Zurück zur Schotte. Nomsn von Ewald Gerhard Seeliger. ^ (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Schwauun drüber, Bruderherz!" rief Karl Zdurotschü und umarmte ihn, denn er war schon wieder rosiger Laune 2ne Dummheit von mir. Ich hab's eingesehen dich. Trink! Du sollst nicht zu kurz kommen!" "3ch sih nämlich in einer ekligen Brenne!" sto!)ut< yugo. Ich habe meinem Vater versprochen, nichts nrehi von ihm anzunehmen." „Menschenkind, Bruderherz!" schrie Karl Zdurotschir und lreß chm dröhnend die Faust auf den Rücken falle,i Yrt im ^orae Du kriegst deinen Wechsel. Ich laß dick studieren. Ich kann mir's leisen!" Hugo kiel ein schwerer Stein vom Herzen, und er sch ?Mch«'> »oriR öcüd hielt z»r Gesellsckiust mit. Ivenn° ihm auch nicht leicht wurde. Ader es n»aren ja Ferien! Frau siegelt hatte leider keinen Sekt. Sie mußten sich mit Rot spon begnügen, die Flasche zu zwei Mark fünfzig. „Ich muß mein Testament ändern!" brüllte Karl Zduro tschin, als es zu dunkeln begann. ^,Was soll ich mit den verdammten Geld machen. Ein gutes Werk will ich tun Prost ihr Bruder, Prost! Euie halbe Million schreib id WßigwAch^ ^ Öat0n ' &Üraatgetreide ziehen. Prima Sorte A. I mit dem steril. Denn gerade beim Saatgut, da sehlt's am nwisten " Und dann ftng er Ml zu dozieren, daß Karl Zdurotschin die Augen zusielen. Hugo hörte überhaupt nicht zu, er dachte an ferne Zeitung für Individualisten. „Schön!" sprach Karl Zdurotschin, als Moritz Gassel ittlt seiner Abhandlung über die Notu»endigkeit der Berede luna des Saatgutes fertig war. „Das sollst du haben. Auch hunderttausend Mark bar auf den Tisch. Das ist ein gute- Werk. Du sollst keine Schulkinder mehr prügeln müssen. Und das andere, was übrig bleibt, das vermach ich —" Hedwig! wollte er sagen, aber er verschwieg den Namen, weil Thomas Hauschilo hereintrat und um die Erlaubnis bat, sich an den Tisch setzen zu dürfen. Karl Zdurv^eÄn betrachtete ihn mit argwöhnischen Blicken. „Setzen Sie sich ran!" munterte ihn Hugo aus. „Karl Zdurotschin ist grade beim Erbschastsverteilen. Wollen Sie Mich was haben?" „Wenn ich was kriege!" lachte Thomas Hauschild. „Was wollen Sie denn damit machen?" fragte Karl Zdurotschin neugierig. „Ich kauf mir ein Gut und züchte Pferde," sprach der Gehilfe schnell. „Beste Rasse. So ein schöner, kaltblütiger Schlag fürs Land sollls werden." Und dann predigte er, ähnlich wie vorhin Moritz Gassel, über die Notwendigkeit der Aufbesserung der Pferderassen. „Abgemacht!" schrie Karl Zdurotschin und reichte ihm dre Hand. „Du sollst auch hunderttausend haben. Ich mach Ernst! Ich kann mir den Spaß leisten. Und in einem Jahr komm ich mir euern Kram ansehen. Bin neugierig, wer's dann am weitesten gebracht hat." Und damit hob ein Zechaela-ge an, das erst kurz vor Mitternacht beendet wurde. Denn der Rotspon ging endlich aus. Karl Zdurotschin konnte nur schtver auf die Füße kommen. Ms er aber erst stand, blieb er auch stehen. Hugo und Thomas griffen ihm unter die Arme und führten im hrnaus. Moritz Gassel machte den Beschluß. Am Himmel hing die schmale Mondsichel und leuchtete. Hugo verabschiedete sich zuerst. Er sah Pelagia Dilbin am Zaune des Pfarrgartens und schwenkte zu ihr hinüber. Daniel Zpuppack. der rm Schatten aestanden hatte, schlug sich seitwärts in die Büsche. Auch Thomas Hauschild hielt nicht lange ans. An der ersten Waldecke drückte er sich. Moritz Gassel aber blieb an Karl Zdurotschins Seite bis an die Britzkawer Grenze. Karl Zdurotschin sah nicht mehr deutlich, was er sprach, schwankte heftig und wurde endlich bockl^inig Er verlangte, allein zu gehen. Doch wrorntz Gassel wollte ihn nicht loS- lassen.