Zurück zur Schotte. Roman von Ewald Gerhard Seeliger (Nachdruck verboten.) • (Fortsetzung.) III. Hedwig war beim Schlitten zurückgeblieben und wartete. Verräterische Röte flog über ihre Wangen, als Fritz von Winkelberg höflich den Hut zog. „Guten Tag, Fräulein Hedwig!" ries er froh, warf seine Reisetasche ins Gefährt und streckte beide Hände aus. „Können Sie sich meiner noch erinnern?" ,/9 gciuiji, Herr Baron?" lächelte sie und hielt ihm die Hand hin. Mit der ändert! faßte sie Peitsche und Zügel. „Sie haben sich kaum verändert." „Kleine Schmeichlerin!" lachte er und drohte mit dem Finger. „Um so mehr haben Sie sich verändert. Vor dreizehn Jahren waren Sie noch ein kleines Schnlttiädel, und jetzt sind Sie eine vollendete Dame!" August Knorreck kam Hedwig zu Hilfe, indem er die Schutzdecke zurückschlug und den Herrn Baron zum Einsteigen ausforderte. „Noch nicht!" wehrte er ab. „Erst muß ich noch ein tvenig laufen. Ich bin auf der langen Fahrt ganz steif gefröret«. Gehen wir durch den Wald, der Schnee liegt dünn." „Wie der Herr Baron befehlen!" ertviderte August Knorreck und lvarf die 'Decke zurück. „Hede, du wartest auf uns bei der Waldecke hinter Podraschke. Fahr langsam, daß du nicht zu lange zu warten brauchst!" „Nein!" ries Fritz von Winkelbexg. „Wir können Fräulein Hedwig nicht allein fahren lassen. Wo ist denn Herr Gaffel?" Aber Moritz Gaffel »var längst um die nächste Lik verschwunden; er hatte, ohne daß es bemerkt worden war, den Hut gezogen und sich gedrückt. Mit langen Schritten strebte er durch Luschelau, um den kürzeren Kirchweg nach Po draschke zu gewinnen, schalt sich unterwegs eine Plaudertasche, und war sehr uuzufriedeu mit sich. „Herr Gasse!!" rief August Knorreck ins Stationsgebäude hitteiit. „Wo stecken Sie denn?" „Laß nur, Bater!" sprach Hedwig unb grüßte mit der Peitsche. „Ich fürchte mich nicht!" „Vielleicht triffst du Herrn Gaffel unterwegs." .Hedwig nickte, knallte herzhaft mit der Peitsche, und die beiden Rappen sausten mit dem Schlitten davon. Fritz von Winkelberg schaute Hedwig nach, bis sie um die Ecke war. „Ein Prachtiliüdel haben Sie da, Knorreck!" entfuhr es ihm. „Haben Sie nicht auch einen Jungen?" „Zu Befehl, Herr Baron! Hugo heißt er." „Auch so ein Prachtkerl, wie seine Schtvester?" „Wär zu wünschen, Herr Baron!" sprach der Inspektor und schwieg. „Knorreck, reden Sie! Muß ich Ihnen denn jedes Wort herausholen?" „Wenn der Herr Baron befehlen!" fuhr August Knorreck korrekt fort. „Hugo macht mir einige Sorgen. Er hat wohl einen guten Kopf, aber es scheint ihm nichts daran zu liegen. Zum Landwirt taugt er nicht." „Er studiert wohl?" „Zu Befehl, Herr Baron. In Halle!" „Was denn?" „Das weiß er selbst nicht. Und ich weiß es auch nicht, ob cs die.Juristei, die Theologie oder die höhere Schul- meisterei ist. Er schnüffelt überall herum, packt nichts an und weiß jeden Quark besser. Ich Hab einen rechtschaffenen Aerger mit ihm." „Vater und Sohn!" lächelte Fritz Winkelberg. „Das alte Lied." Schweigend bogen sie in den winterlichen Wald. Der Inspektor blieb immer einen halben Schritt hinter dem Baron. Eine Meise flog voraus und pfiff. „Knorreck!" sagte plötzlich Fritz von Winkelberg und blieb stehen. „.Heraus mit der Sprache? Wie denken Sie über mich ? Wenn ich mit Ihnen arbeiten soll, muß ich das wissen?" „Wie der Herr Baron befehlen!" antwortete der Inspektor, stampfte den Stock in den Schnee und hob den Blick. „Es war nicht recht, daß der Herr Baron nach Amerika gegangen sind. Der alte Herr von Winkelberg hat sich sehr gegrämt darüber. Der Herr Baron hätten den Dienst nicht quittieren sollen!" „Ich mußte. Der Wechsel