Der blaue Anker. Roman von E1 f r i e b e Schul-. (Nachdruck verboten.) .(Fortsetzung.) „Wir sind ja erst acht Tage hier, Wald, und drei lange Fahrt will erst überwunden sein. Mut! Mut!" Da schlug er die Augen auf. „Susi — was ist dir?" fragte er ängstlich und heftete seine Blicke prüfend auf die Schlvefter. „Bist du müde? Du siehst so blaß aus und gehst immer still und allein deine Wege — was ist dir, Schwesting?" Er sah, wie Susi die weißen Zähne in die Unterlippe bohrte, als wollte sie einen Schmerz verbeißen. Sie kam ihm ganz fremd vor, und nicht erst heute. Seit der M- reise der Berliner Ferienkolonie ging sie wie im Traum. Waldemar raffle sich auf. Er suhlte, wie sich hier eine neue Gefahr z usa in inenballte, und bekam eine stille Furcht por dem Rvchkirchschen Verhängnis der letzten Jahre. Sein .Blick wurde fast streng. „Du darfst nicht, Susi! Was es auch ist — du darfst nicht traurig sein. — Denk an Papa!" Susanne sah den Bruder überrascht an und faßte sich schnell. „Du kannst ruhig sein, Wald, es ist nichts, nichts Besonderes! Eine schlechte Herbstlaune, rveiter nichts." „Ich weiß — du hängst an Lotte," sagte er leise, wie nach Erklärungen suchend. „Aber leben wir jetzt nicht glücklich? Ihr wenigstens — ihr könntet jetzt glücklich sein, wo Vater den Kopf wieder oben hat. Lotte Wölflin siehst du ja bald wieder — aber jetzt Kind" — er sprach das mit weicher Eindringlichkeit — „jetzt müssen wir uns zusammen- nehmen. Wollen wir mit Gewalt neues Unheil heraufbeschwören?" „Wer fährt mit nach Positano?" dröhnte die Stimme des Freiherrn in diese Unterhaltung, frisch wie eine Fanfare. Es war wie ein reinigendes Gewitter. Die Geschwister sahen den Vater oben im Fenster stehen, den granen Kalabreser über dem braunen Gesicht, aus dem die lachenden Augen in den Hellen Morgen blitzten. ,^Laus, Susi, ich kann nicht mit! Lauf, Lauf!" Sie drückte dem Kranken flüchtig die Hand und eilte davon. Wenn der Vater lachte, war es immer ein Göttergeschenk. Sufi kam sich diesem Lacken gegenüber sehr klein Mit ihren eigenen Gedanken und Sorgen vor. Wehe ihr, wenn ein Schatten ihres Gesichts oder eine fremde Linie über den Lippen dieses Lachens auch nur einen Augenblick verscheuchte! Wie ändert sich das Leben, und wie ändern sich die Menscheri! Früher toar sie es, die alles daran setzte, das ernste Gesicht des Vaters anfzuheitern — heute war der Freiherr v. Rothkirch der allzeit Lachende, und seine Kinder ließen den Kopf hängen. „Susanne — Weichling — Schwächling!" schalt sie sich. Da war sie lvieder obenauf und in den Armen straffte sich die neue Kraft. Frau Nataly stand schon mit dem roten Sonnenschirm rm Treppenhaus. Ihre Wangen blühten. Sie ging Susi mit einem leichten, lebhaften Schritt entgegen. ,stlnd Wald kommt nicht?" Ein Schatten flog über ihr Gesicht. „Armer Junge!" Sie wollte noch zu ihm hin, aber etwas Dunkles hielt sie zurück. „Er könnte mir den Schmerz aus den Augen lesen! — Nein!" Sie rief ihn: über die ^Hecken einen Gruß Zu. Tann stiegen die drei das malerische Gewirr der Felstreppein hinab, an den blühenden Dachgärten entlang zur kleinen Piazza des Städtchens und mieteten einen Wagen. Rothkirch ging noch zur Post und fragte nach Briefen aus Deutschland, denn sie hatten bisher noch keine einzige Zeile bekommen. Jetzt war allerlei da, von Bronin mit der festen Handschrift Tschammers, von Professor Ladenburg, von Lotte Wölslin und zuletzt ein dicker Brief mit den Zügen