Nr. 1. Der Sießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zweimal wöchentl. Kreis- blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag): Kleitgafüe gel Land⸗ W a e Nernsprech-Anschlüsse: für die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelles l Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. Erstes Blatt 165. Jahrgang U. 2 jährl. Mk. 2.20: * Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pi., ausw. 20 Pf.— Haupt- schriftleiter: Aug. Goetz. General⸗Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ. Buch- und steindruckerei k. Lange. Schriftleitung, Seschäftsstelle u. druckerei: Schulstr. 7. Beck, sämtlich in Gießen. Donnerstag, 14. Januar 1915 Bezugspreis: monatl. 75 Pf., viertel ⸗ durch Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz, für Stadt und Land, Vermischtes und Ge— richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Ein guter Tag im Westen. Rücktritt des österreichischen Ministers des Aeußern. Erdbeben in Italien. f .(As) Großes Hauptquartier, 13. Januar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. In der Ge⸗ gend von Nieuport fand ein heftiger Artilleriekampf statt, der die Räumung der feindlichen Schützengräben bei Pa⸗ lingsbrug(Vorort von Nieuport) zur Folge hatte. Die feind⸗ lichen Angriffe am Kanal von La Bassee sind endgültig ab⸗ gewiesen. Französische Angriffe auf La Boisselles und die Höhe von Nouvron wurden zurückgeschlagen. Den gestrigen erfolglosen französischen Angriffen auf die Höhen bei Crouy folgte ein deutscher Gegenangriff, der mit einer vollständigen Niederlage der Franzosen und einer Säuberung der Höhen nordöstlich Cuffise und nördlich Crouy endigte. Unsere Mär⸗ ker setzten sich in Besitz von zwei französischen Stellungen, machten 1700 Gefangene, eroberten vier Geschütze sowie mehrere Maschinengewehre. Französischer Sapponangriff in Gegend südlich St. Mihiel wurde erfolg⸗ reich abgewiesen. Unsere Truppen setzten sich in Besitz der Höhen nördlich und nordöstlich Nomeny. In den Vogesen ist die Lage unverändert. Hiestlicher Kriegsschauplatz. Die Lage im Osten ünderte sich gestern nicht. Oberste Heeresleitung. 5* Diejenigen, die in den letzten Wochen versteckt und offen an der Möglichkeit gezweifelt hatten, eine Bresche von nach— drücklicher Bedeutung in die gegnerischen Feldstellungen im Westen zu schlagen, sind eines anderen belehrt worden. Durch den gestrigen Tagesbericht unserer Heeresleitung wird die erfreuliche Tatsache in ein helles Licht gerückt, daß der Stel lungskrieg, der nun schon Monate andauert, keinen Still— stand zu bedeuten braucht, sondern daß der Wille unserer Führer Fortschritte da erzwingen kann, wo die Gesamtlage f 1 inbar mit der Idee des Ganzen erscheinen Bericht spricht von einer vollständigen 0 age der Franzosen auf der Höhe von Crouy und einer Säuberung der angrenzenden Höhenzüge. Diese Um⸗ grenzung eines ziemlich erheblichen Komplexes und der Um⸗ stand, daß 1700 Gefangene sowie— zum ersten Male nach längerer Unterbrechung— vier Geschütze die Beute des deut schen Gegenangriffes waren, lassen darauf schließen, daß starke Kräfte beiderseits an der Operalion beteiligt waren und daß diese bedeutend höher zu bewerten ist als die täg⸗ lichen Schützengrabenkämpfe. Die Besetzung der südöstlich Verdun gelegenen Höhen von Nomeny sichert uns weitere Vorteile für die Sicherheit unserer Stellungen in den Vo⸗ gesen. Diese guten Nachrichten, die sich über den Durchschnitt der letzten Zeit in beachtlicher Weise erheben, werden durch die Feststellung, daß die Angriffe auf den Abschnitt von La Bassée nunmehr endgültig abgewiesen sind und durch die Nachricht, daß vorgeschobene Stellungen von Nieuport vom Feinde geräumt sind, in willkommenster Weise ergänzt. Mit dem Höhepunkt des Weltkrieges trifft die Nach⸗ richt vom Rücktritt des Mannes zusammen, unter dessen Führung Oesterreichs auswärtige Politik während der letzten Jahre gestanden hat, und unter dem es in den Krieg ein⸗ treten mußte, des Grafen Berchtold. Als Kaiser Franz Josef kurz vor dem Ableben des Grafen Aehrenthal zu dessen Nachfolger Berchtold ausersah, war wohl ausschlag⸗ gebend die Erwägung, daß derselbe während der Zeit seiner Petersburger Botschaftertätigkeit die russischen Verhältnisse in einer Art kennen lernen konnte, die für Oesterreichs künftige Politik entscheidend werden mußten. Seine Amts⸗ zeit wird mit den Umwälzungen auf dem Balkan stets ver⸗ knüpft bleiben. Berchtolds Ziel, die Verhinderung der Gründung eines flawischen Großreiches im Süden der Donaumonarchie, hat seine Bestrebungen oft denjenigen Rußlands zuwiderlaufen lassen, und wenn nicht der Aus⸗ bruch des Balkankrieges ihn seinerzeit unterstützt hätte, muß es fraglich erscheinen, ob die Gefahr eines Krieges zwischen Rußland und Oesterreich damals hätte gebannt werden können. Die Errichtung des Fürstentums Alba⸗ nien ist Berchtolds ureigenes Werk. Die Entwicklung der neuen Epoche, die unter Berchtolds Amtstätigkeit für die Weltgeschichte begann, hat er nicht mehr im Amte erlebt. Was ihn bewogen hat, das Steuer vorher aus der Hand zu legen, werden wohl die nächsten Tage lehren. 8* Rücktritt des Grafen Berchtold. Wien, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das„Frem— denblatt“ veröffentlicht in seinem heutigen Abendblatt folgende Mitteilung: Der Minister des k. u. k. Hauses und des Aeußern, Graf Berchtold, welcher Se. Majestät schon vor längerer Zeit gebeten hatte, ihn in Gnaden seines Amtes zu entheben, hat diese Bitte nun— mehr an Allerhöchster Stelle erneuert. Der Kaiser hat die gewichtigen persönlichen Gründe, welche den Minister des Aeußern zu seinem Rücktritt bewogen haben, gewürdigt und allergnädigst geruht, seiner Bitte zu willfahren. Zum Nachfolger des Grafen Berchtold wird der unga⸗ rische Minister beim Allerhöchsten Hoflager, Baron Stefan Burian, zum Minister des k. und k. Hauses und des * ernannt werden. —. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel schlug, wie weiter be— richtet wird, die Nachricht von dem Rücktritt des Grafen Berchtold ein. Nur gering war die Zahl der Leute, die Kenntnis davon hatten, daß Graf Berchtold vorgestern den Kaiser um Enthebung von seinem Posten gebeten und daß der Monarch der Bitte stattgegeben hatte. Ueber die Ursache des Rücktrittes des Grafen Berchtold sind mannigfache Gerüchte im Umlauf, die sich heute auf ihre Richtigkeit nicht kontrollieren lassen. Eine mit den intimen. Vorgängen des Grafen sehr vertraute Persönlichleit machte mir, so berichtet der Korrespondent des Berl. Tageblattes, darüber einige Mitteilun⸗ gen, von denen ich jedoch nur einen Teil wiedergeben kann. Mein Gewährsmann sagte: Man wird es hier und im Auslande wohl nicht glauben wollen, aber es ist so: Graf Berchtold geht, weil er gehen will. Es ist ja kein Geheimnis, daß er das Amt nur widerstrebend übernommen hatte und daß es ihm keine Freude machte, den schwierigen arbeitsreichen Posten des Ministers des Aeußern zu bekleiden, daß er vielmehr des öfteren den Wunsch ge⸗ äußert hatte, man möge ihm die Würde abnehmen. Er ist immer wieder geblieben, weil es der Wunsch des Kaisers war. Wenn der Monarch nun das Rücktrittsgesuch des Grafen Berchtold genehmigte, so war hierfür wohl die Erwägung maßgebend, daß in der gegen⸗ wärtigen Zeit der Posten des Ministers des Aeußern von einer stärkeren Persönlichkeit