—* Ausnahme des Sonntags. ecgchein lagna mit Die„Siehener Familienblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das „kreisblatt für den Kreis Gießen“ zweimal wöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Seit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Der Fall Dacia. Der Fall Dacia ist nunmehr aktuell geworden. Der von einer amerikanischen Schiffahrtsgesellschaft erworbene Damp⸗ fer„Dacia“ der Hamburg⸗Amerika-Linie hat seine Ausreise aus Galvestone angetreten, und der Kapitän des heißumstrit⸗ tenen Schiffes erklärte, er werde die gewöhnliche Route ein⸗ schlagen und keine besondere Mühe aufwenden, einer etwaigen Beschlagnahme des Schiffes durch die Engländer zu ent⸗ 8255 Was die voraussichtliche Haltung Englands dem acia⸗Streit gegenüber betrifft, so wird sie gekennzeichnet durch die seitens der Botschaft in Washington der Unions⸗ regierung übermittelte Note, worin erklärt wird, daß die bri⸗ tische Regierung zwar nicht wünsche, den Besitzern der Dacia Verluste zu verursachen, daß sie aber die Fahrt des Kreuzers unter amerikanischer Flagge nicht gestatten könne. Der Fall Dacia wird voraussichtlich dereinst in den Kompendien des Völkerrechts und in den Hörsälen der Völker⸗ rechtslehrer eine Rolle spielen, wenn sich die Lehre vom Völ— kerrecht nach der schweren Schlappe, die ihr der Weltkrieg 1914/15. hat, überhaupt wieder einige Anerkennung erringen sollte. Besagter Fall, dessen Bedeutung darin liegt, daß er, wie auch sein Ausgang sein mag, als Präzedenz⸗ fall gelten wird, liegt bekanntlich so, daß die amerikanische Gesellschaft den bisher im Besitz der Hamburg⸗Amerika-Linie befindlichen Dampfer käuflich erworben hat, um ihn zu Baumwolltransporten zu benutzen. Die englische Regierung hat sich dem gegenüber, gedrängt von der Londoner Hetzpresse, Aa die öffentliche Meinung zu vertreten vorgibt, auf den standpunkt gestellt, daß die Uebertragung des Schiffes auf die amerikanische Flagge nichtig und daß es deshalb ebenso mit Beschlag zu belegen sei wie ein unter deutscher Flagge fahrendes Schiff. So erklärt der„Globe“:„Bei dem großen Werke, Deutschland ökonomisch zu ruinieren, können wir unter keinen Umständen zulassen, daß deutsche Schiffe aus neutralen Häfen in dieser Weise unsere Pläne durchkreuzen und Deutschland mit Dingen versorgen, die es unbedingt nötig hat.“ 5 5 f 5 Was nun die völkerrechtliche Seite der Frage betrifft, so kennzeichnet es die Taktik des perfiden Albions, wenn es sich dabei auf die sogenannte Londoner Deklaration vom 25. Februar 1909 beruft. Das haben die Engländer bis- her in all den Fällen getan, wo die Londoner Beschlüsse nach ihrer Auffassung für sie günstig lauten, während sie im ent⸗ ien Falle sich darauf berufen haben, daß diese De⸗ laration von Großbritannien nicht ratifiziert worden ist. Das ist in der Tat zutreffend, und es kann in Bezug auf den Dacia⸗Fall gleich hinzugefügt werden, daß jene Erklärung ebensowenig von der Nordamerikanischen Union vollzogen worden ist. l n sich würde also die Londoner Deklaration für den vorliegenden Streitfall, da beide Teile nicht an sie gebunden sied nicht in Frage kommen. Aber da die Engländer sich auf ie berufen und die Union diese Berufung bisher nicht