Montag, den 25. August CEEsSS 2er blaue Kuker. Roman von Elsriede Schul). (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) 12 Kapitel. Mit Dietrich Rothkirch kam ein neues Element in den Broniner Kreis. Man konnte sich kaum einen gröberen Gegensatz als die beiden Brüder denken. Der zarte, leidende Waldemar ein Kämpfer um das bißchen Lebet:, der kraft-- strotzende Dietrich der Lebenssieger. Und sie zogen auch sonst an verschiedenen Strängen. In Charakter und Wesen grundverschieden, lag zwischen ihnen unausgesprochen eine latente Spannung. Obwohl sie sich in der Gesellschaft beherrschten, entlud sich diese Spannung doch bei allerlei kleinen Differenzen, und Frau Nataly von Rothkirch mußte dann mit ihrer milden, gütigen Art schlichtend zwischen sie treten. Lotte Wölfliu nahm von: ersten Tage an Partei für die stille Natur des Jüngeren. Die sieggewohnte, etwas herrische Weise Dietrichs, die durch den kurzen Kommandoton des Gardeoffiziers noch verschärft wurde und nach Lottes Meinung in dem roten Husarenrock mit den goldenen Schnüren ein sprechendes Symbol fand, zwang sie halb unbewußt zu einer merklichen Zurückhaltung. Dietrich von Rothkirch fühlte das bald heraus, und obwohl er in der lebhaften, stolzen und schönen Ilse Ladenburg eine natürliche Partnerin sah, wenn sie auch die nötige Distanz nie vermissen ließ, reizte ihn die kühle Haltung Lottes um so mehr. Ein leidenschaftlicher Verehrer de.r Frauenwelt, bemühte er sich um die Gunst der beiden Mädchen bei jeder Gelegenheit und zeigte sich von leinen besten weiten. Im stillen verglich er die reizenden Erscheinungen bis ins Kleinste, bis auf den Geschmack, den sie in Kleidung und Schmuck an den Tag legten, und ihre musikalischen und literarischen Neigungen. Ilse Ladenburg mußte jeden Mann auf den ersten Blick fesseln. Aus den blitzenden dunkelbraunen Augen und der feingebauten hohen, weißen Stirn sprach südliches Temperament. Das dunkle, leicht gewellte Haar umrahmte das edle Gesicht mit reichen, kunstvoll gesteckten Flechten. Die leicht geschwungene Nase, die kräftig gezeichneten Lippen sprachen ein rasches, kühnes Wesen aus, und über dem schönen, von der Sonne gebräunten Nacken lag ein offener Stolz. In den Linien des ganzen Körpers vereinigte sich sportgestählte Kraft mit beweglicher Zierlichkeit. Ilse war eine tüchtige Reiterin und saß herrlich im Sattel. Sie blieb hinter dem Husaren nicht viel zurück. Bon ähnlicher Gestalt, etwas derber im Bau, war Lotte Wölflin, im übrigen aber dock) ihr Gegenstück. Aus ihren blauen Augen lachte jeinejimmer heitere Sanftmut. Das ganz hellbraun getönte Haar, das sich vor den kleinen rosigen Ohren und in dem kräftigen weißen Nacken in krausen Löckchen ringelte, gab dem rundlichen und doch schön geschnittenen Gesicht mit der: srischroten Wangen und den: geraden Naschen einen leichten, freien Zug, Die volle Büste mit dem prächtigen, breiten Halsansatz, die kräftigen Hüften, der feste und doch wiegende Gang verrieten eine stämmige Gesundheit. Aus den kurzen Aermeln sah ein weicher voller Arm mit einer festen, schlanken Hand, die sich mit einer natürlichen Grazie bewegte. Zuletzt flog Dietrichs Blick zu Schwester Susanne, die in ihrer ganzen Anlage und auch in ihrem Wesen Lotte Wölflin auffallend ähnlich war und sich nur in dem kastanienbraunen Haar und gleichen Augen von ihr unterschied. In ihrem Temperament neigte sie ursprünglich mehr zu Ilse Ladenburg, aber das gedrückte Dasein, das seit Jahren auf Bronin lastete, hatte ihre frische Beweglichkeit eingedämmt, und ihre Wangen waren nur ganz- leicht gerötet. Da wurde es dem Husaren schwer, einer von den dreien den ersten Preis zu