Ostern 1915. Frühtioldun,säumt b\t lullen Frühlinqsweiten llnb emt sich qlorienhatt zum Strahlenkranz: »iiS wolle durch de,, O'termorgeu schreiten ^.er Heiland selbst im Aukernehung-glöuz. ^.ie stm.re Erde bebt irr beilaen Schauern ^ramrrterse rriebt ein Beten durch da- IMfl — ,un^tarnre Wege gehn: — ^er rsurst de- Gebens lan, von, Tode-stra»de «nd gruvt euch froh: es g i b t ein Wiedersehn l ^aS zittert gläubig drrrch das Hruhl rrg rverden, J 0 -' raus^t die Meerflnt. die dern Liebste- deckt — ^as dröhnt durch Schlachte.,klau— Und rin.rS auf Erden * >al lrcht cer Lenz die Fahnen nuigesteckl. ^ 0 . 0^'uüe deinen Heiland voll Vertrauen, — luin richte deine liefe toanenirÜrts! ^inft gibt's ern Wiedersehn in ew'gen FrühlingSanen ! t)alte Ostern. zager Mcnschenhe.z! Sophie Nebel von T ii r k h e i in. Jan von Werth. Roman aus dem Dreißigjährigen Krü>ge von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) In dieses Morden stießen die Regimenter Karls von Lothringen. „Weiter, Jan! Die schwedische Batterie dort drüben!" Bergan? Uno auf Kanonen? — Er zog seine Netter im Schuh eines Wäldchens etwas höher hinauf und brach daitn aus der Flanke los. Drei, vier der langen blanken Ungeheuer bekamen sie noch herum, aber ihre Schüsse waren die letzten Schreie der sterbenden Batterie Und weiter! Weiter! Ueberall ,var schwedischer Rückzug, und wo die Wert schen Reiter zustießen, wurde er unsinnige Flucht. Ke Haufe wartete den Stoß ab. Wenn die Reiter ihr schrei schleuderndes Werth - Werth!" brüllten, flogen d Waffen zu Boden, und wer ein Gebüsch sah, lief hinein. Aus einem Bauernhause knatterte es noch. Jan lii ckbsttzen und stürmen. Als die Torflügel brechend ineinande stelen und Jan als erster zusprang, stieß er auf Horn — ai Horn, den Feldmarschall. Der hielt seinen Degen mit de. Griff abwärts und sagte mit heiserer Stimme- cm "r e t keine» Zweck mehr Ich bin Euer Gefangene Wer seid Ihr?" Jan war fast uin zwei Kopf kleiner als der General, i^ r nf r r mächtig in die Brust und verneigte sich mit Anstand. ö 1 w „Werth," sagte er, und um seinen Mund zuckte es von niedergehaltener Frerü>e „Ihr seid der Werth? Wollte lieber, ich hätte Euren Degeit, als daß Ihr meinen habt." ,4ttieg3fauf, Herr Feldmarsthall," sagte Jan und ging stolz neben ihm her. Jose Maria stieg vom Gaul und ließ den ^Gefangenen aussitzen. Darm ritten Jan und Horn langsam der Hohe zu, denn die Schlacht war aus. * Zlvei Tage später war Dankgotlesdienst in Rörd- lingen angesagt. Bor St. EKorg statiden Rad an Rad die eroberten schwedischen Geschütze anfgefahrerl. Sie um- wogte die farbige Menge der Offiziere. Der Kurfürst Maximilian, der soeben in einer blau silbernen Kalesche feierlich dahergefahren kam, stieg würde voll aus, und als er Jan sah, der ein wenig abseitK. stand, winkte er ihn zu sich l>eran. „Bleibt Bayern treu, Werth," sagte er nnd hob mah- ncnd die Rechte, „eifert nicht Aldrrnghen nach, dem Gott gnädig sein möge. Und überlebt Euch nicht. Ich habe Euch zum General ernannt, aber Euer Uebereifer hätte auch leicht üble Folgen —" In diesem Augenblicke kan» rasch ein schlanker, großäugiger Jüngling heran, des Kaisers Sohn, Ferdinandus von Ungarn. äugiger Jüngling heran, des Kaisers Sohn. Fernandus von Ungarn . „Grüß Gvtt, lieber Werth?" rief er laut, und im Ueberschumng umarmte er den krebsroten, kleinen Jan „Euch dankt die gemeinsame Sache den Sieg, Euch und dem Herrn Herzog von Lothringen. Liebwerter Bruder/« rief er dem Herzog zu. „umarmt euch?" „Haben's schon besorgt," lachte Karl. Maximilian stand grämlich babei „Dem Herzog von Lothringen sind die zweiundsechzig Fahnen in die Hand gekommen, die mein EKueral Werth erobert hat," sagte er scl-arf. „Zweiunbachtzig! Kurfürstliche Gnaden. Die Frau Königin von Frankreich der ich sie mit Werths Permission