Jan von Werth. bioman aus dem Dreißigjährigen ^rtojjc von Franz Herwi-g. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Richtig, Ihr erinnert mich zur rechten Stunde. Der satter »prach auch mir davon, daß Euer Storps in Böhmen wohl zu gebrauchen wäre. Ich empfehl' Euch, tut ihm den .Gefallen." „Bin dem (Kurfürsten geschworen." „Und die gemeinsame Sache?" „Macht ihr klugen Herren unter euch aus." „Das ist's ja," rief Jan und stand auf. „niemand weiß, woran er ist. Ein Dutzend Stimmen kräht durcheinander. Der Teufel kenne sich da aus!" „Und wen wollt Ihr zum Kurfürsten schicken?" „Werth. — Ja, dich, Hans. Kannst dir dein Maul verbrennen bei dem Alten!" „Bin ich recht unterrichtet, daß der Herr Oberst Werth vor Mantua war?" „Ja, und mit großen Meriten." „Ich rat' Euch, schickt einen andern. Euer Kurfürst sieht nicht gern Gesichter, die an Mantua erinnern." „Was?" rief Jan und schob sich näher. „Haben wir uns nicht brav gehalten? Ehre eingelegt für die deutschen Waffen?" „Eben drum." Der Rat lachte spöttisch. „Versteh' ich nicht." „Ich möcht's Euch erklären." „Sprich", sagte Aldringhen. „Die Herren werden wissen — aber ich habe das Versprechen, daß alle — ?" „Verschwiegen sind, jawohl." „Die Herren wissen also, daß damals, als die Forderung an den Kaiser ging, Wallcnstein abzusetzen —" „Der Teufel hol' alle, die den Einschlag ausgebrütet. Ja, und dem Kurfürsten mag's hinterbracht werden —" Man rief durcheinander: „Hinterbringen?" — „Wer soll's hinterbringen?" — „Sind hier Verräter?" — „Ruhe! Ruhe!" „Ferdinand mußte nachgeben. Denn Euer Kurfürst drohte, sich fonft und die Liga mit Frankreich zu verbinden." (Jan schlug auf den Tisch.) „Damals wollte man sich einigen: dem Kurfürsten wird der Fahneneid geschworen, Tilly wird Oberbefehlshaber der ligistisch-österreichischen Truppen, aber er muß den Befehlen des Hofkriegsrats folgen. Wallenstein wird Oberbefehlshaber in den Erblanden und in Italien." „In Italien auch?" „Ja, und das wollte der Kurfürst nicht. Ihr müßt wissen, daß der Herr Kardinal Richelieu Partei für Italien ergriff: »denn er fürchtete Wallenstein. Der Kardinal drohte also Maximilian: entweder wird der Böhme ganz ausaeickal- tet und der Kaiser macht Frieden in Mantua oder — bde Liga hatte auch gegen Frankreich zu kämpsen. Also ging der Kurfürst her unb drohte dem Kaiser abermals, daß er mit der Liga sich zu Frankreich schlagen wollte, und der Kaiser mußte — versteht Ihr? — mußte in Mantua Frieden machen." „So also", rief Jan, „sieht der Kurfürst aus! Mit dem Kardinal Walfisch sich verbinden!" „Uiid durch ihn mit Schweden", setzte der Rat nachdrücklich h!n;u. Die Offiziere schwiegen alle miteinander. St. Georg begann mit der Ave-Maria-Glocke anzuschlagen, denn seine Turme umspielte schon der Goldstrvm des Abendlichtes. Da neigten sich alle Häupter, und die Hände ließen die Becher fahren und verschränkten sich im Gebet. „Du hast mir da Skorpione ans Herz gesetzt", sagte Aldringhen später zu Reumann, und er war wieder vollständig ernüchtert. „Leg' dem Kaiser meine Reverenz zu Füßen und sag' ihm — der Eid — der verfluchte Eid!" Reumann nahm seinen Arm und ging mit ihm langsam die geschwungene Treppe hinunter. „Ich sehe es wohl, der Eid bindet Euch. Geht also immerhin zu Tilly. Aber Ihr würdet Euch dem Kaiser wohlgeneigt machen wenn Ihr uns ab und zu eine vertrauliche Relation aus dem Lager Tillys schicken würdet. Ihr versteht —■ was Tilly vornimmt, was er plant, wie er denkt; und spricht. Denn ich hoffe, das geht nicht gegen Euren Eid." „Rein, das nicht", sagte Aldringhen nachdenklich. „Und schickt den Werth immerhin zum Kurfürsten. Mag er sich giften." Jan aber ging in sein Quartier, von hundertfältigen Gedanken bewegt. Sah so die Staatskunst aus, dann Gnade Gott dem Reich! Halte er, Jan Narr, geglaubt, eine Kriegstat müsse einen hohen Zweck haben! Und nun sah er