^ „Schulmcisterlein!" schrie er trnld und verdrehte die Augen. „Du willst mich schulmeistern! Marsch zurück! Ich sind m^nen Weg allein." Moritz Gassel ließ ihn los, nahm höflich Abschied und ah Karl Zdurotschin eine ganze Weile nach lvie er den chmalen Fußsteig herüber- und hmübersctmZankte, aber mmer nneder die rechte Richtung fand. Da wandte sich Moritz Gassel und kehrte nach Britz^ - kawe zurück. Karl Zdurotschin aber strebte nach seiner Stiefvaterstadt. In seinem Hirn überschlugen sich die Gedanken Ball» sah er Hedwig, bald sein Testament, bald die drei jungen Leute, mit denen er gezecht hatte, und bald den Baron. « 350 Der Vorsatz, ein gutes Werk zu tun, purzelte über die reine Berechnung, mit der er Bartenstein und Levifoyn die Würmer aus der Nase ziehen tvvllte. Die drei jungen Kerls da drüben in Britzkäwe gefielen ihm sehr. Das sollten seine Söhue sein. Und er wollte sie abwechselnd besttckjen^ um zu sehen, wie sie sich vorwärts brachten. Das war doch gewiß ein gutes Werk. Damit würde Hedwig schon einverstanden sein. Und sie bekam den Rest des Vermögens. Bums! rannte er gegen einen Baum, daß ihm der Schädel brummte, und ihm fast schwindlig würde. Aber das scherte ihn nicht. Er mit seiner eisenfesten Gesundheit konnte sich das schon leisten. Und er torkelte lveiter und rechnete den Rest aus, der auf Hedwig kommen würde. Da hatte ?r die Lichtung erreicht, in der die kleine Kolonie Tiergarten lag. Der Mondenschein glitzerte auf den vollen Wassergräben. Bergab ging es etwas schneller. Ta »oar die Brücke. Jetzt stolperte er über den Stein, flog nach vorn, schlug gegen das morsche Geländer, das mit einem Knacks brach, und stürzte der Länge nach in den tiefen Graben. Da blieb er liegen, bis man ihn am nächsten Morgen! nach Zdurotschin brachte. Er hatte das Testament nicht mehr ändern können. Am vierten Tage nach Ostern begrub man ihn unter der Beteiligung aller Bürger und unter dem Geläut aller Glocken'. Der Bürgermeister hielt am Grabe eine tiefempfundene Rede, worin er die hohen Vorzüge des Verstorbenen pries, ihn den Wohltäter der Stadt nannte, seinen unvorhergesehenen Tod bitter beklagte und ihm ein „Ruhe sanft!" nachrref. Dann ließ der Gesangverein eine gefühlvolle Motette hören, wobei der lange Gesangvereinsschuster seinen ersten Tenor nach Möglichkeit zähmte. Alle aber dachten an das Testament, besonders Hugo Knorreck, der mitten unter der Menge der Leidtragenden stand wie ein Bauer, dem alle Schoten verhagelt waren. Auch Hedwig und Moritz Gasse! hatten sich ihm angeschlossen, hielten sich aber etwas abseits. Am nächsten Tage schon wurde, durch die beschleunigende Vermittlung des Bürgermeisters, das Testament eröffnet. Nnd der Notar las, während eine'andächtige Menge zü seinen Füßen lauschte. „Ich bestimme, daß mein Vermögen im Betrage von 3 005) 788 Mark zu gleichen Teilen unter die jungen Ehepaare zur Verteilung kommt, die sich in dem meinem Tode folgenden halben Jahre zusammenfinden. Die Bedingung ist, daß der weibliche Teil aus Zdurotschin stammt, und daß sich das Paar verpflichtet, mindestens zwanzig Jahre in meiner lieben Stiefvaterstadt zu wohnen." Schon am nächsten Tage waren siebenunddreißig Paare uufg.