ist nicht gedeckt worden." „Er ist gedeckt worden," erwiderte August Knorreck. „Drei Tage später." „Drei Tage zu spät!" wiederholte Fritz von Winkelberg und schritt rüstig weiter. „Ich mußte fort! Ich hätte mir lieber die Zunge abgebissen, als zu dieser Frau, die mich am liebsten vergiftet hätte, „Mutter" zu sagen. Nur deshalb bin ich in Nenhork mit der Serviette herumgetau- fen." August Knorreck bemühte sich, dicht hinter dem Baron zu bleiben, der jetzt schärfer ansschritt. Der Weg lief steil einen kleinen Hügel hinan. Auf der halben Höhe machte Fritz von Winkelberg plötzlich halt, stützte sich schweratmend aus den Stock und legte die Hand aus die Brust. » „Herr Baron!" ries August Knorreck erschreckt. „Das Winkelbergsche Herz!" lächelte der Baron. „Sie kennen es ia!" „Der Herr Baron sind krcmk?" fragte der Inspektor besorgt^ „Sozusagen!" lachte Fritz von Winkelberg und ließ die Hand sinken. „Aber es ist eine Krankheit, mit der man hundert Jahre alt werden kann. Ja. ja. mein lieber Knorreck. Sie sollten es doch wissen, daß das Herz derer von Winkel- berg immer schneller läuft, als es soll. Doch das hat auch fein (ttutcd. Wir WinkclbcrgS haben immer einen schönen, teichten Tod gehabt. Bis auf meinen Pater. Der könnte heute noch leben, wenn er nicht an dieser Iran gestorben wäre. Ich habe es ihm prophezeit. Wo halt sie sich übrigens aus?" „CMjunft es nicht," antwortete August Hnotrcd und Hub die r^chnUern. „Vielleicht bei ihren Verwandten hier in der^Nähe." „>^ind Kinder da?" fragte der Baron intb schritt weiter. Anglist K norreck schüttelte den Kopf. Dann stiegen sie langsam den Hügel lviedcr hinunter. Der Wald licknete sich plötzlich. Links und rechts breiteten sich niedrige Schonnngen aus. die kaum zehn Jahre alt waren, lleber der einen schwebte ein großer Raubvogel. lln zählige Wildspuren schnürten über den Weg. Gleich darauf schlug August Knorreck seinen Stack in den Schnee Da klang cfa Stein. m ' Die Grenze!" sagte er und blieb stehen. „Hier fangt Britzkawe an." stritz von Winkelberg tat noch einen Schritt und schaute sich um. Hier und da ragten einige dünne Gruppen hoch stämmiger Kiekern über die Schonungen. „Das ist der Wald?" fragte er enttäuscht. „Im ^üdrevier ist eS noch schlimmer," meinte der Inspektor kleinlaut. „Die alten Bäume, die stehen geblie bcn sind, kann man an den Fingern abzählen. Der alte Herr von Winkelberg hat alles herunterschlagen lassen. Die zehn Jahre an der Riviera waren nicht billig!" „Ich weist es!" nickte Frist von Winkelberg. „Diese Frau hat ihn ruiniert. Was für ein Geschäft hat sic übri gens m,t dem dicken Fricdländcr gemacht? Ich hörte unter wegS so etwas." August Knorreck stiest rinnt tiefen Seufzer ans. Wenn er an das Geschäft dachte, lief ihm die Galle über. „Heraus damit, Knorreck!" rief der Baron. „Ich biii auf alles gefaßt. Und wenn sie das ganze Schloh hat ans räumen lassen bis auf die Gardineiihaken " . < 3 ?. rtr ? n!tnf 5U i ^ n». Der alte Herr von Winkelberg hatte sie W «? Umoey (Jlci-bm eingesetzt. Vielleicht gehen der derr Baron gerichtlich vor." „Nein!" entschied Fritz von Winkelberg, und seine feil ” Wnn fic den Raub b'b.„ nirf,t ' vb >ch unter diesen Um standen das Maiorat übernehmen kann " eifria^D^Ldaron müssen es tun!" rief der Inspektor emm. „Der Herr Baron brauchen nur Kapital zu schaf . ..^"^^lntal?" lachte Frist von Winkelberg hell auf. „Wo naten^!