Jan von Werth. Noman ^rus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Jan war verliebt. Jose Maria hätte es bemerkt, auch wenn Jan weniger vertrauensselig gewesen wäre. Er war verändert, unruhiger als .sonst, und, was das schlimmste war: schwärmerischer. Er fand Gefallen an einsamen Schlendereien durch den Vineenner Wal-d, an langen Reden, die schwungvoll begannen und plötzlich abbrachen, und an Seufzen. An Seufzen, ja, denn er wußte so gut wie nichts über die Meinung Marie-Annes. „Und selbst wenn ich wüßte," sagte er zum Abb6, ,Haß sie mich liebt, wie ein Weib ihren Gatten lieben soll - so „Nun? Sprich weiter!" „Verdammt! Wenn ich sie küssen würde, glaubte ich immer den alten Jussac zu schmecken. Zackerbombenund- flöh!" Und dann — fliehen mit ihr? Wo er sein Ehrenwort gegeben, nicht zu fliehen? Die Befreiung abwarten? Sollte fr sie dann entführen? Dadurch würde sie ihres Vermögens beraubt. Zwar schadete es nicht viel — aber immerhin! Dem Kardinal Grund zum Händereiben zu geben, lvenn der Geld und Güter einzog? Schließlich freilich konnte es ihm niemand verwehren, sein Weib sich zu suchen, wo er wollte. Aber wie die Dinge hier lagen — die Partei, der Königinmutter regte sich wieder — fanden sich leicht zwei falsche Zeugen, und Marie-Anne saß fest. Fürs erste schien der Kardinal ihm allerdings seltsam wohlgesinnt. Richelieu lud ihn zu einem großen Fest ein, das auf seinem Schlosse Conflans stattfinden sollte. Jan lächelte befriedigt. „Dummer Jan! Glaubst du, der Walfisch lüde dich ein, wenn er nichts von dir wollte?" sagte Jos6 Maria. Ach was. Jan ging hin. Er hatte Grund, iiber den Prunk erstaunt zu sein, der ihn in den Terrassengärten an der Marne empfing. Es waren viele hundert Menschen zugegen, die unter der Last ihrer goldbestickten Kleider schwitzten. Man sagte, daß Stutzer darunter seien, die bas Gewicht ihres Leibes in Edelsteinen und Gold an sich schleppten. Die Damen gaben ihnen nichts rurch. Auf dem .grünen Rasen, über den schlanke Bronzeknaben Blumengirlanden emporhielten, drängte man sich um Jan. Edelknaben gingen zu viert umher und trugen aus Ebenholzplatten, die mit Silberblech beschlagen waren, Kristallschalen voll gefrorener Früchte und goldene Kannen, die von der Kühle des Weins, den sie enchielten, bcckaut waren. In Grotten, die von oben durch blaue Scheiben beleuchtet tvaren, rieselten unsichtbare Wasser. In Bassins, J mit Goldmosaik ausgelegt, schwammen große, goldfarbene Fische, während auf einem von Seerosen überwucherten Teich Jünglinge in florentinischer Tracht Barken dahintrieben, deren Teppiche im Wasser schleiften; Schwäne mit geblähten Flügeln folgten im Kielwasser. Ueberall sprangen Fontänen. Da waren solche, die über die Wipfel der alten Buchen emporschossen, bis in das freie Licht. Andere bildeten eine flache Glocke, die stille stand wie eine silberne Kuppel. In einem Bassin war das lustige Spiel bronzener Leiber, die von plumpen Ungeheuern mit Wasser besprengt wurden, indessen Pferde mit Flossensüßen sich bäumten und Najaden sich an ihren Hals klammerten. Dazwischen ab es dämmerige Winkel, in die der Lärm der Wasser, as Lachen der Gäste, der Gesang der Chöre, die Rtusik nur als ein träumerisches Raunen und Klingen drang, Winkel, iit denen sich zu seiten kühler Moosbetten die Alabasterleiber von Göttinnen erhoben, indessen ganz im Hintergrund der Taxuswände ein Ainor, geziert lächelnd, mit aufgelegtem Pfeile der Paare harrte, die sich auf der Moosbank niederlassen würden. Aus der Marne, die für profane Fahrzeuge abaesperrt war, wiegten sich buntbemalte Schiffe, mit Blumen behängt bis an die Wimpel. Zwischen ihnen schwammen Jünglinge lind Mädchen im Takte