Der blaue pnker. Roman von El friede Schul-. * (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 13. Kapitel. Schloßpark von Bronin stand im ersten Herbst- ‘ '?>’ öen nohen Birkenkronen schimmerte ein fahles Gelb, rn den Buchenwipfeln mengte sich ein leichtes Rot dazwischen, und der wilde Wein, der den ganzen Turmbau umsponneu hatte, flammte in Purpur. Am zweiten September hatte man noch Sedan gefeiert, in dem großen Stil, kee auf Bronin uneder in Kurs gekommen war, mit Schlachtenmusik von den Gnesener Dragonern, Parkillumi- ^^tion und Feuerwerk am See.'Acht Tage darauf wurde das Menn David mit dem Saitenspiel kam- wich, der Geist sagte sie tonlos. „Und unser Dttvid — das war Lotte Wölflin!" ^ _ „Mutting, ich habe auch, mit Lotte gesprochen. Sie M-llte mir das alles nicht glauben. Sie lachte mich aus, als sagte: „D«u bist die einzige, die Gewalt über Papa hat!" Wenn sie nicht zu Tante Trautwein müßte, sie käme gleich mit." Sie sprachen von Lotte. „Ich sie hat etwas so Eigenes an sich. Es geht wie ein strller Frieden von ihr aus, etwas, was man nicht be. schreiben kann. Wenn sie lacht, klingt ein dunkler Ton mit. Das ist wohl das Andenken an ihren Baker. Und man darf nie davon sprechen. Ilse sagte mir, er ist verunglückt. Es muß wohl sehr schrecklich, gewesen sein." Da wehte es weiß in den Büschen. Die drei Mädchen kamen gesprungen, große Schürzen um und goldgelbe und trefdunkle Pflaumen darin. „Wir waren oben auf den Bäumen! Ja, wirklich —, mitten drauf! Der alte Kaczmarek hat uns die Leiter gehalten," jauchzte Trude, „da gondelte eine nach der andern rauf. Oh, was war das aber schön! Und ich habe mir daber die Hosen zerrissen." „Sie dürfen uns nicht bei der Polizei anzeigen, Frau Baronin. Das alles habe ich für Väterchen Ladenburg zusammengestohlen. Den Raub gebe ich nicht heraus," rief Lotte lachend und öffnete die volle Schürze. Da war mit einem Schlage wieder heller Sonnenschein unter dem alten Holunder, und es zwitscherte wie im ersten Frühling. Der Freifrau schnitt das ins Herz. Abend vor der Abreise bat der Freiherr Lotte Wolflrn um einen letzten Spaziergang in den Park Es war nach einem wonnigen Herbsttage. Die Lust war weich und mild und lag in einem dunklen Blau in den Bäumen und Sträuchern. „Liebes Kind/ sagte Rothkirch mit leise schwankender Stimme. „Nun gehen Sie wirklich fort und lassen uns Wer zurück Sie wissen nicht, wie Sie uns mit Ihrem Besuche beschenkt haben, mich und alle." Da wehrte Lotte heftig ab. „Wir haben doch nur genommen, Herr Baron, liebe, ^rche Gastfreundschaft, tausenderlei kleine und große Güte. Es tvar so wunderbar schön hier auf Bronin. Es ist mir, als weftn"^ niU Cin ^"äiger langer warmer Sommertag ge^ Ä7ir in einziger warmer Sömmertag," wiederholte Rothkirch leise. „Und was werden Sie nun treiben?" fragte er unvermittelt. ^ , r "KA.fängt die Arbeit an. Ohne Arbeit kann ich nicht leben. Mein ganzes Leben war Arbeit und das meines Bruders. Wir waren immer fleißige Menschen." Sie mußte ihm von den letzten Jahren erzählen Er fragte nach dem Kleinsten, bis ihre Seele ganz klar und durchsichtig vor ihm lag. „Und so sind Sie Sie beide, recht glücklich geworden? Immer recht glücklich?" „Ja, Herr Baron, das können wir wohl sagen- Wir waren recht glücklich, und auch Erich hat in seinem Berufe alles gefunden, wovon er