Lurück zur Scholle. Roman von Ewald Gerhard Seel ig er. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Sie halten also nicht alles für richtig, lvaS die Behörde anordnet?". „Ganz und gar nicht!" rief Moritz Gaffel mit dem Brustton der Ueberzeugung. „Gegen die Religion will ich nichts sagen. Die mutz sein, solange man nichts Besseres hat. Aber Geographie und Geschichte und all das unnütze Zeug, was man den armen Dorfkindern einpfropsen soll. All die Leute, die die Schule beherrschen, sitzen in der Stadt. Sie haben keine Ahnung davon, daß das Land ganz andere Lebensbedingungen vorschreibt. So ein armer Bauernjunge hat keinen Schimmer davon, was eine Hypothek ist. Aber wie man einen Bruch durch einen Bruch dividiert, das muß er wissen. Er lernt niemals, wie man einen Obstbaum veredelt, wie man einen Bienenschwarm einsängt, und wie man ein Spargelbeet anlegt, aber die Flüsse von Südamerika muß er am Schnürchen hersagen können. Und zu solch einem Wahnwitz muß man sich als ehrlicher Mensch hergeben. Jetzt fängt man mit ländlichen Fortbildungsschulen an. Warum wirst man nicht einfach die beiden Lehrpläne zusammen? Dann hätte man eine richtige Standesschule für das Dorf." „Sie haben jetzt Ferien?" Moritz Gaffel nickte und versank in finsteres Brüten. Doch Fritz von Winkelberg ließ nicht mehr locker. „Sie waren in Jh^r Heimat?" „Nein! Das kann ich mir nicht leisten. Ick war nur in Sulitsch, um mich dem Herrn Kreisschulinspektor Hupfer vorzustellen. Ich habe meine neue Stelle erst vor acht Tagen angetreten. Und das ist auch so ein alter Zopf. Kann der Mann nicht zu mir kommen? Er kriegt seine Reisespesen, ich nicht. Denn wir Lehrer hab,n kein Recht. Doch es dauert nicht mehr lange, die Lehrernot haben wir schon. Es muß aber erst so weit kommen, daß kein Mensch mehr Lehrer werden will. Dann werden wieder bessere Zeiten anbrechen. Lieber Hosknecht sein als Volksschule lehrer! Da bleibt man doch wenigstens ein Mensch. Und wenn's einem nicht paßt, dann kann man die Arbeit Hin- Werfen und sich was anderes suchen." „Dieser letzte Weg ist doch auch Ihnen nicht verschlossen?" „Ach!" lächelte Moritz Gaffel. „Ein weggelaufener Lehrer! Wer kann den gebrauchen? Er taugt zu keiner vernünftigen Arbeit!" Fritz von Winkelberg senkte den Kopf und schwieg. Jetzt mußte Moritz Gasse! das Gesvräch in Gang bringen. „Sie steigen in Luschelau aus?" fragte er nach emer Meile. Der Baron nickte. „Ich nämlich auch!" bekannte Moritz Gassel offen. „So?" ries Fritz von Winkelberg überrascht. „Das ist doch selbstverständlich!" erläuterte Moritz Gassel. „Drei Schritte hinter Luschelau ist doch schon die schlesische Grenze. Und wenn mein Kreisschulinspektor in Sulitsch wohnt, kann ich doch nicht im Kreise Krotoschi.it angestellt sein!" ^ r , A „Sehr richtig!" lachte Fritz von Winkelberg belustrgt. „Dann rennen Äe doch auch Britzkawe?" „Britzkawe?" rief Moritz Gassel und schlug sich auf den Schenkel. „Das sollte ich wohl kennen. Da bin tch doch angestellt. Kennen Sie es auch?" „Em wenig!" lächelte der Baron in seinen straffen, dunkelblonden Bart hinein. „Allerdings ist es schon einige Jahre her. Ich war einmal da —" „In GesckMen?" fragte Moritz Gassel eifrig. „Ungefähr!" nickte Fritz von Winkelberg. „Und