. Velen Jen beer c Nr. 24 Der Sletzener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Sießener Famillenblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ att für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche zeitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäfts stellebl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Sießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt TB.) Großes Hauptquartier, 28. Januar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. An der flandrischen Küste wurden die Ortschaften Middelkerke und Slype von feindlicher Artillerie beschossen. Auf den Craonner Höhen wurden dem Feinde weitere, an die vorgestern eroberte Stellung östlich anschlie⸗ ßende 500 Meter Schützengraben entrissen. Französische Gegenangriffe wurden mühelos ab gewie⸗ sen. Der Feind hatte in den Kämpfen vom 25. bis 27. Ja⸗ nuar schwere Verlufte. Ueber 1500 tote Franzosen lagen auf dem Schlachtfelde, 1100 Gefangene, ein⸗ schließlich der am 27. Januar gemeldeten, fielen in die Hände unserer Truppen. In den Vogesen wurden in Gegend Senones und Van de Sapt mehrere französische Angriffe unter erheb⸗ lichen Verlusten für den Feind abgeschlagen, ein Offizier, 50 Franzosen wurden gefangen genommen. Unsere Verluste sind ganz gering. Im Ober⸗Elsaßgriffen die Franzosen auf der Front Nieder⸗Asbach—Heidweiler—Hirzbacher Wald unsere Stel⸗ lungen bei Asbach, Ammerzweiler, Heidweiler und am Hirz⸗ bacher Wald an. Ueberall wurden die Angriffe mit schwe⸗ ren Verlusten für den Feind abgewiesen, besonders stark waren seine Verluste südlich Heidweiler und südlich Ammerz⸗ weiler, wo die Franzosen in Auflösung zurückwichen. Fünf französische Maschinengewehre blieben in unse⸗ ren Händen.. Oestlicher Kriegsschauplatz. Unbedeutende feindliche Angriffsversuche nordöstlich Gumbinnen wurden abgewiesen. Bei Biezun nordöstlich Siernz wurde eine russische Abteilung zurückgeschlagen. keine Veränderung. Oberste Heeresleitung. * 5* Die Craonner Höhen, auf denen die Franzosen so große Verluste erlitten, liegen etwa 30 Kilometer nordöstlich von Soissons, und man ersieht daraus, daß unsere Heeres⸗ leitung an der Aisne planmäßig vorgeht und zwischen Soissons und Reims das Gelände von den Franzosen zu säubern beginnt. In kurzer Frist hatten die Franzosen auf dem Kampfplatze 1500 Tote und 1100 Gefangene. Auch an andern Stellen, in den Vogesen und im Oberelsaß, wo die Franzosen es neuerdings mit der Offensive versuchten, wurden ihnen, nach dem heutigen amtlichen Tagesbericht, schwere Verxluste beigebracht. In seinem eigenen Bericht verdunkelt General Joffre die Lage; da werden kleinere „Vorteile“ zu Siegen aufgebauscht, und wenn man die deutschen Berichte damit vergleicht, sieht man genau, daß Joffre in Siegesrausch schwelgt, wenn er von deutschen Toten reden kann, was doch wahrlich nichts beweist. Außer⸗ dem sind wir gewohnt, daß der Feind im Westen unsere Verluste übertreibt und seinen Landsleuten tröstenden Schwindel vorzusetzen geneigt ist. Oft braucht man einige Tage, um hinter die volle Wahrheit zu kommen. Zwar sind in die amtlichen deutschen Meldungen keine Zweifel zu setzen, aber die Engländer verstehen das Lügen so gut, daß sie sich öfter selber wider⸗ sprechen und überführt werden können. So verbreitet sich jetzt allmählich Klarheit über die Seeschlacht in der Nord⸗ see. Was uns heute der Admiral Beatty berichtet(Siehe die folgenden Nachrichten!), klingt doch etwas anders als die erste Reutermeldung von der Unversehrtheit des eng— lischen Geschwaders. Der englische Admiral gibt zu, daß das große Schlachtschiff„Lion“ sehr schwer beschädigt und kampf⸗ unfähig gemacht wurde und daß auch der„Tiger“„dem E. ierten Feuer der deutschen Schiffe ausgesetzt“ war, so daß er„wiederhergestellt“ werden muß, was angeblich „binnen kurzem“ erfolgen könne. Ein Hauptgeständnis aber ist noch folgendes:„Die Anwesenheit feindlicher Untersee⸗ boote nötigte uns sodann, das Gefecht abzubrechen.“ So ist also die deutsche Flotte doch nicht zurückgeschlagen wor⸗ den, wie die triumphierenden englischen Blätter behauptet hatten. Sie werden jetzt wohl etwas kleinlaut werden. Ge⸗ nauere deutsche Mitteilungen, die an unterrichteter Stelle vorliegen, stellen dem englischen Bericht noch folgende Fest⸗ stellungen gegenüber: Das Teuer dax Engländer richtete sich sichtlich sehr stark auf das Schlußschiff, den„Blücher“. Sehr bald hatte der „Blücher“ eine Maschinenhavarie, offenbar durch Schuß verletzung, und blieb zurück. Die anderen Schiffe des deutschen Geschwaders setzten das Gefecht fort und konnten natürlich auf das zurück⸗ bleibende Schiff keine Rücksicht nehmen. Der„Blücher“, der somit allein blieb, legte sich über, fuhr aber fort zu feuern. Die englischen leichten Streitkräfte, die Torpedobootszerstörer be⸗ nutzten diese Gelegenheit, um dem„Blücher“ Torpedobootschüsse beizubringen. Um 11 Uhr 37 Minuten e man eine ige Explosion auf dem„Blücher“. Dann sank das Schiff. 8 steht fest, daß der„Blücher“ porher zwei von den englischen Torpedobvotzerstörern vernichtet hat. Ebenso steht fest, daß ein dritter Torpedobootzerstörer von einem deutschen Unterseeboot vernichtet worden ist. Die englischen leichteren Streitkräfte gingen dann an die Stelle, wo der„Blücher“ gesunken war, heran und nahmen die Ueberlebenden auf. Das Gefecht ging weiter auf südöstlichem Kurs und wurde von dem englischen Admiral abgebrochen. Welche Gründe den englischen Admiral zu diesem Abbruch des Gefechtes bewogen. oder nötigten, kann nicht ohne weiteres entschieden werden. Viel⸗ leicht erschlen ihm die Annäherung an die deutsche Bucht bedenklich. N n Gießen 165. Jahrgang er Anzeiger General⸗Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei n. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. Freitag, 29. Januar 1015 Zeingsbo rei: monatl. 75 Pf., viertel- jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Druckerei: Schulstr. 7. Beck, sämtlich in Gießen. Wahrscheinlicher aber ist noch, daß ihn der Zustand seines Ge⸗ schwaders dazu zwang. Das erste Schiff, der„Lion“, lag über. Auf dem zweiten, dem„Tiger“, war ein großer Brand bemerk⸗ bar. Die englische Linie war am Schluß des Gefechts auseinander⸗ gerissen und in zwei Gruppen geteilt, was auf Maschinenhavarien schließen läßt. Ein Schiff der englischen Marine blieb zurück. In diesem Augenblick fand eines der deutschen Torpedoboote Gelegenheit zum Schuß. Es gab auf das englische Schiff, das bereits über⸗ liegend war, zwei Torpedoschüsse ab. Nach dem zweiten Schuß sank das englische Schiff. Das wurde gleichzeitig von dem an⸗ greifenden Torpedoboot, von dem Panzerkreuzer„Moltke“ und einem Luftschiff beobachtet, so daß man an den informierten Stellen jeden Zweifel an der Richtigkeit der Meldung für aus⸗ geschlossen halten muß. Die leichten Streitkräfte sind auf beiden Seiten nicht weiter in Aktion getreten. Unsere Schiffe haben nicht wesentlich gelitten. Nur ein Schiff hat einen Volltreffer erhalten, der geringen Materialschaden und