^^^"^ Levisohn haben schon vor sechs Mo 1 ^ "Nistte mir IN London eine nntergeord- eristie^en^^!!!, Bankhause suchen, um überhaupt ^istirren zu könnrn. Und Sie, meni bester .Knorreck sprechen nur von Kapital!" ,pic SnfÄTrS “" b '"üsse" cs flcbcn’" stieß der . f l nb fl " Grenze der Leistungsfähigkeit a»ge ge Fabre die i» h" b '" d"'ch die lau v hvniiiii-n m-rbirtrf,! habe, dermaßen über lch kemem Menschen raten kann, mir auch nur dfettmg zu leihen. Bristkawe wird die Nebenlinie über Ls^bn müssen. Ich gehe nach London zurück, schreibe Briefe, ae U) ! b 1,1 bre i& ifl Jahren meine Schulden ^^en, wenn ich das Kunststück fertig bringe, mit Odrmifeit 1 «LT ÖCr ^lfte meines Gehalts zu leben, «-wer wissen Sie einen anderen Ausweg?" jawohl, Herr Baron, ich weist einen!" ries Auanst lchE u-.d sah [einem Vrn offen inö Gesicht! „virtKU. hier ut Bristkawe! Es wirst im Durchschnitt Mguzig Prozent Brutto ab. Bartenstein und Levisohn müssen heran! Ich glaub's nicht, daß sie nicht können. Sie wolleii nicht. Das ist die alte Ausrede, um die Prozente höher zu schrauben." „Was würde cs Helsen?" fragte der Baron nachdenklich. „Ich reite mich nur noch tiefer hinein. Und »venu Miß- ernten kommen? Bristkawe gehört mir ja gar nicht. Ich kann damit nicht tun, was ich will. Ja, lvenn es kein Majorat wäre!" ^..Herr Baron!" sprach August Knorreck mutig und ivarf die schultern zurück. „Ich bitte meine Offenheit nicht übel zu nehmen Für Bristkawe ist es ein großes Glück, dast es ).tajorat ist. croitft war es längst in kleine Stücke zcrfcstt oder bi».' über die Giebel belastet. Die Herren von Winkel bcrg waren nie gute Hanshalter." . „Knorreck!" rief der Baron froh und schlug ihm freudig aus di-' Schulter. „Knorreck, endlich reden Sie Deutsch. Nun aber auch mit allem herunter, was Sie ans dein Herzen haben!" ^ „Wie der .Herr Baron befehlen!" sprach August Knorreck und suchte nach dem alten korrekten Ton.. „Wenn ich hier Gutsherr wäre, ich »vürde Bristkalve halten, und faste ich noch dreimal ärger in der Tinte." .. „Knorreck, Knorreck!" lachte der Baron belustigt. „Sie lvmen ,a noch garnicht, wie tief ich drin sitze!" „Der Herr Baron haben hier einen Freund," fuhr der Inspektor fort und trat mit dem Fuste auf. „Einen bessern finden der Herr Baron aws dieser Welt nicht wieder. Das ist der Boden, den die Herren von Winkelberg schon zwei- htliii.ert Jahre lang ^bewirtschaften. lind einen solchen treuen Freund sollten der Herr Baron nicht im Stiche lassen. Nur Mut müssen der Herr Baroii haben!" „Den hätte ich schon!" antlvortete Fritz von Winket- berg. „Nur lassen ^ie endlich den „Herrn Baron" weg'" „Herr Baron!" erwiderte August Knorreck eigensinnig .Das sind Dinge, an denen man nicht rütteln darf Wir smd hier in Deutschland!" „Ganz gleich!" meinte der Baron und schritt rüstig weiter. „Ich werde cs Ihnen schon abgewöhnen!" Doch der Inspektor schüttelte den Kops. Bei der Lärchen- schonnng bogen sie nach rechts ab. auf die Waldecke zu. wo yedlrlg warten sollte. Doch die ivar noch nicht so weit. Ten glatten Chausseeweg von Luschelau bis Podraschke hatte sie un schritt zurnckgelegt, doch die beiden Rappen waren damit nicht einverstanden gewesen. Schaum troff ihnen von den Gebissen, und oft stiegen sie hoch. Aber Hedwig lkep nicht locker, so sehr sie auch schnauften und die Köpfe schüttelten. Nnd doch war ihre Hand unruhiger als sonst. Sic mußte immer lmeder an den Baron denken. Er sah so ganz anders aus, als vor dreizehn Jahren, wo er zum letzten Male auf Urlaub gekommen »var. und sie, die damals kalim sieben Jahre zahlte, aufs Pferd gesetzt und durch den Hof geführt hatte Das war ihr erster Ritt gewesen und auch ihr letzter denn Pater war gegen das Reiten Damals war der Baron ein langer, schmächtiger Leutnant gewesen. Heute war er ein großer, mächtiger Mann mit breiter Brust und einem dichten, blonden