Lurück zur Scholle. Koman von Ewald Gerhard Seeliger. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Herr Schulrat Hupfer bat beantragt, die Schute in eine Halbtagsschule zu verwandeln!" verteidigte er sich endlich. „Zweiundsiebzig Kinder aller Altersstufen gleichzeitig zu unterrichten, das übersteigt die Kräfte eines normalen Menschen!" „So!" fuhr ihn der Revisor an. „Also Ihre Kräfte reicl>en nicht aus. Ich werde mir das merken. Sie werden mir jetzt das Haus und den Garten zeigen, damit ich mich von dein ordnungsmäßigen Zustand des Schulgrundstückes überzeugen kann?' Moritz Gaffel schritt voran, und Doktor Schrill folgte. Beim Bienenschuppen machte er halt, aber in respektvoller Entfernung. „Ich zähle da zwanzig Bienenkörbe!" rief er drohend. „Das ist zuviel. Das lenkt Ihre Aufmerksamkeit von der Schule ab. Das gleiche gilt vom Garten. Sie verkaufen auch Gemüse nach gdurotschrn. Ich« finde das ganz ungekorig. Sie haben doch.Ihr Gehalt Die gehen auch auf die Jagd! Das ist für einen Lehrer einfach unpassend!" „Der Herr Baron von Winkelberg hat mich darum gebeten!" „Und weshalb verfällt er grade auf Sie? Ich warno Sie hiermit vor diesem Menschen! Er ist kein Umgang für Sie. Sie verkehren oa drüben. Ich weiß es. Sie haben an Wahlversammlungen teilgenommen Das untersage ich Ihnen hiermit. Sie traben Ihre Kollegen beleidigt. Sie haben Streitigkeiten im Lehrerverein hervorgerusen. Sie haben da einen Bortrag gehalten, der geradezu revolutionär war. Ich bin über Sie vollständig orientiert." „Das sehe ich!" knirschte Moritz Gassel und ballte die Fäuste. „Und ich kenne auch den Denunzianten!" Doktor Schrill überhörte das letzte Wort vornehm. „Womit verbringen Sie Ihre außeramtliche Zeit?" „Ich bereite mich ans meine ztveite Prüfung vor." „Sie gehen mit den Kindern am Sonntagnachmittag über die Felder und in den Wald. Dabei nehmen Die mit Borliebe die größeren Mädchen mit. Ich verbiete Ihnen das hiermit energisch!" Moritz Gassel rang nach Atenl. Das war ihm doch zu starker Tabak! „So eine infame Mederträchtigkeit!" schrie er. Da inachte Doktor Schrill aus dem Absatz kehrt und ging zu Sebaldus Pohl hinüber, dem er ein sehr gutes Zeugnis schrieb. DaS war ein Mensch, der ein inneres Interesse an der Schule hatte, der sich auch um die sittliche Hebung des ganzen Lehrerstairdes bekümmerte und der durch seine lvahrheitsgetreuen Berichte dem Kreisschulinspektor Doktor Schrill das säpvere Amt nach Möglichkeit zu erleichtern bestrebt war. Als Moritz Gassel sein Protokoll überlas, stiegen ihm die Haare zu Berge. Aber er warf die Flinte nicht ins Korn. Mit angestrengtem Fleiße prägte er fich den pädagoglscl>en Wissensstoff ein. Jetzt wollte er es erzwingen. Nur an Ae- baldus Pohl durste er dabei nicht denken. Dann liefen ihm die Gedanken durcheinander. Und als er lvieder einmal mit dem Baron Schach spielte, schüttete er ihm sein Herz aus. lächelnd hörte Fritz von Winkelberg zu, dann warf er ein paar Zeilen auf einen Briefbogen und reichte ihn Moritz Gassel fyiit. Es war eine höfliche Einladung an den Kreise schu Inspektor, die Gemarkung Britzkawe von nun an als fein eigenes Jagdgebiet anzu sehen. „Das