reichen, und er lächelte bei sich: „Paris hatte es bei seinen drei Grazien wohl leichter." Nach dem Abendessen wurde meistens musiziert. Das war der einzige Wunsch des Freiherrn, der sich sonst allen andern Wünschen gern unterordnete. Dann saß er in einem breiten Rohrsessel," bequem znrückgelehnt, und rauchte in glückseliger Behaglichkeit seine Havanna. Waldemar, der in Jena und Heidelberg das Corpus juris studiert hatte, stimmte eins von den alten Studentenliedern an, und die Charlottenburger Mädchen, die das hundertmal mit ihrer: Brüdern gesungen hatten, - fielen kräftig ein. Ilse und Lotte hatten ihre Lauten mitgebracht, und Waldemar holte die Gitarre dazu. Da klang das Gaudeamus igitur kraftvoll in den stillen Park hinaus, und „Als die Römer frech geworden" löste bei den Kleinen, bei Eva und Trude, unbändige Heiterkeit aus. Dann mußte jeder ein -solo opfern. Auch der Freiherr ließ seinen Baß erklingen und bekam für seinen „Schwarzen Walfisch zr: Askalon" einer: Blätterkranz auf das Haupt gedrückt Das tvaren selige Stunden, und besonders Waldemars ernste dunkle Augen bekamen dann einen neuen Glanz. Am glücklichsten war Frau Nataly. Sie hätte das alles ja nie für rnöglich gehalter:. Mitten in der größten Lust rann ihr einmal eine heimliche Träne über die Wange, die sie schnell fort tupfte, denn genau so war es in den ersten Jahren ihrer Ehe gewesen. Jetzt rvar alles, was zwischen damals und heute lag, in der nebligen Ferne verschwommen. Die gute alte Zeit fing an wieder aufzuerstel)eii. Ir: die nächste Wockie siel der Geburtstag des Freiherrn. Der war auch die letzten Jahre immer in einem größeren Kreise gefeiert worden. Dietrich zuliebe, der^ain Montag zum Regiinent zurück mußte, sollte er aus den Sonntag verwiegt werden. Man wollte ein kleines Gartenfest geben. Das hatte Lotte bereits Erich mitgeteilt. Nun schickte sie ihn: noch ein Telegramm. „Wenn du kannst, komm doch zum Sonntag!" Er reiste gleich ab und traf in Brvnin auf eine wahre Völkerwanderung. Der ganze Kreis schien sich ein Stelldichein zu geben. Den halben Hof füllten blanke Automobile^ glanzende Equipaaen, blaue, braune und Aelbc Breaks und! Jagdwägen. Me lüngjeren Herren kamen meist im Sattel. Der große Platz um den Springbrunnen war mit bunten Girlanden von Lampions und Wimpeln behängt. Darunter standen in langen Reihen die Festtafeln, mit schneeweißem Damast, altem Silber und leuchtenden Blumen bedeckt. Auf dem Schloßdach flatterte die schwarzweiße Preußenfahne, auf dem Turm an der Seite die Hausflagge mit dem Rothkirchschen Wappen, einer roten Kapelle zwischen zwei goldenen Sternen. „Alle Wetter! Sehen brillant aus, Rothkirch!" rief Graf Torren, sein östlicher Nachbar, mit tiefem Baß durch die Menge. „In welchem Jungbrunnen haben Sie denn neuerdings gesteckt?" Das fanden die andern auch, und die älteren Damen wisperten allerlei über das Gutwetter auf Bronin. In den letzten Jahren war es auf Rothkirchs Geburtstag immer etwas ledern zugegangen. Heute war auf dem Köocketplatz sogar ein nwißgedielter Tanzboden hergerichtet. Das war schon lange nicht mehr dagewesen. Ein Landjunkerfest in der Ostmark ist immer etwas Besonderes. Einer kennt den andern wie seine Westentasche. Da gibt sich jeder wie er ist, und der schwere Rheinwein und die kernigen holländischen Liköre lösen die Zungen. Da kann man mancherlei erleben. So etwas Ungebundenes hatten die Berlinerinnen noch nicht mitgemacht. Sie ließen sich in den Strudel mitreißen. Auch Susi war nicht wieder zu erkennen. Die lange zurückgehaltene Lebenslust brach sich ungestüm Bahn. „Wie gefällt Ihnen das ostelbische Bauernvolk, Herr Wölflin?" fragte sie Erich, mit