schicke, wird weinen vor Freude." „Wieder eigenmächtig, der Werth," knurrte der Kurfürst und ging ohne ein Wort davon. Die Dankmesse begann. Bor dem Altar stand der Feldprobst, Jose Maria, und zelebrierte. Seine hohe, brokat- nmwallte Gestalt kniete nnd neigte sich und schritt mit fürstlichem Anstand. Dann setzte die Orgel aus. Rasselnd erhoben sich die Massen der Krieger, die den gewaltigen Raum füllten, nnd standen wie eine Heerschar von Erzbildern. Lautlose Stille. Joss Maria hob langsam die Arme, und bis in den ernsten Winkel der 'Gewölbe drang seine bebende, bellt Stimme: 210 „Te deum lau —-* Summ! Der erste Kanonenschuß verschlang, als könnte er die Zeit nicht erwarten, das Wort. Sofort stürzten die jubelnden Gesänge der Glocken ans den Türmen» t>ie Orgel setzte mit nrweltlichem Grollen ein und schwang sich in jubelnder Kadenz zu den Wölbungen, und die von Pulverqualm und Siegesgeschrei heiseren Kriegerkehlen sielen ein: „Te dominum confitemur, Te aeternum Patrem Omnis terra veneratur!“ Und wenn zwischen den einzelnen Versen für einen Augenblick der Gesang schwieg, schlugen die Stiinmen der Glocken hinein und das Donnern der Kanonen. „Gib Heil deinem Volk und segne dein Erbe. Und regiere sie und erhöhe sie in Ewigkeit!" Jan hatte seinen Schnurrbart zwischen den Zähnen, und er sah starr mit feuchten Augen geradeaus, auf Jose Maria, der am Altar kniete. 9. Kapitel. „Es flimmern dieLampen im Hochzeitsschlo ß". Von dem Donnerschlag des Sieges bei Nördlingen, der in ganz Europa widerhallte, drang kein Laut in die tote Einsamkeit des Klosters in der Himmelreichgasse zu Paris. Es gelang Griet nicht mehr, mit ihrer Heiterkeit und Zuversicht ein Lächeln auf das stets tränenfeuchte Gesicht Marie-Annes zu locken und Durante, der die Mädchen jetzt häufiger als früher heimsuchte, fand ein seltsames Wohlgefallen daran, durch hämische und boshafte Worte das Herz der jnngen Gräfin Spanre noch mehr zu verletzen. Er saß dann lächelnd und sah auf die großen Tropfen, die unaufhörlich den Augen Marie-Annes entfielen. Er wünschte sich die Möglichkeit, dieses reine und leidende Geschöpf noch tiefer zu verletzen, und dieser Wunsch wurde schließlich so stark in ihm, daß er kühl und mit Offenheit von der Liebe zu sprechen begann, die er für sie zu empfinden vorgab. Er hatte die Genugtuung, daß Marie-Anne zu beben begann; es schien ihm, daß er ein Vögelchen in der Hand halte und langsam und fest die Finger um den wehrlosen, zuckenden Körper schlösse. So trat er plötzlich hinter sie, packte mit wildem Griff ihre Arme und sagte mit heiserer Stimme: „Du erregst mein Blut. Ich will dich in meinen Armen haben. Niemand kann dich retten aus diesen Mauern und vor den kalten und feuchten Armen des alten Jufsac als ich. Hörst du? Niemand. Komm mit." Griet warf sich mit einem Schrei auf ihn; er stieß sie mit dem Fuße fort-und zog Marie-Anne fester an sich. Die wußte nichts mehr von sich. Ein ungeheuerliches Entsetzen lähmte sie. Sein heißer Atem stach wie eine Flamme in ihren Nacken. „Ich will dich retten," keuchte Durante. „Ich nehme dich mit mir, irgendwohin auf ein Schloß — tief in der Einsamkeit bretonischer Heiden. Hörst du? Niemand hindert mich. Um den Kardinal ist Sturm. Heute hat man ihm die Kutschensenster mit Knütteln zerschlagen." „Herr Durante, habt Erbarmen," ries Griet, „oder — ich ziehe die Klingel!" „Nur zu, gnädige Frau Werth, und ich lasse dich von den Nonnen einfperren, Katze, verdammte!" Marie-Anne sank von seiner Brust weg zu Boden. Er zog sie an den Armen zum Bett. „Angefaßt!" rief er Griet zu, und als der leichte, ohnmächtige Leib auf den Decken lag, trat er dicht an Griet heran und sagte: „Morgen und den nächsten Tag ordne ich meine Geschäfte. Sag' es ihr. Aber am dritten Tage, in der Dämmerung, muß sie bereit sein: ich hole sie. Du