geben Sie ihm, wenn er wiederkommt. Die drei Hasen, die er das Jahr trifft, können wir schon verschmerzen." Moritz Gassel dankte, hob das Schreiben sorgfältig aus, faßte w-ieder Mut uitb repetierte für die Prüfung, daß ihm der Kopf rauchte. Er dachte an nichts mehr, nicht einmal an Sebaldus Pohl, und pfropfte sich unermüdlich den Wissenswust in das Hirn. Sogar seinen Garten vernachlässigte er darüber, und zwei Schwärme gingen ihm durch. Doch er konnte sie verschmerzen. Als der Termin herankam, an dem die schriftliche «Arbeit abgeliesert iverden sollte, fühlte sich Moritz Gassel so siclier, daß er seinen revolutionären Vortrag über das Thema „Die Dorfschule als Standesschule" einsandte. Er wollte diese Gedanken, die sein Eigentum waren, vor aller Welt verteidigen. Vor Pfingsten reiste er nach dem f(einen Oderstädtchen, wo das Seminar war. Noch am Abend meldete er sich bei dem alten Seminardirektor, der, ein verknöcherter Pedant, ihn sofort schief ansah, weil er schon nach zwei Jahren wiederkam. Und der Aussatz mit den rabiaten Forderungen tat das Uebrige. Im Gasthaus, wo er übernachtete, traf er mit einigen seiner früheren Seminargenossen zusammen, die, vor sich das Bierglas, in der Hand das Lehrbuch, drausloS büffelten, als hinge ihre Seligkeit davon ab. Moritz Gassel lachte sie aus und schlief fc| ( t und tief. Die schriftlichen Klausurarbeiten und die Lehrprobe verliefen ohne Störung. Erst am dritten Tage, als die beiden Vertreter der Regierung und des Schulkotlegiums erschienen, um d-er mündlichen Prüfung befzmvohnen, gingen Moritz Gassel allmählich die Augen auf. Die Prüflinge lvaren in Gruppen zu je acht geieilt und wurden in diesen Formationen von einem Zrmmer ins andere befördert. Moritz Gassel war der Letzte der ersten Abteilung. Er kam immer erst an die Reihe, wenn die anderen schon hmansgeschickt ivaren. Und da HIatte er denn Zeit, über diese hochnotpeinliche Einrichtung sich einige Gedanken zu macl>en. VUrn prüfte nur das Gedächtnis, fragte nach Daten und Zahlen, nach psychologischen Tabellen und Dispositionen von Erziehungsgrundsätzen, kontrollierte die des Gehirnkastens aut ihre Füllung und machte einen Fehlstrich, wenn eins in der Hast der letzten Wochen leer geblieben war. Fragte einer der Lehrer, für die — 394 — eö übriaens auch eine schtvere Prüfung war, nach einem allgemeineren Thema, so mußte sich der Prüfling, wollte er Unterbrechung vermeiden, streng an das vor ge schrie bene Lehrbuch halten, dessen Versasser ihm alle diese Dinge musteranlttg vorgedacht hatte. Me hatten Angst, waren nervös und schwitzten, manche rangen ber ihren Vorträgen die Hände und stotterten, airdere schwatzten das Blaue vom Himmel herunter, wenn sie das gestellte Thema nicht beherrschten. Moritz Gassel war ruhig. Er sah die Pein seiner Vorgänger und bohrte einstweilen mlt seinen stillen Fragen. Was hatte dies alles, tvas hier abaefragt würde, mit der Schule zu tun? So konnte man Professoren fragen, die dw Pädagogik als ein wissenschaftliches Objekt betrachten, nicht aber junge Schulmeister, die pädagogische Subjekte sein sollten. Und weshalb dieser ganze unsinnige Betrieb? Anstatt den Prüflingen