Ttanttmtan « lull |9|5 - Nr. j05 Lurück zur Lchslle. Ronurn von Ewald Gerhard Seeliger. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Die Versicherungen!" mahnte auch Knorreck noch einmal. „Nächsten Monat läuft die Vorwerksscheune ab. Ihr müßt den Herrn Baron daran erinnern. Und dann müßt Ihr gleich eine Milchwirtschaften« und ein Kinderfräulein besorgen. Und das bald. Morgen schon? Auch ein Maschinist für die Lokomobile muß her, aber nicht wieder so einen verdammten Sozialdemokraten wie vor zwei Jahren. Die Maschine muß geschmiert werden und einmal Probe laufen, ehe sie aufs Feld konimt. Und vergeht mir die Erntearbeiter nicht, meinethalben Polacken. Daß sie aber in spätestens acht Tagen da sind! Herr Hauschild wird mich vertreten!" „Ich werd sehen, ich werd sehen!" rief der alte Abraham und sprang auf sein Wägelchen. „Ich werd alles besorgen und die Versicherung gleich mit. Adieu, Herr Inspektor. Und meschugge sind Sie doch. Was bleiben Sie nicht gleich hier. Sie haben doch Ihren Kontrakt!" Und scbon klapperte er mit seinem Wägelchen im Trabe zum Gutshof hinaus aus die Dorfstraße. Frau Knorreck saß schon auf dem Kutscherbrett des vordersten Leitertv-agens. Sie hoffte noch immer, daß der Baron sie nicht au3 dem Tore lassen würde. August Knorreck nahm seinen Jnspektorstock, hing ihn über den Arm, durchschritt mit Thomas Hauschild alle Ställe und Wirtschaftsgebäude, sah überall nach dem Rechten, schärfte ihm noch einmal alles ein, drückte ihm zum Abschied kräftig die Hand und reichte ihm die Schlüssel der leeren Jnspektorwohnung, die er dem Herrn Baron abliesern sollte. Dann trat er neben das Hoftor, streichelte den ottigen Wächter, der vor Freude bellend an ihm emporprang, und winkte den Kutschern. Sofort setzten sich die chwerbeladenen Wagen in Bewegung. Als sie ratternd, im langsamen Schritt über das grobe Pflaster bei der Dungstätte fuhren, machte August Knorreck kehrt, senkte den Nacken, schritt zum .Hoftor hinaus, den Wagen voraus, die hinter ihm herknarrtcn, und ließ das Gut, das er fünfundzwanzig Jahre bewirtschaftet hatte, und das Dorf, das seine Heimat geworden war, hinter sich. Die Dorfleute standen an der Straße und gafften. Daniel Zpuppack, der sich mit beiden Armen über den Pfarrgutsgartenzauu lehnte, grinste und lüftete seine Mütze. Da straffte sich August Knorreck aus, schwang den Stock und stieß ihn kräftig in den Boden. So schritt er dahin, aufrecht und ungebrochen, und seine sechsundfünfzig Jahre sah man ihm nicht an. Frih von Winkelberg schaute ihm nach und mußte hart gegeu sich kämpfen, daß er nicht weich wurde und den alten Starrkopf zurückrief. Der lvürde schon mürbe lverden in der Verbannung! Dann riß der Baron den Brief nach Halle noch einmal auf und machte einen Zusatz, in dem er Hedwig die Erklärung für diesen Auszug mitteilte. Ohne daß er es lvollte, wurde ihm unter der Feder eine Entschuldigung daraus. Dann siegelte er das Schreiben zu und gab es noch am selben Tage dem Briefträger mit, der es in Luschelau einschreiben ließ, damit es auch sicher in Hedwigs Hände kam. , August Knorreck fand in Zdurotschin schnell eine passende Wohnung, denn von den zahlreichen Ehen, die Karl Zdurotfchius Testament gestiftet hatte, waren im Laufe der letzten Jahre schon einige wieder aus dem Leime