besetzt sein müsse, als es Graf Berchtold ist. 8 Ob Baron Burian der geeignete Mann ist, wird sich zeigen. Er ist der Mann Tiszas und mit diesem intim befreundet. Stephan Burian, Freiherr von Rajecz, entstammt einer Adels⸗ familie aus dem Preßburger Komitat. In seiner diplomatischen Karriere hat sich Burian namentlich in seiner neunjährigen Tätig⸗ keit in Sofia hervorgetan. An der Spitze der Verwaltung von Bosnien und der Herzegowina war Burian ganz im Sinne seines Vorgängers Benjamin von Kally tätig. Er hat dort stets ein großes Gewicht darauf gelegt, die Nativnalitäten und Kon⸗ fessionsgegensätze, die hier besonders kompliziert sind, auszugleichen. Durch seine genaue Kenntnis der orienta— lischen Angelegenheiten war er ein wertvoller Berater und Mit⸗ arbeiter des Grafen Aehrenthal. Politisch steht er der konser⸗ vativen Partei sehr nahe. *ñ** Oesterreichisch⸗ungarischer Tagesbericht. WTB.) Wien, 13. Jan. Amtlich wird verlautbart: 13. Januar 1915. Die Vorstöße, die der Gegner an der un⸗ teren Nida immer wieder versucht, richten sich besonders gegen eine in unserer Widerstandslinie liegende Ortschaft. Durch heftiges Artilleriefeuer, das an der ganzen Front an⸗ hält, unterstützt, versuchte feindliche Infanterie nach vorne Raum zu gewinnen und in die Ortschaft einzudringen, was stets unter schweren Verlusten mißlingt. Vor den eigenen Stellungen in Galizien und in den Karpathen herrscht größtenteils Ruhe. Nebel und Schnee⸗ treiben begünstigen kleinere Unternehmungen unserer Trup⸗ pen, die verschiedenenorts zu gelungenen Ueberfällen und sonstigen Plänkeleien führen. Auch am südlichen Kriegsschauplatz im all⸗ gemeinen Ruhe; nur unbedeutende, Aufklärungszwecken die⸗ nende Grenzrenkontres. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. *** Die deutschen Fortschritte im Westen. (WTB.) Berlin, 13. Jan.(Nichtamtlich.) Im Berliner „Lokalanzeiger“ heißt es in einer Meldung aus dem Haag: Der „Nieuwe Rotterdamsche Courant“ führt in einer Uebersicht über die militärische Lage aus, daß die Deutschen, nachdem sie in den Argonnen die Römerstraße erreicht haben, neben den Erfolgen von Soissons einen wichtigen Fortschritt zu verzeichnen haben. Die Zeitung kommt nach einer militärischen Erörterung zu dem Schluß, daß die Deutschen zwischen Aisne und Aire einen Keil von ca. 10 Kilometern in die französische Front getrieben haben und der Kreis um Verdun damit bis zur Hälfte geschlossen sei, während südlich von St. Mihiel die nördliche Krüm⸗ mung in der französischen Front von den Deutschen abgeflacht worden sei. ö Große Worte in der französischen Kammer. Paris, 13. Jan.(WTB Nichtamtlich.) Zu der gestri⸗ gen Eröffnung der Kammer waren die Kammerdepu— tierten in großer Zahl anwesend. Unter allgemeiner Auf⸗ merksamkeit eröffnete der Alterspräsident Mackau die Session mit einer Ansprache, in der er sagte, der einzige Gedanke und der Wunsch Frankreichs sei, einen lang vor⸗ bereiteten Angriff zurückzuschlagen(ö) und den Feind niederzuwerfen. Er fordere die Kammer auf, auch weiterhin der Armee ein ermutigendes Schauspiel von Cinigkeit zu bieten.(Lebhafter Beifall.)— Wir nehmen — erklärte der Redner— entschlossen alle Opfer auf uns, welches auch die Dauer der Prüfung sei. Wir halten durch, ohne schwach zu werden, bis zum endgültigen Siege, der uns Ehre, Freiheit und einen dauerhaften Frie— den sichert!(Einmütiger Beifall.)— Die Kammer wählte mit 474 Stimmen Deschanel und alle Mitglieder des Bu— reaus wieder. Das Haus vertagte sich sodann auf Don- nerstag.— Die verschiedenen Kammergruppen der Linksparteien wählten ihre Delegierten, die gemein— sam mit der Regierung das Arbeitsprogramm für die ganze Session ausarbeiten sollen. Schon jetzt scheint es festzustehen, daß die Beschlüsse erneut die Einigkeit aller Parteien bekräftigen werden. Kein Interpellationsgesuch wird eingereicht, keine rein politische Debatte gefuhrt werden. 5 9 1 5 Englands Amerikapolitik. London, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das Reu⸗ tersche Bureau meldet aus Washington vom 11. Ja⸗ nuar: Der englische Botschafter hat dem Staats⸗ sekretär Bryan mitgeteilt, es würde mehrere Tage dauern, ehe die vollständige britische Antwort, zu der die gestrige Note die Einleitung bildete, abgeliefert werde. Es verlautet, daß England beschlossen habe, einen kaufmännischen Sachverständigen nach Washington zu entsenden, der in kommerziellen Fragen die Botschaft beraten soll. ö Kopenhagen, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Einem Londoner Berichte der„Politiken“ zufolge wird aus Washington gemeldet, daß man in Regierungskreisen sehr zufrieden() mit dem freundschaftlichen Ton der englischen Note sei und auf eine befriedigende Erle⸗ digung der Angelegenheit hofft. Die Regierung will aber unter keinen Umständen den englischen Anspruch annehmen, daß die amerikanischen Schiffe zur Untersuchung in englische Häfen gebracht werden, und beansprucht, daß die Unter⸗ suchung ausschließlich nur auf offener See stattfinden darf.— In der englischen Antwort heißt es, daß nur 45 Schiffe vor das Prisengericht gebracht wurden. Es wird verschwie⸗ gen, daß englische Kreuzer eine große Anzahl Schiffe auf⸗ brachten und sie erst freigegeben haben, nachdem die Schiffe lange Zeit in den englischen Häfen zurückgehalten worden waren. Anlaß zu der Note bildete nicht nur der Verlust, den amerikanische Reedereien erlitten, sondern insbesondere der Wunsch der amerikanischen Regierung, daß derartige eng⸗ lische Uebergriffe in Zukunft endgültig verhindert werden. Beschießung eines russischen Hafens. Amsterdam, 14. Jan. Nach englischen Meldungen haben türkische Schiffe den russischen Hafen Makrjali südlich Batum beschossen. Die Befestigungen wurden zerstört und alle feindlichen Handelsschiffe versenkt. Ein russisch⸗rumänischer Grenzzwischenfall. Berlin, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das„Berl. Tagebl.“ meldet: Bei der Verfolgung der aus der Buko⸗ wina nach Rumänien geflüchteten Rumänen betraten russische Truppen rumänisches Gebiet. Da sie sich auf Aufforderung nicht zurückzogen, gab der rumä⸗ nische Grenzhauptmann Befehl zu schießen. Zwei K o⸗ saken wurden getötet, zwei schwer verwundet. Die übrigen flohen über die Grenze. Die Ueberlebenden von den Falklandsinseln. Berlin, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Nach hier eingegangenen Nachrichten über die Geretteten von den bei den Falklands⸗Inseln untergegangenen Schiffen ist von der„Scharnhorst“ niemand gerettet worden. Von der„Gneisenau“ wurden 17 Offiziere und 171 Deckoffi⸗ ziere, Unteroffiziere und Mannschaften gerettet, von der „Nürnberg“ wurden kein Offizier, sieben Unteroffiziere und Mannschaften, von der„Leipzig“ vier Offiziere und 15 Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften gerettet. Von den Begleitschiffen„Baden“ und„Santa“ Isabell“ sind alle Leute gerettet worden. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß noch einige Offiziere und Mann- schaften mehr als angegeben, gerettet worden sind. Zu dieser Meldung ist hinzuzufügen, daß auf den Schif⸗ fen des Kreuzergeschwaders Umkommandierungen stattgefunden haben, die in Deutschland noch nicht bekannt sind. Es kann nicht gesagt werden, daß alle nicht als ge⸗ rettet gemeldeten Offiziere und Mannschaften den Tod ge— funden haben. Die amtliche Liste der vermutlich Ge— retteten liegt beim Zentralnachweisbureau für die Marine, Berlin, Mathäikirchstraße 9, auf. Zur Erleichterung der Ar— beiten dieses Bureaus würde wesentlich beitragen, wenn ihm alle Privatnachrichten über die Einstellung von Reservisten und Kriegsfreiwilligen auf den Schiffen des Kreuzergeschwa⸗ ders mitgeteilt würden. Landung englischer Truppen in Frankreich. Haag, 16. Jan. Die„Tijd“ meldet: In den letzten Wochen sind große englische Truppenmassen in französischen Küstenstädten gelandet und nach der Küste transportiert wor⸗ den. Es sind wahrscheinlich jetzt fertig ausgebildete Mannschaften. In London wird ein Spezialkorps zur Abwehr von Luftangriffen organisiert. Bis jetzt sind diesem Korps schon 800 Offiziere und Mannschaften einverleibt worden. Sie werden Tag und Nacht in dem Gebrauch von Scheinwerfern und Abwehr- kanonen geübt. Deutschlands Unüberwindlichkeit. Rom, 14. Jan. Crispi bespricht in einem Leitartikel der „Concordia“ die Lage Englands. Der Artilel wendet sich gegen Roseberrys Prahlereien von der„Zerstörung“ Deutsch⸗ lands und erklärt, es werde England niemals gelingen, Deutsch⸗ lands Macht zu brechen, die neben den materiellen Kräften in den unerschöpflichen Reserven des nationalen Geistes bestehe,— Der Militärschriftsteller des„Corriere della Sera“, General Gatti, schreibt in seinem Blatte, daß die ge⸗ samten Streitkräfte der kriegführenden Staaten nahe daran sind, sich auszugleichen. In absehbarer Zeit we aber Deutschland und Oesterreich⸗Ungarn die Oberhand gewinnen Russische Mutlosigleit. Budapest, 13. Jan. Die Petersburger„Nowoje Wremja“ fragt nach hier eingetroffenen Dereschen verzweifelt, ob denn Ruf land nicht eine verantwortliche Heeresleitung habe. Die neuerliche Offensive der deutschen und österreichischn 4 2715 daß sie sich neu aufstellen mußten, obwohl sie günstige 8 0 Verstärtung der türtischen Front bei Erzerum. Haag, 13. Jan. Wie die„Times“ aus Petersburg be⸗ richten, rücken neue türkische Streitkräfte in der Front zwischen Kars und Erzerum an. Bei Karcurgan dauern die hart⸗ nädigen, blutigen Kämpfe an. Die Türken befinden sich in starlen Stellungen. Landesvater Poincaré. Paris, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich) Während Prãsi⸗ t Poincaré in einer Ortschaft in der Nähe von Dünkirchen den Marineschützen eine Fahne überreichte, überflogen französische Flugzeuge ständig die Ortschast, um leberraschungen vorzubeugen. Poincars begab sich dar⸗ auf zum Hauptquartier des Generals Foche und sodann u dem Hauptquartier des Generals French, wo er eine * Unterredung mit Freuch und dem Prinzen von Wales hatte und den Kommandeuren der englischen Ar- meetorps, den Generalen Douglas, Haig, Smith und Darrien die Plakette des Großkreuzes der Ehren- 1 überreichte. Nach kurzen Besuchen in Hazebrouf, dem Hauptquartier des Generals Maudhuh fuhr Poincaré nach Arras, welches von allen von den Deut⸗ schen beschossenen Städten eine der am härtesten geprüften ist. Die Viertel in der Nähe des Bahnhofs und des Rat⸗ hauses sind völlig zerstört. Von dem Belfried des Rat⸗ hauses ist nichts 3 übrig geblieben. Ueberall sieht man nur Trümmerhaufen und ungeheure, von den großen deut⸗ schen Granaten verursachte Aushöhlungen. Poincars besich⸗ tigte, von dem Präfekten und Bürgermeister begleitet, welche selbst in der kritischsten Zeit den Ort nicht perlassen wullten, die ganze Stadt. Die noch stehenden Häuser in den weniger betroffenen Orten sind alle verschlossen. Die von Arras nimmt schnell ab; die Mehrzahl ist s Feuerbereichs geflüchtet. Die Beschießung wird fast täglich fortgesetzt. Die ersten Linien der deutschen gräben sind 1500 bis 3000 Meter weit entfernt. In Arras befinden sich noch 3500 Einwohner, zumeist alte Leute. Die Verproviantierung kann trotz der Nähe des Feindes ziemlich gut durchgeführt werden. Poincaré rich⸗ tete Worte der Ermunterung an die Bevölkerung und verließ die Stadt im Automobil. Er bestieg sodann 15 Kilometer hinter Arras einen Eisenbahnzug und traf des Abends in Paris ein. Der französische Tagesbericht. Barts, 13. Jan. WT. Nichtamtlich.) Amtlich 3 Uhr : Zwischen dem Meer und der Oise war zeitweilig aussetzende, an einigen Stellen ziemlich heftige Kanonade. Nördlich Soissons wurden sehr bewegte Kämpfe um die 10 Lei geliefert, die wir am 8. und am 10. Jan. 0 rt hatten. Der Feind unternahm am gestrigen Tage mehrere Ossensiwvorstöße, die wir zurückschlugen; wir gewannen neue tgrabenstücke Zwischen Soissons und Reims waren Artilleriekämpse. Unsere schweren Geschütze beschossen wirksam die Batterien und Minenwerser. In der Champagne und im Gebiet von Souain richtete unsere Artillerie ein sehr genaues Feuer auf die gegnerischen Stellungen. Nahe Perthes war eine Feldbefestigung nördlich der Ferme Beausejour der Schauplatz erbitterter Kämpfe. Der Feind konnte einen Schützengraben im Inneren der Besestigung errichten, deren pringen Winkel wir besetzt halten; der Kampf dauert ort. Aus den Argonnen bis zur Maas ist nichts zu melden. Auf den Maashöhen wurden zwei deutsche Angriffe, einer im Walde von Consenvoye, der andere im Walde von Bouchot, ab⸗ * Südöstlich Cirey-sur⸗Vezouse überraschte eine unserer teilungen eine deutsche gnie, die das Dorf Saint⸗ Sauveur plünderte(17) und schlug sie in die Flucht. In den Vogesen und im Elsaß i schlechte Wetter und der Schneesturm dauern an. 11 Uhr abends: Nordöstlich Soi ssons beschoß der Feind während der ganzen Nacht a unsere Stellungen auf dem Perrières⸗ Plateau und den Vorsprung 132. Er unternahm heute, um die letzt⸗ nannte Stelle wieder einzunehmen, einen bedeutenden griff, dessen Ergebnis noch nicht bekannt ist. Kein ande⸗ res beacktenswertes Ereignis ist zu melden. Schwere Vorwürfe gegen das französische Sanitätswesen. Paris, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Gustav Her vs greift in der„Guerre Sociale“ die Regierung an und . den Beschluß Joffres und Millerands, der dem ammerausschuß für das Gesundheitswesen Un⸗ tersuchungen über den Gesundheitszustand in der Armee und das ktionieren des Gesundheitsdienstes verweigere, sei eine Ohr⸗ e für das Parlament, das berechtigt sel, Kontrolle uüben. Gerade der Gesundheitszustand sei fehr schlecht. Der uns * und Millerands, nur dem Vorsitzenden des Ausschusses n zweiten Ausschußmitgliede die Besichtigung zu 1 beweise, daß die Leitung des Sanitätsdienstes eine Kontrolle fürchte, denn zwei Personen könnten unmöglich ein umfassen⸗ ild gewinnen. Der Ausschuß würde Schönes— 4— wenn er gewisse Ambulanzen besichtigt hätte, wo ansteckende Kranke derart gepflegt würden, daß die Kran egerinnen überall ein wenig sche, Arzneimittel und das allernotwendigste Material zusammenbetteln müßten, damit die Typhuskranken nicht wie Hunde verreckten. Frankreich würde einwilligen, daß Mannschaften der jüngsten Klasse ehrlich durch Feindes len, aber es dürfe und werde nicht zulassen, 18 Jahre alte in den Kasernen an Lungenentzündung zugrunde Die Kammer dürfte die Ohrfeige, die der 8 Joffres Millerands sei, nicht einstecken. Wenn die Deputierten die f nicht mit allen Mitteln zwingen, sie ihre Aufgabe aus⸗ 2 zu lassen, die eben in der Kontrolle des 1 Dienstes . so werde die Nation die Minister nach riege zu finden wissen.— Aehnlich äußert sich die„Libre Pa⸗ role: Wir verlangen nichts, als weniger Jensur über Dinge, die mit dem Kriege nicht zusammenhängen. Bisher haben wir still⸗ . Adder bine reien geschaffen ist.