n Imeites Blatt Erschetu tüglig mit Ausnahme bes Sonntage Die„Siezener Famillenblätter“ werden dem „Anzeiger“ viermal wöchentlich beigelegt, das Areisblatt für den Areis Sleßen“ zweimal vöchentlich. Die„Landwirtschaftlichen Zeit⸗ fragen“ erscheinen monatlich zweimal. Gieße General⸗Anz 165. Jahrgang er Anzeig eiger für Oberhessen Donnerstag, 21. Januar 1815 Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts- Buch- und Steindruckerei. 1 R. Lange, Gießen. 1 Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schul ⸗ straße 7. Geschästsstelle u. Verlag: S8 5 l, Schrift · 5 leitung: 112. Adresse für Drahtnachrichten. 5 Anzeiger Gießen. 5 die„Seifenblase“ der militärischen Ueberlegenheit Deutschlands. *(Englische Lügen.) Von Dr. Richard Sternfeld. Prof. an der Untversität Berlin. Ein merkwürdiger Zufall ist es— oder sollte es kein Zufall sein?—, daß im August⸗ Heft des„London Magazine“ ein Aufsatz steht, der den Titel trägt:„The German military bubble, who will prick it?“(„Die Seifenblase des deutschen Heers— wer wird sie aufstechen 7.) Als Titelbild sieht man den karikierten Kopf des deutschen Kaisers, der aus einer Pfeife eine Seifenblase mit kriegerischen„Armaments“ aufsteigen läßt. Der Verfasser nennt sich„En Avant“; er gibt sich den Anschein, ein viel⸗ gewandter Militär zu sein: siebenmal in zehn Jahren hat er deut⸗ schen Manövern beigewohnt, aber auch Kriege mitgemacht, denn er hat griechische Pioniere beim Brückenbau au der Struma beobachtet. Ist es nötig, diesem Artikel heute noch ein Wort zu gönnen? So könnte man wohl fragen, und die Antwort müßte verneinend ausfallen, wenn man nur auf die Oberflächlichkeit und Leichtfertig⸗ keit der darin ab 1 85 Urteile sieht. Aber es ist doch nicht 5 unfruchtbar, f mit den Ausführungen des Verfassers zu be⸗ schäftigen, denn wir haben es offenbar hier mit einem Symptom F dessen Spuren nachzugehen auch jetzt noch für die Ent⸗ hung 15 uns gegenüberstehenden Verschwörung nützliche Finger- zeige a 5 5 ie Kinder im Dunkeln singen, um sich Mut zu machen, so war es seit Jahren in den Zeitschriften des Auslandes Sitte ge⸗ worden, den Glauben an die Tüchtigkeit und Kriegsbereitschaft des deutschen Heeres sich gleichsam auszureden; denn das war nyt⸗ wendig wenn man die Völter zu einem Angriff auf den verhaßten Deutschen fortreißen wollte. Tadurch, daß„En Avant“ die trü⸗ gerischen Argumente für die Minderwertigkeit der deutschen Armee und Flotte kurz zusammenfaßt, wird sein Aufsatz noch heute lehrreich — nicht für das wirkliche Wesen der Dinge, sondern für die Er⸗ kenntnis der Illusionen und Machinationen unserer Feinde, die es ihnen möglich machten, die Furcht vor der deutschen Rüstung allmählich und planmäßig zu zerstreuen. Konnte man den Lesern allüberall einreden, daß diese Rüstung nur eine„Seifenblase“ sei, so 129 haßerfüllte Wunsch, sie baldigst„aufzustechen“, nahe. Ter Verfasser beginnt mit der tausendmal wiederholten Be⸗ d daß der deutsche Soldat eine Maschine sei, durch den Drill zum stlavischen Gehorsam abgerichtet, aber ebendeshalb nicht imstande, die Forderungen unserer Zeit zu erfüllen, die von jedem Kämpfer eine„Individualität“ und eigene Entschlüsse verlangen. Ein Heer, das nur durch Disziplin, nicht durch Patriotismus, Kühnheit und Selbständigkeit der einzelnen Faktoren zusammen⸗ gehalten wird, kaun die Probe der Gefahr nicht bestehen. Beweis: der bulgarische Soldat, ganz nach preußischem Muster gedrillt, konnte wohl die un vorbereiteten Türken schlagen, nicht aber die Griechen, die, bei schlechtester Disziplin, doch in dreißig Tagen die Bulgaren aus Mazedonien warfen, weil jeder Grieche ein In⸗ „ mit wundervollem Nationalstolz jeder Ge⸗ fahr 1 Nachdem der Verfasser seine englischen Leser davon überzeugt hat, daß der deutsche Soldat mur eine willenlose Maschine il kommt er auf den Manöverdrill. Wir hören da jenen bis zum Ueberdruß wiederholten, billigen Spott über unsinnige Kavallerie⸗ Angriffe, die im Kriege nie möglich wären, sondern nur ein schönes Theater darstellen; aber mehr noch: da ist eine ganze preußische Brigade gefangen genommen, weil der Befehlshaber, beim Aus⸗ bleiben des Boten vom Oberkommando, sich nicht zu selbständigem We aufraffen konnte! Doch wie erstaunen wir, wenn der kluge Kritiker der deutschen Armee vam Manöver mit einem Sprung zur Sozialdemokratie kommt. Diese bat, wie das Volk so die ganze Armee, durchsetzt und jeden Soldaten gegen die eiserne Disziplin erbittert. Kein Zweifel, daß, wenn diese Reservisten wieder zur Fahne einbe⸗ rusen werden, sie jeder Begeisterung entbehren; wie sollten sie wohl in den Krieg ziehen und sich töten lassen für eine„pfeudo⸗ aristokratische Klique unsympathischer Offiziere“? Denn ber dem servilen Gehorsam der Jüngeren gegen die Aelteren, bei der Ueberhebung der deutschen Offtziere über die Subalternen, kann sich nie jenes intime kameradschaftliche Verhältnis ausbilden, das ein britisches Regiment in„eine glückliche Familie“ ver⸗ wandelt In England gibt Reichtum und Stellung dem Men⸗ 1— ing und Beachtung, in Deuntschland verleihen die Sterne auf den Achselklappen den Wert in der Gesellschaft. Belustigt über die seltsame Logik des Herrn„En Avant“ werden wir plötzlich von dem glücklichen Familienleben der eng⸗ lischen Söldnerregimenter zur— Börse geführt. Dem eingedenk der Wahrheit, daß zum Kriegführen Geld gehört, vertieft sich der Verfasser in national⸗ökonomische Spekulation. Während der Agadir⸗Krise seien die deutschen Finanzkräfte zweimal einem erstaunlichen Zusammenbruch nahe gewesen, woraus hervorgehe, daß Deutschland im Kriege mehr vom Geldmangel als vom Feinde zu fürchten habe:„Sieg im Feld ist möglich, aber Banke⸗ rott daheim unvermeidlich.