Donnerstag, den 5. Juni Lurück zur Scholle. VLoman von Ewald Gerhard Seeligev. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) _ -,Jch bin der freieste Mann von Zdurotschin!" schrie ^ .otschin. „Mir kann keiner! Ich kann machen, was ich null. Ich kann mir alles leisten! Hoch die Freiheit, sie soll leben, dreimal hock!" ..Prost!" sagte Hugo kleinlaut, denn er war an sei,rer wundesten Stelle getroffen worden. Beim fünften Glase schickte Karl Zdurotschin den Kellner hinaus und vertraute seinem Kumpan daß große Geheimnis an. Hugo riß Mund und Augen auf. „Menschenkind!" rief er überglücklich. „Dann bin ich ja dem Schwager!" „Ssst!" machte Karl „ „Nicht so laut. Was mein! „Keine Krage!" spra^ nicht! Wofür ist sie meine Schwester! ,Du könntest eigentlich ein Wort für mich einlegen „Du könntest eigentlich schlug Karl Zdurotschin vor. .Hundert!" versprach j zu zögerte, die Summe . nffen!" drängte Hugo eifrig, für dich agitieren ra nennen. -,Un- f ann der es bleibt rei Millionen Du Ir ^—- vw lf »,uu, Hugo begeistert. „So einen Schwager Hab ich mir schon lange gewünscht. Wieviel hast du denn eigentlich?" Karl Zdurotschin „Das muß ich wissen gefähr bloß. Damit ich besser Das sah Karl Zdurotschin ein. „Nu, ich denke," flüsterte er zögernd, unter uns, ich denke, es werden so etiva sein." „Taler?" fragte Hugo ziestewußt. „Mark!" erwiderte Karl Zdurotschin ärgerlich, bist wohl verrückt?" „Auch gut!" meinte Hugo gönnerhaft. „Mit zwei Millionen könnt ihr ganz gut auskommen." „Nu, nu!" grinste Karl Zdurotschin. „Setz dir nur ferne Raupen in den Kopf. Bar Geld kriegst du nicht in die Finger. Einen Wechsel von dreitausend Mark sollst du haben." „Viertausend!" schlug Hugo vor, dem sich die Zukunft rosig malte. „Dreitausendsechshundert!" gab Karl Zdurotschin zu. „Aber keinen Pfennig mehr!" „Abgemacht!" rtef Hugo glücklich und hielt ihm die Hand hin. i Karl Zdurotschin schlug ein. „Und das Testament?" „Das ändere ich erst, wenn sie ja! sagt." ^schwur sich Hugo. Laß mich nur machen. Ich tverd ihr die Sache vom Standpunkte der reinen Vernunft erläutern." Karl Zdurotschins Augen strahlten in seliger Woirne. Himmelfahrt komm ich!" stöhnte er glücklich. „Sie hat mich eingeladen!" „Wozu willst du so lange warten!" hetzte ihn Hugo auf. „Komm gleich mit. Wir nehmen einen Wagen, und in zlyki Stunden ist die Sache perfekt." „Nein!" sagte Karl Zdurotschin und schüttelte den Kopf. „Auf dem Wagen fahr ich nicht gerne. Und mit der Tür ins Haus fallen will ich auch nicht. Aber zu Ostierst, was meinst du?" „Gründonnerstag!" s. chlug schlec Hugo vor. „Da sind die Frauen schlechter Laune," erwiderte Karl Zdurotschin. „Es bleibt bei Ostern. Wenn's am ersten Feiertag regnet, komm ich am zweiten!" >rost!" schrie Hugo übersetz Dann bestellte Karl Zdurotschin Sekt. Als Hugo am nächsten Morgen um vier Uhr auf den Marktplatz trat, war ihm zumute, als wäre er ein tanzender Stern im Weltenraume. Altes drehte sich um ihn herum. Aber er raffte fick zusammen, marschierte durch die frische Morgenluft und kam nach zwei Stunden in einer beinaye würdevollen Verfassung vor seinem Vaterhause an. August Knorreck war zum Glück schon auf den Feldern. Nur die Mutter empfing den Heimgekehrten. ■J&ugo!" rief sie und drückte ihn ans Herz. „Wie siehst du aus. Du bist gewiß) die ganze Nacht durchgefahren." Er nickte, ließ sich ins Bett packen und schlief bis zum Mittagessen. Da erschien, er und grüßte herablassend na ' allen Seiten. Der Vater knurrte etwas