2 e 23 Der Sleßener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gleßener Familienblätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freilag); e wir iche Feitfragen Fernsprech- Auschluste: für die Schristleitung 112 Verlag, Geschäftsstelleõ l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Sießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt * Erfolge im Westen. Vordringen unserer Verbündeten in den 9 55 UMarpathen und im Naukasus. n (TB.) Großes Hauptauartier, 27. Januar. Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Bei Nieuport und Ypern fand nur Artilleriekampf statt. Bei Cuinchn südwestlich La Bassee versuchte der Feind gestern abend die ihm am 25. Januar entrissene Stellung zurückzuerobern. Das Bemühen war vergeblich. Der Angriff brach in unserem Feuer zusammen. Die schon gestern gemeldeten Kämpfe auf den Höhen von Craonne hatten vollen Erfolg. Die Franzosen wurden aus ihrer Höhenstellung westlich La Creute Fme. und östlich Hurtebise geworfen und auf den Südhang des Höhengeländes gedrängt. Mehrere Stützpunkte auf einer Breite von 1400 Metern wurden von den Sachsen im Sturm genommen, 865 un verwundete Franzosen gefangen genommen, acht Maschinengewehre er⸗ 777 11 Pionierdepot und viel sönstiges Material er- eutet. Südöstlich St. Mihiel nahmen unsere Truppen einen e e Stützpunkt. Gegenangriffe der Franzosen blie⸗ erfolglos. In den Vogesen liegt hoher Schnee, der unsere Be⸗ wegungen verlangsamt. Destlicher Kriegsschauplatz. Der russische Angriff nordöstlich Gumbinnen machte keine Fortschritte. Die Verluste des Feindes waren stellen— weise schwer. 5 In Polen keine Veränderung. Oberste Heeresleitung. *** N Wenn man in den letzten Tagen nach Volksgesprächen lauschte, so hörte man immer wieder raunen,„große Er⸗ eignisse“ ständen bevor, um zu Kaisers Geburtstag sich eines neuen Sieges freuen zu können. Es ist nun aber nichts ganz Besonderes geschehen, und so werden einige Tritbwettermacher wieder vielsagend den Kopf hängen lassen. Uns hat es immer peinlich berührt, so reden zu hören. Ist denn der Krieg ein Theater, und läßt sich darüber die Regie nach äußeren Wirkungen führen? Dieser 27. Ja⸗ nuar hat uns eine recht freudige Wahrnehmung machen lassen. Wenn sonst der Kaiser imposanten Aeußerlichkeiten nicht eneigt war, so hat er seine Neigung nach prangen⸗ dem Bilde diesmal ganz zurückgestellt; ein Beweis dafür, daß der Monarch den rechten Maßstab behalten. und in diesen. Stunden von äußerlichen Nebensächlich⸗ keiten nichts wissen will. Um so weniger ist davon die Rede, daß der Kaiser die Auffassung haben könnte, es müsse los- geschlagen werden, um ihn damit in einer bestimmten Stunde ehren zu können. Auch bei der obersten Heeres⸗ leitung herrschte kein Gedanke daran; die militärischen Maßnahmen werden lediglich nach strategischen Gesichts⸗ punkten getroffen. Und so sollten wir uns dessen nicht freuen? AUeberall, wo Deutsche wohnen, hat man auch dieses Mal des Kaisers in Treue gedacht, nur ist das Fest, auf seinen eigenen Wunsch, stiller geworden. In den deutschen Haupt⸗ städten hat man würdige Gedenkstunden abgehalten, und da sie sich in dem üblichen Rahmen abgespielt haben, brauchen wir nicht besonders darüber zu berichten. Im Großen Hauptquartier selbst hat, wie aus dem nachstehenden Bericht hervorgeht, ein sehr stimmungsvoller Feldgottesdienst statt⸗ gefunden, und der Kaiser hat danach den Kriegsberichterstat⸗ tern einige freundliche und anerkennende Worte gesagt. Er zitierte dabei ein Wort des schottischen Reformators John Knox, der eine große Kampfnatur gewesen ist und dessen Leben von vielerlei Stürmen durchbebt war:„Ein Mann mit Gott ist immer die Majorität“. Der Kaiser will damit sagen, daß wir die vielen Feinde ringsum nicht zu fürchten brauchen und er hat an das bekanntere Wort Luthers„Und wenn die Welt voll Teufel wär“, mit dem Ausspruch eines anderen Reformators erinnert.. Generaloberst v. Bülow ist Feldmarschall geworden, zahlreiche andere Truppenführer sind befördert worden. Auch auf daheimgebliebene Schriftsteller ist ein Abglanz des festlichen Tages gefallen. Männer wie Gerhart Haupt⸗ mann, Falke, Avenarius dürfen sich des Roten Adlerordens IV. Klasse freuen. Daß es sich für so bekannte und verdiente Geistesherben nur um die geläufigen Ordenszuwendungen handeln konnte, hat wohl die gestrenge Hof⸗ und Rangord⸗ nung veranlaßt. Es ist aber ein erfreuliches Zeichen, daß neben den Männern des Schwertes auch die Helden der Feder geehrt werden. Hoffentlich wird uns der neue Generalquaxtiermeister Frhr. v. Freytag, der zu Kaisers Geburtstag seine Er⸗ nennung als Nachfolger Wilds v. Hohenborn erhalten hat, bald günstige Entscheidungen zu melden haben. Der letzte Tagesbericht verzeichnet einen höchst erfreulichen und be⸗ deutsamen Erfolg auf den Höhen von Craonne, wobei 855 Franzosen gefangen genommen wurden. *** Kaisers Geburtstag im Hauptquartier. Berlin, 28. Jan. Zu dem Verlauf von Kaisers Ge— burtstag im Großen Hauptquartier wird von den Kriegskorrespondenten Berliner Blätter berichtet: Die öffentliche Feier fand im Rahmen eines schlichten Feld⸗ W 165. Jahrgang Gießener Anzeiger General⸗Anzeiger für Oberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch- und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Heschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. „ 1 2 E Donnerstag, 28. Januar 1915 ZJezugsbreis: monatl. 75 Pf., viertel-⸗ jährl. Mk. 2.20: durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. gottesdienstes statt. In einem kahlen Raum an der Rückwand ein Altar mit Decken rechts und links ein Topf— baum und je ein Bund von fünf Reiterlanzen mit vielfarbi⸗ gen Fähnlein. Die Altardecke ist ein Geburtstags- geschenk der Kaiserin. Von dem Königlichen Hause waren anwesend Prinz Oskar, von der Front kommend, ganz in Feldgrau ohne Orden und Abzeichen, Prinz Friedrich Leo— pold als Ulan, Prinz Waldemar als Chef des Automobil- korps, um den Kaiser der Reichskanzler, Großadmiral von Tirpitz, General Lauter, der neue Kriegsminister Wild von Hohenborn, der österreichisch-ungaxische Delegierte Graf von Stürghk, Zekki Pascha und Oberst Langer, der Komman⸗ dant der österreichischen Motorbatterien in Belgien und Frankreich, dem der Kaiser heute das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen hatte. Nach einem Gesang sprach Hofprediger Göns über das Bibelwort: Er legte uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. Der Kaiser sitzt da ernst und wendet die Augen nicht von dem Gesicht des Predigers. Als zum Schluß der Feier das niederländische Dankgebet erklang, stimmten alle Anwesenden ergriffen ein. Nach dem Festgottesdienst nahm der Kaiser den Vorbeimarsch der Truppen ab, begrüßte dann die Offiziere des Großen Hauptquartiers und richtete an die anwesenden Kriegsberichterstatter huldvoll nachstehende Worte: 5 „Guten Morgen meine Herren! Ich mache Ihnen mein Kom— pliment. Sie schreiben ja famos. Ich danke Ihnen dafür. Sie leisten Vorzügliches. Ihre Artikel haben einen patriotischen Schwung. Es ist von großem Wert für unsere Leute in den Schützengräben, wenn wir ihnen solche Sachen schicken können. Und nun noch eins! Merken Sie sich, daß mein Grundsatz auch für diesen Krieg ist das Wort des alten John Knox, des Reformators von Schottland: Ein Mann mit Gott ist immer die Ma⸗ 1 i Militärische Beförderungen. Berlin, 27. Jan.