der Musik, schlangen Reigen und Figuren und besprengten die Kavaliere und ihre Damen, die sie mit Rosen belvarsen. Am jenseitigen Ufer des Flusses aber lagerte und stand das Volk, stumm und andächtig. Der Jan alles dies zeigte, lvar Gaston von Orleans, der Bruder des Königs, ein geschworener Feind des Kardinals, vielfach kompromittiert, ohne daß Richelieu es bisher gewagt hatte, zuzupacken. Das Vergnügen, zu dem Jan sich eingeladen glaubte, nahm bald eine andere Gestalt an. Der Prinz zog ihn in einen verschwiegenen Winkel und vertraute ihm an, daß er vergeblich daraus rechnen werde, bald befreit zu sein, denn Jan hatte ihn nach dem Stand der Verhandlungen gefragt. „Herr von Werth, der Kardinal fürchtet Euch. Ich weiß es. Er hintertreibt Eure Auswechslung mit Horn. Denn Horn scheint ihm die einzige Gewähr zu bieten, daß Schweden treu zu ihm steht." „Zu ihm?" „Ja, zu ihm. Denn Frankreich gefällt das Bündnis mit Schweden wenig. Die Schweden drängen aus Herausgabe Horns, und da der Feldmarschall gefangen ist, solange Ihr es seid, umschmeicheln sie den Kardinal. Der macht Ausflüchte." „Und Seine Majestät der König?" „Ist mein Bruoer, aber das hindert mich nicht, zu sagen, daß er schwach ist wie ein Kind. — Und dann: Richelieu soll einen General !vie Euch, der, ohne Euch schmeicheln zu wollen, der beste Soldat in Europa ist, den soll er sreigeben?" Jan brütete. Der Prinz trat dicht an ihn heran. 238 „Hört! Ich mache Euch einen Vorschlag. Bittet den König, daß er Euch das Ehrenwort zurückaebe. Versteht Ihr? Ich sehe ihn heute — er kommt hierher, ich werde ihm zureoen. Werth, verbindet Euch dann mit mir. Ich habe einige tausend Mann zur Hand, nehmt sie und — fangt den Kardinal. Er hat Truppen. Gut, an Euch ist es, sie zu schlagen. Ist er unschädlich, ich schwör's Erich — keine Stellung in Frankreich soll so hoch sein, daß ich sie Euch nicht verschaffe. Hört Ihr?" „Vergebt —", sagte Jan, aber der Prinz raunte ihm zu: „Still. Da in den Büschen sehe ich einige Kavaliere, die verteufelt nach jungen Walfischen aussehen. Kommt!" „Ah! Da ist er," rief Frau de Guebriant, die ihnen mit zwei anderen Damen entgegenkam. Sie klatschte in die Hände. „Herr von Werth, Ihr betragt Euch wahrlich wie ein König und laßt Euch suchen!" ,Zch überlasse Euch dieser angenehmen Gesellschaft," sagte der Prinz lächelnd. „Wißt Ihr, daß es nicht hübsch von Euch ist, Euch zu verstecken?" ,L)h," rief Jan und bot ihr den Arm, „ich habe Euch wahrlich gesucht. Vielleicht war ich zu kühn, wenn ich alaubte, Euch in der Einsamkeit dieser verlorenen Winkel suchen zu müssen, wo ich Euch zu finden hoffte — verträumt, mit sehnsüchtigen Augen, voll holder Wünsche?" „Ihr werdet noch ein so' guter Franzose wie mein Vetter, der Marschall!" Sie schlug die Augen zu ihm auf. „Aber kommt, wir versäumen das Ballett!" Vor einer leicht ansteigenden, viereckigen Wiese, die zu beiden Seiten von hohen und dichten Buchenhecken begrenzt war, saß man auf weißen Bänken, die von einem purpurnen Zeltdach überspannt waren. Jenseits der Wiese war der stille Spiegel eines Teiches, der sich dem Blicke ins Unendliche zu dehnen schien. Zum Klange einer unsichtbaren Musik tanzten Mädchen, hochgeschürzt, einen Reiaen. Aus dem Wasser tauchten Nymphen auf, die ihre Menschenschwestern belauschten. Sie stiegen auf im Glanze ihrer besonnten Leiber. Sie mischten sich in den Tanz. Waldungeheuer brachen aus den Büschen, zottig wie Auerochsen. Sie verfolgten mit plumpen Sprüngen die ängstlichen Mädchen, die ihnen in Zierlichen Windungen zu entgehen strebten. Von ferne tönte dumpfer Paukenschall. Verfolger und Verfolgte standen in Gruppen und lauschten. Trompeten klangen herein. Die