in den Barl u reichte ihm flüchtig die Hand. Hedwig sah ihn an und dachte sich das richtige. Thomas Hauschild begrüßte ihn mit einer gewissen Herzlichkeit, die schon deutlich auf die zukünftige Verschwägerung hinwies. Und die Mutter sorgte sich um seinen Appetit, der überdies gar nicht schlecht war. „Herr Zdurotschin kommt schon zu Ostern!" sprach Hugo leichthin, während er sich noch einmal den Teller füllte. „Ach wie schön!" ries Hedwig schnell. Alle schauten sie an, die Mutter verwundert, der Vater kopfschüttelnd, Thomas Hauschild ärgerlich und Hugo höchst Ausrieden. Jetzt ging alles gut! Die Freiheit des Drei- tausendsechshuiidertinarkwechsels war ihm sicher. „Auf diesen Kerl freust du dich noch?" fragte der Vater mißbilligend. „Wenn er doch so ein gutes Herz hat!" verteidigte sich Hedwig kleinlaut. „Das hat er!" sprach Hugo vorwurfsvoll. August Knorreck und Thomas Hauschild verließen kurz darauf das Zimmer. Auch Hedwig verschwand. Hugo mußte noch einige mütterliche Zärtlichkeiten über sich ergeben lassen, dann suchte er Hedwig aus, um seine hohe Mission iu erfüllen. Er traf sie in der Küche und wollte ihr einen ~ lß aufdrücken. „Geh!" rief sie und stieß ihn zurück. „Bon dir schon gar nicht!" — 838 ^2 „Warum denn nicht?" fragte er neugierig und strich sich den kleinen, dunkelblonden Schnurrbart. „Weil du," rief Hedwig und suchte nach einer richtigen Bezeichnung, „weil du ein Egoist bist!" „Sieh mal an!" lachte er und fuhr sich über die Stirn, denn er hatte einen widerspenstigen Kater. Wenn er aber den Kater hatte, »var sein Gehirn stets von einer verblüffenden Geistesschärfe. Dann konnte er Weisheiten von sich geben, die unwiderrufbar klangen und von einer unerhörten Schlagkraft waren. „Jawohl," rief sie empört, „du bist ein Egoist!" „Der Egoismus ist die Religion der Zukunft!" „Laß mich mit deinen Verrücktheiten in Frieden!" „Das weibliche Gehirn befindet sich noch im Embryonalzustand. Deshalb kannst du den Sinn meiner Worte nicht erfassen. Denke dir eine Zeit, in der alle Menschen Egoisten sein werden!" ,^Jch werd mich hüten," rief sie rasch. „Die ganze Welt mit solchen Leuten wie du einer bist, dafür bedank ich mich. Was tust du denn?" „Muß der Mensch denn immer etwas tun?" „Du bist faul und lebst von deiner Eltern Geld. Ich würd mich schämen, wenn ich die Schulen besucht hätte- wie du, und mit vierundzwanzig Jahren auch noch einen Pfennig annehmen würde." „Das hört auch auf!" erwiderte er selbstbewußt. „Wirklich?" rief sie glücklich und nahm ihn bei der Hand. „Du willst wirklich arbeiten und fleißig sein, Privat- stunden geben und Geld verdienen?" „Hm!" machte er und stützte den Kopf in die Hände. „Sieh mal, Hugo!" sprach sie auf ihn ein. „Es geht wirklich nicht so weiter. Vater brummt und Mutter seufzt. Und wenn Vater erfährt, daß sie dir immer noch Geld nebenbei geschickt hat, da gibt's einen höllischen Krach. Du solltest doch Vernunft annehmen. Ein Mensch wie du, der gesund ist und soviel gelernt hat, der sollte sich doch sein Brot allein verdienen können. Ich arbeite doch auch den ganzen Tag!" „Es wird an dir liegen!" erwiderte er dumpf und feierlich. „Ganz allein an dir!" „Aber wieso denn?" lächelte sie unsicher. „An mir? Was kann ich denn dabei tun. Hugo! So sag'A doch, was ich tun soll." „Wart's ab!" rief er, trat vor sie hin und drückte ihre Hand. „Ich kann mich auf dich verlassen!" „Ja, was soll denn das heißen? Freilich kannst du dich auf mich verlassen, ich bin doch deine Schwester.