gegangen. Er fand an dem großen Viehmarkt, in den der Weg von Britzkawe mündete, ein paar Zimmer, ließ den größten Teil der Möbel auf den Boden schaffen und setzte sich in den Lehnstuhl, den er ans Fenster rückte. Hier saß er vom Morgen bis zum Abend und hielt die Straße im Auge. Bald kam von Halle Nachricht. Hedwig berichtete, daß sie zwei Zimmer in der Nähe des Leipziger Tores gemietet hätten und daß Hugo sich sofort kopfüber in die Arbeit gestürzt hätte. Der Brief war kürz und zeigte in der Mitte die Spur einer weggewischten Träne. Von Britzkawe schrieb sie nichts. Dafür lag der Brief, den sie vom Baron empfangen hatte, bei. August Knorreck las ihn und reichte ihn dann seiner Frau. „Was sollen wir tun!" rief sie ratlos. „Warten!" sprach August Knorreck, setzte sich in den Lehnstuhl, sah zum Fenster hinaus und rührte sich nicht. Im Dorfe hatte der Auszug des Gutsinspektors großes Aufsehen gemacht. Verschiedene Gerüchte schwirrten umher, eines immer wilder als das andere. Nur auf den wahren Grund kam niemand, weil Thomas Hauschild reinen Mund hielt. Am tiefstetl schmerzte Moritz Gassel der plötzliche Weggang August Knorrecks. Doch den Baron darunr zu fragen, wagte er nicht. Er hatte auch wenig Gelegenheit, denn die Ernte stand vor der Tür, und zum Schachspielen hatte Fritz von Winkelberg jetzt keine Zeit. Der alte Abraham brachte eine Milchwirtschafterin und ein Kinderfräulein, erneuerte die Versicherung, schaffte die zwanzig polnischen Erntearbeiter herbei und kam endlich mit einem Maschinisten angefahren. Den hatte er sich aus ein paar Tage ausgeliehen, weil kein anderer aufzutreiben war. Der Maschinist sah die Dreschmaschine und die Lotonwbile sachgemäß nach, schntierte alle Lager und ließ sie auf dem Hofe zur Probe laufen, als draußen auf den Felderit unter den gierigen Sensen schon die ersten Roggenhalme sielen. Er lernte einen anstelligen Arbeiter an, die Maschine zu bedienen, und überließ sie ihm, nachdem er sie bei dem ersten Roggenschober aufgestellt hatte. Fritz von Winkelberg wartete eine ganze Woche vergeblich auf Hedwigs Antwort. Dann merkte er, daß er den Kampf verloren hatte. Sein Gesicht witrde herb und seine Mieite bitter. Aus seinen Augen verschwand der milde Blick. Mit 418 llngestüm und Hast warf er sich auf die Arbeit. Er wollte August Kuvrreck zeigen, daß er ihn entbehren konnte. Auch Thomas Hauschild hielt sich wacker, bewies Umsicht und Energie und schimpfte mit den Arbeitern dreimal so viel hcrunl als sein abgesetzter Lehrmeister. Und es wurde herzhaft geschafft. Die Polen bekamen ihren Schnaps in der Arbeitszeit und machten keine Revolution. Die alte Praxis, deutsche und polnische Arbeiter nicht auf einer Stelle zu beschäftigen, wurde streng inuegchalten. Bon Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang war Fritz von Winkelberg auf den Beinen. Er wagte sich sogar aufs Pferd, um Zeit zu gewinnen, obgleich ihm sein Herz beschwerlich genug fiel. Doch er zwang es zur Ruhe. Es war ein Trotz über ihn gekommen, der ihm die ununterbrochenen Anstrengungen übertvinden half. Die Ernte war vorzüglich. Die Körner waren fest, schwer itub zahlreich. Unermüdlich schwangen sich die Sensen, und die K'ornhaufen, durch die sich die Maschine durchfressen sollte, wuchsen rund um Britzkawe wie gelbe