* wir nur die bite Kammer haben, unt die Kontrolle fordern zu können, die zu⸗ weilen verweigert wird, so darf man sich nicht wundern, wenn einige das Schweigen, das alle sich auferlegt haben, brechen. Gegen kirchliche Bestrebungen im französischen Heere. Genf, 14. Jan. Die Pariser„Fumanits entrüstet darüber, daß einige Soldaten Urlaub erhielten, um die Messe zu hören, und fordert von dem Kriegsminister energische Ma nahmen gegen die von einigen Offizieren betriebene erich Propaganda. Der Pferdebestand des französischen Heeres. (WTB.) Berlin, 13. Jan.(Nichtamtlich) Die französi⸗ 0 e Armee hat nach neueren Angaben seit Beginn des Keieges 1 60 Prozent ihres Pferdebestandes verloren. Die unzuverlässigen Inder. Konstantinopel, 14. Jan. Aus Aegypten eingetro —— Mitteilungen zufolge sind die indischen 2 weil 7 länder ihren Uebertritt zu dem türkischen Heere befürchten, fast sämtlich nach Frankreich gebracht wor⸗ war der Tag ruhig. Das] Ka sich] kleiner Wie die Serben retrutieren. Sofia, 13. Jan.(18. Nichtamtlich Meldung der „Agence Bulgare“: Am ersten und am zweiten Weih⸗ nachts feiertage sind ber hundert, meist musel mani sche Fa- milten, in Strumig a eingetroffen. Tie Flüchelinge er- zählen, daß alle christlichen und muselmanischen Männer, die mehr oder weniger zum Dienst mit der Waffe geeignet sind, r in die serbische Armee eingereiht wer⸗ Kinder und Greise werden im Verpflegungsdienst verwendet. Tie Steuerbedruckung wird in der unerhörtesten Weise esetzt. Ueberall ist man Zeuge unbeschreiblicher Grausam⸗ keiten. Lieb' Vaterland WTB.) Berlin, 14. Jan. VNichtamtlich.) An Bord eines italienischen Dampfers sind laut„Berl. Tagebl! in Genua 200 deutsche Reservisten aus Spanien angekommen. die den Nachstellungen der feindlichen Schiffe glücklich entgangen sind. Die Reservisten wurden von dem deutschen Konsul nach Deutschland weiter befördert. Beruhigungspillen der„Times“. Amsterdam, 13. Jan Ueber den deutschen Luftangriff auf Dünkirchen am 11. ds. Mis. melden die„Times“ noch: Es waren 12—15 Flieger, die Bomben warfen. Im ganzen sind 6 Menschen umgekommen. Die„Times“ versuchen die Engländer über den deutschen Flug über den Kanal mit der Bemerkung zu beruhigen: Die Flieger wollten nur etwas sehen.(1) — Uriegsbriefe aus dem Osten. Von unserem zum Ostheere entsandten Kriegsberichterstatter (Unberechtigter Nachdruck, auch aus zugsweise, verboten.) Schneetreiben an der Grenze. Armee ⸗Oberkommando 8, den 10. Jan. Tilsit. Ueber die gefrorene Memel tanzen leichte weiße Flocken, sie fallen einzeln wie schwebende Kirschblütenblätter, die Aussicht ist frei dennoch. Die Landschaft unter dem zarten Geflocke ist stäh⸗ kern. Riesige Eisschollen sind zusammengefroren und bilden eine rissige und wuchtige weite Fläche, ganz fern blauen ein paar Dülgelreihen. Die Brücken über dem Fluß zeigen wie wundervolle schmale Stahlarme gegen den Feind. N Wir fahren über den schönen Eisenbogen, sehen zur Linken die Eisenbahnbrücke, ein paar Gehöfte weiß überschneit, einen Dorf⸗ krug, weißes, weites Land.. Halt. Wir sind bei der Feldwache. Unsere schweren Fahrpelze fliegen in den Wagen, der für jeden Fall sofort kehrt macht. Unter dem arbeitenden Motor zittert er wie in Erwartung. 4 Die Straße ist durch mächtige Verhaue gesperrt. Man hat neue mächtige Scheunentore über Erdwälle gelegt, Tannen dar⸗ über, die mit Stacheldraht verbunden sind. Wir zwängen uns durch eine Lücke und gehen auf einen kleinen Hügel, auf dessen Abhang eine große zweigeschossige Strohscheune steht. Nun sehen e Berge deutlich, dunkel, tannenschwer herüber. Die letzten locken berglitzern auf meinen Händen, es ist ganz klar geworden. er Offizierdiensttuer, der die Feldwache hält, erklärt die Lage der Russen. Ein paar hundert Meter vor uns sieht ein Bauern⸗ haus aus einer blitzweißen Baumgruppe. Da liegt eine russische Patrouille von neun Mann, dort ein wenig weiter rechts in dem großen Gehöft liegen auch wohl zehn Mann, da wo die Hügel steigen, steht russische Artillerie. Nicht viel. Dort sind auch ihre Hauptkräfte. 3 2. „Wie war es am russischen ersten Feiertag?“ 5 „Die Russen haben ziemlich sinnlos in die Gegend gestreut mit ihrer Artillerie, nach Rageit zu. Sie wollten wohl 3 daß sie wachsam wären, sonst wars ruhig.“ 9 Land liegt still in tiesem Schnee, fern kräuselt Rauch aus einem Gehöft. Die Russen kochen Mittag.. Die Feldwache wird in zehn Minuten abgelöst, wir gehen zurück, um unsere Hauptstellungen zu sehen. Wir rutschen die vereisten Wege entlang— ich benutze die Methode, die ich einmal als Bube bei steilen vereisten Abhängen als nützlich erprobt habe— und kommen in die Schützengräben. Es sind die sa ubersten, die ich bisher gesehen habe. Sie sind unter Aufsicht des liebenswürdigen Pionieroffiziers gebaut, der meinen meraden und mich zu den Stellungen begleitet. Richtige kleine Zimmer. Die Wände mit Zeitungsbildern und Ausschnitten aus Zeitschriften tapeziert, ein kleiner Tisch in der Mitte, ein Ofen, eine Lampe, bitte richtige Lampe. Die Decke hat man gegen die Hitze geschützt, indem man eine alte Heringsdose als Wärmefänger über dem Lampenstand angebracht hat. Die Truppe, die hier liegt, hat ihren Ersatz hauptsächlich aus Berlin, so daß es mich gar nicht erstaunt, wie mir ein Musketier sagt: „Wissen se, Herr Leutnant,“— das soll ich sein—„allens jut und jrün, aber ne Weiße, sone richtige Weiße mit Himmbeer“ jibt's in janz Ostpreußen nich. Zu komisches Land.“ Ich kann leider die Sorgen des Mannes nicht lange trösten, denn er muß eiligst zur Schmalz verteilung. „Und jrade det Schmalz hier is wieda ausjezeichnet,“ wie er mir noch schnell versichert. Man hat einen Raum geradezu als Lagerraum eingerichtet für Schanzzeug, Decken und Kohlen. Ein„Schlafsaal“ für zwanzig Mann ist auch vorhanden. 7 Es ist ohne Uebertreibunng anzunehmen, daß es viele der Leute nicht so 5 zu Hause haben wie hier im S raben. Freilich ist die Stadt Tilsit nahe im Rücken und kann vieles her⸗ geben, und freilich ist Ruhe an der Front. Nicht nur hier. Ich bin in diesen min von unserem äußersten linken ügel in Ostpreußen bis zur äußersten rechten Spitze, die nach olen hinübergreift, vorn in den Schützengraben und bei den Feld⸗ wachen ge g auf den Punkt bei Mlawa, wo ein Angriff einsetzte, war überall die gleiche Ruhe oder die kleine Aktion um ein Gehöft, ein Dorf vielleicht, eine Aktion, deren Ende die Russen niemals abwarteten. Leichtes Tauwetter wechselte nrit leichtem . 