^ „Es ist gut!" sprach er und zog sie an sich. „Du bist das beste Madel, das ich keime! Rur darfst du mich nicht im Stiche lassen!" Dann ging er hinaus. Es war ihm doch etwas schwül geworden. Draußen schritt eben der Vater vorbei,, um nach dem Vorwerk zu gehen. Hugo schloß sich ihm an. August Knorreck sprach kein Wort. „Weißt du, Vater!" sagte Hugo, als sie aus dem Dorfe traten. „Ich verehre dich!" „Laß die Albernheiten!" knurrte er ihn an. „Im Ernst!" beschwor Hugo. „Du bist eiir Nichtsnutz!" _ "P €n deswegen. Ich merke, daß mir was fehlt. Und das ist gerade das, was du im Uebermaß besitzt." „Weiß schon, das Geld!" erwiderte August Knorreck. „Wirst dich aber grimmig täuschen." ,,-^u verkennst mich aus deni Grunde!" verteidigte sich Hugo gewandt. „Ich meine deine Biereifrigkeit auf die Arbeit. Ich bin nun einmal das direkte Gegenteil Und daraus machst du mir einen Vorwurf. Ich tue doch nur dasselbe, waS du tust!" Der Vater blieb stehen und sah seinen Erstgeborenen fragend an. „ „ ist sol" rief Hugo auftrumpfeiü». -,Du lebst dich aus, ich auch." ^ meincc Tasche!" sprach ruhig der Vater und schritt weiter. „Das hat aufgehört!" schwur Hugo fest. „Von heute ab nehme ich keinen Pfennig mehr von dir an.“ cyi ."Sch?", schau!" antwortete der Vater ungläubig und blieb wieder stehen. „Ist das ein Wort?" 8 „Ern Mann ein Wort!" rief Hugo und streckte die Hand aus. „Auch von Mutter nicht?" fragte August Knorreck vor> sichtig. „Nein!" gelobte Hugo unerschütterlich. „Und ohne Schulden zu machen?" „Keinen Pfennig?" ,/Jünge!" sprach der Vater warm und drückte ihm die Hand. „Wenn du das ein ganzes Jahr durchhälst, dann glaub ich, daß noch was Vernünftiges aiis dir wird. Wenn nicht Pastor, dann was anderes." „Was anderes!" wiederholte Hugo und steckte sich eine Zigarre an. Dicht vor dem Vorwerk fanden sie Moritz Gassel, per schon wieder Ferien hatte. Er grub wilde Rosenstämmcheu aus und war wie gewöhnlich von einer Zaspel Kinder umgeben. Hugo ließ den Vater allein weitergehen und freundete sich geschwind mit Moritz Gassel an. Auf dem Rückwege erzählte ihm der von seinen Plänen, lud ihn ein, den Garten zu besichtigen, eine Tasse Kaffee nicht ausmschlagen und setzte die Mühle sofort in Bewegung, nachdem sich Hugo auf das Sofa ausgestreckt hatte. Denn er war noch immer etwas müde. Nachdem Moritz Gassel eine halbe Stunde doziert hatte, richtete sich Hugo auf, verbrannte sich an dem heißen Getränk die Zunge und sagte: „Verflucht!" Moritz Gassel lachte ihn aus. „Sie sind ein Idealist!" behauptete .Hugo. „Sehen Sie mich an, ich bin auch einmal so gewesen. Aber das ist schon lange her. Die Freiheit ist nur Chimäre. Es gibt nur eine Freiheit: die der Idee! Nur darf man sie nicht aufschreiben. Dann ist! sie nicht mehr frei." „Aber Sie als Student!" rief Moritz Gassel verwundert. „Sie haben doch die akademische Freiheit. Wenn ich da an das Seminar zurückdenke! Wie die Sträflinge hat mau uns behandelt." „Akademische Freiheit!" lachte Hugo verächtlich. „Ich Hab nichts davon gemerkt. Man belegt Vorlesungen uüd genießt die Freiheit, sich von einem Mummelgreis von Professor vorauatschen zu lassen, was er vorher aus drer- uudzwanzig Büchern abgeschrieben hat. Vor fünfhundert Jahren war diese Methode angebracht, aber heute ist sie ein Blödsinn. Da ist es doch besser, man setzt sich zu Hause auf die Hosen und liest die Bücher selbst. Schöne Freiheit, die freie Wissenschaft immer durch die Brille eines kurzsichtigen