Zurück zur Scholle. Noman von Ewald Gerhard Seeliger. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) . Doktor Schrill verleugnete nicht seine gute Erziehung, rndem er auf diese Drohungen hin schwieg und mit keiner Wimper zuckte. Aber er sah jetzt ein, daß er Moritz Gassel mcht nur aus Britzkiawe, sondern auch aus dem Kreise hinausbringen müsse. „Sie werden augenblicklich den Schulgarten so Herstellen, wie er früher gewesen ist. Diese Eigenmächtigkeit setzt allem die Krone uns." „Ich bezweifle stark," sprach Moritz Gassel mit bebender Stimme, „daß Sie überhaupt etwas von Bodenkultur verstehen." „Sie haben zu schweigen!" befahl Doktor Schrill heftig und ließ das Protokoll auf dein Lehrtisch liegen. „Sie werdeii dieses Protokoll dreimal abschreibeu und mir binnen acht Tagen zuschicken." Moritz Gassel drehte ihm kurz den Rücken nnd begleitete ihn nicht zur Tür. Vierzehn Tage später hielt er einen Brief von der Königlichen Negierung in Händen, worin ihm mitgeteilt wurde, daß er im Interesse des Dienstes nach Kletzine, Kreis Domslau, versetzt worden sei mit dem Antritt auf den ersten April. Zwei Stunden lang saß er an seinem Tisch, den Kopf m beide Hände gestützt, und starrte regungslos auf dieses Schreiben. Er kam sich vor wie ein zur Deportation Verdammter. Vergeblich suchte er auf der großen Provinzkarte das Dorf Kletzine. Dann ging er zu August Knorreck und zeigte ihm den Brief. „Dagegen muß etwas getan werden!" sagte der und fuhr am nächsten Morgen zum Landrat. Der versprach ihm, ein gutes Wort für Moritz Gassel emzulegen, war aber nicht imstande, die Sache rückgängig zu machen. Kaum aber hatte August Knorreck diesen Be- scheid in Händen, so machte er sich nach Breslau auf und ließ sich beim Regierungspräsidenten anmelden. Der zeigte wenig Lust, den Beschluß der Behörde umzustoßen, ließ aber durchblicken, daß man vielleicht späterhin die Sache wieder ins alte Gleis bringen könnte. Bedingung aber sei, daß Moritz Gassel nach Kletzine gehe. Und das gerade wollte er nicht. August Knorreck konnte es ihm nicht verdenken. „Geht's nicht krumm, geht's grade!" sprach Moritz Gassel, dessen Geduld zu Ende war. „Was wollen Sie tun?" fragte der Inspektor. „Ich schreib mein Abschiedsgesuch!" August Knorreck holte tief Atem. Das hatte er nicht erwartet. „Sie raten mir natürlich ab!" ,^Jch rate nicht ab, ich rate nicht zu!" meinte August Knorreck, und in seinem Gesicht zuckte dabei keine Fiber. „Das muß der Mensch ganz mit sich allein abmachen. Das will überlegt sein!" „Vier Jahre Hab ich's überlegt!" entschied Moritz Gassel und suchte nach einem weißen Bogen. Das ist lange genug." Der Inspektor drückte ihm wortlos die Hand mtb ließ ihn allein. Sechs Bogen schrieb Moritz Gassel, dann hatte er alles herunter, was er auf dem Herzen hatte. Kurz und knapp und ohne Ilmschweife und ohne vorsichtige Verschleierungen reihten sich die Sätze aneinander. Nachdem er eingehend seine Erlebnisse mit Doktor Schrill geschildert hatte, bat er um Aufhebung der Strafversetzung, die gegen das Interesse des Dienstes sei. Könne dem aber nicht statt- gegeben werden, so müsse er sein Amt zum ersten April niederlegen. Auf dein vorgeschriebenen Instanzenweg sandte er dieses umfangreiche Schreiben an die Königliche Negierung. Doktor Schrill, der es als zweiter zu begutachten hatte, verbrachte darüber eine schlaflose Nacht. Am nächsten Morgen hatte Moritz Gassel eine Vorladung in Händen, sich sofort bei dem Kreisschulinspektor einzusinden. Moritz Gassel lehnte ab, weil es für ihn mit Doktor Schrill keine Verständigung geben konnte. Vierundzwanzig Stunden später war der Kreisschulinspektor in Britzkawe. Moritz Gassel korrigierte gerade Hefte. Weil es aber nach Schulschluß war, konnte sich Doktor Schrill darüber nicht aufreg'en. Das hatte er auch gar nicht nötig. Er war schon genügend geladen. Die rechte Brusttasche seines Ueberrocks- war dick geschwollen. Da steckte nämlich Moritz Gassels Anklageschrift. „Sie haben es gewagt!" begann der Kreisschulinspektor wütend und wollte ihn mit einem einzigen Blick durchbohren. „Ich hab's