rch wiN wieder hin." , , „Famos!" rief Moritz Gassel glücklich. „Da haben wir ja einen Weg. Aber was wollen Sie dort? Aus dem Gute ist niemand." „Ich wollte mich nur nach dem großen Geschäft erkundigen, das vor vierzehn Tagen gemacht worden ist. Missen Sie etwas davon?" „Ich bin erst acht Tage in Britzkawe," entschuldigte sich Wtoritz Gassel vorsichtig. Kaum, daß ich die Leute dem Gesicht nach kenne. Aber so viel Hab rch schon heraus, daß kein Mensch recht weiß, was aus dem Gute wird. Haben Sie denn den alten Herrn von Winkelberg gekannt?" „Erzählen Sie nur! Es liegt mir sehr viel daran, ein nwglichst unbefangenes Urteil über diese VerlMtnisse zu hören." „Ah, ich verstehe!" täckMe Moritz Gassel geschmeichelt. „Aber ein Urteil kann ich nicht abgeben. Ick), kann nur erzählen, waö ich gehört habe. Es ist allerdings eine ziemlich unerfreuliche Familiengeschichte, und so etwas tischt man nicht gerne auf. Aber schließlich, jeder erzählt sie." „Ich bitte darum!" sprach Fritz von Winkelberg dringender. „Ich bin an diesen Dingen sel)r stark beteiligt, und Sie erweisen mir einen großen Dienst, wenn Sie mir alles erzählen, was Sie darüber erfahren haben." „Ach so!" antmortete Moritz Gassel und nickte verständnisinnig. „Sie sind auch einer von denen, die sich da festgelegt haben?" „Was erzählt man von den Winkelbergs?" bxäxigft ihn Fritz von Winkelberg und rilckte näher. „Mein Wort darauf, daß ich eS für mich behalte! Ju meinem eigenen Interesse, Sie verstehen!" Und jetzt legte Moritz Gassel los. „Also da war der alte Herr von Winkelberg, ein Kava» lier vom Scheitel bis *irc Sohle, adelSstolz und in sämtlichen Vorurteilen der herrschenden Klasse verbohrt. Dessen einzb- ger Sohn diente bei oer Gardeartillerie. feudal bis aufs 21 0 -Knochenmark, Spiel, Weiber, Wem und alt die guten Sachen, — "icht leisten kann. Ich würd mich auch fchonftenv dafür bedanken, es komnlt nichts dabei heraus. und der Junge vertrugen sich soweit ganz gut, bis der Alte auf den Gedanken kain, sich wieder zu verheiraten. ^ e * ^ohn war dagegen. Er wird wohl seine Gründe gehabt haben. Das Weib soll übrigens unausstehlich gewesen sein. Ta ging die Freundschaft in die Brüche. Und eines schönen Tages kam der große Kladderadatsch. Man erzählte da von euiem hohen Wechsel, den der alte Baron nicht einlösen wollte und konnte. Tie zweite Frau soll ihm schrecklich vie^ Geld gekostet haben. Ter Herr Gardeleutnant mußte oen Tienst quittieren und ging nach Amerika. Soll er übrigens gar nicht nötig gehabt haben. Ta hat er sich herum- getrieben als Farmer und Trapper, wie man sagt. In Neu- hort soll er Kellner gewesen sein, in Chikago Straßen bcchn- rutfcher, in ^an Franzisko hat er Zeitungen ansgetragen und Kalender verkauft. Was wahr ist, weist natürlich keiner. Ter alte Winkelberg hat ihm keinen Pfennig geschickt." Fritz von Winkelberg mußte sich zurücklegen, schloß die Augen und stöhnte leicht. „Was ist Ihnen denn?" fragte Moritz Gassel mitleidig. „Nur weiter!" lächelte der andere. „Es geht schon vor- barmt" "" """cr Herzklappenfehler. Man gewöhnt sich ^ ^ ^oran soll der alte Herr auch gelitten haben. Aber er hat sich nicht daran gewöhnen können. Er wurde bald Hochzeit lchwerkrank, bekam es schließlich mit der ^unge