Prosessorchens genießen zu müssen." „Doch Sie haben Verbindungen!" lvarf Moritz Gassel ein. „Da ist das Leben lustig uno frei." Hugo schlug ein Höllengelächter an und setzte sich auf. „Horen Sie mal!" keuchte er und hielt sich den Bauch. „Sre haben eine schöne Vorstellung von dem Zimt. Mit Scklachtmessern gehen sie aufeinander los und zersetzen sich das Gesicht. Ich habe vorgeschlagen, zu diesem Zweck den Gegenpol des menschlichen Körpers zu benutzen, weil da für Schmisse viel mehr Platz ist, bin aber nicht dnrchgedrungen. Und dann das fürchterliche Gesaus. Ich stell darin meinen Mann, weiß Gott! Aber kommandieren laß ich mir nicht. Die Freiheit im Genuß ist mir mehr wert, als diese Versicherung auf Gegenseitigkeit, die man Korpsbrüherschast nennt und die nur Bierbäuche und feudale .Hohlköpfe erzeugt." „So?" fragte Moritz Gassel hilflos. „Was wollen Sie denn werden?" n immer was werden?" gab Hugq mein Leben. Alles andere ist ja sv überhaupt eine erstrebenswerte Sache „Mun man oenn immer was werden?' zurück. „Ich genieße gleichgültig. Gibt es ._ auf dieser Welt, so ist es Geld." „Da mach ich nicht mit!" sagte Moritz Gassel schlicht „Na!" meinte Hugo und schwang sich von dem hohen Pferd herunter. „Das verlangt> feiner von Ihnen (Ö t[t ein Glück, daß die Menschen verschieden sind. Kommen Sie mit zurtt Wiegelt, einen Schoppen trinken?" „In einer kann ich nicht, gieren." ?4mbe!" sagte M , JdJ muß noch einen (Fortsetzung folaU reumant ooütfofer. Eine ivahre Begebenheit aus unserem Kriege von Paul Burg, (Nachdruck verboten.) DreiMÄ leuchtete der Name aufs Leutnant Zolltkoferl *3*1 Ärsche"- Das erstemal» In dem dchmiierigen K erhob sich der frühe und hastige Gast, über den so viele M Si 389 ^2 fo viel« mit ©ennmbcruitd f: trat auf bfe Veranda jmauS, T, hinter seinem te jmM Da» ,Meür gnMgeS JräaiKtn, verzeihen Sie gÄHdll Ich B Sie mit roter Tinte schreiben, wrriaieren an diesem si Nun ^— —*— ‘—- - 1 - »V-'her da - I; ich foU anoern, um es mtt roter zruue tun, vamu oer Maue Herr sogleich scheu rann, »vierveit ich ihm zu Willen ändere. . rem gnädiges Fräulein, glauben Sie mir, ich hätte es nie gewagt — aber wo soll ich 'hier zwischen den Bergen rote Tinte her nchnren? Und der Mann bedrängt mich so arg . . v^ie war aufgestanoen, rückte ihm zu und reichte ihm jdas kleine Füßchen Tinte, auch den Halter. Und er Nahm beides, hielt ihre Hand fest und beugte sich galant darüber. Erst nach dem Handkuß stellte er sich vor: „Professor Mittelbach ! Ihren Namen verstand er nicht, so leise sprach sie. Oder gab er so wenig acht, weil ihn die Äugen, diese tiefen Augen viel mehr beschäftigten? „Sind Sie Schriftstellerin?" zeigte er auf die Korrekturen. „Da müssen Sie mir erzählen, wir müssen Freund« werden. Ich vabe mehrere Freuiide, die Schriftsteller sind. Aber eine Tame... hie habe ich mir immer ganz anders gedacht, alt und ehrwürdig, mit einer großen Brille." ^ie lachte hell auf und ließ sich von seinen Schmeichel- worten emfangen, Mit ihm zu plaudern. Die Terrasse stiegen sie hinab und wanderten in den Wald. Srachmittags holte er sie ab, speiste abends mit ihr. Sie wurden an diesem einen Tage ehrliche Freunde und sprachen sich vieles vom Herzen, Pläne, Hoffnungen ffip Träume. Sie mußte ihm auch erzählen, was sie schriebe. Emen RoMan von eineni Leutnant. Sie wolle darin den neuer? Keift unserer Zeit der Technik und seinen Einfluß auf den Offiq ner ausdrücken. Ein Flieger sei dieser Leutnant, keiper von den Mgen, süßlicheti