dem sie im Walzer dahinschwebte. „Bauernvolk? — Aber Baronesse!" „Gewiß! Nennen sich die alten Herren, alle wie sie hier sind, nicht immer in ihren Versammlungen „Wir deutsche Bauern"? Mir macht das jedesmal Spaß, wenn ich das lese." Sie sprachen also nicht vom Wetter oder Aehnlichem. Sie waren nie verlegen um ein Thema. Für Susi war es eine Erholung, nach den andern öden Gesprächen, wenn Erich zu ihr kam. Da gab es für das Denken immer einen kleinen Höhenflug. Was Erich von den übrigen jungen Männern unterschied, war der träumerische Zug in seinen Augen, in seinem Ton, in seiner Denkweise. Es war keine Aktivität, die von ihm ausging, wie etwa von Dietrich; es war eine Männlichkeit eigener Art. Bei aller frischen Offenheit und trotz der Bestimmtheit, die den geschulten Denker und selbstbewußten Künstler kennzeichnete, lag etwas Versonnenes in seinem Wesen, ein in sich selbst Befriedigtsein, wie in dem großen Pan der Griechen, der im einsamen Schilf weit hinter den Menschen und Meeren, selbstvergessen den Tönen seiner Flöte auscht. Es war dieselbe lebenswarme Stille, wenn auch nicht o deutlich ausgesprochen, die sie in Lotte Wölflin ge- unden hatte. Die Kavaliere, mit denen Susanne von Roth- irch sonst zusammengekommen war, hatten Absichten. Hier war ein ganz absichtsloser Charakter, der in sich selbst Genüge hatte. Susanne verglich ihn mit dem, den sie von allen am besten kannte, mit Herrn v. Saar. Welch ein Abstand! Bei diesem — und er war noch nicht der Geringste von allen — alles nur prätentiöse Aufmachung, jeder Gedanke eine abgewogene Ueberlegung, jedes Wort eine Formulierung, jeder Schritt eine Abmessung, ein Alltagsmensch, der seine gewöhnlichen Instinkte unter guten Allüren verbarg. Bei dem jungen Baumeister Inneres und Aeußeres in wohltuendem Einklang, die einfachen, natürlichen Gedanken ohne Falsch, jede Bewegung der Ausfluß eines gesunden, unkomplizierten Seelenlebens. Da war die kleinste Unterhaltung Anregung und Gewinn, und darüber hinaus zitterte es nach. Und so war auch sein Tanz. Der Rhythmus seines Wesens floß mit dem Wiegen des süßen Walzers zusammen. Die Traumhaftigkeit des jungen Wölflin griff auf sie über, und sie glitten wortlos lange wie eine Einheit dahin. Da kamen ihr alle diese Gedanken, und sie schreckte leicht zusammen, als die Musik endete und Wölflin leise sagte: „Ich danke Ihnen. Sie tanzen so schön!" Es war gut, daß das Orchester absetzte. Die hagere Well- gunde v. Bollwitz, die nahebei auf Prondnowo wirtschaftete pnd vor: den Junkern die „eiserne Wittib" genannt wurde, hatte das junge Paar schon lange mit leisem Mißbehagen verfolgt. Sie stieß ihre Nachbarin, ein ältliches Fräulein von der Lauten, auffällig an und drehte sich mit der Schild- pattlorgnette zu ihr um. „Beobachten Sie nur Susi Rothkirch! Ich mokiere mich nicht leicht. Aber diese lauge Tour mit demselben Herrn -ä ich finde das denn doch ein bißchen stark. Nicht wahä^ meine Liebe?" Die Lauken hatte dieselbe Wahrnehmung gemacht. „Ordinär — einjach unmöglich! Was ist das für ein Mensch?" Sie standen förmlich erbost auf und steuerten auf die alte Mümmri-Kathrin zu. die eben einem Schwarm junger Herren ein frisches Glas Bowle eingoß. Die mußte es wissen. „Da — dort — das ist seine Schwester! Die Kinder von Herrn Professor Ladenourg aus Berlin, der uns alles umbaut." Sie sähen sich mit einenl mokanten Lächeln an. „Höchst sonderbar!" flüsterte die Bollwitz. Lotte Wölflin kam am Arm Dietrichs vorüber. Sie schienen niemand zu sehen, so waren sie in einem lustigen Gespräch vertieft. „Auf Bronin ist einiges nicht richtig, meine liebe Well- gunde. Wir müssen der Sache aus den Grund