einige Menschenverluste verursachte. Von den deutschen Torpedo⸗ booten ist keines gesunken. Auch ist dort kein Menschenverlust zu beklagen. Von den kleinen Kreuzern hatte nur einer eine leichte Schußverletzung und zwei Tote. Auf der englischen Seite hatte der„Lion“ Unterwassertreffer erhalten und mußte ins Schlepp genommen werden. Auf dem„Tiger“ sind nach englischen Be⸗ richten 23 Mann getötet und 12 verwundet auf dem„Lion“ 17 Mann verwundet, und schon aus diesen Zahlen kann man schließen, wie stark auch die Schiffe getroffen sein müssen. Das Gefecht war gegen 1 Uhr beendet, hatte also ungefähr 4 Stunden gedauert. ** die Seeschlacht in der Nordsee. London, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily News“ melden aus Harwich: Die britischen Matrosen zollen dem„Blücher“ für seine feemän nische Tapferkeit, mit der er dem Ende entgegenging, großes Lob. Das Schiff leistete bis zum letzten Augenblick Widerstand und ging ohne jede Panik unter, selbst als jeder Mann 2 daß das Ende gekommen sei. Die Kanonen des Hinterschiffs feuerten noch in der letzten Sekunde. London, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Ein in Edin bu rg befragter eng⸗ lischer Matrose erklärte, daß die deutsche Flotte dreißig Meilen von der englischen Küste in Sicht kam. Der Schieß⸗ abstand betrug während der Schlacht immer mindestens 14 Kilometer. Die britischen Zerstörer hatten stets Angriffe der deutschen Unterseeboote abzuwehren. Ein Bericht des englischen Admirals Beatty. London, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das Presse⸗ bureau veröffentlicht folgenden Bericht des Admirals Beatty: Die Zerstörer sichteten den Feind um 7½ Uhr früh vierzehn Meilen östlich von unserem Schlachtkreuzergeschwader. Die Zerstörer er⸗ hielten den Befehl, den Feind zu verfolgen, der anscheinend zurück⸗ zugehen begann. Die Schlachtkreuzer fuhren in südöstlicher Rich⸗ tung mit der Absicht, dem Feinde den Rückzug abzuschneiden, sie 1 eine Schnelligkeit von 18 bis 19 Knoten und eröff⸗ neten auf 18 000 Pards ein langsames, nicht heftiges Feuer. Als sich der Abstand bis zu 17000 Hards verringert hatte, begannen die Schüsse das Ziel zu treffen, worauf der Feind das Feuer beantwortete. Der„Lion“ und„Tiger“, die an der Spitze fuhren, waren dabei allein in Aktion, so daß diese Schiffe einige Zeit dem konzentrierten Feuer des Feindes aus- gesetzt waren. Besonders der„Lion“ hatte sehr dar⸗ unter zu leiden. Als unsere Schiffe herankamen, mußte der Feind auch ihnen seine Aufmerksamkeit widmen. Der Angriff der deutschen Zerstörer wurde abgewiesen. Gegen 11 Uhr be⸗ schädigte ein glücklicher Schuß des Feindes unglücklicherweise die Kessel des„Lion“, wodurch die Maschine an Backbord außer Tätigkeit gesetzt wurde. Zugleich wurden feindliche Unter⸗ seeboote an Steuerbord signalisiert, so daß der Kurs geändert werden mußte, um ihnen zu entgehen. Der„Blücher“ befand sich jetzt in einer kritischen Lage; die„Indomitable“ erhielt den Befehl, ihn in Grund zu bohren. Der Rest des Geschwaders griff darauf die Nachhut des Feindes an. Der„Lion“ dampfte mit einer Eskorde in nordwestlicher Richtung. Admiral Beatty ließ die Admiralsflagge auf die„Princeß Royal“ bringen. Der dem „Lion“ beigebrachte Schaden verhinderte uns offenbar, einen größeren Sieg zu erfechten, und die Anwesenheit feind⸗ licher Unterseebootenbtigte uns sodann, das Ge⸗ fecht abzubrechen. Das Ergebnis der Seeschlacht ist, daß der Blücher“ zum Sinken gebracht und daß zwei andere Schlacht⸗ kreuzer, die in Brand standen, ernstlich beschädigt wurden. Da der Schaden an den Maschinen und der Steuerbordseite des „Lion“ uns Schwierigkeiten hätte bringen können, schleppte„In⸗ domitable“ den„Lion“ in den Hafen. Die Beschädigungen des „Tiger“ sind nicht ernstlich; das Schiff kann binnen kurzem wieder hergestellt werden. Der Rest des Geschwaders ist nur leicht be⸗ schädigt, während Menschenverluste auf diesen Schiffen nicht zu beklagen sind. 1 1 4 Berlin, 29. Jan. Wie in holländischen Blättern nach der„Tägl. Rundschau“ festgestellt wird, finden die Angaben der deutschen Admiralität über die Verluste der englischen an der Seeschlacht westlich Helgoland beteiligten Kriegs⸗ schiffe eine Bestätigung durch Reisende aus London. Die Schiffahrt im Suezkanal. Haag, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das Ministerium des Aeußern teilt mit, daß die englischen Militärbehörden Maßnahmen ergriffen haben, um die Schiffahrt im Suez⸗ kanal zu schließen. Die Kanalgesellschaft lehnte die Ver⸗ antwortung für eine Verzögerung oder Beschädigung ab. Seit heute nachmittag lönne kein Schiff in den Suezkanal einfahren. 2* Gute Erfolge im Westen. Die Russen in den Karpathen zurückgeworfen. Der Kaiser im Felde. München, 28. Jan.(WB. Nichtamtlich.) In den „Münchener Neuesten Nachrichten“ beschreibt Ludwig Ganghofer einen Abend bei dem Kaiser im Felde folgendermaßen: Bei dem Kaiser ist nichts von einem großzügigen Haushalt zu gewahren. Die wenigen Gäste der Abendtafel versammeln sich im kleinen Empfangsraum. Der Kaiser tritt in einer feldgrauen Generalsuniform mit ruhigem, elastischem Schritt ein.„Na, Gang⸗ hofer, Ihre Bayern, prachtvolle Leute! Die haben feste und tü⸗ tige Arbeit gemacht! Und vorwärts geht es überall, Gott sei Dank.“ Dann ein Erinnern an die letzte Begegnung im Frühjahr. Mit langsamer strenger Stimme sagt der Kaiser, wer hätte damals ahnen können, was jetzt gekommen ist, und daß wir uns in Frank⸗ reich wiedersehen würden! So!“ Dann wird im Speisezimmer eine kurze, rasche Mahlzeit eingenommen, an die sich eine Plau⸗ derstunde in dem kleinen, netten Wintergarten anschließt. Gegen die elfte Abendstunde wird für den Kaiser und eine Anzahl hoher Offiziere ein militärischer Vortrag angesagt, der in einem nahen Hause unter Vorführung von Lichtbildern von einem Offizier ge⸗ halten wird und eine neue, wichtige und für die Kriegführung hilfreiche Sache behandelt. Immer wieder und wieder stellt der Kaiser mit raschen, knappen Worten eine Zwischenfrage, worauf der Offizier antwortet. Nach Schluß tritt der Kaiser auf den jungen Offizier zu, reicht ihm die Hand und sagt:„Ich danke Ihnen, das ist eine gute Sache, glauben Sie, daß uns die Fran⸗ zosen das nachmachen können?“ Der Offizier antwortet lächelnd: „So schnell nicht, Majestät, wir haben das jetzt erst erfunden!