Flirtfiguren, die es »vohl auch gar nicht mehr M der Arn^ee Mbe. / ~ . "öch/' bestätigte ihr der Professor und bekannte, Mber Offizier der Reserve zu sein. Das Thema interessierte ihn, ttoch mehr dre finge, junge und so ohne Vergleich schöne Schriftstellerin. Nach Tagen war er sich gewiß, daß er sie liebte. Immer sprachen sie von Problemen und Themen, auch von sich selber, zumeist von dem Roman. „Wie soll er deim heißen? Wann erscheint er?" -Da will^ich c sein Hetz: ,Leuttrant Zottikfer." S 'es Orches den, Titel . in seiner Geldtasche verwahrte. Den nächsten Tag und die folgenden sprachen sie auf einmal nicht mehr von dem Buche, auch nicht mehr von sich selber: die Ereignisse der Welt draußen stürniten auch über daS stille Bad Kentleaenen WaÜrtal herein. Der Krieg drohte! Er brach auS. llftd Professor Mittelbach mußte abreisen, wie die meisten Männer. WZ dE gmg er mit seiner neugeivonnenen Freimdiu ^rch den Wald. ES war ein schnelles, bnLigendes Wandern und M zwn'Ab?Med^^ ^ tTjre Herzen schlagen. Und küßten * '^P n f F wiederkomme, Liebe, Liebste-hier wollen wir nnS Wiedersehen, wo »vir uns zueinander fanden!" J? o- f Ä? ure £ 1*2* »u- Und er schied, tfyrc Blumen, ihre Jefcteh J3ie& e S(jnt&e mtretieuj Händen. Weinend winkte sie ihm nach. „ kamen Mvergende, schwere Wochen für beide. Kamen Är ^ J lllj 5 bin. „Ich bin gegen Rußland!" schrieb tr ihr. „Und es geht hart her." ^ebwigte zitterte um ihn vergaß ihre Kunst, ihr Buch, ba« unbemerkt in bat^ erften ßodyen des großen Krieges erschien, «lumen, kleine Angebinde, Leckereien schKt« sie ihm, und hatte ^wch Nie so wunderschön, so innig geschrieben, als in den Begleitbriefen zu icdem Päckchen. S Slber Me ©eniungtntoten alle nacheinander jurütf. «er- urile«! ÖUf “ nb äsenden, nachher Mcfi noch: Sie nagte »or allen Türen um Rat, wollte die Adresse des gefangenen in Rußland erfahren. Wochen vergingen, flirchtbare ' «^a,kmn Antwort vom Nachweisebureau: Ein Offizier ff iZ Monieren namens Mittelbach, ArHtekt von Zivilberuf, tft nicht unter den deutschen Gefangenen in Riißland. varU'vZckNL^"^ " Um % 0(3 gültig. Er MNdringlichc TrauerNetder, denn er d. 'Vj V der Welt noch ein Fremder gewesen, und sie «JjJ« rL w der Me»is Sie spazierten iM Walde, und er erzählte vvn sich, von seinen Geschäften, bon ihrckn Buche. j, ... . Da ist mir letztens etwas Seltenes widerfahren. Denken Sie nurr Ich erhalte ein Schreiben vom Armee-Ober- komMando-Ost, iuiS dem ich zuerst gar nicht klug geworden bin. Ich habe es Ihnen des Interesses halber mitgebvacht." Er blieb stehen, zog einen dicken, gelben Amtsbrief auS der Tasche und wollte ihn entfalten. Da streckte sie schon die Hand danach aus, gebieterisch: „Geben Sie!" Erstaunt reichte er ihr den Brief, llnd sie riß das lveiße, engbeschriebene Blatt heraus. Ihre Hand zitterte heftig. 3Mm Tieferbetten einiger von den Russen zu flach angelegter Gräber aus den ersten Kriogswochen haben wir letzthin Mich em paar unermittelte deutsche Soloaten aufgeflinden, darunter ein Mann, der unzweifelhaft ein Offizier und aus besserenr Stand geweseii ist. Leider ist er nicht mehr erkennbar, hat auch kein Erkennungszeichen, keinerlei Wertsachen oder sonstiges bei sich ge- baR. Glatt ausgeraubt von den Russm. Nur in der geleerten Geldtasche fand sich ein abgerissener Notizbuchzettel mit den beiden Worten: Leutnant Zollikofer, in flotter Bleisriftschrift. Ein deutscher Offizier diese- Namens fanb sich jedoch nirgends in den Listen. So wirrde der unbekannte Tote wiederum beigesetzt, ohne fest- aestellt zu sein. Gr ist in ein Grab für sich gebettet. Das Grab!