Ungeheuer tauchten im Walde unter. Die Nymphen glitten in ihr heimisches Element. Indessen strömte Landvolk herein. Und sofort erschienen auf dem Wasser große Barken, von Kriegsleuten besetzt und Musikanten. Die Schiffe legten an. Die Musik schwieg. Me Krieger sprangen ans Land. In wohlgereimten Worten fragte ein Mädchen, woher sie kämen. — „Aus der Rheinfelder Schlacht." — Und ein Krieger schilderte diese Schlacht, die den Ruhm Frankreichs bis an die Sterne getragen habe. — Und was habt ihr gewonnen?" Da wurde ein Blinder herbeigeführt, dem silberne Locken auf die Schulter fielen. Die Zuschauer flüsterten. Frau de Guebriant raunte Jan zu: „Das ist Philipots, der Savoyarde, der Liebling des Königs!" „Sing du den Franzosen, was wir gewonnen!" rief der Krieger. Der Savoyarde trat drei Schritte vor und neigte sich mit Anstand. In der kurzen Pause tauchten im Gebüsch me Köpfe der Waldungeheuer wieder aus. Aus dem Wasser, zwischen den Barken, erhoben die Nymphen ihre Leiber und lauschten. Der Savoyarde zählte die Befehlshaber der deutsche: Armee aus. Es waren viele klangvolle Namen, aber de klangvollste war: Jean de Werth. Und alle wiederholten „Und Jean de Werth." — Wir haben die Deutschen ge schlagen, ihre Soldaten, Wachtmeister, Leutnants, Ober sten, Generale und — Jean de Werth! — Und Hean d P ec J$’ TT cr zählte die Gefangenen — und Jeai be Werth! — Er Wählte die erbeuteten Heerpauken un! fin a9 * e tv n , - bie Standarten und Fahnen. Und Jean h. Werth! Und immer kehrte dieser Name wieder, zum imme arößeren Jubel der Mitspieler und schließlich auch der Zu hi tX ‘ sangen den Re rain mit: „Jean de Werth", glück lich upd lachend, uph a s der Savyhgrde geendet, erhol sich alles und klatschte Beifall. Jans Freundinnen brachen Eichenzweige aus den Büschen, banden sie mit eifrigen t änden zum Kranz, und indessen ^wei den widerspenstigen an festhielten, drückte man ihm oen Eichenkranz aus das Haar. Der König trat heran und rief: „So ist's recht!" Er nahm Jan unter den Arm und fragte ihn, wie ihm die französische Geselligkeit gefalle. Da konnte Jan nichts anderes sagen, als daß sie ihm gut gefalle. „Wenn Ihr befriedigt seid," sagte der König, „dann seid Ihr vielleicht auch gestimmt, mir einen Gefallen zu tun?" Der Prinz Gaston machte hinter dem Rücken des Königs Zeichen, damit sich Jan an das Gespräch erinnere. Aber Jan tat, als wenn er es nicht bemerkte, und sagte zum König: „Befehlt über mich." ,/Oh, es ist eine Kleinigkeit, müßt Ihr wissen. Es betrifft jenen Herrn Durante. Er ist hier." Jan fuhr herum. „Wo, wo?" „Vor Euren Augen könnte man sich fürchten! Aber hört. Der Herr Kardinal hat ihm befohlen, nach Parisj zu kommen. Denn ich habe darauf bestanden, mein Herr, mit Bestimmtheit darauf bestanden! Der Herr Kardinal hat ihn aber auch vertraulich wissen lassen, daß es hen Handel mit Euch betreffe. Und denkt: er ist trotzdem gekommen! — Ihr schweigt? Ich bin entzückt von diesem' Mut, diesem echt französischen Mut, mein Herr. Hätte er nicht ebensogut für eine Weile nach Deutschland gehen können, um Euch auszuweichen? Aber nein, er ist gekommen, er ist nach Paris gekommen! Sagt, verdient das nicht Bewunderung?" „Sire, ich wüßte nicht —" „Wie? Ah, geht, Ihr seid ein Barbar, ja, ja, das seid Ihr. Sonst müßtet Ihr sagen: er hat Mut, und der Mut verdient Belohnung!" ,L>b er Mut hat, wird sich weisen, wenn wir die Degen kreuzen!" „Ihr besteht wirklich noch darauf? Ich gestehe Euch, daß es mir lieb gewesen wäre, »venn Ihr nicht darauf bestanden hättet. Ihr wollt Euch durchaus schlagen? Dann laßt Euch sagen, daß Ihr in Gottes Namen in Euer Verderben rennen mögt!" Er ließ ihn stehen. Der Prinz Gaston raunte ihm zur „Habt Ihr es ihm gesagt?" „Nein, Frankreich führt nach allen Seiten Krieg. Im Innern noch einen entfesseln? Fm übrigen: was kümmert mich Frankreich?" Und er ging wütend von dannen, um zu erfahren), wo Durante abgestiegen sei. Aber er wurde von einem Kavalier ausyehalten, der ihm die Einladung des Kardinals überbrachte, jetzt mit ihm zusammenzutressep. (Fortsetzung folgt.) 