nr. 10 Der Gießener Anzeiger erscheint täglich, außer Sonntags.— Beilagen: Erstes Blatt viermal wöchentlich Gießener Familienblätter; zweimal wöchentl. Kreis⸗ blatt für den Kreis Gießen (Dienstag und Freitag); zweimal monatl. Land⸗ wirtschaftliche 15 5 Fernsprech-Anschlüsse: sür die Schriftleitung 112 Verlag, Geschäftsstelleß! Adresse für Drahtnach⸗ richten: Anzeiger Gießen. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags 9 Uhr. 165. Jahrgang 9 jährl. Mk. 2.20; Abhole- u. Zweigstellen monatl 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.— viertel- jährl. ar l. Bestellg. Zeilenpreis: lokal 15 Pf., ausw. 20 Pf.— Haupt- schristleiter: Aug. Goetz. General⸗Anzeiger für Gberhessen Rotationsdruck und verlag der Brühl'schen Univ.⸗Buch⸗ und Steindruckerei R. Lange. Schriftleitung, Geschäftsstelle u. Druckerei: Schulstr. 7. Mittwoch, 15. Januar 1915 Zezugsvreis: monatl. 75 Pf., viertel⸗ durch Verantwortlich für den politischen Teil und das Feuilleton: Aug. Goetz; für Stadt und Land, Vermischtes und Ge— richtssaal: Otto Braun; für den Anzeigenteil: H. Beck, sämtlich in Gießen. Fortschritte in West und Ost. Ein guter Bericht unserer österreichisch⸗ungarischen Bundesgenossen. .(WTB Großes Hauptquartier, 12. Jauuar. (Amtlich.) Westlicher Kriegsschauplatz. Südlich des Kanals von La Bassée fanden geringfügige Kämpfe statt, die bisher ohne Ergebnis waren. Nördlich Crony griffen die Franzosen gestern abend an, wurden aber unter schweren Verlusten zurückgeworfen. Heute früh lebten die Kämpfe hier wieder auf. Ein gestern nachmittag in Gegend östlich Perthes unternommener französischer Angriff brach in unserem Feuer zusammen Der Feind hatte sehr schwere Verluste. In den Argonnen wurde an der Römerstraße ein französischer Stütz⸗ punkt erobert, zwei Offiziere und 140 Mann fielen dabei in unsere Hände. In den Kämpfen im östlichen Teile der Argonnen sind den Franzosen seit 8. Januar(einschließlich der gemeldeten) ein Major, drei Hauptleute, 13 Leutnants, 1600 Mann an Gefangenen abgenommen, sodaß ihr Gesamt⸗ verlust einschließlich Toter und Verwundeter in diesem be— schränkten Gefechtsraum auf 3500 Mann geschätzt wird. Französische Angriffsversuche bei Ailly, südlich St. Mihiel, scheiterten. f- Oestlicher Kriegs schauplatz. In Ostpreußen nichts Neues. Russische Vorstöße im nördlichen Polen hatten keinen Erfolg. Unsere Angriffe im Gebiet westlich der Weichsel machten trotz des schlechten Wetters an einigen Stellen Fort— schritte. Auf dem östlichen Pilicaufer keine Veränderung. Oberste Heeresleitung. „ Es hat seine gute Berechtigung, daß wir gegenwärtig in erster Linie auf die Wirkung des Kanonendonners lauschen, der über unseren Grenzen und weit in den Orient hinein erschallt, denn davon hängt schließlich alles ab, was irgendwie mit Politik Zusammenhang hat. Der Boden unseres innerpolitischen Lebens hält einen ruhigen und gesunden Winterschlaf; er gleicht dem Landschaftsbilde, das ö ie Blätter und Halme und aller Farben Pracht von sich abgestreift hat. Aber eine geheimnisvolle Macht schafft und webt doch auch in diesem scheinbar leblosen Reiche, und wir wissen es, daß die deutsche Erde sich neu kleiden. wird, in ihrer stolzen Schönheit, wenn der Friedensbote ihr die ersehnte Siegeskunde bringt. Wir hoffen auf den Frie— den und Sieg wie auf den Frühling, der kommen muß. Und wenn die innerpolitische Flora in Deutschland sich nicht gleich bleiben wird, so sehen wir doch in freudiger Ahnung schon allgemeine Umrisse und festigen in uns die Ueberzeugung, daß der neue deutsche Voltsfrühling uns ge— fallen wird. ö Den inneren Frieden, nicht nur einen schetnbaren Burgfrieden, haben wir beinahe schon gewonnen. Zwar hat der Reichskanzler recht, wenn er voraussagte, die Par- teien würden und müßten wiederkommen. Aber, so dürfen wir hinzufügen: sie werden ein anderes Aussehen bekom- men. Die Ereignisse sind zu riesengroß, als daß die kleinen Balken der Parteiprogramme und Grundsätze sie noch tragen könnten, und die Stunde wird endlich kommen, wo die Fragen der Zeit in einheitlicherem Geiste gelöst werden als in den Jahren bisher. So verzeichnen wir es denn mit Befriedigung, daß die „Voss. Ztg.“ als einsamer Vogel in den kahlen Aesten der inneren Politik einen, freilich etwas verfrühten, Frühlings- gesang angestimmt hat, der mit folgendem Verbrüderungs— gruß schließt:„Unterdessen aber reichen wir allen inner— politischen Gegnern von gestern und von morgen die Hand als unsern Freunden und Brüdern von heute, und sind einig mit ihnen in dem Wunsch:„Zuerst und zunächst llen wir siegen, siegen über den äußeren Feind, über die Welt von Feinden!“ Das Blatt sieht in der Zukunft für Deutschland die „Politik der einfachen Linie“ herandämmern. Es 5 eine Aeußerung des Blattes der Hirsch-Dunckerschen Metallarbeiter, worin es heißt, was ehedem unmöglich schien und unmöglich war, fei jetzt eine vollendete Tatsache, die verschiedenen Arbeiterorganisationen wirtten mitein— ander ohne Kampf, ohne Haß. Die Arbeiterorganisationen würden nach dem Kriege vor von Grund aus veränderten Verhältnissen stehen. Dieser Zuversicht dürfen wir uns an— schließen, hat doch die sozialdemotratische Partei Beweise dafür gegeben, daß sie künftig im deutschen Volksleben eine veränderte Stellung beanspruchen darf. Einer der Radi⸗ kalsten, Scheidemann, hat einen Neujahrsartikel ge— schrieben, in dem es heißt: „Hut ab vor den Helden, die für unser Vaterland gefallen sind! Größer als die Sorgen und Schmerzen müssen unser unbeugsamer Wille, unsere unerschütterliche Entschlos⸗ senheit sein. Wir wollen die surchtbare Zeit nicht nur in Aarem Bewußtsein mit offenen Augen durchleben, wir wollen zuch die Absichten unserer Feinde zuschanden machen: wir wol⸗ len siegen! Und so wünsche ich zum Jahreswechsel allen die Kraft, Kummer und Schmerzen niederkämpfen zu können. Ich wünscke allen den unerschütterlichen Willen zum Durchhalten bis zum Siege! Unseren verwundeten und kranken Soldaten wünsche ich baldige und vollkommene Genesung. Ihnen und ihren Kameraden, die in den Schützengräben hausen, zur See oder auf der Wacht dem Vaterlande dienen— ihnen drücke ich herzhaft die Hand! Ihnen ganz besonders rufe ich zu: Haltet aus! Von euch hängt es ab, was aus unserem Lande und was aus der deutschen Arbeiterschaft wird. Möge uns das neue Jahr baldigen Sieg und dauernden Frieden bringen.“ Das klingt doch wahrlich„national“, und nach dem sieg— reichen Frieden wird auch die Sozialdemokratie, wie alle 4 übrigen Parteien, eine Umwandlung durchmachen. Das Leit⸗ motiv der einfachen Linie muß sich durchsetzen.„Wer kann angeben“, so ruft die„Voss. Itg.“,„wodurch sich noch die eine Fraktion von der anderen unterscheidet? Das gilt nicht nur hüben, sondern auch drüben. Und wenn in dem einen Fall die Scheidung überhaupt jede Berechtigung verliert, so wird billig auch der Gegensatz der großen, zusammengefaßten Gruppen zueinander nicht mehr jene Schärfe zeigen wie vor dem Kriege.