wirst ihr das sagen!" Damit ging er. Am Mend hörten die Mädck)en das Stimmenarollen erregter Menscheiihaufen, das bis in die stille Himmel- reichgasse drang. Einzelne Rufe schlugen gegen ihre Fenster: ,,Tod dem Kardinal!" Man hörte Schüsse fallen. Was geschah? Was wollte man vom Kardinal? Empörte sich das Volk? Zerbrach man die Klöster? Wurden sie befreit? Aber die Oberin, die noch spät am Abend in der Zelle der Mädchen erschien, berichtete, daß es sich nur um eine der häufigen Zusammenrottungen des Pöbels handele, und die Mädchen ivaren zu sehr mit ihrem eigenen Geschick beschäftigt, so daß sie das Zittern in der Stimme der alten Nonne nicht wahrnahmen. Später sprach Griet auf ihre Gefährtin ein, fest und zuversichtlich, wie es nach vorübergehender Entmutigung immer ihre Art war. Sie sagte ihr, daß sie die Zurückkunft Durantes nicht abwarten dürfe und jetzt gleich einen Brief an den Kardinal schreiben müsse, in dem sie seine Werbung für Jussac annehme. Und sie redete ihr zu wie eine kluge Mutter, Jussac sei alt. Ihm liege es sicher nicht an ihrer Person, sondern nur an ihren Gütern. Sie werde standhast genug, sein, Zudringlichkeiten abzuwehrcn. Nur frei sein, die Arme regen dürfen, die unsichtbaren Ketten nicht mehr klirren hören! Wie leicht vermöchte man später sich Geldmittel zu verschaffen, um aus Frankreich zu fliehen. Das alles wäre möglich, wenn sie sich entschließen könnte — und das müßte sie — ein wenig Unterwerfung zu heucheln. Denn dann oürfte sie, Griet, bei ihr bleiben und raten, während Durante, wenn er sie entführte, nicht auch die Dienerin mitnehmen würde. „Bist du erst frei, dann schicken wir Nachricht an Jan, und wenn er weiß, wo wir sind, rettet er uns ganz, glaube mir! Also frisch! Schreibe den Brief an den Walfisch, und ich nehm's aüf mich, ihn sicher zu befördern!" Marie-Anne schrieb den Brief. Griet gab ihn in der Frühe des nächsten Morgens offen der Aebtissin, indem sie ihr nicht verhehlte, welche Anträge Durante der Gräfin gestellt hatte. Die Nonne fand Gelegenheit, den Brief sofort bestellen zu lassen, und nun wartete man. Ter Tag verging, ohne daß eine Antwort kam. Der Tag erschien, an dem Durante mii Abend Marie-Anne entführen wollte. Und je mehr dieser Tag vorrückte desto höher stieg die Angst der Mädchen. Gegen Mittag setzte der Lärm des aufgeregten Volkes wieder ein. Ein starker Brandgeruch lag in der Luft, und man hörte in der Richtung der Tuilerien Salven fallen. Hatte der Kardinal unter solchen Umständen Zeit, an die Gräfin zu denken? Es wurde drei Uhr, vier Uhr, fünf Uhr. Die Mädchen lagen auf den Knien, und was sie beteten, war inbrünstiges Gestammel. Da hörten sie das Rollen eines Wagens in der Gasse. Er hielt vor dem Kloster. War's Durante oder Jussac, Verderben oder Rettung? Sie wagten nicht, sich von den Knien zu erheben. Ihre Glieder wurden fühllos und starr in der stundenlangen qualvollen Erwartung. Endlich hörten sie Schritte. Die Aebtissin trat herein, schneller als sonst, und ries: „Kommt, meine Kinder, schnell!" „Jussac?" fragte Griet. „Ja, Jussac! Kommt in die Kapelle, es ist altes bereit!" Die Aebtissin und Griet führten die bebende Marie- Anne die Treppen herab. Sie sah den nicht, dem sie angetrant wurde; sie gewahrte von der kurzen Zeremonie nichts. Sie saß plötzlich im Magen und wußte nur dies eine: Ich bin frei! Am Ausgange der Gasse kam ihnen ein anderer Wagen entgegen, fast berührten sich die Räder. Marie-Anne 'sah einen Augenblick lang in Durantes fahles, wütendes Gesicht, dann waren Menschenmassen.um sie, die schrieen und sangen; sie hörten die Schüsse deutlicher. Jussac sagte leise zu ihr: „Furchtet Euch nicht, wir kommen hindurch." Nach einer Weile strich Waldluft kühl und stark durch die offenen Wagenfenster. Sie richtete zum erstenmal das Wort an ihren Begleiter, der