grund⸗ 2 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Samstag, 30. Januar 1035 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Gießen, Seotgleitung, Geschcltsstele u. Druckerei: Schul⸗ raß 7. Geschästsstelle u. Verlag: 51, Schrift⸗ sätzlich abgewiesen hat, so wäre es möglich, daß die Streit⸗ frage auf Grund jener Deklaration zum Austrag gebracht werden wird. Wie liegt nun der Fall hiernach? Nach Art. 56 der Erklärung ist der nach Beginn der Feindseligkeiten her⸗ beigeführte Uebergang eines feindlichen Schiffes zur neu⸗ tralen Flagge nichtig, falls nicht bewiesen wird, daß dieser Uebergang nicht herbeigeführt ist, um den mit der Eigenschaft eines feindlichen Schiffes verbundenen Folgen zu entgehen. Für die Nichtigkeit des Ueberganges soll eine unwiderlegliche Vermutung sprechen: 1. Wenn der Uebergang herbeigeführt ist, wührend sich das Schiff auf der Reise oder in einem blockierten Hafen befand; 2. wenn ein Rückkaufs- oder Rück⸗ fallsrecht vorbehalten ist; 3. wenn die Bedingungen nicht erfüllt sind, von denen das Flaggenrecht nach der Gesetz⸗ gebung der geführten Flagge abhängt. Nach diesen Grundsätzen der Deklaration müßte es als zweifellos gelten, daß der Flaggenwechsel der Dacia rechts⸗ gültig ist, denn die unter Ziffer 1 bis 3 aufgeführten Ein⸗ wände treffen in diesem Fall nicht zu, und die Behauptung ist nicht zu widerlegen, daß die Eigentumsübertragung er- folgte, um den amerikanischen Baumwollproduzenten die Möglichkeit einer Verwertung ihrer Baumwollbestände zu verschaffen. Die Union hätte es, statt wie es nun der Fall sein wird, die Streitfrage vor ein Schiedsgericht kom⸗ men zu lassen, einfacher gehabt, wenn sie sich darauf berufen hätte, daß weder sie noch England die Londoner Deklaration anerkannt habe, und wenn sie ihre Handelsschiffe durch ein Kriegsschiff begleiten ließe, um so den Engländern ihr See⸗ räuberhandwerk zu legen. Aber solche entschiedenen Schritte sind am wenigsten von dem Präsidenten Wilson zu erwarten, der Gebete für den Frieden veranstalten läßt und es zugleich begünstigt, daß die amerikanische Waffenindustrie durch ihre, wenn nicht den Wortlaut, so doch den Geist der Neutralität schroff verletzenden Lieferungen den Engländern die endlose Fortführung des Krieges ermöglicht. Die Haltung der Regie⸗ rung im Dacia⸗Fall und gegenüber dem von dem Senator Hitchock beantragten Waffenausfuhrverbot wird den Prüf- stein dafür bilden, was das deutsche Volk von den„freien“ Amerikanern zu erwarten und wie es sich dementsprechend ihnen gegenüber in der Folge zu verhalten hat. die Opferwilligkeit der Deutsch⸗Amerkkaner. Einem von New Nork nach Frankfurt gerichteten Privatbrief entnimmt die„Frankf. Ztg.“ einige Stellen, die von der patriotischen Haltung der in New York lebenden Deutschen ein rühmliches Zeugnis ablegen: Die antideutsche Stimmung in New Pork hat schon einen ge⸗ wissen Umschwung erfahren; wir bemühen uns nach Kräften, die deutsche Sache zu verfechten, denen, die durch die englische Brille sehen, den wahren Tatbestand zu erklären; das in englischer Sprache hier erscheinende„Fatherland“ bringt von hervorragenden Män⸗ nern treffende Artikel, die verschiedenen Streitfragen vom deutschen Standpunkt aus