“ In der Vereinfachung des Beamtenapparates, in der Verminderung kostspieliger Verwaltungsformen er— blickt das Blatt gleichfalls eine nützliche Durchführung jener Politik der einfachen Linie. Es ist interessant, neben diese Meinung einer prak— tischen Kämpferin die prophetischen Darlegungen eines un— serer bedeutendsten Historiker zu halten. Prof. Lamprecht hat am Samstag in der Aula der Leipziger Universität einen Vortrag gehalten über die deutsche Zukunft. Seine Gedanken— gänge begegnen sich mit den oben angeführten und der Ge— lehrte hat wohl dasselbe Friedensbild vor Augen wie der ge⸗ wesene Parteipolitiker der„Voss. Ztg.“. Nach einem Zei— tungsbericht hat Lamprecht u. a. ausgeführt: „Einheitsbewußtsein und Nationalgefühl, Reichsbürgertum und Staatsbürgertum nähern sich einander immer mehr, und schon um 1850 scheinen sie einem gegenseitigen Verschmelzungsprozeß entgegenzueilen. Hat nun diese ungeheure und elementare Bewegung später etwa abge— nommen? Oder ist sie seit 1850 oder nach Gründung des Reiches im Jahre 1870 schwächer geworden? Wir alle empfinden es mit jeder Faser unseres sittlichen Gefühls: nein, nein und tausendmal nein. Im Gegenteil. Immer mehr hat sich die Durchdrin⸗ gung von Nation und Staat vollzogen. Eben der heute tobende Krieg bildet in diesem engen Ineinanderverschmelzen von Volk und Staat vielleicht den erhebendsten Vorgang. Ist es nun möglich, diesen jetzt anderthalb Jahrhunderte wäh⸗ renden, soeben in einem größesten Ereignis gipfelnden Verlauf klarer und mächtiger Tendenzen ohne weiteres zu unterbrechen? Unmittelbar ist sich jedermann bewußt, daß davon keine Rede sein kann. Ist dem aber so, so sind wir der wichtigsten Ereignisse unserer nächsten Zukunft sicher: sie werden in ihrem innersten Kern Ausdruck des heutigen Staatsbürgertums und des bestehenden Nationalbewußtseins sein und empfangen eben darin ihre entscheidende Sicherung.“ Lamprecht glaubt auch an eine Kräftigung der„Wurzel eines erhöhten Persönlichteitsdaseins“ und besprach in seinem Vortrage auch den geschichtlichen Beruf Preußens im neuen Deutschen Reiche. Auch er befürwortet in seiner eigenen Weise die Politit der einfachen Linie und erklärt, es müsse eine enge Durchdringung preußisch-tolonialen und mutterländisch-gemeindeutschen Wesens erfolgen: Wer die Jahre seit 1870 her bis zur Gegenwart politisch bewußt durchlebt hat, wird sagen vuͤrsen, daß diefe Durchdringung rasche und starke Fortschritte gemacht hat. Das alte Deutschland ist dabei zum Teil ein anderes geworden, unter dem gleichzeitigen Einflusse namentlich eines reißend steigenden Wirtschaftslebens, das im Verkehr wie in der Industrie Großsorganisattonen erforderte, hat es sich beträchtlich dem preußischen Wesen genähert, das sich von jeher auf dem Gebiete der Organisation auszeichnete. Aber nicht minder hat sich Preußen verändert und ausgeglichen. Ja, im ganzen darf man wohl sagen, daß Preußen mehr in Deutsckland, als Deutschland in Preußen aufgegangen ist. Preußen muß, unter Drangabe so manchek seiner spezifischen Lebensformen und selbst Lebensinteressen, noch mehr in das Reich hinein wachsen und mit der Nation verschmelzen, zumal dieser Prozeß sich vielfach der Hauptsache nach nur noch mehr auf auffallende Formen seines Sonderda⸗ seins bezieht, denn auf dessen tieferen Inhalt. Und es ist selbstverständlich, daß sich daran durch den Krieg vieles ändern wird: nur beschleunigt könnte der bisherige Verlauf noch werden durch die wunderbare Einheit der kriegstätigen Nation selbst hinaus über die Grenzen des Reiches. Gewiß, nicht nur die Parteien, sondern auch die deut— schen Bundesstaaten müssen bei aller Wahrung berechtigter Eigenarten, doch alles aus dem Wege räumen helfen, was der erstarkten Einheit des Reiches noch im Wege steht. Das würde auch eine leichtere Lösung der wirtschaftlichen und so zialen Fragen ermöglichen. Wir können mit Scheidemann schließen: zunächst müssen wir alle Kräfte zusammenraffen, um zu siegen! „„ Der französische Bericht. Paris, 12. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Amtlicher Be⸗ richt von 3 Uhr nachmittags: Zwischen dem Meere und der Lys eine zeitweilig aussetzende, wenig heftige Kanonade. Im Gebiete von Ypern erwiderte unsere Artillerie wirksam derjenigen des Feindes: sie konnte ein gutgezieltes Feuer gegen die deutschen Schützengräben richten. Zwischen der Lys und der Oise im Gebiete von La Boiselle nahmen wir nach heftigem Kampf einen Schützen⸗ graben. Nordöstlich Soissons, auf der Spitze der Höhe 132 schlugen wir gestern einen deutschen Angriff ab und griffen darauf selbst an. Wir eroberten auf einer Front von ungefähr 500 Metern zwei Linien feindlicher Schützengräben, verlängerten dadurch gegen Osten die am 3. Januar eroberten Schützengräben und sicherten uns so den ganzen Besitz der Spitzen der Höhe 132. An der Aisne, in der Champagne bis Reims Artilleviekämpfe. Zwischen Reims und den Argonnen beschossen wir die feindlichen Schützengräben der ersten Linie und die Unterstände der Reserven. Nördlich Perthes rückten wir vor. Nachdem wir gestern abend die bereits gemel— deten Gegenangriffe abgewiesen hatten, gewannen wir eine Linie von 200 Meter Schützengräben. Nördlich Beaussjour versteifte sich der Feind darauf, die Feldbefestigung, die er gestern verlor, wieder einzunehmen. Seine Gegenangrifse, alle mit je zwei Bataillonen, der zweite in geschlossenen Formationen ausgeführt, wurden ab⸗ gewiesen, wobei der Feind große Verluste erlitt. In den Argonnen einige kleinere Gefechte. Wir behaupteten unsere Stellungen. Zwi⸗ schen der Maas und der Mosel ein ruhiger Tag. In den Vogesen herrscht dichter Schneefall. Einige Granaten fielen auf Altthann und die Höhe 425. Ein deutsches Flugschiff in Feindeshand gefallen. Paris, 12. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Ein deutsches Flugzeug wurde bei Amiens von französischen verfolgt und zur Landung gezwungen, wobei es in die französischen Linien siel Ein deutscher Offizier wurde getötet, ein anderer verletzt. Die Angst vor deutschen Fliegern. Berlin, 13. Jan. Ueber Amsterdam wird verschie— denen Blättern aus Paris gemeldet: Das ganze Interesse konzentriert sich auf die Expedition der deutschen Flie⸗ ger an die französische Nordtüste. Wegen der Angst, daß die Deutschen ihre Juftangriffe auch auf Paris wiederholen werden, sind neuerdings mächtige Schein— werfer auf den Höhen von Montmorency, St. Cloud und Belleville angebracht worden. Verdunkelung von Paris. Paris, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der„Temps“ mel⸗ det: Die Bevölkerung von Paris wird binnen kurzem durch die Presse von Maßnahmen benachrichtigt werden, die für eine even- tuelle Verminderung der Straßenbeleuchtung getroffen wor⸗ den sind, um der Gefahr einer Beschießung durch Zeppeline und Flugzeuge zu begegnen. Besorgnisse der„Times“. Berlin, 13. Jan. Nach den ungeheuren an Offizieren, welche die Engländer in Flandern erlitten haben, erwartet laut„Berl. Tagebl.“ die„Times“, daß die neuen Offiziere, die an die Front gehen, hin⸗ reichend ausgebildet seien, um sich selbst und die Truppen mehr zu schonen. Eine neue Offensive sei wegen des Man⸗ gels tüchtiger Offiziere weit bedenklicher als für die Deutschen. Die deutschen Unterseeboote im Aermelkanal. Berlin, 12. Jan.(Priv.⸗Tel.) Die„Voss. Ztg.“ mel⸗ det aus Hamburg: Nach Meldungen aus Flandern hat Eng⸗ land die weiteren Truppentransporte auf dem bisherigen Wege von Folkestone nach Dieppe eingestellt, weil, wie den „Hamburger Nachrichten“ aus Brüssel gemeldet wird, den Aermel-Kanal durch die deutschen Unterseeboote unsichen gemacht wird. Die englischen Truppen werden jetzt von Ports⸗ mouth nach Le Havre und La Police geschickt. Fluchtversuch englischer Offiziere. Berlin, 12. Jan.