seines Bruders. Der Freiherr sah die kleinen, torrekten Buch- staben scharf an; sie hatten eine unsichere Physiognomie, und es legte sich etwas Beklemmendes auf seinen Atem. Rothkirch steckte den Brief in die Brusttasche. „Hernach!" Der alte Cocchieri aus dem Bock des leichten Einspänners nötigte Susanne zu sich heraus. Sie kannten sich schon, und er war glücklich, nicht stumm dasitzen Zu müsse«; Susi. sprach das Italienische mit Temperament. Sie hatte Lottes Brief rasch überflogen: lvas sie suchte, fand sie nicht darin. Sie träumte ins Weite. ^ „Ajidate piu adagio, Antonio!“ Der Kutscher fuhr langsamer. Links das blaue Meer, rechts die bunten Berge. Es war eine unvergleichliche Fahrt aus diesem wunderbaren Seestraße durch Eonca Ntarini, Furore und Prajano, wo haltgernacht wurde. Rothkirch brachte die Damen in einer freundlichen Osteria am Strand unter und machte sich auf ein halbes Stündchen frei. Er schlenderte durch die wenig belebten Gassen in die Wein- berge, setzte sich auf einen Felsblock und zog hastig den Brief seines Bruders hervor. Scho« bei den ernsten Zeilen verfinsterten sich seine Augen. Er nahm den Hut ab mid warf ihn neben sich. Dicke Schweißtropfen perlten von der Stirn. Der Kops sank immer wehr vornüber und berührte fast die Brust, die kaum merklich atmete. Der Brief schloß: „Also dies alles nur zu Deiner Information. Es hat ja, so fatal es ist, an sich nichts zu sagen. Der dicke Strich, den wir damals zogen, soll unverrückt bleiben. Es ist in den Zähren ein stilles, reiches Glück diesseits des Strichs ausgeblüht, und wehe dem, der dieses Glück zu stören sich unterfangen tollte. Mit schwerem Herzen habe ich die Feder zur ersten Zeile angesetzt — f mit fröhlich-leichtem Herzen! komme isch z'um Schluß und wünsche, daß meine Zeilen ein gleichjes Herz in Dir vorfinden. In Treue Dein alter Lothar." Rothkirch richtete sich aus seinem dumpfen Brüten hastig hoch. „In seiner Hand? — Unerklärliches Verhängnis! — Mer — Bruderherz, du hast recht: Wehe dem, der dieses Glück stört!" Er stand auf und zerriß das Schreiben in hundert kleine Fetzen und verstreute sie in die Rebstöcke hinein, während er kräftig ausschritt, zurück nach Prajano. Am Rathaus traf er auf ein paar junge deutsche Maler, die am Strand' gearbeitet hatten und nun noch ein Gassenmotiv suchten. Er lud sie zu einer Karaffe Wein ein und landete mit den lustigen Gästen in heiterer Stimmung in der Osteria am Strand. Aus der Fahrt nach Positano wurde nichts mehr. Roth- kinck) ließ ein reiches Mittagsmahl Herrichten und überbot die jungen Leute in Witz und Scherz. Frau Nataly hatte ihren Gatten in einer solchen Ausgelassenheit noch nie, auch in den ersten Jahren nicht, gesehen und verirrte sich wieder, trotz der Lustigkeit, die sie umbrandete, in den Rätselgängen der alten Broniner Grübeleien, die immer mit der Frage endeten: Wo finde ich den Faden, der mich durch das Seelenleben dieses Mannes leitet? * Am Abend dieses Tages konnte Susanne nicht zur Ruhe kommen. Sie grübelte über ihren Vater nach und kam zuletzt immer wieder auf sick) selbst zurück. Schließlich fand sie sich gar nicht mehr zurecht, schlug mit der Hand durch die Luft, . dort sie quäle, und schalt sich wirr und «infaltig. Nächstens wurde sie zwanzig Jahre alt. „Da könntest du aber wirklich wissen, versuste Susi du," sagte sie bei sich, „was du eigentlich willst! Träumst mit offenen Augen in den hellen Tag hinein —" Sie nahm Lottes Brief zum