Donnerstag, den 5. August Lurück zur Scholle. Roman von Ewald Gerhard Seeliger. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Beim Borwerk Niederbrihkawe traf Moritz Gassel, der neben dem Kutscher saß, einen guten Bekannten. Er kam zu Fuß die Chaussee herauf und hatte ans dem Rücken eine altmodische Reisetasche, die mit sehr bunten Perlen bestickt war und die schöne Inschrift aufwies: „Christus der ist mein Leben". * „Nu, Herr Gassel!" rief er schon von weitem. „Was machen Sie für Geschichten? -Sie wollen doch nicht etwa fort?"' -Moritz Gassel ließ halten, nickte trübselig und reichte ihm die Hand. „Nu!" fuhr der alte Abraham fort. „Wenn Sie halt fort müssen, dann müssen Sie fort. Wohin müssen Sie denn?" „Nach Kletzine, Kreis Tomslau." „Wie?" fragte der Sulitscher und legte die Hand hinter die Ohrmuschel, als hätte er nicht recht gehört. „Nach Kletzine, Kreis Domslau. Jst's die Möglichkeit." „Kennen Sie's denn?" fragte Moritz Gassel eifrig. „Ob ich's kenne!" ries der alte Abraham. „Einmal bin ich dort gewesen, aber nie wieder. Das ist ein trauriges Nest. Ich wollt mal da eine Kuh kaufen, aber ich Hab sie lieber nicht gekauft." „Wo liegt's denn?" „Dicht an der russischen Grenze!" meinte der alte Abra- Ham und zeigte so ungefähr nach Osten. „Hinterm Graben reiten die Kosaken, die schießen gleich, wenn einer über den Graben hoppst. Und die Kletziner hoppsen gerne mit der Spiritusflasche in der Hand. Das bringt dort Geld ein!" „Das sind ja nette Aussichten!" sprach Moritz Gassel traurig. „Sehr nette!" bestätigte der alte Abraham. „Machen Sie, daß Sie von da schnell wieder sortkommen." „Will' mir Mühe geben!" nickte Moritz Gassel. „Ich Hab ja noch ein kleines Konto bei Ihnen. Wieviel macht's?" „Nu!" lachte der alte Abraham. „Ich Hab doch Ihr Konto nicht im Kops. Lassen Sie's nur stecken. Sie werden Ihre Groschen schon gebrauchen können in Kletzine. Sie sind mir aut für dreihundert Taler." Moritz Gassel steckte das Geld wieder ein. „Was ich noch fragen wollte!" rief der alte Abraham, als sich der Wagen schon wieder in Bewegung setzte. „Wie -geht's dem kleinen Herrn Baron?" „Sehr gut!" erwiderte Moritz Gassel und drückte ihm zum Abschied die Hand. Der alte Abraham schulterte seine Tasche und lief ins Dorf, um sich mit eigenen Augen von dem Wohlergehen des kleinen Günther zu überzeugen. Und Moritz Gassel kam am nächsten Mittag in Kletzine an. Der alte Abraham hatte nicht übertrieben. Es war wirklich ein trauriges Nest. Die Besitzungen waren klein, und die Leute nährten sich mühsam und spärlich aus dem kargen Sandboden, der fast nur Kartoffeln und fußhohen Hafer hervorbrachte. Mit der russischen Grenze und den Kosaken allerdings hatte der alte Abraham gefluntkert. Er war in der weiteren Geographie nicht sehr stark und hatte Kletzine mit einem ähnlich lautenden Namen im Kreise Kempen verwechselt. Dort erst kam der Grenzgraben mit den Kosaken und der gefährlichen Spirituspascherei. Aber trotz dieses glücklichen Mangels war und blieb Kletzine ein Ort, wo sich die Füchse Gutenacht sagten. Unter allen Gebäuden des Dorfes sah das Schulhaus, in daS Moritz Gassel ziehen sollte, am erbarmungswürdigsten aus. Außen hatte es große Aehnlichkeit mit dem abgebrannten Kuhstall Fürchtegott Fritschers in Britzkawe, und innen war es nicht wohnlicher, als die Außenseite versprach. Wenn man sich in die Wohnstube neben den Kamin stellte, konnte man durch die Decke und das löchrichte Ziegeldach den Himmel sehen. Im Schulzimmer war nichts Erfreuliches zu entdecken. Die Bänke waren über hundert Jahre alt und von einer bemitleidenswerten Gebrechlichkeit. Die beiden Fenster ließen sich nicht öffnen. Mau hatte sie zugenagelt, damit sie nicht aus den morschen Nahmen fielen. Außerdem machten sich die luftverpestenden Düfte des Hausschwammes bemerklich, der an der Wetterseite schon die ganze Dielenecke unters miniert hatte. Diese Baracke, die offenbar in früheren Zeiten als Stallung gedient hatte, besaß nur diese beiden Räumtz und einen kleinen Hausflur, in dem der unförmige Kamin eingemauert war. Die Haustür hatte kein Schloß. Bor dieser jämmerlichen Hütte war ein kleiner Spielplatz für die Kinder eingezäunt gewesen. Jetzt standen nur noch die Pfähl« da. Die Bretter waren mit der Zeit in der Nacht verschwunden. Dile Säugpumpe, die