(Priv.⸗Tel.) Das„Berl. Tagebl.“ meldet aus Amsterdam: Wie„Nieuwe van den Dag“ aus Groningen meldet, versuchten dort am Samstag vier internierte englische Offiziere in zwei Kraft⸗ wagen nach Harlingen zu entfliehen. Der holländische Ver- mieter der Wagen, der mißtrauisch geworden war, benachrich— tigte die Polizei, welche die Offiziere verhaftete. Ein englischer Uebergriff. Berlin, 12. Jan.(Priv.⸗Tel.) 3.“ meldet aus Kristianiga: Der aus England eingetroffene Führer des nor⸗ wegischen Dampfers„Handchen“ aus Haugesund erzählt in der Zeitung„Aftenposten“, der Dampfer wollte wegen Maschinen⸗ schadens den englischen Hafen Blyth bei sehr stürmischem Wetter anlaufen. Als der Kapitän den Hafen ohne Lotsen anzulaufen versuchte, wurde das Schiff, das neben der Lotsenflagge auch die norwegische Flagge führte, als es vor dem Hafenpier ankam, von den Soldaten sehr heftig beschossen. Die Beschießung hörte erst auf, nachdem es den Offizieren und Mannschaften des Schiffes, welche sich halb niederlegten, aber ihres Posten nicht verließen, gelungen war, das Schiff glücklich bis an den Hafen⸗ platz zu manövrieren. Das Schiff ist mehrfach beschädigt worden. Eine bemerkenswerte italienische Aeußerung. Berlin, 13. Jan.(etr. Blu.) Dem„Berl. Lokalanz“ wird eine bemerkenswerte Aeußerung des Mailänder Blattes „Perseveranza“, das in auswärtigen Angelegenheiten als gut unterrichtet gilt, übermittelt. Das Blatt sagt: Die Japaner mögen kommen oder nicht, das eine ist sicher: Die Russen, Fran⸗ zosen und Engländer können eher auf die Soldaten des Mikado rechnen, als auf Hilfe von Eu ro pa, insbe⸗ sondere von Italien. Und was Rumänien aubetrifft, so wird es tun, was ihm beliebt, allein oder in Gesellschaft, falls der Balkanbund, um den sich die Dreiverbandsmächte bemühen, wieder aufleben sollte, was wir bezweifeln. Italien betreibt eine ausschließlich italienische Politik. Die deutschen Kriegsgefangenen in Gibraltar. Berlin, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung“ schreibt: Beim Auswärtigen Amt sind Klagen eingelaufen, daß es den deutschen Kriegsgefangenen in Gibral⸗ tar verboten ist, in deutscher Sprache zu korrespondieren. Diese Angelegenheit ist durch Vermittelung einer neutralen Macht bei der britischen Regierung zur Sprache gebracht worden. Es ist darauf 1 Verlusten Die„. die Antwort eingetroffen, daß den Kriegsgefangenen der Gebrauch 1 der deutschen Sprache gestattet, ihnen nur anheimgegeben worden ist, sich der englischen Sprache zu bedienen, falls sie Verzögerungen bei der Zensur der Briefe vermeiden wollen. Ebenso können sie Briefe in deutscher Sprache empfangen, jedoch ist es ihnen nur erlaubt, wöchentlich zweimal Briefe abzusenden, die nicht mehr als zwei Seiten umfassen dürfen. * 4* . 25 3 . 1 — 72 . Der amtliche österreichische Bericht. Wien, 12. Jan.(TB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautbart: 12. Jan. Die Versuche des Feindes, die Nida zu forzieren, wiederholten sich auch gestern. Wührend heftigen blampfes an der ganzen Front setzte vormittags im dlichen Abschnitt eine Krafttruppe des Gegners erneut zum griff an, brach jedoch nach kürzester Zeit in unserem Ar— tilleriefeuer nieder und flutete zurück, hunderte von Toten und Verwundeten vor unserer Stellung zu— rũücklassend. f Gleichzeitig hielt auch südlich der Weichsel der Geschütz⸗ kamyf an, wobei es einer eigenen Batterie gelang, einen vom Feinde besetzten Meierhof derart unter Feuer zu neh⸗ men, daß die dort seit den letzten Tagen eingenisteten Russen gezwungen wurden, fluchtartig ihre Stellungen zu räumen. In den Karpathen erschweren die ungünstigen Witte— rungsverhältnisse jede größere Aktion. Im oberen Ung Tale hat sich der Gegner näher an den Uzsok-Paß zurückgezogen. g Die von den russischen Zeitungen verbreitete Nachricht, die Festung Przemysl hätte am 10. Dezember einen Parla- mentär zum Feinde entsandt, ist natürlich vollkommen er⸗ funden und dürfte nur bezwecken, die gänzliche Machtlosigkeit hegenüber dieser Festung zu verbergen. Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Höfer, Feldmarschalleutnant. Ein Erlebnis neutraler Diplomaten in Oesterreich. Wien, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die„Korrespondenz Wilhelm“ meldet: In einem Süobahnabteil befand sich am Sonntag nachmittag auf der Rückkehr von einem Ausflug eine Gesellschast, die sich lebhaft französisch und englisch unterhielt. Ein in demselben Abteil fahrender Offizier forderte die Gesellschaft auf, sich der deutschen Sprache zu bedienen, worauf ihm ein Herr antwortete, er sei ein Schweizer. Die fortgesetzte Kon versation in den erwähnten Sprachen und der Umstand, daß einer der Herren einen photographischen Apparat trug, veranlaßte den Offizier, bei der Ankunft auf dem Südbahnhofe die Aufmerksamkeit der mili— tärischen Wachorgane auf die Gesellschaft zu lenken. Als sie zur Aus weisleistung aufgefordert wurde, hatte sich der Gesellschaft eine weitere Gruppe von Herren angeschlossen, die in einem anderen Abteil die Fahrt mitgemacht hatte. Die Gesellschaft bestand, wie sich nachträglich herausstellte, aus dem schwedischen Gesandten Freiherrn Beck Fri, dem schweizerischen Gesandten Choffat, dem dänischen Geschäftsträger v. Lerche und mehreren jüngeren Mit- liedern des hier aggreditierten diplomatischen Korps mit ihren mahlinnen. Da sich bei der Anhaltung der Gesellschaft ein Zu— sammenlauf des Publikums bildete, das eine unfreundliche Haltung anzunehmen im Begriffe war, ließ der diensthabende Wachkomman— dant die Gesellschaft in die nahe gelegene Wachstube eintreten und die 101 räumen. Der gerufene Inspektionsoffizier, wel⸗ cher die Gesellschaft einlud, sich auf das Inspektionszimmer zu be⸗ geben, überzeugte sich nach einer Rücksprache mit den Herren von ihrem diplomatischen Charakter und drückte denselben sein Be— dauern über den Zwischenfall aus.— Wie wir hören, sah auch das Ministerium des Aeußern sich veranlaßt, den fremden Mis⸗ sionschefs sein Bedauern über das Mißverständnis auszusprechen. Die Haltung der Balkaustaaten. Köln, 12. Jan.(W. B. Nichtamtlich.) Die„Kölnische Ztg.“ meldet aus Sof ta: Die Auffassung, eine Ausdehnung des Krieges auf die Balkanländer stehe unmittelbar bevor, teilt die hiesige leitende Stelle nicht. Alle Entschließungen sind nach wie vor von den Entscheidungen auf den großen Kriegsschau⸗ plätzen abhängig. Rumänien beabsichtigt, gegen Ende Januar seinen Truppenstand zu erhohen. Bulgarien habe noch keine Entscheidungen über die Einberufung der Reserven getroffen. Die norwegische Thronrede. Kristiania 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Das Stor⸗ ting wurde feierlich eröffnet. In der Throngede wird aus- g Die Beziehungen zu den Mächten sind freundschaftlich. ie Bestrebungen sind darauf ausgegangen, das Land außerhalb des Weltkrieges zu halten, und die Gefahren und Schwierig⸗ keiten abzuwenden, welche die Lage für die Sicherheit und die Erwerbszweige des Landes mit sich brachte. Ferner erwähnt die Thronrede die Neutralitätserklärung Norwegens, die Ueber⸗ einkunft zwischen Schweden und Norwegen vom 8. August, die Dreikönigs-Zusammenkunft in Malmö und die dort festgestellte Einigkeit. Tas neue Zusammentreten der Sypitzbergen⸗Konferenz sset bis nac dem Kriege verschoben worden. Dem Storting werden Anige Gesetzentwürse über außerordentliche Maßnahmen zur Stär⸗ kung der Land- und Seeverteidigung vorgelegt. Das Gleich gewicht des Budgets könne ohne bedeutende neue Steuererho⸗ — nicht 3— 5— Ferner— e angekündigt über die Einsetzung eines chusses zur „Behandlung der Frage der Getrefdeversorgung des Landes und über das Staatsmonopol für die Einfuhr von Getreide und Mehl. * 0* Amerika und England. Haag, 12. Jan.