von klein auf geträumt hat " Da griff er aus einem überquellenden Gefühl nach ihren beiden Händen. ' _ Sie glücklich, mein Kind, und kommen Sie bald, bald wieder!" Es war so wohlig warm, daß man auf der Veranda, sitzen konnte. Zum Abschied waren bunte Lampions auf- geyangt und die Tafel trug eine wundervolle Blumenlast. Waldemar und Schmettau waren da, Tschammer und Herr v. Saar. Frau Nataly hatte dem Abend mit banger Sorge entgegengesehen. Aber sie sah keinen Kopf hängen. Das Jungvolk war wie immer, ja noch viel ausgelassener als sonst, als wollte man noch einmal eine kurze Bilanz der ganzen Sommerlust ziehen. Als Rothkirch mit Lotte Wolslin zurückkam, klangen ihnen die Gläser entgegen Aus den Augen des Freiherrn strahlte eine helle Zufriedenheit, und Frau Nataly wußte nicht, wie ihr war, als er in einer frischen, von kleinen Neckereien durchsetzten Abschiedsrede den drei Mädchen ein Lebewohl zurief. _ • Susi ergriff die unerwartete Stimmung des Vaters beim Schopfe und hatte nach drei Minuten die Reise nach dem Süden in der Tasche. -.Aber nur bis zum Reichstagsanfang l Ich will euch den mit^mir gehen^^ "iitgehen. Hernach müßt ihr aber auch ueigte sich mit warmer Zärtlichkeit zu seiner stillen Gattin und druckte ihr die Hand. „Nicht wahr, Tilchen? Ihr kommt dann mit nach Berlin. Wir haben den Charlottenburgern Bronin und Umgegend gezeigt, jetzt sollen uns Ladenburgs und Wölflins einmal Berlni und seine .Herrlichkeiten zeigen. Einverstanden?" Da klangen die Gläser zusammen. „Auf Wiedersehen in Berlin!" dlur Schmettau saß still und brummte leise: „Und tvas wird mit mir?" W^demar Rothkirch war schon vorher unbemerkt davongeschlichen. Er saß auf einer Bank, tief hinten im sich hin " ^obf in die Hände gestützt, und schluchzte vor 14. Kapitel. Der ungewohnt geräuschvoll verlaufene Sommer auf ^ronrn ließ in sämtlichen Mitgliedern der Familie Rothkirch aufkommen, die iiächsten Wochen in einer abgeschiedenen Stille zu verleben. In jedem klang etwas nach, was sich, erst abtönen mußte, selbst Eva, die Kleine, nicht ausgenommen. Ihr war schließlich auch, alles gleich, ^.er Gedanke, eine neue Welt und zum erstenmal den zaube- rischen Süden zu sehen, drängte jeden andern Wunsch in Zurück. So kam es, daß man sich für die Mittagseite der Halbinsel Sorrent entschied und sich in einer wunderbaren weißen Villa zwischen den romantischen Felsen über Amalsi niederließ. Zu beiden Seiten und aufwärts üppige Weingärten mit Orangen- und Olivenbäumen; tief unten das unbeschreiblich tiefblaue, unendlich weite Meer. Von Bronin war man in einem frostig-kalten Regenwetter abgefahren, und es hatte geregnet bis nach Genua. Aber die Seefahrt voii Genua nach Neapel war von einem prächtigen Sonnenschein begleitet, der nicht mehr verschwand, vielmehr mit jeder Stunde würziger und milder wurde. Waldemar v. Rothkirch lag den ganzen Tag auf Deck und ließ sich dort auch, für die Nacht ein warmes Lager zurechtbauen. „Ich könnte in der Kabine nicht liegen. Ich muß in die Sterne sehen," sagte er. Manchmal bereute er, nicht doch nach Meran gegangen zu sein, wie er ursprünglich wollte. Dort wäre er unter seinesgleichen gewesen, unter den Stiefkindern der Natur, denen die Tage zugemessen sind und wo einer am andern einen Trost sucht, denn es gibt in einem solchen Kveise immer noch Kranke, die