ihr Gatte war: „Wo sind wir?" . „Im Walde von Bincennes. Wenn der Morgen graut, seid ihr auf eigenem Boden." ' Da sagte sie aus tiefstem Herzen: „Gott sei Dank." (Fortsetzung folgt.) Selige Gftern. Skizze von H. v. Mühlenfels. Sie war die älteste von sechs Töchtern des Pfarrers Helm> schild; sie lebten froh und friedlich« aber ein wenig armselig in der kleinen Garnisonstadt, in der Pfarrer Helmschild seit einem Tutzeird Jahren angestellt loar. Die Mutter war eine verbrauchte kleine Frau, die sich vont stuurpfen Alltag deS Lebens hatte brechen lassen, aber der Pfarrer selbst war ein starker,- sonniger, selbstbewußter Mann, dem man 211 ; es nicht ansah, daß die tausend kleinen und großer: Sorgen und Tücken, die eine überreiche FanMe bei knappen Geldmitteln mit sich bringt, sich auch an ihn heranwagten. Er liebte seine Mädels und war Irolz auf sie; sie würden schon ihren Platz im Leben finden, denn sie hatten natürlichen Verstand und gute Anpassungsfähigkeit. Marianne war achtzehn Jahre alt geworden, und sie war ,ehr nach dem Vater geraten, hatte seine schöne, stolze Gestalt und das leuchtende Antlitz und hatte vor allem, das heitere, sonnige und dabei selbstbewußte Wesen des Vaters geerbt. Ein einziges Mal war sie zum Ball gegangen, und dort hatte sie einen Verehrer gefunden, um den die ganze, kleine Stadt sie beneidete: denn es war der flotteste Kavallerieoffizier aus dem! Regiment, der die junge Pfarrestochter auszeichncte. Die ängstliche Mutter zitterte, als sie davon hörte. Solche Herren spielen natürlich nur mit den einfachen Bürgerstöchtern, bringen sie rücksichtslos ins Gerede der Leute und lassen sie dann wieder fahren. Sie ging weinend zu ihrem Mann und teilte ihm ihre Angst mit, aber der lächelte und tröstete sie. „Unsere Marianne ist ein hübsches kluges Mädchen? Warum soll der junge Mensch nicht ehrliche AMichten haben?" sagte er in seinem frohen Optimismus — aber die Frau rief ganz entsetzt aus: „Das kannst du doch selbst nicht glauben, daß ein adeliger Tragoneroffizicr eine Pfarrerstochter heiraten wird, die so arm ist, daß sie ihn: nicht einmal eine Llussteuer milbringen kam:?" Der Pfarrer zuckte die Achseln. „Es hat schon Fürsten gegeben, die Bürgerstöchter heirateten!" erwiderte er, nahm sich jedock) vor, Mit dem Mädchen zu sprechen, damit sie sich keine dumMei: Gedanken in den Kopf setzte. Merkwürdig, er, dem sonst eine so große Rednergabe zu Gebote stand, konnte für diese einfache Sache nicht die reckften Worte finden, und so unterließ ers, Mit seiner Marianne zu sprechen und gestattete trotz der Einwendungen seiner Frau, daß sie mit dem nmgen Menschen bisweilen zusammen traf. Tie junge, heitere Marianne ging in dieser Zeit wie auf Wolken: ihre Augen leuchteten in einem fast überirdischen Glanz. Sie fühlte sich geliebt und hatte eine grenzenlose Ehrfurcht vor sich selbst bekommen. Wie etwas Geheiligtes, Geweihtes erschien sie sich, und der. Alltag, her sich um sie her abspielte, berührte sie überhaupt nicht mehr. Sie fragte sich nicht, wie andere Mädchen das vielleicht getan haben würden: „Wird er :mch heiraten?" — Nein, sie wollte nicksts weiter als diese tiefe Verehrung, diese süße, beglückende An- betung. s Der Winter verging und die Mutter fing ganz leise an, sich an den Gedanken zu gewöhnen, daß ihr schönes Kind doch vielleicht ein ganz besonderes Glück haben konnte. Vorsichtig und diplomattsch, wie jede Mutter es in diesem Falle zu sein pflegt, suchte sie die Tochter auszusorschen, ohne» zu irgend einem Resultat zu kommen. Ihre Marianne ivar von Kind auf ein seltsames Geschöpf gewesen, mit dem eine klare Aussprache nicht gut möglichivar; jetzt aber war sie durch eine tiefe Kluft von b*:r Mutter getrennt, und die ängstliche kleine Frau! geriet in schivtere, tiefe Erregung, denn die Liebe zu