gehen." Sie fächelten sich die heißen Köpfe und hefteten sich dem jungen Paar wie von ungefähr auf die Fersen. Um einen neuen interessanten Stoff für die nächsten Käffeevisiten brauchten sie sich nunmehr nicht zu sorgen. Die italienische Nacht verlief glänzend, und die Jugend des Kreises sprach noch lange von dem Broniner Gartenfest. Als Dietrich sich zur Abfahrt rüstete, fiel ihm die Mutter unter Freudentränen um den Hals. „Jung, Jung, hättest du das gedacht?" „Ich ^komme bald wieder, Mutting. Auf Bronin ist jetzt gut sein." Sein Bruder sah ihn nicht ungern scheiden. In diesen Tagen, wo Dietrich den Tön angab, hatte er sich mehr und mehr zu seinen Büchern geflüchtet, urtb es fröstelte ihn mitten im Hochsommer in seinem abgelegener: Turmzimmer. Jetzt kam wohl für ihn wieder die Sonne hervor. Er fand sie in den wärmenden Blicken Lotte Wölflins. (Fortsetzung folgt.) Die Liebe des Veit hardefust. Erzählung aus dem alten Köln. .Von OttoBraun. (Nachdruck verboten.) i I. „Gotts Tod, im Karpfen ist der Weinteufel wieder am Rumoren!" Tie drei Spießbürger, die in der Lorenzgasse beisammenstanden, schüttelten mißbilligend die grauen Schädel, denn aus dem Butzensch-eibenfenster des Wirtshauses klirrten die Glasstücke aufs Pflaster hinunter, ein paar Krüge flogen hinterher und — Maria und Josef — gar ein Armsessel, und ein Johlen und Geschrei scholl aus dem zerschlagenen Fenster, daß man hätte vermeinen sollen, im ersten Stockwerke des „Blauen! Karpfens" im heiligen Köln seien die Schweden am Werke. „Kommt Gevatter," meinte einer der Bürger, „wir wollen gehn, ehe die Saufbrüder uns weghaben; sonst möcht es wieder gehn, wie am vorigen Donnerstag, als sie mit den Fleischern Häiwel suchten. S:nd in der letzten Zeit wieder viel zu übermütig, die Herren Patriziersöhne! Wenn ihnen doch ein paar handfeste Gesellen einmal das Maul stopfen wollten." Die drei bogen um die nächste Ecke. ' Ging in Wahrheit wieder einmal hoch her im Karpfeü. Vater Peckenschlager, der Wirt, hatte die Hände voll zu tun- um den lauten Wünschen seiner Gäste nachzukommen. Im Weinzimmer, das halbst-xW gegen die Straße hin lag, waren wie stets an den Donnerstagen, flaumbärtige Kölner Geschlechtersöhne beisammen, die den Herrgott einen guten Mann sein ließen, die Beutel voll Dukaten hatten und einstweilen die Alten für sich arbeiten ließen. Aus den grellbunten Fenstern klangen Lachen und Gesang. Dabei ließ es sich eine WeU aushalten. Dann! packte die jungen Sausebrause der Uebermut, uiü> sie sannen auf andere Kurzweil. Die drei Spießbürger, die eben den un« ruhigen Platz verlassen hatten, waren Zeugen gewesen, wie man mit dem neuen Zeitvertreib begann. Sollte heut nicht weit kommen. Der alte Span zwischen den: schwarzen Veit Hardefust und dem langen Krispin Schwerdt verdarb den Spaß. Der Lange ließ im Trubel die scharfe Zunge schießen und mühte sich schon eine Stunde nach Kräften, dem! Widersacher, den er in den Tod nicht leiden mochte, eins aus« zuwiscyen. Als Veit ihms verwies, daß er den SessA zum Fenster yinausgeworfen habe, wurde es noch schlimmer. Mag sein, daß ein solcher Tadel im Munde des tollen Veit gar sonderbar klana. Nun, Veit Hardefust wahrte seinen Gleichmut, so lange es mit 619 — Anstand zu ertragen war. Als aber die Kumpane aufmerksam wurden auf die hin mrd herfliegenden Redensarten, gings ihm ttn. die Ehr. „Nun sagts deutlich, langer Krispin" — Veit setzte die Faust nachdrücklich vor sich hin — „auf was Ihr eigentlich zielt. Oder ich laß mich in Stücker schlagen, wenn ich Euch noch lange sc sanftmütig zuhöre. Vermutlich — und Veit lachte geringschätzig — ist Euch mial wieder beigefallen, daß die blonde