“ Nun folgt eine lange finanzielle Darlegung, deren Resultat ist, daß die Banken ihre Depots im Kriegsfalle nicht auszahlen können und die Einzahler ohne Pfennig dastehen würden, gerade in dem Augenblick, wo sie ihre Familie verlassen, um für ihr„Fatherland“ zu fechten. „Es würde nur der menschlichen Natur entsprechen, wenn sie da vorzögen, zu Hause zu bleiben und um den Wiedergewinn ihres Geldes zu kämpfen.“ Es würde die Wirkung dieser Sätze abschwächen, wollte man darüber ein Wort verlieren; sie sprechen Bände in Bezug auf englischen Krämergeist und englischer Auffassung von Vater⸗ landsliebe. Nun folgt eine verächtliche Abschätzung der deutschen Truppen⸗ gattungen. Die Kavallerie-Angriffe sind in Wirklichkeit unmöglich, zumal auch der Deutsche weder ein„horseman“ noch ein„horse⸗ master“ ist. Der Infanterist ist zu fett und hat zu viel auf dem Rücken zu schleppen, so daß er weder weit noch fest marschieren kann. Auch ber die deutsche Artillerie äußert der Verfasser sich sehr bedenklich. Die Pioniere sind viel zu theoretisch; im Kriegsfall werden ihnen ihre eingeübten Kenntnisse wenig helfen.„Ich sah deutsche Pioniere den Rhein mit Pontons überbrücken; alles ging herrlich nach dem Schema. Unglücklicherweise fuhr ein Vergnü⸗ gungs⸗Dampfer hinein, und nun dauerte es achtzehn Stunden, alles wieder zusammenzufügen. 3 f So ist der deutsche Soldat von inferiorer Beschaffenheit; ihm fehlt der Schmiß des Franzosen, die Störrigkeit des Russen, der Fatalismus des Türken und die praktische Anpassungsgabe „seines britischen Rwalen“. Doch ein Wort muß der strenge Richter noch von der deutschen Flotte sagen. Deutschland hat nur eine geringe Küstenlänge, der Deutsche ist kein Seemann und in zwei Jahren kann er das See⸗ leben nicht kennen lernen. Deutschland kann soviel„Dreadnougths“ bauen. wie es will, aber es kann nicht Seeleute fabrizieren. Immer schwerer wird es, Marine⸗Offiziere zu finden, schon deshalb, weil sie im„Fathexland“ weit geringeres Ansehen genießen, als die Offiziere der Landmacht. Das Problem wird immer schwieriger, je mehr Schiffe Deutschland baut. Wer wird ein Schiff besteigen. das mit„Amateurs“ bemannt ist? Wer wird eine Seeschlacht lie⸗ fern unter solchen Bedingungen? 2 Und so kommt unser Freund„En Avant“ dann zu dem Schluß: „Man kann sicher annehmen, daß der Glaube an die deutsche Kriegs⸗ macht eine stark aufgeblähte Seifenblase ist, die leicht zergehn wird. wenn man sie aufsticht. Die einzige Frage it wer wird sie zum Platzen bringen, und wann?“ Wie töricht und hochmütig uns auch dies Geschreibe erscheinen mag, eins ist nicht zu leugnen: es war gut berechnet und entsprach dem, was man in England gern hörte. Wer England kennt, weiß, wie unglaublich beschränkt das große Publikum in allen Fragen ist, die andere Länder und ihre Zustände betreffen. Der Leser glaubte den Unsinn, der ihm so sicher und schmeichelnd von einem Kenner vorgetragen wurde. Uns könnte wohl die Schadenfreude ankommen über die Enttäuschung und den Katzenjammer dieses englischen Volkes, das solche Märchen gläubig entgegennahm und nun überall das Gegenteil jener lügenhaften Behauptungen am eigenen Leibe erfährt. Kein Wort der Verachtung aber ist stark genug, um jene niederträchtigen Zeitungsschreiber zu geißeln, die anouhm unter der Maske militärischer Autorität ihre Landsleute in den Krieg hineinhetzten, indem sie den deutschen„Rivalen“ als schwach und kriegsuntüchtig hinstellten. Der Artikel erschien im August; er muß etwa im Juni 1914 e worden sein. Es wäre naiv, zu glauben, daß er nicht bestellte Arbeit gewesen sei. * In einem sehr wirksamen Gegensatz zu dem vorstehend bespro⸗ chenen und kritisierten Aufsatz steht folgendes Schlußwort des neu⸗ tralen Beobachters der„Daily Mail“, der seine Eindrücke bon Deutschland während des Krieges zusammenfaßt. Er betont die erstaunliche Einheit und Kraft des deutschen Geistes. „Ich stimme nicht jenem hervorragenden englischen Kriegs⸗ sachverständigen bei, der meint, daß Deutschland„untergekriegt“ sein wird, drei Monate nachdem eine beträchtliche Zahl feind⸗ licher Truppen eingedrungen ist und deutsches Gebiet besetzt hat. Auch dann noch werden sie kämpfen, denn ich glaube nicht mehr und nicht weniger, als daß die Deutschen wirklich er⸗ füllt sind von dem Geist Friedrichs des Großen wie sie es sagen und daß sie wie er im Kämpfen aushalten wer- den bis zum letzten Mann und zum letzten Hauch. Die Ereig⸗ nisse können meine Ansicht als falsch erweisen. Aber meine Auf⸗ gabe bestand darin, eine Anschauung