ihren Kindern war echt und groß, und sie wollte nicht, daß mit den Herzen der armen Mädchen gespielt würde. Im Frühling kan: Marianne zu einer Verwandten in die Stadt, und das geschah auf den Wille:: des Pfarrers selbst. „Eine Trennung," sagte er sich, „wird beiden Teile:: vielleicht mehr Klarheit verschaffen!" Der junge Tragonerofsizier tvar bestürzt, als er von Mariannes Reise erfuhr: er erbat sich vom Vater die Adresse und schrieb lange Briese, schrieb Briese, die das Gemüt des Mädchens 1:ef erregten — (aber von einem Zukunftsgedanken war nichts darin zu lesen. l In: Juli kam Marianne zurück, sah sehr zart und darum vielleicht noch schöner aus als früher, und der junge Mann mit dem stolzen Namen war hingerissen von ihrer Schönheit. Sie sahen sich auf einem Gartenfest; sie gerieten auf eine dunklen Weg, itrtb er küßte sie und sagte: „Ich liebe dich übetz alles in der Welt!" Bon da an wußte Marianne, daß ihr Leben für ewig mit dem des jungen Offiziers vereint sein würde. Sie dachite weder an eine Berlobirng noch an eine Heirat... nur, daß er ewig lieben würde, dachte sie und v.rsank in eine:: Rausch von Seligkeit, aus den: sie erst erwachte, als das Große, Gewalttge in d:e Welt kam, als jeder sein eigenes Sicksal vergaß, und sich nur noch als ein Wied in der großen Allgemeinheit fühlte. Ter junge Tragoneroffizier zog als einer der erste:: in der: Krieg; er hatte das Mädchen, das er liebte, gar nicht ivieder gesehen, so schnell war alles in diesen zwei Tagen, die dein AM- rücken vorangingen, an ihm vorbeigerast. Mer soivie er im Zag saß. kam daS heiße Erinnern über ihn, und auf einer Karte schrieb er ibr den dlbschiedsgrnß. „Vergiß mich nicht. ES gibt ein Wiedersehen für Uns: vielleicht bald, vielleicht in langer Zeit, dlbcr einnval wird eS sein . . . Hoffe:: wir im Frühling!" Bevor diese Karts in Marianne- Besitz gelangte, ging fte erst durch des Pfarrers und dann durch der Mutter Hand, und eine ängstliche Beratung fand statt. Sollte man dem Kinde nicht besser diese .Unruhe ersparen? Sollte man eine Hoffnung in ihr wacherhalten, die so wenig Aussicht auf Erfüllung hatte?" Die Mutter wollte die Karte verschließen, der Vater aber rief sich Mariannen herbei. „Da nimm imd lieS u:vd sei stark — niemand hat jetzt das Recht, allzuviel aus eigene Schicksal *u denken. Ich kenne ihn nicht genügend, un: zu wissen, ob seine Liebe wahr und tief ist. .Auch kann ja der Fall eintreten, daß er nicht wiederkehrt. Ich bitte dich also — sei gwß und stark und suche mit dir selbst'fertig zu werden, ohne deine Umgebung unter jdem, was in dir vorgeht, leiden zu lassen!" i Marianne beugte sich über des Vaters Hand, und der küßte ihr die Stirn. „Mein gutes, liebes Kind!" sagte er weich u:ib Marianne ging in ihr Zimmer, weinte lang und schmerzlich: aber damit war denn auch ihre Fassungslosigkeit vorüber, und sie blieb das liebe, sonnige Glied der Fam:l:e, das sie immer gewesen. „Im Frühling!" Das.Wort lebte in ihr. Ost in :hren Träumen hörte sie die Osterglocken läuten, sah blaue Veilchen in ihres Vaters Garten — sah und fühlte die Sonne, die warm und mild auf die kleine versteckte Gartenveranda schien — und in einem Winkel der Veranda sah sie ihn sitzen und hörte jihn sprechen, und ein goldener Ring blitzte an ihren: Finger. Bis zum Frühling — das war eine lange, schwere Wartezeit, in der d:e langen grausige:: Verlustlisten Angst und Hoffnung brachten. Hier u:ll> oa flatterte ein liebes Kärtchen zu ihr ins Haus. Aber die Grüße wurden seltener, und schließlich blieben sie ganz aus. ' . So kam eine neue Qual für Marianne. Die Wochen schllchen dahin unter den enttäuschten, schmerzlichen Augen der Mutter, und in Mariannens Kopf jagten sich wehe, schmerzliche Gedanken. Am Abend, wenn sie zu Bett ging, war ihr, als sei es eine Sünde, in warmen Kissen