N ut. 20 . Erstes Blatt Der Sletener Anzel erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familiendlätter; weimal wöchentl. Kreis⸗ latt für den Kreis Sießen (Dienstag und Freitag); bugatt W 8 wirtschaftliche Fernsprech-Anschlusse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelledl Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme don Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. c* 7 sahrgang Gieß en E Anzeige ae 285 g 0 ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. General⸗Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Montag, 25. Januar 1915 Ldeingss reiz: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Verantwortlich für den politischen Teil und das Jeuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge⸗ richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. * Eine Seeschlacht in der Nordsee. (WTB.) Berlin, 24. Jan.(Amtlich.) Bei einem Vor⸗ stoß unserer Panzerkreuzer„Seydlitz“,„Derfflin⸗ — Moltke“ und„Blücher“ in Begleitung von vier leinen Kreuzern und zwei Torpedobootsflottillen in der Nordsee kam es heute vormittag zum Gefecht mit eng⸗ lischen Streitkräften in der Stärke von fünfSchlacht⸗ kreuzern, mehreren kleinen Kreuzern und 26 Torpedoboots⸗ zerstörern. Der Gegner brach nach drei Stunden 70 See⸗ 20 3. von Helgoland das Gefecht ab und zog sich zurück. Nach bisheriger Meldung ist auf englischer Seite ein Schlachtkreuzer, von unseren Schiffen der Pan⸗ zerkreuzer„Blücher“ gesunken. Alle übrigen deutschen Streitkräfte sind in den Hafen zurückgekehrt. g Der stellvertretende Chef des Admiralstabes. gez. Behncke. ** * „(TB Großes Hauptquartier, 23. Jan. (Amtlich) Westlicher Kriegs schauplatz: Feindliche Flieger warfen gestern ohne Erfolg bei Gent und Zeebrügge Bomben ab. Zwischen Souain und Perthes nördlich des Lagers von Chalons griff der Feind gestern nachmittag an. Der An⸗ griff brach in unserm Feuer zusammen. Der Feind flüchtete in seine Gräben zurück. Im Argonnerwalde eroberten unsere Truppen westlich Fontaine la Mitte eine feindliche Stellung, machten drei Offiziere, 245 Mann zu Gefangenen und er⸗ beuteten vier Maschinengewehre. Nordwestlich Pont⸗a⸗Mousson wurden zwei fran⸗ zösische Angriffe unter schweren Verlusten für den Feind ab⸗ geschlagen. Bei den Kämpfen zur Zurückgewinnung unferer Gräben wurden dem Feinde seit dem 21. Januar sieben Ge⸗ schütze und ein Maschinengewehr abgenommen. Bei Wiesenbach wurden Alpenjäger zurückgeworfen. Mehrere nächtliche Angriffe des Feindes auf Hartmanns⸗ weilerkopf blieben erfolglos. Oestlicher Kriegsschauplatz: nichts Neues. Im nördlichen Polen in Gegend Przasnycz wurde ein unbedeutender russischer Angriff abgewiesen. Aus Blinno und Gojsc wurden die Russen herausgeworfen. Schwächere, auf Szpital Gorny vorgehende russische Abteilungen wurden zum Rückzuge gezwungen. Unsere Angriffe gegen den Sucha⸗Abschnitt schrei⸗ ten fort. In Gegend Rawa und westlich Chenciny lebhafte Artilleriekämpfe. Oberste Heeresleitung. TB) Großes Hauptquartier, 24. Jan. (Amtlich) Westlicher Kriegsschauplatz: Der 23. Ja⸗ nuar verlief im allgemeinen ohne besondere Ereignisse. Im Argonnerwalde wurden zwei französische Angriffe mühelos zurückgewiesen. In den Vogesen, am Hart⸗ mannsweilerkopf und nordöstlich Steinbach machten wir Fortschritte und nahmen 50 französische Jäger gefangen. Oestlicher Kriegsschauplatz: In Ostpreu⸗ ßen und im nördlichen Polen keine Veränderung. Unser Angriff gegen den Sucha⸗Abschnitt bei Borzymow war erfolgreich. Feindliche Gegenangriffe wurden unter schweren Verlusten für die Russen abgeschlagen. Russische Angriffe in der Gegend nordwestlich von Opozno scheiterten. Oberste Heeresleitung. In Ostpreußen *** Ein Vorstoß deutscher Schiffe hat diese neueste Seeschlacht zur Folge gehabt. Es ist also immer noch nicht so gekommen, wie Churchill einst höhnend ankündigte, daß die britische Flotte unsere Schiffe wie Ratten in ihren Löchern aufsuchen und vernichten würde; das Kampffeld Jag immerhin etwa 130 Kilometer von Helgoland seewärts. Ein englisches Geschwader hat, eine seltene Ausnahme, ein⸗ mal den Mut besessen, sich etwas näher an das deutsche Küstengebiet heranzuwagen, vermutlich um den moralischen Eindruck, den die deutschen Angriffe zu Wasser und zu Luft gemacht haben, etwas abzuschwächen. Aber das eng⸗ Aer Unternehmen ist wiederum nicht zum Ruhme des Insellandes abgelaufen. Die Engländer hatten die zahlen⸗ Fabibe Ueberlegenheit; trotzdem mußten sie nach drei Stunden das Gefecht abbrechen. Nach der vorliegenden Mel⸗ dung sind die Verluste auf beiden Seiten die gleichen: England hat einen Schlachtkreuzer verloren, wir haben, den„Blücher“ eingebüßt. Alle übrigen deutschen Streit⸗ kräfte sind in die Häfen zurückgekehrt. Die Engländer haben durch den Abbruch des Kampfes das Gegenteil von Mut und ee bewiesen; es zeigt sich wieder die so oft bemerkte britische Eigenart, nichts zu wagen, um nichts zu verlieren. Gewinnen will man dadurch, daß man andere, Verbündete und sonstige Helfer, für sich bluten läßt. Der Vorstoß unserer Schiffe war zweifellos nicht etwa ein überflüssiges Draufgängerstück. Es muß uns viel⸗ mehr daran liegen, englische Aufklärungsfahrten zu hindern. Wenn dabei zutage tritt, daß die deutschen Streitkräfte auch zur See die Offensive bevorzugen, so kann uns das nicht schaden. Das ist der tapfere friderizianische Geist, den unsere Maxine auch auf ganz neue Verhältnisse über⸗ trägt. Trotz überlegener Feinde unentwegt zu handeln, das war immer ein Ruhmeszeichen in der deutschen Kriegs- geschichte. Zur Beurteilung der Ergebnisse des Gefechtes müssen weitere Nachrichten abgewartet werden. Der Panzerkreuzer„Blücher“ ist 1908 vom Stapel ge⸗ laufen, er hatte 15800 Tonnen Wasserverdrängung und war bestückt mit zwölf Geschützen von 21 Zentimeter, acht von 15 Zentimeter und 16 von 8,8 Zentimeter Kaliber. Die Be⸗ satzung betrug 888 Mann. *** Pressestimmen. Berlin, 25. Jan. Die gestrige schwere Seeschlacht ist, wie das„Berliner Tageblatt“ schreibt, die erste große Aus⸗ einandersetzung zwischen deutschen und englischen Streitkräften in den europäischen Gewässern gewesen, nächst dem Gefecht vom 25. August 1914. Wie damals waren auch dieses Mal die Eng⸗ länder in der Ueberzahl. Daß wir den Engländern trotz ihrer Ueber⸗ legenheit den gleichen Schaden zufügen konnten wie sie uns, ist er⸗ freulich. Gleichwohl werde es schmerzliches Bedauern wecken, daß unser Panzerkreuzer„Blücher“ in die Fluten sank. Daß die Eng⸗ länder sich schließlich hätten zurückziehen müssen, lasse darauf schließen, daß das deutsche Feuer ihnen schwerer zugesetzt habe, als nach ihren Schiffsverlusten zu erkennen sei. Der Vorstoß der deut⸗ schen Streitkräfte sei wiederum ein Beweis unseres unverminderten Angriffsgeistes, und dieser Geist werde auch durch die natürlichen Verluste, so betrübend sie auch seien, nicht beeinträchtigt werden. Im Berliner„Lok. Anz.