2 mit Landregen, das war im Grunde der einzi el. e ich schon neulich schrieb, die Russen haben nicht so anz unrecht, von der Ostpreußen zu sprechen. Wenn Ma- ren voll von A d hen von Drahthindernissen ist. die Gegend um sicher kaum nach, und das Schußfeld über 2 die eisglatten e n ist 4 schlechter als über die Seenplatte, wie ich mich im — konnte. Ich sah von der Schi f W eher mit einem gewissen Wohlwollen für uns. f irre u. Wir fahren die vereiste Landstruße zurück zum A. O. K. 8 Die Schneekette am Hinterrad klirrt und bellt wie ein Kettenhund, der sich losreißen will. Immer lauter wird das hohe Klaffen. Ein e Ruck, wir schleudern, und dann fast gleichzeitig der kleine istolenschuß des Gummireifens, aus dem die Luft entweicht. Eine ppelpanne. Der Chauffeur arbeitet Ich gehe auf der dunklen schmalen Landstraße, die rechts und links von Schneewäslen ein⸗ 7— ist. Nach einiger Zeit bin ich aus dem starken Licht der gro Scheinwerfer, die mur noch wie kleine, gefallene Sterne auf dem Wege leuchten. Ab und zu fährt ein itten vorbei, zuweilen trabt ein Kavallerist vorüber. Der gefrorene Boden knirscht bei jedem Schritt, ich gehe schneller auf der Straße von Tilsit nach Skaisgirren.. Frieden zu Tilsit. Tilsit war neu⸗ tral, Ein Drittel bezogen die Russen, ein Drittel die Franzosen, ein Drittel die Preußen. Napoleon nahm von der Königin mit den wunderschönen Augen und dem deutschen Herzen die Rose, und er nahm Magdeburg trotzdem. Und der Zar war groß in Gesten und Worten und klein in dem, was er tat Schon von damals blieb eine 8 die nicht bezahlt wurde. Wir haben so viel vertraut Ich wandte um. Der Wind von der Grenze schnitt in mein Gesicht, den. e Hotels in Kairo und Alexandrien sind in Kranken- häuser zur Aufnahme Verwundeter umgewandelt worden. 3—— 1 es war wie eine Erlösung, ihn zu fühlen. Er war hart und man ich gegen ihn legen, wenn man vorwärts wollte, auf der r WN Alsit. ö Beim A. O. K. 8 Die ostpreußische Stadt, in der das A O. K. liegt. ist ein paar Tagen auch von den Schlittenglocken durchtlingelt. Schner will zuweilen schmelzen, aber gegen Abend setzt wirder leichter Frost ein und die Schlitten können weitertufen. In ersten Tagen, als der dichte Schnee fiel. war es so heimlich und lautlos in den Straßen, so zutraulich. daß man überall freundliche Gesichter sad. Große Scharen von rufsischen Gesangenen schaufelten und kehrten die weißen Berge zusammen unter Bedeckung von Landsturmleuten und unter dem Kommando ihrer eigenen Unteroffiziere. Die Einwohner freuten—— zGaste“ vom Herbst so nützlich zu sehen. Vielleicht konnte r Russe Wiedersehen feiern. Es war ordentlich lustig. 5 dem A. O. K. grinste freundlich, wenn er salutierte, und der Feldpostbriefträger, der mir regelmäßig meine Vakete und„ dungen bringt, sagte: „Nun sind wir fünf Monate zusammen— aber wann kommen wir wieder ein bißchen nach Rußland?“ z 5 Da lam mit der Schmee gar nicht mehr so lustig vor und ich fand, daß der Mann vollkommen recht hatte. 1 Die Arbeit der 8. Armee ist eintönig, schwer eintönig, und hier an ihrem Herzen oder ihrem Kopf merkt man das am stärk⸗ sten. Es ist eine in vielem schwerere Pflicht, bier Tag für Ta den gleichen Dienst zu leisten, als wenn Bewegung und Marsch höhere Anforderung vielleicht, aber auch böhere Freude. Glu des siegreichen Tages bringen. Das sieht man den Otleren nicht leicht an, natürlich,— Dienst ist Dienst,— muß es mit ihnen aber mitfühlen, der man das gleiche in seiner Aufgabe durchmacht. Rolf Brandt, Kriegsberichterstatter. —— —— Aus Stadt und Cane Gießen, 14. Januar 1915. Auf dem Felde der Ehre gefallen. (Aus Hessen und den N Musk. Karl Schnert, Inf.⸗Regt. 117 aus Offenbach.— Feldwebel Mar Dauernheim, Res.⸗Inf.-⸗Regt. 87 aus bach a. M.— Res. Jak. Lutz, Inf.⸗Regt. 115 aus Darm Lt. d. Res. Dipl.-Ing Gustav von Münster mann, Res.⸗Inf⸗ Regt. 19 aus Darmstadt.— Hauptm. Ernst Schmidt. Res.⸗ Inf.-Regt. 231 aus Weilburg.— Landwehrm Friedrich Habich aus Laubus⸗Eschbach. 3 Ludwig Lorenz Wiegand, 1. Garde-Res.-Regt. aus Alsfeld.— Landwehrm. Georg Rich t⸗ berg, Res.⸗Inf.⸗Regt 80 aus Billertshausen.— Gefreiter Theod. Gerlach, Res.⸗Inf.⸗Regt. 116 aus Stockheim.— Hardist stud. phil. Carl Deesen, Inf.⸗Regt. 115 aus Wetzlar.— Oberanwärter d. Ref der Marine Albert Heffter aus Wetzlar.— Landwehrm. Karl Schmidt, Res.⸗Inf.⸗Regt. 116 aus Nösberts.— Ja d. R. Wilhelm Müller aus Battenberg.— Oberl. d.. I Ruhl, Landw.⸗Regt. 110 aus Hersfeld.— Res. Leon ⸗ * Herget, Inf.⸗Regt. 115 aus Darmstadt.— Musk. Heinr. Hamm, Res.⸗Inf.⸗Regk. 222 aus Gräfenhausen.— Ers.⸗Res. Emil Mann, Inf.⸗Regt. 99 aus Rodheim v. d. H.— Res. Otto Helnecke, Inf.-Regt. 118 aus Worms. * * Vom Saatenstand. Die noch vor weingen Wochen gehegten Befürchtungen, daß die Winter saaten stellenweise infolge des- Schnecken⸗ und Mäusefraßes Schaden gelitten, haben sich glücklicherweise nicht bestätigt, im Gegenteil, der heutige Stand berechtigt zu den schönsten Hoffnungen und ist 22 zeichnet. Wenn wir, was wir nicht hoffen wollen, keine Miß⸗ ernte bekommen, können wir mit Ruhe der Zukunft entgegen schauen. Infolge der bisherigen günstigen Witterung war es unseren Landwirten auch möglich, ihre Stoppelfelder umzuackern, was auch von ganz wesentlicher Tragweite ist. * Kriegspersonglien der mittleren fal beamten Hessens. Auf dem Felde der Ehre sind gefallen: Gerichtsschreiberaspirant Heinr. Strack, Ossizter⸗Stellvertreter, aus Rhein⸗Dürkheim, Gerichtsschreiberaspirant Gänther, Unter⸗ 1 d. R. aus Darmstadt, Akt.⸗Assistent Keller, Unteroffizier d. L., aus Darmstadt und Lerichtes hrelberasptrunt Stauder, Vizefeldwebel d. L., aus Nieder-Olm. Das Eiserne erhielten: Gerichtsschreiberasp. Hermann Rothermel aus Wald. Michelbach(1. und 2. Kl., außerdem hess. Tapferkeitsmedaille) unter Beförderung zum mpagnieführer, Gerichtsschreiberasp. Gerhard, Vizeseldwebel d. N. aus Darmstadt auch Tapferkeitsmedaille), Gerichtsschreiberasp. Walther, Ungeroff. d. L., aus Wald-Michelbach, Gerichtsschreiberasp Kredel von Darmstadt und Gerichtsschreiberasp. Wal deck aus Nidda.— Ge- richtsschreiberasp. Friedr. Schmalz aus Gießen wurde zum Leutnant d. Res. befördert. * Der Hess. Jagdklub hat kürzlich beim Großh. Ministerium den 1 gestellt, man möchte die Gemein- den, deren demnächst ablaufende Jagden von im Felde Stehenden gepachtet sind, ermächtigen, die Pacht um ein event. um zwei Jahre zu verlängern, damit die Jagden nicht zur Neuverpachtung kommen, während die jetzigen Pächter vor dem Feinde stehen. Diesem Antrag hat as Ministerium entsprochen mit der Bestimmung, daß in ällen dieser Art die Verlängerung auf dem Wege der frei- digen Vergebung erfolgen könne, deren Genehmigung durch die 2 erfolgen werde. Das 2 Ministerium hat dabei betont, daß außer den Gründen der Billigkeit enüber den Pächtern, auch sehr beg che Interessen der Gemeinden dafür sprechen, im jetzigen 15 blick die Gemeindejagden nicht dem Risiko einer öffent⸗ lichen Versteigerung auszusetzen. Weihnachtsspende des Deutschen Flotten vereins. Der vom Deutschen n erlassene Aufruf zur Spende von Weihnachtsgaben für die Mannschasten der Kaiserlichen Marine hat in allen deutschen Gauen freudigen Wider⸗ hall gefunden. Auch die Mitglieder und Freunde des Hessischen Landesverbandes 3 und reichlich dazu beigetragen, unserer tüchtigen Seewehr die Weihnachtstage in schwerer Zeit zu verschönen. Gesgesamt wurden 11855 Mark von den sischen Oruppen gesammelt, darunter 5801 Mark von der Kreisgruppe Darmstadt. Dazu kam die stattliche Fülle nützlicher Gegenstände und willkommener Stärkungsmittel. Dank dieser Gebefreudigkeit konnte man nicht nur der 788 Mann starken Besaßung des Linien⸗ schiffs„Dessen“ den Weihnachtstlich reichlich decken, 2 auch andere Schisse, die weder Patensend noch Patenstadt haben, tonnten mit Gaben bedacht werden. 29 große Kiston nahm die „Dessen“ in Empfang, 7 große Kisten kamen in Wilhelmshaven auf andere Schisse, und ein Betrag von 3900 Mark fand durch versönliche Vermittlung des Großadmirals von Köster die zweck⸗ —— Verwendung. Die Restsumme wird demnächst zu weiteren Liebesgaben verwandt. Der Hessische Landesverband des Deutschen Flottenvereins dankt allen Gebern herzlich. Vom Postscheckverkehr. Im Reichspostgebtet ist die Zahl der Kontoinhaber im Postscheckverkehr Ende De⸗ zember 1914 auf 103 068 gestiegen.