Donnerstag, den 1V. Juni Lurück zur Lchotte. Koman von Ewald Gerhard Seeliger. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Und so kam der Mai. Die Saaten schossen in die Höhe, ore braunen Felder wurden grün. Die Kirschen blühten, und tm Park schlugen des Abends die ersten Nachtigallen. August Knorreck konnte wieder ein ivenig aufatmen. Die Kartoffeln saßen im Boden, und die Rüben waren noch nrcht weit genug, daß sie gezogen werden konnten. Wenn das Wetter weiter so günstig blieb, tonnte Britztmve in diesem Jahre dreißig Prozent Brutto abtversen. Um diese Zeit fuhr Fritz von Winkelberg nach Hamburg, um seine Fran und sein Töchterlein heimzuholen. Da er.in der Elle vergaß, sich jeden feierlichen Empfang zu verbitten, traf August Knorreck sofort feine Vorbereitungen. Karl Ruppe rt, der Förster, mußte zwei Fuder Tannengrün l)ergeben, so schwer's chm Mich wurde. Moritz Gaffel dagegen übte mit seinen Kindern gerne einen dreistintmigen Begrüßungsgesang ein. Scbaldus Pohl wurde von August Knorreck nicht in Anspruch genommen. Darüber u>ar er wütend. Thomas Hauschild holte buntes Papier und ein rotes Schild mit den Weißen Buchstaben WILLKOMMEN', aus Zdurotschin und kaufte auch ein paar Böllerschüsse. Eine. Mut von Wasser ergoß sich unter Frau Knorrecks Aufsicht über die Zimmer des alten Schlosses. Vor dem Hoftor erhob sich ein grüner Triumphbogen. Sogar die secki>S Torsmusitanten, die bei Franz Wiegelt zu jedem Tanzvergnügen aufspielten, wurden von August knorreck bestellt. Und als erst das Telegramm kam, das Daniel Zp-up- pack mit der Kutsche nach Luschelau beorderte, da sprang die Kunde wie ein Lauffeuer durch das Dorf. Moritz Gaffel zog mit seinen Schulkindern auf, die Musikanten kamen angerückt, und vor der Schloßterrafse, auf der zwei blumengeschmückte Stühle standen, drängte sich ganz Britzkawe zusammen August Knorreck hatte sich mit .Hedwig unter dem Triumphbogen aufgestellt, hinter ihm die Tienstleute im Sonntagsstaat. Als die Kutsche endlich um die Ecke bog und im schlanken Trabe die Dorsstraße herauskam, da begann ein lautes, ungeordnetes Vivatschreien, daß Moritz Gassel die Ohren gellten. Aber er sah nur zu Hedwig hinüber, die ein wertzes Kleid anhatte und einen Strauß blutroter Rosen in der Hand hielt. „Knorreck!" rief Fritz von Winkelberg, der sofort aus der Kutsche sprang. „Solch einen Aufstand!" „Befehlen der Herr Barons fragte August Knorreck bestürzt „Nichts, nichts?" sprach Fritz von Winkelberg und wandte sich an seine Frau, Hie schön und bleich, von der langen Fahrt ermattet, in den Polstern lehnte. „Bist du imstande, das noch über dich ergehen zu lassen?" Cie nickte lächelnd, denn sie sah in seinen Augen, daß er sich im tiefsten Herzen über diesen frohen Empfang freute. Hedwig überreichte die Rosen und sprach ein paar Reime Die bleiche Baronin vergrub ihr Gesicht in die kühlen, duftenden Blütenblätter und reichte Hedwig die feine Hand. Dann sangen die Schulkinder, »vorüber sich besonders die kleine dreijährige Cäcilie, die artig und selbstbewußt neben der Mutter saß, freute. Unter den Klängen der Musik geleitete Fritz von Winkelberg seine zarte Frau aus die Terrasse, wo August Knorreck ein dreimaliges Vivathoch! ausbrachte. Dazu bliefen die Musikanten Ensch, und der alte Förster brannte die vier Kanonenschläge ab. Und bei jedem Krach fuhr die blasse Frau zusammen. Sie wandte sich au den Baron und bat um seinen Arm. An der Treppe wurden sie von Frau Knorreck empfangen. Hedwig ging mit Cäcilie voran und mühte sich vergeblich, das englische Geplauder des Kindes zu verstehen. Um so besser verständigten sie sich durch Blicke. Am nächsten Morgen mußte Daniel Zpuppack nach Zdurotschin fahren und Doktor Bielsck>ows'ui holen. Denn die Frau Baronin lag zu Betü Seit Cäciliens Geburt, träufelte sie, und die lange, anstrengende Reise mit dem überlauten Empfang hatten das Uebrige getan. Sck>on zu Mittag »rar der Arzt da, ein noch junger Mann mit guten Manieren und einer glücklichen Hand. Er fand keinen Grund zur Beunruhigung. ©3 war nur eine nervöse Ueberreiznug, nichts weiter. Er verordnete absolute Ruhe, versprach, eine Medizin zu schicken, und Daniel Zpuppack fuhr ihn wieder nach Zdurotschin zurück. Er brachte auch den heilenden Trank. Und Doktor Bielschon»sky behielt recht. Die Frau Baronin konnte sich bald wieder erheben, wenn das Krankenlager sie auch nicht gestärkt hatte. Sie inachte in