- krenz ist ohne Inschrift. Beim Nachforschen deS ausgezeichneten Namens „Zollikofer" hat sich dann berausaefteNt, daß es ein Du ck dieses Titels gibt, das sich der gefallene Loldat »vohl ausgezeichnet hatte, um es sich vielleicht später zu kaufen oder zu enlleihen. Ein Offizier beim Oberkommando kantitc das Buch selber und erklärte, es wäre in einzelnen Heeresteilen sehr bekannt uiid verbreitet. Durch ilm erfuhretl wir auch Ihren Verlag und teilen Ihlten alS dem Verleger des Büches den Vorfall mit, ohne annehmen zu »vollen, daß Sie vielleicht zur Rekoanoszieruiig des unermittelten toten Soldaten beitragen könnten. .Andernfalls »vollen Sie jede z»veckdie»iliche Auskunft . . ." Das Briefblatt flatterte auf den Waldboden. Der Verleger bückte sich, es aufzriheben. ,DaS Mich man Ge»Msse»lbaftigkeit nennen, rnckst »vahr?" richtete er sich »vieder auf. Und verstiimntte jäh. Er blickte i»t ein totenbleiches Frauenantlitz. „Llber verehrteste Freundin!" „Kommen Sie! Ich »oill Hinreisen u»id den Nameti auf daS leere Grabkreitz schreiben," flüsterte sie tonlos u»id zog den Ver- »vunderten, Erschütterteri mtt sich. In Chxfurcht sch»oiea der Wald u»id dä»npfte die hastigen Schritte des jimgen Wewes, daS nach dem Grabe seiner Liede drängte. _ vermischter. * Unsere Höhlenbewohner an der Aisne. Der Kricaömaler Ernst Vollbehr, der mit unsern Feldgrauen in den Höhlen und Steinbrüchen an der Aisne gelebt hat, schildert seine Erfahrungen in einer fesselnden Plauderei, die er in der Umschau veröffentlicht. Die Höhlen, die natürliche, starke Festungen darstellen, scheinen zum Teil aus der Zeit der Höhlenbewohner zu stammen: sie gewähren mit den gewaltigen verwittertest Riesensäulenklötzen, die die Decke stützen, einen malerischen Anblick. Vollbehr gewöhnte sich bald an das Höhlenleben und an den Kanonendonner und malte die mannigfachen Bilder des Soldatenlebens, die sich in den romantischen Höhlen entfalten. Hier waren Soldaten dabei, ein Wein fast zu leeren, das ihnen als Beute zugefallen war, dort zahlte an einem Tische ein Untier- offizier das Monatsgehalt aus, während ein anderer zahlreiche Postamveisunaen ausschrieb, durch die die Soldaten das Geld in die .Heimat schickt«!, dann sah man wieder Schuster und Schneider bei der Arbeit. Gewehrappell wurde abgehalten, an anderer Stelle spielte man Karten oder rüstete zur nächsten Mahlzeit. Ganz im Hintergründe schliefen einige hundert Pioniere, die in der Nacht an den Schützengräben gearbeitet hatten. Während über dem Eingang die Granaten himvegzisclüen, fühlten sich die Soldaten unten in den Höhlen sicher und wohl. Ein Bild wie aus den ersten Zeiten der Christenheit entfaltete sich, wenn an den Sonntagen die Soldaten aus den Schützengräben kamen und sich um den auf« gestellten Altar zum Gottesdienst versammelten. In einer unterirdischen Küche fand Vollbehr am Herde einen Soldaten, der als Koch berühmt )var und sich gerade damit beschäftigte, Fleisch zu braten. In der Decke waren Äranatlöcher mit Stroh ausgestvpft, die Fenster auf der Feucrseite ivaren mit Türen verrammelt, und der Kock) „Karl" war lvütend, weil ihm am Morgen die Küchenuhr und einige Gläser durch Schrapnellschüsse vernichtet waren. Trotzdem schmeckte das Essen hervorragend. Auster der unterirdischtm Kück-e gab es noch eine Reihe tiefer Keller, die etagenartig untere einander lagen