zu tun und mußte an die Riviera. Da hat er jahrelang gelebt Das Gut hat der Inspektor Knorreck verwaltet " and) 'S bar Wr ^ 5ri * Don "Der ist also „Kennen Sch'chn denN" kftäti9tC ® oriB weiü'i^^'uuere mich seiner nur »och dunkel. Jedenfalls weiß ich, daß er ein außerordentlich tuchtiger Mensch ist'" „Das sagen sie alle!" meinte Moritz Gassel Ich kenne d^n alten Wiickelbe^ Th mi r dn UrtciI anzumaßen. Und Olten Wmkelberg haben sie vor vierzehn Tagen in Britz- kawe begraben. Ganz hinten im Park steht das Erbbegräb "2^ Weiß!" nickte der Baron und schwieg. Wna lC9t er VH n * // philosophierte Moritz Gassel weise „Was hat er von jemem Leben gehabt?" ' sam."H"^ St,Ön? " fra9te 5ri6 "VN Winkelberg lang- n»» fan * in Amerika auf keinen grünen Zweig Soll Nnn l n $l W - In einem Krankenhause gelegen 9 haben r » a " 7 "cn Jugendfreund hier bie °fcubfl?e ffiSShpUfc, zwar keine Antwort, das ließ sZMDWML« Lj-'UttL SSt? Ä ÄS SS atmetMcU? 9 " forfd,tc 5nB *»>» Winkelberg weiter und MLWSWLL'D» mtC n m doch schon oemÄ’IÄrl „Weshalb nicht?" üüüi LK—“'”**■« “»ÄVSS nL ^^ördlicher Amveisung," bestätigte „als dem Patron meiner Schule," danke Ihnen, Herr Gassel!" sagte Fritz von Win- und »treckte chm die lange, schmale Hand entgegen. Patron""^ 2hnen für ^hrc Vorstellung, denn ich bin Ihr cr. Gassel sank vernichtet nus den Sig zurück, aber Fritz von Winkclberg ließ die Hand nicht mehr los. ,et,i 9 roßen Freundschaftsdienst ^ werde es ^hiien nicht vergessen. Denn ich habe gelegt"" "ur manche, sondern alle Vorurteile ab- Moritz Gassel kam wieder hoch. , '/^rr -Baronstammelte er, unglückseliq vor Verlegenheit. „Verzechen Sie meine Offenherzigkeit." -J e >thnrn.vielmehr dafür! Denn was Sic er- bis auf die Kalender. Und den Herrn 9 in C 3 i nen gleichfalls. Ich habe auch dieses ßen Geschäft?" wissen Sie übrigens von dem gro- aus ^"9 an, und der Schaffner riß die Tür „Dort ,teht Herr Knorreck," sagte Moritz Gassel noch immer befangen, und wies auf den Bahnsteig, „der wird es Ihnen besser lagen können." . r „Jf stiegen eine Menge Leute aus: Urlauber. Feiertags- Innrjtrf Amchelsleute und Geschäftsreisende. Aber August ^vorreck warf nur einen einzigen Blick auf die hohe, breit- fi TI9E ^' 9Ur bCS darons, da wußte er, wen er vor sich einen demn■?> a vu' X tr '"k ^9 lies die Mütze und machte Ö -i t, Zuckung, der zu leinen, grauen Barle schlecht ' "^8^ begrüße den Herrn Baron in der Heimat!" n .°. rre £- sachte Fritz von Winkelberg, schüttelte ihm herzlich die Hand und schlug ihm derb auf die Schulter Baron^ an §'$ P*?" ^ mir noch einmal den Herrn weaen das m^L W i rfe u ftd >. nod > einmal meinet- Freundschaft"^ verdrehen, dann kündige ich Ihnen die . n!?°r rt bvüben steht der Schlitten!" sprach August Knor- reck kleinlaut und wollte die Handtasche nehmen Wenn der Herr Baron sich bemühen wollten." '-Knorreck!" rief Fritz von Winkelberg ungehalten Ma° chen s.e mir keine Witz«! Die Tasche trage ich selbst" ich S>" Ihnen" Tritt" U t gelungen, bauen* luLXÄr ®f»' tfen >olche ..lokale" Eigenttlmltchkcilen oder LM?u?en der Not ernzubürgern. In einigen abgelegenen Land- mehl aI8®Ä!i. t, l WträS !r Ietn bat Hafernrehl und Gersten- N ich abn L^nen muhen an, der Hebung des Äerkehrs 5t “ ^Roggen- und Wnzenbrot verbreitet. Weizen KLMMLW-M- g:ÄT&ssss WH psSS^ä Äs K^ShMifnä! ^-.»