ihrer Hinfälligkeit den Eindruck, als hätte sie ihre gesamte Lebensenergie an ihre kleine Tochter gegeben, die lebhaft durch das .Haus und^en Garten jagte und sich immer enger an Hedwig schloß. Fritz von Winkelberg umgab seine Frau mit aller Sorgfalt und Liebe, deren sie bedurfte. Fast nie wich er von ihrer Seite. Als sich der Mai seinem Ende zuneigte, führte er sie zum erstenmal in den Park, hielt mit ihr Ausschau in das Gelände und zeiate ihr seine Heimgt. „Gefällt es dir hier?" fragte er sorgsam. ^,Weil ich bei dir bin!" flüsterte sie schwach, denn die Einsamkeit uird Fremdheit der Landschaft ängstigten sie. Da schloß er sie fest in seine Arme und führte sie ins Haus zurück. Und sie.erholte sich zusehends. An seiner Liebe richtete sie sich auf, seine Sicherheit flößte ihr allmählich Mut und Selbstvertrauen ein. Sie begann sich in der Fremde zurechtzusindeu, suchte mit seiner Hilfe ihre leisen Lauheiten und sanften Reize und wagte sich endlich an seinem Arme in die Wirtschaftsgebäude. Doch dem großen Betriebe war ihre Kraft nicht geivachseu. Lieber erging sie sich im 354 Park, der zwar nich.t sehr grost, aber dicht und hoch bewachsen war. Lauschige Winkel, wo man träumen, und stille Grasplätze, worauf das Auge wunschlos ausruhen konnte, barg er in seinem Frieden. Fritz von Winkelberg sah mit stiller Freude, wie sein liebes Weib auflebte, und küßte ihr dankbar die bleichen Lippen, bis sie sich röteten. So träumten sie noch einmal den Traum ihrer ersten Liebe und kümmerten sich nich-t um die Welt. Cäcilie störte sie nicht, sie war von morgens bis abends an Hedwias Seite, lies mit ihr durch die Ställe, über den Hof, durch frte Gärten und über die Felder und lernte jeden Tag hundert deutsche Worte, ohne daß sie es merkte. Eines Abends, als Fritz von Winkelberg mit seiner Gattin wieder durch den Park schritt, erblickte sie plötzlich ein niedriges, dunkles Kuppeldach, das sich fast ängstlich hinter ernsten Zypressen und dunklen Lebensbäumen versteckte. Sie sah es jetzt zum ersten Male. „Was ist das?" fragte sie erschreckt und schmiegte sich furchtsam an ihn. „Tie Gruft?" erwiderte er und wollte umkehren. „Ta ruht dein Vater?" ries sie leise. „Und meine Mutter!" sprach er dumpf. „Komm!" flüsterte sie bang, preßte ihr Antlitz an seine Brust, und er fühlte, daß sie schauderte. Cr umfing sie innig und führte sie zurück. Von der Terrasse flatterte ihnen das helle Jauchzen Cäciliens entgegen, die dort mit Hedwig Ball spielte. „Dort ist das Leben!" sprach die blasse Frau verzagt und blieb stehen. „Und wir wollen leben!" rief er mutig, und in seiner Stimme lag der Ktang einer frohen Zuversicht. „Leben!" flüsterte sie und schlang ihre weißen Arme um seinen Nacken. „Ja, leben will ich! Für dich! Du wirst nächstes Jahr einen Erben haben!" Ta verschloß er ihr den Mund mit einem langen. Kusse. Moritz Gassels Obstbäumchen blühten zuletzt, weil sie noch nicht lange genug im Boden standen. Ueberhaupt sah der Garten ein wenig dünn aus. Doch das wurde sich schon mit den Jahren geben! Der Kunstdünger des alten Abraham tat wahre Wunder, besonders bei den Beerensträuchern und auf den Gemüsebeeten. Tort wuchs es, was es wachsen konnte. Auch die frischen Spargelpflanzen regten sich fleißig. An dem Pfirsichspalier war zwar nur eine einzige Blüte hängen geblieben, und auch die sah aus, als wenn sie bald abfallen wollte, doch das verdroß Moritz tiVaffel ganz und gar nicht. Die Kraft der Bäumchen schoß um so mächtiger ins Holz. Er hatte augenblicklich ganz andere Sorgen, denn er wartete aus seinen ersten Bienenschwarm. Aber der wollte nicht kommen, obgleich die Frühjahrsbrut längst ausgelaufen war und die beiden Korbe ton Bienen überquollen. Den ganzen Sonntag stand Moritz Gasse! auf der Wacht, ohne Erfolg. Er verlängerte die Frühstückspause am Montag um zehn Minuten. Dann mußte er doch ins Schulzimmer zurück, um den Kindern die Geschichte vom Erzvater Jakob zu erzählen. Dabei dachte er fortwährend an seine Bienen, die man vom Klassenzimmer aus nicht beobachten konnte, denn dessen Fenster führten auf die Straße. Aber Fürchtegott Fritscher, der eben mit fei nein klapperdürren Gaul vorbeilenkte, zeigte plötzlich mit der Peitsche nach dem Garten, schrie etwas, streckte den abgezehrten Hals durch das offene Fenster und grinste. „Herr Lehrer, die Bienen schwärmen!" Moritz Gasse! gab den Kindern im Hui ein paar schriftliche Aufgaben und