“ wird gesagt: Wenn die Briten trotz ihrer Ueberlegenheit das Gefecht abgebrochen haben, so ist das ein Beweis dafür, daß unsere Artillerie sie gehörig mitge⸗ nommen hat. Unsere Seeleute haben— das geht aus den knappen Worten des amtlichen Berichtes hervor— wiederum ihre volle Pflicht und Schuldigkeit getan und abermals bewiesen, daß auch ein weit überlegenes britisches Geschwader nicht in der Lage it, einem kräftigen Vorstoß der Unsrigen standzuhalten, geschweige denn, sie einfach zu überrennen. 3 Die„Voss. Zeitung“ hebt hervor, daß nicht die britische Flotte die Angreiferin war, sondern daß unsere Schiffe einen Vor⸗ stoß machten gegen einen weit überlegenen Feind, der nach mehr⸗ stündigem Kampf das Gefecht abbrach. Die von den Engländern abgebrochene Schlacht werde den Kampfesmut unserer Flotte stär⸗ ken, aber in England nicht beruhigen über die aus der Luft und unter dem Wasser drohenden Gefahren. Die Zeppelinfurcht in England. London, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.)„Daily Chro⸗ nicle“ meldet aus Deal: Abends verbreitete sich das Ge- rücht, daß Luftschiffe in der Nähe seien. Man ver⸗ nahm bald nach 9 Uhr in der Luft Lärm, der klang, als ob er von einer Anzahl von Flugzeugen herrühre. Es ver⸗ sammelte sich eine Masse von Einwohnern auf den Plätzen, aber kein Luftschiff wurde sichtbar, obwohl das Geräusch anhielt. Das Geräusch war dann aus Nordosten zu vernehmen, dauerte noch eine halbe Stunde an und ent⸗ fernte sich schließlich in der Richtung auf Dover. Rotterdam, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der „Rotterdamsche Courant“ meldet aus London: Das falsche Gerücht über ein gestriges Erscheinen deutscher Luft⸗ schiffe an der Ostküste entstand wahrscheinlich durch einen Flug englischer Luftfahrzeuge. Amsterdam, 24. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Eine Meldung des Reuterschen Bureaus aus London sagt, in den Kreisen der englischen Reeder herrsche die Ansicht vor, daß der Schiffahrtsdienst nach den neutralen Ländern trotz der Versenkung des„Durward“ durch ein deutsches Unterseeboot nicht eingeschränkt werden dürfe. 79 71 Ein Vorratsschiff für deutsche Kreuzer versenkt. Melbourne, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Mel⸗ dung des Reuterschen Bureaus. Ein Kreuzer erbeutete und versenkte am 6. Januar ein Vorratsschiff für deutsche Kreuzer. Die Offiziere und Mannschaften befinden sich jetzt als Gefangene an Bord. Die„Karlsruhe“. Paris, 23. Januar.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer Blättermeldung aus Port-au⸗Prince konnte sich der deutsche Kreuzer„LFarlsruhe“ an der Mole von St. Ni— cholas bei Haiti verproviantieren und dort eine Basis errichten. Dampfer aus New York und New Orleans laden Kohlen, um die„Karlsruhe“ damit zu versorgen. Der Fall„Dacia“. London, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Daily News“ meldet aus Washington: Die Eigentümer der„Dacia“ haben es durch Vermittlung von Deutschen erreicht, daß ihr Schiff versichert wurde. Sie beschlossen, daß die„Dacia“ Kohlen einnehmen und von Norfolk nach Rotterdam abreisen soll. England und Amerika. London, 24. Jan.(WTB Nichtamtlich.) Das Reuter⸗ sche Bureau meldet aus Washington vom 22. Jan.: Im Senat sprach Lodge gegen die Bill über den Ankauf fremder Schiffe für die Vereinigten Staaten. Er äußerte die Meinung, daß sie hierdurch in die Gefahr eines Krieges nicht nur mit England, sondern auch mit Frankreich, Rußland und Japan kommen könnten. Der Ankauf inter⸗ nierter deutscher Schiffe würde ein Geschenk von 30 bis 40 Millionen Dollars und eine Unterstützung für eine der kriegführenden Parteien bedeuten, die mit der Neutralität unvereinbar wäre und leicht als feindliche Handlung auf— gefaßt werden könnte. London, 24. Jan.(WTB. Nichtamtl.) Das Reutersche Bureau meldet aus New York: Der amerikanische Dampfer„Wilhelmina“ lag in einem amerikanischen Hafen bereit, mit einer von amerikanischen Bürgern ab⸗ gesandten Ladung Lebensmittel nach Hamburg abzu⸗ fahren. Staatssekretär Bryan hat sich geweigert, zu er⸗ llären, daß das Staatsdepartement im Falle einer Beschlag⸗ nahme der Ladung etwas tun würde. Der Kaiser und die Verteidigung Tfingtans. Berlin, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Nordd. Allg. Ztg.“ meldet: Die deutsche Gesandtschaft in Peking hat laut brieflicher Meldung folgenden Befehl des Kaisers erhalten: In wärmster Anerkennung für die heldenmütige Verteidigung Tsingtaus verleihe ich dem Kapi⸗ tän zur See v. Meyer⸗Waldeck das Eiserne Kreuz erster Klasse. Ich behalt emir vor, in weitgehendstem Maße auch die Offiziere der Besatzung der Festung zu be⸗ lohnen, ebenso die Tapferen von der„Kaiserin Elisabeth“. Sie alle werden aber den schönsten Lohn in der Bewunde⸗ rung finden, die ihnen über die Grenzen des Heimatlandes hinaus gezollt wird. Mit Freude habe ich vernommen, daß die Verluste verhältnismäßig gering sind. Die Namen der Gefallenen und Verwundeten sind sobald wie möglich tele⸗ graphisch mitzuteilen. Wilhelm I. R. *** Die österreichisch⸗ungarischen Tagesberichte. Wien, 23. Jan.(W 7B. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart, 23. Jan. 1915. In Polen, Westgalizien und in den Karpathen keine wesenklichen Ereignisse. Stellenweise Geschützkampf, sonst Ruhe. Die wiederholten russischen Angriffe auf unsere Stellungen in der südlichen Bu⸗ komina endeten gestern mit der Wiedereroberung von Kirlibaba und der die Stadt beherrschenden Höhen durch unsere Truppen. Die Russen zogen sich unter schweren Verlusten zurück. Die Versuche des Geg⸗ ners, über Jakobeny und Kirlibaba weiter Raum zu ge⸗ winnen, sind daher vollkommen gescheitert. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. (WTB.) Wien, 24. Jan.(Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 24. Januar mittags. An der galizisch ⸗pol⸗ nischen Front keine Veränderung. An einigen Abschnit⸗ ten Geschützkampf und Plänkeleien. Durch unser Artillerie, feuer gezwungen, räumte der Feind südlich Tarnow aber einige Schützengräben. Auch in den Karpathen ist die Situation im all⸗ gemeinen unverändert. Aus mehreren südlich der Paßhöhen vorgeschobenen Stellungen wurden die Russen zurück⸗ gedrängt. . In der Bukowina herrscht nach den letzten, unserer⸗ seits erfolgreichen, Kämpfen Ruhe. Am südlichen Kriegsschauplatz keine Ereignisse. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabes v. Höfer, Feldmarschalleutnant. ö Die russische Niederlage in der Bukowina. Wien, 24. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Kriegs⸗ berichterstatter der Blätter melden: In der südlichen Bu⸗ kowina wurde ein Flankierungsversuch des Feindes gegen unsern rechten Flügel vereitelt. Der Feind wurde an der Grenze bei Kirlibaba niedergeworfen. Wir erbeuteten Ge⸗ fangene und Kriegsmaterial, der Rückzug des Feindes voll⸗ zog sich fluchtartig. Damit ist die russische Offen- sive in der Bukowina, die anscheinend Siebenbürgen zum Ziele hatte, endgültig zusammengebrochen. Berlin, 25. Jan. Ueber die russische Niederlage in der Bukowina wird dem Berl. Lok.