-boten. Aber dabei blieb es nickt. Bald war kein junges Mädchen mehr zu haben. Die Glücksritter, die von allen Seiten herbeiströmten, wagten sich an die älteren und ältesten Register. Endlich mußten die Witwen daran glauben, und sogar ein paar Schwiegermütter lvaren darunter. Noch lange vor Ablauf der Frist fand sich in Zdurotschin kein unvcrlobtes Mädchen zwischen sechzehn und fünfzig Jahren. Der Standesbeamte raufte sich vor Verzweiflung die Haare. Und jede neue Ehe, die auf Karl Zdurotschins Testament hin geschlossen wurde, war von den Verwünschungen der Vorgänger und Vorgängerinnen begleitet. Denn die Anteile schrumpften immer mehr zusammen. Und als dann der Termin abgelaufen war, kam auf jedes der dreihundertsiebzehn frischen tChepaare noch jnicht ganz^hntausend Mark. XIII. Hugo ging eine ganze Woche umher, als trüge er sich mit Selbstmordgedanken, geriet bei Franz Wiegelt, wo er tagtäglich Trost im Feuchten suchte, immer tiefer in die Kreide und wich seinem Vater geflissentlich ails. August Knorreck sah es sich noch drei Tage in Geduld an, da,in nahm er sich seinen Erstgeborenen auf b# Seite und verlas ihm gründlich die Leviten über diese nichts- würdige Faulenzerei. „Hier hast du das Reisegeld und noch zwanzig Mark extra!" ries er zornig. „Und jetz mach, daß du fortkommst!" Hugo steckte das Geld ein unid. Letzte seine trübseligste Miene auf. ,F)der willst du etwa dein Wort zurückhnben?" reizte Ihn der Vater. kein!" begehrte Hugo auf, und sein Stolz empörte sich, schön 1" meinte Au gust Knorreck befriedigt^ „Da wollen fvtr uns übers Jahr um diese Zeit wieder sprechen." Damit ging er hinaus. - Die Mutter aber hatte im Nebenzimmer gelauscht, huschte herein und wollte Hugo, der noch immer tiefbetrübt dasaß, ein paar heimlich ersparte Goldstücke aufdrängen. „Nein!" sprach er und schob Jie zurück. „Ich nehme nichts! Ich hcch's Vater versprochen. .Ist mein Koffer gepackt? Ich reise morgen." Frau Knorreck -füllte mit Seufzen die weiten Räume des öederkoffers und wollte das zurückgewiesene Geld darin verstecken. Aber es war ihr nicht sicher genug. Sie wollte es lieber mit der Post schicken. Hugo suchte Hedwig auf und klagte ihr sein Leid- Besonders die Schulden bei Franz Wiegelt lagen ihm schwer auf dem Gewissen. „Wieviel ist es denn?" fragte sie schnell. „Ungefähr dreißig Mark." „Na hör' mal," meinte sie ärgerlich, „das ist ein ganzer Happen." „Bezahlt muß es iverden!" entschied er und machte ein ganz jammervolles Gesicht. „Bopr Reisegeld kann ich's nicht nehmen, sonst komm ich kaum bis Berlin. Bon Mutter darf ich auch nichts mehr annehmen, upd Schulden mag ich auch nicht machen!" „Wirklich, Hugo!" rief sie glücklich. „Dann lperde ich die dreißig Mark bezahlen. Aber.dann mußt du auch fleißig sein uno dich auf deine eignen Füße stellen!" Das versvrach er ihr denn und fuhr am nächsten Morgen mit seinein Koffer auf dem Jorbwäaelchen nach Zdurotschin. Daniel Zpuppack kutschierte und pfiff auf dem Heimtveg vor Vergnügen, daß er diesen gefährlichen Nebenbuhler bei Pelagia Dilbin endlich los toar. Drei Tage später schickte Frau Knorreck das Geld, im Betrage von einhundertzwanzig Mark, nach Halle. Acht Tage später kam die Postanweisung mit dein Vermerk „Annahme verweigert" zurück, nachdem sie den Umweg über Berlin gemacht hatte. Die gute Mutter war todunglücklich. Zum Unglück fiel die Postanweisung auch August Knorreck in die Hände. Er nickte befriedigt. „Sei gut, Mutter!" tröstete er seine Frau. „Er wird sich schon durchbeißen. Es steckt doch ein guter Kern in dem Jungen." Seitdem hörten sie von Hugo nichts mehr. Nur hin uyd wieder erhielten sie eine Postkarte aiis Berlin, auf der ev durch Unterschrift sein Leben bescheinigte. (Fortsetzung folgt? 