aufzubauen auf dem, was ich gesehen und gehört habe. Laßt uns doch ehrlich miteinander neues zur vorgeschichte des Nibelungenliedes. Das Nibelungenlied, wie es als deutsches Nationalepos vor⸗ liegt, ist das einer langen Entwicklung, in der sich der Sagenstoff langsam gestaltete. lleber diese Vorgeschichte des Nibe⸗ lungenliedes haben sehr viele Forscher gearbeitet und ein reiches Material 1 das uns einen Einblick in das Wach⸗ sen und den der Volksdichtung gestattet. Eine neue Glie⸗ derung der einzelnen Vorstufen, die der überlieferten Form des Epos vorausgingen, bietet Prof. Andreas Heusler in einer Abhandlung der Sitzungsberichte der Berliner Akademie der Wis⸗ senschaften, in der er die Heldenrollen im Burgundenuntergang zum Gegenstand seiner Forschung macht. Das allmähliche An⸗ wachsen der Heldenreihe gibt ihm ein Mittel in die Hand, um die einzelnen Phasen, in denen der Nibelungenstoff dichterisch in die Erscheinung trat, zu prüfen und die Umformungen des Stoffes in den einzelnen Liedern zu erkennen. Während die älteste Stufe nur zwei Helden kennt, Gunther und Hagen, gibt es in un Nibelungenlied eine große Anzahl genaunter Hel⸗ den, sechs auf seiten der Burgunden und zehn auf seiten der Hunnen. Langsam treten die einzelnen Heldengestalten hinzu, je nachdem ich neue Zuflüsse anderer Sagenquellen mit dem Strom der 8 1 Am Anfang der Entwicklung, so weit wir sie erkennen können, steht das ältere Atlilied der Edda mit seinen 13 Strophen. Aber dieser eddische Liedtext konnte ja nicht ohne weiteres den Ausgangspunkt unseres Nibe⸗ lungenliedes bilden, sondern dazu war ein deutscher Stammvater notwendig, und dieser läßt sich aus dem Atlilied mittelbar er⸗ schließen. Diese älteste Stufe der deutschen Nibelungen⸗ ichtung, das altfränkische Burgundenlied, muß eine ähnlich ein⸗ dache knappe Anlage gehabt haben wie die Vorlage aus der ddo. Eine zweite Stufe läßt sich ebenfalls aus einer nzordischen Dichtung wiederherstellen. Die Niflungasage erzählt nämlich um die Mitte des 18. Jahrhu int norwegischer rosa den Untergang der 2 ihr liegt ein älteres ürzeres deutsches Epos zu Grunde, das aber bereits nicht mehr in en, sondern in Bayern entstanden sein wird. Diese zweite Urform des Nibelungenstoffes, das ältere baiwarische Epos, etzt also ein Hauptereignis in der Geschichte der Burgundenfage voraus: die Ei ig dieses fränkischen niederrheinischen Liedstoffes baiwarische Gebiet, in die Donaulande. Die Niflunga⸗ sage ißt nicht etwa tine reine Uebertragung des oberdeutschen * ä Epos. Es sind Entstellungen eingetreten, die dem nordischen Sammler und Verfasser mitunterliefen. Immerhin hat die nor⸗ dische Saga ihr ganzes Gerüst, das allermeiste ihres Inhalts, aus dem baiwarischen Epos übernommen. Aber die Nacherzähler dieses„bayrischen“ Epos waren Niederdeutsche, die eine im Sach⸗ senland alteingebürgerte Nibelungentradition kannten. Ein solches Lied in süchsischem Munde wird durch dänische Zeugnisse aus dem Jahre 1131 bezeugt. So traten also sächsische und niederdeutsche üge hinzu, und auch eine Ortsage aus Soest wirkte mit ein, die die Vorgänge der Burgundendichtung, so das Gastmahl, Gunthers Tod und Hagens Sturz im Kampfe, in Soest lokali⸗ siert hatte. Die fränkische Sage muß nach Heuslers Forschungen vielleicht schon im 6. Jahrhundert, jedenfalls spätestens im 8. Jahrhundert, zu den Baiwaren gekommen sein. Die An⸗ nahme einer lateinischen Nibelungendichtung des 10. Jahrhun⸗ derts, von der unser Nibelungenlied eine Uebersetzung darstellen müßte, lehnt er ab. Vielmehr nimmt er an, daß das älter baiwarische Epos, das der Niflungasaga zugrunde liegt, in den Donaulanden noch eine weitere Umformung und Anpassung an die dort übliche Heldentradition erhielt und so zu einer drit⸗ ten Vorstufe unseres Nibelungenliedes umgebildet wurde, zu dem sogen.„älteren Epos“. In ihm erhielt Rüdeger von Bech⸗ laren zuerst seine große Rolle: es war rauher, derber und männ⸗ licher als sein höfischer Nachfolger und muß etwa um das Jab 1160 entstanden sein, noch ein gutes Menschenalter vor unserm Nibelungenlied. Hier wurde auch das Hauptmotiv völlig um⸗ estaltet und aus der Bruderrache Krimhildens an ihrem Gatten Etzel, wie sie die alte Burgundendichtung schildert, wurde die Gattenrache Krimhildens an ihren Brüdern. Um 1200 entstand dann die vierte und letzte Stufe, die einzige uns unmittelbar erhaltene, unser Nibelungenlied, in dem die ganze Darstellung stark perbreitert war und die Burgundensage mindestens den doppelten Umfang einnahm von dem im„älteren Epos“. * — Beethoven und Wagner in Paris. zosen nehmen es mit ihrem neuen Patriotismus sehr genau und wollen die Kunst der Feinde unter keinen Bedingungen mehr unter sich dulden. Die Theater richten sich danach spielen nur noch patriotische Stücke oder wenigstens Werke, die irgendwie mit dem Krieg zusammenhängen. Ter gute alte Corneille, den man längst zum 2 Eisen— hatte, erlebt nun mit seinem pathetischen Die Fran⸗ 1 ** 2 . sein! Die Deutschen haben Wunder in diesem 1 Kriege vollbracht. Die innere Organisation ihrer wirt⸗ schaftlichen Kräfte ist über alles Lob erhaben. Ich