A E 8 Der Slezener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zweimal wöchentl. Kreis- blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche eitfragen Fernsprech-Anschlüsse: für die Schristleitung112 Verlag, Geschäftsstelled l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. 165. Jahrgang l e Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Donnerstag, 21. Januar 1015 Zezuaspreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ jährl. Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel⸗ jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz, für Stadt und Land, Vermischtes und Ge— richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sänitlich in Gießen. Ein Luftschiffangriff gegen die englische Ostküste. (WT B.) Berlin, 20. Jan.(Amtl.) In der Nacht vom 19. zum 20. Januar unternahmen unsere Marineluft⸗ schiffe einen Angriff gegen einige befestigte Plätze an der englischen Ostküste. Bei nebligem Wetter und Regen wurden mehrfach mit Erfolg Bomben geworfen. Die Luftschiffe wur⸗ den beschossen, kehrten aber unversehrt zurück. Der stellvertretende Chef des Admiralstabes Behncke ** * WTB.) Großes Hauptquartier, 20. Januar. Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Im Ab⸗ schnitt zwischen Küste und Lus fanden nur Artilleriekämpfe statt. Bei Notre Dame de Lorctte, nordwestlich Arras, wurde dem Feinde ein 200 Meter langer Schützengraben entrissen. Dabei sind 2 Maschinengewehre erbeutet und einige Gefan— gene gemacht worden. In den Argannen nahmen unsere Truppen einige feindliche Schützengräben. An einer Stelle betrug unser Geländegewinn der letzten Tage wieder 500 Me⸗ ter. Im Walde nördlich Sennheim schritt unser Angriff gut fort. Der Hirzstein wurde genommen. Zwei Offiziere und 40 Alpenjäger wurden gefangen genommen. f 5 Oestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage im Osten ist unverändert. Oberste Heeresleitung. ** . Unsere Marineluftschiffe haben befestigte Plätze der englischen Ostküste beschossen! Mit lebhafter Genugtuung lesen wir die zahlreich auch aus englischen Quel⸗ len vorliegenden Berichte, die uns volle Gewähr bieten, daß der neue Angriff auf das Inselreich einen ungetrübten Erfolg für uns bedeutet. Unsere Luftschiffe sind sämtlich unbeschädigt zurückgekehrt. Der Schaden, der in den englischen Städten der Grafschaft Norfolk angerichtet worden ist, wurde sogleich von den geschäftsfindigen Briten mit Geldsummen beziffert; in Narmouth, wo eines der Luftschiffe zehn Minuten verweilt haben soll, soll die englische Einbuße mehrere tausend Pfund betragen. 3 n Vir haben guten Grund, über die englischen Ziffern ganz hinwegzusehen, denn es war uns nicht um Geldeswerte zu tun, die wir dem Feind nehmen wollten. Viel höher schätzen wir den rein militärischen Erfolg ein, der darin besteht, daß bie Welt wieder ein wundervolles Stück deutscher Leistungs⸗ fähigkeit erschaut hat! Wir haben die Zeppelinluftschiffe gebaut und wissen sie auch zu gebrauchen. Schon viermal haben wir jetzt der englischen Küste, trotz der berühmten„un— widerstehlichen“ feindlichen Flotte, wirksame Besuche abge⸗ stattet. Am J. November haben deutsche Schiffe einen An— griff auf Varmouth gemacht, am 16. Dezember sind weiter nordwärts von dem jetzigen Angriffsschauplatz Hartlepool, Scarborough und Whitby beschossen worden, und am 10. Ja⸗ nuar waren deutsche Flieger, die über der englischen Süd— küste erschienen und Bomben herabwarfen, die Vorboten kom mender Ereignisse zur Luft. Wir wissen nicht, warum nicht schon früher unsere Luftschiffe hinüber zu dem Feinde ge— flogen sind. Die Marineverwaltung wird triftigecßründe dafür gehabt haben. Es ist sicher, daß wir unsere Rüstung zur Luft in den Kriegsmonaten bedeutend ergänzt und vervollständigt haben Auch mußten Erfahrungen gesammelt werden, bevor ein Angriff zur Luft wirksam unternommen werden konnte. Augenscheinlich sind wir dem Zeitpunkt nun nahe gekom⸗ men, wo man mehr als bisher von unseren Zeppelinen reden hören wird. Es ist nicht das letzte Mal, daß die Eng⸗ länder das Summen der Zeppelin-Motore über sich ver⸗ nommen haben. Wie im Feldzug zu Lande zuerst die Ka⸗ vallerie Aufklärungsritte zu unternehmen hat, so wird wohl auch ein größeres Kriegsunternehmen zur Luft durch klei— nere Ausfahrten vorbereitet werden, und wir gehen kaum sehl in der Annahme, daß die Ergebnisse und Erfahrungen der neuesten Fahrten an die englische Ostküste jetzt Gegenstand eingehender Beratungen an den maßgebenden deutschen Stellen geworden sind. Auch in England trifft man Vorbereitungen, aber nur zur Abwehr! Darmouth, die schöne Badestadt mit ihren 55000 Einwoh⸗ nern, Cromer, Sheringham, Sandringham(der Landsitz des Königs, der kurz zuvor noch dort geweilt hat), Kings⸗Lynn, sind nacheinander von unseren Schiffen überflogen und be— schossen worden, und sie haben sich nicht viel zu helfen gewußt. In England scheint es an Luftfahrzeugen über— haupt beträchtlich zu mangeln. Verdunkelungen allein tun doch noch nichts gegen die Gefahr. Da imponieren uns eher die 550 Flugzeuge, die der französische Kriegsminister nach einer unverbürgten Meldung aus Genf als Wache über Paris stationiert haben soll. Es ist sonderbar und für uns Deutsche hocherfreulich, daß wir alle Feinde in die Defensive gedrängt haben. Die Engländer rühmten sich, die machtvollste Flotte zu besitzen, während die Franzosen sich viel auf ihre angebliche Ueberlegenheit in der Luft zugute taten Beide Feinde haben die Ueberraschung erlebt, daß das Deutsche Reich weder zu Land, noch zu Wasser, noch zur Luft sich Blößen gegeben hat. Und die„Times“, eine der geschwätzigsten und boshaftestenguferinnen imStreit, beginnt reits, 112 Landsleute auf die Unangreifbarteit des deut⸗ schen Feindes aufmerksam zu machen! London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Gestern abend um 8 Uhr warf ein feindliches Luftschiff über Harmonth fünf Bomben ab. Diese fielen bei dem Exerzierplatz, bei dem Ma⸗ rinedepot und dem Norfolk Square, beim Hause des Majors und im Hotel der Peterroad nieder. Zwei Personen wurden tötet. Der Schaden 4 mehrere tausend Pfund Das Luftschiff warf zwei Bomben auf Sherring⸗ 4 Pam per dem Hause des Manors niedergefallen. Die ham und über Cromer, somwie vier über Kingslynn. Zwei Häuser wurden zerstört und zwei Personen verschüttet. Das Luftschiff erschien bei Sandringham, dem Land⸗ sitz des Königs, von wo das Königspaar vor wenigen Stun⸗ den nach London gefahren war. London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Meldung des Reuterschen Bureaus. Gestern abend erschien ein feindliches Luftschiff über Narmouth, das zehn Minuten über der Stadt blieb und fünf Bomben abwarf. Drei Personen wurden ge⸗ tötet. Mehrere Häuser wurden zerstört, viele Fensterscheiben sind Zersprungen. Zwei der abgeworfenen Bomben sielen am Strande nieder. Das Lustschiff konnte wegen der Dunkelheit nicht gesehen werden, aber die Motore waren deutlich zu hören. Auch waren Flammen in der Luft sichtbar. Das Luftschisf fuhr dann nach Scherin g ha m und warf dort zwei Bomben ab, die keinen Schaden an— richteten. Auch über Cromer wurden Bomben abgeworfen. Um„11 Uhr erschien das Luftschiff über Kings⸗Lynn, wo es vier Bomben abwarf. Hier wurden zwei Häuser zer⸗ stört und ein Haus beschädigt. In einem der Häuser wurde ein junger Mann getötet, während sein Vater unter den Trümmern begraben wurde. Aus dem Geräusch des Motors erkannte man, daß das Luftschiff in östlicher Richtung fuhr. Auch aus Sandringham, dem Landsitz des Königs, wird berichtet, daß das Luftschiff dort erschien. Amsterdam, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.)