Jan von Werth. Roman aus dem Dreißigjährigen KrieM von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.) a. (Fortsetzung.) Die Sonne hatte sich gesenkt. Ihr gedampfter Schein schien auch den Lärm des Festes zu beruhigen. Als Jan auf die Terrasse von Eonflaus kgm, wo Richelieu tfju erwartete, fand er weltabgeschiedene Stille. „Ah! Ich danke Euch, daß Ihr gekommen seid, Herr voir Werth. Nehmt Platz, ich bitte Euch." Er winkte den Kavalier zu sich. „Raimonville," sagte er, „ich wünsche nicht gestört zu werden." Der Edelmann ging langsam zurück, bis zu seinen Kameraden. Sie wandelten aus der untersten Terrasse langsam auf und ab. „Ich habe Eure Eminenz nicht auf den: Feste bemerkt," sagte Jan, „sonst Hütte ich ohne Zweifel—- „Die Geschäfte verbieten es mir säst gänzlich, an Verneigungen teilzunehmen. Auch mache ich kein Hehl daraus, aß ich an solchen Dingen wenig Gefallen sinde7" Jan blickte ihn an. Er sah müde ans. „Ich habe Bischöfe beim Feste gesellen, Eminenz, Und in Vincennes sitzt ein Heiliger gefangen, der Abb6 de Saint- Eyran. Ein seltsames Schauspiel." „Der Abb6 de Saint-Cyran? Er war zu kühn. Ich liebe kühne Menschen, aber ich sperre sie ein, wenn ihre Kühnheit sich gegen mich richtet." „Gottdank, daß ich nicht zu den Untertanen Seiner Majestät gehöre." „Ist es Euch so wohl unter Eurein Kurfürsten? Man sagt, Ihr liebtet ihn nicht?" Jan schwieg. „Wie denkt der Kaiser über ihn?" „Ich habe nicht die Ehre, zu den*Dert rauten des Kaisers zu gehören." „Nun, ich wollte Euch nicht allsfragen. Reden wir von anderen Dingen. Obgleich ich nicht verschweigen will, daß der Kaiser von Oesterreich besser daran täte, dem Rate des Kurfürsten zuweilen mehr zu folgen. Denn seine Hilfsquellen erlauben ihn: doch wohl nicht, den Krieg noch lange sortzusetzen. Oder wie ist Eure Meinung?" „Meine Meinung ist, daß Frankreich eher Grund hat, den Frieden zu suchen. Euer Eminenz führt Krieg gegen Spanien, Deutschland, .Holland: wenn ein Gegner ausschiede, und zwar der mächtigste —" „Ihr vergeht, das; Schweden —" „Ach, Eminenz, Ihr wißt so gnt wie ich, daß Schweden lieber heute als morgen Deutschland verließe, wo es seinen König ulid die Blüte des Adels gelassen hat. Ihr selbst seid zu klug, um Schweden zu trauen." Der Kardinal neigte sich vor. „Ihr habt bei Rheinfelden mit dem Herzog von Weimar gesprochen. Aber Ihr müßt Bernhards Worten nicht allzuviel Bedeutung geben." „Schütz' mich Gott, daß ich mit dem Verräter vertraulich geredet hätte!" „Man braucht auch zuweiten Verräter." Jan zuckte die Achseln und schwieg. Plötzlich lächelte der Kardinal. „Ihr seid klug, Herr von Werth." „Nur vorsichtig, Eminenz." „Beliebt es Euch, einen Becher zu trinken?" „Ich habe mir heute Enthaltsamkeit gelobt." Der Kardinal erhob sich und ging langsam, mit gesenktem Kopf auf und ab. Plötzlich blieb er stehen. ,„Jch habe eine Neuigkeit für Euch: Herr Durante ist in Paris." „Aber gegen Euren Willen und gegen Euer Erwarten Sonst hättet Ihr ihn wohl nicht vertraulich gewarnt.^ „Wer hat Euch das gesagt?" „Seine Majestät der König." Richelieu stampfte mit dem Fuße auf. „Das ist Geschwätz!" „Verzeiht — von dem König oder von mir?" „Ihr braucht mir den Degen nicht aus die Brust zu setzen." Er ließ sich dicht bei Jan nieder. „Sagt — gibt es einen Menschen, den Ihr mehr haßt als mich? Nein, nein, antwortet ruhig. - Oder antwortet nicht. Ich kenne Eure Gedanken. Aber ich glaube, Ihr kennt die meinen nicht. Lassen wir doch für eine kurze Spanne Zeit den Feldherrn und den Kanzler fallen; sprechen nnr zw> sammen wie zwei Männer. Ich gestehe Euch, daß ich gerade, offene Männer wie Euch liebe, und nichts wäre mir angenehmer, als zu wissen, daß Ihr mich versteht. Werth, ich liebe mein Vaterland wie Ihr das Eure. Ich will es groß sehen. Ich strebe dieses Ziel an mit allen