denke, es ist anständig und klug, zu sagen, daß Deutschland trotz seiner Ver⸗ luste und mancher Rückschläge, gefragt, ob es sich jetzt ergeben wolle, mit Recht entgegengehalten würde, daß es„erst zu kämpfen begonnen hat“. ——— Die„Sendung“. Der Umstand, daß Zar Nikolaus oder der Generalissi⸗ mus Großfürst Nikolai Nikolajewitsch— man weiß nicht, wer von den beiden zurzeit Selbstherrscher aller Reußen ist— Militärmissionen zu den Verbündeten, nach Serbien, Montenegro, Frankreich und England, entsandt hat, verdient Beachtung, wenn auch über den Zweck dieser Missionen nichts offiziell bekannt ge⸗ worden ist. Es bedarf freilich keiner Sehergabe, um diefen Zweck zu erraten. Den lieben Serben und Montenegrinern dürfte man eröffnet haben, daß Mütterchen Rußland, auch a wenn Väterchen Zar wollte, den slawischen Brüdern nicht mehr helfen könne, da es selbst in der Patsche sitze. und den französischen und englischen Alliierten wird man wohl darüber reinen Wein eingeschenkt haben— worüber sis sich freilich schon aus den deutschen Generalstabsberichten hätten unterrichten können—, daß die russische Dampf⸗ walze völlig versagt hat, und daß die große Armee des Zaren sich nicht auf dem Wege nach Berlin, sondern auf dem nach Warschau usw. befindet. 9 Selbst wenn man die aus Sofia gekommene Mittei⸗ lung über den tiefgehenden Konflikt zwischen dem Zaren 9 Nikolaus und dem Großfürsten Nikolajewitsch sowie die Gerüchte über den wachsenden Einfluß der Witteschen Frie⸗ denspartei mit dem nötigen Vorbehalt aufnimmt, ist doch an der Tatsache nicht zu zweifeln, daß die ungeheuren Verluste, welche die russischen Armeen erlitten haben, des weiteren ihr in immer stärkerem Maße fühlbar werdender Mangel an Geschützen und Gewehren im Verein mit der Kohlen- und vor allem der Geldnot die Lage des Zaren⸗ reiches als im höchsten Maße gefährdet erscheinen lassen, um so mehr, da die wachsende Nahrungsmittelnot das ersetzen könnte, was der revolutionären Bewegung durch den Krieg an Stoßkraft entzogen wurde. Wie groß die Geldnot in Rußland trotz des eben ganz unzureichenden Pumps bei den Franzosen und Eng⸗ ländern ist, geht aus einem sehr beachtenswerten Artikel des vielfach offiziös benutzten„Ruskejo Slovo“ hervor, worin den Engländern und Franzosen offen der Vorwurf gemacht wird, daß sie Rußland finanziell im Stich ge⸗ lassen hätten, und worin England zur finanziellen Hilfe⸗ leistung mit der Drohung aufgefordert wird:„Wenn dies nicht in wenigen Wochen geschieht, so wäre Rußland ge⸗ zwungen, mit Deutschland und Oesterreich-Ungarn einen Separatfrieden zu schließen.“ Jedenfalls geht aus dieser unverhüllten Drohung hervor, wie die Stimmung im Zarenreiche gegenüber dem intellektuellen Urheber dieses Weltkrieges, gegenüber England ist, wobei freilich zu beachten ist, daß diese lieblichen Auseinandersetzun⸗ gen zwischen den Verbündeten bereits auf der ganzen Linie eingesetzt haben. 5 Die Franzosen werfen den Russen vor, daß sie ihre Kräfte der Donaumonarchie gegenüber verzettelt haben, statt in Deutschland einzudringen, um so Frankreich zu ent⸗ lasten, während die Russen umgekehrt die Franzosen be⸗ zichtigen, es jetzt, wo ein Teil der deutschen Streitkräfte nach dem Osten abgezogen wurde, an der nötigen Durch⸗ bruchsenergie fehlen zu lassen. Die englischen Militär⸗ kritiker wiederum finden recht viel an der russischen Taktik auszusetzen und stellen zugleich fest, daß die Vorstöße der Franzosen mehr den Anschein erwecken sollen, als ob etwas geschehe, während man es an der nötigen Stoßkraft fehlen lasse. Die Franzosen wiederum beschweren sich bitter dar⸗ über, daß England Kitcheners vielgerühmte Armeen vor⸗ sorglich in England behalte, und daß die britische Flotte sich mit derselben Vorsorge in den heimischen Häfen ver⸗ barrikadiere oder sich damit begnüge, auf harmlose Han⸗ Heldentum eine Auferstehung, und das früher so ironische und spöttische Paris, das sonst über das Gerassel der Alexandriner lachte, jubelt begeistert auf, wenn der jüngere Horatius in den„Hora⸗ tiern“ des Corneille deklamierte:„Wie, ihr beweinet mich, weil ich fürs Vaterland sterbe?“ oder der ältere Horatier ruft:„Tun wi: nur unsere Pflicht und trauen wir den Göttern.“ Den musikalischen Teil des Programms bestreiten bei allen Aufführungen die un⸗ vermeidliche„Marseillaise“, Méhuls„Chant du Départ“ und die Nationalhymnen der verschiedenen Verbündeten. Deutsche Musik ist ausgeschlossen, und selbst von Beethoven und Wagner, die im Konzertleben von Paris die Hauptrolle spielten, will man seit dem Kriegsausbruch nichts wissen. Doch ohne die beiden geht es nun einmal nicht, und so gewöhnt man die Pariser ganz sacht wieder an die Musik der„Barbaren“. Verhältnismäßig leicht ist das noch bei Beethoven. Denn die Franzosen haben ja entdeckt, daß er eigentlich ein Vlame ist und deshalb aufs engste zu ihren guten Freunden, den Belgiern, gehört. So hat man es denn mit ziem⸗ licher Ruhe aufgenommen, daß die Dirigenten Chepillard und Pierns die abwechselnd die während des Krieges miteinander vern⸗ einigten Colonne- und Lamoureux⸗Konzerte dirigieren, erklärt haben, Beethoven werde