schlimmer dastehen. Aber es zog ihn ein stiller Gedanke zu Susi. Susanne war wohl die einzige, die ihn verstand. Einmal ach, er hatte sich diesen wundersamen, traulichen Tag, den 24. August, gut gemerkt — hatte sie ein Wort hingeworfen, so leicht und harmlos, wie man oft ein Krümchen von der Frühstückstafel unter das lauernde Spatzenvolk wirst, ein Wort, das ihm für einen Augenblick, nein, nein, für immer und ewig eine Seligkeit vorzauberte, von der er nicht mehr lassen konnte. „Wenn du wieder aesund bist, Waldi, dann mußt du dir einmal Lotte Wölflin näher ansehen. Ich glaube, ihr beide versteht euch. Wenigstens — wäre ich Waldemar Roth- kirch, ich wüßte, wer Lotte Wölflin ist." - Damals war er vor Schreck fast in die Erde gesunken und vor Scham über sein Leiden, das ihn zum halbdn Menschen degradierte. Aber er bezwang den Sturm, d-en Susis Wort heraufbeschwor, und lenkte ängstlich von dem Thema ab. Jetzt, wo er die warmen Lüfte des Mittelmeeres eiwog, wurde ihm das alles wieder lebendig. Seine Brust hob ich leicht und frei, und er meinte, ein andrer zu werdem Hinter einer Hecke von Glyeinen und Rosen glaubte er Susis hellblaues Kleid zu sehen. Er rief ihr zu und richtete sich in der Hängematte, die er zwischen zwei! alten Johannisbrotbäumen ausgespannt hatte, hastig auf. Ein scharfer Hustenanfall warf ihn wieder zurück, und auf den schmalen Lippen fühlte er Blut, dies Mut aus seinem Innersten, vor dem er ein Grauen hatte. Da fühlte er sich von neuem auf den Tod verwundet und hoffnungslos elend. „Waldi?" Ihm war es, als hörte er Lottes Stimme. Er suchte Susis Hand. Sie sah sein bleiches Gesicht und die grüw* lichblauen Aederchen auf den Augenlidern und wüßte, was er sagen wollte. (Fortsetzung folgt.) Die Liebe des Veit hardefust. / Erzählung aus dem alten Köln. Von Otto Braun. Fortsetzung.) (Nachdruck verboten.) St. Martins Glockenspiel klingelte zart und verschwommen die elfte Stunde über den Strom Herüber. IN silbernen Wolken schwamm der Mond über dem türmereichen Köln, und aus einer leuchtenden Brücke ging sein Glanz .quer über den Rhein m Herrn Harde susts Baumgarten. Von der Bank unterm' Holderbusch klang ein lieblich Spiel. Tori fuhren ^Jungfer Eves Fingerlein über die Saiten der Laute und süß scholl ihre Stimme: Du mein einzig Licht, die Lilg' Und Ros hat nicht Was an Färb und Schein dir möcht ähnlich sein! Nur das; dein stolzer Mut der Schönheit Unrecht tut. Beit stand hinterm Nußbaum, kaum ein zwanzig Schritt Pur Seiten. Das Herz schlug dem Raschen bis in den Hals; aber so oft er sich denselben Mend schon ausgefordert hatte, seiner Ungewißheit ein Ende zu machen, so oder so, immer wieder kam das seltsame Zögern über ihn. „Lieber mit dem blanken Raus- degen gegen füllt Buschklepper, als einem solchen Mädel vom Freien sprechen! Und mnß doch sein! Mein Herz treibt mich: Mädchen, ich lieb dich! Mein Glück bist du! Ich habe dich gern, nicht zu sagen!" Veit trank durstig die eigenen Worte. Horch, wieder klang es süß und rein aus dem! monddurchflirrten Holunder: Meine Heimat du, von solcher Lust und Ruh > Ist der Himmel gar tvie die Erde bar. Nur daß dein strenges Wort Wich wehrhvom süssen Port. Da nahm Beit Hardefust sein unruhig ^)erz in beide Hände, Und mit ein paar Schritten stand er vor dem Mädchen, ohne zu bedenken, wie er sie erschrecken