Vollbart, Nur seine Augen konnten noch genau so heiter blicken wie damals. Hedwigs Unruhe übertrug sich bald ans das Gespann, Milten tu Podraschke entglitten ihr die Zügel, Aber sie konnte sie lum Glück noch erhaschen, Das Sattelpferd schlug über den Strang, Ein Bauer, der gerade des Wegs kam beruhigte es wieder, Fester fahle sie die Zügel mit ieiden Händen, Die Peitsch« legte sie weg. Aber das Schellengeläut ba^dw Rappen ans de», Rücken trugen, klang unruhig und (Fortsetzung folgt.) Der plan Napoleons. Skizze von Georg Per sich (Charlottenburg). ^9kun. was habe ich Ihnen neulich gesagt?" Wir hatten uns begrüßt, und da der Platz zu meiner Rechten im Ltraßenbahnwagen noch frei war, machte es sich der Doktor baram beaucm und nur unbequem. Was hatte er gesagt? Ich entsann mich nicht, denn imr batten uns Mindestens drei Dock)en lang nicht gescl)en. Wette annehmen sollen, die ick' Ihnen anho k f ic Statt verloren haben." Welche Welte meinte er? Zch wMr i$n keiner. 275 „Es uh u ja obn klar, daß Ihnen Ihr Irrtttlit bald einlei:chten würde." Welck>er Irrtum? Ich habe mich sckwn so oft im Leben geirrt, das) rch es längst ausgegeben habe, mir jeden einzelnen Kall zu merken. „Neulich lvaren Sie freilich ganz unbelehrbar." Jetzt mußte ich etwas erwidern. Die Gegen Übersitzen den fingen schon an, mich geringschätzig anzustarren. Ich lvar ein Mensch, ber beinahe eine Wette verloren, der sich geirrt hatte und der ganz unbelehrbar war! „Lieber Freund," sagte ich, „wenn Sie mir nur erst verraten mochten, was Lie mit mir gesprochen und worin Sie recht haben wouen? Als wir uns das letzte Mal sahen, habe ich meines Wilsens-" m Ta haben Sie meine Ansichten zu widerlegen versucht. Nicht ungelchrckt. gewiß nicht. Aber die Voraussetzungen stimmten nicht, von denen Sie ausgingen." Das Lob. daß ich seine Ansichten nicht ungeschickt bekämpft hatte, erfreute mich. ^Die Zuhörer auf der anderen Seite konnten docl) nicht mehr das Schlimmste von mir denken. Er hätte es nur nicht gleich wieder einschränken sollen. Und welche Boraussetzun gen waren es gewesen, die nicht gestimmt hatten? „Voraussetzungen sind meistens falsch — wenn der Gegner sie hat!" erlaubte ich mir zu scherzen. „Niemals, sofern sie aus der Geschichte und Geographie eines Landes geschöpft lverden, wie inan es bei England kann." England! Das traute Wort zerriß die Nebel von englischer Dichtigkeit, die mich nicht klar hatten blicken lassen. Der Doktor war ia Spezialist für Englanderoberung! Unter Freunden und Bekannten hieß er deswegen schon der Invasionsdoktor. Und jetzt wußte ich. daß er sich auch bei unserem letzten Zu- lammentrefsen in scm strategisches Spezialfach vertieft l>atte. Ich hatte ,hm mit keiner Silbe widersprochen, weder eine Meinung mit, noch ohne Voraussetzungen gehabt, doch das konnte einer, der mit io vielen Leuten tagtäglich dieselbe Sache erörterte, schon vergcsseii. Derjenige, mit dem er hatte wetten wollen, war auch nicht ich, wuderu ein anderer gewesen, und nicht ich hatte mich geirrt, son- bcrn — aber mochte es aus sich beruhen bleiben. Uebrigens! dozierte der Doktor auch schon wieder munter darauf los. ,,Aus der Gcfchichtc könuen wir lernen einerseits, »nie deni cnglua-en Inselreiclw beizukonnnen ist, andererseits, lvie ihni nicht beizukommen ist. Wir aolleu nicht um Jahrhunderte zurückgcheu, Dcuu die Angriffs- und Bertcidigungsnlittel der damaligen und der heutigen Zeit sind doch zu verschieden. Den Plan Napoleons müssen imr jedoch unbedingt berücksichtigen. Er ist einem genialen vrrn entsprungen, Hai bei aller Kühnheit eine sehr reale Unler- lage und kann uns wertvolle