(WT. Nichtamtlich.) Die heutige Sonderausgabe des„Milltäkn chenblattes“ meldet: von Bülow, Generaloberst, Chef des Grenadier-Regiments Nr. 12 und à la suite des 4. Garde-Regiments zu Fuß, Ober⸗ befehlshaber der zweiten Armee, wurde zum General- feldmarschallbe fördert; v. Einem, genannt Roth⸗ maler, General der Kavallerie à la suite des Kürassier-Regi⸗ ments Nr. 4, Oberbefehlshaber der 3. Armee, wurde zum Generalobersten befördert. Dem„Militärwochenblatt“ zufolge wurden zu Gene— ralen der Infanterie befördert: Die Generalleutnants von Pannewitz, Führer des 17. Armeekorps, und Rie- mann, Führer des 8. Armeekorps. Den Charakter als Ge— neral der Infanterie erhielten: die Generalleutnants z. D. v. Bahrfeldt, Kommandeur der 19. Reservedivision; Frei— herr v. d. Goltz, zuletzt Kommandeur der 30. Division; von Guretzky⸗Gornitz, Kommandeur der 9. Reservedivi— sion; Kolewe, Kommandeur der 3. Reservedivision; von Pavel, Kommandeur der 28. Reservedivision; Niemann, Kommandeur der 22. Reservedivision, v. Schickfus und Neudorff, Kommandeur der 6. Reservedivision, v. Twa—⸗ dowski, Kommandeur der Garde-Ersatzdivision.— Den Charakter als General der Kavallerie haben erhalten die Generalleutnants z. D. eiherr von Koenig, höherer Landwehrkommandeur zur besonderen Verwendung; von Kühne, Kommandeur der 13. Reserve-Division, v. Wer⸗ der, Kommandeur der 4. Ersatzdivision.— Den Charakter als General der Artillerie haben erhalten: Generalleutnant z. D. Pelkmann, General der Fußartillerie in Metz. Brüssel, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Generalgouver⸗ Klass Generaloberst v. Bissing erhielt das Eiserne Kreuz erster Klasse. Auszeichnung deutscher Schriftsteller. Berlin, 27. Jan.(WTB. Amtlich.) Der„Reichsanzeiger“ meldet: Der König verlieh den Schriftstellern Dr. Richard Dehmel in Blankenese, Dr. Gerhard Hauptmann und Dr. Rudolf Presber in Grunewald, Dr. Cäsar Flaischlen, Ernst Lissauer, Paul Warncke, Richard Nord- hausen in Berlin, Gustav Falke in Hamburg, Dr. Fer⸗ dinand Avenarius in Dresden, Willi Vesper in Hohenschäftern, Dr. Walther Flex in Retschte, Rudolf Alexander Schröder in Wangeroog den roten Adlerorden vierter Klasse der königlichen Krone, dem Eisenbahn⸗Direktionspräsident Ad. Pedell in Charlottenburg den roten Adlerorden zweiter Klasse mit Eichenlaub. Der neue Generalquartiermeister. (WTB. Großes Hauptquartier, 27. Januar. (Amtlich.) Zum Generalquartiermeister ist anstelle des zum Kriegsminister ernannten Generals Wild v. Hohenborn der Generalleutnant Freiherr von Freytag-Loringhoven ernannt worden. Eine Kaiser⸗ Geburtstagsfeier in Rom. Rom, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) In der Bot⸗ schafts kapelle und der Anima⸗Kirche fanden heute vor⸗ mittag Festgottesdienste statt, denen der Für st und die Fürstin Bülow und sämtliche anderen hiesigen deutschen Diplomaten sowie das diplomatis che Korps Oesterreich⸗- Ungarns und der Türkei beiwohn⸗ ten. Im Anschluß hieran hielt im Kaisersaale der deut⸗ schen Botschaft die deutsche Schule eine Kaiserfeier ab, bei der Fürst Bülow am Schluß mit einer kurzen Ansprache an die Kinder ein Kaiserhoch ausbrachte. Alle Veranstal⸗ tungen waren ungemein rege besucht. Von dem sonst üb⸗ lichen Empfange der Kolonie auf der Botschaft wurde einem Wunsche des Laisers entsprechend Abstand genommen. Der König von Dänemark zu Kaisers Geburtstag. Kopenhagen, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der K6ö⸗ nig hat heute nachmittag dem deutschen Gesandten, Grafen von Brockdorff-Rantzau einen„ stündigen Besuch abgestattet, um ihm seine Glückwünsche zum Geburtstage des Kaisers aus⸗ zusprechen. Die Prinzen Harald und Waldemar hatten bereits vor⸗ her persönlich gratuliert. 9 Ernennung des Polizeipräsidenten von Lodz. 38 Berlin, 27. Jan.(WTB. Amtlich.) Der Geheime Ober⸗ regierungsrat und Vortragende Rat in der Reichskanzlei, von Oppen, ist zum Polizeipräsidenten von Lodz und Umgebung bestellt worden. 5 ***. Der österreichisch⸗ungarische Tagesbericht. Wien, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird 3 verlautbart: 27. Januar 1915. Im oberen Ung⸗Tale wurde gestern der Gegner aus seinen Stellungen auf den Grenzhöhen beiderseits des Uzsoker⸗Passes geworfen; einer der wichtigsten Karpathenpässe, um dessen Besiß im Verlaufe des Feldzuges schon oftmals erbittert gekümpft wurde und der seit 1. Januar von den Russen besetzt, beson⸗ ders start befestigt und durch mehrere hintereinander liegende gute Stellungen zäh verteidigt wurde, gelangte hierdurch nach dreitägigen Kämpfen wieder in unseren Besitz. 3 Nordwestlich des Uzsoker-Passes sowie im Latorcza⸗ und Nagy-Ag⸗Tale dauern die Kämpfe noch an. 0 In West⸗Galizien und in Polen infolge schweren Schner⸗ gestöbers nur mäßiger Artilleriekampf. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Die Kämpfe im Kaukasus. Petersburg, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amt⸗ licher Bericht der Kaukasusarmee: In der Gegend jenseits des Tschorokh und in der Richtung Olty fanden Kämpfe von untergeordneter Bedeutung statt. An den übrigen Teilen der Front sind keine Aenderungen eingetreten. 7 Konstantinopel, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht des Hauptquartiers. Im Kaukasus rückten unsere Truppen, von neuem zur Offensive über⸗ gehend, in der Richtung auf Oly vor, warfen den Feind, der sich vor ihrer Front befand, zurück und er⸗ beuteten eine Menge Kriegs material. Die Rus:- sen äscherten wührend ihres Rückzuges das russische Dorf Narman ein, um das dort befindliche Kriegsmaterial nicht in unsere Hände fallen zu lassen. Gerücht über einen Anschlag auf den König von Griechenland. Berlin, 28. Jan. Verschiedene Blätter melden: Auf König Konstantin von Griechenland sei unbestätigten Ge⸗ rüchten zufolge vor acht Tagen, als er von einer Truppen⸗ besichtigung zurückkehrte, ein Attentat ausgeübt worden. Der Umsturz in Portugal. Lissabon, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Präsident Arriaga hat den General Pimento Castro mit der Bildung des neuen Ministeriums betrautz In dem neuen Kabinett wird das militärische Element vorherrschen. *** Der amtliche französische Bericht. Paris, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amtliches Commu⸗ niqué vom 26. Januar, nachmittags 3 Uhr. Auf der Yser⸗ front rückten die belgischen Truppen im Gebiete von Pervise vor. Bei Tagesgrauen unternahmen die Deutschen gegen unsere Schützengräben östlich Ypern einen Angriff mit einem Bataillon, der sofort aufgehalten wurde. 