möchte. „Jungfer Eve, verstattet mir ein kurz Wort! Ich trags nit länger. Beleiht, wenn ich Euch allzu ungestüm daher komm, aber es Wuß gesagt sein. Ich lieb Euch mehr als meine Seligkeit. Und ich frag Euch —" Ein silberhell Lachen war die Antwort. „Herr Beit, spart Euch die Müh. Weiß ohnedem, daß Euch Becher und Hieber mehr taugen als zierliche Wort, und — " „Eve!" Schlag unt Schlag gingen Red und Gegenrede. „Ich sag Euch bei meiner seligen Mutter, mir ists heilig ernst mit Weinen Worten und mit meinem Werben — " — „Weiß wohl, Herr Veit! EuerM und meinem Vater desgleichen!" — „Auch das wißt Ihr? Den Satan auf die Krämer! Vergebt das Wort V — „Merkt Jhrs, Herr Veit, wies' Euch die Red verschlägt?" — Wieder das Silberlachen. — „Starrt nicht drein wie ein Steinbild! Habt gar kein Ursach zu schlechter Laune. Hört zu: Was Euch zu mir treibt, weiß ich, Uno Hab schon tagelang geharrt, daß Ihr kämet und um meine Hand bittet. Lachen aber muß ich, und wenn mirs in die Seel schneidet, daß Veit Harden kust, von dessen aufrechtem Nacken man gar in Neuß redet, nicht den Mut hat, offen zu sein und zu sagen: Jungfer Eve, unserel Väter meinen, es geht nit anders, und meine Pflicht als gehorsamer Sohn und die Eurige als Tochter —> und es muß sein — und an Euch ists, meinem Vater — die Sicherheiten zu geben — " Was war das? Weinte das Kind? „Schweigt, ich bitt Euch!" Wie ein Notschrei klangs. „Quält mich nicht zu Tod, Jungfer! Freilich, wenns so steht! Was soll da noch mein Reden! Hätts wissen können! Aber das hört noch an: Ich schwör Euch bei meiner Seligkeit, daß ich noch vor eine* halben Stunden meinem Vater mit harten Worten Hab begreiflich Wachen müssen, daß ich eher in die (wige Pein eingechen will, als Euch wider Euer Herz zu meiner Frau zu erbitten! Weil ich Euch, seit ich Euch sah, für mein alles erkannt Hab! Das mag Euch beweisen, daß Veit Hardefust kein Kräwjer ist, wenn es um Herzen geht. Freilich, auch sonst nit! Und nun genug. Um Vergebung, Jungfer, gehabt Euch wohl —" Stracks wandte sich der Trotzige zuM Gehen. „Herr Beit" — unter Tränen kams hinter ihm her — „Beit, so hört doch! So kannt ich Euch nicht — -" „Nun, und jetzt?' Halb drehte sich der Junker um. verweilt!" — „Zu welchem! End? Mag Euch weder lästig noch verächtlich sein —" — „'Ich möcht Euch fragen —" — „Was falls?" —> „Veit —" Wie ein zärtlich Bitten war das eine Wörttein zu hören. Mer der Junker stand halb abgewandt Und starrte in die goldgelbe Mondscheibe, als ob sie ihm über alle Geheimnisse der Erde Ms- kunft geben könnte. „Herr Veit, wie soll ichs Euch sagen? Ich — bin — ich Lab" — ein kleiner Fuß stampfte ans, die Laute sank klingend ins Gras — „ich bin — ich bin Euch gut —" lUub dos Mädchen nestelte schluchzend und in süßem Trotz an der Armspange und sah erst auf, als ztvei! Anne sie umschlangen und »wer braune AuHen die ihren mtb ein heißer Mund ihire roten Kippen suchten. „Q du k Nun Hab ich um dich geivorben! Wie ich mich schäme! Tu sagst es keinem?" fragte leise das Madel. Und die-zitternde Btraut im A!rm rief der Junker: „Keinem sagen soll ichs? Hör zu!" Und mit seiner jungen, hellen Stimme, daß es laut durch den alten Gartejn und auf den Skrom hinaus- balltkt: . • Vater! Overstolz! Lcunbert! Barbe! Das Mädel ist mein! ^zch Hab ihr gesagt, daß es nicht unt die Pfefsersäcke geht, sondern