⸗Anz. telegraphiert: Die Bedeutung des Sieges von Jakobeny ist besonders auf politischem Gebiete sehr groß. Nachrichten aus Rumänien zufolge hat die dortige Oeffentlichkeit mit fieberhafter Spannung den russischen Vorstoß gegen Siebenbürgen verfolgt. Der große österreichisch-ungarische Sieg hat das russische Prestige in Rumänien stark erschüttert. Mili⸗ tärisch bedeutet die Er stür mung von Kirlibaba das Ende der russischen Offensive im Osten auf lange, wenn nicht auf dauernd. Ein österreichisch-ungarischer Konsul in russischer Gefangenschaft. Berlin, 24. Jan.(Ctr. Blu.) Aus Wien berichtet die„B. 3.“: Wie der österreichisch-ungarische Konsul Baumgartner in Odessa, so wurde auch der Konsul in Kiew, Robert Freiherr v. Hein, von den Russen ins Ge⸗ fängnis gebracht. Zwei Tage vor der Kriegserklärung wurde er gefangen genommen und ins Innere Rußlands trans- portiert. Er war monatelang verschollen und jetzt erst er⸗ fährt man nach der„Neuen Freien Presse“, daß er in eim Petersburger Gefängnis eingesperrt ist. Hein ist der Sohn des früheren Landespräsidenten von Kärnten und Reserve— offizier. Rücktritt des Grafen Stürgth. Wien, B. Jan. Die Nachricht von dem bevorstehenden Rücktritt des Minißterpräsidenten Grafen Stürgkh wird heute von unterrichteter Seite als richtig bestätigt. Als . k]—vnů. sein Nachfolger wird in erster Reihe der gemeinsame Finanz- 3 minister Bilinski genannt. Ein russischer Bericht. Petersburg, 24. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) gestrige Bericht des russischen Generalstabs lautet: rechten Ufer der unteren Weichsel hatten unsere Einheiten in Fühlung mit dem Feinde kleine Scharmützel zu be⸗ Der stehen In den anderen Abschnttten herrschte am 22. Januar verhältnismäßige Ruhe, nur in einigen Gegenden dauerte Geschütz⸗ und Gewehrfeuer fort. Deutsche Versuche, eine Teil⸗ ofsensive zu beginnen, wurden von unserem Feuer leicht 5 unterdrückt. In der Bukowina wird die Konzen⸗ 25 zentration bedeutender österreichisch-unga⸗ 25 n Streitkräfte an den Pässen immer N stär ker. Am 21. Januar griffen feindliche Truppen etwa 5 in der Stärke einer Infanteriedivision mit Artillerie unsere Front in der 2 von Kirlibaba an, wurden aber zurück⸗ geschlagen. Am Morgen des 22. behaupteten unsere Truppen 8— Stellungen noch. Wir machten in diesem Kampfe 200 Ge⸗ * a ene. In den Karpathenpässen herrscht heftiger 1 Schneesturm. 2 Petersburg, 24. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Mittei⸗ 8 lung aus dem Stabe der Kaukasusarmee: In der 7 755 jenseits des Tschoro setzen unsere Truppen den er⸗ bitterten Kampf gegen die Türken fort, die in gut verstärk⸗ 1 ten Stellungen stehen. Auf den anderen Fronten keine erheb— lichen Zusammenstöße, nur das übliche Feuergefecht. . Angebliche russische Angriffspläne. . London, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Korre— spondent des„Daily Telegraph“, Granville Fortescu, 5 telegraphiert aus Warschau: Vor Ablauf eines Monats beginnt die neue russische Offensive. Der Charakter * der Kriegführung wird besonders auf die Zusammensetzung 2 der rufssschen Armee Bedacht nehmen. Es wird kein Kampf in Laufgräben sein. Der Plan sieht eine gigantische Art des sammenwirkens der verschiedenen Truppenarten vor, wo⸗ ei namentlich die Lavallerie zur Geltung kommen soll. Das Land, über das die Kavallerie bei der neuen Offensive verteilt werden wird, wäre wenig geeignet für europäische Reiter; die russischen Kavallerieofftziere aber versichern, es sei gerade so, wie sie es am liebsten hätten. Der Plan des 99 ist, den Feind an der bisherigen Schlacht⸗ linie festzuhalten und möglichst viele Truppen für Vorstöße in dazu ausgewählten Gebieten freizubekommen. Während große Kavalleriemassen die Offensive beginnen, werden sich die Armeen hinter ihnen gruppieren. Der neue Plan sieht Phperationen vor, die mindestens sechs Monate dauern wer— den, aber die Zeit spielt keine Rolle, die Hauptsache ist, daß die Russen einen Plan haben, was seit der feindlichen Weich⸗ sel⸗Kampagne nicht der Fall war. (Wir glauben, daß diese angebliche russische Offensive nur müßiges Gerede ist. Kavallerieangriffe großen Umfangs sind, das weiß ja auch allmählich der Laie, heutzutage ein Unding. D. Red.) *** „ Der amtliche türkische Bericht. 0(WTB.) Konstantinopel, 24. Jan.(Nichtamtlich.) Amtlich wird gemeldet: Russische Torpedoboote dringen, wenn sie Gelegenheit finden, in offene und unver— teidigte Häfen des Schwarzen Meeres ein, bombardieren Priwatgebäude und bohren Fischerbartken in den Grund. Solchem ungesetzlichen Tun haben sie am 20. Januar eine neue Heldentat hinzugefügt, indem sie in der Nähe von Atina an Schwarzen Meere eine Fischerbarke aufbrachten und zwei junge Fischer, die sich darauf befanden, fortführten. Nach einer weiteren amtlichen Mitteilung haben die englischen KHriegsschiffe entgegen dem Völkerrecht und den Regeln der Menschlichkeit begonnen, gegen den Küstenstrich von Hedschas vorzugehen. Am 12. Januar versuchte ein Kreuzer aus Schaluppen im Hafen von Habia(2) in der Nähe von Dschida Truppen auszuschiffen. Als die Küstenwache Wider- stand leistete, bombardierte er diesen Hafen und entfernte sich dann in der Richtung auf Dahkiam(2). Die Angehörigen seindticher Länder in der Türtei. 8. Konstantinopel, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Pforte hat den Angehörigen der mit ihr im Kriege befind⸗ li Staaten in weiterem Umfange als die anderen Mächte die Abreise aus dem osmanischen Reich gestattet. Von dem System der Konzentrationslager ist abgesehen worden. Nur in ein⸗ zelnen Fällen wurden Angehörige feindlicher Staaten zum Auf⸗ enthalt an einem bestimmten Ort im Innern des Reiches ver⸗ pflichtet. Rücksicht hat die Pforte den russischen Juden be⸗ zeigt. Sie hat mit dem hiesigen russischen Oberrabbiner eine Ver⸗ einbarung getroffen, durch die den russischen Juden gegen Zahlung einer mäßigen Abgabe der Eintritt in den türkischen Staatsverband bhne weiteres ermöglicht wird. Juden, die Russen bleiben wollen, konnen natürlich nicht anders behandelt werden als die christlichen RNussen, die ausgewiesen worden sind. Das Verhalten der tür⸗ kischen Regierung gegen die Angehörigen der feindlichen Länder ist auch von den Vertretern der neutralen Diplomatie als einwand⸗ frei und als human gegenüber den Einzelheiten des russischen Ver⸗ fahrens anerkannt worden. 5 . . 8* 1 Der französische Tagesbericht. 3(WTB.) Paris, 24. Jan.(Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von 3 Uhr nachmittags. Die Tätigkeit unserer In⸗ * terie war auf beinahe der ganzen Front der Ausbesserung deer durch das sehr schlechte Wetter der Vortage an unseren Schanzarbeiten angerichteten Schäden gewidmet. Im Gebiete von Lombardzyde rückten wir etwa 100 Meter vor. In den Abschnitten pern, Arras, Albert, Roye und Soissons Ar⸗ tilleriekämpfe. Wir hatten an mehreren Stellen Vorteile. Berry-au⸗Bac wurde von den Deutschen heftig beschossen. Nordwestli eguséjour unternahm der Feind einen An— Nordwestlich Beauséjo hm der Feind ei 1 00 welcher abgewiesen wurde. In den Argonnen miß⸗ langen deutsche Angriffe auf Fontaine Madame, wie gestern .. wurde, vollständig. Ein feindlicher Angriff auf 1 t. Hubert gab Anlaß zu einem Infanteriekampf, der noch nicht beendet ist. An der Maas zwang unser Artilleriefeuer den Feind, ein Munitionslager zu räumen und beschäbdigte schwer seine Laufbrücken. Vor St. Mihiel und im Elsaß dauert der Artilleriekampf um den Hartmannsweiler Kopf sort. Im Walde ist man aneinander, die Aktion dauert un⸗ unterbrochen. Bei Sennheim wurde die Höhe 425 vom Feinde erfolglos angegriffen. Weiter südlich rückten wir in der Rich⸗ tung Klein⸗Kallberg nördlich der Aspachbrücke vor. (WB.) Paris, 24. Jan.