soundsovielten Male vor und las ihn wieder durch. Es war eine Leere darin, das l)atte sie gleich beim erstenmal empfunden. Ja — was hatte sie denn gehofft? Wieder dies unklare Träumen über etwas, das ein Nichts war Mer da fiel ihr Blick auf eine Zeile, und diese bekam plötzlich Lebeii. rt. grämt sich um Erich, meinen Bruder. Er schrieb vor acht Tagen eine Karte aus Marseille, seitdem ist er still!" Susanne Rothkirch war von Bronin bis Amalfi wie in ernem Schleier gegangen, der ihr den Blick umflorte. "Dort grämt sich jemand um einen andern!" Was lag in diesem Wort? — Sprachen hier nicht zwei Seelen miteinander, die Hunderte von Meilen auseinander waren und doch eins sein wollten? Sie schloß die Augen, denn es war ihr, als rücke etwas vor chrer Seele fort^ E,n Windhauch fuhr in den Schleier- lor und trieb chn zur Seite, daß die helle Sonne herein- M b' und m der klaren Ferne hob sich das Bild Erich Wolflins ab. Seine oraunen Augen lachten sie an mit wie damals'beim ^ ntei grünen Parkbäumen auf Bronin, und sie ras,"vfflür* - - *•*& »r. !s Ö in filr ihn!" tt ” It l"n. immer frisch und schön Als sie einschlief. >var cs ihr, wie wenn ihre Seele l'^larbenes und brennendrotes Blütenseld hinab- ßU / te s'e kosten. Ein glückliches Lächeln Ä’l Gesichtchen, und ein tie er, träum' loser Schlaf stärkte sie für ein seliges Erwachen. noch ein Schatteii — und der Bruder weit weg, der Vater tot — es ist ja ein Jammer!" Freiherr v. Rothkirch war in tiefer Bewegung aufgestanden und an das Fenster getreten. Auf dem Hohenzollerrr- damm lag tiefer Schnee und von dem dunkelgrau verhängten Himmel fielen weiter Milliarden Flocken herab. Es war etwas Untröstliches in dieser bleifarbenen^ lautlosen Schneestimmung. ."Das ist es, Professorchen — wir dürfen das Kind nicht allem lassen mit seinen schweren Gedanken. Wir müssen * un - Oder vielmehr: wir haben schon Familienrat abgehalten. Meine Frau, Susanne, Evi — sie haben nur einen Wunsch, dem ich mich nicht weniger eifrig anschließe. Wir wollen Fräulein Wölflin bei uns haben — nein, nein, fceftet’ Professor" — wehrte er ab, als Ladenburg etwas emwenden wollte — „nicht als Gast mit halber Heimstätte. Wir kennen Fräuleins Abneigung gegen Müßiggängerei und ihren Wunsch, selbständig zu arbeiten und auf eigenen Fußen zu stehen. Sie will in den städtischen Schuldienst treten. Sie weiß nicht, daß das für ein junges, wachsendes Mädchen ein schwerer, aufreibender Dienst ist. Sehen Sie 77 da - nun rund heraus: ich möchte Fräulein Wölflin für meine Eva chaben. Mademoiselle Fichu verläßt uns in nächster Zeit was dann? Sie sehen inich groß an, Herr Professor?" „Nein, nein, ich verstehe vollkommen. Wer ich glaubeschwerlich, daß Lotte in ihrer jetzigen Stimmung von hier sortgehen wird." „Also offen gesprochen, Sie würden mir nicht gefällig sein können? Nicht einmal bei Fräulein Wölflin anpochen Ladenburg schwieg. Da richtete sich Rothkirch aus und runzelte die Augenbrauen. Seine Stiinme hatte einen dunklen, fremden Klang. „Aber Sie müssen, verehrter Herr Professor!" Er ergriff Ladenburgs Rechte und preßte sie fest. , ^ müssen wirklich, denn Sie wissen nicht, was uns das Mädchen geworden ist. Bestimmen Sie alles, wie Sie wollen. Jede Bedingung wird erfüllt. Bringen Sie uns" 77. seme Stimme wurde wieder väterlich warm - „bringen Sie uns Fräulein Wölslin ins Haus!" Professor Ladenburg sagte zu, mit Lotte zu sprechen und nach Möglichkeit auf sie einzumirken. „Ich