“ Das Gefecht von Hurtebise am 25. und 26. Jauuar Berlin, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Aus dem Gro⸗ en Hauptquartier wird uns geschrieben? Einen knappen Tagesmarsch von Soissons entfernt, also nicht allzu weit von dem Kampffelde vom 13. und 14. Januar, über das wir erst vor kurzem berichteten, hatten die Sachsen am 25. ihren Ehrentag. Die Kämpfe fanden auf der Hochebene von Craonne, also auf historischem Boden, statt. Das jöft Hurtebise, um dessen Besitz am 6, und 7. März 1814 die Franzosen und Russen erbittert kämpften, bis es von den letzteren angezün⸗ det und geräumt wurde, liegt— auch heute von französischer Artillerie gänzlich zerschossen und ausgebrannt— als trauriger Mauerrest dicht hinter der Mitte der deutschen Stellungen, aus denen heraus der Angriff erfolgte. Ost⸗ und westwärts an das Gehöft anschließend, folgten die deutschen Schützengräben dem Chemin des Dames, einem die Hochfläche von Craonne entlang führenden Höhenwege, der 1770 von dem Besitzer des nahe gele⸗ genen Schlosses Le Bove für die Prinzessinnen von Frankreich angelegt wurde. Den deutschen Gräben dicht gegenüber lagen die französischen in dreifacher Reihe. Die vorderste Linie der letz⸗ teren nahm ganz ähnlich wie bei Soissons den Südrand der Hochfläche ein und war damit eine für Infanteriewirkung und Artilleriebeobachtung günstige Stelle. Dazu stützte sich der linke Flügel auf ein starkes, wohlausgebautes Erdwerk, und die Mitte besaß in der Höhle von Creute einen bombensicheren Unterschlupf für starke Reserven. Diese geräumige Höhle, eines der zahlreichen großen Pariser Kalksteinbecken, diente einst den Bewohnern als Weinkeller, später als Wirtschaftsraum und Stallung. Hier such⸗ ten 1814 die Einwohner während der Schlacht von Craonne Schutz vor dem Artilleriefeuer. Bei dem gegenwärtigen Stellun kampf war der Besitz eines derartigen Raumes von nicht zu unterschätzen⸗ der Bedeutung. Es galt, den Franzosen die erwähnten Stellungen samt dem Erdwerk und der Höhle zu entreißen. Nach ausgiebiger artilleristischer Vorbereitung schritt unsere Infanterie, die unter den Befehlen der Generäle v. Gersdorff und v. d. Pla⸗ nitz stand, während der Oberbefehl in den Händen des Generals der Infanterie d Elsa lag, auf der ganzen Linie zum Angriff. Binnen wenigen Minuten waren das Erdwerk und die durch das Feuer unserer Artillerie stark erschütterte er ste französische Linie erstürmt und kurz darauf war auch die z weite Linie in deutscher Hand. Ueber die Höhe hinweg ging dann der Sturm gegen die dritte und letzte Stellung des Feindes. Binnen einer halben Stunde war der Angreifer im Besitz des Erdwerkes und der drei Linien mit Ausnahme des linken Angriffsflügels, wo der Feind erbitterten Widerstand leistete. Auch die Höhle selbst, die nur einen nach Süden gerichteten schmalen Aus⸗ gang hatte, war noch in französischem Besitz. Wäh⸗ rend sich unsere Truppen bereits südlich der Höhle in den eroberten Stellungen einrichteten, wurde der Höhleneingang umstellt und unter Maschinengewehrfeuer genommen. Es wurde Mitternacht, bis sich die hier eingeschlossene Besatzung von rund 300 Köpfen ergab. Auf dem linken Angriffsflügel dauerten die Kämpfe bis zum 26. Januar 5 Uhr morgens. Zu dieser Stunde war auch der Widerstand des Feindes endgültig gebrochen und der Angreifer auf einer Frontbreite von 1500 Metern im Besitze des von ihm gesteckten Zieles, der drei französischen Linien. 5 Offiziere, 1100 Mann, 8 Maschinengewehre, ein Scheinwerfer und ein großes, in der Höhle angelegtes Pionierdepot fielen in deutsche Hand. Was von den französischen Verteidigern noch ent⸗ lam, flüchtete den Hang hinunter und grub sich dort ein, den Deut⸗ schen nunmehr die Hochfläche und damit ausgezeichneteneue Stellungen überlassend. Bei den französischen Gefangenen und Toten— die letzteren werden auf min destens 1500 geschätzt— wurden die Nummern der Regimenter 18, 34, 49, 143, 218 und 249 festgestellt; sie gehören zum 18. Armeekorps Der zum Teil den Pyrenäen entstammende Ersatz schlug sich in der Vertei- digung sehr tapfer, aber auch er vermochte der unvergleichlichen Angriffslust und Tapferkeit unserer Truppen auf die Dauer nicht zu widerstehen. f Bom französischen Heer. Berlin, 28. Jan.(Priv.⸗Tel.) Das„Berl. Tagebl.“ meldet aus Basel: Ein Artikel von Descaves im Pariser „Journal“ bestätigt, daß Tausende von französischen Sol- daten hinter die Front gebracht werden mußten, weil sie den Anstrengungen nicht gewachsen waren. Da die Ausstattung der Depots ungenügend ist, wird das Pu- blikum aufgefordert, Geld dafür zu spenden.. Englische Kohlen für Frankreich. Paris, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Matin“ meldet: Die englische Admiralität beschloß, Frankreich Kohlen zu liefern. Der Beschluß ist die Folge langer Unterhandlungen zwischen den französischen und englischen Ministerien. Kundgebungen in Mailand. Berlin, 28. Jan.(Priv.⸗Tel.) Das„Berl. Tagebl.“ meldet aus Rom: Auf dem Domplatz in Mailand wollten „Interventionsfreunde“ eine Kundgebung für das Ein⸗ greifen Italiens in den Krieg veranstalten. Lid Sozialisten erschienen indessen vollzählig und verprügelten die Kriegs- schreier, von denen einige fünfzig verhaftet, aber wieder frei⸗ gelassen wurden. * ** Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien. 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 28. Jan. 1915, mittags. Nunmehr ist auch das Nagy⸗Ag⸗Tal vom Feinde gesäubert. Der in dieses Tal bis in die Gegend nördlich Oekerm e zö mit stärkeren Kräften eingedrungene Feind mußte gestern seine letzte, gut befestigte Stellung aufgeben. Toronya wurde von uns genommen, in der Verfolgung Vyszkow erreicht, wo der Kamyf gegen feindliche Nachhuten erneuert begann. Auf den Höhen nördlich Veserszallas und bei Bolovec versuchten die Russen nach Einsetzung von Verstärkungen nochmals ihre verlorene Hauptstellung wieder zu gewinnen; sie wurden zurückgeschlagen und verloren hierbei 700 Gefangene und fünf Maschinengewehre. An der übrigen Karpathenfront keine wesentliche Aenderung der Si⸗ tuation. Oestlich des Nagy⸗Ag⸗Tales herrscht Ruhe. 2 In Westgalizien und Polen Artilleriekämpfe und kleinere Aktionen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Die Räumung Lembergs? Wien, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Zeitungen geben eine Meldung Lemberger Blätter wieder, nach denen aw 12. Januar in Lemburg durch Straßenplakate be⸗ bannt gegeben wurde, daß die Russen aller Wahrschein⸗ lichkeit nach bald genötigt sein werden, aus strategischen Rücksichten die Stadt Lemberg eitweilig zu räumen. Es ergehe demnach an die kerung die 2 2 gegebenenfalls sich ruhig zu verhalten und an bie dein nur vorübergehenden Be⸗ setzung der Stadt durch die Feinde keinerlei Demonstrationen Bu veranstalten, zumal die Russen nach Lemberg zurückkehren und die Stadt dem Feinde unter keiner Bedingung für die Dauer gutwillig überlassen würden. 8 Berlin, 28. Jan.(Priv.⸗Tel.) Der„Berl. Lok.⸗Anz.“ meldet aus Wien: Die in Lemberg erscheinende russische Zeitung„Das karpathische Rußland“ schreibt in einem Auf⸗ satz über die militärische Lage, es sei möglich, daß die Russen Lemberg demnächst verlassen müßten, man sollte aber nicht glauben, daß dies für immer geschehe. a Russischer Schwindel. Berlin;, 28. Jan.