stürzte Hals über Kopf in den Garten. Um das Bienenhaus schwirrte eine dunteltönende Wolke Und kaum machte sie Miene, sich an dem hohen Birnbaum des Nachbargartens anzulegen, sauste aus dem andern'Korbe ein zweiter Schwarm, der sich noch höher anlegte. Aber Moritz Gasse! holte sie beide herunter und sperrte sie ohne Unfall, ein paar Stiche abgerechnet, in die bereit gehaltenen Wohnungen. Die Schulkinder, denen das Klassenzimmer ein unerquicklicher Aufenthalt war, saßen inzwischen auf dem Gartenzaun als dritter Schwarm. Schulrat Hupfer hatte schon recht: Moritz Gassels Disziplin ließ viel zu wünschen übrig! Ten Kindern schien das Zuschauen, wie die Schwärme eingefangen wurden, wichtiger zu sein, als das Abschreiben. Als Moritz Gassel nach einer halben Stunde ins Klassen- zunmer zurückkehrte, gabs eine strenge Untersuchung und kräftige Verwarnungen. Aber sie ainaen nicht so tief, um sitzen zu bleiben, denn, der Priigelstecken fehlte noch immer im Jnventarium. Noch zwei Schwärme kamen, dann setzte die Rapstracht ein, und die Bienen hatten genug zu tun, den Segeii zu. bergen. Jetzt, im Juni, war es eine Lust, durch die Felder zu schweifen, in den Wald hinein mit seinein würzigen! Dufte, seltene Blumen zu suchen und das Leben der großen und kleinen Tierwelt zu belauschen. Und jeden Sonntagnachmittag marschierte Moritz Gassel. mit seinen Schulkindern aus dem Dorfe hinaus und lehrte erst gegen Abend zurück. Und da traf er einmal mit Hedwig zusammen, die an einem solchen Abend in der Jasminlaube hinter der Weiß- dornhecke saß und in den Glanz der sinkenden Sonne schaute, der reis und schwer wie Erntegarben auf dem dunklen Kranze des Waldes lag. „Guten Abend Herr Gassel!" rief sie und sprang auf. „Wollen Sie nicht ein bissel hereinkommen-" Moritz Gassel entließ die Kinder, Jungen und Mädck)en, die sich um ihn drängten, um ihm zum Abschied die Hände zu schütteln, und trat in die Laube. Hedwig machte ihm bereitwillig Platz, indem sie ihre Handarbeiten wegräumte, und sie begannen zu plaudern. Wenn Moritz Gassel seine Schulkinder durch die Felder geführt hatte, war er stets noch gesprächiger als er von Natur aus schon war, und Hedwig konnte sich bald auf das bloße Zuhören beschränken. „Lehrer sein, wär schon ganz schön!" meinte er weise. „Wenn man nur die nötige Freiheit hätte. Aber die Unmasse Verordnungen und Verfügungen, die einen aus Schritt und Tritt bedrohen. Da sitzen die hohen Herren am grünen Tische und hecken sie aus. Was anderes haben sie ja nicht zu tun, diese Juristen und Theologen, die keinen Schimmer davon haben, wo uns Lehrer der Schuh drückt. Wenns mir nachginge, ich würde jeden Regierungsrat mff drei Jahre in eine einklassige Dorfschule stecken." Hedwig ließ die fleißigen .Hände ruhen, beugte sich vor und hörte ihm aufmerksam zu. „Ist es nicht ein Blödsinn," fuhr er eifriger fort, „im Sommer die Kinder ins Schulzimmer zu sperren. Warum nicht im Freien Schule halten? Ta kommt aber so ein Superkluger und verfügt: Durch die Umgebung werden die Kinder abgelenkt! Kann es eine bessere Umgebung geben: als die Natur! Und wenn die Kinder schon abgelenkt werden, dann kommt es eben nur davon, daß die Natur und das Leben viel interessanter ist als der tote Lernstoff, mit dem man keinen Hund hinter dem Ofen hervorlocken kann. Und das ist das Aergste! Vorige Woche habe ich den Kindern die Geschichte vom Erzvater Jakob erzählen müssen. Sie steht auf dem Lehrplan. Gerne Hab ichs nicht getan. Denn dieser Jakob ist der Erzvater der Lügenhaftigkeit und des Betrugs. Aus diesen alten Judengeschichten soll man dann noch sittlich religiöse Wahrheiten ableiten. Ist das nicht bodenlos dumm. Ein Kerl, der schwindelt, trüat und stiehlt, der heutzutage einfach eingesperrt werden müßte, wird deü armen Kindern als leuchtendes Beispiel vor Augen geführt. Und der Jakob ist nicht der einzige." „Ja!" sprach Hedwig und nickte zustimmend. „Ich Hab diese alten Geschichten alle schon vergessen!" „Da haben Sie den Beweis!" ries Moritz Gassel triumphierend. „Was für einen Zweck hat es, durch solche Dinge das Gedächtnis zu überlasten? Und die Folge davon ist, daß die Kinder in Palästina besser Bescheid wissen als in ihrer Heimat. Die Schule ist eine Strafanstalt. Und das würde schon Sinn haben, wenn das ganze Leben eine Strafe wär. Aber das ist es nicht. Ich freue mich, daß ich lebe! Und wenn sie mich zehnmal bei der zweiten Prüfung durchfallen lassen, ich geh doch nicht in den Schwedenteich!" „Nein!", rief Hedwig, indem sie ihm die Hand reichte. „Ich habe von Ihnen nichts anderes erwartet." (Fortsetzung folgt.) 