werde noch heute hinaufgehen, Herr Baron. Es ist auch vielleicht das beste für die Kleine." r b f v alte H^rr klopfte auf taubes Gestein. Lotte Wolflin lebte nur noch einem Gedanken, ihrem Bruder. k„Jch kann nicht fort von hier, ich kann es nicht. Will ^an mir denn alles nehmen? Mutter, Vater, Tante Matchen ^0 noch Erich? ^ch muß bei ihm sein. Ach, Herr Professor, ich hcktie m einem ort eine so kalte Furcht, daß er vielleicht Nicht wiederkommt!" Sie schrie auf: „Es liegt ein Unglück über unserer Familie!" . Dann versank sie wieder in das Schluchzen und Brüten, bet bem der Prosesso.t sie angetroffen hatte. Als er gehen wollte, sah sie ihn weich und wehmütig an. ... ,"%tr v. Rothkirch war wie ein Vater zu mir, und ich' konnte rhn manchmal lieben wie einen Vater, und seine Kinder etwas — ein fremdes, i 6 “ 6 -' ^ "" sagt: Du gehörst dort nicht UlN- Nach dem einzig schonen Sommer aus Bronin ist es! ände7ch Herr" Professor!" *** ich kann nicht (Fortsetzung folgt.) 15. Kapitel. ich «Ä* Unkindliche Frage, Herr Professor - darf V.ohnen diesmal, na sagen nur: mrt einer familiären .Sache kommen? Sie haben uns ja nun so ein bißchen kennen gelernt — es geht um Fräulein Wölflin —" .^otte —" Professor Laderiburg suchte einen DaÄ! den Kopf bedächtig hin und her. „Seit Tante Matchen Trautwein nicht mehr ist —, mein Gott StiVPfJß ben r feit wir sie begraben haben? öchn Tage — das Mädchen hat ja seitdem fast den Verstand verloren. Spinnt sich da öfter* ein— >ift nur Die Liebe der Veit hardefuft. Erzählung aus dem alten Köln. Von Otto Braun. (Schluß.) ] IV. . Drei Tage vergingen, ohne daß von Unglück Mitteilung machen zu sollen, Hardefust, ehe Jhrs von andern erführt. Ist nun nit zum andern! Ihr nüißts als ein Mann tragen. Glaubt, es trifft auch uns wie ein Blitz, daß einem Kölner Geschlecht solches widerfahren muß. Und das bei dieser Zeit! — Aber unseres Amtes ist noch mehr. Wir müssen Euch bitten, auf die Iungfev Elmspergerin e:n Augenmerk zu haben, weils möglich sein mag, daß s:e ton dem Geschehen vorher gewußt hat. Sie hat sich, wie man weiß, bemüht, die zwei Nebenbuhler zusammen den böse:: Gang zu schicken. Und als Neußerin —" Da schwankte Eve blaß wie Linnen die Treppe hinab. „Ich Hab gehört um was es geht, Ihr Herren! Was verlangt Ihr von nur?" Zum andernmal am gleichen Abend schlug man draußen ans ***■ Zwei Stadt knechte verlangten nach denr. Bürgermeister. Man Habe Hardefust gegriffen, als er soeben am Eigelsteiner Tor Einlaß geheischt habe. Wie ein Blitz wars. Ungläubige und entsetzte Blicke hingen an den Gesichtern der Boten. - äS 1 ® 4 uns begleiten, will ichs nicht hindern." Wie P" uangs. Othegraven und der Bürgermeister schlug ei, ^ ■SÄ ruscrmmen, und der traurige Zug verließ von dei, zwei Knechten gefolgt das Haus. Veit Hardefust hatte geschäumt und gerast wie ein gefangen Raubtier, als man am Tor zu sechsen über ihn hergefallen war m Ketten gelegt hatte. Zweimal hatte er die Fessel ^nn schämte er sich seiner Wildheit und gab sich in ^les. Die Klarheit wurde bald genug das Eisen von selber fallen machem Mochten die Knechte ihre Pflicht tun. Als man ihn aber ^arf, schauderte ihn zum erstenmal vr serwem Leben. .Was konnte vorgegangen sein? Wußte man hier schon von fernem Kampf mit Schiverdt? Ruhelos wanderte er :n dem engen Kerker auf und ab, bis der Morgen graute cßf nb n öor ^m Richter. Verächtlich waren seine Blicke LP £ ie rJrÄ gegangen, die sich hinter: im Saale drängte