(WTB Nichtamtlich.) Der„Nieuwe Rotterdamsche Courant“ kritisiert die englische Antwort⸗ note und findet, daß sie keinen sehr befriedigenden Ein⸗ druck macht. Das Blatt weist auf die Unbestimmtheit der Antwort, namentlich in der Lebensmittelfrage, hin. England wolle kein end 3 5 Versprechen geben. Eine solche Antwort sei kaum befriedigend zu nennen, wenigstens wenn der von Reuter gesandte Ausz einigermaßen voll⸗ ständig sei. Nicht minder unbestimmt ist der in der Antwort —— Ausdruck„Feind“. Wir wissen nicht, ob die eindlichen Armeen oder die ganze Bevölkerung des krieg⸗ führenden Leudes gemeint ist. Der gänzliche Mangel eines . Maßstabes, um zwischen den für den Feind und den wirk⸗ lich für die Neutralen bestimmten Gütern zu unterscheiden, macht den Wert dieser Unterscheidung gleich Null und öffnet allerhand Willkür die Tür. Das Blatt hofft, daß der Text der Antwortnote Ergänzungen und Verbesserungen zu dem Reutertelegramm bringe. In der Antwort heißt es den Blättern zufolge ferner: Die englische Regierung stimmt dem von den Vereinigten Staaten ausgesprochenen Prinzip zu, daß ein Kriegführender nur dann in den Handel zwischen neutralen Ländern eingreifen soll, wenn es notwendig ist, um die nationale Sicherheit zu schützen. Die Regierung wird sich bemühen, innerhalb der Gren en dieses Prinzips zu bleiben. England behält sich jedoch Eingriffe in den Dandel mit Konterbande vor, die für Feindesland bestimmte sind und erklärt sich bereit, Schadenersatz zu leisten, so oft beabsich⸗ tigterweise gegen dieses Prinzip verstoßen wird. Gegenwärtig stehen vier Ladungen Kupfer und Aluminium nach Schweden in Frage, die nach unumstößlichen Beweisen, welche sich in den Händen der englischen Regierung befinden, letzten Endes für Deutschland bestimmt sind, obwohl Schweden als Endziel an⸗ gegeben ist. Die englische Regierung hat duch von besonderen In⸗ struktionen erfahren, Gum mi unter anderer 122— aus den Vereinigten Staaten zu verschiffen, um es der Aufmerksamkeit zu entziehen. Dies ist auch mehrfach geschehen. Solche Fälle kön⸗ nen nur durch die Durchsuchung in den Häfen aufgedeckt und be⸗ wiesen werden. Obwohl in der Note der Vereinigten Staaten nicht davon die Rede ist, ist vielfach eingewendet worden, daß das Aus⸗ suhrverbot auf Gummi die Handelsinteressen der einigten Staaten schädigte. Es ist schwer für die englische Regierung, die Ausfuhr nach den Vereinigten Staaten zu erlauben, so lange Gummi von den kriegführenden Ländern für Kriegszwecke gebraucht und auffallend große Mengen nach den neutralen Ländern ver⸗ frachtet werden. Großbritannien kann die Ausfuhr nur gestatten, wenn der Regierung das Recht zugestanden wird, die Gummi⸗ ladungen aus den Vereinigten Staaten den Prisengerichten zu unterwerfen, so oft sie glaubt, daß sie für Feindesland bestimmt sind. Die englische Regierung hat eine provisorische Vereinbarung mit den Gummiexporteuren abgeschlossen, derzufolge unter gewissen Voraussetzungen die Ausfuhr erlaubt ist. Seit Kriegsausbruch hat die Regierung der Vereinigten Staaten ihre frühere Gepflogen⸗ heit geändert und die Veröffentlichung der Schiffsmanifeste bis 30 Tage nach der Abfahrt der Schiffe von den Vereinigten Staaten aufgehoben. Das zwang die englische Regierung, mehr Schiffe zu⸗ rückzuhalten und zu untersuchen, als es sonst nötig gewesen wäre. Die englische Regierung wünscht nicht die all inen Grundsätze des internationalen Rechts, auf die sich die Note der Vereinigten Staaten begründe, anzufechten, sondern die Eingriffe auf den Konterbandehandel nach den feindlichen Ländern zu beschränken. Sie ist bereit, so oft eine Ladung aus den Vereinigten Staaten aufgehalten wird, den Grund anzugeben und ginge ferner auf Vor⸗ schläge ein, durch welche Irrtümer vermieden und in Fällen un⸗ — ytfertigten Schadens eine rasche Vergütung gesichert werden unte. London, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Die englische Antwort auf die Note der Vereinigten Staaten besagt noch: Was die Lebensmittel anbetrifft, so sst die englische Re⸗ gierung bereit, zuzugeben, daß Lebensmittel nicht festgehalten und vor ein Prisengericht gebracht werden sollen, vorgusgesetzt, daß sie nicht für die bewaffnete Macht oder für eine ierung des Feindes bestimmt sind. Wir glauben, daß diefe Regel bisher befolgt wurde, aber wenn die Regierung der einigten Staaten Fälle des Gegenteils anzuführen hat, so sind wir bereit, sie zu prüfen. Es ist unsere gegenwärtige Absicht, an dieser Regel jes⸗ zuhalten, obwohl wir nicht eine unbegrenzte, bedin⸗ 2 Verpflichtung eingehen können angesichts des fgebens der bisher befolgten Regeln der Zivilisation und der Menschlichkeit durch unsere Gegner und angesichts der Ungewiß⸗ heit, bis zu welchem Grade diese Regeln künftig von ihnen ver⸗ letzt werden könnten. Berlin, 12. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Die amerikanische Botschaft teilt mit: Gegenwärtig unternehmen mehrere ameri⸗ kanische Baumwolldampfer direkte Fahrten zwischen amerikanischen und kontinentalen Hafen. Personen, die für die Rückfahrt Verkadungsraum auf den Schiffen zu erhalten wülnschen, können sich an jeden amerikanischen Konsul in Deutsch⸗ land wenden, der auf Anfrage Auskunft geben kann flber die Namen der betreffenden Schiffe, Abfahrtsdaten, Ankunfts- und Sacher be nere den zue Kerken deberben Lidern ui de issen noch über den zur gung ste aum und die Höhe der Frachtsatze. ** * Die siegreichen Türten im Kautasus. Konstantinopel, 10. Jan. W. B. Nichtamtlich.) Ver⸗ spätet eingetroffen. Gegenüber den falschen Meldungen der russi⸗ schen Presse über türkische Niederlagen veröffentlicht das Hauptquartier eine Depesche des Befehlshabers der kaukasischen Armee vom 2. Januar über die militärischen Operationen in den letzten zwei Wochen. Die Depesche berichtet: Auf der Hauptfront entrissen unsere Truppen dem Feinde die jenseits unserer Grenze gelegenen beherrschenden Stellungen. Die Operationen bei Olk und Ardakhan werden durch tiefen Schnee und hestigen Frost aufgehalten. Unsere in Aserbeidschan vorrückenden Abteilungen verfolgen trotz des schlechten Wetters den Feind, der sich zurück⸗ Nee nachdem wir Rumi(Urmia) und Kotur besetzt haben. e Russen behaupten, die Divisionskommandeure eines Armee⸗ korps gefangen genommen zu haben. Diese Meldung wird für falsch erklärt. In Wirklichkeit hat eine russische Abteilung in einem russischen Dorfe einen Zug Verwundeter 8 unter dem* auch ein schwerverletzter Brigadekommandeur befand. Dieser ist gefangen genommen worden; die anderen wurden tötet. In Irak versuchten gestern zwei Bataillone englisckes Infanterie mit zwei Gebirgsschnellfeuergeschützen