Fingerzeige geben. Ter Mangel an geeigneten Dransportscl'issen allein verhinderte die glückliche Durchführung des großangeleglen Unternehmens." Unter den Gegenübersitzeuden war ein altes Männchen mit einem lveißen ^chütlelbart. Dieser Bart geriet jetzt in eine pendelnde Belvegnng rurd eine brüchige Stimme sckwarrte: „Voll komnien unzutreffend!" Ter Doktor faßte beu Alten sä-arf ins Auge. , „vabe ich Ihre gefckwtzte Bemerkung aus meine Worte zn bc ziehen?" „Iaioohl. Der Napoleonische Plan hat gar keinen Wert für die Gegemvart Er war auch durchaus nicht genial, und daß er nur wegen Mangels an geeigneten Transportschiffen nicht erfolgreich war, ist säwn vollends eine Fabel." „Ich bin mir nicht beivußt, Sie um eine Belehrnirg gebeten zu haben," wies ihn der Doktor zurecht. Als ob er um seine Belehrungen jedesmal gebeten wurde' „Ber einem Privatgespräch macht man seine Darlegungen nicht so laut wre Sie es getan haben." • *1" nod > »ich« die sachlich« Brrrchtigung, nne geschichtliche Wahrl-ett zu bekritteln." heit is?^ Cbe " in ' tbrcbc ' *** es eine geschichtliche Wahr ..Der Schüttelbart konnte mir gefallen. So viel Widcrspruckrs- bracin^ ^ ^ >zn vasionsdoktor gegenüber niemals aufge- sein "^ein Urteil dürfte doch ivohl maßgebender als das Ihre kommt es nicht an, Berehrtestcr, sondern darauf, weisen Urteil richtig und wenen fallch ist." .3“ x UCl Wagenecke wurde gekichert. Ein junges Mädchen batte m dem Wortgefecht der Männer die komische Note entdeckt deckertalen?haben^^' bie gern lack-en. ein so erstaunliches Ent . ^r Doktor wurde dadurch noch gereizter als durch die Widerrede des Alten, und ich nnirbe ihn bedauert l>aben, hätte er mich nicht zuvor mitlerds^s der Schadenfreude der lieben Mitmensche ,x preisgegeben, die sich nun ihm zuwandte. j JP? dläne Napoleons dringt man nur durch ein gründ- ^Lb-^rudiun, ein, erklärte er mit hochmütiger Gebärde. „Es erfordert die eingehendste geschrckstliche Quellenforschung, die dem wollte um , i u 0crftf&e "/ was der Franzosenkaisn- ^fültt ^'oarnm fein sehnlichste Wunsch nw enmu blieb, den Boden EnÄryids zu betreten." „Ninz. da sind Sie aber ans dem Holztvege!" meinte ein bie- mrer - ^ weiß twm, daß der Najwleon rn England genasen und sogar da gestorben ist." „Wir sprechen doch von Bonaparte!" rief der Doktor böse keineAnsstüM von Napoleon geredet. Machen Sic man Doktor schnob durch die Nase vor Aufregung, denken " *° n -‘ alH>leon dem Ersten, während Sie an den Dritten ,. i tt ÖJ 71 * kgal," erwiderte der andere, mit dem Finger ^'^^^poleon in England gewesen und in England gestorben. Dabei bleibe ich." J r, Frm», die Eugenik, wohnt ja noch da," bestätigte eine W c ' M & te crff . "««4 -mrdrc DOH FÄ Und sie geht immer noch gans in schwarz." Ter Tvktor sah mich an, verzweiflungsvoll, lstlfeslehend. zuckte mu den Schultern, wie wohlwollende Neutrale zu zucken Pflegen, wenn man ihren Nat, ihren Beistand begeht Da wollte er sich unbekümmert um die unverständige Menge b - cl ?^gabe widmen, mir Über die Invasion imTimrV time 1 aurjllfk(Tcn ' mel1 id) doch in dieser Frage völlig „Also, nimmt man sich den Plan Napoleons zur Richtschnur, die schwächsten Punkte der gcographisckfen Lage Eng- lands stutzt, fo hat auch die moderne Sttategie —" „Tie moderne Sttategie. mein Herr, hat etlvas Besseres zu tun, unterbrach ihn ein rauher Baß. Ter Toktor drehte sein Zentrum nach der rechten Flanke herum. Dem Nachbar, der dort saß, hatte er bisher noch keine Bcachiung geschenkt Allem Anschein nach war es ein neuer Geg- ner, der ohne Umschweife die Feindseligkeiten eröffnen wollte Er muß gleich vernichtend abgeschlagen werden. „Für dir inodrriie Stratrgsr ist drr crste Napoleon noch der !