300 Tote, darunter der Führer der Schützenkompagnie, sind auf dem Kampfplatz geblieben. Dieser Angriff sollte von den Kompagnien der zweiten Linie unterstützt werden, aber diese konnten unter dem sehr genauen Feuer unserer Artillerie aus ihren Unterständen nicht herauskommen. Bei La Bassée, in Givenchy und Guinchy richtete der Feind fünf Angriffe gegen die englischen Linien. Nach⸗ dem sie leicht vorgerückt waren, wurden sie zurückgeworfen. Sie ließen zahlreiche Tote und sechzig Gefangene, darunter zwei Offi⸗ ziere auf dem Kampfplatze. Der Angriff war von einem Diver⸗ sionsversuche auf die schweren Stellen unserer Front begleitet gewesen. Zwischen den Straßen Béöthune-La Bassée und Aix⸗Noulette-Francion versuchte der Feind aus den Schützengräben hervorzukommen, wurde aber durch das Feuer unserer Artillerie und Infanterie augenblicklich angehalten. Auf dem Rest der Front zwischen der Lys und Oise Artillerieduell. Westlich Craonne unternahm der Feind hintereinander gestern äußerst heftige Angriffe. Beim ersten wurde er zurückgeworfen, beim zweiten drang er in unsere Schützengräben ein, aber durch einen energischen Gegenangriff gewannen wir beinahe das gesamte ver⸗ lorene Gelände wieder. Der Kampf um die vom Feinde noch be⸗ setzten Bruchstücke der Schützengräben dauert fort. In der Cha m⸗ pagne, wo die Artillerie des Feindes eine geringere Tätigkeit als an den vorhergegangenen Tagen zeigte, schossen unsere Batte⸗ rien wirksam auf die deutschen Stellungen. In den Argon nen, im Gebiet von St. Hubert, wehrten wir einen Angriffsversuch ab. Im Elsaß verwendete der Feind seine Bombenwerfer gegen unsere Stellungen in Hartmannsweilerkopf, wo keine neuen Kämpfe stattfanden. Der Feind beschoß Thann, Lembach und Sennheim. Gefangene Belgier. Paris, 27, Jan.(WB. Nichtamtlich.) Die„Agence Havas“ meldet: 64belgische Aerzte und Apotheker, darunter der Generalarzt Steinfort, der Oberarzt Hollevost EFV. ĩ²˙» ²˙1⁰“OUUnñ Diener des Sta sei, und diese imnung durchd das ganze deals daft Diese Fuge keft der E ist der tiefste und unerschütterlichste Grund unserer aktive Dienstzeit in Anrechnung gebracht; dies gilt auch für die mit der Berechtigung zum einjährig⸗freiwilligen Dienst ein⸗ gestellten Mannschaften. und der Oberapotheter Sternen, welche das Spital Antwer⸗ pen leiteten, die gefangen und nach Heidelberg über⸗ geführt waren, sind aus der Schweiz kommend, in Paris ein⸗ getroffen und nach Calais weitergereist. Sie erklärten, sie Berlin, 27. Jan.(W. B. Amtlich.) Ueber die Auslegung An die Ausführungen des Redners schloß sich der seien in Heidelberg ziemlich gut behandelt, aber als Kriegs-] des Paragraphen 49 der Bundesratsverordnung vom 25. Januar Gesang von„Deutschland, Deutschland über alles“; ihren hat der Handelsminister auf eine ergangene Anfrage Bescheid dahin erteilt, daß bis zum 31. Januar die Lieferungen von Mehl an Behörden, öffentliche und gemeinnützige Anstalten, Händler, Bäcker und Konditoren auch auf Grund von Abschlüssen zulässig ist, die in der Zeit vom 26. bis 31. Januar getätigt werden. Berlin, 27. Jan. WTB. Amtlich.) Der„Reichsanzeiger“ Abschluß fand die würdige Feier mit dem Vortrage des Posaunenchors„Die Himmel rühmen“. * Ueber die Feier in den Nachbarstädten gehen uns noch folgende Nachrichten zu: e . Darmstadt, 27. Jan. Der Geburtstag des Kai⸗ sers ist heute dem Ernst der Zeit und dem direkten Wunsch des obersten Kriegsherrn entsprechend in stiller, aber desto herzlicherer Weise begangen worden. Die ganze Stadt prangte im reichsten Flaggenschmuck, wie er nur bei großen Sieges nachrichten si 2 gefangene betrachtet worden. 88 Der Generalzahlmeister der französischen Armee. b Paris, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.)„Gazette de la eroix“ meldet, daß der Generalzahlmeister der Armee Deso⸗ laub und seine Geliebte von den Militärbehörden ver-„Ber! 5 2 haftet wurden. veröffentlicht die von dem Staatsministerium beschlossenen Grund⸗ .„ 1 1. die 1 1 15 haltsbeträge; 2. die rsorge gegen ein Uebermaß von 5 Die Seeschlacht in der Nordsee. 2 infolge kunkenntnis era 2 2 London, 27. 8 9500 4;. erstattung von Gehaltsvorschüssen wegen assens des Dienst⸗ gearldel, Alle bruschen Nrlege schen lee an der Seer eh a weschen Geinzen Lede Jodl dee Geben. schlacht am Sonntag teilgenommen haben, sind zurück⸗. N gekehrt. Der Kreuzer„Lion“ und der Zerstörer„Me⸗ 9 0 10 e— 2 7 Schaden kann bald wieder⸗ hergestellt werden. Die ischen Verluste betragen 23 Tote 8 und 7 Verwundete.*. f 78 * London, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Nach der „Daily Mail“ soll sich der Kapitän des Kreuzers .„Blücher unter den Geretteten befinden. * Edinburg, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Eine An⸗ zahl Ve rwundeter aus der letzten Schlacht in der Nord⸗ see wurden in South⸗Queensferry gelandet. Die ch und freundlicher Sonnenschein leuchtete auf die frischge Schneedecke. Der sonst übliche Weckruf der Militärkapellen, Parade Abgabe der Salutschüsse unterblieben natürlich, dagegen fand in der Stadtkirche der St. Ludwigskirche und der Synagoge Fest⸗ gottesdienst für alle Angehörigen der Militär⸗ und Zivil⸗ gemeinde statt. Der kirchlichen Feier in der Stadkkirche wohnte auch die Großherzogin, sowie die Spitzen der Behörden. der stellvertretende Kommandeur der 49. Infanteriebrigade, Gene⸗ ral Nell, der Stadtkommandant, General v. Luncker, die Minister, der Oberbürgermeister u. a. bei. Ein ßer Teil des Gotteshauses war für die Abordnungen der Regimenter und die Vereinigten Kriegervereine reserviert.. 5 J Marburg, 27. Jan. Auch hier trug die Feier des Aus Stadt und Cand. Gießen, 28. Januar 1915. Der Geburtstag des Kaisers. Von offiziellen Festlichkeiten war auf den Wunsch des Kaisers in diesem Jahre auch hier abgesehen worden. Nur die Fahnen an den öffentlichen Gebäuden, die Wimpel auf der Straßenbahn und ein festliches Geläute in den Morgen- stunden erinnerten an die Bedeutung des Tages. In den * 1 sind leicht. Morgen findet das Begräbnis von einem Offizier und fünf Mann des deutschen Kreuzers .„Blücher“ mit militärischen Ehren statt. Die Toten werden neben den Gräbern der Matrosen vom Kreuzer„Pathfinder“ beigesetzt. Die britischen Verluste schwerer als die unsrigen. Berlin, 28. Jan. Den englischen Verleumdungen gegen⸗ über ist, wie sämtliche Morgenblätter berichten, daran festzuhalten, . daß bei dem Gefecht bei Helgoland ein britischer Schlacht- kreuzer gesunken ist. Vom„Blücher“ abgesehen, haben un⸗ sere Schiffe nicht wesentlich gelitten. Die Tapfere„Blücher“ fand das ruhmvolle Wellengrab nicht ohne im letzten Augenblick noch zwei feindliche Torpedojäger zu zerstören und auf den Grund der Nordsee mitzunehmen. Außerdem wurde von einem unferer U-Boote das der sinkenden„Blücher“ zur Hilfe geeilt war, ein drittes englisches Torpedoboot hinabbeför⸗ dert. Es ist kein Zweifel, so sagt die„Kreuzzeitung“, daß die wesentlich größeren Verluste auf seiten des eng⸗ lischen Geschwaders sind, trotzdem dieses über die weitaus f stärkere Artillerie und eine weitaus größere Schnelligkeit verfügte. Lein Waffengang sei daher weniger als dieser geeignet, das etwas berbeulte Prestige der englischen Flotte wiederherzustellen. * VBermißte englische Schiffe. London, 27. Jan.