Lurück zur Schollt. Nomon von Ewald Gerhard Seeliger (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „$?ebluig!" sagte der Pater und drückte ihr leise den Urni. „Thomas hat so was vom Weggehen gesagt. Diesmal war's ihm Ernst, glaub ich!" ,,Laß ihn gehn!" antwortete sie, ohne den Blick zu wenden. „Er taugt ja doch nicht viel, Kein Tag vergeht, wo du mcht auf ihn schimpfst!" „Ich schimpf auch aus mich selber," meinte August Zenorreck ruhig. „So arg ist das nicht. Ich verlier ihn nicht gern. Viel ist ja nicht an ihm dran, das geb ich zu. Doch das kann sich alles noch auswachsen. Denn er hat einen Vorzug, aus dem alle andern kornmen. Er ist ehrlich, ein grundehrlicher Kerl! Wenn er auch ein Luftibus ist und ein Hans Obenhinaus!" „Meinst du, Vater?" rief sie erschreckt und ließ die Hände sinken. „Gar nichts mein ich!" antwortete er rasch. „Ich bin vrellercht mit meinem Geschimpfe schuld, daß du ihn nicht lewen magst. Aber er ist wirklich kein übler Mensch. Er nimmt alles auf die leichte Schulter, das ist auch ein Vorzug. Sollst mal sehen, solche Leute werden am schnellsten glücklich." „Du hast also dieselben Absichten wie Mutter?" fragte sre sehr langsam und sah ihm forschend in die Augen. „Nein!" verwahrte er sich entschieden. „Aber ich rate dir, nimm dir Zeit. Nicht überstürzen! Lern ihn erst mal kennen. Interessiere dich doch ein bissel für ihn. Im Augenblick läßt er seine Dummheiten. Sieh mal, Hede, jetzt gefällt er dir noch nicht. Aber nimm ihn erst mal ein paar Mo nate auf Kandare und Trense, dann wird er schon seine Kapriolen lassen. Deine Mutter hat das mit mir ganz genau so gemacht. Das gibt allemal die glücklichsten Ehen!" „Ich will aber gar nicht heiraten!" ries sie und zuckte an der Leine. „Heute nicht, und morgen auch nicht. Aber übermorgen vielleicht!" „Niemals!" schwur sie und schmiyte dem Handpserd über den Rücken, daß es einen Seitenspruug machte. „Das kennt man!" lächelte er. „Also wie steht's mit Thomas?" „Willst du, daß ich ihn nehmen soll?" „Du solltest deinen Vater besser kennen!" „Du willst also, daß ich mit ihm reden soll. Dann werde ich zu ihm sagen: Herr Hauschild, mein Vater wünscht, daß Kle hier bleiben, und ich wünsche es auch. Das ist nicht gelogen. Am Ende ist der Nächste noch viel unausstehlicher. Bei Herrn Hauschild weiß inan doch ivenigstens, daß er keine silbernen Löffel stiehlt." „Vielleicht weißt du in sechs Wochen schon ein bissel mehr von ihm," lachte der Vater und nahm ihr die Leine aus den Händen. Hedwig steckte die steifen Finger in den Pelz und sprach bis Luschelau kein Wort mehr. II. Unterdessen fuhr Fritz von Winkelberg seiner Heimat entgegen. Das Wort aber gab ihm keinen trostenden Klang. Der Zug lief langsam und hielt bei jeder Station. Bis Frauenwaldau blieb das Coups leer. Hier dauerte der Aufenthalt etwas länger. „Herr Friedlander!" schrie draußen der Schaffner. „Nach Sulitsch? Hier ist noch Platz." „Zweiter Klasse!" hörte Fritz von Winkelberg draußen eine fette Stimme krähen. Gleich daraus bekam er Gesellschaft. Die Tür wurde ausgerissen und drei Männer mit schlechten Manieren und unsauberer Kleidung polterten herein. Sie begannen sofort ein lautes Gespräch. „Vierzig Perzent!" stöhnte der dicke Friedländer und drehte schmunzelnd die Daumen umeinander. „Sollst du sehen, Gottlieb!" „Höchstens dreißig!" erwiderte der Hagere, der ihm gegenübersaß. „Vierzig Perzent!" schrie der Dicke und hob die Hände. „Du bist nur ein Goi, Gottlieb. Willst du einen alten Jüdden rechnen lehren." So stritten sie eine Weite, und Fritz von Winkelberg, der den Kops müde in die Ecke lehnte, hörte, daß sie von einein guten Pferdebandel kamen. Er kannte die beiden nicht. Als aber der dritte den Mund austat, ivurde Fritz von Winkelberg aufmerksamer. Langsam forschte er über das scharsgeschnitteue Gesicht, über die ärmliche Kleidung und die beweglichen Hände. War das nicht der alte Abraham. Der alte Abraham aus Sulitsch, der schon vor zwanzig Jahren mit dem Schachersacke aus dem Rücken durch Britz kawe getrabt rvar? Und er war es auch! Die letzten dreizehn Jahre hatten ihn nicht älter gemacht. Er