das Lager un⸗ serer arabischen Parteigänger in der Umgebung von Kurna zu überraschen; sie fielen in einen Hinterhalt und verloren 125 Tote und Verwundete. Nach zweistündigem Kampfe verfolgten die Araber den Feind. Obwohl auf die kurze Entfernung das Feuer der Geschütze angesetzt wurde hatten sie nur 15 Verwundete. . Die Türten protesticren gegen ruffische Dum⸗Dum⸗Geschosse. Konstantinopel, 12. Jan. W. B. Nichtamtlich) Durch Berichte des Sanitätsdienstes der Atmee und des Roten Halb⸗ mondes, die von Photographien begleitet waren, ist ellt. daß die Russen in den Kämpfen um Batum Dum Dum⸗ Kugeln verwenden Die osmanische Regierung protestierte bei den Botschaftern der befreundeten Mächte gegen die unmenschlichen. der Petersburger und 2 Konvention widerstreitenden Akte und baten die italienische Botschaft. die die russischen Inte ressen vertritt, Rußland mitzuteilen, es werde im Falle der Wiederholung solcher Geschehnisse mit Repressalien vorgehen. Der englisch⸗türtische Krieg. Konstantinopel, 12. Jan. WI Nichtamtlich.) Der englischer Kreuzer„Doris“, der seit einiger Zeit in den syrischen Gewässern kreuzt und die Telegrapbenleitungen zerstört, landete am 9. d. Mis. bei Sariseki Truppen, die jedoch in⸗ folge des kräftigen Widerstandes der Küstenwache wieder an Bord gehen mußten, wobei sie 11 Munitionskisten und eine Menge ver⸗ schiedener Gerate zurückließen. Am Tage darauf nahm det eine zweite Ladung an der Küste bei Alexandrette vor und beschoß entgegen allen völkerrechtlichen Vorschristen ossene Ort⸗ schaften mit Geschützen und Maschinengewehren. Zwei Frauen, zwei Mädchen und ein Knabe fanden dabei den Tod. Wirtschaftliche Not in Rußland. Kopenhagen, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich Der Mos⸗ kauer Fabrikantenvertin hat eine Statistik über die Z a hl 1 einstellung von Handels häusern aufgestellt. Im vember machten im Moafauer Ravon 248 Firmen Bankrott. Für 192 Firmen liegen die Daten über den Umfang der lungsperpiltatung vox. Tie Passiven dieser 192 bankrotten Fir⸗ men belausen sich auf 23 896 000 Rubel, die Verpflichtungen der übrigen 56 Firmen werden auf 4.5 Millionen Rubel geschagt. Der Gesamtsumme von 28.4 Millionen Passiven für November steben 28 Millionen Passiven für Oktober gegenüber.„Rußkose Slowo“ behauptet, daß sich trotz dieser hohen Zahlen im Mos⸗ kauer Rapon die Konkurse im leich zu dem Vorjahr ver⸗ mindert haben, im November 1913 betru die Konkurse 37 Millionen Rubel. Dagegen habe sich die Jaht der Konkurse im Norden und im Ural vermehrt. Die Hauptzahl der Konkurse betrifft die Textilindustrie. Die russische Knute. 5 „Paris 12. Jan.(WI. Nichtamtlich) Die„Humanite“ erfahrt aus Odessa: Der sozialdemokratische Agitgtor Wamo⸗ witsch und 73 seiner Genossen sind wegen eines Gewekkschaftsblattes, welches der Zenfur nicht vorgelegen hat, verurteilt worden, Adamo⸗ witsch zu lebenslaͤnglicher Verbannung nach Sibirien, zwei Genossen zu mehrjähriger Zwangsarbeit und die übrigen zu mehrjährigen Festungsstrafen. ** Die deutsche Abwehr der französischen Verleumdungen. Berlin, 13. Jan. Zur Veröffentlichung deutschen Be⸗ weismaterials über die französische Soldateska wird dem „Berl. Lokalanz.“ aus Genf telegraphiert: Die kräftige Abwehr der deutschen Heeresleitung hatte das Ministerium Viviani erwartet, aber die in der Berliner Erwiderung enthaltene Fülle überzeugend dargestellter Tatsachen be⸗ rührte in Paris sehr peinlich. Besonders unangenehm be⸗ rührte, daß einige der vom Kriegsminister Millerand streng geheimgehaltenen Delikte französischer Abteilungen, wie die Plünderung ostfranzösischer Schlösser und die eine Zeit lang von mehreren Führern gebilligte Gefangenenverstüm⸗ melung, in solcher Genauigkeit der Einzelheiten in Berlin bekannt seien. Zudem weiß die Pariser Regierung, daß die Deutschen nicht flunkern, wenn sie von beweis kräftigen Zeugnissen sprechen und jeder unbefangenen internakio⸗ nalen Untersuchung bei Gelegenheit gewiß ihr Material vorlegen können. Die italienische Anleihe. Rom, 12. Jan. WTB. Nichtamtlich.) Noch unvollständigen Nachrichten zufolge, die während der Nacht und am heutigen Vor⸗ mittag an die Direktion der Banca d Italia gelangten, hat die 1 auf die Nationalanleihe von einer Milliarde ire mehr als eine Milliarde 300 Millionen er- geben. Zu diesem Ergebnis trugen die Bankinstitute, die ein Garantiekonsortium bildeten, nicht weniger als 200 Millionen bei Schwere Wirtschaftstrise in Japan. g Petersburg, 12. Jan.(Priv.⸗Tel., Ctr. 9 Der „Rußkoje Slowo“ wird aus Tokio gekabelt, daß si apan in einer außerordentlich schweren wirtschaftlichen Krisis befinde, der nur die größten wirtschaftlichen Firmen ent⸗ rinnen würden. Die Reispreise seien um 50 Prozent gestiegen. Aus Stadt und cand. Gießen, 13. Januar 1915. N N 167, aas Marburg. v. es.-Inl.-Rgt. 223, aus Herborn.— Land- wehrmann Ludw. Scherer, Ins.-Agt. 116, aus Darmstadt.— Kriegssreiw. stud. theol. Georg Reinholz, Res.-In. 22¹1, aus Noßdorl.— Gizeseldwebel Lehramtsresetendar Rar Cg ger, Ins.-Agt. 143, aus Bingen.— Off.-Stellv. Lehramtsassessor Peler Funk, Res.-Ins.⸗Agt. 118, aus Bingen. * Ritter desEisernen Kreuzes Lehrer Kauf mann aus Merlau, Kriegsfreiw. Uffz im Res.⸗Inf.⸗Regt. f d. R. im Fußart.⸗ Eifert aus Strebendorf. Landwehrman Im Wal⸗ termann aus Alsfeld, Res.-Inf.⸗Regt. 116. uisz d. R. Karl Klingelhöffer aus Alsfeld, Inf. Regt 118. Mus⸗ —.—. t. 5— „Inf.⸗Regt 222. Topogra R . 8 des 17.— aus Oberleutn d. R. und Komp.⸗Führer Res.⸗Inf, Regt, 222, aus Offenbach a. Das hessische Sanitätskreuz erhielt Dr. Thurn, Assistenzarzt im Insanlerle-Kegiment 1 witer des Eisernen Kreuzes. g 8 72 8 i a f f E 1 1 * Landes⸗Universität. Eine Einführung in das Kriegssanitätswesen wird für die Studieren- den von dem Rektor der Universität Geh. Med.-Rat Sommer unter Mitwirkung einer Reihe von besonderen Sachver- ständigen für die einzelnen Teile des Themas veranstaltet. Als Vortragende sind beteiligt die Herren Professoren Pop— pert, Sommer und Schmidt, ferner die Herren Oberstabsarzt Dr. Siegert, Landgerichtsrat Wiener und Stadtverordneter Ebel. Die Vorlesungen finden jeden Donnerstag abend um 8 Uhr in der Klinik für psychische und nervöse Krankheiten statt, Beginn am Donnerstag, den 14. Januar. Im Anschluß daran soll ein Kurs über Krankenpflege und Kran- kentragen besonders für die beim Roten Kreuz beschäftig⸗ ten Studierenden stattfinden.