demnächst auf dem Programm erscheinen. Schlimmer steht es mit Wagner; bei ihm sucht man die un⸗ patriotische Musik durch möglichst patriotische Texte erträglich zu machen. So singt z. B. der Bariton Renand in den Wohltätigkeits⸗ konzerten für Verwundete das Lied an den Abendstern aus dem Tannhäuser, aber als Text ist dazu ein Hymnus auf Frank⸗ reichs Größe gedichtet worden, und mit dem gleichen Mittel sucht man auch andere Musikstücke Wagners zu„retten“. Ueber⸗ haupt ist Wagner gar nicht so schlimm, wie Vincent d'Indy heraus⸗ gefunden hat. Dieser Mann, von dem der französische Komponist das meiste gelernt hat, war doch wenigstens königlich⸗sächsischer Kapellmeister und Sachse von Geburt. Um wieviel schlimmer ist erst ein königlich⸗preußischer Komponist, und diesen hat er in Giacomo Meyerbeer entdeckt, den die Pariser als einen der Ihren so lange gefeiert und dessen Andenken sie sogax durch eine Straße. durch die Rue Meyerbeer dicht hinter der Oper, geehrt haben. d'Indy beweist nun klipp und klar, daß dieser Meyerbeer eigent⸗ lich Johann Meyer Beer heißt, aus Berlin stammt und der einzige Komponist ist, den Preußen hervorgebracht hat. Die Erin 8 an dieses musikalische„Urbild des Preußentums“ darf nach 1. Ansicht des französischen Meisters an den Straßenecken von Pari 15 nicht mehr geduldet werden. 1 . 2 * 5 8 schlug. Und es lohnt sich für uns, jetzt, wo wir wieder in einem 0 1 1 * A 2 5 8 8 entscheidendsten Schlachten den Namen gegeben hat. Denn her murde * 5 Orchies, der neben den verruchten Stätten des F * 8 8 den von einem Ende bis ihm die Jahrhunderte nichts anhaben könnten, ragt noch hinter dem Aschekegel eines 4 stadt; worauf das Auge zwischen den langweilig ausdruckslosen mit dem Belfried, das alles sind Andenken an die flämische das Riesen⸗Gayant⸗Fest zum Andenken daran, daß es 1 aus eigener Kraft gelang, den Anschlag Ludwigs XI. auf ihre Frei⸗ Türmen, Zinnen und Zugbrücke . meisten auf Militärkapelle muntere Weisen spielte: 2 5 zum Angeden 5 4 gewiß nicht leicht ist, sondern die Geduld von beiden Seiten er⸗ 2 wie in dem ganzen blühenden und steuerkrä 22 die Vorpostengrenzen zwischen Deutschen und Fran osen ab uflecken. jetzigen Krieges nachgeht, fortwährend an die blutige B und die Wehrlosen zu Tode marterten, sie verstümmelten und * 3 4 mich it, tro rb elsschiffe Jagd zu machen, statt sich an die deutsche Flotte heranzuwagen. f g Zu diesem häuslichen Streit innerhalb des Dreiver⸗ bandes gesellen sich noch die Auseinandersetzungen mit dem Bundesgenossen im fernen Osten, den man flehentlich um Hilfeleistung auf dem europäischen Festlande anrief, der aber auf alle Bitten taub geblieben ist. Das kann frei⸗ lich nicht Wunder nehmen, denn zu den vielen erst unlängst dargelegten Gründen, welche die Japaner verhindern, dur eine Expedition nach Europa Harakiri zu 6 sich der erst jetzt bekannt gewordene Konflikt, der sich aus Anlaß der Einnahme von Kiautschau zwischen England und Japan entsponnen hat. Dies wirft England schamlose Selbstsucht vor, weil es sich in China wie der bekannte Hund an der Krippe— wir zitieren hier das japanische Blatt „Nischi Nischi Schimbun“— benehme und den Japanern nicht nur das Interessengebiet in Schantung streitig mache, i 1 in ganz China ein Handelsmonopol für sich an⸗ rebe. Man wird das Kapitel„die Verbündeten unter sich“ mit Aufmerksamkeit verfolgen müssen. Erkennt man doch in Ruß⸗ land und Frankreich immer mehr, daß das sparsame Einsetzen englischer Streitkräfte und die plangemäße 1 britischen Flotte der längst enthüllten Taktik entspricht, erst dann in den Weltkrieg energischer einzugreifen, wenn Rußland und Frankreich so geschwächt sind, daß sie bei dem späteren Friedensschluß nur noch à la Belgien und Serbien zur Trabantenrolle verurteilt sein werden, wobei es ein wahres Glück für das Zarenreich und die französische Republik ist, daß durch diese schlaue Rechnung die deutsche Flotte— zu Wasser und in der Luft!— einen dicken Strich machen dürfte. Uriegsbriefe aus dem Westen. Von unserm Kriegsberichterstatter. karnberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten) Unterwegs nach Lille. Großes Hauptquartier, 17. Jan. „Schon im dreizehnten Jahrhundert begann Flandern der Zank⸗ apfel zwischen den Franzosen und den Nachbarvölkern, besonders den Engländern und den Deutschen, zu werden.“— So steht in der kleinen Heimatkunde des Departements du Nord zu lesen, welche ich auf dem Lehrerpulte einer zerschossenen Dorsschule auf⸗ flandrischen Feldzuge begriffen sind, den Blick ein wenig zurück⸗ schweifend auf die Geschichte dieses Landes zu wenden. Denn mit der Landkarte von Französisch⸗Flandern, auf der die Straßen jetzt von neuem mit rotem deutschem Blut eingezeichnet sind, tauchen vor unserem nachdenklichen Auge eine lange Kette von Ortsnamen auf, die in die Tafeln unserer deutschen Vergangenheit ehern ein⸗ gegraben sind. Die Städte, die jetzt täglich im Kriegsberichte des Gr. Haupt⸗ quartiers genannt werden, von Nieuport in der ganzen Linie über Dirmuiden, Ypern, Armentières bis Arras, sie möchten einen fast so anmuten, als ob ihre hohen