auf dem Platz stand, und die Bedürfnisanstalt, die drei Schritte entfernt angelegt war, zeigten Spuren von Jugend. Der Schornstein des Schulhauses war eine Ruine, und von den dreißig Rundziegeln, die auf dem First reiten konnten, fehlten drei mehr als eiwDutzend. Die fehlenden Dachziegeln auszurechnen, verschob Moritz Gassel auf eine gelegenere Zeit. Hinter dem Hause war ein weiter Platz, den eine dünne Reisighecke umgab. Zwei verkrüppelte Pflaumenbäumchen und ein Birkenbusch deuteten darauf hin, daß man dieses Brachland für den Schulgarten hielt. Es war mit einer spärlichen Grasnarbe bedeckt und ging hinter der Hecke in Flugsand über. Da lag nämlich ein kleiner Sandberg, auf dem nichts wuchs. Moritz Gassel trug mit Hilfe des Kutschers seine Habseligkeiten in diesen Schulpalast, gab dem Manne ein Trinkgeld und schickte ihn mit einem Gruße zu August Knorreck zurück. Am nächsten Morgen stellten sich die Kinder ein. Unter den Abo-Schützen, die eine Stunde später in Begleitung ihrer Mütter und größeren Schwestern anrückten, zählte Moritz Gassel achtzig Prozent, die polnisch sprachen und keine 478 — oder nur geringe Kenntnisse des Deutschen hatten. So begann er mit einem tiefen Seufzer die Schularbeit in Kletzine, ohne die Hoffnung aus Erfolg und mit dem inneren Widerstreben, das er in Britzkatve in dieser Stärke nicht gekannt! hatte. \ Kollege Littich, der von Doktor Schrill beauftragt worden war, die Britzkawe r Schule von Gruird aus zu reformieren, verscherzte sich bald alle Sympathie bei Kindern und Eltern. Doch daran war ihm nicht viel gelegen, er war fest angestellt, tat seine Pflicht nach Schema „F" und war nur darauf bedacht, bei seiner Vorgesetzten Behörde möglichst gut angeschrieben zu sein. Mit Sebaldus Pohl hatte er sick- schnell geeinigt. Zwei edle Seelen hatten sich hier gefunden, und nach Sulitsch liefen nur noch Lobeshymnen, die auf Gegenseitigkeit gegründet waren. Der Krcisschulinspektor mit dem Leutnantston zweifelte an der Richtigkeit dieser Meldungen keinen Augenblick und war sehr stolz auf die ingeniöse Erweiterung seines Systems, die darin bestand, daß er einen Aufpasser neben den anderen setzte. Sein Ziel war, alle Lehrer seines Kreises allmählich zu diesem Erziehungsdienste heranzubilden. Leicht war das nicht, denn die Mehrzahl verhielt sich ablehnend, und bei seinen Ermunterungen konnte er Nicht gut allzudeutlich werden. Dafür war es eben ein geheimer Dienst. Moritz Gassels Nachfolger, der von der Verwahrlosung oer evangelischen Schule in Britzkawe felsenfest überzeugt war, ging dieser Verderbtheit mit allen Mitteln, die ihm zu Gebote standen, zu Leibe. Keine Stunde verfloß, wo er nicht hätte den Stock schwingen müssen. Das kam den Kindern, die früher weniger hart regiert worden waren, sehr spanisch vor Em paar alte Weiber kamen mit ihren geschlagenen Enkel- kindeni vor die Schule und schimpften mächtig. Die Eltern nahmen es zum Glück nicht so tragisch. Kollege Littich ließ Nw von seiner Ueberzeugung nicht abbringen: die Bestrafun- waren nach Grund, Form und Ausdehnung in der behördlichen Liste notiert, und niemand konnte ihm etwas an- haben. Als er aber mit Strafarbeiten und häuslichen Ar- beiten kam ging eine Gärung durch das ganze Dorf. Franz ^niemdevorsteher, ging in die Schule und machte Herrn Littich Vorhaltungen, der aber auf seinem Kops bestand und sich -egliche Einmischung energisch verbat. Franz Wiegelt wurde grob und mußte sich dreimal die Tür UL' Dann gmg er. Zur Strafe verlor Moritz ^ I'c- ^L^^lger das Amt des Gemeindeschreibers, was ihn empsindlich traf, da es mit einem baren Jahresgehalt von elnhundertzwanzig Mark verbunden war. Sebaldus Pohl dem man es antrug, übernahm es mit Freuden. Man emp- baö feinere Uebel. Die innige Freundschaft dadurch beinahe in die Brüche ge- K ' A^r fte dachten zum guten Glück an die geheimen Berichte und vertrugen sich wieder. Ein glänzendes'Zeugnis SS-S-Ä*' >» KfÜSS KÖfe“« Inspektor verlangte, daß die größeren Schulkinder zwei dnbre bo/w® r ’H nUaffe r n metbcn fo[Iten ' roie das all die ^lahre vorher Sitte gewesen war, und Kollege Littich sträubte l&ÄM ^ tereff . C fdneä Lehrplans Erst als ein vom Landratsamt kam, gab er klein bei. Dübln" D°"iel Zpuppack und Pelaa ^>uvtn, die sich schon dreimal vergeblich beeilt hatten eu recht große Hochzeit. Denn nun war es wirk M „dH» «. D°rs war dazu geladen und bie ^nigebNng. Der Kaplan, der das Paar i» der Kirche zusammengab, hielt die Traurede aus polnisch. fuhr August Knorreck bös in die Krone, weil er Rriur ^ ®!