Mitteln. Ob ich's erreiche? Ich iveiß es nicht. Bis ich selbst sage: „Ich kann nicht mehr", soll aber kein Wille dem meinen entgegen sein! Versteht Ihr, keiner. — Ich habe viele Feinde, ihre Zahl ehrt mich." „Ich weiß nicht, Eminenz, zu welcl>em Zweck Ihr mir —" . Richelieu richtete sich lute erwachend auf und sagte nnt leiser Bitterkeit in der Stimme 5 „Ihr habt recht. Auch ich weiß nicht, weshalb ich Euch Konzessionen mache. Rur das weiß ich, wir beide kommen nie zusammen." „ _ . „Auch ich verehre gern, Eminenz, glaubt nur das. Aber daß Ihr Unschuld'ge verfolgt, Frauen, die Euch nicht gefährlich werden können —" „Herr von Werth, die Dame, die Ihr meint, und die Ihr in Corbeil gesehen habt — Ihr seht, ich weiß es - ist vorläufig noch nicht gefährlich. Gefährlicher Frauen gffeoe id) mtd) rasch zu entledigen. Ich wünsche es für jene Lame, das; sie nie in meine Pläne tappt, nein, nicht einmal nnt einer Fußspitze an sie rührt. Versteht Ihr?" ,,Dat Eure Emiiienz noch Befehle für inich?" „Nein. Ich hoffte, mit Euch etwas plaudern zu können. Aber geht. Ihr seid ein Starrkopf." ^>an lachte. „Ist nun einmal meine Art. Bin damit immer gut gefahren." „Lebt wohl, Werth. Und gebt mir die Haiid. Kann ich Euch einen Wunsch erüllen?" „Es hat keinen Zweck, Euch zu bitten, daß Ihr die Verhandlungen lvegen meiner Auswechslung beschleunigen föchtet, denn ich weiß zuversichtlich, Ihr hintertreibt sie. Ehr seht, auch ich weiß manches." „Werth, por politischen Interessen muß der Mensch zurückstehen. Wenn ich Frankreich diene, indem ich zu der- Indern suche, daß Ihr uns zu rasch wieder verlaßt, könnt Ihr es schelten? Ich weiß: Ihr r ' ' ' ~ ^ • " ehrlich." $an schivieg und zupfte an seinem Schnurrbart. Aus den Garten klang lauter Gesang; man hörte den Refrain. „Und Jean de Werth". „Und übrigens," sagte der Kardinal und begleitete Jan bis zum Ende der Terrasse, „wäre es grausam, den guten Parisern, die Euch so liebeü, daß sie auf Euch Lieder ar?r^ cil r ®ui’c Gegenwart nicht noch ein wenig zu gönnen. seid geduldig und barmherzig. Und damit — Gott besohlen!" 12. Kapitel. Jose Maria fällt vom Pferd, und Jan steigt wieder in den Sattel. ^Ludwig der Dreizehnte hörte jeden Morgen die Messe in ^ainte-Chapelle. Eines Tages begab auch Jan sich dort- und richtete es beim Verlassen der Kapelle so ein, daß er dicht am Portal mit dein Köiiig zusanimentraf. Der winkte f^^^ßend mit der Hand. Jan konnte nuii nicht anders, als draußen dem Könige seine Reverenz zu machen m ,/ /2 ? l . e Ibht es Euch, Werth? Es ist hübsch, daß Ihr an Gotteshäusern nicht vorbeigeht. Uebrigens bin ich Euch dankbar, daß Ihr Herrn Durante halbwegs ain Leben qe- asfeu habt. Er sagt, Ihr hättet ihn ebensogut abstecheii tonnen, denn Ihr rväret ein Meister." „Sire, als er den ersten Stich lveg hatte, schwor er, damals nur deshalb so rasch iiach Frankreich abgereist zu )cui,_ weil er Euer Majestät eiiien wichtigen Dienst leisten zu musten glaubte." ^ „Sagte er das? In der Tat? Und darauf habt Ihr ihm vergeben? Ihr seid wirklich ein Edelmann, und ich bin Euch von Herzen gewogen." Jan kiißte die Hand des Königs. „Darf ich es wagen, Eure Majestät urn einen Gefallen zu bitten?" ' Ludwig sah sich unsicher um und rieb sich die Hände. Er wußte nicht, was er sagen sollte. Bagatelle, Sire. Ich kenne hier in der Nähe eine runge Witwe der der Kardinal, jedenfalls aus guten Gründen, nicht sehr gewogen ist. Eine Frau de Jussac, Sire ^e ist ein wenig unvorsichtig, wie Frauen so sind. Und da ich ihr von früher her verpflichtet bin und sie vor ärgerem bewahren möchte, wäre ich glücklich, sie warnen zu können. Das heißt, aus mich wurde sie nicht hören. Wenn ich daher Suer Majestät anfleheu darf, ihr zwei Worte zu schreiben, etwa so. „Haltet Euch riihig iind gehorcht Seiner Eminenz denr Herrn