„Nieuws van den Dag“ melden über London aus Jar mo uth, daß eine Bombe des Luftschiffes neben dem Exe rzier⸗ hause, eine andere neben dem Marinedepor niedergefallen sei. London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ melden aus Yarmouth: Die meisten Ein wo hner waren bei der Ankunft des Luftschiffes in den Häusern. An den öffentlichen Gebäuden wurde wahrscheinlich wenig Schaden angerichtet, dagegen sind viele Häuser in der Peters⸗ road beschädigt worden. Eine Bombe ist in der Nähe der Peterskirche, eine andere auf dem Norsolk Square omben verursachten große Löcher. In She⸗ ringham wurden fünf Bomben geworfen, aber niemand getroffen. In Kings Lynn ist durch sieben Bom bengroßer Schadenentstanden. In London wur⸗ den in der letzten Nacht Hilfsschutzleute einberufen und die Feuerwehr für alle Fälle bereit gehalten. London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der König und die Königin trafen am Montag aus Sandring⸗ ham ein, wenige Stunden bevor ein deutsches Luftschiff über Sandringham erschien. London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der in Har- mouth durch die Bombenwürfe des Luftschiffes angerich— tete Schaden wird amtlich auf mehrere tausend Pfund Sterling geschätzt. Der Schaden an Fensterscheiben beträgt allein 100 Pfund. In Harmouth wurden zwei, in Kings⸗Lynn ebenfalls zwei Personen getötet. London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Für das Gerücht, daß das Luftschiff bei Hunst anton herabge⸗ schossen worden sei, liegt keine Bestätigung vor. Amsterdam, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der „Telegraaf“ meldet: Aus Ymuiden eingetroffene Fisch⸗ dampfer berichten, sie hätten nachts über der Nordsee drei Luftschiffe gesehen. Londoner Maßnahmen für den Fall eines Luftangriffs. London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Polizei erhielt für den Fall eines Luftangriffs folgende In⸗ struktionen: Jeder Schutzmann, der Zeuge einer Bomben— explosion ist, hat sofort das Alarmzeichen zu geben und wenn nötig, die Feuerwehr zu rufen, sowie möglichst rasch die nächste Polizeistation zu verständigen. Wenn jemand verletzt wurde, hat der Schutzmann sofort ärztliche Hilfe herbeizurufen und selbst Beistand zu leisten. Der Komman- dant der Polizeistation muß alle geeigneten Maßregeln treffen und allen umliegenden Polizeistationen sowie der Hauptstation Meldung machen. Der Kommandant der Hauptstation telephoniert an das Zentralamt, das seiner— seits die Admiralität und das Kriegsamt verständigt sowie für weiteste Verbreitung des Alarms sorgt. Im Alarm- falle werden Repetierpistolen an die Schutzleute verteilt. London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Nachts wer— den Hilfsschutzleute und Feuerwehr bereit gehalten. Deutsche Pressestimmen. Berlin, 21. Jan. Zu dem ersten deutschen Luftangriff egen England schreibt die„Post“: Wann unsere Luftschiffe 5 einen Besuch abstatten würden, war lediglich eine Frage der Zeit. Daß es eines Tages geschehen würde, hat man im ganzen deutschen Volke erwartet. In der„Deutschen Tageszeitung“ heißt es: Die⸗ ser Anfang deutscher Luftangriffe gegen Großbritanniens Inseln muß mit aller Genugtuung begrüßt werden. Wir hoffen zuver⸗ sichtlich, annehmen zu dürfen, daß diese Unternehmungen an⸗ dauernd und energisch fortgesetzt werden. Mit dem Erfolg dieser ersten Unternehmung kann man umsomehr zufrie⸗ den sein, als Nebel und Regen die Bedingungen für den Erfolg sehr ungünstig machten. Wir erblicken in der ersten England⸗ reise der Luftschiffe einen Anfang und zwar einen erfreulichen und vielversprechenden. as„Berliner Tageblatt“ führt aus: Alle an der Fahrt beteiligten Fahrzeuge sind, obwohl durch die Engländer heftig beschossen, unversehrt in ihren Heimatshafen zurückgekehrt. Damit gestaltet sich die kühne Expedition zu einem vollen und ungetrübten Erfolge. Eins steht schon jetzt fest: Daß die Nord⸗ englische Furcht por den deutschen Angriffen aus der Luft sehr wohl begründet ist. In der„Berliner Morgenpost“ liest man: Deutsche Luftschiffe sind über der englischen Küste erschienen und haben englische Städte beschossen. Was hilft den Briten die See, die ihre Insel von allen Seiten umgibt, was nützen die Kriegs⸗ schiffe, die ihnen die Küste beschützen sollen, wenn die deutschen Luftschiffe in kühnem Fluge die trennende Wasserfläche über⸗ fliegen und plötzlich ihre Bomben herabwerfen! Die englische Angst vor einer deutschen Invasion wird eine starke Steigerung erfahren. Deutsche Tatkraft und deutscher Unternehmungsgeist haben auch die Angeschlossenheit des britischen Inselreiches er⸗ folgreich zu überwinden gewußt. Den kühnen Luftschiffern aber, die diesen erfolgreichen Flug ausgeführt haben, rufen wir ein donnerndes Hurra zu. Im„Berliner Tageblatt“ heißt es weiter: Außer den be⸗ reits bekannten Städten wurden die Zeppeline auch über Ips⸗ wich und bis ganz herunter nach Grevenens am Eingang der Themse gesichtet *** Der zunehmende Druck auf die französische Front. Berlin, 21. Jan. Die Londoner„Times“ räumen ein, daß der Druck der Deutschen auf die französische Front zunehme. England müsse der Gefahr ins Auge schauen. Der Feind behaupte seine Stellungen so fest wie jemals zuvor. Ferner bedauern die „Times“, daß den Behauptungen über einen englischen Erfolg bei La Bassce nicht früher widersprochen worden sei. Die„„Deutsche Tageszeitung“ meint dazu: Dies Bedauern ist sehr verständlich, denn die englische Kriegsberichterstattung hat sich dadurch, daß sie es fertig brachte, täglich mit allen möglichen farbigen Einzelheiten über den heroischen und erfolgreichen Sturm⸗ angriff zu berichten, der in Wirklichkeit nie stattgefunden hat, in der ganzen Welt um ein Beträchtliches ihres früheren Ansehens gebracht. Die Folgen der Schlacht bei Soissons⸗ London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Times“ melden aus Paris unter dem 18. Januar: Der Feind ver⸗ suchte nicht bei Spissons über die Ais ne vorzugehen, machte aber einen krästigen Angriff auf das westlich davon gelegene Autreches und auf Troy on. Das berechtigt zu dem Schluß, daß der Erfolg bei Soissons für die Deut⸗ schen keinen Wert hat, wenn sie nicht auch in den benach⸗ barten Teilen der Front entsprechend Gebiet gewinnen. Die Deutschen bemühen sich ofsenbar, den Keil, den sie in die feindliche Linie getrieben haben, auszuweiten, um dann ohne Gefahr für ihren Flügel eine Forcierung des Flusses zu versuchen. 5 Die türkischen Blätter über die deutschen Erfolge. Konstantinopel, 20. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Die türkischen Blätter schätzen den deutschen Sieg bei Sois⸗ sons sehr hoch ein. In Betrachtungen über die allgemeine Kriegslage, im besonderen über die Teilnahme der Türkei am Kriege, stellen die Blätter fest, daß der Sieg bis jetzt auf Seite der Verbündeten: Deutschland, Oesterreich-Ungarn und der Türkei, gewesen sei; sie drücken die Ueberzeugung aus, daß es auch in Zukunft so sein werde.