war übrigens noch gar nicht so sehr alt, der alte Abraham. Mit zwanzig Jahren hatte er von seinem Vater, dem ivahren alten Abraham, das Geschäft übernommen. Und die Bauern, die er auf seinen Geschäftsreisen besuchte, die ihn durch alle Dörfer der Umgegend führten, hießen ihn bald, wie sie seinen Vater genannt hatten. Und dabei war es beim auch geblieben. Der erste Gruß der Heimat! dachte Fritz von Winkelberg und schloß die Augen. „Vierzig Perzent!" seufzte der alte Abraham und streckte die mageren Finger von sich. „Ist ein Geschäft! Wenn hält ich mal vierzig Perzent gemacht? Bei den schlechten Zeiten!" „Schlechte Zeiten!" lachte ihn der Dicke ans. „Was sagst du zu neunzig Perzent! Haben »vir gemacht vor zwei Wochen oben bei Zdurotschm. Hast du noch nichts gehört davon?" „Ich komm erst nach Neujahr in die Gegend," entschuldigte sich der alte Abraham. Gottlieb, der christliche Kompagnon des dicken Fried länders, gab Zeichen der Unruhe von sich und schielte zu Fritz von Winkelberg hinüber. Doch der hielt die Augen fest geschlossen. „Es lvar ein reelles Geschäft, Gottlieb!" rief der Dicke. „Warum soll man nicht drüber reden dürfen. Bar gegen bar? Was willst du? Hätten wir's gemacht, lveun's nicht streng reell gewesen war? Der Bartenstein und der Levisohn hatten's doch auch gemacht, wenn wir sie nicht überboten hätten. Aber die sitzen drin und können sich nicht rühren.' Was stecken sie alles in das faule Majorat!" „Sagen sie!" erwiderte der alte Abraham ungläubig. „Wird schon wahr sein!" meinte Gottlieb. „Sonst hätten sie sich das schöne Geschäft nicht aus der Nase gehen lassen!" „Was war denn das siir ein Geschäft?" fragte der alte Abraham leise. „Wozu?" lachte der dicke Fxiedländer. „Sie werden dir's schon erzählen, wenn du nach Zdurotschin kommst. Ein seines Geschäft, ein nobles Geschäft mit dem alten Baron von Winkelberg." „Ist er doch schon vor drei Wochen gestorben!" rief der alte Abraham. „Wie heißt, gestorben? Seine Frau lebt doch!" Der alte Abraham schüttelte den Kopf. Neunzig Perzent! Und der Bartenstein und der Levisohn hatten zurückstehen müssen vor dem dicken Friedländer! Das wollte ihm nicht in den Sinn. Doch er faßte sich in Geduld. Drei Tage nach Neujahr war er ja doch in Britzkawe! Aus dem dicken Iried- länder war nichts herauszulocken. „Was war das für ein Geschäft?" fragte plötzlich Fritz von Winkelberg und beugte sich aus der Ecke vor. Sein Atem ging hörbar, und seine Finger krampsten sich unter der Reisedecke. „Nu," lächelte der dicke Friedländer freundlich, „wenn der Herr neugierig ist, dann kann er ja nach Britzkawe fahren!" y Da hielt der Zug in Kraschwitz. Der Schaffner erschien und fragte nach den Fahrkarten. Der alte Abraham hatte em Billett vierter Klasse. „Sie müssen nachzahlen!" schnauzte der Schaffner ärgerlich. " ... „Die Herren werden es bezahlen!" erwiderte der alte Abrahain und wies auf Gottlieb und den dicken Friedländer Doch die schlugen ein lautes Hohngelächter an. Sie hatten es ihm zwar versprochen, wollten es aber nicht halten, und der alte Abraham war viel zu genau und hatte viel zu viel Kinder zu Hause, um dem reichen EisenbahnsiskNs auch nur emen Groschen schenken zu dürfen. Auch hatte er noch und^hinicher'^^ Perzent gemacht. Eifrig zankte man herüber „Wieviel macht es?" fragte Fritz von Winkelberg und ßÄ? ln die Tasche. „Eine Mark fünfzehn," antwortete der Schaffner höflich. ZZitz von Winkelberg reichte dem Beamten ein Zweimarkstück, stieg aus, verlangte ein leeres Coup4 und mußte sich mit ernem dritter Klasse begnügen. Der alte Abraham ?ber kroch beschämt m einen Wagen vierter Gille. Daun setzte sich der Zug wieder in Bewegung. .,tzritz von Winkelberg vermochte nicht, seine Augen zu schließen. Was für em Geschäft mochte seine liebe Stiefmutter mit diesem fetten Händler gemacht haben? Und je sich der Heimat näherte, streckte er sich aus die Sitzbank. Er war es gewohnt. Oft schon hatte er ferne Nächte auf schlechterein Lager zu- r/ngen müssen. Hub sein Herz beruhigte sich allmählich. Als die Räder über die Bartschbrücke rollten, erhob er sich und schaute durchs Fenster. Da