(Nichtamtlich.) Amtlicher Bericht von 11 Uhr abends. In den Argonnen dauerte der Kampf um Fontaine Madame und St. Hubert die ganze Nacht * rch an. Alle Versuche des Feindes wurden abgewiesen. 5 e früh begann der Kampf von neun, Ueber die heutigen perationen an dieser Stelle liegen loch keine Nachrichten vor, ebensowenig über den heute fortgesetzten Kampf ane Hartmannsweiler Kopf. Verstärkung des französischen Heeres durch Senegaltruppen? Paris, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Blättermel⸗ dungen zufolge ließ Millerand vom Präsidenten Poin⸗ 2 E. schützen in Marokko entsprechend den Ergebnissen der Aushebung festzusetzen. In dem Bericht, welcher das Dekret begründet, hebt Millerand hervor, Französisch⸗Westafrika könne eine Menge Senegalschützen stellen, die in Marokko auszubilden seien, wo sie sich am besten an das europäische In der günstigen Jahreszeit könnten die Truppen dann nach Europa gesandt werden. Die endgültige Ausbildung und die Formierung der Bataillone zu Linienregimentern sei in Frankreich in kurzer Zeit durchzuführen. Neue Verstärkungen der Engländer? Berlin, 25. Jan. Nach übereinstimmenden Mitteilungen verschiedener Berliner Morgenblätter erhält der„Nieuwe Rotter damsche Courant“ von seinem Berichterstatter aus Le Havre zen— surierte Mitteilungen über starke englische Truppen, die in der letzten Zeit in französischen Häfen gelandet seien. In einem einzigen Hafen trafen angeblich während 24 Stun⸗ den 28 Schiffe ein. In wenigen Tagen seien auf diese Weise meh⸗ rere Hunterttausend Mann in Frankreich gelandet worden. Die Staatseinnahmen Frankreichs. Kopenhagen, 23. Jan. WTB. Nichtamtlich.)„Ber⸗ lingske Tidende“ meldet aus Peris: Ein französischer amtlicher Bericht weist eine starke Ab nahe aller Staatsein na hmen sowie den Niedergang des Geschäftslebens nach. Gegenüber 1913 haben die Zolleingänge um 176 769 000 Frs., die Stempelabgaben um 43 679 500 Frs., die Registriekgebühren um 218 660 000 Frs., die indirekten Steuern um 151 252 000 Frs., die Posteinnahmen um 33 998 000 Frs., die Telephoneinnahmen um 12 413 200 rs. die Erträge aus der Zuckersteuer um 31 400 000 Frs. und die Einnahmen aus der Salzsteuer um 1522000 Frs. abgenommen. Insgesamt beträgt der Einnahmeausfall 658 Millionen. Paris, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Nach dem „Temps“ veröffentlicht die Finanzverwaltung eine Uebersicht über das Steuererträgnis 1914. Die indirekten Steuern weisen gegenüber dem Budgetvoranschlag einen Ausfall von 108 689 000 Millionen Franks auf. Die indirekten Steuern und Monopole ergaben 3 224 166 900 Franks gegen⸗ über dem 1 3 664 934690 Franks. Der Fehlbetrag gegenüber dem Budgetvoranschlag beträgt 640 767 790 Franks gegenüber 657 933 100 Franks im Jahre 1913. Aus Australien. Melbourne, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Die Hauptstadt der Vereinig⸗ ten Staaten von Australien ist von Melbourne nach Sydney verlegt worden. Die Verl ung verfolgt den Zweck, die Regierung mit den Erfordernissen aller Staaten Australiens vertraut zu machen; sie ist nur vorüber⸗ gehend. Kriegsbriefe aus dem Often. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.) Mlawa. Mlawa, den 18. Jauuar 1915. „Napierken liegt hinter mir. Die Bergreihe, die vor drei Wochen die Russen hielten, wird von unserem Auto schnell be⸗ fahren, der Wind bläst stärker über das flache, trostlose Land. Kuklin— halb zerschossen, dreckig, mit niedrigen Holzhäusern— guscht porüber, Uniszki Zawadzkie wird erreicht, ein schlechter Wald liegt jetzt zu beiden Seiten der Straße, die, breit und ver⸗ hältnismäßig gut gehalten, durch den Forst zieht. Polnische Ar⸗ beiter unter Aufsicht von deutschen Posten fällen kleine, zerpauste und verkrüppelte Kiefern für die Zwecke der Heeres verwaltung. Das Waldstück ist nicht breit, schon kauchen zwei schöne, blauweiße Türme auf, Häuserreihen heben sicha us dem schmutzigen, schmelzen⸗ den Schnee der Felder: Mlawa, i 5 Wie so viele dieser polnischen Städtchen, wie Wilkowischki, wie Suwalki sieht das Fernbild lockend und schön auf den An⸗ kommenden. Die Kirchen und die paar Regierungshäuser ver⸗ sprechen mehr aus der Ferne als die Nähe nachher halten kann, oder wie unser liebenswürdiger militärischer Führer, für dies⸗ mal Leutnant B. es kurz und militärisch knapp charakterisierte: „Sie denken, es ist eine Stadt, aber es ist eine Mistfinkenhöhle“ 2 schlimm war Mlawa nun nicht. Es steht ja auch seit dem 22. Dez wieder unter deutscher Verwaltung. Die Straßen, durch die wir zum Stab des Oberbefehlshabers der in Mlawa liegenden Truppen fuhren, waren auffallend sauber und ordentlich. Der Marktplatz wimmelte von Menschen, überall an den Türen stand die jldische Bevölkerung und sah auf die fremden Autos mit der Flagge des Armee-Oberkommandos. An den kleinen Ver⸗ kaufstischen, die in den Hausfluren oder auch direkt auf der Straße standen, drängten sich die Soldaten, Tee zu trinken oder Backware zu kaufen. Wir hatten noch nicht Zeit, Studien zu machen, da wir uns zunächst beim Stab melden mußten. 5 Der Chef des Stabes, Oberstleutnant W., empfing uns mit sehr großer Liebenswürdigkeit und versprach, daß man uns alles zeigen wolle, was sich irgend mit den militärischen Interessen vereinigen ließe. Es wäre ja auch hier nicht viel Bewegung. Immerhin, die Kavallerie nimmt eine gewaltsame Erkundung bis zur Weichsel vor und man weiß nicht, was sich daraus entwickelt. „Unsere Hauptstellungen werden Sie morgen sehen und lleberzeugung kommen, daß wir Mlawa, das wir zum fünften Male haben, jetzt vermutlich für die Dauer des Krieges behalten werden. Mindestens.“ Der Oberstleutnant sprach dann von dem Rückzug am 15. De⸗ zember, der in den russischen Zeitungen und natürli auch in den Organen der Dreiverbandspresse als großer russischer Erfolg gegen die deutsche Mlava⸗Armee hingestellt wurde. Die Russen meldeten vor allem, daß ihnen große Mengen Kriegsmaterial, edikamente, Lebensmittel üsw. in die Hände gefallen wären. Wir haben tatsächlich nichts verloren! Zwei Eisenbahnwagen mit Brot entgleisten und waren nicht schnell genug fortzubringen. Darauf wurden den vorbeimarschierenden Truppen die Vorräte freigegeben. Die Mannschaften nahmen sich natürlich ordentliche Rationen mit auf den Marsch, so daß die Wagen in kürzester Zeit geleert waren, und die ganze Beute der Russen z wei leere Eisenbahnwagen bildeten, dazu noch ein paar hundert Spaten, die in einem Keller vergessen worden waren. So sah die Siegesbeute der Russen in Wirklichkeit aus! Ihre Freude, Mlawa wieder zu besitzen, dauerte ja dann auch nur sechs Tage und die hier eingesetzten deutschen Truppen hatten die Russen veranlaßt, ihrer Front in Südpolen beträchtliche Kräfte zu entziehen, um sie gegen Mlawa— ohne jeden dauernden Nutzen einzusetzen. 