'Neo. der Gauner. Eine Südseegeschichte von L. Becke. 'Reo war ein kurzer gedrungener Malaie mit einem Gesicht wie ein Engelfisch, abgesehen von seinen Augen, die aus langen engen Schlitzen bestanden und offenbar nichts als höchste Gleichgültigkeit gegen die Welt im allgemeinen ausdrnckten. Aber bisweilen leuchteten sie doch mit einen: lustigen Zwinkern auf, wem: per alte Spitzbube einige seiner früheren Schandtaten zum besten gatz. Er kam nach Samoa in alten, lange vergangenen Tagen — lange bevor wir armen abgehetzten Händler uns etwas von Verträgen, kaiserlichen Beamten und anderen schönen Dinge:: träumen ließen. Er schien direkt vom Himmel gefallen zu sein. Eines Nach- mittags, als Tom Denison, der Superkargo, mit einigen seiner Freunde auf der Veranda Charleys, des Russen, saß und Lagerbier trank, kam er auf sie zuspaziert, ließ sich a::f den Strifen niedeo und sagte „Guten Abe:w!" „Vcuw! ne: ^cylluer. der K'apttan der „Anna Godeffro^. .Wer bist Du? Woher kommst Du?" r 'Reo beschrieb mit einem kurzen schwarzen Tonpfeifenstummel einen Dogen in der Luft und antwortete unbestimmt: JÖ, von irgendwoher." Einer lachte, indem er richtig aenua mutmaßte, daß er von einen: Schiff desertiert fei; dann fiel ihnen ein. daß seit einech Monat kein Schiff Apia anaelaufen hatte. (Später ^zählte es Fünf. Dollar-Stück in Gold, nachdem er vorher mit dein Bräutigam ein Privatabkomme:: gettoffeu hatte, daß er dafür Fische im gleichen Werte erhalten solle. Die Angehörige:: von 'Reos Frau bauten dem junge:: Paare ein Hans aus Matautu Point, und 'Reo wandte fünfunddreißtd DoUar daran, den ortsanwesenden Bekannten und Verwandten seiner Frau ein Fest >zu geben. Dann verbreitete sich die Kunde davon, und Vetter ersten und zweite:: Grades und verschiedene Gattungen von Tanten und Halbonkeln machten sich aus de:: Weg nach Matauta Point, um ebenfalls seine Gastfreundschaft zu genießen. Cr tat sein möglichstes, bemerkte aber nach ein paar Tagen trübselig, daß er in einem armseligen Kanoe nicht schnell genug genügend Fische fangen könne Wenn er ein richtiges Boot hätte, würde er fünfzig Dollar die Woche machen können, sagte er; und mit fünfzig Dollar die Woche könne er die verehrte:: Freunde seiner Frau ohne Unterbrechung und in würdiger Form bewirten. Die Verwandten hielte:: einen Rat, und Überzeugt, daß dies eine „gute Sache" sei, beteiligten sich alle und kaufte,:'(auf Kre- MO ein Boot von der deutschen Firma, Indem sie als Sicherheit tute Hppothek ans ein Sttlck ikntb gaben. Dann beschenkten sie 'Reo mit dem Nooke Unter viele:: ehre:p. jw* Ansprache:: und setzten sich und kicherte:: Über die Weise, wie fl* Jxii alte:: Narren arbeiten lasse::" würde::, und der . alle 9WV UPM geradenwegs zum amerikanischen Konsul, pellte fsch itpn als Bürger der Vereinigten Staaten vor und — verlangte den Schutz seines Lcnckes, ha er fürchte, daß die Verwandten seiner Frau sich mit der Absicht trügen, ihn ans dem Boote, das sie ihm ge- schenkt hätten, herauszuschwindeln. Ter Konsul schrieb einige abschreckende Worte auf einen großen Bogen Papier, den er an das Boot heftete, und warnte die erstaunten Verwandten, daß ein amerikanisches KriegsscW 'Reo mit seinen Kanonen beschützen werde. Tann ging 'Reo in fein Haus und verprügelte seine Frau mit einen: Kanoepaddelrüder, jagte sie mit Gewalt zur Tür hinaus u:ü> bedrohte ihre männlichen Verwandten mit einem großen Messer und schaurigen Reden. Darauf lenkte er das Boot zur anderen Seite der Insel herum und verkaufte es au einen Händler für zweihundert Dollars, kam nach Ap:a zurück zu Denison unb bat ihn um eine Passage nach Tutuila, der Nacbbarinsel, während die deutsche Firma von dem verpfändeten Lande Besitz ergriff und die wütenden Verwandten am Strande aus und ab liefen und mit lauter Stimme 'Reos Blut forderten. 