Riesenpilze ans der Erde. Fritz von Winkelberg uxir außerordentlich beliebt bei seinen Arbeitern, und wo er erschien, flog ihnen die Arbeit nur so aus den Händen. Nur im Hause hatte er Aerger und Verdruß. Die Dienstboten waren lässig und legten sich auf die faule Haut. Tie neue Milchwirtschafterin wurde bei einen, nicht kleinen Betrug erwischt. Man mußte sie aber behalten, weil kein Ersatz zu beschaffen war. Das Kinderfräulein zeigte auch wenig anziehende Seiten. Es war svenig sauber, kümmerte sich kaum um die ihrer Sorgfalt Anvertrcrnten und brachte ihnen schlechte Manieren bei. Der Baron, der sie nur am Mittag sah, mußte einmal aus Cüciliens Munde ein häßliches Wort hören. Er forschte nach und stellte das Mädchen heftig zur Rede. Er fichr überharchr, seit August Knorreck fort war, schnell scharf drein und verdarb so vieles, lvas er fricher durch seine Wufje und Uqberlegtl>eit ausgeglichen hatte. Das unangenehme Fräulein versprach, sich zu bessern. Aber schon am folgenden Tage erschien Cacilie mit einem Gesicht bei Tische, als wenn sie geschlagen worden wäre. Der Vater fragte sie, doch sie log aus Furcht. Der kleine Günther, den seine starke Stimme hinreichend schützte, l-atte weniger unter dieser- sonderbaren Erziehungskunft zu leiden. An diesem Tage schrieb Fritz von Winkelberg noch einmal nach Halle. Er beschwor Hedwig, zurückzukommen. Tags darauf erschien der alte Abraham, und der Baron schalt ^nut ihn, herum. „Steck ich in den Leuten drin!" verteidigte der sich kaltblütig. „Ich kann doch nur nach den Zeugnissen sehen. ^a,s rst alles nur Ihre eigene Schuld, Herr Baron. Hätten Sw sich nicht in Fräulein Hedwig verliebt, so wär sie l>eute noch da. Und der Herr Inspektor auch." Der Baron biß sich auf die Lippen, stieg in den Sattel und ritt zur Maschine. Denn sie stand wieder einmal still. Fortumhrend zeigten sich kleine Schäden an ihr, die aber mit Hufe des Schmieds schnell gehoben tverden konnten. Doch ein halber Arbeitstag ging immer drauf. An der Bedienung tonnte es nicht liegen. Der Maiin tvar aut angelernt und gab fleißig acht. Auch lief die Lokomobile inimer tadellos, nur der dickköpfige Dreschkasten Nullte nicht recht, wie er sollte. Er fraß iinmer noch an dem ersten Schober herum. Die Schnitter nmren weit voraus. Sechs ^^Getreideschober hatte Thomas Hauschtld schon ge- fw>t s2 a 5p i L- ba llHebcc los!" schrie der Baron, als er bei der Maschine angekomrnen war . kraptc sich hinter dem Ohr und mies aus den Kasten Da. hatte sich etwas festqehakt Er hatte sied lange vergeblich bemüht, es zu finbct,. ^ sichtig^ I,nl> JUm ®^ micb geschickt!" meinte er vor- „Ach was!" rief der Storni. „Der hat den qanzen laufen,, öer ^ l,n ä*- Dreh an, cs wird sich schon wieder frei Zögernd griff der Man,! nach dem Dampshebel „Dreh an! Los!" schrie Fritz von Winkelberg, ungehalten über diesen neuen Aufenthalt. ^ömte der Dampf in den Zylinder. Der Treibriemen ruckte einmal an, im Misten krachte es dumpf, ol^oltre ein Felsblock den Berg herunter. Als der Schmied K e . me ~ ^ ll,en Stuiide kam, konnte er nur feststellen nu? in^SuM^'^ gebrochen wer nmi-e M-in mechanisch sein Pferd lenkerrd, beschüstigleu sich seine Gedanken owre unterlaß nrit seinen gefalndelen Berwandten. Bor reichlich einem Hallen Jahr hatte er seinen letzten