§ u L b »dben inußte, da er den 'Polack nach Britzbawe gebracht hatte. In eine wahre Wut aber geriet Franz Wiegelt mit dem Plan/um- ging, das Kretscham an Dämel Zpuppack zu vervaMen zi,r LInspektor lies sofort hinü«L stellte den Bauern ^^.^ktritt es nich,t, daß sich so etwas anspinne. Mi, eC f » ” P^is. dann kriegt er's!" meinte Franz Ich kann nicht mehr, mir wächst die Arbeit über den Kopf. Gemeindevorsteher bin ich auch Und dann ist die Ernte vor der Tür!" ; ^ nn nicht!" schrie ihln August Kilovreck px Ä >6C eiTt£n ^° klcfen al *’ Kretschmer vor die Nase eine „He!" erwiderte Franz Wiegelt und kam auch aus seiner Ruhe heraus. „Ich tu, was niir paßt. Ich bin ein freier Mann. Mir hat keiner was zu sagen. Jch> karni mit dem Meinen tun, was ich will. Ich bin kein Beamter, demi man über Nacht den Stuhl vor die Türe setzen kann." „Das müßt Ihr doch, einsehen!" lenkte der Inspektor ein. „Britzkawe ist ein deutsches Darf und soll deutsch bleiben!" „Bleibt's auch!" sprach Franz Wiegelt ruhiger. „Wegen dem einen Polen?" „Es bleibt nicht bei dem einen! Ich will Euch einen deutschen Pächter besorgen!" „Was abgemacht ist, ist abgemacht!" rief der Gastwirt bestimmt und strich mit der flachen Hand über den Tisch. „Ich Hab lange genug gewartet. Jetzt setz ich den Zpuppack rein. Ich kann mir nicht die Haut von den Händen arbeiten, ich nicht! Das .Hab ich gar nicht nötig. Und ich Hab der Zpuppack nicht nach Britzkawe gebracht, ich nicht!" August Knorreck ging davon und ließ sich seitdem nie wieder im Kretscham sehen. Daniel Zpuppack aber siedelte mit seiner rundlichen Frau über den Platz und ließ die eine der roten Laternenscheiben, auf der das Bierglas und die Buchstaben: „FRANZ WIEGELT" gemalt waren, heraus- nehmen und durch eine weiße ersetzen. Das war billiger. Darauf wurde dann mit roter Farbe ein Schnapsglas gemalt und darunter die Buchstaben: „DANIEL ZPUPPACK". Sv verging der Mai, und die Parklinden begannen wieder zu blühen. Moritz Gassels Bienen, die dem Gärtnerburschen viel Arbeit machten, l-atten es zu ihrer süßeu Weide nicht mehr so weit wie früher und summten und schwirrten wie nre zuvor. Denn nun, wo auch der Raps zu blühen anfing, hatten sie es besonders eilig mit deni Bergen dev kostbaren Fracht. Unter den Linden aber saß Hedwig mit den Kindern, die zu ihren Füßen ruhten. Cäcilie hatte ihr Märchenbuch vor sich liegen und las dem kleinen Günther daraus vor, wie schlecht die böse Stiefmutter an dem lieben guten Sneewittchen gehandelt hatte. Das verstand der kleine Mann schon recht gut, und er merkte wohl auf. Hedwig aber schloß die Augen und das Summen der Bienen klang ihr wie fernes Glockenläuten. Ta dachte sie an den Abend, an dem iie voriges Jahr unter dein buchenden Lindenbaum gesessen hatte, dachte an ihr verlorenes Glück und weinte. Lautlos entquollen Tränen auf Tränen ihren geschlossenen Lidern. „Tante Hedwig weint!" rief Günther und richtete sich auf. Cäcilie sah überrascht auf und verzog sofort den Mund Aber Hedwig, die schnell ihre Tränen getrocknet hatte, nahm sie in die Arme. Auch Günther, der stets von einer schrecklichen Eifersucht geplagt wurde, drängte sich an sie. „Tante Hedwig!" meinte Cäcilie mit kläglicher Stimme. Du mußt incht weinen um Papa. Er ist doch im Hinimel!" „Himmel!" bestätigte der kleine Bruder in einem Ton, der kernen Zweifel zuließ. „Bei Mama!" fuhr Cäcilie fort. „Und wenn wir ein- mal sterben, dann kommen wir auch in den Himmel. Und du auch, Tante Hedwig!" •jßfi ttidjt in den Himmel kommen!" protestierte der kleine Günther. „Hier unten ist es viel schöner!" Grns?o^" et einen Purzelbaum und wälzte sich im ...In diesem Augenblicke ging Thomas Hauschild vorüber, grüßte höflich, blieb em Weilchen von ferne stehen und aina wieder weiter. J ü (Fortsetzung folgt.) Rosen. Novelle von Hermann Weick. Postbote mühsam die fünf steilen Stiegen erklommen yfltte und im dunklen Gang an i<'r letzten Türe nackte irxirN ^ niÄt. g^ch Antwort, worauf sein Kloben w ein Tdyt Zerging. Ein zitternder Ruh der als HerZ ^"^^rden konnte, ertönte aus dem Innern; brc UM ynÄ s m SJ* deines Zimmer, das vorn und an einer Seite C h™ ai w!