'Reo mit seinen zweihundert Dollars in der Hosentasche satz auf dem Reeling des Sclwners und sah sie kaltblüttg und ohne Groll an. Denison setzte den Alten in Leone Bay auf Tutuila an Land, denn er hatte an dem alten Gauner Gefallen gesunden, da dieser manche gute Eigenschaft besaß Und von keinen:, :oeiß oder braun- in der edlen Kunst der Tiefseefischerei übertroffen werden konnte. Trese letztgenannte Fähigkeit machte ihn dem jungen Tom besonders wert, der all seine freie Zeit mit Fischen erbrachte, se: es auf See oder im Hafen. 'Reo ließ sich in Leone nieder und machte ein gut Teil Geld, indem er Kopra von den Eingeborenen aufkaufte. Tie Eingeborenen hatten ihn sehr gern — er war solch gewissenhafter aller Bursche. Wenn er die Körbe mit Kopra an den Eisenhaken der Schnellwage hing, die nach der Einteilung bis zu 150 Pfund wiegen konnte, pflegte er die Vlufmerksamkeit ans die Ziffern zu lenken, loährenv er das schwere Gelöscht auf dem Wiegebalken entlang schob. Dann untersuchte eines schönes Tages ein neugieriger Besucher von den Tonga-Jnstln das Gewicht und erklärte, daß es von einer Schnell- wage stamme, die bis zu 400 Pfrmd zu wiegen bestimmt sei. 'Reo war so gekrankt über diese Anspielung, daß er sofort de:: ganzen Apparat in seinen: Boot aufs Meer fuhr und ihn dort in seiner Entrüstung in fünfzig Faden Wasser versenkte. Dann kehrte er in seine Behausung zurück, und er und sein Weib (er hatte wieder geheiratet) nehmen betrübten Herzens Mschied von seinen Freunden, denen er sagte, sein Herz sei gebrochen über diese Verleumdung von seiten eines niederträchtigen konganischen Schuftes aus einer Missionsschule. Er würde, sagte er, wieder nach Apia zurückkehrcn, wo er von allen, die ihn kannten, geachtet würde. Dann begann er zu packen. Einige der Eingeborene:: stellten sich auf die Seite des Ton- ganerS, einige auf diejenige 'Reos, und in wenigen Minuten war eine regelrechte Prügelei auf der Dorflviese im Gange, während 'Reo auf seiner Schivelle stand und aus seinen engen Schweins- äuglein zusah. Dann schritt er, da er eine großmüttge Natur lvar, hinüber und bat drei kräftige Jünglinge, die den Tonganer in einen Zustand der Bewußtlosigkeit geprügelt hatten und jetzt auf seinem Körper herumsprangen, ihm nicht zu wehe zu tun. Gegen Mitternacht konnte man 'Reos Hütte in Flammen aufgehen, und de:: Besitzer, der mll wildem schaurigen Gekreische: „F!a ola! Fia olä!" („Erbarmen! Erbarmen!^ schrie, den Strand hinunter zu seinem Boote fliehen sehen, gefolgt von seinem Weibe, einer großen, dicken Frau, die bezeichnender Weise Taumafa (Fülle) hieß. Sie stürzten sich ins Wasser, kletterten in das Boot und begannen seewärts zu rudern, als wenn es ihr Leben gelte. Die Dorfbewohner, die glaubten, sie wären beide verrückt geworden, blickten ihnen voll Erstaunen nach und kehrten dann zurück, um sich einige aus dem brennende:: Hanse gerettete Ware:: anzueignen. Sobald 'Rev u:ü> seine liebe Frau außer Sicht des Dorfes waren, legten sie um, ließen daS Boot tn eine Neine Bucht evvas weiter von der Küste hinnntcrlaufen, pflanzten dort einen Beutel ein, der siebenhundert Dollar enthielt, zusammen mit den besten der