„Tanin“ betont, daß die türkische Armee, obgleich sie im Kautasus noch keine endgültigen Siege davontrug, dennoch bewirkte, daß die Rus⸗ sen Teile ihrer Truppen aus Polen nach dem Kaukasus schaf⸗ fen mußten, was der Entscheidung sehr zu statten komme. Wir sind sicher, sagt der„Tanin“, daß wir diesem e wigen Feind den Schlag versetzen werden, den er von unserer Seite verdient. Es ist die größte Ehre für das heilige Os⸗ manentum, unseren Verbündeten die Vernichtung des Fein⸗ des zu erleichtern. Der Prinz von Wales in Belfort. Belfort, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Prinz von Wales ist am Freitag inkognito in Belfort eingetroffen. Er besichtigte die militärischen Anlagen und die hauptsächlichsten Bau⸗ werke und begab sich dann zur Front in Ober-Elsaß. * 18* Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 20. Jan. 1915. Die allgemeine Lage ist unverändert. An der Front in Polen fanden, abgesehen von Patrouillengefechten, nur Artilleriekämpfe statt. Am Dunajec beschoß unsere Artillerie mit Erfolg Abschnitte der feindlichen Infanterielinien und erzwang dle Räumung eines stark besetzten Meierhofes. Eine eigene Ab⸗ teilung drang bis an den Fluß vor, brachte dem Gegnen mehrere hundert Mann Verluste bei und zerstärte noch die vom Feinde eingebaute Kriegsbrücke über den Dunafec. In den Karpathen nur unbedeutende Gefechte. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmasschalleutnant. Der österreichische Thronfolger in Berlin. Berlin, 21. Jan. Der österreichische Thronfol⸗ ger begibt sich heute nach seiner Antunft auf dem Anhalter Bahn⸗ hof zu dem österreichischen Botschafter und dann in das Schloß Bellevue, um von der Kaiserin empfangen zu werden. Um ein Uhr reist er in das deutsche Hauptquartier ab. Der Besuch des Barons Burian. Wien, 20. Jan.(WTB Nichtamtlich.)„Neuen Freien Presse“ zufolge reist der Minister des Aeußern, Baron Burian, am Freitag nach Berlin zum Besuche des Reichskanzlers und des Staatssekretärs v. Jagow kab. Die Getreidevorräte in Oesterreich. Wien, 20. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Wie das„Fremden⸗ 8 Der see für die deutschen Luftschiffe kein Hindernis ist und daß die blatt“ erfährt, hat die gestern abgehaltene Ministerkonferenz die kate beschlossen. als sich die Notwendigkeit hierzu ergeben sollte. Mitteilungen, die über die in Oesterreich noch verfügbaren Ge⸗ treidevorräte erfolgt sind, lassen die Behauptung zu, daß der Stand der Vorräte als überaus befriedigend anzusehen ist und daß eine eventuelle Requisition ganz erhebliche Resultate erzielen würde. In der Sitzung wurde auch eine Verordnung betreffend die neuen Back vorschriften besprochen. Allerseits wurde die feste Entschlossenheit ausgedrückt, die zur Sicherheit der — notwendigen Maßnahmen mit vollster Energie zu treffen. 1 Die Kämpfe in Westgalizien. Berlin, 20. Jan.(Priv.⸗Tel.) Die„B. Z.“ meldet aus Westgalizien über die Kämpfe bei Zaklizeyn noch folgendes: Die Russen hielten die dortigen Stellungen für einen der Haupt- stützvunkte an der ganzen Front und griffen sie deshalb uner⸗ müdlich immer wieder an. Besonders war es ihnen um eine Höhe zu tun. zu deren Eroberung ein Waldraum durchschritten werden mußte. Unsere Truppen erhielten Kenntnis davon, daß nach den K mehrtägigen vergeblichen Angriffen zu einer bestimmten Nacht— stunde ein entscheidender Sturm dreier russischer Regimenter er- 8 folgen sollte. Der Artilleriekommandant ließ nun die ganze ver⸗ flügbare Artillerie sich auf den Waldraum einschießen und er⸗ p5ffnete auf diesen ein derartig vernichtendes Feuer, daß die rus⸗ 5 sischen Regimenter fast völlig aufgerieben wur⸗ den. Allein von einem Bataillon fielen vier Kompagnieführer. Milderung der österreichischen Zensur? 8 Wien, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Den Blättern zufolge erschien gestern der Präsident des Abgeordneten— phauses, Sylvester, mit den zwei Vizepräsidenten bei dem Ministerpräsidenten Grafen Stürgkh, um über eine Mil- derung der Zensur zu verhandeln. 140 Gefangene aus Rußland entwichen? Basel, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Nach einer hier zoxliegenden Blättermeldung aus Krasnajarek in Sibirien sollen aus dem dortigen Gefangenenlager 140 deutsche, öster⸗ reichische und ungarische Gefangene entwichen sein. Sie hätten die Wachposten getötet und wären auch im Besitze von Waffen. ** * 4 Sondersteuern für belgische Flüchtlinge. 5 Brüssel, 20. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Seit Ausbruch des Krieges waren etwa eine halbe Million Belgier ins Ausland geflüchtet. Die wohlhabenden unter ihnen sind bisher nicht zurück⸗ gekehrt. Sie haben sich so nicht nur einer Reihe von Verpflichtungen entzogen, welche ihren Mitbürgern im Laufe des Krieges erwachsen sind, sondern sie schädigen auch die Interessen ihres Vaterlandes erheblich. Einige belgische Stadtverwaltungen gingen daher mit der Absicht um, die Abwesenden mit einer Sondersteuer zu be⸗ legen. Diesen gesunden Gedanken aufgreifend, hat der General⸗ gouverneur diese Besteuerung seinerseits in die Hand genommen und einheitlich für das ganze okkupierte Zebiet geregelt. Laut Verordnung vom 16. Januar werden alle HGBelgier, welche nach Kriegsausbruch freiwillig ihren Wohnsitz aufgaben und bis zum 1. März 1915 nicht zurückkehren, zu einer Sondersteuer in Höhe des Zehnfachen der für 1914 veranlagten Personalsteuer herangezogen. Um nur die Wohlhabenden zu treffen, ist eine nach der Bevölkerungszahl der Gemeinden abgestufte Mindeststeuergrenze festgesetzt worden. Der Ertrag fällt zur Hälfte den Gemeinden und zur Hälfte dem Generalgouvernement zu für A3Zbwescke der Verwaltung. Es ist zu hoffen, daß die Verordnung dem Lande eine Anzahl steuerkrästiger Bürger zurückführen oder Mittel schaffen wird, um eine weitere Belastung möglichst entbehr⸗ lich zu machen. Brief eines Deutschen an seinen Sohn. Berlin, 19. Jan.(Nichtamtlich.) Aus dem Großen ae uartier erfahren wir: Hier ist folgender Brief N t geworden, den ein Vater an seinen im Großen Hauptquartier als Kraftwagenführer verwendeten Sohn ge⸗ schrieben hat: 5 f Klein⸗Strelitz, den 11. Januar 1915. Mein lieber Sohn! Deinen letzten Brief haben wir erhalten und uns gefreut, daß es Dir gut geht. Warum schreibst Du uns denn nichts vom Schlachtselde in keinem Brief? Kommst Du denn nicht in Feuer⸗ stellung bei Deinem Kommando? Wieso bist Du denn mit Teinem Regiment nicht ausgerückt zum Kampf gegen den Feind? Ware das nicht viel schöner für Dich gewesen, Dich durch eino mutige Tat 8 was Tu bei dem Kommando wohl nicht kannst. Sie Dein Bruder August freiwillig zum Patrolien⸗ gang gemeldet traf ihn die Feindeskugel gleich tödlich so leid es mir um ihn tut stolz bin ich aber daß er als braver Held Len n fürs Vaterland gelassen hat bei einer mutigen Tat. in Bruder Franz liegt auch im Lazarett und wird wohl nicht mehr mitmachen können. Ich denke noch an Eure Dienst⸗ zeit wo ich stolz war daß Ihr alle drei zu Gefreiten ernannt worden seit noch größer wäre mein Stolz wenn Ihr Euch alle vor dem Feinde durch eine kühne Tat ausgezeichnet hättet. Ich würde wenn ich auf die Beine wegtönnte noch gerne mitmachen mir gehen so die ganzen Gefechte von 1870/71 im Gedächtniß durch. Lieber Sohn dann erfülle Du die Pflicht voll und ganz für Kaiser und Reich und wenn es Dein Leben kostet. Ich bin aber stolz sagen zu können, drei Söhne habe ich mir erzogen, e drei habe ich dem Kaiser gegeben zur Verteidigung des erlandes und alle drei haben ihre Pflicht getan als tapfere Soldaten. Also bitte lieber Sohn schreibe uns ob Du immer bei dem Komando bleibst oder zu Deinem Regiment zurück⸗ gehst und beschreibe uns auch alles was Ihr da macht. Aus 5 Nlein-Strelib sind schon sechs Mann gefallen und acht ver⸗ wundet. Anna war uns zu Weihnachten auch besuchen. Mutter kann ich garnicht beruhigen sie lann⸗ nicht darüber weg das August so jung sterben mußte. So behüte Dich Gott. Viele . aus der Heimat senden Dir Dein Vater und Deine Mutter.“ Kraftwagenführer Jaschko hat sich daraufhin zur Front gemeldet; seinem Ersuchen wird selbstverständlich echnung getragen. Der Brief legt ein herrliches Zeugnis für den Geist im Volke ab und mag allen unsern Feinden, 4 8 etwa von deutscher Kriegsmüdigkeit faseln, zu denken geben. 