^ a Eindruck des Aermlicheu und Beenqerr- derl, den dieser Umstand forme etwas schmale Fenster hervor-' lt>entt man die paar Möbel st licke o^tzfochtete, die dickst beieinander standen. Es war nur das Not- ^ntngste: ein Bett, das so hoch war, daß man sich da An d* arhrrchtfil konnte, ohiie an die Decke zu fhoLien die äetai>e, dort schef in die Höhe strebte; ein wenig mtmm 479 — erweckender Schrank, bet anscheinend nur noch, auf drei Füßen stand und bedenklich auf die eine Seite überhing: daneben ein hölzerner Waschtisch, über den: ein kleiner, halbblinder Spiegel müde ins Zimmer schaute: ein runder Tisch, aus dem eine geblümte, verblaßte Docke lag, u.nd zw-ei Stühle ergänzten die Ein- Nchtung. Vorne am Fenster, auf einer Erhöhung, saß ein weib- uches Wesen vor einer Nähmaschine, deren Surren aber sofort auf- üehört hatte, als der Postbote ins Zimmer getreten war. Mit einem leisen Aufschrei erhob sich die Frau und sah aus gtt Brief in des Boten Hand -wie auf etwas lange, sehnsüchtig' Erwartetes. Sie war alt: in weißen, spröden Strähnen hing rhr das Haar in die Stirne, die einst rein und schön gewesen fem mußte. Lluch in dem faltigen, etwas verbissenen Antlitz tonnte man bei genauerem Sck-auen noch Reste ausdruckvoller Züge erkennen. Eine große, etwas verkrümmte Brille lag vor schwackien, glanzlosen Augen. Aufgeregt fuhren ihre Hände mehrmals an dem grauen, verschlissenen Rock hinunter, wie um sie zu säubern, ehe sie nach dem Brief griff. ,,Warten Sie," sagte sie zu dem Boten und ging zum Schrank. Dabei sah man, daß sie den linknr^Fuß etwas nachzog. Aus einer Kaffeetasse holte sie ein Geldstück, betrachtete es sorgsam auf beiden Seiten und gab es, als sie ein Zehnpsennigstück erkannte, dein Briefträger, der ihrem Gebühren mit übeclegen-spöttisck-en Mienen zugesehen hatte, nun aber doch das Geld ganz gerne nahm und mit einem hastigen Tankeswort ging. Drinnen war es ganz still. Bon der Straße herauf drang nur gedämpft der Lärm, das Schreien der Kinder. Ein paar Fliegen summten an den Fensterscheiben. Die Alte saß vor der Nähmaschine, ihre Hände zitterten so stark, daß sie einige Male mit der Schere, -die sie zum Oeffnen des Brieses benutzte, daneben fuhr. Tann schnitt sie langsam, mit einer ehrfürckstigen Scheu, wie man das Tor zum Heiligtum öffnet, den Brief auf und nahm den Bogen heraus. Ihre Augen suchten die Unterschrift: ja, der Brief war wieder von ihrem Soldaten ans dem Krieg. Krause, ziemlich unbeholfene Schrifttüge bedeckten die paar Setten, mit Bleistift geschrieben, so daß die schwachen Augen der Men Mühe hatten, fie zu enträtseln. Sie brauchte lange, bis sie zu «Ende war; manches verstand sie nicht sogleich und las es lviedcr und nneder: ihre Lippen sprachen halblaut jedes Wort mit. lieber ihr runzeliges Antlitz zog langsam ein frohes Leuchten; wie schön er wieder schrieb, ihr Soldat, für den sie;ganz allein sorgen durfte, daß er draußen nicht hungerte, dein sie Gaben ins Feld sandte, Zigarren, Wurst, Zwieback und noch manches andere. Dabei kannte sie ihn gar nicht, wußte noch nicht eimnlal, wie er aussah. Ja, es war ganz sonderbar und so gekommen: Eines Tages, vor 'ein paar Wochen, hörte sie zufällig ur dem Geschäft, für das sie nähte, daß man bei der Sendung von Liebesgaben ins Feld auch jene Soldaten nicht vergessen solle, die keine Angehörigen haben und also nichts geschickt bekommen: darüber hatte sie einen ganzen Tag und eine ganze Nacht gegrübelt und ihr bißchen Erspartes Mühsam zusanimengezählt. Sie rechnet und schwankte lange, dann ließ sie sich^aber doch eure Adresse geben und sandte dem SolD-aten, ihrem Soldaten, lvie sie ihn seitdem nannte, ein Paket mit allerhand nahrhaften Dingen ins Feld. Und es war selt- tem: in lenen Tagen blühte in dem alten, einsamen Weiblein, das bisher für niemand hatte sorgen dürfen, ein längst versunkenes Gefühl rmeder auf, eine leise Mütterlichkeit. Und ihre Gedanke,1 waren nun immerfort draußen im Kripg, dessen Größe sie ja nickst mehr ermessen komtte, der aber nun doch einen Schein bis in ihr winziges Stübchen strahte. Damals war ein warmer Tankeshrief von dem Soldaten ge- MmMen. den sie lvohl fünfzigmal an jenem Tag gelesen und ihre Arbeit beinahe darüber vcrnackstässigt