(Zugang im Monat Te⸗ zember 709). Auf diesen Postscheckkonten wu im Dezember 1914 gebucht 1866 Millionen Mark Gutschristen und 1863 Milltonen Mark Lastschristen. Bargeldlos wurden 2005 Millionen Mark des Um⸗ satzes beglichen. Das Gesamtguthaben der Kontoinhaber betrug im Dezember 1914 durchschnittlich 257,5 Millionen Mart. Auszeichnung. Dem Feldunterarzt Willi Buchacker, Fg 175 Nr.. 5 3 1 das e e Sani„Kreuz verlie er bereits in Frankreich das Eiserne Kreuz erhalten hat. * Der Konzert⸗Verein schreibt uns: Als vor zwei . das bereits angekündigte Konzert der Königl. Bayer. mmersängerin Hermine Bosett b infolge plötzlicher Erkrankung der Künstlerin in letzter Stunde abgesagt werden mußte, bezeichnete der damalige Kritiker diesen Ausfall als einen unleidlichen icht auf einen ganz bervorragenden künstlerischen Genuß, der nur 22 1 ein neues Engagement gutzumachen sei. Die rtleitung ist . a dieser Verpflichtung eingedenk 1 kann als Erfolg ihrer Schritte mitteilen, daß Frau Bosetti am nächsten Sonntag, den 17. Januar, hier singen wird. Die Künstlerin ist, nachdem ihr die Hoftheater⸗Intendanz in München den erforderlichen Urlaub bewilligt hat, unserm Rufe unter außerordentlich entgegenkommen⸗ den Bedingungen um so lieber gefolgt, als es sich um eine Wohl- tätigkeitsveranstaltung handelt. Frau Bosettis Stellung unter den dramatischen Sängerinnen bezeichnet am besten die Tatsache, daß sie vor zwei Jahren von der Berliner Hofoper berufen wurde, als es galt, im Rahmen einer Musteroper die ersten Kunstler Deutschlands zu vereinigen. Die Künstlerin beherrscht indessen auch den Stil des Liedervortrags so, daß sie es nicht nur jeder Konzertsängerin gleichtut, sondern den besten Muster und Vorbild sein kann. Das von ihr feinsinnig ausgewählte Programm umfaßt Lieder von Franz Schubert, Hugo Wolf, L. Thuille, W. Pfitzner, Richard Strauß. Die Klavierbegleitung hat r Prof. Trautmann zu übernehmen sich freundlichst bereit erklärt. Das Nachtbackverbot wird von morgen ab aller- wärts die zun gewiß nicht gerade angenehm empfundene Folge haben, daß man zum Morgenkaffee auf die gewohnten Brödchen verzichten muß. Das kleine Opfer aber wird in Anbetracht des damit angestrebten Zweckes gewiß von jedem gerne auf sich genommen werden. ** Neubaupläne sind im letzten Vierteljahr in unserer Stadt nicht* Genehmigung eingereicht worden, außer 3 kleineren Ointergebäuden, welche für geschäftliche Zwecke gebraucht wurden. Im gleichen Zeitraum des Vorjahrs wurden unter 8 Baugesuchen die Ausführung von 4 Wohngebäuden genehmigt. In unserer Stadt sind, soweit die Altstadt in Frage kommt, zurzeit 2 größere Neubauten in Ausführung begriffen(Neubau Horn, Kreußplatz, und Einhorn⸗ Hotel, Lindenplatz). Hierzu kommt der innere Ausbau r 2 1175 1 5 ro 9 gerhauses irma Rosenthal an der Heoßdorser Straße. * Diebstahl. In letzter Zeit wurde aus der verschlossenen i alle eines hiesigen Steinbruchs ein 15,65 Meter langer Treibriemen entwendet. Sachdienliche Nachrichten über den Verbleib desselben nimmt die Kriminalabteilung des Großh. olizeiamts entgegen. 1 l Landkreis Gießen. 6 S b. Steinheim b. Hungen, 41 Jan. Am vergangenen Sonntag unser neues Schulhaus seiner Bestimmung Übergeben. Von Einweihungsfeierlichkeiten war dem Ernste der Zeit entsprechend abgesehen worden. Das neue Schulgebäude, das am Südausgang des Dorfes nach Unter⸗Widdersheim zu steht, ent⸗ hält zwei Schulsäle mit Lehrmittelzimmer und zwei Lehererwoh⸗ nungen. Bereits im Jahre 1913 wurde es im Rohbau vollendet nach den vom Großh. Kreisbauamt⸗Gießen entworfenen Plänen. Die Bauleitung lag in den Händen des Bauaspiranten Kimpel⸗ Gießen, der es verstand, mit verhältnismäßig nicht allzugroßen Mitteln ein allen Anforderungen der Zeit entsprechendes Schul⸗ haus zu errichten. 0 Kreis Lauterbach. . Grebenhain, 13. Jan. Unter großem Trauergefolge die sterbliche Hülle des Wehrmanns Heinrich Weitzel vom Res.⸗Inf.⸗Regt. 116 zu Grabe getragen. Im städtischen e zu Frankfurt a. M. war er einem Halsleiden er⸗ kegen. i aus dem Lazarett Lauterbach trugen 1 satzbataillon Gießen waren ein Feldwebel und 20 erschienen, salven abfeuerten. * Gesangverein, denen der Verstorbene als Mitglied angehörte, wurden ö— Im ganzen hat der Krieg bis t 7 Opfer aus unserer gefordert. Es 3 Lazarett 0 Mit Esernen Kreuz wurden fünf Mann ausgezeichnet. * 3. Aus dem Oberwald, 13. Jan. An einigen Stellen e e 4 RKreis Friedberg. U es, eine führende Persönlichkeit auf tur⸗ nersschem Gebiete. Seine Beerdigung findet am Samstag nach- mittag 364 Uhr statt. Starkenburg und heinhessenn. Durmstadt, 14. eil besuchte mit am Dienstag das Gefangenen auf dem — U Grieshei. so⸗ 0 prach r anerkennend 1 die mit großer Umsicht getroffenen Vorkehrungen aus.— Im Alter von 11 1 hat sich der Sohn eines Land⸗ wirtes in infolge einer anscheinend schon einige — bei ihm bestehenden leichten Grregbarkeit. Aus unbe⸗ 1 1 gut begabte und in der Schule n en ht und im vorliegen⸗ hat er die Tat n. igung der le in der Mit⸗ rt, weil i einen Anzug seine Wünsche t 5 ch. Bingen, 13. Jan. Der Bau der neuen Rhein⸗ brücke Bingen— Rüdesheim wurde in der letzten Zen so — daß nunmehr auch das letzte Montagegerüst zwischen en und Gaulsheim beseitigt werden konnte. Die an der Stelle sich Neelnscse Wehrschauposten sind eingezogen worden, so daß die Rheinschiffahrt nunmehr ungehindert unter der Brücke vor sich gehen kann. Auch die Arbeiten am Bau der Anschluß⸗ strecken der Bahn Rüdesheim—Sarmsheim nehmen einen flotten Verlauf. mii Wetzlar. O Wetzkur, 3. Gestern abend in der Dämmerung c 5 i R. in der Krämerstraße. Da die beiden ein allein waren, b ie die Gelegenheit, nell ei er und elne zt Sete i i nd verschwanden Der Metzger⸗ meister sah sie noch 5 die Domtreppe hinauf. Polizei⸗ 2 Naussau. l 7 4 4 r. Marburg, 13. Jan. Gestern abend wurde in der Schwan- allee in das offene Fenster eines Hauses ein etwa zweit Tage altes Mädchen ausgesetzt. Das Kind war in ein Stück Leinen, —— B., eingewickelt.— Zwischen hier und Cölbe sand man gestern in einem Fichtendickicht in einer Schachtel die Leiche eines neugeborenen Knaben. Die Nachforschungen nach den Müttern der Kinder sind im Gange. 1. Sitzung der Großherzoglichen Handelskammer Gießen für die Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. 85 ö Protokoll⸗ Auszug. 8 1 2 Gießen, 6. Jan. bie 5 5 f 5 . Herren: Geheimer Kommerzienrat Heichel⸗ Ihrin und der Syndikus. Vor in die Tagesordnung gibt Herr Geheimer Kom⸗ merzienrat Heichelheim bekannt, daß das liche Mini siertun des Rund Aehanbe gen 18. Dezember 2914 bee Wiederwahl der Mitglieder: Herren Geh. Kommerzienrat Heichel⸗ heim, Kommerzienrat Klingspor, August Noll, sämtlich in Gießen, 8 Lich, Ramspeck⸗Alsfeld und die Neuwahl des Herrn Jakob 5 in Lauterbach bestätigt hat. Sodann begrüßt er das neue * CCFP—PCWGTGGTWGG [Toutzbach. 13. Jan. Heute vormittag verschied nach kurzem or A. Wamser, Mitglied des Kreisausschusses din ein⸗Turnkreis Mitglied mit dem Wunsche, daß es tatkräftig an den Aufgaben der Kammer zum Wohle von Handel und Industrie des Bezirkes mitarbeiten möge. 1. Konstituierung der Handelskammer. Tas bis⸗ herige Präsidium, bestehend aus den Herren Geheimer Kommer⸗ zienrat Heichelheim als Vorsitzenden, Kommerzienrat Schirmer als 1. stellvertretenden und Kommerzienrat Grünewald als 2. stell⸗ vertretenden Vorsitzenden, wurde durch Zuruf einstimmig wieder⸗ gewählt. Ebenso wurde der Rechner der Kammer, Herr Kauf⸗ mann Röhr, einstimmig wiedergewählt. 