Kardinal" — nichts weiter, so würde ich Gelegenheit haben, ihr diese Zeilen zustellen zu lassen." „Werth, ich tue Euch gern jeden Gefallen — .aber»—" „Dank, Sire, ich wußte, daß Ihr meine Bitte gewähren wurdet!" ' „Der Herr Kardinal würde sehr ungehalten sein, daß in r f eine Angelegenheiten mische. Wenn Ihr verbrecht, and) iin Namen der Danie, daß er nichts erfahrt... ßnt tommt in zwei Stunden in bcn Louvre, und man s en W anshändigen. Oder besser, kommt 5nw ^ue auffallen; :rf) werde Euch den Zettel schicken, imir nühi'p r Euch verpflichtet bin, Werth. Und geht ligeu Augen'an."" ® aimhw ^hen Euch schon mit eifersüch- Jan entfernte sich zwei Schritte und.blieb dann stehen E..ler der Edellente hatte in der Tat höchst ungehörig Blicke uus ihn geworfen. An diesen trat er heran urid sagte verbindlich lächelnd: Ihr etivas von mir? Ich bin Werth." Franzose verneinte sehr höflich. Jan ließ ihn stehen liJi pulsend davon. Nicht sehr weit. Dicht dabei war ^ne Garküche, wo man ihn kannte. Dort ließ er sich eineii dom Rost braten, und nachdem er seinen Hunger gestillt hatte und selbstverständlich seinen Durst auch, ging er zu^einem. Klciderhändler, erstand ein himmelblaues Atlas- »PB auf und ritt nach Vincennes zurück. Der Brief i Honigs war fchon da, gesiegelt, woran Jan am meisten lag. Dann hielt er Jose Maria eine kleine, hübsche Rede, 'S 11 darauf eigenhändig den Bart in eine so abenteuer- nche Form schnitt, daß Herr de Meillerahe, als er in der ^?ch/^orung den Donjon, in einen großen, schwarzen Mantel gehüllt, verließ, anhielt, da er ihn nicht erkaniite. w ^/^ a . n ^at geheimnisvoll, mit Augenzwinkern und halben .heoen, jo daß der Kommandant jedem geschworcil hätte, Jan ginge zu einem intimen Stelldichein. , Gegen zehn Uhr des Abends klapperte der Galoppschlag eme§ gehetzten Pferdes auf dem Schloßhof von Corbeil. Ein Retter nn jchwarzen Mantel sprang ab und rief stuckend nach deni Befehlshaber der Wache. Der eilte herbei. . ^s von Seiner Majestät. Führt mich zu Frau Eile " ^ 2lbCV Va ä) ' lDenn €§ ® ucf) ^fällig ist. Ich habe V.. Der Offizier hielt die Laterne hoch und sah das königliche Siegel. Zögernd trat er zur Seite und sagte: - m * r - — Seid Ihr vom Gefolge Seiner Majestät r „Seltsame Frage, mein Herr." „Weil ich Euch nicht kenne." „Ich war zwei Jahre beim schwedischen Heer. Aber letzt habe ich Eile, mein Herr." Marie-Anne war noch nicht zur Ruhe. Als sie in das Zimmer trat, verstört und äiigstlich, da maii ihr von einen: dringenden Brief des Königs gesprochen hatte, sah sie den Boten unsicher an. Der trat rasch auf sie zu. „Hört uns niemand?" „Wer seid Ihr? Um Gott — Herr Jan!" m . 3?? hob mahnend die Haiid. Dann verbrannte er den Brief über einer Kerze und sagte: „So. Wir köiinen drei Minute:: plaudern." „Herr Jan! Daß Ihr an mich gedacht habt! Als ich - n £, er Kirche sah, war ich glücklich wie ein Kind. Wo ist Gr:et?" „Mein Weib ist tot. Laßt das! Ich habe gelitten — aper reden wir nicht davon. Wenn sie mich hören kann, wird sie nicht böse se:n. Denn ich habe Euch etwas zu gestehen, letzt gleich — Ihr verzeiht, aber die Zeit drängt." „Sprecht!" „Habt Ihr zuweilen an mich gedacht? Sprecht aufrichtig!" immer an Euch gedacht. Immer! Wußtet Ehr das nicht? An Euch gedacht — wie nie an einen Mann " „Ich würde Euch sagen, Marie-Anne, daß ich Euch liebe, wenn nicht —" Sie sah ihn mit leuchtenden Augen an. -Dorr Jan!" flüsterte sie und nahm seine Haiid. „Mar:e-Aniie, weshalb habt Ihr jenen — Jussac — ?" „ „Ich wußte keinen Ausweg mehr. Und auch Griet. Uebrigens war er nicht schlecht — der Jussac." 