und dem Geschlechtersohn nichts Gutes wünschte. Wie ein unheimliches Tier tückisch und böse, blickte das Volk auf den Gefangenen Eve wurde rn den Saal geführt Flog auf Veit zu und hing wie eine Verzweifelte an semem Halse, ehe die Knechte dazwischen springen konnten. „Ve:t, mern Veit, was hast du getan?" ^ ^^nblickte der Junker um sich. Klar wurde ihn: drohte, als man ihn und Eve auseinanderriß und ^ Jl* £ ie erhob und Schwerdts verhängnisvolle des^Zorns brach von seinen Lippe::. ^ "" Und leiser: „Gott sei — Wohl, er habe Schwerdt erschien — aber, beim Blute Jesu SriLZT ^L^chterNotwehr. Der Lange habe ihn, als man von einer glücklichen Erkundung zurückgekommen sei, heimtückisch anaefallen. Nur semem behenden ,Ausweichen seis zu danken, ben ,^werdt ihm zuaedacht, nicht tiefer gegangen Ä b P nn babe der feige Gesell ins Gras beißen müssen. Las ihn zu einem solchen Verrat getrieben haben könne? Nun ^un, nichts anderes als Haß und blinde Eifersucht. Was er, Veit, ttüphP & i U /f löen l\Pr- lbe v ^bit sah den Fetzfili an und schüttelte br voll ungläubigeil Entsetzens den Kopf. Das müsse Kiüspin P^./brnem höchsten Richter ausmachen. Solche SchlAtigknt gehe über Menschliches. s./"Vs Verhör ging weiter. Aber trotz der Drohung mit sckiwerer Yolter war aus Veit nichts anderes herauszupressen. nnc sage, und nit anders" — iPüv 1 • C o 1 ^vt — „und wenn Ihr in mein Ritterwort noch einen Zweifel setzen wollt, so mag der Teufel Euer Auge- llagter sem. Ich warn Euch, den Bogen zu straff zu spannen!" Ta drang Hohnlachen aus der Menge. Er droht- Der l [Sf: o:e Zähne in den Hals schlagen, dem Schelmen! ) ^cv Der 5 ort r? 011 lbrt . ^ch? Ten Waffengenossen erschlagen hat P d/n Turm mit ihm zum Verhungern! Das Schwert ist zu schade für emen solchen! Des alten SckMerdt Geld wirtte unter den: schreienden Volk. Ta erblaßte Veit und fühlte, wie das nach chm die Arme reckte Die finsteren Gesichter, das beö Hukers, bie düster brennenden Kerzen sahen ihn plötzlich ganz anders an. . J a ü nte des Toten uni Veits alte Nebenbuhlerschaft, das Dokument mtt fernen blutigen Zeichen sprach eine ,n Sprache Wie sich auch Othegraven uni aniere um die Unschuld ies Junkers mühten, der Spruch lautete, wie es im voraus für die mcrsten festgestauien hatte, auf Schuldig des Mordes w!t*!uü em ^."/Angeführten. An des Toten Zeugnis sei nicht zu rütteln. Veit Hardefust wurde verurteilt, durch Hunger vom Leben zum Tode gebracht zu werden. * * . Da schrie Eve auf und versuchte zum zweiten Mal zu dem Geliebten vorzudemgen, doch die Stadtknechte hielten sie zuruck. Veit aber r:ß sich aus den Fäusten von vieren oder! fuufen, die ihn halten wollten, stieß die Schergen beiseite und stürzte zu dem Mädchen h:u. Ta wagte niemand mehr, Hand an ihn zu legen. So herzzerreißend war der Abschied der beiden tP 1 manchem ein Zweifel aufstieg, ob es der Junker nötig gehabt hatte, einen Nebenbuhler aus dem Weqe ru räumen lls schließlich die Kiiechte, deiien selbst die Tränen in den Augen standen, d:e beiden trennten, und Veits schlanke Gestalt, von, rasendem Schmerz geschüttelt, aber hoch aufgereckt mitten im Saale stand, da drang aus der Menge kein Laut mehr ,,'^hr habt nach Euerm Getvissei: gehandelt!" schrie der Ver- u^erlte m die Stille hmnn. „Das will ich Euch zur Ehr glauben! Aber es muß der Llugenblick kommen, da Euch das ein schlechter Trost sern wird! ^.Schmerzlich sah irr Junker di« einstigen Freund« an. Dann führte man ihn hinaus. Sorgenvoll und zweifelnd schüttelten die Alten die Köpfe. Weiin das am grünen Holze geschah — Und zu solchen Zeiten — V. r. „Das hat er gewagt? Der Verruchte?' seiner armen Seele gnädig!" das Verhör. Walrave und Krafft sagten aus, {PP 1 e imb r in * einer starren Hand die Anklage gefunden {PPP-J'P sollte aussaaen, warum sie Schwerdt mch Hardefust mit Unglücksweg zusamn:engeführt habe. Ihre .Antwort, daß es Veits wegen geschehen sei, fand Ziveifel.