Warttürme, die„Belfriede“, schon in alter Zeit errichtet worden seien, um in immer erneuten Kri Und zwischen ihnen liegt Schlachtfeld bei Schlachtfeld, kaum eines darunter, was nicht mit deutschem Blute gedüngt ist, manches. dessen Gräber wir zu unserem Schaden pergefen haben. Da ist vor Allem Malplaquet, der kleine Weiler, der zu dem Orte Taisnières⸗sur⸗Hon gehört und daher auf den meisten französischen Karten kaum zu finden ist, und der doch einer der blutigsten und das französische Heer durch den Prinzen Eugen und den Herzog von Marlborough so furchtbar aufs Haupt geschlagen, daß das flandrische Glacis“ den Verbündeten offen sund und Ludwig XIV. statt seine zäh 12 Eroberungspolitik am Ende ihrer Wünsche 0 3 unter den Trümmern seines Thrones sterben zu müssen 9 e. Man wird hier, wenn man den furchtbaren Spuren des zigen ergangen⸗ heit erinnert, ob man will oder nicht. Da besuchte ich den Ort 5 8 ranktireur⸗ krieges, neben Ethe, Battice, Andenner⸗Vise, Löwen und wie sie heißen, den verxuchtesten Klang hat. Tenn hier war es, wo die Schurken das Lazarett voll deutscher Verwundeter überfielen ihnen Sägemehl in Nase und Mund stoyften, bis sie erstickten. e unglücklichen Opfer liegen vor dem Ortseingange pietätvoll bestattet; ein 2 Zementkreuz kennzeichnet die Ruhestätte dieser Helden des zeidens, und ein Wassergraben umgibt den kleinen Friedhof. Wie sie gerächt wurden, das zeigen die Stra⸗ des Dorfes. Kein Haus ist stehen geblieben. Mit Feuer atort des himmelschreienden Verbrechens ausgetilgt wor⸗ zum anderen. Aber massig, als ob 5 5 auses der mittelalterliche Wachtturm mit seinen meterdicken Backsteinmauern auf, den die Grafen von Flan⸗ dern erbaut haben, um französische Raubgelüste abzuwehren. Douai macht den Eindruck einer nordfranzö,ischen Mittel⸗ Häuserreihen haften bleibt, die Stadttore, die Marienkirche mit ihren kostbaren Bildern, die St. Catherinenkapelle, das Rathaus er⸗ 1 und trotzdem man hier kaum mehr ein nieder⸗ deutsches Wort hört, so feiern doch die Bewohner noch jedes Jahr heit zu vereiteln. Aus dieser Zeit mag wohl auch die entzückend erhaltene, mit hrte Burg Loir stammen, die neben der Straße nach Valenciennes in der Wiesenniede⸗ rung liegt. Trotzdem es Sonntag war, als ich hier eintraf, waren die meisten Läden offen. In den Straßen wogte reges Leben, am dem Platze vor dem Rathause, wo eins deutsche „Doch uns bleibt zum Angedenken . Ter Reservestocl.“ 1 120 8 örte vergnügt zu, wie ein Landwehrmann, der diesmal ende Eiserne Kreuz nach Hause bringen wird, zwei aufmerksamen Töchtern der Svpitzenstadt den Text dieses schönen Liedes ins Französische zu übersetzen bemüht war, was fordert. Ob der galante Barbar bei seinen Zuhörerinnen schließlich viel Verständnis gefunden hat, konnte ich nicht abwarten, obwohl die Sache sehr interessierte. In Valenciennes merkt man nicht, wie nahe man dem Kriege tzdem die schweren Geschütze von Zeit zu Zeit bis 1 a oder vielmehr, man ist hier in einer Stadt, die sich blau⸗weiß⸗ rot gestreiften zu, gewöhnen N hat. Vor den unsere feldgrauen Posten. ilderhäusern Franzosen stehen m Stadthause weht die schwarz⸗ weiß⸗xote Fahne. Aber das mächtig sucht sein Glei sierende Wirtschaftsleben eine Weile so jäh ins hnen; n sehr an den Krieg gewicht, das durch den deutschen Einmarsch für ken geriet, wiederzugewinnen. Und hier, . igen Département du Ford ist deutscher Verwaltungs sinn ordnungsschafsend am Werke, um die reichen Produktionsquellen dieses reichen Gebletes, die dem Feinde verschlossen sind, für unser eigenes Wirtschaftsleben nutzbar zu machen. 5 5 4 Denn die„Flandre frangaise“ ist ein ebenso gesegnetes Acker⸗ land wie ein unerschöpflicher Industriebezirl. So dicht besiedelt, wie sonst nur das Seinebs partement, falls man Paris einxechnet, gemahnt die Gegend zuweilen an das rheinisch⸗westsälische Gruben⸗ und Hüttenrcvicz; glaubt man durch eine einzige ch] in friedlichem Dienste, wie sie dafür sorgen, daß diese Korn⸗ 8 Stadt zu fahren, deren menschenreiche Viertel sich um Zechen und 1 5 N gruppieren und die unter sich durch Ackerbreiten begrenzt sind Und diese erinnern wieder in ihrer Uleppigkeit an die Zuckerrübengegenden der Provinz Sachsen. Die Kamine rauchen und wenn man näher kommt, so sieht man, daß die deutsche Mili⸗ tärverwaltung hier den betriebsamen Unternehmer spielt. Die Felder sind bestellt. Handhoch schießen schon die hellen Halpie des Weizens. Und irgendwo, auf einem Dorfe, bis zu dem der Krieg den Weg nicht gefunden hat, trifft man deutsche Kvmmandos kammer bei der nächsten Ernte nicht leer stehe, und mit dem „Maire“ und den einzelnen Besitzern vereinbaren, wie viel an Brotgetreide und wie viel an Futter auf den etwa noch unbe⸗ stellten Ländereien zu erzielen ist. Kraß folgen auf diese friedlichen Bilder wieder die unver⸗ wischten Eindrücke des Krieges. Die Spuren jener Nahekämpfe von Ort zu Ort, von Straße zu Straße, welche der Erstürmung von Lille vorangegangen find. Maubeuge, das in diesem Jahre die hundertste Wieder⸗ lehr des letzten deutschen Besuches begehen kann, weist noch die Er⸗ innerungen an die vernichtende Beschießung durch