2. Sicherstellung der Volksernährung wäh⸗ rend des Krieges. Zur Sicherstellung der Ernährung des deutschen Volkes aus eigener Kraft während des Krieges sind von der Reichsregierung eine Reihe von Maßnahmen getrof⸗ fen worden. Aus Wissenschaft und Praxis verstummt aber die Klage nicht, daß dem deutschen Volke in seinen einzelnen Glie⸗ dern die gewaltige Bedeutung noch nicht zum Bewußtsein ge⸗ kommen ist, welche es für die glückliche Durchführung des Krieges hat, wenn unser Nahrungs⸗ und Futterbestand unbedingt gesichert wird und zwar nicht bloß bis zur nächsten Ernte, sondern auch darüber hinaus. Die Handelskammer weist daher auch ihrerseits darauf hin, daß es unabweisbare vaterländische Pflicht der im Lande Verbliebenen ist, die zur Sicherung der Ernährung von Mensch und Vieh getroffenen Maßnahmen selbst gegen das In⸗ teresse der eigenen Wirtschaft sorgsam und mit persönlicher Ver⸗ antwortlichkeit durchzuführen, damit jeder an seinem Teile dazu beitrage, die Interessen des Vaterlandes wahrzunehmen. Die Kammer wird noch mit den übrigen hessischen Handelskammern beraten, in welcher Weise am zweckmäßigsten die genaue Kenntnis — gesetzlichen Vorschriften in die Bevölkerung getragen werden nne. 3. Entrichtung von Gerichtskosten im Wege des Postscheckverkehrs. Nach einer Vereinbarung zwischen dem Postscheckamt Frankfurt/ Main und dem Großh. Mini⸗ sterium der Justiz können die Gericht sten in Zivil⸗ und Privatklagesachen, welche bei einem hessischen Gerichte entstehen, auch durch Abschreibung des Betrags vom Post⸗ scheckkonto des Kostenschuldners, ohne daß dieser einen Postscheck ausstellt, beglichen werden. Voraussetzung ist hierbei, daß sich zur Zeit der Fäll'g eit der Gerichtskosten stets ein ausreichendes Guthaben auf dem Postscheckkonto befindet. Wer von dieser Ein⸗ richtung Gebrauch machen will, muß in jedem einzelnen Falle un⸗ mittelbar oder durch Vermittlung des Bevollmächtigten dem zustän⸗ digen hessischen Gerichte eine entsprechende Mitteilung machen. 4. Stellung von Kautionen bei„ staatlicher Bauarbeiten und Lieferungen. D Verfügung des Großh. Ministeriums der Finanzen, Ab⸗ teilung für Bauwesen, sind die in Betracht kommenden Staatsbehörden angewiesen worden, bei Vergebung von Leistungen und Lieferungen während der Kriegszeit von der Stellung einer Kaution abzusehen, insofern im Einzelfall eine Benachteiligung staatlicher Interessen nicht zu besorgen ist. Damit ist den Bestrebungen der beteiligten Kreise Rechnung getragen wor⸗ 22 welche auch von der Kammer warme Unterstützung erfahren en. 3. Aus dem Geschäftsbericht ist folgendes hervorzuheben: a) Die Handelskammer hatte Gelegenheit, 11 u dem Ent⸗ wurfe einer Verordnung über die Festsetzung von 3 c0st preisen für Kupfer, Rotguß usw. zu äußern: b) In einem Bericht an das Großh.Ministerium des Innern die Kammer die Frage der Festsetzung von Höchstpreisen ür Maschinenöle erörtert. o). Die Kammer hatte in einer Eingabe das Großh. Ministerium der Finanzen gebeten, im rate für eine vorübergehende Aufhebung des Zolles auf Kartoffelmehl einzu⸗ treten. Das Ministerium erteilte hierauf den Bescheid, daß eine Aenderung der in Betracht kommenden Bekanntmachungen des Reichskanzlers vom 5. und 28. November v. Is. betr. vorüber⸗ zollerleichterungen in dem gewünschten Sinne nicht zu erwarten sei. d) Nach längeren Verhandlungen ist jetzt der Kammer von dem Großh. Ministerium der Finanzen die Mitteilung zugegangen, ach für die Einrichtung der elektrischen Beleuchtung und eines elektris betriebenen Lastenaufzuges in dem Niederlagegebäude des 2 C— — d ittel bereitgestellt wo eien und demnächst mit der Ausführung der Arbeiten begonnen würde. e) Die Anwendung des bestehenden Ausnahme⸗ tarifes 1 aß e e 1 3 an die Be⸗ gung 5 im achtbrie Empfängerin die„CCC angegeben ist. Im Interesse der beteiligten skreise hatte die Kammer die Eisenbahnabteilung des Großh. i i etzli andelskammer sprache unter den hessischen Handelskammern machen. f) Die Sonntagsfahrkarten 2. Klasse auf der Strecke Alsfeld— Gießen waren auf Verfügung der König⸗ lichen Eisenbahndirektion Frankfurt/ Main mangels eines Ver⸗ kehrsbedürfnisses zurückgezogen worden. Die Kammer hat, einer Anregung aus Interessentenkreisen Folge gebend, die Eis. abteilung des Großh. Ministeriums der zen gebeten, sich für die Wiedereinführung dieser Fahrkarten zu verwenden. Frühzug h) Die in Kreisen des Handels und der In ie laut gewor⸗ denen Klagen über die im Postpaketverkehr auf e⸗ nen bedeutenden Störungen hatten die Kammer zu einer Ei an die Kaiserliche Ober⸗Postdirektion veranlaßt. Als Ursache dieser namentlich in Geschäftskreisen als sehr nachteilig empfundenen Störungen hat die Ober⸗Postdirektion den Zusammenfluß unge⸗ euerer Paketmassen in den Hauptverkehrszentren anläßlich uflieferung von Feldpaketen bezeichnet. Die Postverwaltung hat die 19 Maßnahmen zugesagt, durch welche die Wieder⸗ kehr solcher Vorkommnisse verhindert werden soll. i) Die an der Volksschule angestellten Lehrer find gesetzlich ver⸗ duc ez auch Unterricht an der allgemeinen Fortbil- ungsschule zu erteilen. Es war nun die Frage aufgeworfen worden, ob diejenigen Lehrer, welche bereits an einer schule kaufmännischen oder 3 tätig sind, außerdem noch zum nterricht an der allgemeinen Fortbildungsschule herangezogen werden können, so lange noch genügend andere Lehrkräfte vor⸗ den sind, welche nicht durch Unterricht an einer Fachschule in nspruch genommen werden. Auf eine Vorstellung der Kammer hat die oberste Schulbehörde dahin entschieden, daß aus der Be⸗ schäftigung an fachlichen Fortbildungsschulen ein fehlen f auf eine völlige oder teilweise Befreiung von der gesetzlichen Pflicht, an der allgemeinen Fortbildungsschule Unterricht zu erteilen, nicht hergeleitet werden könne. E) Einem Wunsche der Kriegsverpflegungsabteilung des Kriegs⸗ ministeriums entsprechend, macht die Handelskammer die beteilig⸗ ten Kreise von Handel und Industrie darauf aufmerksam, daß Angebote, soweit sie sich auf Lieferung von Verpfle⸗ gungsgegenständen erstrecken, nicht an die Kriegsverpfle⸗ gun teilung, sondern an die stellvertretenden In⸗ tendanturen am Sitze des Friedens⸗Generalkommandos zu richten sind. Ferner ersucht die Handelskammer, einer Aufforderung des Großherzoglichen Ministeriums des Innern entsprechend, die be⸗ teiligten Nhe sich jeglicher Erörterungen über unzureichende Vor⸗ räte an Rohstoffen in der Presse zu enthalten. Eine Erdbebenkatastrophe in Italien. „Die in unserem gestrigen Telegramm ausgesprochene Befürchtung der Erdbebenwarte Jugenheim, daß eine Katastrophe zu befürchten sei, hat sich bewahrheitet. Folgende Meldungen von einem schweren Erdbeben in Italien sind zu verzeichnen. Rom, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das Erdbeben am heutigen Vormittag hat in allen Teilen Roms große Aufregung hervorgerufen. Es hat jedoch keine Opfer an Menschenleben gefordert, jedoch werden einige Sachschä— den gemeldet. Der Bogen der alten Porta del popolo erhielt einen Riß, einer der kleinen Türme des Finanz⸗ ministeriums ist eingestürzt, eine der Statuen an der Front von San Giovanni beim Lateran ist auf den Plaßz gestürzt. Die Statue auf der Antoniussäule auf der Piazza Colonna scheint von ihrem Platz gerückt zu sein, auch scheint sich die Säule in der Mitte nach rechts geneigt zu haben. Die Erschütterung verursachte auch einigen leichten Schaden im Vatikan, Der Papst befand sich im Augenblick des Erd⸗ bebens in der Bibliothek. Er kniete nieder und betete einige Augenblicke. Dann gab er die Weisung, die Folgen des Bebens festzustellen und zu untersuchen, ob die Kirchen be— schädigt seien. An der Basilika von St. Peter sind 150 Fensterscheiben in der Kuppel gesprungen, weiterer Scha⸗ den aber nicht angerichtet worden, nur einige alte Risse haben sich wieder geöffnet. Ein Block von der äußeren Säulenhalle von St. Peter hat sich verschoben. Die Unter⸗ suchung dauert noch fort. Rom, 13. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die Erder⸗ schütterung, die in Rom wahrgenommen wurde, hat auch die Umgebung von Rom heimgesucht. In Neapel nahm man gegen 8 Uhr früh ein gegen 20 Se⸗ kunden andauerndes Erdbeben wahr. Die Bevölkerung war stark beunruhigt und lief auf die Straße. Das Erdbeben wurde auch in Pozzuoli und Monte Rotondo ver⸗ spürt. In Monte Rotondo wurden verschiedene Häuser, so auch das Rathaus, beschädigt; zwei Personen sollen um⸗ gekommen sein. Auch aus Caserta, Civitavecchia, Grosseta und aus Umbrien sind Meldungen über 5 eingelaufen, die überall eine große Panik hervor⸗ riefen. Rom, 14. Jan.(WTB. Nichtamtlich. Telegr.) Es be⸗ stätigt sich, daß die durch das Erdbeben in Avezzano, Celano, Collemele und Cerchio verursachten Schäden äußerst schwer sind. Alle Verbindungen sind unterbrochen. Die erste Hilfe wurde von Rom mittels Automobilen ge⸗ sandt. Weitere umfassende Hilfeleistungen sind angekündigt. Nach den letzten Nachrichten aus der Provinz beklagt man in der Gemeinde Bussi sechs Tote und mehrere Verwundete, in Torre und einem Teil der Gemeinde Cagnono Amiterno wurden mehrere Personen getötet oder verwundet. In Costelvecchio und Suboquo wurden eine Person getötet und zahlreiche verletzt. In San Filice und einem Teil der Gemeinde Ocre sind vier Tote und verschiedene Verwun⸗ dete zu beklagen. In der Gemeinde Poggio Pi⸗ cenza ist die Zahl der Toten und Verwundeten noch nicht festgestellt. In den Gemeinden Sasse Torrim⸗ perte, Castelnovo und einem Teil von Sempia sind je i bis drei Personen getötet und mehrere verwundet—— In Sore wurden mehrere Gebäude zerstört, fast alle übri⸗ gen sind unbewohnbar. Truppen sind zur Hilfeleistung nach den betroffenen Ortschaften 95 Pele In Avezzano wurde bereits ein provisorisches egraphenbureau einge⸗ richtet. Der Ort ist vollständig zerstört. Auch die Gemeinden Paterno, Celano, Ajelli, Cerchio, Collemele und Pescina sind sehr schwer beschädigt. Viele Personen sind getötet und viele befinden sich noch unter den Trüm⸗ mern. In Pesseszeroli wurden zehn Personen getötet und i etwa fünfzig verletzt. Das Wetter ist schlecht. Rom, 14. Jan.(WTB. Nichtamtlich) Heute nacht ist hier ein Zug mit einigen hundert Verletzten aus und Tegliocozzao hier angekommen. Viele Reise. Bei der Ueberführung der Verf vom etzten Bahnhof ins Krankenhaus waren Vertreter der staatlichen und städti⸗ schen Behörden zugegen. f neber 10 000 Menschen getötet. Rom, 14. Jan.(WTB. Nichtamtlich.)„Giornale d'Italia“ meldet, daß die Ueberlebenden des Erdbebens in Avezzano 800 Personen betragen. Da die Bevölkerung ö Avezzanos 11000 betrügt, seien über 10000 getötet worden. vermischtes. Pt zur Aufgabe gemacht hat, den Frauen und T fizierst mehrere Freistellen zur Ausbildung in haus wirtschaftli sozialen wie künstlerischen Berufen zu vergeben. Da die Anmelde⸗ termine für Ostern im Januar verstreichen, wäre es wünschens⸗ wert, daß sich noch recht bald Bewerberinnen, denen die Mittel zur Berufsausbildung fehlen, melden. Auch ist ein Ueberangebot zu verzeichnen von guten Familien, die Offizierkinder, Halbwaisen, Vollwaisen, Geschwister zu adoptieren oder zu 2 die Absicht aben. Meldungen nimmt der„Bund deutscher Offizierfrauen“, lin SW.. Hallesche Straße 20, entgegen. l Märkte.. 10. Frankfurt a. M. Viehhofmarktbericht vom 13. Jan. Auftrieb: inder 136(Ochsen 10, Bullen 00, Kühe und Faͤrsen 126, Kälber 851, Schafe 316, Schweine 1256. Tendenz: Kälber flau, Schase rege, geräumt, Schweine ge⸗ drückt. Preise für 100 Pfd Lebend- Schlacht gewicht Kälber. 3 Mk. Feinste Mastkä lber.. 54—58 90—93 Mittlere Mast⸗ und beste Saugkälber. 45—50 75—83 Geringere Mast-⸗ 1 42 Saugkälber.. 40—44 68—75 a fe. Stallmastschafe: Mastlämmer und jüngere Masthammel. 44—00 94—96 Aeltere Masthammel, gut genährte junge Schafe und geringere Mastlämmeer 85—90 Sch 3 1 Vollfleischige weine von 1 ick Vollfleischige Schweine unter 80 kg Lebendgewict 8 Vollfleischige Schweine von 100 bis 120 kg Lebendge wicht Vollfleischige Schweine von 120 bis 150 Lebendgewicht 65.00—67.50 83.00—85.00 64.00—66.00 80.0082. 00 66.00-67.50 83.00—85. 00 66.00—67.50 83.00—85.00 * Amtlicher Wetterbericht. 19 15. Jan. 19152 Wetteraussichten in Hessen am Freitag, den Unbeständig, zeitweise Niederschläge, westliche Winde. ——— Rhelnisches 25 I 2— 7 utomobisba uo echnikum Bingen I e Ohauffeurkurse. „ 4 1 . a 1 2 5 55 8 derselben sind schwer verletzt, einer starb während der 1 Springmanns 8 Grösste Leistungsfähigkeit du Einkauf für eigene Geschäfte in: Giessen, Nürnberg, Erlangen. Am- reh Gross- berg. Würzburg. Schueinfurt, Fulda Aschassenburgu. weitere Verkaufsstellen 40 ö 1 An das verehrl. Publikum! Laut Beschluss des Bundesrates tritt von heute an eine Um— gestaltung in den Backereibetrieben ein. streng untersagt und können demzufolge keine frischen Brödchen am Morgen mehr verabreicht werden.— In unserer gestrigen Versammlung wurde beschlossen, Brödchen herzustellen und in den Läden zum Verkauf be- reit zu halten, jedoch ist das Austragen von Brötchen strengstens untersagt! Die Nachtarbeit ist am Nachmittag eine Sorte Brot wird nur noch eine Sorte mit dem Namen, bestehend aus reinem Roggenmehl mit Kartosfselmehl- Zusatz, hergestellt und die Kundschaft hiermit wie seither bedient. Nach Beendigung des Krieges treten die alten Gebräuche wieder in Krast. Wir sprechen heute schon den dringenden Wunsch aus, dass das verehrliche Publikum dann wieder zu seinem früheren Bäcker zurückkehrt. 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Mitglieder hierdurch zu einer außerordentlichen Haupt⸗Versammlung auf Samstag, den 16. Januar 1915, abends 9 Uhr, in das Metropol, Plockstraße, höflichst ein und bitten um zahlreiches Erscheinen. Tagesordnung: Rechnungs- Ablage 1913/14. 5200 Der Vorstand. —— Fur Neueinteilung des Dienstes werden alle Herren, welche als Krankenträger und Samariter am Bahnhof tätig waren, zu einer Besprechung auf Freitag, den 15. Januar 1915, nachmittags 6/ Uhr in das Geschäftszimmer des Roten Kreuzes eingeladen. 5 Zutigverein Gießen vom Roten Krenz. 1 Licht- Spiel- Haus Vom 13. bis inkl. 15. Januar 1918; Gebrochene Schwingen Dramatisches Lebensbild in 3 Akten. Tango und Maxixe Interessante Tanzstudie. Bobby, der kleinste Boxer Komische Szene. Ehe das letzte Blatt fällt Drama. ID Jele Taiehenz der err Mister Großes Lustspiel in 2 Akten. 1 AMultar ohne Charge zahlt Werktags die Halfte Oppenheimer Irn flasche M. 1.— 3 Goldberg u fische M. 1.20 vorzüglicher Weißwein 20 A. 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