^^ Veit bestätigte, was Eve sagte. — Ob er gestehen wolle? Das Rhernwaffer schlurfte und gluMe und gurgelte in den Mauerfugen des Hungerturms. Das Rheiuwasser erzählte und plauderte, wie em harmlos Kind einem Todkranken vom Spiele redet. v ,- Weißt bu noch, Veit Hardefust, wie du an meinem Ufer spieltest, wenn der Sausewmd übers Land durch die Pappeln und Weiden ging? Wenn tausend kleine weiße Lämmer auf meinem Rucken hupsten? Himmelsschlüssel bandet Ihr Euch zu Kränzlein und setztet sie auf den Lockenkopf. Weißt du noch, wie du druntzv! am Leinpsad :n den Fluß sielest, als du mit einer krummen Nadel Fischlein fangen wolltest? Und wie Frau Agnes, deine Mutter, ern schmales Hoslein sttamm zog?" Veit lächelte. "t? nb i? n .P al sendest du im Abendsonnengold am Ufer unter ■ Lpe.n Weide und schwenktest des Turmwächters schwnrze Grete iw Kreis und nefft lachend: Frau Hardefustiu! Weißt du noch, wies dann die Spatzen vom Rathausdach psiffen, mid der Herr ^ater dich aus e:n Iährlein nach Holland schickte?" Freilich, Be:t wußte es noch. ™ -Ach, und wie die Wellen gingen, als Dietrich Walrave am! Werft rn den Rhein sprang, unt nach dem Schlüssel zu tauchen, den. Uebermut ins Wasser geworfen? Und wie bn schließlich Schlüssel und Dietrich ans den: Wasser ziehen mußtest? — Und weißt du auch noch — und die M)eiuwasser murmelten! fuß und geheimnisvoll, — wie der Mondschein überm Strom lag, als du vor wenig Tagen drüben am anderen Ufer in den Himmel schautest und zu einem! blbnden Mädchen kein Wort zu sinden wußtest?' , ,Kve !" Schreiend fuhr der Grübelnde aus und starrte um sich. Was war das wieder? Wo :var er? Hatte er nicht eben noch traute Zwresprach mit einem gehalten? Ein Wassertropfen vom feuchten Geivölbe siel ihn: auf die Hand. Ta besann sich der Gefangene und sank auf den Steinblock, darauf er gesessen, zurück. Eine Ratte hiischte über sein Kliie. 528 Veit schauderte ltidtf mehr davor. Wer drei Tage und zwei Nächte ohne Essen und Trinken int Turm gewesen ist, sckmudert voü nichts mehr. Der Wind gang draußen um die Mauern and brdite auf dem Dach im Regen die kreischende Wetterfahne ,/maü)" — höhnte er. „Hardefust, was seid Ihr altern? Mo ist die lustige Kurnptrnei vom blauen Karpfen? Was mochten (Said) jetzt das 'Faßlein Bacharacher ititb der Rchziemer taugen, die der lange Schweröl verlor? Warnrn schlugt Ihr ihn auch tot? War Euch dock «och die Wette schuldig! Und wegen einem Mädel! Wenn Ihrs genau bedenkt, hat Euch doch eben dies Mädel in den Tod getrieben!" .. . . „All ihr Heiligen- macht ein Ende!" Veit rang bie fiebrigen Lände. „Die Onal dauert lang genug! — Herrgott, du ivergt, das; ich nicht schuldig bin!" Er knirschte nrit den Zähnen. Denn der Wille zu leben war noch nicht tot in ihm. „Zum taiisendsten Mal sag ichs dir. du muht mir helfen, oder du bur mt allmächtig! Aber die Wetterfalme kreischte. „Hört, was ich sage, -oert Hardefust. Ich steh schon lange Menschenalter hier oben. Und noch nie ist einer heil aus dein