verfechtend und rechtfertigend. Nun hatten wir hier zwei Wochen lang den Riesenbazar in New Pork in der Am Aszoker paß. Eine Wanderung zum Uszoker Paß, den die Oesterreicher in hartem, siegreichem Kampfe den Russen wieder entrissen haben, führt uns ins romantische Tal des Ung zu dessen Quelle empor. Von Ungvar, der Hauptstadt des Komitates Ung, benutzen wir die wohlgepflegte Landstraße, die sich an der Burgruine von Nyeviczke und der großen staatlichen Holzniederlage vorbei im Tale emporschlängelt. Neben der Straße dampft ein Zug der Ungtalbahn schnaubend dahin. Ihre Schienen berühren Perecseny mit seinen großen chemi⸗ schen Fabriken, in denen jährlich über 100 000 Kubikmeter Buchenholz auf mancherlei Chemikalien verarbeitet werden, und der Schwellenimprägnierungsstation der ungarischen Staatsbahnen. Dubrinics mit seiner weithin bekannten Por⸗ zellanerde und der Wallfahrtsort des griechisch-katholischen Mönschordens der Basilianer, Kis⸗Berezna, sind weitere Sta⸗ tionen, bis die Bahn in Nagy⸗Berezna, dem Sitz des Ver⸗ waltungsbezirkes, ihren Endpunkt erreicht. Der Laubwald verschwindet immer mehr und die Fichte beginnt die Höhen zu beherrschen. An den Salzquellen von Szolya mit dem durch den großen Meteorfall des Jahres 1866 bekannten Dorfe Knyahinha in der Nähe und am Petroleumort Luch vorbei erreicht man nach längerer Wanderung endlich das Städtchen Uszok, in dessen Nähe der Ungfluß entspringt. Und noch wenige Kilometer weiter, und wir stehen hinter dem Uszoker Bad auf dem Sattel des Passes, der eine der wichtigsten Straßen von Ungarn nach Ostgalizien trägt und von dem man östlich über die Berge in das wilde Tal der Lyuta mit der großen, sich über 14 Kilometer dahindehnen⸗ den Berggemeinde gleichen Namens hinabsteigt. Der Uszoker Paß erinnert trotz seiner Höhe von 900 Me⸗ tern wenig an die bekannten Bilder der Alpenpässe. Gleich einer großen Hochebene liegt er vor unseren Blicken da; hohe strohgedeckte Hütten breiten sich in regellosen Haufen wischen Weiden und dürftigen Feldern zu beiden Seiten der Straße aus, während kleine Gehölze und Wälder die sanft ansteigenden Berghänge bedecken. Hier wohnen die Bojken, ein Stamm der ungarischen Ruthenen, deren ärm⸗ liche Tracht und dürftig eingerichteten Wohnstätten eine nur zu deutliche Sprache von dem harten Kampfe reden, den sie auf diesen Karpathenhöhen mit der Natur führen. Ihre Kleidung ist wenig malerisch; zu einem kurzen Hemd mit weiter, durch einen Ledergurt gehaltenen Hose tragen sie im Sommer dreierlei wollene, im Winter dreierlei aus Schaffell genähte Röcke. Als Fußbekleidung dient ihnen der Bundschuh; Strümpfe sind unbekannt. Bei der Frau, die 15 entstandenen Wa ein hohes, wie ein Zuckerhut aussehendes Strohdach darauf und das Haus, dessen Inneres aus einem Flur, einer Stube und einer kleinen Kammer besteht, ist fertig. Links vom Ein⸗ gang befindet sich der große, von einer Bank umzogene Ofen mit seinem aus Ruten geflochtenen, mit Schlamm ver⸗ schmierten Schlot. Fehlt dieser, dann dringt der Rauch durch das Ofenloch in die Stube, sammelt sich unter der Decke und bildet dort bald eine fingerdicke schwarze Rußschicht. Am Uszoker Paß findet man in diesen Häusern selten mehr als ein Bett, einen