um — " * 7 a Y *®!j tc kleine Hand legte sich ans den übermütigen Mund, und es blieb ungernfen, was der Junker Veit Hardefust noch von seineni Gluck hatte melden wollen. Von seinem Glück . . . HI. Ueber St^ Kunibert und Groß St. Martin, St. Man und Gereon, vgt. Severin und all den andern Gotteshäusern des nrchenfrohen Köln schwangen die Glocken und läuteten die Fron- leichnamsprozession aus. Ter Duft von zertretenen Blumen und Weihrauch! und Kerzen hing in den engen Gicbelstraßen, die Luft schulterte noch vom Terumtumtum der heimziehenden Musiken, bunte Fahnentücher und Kranzlasten schwankten im Frühsommcr- wind, der vom Rheine her auf den Alten Markt strich. Ein Stoßen und Drangen war ringsum; der grobe Rock des Bauern rieb sich an der Schaube des Ratsherren, und namentlich das Landvolt schien nicht g klon neu zu weichen, solange noch irgendwo das goldene Ornat nnes Pfaffen leuchtete. Tie drohende Kriegsgefahr hatte Tausende von Pfahlbürgern und Landleute aus dem Vorland hinter die festen Stadtmauern gescheucht. Man konnte sich unter den ältesten Leuten nicht entsinnen, im heiligen Köln je an Froirleichnam ein solches Treiben gelehn^zu haben. Nie hatte man zudem solch ein einig Velen erlebt, schier zum Schaudern war es gewesen, als heut morgen der 2lot Emmeran von Merten beim zweiten Segen lange schweigend auf das kniende Volk geschaut und darin mit hallender Stimme langsam ein Gebet für Kriegszeiten über den lautlosen Markt gerufen hatte. Vbtt hatte aus Overstolzens Nachrichten hin Eve nicht mehr nach Neuß ziehen lassen. Selbst hatte er sich das Roß satteln lassen und war, wie auch das Mädchen an seinem Halse gezittert! hatte, nach Neuß geritten, nml sich vom alten Elmsperger den väterlichen Consensus zu erbitten. Er war heil wieder zurück- gekommen Was Mühen es ihm gekostet, hatte er verschivlegen, aber im Ellernbusch kurz vor Dormagen hätte man Spuren sehen können, wie Pie dem Kölner zuguterletzt noch den Weg hatten sperren wollen. Der Himmel war mit deni jungen Hardefust gewesen und hatte ihm die Klinae geführt. Und morgen sollt« Hochzeit sein, wenn auch Herr Bartholomäus sich anfangs gegen die unschickliche Erl gesträubt iind etwas von langsamem Anspannen und jachem Fahren in den Bart gemurmelt hatte. Eng umschlungen standeii Eve und Veit am Fenster und sahen auf das Gewühl am mten Markt hinaus. Waren freilich kein frohes Brautpaar, die beiden; denn die Fehde zwischen der alten und der neuen Vaterstadt und die Sorge um des Liebsten Leben wolttenl dem Mädchen das Herz abdrücken. Der Junker hatte seine liebe Not, ihr trübes Gesichtlein anfzuheitern. „Geh', mein Mädchen," schmeichelte Veit, nachdem er die Zagende Mit lieben Worten wieder einmal beruhigt l-atte. „Zeig mir crn stolz Gesicht! Denk, daß du von morgen ab Kölns aufrechtesten Namen ttagen sollst! Und mach mir selber das Herz nit schwer. Komm, nimnr die Laute und sing uns die trüben Gedanken von der Seel herunter! Mädchen, nwrgen ist Hochzeitstag und kern Leichenbegängnis! — Barbe! So helft mir doch!" Und dem Drängen der beiden nwchte Eve nicht zu widerstehen. Nahm die Laute aus Veits Hand uitd ftlhr mit leicÄen; Fingern über die klingenden Saiten. Mer die Töne wollten sich zu keiner ftohen Weise fügen, und bald klang es süß und traurig; Ich fahr dahin, wann es muß sein. Ich scheid mich