1 r "W war also gut, und Ihr wart ihm deckbar, ohne Zweifel, und mochtet ihn gut leiden, und —" Er hatte eineii bösen Klang in der Stimme. Marie- Aiine richtete sich stolz auf und sagte verweiseuo: „Herr Jan!" Dann glaubte sie zu verstehen, welcher Gedanke ihn so bewegte, und sie nahni feine Hand und spielte mit ihr, und indem s:c ihren Kopf ganz tief auf sie neigte, flüsterte sie stockend und leise: „Er hat — mich nie berührt." Die Röte der Scham lauf ihrem Gesicht- wurde mu R öte des Glücks, denn Jan warf seine Arme um sie und preßte seinen Münd auf den ihreii. Dann war ein tiefes«, seliges Schweiger:. Plötzlich ließ Jan sie frei. „Die Zeit drängt. Ich muß fort, ohne aufzufalteu. Sag' rasch — darfst du das Schloß verlassen?" ^ „Mit Begleituiig — ja." „Gut. Von heute in einer Woche, um acht Uhr in der Däninierung reitest du aus. Auf bem Miesenweg nach La Cloche, Horst du? Nichts \vtitet hast du zu tun. Wie viele siud bei dir?" „Ein Kavalier und eine Dame." „Vortrefflich. Du reitest ein wenig voraus. Altes übrige laß mich machen. Und nun — gute Nacht, süßes Herz,! Geliebte? Weib!" „Mein Jvn!" Jan riß sich los und eilte die Treppen hinab. Nuten erwartete ihn der Wachhabende. „Alles erledigt?" „Ja," sagte Jan, sprang auf sein Pferd und galoppierte davon. (Fortsetzung folgt.) Das Lnde des petar Brujac. Eine Geschichte von der montenegrinischen Grenze. Von Martin P r o s k a u e r. Als die österreichischen Soldaten die Bergstraße bauten, die von Cattaro aus am Wachthaus Krstac vorbei den Lovcen heraufkriecht, war Petar Brujac, der Sohn des Hirten Stanko Bruiac, ein kleiner Junge von 10 Jahren. Jeden Morgen lies er aus Vrba, wo sein Vater die langhaarigen weißen Ziegen hütete^ fort und suchte die Soldaten auf, denen er kleine Gänge um Tabak oder Salami besorgte und wo immer ein paar Kreuzer für ihn av- fielen. Als die Bergstraße fertig war und die Automobrle aus Ragusa und Cattaro die engen Kehren herauf bis nach Cettmie hinein ratterten, war auch Petar Brujac größer geworden und lief nicht mehr um 2 Kreuzer einen halben Tag du Serpentine entlang. Jetzt lungerte er an der Marina unten in Cattaro herum, wo bte Dampfer aus Triest anlegten, und hängte sich an die Frerw- den. denen er das Gepäck schleppte, die Stadt zeigte und auf alle Fälle Kronenstücke entlockte. Wenn kein Dampfer in der Bocche zu sehen war, half Petar den Fischern oder lungerte tn den FelS- hängen herum, die Cattaro schwarz und wuchtig umrahmen. Eines Tages kam ein Schiff, dem ein magerer Herr entstieg, der die ihn umlauernden montenegrinischen und dalmatinischen Jungen genau ansah, dann den Petar zu sich herannnnkte und ihm seine Tasche zu tragen gab. Neidisch.sahen die andern aus Petar. der anscheinend einen ganz reichen Forestiere erwischt hatte und stolz hinter dem Herrn her- keuchte. Der Fremde ging in das nächste Hotel, nahm den Jungen mit in sein Zimmer und begann ihn auszufrcmen. Da der Fremde ganz gut italienisch sprach, eine Sprach, die Petar m den Jahren feiner Tätigkeit im Hasen länast aufgeschnappt hatte, war die Verständigung teiclit; und nach eiltet Stunde verschwand Petar im Trabe ans dem Hotel. Am Abend kcnn er wieder, wurde von dem Fremden in sein Zimmer gelassen und berichtete, was er erforscht liatte. Der fremde Herr schrieb jedes Wort eifrig mit und nickte, denn die Auskunft, die Petar brachte, bewies, daß er bei geeigneter Anleitung ein tüchtiges und wertvolles Werkzeug im Dienste der englisch-französischen Spionage an der Lldria werden konnte. Der Herr sah Petar lange prüfend an. Petar erwiderte den Blick aus seinen verschmitzt blitzenden Angen, schlenkerte mit den Beinen uno sagte ruhig: „Eh, Signore, Hab' ichs gut gemacht? Soll ich auch zum Fort Trinita und Fort Derniac gehen?" Der Fremde schwieg verblüfft. Petar lächelte und sagte: „Und das neue Fort da oben am Lovcen, unterhalb Petro- vici, das jetzt gebaut wird, das ist doch auch sehr schön?" iegenhirten, gesiegt und esitz von soviel Lkronen, Damit hatte Petar, der Sohn des Und war eine halbe Stunde später im