hatte. Ein Brief — das war em ^Ereignis in ihrem' Leben, das sie lange nicht begreifen konnte. Schon wenige Tage darauf sandte sie wieder neue Tinge hinaus, me sie in den Läden Mit aufgeregter Sorge einkaufte, und dann noch öfters, uiid jedesmal erhielt sie einen Brief und zwischen- hriiein noch Karten mit sonderbaren Bildern, die sie nicht immer verstand. Heute aber schrieb der Sotdat so schön lvie iroch nie, meinte tue Alte: von der Freude über die guten Liebesgaben, den schlveren Kämpfen, die sie in den letzten Tagen siegend be- stmideii hätten, u,id noch vieles aridere, daß der Men vor Freude und Itührnng die Tränen in die Angen kaiMn. Endlich legte sie den Brief zur Seite und begaun ihre Näh- a ^ > 5 lt r_r iü cf bcr V ^ re Gedanken waren aber wirr, daß sie nicht Mi schaffen konnte. Sie blickte zum Fenster hinaus: draußen laaen die Dächer mt warmen Sonnenschein. ES ging gegen Abend Ein mierklärliches Verlangen kam über die alte Frau, fortzugeben, unter Menschen, 11 m in ihrer Freude nicht so allein zu sein. Sie holte nn dünnes vom Alter etwas glänzendes Mäntelchen aus oK Schrank, sah noch einmal verwundert mit einem eigenen schein über ihre Stube hin und ging davon, nicht ohne die Türe sorgsam zweimal verschlossen zu haben. Drunten emfsting sie das vielstimmige Brausen der Großstadt. Eine wohlige Müdigkeit war m ihr: ihre Beine, lum denen das KL b J! rc Vl e =W fS w3 geworden war. wollten sie nur schwer durch das Menschcngettimmel tragen, tteber die Frau kam Tu MS* Staunen: heute sahen alle Leute so i?hllch aus, als habe jeder wie fte schone Kund§ Wut Feld oraufom empfangen. Ja, so mußte eZ sein! Kn jedem .Schan- fenster, hinter dem eßbare Dinge lagen, blieb sie prüfend stehen und dachtt an ihren Soldaten. . „ Sie ging ohne Ziel weiter und kam zum Stadtgarten, durch k CI V• c Menschen strömten, deren Arbeit zu Ende war, F, l r b *a bie J? u ? • mÄten. Es war die Zeit, als die Rosen blühten, die hier in Hunderten Arten gepflanzt und gehegt wurden, Ti bcc £ Insten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Die Alte Ws? T e ; ? a T n Ä en der Rosen. In ihrer einen Hand hielt sie kranrpfhaft den Brief: sie holte ihre Brille hervor und begann von neuem zu leien. Einige junge Mädchen und Burschen, T o U U l ' - öoruberglngen, sahen mit dem mitleidlosen Spott der Jugend aus dao komische Bild, das die alte Frau bot. Sie ff Zecke um Zeile, wie man ein Glück gemächlich in Ä!! emmal wurden ihre Augen weit und bekamen seltsamen Glanz Die Hände mit dem Brief sanken ihr in Zehnte das Haupt lang,am zurück und sann. Was chneb der Junge draußen im Feld: „Wenn ich heimkehre, komme ch zuerst zu Ihnen. Anfangs hatte sie. als sie diese Worte ge- KT da der ^ldat draußen sie wohl ftir ein junges. ..'cadchen hielt.. . dann aber hatten diese Worte so seltsam in ihr aufgeklungen, wie ein altes, wohlverttautes Lied. Sie tastete dieser vergessenen Melodie nach, bis es, wie ein brausender Akkord, rn ihr klar wurde; m Schmerzen klar. r miC ber iu T c Krieger heute, hatte ihr schon einmal einer ge^chnelnn vor vielen, vielen Jahren, da sie noch jung war. Zwar nicht ganz dieselben Worre: so hatte er geschrieben: Wenn ich wieder heimkehre. komme ich zuerst zu Dir . . . du sagten sie zueinander, denn er lxckte fte geküßt, damals beim Mschi-ed, ehe er in die Fremde zpg, um sich dort eine neue Heimat zu schaffen, in die er ,ie dann als ,em Weib holen wollte. Gr war aber nicht mehr gekommen Ihre Lippen, ans denen seine Küsse rwch lange heiß wie ihre Sehnsucht brannten, hatte keiner mehr geküßt; fte war alt geworden und emsam geblieben. Nim stand alles wieder vor ihr wie am ersten Tag. Sie sah sein junges, frohes Gesicht, die hohe, starke Gestalt, hörte das helle Lachen, mtt der er sie damals über txis Trennungsweh hinwegtrösten wollte. Die alte Zeit kam heraus mit ihren Freuden 'und Schmerzen. Um sie war eiu wundersames Duften; sie blickte erstaunt auf und gewahrte jetzt erst nrit sehenden Augen die Pracht der Rosem unter denen fte träumte Ter Abend war langsam herbeigekvmmen; es ivaren nicht viel Menschen in ihrer Nähe. Sie versenkte ihre Ingen in die Farben der Rsosen, die im Dämmerschein mild ineinander Nossen. Ihre Gedanken waren aber weit ab, in vergangenen Zeiten, die der Junge ihr heute nrit seinem Brief unbewußt