43 Das französische Unterseeboot Saphir. Paris, 20. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Amtlich. Das fran⸗ zösische Unterseebogt„Saphir“, das am Vormittag des 15. Januar eine Beobachtungsstellung am Ausgang der Dardanellen eingenom⸗ men hatte, ist seitdem nicht zur französischen Flotte zu rück⸗ gekehrt. Tie ausländische Presse meldet, daß es versenkt wor⸗ den sei. Tuürkische Boote hätten einen Teil der Besatzung auf⸗ genommen. Die Zahl der beschlagnahmten oder zurückgehaltenen 5 Schiffe. g London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Jahres⸗ bericht der Londoner Versicherer gibt die Zahl der beschlag⸗ nahmten oder in Häfen zurückgehaltenen deutschen Schiffe mit 445 und den NR mit 1 004 826 Tonnen an. 506 deutsche und 50 öster⸗ reichische Schiffe suchten in neutralen Häfen Zu⸗ flucht. Bei Kriegsausbruch wurden 79 britische Schiffe mit 172988 Tonnen, die damals in deutschen Häfen sich befanden, aufgehalten, 45 britische Schiffe von langer Fahrt mit 200856 Tonnen— die Fischdampfer 2 r 2* f ̃ Ä ̃—. N erer N A 1 N e Reauisition der in Oesterreich befindlichen Getreide vor- 3* London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Admi⸗ ralität beschloß, eine Anzahl beschlagnahmter deut⸗ scher Kohlendampfer auf eigene Rechnung fahren zu lassen und zwar zunächst die Dampfer Henry Fürst und Albert Clement. Zwei englische Dampfer gestrandet. London, 20. Jan.(WTB. Nichtamtl) Die Dampfer Penar und George Royale sind in Sheringham in Norfolk gestrandet. 42 Personen sind umgekommen. Portugal im Aufruhr. Wien, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das„Wiener Tagblatt“ hat von zuverlässiger Seite folgende Nachrich⸗ herrschte in allen Kasernen Portugals heller Aufruhr, der sich auch auf die Straßen fortpflanzte, als weitere Truppenteile nach den afrikanischen Kolo⸗ nien verschickt werden sollten. Tatsächlich hatten die Trup⸗ pen niemals die Bestimmung, nach Aegypten zu gehen, wie das Volk befürchtete, sondern sie sollten nach den Kolonien gebracht werden. Die Volksmenge verhinderte die Einschiffung der Truppen, während auch die Offiziere sich anscheinend nicht die geringste Mühe gaben, den Wider- willen der Mannschaften gegen den Krieg zu bekämpfen. Trotz aller Energie vermochte die Regierung kaum weitere 7000 Mann frischer Truppen aufzubringen, da der größte Teil der Wehrfähigen das Land fluchtartig verließ.— In den portugiesischen Gewässern gebärdet sich die englische Flotte seit längerer Zeit als unumschränkte Herrin. Dem Ministerium Coutinho scheint keine lange Dauer beschie— den zu sein. Infolge der geringen Einfuhr- und Ausfuhr⸗ möglichkeiten sind die wirtschaftlichen Verhältnisse des Landes die denkbar traurigsten. ———— Aus dem Reiche. „ Berlin, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Wie wir erfahren, ist die falsche Blättermeldung vom Tode eines Sohnes des Ge— neralstabschefs von Falkenhayn auf eine Verwechslung mit dem Fliegerhauptmann Vogel von Falkenstein zurück⸗ zuführen, der gefallen ist. Die Flieger Hauptmann und Leutnant von Falkenhayn sind dagegen wohlbehalten. Berlin, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Wie wir hören. haben die durch besondere Verordnung nachträglich zugelassenen Zeichnungen von Angehörigen des Feldheeres auf die Kriegs- anleihe den Betrag von rund 20 Millionen Mark ergeben, so daß die Gesamtsumme der Einzelzeichnung auf nahezu 4481 Mil⸗ lionen gestiegen ist. Die Zahl der Einzelzeichnungen beträgt 8891. Die nachträgliche Zeichnungserlaubnis bezweckte nicht, das Ergebnis zu erhöhen, sondern ausschließlich die Wahrung der In⸗ teressen der Angehörigen des Feldheeres. Der Höchstbetrag der Zeichnung für einen einzelnen Zeichner war auf 10 000 Mark be⸗ schränkt. Berücksichtigt man dies, sowie den Umstand, daß viele Feldzugsteilnehmer schon bei der Hauptzeichnung sich beteiligen konnten, so darf das erreichte Resultat der Sonderzeichnungen als sehr erfreulich bezeichnet werden. Berlin, 20. Jan. WB. Nichtamtlich.) Der Reichs⸗ kanzler ist zu kurzem Aufenthalt in Berlin eingetroffen. Berlin, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Es werden gegen⸗ wärtig in großen Massen Postkarten mit dem Kaiserbildnis und vorgedrucktem Glückwunschtext vertrieben, die dem Kaiser am 27. Januar durch die Feldpost mit Namensunterschrift zu⸗ gesandt werden sollen. Die Firma, die diesen Verkauf betreibt, gibt an, den Reinertrag dem Roten Kreuz zufließen lassen zu wollen. Die Bevölkerung wird dringend gewarnt, auf den wohl gut gemeinten Plan einzugehen, der aber im Widerspruch steht mit dem kaiserlichen Erlaß vom 15. Januar, in dem der Kaiser bat, von Glückwünschen abzusehen, die zu Störun⸗ gendes postalischen Dienstverkehrs im Felde führen können. Wer anläßlich des Geburtstages des Kaisers dem Roten Kreuz Zuwendungen zu machen wünscht, tue es unmittelbar. Der mit dem Postkartenvertrieb eingeschlagene Weg ist durchaus zu verwerfen. München, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Heute vormittag 11 Uhr fand in Gegenwart des Königs paarxes, der Mitglie⸗ der des königlichen Hauses, der Hohenzollernschen Familie und deren Gefolge durch den Minister des königlichen Hauses und des Aeußern, Grafen Hertling, im Beisein des Reichsherolds v. Donle der standesamtliche Akt der Eheschließung des Fürsten von Hohenzollern mit der Prinzessin Adelgunde von Bayern in den Reichen Zimmern der Residenz statt. König Ludwig und Prinz Karl von Hohenzollern fungierten als Trauzeugen. Hannover 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das Weiter⸗ erscheinen des„Volksfreundes“(sozialdemokratisches Or⸗ gan für das Herzogtum Braunschweig) bat der kommandierende General des X. Armeekorps bis auf weiteres verboten, weil die Zeitung trotz wiederholter Verwarnung verhetzende, den inneren Frieden störende Ausführungen gebracht hat. Hildesheim, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der Vor⸗ stand der hiesigen Handelskammer hat beschlossen, ab Ostern die türkische Sprache als Unterrichtsfach aufzunehmen. ———— Aus Stadt und Cand. Gießen, 21. Januar 1915. Die deutsche Mode. h. Frankfurt a. M., 20. Jan. Zur Schaffung einer vom Ausland völlig unabhängigen deutschen Mode sind schon mancherlei Schritte unternommen worden; aber immer wieder .. die Versuche an der Vorliebe der deutschen Frauen und änner für fremdländischen Tand und der sklavischen Nachäffung Pariser und Londoner Modetorheiten. Erfreulicherweise scheint jetzt der Krieg auch auf diesem Gebiete reinigend und läuternd wirken zu sollen. 5 Ein guter vielversprechender Ansatz zur Befreiung des deut⸗ schen Schneidergewerbes vom Ausland wurde heute in einer hier abgehaltenen aus ganz Deutschland starkbefuchten Versammlung acht. Auf der Tagung, die in der Loge Karl unter dem Vor⸗ itz von Schambeck(München) ihre Beratungen begann, waren u, a. vertreten der Verband der Tuchhändler, der band der Großhändler für Schneiderartikel, der Verein deutscher Tuchsabri⸗ kanten, Sitz Prag, der Bund deutscher Schneiderinnungen und der Verein deutsche Mode. In seinem einleitenden Vortrag führte Herr Schambeck aus, daß es gegenwärtig gelte, die Richtlinien und Aufgaben einer deutsch⸗ nationalen Mode festzulegen. Jedes Kleidungs⸗ stück eines deutschen Mannes oder einer deutschen Frau müsse deutschen Ursprungs sein, nicht der kleinste Knopf entstamme dem Ausland. Den Tuchfabrikanten erwachse dadurch eine schöne Auf⸗ gabe, daß sie nicht mehr blindlings den Engländern die Muster nachwebten, sondern bestrebt sein sollten, Neues, echt Deutsches zu schaffen. An den deutschen Schneidern liege es dann, das hervor⸗ ragende deutsche Material so zu verwerten, daß eine Mode von S Jönbest und vollendetster Eleganz geschaffen werde. Alljährlich soll zweimal eine Ausstellung in Herrenkleider mo⸗ dellen stattfinden, für die ein besonderer Ausschuß erster Schnei⸗ der und Künstler die Modelle auszuwählen hat.