geivagt!" sagte Moritz Gassel ruhig und erhob sich. Die rote Feder steckte er sich hinters Ohr. „Sie werden dieses Schreiben sofort zurücknehmen!" „Nein!" rief Moritz Gassel entschieden. „Es enthält nichts als Verleumdungen!" „iEs wind Ihnen ein leichtes sein, sie alle zu entkräf- tigen." „Herr!" fuhr Doktor Schrill auf ihn los, und seine Stimme wurde schneidig wie eine Säbelklinge. „Was bezwecken Sie eigentlich damit?" „Ich verteidige mich gegen Ihre Ungerechtigkeit!" „Sie drohen mit Ihrem Abgang. Das ist, gelinde gesagt, eine Anmaßung. Ob eine Dienstentlassung notwendig ist, darüber hat allein die Behörde zu befinden." „Ich entlasse die Behörde aus dein Dienstverhältnis zu mir!" sprach Moritz Gossel gelassen und trat ein paar- Schritte zurück, denn der Doktor uub Kreisschulinspektor war ihm schon sehr nahe auf den Leib gerückt. „Ich weiß," fuhr Moritz Gassel unbeirrt fort, „daß es an Lehrern mangelt. Ich weiß, daß die Negierung meine Schrift nicht ohne weiteres zu den Akten legen wird. Und wenn sie meine Bitte uirftf erfüllt, dann geh ich ab. Ich werte meine Menschenwürde höher als festes Gehalt und Alterspension. Und deshalb ziehe ich dieses Schreiben nicht zurück!" Doktor Schrill rang vergeblich nach Atem, uni Moritz Gassel in die Rede 511 fallen. Doch der hatte kraft seiner unerschütterlichen Ruhe die Oberhand und ließ sich nicht unterbrechen. Hundertmal hatte er in beit letzten Tagen diese Dinge durchdacht und hielt mit nichts zurück. „Ihnen bleibt der Ruhm," fuhr er mit erhobener Stimme fort, „mir meinen Beruf gri'mdlich verleidet zu haben. Dies muß die Königliche Regierung erfahren. Denn ich kämpfe nicht nur für mich, sondern auch für meine Kollegen. Wß'.nn Sie den Mut besitzen, das Schreiben zu unterschlagen, ich habe mir eine Abschrift gemacht, die ich in diesem Falle direkt einsenden werde." Jetzt siegte bei Doktor Schrill wieder die gute Erziehung, er machde auf der Stelle kehrt und verschwand auf Sulitsch zu. Vierzehn Tage wartete Moritz Gassel auf Antwort, daun erschien eines Morgens gegen zehn Uhr der alte, weißhaarige Schulrat aus Breslau, den er von seiner Prüfung her kannte. Er setzte sich hinter das Katheder und putzte sich die Brille, die von der Kälte angelaufen war. „Fahren Sie ruhig fort in Ihrem Unterricht!" sprach er freundlich zu Moritz Gassel und wandte sich dann an die Kmder. „Ich w>erde etwas zuhören, tut so, als säße ich nicht hier!" Und Moritz Gassel unterrichtete, vermittelte neuen Stoff, wiederholte, lobte und schalt und kümmerte sich nicht mit einem Gedanken um den Schulrat. Die Kinder fühlten schnell me freie Sicherheit ihres Lehrers, der gelassen seine eigenen Wege ging, und folgten ihm aufinerksam und lebhaft. Zwei Stunden dauerte das, während der Schulrat steif und stumm auf dem Stuhle saß und kaum die Augen bewegte. Schlag zwölf Uhr entließ Moritz Gassel die Kinder, und der Schulrat hatte nichts dagegen. Dann ließ er sich den Garten zeigen, betrachtete die Anlagen mit viel Verständnis und machte endlich an der Stelle halt, wo Moritz Gassel den Zaun des alten Schulgartens entfernt hatte. „Ich würde Ihnen raten," sprach er ruhig, „diesen Zaun wieder an seine Stelle zu setzen. Es ist dies eine reine Formalität. Machen Sie eine Tür hinein, bamit Sie bequem Au Ihrer neuen Anlage gelangen können." Moritz Gassel versprach es und zeigte dann dem Schulrat auf sein Verlangen die Bienenvölker, die sich schon zu regeln begannen. Denn es war schon Mitte März. „Ich kann es verstehen!" sprach er, als sie wieder rm Schulzimmer waren. „Daß Sie sich gegen Ihre Versetzung strauben, aber es wird Ihnen nichts helfen. Die Entscheidung laßt sich unter keiner Bedingung rückgängig cm Ä!™ uruß ich mein Amt niederlegen!" erwidertc Moritz Gassel fest. . .„"^fen Sie sich wohl!" mahnte der Schulrat. „Ick n < .v^bn. gern bekennen, daß sich mein Urteil über I'hrc Lehrtätigkeit Nicht mit den Protokollen deckt, die bei Ihrer Akten lregem Nehmen Sie meinen väterlichen Rat an unt Jiefien Sic Ihre Schrift zurück. Noch ist es Zeit, Versucher Sre noch einmal Ihr Gluck beim Examen, Es wird Zhner schon gelingen." 