aufgetan hatte, da ihr Leben noch hell und sonnig vor ihr lag rme eure große Hoffnung. Es rvar aber kein lauter Schmerz über Gr etnsam^, glückloses Leben in ihr. sondern mit der vom Alter verklärten Entsagung nahm sie die Vergangenheit in sich auf als einen schonen Traum. Die Schatten der Nacht gingen langsam durch den Garten, in dem allem noch die Greisin saß. Sie gelvahrte die Dunkelheit nicht, denn m ihr spar junger, lichter Tag. Ihre mageren, vom Nahen zerstochenen Hände hielten zitternd den Brief, dessen Weiße durch die Nacht leuchtete. vermischtes. * Der erste Kaiserbesuch auf Helgoland. Die Insel wurde nicht schleich bei Abschluß des Tauschvertrages übergeben sonderu erst einige LPockxm später. Die feierliche Üebergabe geschah am 9. August wr 25 Jahren im Garten des Gouverne- mentspalastcs durch deu englischen Goumrneur Barklv an den damaligen Staatssekretär des Inneren von Boetticher. Am nächsten Tage erschien dann der Deutsche Kaiser zum ersten Male auf der Insel zu Besuch. Unter dem Salutschießen der vor Helgoland ankernden deutschen Kriegsschiffe und an den präsentierenden Ma- tvosen vorbei, betrat der Kaiser den Boden der Insel. An diesem Tage sprach Wilhelm II. jene gerade im jetzigen Kriege zu eineo hohen Bedeutung gekommenen Worte, daß Helgoland' ein Schutz unh Hort ftir Deutschland sein solle, wenn einmal die Feinde in die Nordsee embrechen wollten. Ws erster Zivübeamter der Insel wurde Geheimrat Wcrmuth eingesetzt, den militärischen Oberbefehl mit dem Titel Gouverneur von Helgoland erhielt der Kapitän zur See Geckeler. Als der englische Gviiverneur am 9. August 1890 der Musikkapelle befahl, nicht mehr God save tf>e queeu, sondern- „Deutschland, Deutschland über alles" zu swelen, wird er kaum geahnt haben, wie dieses Lied ein Bierteljahrhundert spciter seinen Landsleuten gerade oon der Insel Helgoland aus. ans der es ernst prophetisch gedichtet wurde, am überwältigendsten ins Obr klingen sollte. - * Ein amerikanisches Lob nnserer Verwundetenpflege. Die deutsck-e Organisation, die während deü Krieges die Leitttmgeu auf allen Gebieten zur höchsteil koinmcnhnt gebracht hat, findet auch im Atesland in den nni»,iiM- ischon Kreisen iwllste Anerkennung. Auch in Amerika gibt es An« große Zahl objektiv gebliebener Zeitungen, die dentsff>es Köchien imd deutsche Titchtlgkeit nchtig zu beurteilen und zu setzen Kssen. Nicht aermg i|t bie Zahl der amerikanischen Blätter/ die hie technischen Bezüge der dentsckieli Kriegftlhrung als wunjchrbar und stnilbeitrefflich hinstellen. Eine ganz besondere Schätzung aber hat sich die deutsche Verwundetenpflege rn den Krisen der amerikanischen Sachverständigen erworben. .Der New Yorker „Globe erklärt, das; die Fähigkeiten der Deutschen tu der Verwundeten, pflege geradezu beispiellos und den ärztlichen Leistungen tu allen anderen Ländern weit überlegen sind. ,,Man kann sagen," schreibt das Blatt, „daß das Amputieren in den deutschen Krankenhäusern eine vergessene Barbarei ist. Die deutschen Chirurgen habeii den Wahlspruch: wer nicht stirbt, muß instandgesetzt werden, um wieder an die Front zurückzukehrcm. 50—60 Proz. der deutschen Verwundeten werden vollkommen wiederhergestellt, und dieser Prozentsatz ist troch fortwährend im Steigen begriffen. Die Verwundeten werden, sowie sie aus den Schützengräben getragen worden sind, augenblicklich ärztlich untersucht. Hierauf wird der Verwundete mit einem Schein, auf dem die Art der Verwundung verzeichnet ist, weiter gesandt, und li /2 Stunden später ist bk bereits vorüber. Von ganz besonderer Bedeutung ist die Behandlung mit X-Strahlen, der in den deutschen Lazaretten weitester Raum gegeben wird. Denn meist kann der Verwundete nur durch sofortige Operation gerettet werden, da nur aus diese Weise Ver- unreinigiingen und Blutvergiftung verhütet werden. Die Deutschen Haben Automobile mit vollkommenen X-Strahlen-Anlagen. Aus diese Art ist es möglich, die Wunden der Soldaten gleich hinter der Feuerlinie mittels Röntgenstrahlen zu photographieren. Manchmal werden von einer solchen Röntgen-Ambulanz innerhalb 20 Minuten 50 oder noch mehr Röntgenaufnahmen hergestellt. Diese Röntgenbilder stehen weit über den bisher verfertigten, sowohl durch ihre Größe als auch durch die außerordentliche Schärfe, die nicht nur den kleinsten