— leber„Her⸗ renmode und Stoffarten sprach Tuchfabrikant Mü h⸗ lenmeister Aachen). Seine Ausführungen gipfelten darin, daß das deutsche Tuch gegenwärtig nicht als deutsch-typisch gelten könne. Englands Cheviote seien bis heute unerreicht. Jetzt aber bestehe Hoffnung, daß Deutschland auch in diesem Artikel führend werde. Verbandssyndikus Müller(Berlin) forderte in scharser Weise die Beseitigung aller Fremdwörter aus dem Modegebrauch und die Schaffung von Qualitätsarbeiten. Unter lebhaftem Beifall — nicht eingerechnet— either von deutschen Kriegsschiffen weggenommen.„—— sprach der Vorsitzende des Bundes deutscher Schneiderinnungen, Liebrecht(Magdeburg), für ein geschlossenes einnütiges Vor- ten aus Lissabon erhalten. Vom 20. bis zum 31. Dez. Pn onteressenten Schließlich wurde ein Aus die 0 11 gewählt, ine die Richtlinien für die neue Mode vorlegen soll. deutsch werden. Das beweist die gegenwärtig hier stattfindende Modellhutausstellung. 9 Stoff, die Ausführung. Und es ist alles recht gut, geschmackvoll und viel, viel billiger als die Pariser und Londoner Hütte. Hoffent⸗ lich bleibts so immerdar. 5 * Die Bevölkerungsbewegung in den hessisschen Städten. Zu unserer in Nr. 15 des„Gieß. Anz.“ über diesen Gegenstand veröffentlichten Notiz wird uns aus Darmstadt geschrieben: Die Tabelle, unter der das Ministerium des Innern die alljährliche Bevölkerungs⸗ bewegung in den größeren hessischen Städten in der „Darmst. Itg.“ bekanntgibt, leidet schon seit einer Reihe von Jahren an einer Unklarheit, indem dafür der gleiche Vordruck genommen wird wie bei den Berichten über die wöchentlichen Bevölkerungsberichte. So steht über der Rubrik der im ganzen Berichtsjahre Geborenen „Lebendgeborene der der Berichtswoche vorausgegangenen Woche“. Auch die in dem Jahresbericht angegebenen Ster b⸗ lichkeitsziffern sind nichtalle richtig. Für Offen⸗ bach ergibt sich bei richtiger Rechnung nämlich statt 9,5 aufs Jahr und das Tausend der Bevölkerung 10,5 und für Worms statt 6,6 15,2. * Reservelazarett Wind hof. Seit dem 11. d. M. ist der Windhof als Reservelazarett für Leicht⸗ verwundete eingerichtet worden. Der früher so besuchte Gießener Ausflugsort, der vor zwei Jahren in den Besitz des Grafen von Schlitz gen. von Görtz übergegangen ist, ist von dem Grafen der Militärverwaltung zur Verfü⸗ ung gestellt worden und eignet sich mit seinen luftigen Räumen ganz besonders zum Lazarett. Es können bis zu 150 Verwundete dort untergebracht werden. Die oberen Räume sind als Schlafsäle, Verbands- und Arztzimmer ein⸗ gerichtet worden, während sich unten die Tagesräume, Speisezimmer, Geschäftsräume, die Zimmer des Lazarett⸗ inspektors und des Polizeiunteroffiziers befinden. Dem Opfersinn der Gießener Bürgerschaft, der sich an den anderen Lazaretten schon in so reichem Maße bewährt hat, bietet sich hier ein neues dankbares Feld. * Ehrenzeugnisse für die 222er. Die Ge⸗ rüchte, die vor einiger Zeit unsere Stadt beunruhigt haben, sind natürlich auch an die Führer des Reserve-Regiments Nr. 222 gekommen und haben bei diesen lebhafte Ent⸗ rüstung erregt. Wir können es uns nicht versagen, einige Aeußerungen der Offiziere unseres Reserve-Regiments hier wiederzugeben. 1 »Ich versichere Sie!— so schreibt einer derselben—,„daß das Regiment Nr. 222 marschiert und gekämpft und all die un⸗ sägliche Mühsal der letzten Wochen geleistet hat, wie es kein anderes Regiment besser machen kann“. „Und was den Mut und das Draufgehen betrifft, so habe ich es miterlebt, mit welcher Begeisterung und Todesverachtung unsere Leute auf die Russen losgegangen sind, ungeachtet des Geschütz⸗ und Maschinengewehrfeuers, und überall die Russen glatt geworfen haben. Der Anblick unserer stürmenden Leute ist herzerhebend und überwältigend.“ „Und weiter. Es ist das Zeichen einer Kerntruppe, wenn sie wochen: und monatelang ohne Ruhe und Rast kämpft und marschiert, die Nächte draußen liegt im November und Dezember und friert, wochenlang niemals in der Lage ist, ausgezogen zu ruhen, in den dürstigsten Hütten und Scheunen bei Nacht unter- kommt, und alle diese Drangsale und Strapazen mit Humor er- trägt, ohne zu wanken und zu weichen.“ 3 Die kräftigen Ausdrücke, mit denen sich diese Briefe über die ihnen zugekommenen Gerüchte aussprechen, über⸗ ehen wir, so gesund es auch manchem wäre, sie zu hören. Jedenfalls aber haben die Eltern und Freunde unserer nun schon schlachtgewohnten jungen Truppen allen Grund, auf diese wahrhaft glänzenden Zeugnisse stolz zu sein. Kommt einst der Friede ins Land, so sollen sie als Helden von uns empfangen werden! Das Gewicht der Brötchen in Gießen dürfte jetzt in der teueren Zeit allgemein interessieren. Von einer „statistischen Erhebung“, die ein über die nötige freie Zeit verfügender Mitbürger vorgenommen hat, wird uns das Folgende berichtet: Gestern nachmittag wurden durch Boten bei 40 Bäckern in unserer Stadt je 2 Brötchen gekauft und sorgfältig gewogen. Tatsache heraus, daß das Brötchengewicht zwischen 55 bis 37½ Gramm schwankt. Es ist dies ein Gewichts⸗ unterschied von rund 30 Proz. Das schwerste Brötchen liefert ein Bäcker im Mittelpunkt der Altstadt, dann kommt das Konsumvereins-Brötchen mit 52½ Gramm, es folgen dann einige Bäcker mit 49⸗Gramm-⸗Brötchen, und dann stuft sich bei der Mehrheit der Bäcker das Brötchengewicht bis zu 37½ Gramm ab. Die Bäcker⸗Innung würde gut tun, hier einmal zu bestimmen, wie schwer ein Normalbrötchen bei der teuern Zeit eigentlich wiegen soll, damit der Konsument für gleiches Geld auch überall gleich große Ware erhält. * Gießener Volksbad. Im abgelaufenen Viertel⸗ jahr wurden in der Anstalt im ganzen 23317 Bäder gegen 31436 Bäder im gleichen Zeitraum des Vorjahres, mithin 8119 Bäder weniger, abgegeben. Die Bäder verteilen sich auf: Schwimmbäder 9482(15697), Volksbäder à 10 Pfg. 2972 (3134), Wannenbäder 1. Kl. 716(997), 2. Kl. 3005(3751), 3. Kl. 1124(219), Brausebäder 5812(7051), Dampfbäder 206(587). Die Personenwage wurde benutzt 379 mal(400). Den größten Ausfall haben danach die Schwimmbäder auf zuweisen. 