0 ' „Äg'f "»> '»«' >"» “> „Ich kann nicht!" preßte er heraus. "Gehen Sie nach Kletzine!" fuhr der Schulrat fort ,,Ich werde dafür sorgen, datz Sic nicht lange dort bleiben Ich werde versuchen, Sie nach Ablauf eines Jahres wieder uach Britzkawe zurückversetzen zu lassen. Aber ziehn Sic Ihr Schreiben zurück!" Moritz Gassel gab noch iniiner keine Antwort. "N will jetzt nicht weiter in Sie dringen. Ueberleaer Sie sich diese Angelegenheit genau. Denken Sie an Ihn Zukunft. Der Staat lebt nach anderen Grundsätzen als bei Eiuzelmensch. Der Beamte muß von seiner Judividualitäi manches, ;a vieles aufgeben. Dafür aber tauscht er das ein k anderer Stand in solchem Maße aufzuweisen hat das Bewußtsein, der Allgemeinheit zu dienen. Bis morger haben Sie Frist. Ich logiere in Sulitsch im Hotel Schwarzer Adler." Jetzt stieß Moritz Gassel einen schweren Seufzer aus. Der Schulrat fühlte den Widerstand weichen und wagte noch einen letzten Vorstoß. „Bedenken Sie, was folgt, wenn diese ärgerliche Sache ihren Lauf nimmt. Es gibt eine Untersuchung, bei der Sie nichts gewinnen können. Ich gebe ja zu, daß manches in, Ihrer Beschwerdeschrift nicht grundlos ist. Aber vieles ist übertrieben und schief gesehen. Wie wollen Sie Ihre Behauptungen beweisen? Man versaßt solche SchriftsUicke nur, wenn man jung ist, sehr jung, und die Entfernungen noch nicht abschätzen kann. Beharren Sie aber auf Ihrem Willen und legen Sie Ihr Amt nieder, so wird die Behörde Sie anhalteu müssen, ihr die Auslagen Ihrer Ausbildung hcrauszuzahlen. Sie wissen doch, daß Sie einen Revers unterschrieben haben, bevor man Sie ins Seminar ausgenommen hat?" „Ich habe nichts!" sprach Moritz Gassel und seine Stimme klang rauh. „Ein Grund mehr, Ihre Unbesonnenheit wieder gut zu machen!" meinte der Schulrat und reichte ihm zum Abschied die Hand. Moritz Gassel sah der Droschke so lange nach, bis sie hinter dem Vorwerk verschwand, dann ging er zu August Knorreck, den er im Pferdestall traf, um sich nnt ihm zu beraten. „L-ou rch s zuruckziehen?" „Dass ist hier nicht die Frage!" erwiderte der Inspektor. „Hier handelt es sich darum, ob Sie sich weiter mit der Schulmeisterei abplagen wollen, oder ob Sie den ganzen Krempel über beit Haufen schmeißen wollen." Moritz Gassel wußte nicht aus noch ein. „Angenommen!" fuhr August Knorreck fort, „Sie quittieren den Dienst. Wchs gedenken Sie dann z(l tun?" „Hm!" machte Moritz Gassel unsicher. „Ich werde an eine Privatschule gehen." „Also wollen Sie doch bei der Schulmeisterei bleiben!" entschied der Inspektor. „Dann bleiben Sie doch lieber gleich im Staatsdienst. Ziehen Sie den Brief zurück, gehen Sie nach Kletzine, machen Sie Ihre Prüfung. Und in einem Jahre sind Sie wieder in Britzkawe. Ein Jahr ist bald herum. Und sollte dann die Sache irgendwo hängen bleiben, ich fahr wieder nach Breslau und sprech frei von der Leber weg. Darauf geb ich Ihnen mein Wort!" Moritz Gassel schlug ein. „Da will ich's doch zurückziehen!" sagte er schleppend, denn es wurde ihm sehr schwer. Run aber, wo er sich selbst besiegt hatte, war ihm plötzlich leicht zumute. „Das eine will ich Ihnen noch sagen!" meinte August Knorreck und hielt die Hand fest. „Das mit der Privatschule ist e»ne Dummheit. Wenn Sie schon abschiiappen, dann ganz davon weg. Ein Mensch wie Sie, der braucht sich nicht weg- zuwersen. Sie sind ein geborener Landwirt. Und wenn Sie den Krempel über den Haufen geschmissen hätten, dann hält A zu Ihnen gesagt: Herr Gassel, bleiben Sie hier bei mir. Für Sie Hab ich immer Arbeit!" ^^^/in!" sagte Moritz Gassel und schüttelte langsam und nachdenklich den Kopf. „Wer sich einmal mit der Schulmeisterei eingelassen hat, der taugt zu nichts anderem!" ^ ^ nach Hause, um an den Schulrat in Sulitsch zu schreiben. (Fortsetzung folgt.) vw wuymienicq. Novelle von R i ch a r d N i e ß (München). protze Festplatz langweilte sich in dein grauen Halbdunkel des Verbstnachnnttags. Fremd und verloren lag er von nur wenigen Besuchern durchquert, inmitten der Geschäfüakeit arbeitsamer Stadtstraßen Mit peinlicher Wahrheitstreue ent- huilte