(WTB Nichtamtlich.) Man fürchtet 5 1 1 855 ff 5„Henispire“ und„Engel⸗ ho er„Karlsruhe“ oder„Kronprinz Wil 72 rbegtet eien onprinz Wilhelm Der Ankauf fremder Schisse durch Amerita. London, 27 Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ meldet aus Washington: Präsident Wilson ist mehr denn 8 entschlossen, die Gesetzesvorlage betreffend den An⸗ kauf fremder Schiffe 8 Er scheint bereits die Unte— 1 größten Teiles der Opposition gewonnen 2 A ele. 5 7 die den Gesetz⸗ entwurf fen, sagen, sie empfingen wegen ihrer Hal⸗ Haltung Proteste von Wählern. 8 7. London, 27. Jan.(B. Nichtamtlich.) Das Reuter⸗ sch Bureau meldet aus Washington: Der Bericht des Sekre⸗ — des 7— des Handels amtes an den Senat ver⸗ Vichnet eine Steigerung der Frachtsätze für transatlantische Fr chten bis 900 und 1150 Prozent. Er besagt, die Frachten seten willkürlich ohne Rücksicht auf die Interessen des gme⸗ rikanischen Handels 13 einer nie dagewesenen Höhe empor⸗ zetrieben, und schließt mit der Befürwortung einer Vorlage betreffen den Ankauf von Schiffen. Der Bericht erklärt es für unrichtig, daß nur deutsche Schiffe gekauft werden bönnten. 5 Die„Dacia“. Amsterdam, 27. Jan.(W TB.) Nichtamtlich.) Nieuwes van den Dag meldet aus New Pork: Die Packe ist heute bei Tagesanbruch von Galveston abgefahren. Der Kapitän erklärte, er werde die gewöhnliche Route einschlagen und keine besondere Mühe aufwenden, um einer eventuellen Beschlagnahme des Schiffes durch die Engländer zu entgehen. ————— Aus dem Reiche. . 6 5 Zu Kaisers Geburtstag. 3 nchen, 27, Jan. WTB. Nichtamtlich.) Wie die„Korre⸗ snondenz Hoffmann“ meldet, fand zwischen 5 K 5 1. wig und dem Kaiser nachstehender Telegrammwechsel 5 95 An schlichter Einfachheit begehst Du heuer Deinen Geburts⸗ 5 mitten im Feindeslande. Nicht in festlichem Jubel kommt zum 5„was Deutschlands Fürsten und Stämme für den Kaiser fühlen und denken, aber ein heißes Gabet senden wir alle zum Himmel: Gott schütze und erhalte den Kaiser, er führe ihn und Die in heldenhaften Kämpfen bewährten deutschen Heere zum Sieg. Er lasse dem deutschen Volke in seinem neuen Lebensjahre nach ruhmvollem Frieden eine glückliche Zukunft erblühen! Dies ist der innige, von Herzen kommende Wunsch, den ich, mein Haus und „ Land Dir zum Geburtstag weihen. In alter Treue 2 ig. ch danke Dir innigst für die freundlichen Segenswün zu meinem Geburtstage. Wenn das Vaterland— nrit 25 .— 2 die siegreiche Beendigung des uns aufgezwungenen Existenz⸗ 5 es erhoffen darf, haben Deine braven Bayern dazu durch ihren Heldenmut rühmlich beigetragen. Gott der Herr sei auch ferner mit unserer gerechten Sache. Mit herzlichem Gruß in treuer Freundschaft und Verehrung. Wil hel m.“ 5 Auch der König von Sachsen sandte dem Kaiser ein herz⸗ liches Telegramm.* Gnadenerlaß des Königs von Württemberg. Stuttgart, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das würt⸗ tembergische Militär⸗Verordnungsblatt veröffentlicht einen Gnadenerlaß des Königs, wonach zum Geburtstags⸗ fest des Kaisers anläßlich der ruhm⸗ und nie Hümpfe des Feldzuges allen Militärpersonen Disziplinar⸗ strafen, Geld⸗ und Freiheitsstrafen, soweit letztere 6 Monate nicht übersteigen, erlassen werden. 7* g Berlin, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich) Zur Feier von Kaisers Geburtstag wurde im Dom ein Festgottesdienst abgehalten. Eine große Menschenmenge begrüßte die Kaiserin bei der Anfahrt mit Hochrufen. Das Gotteshaus war bis auf den f 3 210 gefüllt. r 4 . Berlin, 27. Jan. Nichtamtlich.) Die während des Krieges abgeleistete Dienstzeit wird später auf die gesetzliche 5 Schulen fanden die herkömmlichen schlichten Feiern statt. Die Landesuniversikät beging den Tag in der Aula mit einem ernsten Festakt. Nach den einleitenden Klängen des alten Liedes:„Ein' feste Burg ist unser Gott“, das von Bläsern der vereinigten Posaunenchöre mit prächtiger Wirkung zu Gehör gebracht wurde, nahm der Rektor der Universität Geheimrat Prof. Dr. Sommer das Wort zu folgender Ansprache: Hochgeehrte Versammlung! Liebe Kollegen und Kommilitonen! 2 Wenn man in der Geschichte nach einem Beispiel für die Lage des deutschen Volkes in diesem großen Kriege sucht, so bietet sich eigentlich nur eines dar: Der Kampf des preußischen Staates unter Friedrich dem Großen gegen die ihn umgebenden europäischen Großmächte. Die Gestalt des alten Fritz ragt in scharfem Umriß aus dem Nebel jener Zeit hervor. Er bewirkte im 7jährigen Krieg, daß Preußen zu einer deutschen Vormacht im Rahmen des buntgestalteten alten Reiches wurde und befestigte durch eine langjährige Friedensarbeit sein Werk. Jetzt kämpft das neugeeinte Deutsche Reich und Volk unter Führung seines Kaisers zusammen mit Oesterreich gegen eine Welt in Waffen, nicht nur gegen die Hauptmächte Europas, sondern auch gegen ihre Verbündeten und Hilfstruppen aus Asien und Afrika. Während bei Friedrich dem Großen die Friedensarbeit dem Kampfe in der Hauptsache folgte, hat Seine Majestät Kaiser Wilhelm der II. seit langen Jahren immer mehr den Namen des Friedenskaisers verdient, bevor dieser große Krieg über Deutschland herein⸗ brach. Und er bleibt auch jetzt, wo er inmitten der deutschen Truppen im Felde steht und in leitender Stelle an dem großen Schicksal der Zeit teilnimmt, der Friedenskaiser, unter dem sich das deutsche Volk in ruhiger Entfaltung seiner Kräfte und Anlagen zu dem gewaltigen nationalen Körper ent⸗ wickelt hat, den jetzt unsere Feinde vergeblich zu vernichten suchen. Wenn wir heute den Geburtstag Seiner Majestät feiern, so denken wir dabei zugleich an die Entstehung des neuen Reiches, das sich während seiner Regierung so machtvoll weiter entwickelt hat. Und es liegt im Sinne unseres Kaisers, wenn wir mitten in dem Getümmel des riesigen Kampfes auch der Friedensarbeit gedenken, die wir zu leisten haben und durch die unter seiner Regierung das deutsche Volk stark geworden ist, um auch wirtschaftlich diese gewaltige Kraftprobe zu bestehen. Ich bitte Sie, sich zu erheben und mit mir in den Ruf einzustimmen: Seine Majestät, der deutsche Kaiser Wilhelm II. hoch! hoch! hoch! 5 Die Versammlung sang alsdann unter Posaunenbeglei⸗ tung die Nationalhymne. Prof. Dr. Hübner erörterte hierauf in fesselnden Ausführungen die allmähliche Ent⸗ stehung der Verfassung der deutschen Wehrmacht. Er führte etwa aus: 1 „Anders wie sonst feiert diesmal der Kaiser seinen Geburts⸗ tag; nicht in Berlin mit dem herkömmlichen militärischen und höfischen Prunk, sondern im Feldlager unter seinen Truppen. Aber in der kriegerischen Kaisexsgeburtstagsfeier dieses Jahres, liegt einc großartige geschichtliche Folgerichtigkeit. Nirgends könnte der Kaiser als das Haupt des um sein staatliches Da⸗ sein kämpfenden deutschen Volkes seinen Geburtstag würdiger feiern als an der Spitze und inmitten des deutschen Heeres. In dem ungeheuren Kriege, der jetzt seit einem halben Jahre tobt, ist das deutsche Volk zu dem bisher höchsten Gipfelpunkt seiner staatlichen Entwicklung gelangt über 1813, ja über 1870 hinaus. Denn jetzt zum erstenmal ist, so lange