— Ferner wird ein Schieß- kursus für Studierende mit Beteiligung von Do— zenten nach der Abmachung des Rektors mit dem Vorstand des Gießener Schützenvereins unter Leitung des letzteren während der Monate Januar und Februar jeden Montag und Samstag 2 Uhr abgehalten. Bei beiden Punkten handelt es sich um eine Erweiterung des akademischen Unterrichtes unter Anpassung an die Kriegslage. „ Ein Merkblatt für die Volksernährung im Kriege ist neuerlich in allen Verkehrs- und Aufenthalts— räumen der Eisenbahn- Verwaltung angebracht worden. In kurzen Sätzen wird darin zur Sparsamkeit mit Brot und Brotgetreide, zur ausgedehnten Verwendung des Kartoffelbrotes, zur richtigen Ausnutzung des Kartoffel— bestandes und zur Nutzbarmachung der Küchenabfälle für die Landwirtschaft aufgefordert. e Für das Soldatenheim. Das am Neujahrs— tage im Philosophenwald abgehaltene Konzert brachte einen Erlös von 87,65 Mk., der dem Soldatenheim zu— geführt wurde. a “ Einquartierung. Der Oberbürgermeister fordert in einer Bekanntmachung in der vorliegenden Nummer die Ein— wohner, die Einguartierung aufnehmen wollen, auf, sich im Stadthaus zu melden. Keine Zeitungen ins Ausland. Amtlich wird verbreitet: Es erscheint nicht ratsam, deutsche Zeitungen 8 an kriegsgefangene Deutsche im Ausland zu senden, oder sie zum Verpacken von Paketen an solche zu verwenden, weil zu befürchten ist, daß in den feindlichen Staaten die Aushändigung derartiger Sendungen vielfach verzögert und häufig— aus erklärlichen Gründen— wohl auch ganz unterlassen wird. Weizenmehl und Konditoreien. Mit der Frage, ob es mit der patriotischen Gesinnung heute noch vereinbar sei, Kuchen zu backen und zu essen und der Wirkung der bekannten Bundesratsverordnung über die Streckung der Mehl⸗ vorräte, sich dieser Tage in Berlin der Verband Deutscher Konditoren⸗ Innungen. Der Verband wandte sich namentlich gegen die Auffassung, daß eine auch noch so große Einschränkung des Konditoreibetriebes eine wesentliche Einwirkung auf unsere Weizenmehlbestände ausüben könne. Er weist nach, daß alle deutschen Konditoreien zusammen im Jahre so viel Weizenmehl verbrauchen, wie das deutsche Volk täglich verzehrt, Zudem stehe der Nährwert der Konditorware in rich⸗ tigem 7 8 N zum Preise, sei aber nur zum verschwindend ge⸗ ringen Teil auf Weizenmehl, sondern auf andern hochwertigen Nähr⸗ stoffen, wie Zucker, Eiern, Mandeln, Kakao, Butter usw. auf⸗ gebaut. Es liege sicherlich nicht im Interesse auch unserer deutschen Zuckerindustrie, wenn die Einschränkung des Verbrauches von Nonditoreiwaren den ohnehin durch die Ausfuhrstockung leidenden Zuckerabsatz noch weiter einschränke. Zu diesem Gegenstande lesen wir in der„Frankf. Zeitung“: Der Schwerpunkt liegt weniger bei den Konditor⸗ waren als beim Kleingebäck. Hier ist das Verbot der Nachtarbeit für das Bäckergewerbe, wie für den Konsum ein schwerer aber gewollter Sal der sich aus den Notwendigkeiten des Krieges ergibt. So fühlbar dieser Eingriff naturgemäß ist, er ist voraussichtlich erträglicher, als wenn durch das Aufhören der Vor⸗ räte ein Stillstand des Gewerbes von selbst eintreten würde. Diese Möglichteit ist bei der Erörterung der Maßregel, die jetzt in den Fa Uverbänden einsetzt, stets im Auge zu behalten. Die Frage heißt: Einschränkung oder gänzlicher Stillstand! Das Publikum allerdings sei gemahnt, den Bäclereien den Ueber⸗ Raa in den neuen Zustand erleichtern zu helfen und dem isherigen Lieferanten in der schwierigen Zeit die Treue zu be⸗ wahren. Die Freudigkeit, alles zu ertragen, was der Krieg uns bringt und einander gegenseitig zu helfen und zu stützen, wird auch die Unannehmlichkeiten, die aus dem nächtlichen Backverbot erfolgen, überwinden lassen. Das Vaterland fordert von jedem Einzelnen, verständig haus zuhalten mit solchen Vor- räten, die wir jetzt nicht beliebig vermehren können. Wohlan, wir werden dieser Forderung mit deutscher Gewissenhaftigkeit nach- kommen! Sorge jeder an seinem Teil, daß der Ruf befolgt wird! Aus Gießener Konditorenkreisen erhalten wir noch eine Zuschrift, der wir folgendes entnehmen: „Auch die hiesigen Konditoren werden sich ihrer vaterländi⸗ schen Pflicht wohl bewußt sein und sich der Verordnung des Bundes⸗ rates, so gut es eben geht, anzuvassen suchen. Es dürfte freilich nicht jedes Gebäck das schöne Aussehen und den feinen Geschmack ben wie sonst, allein in Kriegszeiten dürfte man leicht über erartiges hinwegsehen. Die Zuckerbäcker geben sich der Hoffnung hin, daß man nicht einen ganzen Stand schädigen will, und werden alles aufbieten, um sowohl der Verordnung, als den Wünschen ihrer Kunden nachzukommen.“ 1 5* Stadttheater. Zum Marcell⸗Salzer⸗Abend am kommenden Freitag dürfte nachfolgende Besprechung des „Franlf. Generalanz.“ aus der jüngsten Zeit interessieren. lusdrücklich sei aber bemerkt, daß auch die Freunde des umors am Freitag nicht zu lurz kommen werden. Der rtikel lautet: 8 2 0 neue Saite schlug Marcell Salzer bei seinem gestrigen 8 an. Der sonst so witzige Salzer ließ diesmal Scherz Frohsi un zurücktreten und wandte sich der ernsteren Dicht⸗ kunst Mit der ihm eigenen zwingenden Krast riß er die Hörer mit sich fort und willig folgten sie ihm auf allen Wegen. Perlen der Poesie von Liliencron und Fontane, sowie Edelsteine moderner Kriegsdichtung wurden durch seinen schwungvollen Vortrag sehr glücklich zum s gebracht. Wie wuchtig und zornerfüllt klang eine fröhliche Stimme bei dem Haßgedicht an England, wie in⸗ brünstig bei dem„Gelübde“. Groß ist Salzer im Vortrag humo⸗ kistischer Stücke, größer aber noch im Ernst, im Feuer heiliger 1 eine große und gerechte Sache.“ * Eine öffentliche Sitzung des Provinzial⸗ ausschusses am Mittwoch, den 20. Januar 1915, vormittags 9 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes bier statt Auf der Tagesordnung stehen: 1. Antrag der Ge⸗ meinde Steinfurth auf Ablösung der der Gesamtfamilie Löw von und zu Steinfurth obliegenden Verpflichtung zur Anschaffung und Unterhaltung des Faselochs dieser Gemeinde. 2. Klage des Ortsarmenverba Friedberg gegen den Ortsarmenverband Steinfurth wegen Ersatz von Untkerstützungskosten für den Heizer Ernst Otto edrich Längert aus Kainscht. 3. Klage des Orts⸗ armenverl Friedberg gegen den Ortsarmenverband Schwalheim wegen Erstattung von Unterstützungskosten für die Cjhristian Schneider Wwe. zu Friedberg.: f* Verkauf von ausrangjerten Milikärpfer⸗ den. Samstag, den 16. d. M., vormittags 10 Ühr, findet in der . Dragonerkaserne Mainz⸗Mombach eine Versteigerung von 25 Stück ausrangierter Militärpferde, darunter einiger tragender Stuten statt. Zur Versteigerung werden nur Landwirte zugelassen, die sich verpflichten, die Pferde in ihrem Betriebe zu verwenden unb 3 L 2 5 sie während der Kriegszeit nicht zu verkaufen. Die Versteigerung erfolgt gegen Barzahlung. 5 l Kreis Büdingen Blofeld, 12. Jan. In nächster Zeit beginnen hier die Arbeiten am Wasserleitungsbau. Der Brunnen, in un⸗ mittelbarer Nähe des Dorfes gelegen, ist soweit sertigge tellt und liesert ein hinlängliches Wasserquantum für nsere 204 Seelen zählende Gemeinde. Da der Sammelbehälter auf den sog „Eichelberg“ zu stehen kommt, muß das Wasser durch einen Elektro- motor hingu'gevpumdt werden, was die Anlage etwas kostspielig macht. Mit Fertiastellung der Leitung dürfte unser Dorf nun auch in Besitz des selmlichst erwarteten elektrischen Lichtes kommen Schon nahezu zwei Jahre wird an der Anlage gearbeitet und es fehlt nur noch die etwa 3 km lange Fernleitung. Bei dem zetzt herrschenden Vetroleummangel wäre eine baldige Inangriffnahme sehr zu empfehlen. Kreis Friedberg. h. Friedberg, 12. Jan. Aus unbekannter Ursache brannte die Bahnwärterbude auf der großen Usa⸗Eisen⸗ brücke ab. Die durch den Brand bedrohten Fernsprech- und Tele⸗ graphendrähte wurden durch das tatkräftige Eingreifen einer in der Nähe weilenden Militärabteilung vor der Vernichtung bewahrt. Aus der Wetterau, 12. Jan. Die Niederungen an den Usjern der Nidder, der idda und Wetter sind auf weite Strecken überschwemmt, so daß die Nebenbahnen auf den Eisenbahndämmen teilweise wie durch Seen dahinfahren. Dabei bringen die Flüßchen aus dem Vogelsberg, wo am Sonntag wieder bedeutende Schneemassen niedergegangen sind, immer noch beträchtliche Wassermengen. Starkenburg und Rheinhessen. Dieburg, II. Jan. Von der vehrerschaft des Kreises wurde in 21 Orten der Betrag von 84490 Mark in Gold gesammelt und gegen Papiergeld umgetauscht. Kreis Wetzlar. U Wetzlar, 13. Jan. Einem Bedürfnis der Zeit Rechnung tragend, hat auch Wetzlar eine Volksküchse in der Schule am Schillerplatz errichtet. Mehr noch als in den vorhergehenden Jahren verabsolgt man jetzt jeden Morgen an die Kinder der Aermeren Milch und Uxötchen. Das Eingnartierungsgeld für die Landsturmleute und Rekruten beträgt in Wetzlar immer noch 1,34 Mk. Alle Lemühungen der Bürger, einen höheren Beirag zu erzielen, sind gescheitert.