dav letzte Licht dre lebensferne Unsolidität der bunten Emtagsbautcn und der exotischen Vergnügungsmaschinen, die die Erinnerung an kindliche Zaubergeräte wachriefen. Verächtlich fielen die Blicke des^ scheidenden Tages auf die zinnoberrot^ Schmmke zermürbter Schaustellergesichter und betonten die Starr- k ^cr"frorenen Lächelns, mit dem grotesk-putzige Ausrufer und Kassiererinnen die Vorübergehenden anzulocken versuchten. Auf emmal aber kam mit dem kreischenden Tone zusammenschlagender Riesenvogelflügel das heilsame Licht, schrie auf in den Kugeln der elektrischen Bogenlanipen mrd verwcuidelte den Fest Platz in ein leuchtendes Meer von magischer Schönheit. Ueber die Stadt aber kam der Abend, der das Leben der Kirchen und Menschenhäuser besänftigte und ihre Türme af£ feingeschnittene Silhouetten in den .Hintergrund des Himmels malte. Nun glich glich der Festplatz einer Stadt der Märchen: die bunten Buden wurden zu den verzauberten Palästen der Scherezeade und die redseligen Anpreiser erschienen als geheimnisvoll-mächtige Gewalthaber, deren tief-mysteriöses Wesen man schauernd erkannte. Eine der ersten Buden beherbergte Ramlo, den Wühlmenschen. In eineni braunen, gestrickten Hemde stand der Held der Bude, ein junger Mensch, auf der Eingangsplanke. An Gesicht und Händen klebten ihm Erdteile, soweit die Kopfhaube -und die langen Trikotärmel den Körper freiließen. Seine Muskeln, deren Regungen die dünne Gewandung preisgab, spielten trotzig, nach Athlelenart, in der Frende ihrer Kraft. Ramlo stand neben der Kasse, die eine alte, komisch aufgeputzte Frau versorgte, und blickte gleichgültig ins Publikum. Als schließlich eine Glocke er- txmle, fühlte er sich an seine Pflicht gemahnt, trat hastig zu der Alten und ergriff den Kasseninhalt, mit dem er ins Inner« seiner Bude verschwend. Der Ausrufer, ein lockenreicher Herr ttt Gehrock und Zylinder, ließ inzwischen sein Preislied erschallen: ,-Herein, meine Damen und Herren! Soeben beginnt eine neue Vorstellung! Hier ist zu sehen: Ramlo, der Wüblmensch: Der Mensch als Maulwurf. Hier staunt man, hier wundert man sich, hier steht man vor einem Rätsel — Ramlo, der Wühlmensch, läßt sich lebendig begraben. Ramlo, der Wühlmensch, bleibt zehn Minuten lang im Erdinnern. Ramlo, der Wühlmensch, wühlt sich wie ein Erdtier wieder empor. Herein, meine Herren, meine Damön! Das ist noch nicht dagewesen. O, wie ist das interessant! O, wie ist das lieblich! O, wie ist das reizend. . . . Ramlo, der Wühlmensch: die Sensation der Dresdener Vogelwiese, des Bremer Herbstfestes, das Tagesgespräch aller Vergnügungsparks, das größte Ereignis der Münchener Oktobergaudi. Soeben beginnt eine neue Vorstellung!" „Eine neue Vorstellung? Kommen Sie!" Eine Gruppe von Herren schob sich durch den Eingang in das Halbdunkel des Theaterraums. „Toll," sagte der Schriftsteller Dr. Mell. „Toll, dieser Kerl!" > Ramlo begann gerade damit, seine Reise unter den Erdboden anzutreten. Er lockerte mit der behandschuhten Faust die schwarze Erde des Podiums, bis eine Mulde entstand, die ihm ein Bett bot. Der dicke Ausrufer trat nun für einen Augenblick auf die Bühne, schüttete die Mulde zu, stampfte den Boden fest, und: Ramlo war begraben. „Weiter nichts als Trick," meinte Baron Brendl, der die harte, engbrüstige Bank verschmäht hatte und an der Wand lehnte. . . . „Habe das genau beobachtet, Doktor . . . Trick, zweifellos . . . wäre nicht denkbar anders. . . . Gar nicht denkbar wär's." „Training?" fiel Dr. Maus, ein Medizinalpraktikant ein. „Ausgeschlossen, völlig ausgeschlossen. Glauben Sie, Mensch aus Europa könne zehn Minuten lang ohne Luft leben? Kultur ist zu jung dazu. . . . Fakirkuust! Fa—kir— kunst!" „Und trotzdem besuchen Sie Herrn Ramlo tagtäglich, Baron?" meinte Dr. Mell. „Sie scheinen doch noch nicht ganz überzeugt zu sein von dem Schwindel?" Maus lackite. „Im übrigen: Es gibt in der Tat Menschen, die überphysische Fähigkeiten besitzen. Schulung hilt nach. Man kann nicht immer gleich sagen Schwindel und Täuschung." „Dacht ich mir auch," erwiderte Brendl. „Dachte mir ganz dasselbe. Bin davon