zu liegen, und oft in oer Nacht sprang sie auf — holte seine Briefe, sah auf das Bild, das er ihr geschenkt, uub ihre Hände falteten sich und ihre Lippen beteten : „Lieber Gott — laß das Entsetzliche nicht eintreffen. Erhalte ihn mir — laß ihn mir. Ich kam: nicht ohne lihn leben!" Sie hatte gar nicht gewußt, wie tief, wie unsagbar heiß sie ihn liebte: erst jetzt, da die große Angst um ihn wach igeworden, fühlte sie, daß ihr Leben nutzlos werden würde, loenn er nick>t zurückkehrte. Im Garten begannen die ersten Veilchen zu blühen: milde Lüfte gingen durchs Land. Noch konnte man auf keinen Frieden hoffen, aber eine frohe Frühlingsahnung zog doch in die Herzen der Menschen ein. 1 Still und ernst schritt Marianne durch de:: Garten, bückte sich hin und wieder oder blieb sinnend stehen und schaute ins Weite. Da kamen Schritte hinter ihr — schnelle Schritte. Sie wandte sich um. „Vater, du?" und das Herz begann heiß zu klopfen. Ter Vater hatte etwas für sie; in des Vaters Gesicht lag eine große Neuigkeit. „Marianne, mein Kind!" und seine Auaen leuchteten, und um seinen Mund spielte ein halb ftohes, halb schmerzliches Lächeln. Er trug einen Brief in der Hand — einen mit Bleistift geschriebenen Brief, und als Marianne die Schriftzüge erkannte, mußte sie sich an des Vaters Schulter lehnen. „Er ist krank — sehr krank?" Der Vater schlang den Arm um sie. „Ja krank — Kind. Und müd und schwach und troftbedürftig und möchte ein wenig Sonne um sich habe::. Und um diese Sonne bittet er mich. In meiner Hand soll es liegen, ihm diese Sonne zu geben!" Sie las, und die Tränen strömte:: ihr heiß aus den Augen. „Vater — und Du erlaubst es? Du läßt mich zu ihm fahren?" Der Pfarrer lächelte. „Soll ichs nicht tun?" Trotz der Einwendungen der besorgte:: Mutter saßen sie dre: Tage später im Zug. Jrgerllrwo an: Rhein lag er in einem Lazarett und sah sehr Meid), sehr ernst nick» leidend aus. Aber die matte:: Augen strahlten auf, und ins weiße Gesickst stieg eine heiße Blutwelle, als das liebe Mädchen, das ihn während all dieser schn»ecen Monate begleitet hatte, ins Zimmer ttat, vor dem Bett niedersank :md das lveinende Gesicht an seine Brust scknniegte. „Auf den Frühling wollten lvir hoffen, Marianne!" sagte er leise: „aber noch ist es nicht Frühling!" Nein, es war noch nicht Frühling, und sowohl draußen in der Natur wie drin in: stillen Lazarettzimmer folgten schlimme. bange Tage. Aber wenn es mul) noch nicht Frühling :var, so batte der Winter doch seine Macht verloren, und seit bei De::: armen Kranken bestätig die liebe Sonne wellte, konnten Fieber und Sch:::crzen nicht mehr verheerend wirke::. „Hast du an :nich geglaubt — bist du nie irre an mir geworden, Marianne?" fragte er, als er fühlte, daß die Genesung nabe war. und sie barg den Kopf an seiner Schulter und sagte leise: „Die Mutter war so lleiumütig!" Da erst erinnerte er sich der armen kleinen Frau, die so gar nicht der schönen stolzen Tochter glich, und er lächelte. „Ostern steht vor der Tür. Marianne, und ich glaube, der Arzt würde die Reise erlauben!" Da jübelte sie aus und schlang ihn: — 212 die Arme um den hals. .Immer Hab ich von einem seligen Osterfest geträumt, Liebster!" Und gerade als am Vorabend des Feiertags die Osterglocken läuteten, hielten sie den Einzug ins liebe Pasborcnhaus, und die Pfarrcrin weinte laut auf und schämte sich und ward Heist und rot vor Verlegenheit, als der vornehme Offizier ihre Land an seine Lippen zog und sagte: „Mutter — Vater —i das ist ein frohes, seliges Osterfest! —" vor Li im Hatfel. TaS Ei spielt im Reiche des Rätsels keine kleine Rolle. Augenblicklich, da die Welt trotz des Krieges um unserer Kinder willen doch wieder im Zeichen des Eies steht, ist cs ganz fesselnd, einige der nettesten Umschreibungen dieses österlichen Tinges miteinander zu