Zehntausende hingeschlachtet, und alles war umsonst. Da sollte ein Soldat die Courage behalten! Und ein Reichsfürst paktierte mit dem Neichsfeind! Zackerbombenundflöh! Eher hätte er Pulver aus einer Tabakspfeife geraucht als das geglaubt! Und der Kardinal war immer an der Arbeit mit Netze spinnen. setzte keinen Mann ein, keinen Gaul, und sie tanzten alle, wenn er pfiff. „Rein, Josv Maria, mich ekelt das Kriegshandwerk an!" Und auch der Abbe wußte nichts dagegen zu sagen. — Indessen Tilly in dem Sturm der widerstreitenden Befehle ans Wien und München wie ein stellerloses Schiff schwankte, setzte das schwedische Heer, dem Steuer seines kühnen Königs gehorsam, sich in Bewegung, mit steilen und knatternden Fahnen, rallschte heran und überrannte Tillys schwerfällige Macht bei Möckern, llnb von dem Iubelgeschrei der protestantischeil Fürsten uinbralist, zog es in die katholischen Länder ein, die breiten Schaumwellen des Entsetzens aufwersend. Indessen erst in Frank- furt, dann in Ingolstadt die bebenden unb schwatzhaften und vorsichtigen Ligisten verhandelten, stürmte der Schwede 198 unaufhaltsam nach Süden, und seine Feldzeichen spiegelten sicy in der Donau und im Lech Maximilian suchte der, schwedischen König mit den Stricken listiger Verhandlungen zu sesseln. Gustav Mols aber lächelte: „Der Max trägt eine doppelte Casaque: steckt heute rot und morgen blau heraus Vorwärts" Tilly wurde abgesetzt Wallenstcin gab dem Flehen des Kaisers nach und erlaubte cs, daß man ihn wieder Generalissimus nannte. „Hilf nur", bat Maximilian. ,-Dir helfen?" sagte der Böhme. „Du kannst mir auswarten und die Pike tragen." Und der Schwede überschritt die Donau und setzte an zun, Sprunge über den Lech. Da reckte sich Tilly noch einmal auf, warf Scl-anzen auf und seine sccbsunddreißig groben Kanonen brüllten zuversichtlich über den Lech: Nicht lveiter! Aln'r der Schwede sprang zu urrd stand in den ligi- stischen Batterien, iutb als Jan am Abend in Ingolstadt von der Bastion nach Westen sah, beschiel, eine abenteuerliche Itöte der letzten Sonne zerrissene, schreckslarrende bayrische Kaufen Hub du ganze planlose Flucht eines geschlagenen Heeres. die auch den sterbeirden Tilly mit sich schwemmte, brach in Ingolstadt ein. Mit der ersten Tageshelle spie der Qualm brennender Dörfer, der den ganzen Horizont bedeckte, die blanke Srahlschlangc der Schweden aus und Jan, der von der Bastion nicht gewichen war, lieb Alarm blasen und rief einen Veteranen zu sich, der neben ihm stano: „Sieh dort — jener Mann dort — aus dem Schimmel —" „Ist Gustav Adolf?" „Jst-ers?! Ich will ihn, guten Morgen sagen!" Er schob die Feuerwerker beiseite, richtete die Kar- taune und setzte selbst die Lunte auf. In den betäubenden Krach mischte sich das Judel- aeschrei der Soldaten: der Schimmel wälzte sich am Boden. Bier, fünf koaliere hoben den König aus, und alle sprengten im Galopp auseinander. Kommt jetzt der Angriff? Jan eilte in die Stadt, er war der erste an dem bedrohten Tor. Weshalb konimen sie nicht? Der Kurfürst kam heran Sein Gesicht lvar grau. „Ltzerth, der General Tilly ist tot." „Erlaubt mein Herr Kur ürst, ba& ich Kundschaft reite?" Maximilian zoa die Schultern: „Mein armes Bauern?" Aber Jan ritt mit dem Regiment, das seinen Namen trug, aus dem Tor. Er ritt erst vorsichtig, dann kühn, endlich Galopp die Schiveden waren M'rschwunden. Nur ein paar Nachzügler sing er Man kitzelte sie ein wenig mit dem Degen, und sie sagten, tvas sie wussten. Der Kurfürst tvohnte bei den Jesuiten. Er erneuerte in seinen wehmütigen E^edanken die Ttrae der sorglosen Jugend, die er bei eben diesen Jesuiten erbracht halte, und betete, und grübelte und betete wieder. Gegen Mitternacht stand Jan vor ihm: „Die Schweden z,ehn auf Regensburg!" Maximilian wurde noch fahler und seine eiskalten Hände l>erkränksten sich ineinander. „Steh mir bei. aller- heiligste