und in denen die Soldaten, tvenn sie aus den' Schützengräben abgelöst waren, bombensicker ruhen und aus schlafen konnten. Auch das Bureau des Majors und die Verbandplätze ivaren unterirdisch. Als eines Abends die Soldaten in der grasten dunklen Höhle bereits schliefen und nur noch ein kleiner Teil im Mondschein vor dem Eingang säst und Heimatslieder sang, kam völlig erschöpft ein Soldat nnt der Meldung angelaufen: „Die Engländer sind im vordersten Schützengraben/' Im Augenblick 'war alles aus dem Schlaf und stand marsch- und kampfbereit vor der Höhle, um im Laufschritt gegen den Feind vorznaehcn. Die Wache batte jedoch bereits den Angriff zurückgescklagen, so daß sich die Soldaten wieder in die Höhlen zurückziehen konnten. Wie R a d e tz k y im ö st e r r e i ch t s ch - i t a l t e n i s ch e n Kriege zum Schnurrbart kam. Im österreichischen Heere war bei den Offizieren außer bei den Husaren vor dem Jahre 1548 der Bart verpönt, bei der Mannschaft indessen war der Schnurrbart obligat. Co erregte eS große Sensation, als der Krieg-- minister Feldmarschalleutnant Peter Hanini, der sein Amt am 3. April 1848 antrat, sich bald darauf einen Schnurrbart, das Abzeichen der militärischen miner» vleb3, stehen ließ. Ter Osfiziers- schnurrbart wurde allgemein »nt Jubel ausgenommen, und selbst diejenigen mußten ihn sich nach solchem Vorbilde nun auch noch stehen lassen, die eben nicht gerade verjüngt durch ihn auSsahen. Bald trugen alle einen Schnurrbart, bis auf Radetzky, den obersten Feldherrn selbst, der über achtzig Jahre alt war. Im italienischen ^eldzuge nun, im Jahre 1848, als er einmal in sehr heiterer Stimmung beim Frühstück war — es war kurz nach dem siegreichen Gerecht bei Mortara — fragte ihn, als der vortreffliche Nostrano-Wetn bereits alle recht angeregt hatte, Graf Pachtha, der Generalintendant der Armee, warum er noch immer glatt rastert ? n '"Einte der greise Feldherr: »Meine grauen Stoppeln , nussen sich wahrlich gilt genug ausnehmen; laßl's ,nich auS mit eurtn Geschichten, ich habe nach dem Reglement so lange Jahre leinen Bart mehr getragen und werde doch jetzt nickt wieder damit anfangen tollen l" — »Aber/ entgegnete ihm der Feldzeug- melster v. Schönhal«, .die ganze Armee trägt jetzt Bärte und nur ihr Führer, Euer Exzellenz, nicht!" Nun stimmten alle mit Bitten M, Radetzky möge sich auch einen Bart stehen lassen, die lustigsten E, malle wurden ersonnen, aus die der Feldherr in gutgelaunter Weile mit Scherzen etnging, und schließlich sagte er : »Jetzt pastt'S nur au», ich will euch was versprechen : wenn rvir die Ptemontesen m einer großen Schlacht tüchtig klopfen, so lasse ich mir '„en ^cknurrbart wachsen !* Ein allgemeiner Jubel folgte diese,» Ver. sprechen, frohgelaunt gingen die Offiziere auseinander, und schnell verbreitete sich im österreichischen Heere die Nachricht. Radetzky lasse ,ich den Schnurrbart wachsen, wenn der Feind tüchtig geschlagen ! l \i c m 8 ,üar am Vortage zur Schlacht von Novara, und vielleicht hat Radetzkys Scherz auch dazu beigetragen, daß die Oester- reicher einen großen Sieg davontrugen: jedenfalls mußte sich der cu.jeit nach der Schlacht bei Novara einen Schnurrbart stehen ©.. .. /00 Fremdkörper i m Magen. Einen wahren t hatte ein Holländer, vor, dein die „Gazette Medicale berichtet. Man hat schon oft von Kranken gehört, die Aug. Goetz. - in einer Art Wahnsinn einen unwiderstehlichen Drang verspüren, ihrem Magen die unverdaulichsten Dinge zuzilführen, aber