^lttkden, Mehl.herAestellt. d. ^ die ^ete Bestandteil- sind mehr oder mtnLr a«Lerl. Äe ZermaX frs es ist ja . die starke Frau. Wu-etf nicke uL i4 »“' k ' ?" französisches Liebespaar Jj' vr, - a) yJI kö Nicht hüben wie drüben, ist es nicht die Hirf»? b ^dWaTim Q 0 ? ££ ^°rde„s da draußen eint? >^y lag im Zrtadellenlazarett in LUle. Bei uns in der AhihP fh J2& d^rn mld Sachsen. Es war im Te- ?orrfpn' ^ u ^' ^ a ^mi"^ er ae,-^üö? der °er, ?7Mebl WumaM«. Z W£& Knm^y ? cö f? 1 besseren hrruu-umischen. Das Korn wrrrde damals sogar sehr schwach ausgemahlen, so daß man als Mindest- u *^ ere ?^? ^ ftr be" Menschen weit höhere Sätze 'in An- ^Wmecknik^über k”, 1 m riBeu Jahrhundert entwickelte sick n x"; i - über ft « ie Grenze der blsher üblichen Flach- ^"1,brei,^die in emem Mahlgang Kleie und Mehl trennte, zur JpidjmÜlIerei, tue das Korn in einer ganzen R^ibe verschieden Ausmahlung herstellte und in den Handel brachte. Das bat auch für die Verfeinerung der Backweise für die seine Kuchenbäckerei und Lurusbrotware aller Art Bedeutung. Die Feinbäckerei Knt »irh d?n'F?ül,st!icksttkck^-" ff{, (f t ai K a ( ebe & t beherrscht namentlich mX.ch »tuasttsch So entstand tn den Städten der ausgedehnte Genuß von K'le.nbroten aus Weizen und das Berschwinden des ^oßorotes ans Merzen und Roggen gemischt. Erst Mitte des vorb gen Jahrhunderts kwtte man der Beseitigung der Kleie bei der Zermahlung ein besonderes Interesse zugervandt und das Bet- backen derselben bezw. das Vermahlen des ganzen Korns beiür- wortet. Im ganzen hat diese Agitation für die Aenderuna der Brotberertung aus die großen Massen ledoch keinen EinNau^ -E Dagegen sick die Wissens^ft L Frage X.wchtig unl) btc Unterschiede tn der Verdaulichkeit bei den Brotsorten durch versuche sestaestellt, und insbesondere hat Geh. Rat Rnlmer die vermischtes. hip *{,. *x! 11 oi^ •? n * Jedermann weiß, daß man die ^eute tu beit Apnl fchickeit kann, aber vielen unbekannt ist die 0-1 rf ÖU « Ö * m il ®* ft J baS Anfuhren und Narren zu üben. In Lub-ck; B. treiben d e Kinder am 1. Mai den gleich«.. Schabet nack wie am 1 April und rufen dem Genasführten dann den Spottnamen .Mai all ' zu. Ter Ruk .Matkatze- erklingt auch in ^"?dlrnburg bei solchen Gelegenheiten. In Norderditntarschen Wein !f et r\ ^ENsentgen, der nach dem angeblichen t!och im Uetmel, auf das man Ihn aufn,erkfant ntachle, gutgläubig hin- fchaut, „nt dem Worte .Maikiekerl" Die pommerfche Jugend s^derum ruft dem Mal-Narren höhnend zu ,Amah Arnat.'* — singt hier tlnd da wohl auch Berschen tvie .Mai, Mai. Mai, Steck die Naf' inS Ei, Steck sie nicht zu tief, o, v ™ . ^Morgen kriegst 'n Brief l* Andere Mar-Renne laute»: .Mai, Mai, v Da fährt ein Fuder Öen!• oder: Zerrte ist der erste Mai, Schickt man den Esel ins Heu l* Taö leistete stammt ans der Brikoiviita, aufl Ezernowlis. wo mm. den Brauch des Mai-Naeren» cbcnsaNS anttess." kam, 272 Uebrigens wird mancherorts das ü,»führen auch an» letzte,; .;pr geübt, und man hat sogar die Meinung ausgeiprochen, daß e, von diesem Lern,in einfach aus den 1. Mai ausgedehnt worden W. Andere freilich erblicken darin eine selbständige Matsltte. ' Hohenzollerfches Zahlenfp , el. Fünfhundert Jahre sind am 30. April verflossen, seit der erste Hohenzoller den brandenburaischen Nurhut erworben hat; in dieser Zelt haben 30 Herrscher Brandenburg-Preußen» Thron innegebabt; aut zeven käme ein Vrertelrahrhundert. (LS ist ein eige,»artiger Zwall, daß gerade d»- beiden Herrscher, denen die Geschichte den Namen des Großen gegeben hat. am längsten regiert haben. Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, kam schon mit 20 Fahren, aus den Thron. seine Regierungszett umspannte 46 Fahre. »Ter hat viel getan ' ist da» knapp geprägte, vielsagende Urteil, das der anoere groß»' Hohenzoller einst an seiiiem Grabe gefällt hat. Friedrich de» Großen Regierung — »der Große' wird er gesang der Kunstgenoffenschaft voll Emmerich vom 20. April 17vä genannt — war nur um zwei Fahre kürzer, und sie scheidet sich genau in eine Krieasbätsle. biv zi.m Hubertlisburqer Friede,,, 17oJ, und in eine FrirdenShälste, je von 23 Fahren. Mehr als 40 Fahre, von 1797 bis ^840, hat auch König Friedrich Wilhelm III. regiert, inehr als 30 dte Kurfürsten Friedrich II.: Elsenzahn, Joachim Nestor u.id Foachinr Hektar. Fast genau dem Durchschnitt entsprach die Regierimgszeit des letzten Kurfürsten und ersten Königs, Friedrich III., bezw. I., »md diese Zeit ist wieder, rn der Mute geteilt durch dte Erhebung zur Königs würde, 1668 bis 1<0l, 1<01 bis 1713 Die kürzeste Regierung von nur 100 Tagen war dem zweiten Hohenzollernkaiser Friedrich III. beschicden. Das höchste Alter uiiter den Hohenzollern. säst 91 Fahre, hat der erste Kaiser, Wilhelm I., erreicht: Friedrich der Große starb mit 74, Friedrich Wilhelm, der Große Kurfürst, mit 68 Fahren. Zu bemerken ist noch das Fahr 40 des Jahrhundert» als Todesjahr eine» Hohen- zollern-HerrlcherS: 1440 starb Kurfürst Friedrich I-, 1640 Kurfürst Georg Wilhelm, 1740 König Friedrich Wilhel, 1640 Röuij Friedrich Wilhelm HI. ^ v - - England als angeblich eKriegSzufluchtder Vögel. Einen beweglichen Appell an die Vögel, die jetzt aus ihren Winterquartieren in ibre Sonrnrerhcitmat zurückkehren, richtet ein Mitarbeiter der ..Time»". Wie viele dieser gefiederten Gäste, die ihre Wohnstätte un Herbst noch unversehrt verließen, werdet» ihr Heim nur noch als Ätiegäruine lviedersindcn? Wo sollten sie es nun besser haben als in England, das allein vom Kriege uti* berührt geblieben ist?! Hier können sie jubilierend zum Himmel cmporsteigen, ohne auch nur durch ein einziges Schrapnellwölkchen in ihrer Bewegunassreiheit behindert zu werden. Und sollte selbst einmal ein Zeppelin sich zeigen. — so richtet er ja bekanntlich nur geringen Schaden an, und erst eine einzige Amsel ist bisher der Bombe eines Aeroplans zum Opfer gefallen. Aber leider ist dieser schöne Frühlingstraum, das britische Reich in ein jubilierendes Vogelparadies zu verwandeln, nur schwer erfüllbar, er scheitert an dem ganz ausgesprochenen Heimatsinstinkt der Vögel, der erst durch die trüben Kriegserfahrungen dieses Jahres allmählich in eine andere Richtung gelenkt werben kann. Es ist ja am Anfang des Krieges sogar vorgekommen, daß dichte Schwärme von Schwalben vor ihrer Herbstreise sich auf ganz zusammengeschossenen Gutsgebäuden am Rande des Schlachtfeldes häuslich niederlieben. Sicherlich waren die einst in den