es Deutsche gibt, der Geist der Zwietracht von uns gewichen und hat einer Einheit und Einig⸗ keit Platz gemacht, wie kaum wir selbst, sicherlich nicht unsere Feinde, sie für möglich gehalten haben. Diese Einheit und Einig⸗ keit ist der granitne Fels, auf dem wir uns sicher fühlen, an dem die feindlichen Wogen sich ohnmächtig brechen werden. Die Per⸗ son des Kaisers verkörpert sie uns.. 1 Am deutlichsten und wuchtigsten tritt jetzt naturgemäß die militärische Einheit Deutschlands in die Erschei⸗ nung, die zwar 1870 schon vorhanden war, aber doch erst im neuen Reich ihren planmäßigen Ausbau erhalten hat. Sie erscheint uns heute als das selbstverständlichste Ding von der Welt. Aber lange Zeit hindurch haben nir sie zu unserem größten Schaden entbehren müssen und sie konnte nur mit schweren Mühen ge⸗ schaffen werden. Dies ist in Preußen geschehen, wo die beiden großen Könige des 18. Jahrhunderts, Friedrich Wilhelm I. und Friedrich der Große, grundlegend wirkten. Sie verstanden es, in dem Kantonsystem wenigstens grundsätzlich den Gegensatz von Söldner⸗ und Milizheer zu überwinden und in dem Offizierkorps eine mustergültige Einrichtung zu schaffen, in dem die alte Lehns⸗ treue dem Staate dienstbar gemacht wurde. Friedrich der Große fügte dem dann den Glanz kriegerischen Ruhmes hin⸗ zu und wußte seiner Armee vor allem den Geist der unerschrockenen Offensive einzuhauchen, der in ihr Triumphe feiert. In der großen Zeit der Wiederaufrichtung des preußischen Staates griffen dann Scharnhorst und Boyen den Gedanken der allgemeinen Wehrpflicht auf und führten das in dem alten Kantonsystem nur unvollkommen Er⸗ reichte weiter. Immerhin gelang auch ihnen eine völlig befrie⸗ digende Gestaltung der— noch nicht. Sie durch⸗ gesetzt zu haben, ist das 2 Verdienst König Wil⸗ helms I. Sein Werk fand in den Kriegen von 1864 und 1866 die glänzendste Rechtfertigung, und als es sich nunmehr darum handelte, ganz Deutschland militärisch zusammenzufassen, brauch⸗ ten nur die bewährten Einrichtungen Preußens erweitert zu werden. Dies geschah dank der genialen Staatskunst Bismarcks in schonendster Form, aber doch so, daß tatsächlich alles, was notwendig war, durchgesetzt wurde. Vor allem in der obersten Kriegsherrlichkeit des Kaisers erhielt die militärische Einheit Deutschlands ihren Ausdruck. Der militärischen entspricht die staatsrechtlich⸗poli⸗ tische Einheit, die in der Form des Bundesstaates her⸗ gestellt worden ist. Wenn in unsrer Verfassung monarchische und demokratische, unitaxische und föderalistische Bestandteile zusammen⸗ geschweißt worden sind, so liegt gerade darin ihr Vorzug und die Gewähr für ihre Haltbarkeit. Die Entwicklung ganz von selbst dazu geführt, daß die unttarischen Organe der Ver⸗ fassung immer mehr hervortreten und besonders die Stellung des Kaisers an Bedeutung zunahm. Der Kaiser ist nicht der Monarch des Reichs und doch führt er mit eigenster und letzter Verantwortung seine Geschicke. Auch der Kaiser hat sich zu der friderizianischen Staatsgesinnung bekannt, daß der Fürst der erste stets lebendig geblieben ist und gerade gegenwärtig die herrlichsten, Geburtstages unseres Kaisers einen dem Ernst der Zeit entsprechenden Charakter. Morgens fand Glocken⸗ geläute und anschließend Gottesdienst in sämtlichen Kirchen statt. Hieran schlossen sich Festakte in den Schulen und Lehr⸗ anstalten und um 11½ Uhr begann in der dichtbesetzten Aula der Universität die akademische Festfeier, die in einem Orgelvortrag seitens des Universitäts⸗Musikdirek⸗ tors Prof. Jenner und der Festrede des Professors der klassischen Philologie Geheimrat Birt über das ma „Wie der Deutsche sein Vaterland gefunden“ bestand. Die interessanten Ausführungen klangen in einem Hoch auf den Kaiser und dem Gesang der Nationalhymne aus. * 1* Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Musk. Friedr. Hofmann, Inf.-Ngt. 49, aus Niederscheld.— Kriegsfreiw. Kand. des Maschinenbaues Georg Schleier macher, Res.-Inf.⸗Rgt. 221, aus Aschaffenburg.— Seesoldazat Jakob Mignon, 2. Marine-Ins.-Rgt., aus Wetzlar.— Ulan Karl Kern, Ulanen-Agt. 6, aus Werdorf.— Landwehrm. Th. Hamel, Res.-Inf.⸗Rgt. 88, aus Neuschwambach.— Einj-Jreiw. Ernst Hammann, Res.-Juf.-Agt. 221, aus Offenbach.— Land- wehrm. Jakob Jäger aus Bieber bei Offenbach.— Vizeseldwebel Heinr. Nagel, Res.-Inf.-⸗Rgt. 118, aus Offenbach a. M.— Re Karl Villmann aus Storndorf.— Et. d. Res. Otto Geisel, 5. bayr. Ind⸗Rgt. aus Alsfeld.— Kriegsfreiw. Kurt Kautschke, Res.⸗Jnf.-Rgt. 221, aus Darmstadt. * 3 * Ritter des Eisernen Kreuzes: ß Oppenheimer aus Holzhausen. Adolf Kleberger, Leutn. im Art.-Regt. 61, aus Melbach. Leutn. Curt Dor n⸗ feld, früher an der Unteroffizierschule Wetzlar, jetzt im Garde-Regt. 5. Leutn. d. R. Karl Grundberger aus Alsfeld, beim Pionier-Kommando des Korps⸗-Brücken⸗Train 18. Vizefeldwebel im e ee 11 Gustav Her⸗ bold aus Marburg. Amtsrichter Dr. Fraeb aus Griedel, Leutn. d. L. Postaff Uffz. Heinrich Rumpf aus Griedel, Res.-Inf.⸗Regt. 209. 5 d. R. vom Art.⸗Regt. 25 Ferd. Küster aus Lauterbach. 22 ** Das Ergebnis der Reichswollwoche in unserer Stadt ist außerordentlich günstig gewesen, 5 wenn man bedenkt, wieviel Wollsachen schon vo für Ostpreußen und für Zwecke des Roten Kreuzes von den Ein⸗ wohnern 4 N wurden. Die Einsammlung wurde Sams⸗ tag, den 23. d. M., begonnen und Dienstag, den 26. d. M., beendet. Diese schnelle Durchführung war nur dadurch mög⸗ lich, daß die Stadt die nötige Anzahl Gespanne für die ver⸗ schiedenen Bezirke zur Verfügung stellte und die Jugend⸗ wehr das Einsammeln in dankenswerter Weise übernom⸗ men hatte. Es war interessant anzusehen, mit welchem Eifer und mit welcher Schnelligkeit die Jungen ihres Amtes wal⸗ teten und wie aus allen Stadtteilen in kurzer Zeit die großen von privater Seite zur Verfügung gestellten Plattform⸗ wagen hochbeladen den Sammelstellen am Neustädter Tor und in der Nord-Anlage zustrebten. Fast aus allen Haus⸗ haltungen wurden Sachen abgegeben, und der Opfersinn unserer Bürger zeigte sich im schönsten Lichte. Zwanzig vollbeladene Wagen waren das Ergebnis der lung, die alles, vom einfachen Wollappen bis zum gut er⸗ haltenen Anzug, umfaßt. Die Sachen werden in den Sam⸗ melstellen einer Vordes infektion unterzogen, in Säcke und Bündel verpackt und dann in dem von der Kliniksver⸗ waltung unentgeltlich zur Verfügung gestellten 5 apparat gründlich desinfiziert. Alsdann erfo erst das Aussortieren der einzelnen Stücke, deren Verwendung je nach der Beschaffenheit verschieden ist. Da finden sich Stücke, die zu Decken verarbeitet werden können, da sind ganze An⸗ züge, Mäntel usw., die nach Ausbesserung den Flüchtlingen gute Dienste leisten werden, u. a. m. Für die zweckdienliche Verwendung der Sachen hat sich unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters ein besonderer Aus schuß ge⸗ bildet, der auch die Verarbeitung und Weitergabe der fer⸗ tigen Decken usw. in die Wege leiten wird. 1 Nichtöffentliche Stadtratssitzung. Heute nachmittag findet im Stadthause eine geheime Sitzung der Stadtverordneten statt. Wie wir erfahren, handelt es sich bei der Beratung um die Beschaffung von Fleisch⸗ Dauerware durch die Stadt. 