(WTB. Amtlich) Nach Mitteilungen asländischen Presse verbreitet die Petersburger deere, r die Nachricht, daß der russische Minister des ern Note an den spanischen Botschafter in Peters⸗ habe, in der auf Grund von Aussagen russischer Greueltaten der deutschen Truppen fest⸗ 8 seien getötet und verstümmelt, be⸗ 95 seien vielfach als Gefangene erschossen oder 5 1 die Bevölkerung an mehreren Orten terroristert, latho- 0 riester mißhandelt, das Zeichen des Kreuzes und die b mißbraucht worden. Daß es ausgeschlossen ist, auf Grund der in der Veröffent⸗ lichung enthaltenen Angaben die Behauptungen über Vorgange zu widerlegen, die monatelang zurückliegen, ist der russischen 5 gierung natürlich genau bekannt. Sie kann also mit ihrer eröffentlichung nur denselben Zweck verfolgen, den die fran⸗ 5 zösische 2 ihrer gleichzeitigen Darstellung angeb⸗ . 1— deutscher eueltaten anstrebt. ie Gleichzeitigkeit des sehens in den beiden Staaten bestätigt immer mehr, daß es sich hier um den planmäßigen Versuch einer Vergiftung der öffentlichen Meinung der Welt zu Ungunsten Deutschlands han⸗ delt. Die deutsche Heeresleitung verzichtet auf jede Antwort darauf. . Die russischen Finanzen. Petersburg, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Budgetausschuß der Duma hat die Besprechung des Ein⸗ nahmebudgets beendet. Die Gesamtheit der ordent⸗ * und außerordentlichen Einnahmen wird auf 3255 806 414 Rubel geschätzt, d. h. 358 Millionen weniger als im Vorjahre. Der Ministerrat beschloß die Fazer eines Kredits zugunsten der ländlichen und städtischen Grundbesitze, sowie der industriellen und kommerziellen Unte er und Handwerker in den polnischen Provinzen, die* den Duc 233 haben, zu den vorteilha—— Bedingungen. Durch den Staatsschatz werden 50 Millionen en. zur Verfügung gestellt, um die Maßnahme zu verwirklichen. Erfinderpatente in Rußland. Petersburg, W. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Ministerrat hat 9 daß Erfinder patente, welche Bürgern feindlicher Mächte gehören, aufgehoben werden. Dem Staate wird das Recht zuerkannt, sich in den alleinigen Besitz von denjenigen Erfindungen zu setzen, die fütr die nationale Verteidi von Nutzen sein können. Die Maßnahme wird— Grund des Artikels 87 des Staatsgrundgesetzes durchgeführt. * 4* Kücktritt des österreichisch⸗ ungarischen Finanzministers. Wien, 28. 375(Wh Nichtamtlich.) Seit dem Rücktritte * des Grafen Berchtold haben die Blätter in mehr oder minder bestimmter ie Mi von der bevorstehenden Demis⸗ t di ion des eee isters Bilinski gebracht. te schreibt 1„Neue Wi Tageblatt“ hierzu: Von. informierter Seite — Fa;——— a5— 9*— 0 anzmimt anzunehmen ist. Wann die Entscheidung erfolgen werde, stehe aber noch nicht N vr ber, auch ein ar er. — Der neue Minister des Burian, hat, wie uns 40 wird, bis Stunde mit. nicht gesprochen. Alle Gerüchte über Veränderungen in anderen Ministerien gehören bis jetzt in das Bereich der Mutmaßungen, wie sie bei jedem Mi⸗ nisterwechsel naturgemäß auftauchen, ohne aber ein Recht auf Zu⸗ verlässigkeit für sich in Anspruch nehmen zu können. l Verhaftung des französischen Generalzahlmeisters. Kopenhagen, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.)„Na⸗ tional ibende“ melbet aus Paris zu der bereits berich⸗ teten Verhaftung des fr chen Generalintendanten Desclaus: Dieser wird beschuldigt, Futterwaren und Wollstosse in großer Menge nach der Wohnung seiner Ge⸗ liebten, die mit dem Inhaber eines Pariser Handels- a hauses verheiratet wax, geschafft zu haben. Die gestohlenen Waren sollen dann an Pariser Handelshäuser verkauft worden sein. Die Geliebte Desclaus' war eine in der Pariser Gesellschaft sehr bekannte Persönlichkeit. Die Betrügereien wurden dadurch entdeckt, daß es auffiel, wie Soldaten die Waren über den Vendömeplatz in die Wohnung der Ge⸗ liebten hinbrachten. Desclaus, der unter Caillaux Chef der Steuererhebung war und in diesem Posten ein Gehalt von 34000 Franks bezog, wurde heimlich überwacht und dann verhaftet. Ein italienischer Dampfer untergegangen? Norfolk(Virginia), 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der italienische Dampfer„Angelo Parodi“ ist 300 Meilen von Kap Henry gesunken. Die ganze Besatzung, 27 Mann, ist verloren. Aus dem Reiche. Berlin, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) In der heu⸗ tigen Sitzung des Bundesrats wurde der Vorlage betr. Krankenversicherung und Wochenhilfe während des Krieges und der Vorlage betr. die Bestimmungen über die außer⸗ ordentliche ärztliche Prüfung(Notprüfung) die Zustim⸗ mung erteilt. Ueber die Fortsetzung der von privaten Ver⸗ sicherungsunternehmungen zu erhebenden Gebühren für das Kalenderjahr 1914 wurde Beschluß gefaßt. Straßburg, 28. Jans(WTB. Nichtamtlich.) Der Oberbefehlshaber der Armeeabteilung Gaede erläßt fol— gende Bekanntmachung: Es liegt Veranlassung zu der An⸗ nahme vor, daß sich noch französische Militär⸗ personen im Oberelsaß aufhalten. Es wird ihnen und ihren Helfershelfern Generalpardon gewährt, wenn sie sich bis— 31. Januar 1915 bei der Militär⸗ behörde gestellt haben. Wer nach diesem Zeitpunkt aufge⸗ griffen wird, wird als Spion behandelt werden. Wer Spione verborgen hält, verfällt den Kriegsgesetzen. München, 28. Jan.(WT. Nichtamtlich.) König Ludwig begab sich heute morgen in Begleitung des Kriegs- ministers Freiherrn Kreß v. Kressenstein und den Herren des Gefolges zum Besuch der bayerischen Truppen nach dem Kriegsschauplatz. . Heer und Flotte. Der neue Generalquartiermeister Frhr. Hugo v. Freytag⸗Loringhoven wurde am 6. Mai 1855 geboren. Er gehört seit 1877 dem Heere an. 1907 bis 1910 war er Kommandeur des Grenadierregiments Nr. 12. Im Jahre 1910 wurde er mit der Wahrnehmung der Ge⸗ schäfte eines Oberquartiermeisters im Generalstab beauf⸗ tragt und im nächsten Jahr zum Oberquartiermeister er nannt. Im Dezember 1913 erhielt er das Kommando der 22. Division in Kassel. Aus Stadt und tand. Gießen, 29. Januar 1915. Auf dem Felde der Ebre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Kriegsfreiw. Curt Kautschke, Res.⸗Inf.⸗Regt. 221, aus Darmstadt. Einj.⸗Kriegsfr. stud. 5 Heinrich Kleinz, Pionier⸗Bat. 21, aus Mainz.— Ers.-Res. Friedrich Wilhelm Baum, Res.⸗Inf⸗Regt. 222, aus Oppenheim.— Gardist Hein⸗ rich Herzberger, Inf.⸗Regt. 115, aus Burg⸗Gemünden.— Res. Ludw. Lehr, Res.⸗Regt. 223 aus Wiesbaden.—. Res. Jakob Viniol, Res.⸗Inf.⸗Regt. 116, aus Nieder⸗Ramstadt.— Landwehrm. Och. Köhler aus Mainz. — Eine halbe Million Kriegskredit. Gestern nachmittag fand im Stadthaus eine nichtöffentliche Stadtverordneten-Versammlung statt. Auf der Tagesordnung stand die Bewilligung eines weiteren Kre⸗ dits in Höhe von 500 000 Mk. in Rücksicht auf die durch den Krieg herbeigeführte außergewöhnliche Lage. Die streng vertraulich geführte Aussprache, die zwei volle Stunden in Anspruch nahm, beschäftigte sich in der Haupt⸗ sache mit der Fleischversorgung unserer Bevölke⸗ rung während des Krieges. Die verlangte Summe wurde bewilligt, davon sollen 100 000 Mk. zur Beschaffung von Dauerware in Schweinefleisch Verwendung finden. Der städtische Ausschuß für Lebensmittelversor⸗ gung, der schon seit Beginn des Krieges besteht, soll das Weitere veranlassen. * Vom Roten Kreuz. Gestern verließ ein größerer Truppentransport unsere Stadt, dem zahlreiche hie⸗ sige Einwohner am Bahnhof noch 4 99 brachten. Das hiesige Rote Kreuz erfreute die scheidenden Krieger durch Verabreichung von 200 selbstgefertigten, aus Stoff⸗ resten hergestellten Wolldecken, die gern angenommen wurden. Im Laufe dieses Monats hat das hiesige Rote Kreuz über 300 derartige Wolldecken an ins Feld rückende Truppen⸗ transporte abgegeben. 