Jungfrau! Aus Regerrsburg? Und Regensburg stinkt nach Ketzerei aus jedem Haus. Es wird schon jetzt das Feier- lagsgewand anlegen, um die Schweden mit Jubel zu empfangen. — Ich dank Euch, Werth. Geht. Und betet für Bal-ern." Jan stand steif und kalt wie ein Pfahl. „Beten, kursürstlick-e Gnaden, ist nicht mein Metier. Mir ist, als lvenn mein Degen in der Scheide bebte. Gebt ihm Arbeit." Der Kurfürst wandte sich langsam ab: „Ich habe keinen Befehl für Euch." ... P cr 9 n & Iun den Respekt und trat klirrend zwischen Vcaxuniltan und den Betstuhl. „Und wollt Negensburg dem Schlved an den Hals wer- xn, tute ein schlechter Vater sein blühend Kind?! Da sei l5ott vor!" „Werth —! Ich bin Euer Kurfürst." Aber Jan brach los. . „Lasst zwei, drei Regimenter aussitzen, Dragoner-Mus- ketters dabet, gebt dem Korps einen herzhaften Befehl, als einen Tritt in den Hintern, und in zwei Stunden prallts in Regensburg ein. Aber keines Augenblicks Zögern mehr, Zackerbombenundslöh? Sagt: ,Werth, reit' los!' Mein Gaul steht noch vor meines Kurfürsten Quartier! Und wenn morgen früh nicht ein lachender Bote vor Euch steht: Werth ist in Negensburg und Regensburg wird gehalten, so will ich von meinen Trotzknechten mich an den nächsten Baum ausknoten lassen." Der Kurfürst sah ihn an: „Ihr sprecht wie der Pappenheimer." „Pappenheim ist tot, ick) bin der Werth." „Aufsitzen Werth! Und wenn Ihr Regensburg haltet — ich bin Euer gnädigster Kurfürst." „Pipen und Flöten", brummte Jan und war unten wie der Blitz. Die gellenden Signale der Trompeten alarmierten seine Regimenter. „Aufsitzen und Marsch", und dreitausend Dragoner- Musketiers und Kroaten galoppierten los, am linken Donauuser entlang, indessen die Schweden am rechten User langsam dahingingen, unb parierten erst ihre Pferde vor Regenburgs Toren, in deren geöffneten Schlünden schon die Bürger geputzt und behäbig standen und der Schwedischen tvarteten. Als sie die neuen Gäste erkannten, schrie's durcheinander: „Zu den Massen —! Das Gatter nieder!" Aber Jan war schon mitten unier ihnen und nach einer Stunde hockten die entwassneten Bürger fluchend in ihren Kammern und die bayrischen Banner lachten laut im frischen Wind von den Zinnen. Negensburg, die starke Festung, das Tor Bayerns, war für das Land gerettet. Der Kurfürst zog ein. Jose Maria riet Jan, sich zur Audienz zu melden, aber Jan meinte, er Hab es nicht des Danks wegen getan. Da Wallensteins Werbetrommel einhuttderltauiend Mann in Böhnten zusammen- führre, wich Gustav Adolf nach Norden. Um seine Nachhut liest Jan seine Reiter schwärmen. Dann brachte er die aufrührerischen bayrischen Bauern zur Nä on, die schon gemeint hatten, mit den Schweden käme die goldene Zeit: uub wo er Kunde erhielt, dah die zerstreuten Besatzungen des schtvedischen Königs sich nach Nürnberg schlichen, unt die Position gegen Wallenstein zu Hallen, fegte Jan in eittem frischen Sturm heran, brach nachts in die Quartiere (die Uebersalle- nen schliefen gleich weiter — in den Tod hinüber) und tvar mit ben eroberten Gäulen und Kanonen davon, ehe die Hähne zum ersten k.ähten. Da begannen die ziehenden schwedischen Regimenter eiliger nach Nürnberg sich zu drängen, wo ihr König den schützenden Mantel offen hielt. Aber zuweilen, wenn sie schon meinten: jetzt mühten sie aus landsmännische Streifkorps stosten, sprang ihnen der Werth an den Hals und biß sie zu Tod. Da geschah es, daß Gustav Adolf jeden Morgen zu fragen lernte: „Wo steckt der Werth?" Und manchmal wurde ihm die Antwort an der Abend- tafel durch einen blutenden und schmutzbedeckten Reiter „Der Werth? Majestät — der Werth war zur Nacht da — oder dort. Ihr sehts an mir." Und auch der Kurfürst Maximilian, der in lächelnder Wut neben seinem Todfeind Wallenstein vor Nürttberg kampierte, fragte jeden Tag: „Wo steckt der Werths Aber er fragte cs grollend, und seine Generals grollten nn