5 5 5 Inzwischen sind unsere Truppen ja weit über Mlawa vor- geschoben worden. An der Hand ausgezeichneter Karten, zu denen man die russischen, die man nach unserer deutschen Auffassung verbessert und verändert hatte, als Grundlagen benutzt hatte. zeigte uns der Oberstleutnant unsere 5 175 Positionen und orientierte uns über das Gelände. Gleichzeitig stellte er jedem von uns fünf Berichterstattern eine Karte zur Verfügung.„Ge⸗ neral Suren wird sich freuen, sie nachher zum Frühstück be⸗ grüßen zu können.“ Unser Antrittsbesuch war beendet. Wir gingen in die mit aufmerksamster Fürsorge vorbereiteten Quartiere. Der Ortskommandant hatte in einem der großen, recht städtisch aussehenden Häuser am Markt drei Schlafräume und einen Wohnraum für uns belegt und zwar bei dem Hausbesitzer selbst, der Firma Frank und Pissitz. Die sechs Söhne des Hauses in langen schwarzen Röcken standen da, die kleinen schwarzen Seiden u der bar ein Dekret unterzeichnen, welches den Kriegsminister ermächtigt, die Zahl der Bataillone der Senegal⸗ kappen— ähnlich in der Form wie manche unserer Studenten⸗ mützen, aber mit Schirm Gis demselben Stosi— in der Hand Klima und an die europäische Kriegsweise gewöhnen könnten. Herr Frank und Pissit nebst Frau begrüßte uns freundlich. Sie versicherten uns sofort: 1. 8 „Hat gewohnt in diese Quartiere n Ae feiner Herr, a nobler Herr! Hat er gesagt, daß die Quartiere seien aus⸗ gezeichnet. Werden Sie sagen dasselbe.“ 5 Die Familie Frank und Pissitz— 1 nie herausbe⸗ ommen, wie sie einzeln hieß— zog sich zurück, und wir richteten uns ein, wobei un ern bete daß wir in der Tat fürstlich unter⸗ gebracht waren. Die mächtigen russischen Oefen mit den mauer⸗ steingroßen Kacheln und dem vorzüglichen Verschluß pusteten Wärme, wir konnten uns für Mlawa„vorbereiten“, Unten an der Ecke, an der wir auf den Stadtkommandanten, der uns ein waar Baulichkeiten zeigen wollte, warteten, las ich den Grund der auffallenden Sauberkeit der Straßen. war ein Kommandanturbefehl des preußischen Ortskommandanten an⸗ geschlagen. Ich möchte den ganzen Anschlag hier wörtlich wieder⸗ geben, weil er deutlicher als alles andere zeigt, mit welchen Sorgen und Fragen die deutsche Verwaltung in von uns besenler Teilen Polens zu en hat: Beschl. mmandantur⸗Be 1. Sämtliche Geschäfte sind auch am Sabbath offen zu halten. Wer diesem Befehl nicht nachkommt, wird verhaftet. 2. Der Ausschank und das Feilhalten von Spirituosen, wozu auch Grog und mit Rum oder Kognak vermischter Tee gehört, ist verboten. Nur der Ausschank von Bier und Wein ist ge⸗ stattet. Jede Uebertretung wird mit einer Geldstrafe von 50 Mk, im Wiederholungsfalle von 100 Mk. und mit Haft bestraft. 3. Der Kauf und der Verkauf von Pferden auf russischem Gebiet ist verboten. Bei Uebertretung dieses Verbotes werden Käufer und Verkäufer mit einer Geldstrafe von je 50 Mk., im Wiederholungsfalle von je 100 Mk. belegt. Außerdem werden die Pferde beschlagnahmt. Militärpersonen dürfen Pferde nur durch Vermittlung der tappenkommandatur abgekauft werden. 3304, Die Haus- und Hosbesitzer der Stadt haben die Hauser und Höse sowie die an ihren Häusern vorbefführenden Wer und Straßen einschl. der Rinnsteine bis zur Mitte der Straße ständig zu reinigen. Ebenso sind die Aborte rein zu halten und täglich mit Kalkmilch zu begießen. Wer diesem Befehle nicht nach⸗ kommt, wird mit einer Geldstrafe von 10 Mi., im Wiederholungs⸗ falle von 20 Mark und mit Haft bestraft. Königlich Preußische Etappen⸗Kommandantur. B.... Hauptmann und Etappen⸗Kommandant. Wirklich der Befehl und die energischen Verfuche, ihm Gel zu verschaffen, hat Gaui bewirkt. Aber mit Schaudern el ich fest, daß die letzten zwei Satze, wenn man ihre Durchführung tatsächlich erzwingen wollte, Mlawa zur ärmsten Stadt Polens machen würde. Auch ein preußischer Ortskommandant kann hier keine Wandlung. schaffen! Immerhin hatten mich die Erfahrungen von andern Teilen Nordpolens her früher schon abgehärtet, das Judenbad von Mlawa ließ selbst die größte Abhärtung in diesen Dingen zu schanden werden. „ deutsche Besatzung hat das Badehaus, das die Russen in einem unbeschreiblichen Zustand hinterlassen hatten, wieder in Ord⸗ nung gebracht. Es war die berühmte Herkules⸗Arbeit, die geleistet wurde. Ursprünglich waren die Einrichtungen gut, nur müssen sie jahrelang verwahrlost worden sein. Die Zellen sind gekachelt, die Wannen für die erste Klasse tief in die Erde gelassen mit schönem breitgemauertem Rand. Jetzt sieht das O fers und Mann⸗ schaftsbad recht erträglich aus. Als ich die Räume sah, wurden sie eifrig benutzt und mehr als zwanzig Grenadiere warteten auf das Freiwerden einer Zelle— die Wohltat dieser Einrichtung kann man nur richtig beurteilen, wemi man einige Zeit in den polnischen Dörfern gelegt hat. Ein Offtzier, der eben t hatte, meinte, daß es noch was Schöneres überhaupt nicht gäbe. Jedenfalls könne er es sich nicht vorstellen Wir gingen in den anderen Teil des Hauses, den man den Juden gelassen hat. In einem großen Bassin schillerte eine schwarze Flüssigkeit.„Das ist ihr sser,“ sagt der Landwehrmann, der den Raum bewachte. Da steigen Dienstags und e 200 Personen, so viel nur hineingehen, hinab und baden. Sie den⸗ ken gar nicht daran, das Wasser zu erneuern.“ „Ta hinein?“ fragte ich. Da hinein,“ sagte der Mann. 3 Ich verließ fluchtartig den Raum und noch am Abend durch⸗ hllosen Teestuben saßen 5 g. erwünschung im Scherze 1 Sie im Judenbad zu Mlawa!“ Es war ein sehr harter Scherz. Er fiel in der merkwürdigsten Umgebung. ür hatten beim Stah gegessen— General Suren empfing uns mit liebenswürdiger Ansprache—, waren durch die Stadt ge⸗ bummelt, vorhei an den vielen kleinen Laden und Lädelchen, den Ständen mit Brot, den Tischchen, auf denen der Samovar brodelte und drei, vier Tassen oder Gläfer für den Vorübergehenden be⸗ reit standen, und nun nach zehn Uhr abends waren wir in ein Teehaus gegangen. Das klingt sehr verheißungsvoll, aber man muß alle Begriffe, die sich sonst mit dem Wort verbinden, über Bord werfen, wenn man die schmale, ausgetretene Stiege zu dem Mlawensischen Teehaus hinaufsteigt. Eine kleine, ursprüng⸗ lich weiße Fahne mit einer Ente darauf hängt über der Tür, die so niedrig ist, daß ich mich beim Eintreten beugen muß, ein dunk⸗ ler Flur, der bis zu dem Hof auf der Rückseite des Hauses führt eine Tür zur Rechten, die sich in eine niedrige Stube öffnet. Auf dem opalen Tisch brennt eine Kerze, ihr flackrichtes Licht geht über die dunkle Gestalt des Wirtes, der am Ofen lehnt und mit tiefer Verbeugung grüßt. Er ist Schuster.„Nix zu tun in dem Krieg“, sagt er. Seine klugen, braunen Augen taxieren uns ab. Zwei Töchter, blonde indische Schönheiten, fragen nach unserem Wünschen. Die Mutter setzt den Kessel auf den niedrigen Herd, den 3— 6 1 2 offene ee 1 50 Mensch 1 nist erstaunlich, wie ruhig und klug diese Menschen sprechen. Nur einmal muß ich lachen, als der Jute mir erklärt, daß ja Deutsch große Aehnlichkeit mit dem Jiddischen habe.