fvie er vorher kaum Heller besessen hatte. Außerdem hatte er die e -ündete Aussicht, bald noch mehr zu verdienen. Er war sehr beugt, ebenso der Fremde, der schon am nächsten Morgen mit Eildamvfer absnhr. Einige Zeit später verschwand Petar Bruiac, der inzwischen durch bunte Schlipse und glitzernde Fingerringe berechtigtes Auf- E rt unter den ehemaligen Freunden an der Marina gemaM e, aus Cattaro und damit ans deni Gesichtskreis der miß- .ischen Finanzer, die den montenegrinischen „Bazi" schon lange mit Verdacht beobachtet hatten. Aber schon 2 Jahre darauf tauchte Petar Brujac wieder auf. Er trug wieder die montenegrinische Tracht und die strohgefloch- tenen Opanken, hielt sich sorglich von jeder verdächtigen 2ln- näherung an die Forts fern und verlebte seine Tage friedlich als biederer einfacher Fischer. Bei Orahovac, dem kleinen Ort über der Bucht, dicht am Lfutabach, stand ein leeres Häuschen. Tort nistete er sich ein, malte das Haus schön hellrosa und die Fensterläden leuchtend hellblau an und brachte im übrigen seine Frsck>e rede Woche auf den Markt an der Porta Fiumera in Cattaro, wo er mit den Korporalsfraueu als echter Sohn der schwarzen Berge eifrig inu jeden Heller feilschte. . . Da grollte der Donner durch Bosnien und das nrllslenland und rollte durch Oesterreich weiter über Europa. Ter Krieg begann, der zweite und dritte Kriegsmonat folgten. Tie Steine des Lovcen- berges splitterten von Granaten aus österreichischen und montene- grinisckien Geschützen, und vor der Bocche lauerte das französische Panzer g esch wader. Ta ließ sich eines Tages der Hafenkapitän beim Brigadekommandanten von Cattaro melden. „Exzellenz," sagte er, „ich brauche ein paar tüchtige Leute. Wir haben nämlich irgendwo einen Spion hier. Eben bekam ich wieder die telegraphische Meldung, daß unsere Unterseeboote an der Lustica von dem französischen Geschwader beschossen worden sind. Das ist nun schon das fünfte Mal in diesem Monat. Exzellenz wissen selbst, daß man, wenn's mit rechten Dingen zngeht, von da draußen kein Unterseeboot erkennen kann." Der Brigadier runzelte die Stirn: , „Was wollen Sie machen?" „Ich Hab' einen Verdacht," sagte der Hafenkapitän, „aber ich muß erst Gewißheit haben. Dazu brauche ich ein paar gute Schützen als Patrouille." Der General nickte und ivinkte einein Adjutanten. Am Abend stieg der Kapitän mit fünf Mann vom Feldjägerbataillon, alle das -schützenschnür'l am Rock, in ein Motorboot und fuhr die Bucht entlang gegen die Adria zu. Vor dem Canale di Kombur schon hielt das Boot, die Männer stiegen aus und kletterten die Berglehne hinan zwischen die Felsen. Die Nacht kcnn, ein Scheinwerfer aus dem Fort Mamola strich mit seinem riesigen weißen Finger über die Bucht; unbeweglich lagen die Männer, aber nichts rührte sich, nichts leuchtete auf, was als Signal dem FetndeSgeschwader dort draußen hinter dem Berge hätte gelten können. Eirdlos dehnten sich die Stunden, bis die Dörfer und Inseln wieder im hellen Morgenlicht dalagen. Der Kapitän hob daS Fernrohr au die Augen und suchte Strich um Strich daS Gelände ab. Plötzlich fuhr er zusammen, stellte daS Rohr noch schärfer ein und richtete es auf ein kleines helles Fleckchen, das harmlos und friedlich im Bergschatten lag. Die Feldjäger folgten der Richtung des Glases. Ihre Augen, gewöhnt, im Gebirge die Gemsen auSzu* spüren, sahen zusammen gekniffen Und doch schärfer dorthin. „Ja nid," brummte einer, „daS iS a kloan'S Häus'k, weiter nix!" Da hielt ihm der Offizier schon das Fernrohr hin. ,>Grad auf daS Häuf'l schau und aus die Fensterläden," sagte er hastig, „und sag' an, was er macht!" Der Feldjäger blickte durch daS Rohr: „Jeffas, was is das? Da is oaner narrisch geword'n! Immer auf und ab mit die Fensterladeln I" Der Kapitän nahm sein Notizbuch und einen Bleistift Und