4 wie Wolfram vewern wieder zu seiner Mutter kam. Ein Kriegserlebnis. Erzählt von L. Malten. Wolfram . . .! Nie würde er den Ton vergessen. Auch im wildesten Toblen der Schlacht wird ihm die Stimme der Mutter wiederkehren, wie sie ihn zurückries, als er davonstürmte ... ein Geächteter ... ein Verjagter . Wie sie sich wohl abfand damit? Pah! Er würde ihr's schon klar machen, der Herr Stiefvo r, der ihn aus dem Hause gejagt hatte, um der freilich schlimmen Spielschuld, die die Mutter aus Eigenem nickst allein decken konnte . . . Der Krämer . Und nun steht Wolfram vor dem Feind. Alles ist leer in ihm. Neben ihm betet ein blutjunges Kerlchen von kaum 16 Jahren sein dlbendgebet. Er lacht bitter. Wer das auch noch könnte! Ihn, ist's längst abhanden gekommen. Tiefes köstlich beruhigende Eicli- Hineinbettcn in Christt Sckstitz und Liebe, ivenn der Tag zu Rüste ging. Mit offenen Angen liegt er auf seinem Posten im Schützengraben. Ter Junge, da neben ihm, trägt den Llbglanz eines fried- lick)en Elternhauses auf dem hellen Gesicht. Beneidenswert! denkt Wolfram. Wer er strafst sich sofort in Abwehr gegen sentimentale Anwandlungen. Dazu ist jetzt keine Zeit. Ta drüben irgendwo lauert der Feind. Tie Patrouille ist unterwegs, um seine Stellung auszukundschaften . . Mitternacht. Wie seltsam. In der tiefen Tnnkelheit um ihn ist's ihm plötzlich, als wäre ein großer Heller Ausschnitt . . . (£in sommerliches Zimmer, durch dessen breite Gartentüren und Fenster die Bäume Hereinblicken und der Weinstock mit den dunkelblauen Trailben, auf denen der Silbertau liegt. Und weiter hinten die g oldgelben Kieswege, deren Ränder dunkler Buchsbaum säumi. Ind droben auf der Höhe das alte Sctstoß mit seinen Türmen und den großen Bogenfenstern, deren Scheiben das Soimegold aufsaugen und glänzend inS Tal hmunterschauen, über die ae- wunde ne, i Wege fvrt, über ben dichte n Laybwald, wo in den Eichen 851 alte deutsche Lieder rauschen und der Uhu gespenstig über die Baumkronen streicht. , , Seine Heimat. Und durch den Garten schreitet eme hoch- gewachsene blonde Frau. Just so blondes Haar wie das des jungen Kriegsfreiwilligen, da neben ihn,, schmiegt sich um ihre Stirn . nur von hellen Silberfäden ist's durclchchossen . . . Und er steht ihre meisten Hände mit den blauen Aederchen auf dem Rückni, wie sie tfie fest gegen die Schläfen drückt. Ach diese Hände, -au warn, sic sich unr seine Kirckersäuste legen konnten und sie zum Gehorsam zwingen . . . zum Stilliegen . . . zum Beten. Und lefct drücken sie die schm.'rzenden Schläfen, in denen die Sehnsucht nach ihrem Einzigen hämmert. Und die Angst um sein lunges Leben. Und die Verzweiflung um seine Seele. „Mutter . Tie tiefe innere Not stöstt den teuren Namen aus seiner Brust. Aber nun er's anrust, versclMiindet das Bild. Ihn überrieselt eS seltsam — dieses Entrücktsein aus der Gegenwart. Er hat doch nicht geträumt? Er liegt doch müt weit offenen Mgen und späht hinüber über das weite Gelä,ü>e nach des Feindes -spur? dlber er braucht stärkere Gewißheiten, baß er fernab der Heimat tm Fcindes- lande ist. Er schaltet die elektrische Taschenlampe ein. § Da sieht er wieder den blonden Jungen, der in ihm d,e Dermal aufgeweckt hat. Wie er daliegt auf dein unwirtlichen Lager mit seinem frommen Lächeln auf dem Kindergesicht ... Bewegung im Schützengraben. Das Telephon