Gelegenheit zu geben, ihre Fertige leiten den Indern gegelftiber zu zeigen, ftagte man sie hier nach diesen Fertigkeiten. Wer arn besten zu schwatzen wußte, bekam sine gute Note! Wer das ganze Lehrbuch bis auf die Deckel im Köpft hatte, erhielt Nummer eins. War es nur "lodre, die hier ailsgeführt wurde? Wozu überhaupt das Gedächtnis belasten nnt Dingen, die eineni jederzeit im Buche zur Verfügung staiiden? ^ ^len chm plötzlich die Schuppen von den Augen. lossen. Ein Ausdnick von v^Lim. iwÄtSfÄ ,,Ja, es ging sehr einfach int Kantorhause zu, Herr Leutuant bxo rri * er oroße und sechs klLe Ach Ls sürd ^ s rCI V, ist immer einen halben Kops kleiner als das H? a&en ^ Etck blaue Augen?" sasfr” 1 " ——' h&sssgi ffc&r.'s s fielt alten Dörfliche, um die abends die Fledermäuse slatteNenU gKfcien Kindern, Me am 2Bete mit Sonne, Mnd Unv gelben ^ErnspieltQr Bvn ihren Mnderträumen erzählte sie. Sehnsucht war, mal in einer Kutsche zu fahren. Ach badete nur tnmckr ein, eS mühte ein Prinz gefahren koin^ UfE 1 './** toüröe halten, imb ich würde in die Kutsche steigen Und MU ihm davon fahren, und alle Leute würden auS den Däusern Ä r o n t. mein . e und Geschwister. Ja, so träumt Man sich das Leben als Kind." ,, , fl lächelte. „Ich kenne das. Als fletiter Imme träumte ich, >ag ich mal em grotzr General würde, und Äs dann der Krieg o? nmrbe Kindheitstraum noch einmal lebendig. Jetzt ^aUes aus. Ich bin auf Monate hinaus nicht einmÄ feldMmst- Sie tröstete Traum nicht in „Man darf nicht murren, wenn mal «in lung geht. Ich fange immer wieder einen neuen Traum, an, der Wt "dann Kälber hinweg „Wovon träum>en Sie denn jetzt, Schwester?" n*^ fid & rasch Ach, das weiß ich nicht mehr. Uabrmens, Meine Zeit rst um. Jetzt wird gemessen1" - L u ? tc eine Landvolk Fieberthermometer hervor und schob ihm erneS davon unter die Achselhöhle. Dann Ana sie hinmrA, tu dr^enr AugenMck erschien dem jungen Omznr das weih- getünchte Lazarettztmw'er noch einmal so kalt und öde wie vorher. An einem schönen Son ntagnachmittag im Mai hielt vor dem .azarett ein hübscher Landauer. Leutnant Wilkens hatte sich den wagen für eine Ausfahrt in die Umgehung Hamburgs bestellt. /" aiTen ^krste er zur völligen Genesung auf das vätep iche Gut. Heute wollte er den schönen Nachmittag für eine, ' lug benutzen, und er hatte dre Oberin gebeten, chnr Sc Nrene als Begleiterin mitzugehen. . Srestiegenetn: der mnge Leutnant noch ei» wenig ber hAschen f^dgrauen Uniform, gestützt aufSchwefterM-sen^ ^ T-re schaute sehr ernsthaft drein, obgleich sie sich ftn Gründe tl jungen Herzens auf die Ausfahrt kute. Auf dem Bvck saß es Leben wie trillerten in blauer Luft. Hüllen hervor. m Hallen roll^ die Chaussee, entlang. Der Kutscher ließ die Pertsche über dem Rücken des Pferdes Kielen, ohne eS zu berühren. Entfernte Dörfer mit fcmanken Kirchtürmen tauchten am vonzont auf. Fntz Wilkens unterbrach das Sck-weigen. "Noch nn paar Tage, dann gehe ich fort." Sie nickte. „In Ihre HeitMat." r$ a ltzrnn lvohl Wiedersehen?" Sie fühlte fernen Wrck und sah aü ihm voE in die Ferne "^bnnen Sie die Kgendhierberum, Schwester?'' ist ^ »inten links - M . - 5hr HeimatSdors! Wissen