„Se sagen: ia mir sagen; gebuden, Se sagen Tee, mir sagen Nee Dann erzählt der Mann von dem Rückzug der Narew-⸗Armee nach der Schlacht von Tannenberg.„Mer haben gewußt, daß ist geschehen ein graußes Unglück. Sie sind gekommen durch Mlawa zehn Täg und zehm Nächt. Dam sind sie zurückgekom⸗ men wieder, einen Täg, eine Nächt und noch einen halben Täg. Haben mer gewußt, daß ist esc en das Unglück. Hat uns keiner gebraucht zu sagen. esind gekommen einzeln. einer hat gehabt ä Gewehr, der andere hat ge⸗ habt nix, der eine hat aufgehabt ä Hut, der andere ist gegangen mit a iiddische Kappen. Haben se nir gesagt und sind se gegangen weiter. Müde sind se gewesen, sehr müde, meine gute Herr. Dann am anderen Tag waren da die preußischen Husars.“ Ich sah das Bild der geschlagenen, vernichteten Armee, es stand riesengroß vor mir in dem Dunst der kleinen Stube und die tiefliegenden Augen des armen jüdischen Schusters funkelten wie in Genugtuung. 85 ging auf die 1 Gasse. Sie lag in undurchdringlicher Finsternis. Fern vom Marktplatz her, auf den sie führte, leuchtete das matte rote Licht vor dem Hause der Etappe. Ich ging in die Dunkelheit hinein nach der anderen Richtung. Da horchte ich auf, Kanonendonner. Und mit einem Male wurde der Himmel hell. Eine weiße Strahlengarbe huschte sern über die grauen Vorhänge. Ein russischer Scheinwerfer. Der Kanonendonner war jetzt deutlich und stark, das Schein⸗ werferlicht überflackerte unruhig den Horizont. Die Russen hatten unsere Kavallerieerkundung aufgehalten. Sicher. Draußen in der fernen grauen Ebene begann das Gefecht. ging weiter und weiter und plötzlich fand ich die Richtung nicht mehr. Meine Taschenlaterne nutzte nicht viel. Hinter einem der Fensterladen schimmerte Licht. Ich klopfte an.„Mer schlase schon.“„Ich will Tee,“ sagte ich, da bine ch bee n junges Mädel das Fenster.„Wo komme ich hier hin?“ fragte ich und 2 1 N 1 27 3 125 n Sie 1 den Kopf:„Da e 5 r.„mein guter Herr.. dengen Erd ac mach dung das gepirre ber Caen pu Langsam mi. Gewirre der Gassen zurü „Das ist die Straße nach Warschau, mein guter Herr...“ 1 Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. —* schauerte es mich, als wir in einer der und ein Kollege mir als gräßlichste zurief:„Baden sollen —— 4 . Aus dem Reiche.* Berlin, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Kaiser geruhte, dem Oesterreichisch⸗ungarischen Hilfsver⸗ ein in Berlin zur Gewährung von Unterstützungen an hier zu⸗ rückgebliebene Familien österreichisch-ungarischer Krieger 40000 Mark zu bewilligen. 1 a Berlin, 24. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt zu der Frage der Festsetzung von Höchstpreisen für zuckerhaltige Futtermittel: Ob⸗ wohl die im Lande vorhandenen Mengen an Melasse und Brot⸗ zucker genügen, um auch den gegenwärtig stark gestiegenen Bedarf an zuckerbalt. en 1 zu decken, sind in letzter Zeit die Preise für 8 rzeugnisse in einem Maße gestiegen, das nach den tatsächlichen Verhältnissen nicht gerechtfertigt ist. Man be⸗ schäftigt sich insolgedessen dieserhalb an maßgebender Stelle neuer— dings mit der Frage, ob nicht durch Festsetzung von Höchstpreisen Abhilfe geschaffen werden müsse. J g Berlin, 25. Jan. Auf seiner Rückkehr aus dem Großen Jauptauartier traf gestern der österreichisch⸗ungarische Thronfolger A. dem Hauptbahnhof Frankfurt am Main ein, lurz nachdem der österreichisch-ungarische Minister des Aeußern Freiherr von Burian angekommen war, Der Thronfolger und Baron Burian hatten eine Unterredung, die ungefähr eine Stunde dauerte. Der Thronfolger setzte dann die Rückreise nach Wien im Sonderzuge fort, der Minister des Aeußern reiste nach dem Großen Hauptquartier weiter. i 8 5 Karlsruhe, 23. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Karls⸗ ruher Zeitung“ veröffentlicht die Einberufung der außeror⸗ dentlichen Ständeversammlung auf Donnerstag, den J. Februar 9½ Uhr vormittags. Der Präsident des Staatsmini⸗ steriums, Dr. Freih. von Dusch, wird eine Ansprache an die Stände versammlung halten und nach erfolgter Eidesleistung die Versammlung für eröffnet erklären. Aus Stadt und and. Gießen, 25. Januar 1915. 25. Deutschland steht gegen eine Welt von Feinden die es vernichten wollen. Es wird ihnen nicht gelingen, unsere herrlichen Truppen niederzuringen, aber sie wollen uns wie eine belagerte Festung aushungern. Auch das wird ihnen nicht glücken, denn wir haben genug Brot⸗ korn im Lande, um unsere Bevölkerung bis zur nächsten Ernte zu ernähren. Nur darf nicht vergeudet und die Brotfrucht nicht an das Vieh verfüttert werden. Haltet darum Haus mit dem Brot, damit die Hoff⸗ nungen unserer Feinde zuschanden werden. Seid ehrerbietig gegen das tägliche Brot, dann werdet ihr es immer haben, mag der Krieg noch so lange dauern. Erzieht dazu auch eure Kinder. 5 Verachtet kein Stück Brot, weil es nicht mehr frisch ist. idet kein Stück Brot mehr ab, als ihr essen wollt. Denkt immer an unsere Soldaten im Felde, die oft auf vorgeschobenen Posten glücklich wären, wenn sie das Brot hätten, das ihr verschwendet. 5 Eßt Kriegsbrot: es ift durch den Buchstaben K kenntlich. Es sättigt und nährt ebensogut wie anderes. Wenn alle es essen, brauchen wir nicht in Sorge zu sein, ob wir inmgerz barteffel erst schält und d locht det e e und dann vergeude viel. Kocht darum die Kartoffeln in der Schale, ihr spart dadurch. a 1 Abfälle von Kartoffeln, Fleisch. Gemüse, die ihr nicht verwerten könnt, werft nicht fort, sondern sammelt sie als Futter für das Vieh, sie werden gern von den Landwirten geholt werden. *** * Der Dank der Ostpreußen. Dem Oberbürger⸗ meister ist unterm 20. Januar folgendes Dankschreiben zugegangen: Sehr geehrter Herr Kollege! 5 Herzlichsten Dank für die mit Ihrem gefälligen Schreiben vom 13. ds. Mts. gütigst überwiesene weitere schöne Spende von 1000 Mark für die kriegs notleidenden Ostpreußen! g Ich darf bitten, allen hochherzigen Gebern in geeigneter Weise hiervon Mitteilung zu machen. Mit kollegialem Gruß Dr. Körte, Oberbürgermeister. * Postdienst an Kaisersgeburtstag. Am 27. Ja⸗ mar findet eine einmalige Brief⸗, Paket⸗ und Geldbestellung statt. Die Postschalter sind von 8—9 Uhr vormittags und von 11 Uhr vormittags bis 1¼ Uhr nachmittags geöffnet. Stadttheater. Zur Erstaufführung von Heinrich Lees Schauspiel aus dem Befreiungsjahre 1818,„Grüne Ostern“, im morgigen Dienstag⸗Abonnement sei aus einer Besprechung der „Post“ über die Berliner Erstaufführung folgendes angeführt: „Unter den Stücken, die dem Sinn unserer Zeit entsprechen, wirkt Heinrich Lees fünsaktiges Schauspiel„Grüne Ostern“ als eines der erfreulichsten. Es hat nicht nur den erwünschten patriotischen Rhythmus, sondern es befriedigt auch als künstlerische Leistung. Seine Stärke ruht in den Genrebildern und in den gut geschauten Typen, die stets wirken. Die anheimelnde Stimmung bleibt das ganze Stück hindurch und schwillt am Schlusse zu der gewaltigen vaterländischen Melodie an, die wir jetzt wieder recht verstehen.