unsere schweren Kaliber vollzählig auf. Die gewaltigen Forts rings um die Stadt sind Trümmerhaufen. Trümmerhaufen auch die Straßenteile, die nahe den Eingängen der Festung standen. Wie zum Hohne ist das Bogentor der Vaubanschen Zitadelle stehen geblieben, auf dem sich eine ruhmredige Inschrift auf den Sonnenkönig Lud⸗ wig XIV. befindet. Toch er verdient seinen Ruhm. Jahrhunderte lang ist Flan⸗ dern von Deutschen und Franzosen umkämpft worden, nachdem es im Mittelalter sein Löwenbanner wie eine Wetterfahne bald nach Osten und bald nach Westen hatt, weisen lassen, je nachdem. wo es die stärkere Volkskraft spürte,. Ludwig XIV. hat die„flan⸗ drische Frage“ vorläufig gelöst; als er diese seinem Reiche vor⸗ gelagerte Otmar besetze, was Frankreichs höchster Aufstieg, war die tiefste Ohnmacht der uneinigen Deutschen besiegelt. Aber noch 1783, noch in den Freiheitskriegen, war es in Deutschland unvergessen, daß Lille eine alte flämische Stadt ist. g 1 l Und nun, wo wiederum die ehernen Kriegswürfel über die E Ebene zwischen Ardennen und Nordsee rollen, hat sich auch Kampfgespahn von jenseits des Meeres N e dem Flan⸗ derns Schlachtfelder ebenfalls vertraut sind, der Engländer. So lange Frankreich eine aufsteigende Macht war, hat Brite in landern stets gegen die fran ösischen Waffen gestanden. Zum ersten Male 4 25 die alten flämischen Belfriede die beiden alten Feinde 83 er es liegt hier im Département du Nord eine Stadt, ie einen unlieben Klang für die zwei Bundesgenossen haben mag. le Cateau. Vielleicht machen sich beide ihre Gedanken bei diesem fatalen Namen, der für den Engländer die Erinnerung an das Aufgeben seiner kontinentalen Politik bedeutet und der den Fran⸗ zosen mit eisigem Schauder daran gemahnen mag, daß Calais heute wieder von den Engländern besetzt ist. W. Scheuermann, Kriegsberichterstatter. Aufruf an die deutschen Hausfrauen! In der Zeit vom 18. bis 24. Januar 1915 soll, unter wärmster Billigung Ihrer Majestät der Kaise⸗ rin, in ganz Deutschland eine Reichswollwoche stattfinden. Der Zweck dieser— 2 woche besteht darin, für unsere im Felde 2 Truppen die in den deutschen Familien noch vorhandenen überflüssigen warmen Sachen und getragenen Klei⸗ dungsstücke(Herren⸗ und Frauenkleidung, auch Unterkleidung) zu sammeln. Es sollen nicht nur wollene, sondern auch baum⸗ wollene Sachen sowie Tuche eingesammelt werden, um daraus namentlick Ueberziehwesten, Unterjacken, Beintleider, vor allem aber Decken anzuf en. g. Gerade an Decken ht für die Truppen ein außerordent⸗ licher Bedarf, da sie den Aufenthalt in den Schützengräben sehr erleichtern und erträglich machen. Mit großem Erfolg sind be⸗ reits von sachverständiger Seite aus alten Kleidern aller Art Decken in der Größe von 1,50; 2 Meter hergestellt worden, die einen hervorragenden Ersatz für fabrikmäßig erzeugte wollene Decken bilden und deren Herstellungskosten nur ein Viertel einer fabrikmäßig hergestellten wollenen Decke betragen. 2 Zu dieser Aufgabe bedürfen die unterzeichneten Stellen der tätigen Mitarbeit aller deutschen Frauen. Tie Organisatton dieses Sammelwerkes wird sich in den Gauen des Vaterlandes verschiedenartig gestalten— je nach den Eigentümlichkeiten und den besonderen Lebensverhältnissen ihrer 3 ö 5 8 Aber Euch Allen wird rechtzeitig die Mitteilung über die Einzelheiten zugehen. Zunächst richtet Euch schon darauf ein, in Euren Schränken nachzusehen, was Ihr entbehren könnt, um es denen zu widmen, die mit ihrer Brust und ihrem Blut uns alle beschützen. Gebt, soviel Ihr irgendwie entbehren könnt! Nur diejenigen Familien, in denen ansteckende Kranfheiten berrschen, bitten wir, sich im Interesse der Allgemeinheit an dem Liebeswerk auf diese Weise nicht zu beteiligen. Also nochmals, deutsche Hausfrauen, frisch ans Werk! „Sammelt aus Schränken und Truhen, was Ihr an Entbehr⸗ lichem findet! 5 8 Schnürt es zu Bündeln, packt es in Säcke und haltet es zur Abholung bereit, wenn alle unsere Helfer in der Reichs⸗ wollwoche vom 18. bis 24. Januar 1915 an Eure Türen klopfen! Berlin, den 1. Januar 1915, Kriegsausschuß für warme Unterkleidung E. V. Fürst zu Salm⸗Horstmar. —— Aus Stadt und cand. Gießen, 21. Januar 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den Nachbargebieten.) Landwehrm. Ludwig Bamberger aus Allendorf b. Gladen⸗ bach.— Res Ludwig Brühl, Inf. ⸗Rat. 117, aus Friedensdorf. — Res. Jak. Gerlach, Inf ⸗Rgl. 28, aus Friedensdarf.— Land⸗ wehrm. Friedrich Knit v, Res. Inf Ngt. 216, aus Offenbach am Main.— Einj.⸗Kriegsfreiw. Wilh. Popp, Res.⸗Inf.⸗Ngt. 221, aus Offenbach am Main.— Seewehrm. Christian Fläschner, Marine⸗Inf.⸗Rgt. 3, aus Offenbach am Main.— Ers.⸗Res. Jak. Theis, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 80, aus Offenbach.— Gefr. d. Reserve 183 Freitag, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 88, aus Hanau.— Vize⸗ e ldwebel Lehrer Karl März, Res.⸗Inf.⸗Agt. 118, aus Ober⸗ Hülbersheim.. Res. Jos. Baier, Juf.⸗Leib⸗Rgt. 117, aus Mainz.— Utffz. Gust. Heinrich, Res.⸗Inf.⸗Agt. 88, aus Worms.— Ers.⸗Res. Jos. Farrenkopf, Res.⸗Inf.⸗Agt. 118. aus Worms.— Ers.⸗Res. Christ, Lüttinger, Res.⸗Inf.