Chorus mit, denn sie hatten es nie erlebt, daß ein Offizier so tnt Lande herumfuhr. Und als Jan eines Tage§ vor dem Kurfürsten stand, ein breites, bergwasserhelles Lachen auf dem Gesicht und seine drei Wachtmeister jeder zwei Arme voll feindlickxr Standarten klappernd auf den Boden warfen, und als er austerdem noch einen frischen, herben Hauch durchjagter Sommernächte mit hineinbrachte, krümmte Maximi- ltan seinen grauen, vom Beten und Fasten entkräfteten Körper noch mehr zusammen und stich böse heraus: „Ihr haltet keine Order." Jan hiell's für einen Scherz und strich sich nur lachend den Bart. ,-Doffe, mein Herr Kursürst ist es gnädigst auch so zu- friedett." ,^Jhr habt zu gehorchen und nichts zu tun als zu gehorchen!" „Wem?" fragte Jan schnell und sein Schnurrbart begann zu beben. „Vielleicht allen denen, die dem Tilly den Degen sesthiellen? Unt die gemeinsame Sache stünd's besser. wenn weniger kommandiert als gehandelt würde. Und weniger geiauoert als dreingeritUri. „Ist nicht Eure Sach, darüber zu befinden! Meldet Euch beim Generalissimus und nehmt Eure Stellung ein. — Ich mein freilich," setzte er mit einem Schritt auf sein Gefolge hinzu, „wir könnten allesamt heimmarschieren. Zur Bataille kommt's doch nicht. Wallenstein hat keine Lust sich zu rühren." ' Jan lächelte, denn er hatte die letzten Worte noch gehört. An der Tür wendete er sich um. „Kurfürstliche Gnaden meinen vielleicht, er könnt' etwas mehr riskieren? Ist auch meine Meinung, aber ich sag sie nicht. Kurfürstliche Gnaden sind mir übers — salva venia — Maul gefahren." „General Aldringhen ist auch hier. Ihr seid Kameraden von — Mantua her. Sagt dem, was Ihr aus dem Herzen habt Und seid bedankt, Werth — für dies hier." Und er stieß mit dem Fuß an die beschmutzten, zersetzten, versengten Fahnen. (Fortsetzung folgt.) Der Napolconswagei,. Eine Kindheitserinnerung von ResiLanger. „Liebes Fräulein! Ich bin bei meinem Großvater aus Schloß Krieblowitz; daselbst ist auch ein Napoleonswagen in den Ferien." So begann mein erster Brief an meine damalige Lehrerin, die mich im späteren Leben, gut Freund mit mir geworden, noch immer mit „mcrnem kurzen, knappen Briefstil" aufzog. Ich verbrachte meine Sckwlserien in der letzten Hälfte der neunziger Jahre stets auf dem Dominium K^ieblonntz, das einer der schleusen Fideikommistl^errschaften gehörte, die Friedrich Wilhelm III. dem „Marschatl Vorwärts^ in Anbetracht seiner Vndienste um das Vaterlai,o" -um Geschenk gemacht hatte. Mein Großvater stand in den Diensten zuerst des Enkels, und dann des Urenkels des Feldmars- schlesifche hinübergegangen, um feines nicht immer ganz leichten Amtes zu malten; denn der jetzige Herr, Fürst Gebhard von Blück>er. war nur selten, man kann sagen, tz^ast auf der schönen Besitzung, da er ein Sonderling und Prenßenfeind ist. Er lebt, glaube ich, sogar jetzt noch aus der Insel Ferm, die zu England gehört. Tie Herrschaft Krieblowitz tmirde vom „Marfchall Vorwärts" so geliebt, daß er sie sich als ewigen Ruhesitz auserkor. ?Iber nicht im kühlen Park hinter dem schönen großen alten Schlosse wollte er ausruhen von Krieg und Sieg, sondern „dort, wo die drei Linden stehen", mitten aus dem Kornacler, am Rande der Chaussee, die. von Canth kommend, an dieser Stelle in die Dor^- straße mündet, „will ich begraben sein," hatte er gesagt. Mir klingt das Gedicht, in dem diese Worte stehen, ans meiner ersten Fibel der noch in den Ohren; denn die Schlesier sirrd stolz auf ihren Fcldmarschall, und die Kinder lernen diesen Stolz. Ein schlichter, grauer, turmartiger Rundbau, für den das Wort Mauselcnm zu prächtig ist, birgt die sterblickxm Reste des Feldherrn. Oben beinahe am Rande des Dacl-es. blickt aus einer runden Luke des Marsckialls steinernes Antlitz über Kornfelder und Kleewie^en hinüber zum Vater Zobten", denr Wahrzeick-en des schlesischen Landes. Zwei Riesen Aug' in