abgekommen. Schwindel, Leute! Schwindel! Hab' mir den Kerl bei Licht besehen. Bin doch schließlich Sportsmann. Und deshalb sag' ich Schwindel. Wette gefällig?" „Sie sind ein Meister der Physiognomik, Baron." „Wette gefällig?" Berndl rechte sich höher. Und lächelte: „Nich? Auch gut! Dann will ichs euch so sagen: Kerl hat selber eingestanden. Bluff zugegeben." „So?!" Zwei Stimmen schlugen gegeneinander. „Und warum," sagte der Schriftsteller, „haben Sie diese Erkenntnis bisher für sich behalten, wenn man fragen darf?" cm sollte Ne!!, ob ihr selber darauf kommt, Blüten der Menschheit. Mer: Nee! Der Dichter psychologischer Romane und der Herr Nervendoktor in 8p6 lassen sich andauernd bluffen, Mühtet Poker spielen! Goldquellen . . . wärt ihr für die Partner. Na, ja. . . harmlose Gemüter halt!" „Ja, aber wie macht er es denn?" fragte Maus "Geschäftsgeheimnis. Sagt er nich. Partout nich. Erstes Eingeständnis hat mich genug gekostet, 'neu kleinen Blauen. Intimere Erkenntnisse würden meinen Etat zu arg belasten Uebrigens, Kerl ist Prolet, aber ganz zugänglich." Die Vorstellung nahm inzwischen ihren Fortgang. Die zehn Minuten von Ramlos Erdaufenthalt waren abgelaufen, und so kam der Künstler allmählich wieder a,is Tageslicht Die Erdhaufen bewegten sich: Schollen, von harten Fäusten gepeitscht, kullerten vom Podium herunter, und schließlich entstieg Ramlo, von Erde bedeckt, semein schmutzigen Gefängnis. Stürme Bei- fallv t empfingen ihn. Er zog die Haube vom Kopf, säubert« sich em wenig und dankte dann ungeschickt dem Applaus. Damit war die .Vorstellung zu Ertde. Dr. Mell hatte ihm nachdenklich zugesehen. Kopfschüttelnd. Tann wandte er sich an den Baron: „Und das macht er jeden Tag, rede Stunde?" „Jede halbe Stunde," erwiderte der. . . . ein ganzes Leben hindurch. . . jeden Tag . . ." sann der Schriftsteller. „Schrecklich!" , r. "Nicht elegisch werdeii, Dichter! Kerl fühlt sich ganz wohl e? ^ - Ausgezeichnet. Oder haben Sie schon mal gehört, daß Hochstap ler moral simpel n?" „Wieso Hochstapler?" Oder'/"^ ^ doch sein Leben auf Schwindel, nich? „Finde ich nicht," sagte Maus, der Medizinalpraktikant. „Es ist an sich schon eine sehenswerte Leistung, wenn sich einer in cJ n Sr?ÜJ t k 9ru i! e ^gt und sich Dreck auf den Leib trampeln läßt. Hochstabler pflegen sich das Arbeiten leichter zu machen. Ich halte es geradezu für eine Kirnst, einen Trick so undurchsichtig zur Geltung zu bnngen/' „Glaube, Doktor Sie überschätzen das. Training gewiß. Aber — Wette gefällig? — wenn wir den Trick kennen, kann lodervon uns — der fette Poet vielleicht ausgenommen — das Kunststück auf der Stelle nachmachen. Glaub das sicher" Der angeulkte Dr Mell meinte ernst: „Lachen Sie nicht, Brendl! Ich seh' rn solch einem Menschen geradezu ein Problem. Denken Sie: Em Menschenleben auf die Vorspiegelung einer Kerrschen Fertigkeit aufzubauen! Denken Sie! Ist das nicht gerade so, wie wenn jemand seinen Intellekt bewußt zu dem Tiefstand eines . . . na, sagen wir mal: eines Papageis, eines Steißpavrans oder einer altjüngferlichen Küffeeschwester erniedrigte? ^zst eine derartige, beivußte Preisgabe der Menschenwürde nicht aufs tiefste zu bemitleiden?" „Gehen wir!" sagte der Baron. „Ich bin kein Philaw- throp." Sie gingen hinaus und verließen die Stadt der Buden urw Zelte, die in den Efftasen ihrer letzten Lebensstunde raste. Tenn, wenn es neun Uhr geschlagen hatte von dem nahen Kirchturm herab, dann mußten die Lichter erlöschen, eins nach dem andern, daß der Festplatz in ein Meer des Graus sank wie ein langsam untergehendes Schiff. * Nach einigen Tagen brachte der Baron einen neuartigen, mit den Fingern der linken Hand leicht hingetrommelten Vorschlag mit an den Satmmtischc ,/Hab' morgen Geburtstag," sagte er. „Lade euch alle zu kleinem Souper ein. Ort der Handlung: Bude von Ramlo, dem Wühlmenschen. Fern, lvas?" Der Baron meckerte. Der Medizinalpraktikant, der noch Vorirrteile hatte, fand diese Idee ein wenig absurd. Dr. Mell aber freute sich wie ein Kind. Brendl verkündete noch, daß die kleine Festlichkeit unr zehn Uhr abends in dem gut