Obstbäumen halb verborgenen roten Dächer dieser Häuser seit undenklichen Generationen der Sammelplatz für die in den Süden ziehenden Schwalben gewesen. Nun war der Krieg darüber gekommen und hatte die roten Dächer hinweggefegt und die Obstbäume bis zur Unkenntlichkeit entstellt. Aber die Schwalben liefern sich ihr angestammtes Recht nicht nehmen: dicht aneinandergedrängt saßen sie ans den zackigen Rändern der armseligen Mauerreste und auf den abgebrochenen Zweigen der Apfelbäume. Der Kampf war so nah, daß die Luft beständig vom dröhnenden Donner der Geschütze erfüttt war, und wenn eine belgische Batterie eine gar zu nahe und deutliche Sprache redete, dann gab es ein unaehcures Flügelrauschen in der Luft von all den verängstigten Vögeln, die sich den Gefahren dieser sonderbaren Welt durch einen stürmischen Flug in die Höhe zu entziehen suchten. Gleichwohl wird ihr Heimatsgefühl sie wieder an diese Stätten der Verwüstung zurückführen, und auch die Nachtigallen werden die heimatlichen Gefilde der Wälder an der Marne und Aisne wieder aufsuchen, und wenn sie nur noch etwas von dem Gehölz, in dem sie im vorigen Frühling ihr Nest bauten, unversehrt wiederfinden, so iverden fie in der Feuerlinie es wieder ausbauen und ihren Familien ein neues Heim zu bereiten suchen. Tann kann es ivohl geschehen, daß in stiller Mondnacht es in den Schützengräben aus beiden Seiten lebendig wird und daß ein Kops nach dem andern, ungeachtet der Gefahr, sich hervorwagt, um den» süßen Nachtigallengesange bei silbernen! Mondlichte besser lauschen zu können. Und der Gesana ergreift immer stärker da» Herz, bis die sich gegenüberliegenden feindlichen Truppen wahrhaft ungefährdet sind, iveil sie das Schießen vergessen. Ganz besonders erfreut es den englischen Berichterstatter, nachdem er dies liebliche, aber leider umvahrscheinliche Mondidull in der Feuerlinie ausgemalt hat, daß auch die verbündeten Russen in den Karpathen nun den Nachtigallengesang kennen lernen, denn dort gibt cs diese gefieberten Sänger im Ueberfluß, während die armen Russen doch zum Teil aus Breitengraden kommen, in denen der lvundevi volle Gesang noch nie gehört wurde. Ob sie dies über ihre schweren Verluste und die Vergeblichkeit ihrer immer erneuten Bemühungen wirklich trösten wirb? ä . _ .. ' D i e zwölf Weisen von Lo» Angeles. Fn der kalifornischen Stadt Los Angele» Hot an einem der letzten Tage des Monats März ein originelle» Klubmahl statlqefunden. ES war die» das Fahresfest der sogenannten „zwölf Weisen". Diese zwölf Weisen von Lo» Angeles zählen zusammen 1019 Fahre; ihr Alter». Haupt steht gegenwärtig im 93. Jahre, während der Bejamin der Gesellschaft „och ein reine» Kind von 83 ist. Der Klub ist vor FahreSirist gegründet worden und hat sich für seine Mitglieder all sehr wohltätig erwiesen; die .Weisen' erklären überetnstimmend. daß das Klubleben aus ste verjüngend gewirkt habe, und wirklich hoben sich dte alten Herren während de» Festtnahle» über neu» Anzüge, intercffante Krawatten und ähnliche Tinge lebhaft unterhalten, dis sonst nur jüngere Leute zu interessieren pflegen. Bier von den zivölf hoben »roch Abraham Lincoln gesehen und sprechen gehört: mehrere von ihnen haben am Bürgerkriege teilgenommen, sie sind aber alle