Aug'. Die drei Linden sind inzwisck^en auch zu mächtigen Bäumen emvorgeschossen und bilden eine riesige Laube von drei Seiten um den Steinban herum. Nur der Eingang ist sonnenbeschienen und die Düste und di? Bärentatze, die gewaltig aus der Luke herniederhängt. Von sym- bolisck>er Kraft tund Stärke batte ich damals rech.' wenig Ahnung, und ich nahm an. der Marsckxckl habe in der Tat solch eine Bärentatze besessen, nrit der er die Feinde schreckte. Trotzdem mir der stürmische Mann da oben mit deni wind^ er zausten Haar etwas unheimlich vorkam. schmückte ich doch die Eingangsttlv mit frisck>en Kleekränzen, bis es mir der Denkmalswächter verbot; denn er mußte die von der Sonne ausgedörrten „Deubündel" andern Tags wieder entfernen, und das machte seinen kriegslahmen Beinen arge Mühe. Eines Tages wurde angespannt und in die Stadt Canth ge- fabren Da waren viele Flaggen aus halbmast, und es hieß, „der Bismarck' sei gestorben. Das klang so traurig. Ich fragte inernen Großvater, ob das auch ein Feldherr gewesen sei „Ja, aber mehr mit dem Kopfe. Er habe das vollendet, »vas der Blückrer begann. Er sei des Deutschen Reiches Schmied Er sei tn seinem Alter gewesen " Und min kam der alte Mann ins Erzählen und kramte Jugerrderinnernngen aus Wie's gehaust hatte 1805 und 6. und auch noch anno 13. Und wie da der „Mai-sck>aN Vorwärts" sein „Sach" gemacht und die Franzosen arg vertobakt hätte. Und er sprach von 71. wie da wieder der Bismarck alles in bte Rech' gebracht hält'. Er war ein großer Mann, der Bismarck. Und ich wollte meinfm Blücher nicht wehe tun und sagte? „Ter Vorwärts auch." Tann führte er mich durch den Park am Schloß und zu einer riesigen Linde, die vier „ausgewachseite Männer mit ausgebreite* ten Armen", heißt eS wörtlich, kaum umfassen können. Die sei vom alten Blück-er eigenhäitdig gepflanzt. Sie sei noch „rüstig", wenn auch der Blitz sie sck>on einmal „vorgehabt" hatte. In dem Parke seien viclL Soldaten begraben, noch vom Alten Fritzen der. weil die ganze Gegend ein großes Schlachtfeld gelvesen sei. In der Fasanerie fände man beim Bäumeausroden noch öfters Schädel. Mer dort drüben im Marstallgebäude stehe der „Napoleonswagen", der Reisen»agen des großen Franzosenkaisers, der auf seinen Feldzügen so spartanisch zu leben verstand. Der Wagen sei in der Sckiilacht bei BelleaUiance von den Blück>ersck)en Truppen erbeutet Wochen und als^jviegestrophäe in den Besitz des Feld- marschaUs gekommen. Nachdem dann im Berliner Palais am Pariser Platz kein Raum mehr dafür gelvesen sei, habe man ihn in das stille Krieblowitz transportiert — und dabei schloß der Großvater eine riesige Tür aus, und ein balddunkler großer Raum tat sich aus. tn dem Fliegen summten. Neben einigen Galawagen stand er^ mm. der ein sack* Reisewagen des großen Korsen. Hohe feine Räder. nwrsck>es Lederzeug. Die Plane war hochgeschlagen. Polstersitze. Ich wollte urich bineiiisetzeir. durfte es aber nicht, da der Wagen morsch sei. dlber aus den Tritt habe ich mich dock) gesetzt, und da ging es wie ein Zittern durch den Wagen, und ich stellte mir den Korsen vor. wie er mit seinem 'finsteren Gesicht da drinnen gesessen haben mochte; denn ich kannte ein Bild: „Napoleon aus der Flucht." Und nrein Großvater erzählte von der Schlacht bei Bellealliance, und da sah ich auch den „Marschall ^rwärts", dcm ich mir nur ohne Hut. mit lvehendem Haar und flatterndem Mantel, in der reckten Hand den Degen, sin der Pose des Breslauer Blück-erdenkmals'', vorstelleu konnte, wie er zu seinen Soldaten sagt: „Kinder, das hat gegangen!" Dann mahnte Großvater zum Ausbruch. ES sei Abendbrotzeit, die Mägde gingen schon zum Melken. , Auf der Jahrhundert-Misstcllung in Breslau tm Vvv-- vergangeneu Sonmner habe ich ihn wiedergesehen, den Napoleons- Wagen. Da kam er mir fremd vor. Er stand ztvischen so vielenj Dingen. — Und heute ziehen wieder Soldaten