Handelsgüter (gerettet, ehe daS Feuer entdeckt wurdet und setzte:: dann Segel auf vlpia, um sich „ihr Reck>t beim Konsul zu versckxlfsen". Der Konsul sagte, es sei eine skarchalöse Gewalttätigkeit, der Kapitän des U. S. S. „Adirondack"' :var de:-selben Ansicht und so dampfte dann der Kreuzer mit dem beleidigten 'Reo. der seine dümmste Miene aufgesetzt hatte, an Bord, nach Leone Bay ab und gab den verwunderten Enureborenen zwölf Stunden Bedenkzeit, waS sie tun wollten — ob sie 'Reo als Sühne für die Niccherbren- nnng seiner Behaus:::^ tausecch Dollars in Bar zahlen oder ihre Stadt niedergebrannt haben wollten. Sie bezahlten secl>s hundert, alles, was sie aufbringen konnten, unb saßen Denn: wie betäubt da und stellten trübe Betrachtungen an, als sie die „Adtrondack" wieder abdampfen sahen. 'Reo gab seiner Frau einen lleinen Teil der Beute ab und schickte sie zu ihren Eltern zurück. Als Tom Denison Ihn daS nächstemal sah. besaß er ein LogierhauS in Levuka auf Viti Levu. Er sagte Denison. eS stehe ihm freie Kost und Logis für ein Jahr zur Verfügung. 'Reo halte eben feine guten Seiten, wie ich schon gesagt habe. 240 vom anonymen Anklagebrief. Ein Notschrei an alle Könige und ihre Ratgeber. Es war einmal eine sehr häßliche Familie. Der häßliche Vater hieß »Ne»c/ und die häßliche Mutter hieb »Jeigbe«/. Tie hatten ein über alle Maßen häßliche» Kmd, das nannten sie mit einen» Doppelnamen »anonymer Anklagebri?/. Als das Kind groß wurde und elwas werden «nußte, »v»lrde es ein Pergrsler. Cs gir»g »Nit einer Grstflasche d»«rchS La«»d, voi» Ort zu Ort, bi» in die fried- ltchstei» Dörfer hinein, und »vo es Menschen fand, die dlirch daS Band des Vertraue«»» verdiinden wäre«», da schlittete eS uiigesehe»» Gift aus vieles Band, daß es sich löste und in Nichts zerfiel, »md wo ihm Männer begegneten, die da gerade »ind aufrecht ihren Weg gingen, da träufelte e» heimlich von dem Gift auf ihre Füße, daß sie schleichei» mußten »ind krunnne Wege gehen. Al» aber die Leute inerkten, daß das Kind mit den» Doppelnamen nicht nur über die Maßen häßlich, soilderi» auch eil» Vergifter war, da schriee,» sie »um König, er solle es ,»icht länger dulden, sondern solle den Vergifter vor sein Gericht laden und verurteilen zun» Tode durchs Feiler in» glühenden Ofen. Der König aber rief seine drei klügste», Ratgeber »md legte ihnen die Anklage vor. Da sprach der erste voi» den dreien: »Nein, großmächtiger König, verbrenl»e ihn «»icht; denn wenn er and) über die Maßen häßlich »st und e»>» Vergifter, so fdnnte er dir doch einmal nützlich sein bei deinen» Regiere«»/ Ter zweite aber «»»achte ein sehr kl»«ges Gesicht und sprach: »Ja, mein König, willfahre den» Volke und verbreiilie den Angeklagte«», aber vorher verhöre ihn genau, daß er nicht sterbe, bevor er dir das Geheimnis feine» Gi'tes offenbart habe; denn das Geheimnis könnte dir nützlich fein bei deinen» Regieren/ Ter dritte Ratgeber aber sprach nur: »Treu und Glauben ist daS Fundament der Staaten/ Aber die betben ersten fuhren ihn hart an: »Du Tor*» sprachen sie, „tft nicht jener, den man einen Vergifter nennt, auch ein Segen gewesen »«liserelu Lande? Hat er nicht n»ancheS Unrechte an den Tag gebracht »ind «nanche» Bösewichtes Treiben gewehrt?* Ta wandte sich der dritte traurig und sprach: »C^ ihr AUzuklngen l Wenn der Tempel von Treu ^rnd Glauben einstürzt, dann ist eS ein schlechter Trost, sich sagen zu dürfen, daß er zwei oder drei Bösewlchter unter seinen Trüin- mern begrub/ Der König hatte schweigend ihre Reden vernommen. Nun aber ergriff er flammenden AugeS den Richterstab, brach ihn in »>vei Stücke und sprach »n edlen» Zorn: »Er iverde verbrannt, o:me Verhör iverde er verbrannt!