schob sich Sulitsch heran mit dem hohen Turm der Gnadenkirche, dem fürstlichen Park und den zahlreichen Karpfenteichen, ^^da'aufkreischten dre Zugbremsen. Auf dem Bahnsteig L^cke e sich ern reger Verkehr; die Feiertage waren noch ?buug, und das Neujahrsfest war nahe. In den Packwagen lud man dreißig mittelgroße Fässer Eilgut. Darin waren Karpfen. Durch das Gedränge bei der Sperre schoben $ e \ bldfe und sein Geschästsgenosse Gott- lieb. Auch der alte Abraham drückte sich von hinten her entlang Als er Fritz von Winkelberg am Fenster gewahrte, zog tt demütig ote Mütze. Das mußte ein sehr reicher Herr sein! Der warf mit Zweimarkstücken herum, als wären es Pfennige! Schon hielt der Zugführer die Pfeife an die Lippen, um das Zeichen zur Abfahrt zu geben, da stürzte noch je? mand über den Bahnsteig, riß das nächste Abteil auf, daS der Sperre genau gegewüberlag, und setzte sich mit einem Seufzer der Erleichterung. Fritz von Winkelberg hatte wieder Gesellschaft bekommen. Langsam humpelte der Zug über me Weichen auf die freie Strecke hinaus. Fritz von Winket- berg lehnte sich in die Ecke zurück und betrachtete den neuen Fahrgast, der sofort seinen Ueberrock ablegte und sich den schweiß von der Stirn wischte. Mit seinem breiten, blonden Bauernschädel und dem engen, kohlschwarzen Kandidatenrock sah er eigentlich ein bißchen komisch aus. Aber er war jung, hatte ein frisches, gesundes Gesicht und gute, treuherzige Augen. Als er sich etwas erholt hatte, zog er eine Zigarre heraus und wollte sie anstecken. „Ich bitte," sagte Fritz von Winkelberg lächelnd, „daß Sie sich diesen Genuß bis zur nächsten Station versagen. Ich bin etwas leidend!" „Wie Sie wünschen!" sprach der junge Mann höflich und steckte das Kraut weg. „Es macht mir selbst wenig Spaß. Ich tu's nur aus langer Weile!" „Die könnten wir uns ja vertreiben!" schlug Fritz voll Winkelberg vor. „Sie sind Lehrer?" „Das walte Gott!" sagte der andere und inachte eine saure Miene. „Moritz Gassel ist mein Name!" „Sie haben einen schönen Berus!" „Vielleicht?" meinte Moritz Gassel verbindlich. „Aber nur für den, der das nötige Talent hat." „Sie besitzen sicher welches!" ^.Nicht die Bohne!" seufzte Moritz Gassel. Und da er ein ^chle,ier war, hielt er mit seiner kurzen Lebensgeschichte nicht lange hinterm Berge. „Ich bin nämlich ein entgleister Landwirt. Komisch, aber wahr! Solange mein Vater lebte, ging ich auf die Land- wirtschaftsschule in Brieg. Als er starb, langte es nicht mehr. Mein ältester Bruder bekam die Wirtschaft, drüben im Kreise Nimptsch. Und ich mußte froh sein, daß mau mich aus dem iL-chullehrerseminar annahm. Da kriegt mau ja staatliche Unterstützung. Meine Abgangsprüfung bestand ich mit Ach und Krach. Wozu soll ich lügen? Es macht mir keinen spaß. Und die verdammte Schulmeisterei erst recht nrcht. Ich geb mir die größte Mühe, ich koinme mit dem kleinen Volk nicht zurecht. Sechs Monate war ich als Lehrerstellvertreter m Breslau, monatlick) fünfzig Mark Gehalt. Dann schoben sie mich plötzlich aufs Dorf ab." „Sie werden natürlich versuchen, nach Breslau zurück- zukommen?" m rr^i nc rehn Pferde kriegen mich dazu!" wehrte Moritz Gassel ab. „Lieber auf dem elendesten Dorfe hinter dem zehnten Walde als in der Großstadt! Da ist man nichts anderes als ein Pflasterstein Nummer soundso. Auf dem Land aber ist man ein Mensch, ein wirklicher Mensch ohne Nummer. Je weiter weg, um so sicherer. Da kommen die Inspektoren und die Schulräte sehr selten. Man ist sein freier Herr, und kann treiben, was man für richtig hält." (Fortsetzung folgt.) Der arme Zakob. , .Bon Paul R o s e n h a Ij jt. Drei Tage lang hatten sie um das Städtchen gekämpft. Um das kleine Städtchen St., das aus dem Kamm der Pogesen lag und die Grenze gegen Frankreich bezeichnete. Jetzt endlich war das lleme Nest wieder in den Häiiden der Deutschen. Tie Ei,r- wohner. atmeten aus; endlich fc* M ;c . . . Diese armen Men- schen die tagelang scheu und Minier ihren kleinen Fenstern lehockt hatten, öffneten ihre TüreDnnd ihre Fenster. Und dann strömten sie hinaus auf die schmalen, l>olprigeu Straßen, die Deutschen zu sehen. ' Aus der Bürgermeisterei wurden die Quarticrzettel verteilt ~ l ° U "wer, die eben, lärmend und sich balgend, aus der Schute kamen, brachten die große Neuigkeit atemlos mit nach Hause. Tann stürmte alles zuni Hause des Bürgermeisters. Und bald führte rede Familie un Triuniph ihren Feldgrauen nach Hause. 