5 * Die Auszahlung der Familienunter⸗ stützungen für die Zeit vom 1. bis 15. Februar an die Angehörigen r zum Heeresdienst Einberufenen findet Montag, den 1. Februar, Dienstag, den 2. Februar, Mitt⸗ woch, 3. Februar, Donnerstag, den 4. Februar, und Freitag, den 5. Februar, vormittags von 8—1 Uhr, im Stadt⸗ ä 16, statt. *Der Handel im Gefangenenlager mit Ta⸗ bak, Zigarren und Zigaretten sowie mit Weißbrot ist seit Ende r verboten. Die Kommandantur ging dabei mit Recht von dem Gesichtspunkt aus, daß, soweit Nahrungs⸗ mittel in Betracht kommen, die Gefangenen mit dem, was ihnen geliefert wird, auskommen können, und daß Tahak und daraus hergestellte Fabrikate für unsere einheimische Bevölke⸗ rung und für unsere Truppen im Felde reserviert bleiben müssen. Hierzu kommt, daß seit dem 25. Dezember v. J. den Gefangenen freigegeben ist, sich derartige Bedürfnisse in 10⸗Pfund⸗Paketen aus ihrem Heimatland kommen zu lassen. Allerdings hat dadurch die für das Gefangenenlager ein⸗ gerichtete Prüfungsstelle, die in der Liebigshöhe unter⸗ gebracht ist, eine gewaltige Arbeit bekommen, denn jedes ein⸗ gehende*(es sollen bisher schon pro Woche 500 Stück anlangen), muß geöffnet, auf seinen Inhalt geprüft und dann wieder verschlossen werden, ehe es dem Adressaten ausgeliefert wird. Dabei ist zu bedenken, daß sich die Zahl der Sendungen mit der Zeit noch verstärken wird. Diese Kontrolle wird durch vertrauenswürdige Mannschaften bewirkt. Beim Oeffnen und Schließen der Pakete werden auch Franzosen oder Belgier be⸗ schäftigt. Es geht, wie die Gefangenen selbst beobachten kön⸗ nen, bei uns alles ordentlich und streng gewissenhaft zu, so daß jeder der Adressaten auch wirklich erhält, was ihm seine Angehörigen zusenden. * Wie die e Soldaten schwindelt werden. Aus einem vom 25. Januar da⸗ tierten Feldpostbrief eines Gardeschützen Norden Frankreichs dürfte folgende Stelle von 3 sein: ..„Es ist ja in letzter Zeit überall von seiten der Franzosen angegriffen worden, aber überall sind sie unter schweren Verlu zurückgeschlagen. Meistens sind es neue Truppen, welche angreifen, denn die alten gehen nicht aus den Schützengräben. Neulich wurden Eisenbahnfahrscheine bis Köln bei gefangenen Frau⸗ zosen gefunden; so führen die Franzosen ihre Leute in den Krieg. Es muß doch ein großer Schwindel bei ihnen sein; hoffentlich kommen sie bald dahinter und machen bald Frieden. l krieg und Religion Die Vorträge über reli⸗ * Fragen mit Beziehung auf den gegenwärtigen 5 ie der Oberhessische Verein für Innere Mis⸗ sion vor Weihnachten veranstaltet hat, haben sehr große Teilnahme gefunden. Infolgedessen hat sich der Verein ent⸗ schlossen, in den nächsten Wochen noch einige weitere Vorträge folgen zu lassen. Sie werden wieder in der Stadtkirche an Sonntagabenden gehalten werden und von 8 bis 9 Uhr dauern. Zunächst spricht am Sonntag, 31. Januar, Herr Pfarrer Dr. Koch aus Langd bei Hungen, früher Biblio⸗ thelar an der hiesigen Universitätsbibliothek, über das Thema:„Wie vereinigen wir Krieg und Liebe?“ 8 * Ortsgewerbeverein. Da die Mitglieder des Ver⸗ eins gerade inder jetzigen schweren Zeit in verschiedenen Fragen der sozialen Gesetzgebung, Steuergesehgebung usw. Rat nötig haben, hat Vereinsmitglied Kirchner sich bereit erklärt, diesen unentgelt⸗ lich zu gewähren.(Siehe Anzeige.) Landwirtschaftlicher Verein für Oberhessen. Am Donnerstag, den 4. Februar 1915, nachmittags 3% Uhr, findet im Hotel Viktoria zu Gießen eine Ausschußsitzung des Lan d⸗ wirtschatlichen Vergins für die Provinz Ober⸗ hessen statt. * Die Reichsbank veröffentlicht im Anzeigenteile dieser Nummer eine Bekanntmachung, betreffend die Zwischenscheine zur Kriegsanleihe und deren Umtausch. Gesetzliche Gesellen prüfungen. Wir verweilen auf die im Anzeigenteile enthaltene Bekanntmachung des Prüfungs-Ausschusses des Ortsgewerbevereins über die in die Monate März und Avril fallenden Gesellenprüfungen. Gegen die Rauchplage erschienen vor dem Kriege in unserem Blatte als„Eingesandt“ mehrfache Aus⸗ lassungen aus unserem Leserkreise. wurde u. a. darauf hingewiesen, daß nach den in Gießen zurzeit noch geltenden Vestimmungen einer der Zeit nicht mehr entsprechenden Bau⸗ ordnung weder das Bauamt noch die olizei in der sind, einen Bürger, durch dessen gewerbliche Anlagen die Nachbarschaft außerordentlich durch Rauch und Ruß belästigt wird, zwangsweise zur Abhilfe dieses Uebelstandes zu ver⸗ anlassen. In einem solchen Fall war der unmittelbar betrof⸗ fene Nachbar gezwungen, auf dem Klage weg—. Er verlangte, daß der Veklagte in seiner Hofreite Einrich⸗ tungen oder Maßnahmen treffe, die geeignet seien, die Zu⸗ führung von Rauch und Ruß von seinem, des Klägers, An⸗ wesen, abzuhalten. Der Prozeß, der mit aller Energie von beiden Seiten geführt wurde, ging für den Kläger beim Amtsgericht verloren, obgleich der Sa verständige bekundet hatte, daß die außergewöhnliche Belästigung der Nachbar⸗ schaft durch Rauch und Ruß an der Konstruktion des Schorn⸗ steins des Bellagten liege, durch welchen die Feuerung von drei Wurstkesseln ihren Qualm abgibt. Dem Uebelstande für die beteiligten Nachbarn ist auch, wie im Verfahren fest⸗ durch ein 9 des betreffenden 5 sich nun in der Be⸗ 5 D mit der J dem Klage⸗ 2 gest 5 im allgemeinen Interesse freudi⸗ begrüßen sind. Es gibt f* 255 Ke Here debe teen J die durch ihre Rau onderungen die Nachbarschaft aufs ärgste belästigen, weil die Anlage der Kamine nicht zuläßt, daß der Rauch frei abziehen kann. Durch einen entsprechen⸗ den Rohraufsfatz auf dem Kamin könnte diese Belästi 5 Nachbarn beseitigt oder wenigstens auf ein erträgliches 5 verringert werden. Aber bisher wollte niemand einen zeß daran hängen, + Ausgang 1 iß war. Nach vorliegenden Urteil tenz. S. 239/14) wird man in un⸗ serer Stadt endlich Wandel schaffen können, wenn man sich egebenenfalls an die Gerichte wendet. Immerhin wäre es chon um des lieben Friedens viel mehr zu begrüßen, wenn eine Aenderung der Bauordnung solchen nachbarlichen Streitigkeiten von vornherein vorbeugen würde Landkreis Gießen. eee m. Hungen, 28. Jan. Im Beisein der Prinzessin Hermann zu Solms⸗ Braunfels fand gestern vormittag für die zwei obersten Klassen der Volksschule im Saale der „Traube“ eine Kaisergeburtstags⸗Feier statt. Kirchen⸗ i rat Hainer hielt eine der 5 Tages entspe 5 Ansprache an die Kinder. Jede Klasse sang hierauf unter* ihres Lehrers ein mehrstimmiges Lied und später klangen gemein⸗ 5 same vaterländische Lieder durch den Saal. Die 1 in Hermann i machte den Kindern durch Schenkung von hübschen Ansi eine große Freude. Für die Klassen süftete sie je ein Kaiserbild in schönem Rahmen. Anschließend hieran wurde im Lazarett ein Gottesdienst für die Verwundeten abgehalten, wobei die Schulkinder wieder mehrere Lieder sangen. ö Kreis Alsfeld h. Alsfeld, 28. Bäumen, das Durchschn — Merlau, Flenfungen—Rupperteurod und Kirs ten— f 5 DA 3 ittlung dern linge e hörde ein lohnung aus. Kreis Schotten. a 2 dei* i 8 ers gestern abend in evangelischen e st⸗ ga desi sJ statt. Zur Kirchenparade waren die 1 an⸗ wesenden Mitglieder des Krieger und Gesangvereins angetreten. Nach dem Gottesdienst ging es in feierlichem Kaiser.