3:>r Geschichte der Obstkultur. Von Jahr zn Jahr spielt in dem Haushalte jeder Familie das Obst eine immer größere Rolle. Der Konsum steigert sich stets! mehr und mehr, die Kunst des Konservierens, des Einmachens und Emkochms des Obstes ist nicht mehr beschränkt auf die Konservenfabriken, es wird vielmehr in fast jedem Hausl-alie im Herbste eine ganze Menge der versänedensten Obstarten konserviert, um nn Wrnter auf den Tisch zu kommen. Noch größer aber ist die Menge der Acpfel, die im Kälter für den Winter aufbeivahrt 366 Werden. Man hat den Wert des Obstes für die Gesundheit des- Menschen allgemein erkannt, und bei dein diesjährigen Mangel an Gemüse aller Art ist das Obst ein sehr geschätzter Artikel im Haushalte jeder Familie. Es dürfte daher von allgemeinen Interesse sein, einmal Vie Kulttirgesckstchte des Obstes etivas eingehender zu verfolgen. Die Baumzucht ivar in der Urgeschichte der Menschheit ein wichtiger Schritt auf dein Wege %u festen Niederlassungen, erst durch die Baumzucht und mit ihr wurde der Mensch vollständig ansässig. Der Uebergang vom unstäten Hirtenleben zur festen Ansiedelung ist nirgends ein plötzlicl-er gewesen, sondern führte inmiet durch zahlreiche Zwischenstufen hindurch, auf denen die Völker oft Jahrhunderte lang verharrten. Der herumziehende Hirte besät flüchtig ein Stück Land, das er im Herbste ebenso flüchtig aberntet, er wählt im nächsten Frühjahre ein anderes, das er abermals liegen lägt, nachdem, er ihm deir Raub abgenommen. Hat die Horde sich an einem besonders fruchtbaren Fleck mit ihren leichten Häusern festgesetzt, so ist dock) auch hier nach einigen Jahren der Boden erschöpft, die ganze Gemeinsäiaft bricht auf, lädt alles Beiveglick-e auf ihre Tiere und Wagen und baut sich an einem anderen Orte wieder an. Auch wenn die Ansiedelung eine stetige geworden ist, so ist doch der Begriff des individuellen Eigentums am Boden noch nicht vorhanden, da Acker- und Weideland gemeinsam sind und jedes Jahr von neuem an die einzelnen Genossen verteilt wird. Einen bedeutungsvollen Schritt weiter bezeickwet schon die Wintersaat, den entscheidenden aber die Baumzucht: denn mit ihr entstand der Begriff des Eigentums und das Gefühl der örtlichen Heimat. Um den Weinberg, um den Obstgarten wird eine sckKtzende Hecke gezogen, das Zeichen vollen Eigentums. Der Pflanzer leitet die Quelle aus den Bergen herab und um seine Beete herum, und dadurch verwickelt er sich mit seinen Nachbarn in Eigentums- und in Rechtsfragen, die mit durch eine feste politische Ordnung gelöst werden. Schon eine der ältesten politisckien Urkunden, der Bundeseid des delphischen Ämpbiktyonen^ enthielt die Bestimmung, daß keiner der verbündeten Städte das fliehende Wasser darf abgescl-nitten werden, weder im Frieden rwch im Kriege. Auch das Haus, das von Fruchtbaum gruppen umgeben ist, wird auf Jahre berechnet und daher aus Stein erbaut und im Innern ausgeschmückt, selbst die Götter werden edler. Der Hirte, der gelvohnt ist, tieriscl-e Leiber aufzuschneiden, und dessen Poesie in der Vorstellung gräflicher, mit der Steinaxt aufgerisseney Wunden schwelgt, er opfert blutig und roh, der Ackerbauer opfert der Ceres Spelz und Salz, Kränre und Kuct-en, aber erst der Wein machte den harten Ackerbauer mild und heiter und zu dramatischen Spielen ausgelegt, die Olive, der Baum der Mhene, endlich wurde das* Symbol des Friedens. Mit der Baumzuckfl freilich wurden auch die Kriege furchtbarer, weil die Zerstörung mehr Gegenstände fand. Die Hirtenvölker konnten sich mit ihren Herden hinter ihre Wälder und Sümpfe zurückziehen, wie es die Russen 1812 noch machten, indem sie der Entfernung, der Wildnis und dem Klima die Verteidigung überliehen; tvo aber die Menschen in festen, dauernden Häusern unter Weinstöcken, Oet- und Feigenbäumen! wohnen, da kann ein grausamer Feind ein Land auf Menschenalter bin verwüsten, wovon uns die Geschichte aller Zeiten genug Beispiele zu berichten weih. Mit der Einführung der Kultur des Obstbaumes Ivar der Mensch sofort auch darauf bedacht, die Bäume und Fruchte zu veredeln und zu vervollkommnen. Die Obhut und Pflege der Bäume war bei den alten Griechen »zu Homers Zeiten den Schwachen und Greisen anvertraut. Tie Römer