Eve letztlich im Gürzenich so schwer zum Tanz mit Euch zu bewegen war, weil sie meinte, ich schwänge das Tanzbein besser als Ihr, wennschon .Ihr die längeren habt! Weiß der Himmel, Schwcrdt, Ihr seid eifersüchtig als rin futterneidisch Roh!" Hallo, das versprach Abwechslung. Tie Gesellschaft rückte zusammen. „Roh hat er gesagt!" „Pack an. Langer!" „Daher Eure Gvldlaune, Krispin!" lachte und spottete es durcheinander. Der Lange war bläh vor geheimer Wut. Ließ sichs aber nicht Merken. „Freilich, Hardefust, Ihr habt Euch gut blähen mit Euerm Glück bei dem Weibervolk. Hab' so allerlei hören munkeln, was Euchs leicht macht, Euch einen spröden Sinn gefügig zu machen. Schick mich ja auch gern drein, daß meine Wett verloren ist. Seis drum! Meinthalb zahl ich heut schon das Faß und den Rehziemer, weil Jhrs ja doch wohl schon mit der Jungfer Eve Elms- pergerin zum Versprach gebracht habt. Aber so sagts auch frischweg !" „Wenn ich Euch raten darf, langer Schwerdt, legt Eureü Zunge ein Zäunlein an! Immer mit Anstand! — So weit ists übrigens noch nit. Werdets früh genug erfahren, wann ich Euch die Wett verlieren lassen will! Muß Euch zwar doppelt grämen die Wett und das Mädchen in Verlust zu geben, aber da hindert mich alle Freundschaft nicht." Die Runde bog sich vor Vergnügen. „An ihn, Schwerdt! Das ist! deutlich!" reizte man den Langen. „Gott straf mich/' sagte Schwerdt mit eiskalter, aber zittriger Stimme, „was ist da zu tun? Beim Becher bin ich bei der Hand, gesetzt, es ist Wein darinnen; aber mit andern Tränklein kenn! ich mich nit aus. Da muß ich wohl nachgeben." Veit Hardefust blieb ruhig. „Schüverdt, Ihr sprecht heut abend zum andernmal von geheimen Mitteln und Tränklein, und Trennt wich in einem Atem,? Habt Ihr so viel Zutrauen in Euern schlenkrigen Arm, daß Ihr Euch näher erklären wollt?" „Daß ich Euch ein wenig mit dem Degen vor der Nase herumschlenkere, Ihr spitzschnäbliger Pfauhahn", fuhr Schwerdt in die Höhe und faßte nach seinem Raufdegen. „Wenn Ihr nicht stracks Kur Ruhe kommt, will ich Euch das Radschlagen lehren!" „'Krispin Schwerdt, ich frag Euch noch einmal, ob Ihr Mut habt. Eure heimtückischen Reden zu erklären? Sagt nur ja oder nein!" t „Beim heiligen Engelbert," schrie der Lange, „wenn Jhrs denn Um jeden Preis müßt, so hörts doch! Es geht die Red, daß Euch die alte Holzmäuserin hier in der Lorenzgasse mit allerlei" Teufelswerk an die Hand geht, wenn Ihr auf Liebeswegen steigt! Warum solls bei der Eve nit auch so sein?" Wie der Blitz war Veit auf den Beinen. Der Hieber sprang! aus der Scheide. i „Mir vor die Klinge, du Schelm! Zurück, Ihr Herren, sonst müßt ich zuschlagen!" Die Stühle flogen beiseite. „Ihr sollt mich nit hindern, das Schandmaul so zu stopfen, daß ihm für ein paar Wochen sein Lästern vergeht! Zurück!" donnerte Veit die, die ihn halten wollten, an. „Zurück, sag ich! Hierher, Schwerdt!" Tn rasselten auch schon die Klingen aneinander. Ernüchtert drückten sich die Gesellen an die Wände und schlossen die Fenster, soweit sie noch heil waren. Das war nicht mehr zum Spaßen. Gottes Blut, wie die zweie losgingen! Das müßte ein böses Ende nehmen. Mehrere wollten sich zwischen die Fechtenden werfen. Ms beide ihnen mit Totschlägen drohten, ließen sie davon ab. „Schwerdt," keuchte Veit, nachdem er einen wütenden Ausfall des Gegners abgewehrt und ihm selber eine flache Quart an den Schädel gehauen hatte, „betet doch ein Avemaria! — Holla, die Quarten sitzen viel tiefer! —> Mich soll nichts davon abhalten — tiefer sitzen die Quarten —. abhalten,, sagte ich. Euch Euer Schelmengesicht in zwei Teile zn schlagen! — Kanns nit ändern — wieder Ku hoch, Schwerdt! — wenn