Sie, Schwester Miene das möchte rch mir mal an sehen. Sie haben mir soviel davon erzählt*" ßf "Wenn man so erzählt, ist es gern; hübsch, aber in der Wirklichkeit sieht es ganz anders auM wX^Z x " mtmm Mn 4 if ‘ dn « ft**- ä; isaw^ u«, lwe fid) m und d°g nach links ab. Er ^,n!.D^unge Offizier lächelte zufrieden. „Ich must meinen Willen fefc mm nn™ 1 ? Elternhaus« ßalien und Sie können itW "' die wäre» gewätz seit langer Zeit "Seit AnSbvich des Krieges nicht mehr." ^khen Sre. «s war ein guter Gedanke von mir." T.L L",L «&•*■ ~ÄrrÄ&SÄr,nf«yr , Ä : Neu Füssen steckten in Holzpantoffeln Es ta en Jwf«n und Mädchen. Sie hangen an den Wagen „nd schrim 'Durra Mi^sitt i°n"de Kn.En? d" Mieneschzoestel sehns!" „Wollt ihr wohl, ihr Gören!" Sckiivester Miene drohte mit geballter Faust. Der Chor antwortete: „Ri ra rutsch — Miene sitt in de Kutsch." tem ffii„r„ t£5“* Junge"schiug°°ächt vor "Kurra, Miene sitt in de Kutsch!" Er lachte ^ ""'kehren," bat die Sck),vester. dreckige Bande her?" totn,','11$$ md " l! Wemen Geschwister." antwortet« ,i« mit schäm- "jgp 1 — Ich! ■— Ochs, G- ,M ra ruffch — wir fahren in dt« D«nd erhoben, da saßt- der tsm „ä eis «&■ *** j** Miene einen herrhaft tun. ÄS hatten ft »4ta dem KntÄer mit"ita 'ZA^ch^n^'^ Der Waaen rasselte durchs Dorf. ' und traten vor die LxmStüwn. W.-ervvr. ES kmn Leben in das , c öjtß Wilkens hielt noch immer ihre „Hattest du es dir so vorgestellt?" Sre schelte glückselig. ,^Ia, . ' Fünf Minuten später hKt di e» „Ick graMeer dT r Ein Meister des deutschen Lieder. Zmn 1(X). Geburtstage von Rob«rt Fran». 38 Inn, Ersck»etnnng für Ü Ä SS* 1 » Än S£Ws«wÄ j wi fö präges und emen sicheren Luft wahren aewuftt an brm Mhfr m,b ,y-anrÄ.^WebfotJ^Snt VhS Enge 2^Sl n ' c kjch langsam und Unter harten Kämpfen empor- »narbeyen gehabt Franr entstanrMte einer aki«.,, tn Dolle, deren Rauten eigsntlich Knauttz w ' rebrge Verwechslungen mit seinem Bruder »i vermeiden' in Dalle allgemein Franz gerufen .ns dem s-ÄiLtch auch dw ’Jtrnmae fffltSSmfi längst bxrützi-t «machten Nantas mr§° »ÄT 4 S fe US Tt uuqs tagt — »yt füntt »egabmq nt der Regel auf die nmkderliche Seite zUrückMuaehen c m dem Jungen schlummerte das nrusifalifche Talent bis er 14 Iabr! ^ war und ganz zufälljg ein altes spinettartige- Qntonantnt eiifcbecfte. Bon dem Augenblick an aber brach die Flamme in heller Glut empyr; tr ruhte nicht, bis er mft Ht^e der Mutter das In- STZH* 1 * fö ne ^acht und hie ErlaichniS -um Maoier- unterrickit ErhÄt«r hatte. Tu ging es oenn sonderbar' in wenigen 7 ^dren ha^e sich der junge Franz bereits ber allen Ätusiklehiern br den Organisten ^yoralsvlele und (Tö.if _ b . r I wie er fiifWbft hat, mHkEiLt W^rndTim D« #u|if verlangte. Mit Widerstreben »oilNÄe der ^r et»und Franz wurde zu y-riedrich Schneider nach Dessau kam nuu dreser gärende fein empfinderche j,mge Künstler nicht an die rockte Quelle. Wohl onpfing er einen cii nun nach und nach bessere Zeiten an. Cr wurde jetzt „jemand"! er lvar der angeselxmsw Musiklehrer der Stadt, wirkte als Organist an St. Ulrich, bekleidete die Stellung des Universitätsmusiklehrers und leitete die Hallenser Singakademie. Nach und nach wurde er der „alte Franz!", oine in der Siaalestadt wohlbekannte Personliä-keit, bereit Erscheinung jetzt SchaperS Denkmal auch den späteren Ge schlechter!! getreulich aufbewahrt tjiat. Dabei ging Franz als Künstler, ohne nach rechts tlnd links zu sehen, unbeirrbar seinen oigenen Weg. Me hat er sich dazu verleiden lassen, das Gebiet zu überschreiten, das er als das seinige empfand und ansah: das Gebiet des Liedes. Er sagte einmal, indem. ec sich mit Ricl-ard Wagner verglich! „Mck>ard Wagner ist der Mann iveiter Wünc, ich verschmähe solche Schleuder undgehe lieber mit demSpitzhanimer auf einen Fleck los." Sein Werk umfasst im gdnzen nnist nrehr als 279 Lierder, aber „in dieser Arurut welche Fülle!" Tie Eigenart des Franzschen Liedes^liegt toolrl zunächst und vor allem in seinem tiefen Verständnisse für das Dicht ernvrt ltnd in seiner unerschüttealick-en Ackjtnng davor. Er ist kein Dramatiker, er ist ganz Lyriker. Er erfaßt das Gedicht von seinem Kerne ans und baut auf diese,n Grunde die Vertonung auf. --tu der Strophenform bat er immer festgehalten. Seine Mleiodien sind schlechthirt, Nar, sein, einprägsam.' die Töne, die ec ans seiner Harfe hat, mannigfaltig: fte gfrlten vom tiefsten Leide lstnüber bis zum neckischen Uebernrute. Ein Hauch zartester Empfindung, de,n Dufte einer Blüte unvergleichbar, ist zuletzt das, n-as an seinen Liedern das eigentlich Franzsche ausmacht. Ein scknveres Geschick betraf den Meister noch in seinen alten Tagen. Er verlor das Gchör. Hart, hart wurde es ihm, sich in dies Leid zu schicken, und ber durch viel Bcrkeitnung ohnelstn sclwn rockst t^erbitt-erteKünstler, konnte in seinen späterenJahrcu zntveilen gar scharf über Mensckstn, Leben und Kunst licki äußern Aber inrnrer reicher strömte dock) auch dafür in das stille Künstlerhaus zu Halle der Dank mrd die Mlerkennung der musikalischen Welt, die mit den Jahren immer stärker empfand, was sie an Franz besaß. Vs er ach v4. Oktober 1892 die Augen zum einigem Schlafe schloß/ wirr er bereits unter die klassischen Meister der deutschen Tonkunst und besonders des deutschen Liedes ausgerückt. Ec ist und bleibt nach Liszts schönem Worte eilt „Fixstern deutscher' Lyrik". vermischtes. * D e r M a r i t n f a \ t v i Nt Kinderlieb. Ten Marienkäfer, jene« kleine Tierchen mit den sieden dunklen Punkten aus d«ln roten Leibchen, sehen wir jetzt ivieder überall im Garten, in Feld und 91», ttinherschwätinen. Schon die vielen Namen, die ihr»t das Volk gegeben hat, ivie Sommerkälbchen, GottcSkühlein. Herr- gottskälblein. Frauenküblein, Sonnenkäfer, Gotteskalb, Sonne- küken ufiv. beweisen, ivelche Zuneigung die Menschen dem Marienkäfer entgegen bringen. Bet unseren Vorfahren in der altheidnischen Zelt galt er als Bote der Liebe und als Wettervorhersage».-. Heute ist er !ta>ne»ttlich in der Kinder»velt gern gesehen, und überall im deutschen Sprachgebiet lehrt die Mutter de>t Kindern, daß man einen Marienkäser nicht töten dürfe. Auch in Kinderltedern kommt dieser fteiue 5läler oft vor. So siltgeit die Kinder int Nord>veste»t Deutschlands: Dünne, Sunne, Katharine, lat de StlUtte schielte, lat den Regen öwer gähn, dat wi tonnt na Schale gähn. In einem anderen Lied, da- fast überall in Deutschland mit Dialektverschiedenheite»t gestlngelt lvird, heißt e»: Sunneküken flieg, di Voder iS in Krieg, di Moder iS in Pommerland, Pommerland iS affebranttt, Sunneküken flieg. Noch in tnanchen auberen Liedern, die reist von Kindern dratlßen aus den Feldern, Wiesen und Wegelt gesungen werden, mußte der Marienkäfer den Text liefern. 