verwanden zu diesen Arbeitet semitische Sklaven, die fürs das Kriegs hau dwe ick nicht geeignet waren, aber durch Arbeitsamkeit und 9lusdaner die Obflkultur bedeutend förderten. Blickt man auf die lange Reihe von fruchttragenden Bäumen, mit denen Italien zur Zeit seiner höchsten Macht sich bereick>ert hatte: edle Aepsel und Birnen, Feigen und Granaten, Quitten und Mandeln, Kirschen, Pfirsiche, Maulbeeren, Pflaumen, Pistazien usw., so staunt man nicht über die Aussage Varros, Italien fei ein groher Obstaarten. Diese Umwandlung hatte aber dieselbe Zeit gebraucht, wie die Umwandlung Roms zum Zentrum von Italien und Italiens zur Herrschrin der Welt. Die älteren Griechen kennen die Halbinsel noch als ein Land, das im Vergleich mit ihrem eigenen und dem Orient noch einen nordischen Charakter trug und dessen Produktion l>aupt sächlich in Getreide. Holz und Vieh bestand. Den ziminiscl-en Wald bei dem heutigen Viterbo nördlich der Campagne beschreibt Livius nach der Zeit .Alexanders des Großen noch so schrecklich, wie nur die von den Römern später betretenen Wälder Germaniens. An die Stelle solcher Wildnis war eine Waldung orientalischer Obstbäume getreten, und die Vermittler dieser Umwandlung waren zum gröhten Teil syrisch Sklaven, die bald die im Orient von ftühe an übliche Behandlung der Tiere und Pflanzen, die Entmannung, die Circumcision und Bastarderzeugung, sowie das Zustutzen der Bäume und die Vermischung der Fruchtarien durch Impfen und Pfropfen auch in Italien einführten und verbreiteten. Die geflissentlich erzeugten Monstrositäten, die sorgfältig betvahrten Naturlpiele, die Künsteleien mit der Kraft des Wachstums, dies alles lvar nur derselbe Trieb in seiner Ausartung, der die Olive und den Dattelbaum ursprünglich fruchttragend gemacht und die Kaprifikation der Feige, die Füllung der Rosen und Violen erfanden hatte. Bald wurden die hohen Bäume in Zwerggestalt und die zarten Früchte in Riesengestalt hervorgebrackft und die Mannigfaltigkeit und Vollkommenheit der Früchte immer mehr gesteigert. Das Obst verbreitete sich nicht bloß in Italien, wo es noch bis auf den heutigen Tag auch in der Familie des Armen ein not? wendiger Bestandteil des täglichen Mahles ist, sondern es ging auch hoch über die Alpen in das mittlere und westliche Europa hinüber, wo das Klima bei entsprecherrder Einsicht und Tätigkeit des Kulturmenschen diese Zucht rwch erlaubte. Frankreichs Boden und Himmel erzeugt jetzt das allerfeinste Obst, England hat auch in diesem Zweige die Kultur aufs l-ückiste getrieben, und dem Beispiel dieser Länder folgt jetzt Deutschland nach, es operiert durch zioeckmäßige Wabl und Pflege und sucht für den jeweiligen Standort die ihm zusagende Frucht. Was eine sorgsame Pflege und Zucht in der Obstkultur im Freien auch bei uns in Deutschland zu leisten vermcm, darüber erstaunt man, wenn man z. B. den Obstgarten der Käniglick^en Lehranstalt für Obst- und Weinbau in Geisenheim im Rheingau oder den. herrlichen Garten deS Hauses „Monrepvs" des vor einiaen Jahren verstorbenen Freiberrn von Lade ebendaselbst besucht, wo als Erfolge gärtnerischer Kunst alle denkbaren Formen des Obstbaumes mit den edelsten, vollkommensten Früchten unsere alle Verwunderung Hervorrusen. Allenthalben geschieht jetzt bei uns in Deutschland viel für den Obstbau, fast jede Provinnz hat ihre Obstbauschule, jeder KreiS einen Obstbautechniker, der den Obstzüchtern, die meist in Vereinen zusammengescküossen sind, beratend zur Seite steht und durch Vorträge zur Verbreitung der Obstkulrur aneifert: es werden Obstausstellungen veranstaltet, es entstehen Musterobstgärten, die Straßen werden mit Obstbäumen bepflanzt, die fast alljährlich bei den Obstversteigerungcn im Herbste gute Erträge bringen. Immerhin aber ist die Einfuhr von Obst in Deutschland noch sehr groß. Es ist daher sehr ratsam, immer mehr Obstbaumstücke mit guten, dem Boden und dem Klima entsprechenden Sorten an- zulegen, mich im Garten und Hof jeden freien Platz mit einem! Obstbaum zu bepflanzen. Die Länder, in denen der Krieg sich abspielt und noch iveiter abspielen wird, werden ihrer Obstbäume zum größten Teil beraubt, das wird nach dem Krieg einen Mangel an Obst Hervorrufen, und durch die vermehrte Nachfrage wird die Preisbildung für den Obstzüchter günstig beeinflußt werden. Gr. Japanischer Mesenrettich. Die Knappheit und Teuerung der Lebensmittel führt in Frankreich zu allerhand