>ervorragendste Lehrmeister und er wird es ür alle Zeiten sern, versicherte er mit feierlichem N,rclHruck C,auL7und'"Molttr^-"'""' der **. „Wir halten uns an Plan Napoleons scheiterte an seiner inneren Unzulänglichkeit, behauptete das weißbärtige Männchen - .(^poleon hin und Napoleon her -" entschied der Fahrgast im Urbeiterrock. „Er ift in England gestorben, aber erobert l-at er es niclst." . ;'Ter Herr ift wohl ein Franzose," meinte die Dame anzüglich, ,„weil er so von Napoleon schwärmt." Und das junge Mädchc'n in der Ecke lachte hell heraus vor Vergnügen. Feinde ringsum: und Kämpfe zn Lande waren nicht des Doktors Spezialität. „Wir ioerden uns £ei passender Gelegenheit weiter über unser Tlfema unterhalten," tröstete er mich, indem er aufstand. „Uebri- geno kann das Wiedersehen ein Weilchen dauern. Ich habe meine Einberufung in der Tasche." „Tann helfen Sie nur England miteroberli," riet ich ihm. Aber^w^attisch, bitte! Nach welcl-em Plan ist nebensächlich." „Lchliene mich an!" sagte der Greis mit dem Schüttelbart, und aus emmal gar nicht mehr mürrisch, sondern mit unvcrkenn- barem Wohl,vollen. Gestatten Sie: Gehc'iinrat Professor Schulze!" „Gleichfalls!" erklärte der Arbeiter. „Lehmann ist mein Name. Und immer feste!" „Vielleicht treffen wir uns drüben." sprach der Herr mit der Baßsttmme. „Kapitän Steffens! Weiß einigermaßen Bescheid. Steuere ohne Lotsen fast in jeden engliscl)en Hafen." Ter Doktor dankte, ,rnd er glaubte in den Blicken aller zu lesen, der stattlichen Frau und des hübschen jungen Mädchens, daf; man ihm zutrante, er würde bei der Invasion Englands seinen Mann stehen. Das versöhnte ihn sichtlich, und er verließ den Wagen nicht eher, als bis n fich mit den Zurückbleibenden die .^and geschüttelt hatte. Scharnhorsts Rat an den Rekruten. Viele Tausende junger und älterer Leute treten jetzt als Re- krnteii ins Heer ein, um das Vaterland gegen die sie rings nm- dräuenden Feinde zu verteidigen. Gar mancher, der so aus seinem altgewohiiten Lebenskreis in ganz neue Verhältnisse kommt, gewohnt uch zunächst nicht leidjt an des Dienstes immer gleichgestellte Uhr, und der Rat eines erfahrenen Mannes, wie er sich zu be- nehnien habe, ist ihm daher von höchstem Wert. Wer könnte wohl solchen Ratschlag besser erteilen, als der große Scharnhorst, der unvergeßliche Erneuerer und eigentliche Schöpfer des modernen preußischen Heeres? In seinen Privatbriefen. die zum erstell Mal m vollständiger Sanunlung Karl Linnebach bei Georg Müller in München vor kurzem herausgegeben hat. finden sich solche Lehren fur den neuen Rekruten in den Schreiben, die er an seinen ältesten Sohn Wilhelm geschrieben. Ter junge Scharnhorst hatte zuerst Iura studiert, verließ aber angesichts der Not des Vaterlandes dieieii Beruf und trat un September 1809 beim brandeuburgischen viisareuregiment ein. Das erfte, ,vas Scharnhorst seinem Sohne 276 <* frtaem Eintritt ins öm empsielstt, ..ist Folgsamkeit und Duldsamkeit. Man mutz dmxckaus fid> im Militär gewölmeu. nickt allein ollert Befebieu. foubeiu aud; allen Winken, allen ®ebifhid>fu imb 5?er kommen. so widersprechend und nachteilig einem auch die So^e scheinen mag. Folge zu leisten. Wer di^ nicht in jeder Hinswit tut. wird so angesehen, als iwiltc er etwas besonderes vorstcllen, und dringt dadurch schon unvermerkt sowohl ferne Kameraden als höhere gegen sich auf. Dies ist der erste Schritt zu einen, nach teUlgen Verhältnis. »velches eine Menge von Unannehmlichkeiten nach sich zredt." Unter Duldsamkeit versteht der General das Ertragen von kleineren