aus Blüchers Spuren, und in kurzem ist unsere Zeit historisch. Vas Zrühlingslied. Die ersten Vögel, die in den Städten oder Vorstädten ihr Frühlingslied ersckxcklen lassen, sind die Amseln. So wenig die Dichter die Anrsel zu rühmen pflegen — Nachtigall und Lerche ziehen sie gewöhnlich vor —, so gehört sie doch zu unseren besten Sängern, darüber sind alle Vogelkenner und Voaelsreunde einig. „Da sitzt sie auf dem Wipfel der noch kahlen Linde im letzwn Strahl der sinkenden Sonne, und westwärts gewandt sendet sie dem scheidenden Tagesgestirn ihren Gutenachtgruß nach", so sagt der gemütvolle Zoologe Marshall vom Amselgesange. „Wie weich und reich legt sich der volle Ton an Ohr und Herz des Lauschers? Ist es nicht, als ob der Vogel in seinen melodischen Tönen spräche init der ihr inugebenden abendlichen Frühlingsnatur? Bon Liebe singt er, von Liebe. Lust und Leben! Abends ist er fast der letzte mit seinem Lied und morgens sicher der erste. So sitzt er da und flötet seine Strophe, dann macht er eine Pause und lausckit. Und wir wir lauschen mit ihm und hören von fern gedämpft und undeutlich den Gesang einer anderen Amsel herüberdringen. So sitzen ihrer viele und spinnen ein Tonnetz um die Promenade, die äußere Stadt und die umgebenden Gärten, ein Tonnetz, in dem sie mit ihrem, Liederhort der Knotenpunkt sind." Die Männchen singen übrigens nicht überall gleich gut: am besten sollen die von Bellagio am Comer-See. am schlechtesten die skandinavischen singen, und jung aus dem Neste genommene und aufgezogene, die keinen guten Gesangslehrer in ihrer Umgebung hatten, sind zeitlebens stümperhaft. Auf den kanarischen Inseln, wo die Amseln sehr häufig sind, wurden früher massenhafte Hähne eingefangen, um nach Habanna verschickt zu werden: die Einwohner von Habanna schätzten den Gesang der Amsel früher — vielleicht übrigens noch heute — so hoch, daß hervorragende» Sänger mit Gold ausgewogen wurden. Die Amsel verfügt, nne männiglich bekannt, noch über andere Töne als ihr wohllautendes Flötenlied: wenn sie ärgerlich oder erschreckt ist, gibt sie eigentümlich schnalzende, aufgeregte Töne von sich, die von anderen Tieren sicher als Warnungslaute aufgefaßt werden. In settenen Fällen ist auch beobachtet worden, daß Amseln, ähnlich den Staren, Töne nachahmen, die sie in ihrer Umgebung hören. Im vergangenen Jahre beobachtete man auf dem Bahnhofe in Basel beim Rangieren. daß die Psei^ensignale der Bahnbeamten sehr geschickt nachgeahmt wurden. Man vermutete irgend eine Bosheit, bis sich herausstellte, daß der Pfeiskünstler eine Amsel war, die die Pfeiftöne der Bahnbeamten gelernt und in ihren Gesang ausgenommen hatte! Eine Beschreibuna der Amsel ist wohl unnötig, denn seder- burnn in Stadt und Land hat Gelegenheit, sie zu sehen. Aus eine Einzelheit sei aber dennoch aufmerksam gemacht, nämlich aus die Farbe ihres Schnabels: bei den Männchen ist er goldgelb, jedoch erst, wenn sie beinahe ein Jahr alt sind. Er bleibt auch zeitlebens gelb, während er beim Star im Herbste grau wird, um erst im Frühjahr wieder, die gelbe Färbung anzunehmen. So angenehm die Amsel für den Unbeteiligten ist. so verhaßt ist sie stellenweise dem Beteiligten: will sagen, dem Oost- und Weinzüchter. Die Am- ! el, einer unserer größten Singvögel, verbraucht viel Nahrungs- toste und ist daher außerordentlich gefräßig. Fast alles Genieß- 'are ist ihr recht, stamme es nun aus dem Tier- oder Pflanzenreiche, und sie paßt ihren Speisezettel immer der Jahreszeit an. Im Frühjahr und im Sommer haben die Obstpflanzungen, im Herbste die Weinpflanzungen erheblich unter ihrer Gefräßigkeit zu leiden. Es ist einwandfrei festaestellt, daß die Amseln eines Gartens in wenigen Tagen einen Kirschen- oder Mirabellenbaum so vollständig plündern können, daß für den Obstzüchter auch nicht eine Frucht übrigbleibt. Auf den Azoren hat man der Amseln wegen die