Vorschlägen, wie der Ertrag des BodenS besser ausgenutzt und dem Gemüsebau neue Hilfsquellen zugefübrt werden konnten. Man kommt dabei aus eine Anregung zurück, die bereits vor vielen Jahren erörtert wurde, aber heute. in der durch den Krieg geschaffenen schwierigen Laae neue Bedeutung gewinnt. Es handelt sich dabei um die GinWhrnng eines neuen Gemüses von seltenem Nährwert, die das „Bulletin agrieole de l'Mgsrie" lebhaft befürwortet. Es ist der „Daikon", der javanische Retttch, also keine „feindliche", sondern sozusagen eine ..verbündete" Pflanze, deren ungeheures Wachstum alS eme Art „von organischem Gröhemvah^sinn" bezeichnet wird. Mit vier oder fünf Pflgnzen einer besonderen Art aus den Quadratmeter ist man imstanhe, eine Ausbeute von ungefähr 600 000 Kilo pro Hektar zu erzielen, ein Ertrag, der wirklich verheißungsvoll genug ist. Schon die Ausbeute von 100 000 Kilo wäre ja fitr die Landwirtschaft sehr vorteilhaft. Die Rübe, die kaum einen Ertrag von 15 000 ^der 20000 Kilo pro Hektar bringt, würde durch den Dakkon in den Schatten gestellt werden. An Frankreich sprach man schon zum ersten Male von dem Daikon. Ein Gärtner in Montreuil-sous. Bois wollte ihn einführen. Llber die Versuche, die zu ungünstiger Zeit vorgenommen wurden, ergaben schlechte Resultate, und man gab daher die Anpflanzung des Daikon mif. Spätere Versuche waren erfolgreicher, ohne doch bisher zu einer Da'ikon-Anpflanzung in größerem Stil zu führen. Es gibt drei oder vier verschiedene Arten von Da'ikons. Tue in der Küche verwendeten find die größten. In Japan will man sie mindestens 8 oder 10 Kilo schwer haben. Bon den verschiedenen Arten dieser Riesen-Rettiche hat der Nsrima eine Wurzel von maßloser Länge und erinnert an eine Sclflange. Er wiegt 7 bis 10 Kilo und hat sehr zartes Fleisch. Der Sakura-Jiura ist dagegen sehr kurz, sein Anbau erfordert nur geringe Dtühe, man itzt ihn sehr viel, und er ist am ergiebigsten, denn er trägt 600 000 Kilo pro Hektar. Der Daikon, der neben Getreide, Hanf. Erbsen und Bohnen Japan sehr viel angebaut wird, enthält keine Fettstoffe, aber ein wenig Stickstoff, etwas Cellulose und Stärke: er hat einen doppelten Nährwert wie die Rübe und ist als Futtermittel der Mohrrübe und Kartoffel gleichzustellen. Dre nnt Daikon gefüttert« Kuh gibt fette, schmackhafte und reichliche Milch. In China und Japan wirb der Rettich von November bis §lpril gegessen, «r gilt füt besonders gesund, und ein Sprichvort besagt, daß zur Däikonzeit Arzt und Apotheker ivenig zu ttm habest. Er wird gewöhnlich nicht roh, sondern gekocht verzehrt, anher ivenn er als Vorgericht gereicht und dann in Scheiben oder als Salat serviert wird. Man ißt ihn auch gesalzen, mit Reis oder Fisch. Für europäischen Gebrauch empfiehlt ihn das „Bulletin agneole" in Salzwasser gewässert und in Stücke geschnitten. Er soll eine Beilage zum Fleisch sein oder auch als Püree gegeben werdlar. Der Geschmack ist schwer bestimmbar, aber angenehm. Es eignet sich jeder Erdboden für die Anpflanzung, und in Europa kann eine Futterpflanze wie der Daikon, wenn er hält, was er verspricht, Erfolg haben, und dem Riesen-^Rettich bald einen hervorragenden Platz unter den Nahrungsmitteln verschaffen. Vermischte». • Wie Kaiser Wilhelm I. zum ersten Male die Wacht am Rhein* hörte. Der KrefelderMusikdirektor Karl WLll>elnr hat in einer glücklichen Stunde im Jahre 1854 die Melodie zu dem Liede seines Freundes Schncckenburger gefimden; aber zunächst kümmerte man sich nur wenig darum. Tenn noch weniger als im übrigen Deutschen Reiche gilt am Rhein der Prophet etwas im V ater l ande. Zudem zuckte inan über den guten Karl Wilhelm dieATYfel: ,Was konnte der wohl zustande bringen, — der trank ja.* TaS war sreilich wahr, aber es hinderte den wackeren Johann Diedrich Eickhofs, der, ein Schüler und Freund Ludwig ErckS, seit einer Reihe von Jaliren dessen Stellung als Musiklehrer am Lehrerseminar im benachbarten MörS bekleidete, nicht, mit echtem Musikerinstinkt sofort zu erkennen, welcher Schatz iu dieser Melodie für den Männergesang zu heben war. Er war selbst nicht nur ein Kenner, sondern auch ein Könner. Dafür zeugt heute noch die Melodie zu Beckers .Rheinlied*, die wir dem Mörser Musiklehrer verdanken. Dieser also war eS, der am 10. September 1*61, als Wilhelm I. sich als neu gekrönter Herrscher den Rheinlands,i, die noch wenige Jahre vorher nichts von ihni hatten wissen wollen, vorftellte. ihm das Schneckendurgersche Lied und die Karl Wtlhelinschc Komposition gewissermaßen als den Ansdruck der rheinischen Volksstimmung vermittelte. Er zog mit seinem gut geschulten Ehor junger Seminaristen nach Schloß Benrath, wo der König beim Prinzen von Hohenzollern Quartier genommen hatte. Aui dem Hole des alten BarockscbloßchenS erklang, unter der be- geisterten Takttührnng Eickhoffs, zum ersten Male an daS Ohr des MamieS, der ein Jahrzehnt später seine Erfüllung in stolzer Freude erleben sollte, da« Gelöbnis: .Lieb Vaterland, magst ruhig sein, Fest fleht und Iren die Wacht am Rhein.