Besuch auf Ban>- din aeniasl t Frohen Herzenls n»ar er daurals zu dem alten Stannn- sitz fernes Geschlechts geeilt, der Liebe seiner Base Ära sick>er, kä'n ibm nicht der leiseste Gejdanke an ein mögliches Veto seines Dnkels. Doch das Unerwartete geschrh. der mte Herr versagte feister Bicte um die Hmrd Doras die Zustimmung. „Es tut mir leid um euch beide miein Junge, aber Bandin verlangt einen Herrn, der nickst nur üandnnrt erster Klasse ist, sondern auch das nötige Kapital besitzt, ba3 Gut loieder hoch zu bringen. Du bist weder das eine, noch besitzt du daS andere und insolgÄ>essen kein Eidam nach meinem Wunsche. Ich habe mein Leben lang nnr eine Sorge gekannt und zwar die um Bandi,r. Du begreifst nickst, was es mach gekostet bat, dem Erbe meiner Väter zur Liebe zu leben. Ein ganzes Menschenalter voller Arbeit und Müh- ging drauf, ohne daß ich bas mir gesteckte Ziel erreicht habe uiw du nnrst ^greifen, daü ich die Frucht all der Jahre nicht leichtsinnig auss Smel letzen darf und deshalb bleibt cs bei meinem Nein." Horst kannte seinen Onrel und wußte, daß dieser Bescheid unabänderlich ser und so kam cs denn anr -Übend in eiusmi versckuoiegenen Winkel des Parkes zu einem tränenreicheir -lbschted. -an andern Morgen verließ er vor Tau und Tag Bandin mit dem festen Vorsatz, es me meist,nieder »u sel)en. Ein leiser Riuf aus den! Trupp seiner Leute ließ Horst den Blick heben und init einem Sckilage stoben die schmerzlick>en Er- rmrerungen divon. Bor ihn! sctstnmuerte durch niederes Unterholz vom Walde getrennt die Steinmauer c>«S B^rndiner Parke-s zu ihm herüber. Er griff in die Zügel und schioma sich dann aus dem Zattel, durch einen halb!la»tten Befehl seine Dragoner zu gleichem Tun auffordernd. Bon seinen früheren Besuchen her erinnerte sich Horst einer ru diesem Teil der Mauer befindlichen Tür, die seinem heutigen Unten!ehnmn Vorsckmb leisten sollte. Bald war diese erricht, ihr verschlossener Zustand erwies sich als ein nur geringes Hrnderiüs und lvenige Minuten später sah sich dir kleine dwteilung den Wirtsck^ftsgebäuden des Gutes gegenüber. Ene im Znnschen raum zweier Ställe errichtete Brettertür schloß hier den Hos von, Parke ab, gestattete jedoch dank ilster Breite ein geschlosse^le? Vordringen der deutschen Reiter. „So mein Junge!" wandte sich Horst nun an den Flüchtling, „du nnrst nun Umschau halten, loie stark der Feind ist und wo seine Pferde stehen. Beeile dich und benimm dich möglichst un^ befangen, damit du keinen Verdickst erregst." Während der Bursckie jenseits der Tür verschwand, bereitete der Leutnant seme Leute auf den bevorstehenden Zusammeuchm vor. Enies Ansporns bedurfte es nicht, dnm alle bräunten daraus, M!t den Kosaken handgemein zu loerdeu. Den Säbel in der Faust nahm Horst gnade seinen Platz an der Spitze der kleinen Schar ein. als iidi ww ein Wiesel die geschmeidige G umher, «m paar von ihnen liegen vor der Scheune im Stroh Und schlafen, ihre Pferde stehen im großen Stall an der Straße da liegen auch ihre Gewehre." „Dann sind sie in unserer .Hand, denn daß sie weder Pferd noch Gewehr in die schmutzigen Finger bekommen, dafür roei-est wir schon Sorge tragen. Mach' oas Tor auf Junge und dann, drauf aus das Gesindel." Wie der Blitz war der Junge am Torflügel, den er krachend an die Wand des Gebäudes