ber Schädel mit darunter leidet!" Draußen donnerte Herr Peckenschlager an die verschlossene Ntr. „Mrfgemacht, Ihr Herren, die Ratsdiener sind unterwegens!" „Macht Euch nicht lächerlich, Beckenschläger," schrie Veit überm Fechten. „Sogleich sind wir fertig!" Und er zog hinter einer prachtvollen Finte dem Gegner einen, Streicher quer übers Gesicht, genau wie ers versprochen lmtte. Dem schoß das Blut in die Augen. Er hob den Degen in unsickierer Parade die Kumpane fuhren dazwischen, drängten den Blutenden auf einen Stuhl und riefen nach Wasser und Leinenzeug. „Seht, wie Ihr ihn wieder zusammenflickt! Tut mir leid, Schwerdt!" Veit wischte den Hieber am Tischtuch ab, warf ihn ins Gehänge und ging zur Tür. Tie Zechgeuossen drängten ihm Mch. Der Krispin Wieben nur sein Vetter Dietrich Walrave und der IVrrt. Tie Peckenschlagerin war um den Chirurgus gelaufen. ,Hardefust," hieß es draußen, „das habt Ihr der Tafelruirde Hu Tank gemacht! Ter wird die gespaltenen Lippen ein Monat oder zwei zusamtnenhalten!" lfltS 'äSHE Dauben! »er sagt, Ihr Herren !" Veit blieb stehn und stemmte die ArrW in die Seiten. „Ist einer unter Euch, der des langen Klus Pin Reden Wer mich und das Mädchen billiat? 77Frn,hEus! Ich steh ihm Antwort!" Er schlug aus den T'An- tot». Sre beteuerten, dab er m-itnich-ten einen solchen Verdacht habe. Ta war ers zufrieden und lietz sich von Lukas Güldenpfennig mit tn dessen Haus nehmen, bis die Alten mit dem Stadtrichter ge- wrochen hätten und eine ztvanzigpfündige Wachskerze in St. Gereon als Sühne für den Streitfall brenne. . . Droben in der Gaststube sah Veit znm Fenster hinaus auf die moudbeschaenenerr Türme und Giebel. Wer konnts wissen, ob er die Wette mit dem langen Krispin Schwerdt gewinnen werde? Raufbold und schürzeniäger, der er war, konnte ihm das feine Kind die Hand reichen? Ter Mond kam hinter dem zackigeii Rathaus- äf ni * ^rvor und versilberte sorgsam das Filigranwerk des reichen Baus. Ta legte sich V^it nieder und dachte, alles der Zukunft zu überladen. Ja, wäre es nur um die Wette gegangen! Aber sein Herz war dabei, wie, ers nie gekannt. Und in den nächsten Tagen mutzte gesprochen sein. Da kam Jungfer Eve noch einmal, ehe sie nach Neuß heimkehrte, zu kirrzem Besuch aus des alten Hardefust Landgut draußen vor den Toren. Tann würde es sich besser fugen, dem Mädchen die rechten Worte zu sagen, als unter den Augen der Muhmen und Basen in den engen Straßen des alten! Köln. II. „Erzähl' ich Morgen in Köln, daß sich Veit Hardefust drei Tage und drei Rächt wie ein Kätzlein um die heiße Breischüssev gedrückt hat und einem Tirnlein nit hat sagen mögen, wo ihn der Schuh drrlckt, und daß sie aller Mädel Krön ist und Hardefustin werden müßt — oder es geschieht ein grausam Unglück — glaubts mrr, Junker, dann möchtet Ihr leicht nit wissen, wohin Ihr Euch verstecken wollt, wenn sie Euch am Sonntag fragen, wo Äi-er vielgerühmt Löwenherz stecken mag! — Und Hab ich nicht gestern in der Lorenzgasse gehört von einer Wetten ztvischen Euch und dem langen Schwerdt, daß bis zum Sonntag Jungfrau Eve Eure Braut sein sollt! Veit regte sich nicht. „Geht mich nichts an! Habt recht! Aber sollt mir doch leid tun, wenn Ihr vor dem Schwerdt nun doch noch den Kürzerm ziehn solltet, Junker. Hör schon, wie sie im Karpfen das Maul zerreißen, ^.a, hättet nicht einen solchen Rumor um die Sach machen sollen. Ein Fäßlein Bacharacher und ein Rehziemer! — Junker, Junker, hat sich Eure harte Faust in ein Hasenpfötlein gewandelt? Ich hörs schon — halhaha — 1 wie sie lachen, insonderheit der Krispin. Mich möchts^nicht schlecht verdrießen, wenn er meckert: Wo gehst du hin, du Stolze, tvas Hab' ich