Erdbecrzucht aufgeben müssen, und es vergeht kein Jahr, in den: nicht die Obst- und Weinzüchter gerechte Beschsverde gegen die Amseln erheben. Tie Amsel gehört zu den wenigen Vögeln, die in kurzer Zeit ihre Lebensweise vollständig verändert haben. Nock vor wenigen Jahrzehnten galten die Amseln als außerordentlich schüchtern: in den letzten Jahrzehnten aber ist aus dem schüchternen Waldvogel ein kecker Stadtvogel geworden, der es sich in Park- und Gartenanlagen wohl sein läßt, und seine Scheu vor dem Menschen vollständig aufgeaeben l)at. Es ist infolgedessen — auch unter den entschiedensten Anhängern des Vogelschutzes im allgemeinen — ein lebhafter Streit darüber entbrannt, ob die Amseln schädlich oder nützlich seien und ob zu ihrer Einschränkung ettvas geschehen müsse. Man wirft dem schwarzen Sänger nämlich — und mit Recht — vor, daß er sich nicht nur an Obst und Wein vergreist, sondern sich auch nicht scheut, die Gelege von nütz- üdyai Singvögeln auszunehmen: außerdem wirkt die gefräßige Amsel stellenweise durch die Vertilgung von Regenwürmern schädlich. Zu einer Einigung sind die streitenden Parteien noch nicht gelangt, allein wohl oder übel wird man sich doch dazu verstehen müssen, wenigstens in großen Gartenanlagen gegen das Ueber- handnehmen der Amsel einzuschreiten. vermisstes. • Eine erschütternde Episode deS Luftkrieges wird in englischen Blättern geschildert. Ein Leutnant als Beobachter mit einem Sergeanten als Führer war von der französischen Heeresleitung beauftragt, eine verdeckte deutsche Batterie fesi- . xustellen, deren Feuer großen Schaden anrichtete. „Als wir über die deutschen Linien kamen/ erzählte der Flugzeuaiührer, „wurden wir von einem furchtbaren Granatfeuer begrübt. Wir stiegen höher und sahen endlich nicht eine, sondern drei Batterien/ „Ta sind sie alfo!" sagte der Leutnant und ballte die Faust gegen sie. Dann rief er zu mir gewendet: „Unsere Aufgabe ist erfüllt, schnell zurück." Ich wandte rasch, aber wir waren kaum 5ü0 m weil gekommen, als der Regen der Schrapnells schlimmer denn je wurde. Der Rauch hüllte unS in so dichte Wolken, daß eS unmöglich war, tO m wett zu sehen. Wir verslichten aus dieser Hölle htnauSzu- kommen, aber Schrapnells, eins immer bester gezielt als das andere, explodierten gerade über unseren Kopien mit entsetzlichem Krachen. Einen Augenblick glaubte ich, daß mein Gehirn zer- fprungen sei. Gletchzeittg fühlte ich mich plötzlich krank; dann schnitt mir mit einem Male dichter Nebel jede Aussicht ab, so daß ich wie irr Nacht faß. Trotz meiner Schmerzen hielt ich die Maschine in derselben Höhe, um den Geschossen auSzuwetchen, die seltener wurden. „Sind Sie gesund, Leutnant?" rief ich, aber ich bekam kemeAntwort. Da ich glaubte, daß er inich nicht gehört hatte, wiederholte ich meine Frage und öffnete dabei meine Augen. Aber ich empfing wieder keine Antwort, und ich sah nichts als tiefe Dunkelheit um inich her. Ich befand mich allein int wetten ^aum, 6000 Fuß über der Erde. Ich fürchtete mich unb be'ahl ©ott meine ©cele, denn ich fühlte, mein letzte« Ständlein sei ge- kommen. Da ich jedoch die Batterien der Feinde unter mit hörte, |o hatte ich nur den einen Gedanken, zurückzukehren, koste es, was es »volle, und die Dieldung zu überbringen. Geleitet von dein Geräusch der Schrapnells unter mir wendete ich die Maschine in der Richtung, in der ich zu meinen Kameraden zu konimen hoffte. Ich silhr in dieser Richtung ungefähr zwei Minuten, als der Leutnant zu meinem Erstaunen plötzlich ausrief: „Achtung, Mann. Hoher hinauf!" Ich riß das Flugzeug so rasch empor, daß es hinauf schoß und dabei die Wetterfahne eines Kirchtiiriiis mit lort- ? n ij em k* e Maschine um ein Haar zerschmettert wäre. 'l ni i ? ert Leutnant/ sagte ich. „Sie müssen eiitschuldigen. aber ich faitu nichts sehen. Sind Sie verwundet?