0ff , Abend aber gab es ein nngeheures Schmausen in St. Alle Borrate, die man in Küchen und Kellern und Sclieunen ver- tectt gehalten hatte vor den Herren Franzosen, die kamen nun Plötzlich ans Tageslicht; geräucherte Würste, Speck, Schinkeii — dazu goldiger Honig ans den Äogesey und wür-zige Butter Lik w m * und Ver süffige, Landwein, b^n die Etwvoyner in großen WaUnen! herbeischleppten. Zum ersten Male seit langer, langer Zeit hörte man »nieder- Lachen. ,T-enn zum ersten Male fühlte man sich »nieder in Sicherheit. Und doch . . . ganz rein war die Luft noch nicht. Hier und da am Horizont flackerte plötzlich ein Feuer auf, zitterte ein Rauchwölkchen: von Zeit zu Zeit flackerte ein fernes Knattern herüber, das im frischen Winde zerstob — und einmal donnerte! eine ferne Detonation durch die Luft. Ein paar Kilometer vor der Stadt, wo sich die Laiidstraße gabelte, lag das kleine Anwesen Jakob Eckerles — des armen Jakob, wie man ihn in der ganzen Umgegend nannte. Auch der arme Jakob wußte ein Lied zu singen von den Schrecknissen dieses Krieges. Tenn selbst in seinem armseligen Hänschen hatten' die Franzosen nach verborgenen Schätzen gesucht und in ihrer Enttäuschung alles kurz und Tlein geschlagen. Jakob Eckerle kam frierend und zähneklappernd aus dem Kelter hervor, in dem er drei Tage und drei Nächte gehockt hatte. Auf dem Hof hatte ein bisck>en Holz gelegen, das er sich nach und nach zusammengesucht hatte für den Winter — das hatten die Franzose^ mitgenommen und an ihren großen Lagerfeuern verbrannt. Sein Blick fiel auf die rauchgeschivärzten Balken und mlf die durchlöcherten Wände, und feucht stteg es in seinen Angen auf. Ueber dem Tisch hing die altertümliche Messiirglampe, die noch von seinem Urgroßvater stammte. Wie sie sie zugerichtet hatten, die liebe, alte Lampe. Ein paar armselige Reste und Fetzen hingen von dem verrosteten Draht herab. In wirren Trümmern lag der Tisch am Boden, rings herum die zersplitterten Stühle. Jakob Eckerle öffnete die Tür. Das kleine Gemüsegärtchen, sein Stolz und sein Lebensunterhalt, »var zertreten und zertrampelt. Und dort, das Gewirr von Brettern und von Drähten, die traurig und hilflos in den schweigenden Morgenhimmel ragten, — das lvar emmal sein Hühnerstall gewesen. Das war der ärgste Schlag. So schlecht es ihm gegangen war all diese Zeit, — seine lieben, Ueifeigeu Hühner hatten ihn mit Eiern versorgt mrd ihni über das Schlimmste hinweggeholfen. Nun war es auch damit vorbei. Traurig starrte der arme ^atob au» den Lehmboden; zerrissene Hühnersedern, ein paar verkrampfte kleine Hühnerkrallen, — seine lieben, schönen Hühner! Und vor allem: sem lieber Hahn, sein kluger, kleiner Peter! Alles hin, alles hin! Sein Peterle, der treu und wachsam gewesen war lvie ein Haushund, und der mit seinem possierlichen Wesen ihm manchmal die langen Winterabende verkürzt l>atte . . . Er fichr zusammen. Horch — klang das nicht wie ein leises Scharren? Und wieder derselbe dumpfe Ton . . . dort . . die Wassertonne ... er nahm den Decker herunter. Dort lag au» denk Boden zusammengekanert, schreckhaft eingeschüchtert, ein armseliges Klümpchen . . . fein Peterle. - "Peterle!" .Die Tränen stiegen ihm in die Augen. „Mein klcmes Tier, hier haben sie dich emgesperrt, die Unholde . komm, mein Peterle." Das Tier flatterte ein paarmal ängstlich und matt mit den Flügeln und sank dann lahm und schwer in seinen Winkel zurück. Jakob Eckerle beugte sich tiefer über das Fatz und griff mit der Hand hinein. Und dann hob er das Tier heraus aus »einem dumpfen Gefängnis. Apathisch lag der Hahn in seiner Hand Mid ließ den Kopf mederbängen. Jakob Eckerle ziipfte ein paar Kräuter auS dem verwüsteten, ärmlichen Boden rmd hielt fte denl Vogel hin, der gierig danach schnappte. Er setzte das Tier behutsam auf den Boden. Es schlug