Turm kommen. Tut den Sprmrg, und Ihr seid ledig alles Leids. Eure Eve seht Ihr doch nimmer. Wozu wartet Ihr den Wahnsinn ab?" Tn beit Svrmig? Den Torung nach dem Brot und^ denr Fleisch, die droben von der Decke hingen mrd wie die. Sünde lockten? Den Sprung, der aber aus die schwankelide Falltür und daun in die scharfen Messer führen mußte? Der nach dem Leben wies und in den Tod stürzte? .. _ Beit preßte die Hände art die Ohren, um 1 daS würge Ersen Nicht SN hären. Mer der schrille Ton schnitt durch die sämtzende Hand. .Hihihi, Ihr fürchtet Euch? Auch -recht! Märtet, bis Euch der Irrsinn in feilten Krallen hat. Dauert noch einen Tag oder zwei damr fressen Euch doch die Messer. Wer hört, seid vernünftig! Seist, Euer Sträuben hilft zu nichts. Und wer weiß? Lercht glückts Euch, das Brot zu gcelfeit, ohire daß Ihr die H-alle am Bodeii trefft! Bersuchts! Wart doch immer solch behender Sprrn- Säumig, verfluchtes Blendwerk!" keuchte Veit. „Ich tvill nicht ! Und darf nicht! Eve wartet. Eve wird mich retten! Und kaim sies nicht — ich milNliebeu Hungers sterben, als mich durch die Messer Ui tztücke schneiden lassen! Schweig!" Außer sich, ballte der Gefangene die Fäuste. _ . B „Schweigen .soll ich? Hihi! Nun erü recht nicht! Ist das eilte Art? O, ich weiß noch mehr! Hörtest du heute früh die Kartaunen brüllen? Ob dus hörtest 1 Du standest ja und zittertest! Da haben sie den Neußern den Garaus gemacht: ttnd du warst in'cht vonnöteti! Geht auch ohite dich! Freilich, wer die eigenen Lettt erschlägt — - IXnb die Pein des Verurteilten ktteg ins Ungemestene. Als der Moird bleich durchs Gitter blickte, der Wind nicht mehr blies niid das böse Kreiscl)en auf dein Turm verstummt war, schlief Veit den letzten Schlaf. Im Aiorgengrauen erwachte er. imnl der Wind mit Tagesanbruch wieder aufsprang rtnd das Eisetr en Obft- vrlen biolfer den ersten Plap einnahm, ist sie nurrmehr durch den Apfelbaum überholt worden. Unter je 100 Obstbäumeu befinden sich l»eute nur uock) 33 Pikaumenbäume geg^iüber 11 im Jahre 1900. Der Botaniker unterscheidet den Pftaumenbanm, auch Kriechei oder Haserpflanme genannt, von der Zwetsche oder Hauvpslaume. Eine Spielart der ersteren ist die Reineclaude, ein: Abart der letzteren die Mirabelle. Auf dem Weltmarkt spielt die Pslaume vor allem in dev Form der getrockneten oder Backpflauine, der sogenannten Lazarett- Pflaume, eine Rolle, ein wichtiger Handelsartikel ist ferner das Pflaumenmus. Der Hauptsitz der Pflaumenkultur sind in Europa die Donauländer, namentlich Serbien und Bosnien. In Serbien nehmen die Pflaum eng arten fast ein Zehntel der gesamten Anbaufläche des Landes ein. Der Ertrag der Pslaumenernte erreicht in günstigen Jahren mehr als 5 Millionen Doppelzentner. Serbiens Ausfuhr an Dörrpflaumen und Pflaumenmus belief sich im Jahre 1911 auf 362 000 Doppelzentner im Wert von 14,8 Millionen Mark. Die Bereitung des Pflaumenmuses erfolgt in Serbien znm großen Teil durch fahrbare Kocher eien, die während der Erntezeit je nach Bedarf den Standort wechseln: früher besorgten das Ein kochen haMtsächlich fremde Unternehmer, die im Herbst mit ihren Hilfskräfteli in das Land kamen. Die Ausfuhr des Dauerobstes wird jetzt behördlicherseits streng überivacht. Die geringeren Früchte dienen zur Herstellung des Pflaumenbraiintweins, bekannt unter dem Namen Sliwowitz. Eines ebenso guten Rufes wie die ferbischen urtd bosnischen Erzeugnisse erfreuen sich im Handel die französischen