von der Liebsten mein Zur Letz laß ich das Herze mein, Dielveil ich leb, so soll es sein! Ich fahl: dahin, ich fahr dahin_ Die Laute glitt auf den Teppich, und Eve sank dem Liebstes schluchzend ans Herz: „Veit, ich kanns nicht ertragen! Schau, du selber magst den Tränen kaum zu gebieten und herschst, ich sott singen und lustig sein —" Da bornierte unten am! Haustor der eherne Klopfer. Eve fuhr zusammen. „Das gilt dir, Lieber!" preßte sich heraus. Angstvoll starrte sie nach der Tür des Gemachs. Von drunten klangen Stimmen, ein verworren Geräusch von Fragen und Antworten und Waffenklirren. Dann polterte der schwere Schritt eines Gewapp- neten auf Treppe und Estrich. Veit öffnete die Tür. „Um Vergebung, Hardefust, wenn ich Erich stör! Euer Diener, Jungfer! — Müßt ein Wort zur Seit mit Euch reden, Harde- tust —" „Sprecht iminerhin, Othearaven! Die da ist morgen Harde-, fustin und muß wissen, was ihren Gatten angeht!" „Wenns so ist —" Otheg raven zögerte überlegend. „Ist freilich keine angenehme Kunde für den Vorabend zur Hochzeit —. Nun, so hört! Tie Neußer, Klever und Jülicher stehen schon um Worringen. Unsere Späher müssen samt und sonders von verräterischem Landvolk aufgehoben worden sein; denn die Kunde kommt nicht von ihnen, sondern von ein paar Bauern, die sich vor deni Feind aus den: Staub gemacht haben, das Unglück zu vevmelden. Und kurz Und gut, heute noch solle:: Späher hinaris', und diesmal bessere. Es ist Kriogsrat zun: Gürzenich entbotem Man zählt nachher auf Euch. Ihr seid doch dabei?" „Das weiß Gott," jauchzte Veit und reckte die Arme. „Je eher, je lieber! Verzieht, bis ich mich für den Weg gerüstet Hab! — 524 — Eve!' Bert nahm das blonde Hau«pt der Geliebten -wischen dre Hände. „Nun gilts !" Mit seiften Augen sah er dem Mädchen rnS Antlitz „Du bleibst ruhig, mein Letzen! Versprich mir«!" . Und totenbleich antwortete das Mädchen: „Ich versprech dir, ruhig Ku bleiben, Veit!" llnb tvondte sich zum Erker und regte sich nrmmer. Othegraven achtete ihr Schweigen, lieber eine Weile steckte der alte Beschließer den Kopf durch die Tür und meldete, der Junker sei schon dorangegangen. Er lasse den Herrn von, -Othegraven bitten, ihm zu folgen. Da sank Eve lautlos der hinzneilenden Barbe in die alben Arme. Unt-er den sorgenden Händen der Alten dauerte die Schwäche nicht lange. Eve strich mit der Hand über die Stirn und blickte wie suchend in dem weiten Gemach umher. Dann war ihr klar, was sie tun wollte. „Barbe, holt mir ohne Verzug den Krispin Schwerdt l-ierher, noch ehe er zum Rathaus geht. Und ist er schon dort, so bittet ihn gleichwohl, aus kurze Zeit zu inir zu kommen ! t— Nein, Barbe, keine Widerred? Obs sich schickt? Danach frag ich jetzt nicht!" Und der z,erllck>e Fust stampfte auf. „Ten Krispin Schlv-erdt sollt Ihr her- lntten, hört Ihrs?" GehorsE trippelte die Vte zur Türe. Eine halbe Stunde spater stand Lrchwerdt, der vou seinem Zusammenstoß mit Veit "och eut Pflaster guer übers Gencht trug, vor Eve. *"fy er r v A^lpin," begann das Mädck>eu ohne Verzug, „ich dank Euch, Idast ^>hr kamt. Hort mir zu! Ich weist, was zwischen Euch und memem V-erloitzten steht, und ich loeist, dast ich es war, die Euch beide ohne Verschulden aneinander brachte. Ihr seht, ich spreche ganz Zossen zu Euch —" Schwerdt sah finster zu Boden. „Herr Krispin," fuhr Eve mit