— Im Gymnasium wurde am Dienstag m Vorfeier abgehalten. Die ede hielt Oberlehrer Scho nebom. Zu der Feier waren keine Einladungen ergangen. Starkenburg und Rheinhessen. 6 m. Offenbach a. M., 29. Jan. Die Stadtverordne⸗ ten traten gestern unter dem Vorsitz des Oberbür sters Dr. Dullo zu ersten Sitzung im neuen Ja* men, deren 3 Ve ung ie 11 Beratungsgegenstände der schnelle und glatte Erledigung fanden. Für nalbauten wu weitern 111600 Mk. bewilligt, um auf diese Weise 1 1 zu beschaffen. Außerhalb der Tagesordnung wurde die Mehl!« und Brotversorgung der Städte gemäß der bundesrat ⸗ lichen Bestimmung bes und hierzu die Bi g eines Zen⸗ tralausschusses aus Mitgliedern der Versammlung vom Vorsitzen⸗ den in Vorschlag 5 t. Diese Angelegen wurde aber ebenso wie die Frage der Beschaffung von Dauerfleischwaren durch Vermittelung der Stadt, wofür in den Ausschüssen als erste Rate 100 000 Mark bewilligt waren, der nichtöfsentlichen— über⸗ Offen⸗ wiesen.— Anstelle des verstorbenen Kreisrates des 0 „„ 761 r 8 5— 1 4 4 bach Geheimen 4 3 Lochmann, wurde der bis⸗ her ge Vorstand des Darmstädter Polizeiamts Regierungsrat Gen- nes zu dessen Nachfolger ernannt. Der neue Kreisrat, der im 45. Lebensjahre steht, wurde im Jahre 1908 Kreisamtmann in Lauterbach und war dann von 1900 bis 1905 als Kreisamt- mann in Offenbach tätig. Er lam dann als Kreisamtmann nach Mainz und hat am 1. Oktober 1911 die Geschäste des Großh. Polizeiamts in Darmstadt übernommen. Kreisrat Gennes wird sein neues Amt am 1. Februar antreten. e a Hessen⸗Nassau. [Marburg, 28. Jan. Im Alter von 79 Jahren hat hier ein alter hessischer Richter, der Landgerichtsrat a. D. Geheimer Justizrat Christian Kind, das Zeitliche gesegnet. Der Verblichene gehörte bis vor einigen Jahren dem Richterkollegium des hiesigen Jandgerichts an.— Die Stadtverordneten genehmigten in nichtöffentlicher Sitzung der Kriegskreditkommission 30000 Mark zur Versorgung der Stadt mit Getreide bis zur endgültigen Ver— teilung des Getreides durch gesetzliche Regelung. X. Bad Orb, 27. Jan. Das aut dem neuen Truppen— sübungsplatze des 18. Armeekorvs bei Bad Orb vorgesehene um— bangreiche Gefangenenlager ist jetzt in dem nach Lettgen— haum zu gelegenen Teile mit 15 Baracken sertiggestellt, so daß es keute mit vorläufig 1040 russischen Gefangenen belegt werden onnte. Gestern ist bereits die aus 500 Mann und 14 Offizieren bestehende Wachmannschast eingetroffen. N 2 5 Ein Familienmörder. Pforzheim, 28. Jan.(Priv.⸗Telegr.) Heute früh zeigte der 50jährige Kaufmann Hans Koth der Staatsauwaltschast an, daß er seine Frau und seine beiden Kinder im Alter von drei und sieben Jahren erschossen habe und sich selbst in Wildbach auf dem dortigen Friedhof entleiben wollte. Den letzteren Vorfatz hat der Mann nicht ausgeführt, ist vielmehr geflüchtet. Frau und Kinder wurden dagegen tot aufgefunden. Die Tat scheint schon gestern früh, oder auch schon vorgestern nacht ausgeführt worden zu sein. Der Mann war seit einiger Zeit außer Stellung, so daß möglicherweise Nahrungssorgen das Motiv der Tat bilden. Ein Dampferzusammenstoß. London, 28. Jan.(WB. Nichtamtlich.) Nach einer Lloyd- Meldung aus Philadelphia stieß der amerikanische Dampfer „Washingtonian“(6650 Tonnen) auf der Fahrt von Honolulu nach Philadelphia mit dem amexrikanischen Schooner„Elisabeth Palmer“ zusammen. Beide sind gesunken. Die Besatzungen wurden gerettet. Handel. * Vom Eisenmarkt im Sieg⸗Lahn⸗Dillgebiet. Die Lage der Siegerländer Eisenindustrie deckt sich im großen und ganzen mit den Zuständen in der übrigen westdeutschen Eisenindustrie. Die Werke sind zu 50—60 Prozent beschäftigt, zu einem großen Teil hat man mit Kriegsmateriallieferung zu tun. Die Rohstoffversorgung macht keine besonderen Schwierigkeiten, abgesehen von einer nicht immer glatten Erzzufuhr von den Hoch- ofenwerken. Die Lage der Hochofenwerke hat sich angesichts des steigenden Roheisenbedarfs gebessert; man rechnet im Roheisen⸗ verband, im laufenden Monat auf eine Beteiligung von 60 Proz. zu kommen, mit der Hoffnung, daß diese Summe von Monat zu Monat sich steigern wird. Am Versand sind die Qualitätsmarken aus dem Sieg⸗Lahn⸗ und Dillgebiet besonders gut beteiligt. Die Ichrottpreise ziehen bei starker Nachfrage weiter an. Auch die Stabeisenbranche arbeitet im Bezirk befriedigend, wofür ein Durch⸗ schnittspreis von 112 Mark erzielt wird. In Grobblechen ist die Lage weniger zufriedenstellend, dagegen sind Feinbleche stärker begehrt und erzielen annehmbare Preise. Zu klagen ist über die Lage des Drahtmarktes; Walzoraht ist im Preise dauernd zurück⸗ gegangen, ebenso liegt der Artikel Drahtstifte recht gedrückt. Gut beschäftigt äst dagegen die Kleineisenindustrie des Bezirks, die allerdings mit steigenden Preisen, aber auch mit bedeutend ge— steigerten Gestellungskosten rechnen muß. Auch dieser Zweig der Eisenindustrie ist stark für das Heer beschäftigt. Auch für Guß⸗ und Schmiedeeisenstücke herrscht zurzeit stärkere Nachfrage. 1 ö Amtlicher Wetterbericht. Wetteraussichten in Hessen am Samstag, den 30. Jan. 1915: Wolkig, geringe Schneefälle, nordöstliche Winde, kalt. deten — Letzte Nachrichten. (Wer.) Großes Hauptquartier, 29. Januar vormittags. (Amtlich). Westlicher Kriegsschauplatz. Bei einem nächtlichen Geschwaderslug wurden die englischeu Etappenanlagen der Festung Dünkirchen ausgiebig mit Bomben belegt,. Ein feindlicher Angriff in den Dünen nordwestlich Nieuport wurde abgewiesen. Der Feind, der an einer Stelle in unsere Stellungen eingedrungen mar, wurde durch einen nächtlichen Bajonettangriff zurückgeworfen. Südlich des La Bassée⸗Kanals versuchten die Engländer die ihnen entrissene Stellung zurückzunehmen. Ihr Augriff wurde leicht zurückgeschlagen. Auf der übrigen Front ereignete sich nichts Wesentliches. N . Die glückliche Geburt eines kräftigen jungen zeigen an Prof. Dr. Carl Watzinger und Frau Marie, geb Bollinger 0486 Giessen, an Kaisers Geburtstag a a- Licht- Spiel- Haus Vom 27. bis ink I. 29. Januar 1915: Oestlicher Kriegsschauplatz. Ein russischer Angriff in Gegend Kussen, nordöstlich Gumbinnen, scheiterte unter schweren Ver⸗ lusten für den Feind. 