dieser neue Fall stellt doch einen Rekord dar. Ter Patient wiirde wegen einer immer schlimmer werdenden Schlingbehinderung vor 14 Tageil im Hospital eingeliesert und leugnete bis zu seinem Tode, der durch eine Rippensellentzündung herbeigesührt wurde, irgend einen Fremdkörper verschliickt zu haben. Die Eezterung brachte die erstaunlichsten Dinge zutage. Ji, der Seitenwand der Speiseröhre ,var eii, Teil einer Türklinke in der Größe einer Nutz. Der Plagen, dessen Inneres Gelchivürnarbrii zeigte, rvar mit den verschiedensten Gegenständen aus Kupfer, Eisen, Blei, Ziiik, Glas, Stein und Kork attgelüllt. Darimter waren Stücke von Ketten, von Schlüsseln, ein kleines TascheiiNlesser, zwei Pfropfenzieher, ein Pfropfen einer Celterflasche, zahlreiche Ringe, Manschetlenknöpfe, eine Kartätsche mit Kugel. Tie Zahl dieser Dinge betrug 400; sie hatten ein Gewicht von 750 Gramm. Einer deutschen Braut ins Kriegs-Gebetbuch. Hast deinen Liebsten du rm Kriege stebn. Dann -mußt du also bei Gott beten gehn: „Du starker Gott? Du Herr von Tod und Siegt Der, den ich liebe, steht i,n großen Krieg. Wie mußt' der Krieg ihm hehr und heilig sein, Daß er fein liebstes Mädel liest allein! Run will ich meine größte Not dir klagen, (Du darfst es aber keinem weiter sagen): Nicht Leid upn ihn, daß er das Schwert empfing! Nur Leid um mich, daß ich nicht mit ihm ging! Und willst du weinen heißen Wunsch erfahren. Dann nrustt du treulich mir sein Herz bewahren! Tenn träf' ihn falsche Lieb und tödlich Blei, Da riß auch mir mein armes Herz entzwei! Da, wo er steht, last ihr, als Held nur stehn, Und — must es sein — als Held ihn untergehn! Konmlt er nicht tvieder, dann behalt ihn du! Ich gönn' ihm nur bei dir und mir die Ruh! Und kommt er wieder, nnrst er Sieger sein! Ein Sieger oder tot — der Liebste mein! So liegt sein Leben zwischen dir und mär: Als Sieger mein! — Ms toter Held bei dir! Mäi 1915. Ludwig Nüdltns. vüchertlsch. — »Bühne und Welt". 'Aus dem reichen Inhalte deS MaihefteS der von Wilhelm Kiefer herausgegebenen »Bühne und Welt*. Blätter für das deutsche Kunst- imd Geistesleben, feien hervorgehoben: »Das eiserne Kreuz am weißen Baud", vom Herausgeber; — »Hindenburg als Erziehers Waller von Molo; »Kunst und Zukunft", HanS von Wolzoaen; — »Schiller als unser geistiger Führer im Weltkriege", Prof. Dr. Karl Berger; — Bor die Schranken", Adalbert Luntowski: — »E,n Wort an bieflrlt&er", Prof. Dr. Theobal Zlealer; — »Musikalische Zeitgeschichte", Walter DahmS: — »Vaterländische Stoffe", »Alexander von Gleichen- Rußwurm; — »Wölund der Schmied", vom Herausgeber; — »Ahnungen und Mahnungen für unsere Zeit", Prof. Dr. Fritz Ludtn. — Unter den Rubriken „Zuschriften" und »Zur Kritik der Gegenwart" wären weitere nennenswerte Beiträge zu erwähnen. Der illustrierte Teil enthält vier Radierungen zur Wölund-Sage von Prof. Ludwig Fahrenkrog. Der Preis für das Heit beträgt 60 Mg. — Ein Halbjahrsbezug während des Kriege- 3,50 Mk. — Probehefte durch den Verlag kostenfrei. Verlag von »Bühne und Welt", Hamburg 36. 5kat-Ausgabe. Vorhand spielt im Besitz folgender Karten Pique-Solo i r Das Spiel wird verloren. — Was für Karten hatten die Gegner und wie wurde gespielt? Auslösung in nächster Nummer. Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Sarajate - Otto — Karft — ttastatt — After — Taffo — Ero5 - Saar; SokrateS. Kchriftleitun Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen UniversttätS-Buch- und Steindruckerei. R. Lange. Gieße,».''