* * D^on der Herstellung des Eisernen Kreuzes. Das Eiserne Kreuz, der schönste Ehrenpreis, den der Krieg unseren Helden spendet, wird heute nicht mehr in derselben Weise hergestellt wie sein Vorgänger in den Jahren 1813 und 1870. Die Fortschritte der modernen Technik haben auch die Erzeugung dieser Kriegsauszeichnung umgestaltet, und ganz besonders kommt dabei jetzt die Elektrizität reichlich zur Verwendung. Die Kreuze werden nicht etwa gegossen, sondern mit Hilfe kräftiger Stanz- und Präge- Maschinen aus Eisenblech verfertigt. Rach dieser Rohbearbeitung werden sie einer Prüfung unterzogen und kommen sodann in die Silberschmiede, wo die Lötarbeit vollzogen wird und wo sie mit dem schmalen Stlberrande versehen werden. Schließlich geben Frauenhänd« dem silbernen Kreuzrande mit elektrisch betriebenen Schleis- und Polierapparaten den letzten Schliff. * Nix Marschall stab. Unsere Befestigungsarbeiten waren vollendet, so erzählt uns ein Mitarbeiter ans Belgien, die Feld- dienftsähigen wurden frei für die Schützengräben. Etwa 500 Mann traten wir morgens au, alle voll Freude, daß wir nun endlich an den Feind kommen sollten. Tie Sonne leuchtete, die Musik spielte, brausend klang unser Gesang. Da trat plötzlich unser Oberst vor die Front und hielt eine begeisterte Rede auf das Vaterland. Für Deutschland sollen wir uns jetzt schlagen und sollen uns gut schlagen. Dem Mutigen gehört im Felde mehr als anderSwo die Welt, riet der Oberst, daran sollt Ihr denken. Auch heute ?tlt noch daS Wort Napoleons Jeder Soldat trägt seinen Marschallstab im Tornister. . . Wir suhlten unsere Herzen höher schlagen, wir sehen uns also schon Heldentaten vollbringen, das Eiserne Kreuz erster brannte auf imserer Brust. Nur in dem Gesichte meines Nebenmannes, eines biederen Mecklenburgers, veränderte sich keine Miene. Ihm schien die Welt iu diesem Augenblicke entschieden für seine Begriffe romantisch. Seine Augen schienen sich iu den realen Inhalt seines DorntsterS zu vertiefen. Er traute offenbar seinen Augen mehr als allen anderen Beweisen der Welt. Unser Oberst sah diese seltsame Unbewegtheit. Er trat, als unser Hurra verklungen war, aus meinen Nebenmann zu und fragte freundlich: .Also, mein Lieber, was tragen Sie nun iu Ihrem Tornister?* Der Mecklenburger sah den Oberst fest und treu au und dann sagte er mit dröhnender Stimme: .Zellstöcke, Herr Oberst!* * Die Mongolen in Rußland. Unter dem Völker- gemisch, das Rußland in seinem Innern birgt, und dessen Typen in unseren Gefangenenlagern in reichlicher Fülle auftauchen, stehen nach dem Hauptvolk, den Russen slavijcher Abstanunung, die mon- golifchen Völker gleich in zweiter Reihe. Sie gliedern sich, wie Prof. Hertzberg im Geographischen Anzeiger ausführt, in die Finnen, Türken und eigentlichen Mongolen. Die Finnen ihrerseits zerfallen in Ost- und Westsinnen. Letztere werden von den Esten und Finnländern repräsentiert. ES sind dies die einzigen Völker, die dank deutscher Kulturarbeit zu Kulturvölkern auf- geniegen sind. Don den echten Mongolen unterscheiden sie sich in ihrem HabituS, der an germanische Elemente erinnert. Durchaus mongoloid sind Lappen und Samojeden. Ostfinnen finden wir an der Wolga in den Wolgafinnen, den Stämmen der Tfcherennffeu und Mordwinen. Zu den Ostfinnen gehören auch, obgleich sie bisweilen eine türkische Sprache sprechen, die Wotjaken im Kamagebiet, die Pernrier, Syrjanen und Wogulen. Eine zweite große mongolische Gruppe bilden die verschiedenen türkischen Völker, die als Tataren bezeichnet werden. Sie sind mohammedanischer Religion. Bekanntlich haben die Tataren im Mittelalter Rußland erobert. Heute sind sie als nüchterne Kutscher und Kellner in Rußland beliebt. Auch die Baschkiren, die sich von der Kama bis -um Ural ausdehnen, sind türkisch-finnischer Abstammung, während die Kirgisen mongolischen Typus aufwt-llen, der sich bei den Kalmücken zu echt mongolischer Häßlichkeit steigert. Erst seitdem */-.9ahrhuudert in Europa eiugedruugcn, sind sie noch Buddhisten. Ihre Bevölkerung nimmt durch Krankheit und wirtschaftliche Notlage stetig an Zahl ab. _ vüchertisch. — »Der V ö lk e r k r i e g.