ein paarmal kraftlos, »vie ungläubig, mit den Amen Flügeln, hüpfte, als ob es seine erstarrten Kräfte aufs Neue erproben wwllte, und lief mit ein paar matten Schritten, auf "we Ecke zu, in der ein paar Samenkörner liegen mochten, ^a'ob Eckerle schaute deui armen Tier lächelnd zil, das fast ohne Anfzuselsen pickte und fraß und fraß und pickte. Der Hahn ließ seine hellen, flinken Augen in der Runde schweifen und machte dann ein paar gravitätische Schritte auf den zerbrochenen kleinen Wageii zu, dessen Trümmer in der Ecke lagen. Lann flatterte er ans das Rad, dessen zersplitterte Speickwn Kunde gaben von der nnbarmherzigen, sinnlosen, wahnsinnigen Zerstörungswut der gallischen Eindringlinge. Tas Tier schlug cm paarmal kräftig und freudig in neu erwachender Lebenslust mit fernen bunten Flügeln und schmetterte dann freudig und munter sem Helles Kikeriki durch die Lust. or Eckerle fühlte, wie ihm das Herz anfing zu klopfen beim Anblick dieser armseligen Kreatur, die mit ihm litt und mit ihm »ühlte und mrt rhm aufatinete nach den Tagen des Leidens Und mdem er seruen Hahn zärtlich streichelte, sagte er leise schmeichelnd' „gelle,-Mir schlagen uns schon durch, mein Peterle," und svie zur "lntwort krähte der Hahn zum zweitennial. Dannim e rkte Iakob, wie ihm der Hunger an den Magenwänden nagte. „So, mem Peterle," sagte er gutmütig, „jetzt muß dein -verr auch emmal an sra> denken. Denn er fiubct sein Futter nicht aus dem Boden »vre du." Damit nahm er einen Sack ans, der un beachtet lregen geblieben sein mochte, spitzte den Mund zu einem ! lustigen ..carsch, rregelte sorgfältig die kleine Gartenpforte von. fven zui und schlug den Weg ein, der in den nahen Wald führte, m bißchen Reisig und ein paar Pilze würden die Franzos« hosfentttch übrig gelassen haben und der Förster Lauterer, der dort ^üben in ferner Lichtung hauste, der würde vielleicht ein bißchen Brot und Fleisch für den armen Jakob haben. „ v Dinier den Bogesen ging glühend und purpurn. die Sonne zur Ruhe. Tie bläulichen Schatten der Dämmerung senkten sich lang- smn und düster über den weiten Wald, durch den Jakob Eckerle schritt Kein Wunder, daß der Weg so lang >var, — konnte er doch dre gewohnten Pfade nicht gehen, die verwüstet und zerstört waren. Baumriesen lagen quer über die Wege, wie vom Blitz gc- ' •'« i TJ ld)tbare Zeugen verztveifelter Kämpfe, die hier tagelang gewiltet hatten. Endlich tauchte die Lichtung auf: dort lag das Förfterhaus. ui!! 0 v - lü f r e ' eichene Tür. Seltsam dunrpf und »wollend ^llten bre Schlage durch das Hans. Jakob Eckerle wartete eilt Weilchen. M^kivurdrg — nrchts rührte sich. Er zog den Messinge llmgelknopf. Die Glocke schrillte aus und klang und klang, bis der Ton wimmernd in der Dunkelheit erstarb. rrj schüttelte erstaunt den Kops und ging mit inüden Scksntten ums Laus l-ermn. Tie Fenster standen offen. Er lugte hinein. „Halloh! Halloh! Lauterer!" Niemand antwortete, nur drüben aus dem Walde kam wie höhnend das Echo seiner Stimme. ,,Hal—lo H al—lo". Und dann fiel es dein Harrenden plötzlich eilt: er batte schon davon gehört, daß es die Franzosen ganz re Förster abgesehen hätten. Und plötzlich ivar es vm/w K/vv _ a _ _ • r sonders auf die. . luul n enttveder »var der Förster geflohen, oder er war in französische Gefangenschaft geraten. Qru schwang sich ins Fenster und »vanderte durch die Räume. Alles leer, auSgestorben, wie in einer Grabkammer. Aengftlich huschten nn paar Fledermäuse auf und flatterten scheu hin und snl! * u ’ amimen . Küche, — Keller, — Vorratskammer, — Boden: alles leer, ausgeraubt. Und betrübten Herzens machte er sich mit müden, schweren Schritten wieder auf den Heimweg. Jetzt merkte er erst deutlich, wie hungrig und durstig und müde er war. Kaum daß er einen Fuß vor den andern bringen konnte: mit jedem Schrttt nahm biefe bleierne Schwere zu, die in seine» Gliedern lag. Im kalten Wind trat ihnr der Schweiß auf die g™™- v 2 nn raste ein plötzlicher Frostschauer über seinen Rücken, daß er ^ich zttternd zusanunenduckte. Ein paarmal glaubte er menschliche Stimmen zu hören: ein Lachen tönte dicht neben ihm; einen