befahl: , „Jetzt paß genau auf, wie er die Fensterladen aufmacht, ob beide auf einmal oder einen? Sag's genau an, hörst du!" Eintönig begann der Soldat: „Oaner — beide — oaner — beide — beide — oaner. . f* Der Offizier machte hastig Striche und Punkte in seinem Buch. Wahrhaftig — kurz — lang — kurz — lang—" brummte er vor sich hin, „einfach nach dem Morsealphabet! So ein Kerl, so ein miserabler! Telegraphiert mit den Fensterladen nach den Kriegsschiffen da draußen! Na wart', Du Hund!" Er klappte das Buch zu, ließ die Soldaten antreten und fuhr gleich darauf im Schatten der Berge das Ufer entlang bis zur Ljutabucht. Hier unten ließ er drei Mann zwischen den Felsdlöcken sich verstecken, mit den beiden andern stieg er den steilen Hang zu dem rosafarbenen Haus mit den hellblau gestrick>enen Fensterladen hinaus. Friedlich und harmlos lag das Häuschen da. Da klirrte unter dem Fuß des Kapitäns ein großer Stern polternd in die Tiefe, oben am Häuschen flog die Tür auf, und ein Mann sprang in langen Sätzen heraus, über die felsigen Platten des vlbhanges hinauf zum Grat. v ^ Ehe noch der Offizier einen Befehl geben konnte, knallte von unten aus der Bucht ein einziger Schuß, scharf und peitschend, und der Mami fiel, im Sprunge zusammenknickend, auf das Gesicht nieder. , _ . r . Als die Soldaten hinzueilten und den Mann uirwrehten, fanden sie, daß Petar Brujac die Kugel gerade in den Kopf bekommen hatte. Mil einer Hand hielt er noch das Signalzeichen- Buch krampfhaft fest umklammert. v , Und unten aß oie nach den Sternen schauenden urvölker her Kultur auch den Pflug als ein überirdisches Geschenk an den Himmel versetzten, und die Astrologie der alten Babylonier. Aegyp- hx und Griechen gibt uns wertvollen dlusschluß über die Urgeschichte des Gerätes. Das auffallendste Gebilde des Himmels, das breite Band, das sich etwa von Osten nach Westen erstreckt, wird ja noch heute als Straße bezeichnet, und damit steht in engem Zu- mimenhanae, daß eines der grasten Gestirne als Wagen erscheint, ter Gebannt liegt zu Grunde, daß sich die Götter aus der himmlischen Strafte im Wagen sortbewegten, und der himmlische Wagen erscheint ursprünglich als der Thronwagen der Gottheit. In einem leicht verständlichen Doppelsinn wird der Wagen nun aber in vielen Gebieten, in denen die Pflugkultur sich einbürgerte, „der Pflug'' genannt, und am griechischen Sternenhimmel nannte man ein rn der Nähe des Wagens stehendes Gestirn den „Ochsenführer" oder „Pflüger". Uebercrll in der alten Mythologie, von der vorderasiatischen Königssage bis zu der alttestamentlichen Geschichte der Provhelen Elias und Elisa kehrt-diese eigenartige Verbindung von Wagen und Pflug zurück, und Virgil in seinem so wertvollen landwirtschaftlichen Gedicht berichtet, daß nach der antiken Anschauung das Sternbild des Stiers die Pflugfurche Über den Himmel ziehe. Aus diesen Symbolen des gestirnten Himmels gebt hervor und die Erforschung der Tatsachen beweist es, dast die Erfindung des Wagens der des Pfluges vorangegangen sein must. Wahrscheinlich war es zuerst der Himmelswagen der Götter, der von den Priestern nachgebildet wurde, um dem Volke die Fahrt der Himmlischen zu veranschaulichen. Der Thron, auf dem die Götter saßen, wurde znm Gefährt, von dem aus sie di« Geschicke der Menschen lenkten. Die Erfindung des Wagens ist wohl, so zu erklären, dast den Anlaß dazu zwei Spinnwirtel, runde Scheiben, die in der Mitte durchbohrt umreit, gaben, die man auf ein« Achse steckte. Jedenfalls ist der Wagen in seiner 3^rbreitung ursprünglich ganz auf das Gebiet der Mlugkultur beschränkt; er war da, bevor in Wefeit Gegenden der Pflug die frühere Form der Landwirtschaft, den Hackbau, ablöste. Und auch der Gebrauch der Zugtiere muß sich bereits vor der Entstehung des Pfluges eingebürgert haben. Es war ein