Ungerechtigkeiten. ..Es ist nicht möglich, das; man im Militär Menschen von solcher Moralität und Einsicht in allen Graden hat. das; sie die Gesetze dem Geiste nach zu vollziehen imstande sind, und gewöhnlich vergehen sich hierin diejenigen am meisten, welche persönlich die nxmigste Achtung verdienen. Man hat dalrer im allgemeinen angenommen, datz diese Ungerechtigkeiten unvermeidlrch seien und nun einmal zu den Nebeln des Militärs gehören. Sie nicht ertragen »vollen, zeigt also den Mangel einer richtigen Beurteilung seiner Verhältnisse und erzeugt also-in jedern Full eine nackteilige Meinung von sich. Sind es zu ausfallende Ungerechtigkeiten, so sagt man sie seinem nächsten Obern, nicht sogleich als Klage, sondern nachher gelegentlich, aber immer doch nur. »renn sie »viederholt eintreten: denn es macht schon bei den Hähern einen nachteiligen Eindruck, »venn der Niedere verlangt, das; »non itm mit so vielen Rücksichten behandeln soll, datz nrcht einnral ihm eine Ungerechtigkeit widerfahren sollte." Das Wichtigste aber ist und bleibt Gehorsam. „Bor allem mimt Du Dich gewöhnen, alle Deine Vorgesetzten von. dem Karabinier (Gefreiten) an als Deinen gesetzmäßigen Obern zu bctrachtcir, ohne aus seine persönlichen Eigenschaften zu sehen. Deine Obern sind dazu von den höchsten Behörden angesetzt, mrd Du »vürdcst Dir selbst bei Deiner Biloung die grössten Vorwürfe machen müssen, wenn Du nicht in diesem höheren Gesichtspunkte zu handeln imstande wärest." Sollte er in Rücksicht auf die Lohe Stellung seines VaterS besondere Vergünstigungen erhalten können, so möge er davon keinen Gebrauch machen, denn ..Du »virst bei Deinen StV meraden dadurch unendlich gewinnen." Ans ein gutes Verhältnis zu den andern aber kommt sehr viel an. „Ich habe immer keine gute Meinung von einem jungen Menschen, den seine Kameraden nickst leiden mögen, und ich habe bemerkt, datz nichts sicherer die allgemeine Achtung erhält, als die der Kameraden. Hiermit will ich nicht sagen, daß man mit ihnen gemeinschaftlich sich unanständig betragen, unanständige Oerter besuchen und geniein sein soll: das aber, was sich schickt, must man mit ihnen mitmachcn, inan gewinnt selbst dadurch nach und nach einen Aszendent über die Unanständigen und Unmoralischen." verinischtes. * Variier Amateur-PNege.rinnen. Eiaenartige Szene'! aus Varifer Lazaretten werden in einen; Briefe der römischen »Tribuna* geschildert. Tie Damen, die die Pflege von Verwundeten übernommen haben, »übertreibe»/ manchmal ihre Ausmerkiamkeit und den Euer ihrer Hille. So kommt es. datz niancher Soldat e- bei weitem vorzieht, von einer be»,llsmäbtge>» Pstegerin bedient zu werden als von einer dieser Damen. In einein Lazarett, das von einer ausländischen Kolonie in Par>S eingerichtet worden war, wurde vor kurzen; ein Negerjungltng ein- geliefert, um den sich verschiedene aristokratische Tainen wie verrückt geberdeten. Alle überhäuften ihn mit Zärtlichkeiten und Geschenken, atS ob es sich um da« reitendste weihe Baby gehandelt hätt«. Eines Tages waren wieder die Geschenke aus daS Belt de« Schwarzen herabgeregnet, aber der Pstegling erschien doch weniger vergnügt als sonst. Ein Sturm von fragen ging ans ihn nieder, die Tan»en zeigten ihn, ihr holdestes Lächeln, sie wetteiferten, ihm hundert schöne Sachen zu versorechen. Eine der Dainen hatte schließlich eine Idee. Sie eilte hinaus, svrang in ihr Automobil und nach einer halben Stunde kehrte sie nut einem prächtigen Spielzeug zurück. Tie anderen Damen hatten unterdessen einen Soldaten holen lassen, der arabisch verstand und den Schwarzen fragen sollte. Ais der Dolmetscher eintrat, drehte der Neger gerade das Spielzeug, da« die besorgte Taine ihn, eben gebracht hatte, zwischen den Händen, ohne zu wissen, was er damit sollte. »Wolltest du das haben f“ fragte ihn der Dolmetscher. Der Neger schüttelte den Kopf und sagte mit einem traurigen Seufzer: »Nein/ »Aber was willst du denn eigentlich?