man, mit donnerndem Hurra spreng, ten bi* Dragoner in den Hof. Im nächsten -lugeublick war derselbe erfüllt vom Toben eines kurzen Kampfes. Wilde Flück^ in rusiisa/er und deutscher Sprache durchschwirrten die Luft, hallender Kampnmf der Dragoner antwortete bau Todesschrei nieder- gestoßener Kosaken. Tickst an der Tür des Stalles traf Horst vor! Bandm auf den Wackstmeister der Uederfallenen, der ihn mit gezückter Klinge wie eine Wildkatze anfiel. Ein Hieb schleuderte dem Kosaken die Waffe aus der Hand und ein zweiter eriedigle den Mann. Noch nn paar Schüsse aus seiner Mauserpistole, die chr Ziel nicht vecsehlten, und jeder Widerstand brach zusammen Ein HäusckMi von sieben Kosaken, keiner von ihnen ohne Wunde, trieben die Lanzenspitzen seiner Dragoner am Trog des Brunnens zusammen. Mit einem Gefühl freudigen Stolzes lenkte der junge Offizier sein Pseöd der kleinen Freitreppe des Herrenhauses zu als die Tür desselben krachend aufflog und in ihrem Rahmen die beiden russischen Offiziere ersckstenün. Mit einem Satz überwand der längere derselben die Treswe und im glichen Augenblick pfiff «ine Nevolverkuael dicht aii Horst vorüber. Ein« zweite solgre. dann warf die Klinge des Dvag^mers den Feind zu Boden. Ein dritter Schutz dröhnte von der Hühe der Treppe hernieder, und «in heißes Gefühl durchrann die Wang« des Deutschen, dessen Mftolenmündui.g den Feffid suchte. Der Knall zweier Schüsse ver- fchinolz zu eiste-M, und während der Russe leblos zu lammen brach, sprang der Kläger auS dem Sattel und stieß wenige Augenblicke später tne Tür des großen Wohnzimmers int ersten Stock auf. Tie Hand am Helm rrat Horst auf den im Lehnstuhl iitzerrden alten Herrn zu. „Melde gehorsamst lieber Onkel, daß Balcdin von seiner auf- gezwungenen Einquartierung befreit ist. Ein heller jubelnder Aufschrei t --- ----- von »veibltchen Appen und die schlanke an der Seite des LehnFruhleS stehende Mädchengestalt flog aus den Sieger zu. .Horst, mein Horst!" alleS übriae ging in der stürnnschen Umarrnung und der Begegnung zweier sich suck)en- den Livl>enpaare unter. „Dora! — Madel — zum Donnerwetter, erdrück mrr den Jungen nickst imd schließt mal vorerst die Tür. damit sich der Franz vor lauter Verwunderung draußen keinen Sck-aden tut." Das laute Poltern das alten Herrn trieb die Liebenden auseinander. „Komm Junge, die Zeiten hirben sich geändert und meine Li.elnu!!g mit, du bist mir als Sch.'mrgersohn jederzeit willkommen, j>enn ich bin überzeugt, daß du jederzeit, genau wie heute, den Boden BaudmS rein ballen wirst von allem Sckxil-lichen. So Horst, das wäre erledigt und nun zu wickstigerem, tvie steht es mit unserer Provinz - Werdet ihr dieses Ungeziefer nicht bald zum Laude hcmusscklagen?" .. "^)r sind dabei, Onkel! Generaloberst von Hindeuburg hat die Ruisen l^ei Taimenberg bis zur Vernichtung geschlagen, und wenn Gott irciter zu unseren Jahnen steht, wird kein Moskonntcr wieder den Fuy am ostpreußisck-m Boden setzen." < . " «ort sein Junge mrd nun Tara, nimm dich dclneS Zukunfttgen Ml. Still' ihm den Riß an der Wange und den Huiiger. deiul ein tüchtiger Drescher verlamst auch derbe Kost und «inen Kuß rechnet man im allgameiuen nicht dazu. Vergiß auch die Mideren draußen nicht, sie haben eS reichlich um uns verdien!." Während der alte Herr behaglich