rohen Tisch und eine um die Wände laufende Bank. Weiter unten im Ungtal gibt es auch Häuser, wo der ruthenische Bauer zwei Stuben sein eigen nennt, wo diese größere Gemeinden bilden und geflochtene Zäune die einzelnen Anwesen voneinander trennen. Doch auf der Höhe bilden höchstens dünne Fichtenstämmchen zwischen ein⸗ gerammten Pfosten die Grenzen der einzelnen Besitzungen. Die Bojken waren einmal für ihre Verhältnisse reich; sie trieben Viehzucht und rodeten dem Vieh zuliebe die schönsten Wälder, um sie in Wiesen und Weiden zu verwandeln. Da wurde der Wald Staatseigentum und der Bojke mußte sich wohl oder übel zum Ackerbau bequemen, den er bisher nur als Nebenbeschäftigung betrieben hatte. Doch alles Wirt⸗ schaften ist umsonst, denn der dürftige Boden bringt zu wenig, um davon leben zu können. Zudem machte der Bahn⸗ verkehr auch dem Fuhrmanns⸗ und Flößergewerbe ein Ende, so daß der Volksstamm seinen letzten lohnenden Erwerbs⸗ zweig verlor. Doch zu träge und vielleicht auch zu schwer⸗ fällig, um sich irgendeiner„ baut er weiter seinen Mais und Hafer. Die Maisgegend ist die reichere, denn aus Maismehl backt man Brot und Kuchen und kocht daraus den„Tokan“; auch gibt grobgemahlener Mais Grieß. Auf den Höhen wächst aber nur Hafer. Aus Hafermehl werden das harte, kuchenartige Brot bereitet und der Hafergrieß gemahlen. Dazu dienen im Winter Pferde⸗ bohnen zur täglichen Nahrung. Die Schafe auf den Alpen⸗ weiden geben Milch, Rahm und Käse, den der ruthenische Bauer selbst verzehrt. Gehen im Sommer die Lebensmittel⸗ vorräte zur Neige, dann müssen allerhand rohe Sachen, wie Gurken, Holzbirnen, Krautstrünke und Rüben herhalten. Der Bojle ißt zwar gern reichlich, aber seine Kost ist doch sehr mager; Butter ist ihm unbekannt, Schmalz benützt er nicht und Fleisch erscheint nur an den Festtagen auf dem Tisch. So kommt es, daß Ruhr und Typhus keine seltenen Krank⸗ heiten sind und allerhand Halsleiden und Blattern sich als Folgen der bei dem rauhen Klima ungenügenden Bekllei⸗ dung einstellen, zumal die sanitären Zustände der engen, verrußten Wohnung sehr mangelhaft sind. Und inmitten dieser schon in Friedenszeiten nur über das Notwendigste verfügenden Bergbevölkerung wütet jetzt seit Wochen der Krieg. Hoffentlich haben unsere Verbündeten die Russen endgültig aus den Bergen vertrieben, damit die ungarischen Ruthenen wieder aufatmen können. * Waffenhalle des 71. Regimend a g 89 2 zunt Wohl der Wit w 4 un[die größte, die zu bekommen war lands und Oesterreich-Ungarns.* 5 von Soldaten Deutsch⸗ arbeitet und gesammelt wie die 7 ang vorher haben wir ge⸗ der deutschen Klubs in Brooklyntenen. Ich wurde von einem Sammelliste, Billette zum Vorverkalk Mithilfe gebeten, bekam zu Freunden und Bekannten, bekam 5 So zog ich dann aus Freundinnen haben in rührender Weise d und. Gegenstände, meine gestickt, Porzellan gemalt, Photos vergüner Bitte Folge geleistet, tiert; ich habe 61 Billette verkauft, auchert und Kalender mon⸗ Als alles zusammen war, glichen die Zhuges selbst gearbeitet. stellung. Wie oft bin ich mit Paketen belker bier einer Aus⸗ die Sachen alle abzuliefern. Alle deutschen. sortgegangen, um Staten Island usw. waren beteiligt, das mag ine von Brooklyn. von dem