* Da brach das ganze Volk, das vor den Stufei, des RichtbauseS versaminelt ivar, in lauten Beifall aus und wollte nicht schweigen : »Tank, Dank Dir, o König, daß du Treu und Glauben un« |d>trmeftt* Und Helle Stimmen Huben an »md fangen hinauf zum König ein mächtig Lied »Vom Glauben, daß die Welt vergeht, wenn Männertrene wanket, den» Glaiibei», daß «vie Sa>ld verweht, «vaß un» die Lüge ranket/ Und das über alle Maßen häßliche Kind des Neides unb der Feigheit wnrde verbrannt, ohne Verhör verbrannt. _ Dr. G. Koch. Oermii^tcs. h * Ein Sturmangriff. Die vackende Schilderuiig eines ^rutschen Sturinangriffes an der Westfront wird in» neuesten Heft er »Schaubühne" veröffentlicht: »Nach vieler, vieler Arbeit und Mühe, die das schlechte Wetter verursachte,», kam der Befehl zum Sturm. ES ivar ein Leben und Treiben, das ich nicht anSmalen kann. Selbst an die kleinsten Sache», wurde gedacht. Tätigkeit herrschte überall: wo nicht gearbeitet ivnrde, fanden Belehrungen und Anweisungen über den Verlauf eines Sturmes statt. In einer großen Kalksteinhöhle, die in» Glanze der neueingebauten elektrischen Beleuchtung strahlt, ist der Regiments stab und für den Sturm da» Sanitätspersonal uutergebracht. Sie sollten mehr Arbeit bekammen, als mir alle glaubten. Wir sind alle guten Mute», obwohl die Gesichter alle ernst sind. T»irch den Fern- sprecher komint die genaue Zeit, alle Uhren »vcrden verglichen. Ich spreche mit einem älteren Kamerade«». Mit einem Händedruck verabschiede ich n»»ch von manchen» anderen Kanieraden, den ich später sterbend oder überhaupt nicht wiedersah. Wir sind von den Mannschaften nicht zu unterscheiden; and) ich trage Sturmgepäck wie sie. Pünktlich mit der Minute hat da« Artilleriefeuer begonnen. Jetzt beginnen auch die schwere Artillerie lind die Minen- werser zu arbeiten. Dian kann die einzelnen Schüsse kauin noch unterscheiden. He»ilend komint von der feindlichen Seite die Antwort geflogen. Du glaubst nicht, Lieber, wie gleichgültig man in diesen Augenblicken ist. Das Donnern der Geschütze verdoppelt die Energie, man hört die feindlichen Granaten nicht, man er- «varlet nur gespaniit den Augenblick, in dein der Befehl zum Sturm ko,,»int. Schon beginnen die Pioniere die eigenen Hinder- nisse wegzuräumen, um Lücken für die Sturmkolonnen zu schaffe«». Da pfeiits von drüben herüber: Gewehr- und Maschinengewehr- feuer. Eine kurze Pause unserer Artillerie tritt ein. Die Franzosen erivarten jetzt unseren Angriff. Tie Schützengraben fülle«» sich beim Feinde. Da bricht unser Artilleriese«ler mit voller Wucht von neuem kos. Recht» neriuutei «na»» Maschingewehre tn einem langgestreckten Erdwerk hinter starken Drahtverhauen. Tort schlägt Schuß auf Schutz unserer ^Schweren* mit unheimlicher Genanig- fett in den vorderen Schütze,»grabe«», hochauf stiegen gewaltige Erdmassen, untermischt mit Pfählen und Holzstücke»», wohl auch niit inenschlichen Gliedmaßen. Ein Krachen, das au- den» all- gemeinen Getöse nur der dara"s gespannt Lauschende herauShürt, kündigt das Sprengen einer bis an den feindliche«» Graben hera«»- getriebenen unterirdischen Mine an. Ein Blick aus die Uhr, nur uoch »venige Sekunden fehlen. Die Artillerie verlegt ihr Feuer weiter vor. „Los!" heißt es bet un» und die Stiirmkolonne stürzt über die Leitern aus dem Graben heraus u»»d unauihaltiam vorwärts. . . RUt dem Kolben nnb mit Handgranaten haben wir eS nach stundenlangem Kampfe erreicht. Mehr und mehr läßt sich die Größe des Erfolges übersehen. Ein» »st gewiß: der Sieg ist unser. Tie gefangenen Franzoseir stecken sich Zigaretten an. Ich »vollte sie einen» aus dein Mund schlagen, doch da kam mir zum Bewußtsein: Warum eigentlich? Sie und