schmunzelnd in seinen Stuhl sank venchromtden die berdan Glücklichen, den Schöpfer ihres Bundes allem lassend. TLohlig delmend streckte sich dieser, die große Freude dieser Stunde batle die schnrerzende Gicht in die Flmht aetneben und seine Gedanken n»alvderten zurück in jene Zeil, in der er als tunger DalN sein Roß auf fränkischer Erde tununette. iiirschenzeit. Ein Neuntel unserer deutschen Obstbämn« bilden die Kirschl'äuine. nämlich 218W 088 Stück. Der Anbau der Kirsche u»eist im Deutschen Reiche ^trckchtlicbe Unterscknede auf. Während nach den Ermittelungen deS Aü)res 1900 m ganzen Reickw auf einen Quadrate:lometer durchschtittt« lich 40 .Kirschbäume kamen, beherderate unser kirschen- reichsreS Griffet, das Herzogtum Sachsen Alteuburg. nicht tuenigcr als 164 Klrfchväume airf her gleichen Fläche: ihm olgteu der Regierungsbezirk Merseburg mit 149. die Kreis- bauptmannsck-aft Leipzig mit 141, das Herzogtum Andalt mit 137 und die Krei-hauptmannschaft Dresden mit 1^4 Kirschbänmen auf 1 Qutü)ratkrlometer. Dagegen wurden m Wlirsck>baum irn Jahresdurchschnitt 10 ttfflogr'amm F-rüchle tragt und daß — 420 vier Fünftel der vorhandenen Bäume ün traafähiFen Alter stehen, so ergibt sich für eine mittlere Kirschenernte ein Umfang von etwa 171 Millionen Kilogramm; hierzu tritt eine Ern fuhr in Häshie von 6 bis 10 Millionen Kilogramm. Unser Jahresverbrauch an Kirschen würde sich Hernach für den Kopf der Bevölkerung auf etwa 5 l / t Psund stellen. Bei den Auslandsbezügen handelt es sich zumeist um Frühkirschen, die aus klimatisch begünstigteren Ländern ein- geführt werden. Der Hauptlieferant war bisher Italien, das in den letzten fünf Jahren Mengen von 31 000 bis zu 63 000 Doppelzentner im Werte von l 1 /* bis 2 1 /* Millionen Mark sandte. Dann kamen Frankreich und Holland', deren Einfuhr in günstigen Jahren nur wenig hinter den italienischen Lieferungen zturückb'lieb; Frankreich z. B. sandte im Jahre 1912 32 338 Doppelzentner, Holland 26 293 Doppelzentner Kirschen. Wesentlich geringer sind die Zufuhren aus Oesterreich-Ungarn (Tirol) mit einem Umfang von 4000 bis 5000 Doppelzentner im Jahre. Die Urheimat der Kirsche, sowohl der Süß- oder Vogel- kirsche als auch der Sauerkirsche oder Weichsel, sind die Länder des westlichen Asiens. Doch kam die erstere, wie zahlreiche Pfahlbautenfunde bewiesen, schon während der vorgeschichtlichen Zeit in wildem Zustande in Europa vor. Die heutige Kulturform der Süßkirsche gelangte durch die Vermittlung der Miner schon früh bis an den Rhein und nach Britannien. PliniuS lobt besonders die hervorragenden Eigenschaften der belgischen Kirschen. Die vielseitige Verwendung der reifen Früchte zur Bereitung von Kompotts und Kuchen ist bekannt. In Suddeutschland und in der Schweiz stellt man aus ihnen den Kirschbranntwein, das beliebte Kirschwasser, her, aus Dalmatien kommt der gleichfalls aus einer Sauerkirschsorte bereitete Marasckinolikör. Das Holz des Kirschbaumes wird vom Tischler und Drechsler gen: verarbeitet, die Blätter dienen als Tee, aber auck zum Gurkeneinlegen. Aus dem fettreichen Samen wird ourch Auspressen ein gutes Oel gewonnen. Wenig bekannt dürfte sein, daß sogar die Sten- g e l der Sauernrschen einen Handelsartikel bilden. Diese werden wagenladungsweise in Frankreich und Amerika