193 * Vom Regen in die Traufe. Beinahe 40 Jahre hat, so erzählt uns ein Mitarbeiter, ein verheirateter Kauf⸗ mann in einer hessischen Stadt seinen Wohnsitz inne. Er ist Reisender in der Modewarenbranche und selten, höchsteus während der Feiertage, zu Hause. Der Mann ist noch nie jemand lästig gefallen, er hat pünktlich seine Steuern be⸗ zahlt und lebte mit seinen Mitmenschen in Frieden. Da brach der Krieg aus, die bösen Engländer sperrten in England unsere deutschen Landsleute in die berüchtigten Lager ein, und da der Sohn des Kaufmanns, der einen echt deutschen Namen führt, in England sein Brot erwirbt, so wurde derselbe auch mit eingesperrt. Als der Vater von dieser Tatsache Kunde erhielt, da fiel ihm ein, daß die Internierung seines Sohnes in England zu Unrecht geschehen sei, weil er, der Vater, obgleich er ca. 40 Jahre in Deutschland weilt, doch noch Rußland, wo er von russi⸗ schen Eltern geboren ist, sein Vaterland nennt. Der Kauf⸗ mann begab sich auf das Polizeiamt und bat um einen amtlichen Ausweis, daß sein in England weilender, im Groß⸗ herzogtum Hessen geborener Sohn auf Grund der Natto⸗ nalität seines Vaters russischer Untertan sei. Die Polizei erklärte aber, daß sie eine Legitimation für einen in England wohnenden Russen nicht gut ausstellen kann, da müsse dieser sich an eine russische Behörde wenden. Dom Gesuchsteller aber wurde bedeutet, daß er als feindlicher Ausländer, der er nach seiner eigenen Angabe ja sei, Auch auf dem Gebiete der Damen hutmode will man Alles ist hier deutsch; der Entwurf, der Es stellte sich dabei die überraschende J 5 143,8„„ Knüppel] 35„ Erlen 1 2,9„* inbuchen„ 10 1 Fichten 27 33„Eichen„ 105„ Buchen-Stock n lm. 548„Buchen ⸗Reisig, 4,2„ Fichten„ 96„ Hainbuchen Zusammenkunft ist vormittags 9¼ Uhr bei Holz N unge zu unterlassen und sich allen Beschränkungen in C wundete und 40 Obdachlose, darunter 12 Kinder, mit nach Rom. glich auf 1 zu melden, vor hefrau na Reisetätigkeit im Deutschen Reiche ter 5„die für die Angehörigen der uns feindlichen Staaten erlassen seien, zu fügen e. Man hatte in dem Städtchen längst vergessen, daß der Mann Russe ist. Hätte er sich nicht selbst als solcher denunziert, wäre er sicher unbehelligt geblieben. Verkauf von aus rangierten Militärpferden. Samstag, den 23. d. Mts., vormittags 10 Uhr, findet in der neuen Dragoner-Kaserne Mainz-Mombach eine Versteigerung von 25 bis 30 Stück ausrangierten Militärpferden, darunter einige tragende Stuten, statt. Zur Versteigerung werden nur Landwirte zugelassen, die sich verpflichten, die Pferde in ihrem Betriebe zu verwenden und sie wäß rend der Krieaszeit nicht zu verkaufen. Die Versteigerung ersolat gegen Barzahlung. 2 Starkenburg und Rheinhessen. m. Neu⸗Jsenburg, 20. Jan. Unter dem Viehbestand der Witwe R. in Neu⸗Isenburg war die NMaul⸗ und Klauen seuche ausgebrochen und dann amtlicherseits die Sperre verhängt worden. Von dem Kreistierarzt Dr. Martin wurde die Frau auf die bei der Seuche zu beobachtenden Vorschriften aufmerksam ge⸗ macht und besonders darauf, daß die Milch die ser Kü he nur un abgekochtem Zustande abgegeben werden darf, um einer Austeckung vorzubeugen. Einmal nun hatte die Frau nach ihren eigenen Angaben es unterlassen, die Milch in gekochtem Zustande abzugeben, weil sie der Ansicht war, daß keine Gefahr mehr be⸗ stehe, da sie die Ställe desinfiziert habe. Die Milch verkaufte die Frau zu dem billigeren Preise von 20 Pfg. pro Liter an eine hiesige Konditorei mit Kaffeebetrieb, deren Inhaberin aber nicht gewußt hatte, daß die Kühe der Milchhändlerin von der Seuche befallen sind. Die Folgen des Genusses dieser infizierten Milch blieben nicht aus, denn alsbald waren die ganzen Haus- bewohner, die von der Milch genossen hatten, erkrankt, die Erwachsenen sowie die Kinder wiesen an den Armen Ausschläge auf, die nach dem ärztlichen Befund von der Maul und Klauenseuche herrühren mußten. Das Offenbacher Schöffen⸗ gericht hat sich bereits mit dieser Angelegenheit beschäftigt, setzte aber zur weiteren Untersuchung das Urteil noch aus, nachdem der Amtsanwalt eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen beantragt hatte. —— Großfeuer in Chemnitz. Dresden, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Gestern abend kurz nach? Uhr brach in dem Lackierteil des amtlichen Wagen werkstattgebäudes des Werkstättenbahnhofes der Staatseisenbahn hem nitz Feuer aus. Von dem Wachtdienst, der von Schluß der Arbeitszeit ab ordnungsmäßig ausgeübt worden war, sowie von der benachbarten Stellerei aus wurde der Brand alsbald be⸗ merkt. Die Benachrichtigung erfolgte ohne Verzug. Obwohl mehrere Feuerwehren, insbesondere die städtische Feuerwehr, in kürzester Zeit mit einem großen Aufgebot an Ort und Stelle anlangten und die Bekämpfung des Brandes tatkräftig aufnahmen, erreichte das Feuer rasch einen großen Umfang. Es gelang aber, unter Beteili⸗ gung einer Militärabteilung, den Brand auf das genannte Gebäude zu beschränken und sogar einen Teil davon zu erhalten. Das Ret⸗ tungswerk wurde durch die herrschende Windstille begünstigt. Gegen 10 Uhr war der Verbreitung des Feuers Einhalt getan. Verluste an Menschenleben sind erfreulicherweise nicht zu bekla⸗ gen. Der entstandene Sachschaden ist indessen erheblich. Die Ursache des Brandes konnte noch nicht aufgeklärt werden. Die Weiterbeschäftigung der in den zerstörten Werkstätten tätig ge⸗ wesenen Arbeiter ist sichergestellt. —————— Der Hönig von Italien und das Erdbeben. Avezzan o, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich) Trotz Schnee gestöbers machte der König heute eine Ru ndfahrt durch die von dem Erdbeben betroffenen Gebirgsorte, um sich von der Wirk- samkeit der Hilsstätigkeit 1 überzeugen. Am Nachmittag kehrte der König von hier nach Rom zurück. Der Hoszug nahm 40 Ver⸗ allen Di 5 aber seine ——— Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Die Einquartierungsgelder. Viele Hausfrauen möchten einmal anfragen, wann denn das Geld fürdie Einquartierung vom Monat Dezember aus⸗ bezahlt wird. Bei den hohen Lebensmittelpreisen ist man froh, wenn man sein Geld jeden Monat bekommt. a Mehrere Hausfrauen. Einem anderen Eingesandt zum gleichen Gegenstand entnehmen wir:„Ich habe 6 Leute seit 30. Oktober und habe kurz vor Weih⸗ nachten das Geld für November bekommen. Jetzt sind also nahe⸗ zu 2 Monate rückständig, und ich bin nicht so gestellt, daß ich dauernd so viel Geld vorlegen kann. Es nehmen sich doch sast nur Leute Einquartierung, die in Fridenszeiten ihre Zimmer an Stu⸗ denten. Kaufleute usw vermietet hatten, um sich eine Erleichterung zu schaffen. Bei den heutigen Fleisch⸗ und Brotpreisen ist es aber wirklich ein unbilliges Verlangen, uns mit den Verpflegungsgeldern so lange warten zu lassen. Die Steuern müssen doch auch pünktlich bezahlt werden.“ Nochmals das Austragen der Brötchen. Der Einsender von gestern hat mir und gewiß auch noch vielen anderen von den Daheimgebliebenen aus dem Herzen gesprochen. Ich danke ihm für sein entschiedenes Wort! 5 ist wirklich kläglich, daß sich jetzt noch solche Stimmen in die Oeffentlichkeit wagen, wie in dem ersten Eingesandt. Ich hoffe, daf auch nur deshalb nicht eine ganze Flut von ge⸗ harnischten Erwiderungen eingegangen ist, weil die Redaktion schon eine Richtigstellung angefügt hatte. Ein kräftiges Wort war aber gleichwohl noch am Platz. Pfr. H. in H. 5 Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den 22. Januar 1915; Be deckt, zeitweise Niederschläge, südwestliche Winde, etwas wärmer. — Die deutschen Luftschiffe über England. Rotterdam, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der „Rotterdamsche Courant“ meldet aus London: Die Leute hatten hier allmählich den Glauben verloren, daß wirk— lich die Zeppeline kommen würden, aber sie sind nun doch hier gewesen und haben Bomben geworfen. Die Nacht war dunkel und still. Die Leute erzäh len, daß, während Par⸗ mouth von Explosionen erzitterte, niemand das Luftschiff sehen konnte. In London wurden die Vorsichts⸗ maßregeln sofort verdoppelt, die Spezialkonstab⸗ lers(Hilfsschutzleute) wurden aufgeboten usw. Aber kein Zeppelin erschien, obwohl„Daily Telegraph“ versichert, daß einer an demselben Abend über Gravesend gesehen wurde.