dir getan?" „Der lacht nimmer, alter Lambert! Und was dich verdrießen mücht, frag ich nit. Aber wissen möcht ich doch" — und der schwarze Bert lächelte niederträchtig — „was mich hindert, dir den Rücken ein wenig mit diesem daumdicken Haselgerllein zu streichen. < ZuM Teufel," brach er plötzlich los, „willst du mir helfen, Packs anders an! Sonst troll dich! Bins satt bis obenhinaus, dein Stichelreden zu hören. — Herrgott, Herrgott" — und Beit riß an seinem Koller — „was kann ein blonder Zopf nit aus einqm starken Kerl machen. Lambert, sollst recht haben. Ich bin ein! verliebter Täuber worden und war ein grober Schlächterhund!" „Stimmt auf ein Haar!" „Lach nicht, du Wein schlauch, oder ich werf dich ins Wasser," schäumte Beit. Schien ihm nicht ernst; denn er sprang von der Bank am Rheinufer, wo sie gesessen hatten, auf, und stürmte geradenwegs ins Dunkle hinein. „Gerad nicht zum Begreifen," kopfschüttelte der Bogt Lambert hinter ihm drein. „Drei Tag streicht er nun hier auf dem Gut um die Jungfer herum und kann die Wort nit finden. Nit zum Wiedererkennen ist er. Mutter Gottes von Kevelaer, ich sollt dreißig Jahr jünger und au seinem' Platz sein, ich würde" —, Lambert stand auf, verschränkte die Hände im Rücken und sah auftnerksam in den flutenden Strom — ^,ich würd... ist ver-» teufelt nit leicht zUM sagen! . . Nachdenklich ging er durch den BauMgarten dem Gutshof zu. Unterm Lindenbaum vorm Eingang kam ihm tvedelnd der Hofhund entgegen. , „Was meinst du zu dem Stück, alter Greif? Jst's nit zum Lachen, daß die Jungfer Elmspergerin morgen oder übermorgen! unversprochen wieder nach Neuß fahren soll, und ist doch eigens noch vom alten Hardefust und ihrem Vater hierhergebracht, um dem tollen Veit die Ehe leichter zu machen? Geh zur Hütt,'Greif! Wir zwei änderns nrt. Der alte Lambert schon gar nit. Ist Vogt und kein Kuppelweib!" Vorsichtig sah er sich um, ob keiner das Wort gehört. Und murmelte in den Bart: „Schäm dich, Alter! — Aber er sollt einen auch nit so ins Nachdenken treiben!" Der Vogt kam just recht ins Haus. ' „Daß ich Euch treffe, Lambert! Wünsch' augenblicks meinen! Sohn zu sprechen. Wo in der Welt steckt der — — Veit?^ Man sah es Herrn Bartholomäiis Hardefust an, daß ihm ein Wort über die Zunae gewollt hatte, das dem Jungen ein wenig! schmeichelhaft -Zeugnis hätte bedeuten können. „Er soll ohne Verzug in mein Gemach kommen!" „Ist befohlen, Herr Hardefust!" — 520 —- .der Bogt traf den Jungen am Stromuser, wo er lang im lag und m den vollen Mond starrte. Hätte ihn schwerlich aufgespurt, wenn er nutzt fürsorglich den Greif als Begleitung mrtgenommen hatte. Dem Junker wollte der Auftrag nicht gelegen kommen. Er wolle keinen Menschen hören und sehn 85 .y ber Stimmung auch von dem Alten noch Sprüche und Ä: 'e,ÄL >i» L" w ' >" «->»-<-- e&A «VÄ «aä e sr sagen wollen. Der Bogt wandte sich zum Gehn. „Sah nämlich FÜch»>n°glich"k" der aufs Haar des Overstolzen „Was Teufel, das sagst du jetzt erst?" Beit sprang auf. „Wolltet Jhr's deirn wissend OverswE?"^^ Schwatzen, Alter! Sag, was weißt du? Was bringt tMTÄ <»' *»■» »* M». Mißlangen Schritten strebte der Junker dem Hause zu. , »*'«$£** ?F m ©rufe, Overstolz, was bringt Ihr?" Und leiser und fast sollte man mernen, ein wenig spöttisch: „Euer gehör- samer Sohn Herr ^ater!" Der Junker warf die Lederkappe in eine Ecke. ^„Herrgott, so redet doch, Overstolz! kommts ein we- nrg zum Schlagen? Was sagen die Neußer? Wer _" hr*rr ^ohn !" Herr Bartholomchus schüttelte strafend ^ su mir und unser m Freunde Overstolz und höre, was mich bewog, dich rufen zu lassen." ^ Weinkruge^^^^ wirren bedachrsameu Schluck aus dem ““ &eräe " lU ‘ at ' ,wl&t bn, weil ich dies „Herr Vater," sprang Veit auf, „nun laßt Euch bitten —" r , --^ersuche mich nicht zu unterbrechen! Nachher ist dir ver- hattet. m ragen, was DU bewegt. Es tut bringt» mü/ m «teert Grnbe kommen. Die Sach erlt, eilt in höchstem Maß Was mir S“ Kerzen liegt, sagte ich. ist dein «ersprnch mj^nnseres Geschaf sfvcund s Gm.p rger Tochter." ^ ^ Qdfimi. ftÜBtC bni ÄUPf *" &d&e &änie “ n5> ergab sich in sein . u."