5 Im nördlichen Polen keine Veränderung. Nordöstlich Bolinow, östlich Lowicz, warfen uusere Trup⸗ pen den Feind aus seiner Vorstellung und drangen en die Hauptstellung ein. Die eroberten Gräben wurden trotz hef⸗ tiger nächtlicher Gegenangriffe bis auf ein kleines Stück ge⸗ halten und eingerichtet. Oberste Heeresleitung. General Lacroix über die deutsche Offensiyt. Genf, 29. Jan. General Lacroix sagt im„Temps“ wörtlich: 1 Wir müssen anerkennen, daß der Feind überall eine groß artige Tätigkeit entwickelt, überall angreift, überall die Stirne bietet und unaufhörlich Ypern attackiert. Nicht weniger als sechs Offensipbewegungen wurden in den letzten Tagen auf den Kriegsschauplätzen wahrgenommen. Aus Petersburg kommt die Hiobspost, daß die Russen aus strategischen Gründen den Rawka-Abschnitt räumen und sich auf günstigere Positionen rückwärts zurückziehen werden. Die Russen sind auch bei Jakobeny geschlagen worden. In der Bukowina dürfte in den nächsten Tagen die Entscheidung fallen. Ueberall sei Deutschland wachsam, an⸗ griffslustig und unverzagt. Der Verbündeten harre eine schwere Aufgabe, die Losung heiße: Hoffnung und Ausdauer. Ganghofers Schilderungen über den Kaiser. München, 29. Jan. Ludwig Ganghofer fährt mit seinen Schilderungen über das Zusammensein mit dem Kaiser in den „M. N. N.“ fort. Er beschreibt zunächst einen Gottesdienst im Großen Hauptquartier und sodann eine Autofahrt zum Kronprinzen, auf der er den Kaiser begleitete. wie folgt: Den Kaiser begleiteten im Auto zwei Herren des mili— tärischen Gefolges. Sie kamen bei Danchéry vorbei, in dessen Mauern einer der heftigsten Kämpfe tobte. Plötzlich beginnt der Kaiser ohne jede Beziehung zu irgend etwas Vorausgegangenem Worte von dem herrlichen, wundervollen Zusammen⸗ halten des deutschen Volles zu sprechen, von der hei⸗ ligsten Begeisterungsflamme des 1. August.„Es ist meine schönste Freude, daß ich das erleben durfte,“ und nach kurzem, nachdenk⸗ lichem Schweigen sagt er:„Wenn es nicht so gewesen wäre.“ Er spricht diesen Satz nicht zu Ende, aber er atmet auf und sieht in die Gegend von Danchéry zurück, dessen Trümmerstätte schon verschwun⸗ den ist.— Dann das Schlachtfeld von Sedan:„Dort oben,“ sagt der Kaiser und deutet nach einer Felshöhe,„da hat mein Vater gestan⸗ den.“ Neben der Landstraße huscht ein einsames kleines Haus vorbei. „Hier ist Napoleon mit Bismarck zusammengekommen“, und beim Anblick von Bellevue:„Hier war die Unterredung meines Groß— vaters mit Napoleon. Als sie zum Schlosse des deutschen Kron⸗ prinzen kamen, begrüßte dieser mit sechs Herren seines Gefolges seinen kaiserlichen Vater, der seinen Sohn herzlich umarmt, aber fährt Ganghofer fort, seine Augen glänzen vor Freude, kann er doch seinem Vater von dem großen Erfolge der letzten Nacht erzählen(19. Januar).„Ein festes Stück vorwärts gekommen und 1200 Franzosen gefangen.“ Diese Gefangenen kommen dann am Kaiser, dem Kronprinzen und der Gruppe von Offizieren vorbei. Viele von ihnen haben die Ritterlichkeit, zu salutieren oder die Käppi zu ziehen. Der Kaiser dankt. Ein Wort, das der Kaiser bei einer kleinen, zufälligen Gelegenheit gesagt hat, wird bei Ganghofer zu einer tieferen Bedeutung und zur Mahnung. Des Kaisers Wort lautet: Soldaten und Bürger, die beiden müssen einander helfen, so gut sie können. Der„Temps“ mahnt zum Aushalten. Basel, 29. Jan. Auch der Pariser„Temps“ warnt jetzt vor entmutigenden Kundgebungen der Un⸗ geduld, die nur den Wünschen des Feindes dienlich seien. Das Blatt schreibt wörtlich: „Der Sieg wird zumal bei den Bedingungen dieses Krieges denen zufallen, die die meiste Geduld haben. Die Klagen über die lange Dauer des Krieges sollten streng verurteilt werden. Denn es würde eine Beunruhigung verraten, die unserer Sache nur schaden kann.“ Trügerische 1 Englands. Berlin, 29. Jan. Welche Hoffnungen England auf einen Getreidemangel in Deutschland setzt, geht einem Bericht des Berliner Lokalanzeigers zufolge aus der „Times“ hervor. Diese schreiben: Welche Bedeutung der Ge⸗ treidemangel für den Krieg haben werde, werde sich erst im nächsten Sommer erkennen lassen. Auch die Kriegsereignisse könnten hier von größtem Einfluß sein, da die großen mit Ge⸗ treide bebauten Flächen des östlichen Deutschland vor der neuen Ernte vom Feinde besetzt sein könnten. Der Lok.-Anz. meint hierzu: Gewiß werde viel von dem Verlauf der Kriegsereignisse abhängen. Daß aber der Feind Preußens Kornkammer und Ge⸗ treideland bis zum Sommer besetzen werde, glauben die„Times“ wohl selbst nickt.. Die englischen Verluste in der Seeschlacht. Amsterdam, 29. Jan. Wie den Blättern gemeldet wird, finden die Angaben der deutschen Admiralität über die Verluste der bei der Seeschlacht westlich von Helgoland beteiligten englischen Kriegsschiffe auch eine Bestätigung durch Reisende aus London. Danach waren die Verluste ur- Die besten und billigsten Schuhwaren kauft man im caubwaren-Auszertau von Adolf Baer, Marktplatz 7 Se — diesen Krieg getrieben habe, nehme täglich zu. 950 sprünglich an dem Depeschenaushang der„Morningpost“ ausgegeben worden, die Veröffentlichung in den Zeitungen wurde aber vom Zensor nicht zugelassen, nachdem die Zei- tungen allgemein angewiesen worden waren, nur den amt⸗ lichen Reuterbericht zu veröffentlichen. Der Kommandant des„Blücher“. Rotterdam, 29. Jan. Der Kommandant des „Blücher“, der infolge des Untergangs seines Schiffes an einer Nervenerschütterung leidet, ist in einem englischen Hospital untergebracht worden. Die Entfernung der Ferrer-Statue in Brüssel. Madrid, 29. Jan. Gestern wurden bei der hiesigen deur⸗ schen Botschaft viele tausende von Glückwunsch- und Dank⸗ schreiben anläßlich der Entfernung der Ferrer-Statue durch die Deutschen in Brüssel abgegeben. Hier empfindet man die Maßnahme des deutschen Gouvernements als eine achtungsvolle Würdigung der Gefühle der Spanier. Ein österreichischer Flieger über Kimpolung. Budapest, 29. Jan. Der Spezialberichterstatter des Pesti Naplo in den Ostkarpathen meldet, daß gestern ein Flieger der österreichisch-ungarischen Armee die in der Umgebung von Kimpolung befindlichen Stellungen der russischen Truppen überflogen und mehrere Bomben abgeworfen habe, die großen Schaden anrichteten. Montenegro verzweifelt. Wien, 29. Jan. Alle Nachrichten aus dem Sudan schildern die Lage Montenegros als verzweifelt. Gefangene erzählen, der Hunger und der harte Winter schwächten die Be— völkerung sehr und der Haß gegen Serbien, das Montenegro in Der Abzug der französischen Besatzung von dem Berge Lovzen und die erhöhte Wachsamkeit der österreichischen Flotte hindere die Zufuhren über Antivari sehr und die Wege über die serbische Grenze seien zur gegenwärtigen Zeit fast ungangbar. Die Bestegung Montenegros im eigenen Lande durch die österreichischen Truppen wäre König Nikita lieber gewesen, da dann ein rascher Friedensschluß möglich gewesen wäre, als die jetzige Taktik der Oesterreicher, das Land einzuschließen. Zur angeblichen Sperrung des Sueztanals. Amsterdam, 29. Jan. Die falsche, hier vom „Handelsbladet“ aus dem Ministerium für auswärtige An⸗ gelegenheiten verbreitete Nachricht über die völlige Schließung des Suezkanals durch England rief in der Amsterdamer Handelswelt peinlichste Ueberraschung hervor. Die Fahrt nach Bombay durch den Suezkanal beträgt von Amsterdam 13 725 Kilometer, um das Kap Horn 26477 Kilometer. Diese Route ist auch viel gefährlicher und fast un⸗ möglich, weil unterwegs keine Kohlenstationen vorhanden sind. g Türkische Vorposten am Suezkanul. Amsterdam, 29. Jan. Aus Kairo wird gemeldet: Am Dienstag eröffneten die Türken bei Kantara ein Artilleriefeuer auf eine Patrouille, die mit Gewehr- und Maschinengewehr⸗ feuer antwortete. Der Feind zeigte aber keine Neigung, näher zu kommen. Kleinere Abteilungen wurden an drei anderen Stellen östlich des Suezkanals wahrgenommen; zu einem Treffen kam es jedoch nicht. Bei Kantara wurden auf englischer Seite ein Offizier und vier Mann leicht verwundet.