5 **„Drauf wie Blücher!“ Ein Leser teilt uns folgendes mit:„Der Wehrmann W. von einem Reserve⸗ Feldartilleri iment schreibt mir aus einer Stadt in Polen vom 18. Januar: i 2 „Mit unserer jungen hessischen Infanterie vorauf besiegen wir jeden Feind. Vor den Jungen muß man den Hut abnehmen, die gehen drauf ele enen e d 0 erg iellei men iejenigen noch äglich, welche diesen jugendlichen een angel an Mut— stellten oder solche Gerüchte verbreiten halfen.“ » Aus dem Gefangenenlager. Die Zahl der in dem Lager auf der Höhe des Trieb untergebrachten Franzosen und Belgier beläuft sich jetzt auf rund 8000 Mann. Der Wegebau im Lager nimmt gute Fortschritte und dürfte in einigen Wochen beendet sein. Eine sehr zu begrüßende Maßnahme ist die Einrichtung einer Schweinemast⸗ anstalt, um die Abgänge der Verpflegung nutzbringend zu verwerten. Vorläufig hat man mit 30 Einlegschweinen be⸗ gonnen, deren Zahl in aller Kürze auf 100 Stück gesteigert n werden soll. 5 298555 8 Ausstellungs-Medaille. Zur Erinnerung an die infolge des Krieges leider vorzeitig geschlossene Aus- stellung der Künstler⸗Kolonie Daymstadt 1914 — der Großherzog an die beteiligten Künstler und eine Anzahl Freunde und Förderer der Kunst Line von dem Kolonie-Mitglied Herrn Prof. Jobst entworfene Denk- münze verteilen lassen. Sie ist in Bronze ausgeführt und Fild auf der einen Seite das ganz vortrefflich gelungene d des Großherzogs, des Protektors der Ausstellung, mit uschrift, und auf der andern Seite eine symbolische Dar— tellung, der Genius der Kunst, dem Künstler den Lorbeer— ant reichend. 1 Landkreis Gießen. O Heuchelheim, 27. Jan. In unserer Gemeinde wurden an Kirchenkollekten und Haussammlungen für den 2. hessischen Lazarettzug 5613 Ml. gespendet, außerdem für den Hindenburgischen Lazarettzug 25 Mk., für das Rote Kreuz 3045 Mt., s. für Ostpreußen und Elsaß-Lothringen 876 Mk. Kreis Büdingen. Auf dem Nachhause⸗ weg geriet der 60 jährige Landwirt Heinrich Kröll vom Wege ab 41 e. 2 die hoch angeschwollene Bleiche. u der stürmischen dunklen Nacht wurden seine Hilseruse nicht e- hört und der Mann mußte ertrinken. E Kreis Schotten. * Aus dem Vogelsberg, 27. Jan. Kriegsschwind⸗ lex, die sich die Not der Zeit zunutze machen, sind auch in unseren Orten bei der Arbeit. So ließen dieser Tage zwei Hausierer durch die Ortsschelle bekannt machen, durch Einberufung zum Heeresdienst wären sie 9 zu jedem Preise auszu⸗ verkaufen. So kosteten ein halb Dutzend bunte Taschentücher 95 Pfg., weiße 1 Mk. Mit Zwirn und Knöpfen und dergleichen dieselbe Preiserniedrigung. Die Handelsleute machten gute Ge⸗ schäfte, denn es wurde viel gekauft. Wer aber die Ware genauer besah, der erkannte bald den Schwindel. Die Taschentücher waren o stark gummiert, daß nach dem ersten Waschen löschblattähnliche Tüchlein übrig bleiben. Auf den äußerlich wie gewöhnlich aus⸗ sehenden Zwirnrollen standen statt 500 Yards nur 120. Hoffent⸗ lich wird den Kriegsschwindlern das Handwerk gelegt. * Groß⸗Eichen, 26. Jan. Ein anfangs der 60 er Le⸗ bensjahre stehender hiesiger Holzmacher mit Namen Bach⸗ mann erlitt im beim Holzmachen einen Unfall, der den Tod auf der Stelle nach sich zog. Die Holzmacher waren im Gemeindewalde mit dem Fällen eines Baumes beschäftigt. Als der Baum stürzte, vermochten sich die Arbeiter rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Nur der glückte wurde von der Krone des Baumes zu Tode getroffen. OO Aus dem oberen Vogelsberg, 27. Jan. Durch die gewaltigen Schneemassen, die im vergangenen Winter gegangen waren, waren ganze Teile der Wälder dermaßen beschädigt worden, daß sie im vorigen Jahre ganz oder teilweise umgehauen werden mußten. Dadurch war es der ärmeren Be⸗ völkerung möglich, zu einer Zeit, in der sie sonst keiner Be⸗ schäftigung nachgehen konnte, ein schönes Stück Geld zu verdienen. Das Holz selbst wurde zu billigem Preise abgegeben, da es in aro Mengen vorhanden war. Die Reiser wurden meist an Ort und Stelle verbrannt; man hatte keine Verwendung dafür. 3 großen Transporten wurde das holz nach der Bahnstation ücke befördert, wo es auf der Bahn verladen und versandt wurde.— Der Schnee hat im Oberwald schon eine stattliche Höhe erreicht. Durchschnittlich beträgt sie 30—40 Zentimeter. In geschützten Schneisen und Wegen liegt der Schnee noch höher. . vergangenen Sonntag hatte sich eine große Anzahl Schi⸗ äufer auf dem Hoherodskopf eingefunden. 25 Kreis Friedberg. „r. Bad⸗Nauheim, 27. Jan. Die Großh. Ernst⸗ Ludwig ⸗Schule veranstaltete gestern nachmittag zu Kai⸗ sers Geburts eine öffentliche Schulfeier mit sehr gut mengestellter Vortragsfolge. Die Hauptnummer der Jeier war„Heldenblut“ von M. Pfeiffer mit eingestreuten e Volksliedern. Die Festrede hielt Herr Lehramtsasses or Dr. Magsaam, der über„Kaiser Wil⸗ 1* und sein Volk“ sprach. Der Bitte des Chefarztes unserer . ette— Sanitätsrat Dr. Schedel— entsprechend wurde die l heute abend in der Turnhalle des Turnvereins 1 für unsere Verwundeten wiederholt.— Vormittags fand in der Dankeskirche Militär⸗Gottes⸗ die nst statt und abends nahmen die Militärvereine unserer Stadt an dem Festgottesdienst zu Kaisers Geburtstag teil. h. Vilbel, 27. Jan. Im Tannenwäldchen wurde der ver⸗ heiratete Maurer Heinrich Post erhängt aufgefunden. Der Lebensmüde lebte von seiner Frau schon längere Zeit getrennt. h. Dor heim, 27. Jan. Auf der hiesigen Haltestelle über⸗ rannte ein scheugewordenes Gespann des Landtagsabge⸗ ordneten Breidenbach die verschlossene Eisenbahnschranke und stürmte einem herannahenden Zuge entgegen. Mehrere Bahn⸗ beamte, die Zeugen des Vorfalles waren, gaben dem Zuge von ferne Notsignale, so daß es gelang, die Maschine etwa fünf Schritte vor dem Fuhrwerk zum Halten zu bringen. Menschenleben kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Starkenburg und Rheinhessen. Langen, 27. Jan. Die 19 Jahre alte Dienstmagd Schmidt gab gestern auf ihren 81 Jahre alten Dienstherrn, den Bienenzüchter Fäller um des willen zwei Schüsse ab, weil er ihr wegen eines Liebes verhältnisses Vorhalt machte. Auf die Vorwürfe wurde sie frech, so daß ihr Fäller eine Ohrseige gab. Darauf griff sie zum Revolver. Die Schmidt, wie ihr Schatz, der sie zu der Tat verleitet und ihr den Revolver beschafft haben soll, ind verhaftet worden. Kreis Wetzlar. — Atzbach, 27. Jan. Am Dienstag stand hierselbst die erste dolzv ersteigerung auf der Tagesordnung, welche stark be⸗ zucht war. Buchenscheitholz ist immer sehr begehrt, es wurde durchschnittlich mit 13 Mk. pro Rm. bezahlt; die Gemeindekasse hat insgesamt 6000 Mk. gelöst. Das Nutzholz kommt in einem päteren Termin zum Verkauf. b. Hohensolms, 27. Jan. Gar mancher altehrwürdige Nußbaum wurde in diesen Tagen auf den Höhen von Königs- erg und Hohensolms für Militärzwecke gelällt. Erstklassige nittstämme sind im Festmeter mit 80—85 Mk. bezahlt worden. 