süßer Ueberredung fort, „ich ^u-chl, dast Ihr —- dast ich — Euch nicht gleichgültig war — uno vast — gleichviel, das soll hier nicht gelten. Denn ich Hab eine > ön mir auch ohnedem nick)t weigern dürft. Krispln, man wiüd heut abend Beit auf einen gefährlickien Gang l 11 ' v U1 Jr nutl r .5“* ^ Euch von Herzen, denn ich kenn Euern Mut und Eure Lrst, dast Ihr den bösen Weg mit meinem Ber- lobten zusammen macht. Ich wüstt mir keinen lieberu Genossen für chn als Euch Und meine Sorge um ihn wäre geringer? Scküagts mir nicht ab' Wollt Ihr, Herr Krispin?" Schwerdt schien mit sich zu kämpfen. „Muß sagen, Ihr sckrenkt mir mit einmal ein ehrenvoll Zu- A inn, pl cr ' Vlut Gottes, war mir lieber gewesen, wenn Ihrs früher schon getan hättet. - - Aber fort mit 'den alten Gedan ■} ~.ySR cr r® 1, ,ü?nn """ Veit mein Geleit ausschlägt? Sollt mich mt Wunder nehmen! Und ihn selbst heut noch zu sprechen, werdet Ihr kaum Gelegenheit haben —" „Tann tveist ihm das da! Sagt ihm, um meinethalben soll er den alten Groll vergessen!" Und Eve nahm einen Ring vom Finger und reickste ihn dem Zögernden. Da schlug Krispin in die dargebotene Hand des Mädchens und giltg. (Schluß folgt.) vüchertisch. ^^Eft 36 und 3 7 des „Bö, ker krieg" (Verlag von Julius Hoffmann, Ctnttgarl) behandeln die Türkei und den Heiligen «rieg bi« gn den Dardanellenkämpfen. Ein 'Aufsatz von Tr Ir ^^^^E""chland und der Islam" schildert die Bewegung der islamitischen Welt, ihren zuversichtlichen Anschlnst an Deutschland und die mutmaßliche Bedeutung dieser Vorgänge für die Wciler- -ntwjcklnng des türkischen Kriege«. Sehr beachtenSivert sind die AuSn.hrungen über stärke, Ausrüstung und Rengestaltnng deS tuiklschen Heeres: ste berechtigen zu der Hoffnung ans weitere be- deutend in« Gewicht fallende Leistungen dieses Heeres. Wenn man O'Ulchen leberbltck über .die Beziehungen der Türket zu den kriegführenden Machten^ l.ejt, ,o»rd erst recht klar, mit welcher Folgerichtigkeit. Umsicht und Entschiedenheit die Türkei sich ?? i.. ? f eitc bci ‘ Zentral,nachte gestellt hat. .vährend an« de.n Ab- Vlegypten vor dem Heiligen Krieg" die ge-.oalttätige, jedes Rechts spottende Handlungsweise Englands grell hervorsticht. Der *^° n beC - Eürklfchen Politik England«" gibt in gedrängten Uilgsührniigen eine sachkundige. gründliche Aufklärung über die innere Entwickelung und die äußeren Beziehungen dieses Landes uiid zeigt an emen, Schulbeispiel die von jeder Bedenklichkeit freien nnt alle.« Iuslnlkten de« Raubtiere« arbeitendeii »md daher die Freiheit der ganzen Welt bedrohenden Methoden Englands Auch m den Abschnitten über den Silezkanat und über Kleinasien lernen 'vir England« Verfahren in seiner schlauen Planmäßigkeit l,nd zu- me,senden Rucksichte-loligkeit kennen. Heit 37 bringt eine Schil- Verkündigung deS ^Heiligen Krieges" ln»d die poetis he b utfm«ia rU,la b m ?\ d)terl Aka DüildüS zur Zerstörung des fAnssen- ri f *V ü011 ^lataria, beides Acnsternngen de« islamitischen ' -'..d'e von bec bimflen Glut orientalischer Phantasie und ^1 m in (, ü s °J luid Die chronologische Uebersicht und die nfi!m rJ.T , K be Darstellung de« Feldzuges im Kaukasus und bei- p-rs'schen Kriegsschauplatz zeigen die schöne.« »Ilnngen der Tlliken auf diesen Gebieten und die politische ivie verdi?n!