Umfang des Unternehmens geben. Diten einen Begriff war imposant: Reden von Prinz Hatz fel droffnungsabend Männerchöre, das Hoch auf den Kaiser, von Taudernburg, beantwortet; dann sang die Tausende zählende Maen Stimmen am Rhein“. Es war ein großer Enthusiasmus. die„Wacht großem Stil arrangiert und funktionierte mit der ss war in gewordenen deutschen Genauigkeit. Zwei Wochen langhwörtlich verkauft, von 2 Uhr nachmittags bis gegen Mitternacht ben wir chen Abenden mußten Tausende von Besuchern' man⸗ gang abgewiesen werden, so groß war der Andrang! Nie Ein solchen Betrieb gesehen; deutsches Restaurant, Wiener Cafs ich Proviant war frei geliefert worden, die deutschen Bäcker inder Nork hatten um die Wette geeifert, wer die herrlichsten Tor riesengroß, fertigstellen könne; es ist Unglaubliches geleistet wi den. Drei Automobile, Pianos und viele andere Dinge von We waren gestiftet, auf die Lose zu nehmen waren. Bis 2 Uhr mor⸗ gens haben die Herren oft Geld gezählt über eine Million Mark, so daß man mit Befriedigung auf das Resultat blicken kann. Einem Privatbriefe aus St. Paul, Minn., vom 2. Jan. datiert, der uns von einem Gießener Empfänger zur Verwertung vorgelegt wird, sentnehmen wir folgende Stellen: „Endlich haben sich die Amerikaner aufgerafft, gegen die Ueber⸗ griffe Englands, ihren Export nach neutralen Häfen zu stören, zu protestieren, und Güter, die sie willkürlich als Kriegskonter⸗ bande bezeichnen, einfach wegnehmen. Auch mehren sich von allen Seiten die Anzeichen einer freundlicheren Gesinnung gegen Deutsch⸗ land.— Heute steht in der Zeitung, daß eine Munitionsfabrik einen Kontrakt von 2000 000& von England ausschlug, um der Fortsetzung des Krieges Einhalt zu tun; dies wird natürlich durch alle Zeitungen als Beweis der Neutralität Amerikas gepriesen, es ist aber weiter nichts als ein weißer Rabe unter einer Rasse Scheinheiliger. Unsere Zuversicht zum vollständigen Sieg der deutsch⸗öster⸗ reichischen Waffen war absolut, und mit fieberhafter Tätigkeit der Deutschamerikaner, teilweise durch Boykott der Zeitungen und Geschäftsinhaber, teilweise durch großartige Demonstrationen und der Hilfe unserer Kongreßmitglieder, haben wir es fertig gebracht, daß die Verurteilung des Rechtes der Deutschen und Oesterreicher in diesem Kampfe eine ruhigere und vernünftigere geworden ist. Deutschen ein rühmliches Zeugnis ablegen: Mittlerweile schwillt unser Beitrag zum Roten Kreuz zu großen Dimensionen an und die immer stärker werdenden Proteste des Publikums werden auch das weitere dazu beitragen, die meri⸗ kanischen Heuchler zu bekehren. 8 1 paul Ernsts„Preußengeist“. Uraufführung in Weimar. Man schreibt uns aus Weimar, 27. Januar: Heute abend brachte unsere Hofbühne Paul Ernsts dreiaktiges Schauspiel Preußengeist“ zur Uraufführung. In Preußen konnte das Stück das Licht der Rampen nicht erblicken, weil das Verbot, Mit⸗ glieder des Hohenzollernhauses auf die Bühne zu bringen, eine Ausnahme nur dann zuläßt, wenn die Genehmigung des Kaisers eingeholt werden kann, was gegenwärtig nicht angängig ist. Innere Gründe oder Bedenken gegen eine Darstellung gerade dieses Stückes dürften übrigens kaum bestehen, auch für Preußen nicht, da es im wesentlichen auf eine