schlägt an. Die Patrouille ist zurück. TrÄven liegt der Feind. ,.EKr«arabstn. ul starker Uebermächt," sagt der Patroutllenfübrer. Sie sind alle heu zurück. Die Deckung bcs linken Flügels ist arwesaat. Wer noch ist keine Meldung da, ob Hilfe ;ü erwarten ist. Dr§ Telephon. Major von B. sagt an: „Größte Vorsicht zu beobachten. Niemand rühre sich. Kein Licht merken lassen." . Wolfram hat seine Laterne längst wieder auSgeschaltet. So tref, wie er liegt, konnte niemcuck eine helle Stelle spüren von denen da drüben. Sein Herz packst in Ungeduld. Ein Angriff wäre il gerade recht. Ein wohltätiger Schluß. Und alle Qual Ende. Für ihn . . . 2lber die anderen . Ligen Kinderherzen unr ihn herum . . . freiwilligen . . . Und alle diese Mütter Neue Beroeaung Das Teleplwn. „Die Verstärkung ist unterwegs. Größte Vorsicht, bis wir beisammen sind. Sie benutzen den Laufgraben nördlich L. Dann sind nur in der Uebermacht. Es geht um den wichtigsten Stützpunkt bei d Weitere Meldung erwartkn." Wolfram legt den Hörer zurück. Je näher die Gefahr kommt, je stiller wird es in ihm. Eisesstill . . . Erst ivenn er den Fund sieht, glüht'S wieder in ihm auf. Er war schon in drei gstohen Schlachten. Sah alles um sich fallen — und stand. „Ja . . . wer aus die Kugel wartet, den meidet sie," hatte ein alter 1670er gesagt. Das mußte wohl wahr sein . . . Granaten fliegen. Das Knattern der Maschinengewehre weckt die Sclstäfer. „Alles in Bereitschaft?" sagt Major von B. an. „Zu Befehl. Herr Major!" „Wie frech die Bände da drüben wird," brummt ein Land- wehrnumn und droht mit dem Gewehr. Schrapnellfeuer antwortet ihm. ^Seiten geivehr aufgepflanzt, Sturum „griff!" Wie ein riesiger unübersehbarer Ameisenhaufen, der sich plötzlich auflösend übers Gefilde hinzieht. So lner. Unerhörtes Lärmen. Das Krachen der Geschütze. Das Fluchen und Toben der Feinde. T-as wilde jauchzende Stürmen der jungen, heldenmütigen Kneger. Und dann mitten im Vorwärtsjagen aus lausend Kehlen: Deutschhätte nn . Alle die jungen, mu-- Hunderte von Kriegö- land, Deutsck-land über alles — Ende der Schacht „ach tage- und nächtclangeu, Ringen. „Sieg auf der ganzen Linie!" sagte eine StimMe nebstn Wolfram. Der Landwehrmann ist's. „Freche Bande!" murrt er mit grimmigem Lachen. „Euch haben »otr'S besorgt." ,,Sie bluten ja, Kamerad," sagt Wolfram und will ihn stützen. „Nicht der Rede ivcrt, Herr Leutnant," antwortet der Mann. „Da, hier ist uiehr." Und seine Rechte, die m,verwundet blieb, zeigte auf die Gefallenen und Venvundeten. Sanitäter sind an der Arbeit. Da heben sie einen blonden Jungen auf die Bahre. Wie Wost- ram das Herz sck)lägt, als er's sieh:. Ter eine Mann stellt die Stütze zur Erde und »oendet sich aus den Ruf des Ar;tes zu einer anderen Gruppe, wo er nötiger ist. Wolfram tritt für ihn ein. Sie tragen den blonden Jungen hinaus aus der Gefechtslinie. Wolfrain kniet neben ihm . . . Ihm ist so eigen in seiner unbeholfenen Zärtlichkeit um das junge Leben. So »ounderbar ein Gefühl, daß da etlvas ist. das ihn braucht, etwas — das man lieb haben kann . . . Ein Kind — ein Bruder. Und er beugt sich l-inunter und küßt lei>'e die blonde Sirn „Mutter . . ." ruft, da er die Berührung spürt d.r junge blasse Mund. Und so sehnsücl tig. glückdurch-,velch klingt die Stünme. Ein Heister Schauer durchbebt die Brust d s Kri g rs. „Unser Vater in dein — Himmel — Tein — Name — lverde «heiliget - Bete dock)! mit — mir — Mütterlern-nne trrtmcr ..." Die feine weiße Hand tastet und sucht . . . Welfram um- sclstießt sie mit der seine,,, die der Krieg sck>o„ rauh gen'.acht, fest . . ganz fest . . . Ein selig glücklick)es Läck)eln huscht über das' junge Helden- gesicht und seine Lippen bewegen sich leise: „Dein Reich komme. Dein — Wille geschehe ans Erden — ivie ran Htnrmet — — m Wolfram erbebt. ,^Jck' höre dich — ja.