vergleichen, das bald als „Eimer ohne Reif^ als „Fnst ohne Spund", bald als „FLstchen mit zweierlei Bier", oder — in Eatalonien — als „kleines weistes Fast, das sich öffnet, »der nicht schließt", bezeichnet wird. Gern schildert das Rätsel es auch als ein kleines Klöstcrchen oder Häuschen: „Es ist ein kleines Klösterlein, Geht weder Tür noch Fenster 'nein. Und wächst doch Fleisch und Bein darin, Tavon hat mancher guten Gewinn." Oder: „Ich weist ein kleines, weißes Haus, Hat nichts von Fenstern. Türen, Toren, Und wUl der kleine Wirt heraus. So muß er erst die Wand durchbohren." Aus die „Verschlossenheit* de- Eies spielt auch das hübsche Rälselwort „bau« voll Essen — Tür vergessen!- an. Aber nicht weniger charakteristisch ist seine große Zerbrechlichkeit, auf die folgende Rätsel Bezug nehmen: -Weist werf ich'S aui'S Dach Und gelb kommt'S wieder herunter.' Oder; -ES liegt etwas auf der Bank, Wenn'» herunterfällt. tst'S krank.* Das gelbe Dotter im wei en Et wird vom Rätsel gern als gelbe Blume, manchmal auch als goldene Uhr umschrieben: .Eine gelbe Blume, wer ste will pflücke, x. Der schlage den weißen Berg in Stücken.* Die Auffassung de« runden Eis als eines weißen Berges trug ihm tm Ratiel die Benennung »Wittenberg* ei«i, wie e« auch »die Stadt Weißenau* genannt wird. So lauten zwei sebr bekannte Ei-Rütsel: 6 1 J .In der Stadt Weißenau Blüht ein gelbe- Blümchen, Und wer das Blümchen will haben. Der must ganz Weißenau zerschlagen.* Oder: „Zu Wittenberg im Dom Da blüdt eure gelbe Blum', Und wer die gelbe Blum' will haben, Der muß den ganzen Dom -erschlagen.'' Rach der Meinung deS Gern,«nisten Wilhelm Mannhardt ha -die volksetymologische Anspielung aut die Stadt Wittenberc Überhaupt das sinnreiche Bild de« Dome« für die Wölbung bei Eis erzeugt.* Später wurden auch andere Städte, die Dome haben zu diesem Rätsel ver,vandt. Zn landschaftlicher Anpassung beginn e« denn je nachdem: »Zu Halberstadt im Dome*. „Zu Stolle» tu dem Dome*, „Im Magdeburger Dom* usk. Ein hübsches E,-Rätsel ist auch das folgdnde, das von dem unaiisgebrnteten und dem auSgebrüteten Er handelt: .S« geht nicht, es siebt nicht, ES frißt nicht, e« beißt nicht, Aber wenn ich will, Tann gebt es, dann stebt eS, Dann frißt es. dann beißt eS.* kleine Spitzfindigkeit steckt hingegen in der Ausgabe: - nt ern oäßchen anS Holland (oder Eiigland) getrieben, mit zweierlei Bier darin.* Die Lösung heißt nicht etwa nur.Et-, fonbem »Gl, 1 faules Et - denn nur ein solche« schwimmt! Urner „volland und „England* ist der alS ein „hohles" oder „enges* Land ansgefaßte Leib deS Huhnes verstanden. AuS manchen Fassungen wie „ES kom,nt ein Tönnchen auS einem engen Land* ist dies noch klar ersichtlich. Eine „ES koinmt Permilchfci« ^'-^Ereiersuchen ,n Feindesland. Wie im Deutsch- T ,V25 n Sy i ®r ae b e deutschen Truppen da« WetbnachtS'est in llckrer Welse gefeiert hatten, so wurde auck, von denjenigen, c w noch da« Osterfest dort erlebten, dies in volkstümlicher Weise .*13?"«",' ^«st 1«70 hatte djeKavallerie-Dipi"on. ivelche denbves/bl^ ^roßherzo^S von Mecklenburg gestanden hatte, den Be'ehl erhalten, nach Frankreich zu gehen. Diese Dtvi'wn Kämpfe mitgemacht, hatte insbesondere gegen dw Monlgarden gekämpft, und war bereits tm Begriff, nachde.n Var.s kop.tt.l.ert und die FriedenSverhandlungen begonnen hatten, nach Deutschland zurnckzukeh-en. als der Kom.nnneauf stand in ^bans ausgebrochen war. Ta erhielt die Divtston den Be-ehh noch aut Frankreichs Boden bis zur Niederwerfung des Aufstandes zu vte.ven. D»e Division guarnerte ,n Souvtlle und in der Um- ME'nd. So kam Ostern heran; die Offiziere bereiteren den Mann- scbaflen ein rechtes Osterfest. Am Ostersonntag war kirchliche rrtier, am Ostermontag ivurden in einem Gehölz für die Ulanen ^>er, Zigarren, auch Geld versteckt. „Sie amüsierten sich bet dem suchen wie die Kinder.