hohe Verherrlichung des Preußentums im Sinn der Pflicht gegen Staat und Volk hinausläuft. Die Hand⸗ lung ist der(in drei Akten knapp konzentrierte) Vorgang des be⸗ kannten Fluchtversuches des Kronprinzen Friedrich aus Potsdam und die Hinrichtung Kattes(der übrigens hier sehr„frei“ in ver⸗ edelter Gestalt erscheint). Leider wirkt aber hier die dichterische Behandlung dieses an sich so dankbaren Stoffes nicht ganz über⸗ zeugend. Mag man dem Dichter die denkbar größte Freiheit zubilli⸗ gen, historische Tatsachen für seine künstlerischen Ideen umzu⸗ deuten, so muß der Maßstab der Kritik dennoch an der innerem Wahrheit festhalten, hier also an der Echtheit des Geistes, den die Dichtung verkörpern soll! Da hapert es. Dieser Preußen⸗ geist ist nicht echt und im Kerne unpreußisch und undeutsch. Es wird zuviel von Pflicht und Pflicht und wieder Pflicht geredet; aber die Reden überzeugen nicht. Der König erscheint in einer rührenden Veredlung, fast Verklärung seiner Pflicht⸗Idee, aber wenn er spricht; er habe doch nur für den Kronprinzen alles ge⸗ tan, sein ganzes Sorgen sollte: „Nur Vorbereitung sein für seine Taten! Und so hab' ich auch selber einen Wert“, klingt ein unechter Ton heraus und der Ton verstimmt. Denn so 8 Friedrich Wilhelm J. nicht. Besser bei weitem wirken die Vorte: „Königin, wir lieben unsere Mühe! g „Glück ist die Arbeit uns und Gottesdienst“, und die gegen England, anscheinend auf die Gegenwart anspielen⸗ den Sätze können jetzt überall eines starken Widerhalles sicher sein: „. unbekannt ist Dir die Britenkunst, „Die fürchterlich ausbeutende Gewalt, „Mit heuchlerischer Schurkerei verdeckt— „Kennst Du die Spinne, mit des Erlösers Zei⸗ chen auf dem Rücken, 0 „Gemästet von unzähligen Mitgeschöpfen? „Dies Wuchervolk, das wuchert, lügt und raubt, „Plärrt sein Gebet scheinheilig augendrehend, „Bedrückt mit Freiheit und betrügt mit Tu⸗ gend! „Einstmals, so hoff' ich, wird die Stunde kommen, „Da deutsche Tapferkeit und freier Sinn „Den Kopf zertritt der Schlange, die sich legt „Um die geängstigte, betäubte Welt. 5 „Dann wird ein Atmen durch die Menschheit gehen: „Die Welt befreit aus englischer Gewalt!“— a Gespielt wurde mit Unterschied und etwas unsicher. Herr Schreiner gab den König Friedrich Wilhelm so glaubhaft wie möglich. Das Publikum spendete namentlich zum Schluß herz⸗ lichen Beifall. Prof. Sch. . 4 Schwicherustände, Unlust zur Arbeit, Veberrelztheit, Abgespanntheit, verbunden mit Kopfschmerzen, f dessen Blut dle nötigen Bestandteile fehlen, nämlich rote Blutkörperchen, welche unbedingt notwendig sin i 1 tes und der Nerven f e— Wirkung wie das flüssige, bequem als Feldpostbrief zu versenden, erhältlich, wende man sich an Galenus chemische Industrie G. m. b. H., Frankfurt a. M. lschatz in Leciferrin(Ovo-Leoithin Elsen), Leoliferrin kostet Mk. 3.— die Flasche. den Apotheken-(495, Leciferrin- Tabletten, von Mangel an Energie, Wo nicht Magendrücken, Herzklopfen, d, um sich kräftig und frisch zu fühlen. pesltzt und dadurch den Körper auf einen gesunden, normalen Zustand versetzt. 1 9 beruhen oft auf einem mangelhaft ernährten Körper, in Ein hervorragendes Mittel besitzt der Mk. 2.50. 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