Augenblick ivar es ihm,, als hüpften Irrlichter um chn herum, Lanu war plötzlich ein großes Dröhnen in seinem! Kops, und auf einmal wußte er: das lvar das Fieber... er ivar krank. Alle die Entbehrungen und die Mühseligkeiten der letzten Lage rächten sich jetzt an seinem! abgezehrten Körper. Taumelnd ging er vorwärts und stolperte über eine lange Wurzel, daß er Sr 1 ^S u flJL u 2$ Sobni fiel. Er versuchte sich zu erheben, der Irin knickte ihm ein. ,,Das ist das Ende, schoß es ihm durch den Kopf. Noch einmal richtete er sichauf. Zaudernd und schwankend stellte er sich auf die Beme und lief ein Stückchen vorivärts. Durch sein Gehirn sauste ein plötzlicher Schioindel. Instinktiv streckte er die zitternden Armje aus, um nach einem Hält zu greifen; dann ]? o /u JP2» 1 * i? 1 ? 00m bitz gefällt neben einer Eiche nieder', das Gesicht zu Boden, und dann schnmnden ihm die Sinne. * Der Moiid stand silbern und bleich am Himmel, als Jakob "wachte. In fernen Gliedern lag eiln fürchterliches Frostgefühl. Seine Berne waren steif, »vie erfroren. Mit unendlicher Mühe wandte er sich herum und starrte in den Himmel. Es mochte gegen o Uhr morgens sein, die Stellung des Mondes sagte es ihm Was »var doch mit ihm geschehen- . . . Richtig, er war'hier nieder- gejunken ... im Fieber, und mehrere Stunden mochte er hier gelegen haben. U,id jetzt... wie kam es nur, daß er plötzlich erwacht war? Was war geschehen? Ein seltsam fremdes Geräusch sauste vor seinen Ohren; ungläubig, fassmigslos richtete er sich ein wenig auf Und plötzlich begriff er's: hier sprach jeniand. Ganz iii seiner Nähe. Zwei Männer »varen es, die da sprachen: Fran.- zosen. „Wie lange sollen wir hier noch stehen ist der verdammten Kälte," ftagte der eine. l,,Es dauert nicht mehr lauge, Pierre," antwortete her andere, -ich habe den Befehl des Majors dein Leutnant selbst überbracht." „Was schnupperst du da herum?" fragte der mit Pierre An- geredete. Ter andere lachte leise. ,«Jch schaue ans, ivoher der Wftid kommt, . von Nordost . . . aus der Richtung von St . ihn hören ..." „Wen?" „Ten Hahn, den Hahn vom armen Jakob." „Den haben ioir doch in die Tonne gesperrt." „Heute hat er schon ioieder gekräht . . . wir hoben ihn deut- ich gehört . . . sein Herr wird ihn befreit haben." „Und jetzt ist er eine so ivichtige Persönlichkeit geworden?" „Freilich, —^er ist unser Regimentstrompeter.' . Heute n, soll er uns das Signal zuin Angriff geben." „Was redest du da?" „Der Befehl lautet: sobald das Krähen des Hahnes durch den 29ald kommt, marschieren wir von drei Seiten aus St. zu." „Tu bist sicher, daß die Pnissiens keine Ubnnnq hoben, svas »vir plonen?" Gott sei Tank da iverden wir nacht » 288 ..Wie sollten sie! £ie glauben uns längst loeit fort im Westen. Ja. wenn die wüßten, daß unser Rückzug eine Scheinrctirade ge wesen ist..." Die folgenden Worte erstorben im Dunkel der Nackt, und die verlmllenden Schritte zeigten an. daß die beiden Plaudernden fick nach Westen entfernten. Jakob lag noch immer und lauschte: er füllte deutlich, wie sein Blut anfing, in seinen» K-örper zu kreisen. Hier nun* Gefahr — höchste Gefahr für die Seinigen. Und er selbst mit seinem Peterle, er sollte das Werkzeug sein, das die Sinnigen vernichten sollte? Er sprang aus. Noch eine Sturrdc mochte cs dauern, dann mochte das schmetternde Kikeriki seines Hahnes die ausgehende Sonne begrüßen ... Das durste nicht sein. Seltsam, plötzlick rvaren alle Schmerzen von ihm gewichen. Er richtete sich aus: feine hagere Gestalt straffte sich, und er fühlte, wie ihn plötzlich Kraft und Entschlossenheit durchströmten. Ortskundig, mit der Geschicklichkeit des Naturkindes »vand er sich zwischen den Stämmen hindurch und raste in tollem Lauf talabivärts. Der Himmel begann zu erblassen. Tie Sterne wurden trüber, uno die Mondsichel stand tief am Himmel. Jeden Augenblick konnte es dell werden. Jasiib jagte in Todesangst. Endlich? Im ersten Dämmerlicht grüßte ihn dort drüben das armselige Tach seines Hauses. Atemlos riß Jakob die Gartenpforte auf und stürzte in den Hof. Ter Hahn fuhr schlaftrunken flatternd empor. Jakob lies mit drei Schritten