'Niederschlag u n b (& r »item enge, lieber ben Ein- flud, den der Nege>tniederschlag aus die Erträgnisse der Ernte anS- übt, hat man natürlich gewisse Eriahrnngen aus der Praxi». Der Landmann weiß genau, ob eS zu viel oder zu wenig geregnet hat. Aber über Einzelsrageu, ivie etiva der Regen sich auf verschiedene Jahreszeiten am zweckmäßigsten zu verteilen hat, darüber herrschen zurzeit noch auseinandergehende Anschauungen. So gibt es Stimmen, ivie die des Hallifchen Professors für Landwirtschaft Prot. W o h l t- manu, die sich dahin aussprechen, daß die Hohe der Ernte im wesentlichen von der Höhe deS Niederschlages abhängig ist, die im Winter gefallen sind. Ein heißer trockener Sommer bringt auch dann noch gute Ernten, wenn der Winter regenreich geiveien ist. Dagegen drückt ein regenreicher Sommer die Getreideernte^ stark herunter. Das Negenbedürfni» im ganzen genommen ist a»>ch für die Sominerlnonate recht beträchtlich. Aber ein einziger rechtzeitiger Regen, sei e» ein natürlicher, fei es ein künstlicher, verursacht eine außerordentlich hohe Ertragssteigerung. Dem gegenüber vertritt Geh. Rat Prof. Krüger in der Deutschen Land- lvirtschaftlichen Presse andere Anschaulmgen. Indem er aus die Ergebnisse von diesbezüglichen Untersuchungen verweist, kommt er zu den» Schluffe, daß der Winterregeu sich als einflußlos auf die Erträgnisse der Ernte aller Feldfrüchte eriveisl, während mit der Menge des SoinmerregenS die Ernte, wenn auch nicht au»uahms- los, zu steigen scheint. Dabei kommt es weniger aus die in einer längeren Zeit im ganzen fatleitbe Regenmenge an als auf deren Derteillmg über die Zeit. Scho»» eine kurze Durstzett kann kür die Erntehöhe verhängnisvoll werden. Dttrslzeiteu aber müssen ein« treten, wenn eine an sich genügende Regenmenge in ungünstiger Verteilung über die Zeit fällt. Es kommt also daraus an, aus »vieviel Regentage sich die Gejanuwassermenge verteilt und auf die Höbe der au einzelnen Tagen fallenden Niederschläge. So fiel die Ernte vo»t 1914 m größeren Gebreten deshalb so ungünstig aus, ivcil der Juli eine auüeiorbentCidie Hitze und Dürre brachte, nicht tveil zil viel Regen gefallen wäre. * I o f f v c S a n »l a nt i t i s ch c r Orden. Jossres Feldherrn- rrchm hat die allerhöchste Anerkennung deS Königs von Annam geunden, der dem .französischen BeielilShaber in Anbetracht »de» Ruhme» seiner Großtaten, der von Mund 511 Mund läuft, feinen erhabene»» Orden KinvKhanh ve» liehen hat. Viel will daS an sich nicht eben besagen, denn der König von Anna»» ist bekanntermaßen ein Vasall Frankreich», der durchaus nach der Pfeife seines allmächtigen .Beschützers" zu tanze,, hat. Interessant aber ist der orientalische Prunk, der mit der Verleihung des Orden« an den General sich verknüpfte. Enthalte!, war er