* Jedes Volk hat seinen nationalen Eharakterfehler; bei den Franzosen ist es die Nuwahrhaftigkeit, bei den Engländern die Unverschämtheit. Im Kriege, wo die ent- ieffeite Leidenschaft die inneren Werte und Unweite der Völker hemmungslos nach außen kehrt, zeigt sich ihre Rationaluntugend am unverhüNtesten. Wir begegnen ihr z. B. ans Schritt und Tritt, wenn wir — wie uns dies in den Heften 29 und 80 der Kriegs- zeitschritt „Der Bolkerkrieg* (Verlag von Julius Hoffmann, Stuttgart, Preis pro Hest 30 Pfg.) ermöglicht wird — die inneren Verbaliniste Frankreichs und Englands während des ersten Kriegs- halb;ahrS eingeljender betrachten. Ob man mit wachsender Empörung den vor allem aus die öffentliche Meinnug der neutralen Länder berechueteu Bericht dersranzosiick)en Untersuchungskommission über die Verletzung der Menscheni-echte durch die Teutfche'i liest, ein von bewußten Verlenindimgen strotzendes Machwerk, oder die theatralischen Ministerreden und Präsidententelegramme, ob man die Knnst des französischen Finanzministers bewundert, aus Papier — um mit Dr. Heister ich zu sprechen — wieder Papier zu machen, ob mau über daS Treiben der Lebewelt in der Kriegshauplstadt Bordeaux den Kopf schüttelt oder die naive Verblendung frau- zosischer Kleim'tädt.'r belächelt, die trotz der Besetzung ihrer Stadt durch die Deutschen immer noch behaupten, diese seien hier geschlagen worden; stets verblüfft derselbe bedauerliche Mangel au Wahrheitsmut. Tie beiden Leste des „Völkerkricgs* geben em anschauliches und geschloffenes Bild von den inuerpolitische» Zuständen bei uusereu Gegnern; vorzügliche Bildnisse der feindlichen Heerführer und Staatsmänner sind beigegeben. Den Abschluß des 30. Heltes bildet eine intereffante Schilderung des .Krieges der Jntelleltuellen 1914*. — Der K r i e g in i t Italien hat daS Interesse deS Publi- tums dem neuen Kriegsschauplatz im Süden zugewendet, und die Leipziger »Illustrierte Zeitung* (Verlag I. I. Weber) weiß diesem Jutereste in der neuesten Kriegs,inmmer 44 Rechnung zu tragen. Der in ganz Tirol vergötterte Oberkommandiereiide der gegen Italien operierenden österreichisch-ungarischen Slieitkräste, Generaloberst Erzherzog Eugen von Oesterreich, wird unS in einen! ganzseitigen Bilde nach einer meisterhaften Radierung von E. Heer- u'.ann vor Augen geführt. Hans Treiber zeigt in einer lebendigen Zeichnung eine österreichische Gebirgspatrouille, die einer in Süd- lirol vorrückendeu Abteilung italienischer Alpini auslauert, Alex Kircher schildert in einer anderen Zeichnung den erstell Eriolg der österreichisch-uilgarischen Flotte im Kampfe mit italienischen Tor- pedobootszerstörern. Weitere Bilder haben daS von österreichischen Fliegern bombardierte Arsenal in Venedig, die unter Feuer genommene italienische Adriastadt Ancoria, sowie Ansichten von Trient und Triest zum Gegeustaud, um deren Besitz der Krieg vom Zaune gebrochen wurde. Ter schändliche Treubruch Italiens wird in dem Leitartikel „Der welsche Verrat* von Dr. Hermann Diez mit scharfen Worten gegeißelt und darin zugleich das Verhältnis Italiens zu Deutschland historisch gewürdigt. Auch sonst enthält die Stummer eine Fülle iuterestauter Bilder und Ttxtbeilräge. Von den Artikeln verdienen .Der Wettstreit zivischeu Geschoß und Panzer* von Prof. Adolf Keller und „Welche Pflanzenrohstoste können uns die besetzten Telle im Westen und Osten liefern 7* von Pros. Udo Dämmer besondere Ausmertsamkeit und Beachtung. Silbenrätsel. a, an, der, bri, ch, d, den, go, he, heiu, mai, na, nar, ne, ge, ses, sil, t, ti. AllS vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sechs Wörter gebildet und derart untereinander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben von oben nach unten und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen den Namen eines bekannten Märchendichters ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter der Reihe nach folgendes: 1. Eine Inselgruppe: 2. Heldin einer griechischsn Tragödie; 3. Oströmischen Feld Herrn; 4. Ein Metall; 5. Arbeitsames Tierchen: 6. Ein Kleidungsstück.