— nicht, Mütterlein," klingt die junge Stimme und ihr Atem wird immer schwächer. „Unser täglich Brot gib uns heute," betet Wolfram, während ihm das Blut in die Stirn steigt. Ungeb.cken nahm er alltäg ich sein Brot — und nun lehrt ihn dieses Heldenkind aufs neue darum bitten ... „Und vergib uns unsre Schulden — " da stockt der jm ge Mund — ,oäre auch da ein unbeglichenes Konto in der jungen Seele . . . ? „Wie wir unfern Schuldigern vergeben." Es zieht wie eine heiße Gewalt diircb Wolframs Brust und reißt ihn ^i' Worie heraus, während seine Rechte die zuckende Hand des Ster'en.en umschließt. Nun blicken ihn zwei blaue Kinderaugeu an. sck.-u l. lb im Hinübergehn. Ta hebt er den jungen Leib, per sich ihm cn- gegenbeuat, bettet ihn an seine Brust, und sie beten beide zusammen laut zu Ende. ___ Nur das Amen sagt Wolfram allein ... Da ist die junge Seele schon entflohn. Es ist Nacht. Tie Kameraden schlafen. Die Tag' und Nächte, nter ihnen allen liegen, waren hart und schwer. Nun haben e Kamerccken in die kühle Eüde gebettet. Da draußen schlafen und und Feind in einem Bett. »lfram sitz! bstim Kerzenlicht und schreibt. Bor ihn liegen iefe und Schmu ckgogen stände mit den Bildern vereint, die cuch der DmAasche des Sterbenden genommen. ,,(&> lau e\„ Eiche, gnädige Frau, das Ihr heldenhaftes Kmd gefunden. Letz war »and der Mit Ung dann den Gehen stäri iveitLt von ih leicht astch ein SMl lie. Um ist's nril dem Ihnen und seinem Herrgott. Un> gn der er in seines himmlischen Bakers Haus." Xtt be» Beileids und der Begleitung zu er an die arme Mutter sendet, die nichts Vielmehr Wiedersehen wird wi e er? er inss seinem Bett. Niemand sieht ih.,. Er wcint. unge Heldengesicht, das stijl geworden ist? N^.n. Ihm pärc er eA selbst, der da dtaüsten in der kühlen Erde liegt, ' rweraebet auf den erstarrten Lippen . . . mit dem Bilde der Mutter in Sen gebrochenen Augen Und ist's denn nicht so! Ist es nicht seine Jugend, die so rein war wie mtz des Kindes und so gottduvchhaucht! Und so ttef gebettet in der Mutter Herzen! Und die nun gttstorben i't . . .? Wolfram toeint . . . Aber er ist sich dieser Tränen nicht bewußt. Sie Vinnen wie Perlen, die sich au ^ harter S^ale losgerissen, über sein gebräuntes, von den Strapazen schwer r Schlachten scharf markiertes Angesicht. Und wlcher iws ihm, M sähe er in der Dunkelheit um ihn einen Hellen Ausschn^t . . . Sern Stübchen dahmn, mit den Hellen Kirschbolzmöbeln . . w . Durch die ,misten Mulivorhänge dringt das uwrgendliche Sonnenlicht . . . Gerade über sein Kinderbett, das noch so steht wist vor Jahren — fällt ein Heller Sonnenstrahl fällt aus das blonde Haüht einer Frau, die bleich und mll-vor diesem kleinen Jungensbett sitzt, die Hände fest verschränkt und mit trostlosen Wgen auf die leeren Kissen starrt. Da rei Wolfram sich einpor vom Lager, das ih:, brennt ,me ern voqsuShomd. Er zündet das Lickst an, zieht das Schreibzeug hervor, urtb schreibt nach langen, langen Wochen den eisten Brief an seine Mutter: „Du ernzig gute Mutter, Gott wor mit m!r bis zu dieser Stunde . . vermischte». • D e r richtige Engländer. Bor mehreren Jahren hatte, wie wir in oer bekannten ..Bibliothek der Unterhaltung und de« Wissens* (Union, Deutsche Berlags-Gesell» schuft, Stuttgartl lese», ein Einwohner von Basel „ach längeren vergeblichen Versuchen endlich das Oberhorn glücklich bestiegen. In der Fr ende seine« Herzens stellte er au« einen, dürren Ast und seineck blanseidenen Halsluche eine Art Banner her und pflanzte eS in den Schnee. Al« er die« nach dem Abstieg an der Wirt«. bauSta^l anderen Reisenden erzählte, fügte er lachend hinzu: ^Ich kam ,ntr vor wie ein Wcltretsender, der ein neueutdeckte» Gebiet für sein Vaterland mit Beschlag belegt.* Ein Engländer, der gleichfalls an der WirtStalel gesessen hatte, war dieser Rede ans- merksan, gefolgt. Am anderen Morgen trat er den Ausstieg nach derselben Bergspitze an, während der Baseler nach Hanse zurück- reiste. Einige Tage daraus erhielt letzterer nun mit der Pos, ein Paket, in den, er zu seinen, Staunen das blauseidene flaggen- Halstuch versa»,d und daz», eine Karte jene« Engländers, nut dem er in, gleichen Gaslhos gewohnt hatte. Auf der Karte standen die Worte: „Ihr Tuch erhalten Cie hiermit zurück. Ich habe aui dem Oberhorn die englische Flagge ausgepfianzt.* Daß diese nicht lange da oben wehte, dafür sorgte natürlich der wackere Baseler. 'Die Fabnen und Landesfarben der krieg- führenden Lände r. E« dürfte eiitt nicht jedem bekannter Zufall sein, daß die Farben Deutschlands und Oesterreich-Ungarn« Feinde rot-blan-iveiß und und zwar: England weiß, durch ein rote« Kreuz in vier Felder geteilt, von denen das Feld oben am Flaggenstock ein rotes Tripelkreuz auf blauen, Grunde zeigt. Frankreich führt, nne bekannt, die Farben blau^weiß-rot senkrecht zun, Fahnenstock, Rußland blan-weiß-rot in wagerechten Streifen. Serbien rot-blau-,veiß gleichfalls in wagerechten Ctrcife», und B&fi - Montenegro weih-blau-rot wagerecht. Hierzu gesellt sich Belgien schwarz-gelb-rot senkrecht zum Fahnenstock. Durch den Hinzutrtt Italiens zu unseren Feinden ist nun diese blau-weiß-roie Harmonie gestört und außerdem der Wea zu Verwechselungen gegeben, indem nämlich die Laudessahue deS Königreichs Ungarn die Farben rot- weiß-grün in wagerechten Streifen als LandeSfarben zeigt, Hot Italien die gleichen Farben in umgekehrter Folge grün-weist-rot r«d senkrecht zunr Fahnenstock. Tab das Kaiserreich Lesterreich schwarz-gelb und Deutschland schwarz-weist-rot seine Farben nennt, ist allgemein bekannt, Ein schönes Bild, wie die drei Fahnen der treuen Bundesgenossen Deutschland, Oesterreich und Ungarn ihren tapferen siegreichen Heeren vorschweben, gibt z. A. das Titelbild zu BongS illustrierter Kriegsgeschichte .Der Krieg 1914/15 in Wort und Bild*. * Wahrheit und Dicht ungauS d e «i K ä ni u \ e » a u f Gallipoli. Englische Blätter klagen über die K r i e g s - listen, die bei der grasten Landung der Verbündeten i» der Nahe von Sedd-ül-Bahr von türkischer Seile ange>vai,dt »vorbei, sind. Tie Maschinengewehre der Osmanen waren hinter Büschen versteckt und die BedienungSmcuinschatten hatten nicht nur Hände und Gesichter grün geiärbh sondern sie waren auch unter Blattwerk völlig verschanzt. Die Schwierigkeit der Landung erhöhten Kanus, aus denei, sich türkische oder deutsche Scharffchützei, befanden, die über beträchtliche MuuitionSmengen und Lebens,milel für meyrere Tage verfügten. Scheinen diese Einzelheiten den Tatsachen z»l entspreche«, so gehen manche ander'«, von der enMchßl, Presse berichteten Züge wohl eher auf Erzählungen am ^rgerseuer zurück, dre nicht