“ Die vereinigten Posaunenchöre von Gießen und Umgegend brachten am Sonntag nach⸗ iellale vergehen noch bis Räumungs-Verkaufes, A SALOMON CIE. 8 mittag den in der alten Klinik untergebrachten Verwundeten ein Ständchen und boten dadurch unseren Vaterlands— verteidigern eine angenehme Abwechselung. Außer den Ver— wundeten hatten sich vor der alten Klinit zahlreiche Zuhörer eingefunden, so daß die Liebigstraße ein sehr belebtes Bild bot, wie man es nur von der Gewerbeausstellung ßer kennt. Die einzelnen Darbietungen des aus ca. 50 Personen bestehenden Bläserchors verdienen Anerkennung, besonders wenn man berücksichtigt, daß es sich bei den Mitwirkenden meist um Dilettanten handelt. Den Reigen der Darbietungen eröffnete das Lutherlied„Ein feste Burg ist unser Gott“. Es folgten eine Anzahl sonstiger Choräle(„Lobe den Herrn, o meine Seele“,„Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre“ und andere), die sämtlich sehr wirkungsvoll vorgetragen wurden! Besonderen Eindruck hinterließ auch das Nieder- ländische Dankgebet. Auch die vorgetragenen patriotischen Lieder„Deutschland, Deutschland über alles“ und„Heil dir im Siegerkranz“ paßten gut in den Rahmen des Ge⸗ botenen. ** Verwertung der Küchenabfälle. Wie wir hören, beabsichtigt die hiesige Stadtverwaltung, eine Ver— wertung der Küchenabfälle in aller Kürze vor⸗ zunehmen. Der Durchführung dieser Maßnahme stehen nicht geringe Schwierigkeiten entgegen. Sie wird namentlich ohne verständnisvolle, opferwillige Unterstützung un serer Hausfrauen kaum möglich sein. Wahrscheinlich wird zunächst in einem Stadtteil der Versuch gemacht werden. ** Unglücksfall. Bei der Glätte verunglückte am Freitag nachmittag ein Soldat beim Exerzieren. Er rutschte bei einer Wendung aus und brach das Bein. Er wurde ins Lazarett geschafft. Landkreis Gießen. ( Burkhardsfelden, 24. Jan. Wie man schnell und gut die Wollsachen zu Teppichen fürs Rote Kreuz her⸗ stellt, schreibt man uns von hier: Das Hilfskomitee stellte zwei Schneider meister, welche in den Wohnungen die passenden Stoffe zu Teppichen aussuchten und in den Schul⸗ saal sandten. Hier waren die Schwestern und zwei Oberklassen von Schulmädchen anwesend, trennten die Stoffe auf und bügelten die Teile. Dann wurden die Stoffe nebst den dazu passenden Unterlagen in den Ort gesandt, wo innerhalb drei Tagen von den Jungfrauen 70 prächtige warme Tep⸗ piche hergestellt wurden. Bei dieser Sammlung ergaben sich weiter 20 Zentner Lumpen im Wert von 83 Mark, die zum Ankaufe für Strickwolle fürs Rote Kreuz dienen werden. Weitershain, 25. Jan. Reichlich waren hier die Spenden an Wollsachen anläßlich der Reichs wollwoche. Ein ganzes Lager wurde in dem zurzeit leerstehenden Schulsaale der zweiten Klasse aufgestapelt. Frauen und Jungfrauen sind allabendlich damit beschäftigt, die einzelnen Stücke in Decken umzuarbeiten.— Der Gemeinderat bewilligte 200 Mk. für die Notleidenden in Ostpreußen, außerdem 5 Mk. für jeden von hier im Feld stehenden Familienvater.— Eine von der Ortsbehörde angeordnete Goldsammlung ergab den Be⸗ trag von über 3000 Mark. f -m. Hungen, 24. Jan. Der Anregung, alte Wollsachen zur Anfertigung von Decken für unsere Truppen im Felde zu sammeln, wurde hier bereits Folge geleistet und durch Schulkinder eine Sammlung vorgenommen. Das Ergebnis waren zwei hoch beladene Wagen voll solcher Wollsachen. Starkenburg und Rheinhessen. m. Offenbach, 25. Jau. Um eine Zentrale für gegen ⸗ seitige Anregung und gemeinsame Arbeit zu schaffen, ist die Offenbacher Frauen-Kriegshilse gegründet worden, ein Zusammenschluß aller Frauen, die in der Kriegszeit ihre Arbeit in den Dienst des Vaterlandes gestellt haben. 8 5 Hessen⸗Nassau. X. Hanau, 23. Jan. Die Altiengesellschast Hanauer Kunstseidesabrit in Groß⸗Auheim bei Hanau schlägt der am 30. d. Mts. stattfinden en 5. ordentlichen Generalversammlung die gesetzliche Auflösung des Unternehmens vor. Die an- gestrebten Verkaufsverhandlungen sind trotz allen Mühen nicht zum Ziele gelangt und bei Kriegsausbruch vollständig abgebrochen worden. Der vorhandene Verlust von 1335027 Mk. hat sich er- höht. Im Jahre 1914 ist ein weiterer Verlust von 252 442 Mk. hinzugetreten, so daß sich der Gesamtverlust nunmehr auf 15 87 460 Mk. beläuft. m. Kirchhain, 21. Jan. In der Sitzung der Stadt⸗ verordnetenversammlung vom 20. Januar, der ersten im neuen Jahre, gab vor Beginn der Sitzung Stadtverordnetenvorsteher Jung dem Wunsche Ausdruck, daß in diesem Jahre unserem Heere entscheidende Siege beschieden sein möchten und daß der Krieg bald durch einen dauernden und für uns ehrenvollen Frie⸗ den sein Ende finden möchte. Sodann wurde zur Tagesordnung eschritten. Die Vergütung für eine zunächst probeweise anzu⸗ steflende Handarbeitslehrerin wurde festgesetzt, die Vertretungs⸗ kosten für einen zur Fahne einberufenen Lehrer der Rektorat⸗ schule bewilligt und die Vergütung für eine Aushilfe im Elek⸗ trizitätswerk bestimmt. An Schulgeld der Rektoratschule sollen die gleichen Sätze wie im vorigen Jahre erhoben werden. Für die Unterbringung eines schwerhörigen Schülers in einer Anstalt wurden die nötigen Mittel bewilligt und der Abtretung kleinerer städtischen Flächen an Metzger Georg Ziegler, Gerichts- sekretär John und Schreinermeister Nau wurde zugestimmt. — Wegen bewiesener Tapferkeit bei einem Sturmangriff bei welcher zum Beginn unseres grossen für Giessen und die weiteste Umgebung eine Sensation bilden wird Beginn am Freitag, den 29. januar Reims wurde der Ersatzreservist Wilhelm Stöhr von hier mit dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet.— Herr Rechtsanwalt Langerfeld, der sich auf dem westlichen Kriegsschauplatz be⸗ findet, ist zum Leutnant d. L. I. Aufgebots befördert worden. Gießener Strafkammer. th. Gießen, 23. Jan. In der gestrigen Strafkammersitzung standen fünf An⸗ lagen zur Verhandlung an, von denen aber drei Sachen abgesetzt wurden. Von der Anklage der Körperverletzung 8 waren der Landwirt Wilh. K. II. und dessen Sohn aus Get⸗ 4 tenau vom Schöffengericht freigesprochen worden. Die l 1 Staatsanwaltschaft verfolgte hiergegen Berufung. Die Strafkammer stellte fest, daß der Verletzte den Streit be⸗ gonnen hat und mit einer Axt auf die Angeklagten ein⸗ gedrungen ist. Wenn diese nun zum Angriff übergingen, um dem Gegner die Axt zu entwinden, so war dies ihr gutes Recht. Es mußte darum auf Verwerfung der Berufung der Staatsanwaltschaft erkannt werden, wobei die Kosten des Verfahrens der Staatskasse zur Last fallen. Auf Einbruchsdiebstahl in wiederholtem Rückfall lautete die Anklage gegen den 37 jährigen Tagelöhner Th. H. aus Nieder⸗Florstadt. Es handelte sich um die Entwendung von ca. 10 Pfund Wurst, die H. einem Metzgermeister mittels Einsteigens durch ein Fenster entwendet hat. Der Angeklagte, der wiederholt, darunter mehrere Male wegen Eigentums⸗ vergehen, vorbestraft ist, war im vollen Umfang geständig. Er erklärt, er sei verheiratet, Vater von vier Kindern und verdiene jetzt die Woche etwa 6 Mk. In seiner Familie 1— Not geherrscht, denn der Laib Brot koste 70 Pfg. Besonders die Kinder waren ganz entkräftet und so habe er für diese die Wurst genommen. Es war die Tat auch sehr leicht aus⸗ zuführen, indem das Fenster zu dem Raum, in welchem die Würste hingen, weit offen stand. Der Gerichtshof ließ Milde walten und