bezogen, wo man aus ihnen ein beliebtes Hustenmittel bereitet. Vermischtes. • Waü der Haushalt eine? Milliardärskindes kostet. Wie man sich erinnert, hat beim Untergang der »Titanic* auch der »Colonel* John Jacob Astor, der bekannte Milliardär, sein Ende gekunden. In seinem letzten Willen hatte er iür seinen dainalS zu erwartenden Erben den Betrag von 12 Millionen Mark ausgesetzt, wovon jährlich aus einen Zinsenertrag von über 550 000 Mk. zu rechnen war. Die GerichtSstelle aber, in deren Hände die Verwaltung der Vermögens der Wage gelegt ivurde, trat die Bestinnnunq, dab der Witwe Aktors jährlich für ihren und ihres SöhnchenS Unterhalt »nur* 80 000 Alk. auszuzahlen feien, während der Rest gespart und im Interesse des KmdeS dein Vermögen hinzugefügt werden sollte. Jetzt hat nun Frau Astor bei dem Gerichte die Rechnungen über ihren Verbrauch seit der Geburt des Kindes im August 1912 bis zum Januar 1915 ein» gereicht. Danach hat in dieser Zeit der Unterhalt des Millrardärs- söhnchenS den Betrag von über 250 000 Mk. bereits erfordert. An WohnnngSmiete iür den kleinen Astor hat die Mutier den stattlichen Betrag von 84 000 Alk. 311 zahlen gehabt, während die gesamte Führung seines Haushaltes in der gedachten Ze,t nicht unter 120 000 Mk. zu bestreiten war. DaS sind nun bloß die Kosten iür den Kleinen; Frau Astor selbst hat iür sich in derselben Zeit 408 000 Mark verbraucht, so dab ihre Allsgaben iür sich und ihren Sohn vom August 1912 bis zum Januar 1915 sich im ganzen aus rund 665 000 Mk. belausen haben. Da sie für diese Zeit voill verrichte noch nicht ganz 240 000 Mk. angewiesen erhielt, so ergibt sich eine sehr erhebliche Spannung zwischen dem Verbraliche, deil sie iür sich und ihren Sohn für »merlählich hält, und den,, waS das Gericht ihr zu diesem Zwecke zubilligt. Sie hat nun bei letzterern den Antrag gestellt, daß die ihr zur Verküglmq stehende Summe wesentlich erhöht iverde, um so in die Lage versetzt zu sein, sich und das Milliardärskilid »standesgemäß* zu erhalten. Ganz spaßhaft ist übrigens in den Rechnungen der Jralt Astor der Bosten, wo- nach lie in dem gedachten Zeitrauine nicht weniger als 32 000Mk. üir Anwälte hat ausgeben müssen. Dagegen haben Spielzeug und Kleidung de- Mtlliardärchen- in 2'/, Jahren nur 20 0uü Mark erfordert. * * ? 8 an u ^1' f ^ e . Kwab a l s d e u t s ch e s Volks- trank. Wenn wir im allgemeinen auch gewöhnt flnb, den • uc °? Nationalqetränk anzusehen, so ist es doch etgentlich inehr der Kwaß, der diesen Titel verdient. Ja, diesem sollen so köstliche Eigenschaften innewohnen, daß er es verdiente, an Stelle des Bieres das deutsche VolkSgeträiik z,l iverde,Kwab ist ein billiges, alkoholarmes, sehr erfrischendes Getränk, das aus einem Gemisch von Mehl, Malz, Brot, mit oder ohne Zucker cut- steht. ES kann von jeder Hausfrau nach Geschmack bereitet werden. Tie Gärung wird durch lein besonderes Kwabier,uent erzeugt, sondern durch Hefe, die an Rosmen klebt. Prof. Ködert, der Rostocker Pharmakologe, der den Kwab vo>, seiner russischen Tätigkeit her kennen gelernt hat und der seine Einführung warm empfiehlt, gibt in einer bei Tausche-Grosse erschienenen Broschüre nicht weniger als 70 Rezepte zur Kivabbereitnug. Auch a,»S Aevfeln, Birnen, Kirschen kann man ihn Herstellen. Besonders alS Getränk