— Eine Einquartierung des Landsturm— bataillons in die Unteroffizierschule ist einstweilen noch nicht vor— gesehen. Die Sache ist bis jetzt nur erwogen worden. Hessen⸗Nassau. Die Mitteldeutschen Bäckerinnungen und das Backverbot. h. Frankfurt a. M., 12. Jan. Die Obermeister des mitteldeutschen Zweigverbandes der deutschen Bäckerinnungen „Germania“ traten hier zu einer starkbesuchten Sitzung zu— sammen, in der zu den bundesrätlichen Back- und Mehlverbrauchs⸗ ordnungen Stellung genommen wurde. Nach längeren Beratun⸗ gen wurde eine Entschließung angenommen, die dem Bundes- rat unterbreitet werden soll. Darin wird der Behörde zunächst der Dank über die Maßnahmen zur Mehlersparnis ausgedrückt. Dann aber bedauert die Entschließung die Verordnung über die Abschaf⸗ fung der Nachtarbeit im Bäckereigewerbe; sie erblickt darin eine noch nicht zu übersehende Gefahr für die Bäcker, die zur Vernichtung vieler Betriebe führen müsse. Zuversichtlich erhofft man, daß diese tief eingreifenden Maßnahmen nur für die Dauer des Krieges Geltung haben werden. Die Resolution schließt mit einer dringenden Bitte um Festsetzung von Höchstpreisen für Mehl. * h. Frankfurt a. M. 12. Jan. Nach kurzem mae ist das Hochwasser des Mains seit heute mittag mals in raschem Steigen begriffen. Es richtet jetzt bedenklichen Schaden an, da es über die Kaimauern hinwegspült und die hier lagernden großen Sandmassen fortschwemmt. Die Baustellen der Alten Brücke und der im Umbau befindlichen Insel sind meter⸗ hoch überschwemmt. Heute mittag sperrte die Polizei die Not⸗ brücke für jeden Fuhr⸗ und Fußverkehr ab, um jeder Katastrophe vorzubeugen. Das Hochwasser dringt bereits in die tiefgelegenen Gassen am Fahrtor ein; auch die schon dem Flußbett abgewonnene 500 Meter lange Strecke für die neuen Uferböschungen mußten preisgegeben werden.— Die Nidda überflutet seit gestern auch das Gelände zwischen den Vororten Bockenheim, Haufen und Praunheim. Zwischen Bockenheim und Hausen mußte eine 200 Meter lange Notbrücke für die Aufrechterhaltung des Fuß⸗ gängerverkehrs geschlagen werden. Der Straßenbahnverkehr wird durch Umsteigen an den Brückenköpfen aufrecht erhalten.— Die Kriegskommission des Magistrats bewilligte die Kosten zum Umpflügen aller brachliegenden 5 und Baugrundstücke. Diese neugewonnenen Aecker sollen im Frühjahr bedürftigen Familien zum Kartoffelanbau unentgelt⸗ lich überlassen werden. Auch viele Privatleute stellten ihre unbe⸗ stellten Plätze der Stadt zum genannten Zweck zur Verfügung. Für die Fortführung der Arbeitslosenunterstützung bewilligte die Kom⸗ mission weitere 100000 Mark.— Ueber die Pianoforte⸗ und armoniumhandlung Louis Steinbach, Inhaber Hermann Müller, wurde der Konkurs eröffnet. h. Bad Homburg v. d. H., 12. Jan. Zu Beginn der ersten Sitzung im neuen Jahr erstattete der Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger den Geschäftsbericht für das verflossene Jahr; der eingehend gehaltene Bericht bot ein den Verhältnissen ent⸗ sprechendes Bild gesunder Entwicklung der Stadt. Für die Hin⸗ denburgspende bewilligte die Versammlung 1000 Mark. Eine Anfrage des Stadtv. Dr. Wertheimer über die städtischen Maßnahmen gegen eine kommende Fleisch- und Gemüseteuerung wurde dahin beantwortet, daß die Stadt zwei große Ham⸗ melherden zum späteren Verkauf sich gesichert habe. Die Schaffung von Dauerware müsse abgelehnt werden, da nach dem Urteil von Sachverständigen solche Waren sich doch nicht halten. Der Anbau von Gemüse in großem Maßstabe wurde von dem Obst⸗ und Gartenbauverein übernommen. = Dillenburg, 12. Jan. Der Mübesitzer der 1839 ge⸗ gründeten„Zeitung für das Dilltal“, Ludwig Weidenbach, ist in Davos, wo er seit dem verflossenen Sommer Heilung suchte, im Alter von 49 Jahren gestorben. Eine Erdbeben Natastrophe. e Jugenheim a. d. B., 13. Jan., 9 Uhr vorm. Die Apparate der hiesigen Erdbebenwarte registrierten heute morgen ein schweres Erdbeben. Der Anfang lag einige Minuten vor 8 Uhr. Nach einer Stunde waren die Apparate noch immer in starker Bewegung. Der Herd des Bebens liegt nach vorläufiger Schätzung weniger als 1000 Km. entfernt, also in Europa. Eine Katastrophe ist zu befürchten. Vermischtes. * Das Großfeuer in Cottbus. Aus Cottbus, 12. Jan., wird gemeldet: Nichtamtlich.) Der Brand in den Fabritanlagen der Wollspinnerei Wilhelm Müller breitete sich sehr rasch über die ganzen Fabrikgebäude aus. Insolge der Zer⸗ störung der maschinellen Anlagen sind auf Wochen über 200 Arbeiter brotlos. Der Schaden dürfte 300000 Mark erheb⸗ lich übersteigen. Vermutlich ist der Brand durch Unvor⸗ sichtigkeit entstanden. 0 Märkte. se. Ara kfurt a. M. Schweinemarktberi h: vom 13. Jan. Ausgetriebee waren 59 Schweine. Vollfleischige Schweine von 80 bis 100 ug Lebendgewicht 65.00 67.5) Mk., Schlachtaewicht 23.00 85.00 Mk., vollfleischige Schweine unter 80 55 Lebendgewicht 4.00 66.5) Mk., Schlachtgewicht 80.00— 2. 0 Mk.: vollfleischige Schweine von 100—120 kg Lebendgewicht 66.00—67.50 Mk., Schlachtgewicht 83.00—85 Mk. vollfleischige Schweine von 120 tis 150 kg. Lebendgewicht 66.00— 67.50 Mk. Schlachtgewicht 3388.00 Mi. Geschaft ziemlich lebhast. se. Frankfurt a. M., 13. Jan. (Orig.⸗Telear, dez„Gietz. Anz.“) Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpreise. Weizen(hiesiger) Mk. 27.55—00 00, Kurhessischer Mk. 27.85 00.00. Gerste, Wetterauer Mk. 23.50 00.00, Roggen(hiesiger) Mk. 2.60 00.00, Haser Mk. 22.30 30.00, Mais Me. 00.00 bis Mk. 00.00. Weizenmehl 0 Mk. 4445.00, Roggenmehl 0 Mk. 37.50 38, Kleie Mk. 15.00 00.00, Weizenschalen Mk. 00.00 bis 00.00 Viertreber Mk. 20— 20.50. Frucht⸗ und Futtermittel Mk. 5.00. Alles per 100 kg ohne Sack). Die Preise verstehen sich ab Station zuzüglich der gesetzlich zulässigen Propision. lc. Frautfurt a. M., 13. Jan. Orig.⸗Telegr. des„Gießener Anzeigers“) Kartoffselmarkt. Mau notierte: Kartoffeln in Waggons Mk. 7,00- 8,00, im Kleinhandel Ulk, 8,00— 9,00 für je 100 kg. ATLc᷑ꝗirchliche Nachrichten Evangelischer Gottesd enst. Mittwoch, den 13. Januar, abends 8 Uhr: Dekan Guß mann. Mainzlar: Kriegsbetstunde. Amtlicher Wetterbericht. Oeffentlicher Wetterdienst, Gießen. 15 Wetteraussichten in Hessen am Donnerstag, den 11. Jan. 1915 Bedeckt, zeitweise Niederschläge, milder, südwestliche Winde. Letzte Nachrichten. Verschärfter Belagerungszustand im 9. Armeekorpsbezirk. i. Köln, 13. Jan. Der stell vertretende kommandierende General des 9. Armeekorps verfügte laut einem Telegramm der„Köln. Ztg.