gewaltiger, für uns heute freilich schwer begreiflicher Fortschritt in der Entwicklung der Menschheit, als man dazu überging, das Tier in den Dienst der Kultur zu stellen, indem man es zum Ziehen eines Wagens verwendete. Es sind wahrscheinlich die heiligen Tiere, die den Gottheiten beigesellt ivaren, die man nun auch dazu benutzte, den Nagen der Gottheit aus ihrer heiligen Fahrt durchs Land zu ziehen. Zahlreiche Zeremonien alter Kulte weisen darauf hin; man denke nur an die Fahrt der altgermanischen Nerthus. Und zwar ist der Ochse in erster Linie der dienende Genosse der uralten Ackergöttinnen, die als die Vertreterinnen des Frnchtbarkeitsprinzips als die Mütter der Menschheit gedacht waren. Es ist ganz unmöglich, anzunehmen, wie man früher getan hat, daß der Pflug das erste Zuggerät gewesen sei. Di« Urform des dlckerbaucs, bei der mit dem Grabstock oder der Hack« eine Garten attlag«, kein Getreidefeld geschaffen wurde, bot kein« Vorbcdtngiingen für die Entstehung des Pfluges; «m einfaches Fortschreiten vom Hackbau zum Pflugbau wäre ein unvorstellbarer Sprung, den die Enttvicklung nicht macht. So mußten als Zwischenglieder Wagen und Zugtier aufkommen, und das Zugtier mußte auch schon in der Stellung sein, in der nur es dann am Pflug in den allermeisten Gebieten bis auf die heutige Zeit ausschließlich finden; es mußte von dem Götterwagen an ein ebenso hochheiliges Gerät, wie es der Pflug in seinen Mnfcinaen war, überfuhrt werden. Aus der Tiefe dieser religiösen Vorstellungen entstand der Pflug, der, wie die ägyptischen Geräte noch zeigen, zunächst der Hacke außerordentlich gleich, aber in einem ganz anderen Sinne und in ganz anderer Handhabung verwendet wurde 4.ie Hacke war von Männern und Frauen bis dahin zumeist in hockender Stellung gebraucht lvorden; der Besteller des Gartens arbeitete lwr sich iveg. Nun diente der Pflug dazu, uni mit dem kürzeren Ast im langen Zuge vor dem Pflüger her den nackten Scho,; der Erde aufzureißen; beim letzten Pflügen wurde dann die Saat der Furche an vertraut, und so entstand das fruchtbar« Kleid der Erde, das ,ich im Getreidefeld uns darstellt. Grade, für Babylonien, wo wir wohl die Entstehung des Pfluges und des Getreidefeldes zu suchen haben, war dies befruchtende Gerät wie geschaffen, denn die ausgedehnten Schlammflächen, die die Ueber- ichweminnllg der großen Ströme htnterliest, die dann die Sonne ,chiie!l ansdorrte und in tief gespaltene Schollen zerriß, verlangten ein Werkzeug, das zwischen dem Kanal, der die Wasserzufuhr Dsich, der das Feld vor der Ueberschwemmung wdtC'Of Vorbereitung für die Saat die lange Furche in den , _ vermischtes. B 0 in g u t c n Soldaten lt iefel. 'lederne schwarze Jniäntert,* nannigfaltigsten Ansprüchen m I^nvarze Onfmiteiieflie^el unübertroffen ist und d md Witterungen a>n besten Genüge Daß der preußische und den leistet, das ist das Ergebnis der im jetzigen Kriege gemachten Gr- fahriMgen über das zweckmäßigste Schuhwerk für den Soldaten, wie Oberarzt Dr. G l a s e w a t d in einem Aufsatz Über waffer- occhte Fußbekleidung und Erfrierungen in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift mitteilt. Der Jnfanteriesttefel muß allerdings von dem Träger richtig angewendet werden, denn bei Benutzung zu dicker Lagen von Strümpfen und Fußlappen wird die Blut- zirknlation herabgesetzt und damit die beste Vorbedingung für ein Erfrieren deS Fußes geschaffen. Gegen das Erfrieren der Füße glauben sich nun unsere Soldaten am besten durch wasser- ? » t e tr ®f ie f schützen zu können. Diese große Wertschätzung des wasserdichten Stiefels ist aber ein Irrtum, denn bet völlig wasserdichter Fußbekleidung ist die Gefahr der örtlichen Erfrierung größer als bei einem durchlässigen Stiefel. Die große Mehrzahl oer im Gebrauch befindlichen Militärstiesel, auch der größte Teil derer, die für ivasserdicht gehalten werden, ist nun aber freilich ntajt wasserdicht. Entweder bestehen sie aiis einem etivas porösen Er, das nur bis zu einer geivissen Zeitdaner der Turchtränku.ig ,tanohalt, oder aber, wenn sie ans undurchlässigem Leder gearbeitet snid, haben sie an den Nähten und am Sohlenansatz kleine Löcher. 