5 Hessen⸗Nassau. f m. Kirchhain, 27. Jan. Der Landesausschuß für Regierungsbezirk Kassel hat in seiner letzten Sitzung chlossen, zu den Regulierungskosten der Ohm, Klein und hra, die im ganzen 262 000 Mt. betragen, 30 Prozent von Summe auf den Bezirksverband zu übernehmen und den ag aus dem Melioxationsfonds zu zahlen. Der Staat über- mt gleichfalls 30 Prozent der Kosten, so daß die beteiligten inden Kirchhain, Kleinseelheim, Großseelheim und Nieder— ch 40 Prozent des Betrags aufzubringen haben. Durch . chluß ist die Ausführung der Melioration nun⸗ ehr gesichert und sie wird gleichzeitig mit unserer Zusammen⸗ 0 zur Ausführung gelangen. Diesen zwei großzügigen Pro⸗ lekten mußte naturgemäß der Bau der Wohratalbahn vorausgehen, die durchschnittenen Wiesen wieder in anderer Lage zusam⸗ die nötigen Vorflutgräben unter Beruücksichtigung des angelegt werden können. Das erste 1 zu dieser in größerem Umfange, von der Landesgrenze 7 D bei Schweinsberg bis zum Einfluß der Ohm in die Lahn bei Kölbe. war Anfang der 70er Jahre durch den Königlichen Wasserbau⸗ meister Schmidt⸗Kassel ausgearbeitet worden. h. Frankfurt a. M., 27. Jau. Die jüngste deutsche Hochschule, unsere Universität, beging heute mittag die Geburtstagsfeier des Kaisers in ernster, wür⸗ diger Weise. An dem Festakt nahmen die hiesige Generalität, Regierungspräsident Dr. von Meister, Polizeipräsident Rieß v. Scheuernschloß, Oberbürgermeister Voigt, das Herrenhausmitglied Walther vom Rath, alle Frank⸗ furter Schulleiter, die Vertreter sämtlicher wissenschaftlichen Institute und zahlreiche andere geladene Gäste aus der Stadt und dem Regierungsbezirk. Nach dem feierlichen Einzug des Professorenkollegiums hielt der Historiker Professor Dr. Küntzel die Festrede, in der er den Kaiser als Ideal höchster Pflichtaufsassung schilderte. Des Kaisers höchstes Verdienst ei, daß er Preußen verdeutscht habe. Im Gegensatz zu Wil⸗ helm J. habe er sich nie als König von Preußen, sondern als deutscher Kaiser gefühlt. Durch den Krieg sei um Kaiser und Volk ein unzerreißbares Band geschlungen. Das Hoch auf den Kaiser brachte Rektor Professor Dr. Wachsmuth aus, der mit dem rotsamtenen Talar geschmückt war und zum erstenmal die vom Kaiser verliehene goldene Amtskette trug. h. Frankfurt a. M., 27. Jan. Auf dem Hauptbahnhofe wurde am Dienstag abend der schon bejahrte Arbeiter Hetzivert beim unbefugten Ueberschreiten der Gleise von einem Zuge über⸗ 3 und derart zugerichtet, daß er nach kurzer Zeit ver⸗ arb. X. Hanau, 26. Jan. Die Stadtverordneten haben einen Kredit von 300000 Mk. bewilligt, der benutzt werden soll zur Beschaffung von etwa 3000 bis 3500 Zentner Schweine- fleischwaren und Einlegung derselben als Dauer ware. Erdbeben in Bulgarien. Sofia, 27. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung der„Agence Bulgare“. Im ganzen nord westlichen Teile Bulgariens ist gestern ein leichter Erdstoß verspürt, aber nur unbedeutender Schaden angerichtet worden. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) g Kriegsbrot. Um ein immer noch bekömmliches Kriegsbrot her⸗ zustellen, sei mir, als altem Fachmann, gestattet, den Bäckermeistern und Hausbäckereien ein Verfahren zur Herstellung des täglichen Brotes mitzuteilen, mit dem ich die besten Erfolge erzielt habe. Durch das Ausmahlen des Roggens bis 80 Prozent säuert das Brot natürlicherweise weit mehr als bisher. Durch den gesetzlichen Zusatz von Kartoffelmehl oder Flocken wird es noch mehr säuern, da Kartoffeln sowieso zum Sauerwerden neigen. Ist schon das schwere Roggenbrot manchem, der einen schlechten Magen hat, nicht recht zuträglich, so werden die Klagen sich beim Kartoffel- brot noch vermehren. Durch zahlreiche Versuche habe ich nun ein Verfahren festgestellt, das das Reißen und Sauerwerden des Brotes verhindert. Ich nehme anstelle des Sauerteiges allein die Hälfte Hefe. Dies richtet sich selbstredend nach der Teigmenge. Man nehme: Ein Drittel des Wassers und säure in der bisherigen Weise, dann nehme man die Kartoffelflocken und die Preßhefe und mache auch da von eine Mischung. Beides läßt man bis zur Reife gehen. Sodann nehme man den dritten Teil Wasser und knete alles mit dem nötigen Mehl zu einem nicht zu festen Teig. Es wird dadurch ein flotter Trieb erzeugt, das Brot wird nicht so sch wer und ist daher zum täglichen Verbrauch viel geeigneter. Ein Versuch wird jeden überzeugen. Zu einem Ofenbrot von zirka 50 Vierpfündern habe ich/ Pfund Hefe genommen. Ein Fachmann. —-2ä———ů—ů—ßð̃1⁊ĩ˙——— Märkte. ch. Bingen, 27. Jan. Marktpreise. Weizen Mk. 27,50, Korn Mk. 23,50, Gerste Mk. 24,50, Hafer Mk. 22,50, deu Mk. 0,00, Stroh Mk. 0,00, Kartoffeln Mk. 8,00, Erbsen Mk. 00,00, Linsen Mk. 00,00, Bohnen Mk. 00,00, Weißmehl Mk. 48,00, Roggenmehl Mk. 37,00; alles für 100 Klgr. Butter 1 Klgr. Mk. 2,50, Milch 1 Liter 24 Pig., Eier 10 Stück Mk. 1,20. Kirchliche Nachrichten Israelitische Religionsgemeinde. Sottesdienst in der Synagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 30. Jannar 1915: Lo raben) 5.00 Uhr. Morgens 9.00 Ubr. Nachmittags: 3.30 libr. Sabbataus gang: 6.05 Uhr. Israelitische Religionsgesellschaft. Gottesdienst. Sabbatfeiee am 30. Januar 1915: a abend 4.50 Ubr. tag vormittag 8.30 Uhr. Samstag nachmittaz 3.30 Uhr. Sabbat-⸗Ausgang 6.05 Uhr. a Wochengottesdienst: Morgens 7.00, nachmittags 4.30 Uhr. GWetteraussichten in Hessen am Freitag, den 29. Jan. 1915: Wolkig und trocken, nordostliche Winde.(Schneesälle.) Letzte Nachrichten. Die Verhältnisse in Lille. Paris, 28. Jan. Hiesige Blätter veröffentlichen einen Be⸗ richt über die Verhältnisse in dem seit Beginn des Krieges von den Deutschen besetzten Lille. Ganz besondere Beach⸗ tung schenkt die Presse der vorzüglichen Art und Weise, wie die Soldaten dort untergebracht sind. Die Soldaten wohnen in Ka⸗ sernen, die Offiziere in Hotels oder in Pripathäusern. Die Preise für die Wohnungen und die Lebensmittel sind von den deutschen Behörden tarifmäßig festgesetzt worden. Offiziere und Offizier⸗ stellvertreter zahlen zwei Franks täglich in Hotels und 1,50 Franks bei Privaten, Unteroffiziere einen Frank. Für volle Pen⸗ sion bezahlen die Offiziere täglich 10 Franks, die Offtzierstell⸗ vertreter 7 Franks, Unteroffiziere 5 Franks und irgendwie ab— kommandierte einfache Soldaten 3 Franks. Alle Rechnungen müssen bar beglichen werden. An Lebensmitteln herrscht nicht der geringste Mangel, im Gegenteil kostet ein Pfund Ochsenfleisch 0,15 Franks weniger als vor dem Kriege. Die Seeschlacht in der Nordsee. Amsterdam, 28. Jan. In einem vom Reuterbureau verbreiteten Berichte wird gesagt, die britische Flotte sei nachts ausgelaufen und habe sich auf See mit den leichten Kreuzern und den Torpedojägern vereinigt. Die Flugzeuge hätten den Feind um 8 Uhr früh gemeldet. Der erste Schuß des„Lion“ sei fehlgegangen, mit dem zweiten habe er „Blücher“ getroffen. Die Deutschen hätten aus allen Ge⸗ schützen gefeuert und die Kreuzer„Lion“ und„Tiger“ ge⸗ troffen. Fünf deutsche Schiffe hätten allein ihr Feuer auf den„Lion“ gerichtet. Eine Salve der„Princeß Royal“ sei für das Schicksal des„Blücher“ entscheidend gewesen. Inzwischen sind die er mit den umherschwirren⸗ den Torpedobvoten und Unterseebooten in ein Gefecht ver⸗ wickelt worden. Als der„Blücher“ sank, habe er aus seinen hinteren Panzertürmen noch eine Salve abgeschossen. „ Noch 50 Mann vom„Blücher“ gelandet. 