erkannte auf eine Gefängnisstrafe von fünf Tagen. Ber mischtes. f 5 Hungerbrunnen. In den Tälern der Schwäbischen Alb gibt es eine Reihe von Bächen und Quellen, die ost jahrelang vollständig trocken sind, um dann anscheinend ohne sichtbaren Anlaß, ost monatelang große Wassermassen zu führen, die nicht selten sogar zu Ueberschwemmungen führen. Einen solchen rälselhasten„Hunger brunnen“ gibt es im Lonsinger Tal; dieser begann im Sommer dieses Jahres wieder zu fließen, nachdem er jahrelang versiegt war, und so hat sich plötzlich das bisher trockene Tal völlig verändert. Weitere Hungerbrunnen gibt es bei Aglishardt, bei Großenstingen, am Ulmer Felsen, im Oberamt Geislingen, bei Heuchlingen im Oungerbrunnental, den„Leeraus“ bei Königsbronn usw. Worauf dieses merkwürdige Verhalten der Hungerbrunnen beruht, dafür gibt der„Prometheus? eine eimleucktende Erklärung, die von Th. Maute stammt. Dieser Forscher nimmt eine eigentümliche Grottenbildung zur Erklärung au, bei der ein großer unterirdischer Wasserbehälter mit einer saugheberartigen Felsenspalte in Verbindung steht, deren unteres Ende die Quelle darstellt. Es kann eine Reihe von Jahren er orderlich sein, bis der große Wasserbehälter so hoch ge- füllt ist, daß sein Wasserspiegel in gleicher Höhe mit dem höchsten Punkte des Saughebers liegt; wenn dessen Knie mit Wasser gefüllt ist, beginnt das Wasser zu fließen und der Wasserbehälter leert sich so lange, bis sein Wasserspiegel soweit gesunken ist, daß er den unteren Ansatz des Heberrohres erreicht. Es tritt dann Lust in das Heberrohr und daher versiegt der Brunnen. i Geschenk der Königin Elisabeth an Rumänien. Wie aus Bukarest berichtet wird, hat die Königin Elisabeth an den Ministerpräsidenten Bratianu folgenden Brief ge⸗ richtet:„Lieber Herr Ministerpräsident! Eine alte Ueberlieserung will, daß das Gedächtnis derer, die in die Ewige Stadt eingezogen sind, durch die Errichtung eines Brunnens verewigt werde. Dieser altüberlieserten Sitte gemäß will ich zur Heranleitung des Wassers in Curtea d' Arges beitragen, wo ich entschlossen bin, fortan einen großen Teil meiner Tage beim Grabe meines vielgeliebten Gatten zu verbringen. Zu diesem Zwecke halte ich zur Verfügung des Ministers des Innern die Summe von 300 000 Franken, die ich nach Maßgabe der Ausführung der Arbeiten bezahlen werde. Ich hoffe, daß durch diese wichtige Arbeit die Gesundheit der Unglisck⸗ lichen in Curtea d' Arges wirksam geschützt wird, und daß diese alte und schöne Residenz gedeihen und ihren Glanz von ehemals zurückerobern kann, da es mein einziger Wunsch ist, fortan die letzten Jahre meines Lebens der Tröstung der Leiden und dem Glück unseres lieben Vaterlandes zu widmen. Mit der Versicherung meiner aufrichtigen Zuneigung Königin Elisabeth.“ Amtlicher Wetterbericht. Oeffentliche Wetterdienststelle Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Dienstag, den 26. Januar 19152 Wolkig, doch meist trocken, wechselnde Winde, Temperatur wenig geändert. Wer mit dem Brote spart, erwirbt sich ein Verdienst vor dem Vaterland. 3 8492 Statt besonderer Anzeige. Heute nacht 1½ Uhr entschlief sanft im 81. Lebensjahre unsere liebe, gute Mutter, Schwiegermutter und Grossmutter Frau Magdalene Neidhart geb. Klein Witwe des verstorbenen Grossh. Aktuars Georg Neidhart. Die trauernden Hinterbliebenen. Giessen(Süd-Anlage 22), Butzbach, den 24. Januar 1915. 5 Die Beerdigung findet in der Stille statt. Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, dass unsere liebe gute Tante Frau Dürgermeister Dieber Mie geb. Wallenfels heute morgen 10% Uhr im Alter von 76 Jahren nach kurzem Kranken- lager sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen. Allendorf a. d. Lumda, den 24. Januar 1915. Die Beerdigung findet statt: Mittwoch nachmittag 3½¼ Uhr. 230 Gestern verschied plötzlich und unerwartet unsere liebe Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwester, Schwägerin und Tante frau Marie Langsdorf Ww. geb. Jung N In tiefer Trauer: 8⁴⁸ Wilhelm Langsdorf I. und Familie August Langsdorff(z. Zt. im Felde) u. Familie Ludwig Weigel XVII. und Familie. Klein-Linden(Frankfurter Str. 51), den 25. Januar 1915. im 65. Lebensjahre. Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. Januar, nachmittags 1 Uhr, statt. Heute morgen entschlief unsere innigst geliebte, unvergeßliche Mutter Frau Marie Weißenbach geb. Weber nach schwerem Leiden im 79. Lebensjahre. Dies zeigt mit der Bitte um stille Teilnahme tiefbetrübt an Todes⸗Anzeige. Sonntag früh 1 Uhr verschied nach langem schweren Leiden unsere liebe Mutter, Schwieger⸗ mutter, Großmutter, Schwester und Schwägerin Emma Schmidt Ww. geb. Henß Den Heldentod fürs Vaterland starb am 14. Januar in Frankreich unser lieber Bundesbruder Otto Geisel Leutnant der Reserve im 4. bayrischen Infanterie-Regiment, Ritter des Eisernen Kreuzes, Inhaber des Bayr. Militär- Verdienstkreuzes 2. Klasse mit der Krone und Schwertern. In tiefer Trauer: Die Giessener Burschenschaft Germania. I. A.: Adolf Kraft H* 840 Statt besonderer Anzeige. Heute früh 4½ Uhr verschied sanft nach längeren Leiden unsere liebe, gute, treusorgende Mutter, Gross- mutter, Schwiegermutter, Schwägerin und Tante Frau Susanne Schwan WW. was wir mit der Bitte um stille Teilnahme allen Ver- wandten, Freunden und Bekannten hierdurch mitteilen. In tiefer Trauer: Adolf Schwan und Familie. Karl Schwan und Familie. Minna Schwan. Giessen (Löwengasse 16), den 24. Januar 1915. Die Beerdigung findet Dienstag, den 26. d. Mts., nachmitt. 3½ Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofs aus statt. — Fortgesetzte Ersparnisse im Haushalt! 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Jauuar, abends 8½ Ubr. Redner Prediger Kuder Frankfurt a. M. und 5 Kaufmann⸗Marburg. 0409 Im Namen der trauernden Hinterbliebenen Henriette Weißenbach. bieben, den 24. Januar 1015 Mit unseren Truppen an der Front Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags Originalaufnahmen vom Kriegsschauplatz. 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes * 157 Um einen Kuss von Nini Romantisches Schauspiel in 2 Akten. Fräulein Loktor Humoreske. Der Herr mit starker Lunge Komödie. 65 Militar ohne Charge zahlt werktags die Hälfte. Die Geburt eines Jungen zeigen an C. Gilbert u. Frau Elisabeth geb. Schlemangk. llerzogl. Braunschw. Baugewerkschule Holzminden. — 1 Dlrek a Hochbau wee. Tiefbau 4 Neue, Sommerunterricht 2. pril. Reifeprüfung. Winterunterricht 15. Oktober. Lollar, den 24. Januar 1915. kommen Großes Kriegsdrama in 3 Akten. Hervorragendes morgen abend 8 Uhr Zeitgemälde aus der Gegenwart. bei Spuck Die Tochter des Toreros zusammen. Zahlreich er⸗ Lustspiel. scheinen. 9 F. d. V.: Mechow. Gadlhealer bielen Olr.: Hermann Stelngoetter. Dienstag, 26. Jau. 1915 abends 8 Uhr 10. Dienstag⸗Abonn.⸗Vorstell Gewöbnl. Preise ermäßigt) Neuheit! Neuheit! Grüne Ostern Schauspiel in 5 Aufzügen von Heinrich Lee. Ende gegen 11 Uhr. Soldaten vom Feldwebel ab⸗ wärts zahlen bei allen Vor⸗ stellungen auf 2. u. 3. Parkett Glelchberechtigt mit den Königl. Preufl. Baugewerkschulen. nur balbe Preise. 827