Splitter, sondern auch den durch das Geschoß genommenen Weg deutlich zeigt. So können von vorir- herein Einzelheiten festgestellt werden, die dem Auge selbst des besten ^Chirurgen entgehen müßten. Der Umstand, daß der Chirurg bei jeder Operation die Röntgeuplatte vor Augen hat, ermöglicht in zahllosen Fällen, daß eine Amputation vermieden wird. Die Frage der Infektion spielte in allen bisherigen Kriegen eine bedeutende und besonders gefahrvolle Rolle. Bei vergleichenden Betrachtungen vermag man zu sagen, daß eine Infektionsgefahr im deutschen Sanitätswesen so gut wie unbekannt ist. Ein russisches Bajonett ist sicherlich das schmutzigste Instrument, das man sich denken kann. Aber es gibt deutsche Soldaten, die mehr als einmal von russischen Bajonetten durchbohrt wurden und dennoch durch die Behandlung in den deutschen Lazaretten vor jeglicher Infektion bewahrt wurden." * Ein 1 l 9 j ä h r i g e r. Aus Norwegen, dem klassischen Lande der Hundertjährigen, kommt zuverlässige Nachricht über einen dort lebenden Mann, der das schöne Alter von 119 Jahren erreicht hat und als der älteste Mann Norwegens gilt. Dies ist nach dem -Stavanger Aftenblad" der Fischer Abel El Lassen, der in Buksnes auf den Lofoten lebt. Sein Geburtsjahr war 1796. Als Junge diente Eliassen bei einem Pfarrer als Hirte, und er erinnert sich, daß zu jener Zeit der Schnee in einem Jahre noch um Johannis fest noch auf den Wiesen lag. Damals herrschte dort oben eine schwere Teuerung, 1812 fuhr Eliassen mit einer Nordlandsjacht nach Bergen und auf der Rückreise wurde das Boot von einem englischen Kriegsschiffe verfolgt. Es glückte der Jacht jedoch, dein Engländer zu entrinnen und einen kleinen Hafen anzulaufen, wohin ihm da- Kriegsschiff nicht folgen konnte. Wütend über die entgangene Beute, sandte der Engländer der norwegischen Jacht noch ein paar Schüsse nach, die ihr das Segel zerfetzten. Abel Eliassen ist im ganzen dreimal verheiratet gewesen; seine dritte (und vermutlich doch letzte) Ehe schloß er im Alter von 96 Jahren. Ueb- rigens ist er noch ganz frisch und gesund und erst seit wenigen Jahren bedient er sich beim Lesen einer Brille. Als König Haakon von Norwegen int Jahre 1910 diesen nördlichsten Teilen des Landes seinen Besuch abstattete, wollte man ihm den allen Abel vorstellen. Das ließ sich damals au3 irgend einem Grunde nicht machen. Jntereffant wäre es ja gewesen, wenn der Alte hätte seinen König begrüßen können; hat er doch unter nicht weniger als neun norwegischen Königen gelebt. Es sind dies Christian VII., Friedrich VI., Christian Friedrich, Karl XI., Karl Johann, Oskar I, Karl XV., Oskar II. mtb Haakon. * Die Badetracht der Amerikanerin. Die Bade- tvacht der Amerikanerin — der Ausdruck trifft eigentlich die Sache nicht recht. Tenn was die elegante Amerikanerin von heut im Seebade trögt, das ist eine richtige und vollständige „Toilette", zu der eine Menge kleiner Zutaten gehört. Tie amerikanische Bademode dieses Jahres streift Fchou hart ans Groteske. Sie erhält in erster Linie ihr Gepräge durch ein kurzes, weites, faltenreiches Röckchen, das an die bekannte „Uniform" der Ballcttänzerinnen erinnert. Dieses Röckchen ist rundum ausgezackt, ebenso die ganz kurzen Aermlel, die zu der Badebluse gehören. Dazu trägt die Amerikanerin übers Kreuz gebundene Badeschuhe und als Allerneuestes den „Külihut", eilte ziemlich getreue Wiederholung der bekannten trichterförmigen Kopfbedeckung der chinesischen Kulis. Vervollständigt wird diese modernste Badctoilette durch einen Mächtig großen, seidenen Regenschirm. Tie amerikanischen Schönen, die sich im Seebade so ausstaffieren, erinnern lebhaft an Phantasiegestalten, wie wir sie von der Operettenbühne her gewöhnt sind. * Sehen Wilde besser als Kulturvölker? Eine allgemein verbreitete Ansicht behaitptet, daß die Sehkraft der Naturvölker der der Kulturvökler tveit überlegen sei, und in den Reiseromanen der letzten hundert Jahre ist ja auch iminer wieder berichtet worden, welch fabelhafte Augen Indianer und Araber, Kurden und Gauchos besitzen. Die Wissenschaft indes neigt vielmehr zur Ablehnung dieser angeblichen Beobachtungen, wie das „Britich Medical Journal" mitteilt, kann nicht die Rede davon sein, daß die Sehkraft der Kulturvölker geringer sei als die der Wilden. Das Auge ist ein optisches