gebetes für den Frieden beschlagnahmen ließ. Die Regierung hat erst nach der be⸗ ruhigenden Versicherung des Kardinals Amette, daß die fran⸗ zösischen Katholiken nur für einen Frieden nach dem Siege Frank⸗ reichs beten werden, den Text des päpstlichen Gebetes frei ge 1 Dieses Vorgehen der Regierung beweist tatsächlich iche die Furcht der Behörden und weiter Kreise des französischen Volkes. Der Platzmangel im Hafen von Genua. Mailand, 4. Febr. Um im Hafen von Genua Platz 12 b schaffen, hat die dortige Hafen verwaltung beschlossen, mit i⸗ gung der Regierung die seit dem Ausbruch des jeges im Hafen von Genua internierten 12 deutschen und öster⸗ reichisch⸗ungarischen Schiffe aus dem Hafen zu entfernen. Die Dampfer sollen, nachdem sie 3 und ihre Mannschaften an Land gestiegen sind, mittels Schleppschiffe längs der Küste unter Begleitung von Kriegsschiffen nach Spezi gebracht werden. „Rechtfertigung“ Dr. Liebknechts. Berlin, 4. Febr. Der„Vorwärts“ bringt fol; f Schreiben des Reichstagsabgeordneten Dr. ö 0 3. Februar 1915: Gegenüber dem in Ihrer heutigen Nummer veröffentlichten Fraktionsbeschluß bemerke ich: 1. Ich habe gegen die Kriegskredite gestimmt, weil die Bewilligung der Kriegskredite nicht nur den Interessen des Proletariats, sondern auch dem Parteiprogramm und den Beschlüssen der internationalen Kongresse schroff widerspricht, und weil die Fraktion nicht berechtigt ist, einen Verstoß gegen das Programm und einen Parteibeschluß vor⸗ zuschreiben. Ich habe diesen meinen Standpunkt dem Fraktions⸗ vorstand in einem Briefe vom 3. Dezember v. J. dargelegt. 2. Irreführende Mitteilungen über Parteivorgänge habe ich nicht verbreitet. Die Fraktion, die zur Fassung eines Beschlusses über diesen Punkt gar nicht zuständig war, hat meinen Antrag, die Entscheidung hierüber bis zur gründlichen Aufklärung über aller⸗ hand Behauptungen auszusetzen, abgelehnt. 1 1 —— —— Fügen Sie Ihren Sendungen ins Feld 1 Schachtel Jays ächte Sodener Mineral⸗-Pastillen bei. Sie erweisen damit unseren tapferen Kriegern einen doppelten Dienst. Erstens sind„Fays ächte“ ein vorzüg⸗ liches Mittel gegen alle Erkältungen und zweitens wirken dieselben durst⸗ stillend. Verlangen Sie aber ausdrück⸗ lich„Fays ächte“, weil minderwertige Nachahmungen bestehen. U challnlatten. 7 Mitesser Abonnement! Pickel im Gesicht u. am Körper Urcot. Vorteil f. Sprechmaschinen- 54 5 besitzer Unbegrenzte Abwechsig.] beseitigt raschund zuverlässig Fortwahr Umtausch. Prosp. gratis.] Zucker's Patent-Medi- Ka Berbs, Bari zinal-Seife un 3 Stärken. A 50 Pf. M. 1.—u. M. 1.50). Nach fen jed. Waschung m. Zuckocoh- Creme, Tube 50 und 75 Pf., nachbehandeln. Frappante Wirkung, von Tausenden be⸗ stätigt. Zu haben in der Uni⸗ Rolle] versitäts-Avotheke, Hirsch⸗ 7 J. 9 8, Fenel eee 129, 14.3, 18.5. 22.9 Seibel,„ Nilbinger, „„ O. Schaaf. E. Karn, Erust Frankfurter Tapsten-Fabrik- Noll u. W. Schrader, Otto Lager, Aslerhelligenstr. 30. Eiterde i Siebe * FRITZ MOxWA COCK Grosser Gumungs Ausverkauf 1 5 F Sonntag, d. 7. Februar, abds. 5 Uhr in der Aula der Universität Vaterlandischer Abene veranstaltet von hiesigen Männer— gesangvereinen zum Besten der durch den Krieg in Not geratenen Ostpreußen und Elsaß-Lothringer G unter gütiger Mitwirkung der Kapelle des Herrn Musikdirektor Krauße Leitung des Chores: Herr Franz Bauer Ansprache des Herrn Geh. Kirchenrats Prof. D. E Eintrittskarten: Mk. 3.—, 2.—, 1.— für die numerierten, 50 Pfg. für die unnumerierten Plätze, Soldaten vom Feldwebel abwärts 30 Pfg. sind in der Musikalienhandlung von E. Challier und abends an der Kasse zu haben. 1002 Offnung des Saales 4% Uhr. 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