für Soldaten ist er geeignet. Tie ruffifcbcu Regimenter führ»... Kwaßkocber mit sich, die sicherlich sich auch »luter unseren Beute- stücken befinden. Sie würden unsere Soldaten seine Zubereitung lehren. Vüchertisch. — Sammlung von Schriften zur Zeitgeschichte. Band 6: Die Fahrten d e r E in d e n und d e r A y e s h a. 9tach Erzählungen deö Kapitäulelltnants v. Muecke, seiner Offiziere und Mannschaften von Emil Ludwig. , herrlichen Taten deS Krieges nimmt die odysseische Heldenfahrt der Emden «lid der Ayesha einen besonderen Rang ein. Wir wissen darüber jetzt Authentisches. Einil Ludwig fuhr der fast sagen- berühmten Emden- und Ayesha-Manns i>afl entgegen, er traf sie in der Wüste lind begleitete ihren Triumphzug bis nach Konstaiittnopel. Selten fügt es das Geschick, dab ein Kriegserlebnis sich mit solcher Schönheit ivte von selbst zum Heldengedicht abrundet. — »Der K r i e g s st r n w ,v e l p e t e r.* Unsere Feinde in deutschein Witz. Wir haben genug Proben gesehen, daß auch angesichts der grobe» und schweren Ereignisse dte gute deutsche Laune bestehen bleibt; ein Teil dieses Geistes steckt in einen. Buche, das den uns allen vertraut klingenden Titel: »Der Kriegsstruwwelpeter* tragt. Da tritt uns in lustigen Bildern und flotten Versen der »Bombenpeter" entgegen, »der mit Haut und Haaren sich verschrieb dem Zaren, Ränke spann bei Tag und Nacht* ns,v. Dgnl, ^er »böse Nikolai*, der die »deutsche Dogge* prügeln will, »aber in eine Stelle, die eiupfiudlich*. von ihr gebissen ivird und dem der »kluge Doktor" schlieblich »bittre Arznei* reicht mit den Worten: »DaS beste Mittel, das ich fand, Für Bosheit oder Unverstand Ist Wasser aus M a f u r e n l a n d.* »Mariancheli* spielt mit dem Feuerzeug »Revanche-Ideen* in der trügerischen Hoffniing: »Den Brand wird löschen schnelle Die »Herrscherin der Welle*. Tie drei bösen Buben necken den Michel. „Da kommt daher der W i l h e l m baß Mit seinem großen Tintenfaß Und tunkt sie in die Tinte tief, Wie auch der Franzmann: »Japan* riest Der »Zappel-Bevpo* schaukelt fo lauge, bis er unterm Tisch Ueat. »Ter John-Guck-in-dle-Luit* fällt am Dardanelleiistrand tnS Wäger »erklärt dann aber später allen, er sei nicht hineingefallen. Doch il, Wahrheit war er naß, O, eS ivar ein teurer Spaß!* Besonder« lehrreich ist es auch, einen Vergleich zu ziehen, wie unsere Feinde in diesem Buche und >vie >vir in der entsprechenden englischen, französischen und italienischen Literatur ' behandelt werden. Der Witz unserer Gegner erschöpft sich im allgemeinen in unflätigen Beschimpfungen, nicht zum wenigsten der Person unseres Kaisers. Es ist erfreulich an diesem Buche, dab der Witz bei aller Sa ärfe und Deutlichkeit gesittet bleibt und niemals bösartig wird. Es ist im Holbein-Berlag in München erschienen. (Preis 2,40 Mk.). verierrätsel. Herr Salomo wollte das Kindlein zerteilen; Nun mag ihn das nämliche Schicksal ereilen. Der richtigen Halste gesellest du Einen deutschen Bauernbnrschen hinzu. Und hast du zum Mineral sie verbunden, Co hast du schon etivas von, Pulver erflmden. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummer: A Erz Brand Arabien Brie g Reh n Schristleituna: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brübl'schen Universitäls-Buch- und Steindruckerei, R. Lange. Gießen