—„Daily Chronicle“ meldet dazu noch aus Kairo: es sei seit November das erstemal, daß türkische Truppen mit den Aegypten verteidigenden britischen Truppen in Berührung kämen. Die Engländer seien nach dem Gefecht in ihr Lager zurückgekehrt. Internierung der Kolonial-Engländer. Hamburg, 29. Jan. Infolge der Verfügung des stell⸗ vertretenden Chefs des Generalstabs, nach welcher auch die Kolonial⸗Engländer mit vorläufiger Ausnahme der in Australien geborenen interniert werden müssen, sind die in Hamburg lebenden Kolonial-Engländer, 60 an der Zahl, nach Ruhleben gebracht worden. Die in dem hiesigen Hafen auf einem Wohnschiff untergebrachten Russen werden morgen nach Holzminden übergeführt werden. Die Betrügereien des französischen Generalzahlmeisters. Paris, 29. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Blättermeldungen zufolge nimmt die Affäre des wegen Diebstahls und Unterschla⸗ gung verhafteten Generalintendanten Desclauds einen größeren Umfang an. Bei einer Haussuchung in der Pariser Villa des Angeschuldigten und in der Villa in Savigny sur Orge wurden eine größere Menge von Kaffeeballen, Konserven, militärischer Ausrüstungsgegenstände und Gewehren gefunden. Die Verteidi⸗ gung Desclauds hat Laborit übernommen. 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Kompagnie im Infanlerie-Regiment 116 in Frankreich tapfer mitgekämpft und von seinen dortselbst erhaltenen Wunden genesen, am 2. Dezember bei Markowka(Rußland) im Kampfe fürs Vaterland gefallen ist. Die trauernden Hinterbliebenen! Familie Heinrich Kneipp J. Langsdorf, den 30. Januar 1915. In tiefer Trauer: Familie Daniel Schnell Familie Lorenz Burk. Kesselbach, Heuchelheim, den 25. Januar 1915. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 31. Januar 1915, nachmittags 3 Uhr, statt. Der Gefallene, Karl Schnell, war Mitglied unseres Vereins und hat sich trotz seiner Jugend als ein eifriger und zielbewußter Sangesbruder bewährt. Auch er gab sein junges Leben dem beiß- gelicbton Vaterland, das er so gern im Liede pries. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken béewahren. Gesangverein Liederkranz, Kesselbach. Der Vorstand. I. A.: Becker. Danksagung. Für die uns beim Hinscheiden unserer lieben Tante Frun Bürgermeister Bieher We. geb. Wallenfels in so reichem Maße bewiesene Teilnahme sagen wir allen unseren innigsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Allendorf a. d. Lumda, den 28. Januar 1915. Heute früh verschied nach Gottes unerforsch- lichem Ratschluss unser gutes unvergessliches Kind Else 5 956 im 7. Lebensjahre. Uortrag. ie Perelugen r Trieg und liche Pfarrer Dr. Koch aus Langd. Sonntag, 31. Januar, 8 Uhr abends, in der Stadtkirche. Eintritt frei.. 5. Oberhessischer Verein für Innere Mission. Achtung! Trotz hoher Preissteigerung Achtung! im Gemüse verkaufe ich morgen Samstag auf dem Brandplatz schneeweißen Blumenkohl. Stück 30 Pf., Spinat, 2 Pfd. 35 Pf., Rosenkohl, Pd. 20 Pf., Grünkobl, 2 Pfd. 25 Pf., Schwarzwurz, Pfd. 25 Pf., fste. Speisemöhren, 10 Pid. 80 Pf., Rote Rüben, 10 Pfd. 80 Pf., Weiße Rüben, 10 Pfd. 40 Pf., sauber belesenen Feldsalat, 2 Teller 15 Pf., Riesen⸗Lauch und Sellerie, grünen Wirsing, Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Lyncker, Schiffenberg. Die Beerdigung findet auf Schiffenberg in aller Stille statt. 959 * b Bekanntmachung. 1. Die Zwischenscheine zu den“ Reichsschatzanweisungen von 19014 (Ariegsanleihe) fönnen vom 1. Februar d. J. ab Frau Friedrich Müller jr. in die endgültigen Schatzanweisungen mit Zinsscheinen umgetauscht werden. Weitkraut und Rorkrant.—— Heute nacht um 3 Uhr verschied sanft nach kurzem Krankenlager im Alter von 61 jahren WVU. Ottilie Loos, geb. Müller. —— SSG Für unsere fdaben in Fedde empfehlen wir zum Ver- sand als Liebesgaben: Decken garantiert wasserdicht, aus Gummimantelstoff., 240 c100 ein, 350 Gramm schwer. Diese Decke kann ohne Mühe und besond. Vorkenntnisse. in einen Regenmantel verwandelt werden. Daher best. Schutz geg. feuchte Erde u. Regen. Wasserd. Knlewärmer Wasserdichte Westen Wasserd. Unterziehhosen Besond. kräft. u. warme Unterlacken und-Hosen Gelegenheitskauf per Stück Mk. 3.90. 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Gadlbealer lichen lr. Hermann Steingoe tter. Freitag, den 29. Jan. 1915 abends 8 UÜUbr 9. Freitag⸗Abonn.⸗Vorstellg. Gewöbnl. Preise ermäßigt) Johannis feuer Schauspiel in 4 Akten von Hermann Sudermann. Ende nach 10% Uhr. Sonntag, 31. Jan. 1915 nachmittags 3½ Ubr Kleine Preise l Kleine Preisel Wie einst im Nai Posse mit Gesang und Tanz in 4 Bildern v. Rudolf Ber⸗ nauer u. Rudolph Schanzer. Musik von Walter Kollo und Willy Bredschneider. Ende 6¼ Uhr. Abends 7½ Ubr: Kleine Preisel Kleine Preise Weh' dem, der lügt! rassen, 8 Junge Leghübner, alle Geräte, Geflügel⸗ Bruteier, Ställe. Fulter Kata⸗ log frei. Geflügel ⸗ vark in Auerbach3 18 Hess.) (618hv Lustspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Ende gegen 10½ Uhr. Soldaten vom Feldwebel ab⸗ wärts zablen bei allen Vor ⸗ stellungen guf 2. u. 3. Parkett nur halbe Preise. 9400 Der Umtausch findet bei der„Umtauschstelle für die Kriegsanleihen“, Berlin W. 8, Behrenstraße 2, statt. Außerdem übernehmen sämtliche Reichsbank⸗ anstalten mit Kasseneinrichtung bis zum 25. Mai d. J. die kostenfreie Vermittlung des Umtausches. 5 8 0 Die Jwischenscheine sind mit Verzeichnissen, in die sie nach Serien und inner⸗ halb der Serien nach Beträgen und Nummern geordnet einzutragen sind, während der Vormittagsdienststunden bei den genannten Stellen einzureichen; Formulare zu den Verzeichnissen können dort in Empfang genommen werden. Firmen und Kassen haben die von ihnen eingereichten Zwischenscheine oben rechts neben der Stücknummer mit ihrem Firmenstempel zu versehen. Der Umtausch der Zwischenscheine zu den 5% Schuldverschreibungen des Deutschen Reichs von 1914(Kriegsanleibe)— unkündbar bis 1. Okt. 1924 findet vom 1. März d. J. ab bei der„Umtauschstelle für die Kriegsanleiben“, Berlin w. 8, Behrenstr. 22, sowie bei fämtlichen Reichsbankanstalten mit Kasseneinrichtung— bei letzteren jedoch nur bis zum 22. Juni— statt. Im ührigen gelten für ihn die für den Umtausch der Reichsschatzanweisungen getrossenen Bestimmungen. Berlin, im Januar 1915. Reichsbank⸗Direktorium. Havenstein. v. Grimm. —— 9 917id Jehle norden ebem Ener Wir verkaufen, solange Vorrat, noch zu billigen Preisen Schuhhaus WW. Herbert Alleinverkauf von Engelhardts Chasalsa- Normal- Stiefel, sowie Chasalla- Gelenkstũtzen neb Marktplatz 2 7 der Engel-Apotheke a 1 1 . 1