— Die Blätter melden, daß die betroffenen Küsten— städte wieder ihr gewöhnliches Aussehen angenommen haben, jeder ging am Morgen wieder an seine Arbeit. Die Presse spricht ihre Entrüst ung über den Mord— anfall auf wehrlose Menschen aus, dem keine mili— tärische Bedeutung zukäme. Die einzige Folge werde sein, daß die Entschlossenheit des englischen Volkes größer sein werde denn je. Die Nacht war ziemlich klar, die Umrisse der Flugschiffe waren deutlich erkennbar. Zwei kamen um 8½ Uhr aus der Richtung vom Meere und ließen vier Bom⸗ ben fallen. Sie blieben nur 10 Minuten und flogen dann ostwärts. Um 11.45 Uhr kam wieder ein Luftschiff über die Stadt. Es kam aus dem Innern des Landes von Südwesten und flog nach Aussage von Polizeibeamten sehr schnell. Es ließ fünf Bomben fallen, während es über Harmouth flog und verschwand in östlicher Richtung. Rotterdam, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der „Rotterdamsche Courant“ berichtet ferner über den deut⸗ schen Luftangriff an der englischen Küste: Wie Polizei⸗ beamte aussagten, fuhren zwei Lusftschiffe gegen ½9 Uhr über Cromer. Sobald die Behörden Bericht erhalten hatten, daß die Luftschiffe über Yarmouth flogen, ordneten sie an, daß alle Lichter ausgelöscht würden, so daß die ganze Stadt im Dunkel lag. Die Luftschiffe flogen, wie es schien, rund um die Stadt und verschwanden, ohne in Cromer Bomben abzuwerfen. Um% Uhr flog ein Luftschiff über Sherringham. Es beschrieb einen Bogen um die Kirche. Es war sichtbar, als es eine Bombe abwarf. Diese traf ein Haus und durchschlug das Dach bis zum Erdgeschoß, ohne zu explodieren, weil die Lunte beim Niederfallen abgerissen war. Eine Bombe fiel in ein Zimmer, in welchem sich ein Mann und eine Frau mit einem Kinde befanden, die wie durch ein Wunder dem Tode entgingen. Es heißt, daß eine andere Bombe zwischen Cromer und Sherringham nieder- gefallen sei, die ebenfalls nicht explodierte. Die Luftschiffe verschwanden, nachdem sie die Bomben abgeworfen hatten, seewärts. In Gurton bei Cromer wurde ein Zeppelin deut⸗ lich von fast der ganzen Bevölkerung gesehen, die bei dem Geräusch der Motoren auf die Straße lief. Es heißt, daß das Luftschiff in einer Höhe von 2600 Fuß flog. Kopenhagen, 21. Jan. Der„Berlingske Tidende“ wird aus London gemeldet: Nach hier eingetroffenen Meldungen haben die an der Expedition nach der englischen Küste beteiligten Zeppeline den Flug offenbar in geschlossener Reihenfolge über das Meer ge— macht und haben sich dann erst an der englischen Küste getrennt. Außer den bisher genannten Städten wurden die Zeppeline auch über Ipswich und bis ganz herunter nach Grapesend an dem Eingang der Themse gesichtet.— Aus Parmouth wird tele— graphiert, daß sich der Bevölkerung eine große Erregung bemäch⸗ tigte, als man der Luftschiffe gewahr wurde. Die Konturen der eppeline waren am dunklen Abendhimmel kaum wahrzunehmen, —— konnte man das Surren der Propeller sehr deutlich hören. Dieser Umstand trug noch wesentlich zur Veräugstigung des Publikums bei. Die Bomben explodierten auf dem Truppen⸗ übungsplatz und bei dem Zeughause, sowie zwischen den Ge⸗ bäuden. Im ganzen wurden 5 Bomben herabgeworfen, worauf das Luftschiff verschwand. Aus Sherringham wird telegraphiert, daß ein 3 1 8 e flog und ein wunderbar schreckliches Schauspiel bot. Das Luft⸗ schiff zeichnete sich hier in seinen Konturen ziemlich scharf vom Nachthimmel ab und man konnte deutlich erkennen, daß es ein. Zeppelin war. Es wurden sofort Scheinwerfer in Aktivität ge Bon 4 da begann auch schon das Krachen der explodierenden omben. Deutsche Tauben auf der Fahrt nach Paris. Kopenhagen, 21. Jan. Der„Berlingske Tidende“ wird aus Paris gemeldet: Gestern versuchten z wei deutsche Tauben nach Paris zu fliegen. In der Nähe von Crepy wurden sie jedoch von französischen Fliegern angegriffen und zum Rückzuge gezwungen. Seit gestern abend liegt Paris nach Gühr abends völlig im Dunkeln. Diese Maßnahme ist von der Polizei getroffen worden, um einen Luftschiffangriff zu erschweren. Eine bauerische Auszeichnung des Fürsten von Hohenzollern. München, 20. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der König von Bayern hat seinem Schwiegersohn, dem Fürsten von Hohenzollern, das 22. Infanterieregiment zu Zweibrücken verliehen, das die Benennung Fürst Wilhelm von Hohenzollern zu führen hat. 5 Die„Times“ über die Kriegslage. Rotterdam, 21. Jan. Die„Times“ schreiben in einem Leitartikel: Ter Druck der Deutschen in Frankreich scheint stärker zu werden. Noch können die Deutschen kräftig zuhauen. Was sie sonst noch lönnen, das beweist jedoch der letzte Luftangriff auf Dün⸗ kirchen. Das war die Vorbereitung eines regulären Luftkrieges. Solchen Luftbomben kann nur durch Kämpfe in der Luft begegnet werden. Luftkanonen und Gewehrfeuer reichen da nicht aus. Wir dürften in der Zukunft richtige Luftschlachten zu erwarten haben. Was den Luftkampf anlangt, so dürften alle Nachrichten über die Besetzung von Ostende durch die Verbündeten einfach falsch sein. Die so herrlich gefärbten Erzählungen von den englischen Erfolgen bei La Bassee sind erfunden. Diese Fabeln haben die„Times“ nicht veröffentlicht und der„Augenzeuge“ hat sie zurückgewiesen. Wie konnten solche Märchen so lange Ver⸗ breitung finden? Die Regierung sagt uns, sie will die öffentliche Stimmung nicht gedrückt sehen, sie lehnt es ah, für die Wahrheit der veröffentlichten Telegramme einzustehen. Dafür verstümmelt sie täglich solche Te⸗ legramme, die die Wahrheit enthalten. Wir lennen nichts, was geeigneter wäre, die Stimmung so herabzudrücken, als Pla⸗ kate über glänzende englische Siege in der ganzen Stadt anzu⸗ bringen und dann diese Siegesnachrichten zurückzunchmen. Die Oeffentlichkeit muß lernen, der Wahrheit ins Gesicht zu sehen und die Wahrheit ist, daß die Deutschen im großen und ganzen auf der ganzen westlichen Front so fest stehen, wie je zuvor, bereit durchzubrechen, sobald sich ihnen die geringste Möglichkeit bietet. Ein schweizerischer Offizier über die deutschen Pioniere. Bern, 21. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Oberst Mül⸗ ler zollt in einem weiteren Artikel im„Bund“, in dem er die hervorragenden deutschen Waldbefesti⸗ gungen schildert, den Pionieren höchstes Lob. Er schreibt: Bei der Fahrt durch ein Dorf war gerade eine Abteilung Pioniere bei der Mahlzeit. General von T., der mich führte, ließ halten, um seine Pioniere zu begrüßen.„Guten Morgen, Exzellenz,“ hallte es im Chor zurück. Ueber den arbeitsharten Gesichtern leuchtete ein freundlicher Schein. Kurz drückte der General ihnen die Freude über die besichtigten Arbeiten aus. Der deutsche Offizier ist kärglich mit dem Lob, umso herzlicher ist es, wenn es gespendet wird. Wenn eine Truppe Anspruch auf Lob hat, so sind es vor allem die deutschen Pioniere. Was sie in diesem Feldzuge leisten, im Eisenbahnbau, im Zerstören von Straßen und Brücken, in Befestigungswerken und in technischen Ac beiten allex Art, welche, wenn es sein muß, mit Todesverachtung unter dem feindlichen Feuer ausgeführt werden, das wird in der Kriegsgeschichte einen hervorragenden und ehrenvollen Platz einnehmen. Es fordert eine unerschöpfliche Arbeitskraft, und dem, Ziel dieser Pioniere ist keine Aufgabe zu hoch gestellt, im Kugel⸗ regen und im Granatenhagel tun sie ihre Arbeit mit der gleichen Ruhe und Selbstverständlichkeit, wie auf dem Truppenübungsplatz und in der Friedensgarnison. Wiederholt bietet der General den arbeitenden Leuten seinen Gruß. Diese Art des Verkehrs des höchsten Vorgesetzten mit seiner Truppe ist keine leere inhaltslose Förmlichkeit.