^m^ b E"t"ng dieser Kä.npfe, denen ,vohl nicht immer die «Lmnk^E ^ufmerNamkeit geschenkt ,vird. Den Schluß bilden die Sua«,,..« ^ persischen Golf »ind die von der ganzen Welt mit ^ ^ -Olgten, aber einstweilen wieder eingestellten Vorneu.«.. Suezkanal, denen anschauliche Schilderungen von Teil- Ä Augenzeugen beider Seiten ge.vidmet sind. - Zahl- von StaatSinannern, Feldherren, Truppen. Kriegs- aeaebpder Darstellung der Krtegseretgnisse zur Sette ifunbun ab att ^ en ^ ieBen bie Darstellung zu vollkommener ult.® * m! n t? r r ? < S Wj r tsch a st s - und Finanzpolitik, mm*«, J tel)€n b,e Wirtschaft«- und die Finanzpolitik Bis- deMkIu.. m ^n,er großen allgemeinen prel.ßischen und ra L ^ viltlk^ So wenig wie auf andereil Gebieten war er b ,^Äc?"^olckiker ein Mann der allgemein theoretischen oder gar «Ä Behandlung des Problenis, solider., ein Mann der . !! ^bbeuserfahrling oder dessen, ivas er dafür bei sich selbst ',a ein Realist. In der neilesten Aeröffentlichilng ls'°' o° /U L S, C , 8 »««* inotcf- ^atjre«" Ib»au-ge,-b°» von 1^,- & Wardi, Verlag A,ol-»ck L (5o.. bainbur«,» schreibt 6 1 «f ine Abhandlung über dieses Theina. Roch z,vet weiiere Arbeiten bringt das He't hera»l« : .Bismarck und die Reichs- ,J Ufl '' 00U Erich Brandenbllrg Uiid „Vismarck und die Eng. di» qor' ^balbert Wahl. Keine Zeit kölinte geeigneter sein für oie ^vurdigmig deS großen Deutschen als unsere, und mit Recht schreibt Brandenburg, daß nun auch der Blindeste iind Berblendetste oeutlich init Händen greifen kann, daß ivir jetzt längst zerdrückt lvaren, ivenn wir noch länger in der alten Zeisplitteriing geblieben waren, ans der Bismarck „ns erlöst hat. Brandenburgs Unter- " x Obp'ba'tigt sich im ioesenlUchen mit den Fragen: .Hat Bis- inarrk denn das Gleich ivicklich geschassen ? Können überhaupt einzelne Banner Reiche griinden'? Halte die Gewalt der nationalen Beweg», ng nicht auch dann zum Ziele führen iniiffeii, wenn BiSmarck nicht gekommen iväre ?” /o,*. r ^ Q i ^ ^ 0 fl 0 c •’ Öuo vadis Romania? lVerlag von Bol! & Prckardt, Berlin NW. 6.) In dieser sehr zeit- geinaßen Veröffentlichung entwickelt der Verfasser in übersichtlicher rtvetie der Hand eines beweiskräsligen Tatsachemnaterials die ^.Anmamsche Fraget die zivri'elios größere Beachtung beansprucht, mogge« Schrift wirkt besoiider« fesselnd durch geschickte Aiisühriingeii zahlreicher Anssprüche hervorragender Rumäiien arrs älterer und neuer Zeit und gipfelt mit Recht in der Dteinung des ivelsei, Königs Kail I-, des ^Andenken die Schrift auch geividmet, daß das Heil Anmaiiieirs nur im eugei, Anschluß an die Zentralniächte zu suchen sei. L)aß eS Rogge gut verstande»l hat, auf Grund seiner genaueii »ennluls früherer und heutiger Verhältnisse der Politik in Ru- nlämeu diesetu Lande gewisscrinaßeii den Spiegel der Erinnerung vor Augen zu halte,,, beweist, daß die Schri t auf Veianlassnng ver „ Agenlia Romania-Germana de Insor>natini" m Bukarest in d,e ruinanische Sprache übersetzt worden ist uiid zu Aufklärung«, zwecken verbreitet ivird. Schach-Ausgabe. Vo«, I. Elsoii Schivarz. Weiß setzt init dem dritten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummert Tuberculin — Hunte — Eumenes — Osenschirin — Hnrhai — Otto — Hegenivuru» : Theodor Mommsen. Schrlstleit ung : A,,g Goetz. - RotationSdr»lck und Verlag der Brl'lhl'fchen NniversitätL-Blich. und Stenidruckerci. R. Longe. Gießet