gelüfteten Zuschauerraum statt- finden sollte. Und er verriet schließlich auch dies: Ramlo sei für eine Privatvorstellung gewonnen worden. Und dabei lächelte er geheimnisvoll. * Die Gesellschaft kam in sehr angeregter Stimmung zusammen. Elektrische Scheinwerfer wiesen den Herrschaften den Weg zur Schaubude Ramlos, des Wühlmenschen. Hier hatte man die Bänke des Zuschauerraums entfernt. Voii vier Bomben riesiger Glühlampen überbaumelt, standen in träger Ruhe zwei weißgedeckte Tafeln in dem bunt geschmückten Zelte. Die Bühne aber schützte wie gewöhnlich der graue Vorhang. Man freute sich über die Laue des reichen Sonderlings. Zumal der Oktober in diesem Jahre warm und mild war. Während weiche Nachtwinde, die sich durch die schlecht gefügten Bohlen in den Raum stahlen, leicht die tveinfreudigen Köpfe umwehten, aß man die reichen Gänge des Soupers, das der Baron aus .einem Hotel herbeischaffen ließ. Die Stimmung war schon sehr animiert, als Brendl sich erhob, seine weiße Frackweste glattstrich und zu reden begann: „Ich habe für Sie, meine lieben Gäste, eine ganz besondere Ueberraschung vorgesehen. Herr Ramlo wird Ihnen heute eine Separatvorstellung geben und Sie mit dem Trick bekanntmachen,, der ihm seine unglaublich erscheinende Leistung ermöglicht. Möge es Ihnen allen gut be- komrnen!" Und nun teilte sich der Vorhang, und Ramlo ging an seine Arbeit. Tie Gäste umdrängten die Bühne. Und nun sahen sie, von dem Artisten beljchrt, was es mit dem Wühlmenschentum ftir eine Bewandtnis habe? Vorher mußte jeder der Anwesenden — es waren Kavaliere von Ruf — mit seinem Ehrenwort geloben,- nichts von den Vorgängen zu verraten. Ter Baron hatte Ramlo gegenüber die ßsarantie für dkeses Ehrenwort übernommen. Man sah, daß der Unterboden des Podiums beweglich sei und durch mechanischen Federdruck gesenkt werden könne. Sobald Rancko nun in der Mulde Platz genommen hatte, bewegte er die Mechanik und versank in die Tiefe. Das Brett aber schob sich wieder an seine alte Stelle, und nun konnte Ramlos Gehilfe unbesorgt die Erde darauf feststampfen. Ramlo aber wartete in einem kleinen Keller gelaß, bis die vertragsmäßigen zehn Minuten verflossen waren. Tie Herren staunten über die Einfachheit des Vorganges, der schon zu so viel verlvundert beipunderndem Kopfschütteln Anlaß gegeben hatte. Tie meisten entledigten sich ihres Fracks und erprob- 472 teil nun die MeclMink des Bodens'. Und in der Tat: das Werk funktionierte tadellos. 7 >, Herrschaften!" schrie plötzlich der Baron. „Ich bitte um Silentium ! Wer von euch hat Lust, Wühlmensch zu spielen? Für Maulwurfsgewaud habe bereits Sorge getragen!" „Pfui Deibel! Solche Schweinerei!" krähte der dicke Rittmeister v. Sallwitz. Ich tu tausend Emlm Metten, das; keiner das riskiert!" „Top!" sagte der Baron. „Moment, bitte." Und er ging auf «die Bühne, deren Vorhang Ramlo hinter ihm' schloß. In gespannter Erwartung sah man der Entwicklung der Tinge entgegen. Schließlich erschien der Baron, lebhaft beklatscht^ vor dem Vorhang. Ter braune Trikot stand ihm wirklich gut. Seine Haltung, sonst leger, gewann in der Zurschaustellung des Muskelspiels. Auch zu dem Maulwurfskostüm trug er ein Einglas. — Brendl verneigte sich und sagte: „Gestatten: Wühlmensch II., Baron Brendl!" Tann warf er, forcierend, die Beine von. sich und siel in die Mulde. Sein leichter Aufschrei quittierte ,das Unbehagen über die unangenehme Nässe des kalter: Bodens. Tann setzte er der: Knopf in Tätigkeit und versank. Ramlo aber stampfe über dem Brette, das die Oeffnung alsbald wieder bedeckte, den Boden wieder zusammen. Ter Rittmeister ries dröhnend: „Zehn Minuten muß-der Baron unten bleiben . . . wie Herr Ramlo. Er soll seine Rolle ganz spielen . . . Ich will wat Ordentliches haben für meinen braunen Luppen." Und er räusperte sich: „Wie sind Sie denn eigentlich auf diesen Trick gekommen. Sie . . . Wühlmensch, Sie?" Ramlo antwortete: „Von Amerika Hab ich ihn her. Mein Bruder hatte ihn gekauft . . . bei einer Versteigerung. Als er in New Bork umgekommen war, wurde uns der Kasten als einzige Hinterlassenschaft