“ auch Für den nichtpreußischen Teil des Korps⸗ bezirks, also vornehmlich für die Hansastädte, den ver⸗ schärften Belagerungszustand mit seinen Wirkungen auf das Vereins- und Versammlungsgesetz. Deutsche Flieger über Paris. Rom, 13. Jan. Aus Paris wird telegraphiert: Zweideutsche Flieger erschienen über Paris. Der eine war über Montdidier-Pontvise, der andere über Dam— martin gekommen. Die beiden Flieger verschwanden, als mehrere französische Flieger herbeieilten. „Eleonore Woermann“ in Grund gebohrt. London, 13. Jan. Wie aus Melbourne gemeldet wird, hat ein australisches Kriegsschiff am 8. Januar den deutschen Paketdampfer„Eleonore Woermann“ in Grund gebohrt. Die Besatzung soll gerettet worden sein. Deutsche Kriegsgefangene nach Marokko überführt. i. Köln, 13. Jan. Der„Köln. Ztg.“ zufolge berichtet der Amsterdamer„Telegraaf“, daß fünfhundert deutsche Gefangene, die sich an Bord des französischen Kriegsschiffes „Dévastation“ befanden, am Freitag von Brest nach Bordeauz geschafft worden sind, von wo sie nach Marokko überführt werden sollen. 1 Russische Einfuhrpläne. i. Köln, 13. Jan. Die„Köln. Ztg.“ berichtet aus Stock⸗ holm: Der russische Verkehrsminister hat im Ministerrat, wie aus Petersburg gedrahtet wird, vorgeschlagen, mit möglichster Be⸗ schleunigung eine Eisenbahn von Petrosadowsk nach der Sorokabucht am Weißen Meer zu bauen, die gleichzeitig mit der im Bau begriffenen Eisenbahn von Petersburg nach Pe⸗ drosadowsk fertig werden soll. Hierdurch würde die Möglichkeit egeben sein, den rxussischen Seehandel im hohen Norden in beträchtlichem Umfang zu erweitern. Die Wehrfrage in England. London, 12. Jan.(WTB. Nichtamtlich.) Der sozialistische Abgeordnete Ramsay Macdonald sagte in einer Rede: Dieser Krieg liefere ganz unwiderlegliche Gründe zugunsten der allgemeinen Wehrpflicht. England stütze sich eute auf Frankreich, das die allgemeine Wehrpflicht habe. gland könne kein Bündnis mehr erhalten, das zu einem Kriege führen könne und den Verbündeten sagen, sie sollten sechs Mo⸗ nate warten, bis englische Truppen sie in den Schützengräben unterstützten; die Verbündeten würden sich nicht darauf einlassen, Tatsache sei, daß der Militarismus seine theoretischen Vertei⸗ diger in England habe, die dies nach dem Kriege um so be⸗ geisterter sein würden. Ch aotische Zustände im Hafen von London. Rotterdam, 13. Jan. Die„Times“ melden, daß die Steigerung der Lebensmittelpreise in England den unglaublichen chaotischen Zuständen im Hafen von London zu⸗ zuschreiben seien. Zahlreiche Schiffe liegen bei Gravesend, ohne daß sie gelöscht werden können. Sie enthalten allerhand wertvolle Ladungen, wie Gefrierfleisch und Konserven. Es dauere fast einen Monat, bevor ein Schiff gelöscht werde. Man wisse mit der Zu⸗ fuhr nicht ein noch aus. Die Eisenbahn verfüge auch nicht über genügendes Material. 5 8 Die Vernichtung der„Curie“. Wien, 13. Jan. Ueber die Vernichtung der„Curie“ meldet die Wiener„Neue Freie Presse“: An demselben Tage, an dem „U. 12“ seine Heldentat vollbrachte, wurde eines der modern⸗ sten französischen Unterseeboote,„Curie“, ent⸗ deckt, als es uns angreifen wollte.„Curie“, unter einem sehr schneidigen Kommandanten, fuhr einem unserer Schiffe nach. Sie wurde entdeckt. Es erfolgte das Kommando: Alle Boote mit Ge⸗ schützen und Torpedoboote vor. Es wurde vorzüglich geschossen, der Turm war förmlich durchsiebt. Im letzten Moment kommt ein Offizier heraus und will durch eine Handbombe das Boot ver⸗ nichten, in demselben Moment schießt ihn aber einer unserer Matrosen nieder. Er fällt in das Boot zurück und versinkt, wäh⸗ rend sonst alles gerettet ist. Durch die Aufregung verfällt der ieee Kommandant in einen Weinkrampf. Er wurde von 2 ffizieren als tapferer Soldat geehrt und anständig be⸗ handelt. Die Eröffnung der italienischen Kammer. Rom, 13. Jan. Wie verlautet, beabsichtigt Minister⸗ präsident Salandra unbedingt den 18. Februar als Er⸗ öffnungstermin für die Kammern beizubehalten. Großfeuer in Warschau. Wien, 13. Jan. Aus Krakau wird gemeldet: Hiesige Blät⸗ ter berichten über ein Großfeuer, das großen Schaden in Warschau angerichtet habe. Ein deutsches Flugschiff erschien über der Stadt und warf mehrere Bomben ab, deren eine in einer der vornehmsten Straßen, dem Moskowiski Prospekt, explodierte und das Linoleumlager einer Fabrik in Brand steckte. Der Continental⸗Caoutchbuc⸗ und Gutta⸗ Percka⸗Compagnie Hannover, die bisher auf allen von ihr beschickten Ausstellungen höchste Auszeichnungen erzielte, ist für die Ausstellung ihrer Erzeugnisse auf der Baltischen Aus⸗ stellung Malmö 1914 jetzt die schwedische„Königliche Medaille“ verliehen worden. Bekanntmachung. Es wird darauf hingewiesen, daß alle Gesuche auf Be⸗ freiung oder Zurückstellung vom Militärdienste bei dem ün⸗ b terzeichneten einzureichen sind. 7 Gießen, den 11. Januar 1915. 8 Der Zivilvorsitzende der Ersatz-Kommission des Kreises Gießen. J. B.: Hechle n, L. Hosteroff Sohne 1 Feldpostbüchsen Emil Pistor Nachf. biolländische Georg Wallenfels Sestersweg 20 — Giessen Spezialitäten: Wol-, Strumpf-, Kurz- Sestersweg 20 1¹ und Mode-Ware 8 triok-Wollen pro Pfund Ml. 4.50 4.25 4.00 3.75 0 Aanllebe Inerzeuge in Betaun, guten dualen Id hen frael Für unsere Krieger: Marsch-Socken mit doppelter Sohle Kniewärmer wone gestrickt. 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Diejenigen Einwohner, die Eingugrtierung zu über⸗ nebmen wünschen, wollen sich alsbald im Stadthaus, Zimmer Nr. 8, melden. Gießen, den 13. Januar 1918. Der Oberbürgermeister. Donnerstag, Freitagund Samstag 8. lindet mein diesjähriger Terkaud Zurüstgcsgt ler Laren und Heste 20 stark ermàssigten Preisen statt Ganz besonders billig wird abgegeben: dauar FUr Misitàp: Kamelhaar-Lungenschützer, Leibbinden, Stauchen, wWollene 5 Strickwesten, Wasserdichte 25 Seidenwesten, feldgr. Taschen- tücher, Kopfschũtzer etc. Proz. Ein grosser Posten selbstgefertigter bunter Oberhemden mit 20% Einsatz- Hemden, Kragen, Sinde— Krawatten Oarl A. Hartmann Waäschefabrik Seltersweg 81/10 4a Besser als Schokolade, da mahrhafter. zugleich Vorbeugungsmittel gegen Magen- und Darmkrankheiten. 1 Schachtel mit 5 Tabletten Mk. 1—. Aerztlich empfohlen.— Kauflich in allen Apotheken. Nührmittelwerke H. A. V. des Hessischen Apetheker- Vereins in Reinheim, Hessen. 66688 Licht- Spiel- Haus Vom 13. bis inkl. 18. 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Strauß. Der Bechstein-Flügel ist aus dem Hof- pianofortelager von Wilhelm Rudolph 1 — Keller. 506 Aulbevahrungs: und faueler Are Il Pato Maehl Giessen intri: I. Platz M. 3.—, 2. Platz Entittebarten:] 2 K R 1 4. Platz M. O. 50, sämtlich numeriert, Studenten- karten M. 1.—(für den zweiten Platz, soweit verfügbar, gültig), für Schüler und Militär vom Feldwebel abwärts 30 Pfg., sind in der Musi- kalienhandlung von Ernst Challier, Tel. 671 und abends an der Kasse zu haben. Oftnung des Saales 4½ Uhr. Das nächste Konzert findet am Sonntag, den 31. Januar statt. 92 8 1 Schokolade und Kakao Lindt. Suchardt. Bensdorp. Kohler, Peter, Hauswald etc. ofleriert ohne Aufschlag Marktstr. 4 J. M. Schulhof Teleph. 119 7 Für die mir anläßlich der Vollendung mei- nes 99. Lebensjahres dargebrachten Glück wünsche sage ich auf diesem Wege herzlichen Dank. Bertha von Grolman. Gießen, 13. 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