immer aus geschichtliche Treue Anspruch machen können. So soll sich z. B. einer Abends ein Arzt den englischen Verbandplätzen genähert und sich unter der Hand nach Herkunft und Stärke der auSgeschisflen Truppen erkundigt haben, bis einem findigen Australier eine kleine Ungenauigteit in der Uniform des Camtäls- osfizierS anffiel und dleser als Deutscher iestgestcllt wurde!l Australische Soldaten wollen auch beobachtet habe,^ dast dunkel- sarbige Männer vor ihren Linien evfebienen und mit einem lauten „coldam, Sahibs, wir find PunpschabiS* den Mmifch äußerten, zu ben Gegnern überzugehen. Als sie alsscklich herüber gelassen worden waren, stellte es sich herchiS, dav die vermeintlichen Inder schwarz geschminkte Türken und & natürlich! — Deutschs waren, die sich auf diese Weise in die britischen Linien hätten erschleiche, wollen. Eine dritte, in den Reihen der Cxpeditlonstrupv»,, um- lausende Ranbergescbichte berichtet, dast eines Morgens eine Gruppe englischer Krankenträger mit Tragbahren vör den britischen Schützengräben ausgetaucht wären; det führende Arzt wäre iurch,- loS auf die auf ihn gerichteten Gewehre zugefchrittcn und hatte die wachthabenden Mannschaften aufgefordert, seinen Transport durch- zulasfen. Selbstverständlich feien auch die Sanitäter Deutsche und Osmanen gewesen, die ans ihren Bahren nuir Munition und Maschinengewehre beförderten, um sie an einer günstigen Stelle hiirter der britischen Front aufzuflellcn. * Die Weichselindian er. In diesem Sommer fehlen aus dem in diesem Kriege so beruh,nt ge,wordenen Wetchselsirom die ivettergebräunten, halbnackten Flchaken, die man wohl mit Recht die We,chseli„dtaner gen.mnt hat. Tie Fln'saken sind die Führer und Lenker der Holztrasten und bilden sonst wahrend der Sommermonate eine ständige Erscheinung aus dem Weichselstrom. Die Tratten werden im Innern Russisch-Polens zusan,mengesetzt und bestehen auS 30—40 groben Tafeln verschiedener Lang- bezw. beschlagener Hölzer. Tie einzelnen Banmstämine werden durch starke Querleisten zusammengeh.ilten und die Tafeln durch Seile ver- bnnden. Eine Traft bedeckt eine ziemliche Strecke deS Stromes und ist durchschnittltch 10 Meter lang und 20-30 Meter breit. An beiden Enden sind lange Ruder befestigt, durch die da« Flost gelenkt wird. Auf den Tratten erblickt man eine Anzahl niedriger Ctrohbuden. in denen die Flissaken ihre Hadseligkeiten u,verbringen und thr Nachtlager ans Stroh finden. Drei bis vier Mann müssen sich in oeii engen Raum einer solchen Ctrohhütte teilen. Auf manchen Tratten, erheben sich größere Holzhütteu; daS sind die Wohnungen der Trastenbesiher bezw. -Führer. Tie .Flissaken* stammeu weit ans den» Innern des Zarenreiches und auS Galizien N« brachten zeigen bei aller Dürfrigke t eine große Vielseitigkett. Vorliebe kleiden sie sich mit abgelegten preußischen oder oll r-v ! , n *'£ruien. In Thorn haben sie ihren Sammelpunkt am Altstadtischen Markte am KoperuikuS-D-ukinal. an dessen Stufen sie tu der So,,ne liegen und ihr frugales Mahl elnnehmen. ES besteht zumerst auS Salzbering und Brot, und ein tüchtiger Schluck voffmanns tropfen macht den Beschluß der Mahlzeit. Am der Tratt bereitet uch der Flisiak auch eine warme Suppe oder ein Gericht Kartoffeln in primitiven Kochtöpfcn ans einen, durch ausgeschüttete Er.e gebildeten Herde. Auf jeder Holztratt wird durch eine große I,Ileitu„q: Au«, «oetj. - R°,a,im,»druck und Fcrlng brr BrühNchm Univ.rsilaie-Buch. unb Sleinbrucfcret, R f onf » O’eLt'Z