8 Kopenhagen, 28. Jan. Aus Leith wird gemeldet, daß zwei Torpedojäger 50 Mann von der Besatzung des untergegan⸗ R F ͤNTT̃ genen deutschen Kreuzers„Blücher“ gelandet haben. Man glaubt. daß diese Ueberlebenden nicht in den Zahlen einbegriffen waren, die früher über die von dem Kreuzer„Lion“ gelandeten Ueber⸗ lebenden angegeben worden sind. Die Beschießung des Kreuzers„Gazelle“. Kopenhagen, 28. Jan. Der Trelleborger Korrespon⸗ dent des Malmöer Blattes„Snall Post“ sagt über die Be⸗ schießung des Kreuzers„Gazelle“ durch ein Untersee⸗ boot bei Arkong, daß die dort gesichteten Unterseeboote wahrscheinlich russische gewesen sind. Die Torpedo⸗ explosion sei nicht von besonderer Wirkung gewesen. Der getroffene Kreuzer„Gazelle“ ging bei Arkona in flaches Wasser, um nicht zu sinken Als sich aber später zeigte, daß das Leck nicht groß war, ging das Schiff mit eigener Dampf⸗ kraft weiter nach Saßnitz. Bisher unbelannte Verluste der französischen Marine. Haag, 28. Jan. Aus den Erklärungen des Marineministers dem Korrespondenten der„Times“ gegenüber über die Verluste der französischen Marine seit Beginn des Krieges geht als bis jetzt unbekannte Tatsache hervor, daß in der vorigen Woche bei Nieuport ein französisches terseeboot unter⸗ gegangen ist. Von der 40 Mann starken Besatzung ertran⸗ ken 5. In der Adria wurde ein großer französischer Kreuzer torpediert, aber ohne Verluste an Menschenleben. Der Schaden war in sechs Wochen repariert. Verlust des englischen e in der italienischen Presse. Rom, 28. Jan. Während die anderen Blätter den Verlust des englischen Schlachtkreuzers wenigstens mit einem Fragezeichen versehen, hält der„Corriere d'Italia“ eine Unwahrheit des deutschen Admiralstabes für völlig ausgeschlossen. Bei dem Untergang des Schiffes handele es sich um eine positive Tatsache, die sich auf die Dauer nicht verschleiern lasse. Das Blatt erinnert daran, daß England den Verlust des„Audacious“ bis zuletzt krampf⸗ haft geleugnet habe. Uebrigens habe das englische Marine⸗ amt die amtliche deutsche Erklärung bisher nicht bestritten. Das Wirtschaftsleben Oesterreich-Ungarns. Wien, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Ministerpräfident Graf Stürgkh empfing gestern in Gegenwart des Ministers des Innern, des Handelsministers und des Ackerbauministers eine Abordnung aller drei Gruppen des Herrenhauses. Der Mi⸗ nisterpräsident erklärte, die Sicherstellung des Nahrungs⸗ mittelbedarfes für Heer und Bevölkerung bilde die wich⸗ tigste Sorge der Regierung. Die Tätigkeit der Regierung sei darauf gerichtet, das gesamte Wirtschaftsleben vor Schädigungen durch den Kriegszustand zu bewahren. Die Regierung verfolge selbst⸗ verständlich alle diesbezüglichen Erscheinungen im Auslande. Allein eine einfache Nachmachung alles dessen, was in anderen Staaten für zweckmäßig befunden werde, wäre gewiß von Schaden. Die meisten Maßnahmen, die auf Erhaltung der Lebensmittelvorräte im Inland und deren Verteilung innerhalb des gesamten Zollgebietes der Monarchie sich erstrecken können, erheischten die Zustimmung oder ein verständliche Mitwirkung der ungarxischen Regierung. Bezüg⸗ lich der Errichtung einer Getreide-Einkaufs⸗Gesellschaft bestehe begründete Hoffnung, daß die Verhandlungen bald eine gedeihliche Lösung finden würden. Was das Requisitionsrecht betreffe, würde die Regierung keinen Anstand nehmen, von diesem Rechte zu⸗ gunsten der zu errichtenden Getreide⸗Einkaufs⸗Gesellschaft Ge⸗ brauch zu machen. Der Handelsminister Schuster erklärte: Die Verordnung über die Broterzeugung werde in allernächster— eine weitere Ausgestaltung erfahren, indem die ungemischte Ver⸗ wendung feinen ckmehles untersagt und auch die Erzeugung von Luxusgebäck weiter eingeschränkt werden solle. Aus der französischen Kammer. Lyon, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.„Nouvelliste de Lyon“ meldet aus Paris: Die Vorsitzenden der Kammer⸗ ruppen in den großen Kammerausschüssen traten am 26. 8 zu einer Besprechung mit dem Präsidenten Deschanel zusammen, um die Tagesordnung für die Kammersitzung, welche der morgigen Sitzung folgen soll, festzusetzen. Diese wurde auf den 4. Februar anberaumt, was vermuten läßt, daß dann die Vertagung der Kammer vorgeschlagen werden soll. Die Tages⸗ ordnung für die Sitzung vom 4. Februar umfaßt die Ratiftizie⸗ rung der von der Regierung erlassenen Dekrete in Finanz und Zollsachen, über das Verbot des Handels mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn, über die deutschen und österreichisch⸗umgari⸗ schen Versicherungs⸗Gesellschaften Abstimmungen über die Dekrete betr. Mehrausgabe von Schatzscheinen bis zu 3 Milliarden, sowie Gesetzentwürfe über ein Verbot des Verkaufs von Absynth und ähnlichen Spirituosen. Lyon, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Mel⸗ dung des„Nouvelliste de Lyon“ erklärte der Minister der öffent⸗ lichen Arbeiten. Sembat im Kammerausschuß für Bergwerks⸗ wesen, die Regierung beabsichtige die Kohlen produktion in Frankreich zu beschleunigen, indem sie alle bei den Fahnen befindlichen Bergleute in die Bergwerke zurück⸗ schiche. Ueber den Kohlentransport und die künftige Kohlenver⸗ sorgung machte Sembat beruhigende Angaben. Paris, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ meldet: Der Kammerausschuß, welcher über die Beur⸗ laubung der im Felde stehenden Deputierten be⸗ stimmen sollte, bat den Kriegsminister um Uebermittelung einer vollständigen Liste der einberufenen Deputierten und Angabe, wie sie an der Front verwendet würden. Auf den abschlägigen Bescheid des Kriegsministers beschloß der Ausschuß, am Donnerstag vor der Kammersitzung zu erörtern, ob dem Zwischenfall eine weitere Folge zu geben sei. Bergarbeiterstreik in England. London, 28. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Abstim⸗ mung unter den Bergleuten in West⸗Yorkshire hat eine Zweidrittel⸗Mehrheit für den Streik ergeben. Rheinisches Wee 5 3— ulk, utomo au, Brückenbau. schnikum Bingen ee Erolleser Heep Ke. — Abeuffeurkurse. A dll. TIL e .—— Caaulhealer eden Oir.: Hermann Steingoetter. Freitag, den 29. Jau. 1915 8 1 Union-Theater. rette Wen 8 Freitag⸗Abonn.⸗Vorstellg. 5 öbnl. reise ermäßigt DeiterenezE-en re malta Donnerst.tu. Freitag Johannisfeuer 2 billige Tage Schauspiel in 4 Akten von J. Pl. 24, 2. Pl. 40 Hermann Sudermann. Aus dem reichbalt. Ende nach 10“ Uhr. g Soldaten vom Feldwebel ab Programm sind be- sonders d. neuesten wärts zablen bei allen Vor- stellungen auf 2. u. 3. Parkett Aufnahmen vom nur halbe Preise 9110 Völkerkrieg zu er- wühnen. bone b 5 c cc GROSS RAU¶MUNGS?- N N 1 Dauer bis einschließlich Montag, den 8. Februar EERNANUIE Der beispiellose Erfolg, den wir stets mit unserem Räumungs-Verkauf erzielten, beweist unsere unantastbare Leistungsfähigkeit. 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