Anhänger der Friedensbewegung. Einer von ihnen ist während des ersten DcreinSsahres gestorben; sein Ersatz, mann ist gegenwärtig der älteste unter deir Greisen. Ilebrigeu» haben sie es sich beim Festmahle sehr gut schmecke,» lassen »md hoffen allesanit, arlch an der gleichen Feier un März 1916 teil- nehmen zu können. __ vüchertlsch. — Vincent d'Jndy über die deutsche Musik. Ter berühmte französische Komponist Vincent d'Jndy stimmt nicht der törichten Verbannung der deutschen Musik bei, d»e man in Frankreich durchzuführen sucht. In einem Vortrag, den er jüngst in Baris hielt, skizzierte er kurz, wie die deutschen Musiker, durch d»e minderwertigen Leistungen der Italiener aus dem Theater verdrängt, sich vor etwa 100 Jahren der »reinen' Musik zu- wandten, für die sie eine wundervolle Form gesunden haben, dt« der Sinfonie. ..Ihr Ahnherr, Job. Seb. Bach, hatte all» dem Studium unserer Klavier,neisler die Klarheit des lateinischen Geschmackes geschöpft: dadurch sind seine Nachfolger Mozart. Haydn, Beethoven mit unserer Kunst verknüpft. Dieser Sinn für Reinheit und Wahrheit stndet sich ckuch in Wagner wieder, der der letzt« deiltsche Klassiker ist. Ich habe 1870 mitgekäinpst," fuhr Vincent d'Jndy fort, und mein Sohn steht jetzt im Felde. Ich darf wohl sagen, daß ich ein Patriot bin, aber ich kam» nicht den Feldzug mitmachen, den man gegen den Schöpfer des Parsifal unternimmt. Ein Genie löscht man nicht aus, und wen» es auch unser Todfeind wäre. Und ich hoffe doch, daß man die Bilder von Holbein »lud Dürer nicht aus den Boden des Loitvre stellen wird. ,verl die Deutschen mit uns Krieg führen.' D'Jndy ivendet sich gegen dte Anschauung, daß Wagner mit seinem Lustspiel „Eure Kapitulation- Frankreich und inSbesoudece die Pariser habe beleidigen wollen. Tie Kapitulation von Pari» fand am 27. Januar 1871 statt; Wagner schrieb dte seine im Oktober 1370, also noch vor der Ein- scbließung'der Hauptstadt. Und diese ziemlich nichtssagende, aber durchall» nicht beleidigende Posse verspottet die Kapitulation der deutschen Theater vor den französischen Stücken. Mai» sieht, daß unsere Eber »licht aus dem Spiel steht. Was heut aber aus dem Spiel fleht ist das Interesse der Kunst. Ein Land, da» vorgtbt, die Musik, zu ehren und zu pflegen, hat nicht da» Recht, von Tristan, den Meistersingern und Parsifal plötzlich nichts mehr wissen zu »vollen, von Kunstwerken, die bisher »rnerreicht dastehen." Nach d'Jndy» Meinung beginnt allerdings nach 1370 ein Niedergang der deuifchen Musik; Strauß und Mahler unterzieht er einer strengen Kritik. _ Logogriph. Blutdürstiger Vogel mit einem »Sp', Doch ehrsamer Handwerker bin ich mit Und wer mich ,B" in dem Haupte sah, Dem künde ich Wunder aus Afrika. In früherer Zeit mit dem „W' im Haupt, Ta Hab' ich manch jugendlich Glück geraubt, Tie Burschen trieb ich zu blutigem Streit. Nicht ungern feh'n mich di« Mägdelein heut. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung deS Geographischen Verschiebrätsels in vorig« Nr.r W'lorenz Berlin Pari» München Gra« Brvslau Wien Karlsruh« Hamburg Karlsbad Wiesbaden Franzensbad. Kchrlstleitung: Aug. Goeti. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen UntverfitäkS-Buch- und Stetndruckrrri. R. Lange. Gletz««»