in einer Kassette, die ihrerseits »v»eder in 'einem rotgoldenen Lackkasten lag. Die Ver- ieihnngSlirkunde ist auf ein Stück Leide geschrieben, die auf zwei kurze, eisenbeingefaßte Stäbe atlfgetvickelt ist. Da Jossre der anna- mitlscheu Sprache nicht kundig ist, so ist diese Urkunde von einer Uebersetzung begleitet, durch die General Jossre seine» Rahme» im fernsten Osten versichert wird. vüchertlsch. — 1914. EinTagebu cb. Das netteste Heft von Pros. Edt»ard E n g e l S im Erscheinen begriffenem, schnell allgemein bekannt ge»vordenent kriegSgeschichtlichem Werk .19 14. Ein Ta gebucht (George Westermann, Braunschweig. Berlin, Hamburg) enthält folgende bemerkenswerte Au»sührung: In halb- amtlichen deutschen Zeitungen wurden wir vor Monaten »iber- slüssigerwelse ermahnt, »ms einer weisen Mäßigung in den öffentlichen Urteilen über die feindlichen Staatsoberhäupter zu befleißigen. Dies geschieht ohne jede Er»nahnung in der gesamten deutschen und österreichische» Presse. Nun höre »non die Sprache, die ein Franzose von Ansehen gegen den Kaiser von Oesterreich führt. Im .Petit Journal" schreibt Stefan Pichon: .In Dieil weiß man noch nicht, ob der alte Manleiel Franz Joseph — ee vienx rnulet de Francis-Joseph — endlich von der Noltvettdigkeit überzeugt »st, das Kaiserreich gutwillig zu amputieren/ Di- .Kölnische Zettung* fügt hinzu: „In diese», Tone spricht heute ein ehemaliger Minister des Aeußeren in Frank»eich von dem las! 00jährige,» Herrscher Oesterreich-UnaarnS, mit der Rohelt einer Gesinnung und der Sprache, die einem solchen Greise gegenüber selbst ein Apache von Belleville anzuwenden noch zögert» würde/ Die „Kölnische Zeitung" irrt sich-, kein französischer Apache würde gleichviel >vem gegenüber mit irgendwelcher Roheit zögern, und Herr Pichon ist nicht der erste sranzosische Minister, der uns davon überze»lgt, daß im Punkte des Apachentunis die Gleichheit und Brüderlichkeit in Frankreich zur Regel geivorden sind. „Man streife den» Franzosen die meine Haut ab, und der Turko kommt zun» Vorschein" — dieser Ausspruch rührt von BiSmarck her und war das Ergebnis seiner im Kriege von 1870 gemachten ähnlichen Erfahrungen. — Männer und Völker Unter diesem Titel beginnt jetzt im Verlag Ullstein u. Co., Berlin, eine neue Reihe von Schriften (jeder Band für 1 Mark) zu erscheinen, die, von deutschen Gelehrten verfaßt, die Gesamtliieit der durch den Krieg aufgeworfenen, »oeltpolitischen Fragen in einer auch dem Laienpudliknm zugänglichen Form behandeln werden. Den Anfang macht soeben der Band „Bi i s m a r ck s Erbe" von Professor Hans T e l b r ü ck, dessen politische Anschauungen bekanntlich recht häufig zum Widerspruch herausfordern. _ Artthmogriph. 12 2 überirdisches Wesen. 2 4 2 3 beliebtes Nahrungsmittel. 3 2 4 1 ein Naturprodukt. 4 3 2 5 2 griechische Göttin. 2 3 4 2 Stadt in Pennjylvanien. 6 2 5 5 2 3 Bezeichnung für eine bestimmte Zahl. 1 2 3 4 2 5 eine angenehme Zeit für Jung und Alt. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Leber, Leder, Leser. Uchristleitung: Aug. Goeh. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UuiversitälS-Buch- und Steindruckerei, 3t. Lange, Gießen'