⸗ Rgt. 221, aus Heppenheim.— Kriegsfreiw. Gustav cl aus Wetzlar.— Utffz. d. Res. Heinr. Gilbert, Res.⸗Inf.⸗ Rgt. 206, aus Dutenhofen.— Gefr. Wilh. Trautmann, Inf.⸗ Nat. 418, aus Unteroffern.— Landwehrm. Ludw. Eichenauer, Inf.⸗Rgt. 116, aus Ober⸗Widdersheim.— Musk. Otto Klös, Res.⸗Inf.⸗Rgt. 168, aus Kohden.— Gefr. Otto, Klaus, Jäger⸗ Bat. 11, aus Unter⸗Schmitten.— Vizefeldw. d. Res. Ludw. Gut⸗ jahr aus Stockstadt a. Rh. * Ritter des Eisernen Kreuzes Hauptmann Professor Dr. Hippenstiel in Wetzlar. Fähnrich Kolb, Off.⸗Stellv. und Adjutant, aus Wetzlar. Friedrich Ham⸗ tung, die die Mission für unser Volk hat, und die gemeinen Deutschen Sprachvereins halten wird(8 ¼ Uhr abends im Hörsaal 44 der Universität). Der Vortrag be⸗ handelt„Niedergang und Aufstieg im Leben der deutschen Sprache“. Gäste sind willkommen. 5 * Missionspersammlung., In der heute abend um 8 Uhr in dem Johannessaal stattsindenden Misftonsver⸗ sammlung wird der bekannte Missionar Gsell zunächst ein Bild geben von den unheilvollen zerstörenden Wirkungen des Krieges auf die Missionsarbeit. Professor D. Schian wird dann reben über„England und die Mission“. Auch. Bedeu⸗ l 5 8 Hoffnungen für die Mission, die man gerade wieder auf den Krieg seßen kann, werden kurz beleuchtet werden. Kreis Lauterbach. 5 Lanzenhain, 19. Jan. Aus unserer kleinen Gemeinde sind bis jetzt fünf Mann den Heldentod für das Vaterland gestorben. Kreis Friedberg. v. Bad⸗ Nauheim, 19. Jan. In der heutigen Stadt⸗ verordnetenversammlung wurde folgendes ver⸗ handelt. Für den Umbau eines Teils des Bahnhofs⸗ platzes bewilligt die Versammlung 4000 Mark. Die Eisen⸗ bahn⸗Direktion hatte erst einen Zuschuß von 8000 Mark ge⸗ fordert, doch wurde nach längeren Verhandlungen die Herab⸗ setzung der Forderung bis auf die Hälfte erreicht.— Die Verlängerung des Höhenweges bis zum Ernst⸗Ludwig⸗ Weg nach Plänen der Feldbereinigung wird genehmigt.— 1 Beginn der Sitzung hatte der Vorsitzende Beigeordneter nieriem dem verstorbenen Stadtverordneten Friedr. Wilh. Stamm, der seit 14 Jahren dem Kollegium an⸗ gehörte, einen ehrenvollen Nachruf gewidmet. Hessen⸗Nassau. h. Frankfurt a. M., 20. Jan. In der vergangenen Nacht brach gegen 2 Uhr im Dachstuhl der Buchdruckerei Hemp, Leipziger Straße, ein Feuer aus, das an den dort lagernden Papier⸗ und Lumpenvorräten reiche Nah⸗ rung fand und den Dachstuhl völli e Der Brand⸗ f wird auf 2500030 000 Mek. geschätzt. Es liegt an⸗ scheinend Selbstentzündung der Papiere vor.— Von den etwa 11000 städtischen Beanrten, Lehrern, Arbeitern und 5 1 5 Angestellten stehen 740 Beamte, 380 Lehrer und rund 3000 andere Angestellte im Felde. 70 Prozent dieser Feldzugsteilnehmer find verheiratet. * Hanau, 20. Jan. Ein von Geh. Regierungsrat Dr. Breger unter dem Titel„Errichtet Kriegsmuseen“ int„Berl. Tagebl.“ veröffentlichter Artikel hat den Vorstand s Hanauer Geschichtsvereins veranlaßt, auch für Hanau die Errichtung eines Kriegsmuseums in die Hand zu nehmen. g J. Gelnhausen, 20. Jan. Der Kreistag des Kreises Gelnhausen hat beschlossen, das Betriebskapital der bei Kriegsbeginn in Betrieb genommenen Kreis⸗Mühle von 50 auf 70 000 Mek. zu erhöhen, für die zu zahlen⸗ den Familien unterstützungen einen weiteren Be⸗ trag von 250000 Mk. zur Verfügung zu stellen, für Not⸗ standsarbeiten und zum Ausgleich des laufenden Etats eine Anleihe von 50000 Mk. und für das Kreis⸗Gruppen⸗ wasserwerk einen weiteren Betrag von 130000 Mk. aufzu⸗ nehmen. 8 h. Unterliederbach, 20. Jan. Der 49 jährige Elek⸗ trotechniker Johann Röder aus Kriftel geriet in der Leder⸗ fabrik in das Räderwerk der Betriebsmaschine. Er wurde auf der Stelle getötet. 0 A Kassel, 21. Jan. Die Landgemeinden des Regierungs- bezirks Kassel erzielten im Jahre 1914 aus dem Verkauf des Gemeinde obstes insgesamt 227 170,06 Mk. gegen 161 372,98 Mk. in 1913. An der Spitze steht wieder der Kreis Hofgeismar mit 40 971,37 Mark. 5 ——— Die Marktpreise für Vieh und Frucht und die Gießener Fleisch⸗ und Brotpreise am 18. Januar 1915. Schlachtviehpreise in Drank furt a. M. Jleischpreise in Gleßen Ochsen e. e ict% Kg. 90—98 Piz. Kälber ½ Ag. Schlachtgiw. 68—85 U.,„ 7680 Schweine:„„ 8„ 2„ 90106 1 Getreidepreise n Mann he im Weizen 100 Ig. 00.00 00.0 MT. Roggen 100 Kg. 00.0% 00.00 Mt. Kirchliche Nachrichten Israelitische Religionsgemeinde. Gottesdienst in der Sunagoge(Süd⸗Anlage). Samstag, den 23. Januar 1915 VLoraben) 5.00 Uyr.. Morgens 9.00 Uhr. Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers. Nachmittags: 3.30 Uhr. Sabbatausg ang: 5.55 Uhr. — Israelitische mengen gesellschaft. Gottesdlenst. Sabbatseiee am 23. Januar 1915: Freitag abend 4.40 Uhr. amstaa vormittag 8.30 Uhr. 5 Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Deutschen Kaisers. Samstag nachmitta! 3.30 Uhr. 5 Sabbat⸗Ausgang 5.55 Uhr. Wochengottesdienst: Morgens 7.00, nachmittags 4.30 Uhr. Brotpreise in Gießen: Weißbrot 2 Tg. Schwarzbrot 2K. ni g. 64 Pig. nimmt man eum Sämigmachen Dr. Oetker's % Suppen u Tunken G 1— t 5 I anstelle des englischen Mondamin. mann aus Hermannstein, Leutn, d. R. im Bayr. 7. Inf. bete au 15, 30 und 60 Pig., überall zu haben Josh/