« so berichtet einer der Oisiziere. „Schließ- Nch kam es noch zu einem drolligen Ouiproguo. Der Ritt.ne ster N. vebauvtete, „och n.ehr verteilt zu haben, als gefunden n orden war. ^ konnte aber nicht festgestellt werden, wo alles versteckt gewe/en, ivas die Leute gefunden hatten, Und es ging ein Suchen von neuem tos, b,s wir noch eine Extraprämie aussetzten für den Minder, dan.it endlich der pedantische Nittineister befriedigt .verde. rrs kam dann auch einer, der die veriirenten Gulden ivtrklich ge- innden haben .vollte, aber es bleibe dahingestellt, ob dieser Finder e.n ehrlicher Finder geiveien, oder ob er nicht vielmehr nur. u.n dein Suchen ein Ende zu machen und die Prämie zu gewinnen, oen Fund vorgab. Jedenfalls trug auch die- noch zum Vergnügen bei.* *Der L.elephonrekord derVerein igle „Staaten. Oin telephonischer Rekord ist in den Vereinigten Staaten ausgestellt worden, indem vor kurzen, zum ersten Male e.n Telephongespräch zwischen New Port und San Franzisco stattfand auf eine Entfernung^ vo.i^ 6792 Kilometern. Tte Televhonverbindung Neiv x 11 k'rranzi-co bede.ltet die Kröni.ng der Telephonanlage durch die Vereinigten Staaten, d.e vor 39 Jahren in einem bescheidenen Zimmer zu Boston ihre winzigen Anfänge erlebt hat. Damals sprach Graham Bell zu seinem Mitarbeiter Watson. der Ji?«neu: benachdarten banse befa»»d. und es ,varen armselige 60 Meter Draht, die bei diesen, ersten Telephongespräch 187^ ver- wencet wurden. Eine Woche später sprach Graham Bell wieder 7 durch das Telephon mit Watson. aber diesn.al war er in New York und eme gewaltige Strecke lag bereits zwischen beiden. Die beute durch die Verdi,idung von New York und San Franziska vollendete Delephonlinie durch ganz Amerika hat sich in einzelnen Forischrilten bn.ner weiter ausgedehnt. Seit 1893 telephonierte man von New i , n ?JS Sl)lca 9° auf eine Entfernung von 1-148 Kilometern; im Satire 1911 erreichte die Linie Denver am Fuß der Nocky Mountains und damit eine Entfernung von 3179 Km.; z,vei Jahre später war Salt Lake-Eity aus eme Entfernung von 4l8^ Stilometern mit Rew ^)ork verbunden. Diese Fortschritte ivurden durch die Der- befferung der Linie selbst, vor allem aber durch die Vervollkommnung der telephonischen Apparate erreicht. Das größte Hindernis benand in dem Widerstand, der bei einer so gewaltigen Länge des Drahtes dem Durchgang der sch,pochen elektrischen Strome entgegengesetzt war. die beim Telephon verwendet werden. Z™ bteJtebinbuitQ mit San Franzisco durchzuführen, hat man dieie Schwierigkeit gehoben durch die Anl ge von drei „Relais* eines neuen Systems in MttSburg, Omaha und Salt Lake-E itu, durch die die notwendige Verstärkung der elektrischen Krast eriolgt. Die transkontinentale Teleohonlinie der Vereinigten Staaten um* Taut vier Kttpferürähte, die zu zivei Gruppen verei>ligt sind, von denen dw eine der Abgabe, die andere der Rückkehr des Stromes dient. Das Geiamtgeivicht der Drähte beläuft sich ans 2 687»,80Kg und es nnd nicht weniger als 130 006 Telegravhenstangen notwendig, um den Strom von New York nach San Franzisco zu Skat Aufgabe. Vorhand tourniert. da Mittel- und Hinterhand paffen, m# folgenden Karten: luenuei -trrn-’öuoe uno tagt nun Grand an. Durch das -weite, noch gefundene Blatt gestaltet sich das Sviel derart günstig daß die Gegner Schneider werden. — Welches Blatt war dies was dr.'.ckte Vorhand, wie saßen die übrigen Karten und wie verlief das Spiel? (Auflösung in nächster Nummer.) Auslösung des Ergänzungsrätsels in voriger Nummert Der Mensch kann nichts Höhres erstreben Im Kampfe mit Sorge und Not, Als ein gutes Gewiffen in» Leben Und einen guten Namen tm Tod. Bodenstedt- «ihrlk>l-it»„g; A„g. Ooplv - Rotation,druck »nd V-rlaa der VE,'Wen IInwersitätS-Buch- und Steindnickerei. R. Lgnoe, Gießen.