4)t6 wirklich wasserdichten Stiefel aus Leder oder aus Gummi, mit oöet ohne Aussütternng durch Schweinsbtase können freilich viele f OQ® Ia,, Ö lin Waffer stehen, ohne daß ein Tropfen Feuchtigkeit ns Innere dringt. Aber dieses Stiefeliöeal an Wasserdichtigkeit l m ^o/^"lch schivere Nachteile. Im wasserdichten Stiesel bleibt der beim Marsch diirch die Ausdünstung naß gewordene Fuß sehr viel länger naß als im durchlässigen; eigentlich müßte er dauernd naß bleiben, da ebenso kein Wasser voii ihm heraus kaum wie keins von außen herein. In Wirklichkeit wird aber die kseuchtlgkeitsiuenge aklmä'hlich doch diirch die zivischen Fuß und Stte'el liegenden Schichten von Wollgewebe aufgefoqen. Sodann stellt wasserdichtes Leder ein viel dichteres Gewebe dar u>id ent- halt fast gar keine lustersüllten Spalträume; deshalb wird der zwischen Stiefel uiid Fuß liegende Raum allmählich iininer lnst- armer iind ivasserreicher und teilet die Wärine besser. Tie äußersten Strmnpsschichien frieren in solchen Stiefeln leichter zu Eis, und fI , V?5* r eren Zußes ist viel eher möglich. Sobald also ein tägliches oder iventgsteuS häufigeres Wechseln der Strüinpse u>id Stiesel nicht möglich ist, be&entet der wirklich wasserdichte Stiefel direkt eine Gefahr. Da§ zeigt sich auch besonders bet Verwunde- en die ja oft mehrere Stnndeii im Freien in der Kälte liegen bleiben. vüchertisch. K u ,i st w a r t. Zweites Aprilheft 1 9 1 S. (Kriegs- Ausgabe zu,n halben Preis. Verlag von Georg D. W. Callwey München.) Größere Slufsätze: Avenarius, „Ich kenne nur noch Deutsche". Wolfgang Schumann, „Bücher der Zeit". 2. Zu der *? vn ne: Was man heilte lesen Zoll"? Otto Bartning. lieber- Ileierung und bewußte Kiinst. Werner Liudner, Kricgerehrung in Gedenkstätten. In der Rundschau n. a.: ^lvenarins, Kenergerichte ud Kriegspsychose. Stapel, Gewalttaten im Kriege. Häfker. Krieg u,id Kinematographie. Leopold Schmidt, Berliner Mufik irn Kriege. Züricher, Frau Lang nsw. BilderberlaqenMaximilian Schelm Avril,norgen im ivilden Kaiser. (Farbig.) Ferner Hmdenburg- Bildniffe von Bernhard Winter und Rudolf Riege. Nokcnbeilaae' Otto Crufius, Tie heilige Not. — ?' o e V • S£} "euesten (9.) He t dieser Oktav-Ausgabe von „Ueber Land und Meer' (Deutsche Berlags-Anstalt, Stuttgart) ist auf den 100. Geburtstag des Fürsten BiSmarct in Wort und Bild hingewiesen. Wir finden da neben dem erhebenden Gedicht von Karl Rosner Bismarckworte von Christa Gräfin Eickstedt Ermnernngeil eines Verivaltnngsbeamten, Briese von Bismarcks Frau ruid die schöne Btsmarckbüste von Reinhold Begas. Selbstverständlich begegnen ivir auch in diesem Text hübschen Bildern. Den Araber in Hülte und Palast lernen ivir in einem Artikel kennen; wir könne,r uns in eigenen Berichten über die Vorgänge aus beiden Kriegsschauplätzen orientieren und finden ,veiler Lesenswertes in Poesie und Prosa. versteckrätsek. Man siiche ein Sprichwort, dessen einzelne Silben in folgenden Wörtern versteckt sind, nne die Silbe „an" in „Wanderer". Rudersport — Pistolendiiell — Armband — Boden- Armband bach — Kammerdiener — Sorbonne — Landgericht Grnlibünden — Großmacht. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung des 2>ahn — Abba — Fafan — Anim Arithmogriphs in voriger Nummer: Safran — ILad — Anden — IVanae - ttese — Kaff — Frde - Leander; Das 9! a d f a h r e n. Schriftleitung; Ada. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Vrühl'schen Nuiversitäls-Buch- ,md Steiud R. Lange, Gießen.