Backpfurnmen. Diese werden besonders im Süden des Landes hergestellt; der Hafen Bordeaux batte in dent guten -Erntefahr 1906 einen Versand von über 200 000 Doppelzentner Törrpslaumen. In großem Umfang wird die Pflaume auch in den Vereinigten Staaten angebaut, vor allem in den Küstettgebieten am Stillen Ozean. In dem Obstland Kalifornien allein wurden im Jahre 1910 8,75 Millioiten Pflaumen bäume ermittelt mit einem Ertrag im Werte von 23 Millionen Mark. Deutschlands Einfuhr an Dörrpflaumen belief sich im Jahre 1912 aus 245 210 Doppelzentner im Wert von 15153 000 Mark, im Jahre 1913 sogar auf 410 760 Doppelzentner im Wert von 22*644 000 Mark. An der Versorgung des deutschen Marktes sind in erster Liitie die Vereinigten Staaten beteiligt, von denen wir . im letzten Jahre 270 580 Doppelzentner im Wert von 16 370 000 Mark bezogen. Aus Oesterreich-Ungarn kamen <5 200 Doppelzentner, aus Serbien 57 450 Doppelzentner; am schwächsten waren die Zufuhren aus Frankreich. die sich nur auf 4070 Doppel-, zeutner im Werte von 466 000 Mark stellten. vermischte». ' St. B n r e a u f r a t i u § in Rußland. Wer die russischen Behörden bisher für nicht gründlich gehalten hat, ivird seine Meinung ändern, wenn er das »vahre Geschichtchen liest, das in der -Stampa" als Beweis iür den rvirklicheu ^Ordmmgsstnn" der Russen mrtgereilt wird. „Eine sehr bekannte Sängerin, Mitglied eines Moskauer Theaters, wollte eine Uunstreise unternelunen und giiig auf die Polizei, um sich den Paß stempeln ztl lassen. Ter Beamte erkilndigte sich, ob sie das Gesuch schristlich aufgelegt habe. »Ich glaubte, es sei mehl nötig/ antwortete die Sängerin. Da gab der Beantte ihr Papier uub Feder und diktierte ihr daS Gesuch, das geschlossen uiid versiegelt wurde.. .Jetzt," sagte der Beamte, „haben'Sie es nur noch eiuzureichen." ^Bei wem?" fragte die Säiigerm voll Berwruideritug. m ^ei »nir natürlich." Er nahm es, brach das Siegel, las das Gesuch aufmerksam vo,n ersten bis zum letzten Buchstaben, wandte sich oauii zti der Sängerin und sagte mit großer Würde: „Meine Tarne, ich habe Ihr Gesuch gelesen ilnd bedanre sehr, es nicht genehmigen zu köituen." vüchertisch. — AuS der Mappe e i n e s K r i e g s b e r i ch t erst a tt e rS. Im deutschen Großen Hanvtguartier und bei der Westarmee. Von JnliuS Hirsch, Lriegsbericherslntter. Erstes Bündchen. Leipzig 1S15. Hesse & Becker Verlag. 159 Seiten. - Julius Hirsch ist der einzige österreichische Kriegsberlchterstat^er, dem eS vergönnt rvar, die dercksche Westarntee und ihre Führer auS eigener 2tnsck>aumig feinten zu lernen. Schon diese Tatsackie gibt setiren Berichten einige Bedetltung. Hirsch ist ein gewa,idter Journalist, der mit hellen Augen beobachtet und das Beobachtete mit scharfen Strichelt lviederzngebeii iveiß. Diamanträtsel. In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben ftaaabbcd da iiiillaimoofsgvT berfld einzutragen, daß die lvagerechten Reihen solge»ides bedetcken: 1. Einen Buctstlaben. 2. Stadt in Jtal,e»i. 3. Weibliche» Vornamen 4. Südanierikaniscke Repttblik. b. Biblischen Rainen. 6. Ainsikalische Bezeichnung. 7. Einen Buchstaben. Die seiikrechte ttnd wagerechte Ai,itelreit>e ergeben das Gleiche. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. Schwarz. 1. Lk« -d6. K d 5 — c 6. 2. Dgl— g8. Beliebig. 3. K gibt Matt. Schrtstleituna: Atta. Goetz. - Rotationsdruck tuid Verlag der Brühl'schen UniversttälS-Buch- und Steindriickerest R. Lgnge, Gießen *