„Ich will meiner Truppe kein Fremder sein, die Leute sollen ihren Führer kennen,“ sagte der General von T., „das ist nicht ohne Bedeutung“. Liebesgaben. Aus Zuschriften aus dem Felde von Offizieren und Mann- schasten geht hervor, daß der sich bereits seit dem Jahre 1913 im Handel befindliche Cefabu⸗Kaffee in Pulverform, Tabletten und ürfel mit Zucker“ allgemein gepriesen wird. Es handelt sich bei Cefabu⸗Kaffee, wie bereits in weitesten Kreisen bekannt sein dürfte, um einen garantiert reinen Bohnenkaffee, bei dem die nichtlöslichen und unbrauchbaren Stoffe der Kaffeebohne ausgeschieden sind. Da sich das Produkt im Augenblickohne jeden Rückstand vollständig klar auflöst, und zwar auch inkaltem Wasser, so leuchtet ohne weiteres ein, daß es für die im Felde stehenden Truppen in gan: hervorragender Weise geeignet ist. 710 Zum Brotbelag eppelin hoch oben in der Luft über die Stadt dahnn⸗ 5 1K Holzversteigerung a im Gießener Stadtwald i Gi II und III. Forstwart Geisel⸗Gi ee Forstwart Act Pechwarzef 5 n 0 25. ar 1915, vormittags 9½ U ten* den. Waldungen der Stadt Heben in Distrikten Essslettenindld Abe fa, f und E vertteigert e und 1 un versteigert: 1 ichten⸗Derbstangen mit 152 Ihm, 272.7 Buchen⸗Scheithols, 5,14„ Eichen⸗Scheitholz, „ ichten⸗Scheitholz, 71„ uchen-Knüppelholz, 32„ ee eee 6.„ Eichen⸗Knüppe gal, 9 2 3 f— hols, 3060 Wellen Buchen⸗Rei 10%„ Dalnduchen Reista Durchorstung) 109 ichen⸗Reisig, 6 Rin. Buchen⸗Stockbolz, „ ichen⸗Stockholz, Di 0 nent 1*. Straße an der e mmenkunsft ist auf der r 8. Snell 17175 Gießen, den W. Januar 1915. Der Sberhürgermeister. J. B.: Grünewald. * Holzversteigerung. In den Waldungen der Gemeinde Ettingshausen kommt Mittwoch, den 27. Januar solgendes Brennholz zur Versteigerung: 377,7 Rm. Buchen⸗Scheit] 75 Rm. Eichen⸗Reisig Nr. 1 im Grauerborn 14a. Ettingshausen, den 21. Januar 1915. Großh. Bürgermeisterei Ettingshausen. Holzversteigerung. Donnerstag, den 28. Januar l. Js. werden aus den Distrikten Beunewald, Burgwald 7 und 8, Eichbeege und 5, Esels kopf. Kirschgartenzipfen, Gänsheege 1—3, ag 2. Keilskopf 2 und Hoheroth 1 der Forstwartei erlau versteigert: Stämme, Eichen: 2 Stück 2. Kl. 0 und 52 Ztm.) 7 Füm. 2 Stil 3. Kl.— 2 Fstm., 9. Stück 4. Kl. 5 Fim. 8 Stück 5. Kl.— 25 Fstm., 16 Stück 6. Kl.= 1 Ilm. 2 Buchen 3. Kl.(% und 48 Jm.) „ Istm. Kiefern: 16 Stück 3 Kl.— 1 Fstm., 21 Stück 4. Kl.— 3 Fstm, 36 Stück 5. Kl.— 19 Fstm. Lärchen? 2 Stück 3. Kl. 2 Fstm, 2 Stick J. Kl. 1.57 Fstm, 8 Stück 5. Kl.— 4 Istm. Fichten: 2 Slilck 3. Kl.— 10 Fstm., 35 Stück 4. Kl.—. tm. 21 Stück 5 a. Kl.(20—24 Ztm.]— 40 Fstm. 25 Stück Ib. Kl.(unter 20 Ztm.)— 9 Fstm. 5 Eichenderb⸗ staugen— 0,20 Ian. Nutzscheiter: 11 Rm. Fiche 2 Mtr. lang), 12 Rm. Fichte(3 Mtr. lang, Nutz⸗ knüppel: 12 Rm. Fichte 3 Mtr. lang. Ferner Brennholz, unter anderem Scheiter. Nm.; 2 Ahorn Kund), 20 Siche biervon 14 Rm. rund, 2 Linde. Knüppel, Rm.: 105 Buche, 42 Hainbuche, 46 Esche, 4 Aborn, 59 Eiche. 5. 8 Vorgeseigt werden die Kiefern in Eichheege 4, sowie die Eichen in Eselskouf. Das übrige Holz wird von 12 lor ab in der Hörleschen Wirtschast in Merlau verkgust. Aus⸗ kunft erteilt Großberzogl. Fornwaxt Müller, Mücke. 2 mmenkunft: Vormittags 9½ Uhr auf der Kreis⸗ W 1 1 5 Müllerweg. rünberg, den 10. Januar 1 Großberzogl. Oberförsterei Nieder⸗Ohmen. Schneider. Lieferung von Heizungsmaterialien Die Lieferung der Heizungsmaterialien für die uni⸗ versität Marburg ibre Institute einschl. der Neu⸗ bauten und deren Bureaus für das Gtatsfabr 1. Avril 1015,½16, etwa 15100 Ztr. Nußkohlen, 1100 Ztr. Anbrazlit⸗ kohlen von verschiedener Herkunst, z. B. westsälische, bel⸗ ische de, 23400 Ztr. Zechenkoks(Kleinkoks), 2800 Ztr. Gas- oks, 900 Ztr. Briketts und 200 Rm. Tannen⸗Scheitholz, soll vergeben werden. 3 g Angebote sind bis zum 10. Jebruar bei der unter⸗ zeichneten Kasse einzureschen. Bel letzterer können die näheren Bedingungen eingesehen werden, die übrigens gegen Zablung von J Pfg. abschristlich mitgeteilt werden. Marburg, den 20. 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Doch du bist nun befreit von Leiden, Befreit von jeder Kriegesnot. Am 30. Dezember siel im Kampfe für das Vaterland mein beißgeliebter, berzensgnter, un vergeßlicher Gatte, der treusorgende Vater seiner vier lleben Kinder, mein treuer, hoffnungsvoller Sohn, unser lieber. unvergeßlicher Bruder. Schwiegersohn, Schwager, Onkel und Neffe Karl Haas II. Schuhmacher Reserve-Jufanterie-Regt. 7. Kompagnie Gefreiter im im 30. Lebensjahre. In tiesem Schmerz: Marie Haas, geb. Schmitt, und 4 Kinder Jakob Haas Ww. Jamilie Heinrich Haas II. Familie Otto Volz Familie Ludwig Schmitt Jamilie Ludwig Schmitt v. Karl Schmitt Georg Schmandt VIII. Steinberg, den 290. Januar 1915. Wiedersehen war seine Hoffnung! Wer ihn gekannt, wird unsern Schmers ermessen, Was er uns war, wir werden's nie vergessen. Nachruf. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 12. Dezember v. Is. auf Rußlands Erde unser treues Mitglied Ludwig Wilhelm Ranft Gefreiter im Reserve-Inf.⸗Regt. 116, 7. Kompagnie. Wir werden ihm allezeit ein ehrendes An- 6 denken bewahren. 03⁴2² Gesangverein„Polyhymnia“, Beuern. Für die liebevolle Teilnahme au unserem schweren Verlust sagen wir auf diesem Wege allen unseren innigsten Dank. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Frau Wilhelmine Pitz Ww. und Kind. Gießen, den 21. Januar 1915. Für die vielen Beweise herzlicher Teil- 5 nahme an unserem schweren Verluste sagen wir innigsten Dank. Frau Lehrer Weitzel! und Cochter Thekla. Lollar, 2 Januar 1915. Für die wohltuenden Beweise herz— licher Teilnahme, sowie für die zahl—⸗ reichen Blumenspenden bei dem uns so schwer betroffenen Verluste sagen wir innigsten Dank. 720 Die tieftrauernden Hinterbliebenen: Katharine Ehrist, geh. Diet, u. Kinder. Kunstmühle Griedel, den 21. Jan. 1915. Privat- Real- u. Bandels mule, verb mit vorthule, erteslt Elnsahrige 1 Sorgf. Ueberwach. d. Schularbelt. Gr. Garten. Neubau m.. e Mäß. Pensions preis. eee u. Aussicht. Prospekte durch d. Direktion. ss Oppenheimer u Hasche H..— Oppenheimer Golberg Irn Flazebe M. 2⁰ — Weißwein Frankfurter Straße 11 116 Lazarett Windhof ihr Interesse zuzuwenden. A. Austerlitz + felephon 365 1 Heute morgen 8 Uhr verschied sanst nach kurzem, schwerem Leiden mein treuer Gatte, unser lieber Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel 1 2 Herr Philipp Bellof ll. Kreisstraßenwart im Alter von 52 Jabren. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. 732 Bersrod, 20. Januar 1915. Die Beerdigung findet statt: Freitag, 2. Januar, nachmittags 31 e Uhr. Die glückliche Geburt eines KRAEFTIGEN MAEDCGHENS beehren sich anzuzeigen Moritz Sternberg und Frau. Giessen, den 20. Januar 1915. 7 — An alle Mitschwestern, denen das W ohl unserer Verwundeten am Herzen liegt und deren Gebe— freudigkeit noch nicht erlahmt ist, wird die herzliche Bitte gerichtet, auch dem neuerrichteten Militär— Alle Liebesgaben, 3 Geldspenden zur Beschaffen notwendiger Sachen, als auch Eßwaren(Wurst, Obst, Gelee ꝛc.) sind hochwillkommen. Es fehlt sehr an Spiel. und guter Lektüre. Alle Gaben werden erbeten an Frau Dr. Hofmann, Heuchelheim b. Gießen. Aaademischer Hesaugverein 0 Wiederbeginn der Proben Montag, 25. Januar, abends 8 Uhr, in der neuen Aula. Um allseitiges Er- scheinen wird dringend gebeten. Wich- tige Mitteilungen. DER VORSTAND. Licht- Spiel- Haus Vom 20. bis inkl. 22. Januar 1915: Die Bürgerliche Realistisches Filmschauspiel in 2 Abteilungen. Elektr. Experimente. Wissenschaftl. Studie. Pfiff als Bassist. Urfidele Komödie. Das Kind des Sheriffs Drama aus dem wilden Westen. * der Rudersport. Lachsalvenerregende osse. Und als der Prinz erschien. Dramatisches Stimmungsbild. 706a D Hilitär ohne Charge zahlt werktags die Hälfte. U den Mutter, Schwiegermutter Lich und Offenbach a. M., Danksagung. Für die bei dem Ableben unserer geliebten wiesene Teilnahme danken wir inniggst. Stadtrechner Ludwig Häuser u. Familie Lehrer Hermann Dörmer u. Familie. und Grossmutter be— 20. Jauuar 1915. 731 2 24. 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