Instrument, seine Fähigkeiten können bedeutender oder geringer sein, je nachdem es gebildet ist. Wenn Wilde auf der Jagd oder im Kampf „besser zu sehen" scheinen, so rührt das daher, daß die betreffenden Völkerschaften als Jäger oder Krieger geübter sind als kultivierte Völker. Zu ähnlichen Schlüssen ist Dr. Rivers bei der von der Universität Cambridge veranstalteten Torres-Straits-Expedition gelangt. Er stellt fest, daß im allgemeinen geschlossen tverden muß, daß die Sehkraft wilder und halbzivilisierter Völker zwar der des Durchschnitts des Europäers überlegen ist, sie aber doch nicht in dem angenommenen bedeutenden Maße übertrifft.. . Sie besitzen nicht jene unglaubliche Schärfe des Gesichts, die nach den Erzählungen europäischer Reisender erwartet werden müßte. Im Gegenteil scheint es, als ob das Auge nicht ganz kultivierter Völker eine gewisse Minderwertigkeit besitzt. Wilde und halbzivilisierte Völker haben nämlich auffallend wenig oder doch nur höchst unbesttmmte Farben- bezeichnungen. Das pftegt auf eine gewisse Farbenblindheit hinzudeuten, die in der Tat wiederholt sestgestellt worden ist. Die oben genannte Torres-Straßen-Expedition hat z. B. bei den von ihr untersuchten Eingeborenen eine gewisse Unempfindlichkeit gegen blau angetroffen, und verminderte Wahrnehmungsfähigkeit grüner Schattierungen wahrscheinlich gemacht. Dieselbe Erscheinung ist für Aegypten festgestellt worden. Unter den Todas in Indien fand sich Mehr Farbenblindheit gegen Rot und Grün, von den Männern litten 12,8 v. H. unter diesem Mangel, dagegen waren ihm Frauen nur zu 1,1 v. H. unterworfen. Daß die Sehkraft der hochkultivierten Völker der Gegenwart der der Kulturvölker des Altertums gleich kommt, hat bereits Alexander v. Humboldt mit der Feststellung bewiesen/ daß dsg Dichtungen der Alten die Plejaden genau so sahen wie wir, indem sie nämlich nur die sechs hellsten Sterne und allein bei Hellem Mondschein noch einen siebenten erkennen konnten, also auch nur dieselbe Sehkraft besaßen, wie die Menschen von heute. - Vüchertisch. — M 0 ltke, von A. v. Janson, General der Infanterie z. T. „Männer und Völker" (Verlag Ullstein u. Co., Berlin). Auf Delbrücks Schrift über „Btsmarcks Erbe" folgt jetzt in der Sammlung „Männer und Völker" die Darstellung von Moltkes Persönlichkeit und Taten. General der Infanterie z. D. von Janson, der Verfasser des Buches, hat selbst 1866 und 1870/71 mitgekämpft und noch unter Moltke dem Generalstab angehört. Mit sicherer Hand zeichnet er das lCharakterbild des großen Schweigers, wie es im Gedächtnis der dankbaren Deutschen fortbesteht. Er spricht über Moltkes innerliches Menschentum, das nirgends schöner sich kundgibt als in den Briefen an seine Braut und Gattin. Er zeigt, wie der junge preußische GeneNalstabs- hauptmann, mehrere Generationen vor Goltz, Limän v. Sanders und Usedom, als Neubildner des türkischen Heeres nach Konstantinopel geht, und wie die Kriege um die deutsche Einheit den Ruhm des zuerst kaum den Führern der preußischen Truppen bekannten Strategen in alle Welt hinaustragen. Besonders würdigt Janson den letzten Teil dieses rastlosen, dem Vaterland gewitzt meten Lebens, die stille, unaufhörliche Friedensarbeit des greisen Generalfeldmarschalls, und sein bleibendes Vermächtnis: ferne Methode des getrennt Marschierens und vereint Schlagens, der siegreichen Umklammerung. Alle die entscheidenden Erfolge, die im gegenwärtigen Weltkrieg den deutschen Waffen beschrieben sind — sie gehen, wie Janson klarmacht, auf den Grafen Helmuth von Moltke zurück. --- Letterrätsel. Die Buchstaben acceehhhhii 11 0 "0 ppp rrsssssttuu sind in die Felder nebenstehender Leiterfigur derart einzutragen, daß die Sprossen derselben, von oben angelangen, folgendes ergeben: 1. Alten Rainen für eiuen Fisch. 2. Badeort in Oberösterreich. 3. Römischen Kaiser. 4. Ein Spielzeug. Die beiden Seitenbalken der Leiter sollen, von oben nach unten gelesen, den Namen eine- Geschichtsforschers bezeichnen. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Schach-Aufgabe in voriger Nummer: Weiß. 1. T d 3 11 . d 6 f K d 7 11 . d 6. Am besten. 2. e 7 — e 8 L K d 6 — e 6. 3. T c 2 — e 6 f und Malt. Schristleituna: Aua. Goetz. - Rotationsdruck >md Verlag der Brübl'schen Ilniversitäts-Buch- und Stetndruckerei, R. Lange, Gießen