* fragte der weihe Soldat, worauf der Neger ihm zustüsterte: „Ein Stückchen Brot." . . Ein anderes Mal wurde in ein Lazarett ein Verwundeter eingeliefert, dessen Sauberkeit alle- zu wünschen nbkig lieh. Er kan, augenscheinlich direkt anS den, Schützengraben bei schlechten, Wetter. Die vornehmen Pflegerinnen weigerten sich ganz entschieden, ibn an-rz»,kleiden, da der Geruch, den der Unglückliche verbreitete, zu fürchterlich ,var. Es muhte also eine richtige Krankenpflegerin konunen, die ohne weitere- ihre Arbeit verrichtete, den Soldaten entkleidete, wusch und seine heftig schinerzenden Wuiiden behandelte. Als nun die Damen sich dem Bette des irisch gewaschenen und wieder menschenähnlichen Verwundeten näherten, sahn sie, dah sie augenscheinlich einen jungen Mann an« sehr vornehmer Familie * vor sich hatten und sie erfuhren. dah er den Namen eines der ältesten französtfchen Adelsgeschlechter trug. Jetzt drängten sie sich an fein Bett und ivolltei, ihn alle pflegen. Aber der junge Mann blieb völlig ungerührt und würdigte sie kann» eines Blickes. »Wenn Sie irgend etwas brauchen, rillen Sie!" sagte eine der Damen. »Es rvird uns ein groheS Vergnüge», sein. Sie zu bedienen/ .Tanke," anlwoitelc der Soldat, »ich ,vüi,sche nur. dah die brave Pflegerin, die n.ich geivaschen hat. auch weiterhin meine Pflege übernimmt!* Tie Damen versta»lden die Leklio»,. * Irischer K r i e g s h n m o r. Das irische Volk ist seit alterd durch seinen originellen Humor bekannt: und wenn den Iren in Irland unter dem eisernen Drucke der etiglild>eit Sckreckcnsherrsd^ast gegenwärtig der Humor wohl vergeht, so lassen sich dafür ihre Lands und Volksgenossen in den Vereinigten Staaten umsoweniger den Mund stopfen, und sie »nachen aus ihren Gefühlen gvgen Englaird und seine Bundesgenossen keinen ehl. So dient in einer seiner letzten Nuinmern der „Gaelic meriran" den Verbündeten Mit einer Anzahl von sehr witzigen und zugleich beißenden Vorschlägen zu Kriegöanzeigen, von denen auch deutsche Leser mit Vergnügen Kenntnis nehmen werden. Verloren.- in der Gegend der masurischen Seen zwei ganz neue russische Dampfivalzen. Rückgabe erbeten an Zar Nikolaus. Finder erhält Belohnung. Tausch: lvas geben Sie mir zum Tausch für z»ve, Dutzend anglo-amerikanische Strategiker? Wert nur »venig beschädigt durch den Fall der „uneinnehmbaren" Festungen Lüttich, Namur und Antuxrpcn. Garantie für zweimal wöchentliche Einnahme von Berlin oder Konstantinopel. Angebote zu richten an New Dort Times. Nachricht erbeten über gegemvärtigen Aufenthalt unzähliger englischer Soldaten, die in den ersten Kriegstagen in der Londoner Presse ihre Schätzungei, über die zahllosen „lumpigen Deutschen" veröffentlichten, die sie töten »vürdcn. Adresse: John Bull. Zum Verkauf — auch nach 'Deutschland auszuleihen — verschiedene englische Regimenter. Großer ^lppetit. Schinkenfreunde. ausgezeichnete Läufer. Ausgcbildet im schnellen Marschieren an der feindlickien Front. Angebote: Joffre, Paris. Für den Todesfall. 26arum »vollen Sre sich erst Ausgaben ^nackren, u»n Ihre Angehörigen zu begraben? Menschenfresser in der englischen Armee leiden Mangel an Deutschen. 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Goetz. - RotationSdriick und Verlag der Brnhl'fchen UnmersitälS-Buck,- und Stemdruckerei, N. Lan<,e (Bicfjeiv