aus das Tier zu. das seinen Herrn erkannte und freundlich, mit den Flügeln schlagend, auf ihn zukam. Eckerle fühlte, lvie es ihm heiß und brennend im Herzen aufstiea. Einen Atemzug lang zuckten seine Hände zurrick. Tann, plötzlich hörte er wieder die Stimme der beiden feindlichen Soldaten in seinem Ohr dröhnen. Tie Seinen sielen ihm ein, die jetzt ahnungslos dem jungen Morgen entgegenschlummerten, deren Schicksal vielleicht in seine Hand gegeben tvar — und zitternd, mit abgervandten Gesicht griff er nach dem Hahn, der mit dem Instinkt des Tieres zurückslatternd den nahen Tod fühlen mochte — und mü einer einzigen Bewegung drehte er ihm den Hals um. Einen Augenblick stand er reglos. Aber nein, — noch war die Gefahr nicht vorüber. Es galt die Stadt St. zu warnen, sie zu benachrichtigen von dem Nahen der Feinde. Er stürzte zur Pforte und lief, den Kops gesenkt wie ein Träumender, rrach Osten. Ein paar farbige Flammenbündel schossen über den Himmel. Mit sieghaftem Lächeln stieg drüben im Osten die Sonne empor. Und während der arme Jakob ins Tal hinunter raste, fühlte er, roie ihm schwer und unaushaltsam die Tränen niederrannen. vermrschtes. * 3 otfre a n der Arbeit. Als die erste autorisierte Darstellung von Ioffres Arbeitsweise, die seit dem Beginn deS Krieges veröffentlicht wird, bezeichnet die „Times* die Schilderung eines Berichterstatters, der den französischen Oberbefehlshaber in seinem Hauptquartier besucht hat. .Tie Pracht und der Prunk des Krieges, wenn sie je vorhanden gewesen sind, haben aulgehort*. erzählt dieser. .Ein Besuch bei General Ioffre ist mit Ausnah,ne der 'Anwesenheit von ein oder zwei Ordonnanzen an der Türe >vie ein ganz gewöhnlicher Bestich in einem gewöhnlichen Hause. Vater Ioffre, in deffen Hand das Schicksal Frankreichs liegt, empfing mich zur sesigesehteir Stunde in einem flelneii Zimmer mit einem lange,! schmalen Tisch, der einen weißen Filzüberzng hat, so ivie ihn die Tische m den Wirtschastsräuinen haben. Um '/,? Uhr betritt Ioffre reden Morgen diesen Raum und um 7 Uhr hat er eine Konferenz uE den sechs ersten Offizieren des Generalstabes, mit General !? , : m ^^eit Adjutanten und drei anderen Oisizieren. In dieser Besprecht,ng iverden alle Depeschen und Berichte der Nacht durchgeqangen und erörtert und die Befehle für den Tag gegeben. Um Punkt Li wird stets das Frühstück ausgetragen, das inuner aus denselben Gerichten besteht, aus Eiern und Koteletts. Danach findet um 12 Uhr eme zweite Sitzung statt. Do,i 1-4 Uhr geht der General aus. Er unternimmt entweder einen Spaziergang in den nahen Wald, reitet oder fährt. Um st.9 Uhr abends findet die dritte Sitzung statt, an der dieselben Offiziere teilneh,nen. und Punkt .- 5 .* ^awt fich Ioffre zu Bett, »venu nicht etwas Besonderes vor- aut. Den übrigen Teil des Tages verbringt er in seinem Zimmer, über die Karte,, gebengt. Ioffre bleibt die gante Zeit in seinen, Hauptquartier; nur einmal in der Woche verlaßt er eS, um die Truppen an der Front zu inspizieren oder Generale zu besuchen vorzüglich organisierter Telephondienst ,nacht seine Anwesen- Yen im Hauptquartier unnötig. Seine Art der Schlachten- lenkung wird gut beleuchtet durch sein Verfahren bei der Schlacht an der Marne. Alle Befehle, von ihm eigenhändig geschrieben, waren bereits am 87. August für die Schlackt fertig, die an, r* ^pEember begann. Er dachte sie alle einzeln an- und setzte sie dann m seinem Geiste die ganze Schlacht Stück für Stück zu- fäfeft’nhfeines Uhrwerk, das, wenn die Zeit fommt, von selbst ablaust. Seme Hauptarbeit in der französischen Arn,ee war deS Generalstabes, als er im Jult 1911 Ober- belehlshaber wurde. Co konnten sich die Offiziere des Stabes drei Jahre lang aufeinander einarbeiten. Ioffre trägt einen blaßblauen Unilormroch der ihm aber sehr ,vett ist. keine Orden und Abzeichen ,nit Ausnahme dreier Goldsterne seinem Arm und an seinen Stulpen, und rote Hosen mit schwarzen Streiken. Als er den großen grauen Kops von seinem Schreibtisch erhob, nrachte er auf nitch den Eindruck von Massigkeit. Der große Kops Iossres, sein eisernes Kinn, jeine freundlichen» ziemlich