zugeschickt." „Romantische Geschichte scheinbar. Scheinen ja weitverzweigte Familie zu sein! Deutscher?" „Wir stammen aus Potsdam, Herr. Mein Vater hatte ehemals ei« ganz gutes Geschäft gehabt. Ter Bruder war ein leichter Vogel. Nicht einmal schlecht: aber ein Lüderjahn. Ta fehlten halt eines Tages die 25 Mille, die der Alte von der Bank geholt hatte. Ich weiß selber nicht, wozu er sie gebraucht hatte: 'ne Hypothek sollte bezahlt werden, oder so was. Kurz, das Geld fehlte, und der Bruder auch. Von dem Tag an ging's rückwärts. Ter Vater hat die Sache nicht verwinden können. Er kümmerte sich nicht Mehr ums Geschäft: ein halbes Jahr später riß er aus . . . mit irgend 'nein Weib und unserm.Letzten, schrieb noch, da doch all seine Schufterei im ganzen Leben erfolglos geblieben sei, wolle er wenigstens einmal noch etwas haben von^seiner Arbeit. Wir blieben zurück im Schlamassel. Schulden über Schulden. Auch die Kautionen von unseren paar Leuten waren futsch. Es ging alles kaput bei uns. Tie Schwestern waren zu hübsch fürs Unglück . . . eine ist jetzt wieder bei uns . . . drüben sitzt sie als Kassiererin bei der Dame ohne Unterleib. Es ging uns dreckig lange Zeit. Tie Alte fing zu saufen an . . . ich konnte ooch nich viel verdienen. Wer gibt so 'nem Kerl wie mir 'ne gute Stellung? Bruder: ein Lump: Vater: ein Betrüger . . . na ja . . . die Schwestern ... na ja, meine Herren . . ." „. . . und nun machen Sie diesen Schw . . ., diese Sache tagaus, tagein, Stunde um Stunde . . .?" fragte Tr. Mell. „Sie scheinen doch ein Mensch zu sein, der auch manchmal nachdenkt! . . . Ich würde doch lieber Tagelöhner sein, als meiner Menschenwürde in dieser Weise nahe zu treten . . ." „Sie sind satt, Herr . . ." .^Lieber trocken Brot, Ramlo, als . . . Lieber . . ." „Sie haben ja recht . . . gewiß ... Es hat uns ja auch saudreckig geh'n müssen, eh's so weit kam. Tenken Sie: Mein Bruder, ein Dieb; der Vater, ein Betrüger; Mutter, Säuferin; und die Schwestern, schlechte Frauenzimmer ... Es hat uns saudreckig geh'n müssen, eh ich se aufgab, die sogenannte „Menschenwürde", aber ..." Ta kam von unter her ein Schnauben, und der Baron erschien wieder an der Oberfläche. Man lachte über ihn, wie er so beschmutzt emportauchte und sich hilflos umwandte. Es entstand ein kleiner Aufruhr unter den Gästen, so daß nicht jeder den Satz horte, mtt dem Ramlo seine Erzählung beendete. Aber Tr. Mell hörte doch, wie der Artist sagte: r • aber der Herr Baron hat es billiger gemacht. Um tausend Mark, Herr, um taufend Mark . . ." Es war ein sehr gelungenes Fest . . . vermachtes. * Wegerich als Gemüse. Auf ein wildwachsendes Fruhgemuje, das bei den Bewohnern unserer Nordseeküsten sehr beliebt ist, wird im „Prometheus" aufmerksam gemacht. Es ist dies der Meerjtandwegcrich (Plantagomaritima), der jetzt zu Kriegszelten mehr als früher zur Zubereitung als Gemüse gesammelt wird. Er wächst an Deichen, wo er auf einer bereits an- gesredelten Pflanze, dem Queller (Salicornia herbecea) einen graugrünen Teppich bildet. Ter einheimische Name für dies Gemüse, oaS dem Grünkohl und Spinat vorgezogen wird, ist der Süden. Süden hat allerdings einen eigentümlichen Geschmack, der dem .Fremden nicht ohne weiteres zusagt. Vielmehr nruß er erst eine Nacht lang ausgelaugt werden. * Die „B e z i r k s k ö ch i n". Von einem neuen F r a n e n- berufe wird aus dem amerikanischen Staate Missouri berichtet, und diesmal ist es ausnahmsweise ein solcher, der ganz und gar im Bereiche der von jeher als tveiblich anerkannten? Wirksamkeiten liegt. Der Bezirk von Pettis County hat nämlich Fräulein Mildred Henlon als die erste „Bezirksköchin" angestellt Fräulein Henton hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf zahlreiche Mißstände gerichtet, die in den Küchen des Bezirks, sowie auch in den Nähstuben 'herrschen, und die dem Wohlbefinden wie dem Wohlstände der Bevölkerung Eintrag tun. Die Bevölkerung des Bezirkes sah ein, daß es zweckmäßig sein würde, einer Frau die regelmäßige Aufsicht über Küchen und Nähstuben der ganzen Gegend zu übertragen und so wurde Fräulein Henton zur „Bezirksköchin" ernannt. Als solche hat sie vor allein täglich zwei der zahlreichen, von ihr ins Leben gerufenen Haushaltungsschulen zu besichtigen und soweit nötig, ihren Zöglingen selbst etivas vor- zukochen. Nicht minder wichtig ist die ihr übertragene Beaufsich- trgung der Guisküchen, die sie in Rücksicht auf Zweckmäßigkeit, Ge- ftindhert und Sparsamkeit einer Prüfung unterzieht. Neben den Kücheil sind auch die Nähstuben Fräulein Heuton unterstellt: in den Nähschulen.des Landes sverden übrigens auch Diaben zugelassen und unterrichtet, wie denn Fräulein Henton auch nichts dagegen bat, daß ihren Besuchen und ihrem Unterricht auch das stärkere Ge,chlecht beiwohnt. Pettis County verspricht sich von der Tätigkeit der Bezirksköchin viel: es verspricht sich den Sieg über alle Magenverstimmungen, über die verbrannten Kartoffeln, über die zerrissenen Hosen und es träumt von einer Zeit, wo es im Bezirke keine zerbrochenen Fensterscheiben mehr geben wird, durch die kein:tragende Insekten eindringcn können. * 0 diese Fremdwörter. Wie anderwärts, ist auch in deii Mauern der Mnsenstadt Göttin gen der Vernichtniigskiieg gegen das Fremdwort au? dein Geschäftsschild entbrannt. Militär-, Negierungs- unb Polizeibehörde haben sich zu einem Dreibund zusainineiigetan und dein sreindländischen Schmarotzertum in den Aufschriften der Geschäftsleute giimmc Fehde angesagt. Mit der m unseren Tagen zum Sprichwort geivordeiieri „mitleidslosen Ve» solgnng rvird den Eindringlingen in das deutsche Sprachgebiet zu -^elbe gegangen, ganz gleich, ob sie sich mm dick und augeblase,i in gleißendem Goldgeivaiide a»ls den Spiegelscheiben von Schaufenstern breit niacheii oder flachbrnstig hingepinselt an nüchterner Mauer kleben. Pardon — was zwar auch ein Fremdwort ist — lutcb Nicht gegeben! Da aber die „Ausländer" unter den Schilde» ausschriüen sich aus verschiedenen Grüildeil uicht immer und überall von heute auf morgen verbauneii lassen und noch weiiiger im Hand- uindrehen für sie Ersatz gu beschaffen ist, so geriet mancher Geschäfts- mann m ilicht gelinde Verlegenheit. Dazu kaiii, daß hinter der freundlichen Aufforderung: „ES wird anyeimgestelkt, die Inschrist zu eniserneu," ein militärisches Verbot für den Fall der Nicht- bewlgimg lauerte, daS die Firnieuinhaber dazu antrleb, so schnell >vle möglich reinen Tisch zu machen. Und so ivnrde beim zunächst ctumal alles, was als ketzerisch vom Bannstrahl der Obrigkeit getroffen war, verkratzt, übermalt imb mit Paptersireisen beklebt, ohne Rücklicht darailk, daß solches Versahreii die Schilder bisweilen zu rätselhaften Inschriften werden ließ. Die Göttiiiger sahen aber wohl die Nichtsnutzigkeit des sreniden Federschninckes ein und fügten ,ich »villig den behördlichen Anordnungen. Ja, sie entivickelten hier Mid da sogar recht gesunden Humor bei ihrer AusrottungSarbeit, wie die kühne Tat eines ehrsamen Bartscherers beiveist. 'Er, der bis heule einen „Frisier-Calon für Damen und Herren" seiii Eigentum nannte, ging ebenfalls reumütig Hinalls vor seine Türe lind radierte mit Entschtosseilheit den lvelschen „Frisier-Salon" von der Malier, so daß seinen belustigten Kunden beiderlei Geschlechts seit dieser Stlmde ein iveithin leuchtendes „Für D a m e n unb Herren" entgegenwinkt. Vüchertisch. — Bongs Kriegs-Kalender mit Illustrationen (Deutsches Verlagshaus Bong & Eo., Berlin W. 57) hat soeben mit feinem 12. Hefte, welches die Zeit voin 1. bis 30. Juni 1915 umfaßt, eine Fortsetzung erhalten. 'Auch dieses Heft bringt die Berichte des GenecalstabeS der deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen und ist damit ein empfehlensivertes Nachschlagebuch. Scherzräjsel. Sechs Zeichen nennen dir einen Fiscb, Er ist ans des Armen und Neichen Tisch. Steck' ihm an den Kopf ein halbes Ei: Kein Mann bleibt — Junggeselle dabet. Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Auflösung in nächster Nummer. Schöne Worte machen das Kraut nicht fett. Kchrlstlektnna: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Derlaa der Brühl'schcn Unirersitäks-Bllch- und Steindrnckerei, N. Lange, Gießen