doch Männer, sie hatten tapfer gekämpft wie mir» sie haben sich den Genuß reichlich verdient/ vüchertlsch. — Im Felde brauchbare K r i e g s k a r t e n, Matzstab 1:300 000 hat die Geographische Anstalt Lildwig Ravenstein, Franksllrt a. M. herailsgegeben. Tie ii» Buchhandlungen und dein» Verleger käuflichen Karlen eiithalten alle Orte bis zum Weiler und in weniger dicht bervohnten Gegenden auch Einzelhöie mit Numeri, Eisenbahnen mit Stationen, Landstraßen, Orlsverbindungswege, Wald, Berg,»amen ,«nd Höhenzahlen »«nd eignen sich hervorragend zu Liebesgaben. Jede der Karten hat 76x106 cm bedruckte Fläche. Den «vestlicheu Kriegsschauplatz umfaffeu: Karte Nr. 3 Belgien und angrenzendes Nordsrankreich; sowie Karte Nr. 4 Ostsrankretch mit Betkarte Umgegend PariS, beide in Schwarzdruck mit rotem Eindruck der.Landesgrenzen und feindlichen Besestigullgen; Karte Nr. 9 Elsaß-Lothringen, die außerdem noch Gebirge in brauner Schroffe,»darstellung bringt. Den üstliä t\ Kriegsschauplatz umfassen : Karte Nr. 6 Russische» Grenzgebiet gegen Oftprellßen. Karte Nr. 7 Polen, nördliche Hälfte (Mittelpunkt Warschau); Karte Nr. 8 Pole», südliche Hälfte. Diese 3 Karlen sind in Schwarz- druck mit roten Grenzen und Befestigungen, sowie grün für die ausgedehnten Waldflächen gedruckt- Alle 6 Karten kosten jede nur ^ Mk. Karte Nr. 13 Südostenglaud, im Westen von der L«nie Sheffield»Southamptou begrenzt, wird von besonderem Jntereffe werden, wenn der Luftkrieg einsetzt. Diese Karte ist in Höhen- schichlenmanler ansgeführt, hat 35 Meter Höhenkurven, von 50 zu 50 Meter verschieden getönte Schichte,», blaue Flüsse, Landstraßen (mit Entfernungen) in 3 Qualitäten rot, Wald grün, Orte und Bahnen schwarz Preis dieser Karte Mk. 1.50. — Eine 2. Gruppe bilden die 3 Ravensleiuschen Krieg»-Ehronikkarten D. R. G. M^ die tn übersichtlicher Weise mit rotem Eindrlick bisher bekannt gewordene Kriegseretgliisse derart verzeichnen, daß jedermann unter Anwendung der gleichen Zeichen bie Karten sich auf dem Laufenden halten kann. Karte Nr. 10 Westlicher Kriegsschauplatz kostet 60 Psg.; Karte Nr. 11 Nordsrankreich und Südengland 75 Psg.r Karte Nr. 12 alle östlichen Kriegsgebiete in Stachen» Truck umfassend kostet 1 Mk. Schließlich seien noch erwähnt: d»e sehr klare Uebersichtskarte (Nr. I) von Europa 1:7000000, Preis 60 Psg.- sowie Karte Nr. 2 Kriegs- und Heeres st ratze,»karte für beide Kampffronten 1:3200000 Mk. 1 und Kalte Nr. 5 Umgegend Paris 1:300 000 mit farbiger Wald- und GebiraSdarstellung 50 Psg. Alle Karten sind tu sauberen» Umschlag gesalzt. Auf Schlrtingpapier gebrucft kosten die großen Karten 1:300 000 jedes Stück Dik. 3. - Arithmogriph. 1 2 6 8 deutscher Dichter. 2 112 Nebenfluß dcs Po. 3 2 5 4 2 8 ein Gewürz. 4 2 1 Teil eines Wagens. 2 8 1 7 8 Gebirge in Amerika. 1 2 8 2 7 mythologischer Name. 5 2 3 2 8 ein Vogel. 2 8 8 2 weiblicher Bornaine. 6 7 5 7 wird zur Bereitung von Backwaren benützt. 4 2 5 5 ein Komponist. 7 4 1 7 ein Planet. 8 7 2 8 17 4 Ktrchenhistortker. Die Anfa,lgSbuchs1aben der gefundenen Wörter bezeichnen der Reihe nach, von oben nach unten gelesen, einen gesunden und nützlichen Sport. (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer: Mittelhaiid drückt carZ und carK; Vorhand erhielt: p8, p7, c9, c8, c7, carA, carD, car9, car8, car7, Hinterhand den Rest. Spiel- gang : 1. V. earA 2. H. trK 3. V. carD 4. H. trD 6. V. car9 6. H. pK Die übrigen Stiche erhält Hinterhand; 'somit ist Mittelhand schwarz geworden. M. pZ V. p8 M. pB D. p7 M. carB V. c9 H. pA M. trZ H. trB M. trA H. cB M. pD Sch»Weitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brüht'schen UntversitälS-Bnch- und Cteindrnckerei. R. Lange, Gletzew