trüben Augen sind den Photographien von ihn, ganz unähnlich und haben nichts gemeti» mit der Vorstellung vom „TurchjchnitlSsranzosen" vüchertisch. — K u n st w a r t. Erste? M a i h e f t. (Kriegs-Ausgabe zum halben Preis. Vierteljährlich 2,25 Mk. Georg D. W. Callwey, München.) Größere Aussätze: Hermann ttllmann. Der pflügende Soldat. Friedrich Dusel, Kriegs- und Friedens stücke. Avenarins, Deiregger. — Gedichte von Stefan Milow. — In der Rundschau u. a.: Avenarilis, Amerika. Ctolterfoth, Politik deS roten Kopsts. Seemann, ^Kriegsdeuisch-. Liebscher, Tatterata-Klatsch-Klatsch- „HninorE. ^ Schnndkuuz, Schulweseu und Kriegszeiten. Ferner: Zur Heimstätten beweguiig; DieAustlärung unserer Kriegsgefangenen: John Bull der Aufrichtige usw. Bilderbeilagen : Egger-Lienz, Der Säemann. Eecile Leo, Frühling übers Jahr. Eva Schmidt. Sckcttcnschuitt. Notenbeilage: Eduard Krenzhage, Der sterbende Soldat. — D i e HerallSgabe von Kants Nachlaß. Eine in der Welt der Wissenschast einzig dastehende Ausgabe ist die Veröffentlichung vor» Kants handschrisllichcm Nachlaß, die Professor Erich A dickes im Aufträge unb auf Kosten der vreuß^chen Akademie der Wiffenschaiten durchführt. Wie Dr. Otto Braun in einem Aussatz der „Deutschen Literaturzeit,mq- erö'tert, sind von den sieben in Aussicht genommenen Bänden bisher drei erschienen, und diese Riesenarbeit allen» hat den ailSgezeichneten Herausgeber 20 Jahre gekostet. Tie Schwierigkeiten, die bei der Lesung der Handschriften des Philosophen zu überwinden sind, sind außerordentlich groß, und gutem hat sich Adickes nach reiflicher Ueberlegnnq dazu entschlossen, aus dem Nachlaß im strengsten Sinne des Wortes alles zu drucken. Da- Werden der Kantfchen Werke und die Entwicklung feiner Gedankenwelt lassen sich ja nur lückenlos verfolgen, wenn auch die feinsten Verästelungen seiner Gedankenivege zugä>»glich sind, und da kann jeder kuaze Satz seine besondere Bedeutung gewinnen. Eine gewaltige Vorarbeit war zunächst zu bewältigen, denn eS galt, eine möglichst genaue Tatierring der zahllosen Notizen aus Blättern oder der vielen Randbemerkungen tu den von Kant benutzten Kompendien zu gewinnen. Wenn die direkten Anhalts- vunkte, wie Datierung der Briefe, all! die Kant seine Notizei» geschrieben usiv«, versagten, so inußten die kollipliz,e,testen Wege ein- geschlagen werden. Tie sehr verschiedenen Tinteiüarben, die die Anfzeichttungeu des Rachlaffes ausweisen, boten enten wichtigen Wegweiser, und dann erforschte 21-dickes geradezu die Lageraugen der einzelne» Blätter seine! Nachlasses, tim Ordnung in daS Chaos zu bringen. „Was für den Geologen die Schichten, Verwerfungen, Faltungen rc. bilden', sagt er, „daS »varen für den Herausgeber die Ctellnugsiudizieu, und die hat»dschriitlichen Kriterien vertraten die Stelle der Le ttossilien*. Auf Grund dieser uusägltch »nuhevoUen Arbeit kau, der Gelehrte dazu, nicht weniger als 33 Phasen in der zeitticken Ordnung des Nachlasses zu unterscheiden, nach denen nun die Klassifizierung der einzelnen Notizen erfolgte. Nach sachlichen Gesichtspunkten wurde der riesige Stoff in sieben allgeuleirle Gruppen geschieden: Mathematik und 91aturmifTcttfc1)afr, physische Geographie, Anthropologie. Logik, Metaphysik, Moral- und Recl tSphtioiophle, NeligionSphilosophie. Eine reiche Fülle sachlicher Anmerkuugeil, die jede fCemfle Einzelheit erklären, sowie der Abdruck der heute sehr schwer zugänglichen Werke, die Kant bei seinen Vorlesungen als Leitfaden benutzte und ln die er feine Bemerkungen eintrug, vervollständigen dieses Monmnentalwcrk, daS nach seiner Vollendung ein denkwürdiger Ruhmestitel in der Geschichte der deutschen Wissen» schüft sein wird. Geographisches Verschiebratfel. Florenz — Berlin — Paris — München — Graz — Breslau — Wien — Karlsruhe — Hamburg — Karlsbad — Wiesbaden. Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben iverden, daß eine Buchstaben reihe, von oben „ach unten gelesen den Namen eines böhmischen Badeortes ergibt. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Diamant-Rätsels in voriger Nummerr R Fee Hobel R e b h n h n P r n t b Ohm