^ M lvc iß*' Jü ö & unser Haus in den manniaifacksten ^ ^lmspergers Unternehmungen steht. Nun es ist wie Operstolz heute berichtet, möglich, daß es zur Fehde zwischen kommt, und deshalb wäre es mir heute noch un- Ww* JfxjE *L X ^ nn noc ^ tnjr paar Tagen, ivenn unserei beiden Häuser durch em verwandtschaftlich Band aneinander ae- " «»Sun,,, in fc, -SifJÄ-SS SE.-W a* S wieviel Ellen flandrisch Tnch Und uüwcel^desgleichen Br-abanter Spesen mt im Jahr von ©mä»Wr LS Tn* frÄ9* a 4 5R l in K n -^rr Salz Ihr im Mon?t noch Nnftz ££ ! werdet s in, Ernst nit wollen ^ Seht Overüns- lacht drnber^ M,r wissen alle, um n>as es geht' B^it 'tumir Pr Ä! stÄtir rch misch nicht scheute, dem Mädel mit' einem solchen^^' Handel unter die hellen Augen zu kommen. Ä te 7 M* nift? Seif* "" ”* ««-'» Wn KM sLKK a *“ Ä awi« EMB8«UL?V>L!Wsr *£&ÄftÄS 'ftowS“ “* ■»Äasss-a:**“' wie iWteÄJ* ^r- Ein wildes Mut. Er klar /rKris^ll hin, Kristall her: das nutzt mir um keinen ich selber mitten aus Meinen drängendsten Geschäften und | fr* gf mein Gut, um dem Jungen G^nbeit .u ^^ ^ X l ^ zu spielen: der Elmspergerschickt SS Nase iwch Köln und, da 's nicht Kfl «Än^LLLZS V er ?uf.mein Gut-, aus keinem andar« --^der'^un^ Ea«ns mt formeller sein, und der Junge 1^2 r, V>ung^ geht hin und dankt Mirs Milt üblen Worten' ^ schuldige Kmioes'iebe? Overstolz, ich bitt Euch?" ^ Euer väterlich Herz in hohen Ehren' Aber ,'ch Pergiw^aro^s^E»?^ immerhin lieber ist, Ihr bekommt EIm§ P ■! f? ^oves Daus durch erne Heirat an Euch als öaü X fc«''!* 'E Und das müsstet Ihr wohl. Ln ^yr habt Euch mrt Simon Elmsperger gar tief eingelassen!" zutt^Z NarchdtoMäLs seufzte in schwerer So^e „Wem aber meinen v e d e r, KriegSbenchterstatter. Zw iter Land. Bon den Vogesen zur Nordsee. Mit einem Titelbilde unh Buchschmuck von Karl Alexander Brendel-Weimar. sowie 44 Bild^ beigaben. Leipzig, Hesse & Becker Verlag. 280 Seiten. Kart Mk. 2 .^ 0 . m Lernen band Mt. 3.—. Der zweite Band von Schweder« Krreg^brie'en steht dem ersten an Reichhaltigkeit und Fülle in keiner Weise nach. Diesrnal begleiterr wir den vrelaeivaiidten llviegi-berichteritatirr, dessev Lkler nach Hnnderttausendci, zählrn von de,, Vogesen b„ zur Nordsee. Wo wir auch das Buch a ,r- schlagen: überall werden wir gefeffett durch bie gefällige und büntenBench!«"^'""' ^radez» novellistisch anmntende Art dieser ^ Silbeorätsrl. ver, eu, dur, gen, hun, Ham, eti, sen. lin, m, m, me, ,res, o. ot. re. schir, te. to, tu, »vur. A,lS vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet i.nd derart »intereinander gesetzt ,verden, daß die AnfanaS. buchflaben vo,» oben ,lach unten und die Endbuchstaben von unten nach ober» gelesen, den Namen eures bedeutenden Tlltert.u»«. sorscherS rmd Geschichtsschreibers ergeben. ES bedeltten aber dtl einzelnen Wörter folgendes: ote 1. Ein Heilmittel. 2. Nebenfluß der Weser. 3. Feldherr,» Alexanders des Graste,^ 4. Nutzlrchen Gebrauchsgegensland. 5. Grafschaft im nördlichen England. 6. MannUchen Vornamen. 7. Ein Tier. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer:' Das Weib soll steh'n an ihres Mannes Seite. 6chril„e,,uug: «ug. Go°tz. - Rota.iouzdruck und Vcr.ag der Brlih,-sch-n Univ-rsitätS-Buch- u nd E,cindruck-r°i. N. Longe, Gs.ße»