* „Ja/ antwortete er, „ich glaube, schwer; ich suhle micti sehr schlecht/ «tonn sagte er: „Wenden Sie jetzt nach links, noch mehr noch links, ist's gut. Nun gerade vorwärts I" Bald zeigte mir ein irischer Kugelregen an, daß wir ivieder über ben Linien der Deutschen waren. Etwa drei Minuten später ries die Stimme deS Beobachters: „Ohm sind wir da. Ich sehe unsere Leute, die auf lins warten. "aßt deii Apparat medergehen I" Ich hörte nichts melir, aber bald landeteii »vir ans festem Gruiid und Boden/ Den Wartenden, die daS Flugzeug umringten, bot sich ein erschütternder Anblick dar; der Flugzeugführer war erblindet, für tinmer deS LlchteS beraubt, und neben dem bleichen Mann mit den toten Augen lehnte der lebloie Körper deS Offiziers, der soeben seinen leisten Alemzuq getan hatte. * E1" e Krieger martert. Aus uiiseren Friedböien müssen wir heute so manchen Helden zur Ruhe denen, der iu der Heimat für immer von ben Wunden genas, die er draußen für u»s euipfing. Dieses Los erlitt auch im Jahre 1871 ein wackerer Bayer, der 23jäbrige Schonaauer Sebastian Burker, Kanonier im 4. Artillerie-Regiment. Zum Tanke ward ihm eine Grabschrist, deren ergreifende Schlichtheit heute ganz besonder« an daS Herz rührt. Sie lamet: „Ein braver Soldat ist er gewesen. Bei siebenthalb Schuh hat er gemessen. Er zog für König und Vaterland Htneni mit ins Franzoienland. Einen Fuß mußt' er in Frankreich lassen Und hier dann ganz zu Tod erblassen. O heiligste Dreifaltigkeit, Alach' ihm den Hinnnelsweg nicht wett. Mit eineni Fuß, an seiner Krücken Kaiin er die Slrnße nur langsam hinken; Und heißt es einmal: Auseritehnl Schenk' ihm den andern Fuß zum Gehn, Dainit er bei der Parade droben, Dich recht kann mit zwei Füßen loben!" vüchertisch. — Wie sieht eine Festung auS? ist eine Frag«, die heute ost tm Publikum gestellt wird, in erster Linie auch, von, unserer Jugend. Moderne Festungswerke mit Panzertürmen kann jeder selbst bauen mit der von dem bekannten Verlag I. F. S chr ei- ber in Eßlingen und München soeben herausgegebenen Modelliermappe: Schreibers moderne Festungswerke. Preis 2 60 Mk. Ein Panzerfort, wie sie bei Lüttich, Antwerpen -und an der Maas von unfern Truppen in glänzendem Siegeszuge überwunden wurden oder wie sie an der Westgrenze noch teilweise den Weg ins Herz Frankreichs sperren, entsteht hier vor unfern Augen in naturwahrer Nachbildung. Unsere Jungen brauchen solche Festung, um rlir Spiel nvit Zinnsoldaten „kriegsmäßig" zu gestalten, und sie können ein Sperrfort, eine Stadtumwallung oder nach Belieben eine Küstenbefestigung mit Hasen, Untersoe- und Torpedobooten durch Umstellen damit bauen. — Bongs Kriegs-Kalender mit Illustrationen. Soeben ist fceft 8 erschienen, welches die Zeit vom 1. bis 26. Februar 1915 umfaßt. In bekannter treuer und sorgsamer Bearbeitung werden hier alle die denkwürdigen Heldeiitaten der deutsck>en und österreickfisch-ungartschen Truppen aufgeiührt, welche sie gegen die Franzosen, Engländer und Russen vollbracht haben, und auch die Käinpfe zur See und in den Kolonien sowie das große Ringen der Türken in Persien, Aegypten und im Kaukasus stnden eingehende Berücksichtigung. Auch dieses Heft ist wieder mit Bildern gesckMÜckt, welche die denkwürdigsten Vorgänge zu Wasser und zu Lande darstellen. Bongs Kriegs-Kalender mit Illustrationen (monatlich ein Hest zum Preise von 20 Pf., DeutsckieS Berlagshaus Bong & Eo., Berlin W. 57) zeichnet sich neben seiner praktischen Uebersichtlichkeit durch seine Jllustrationsbeigaben aus. _ Nönigspromenade. Man darf die einzelnen Wörter und Silben nur in der Weise mitetnaiider verbinden, daß man — wie der König auf dein Schach- ersten sen los HUI dem fei besten riffe und len an um gleicht seine beherrscht UN schel zer len dem wer der wün nicht er -u wel schiffe auf ohne sche wartet den daS treibet steuer Auslösung in nächster Nummer Auflösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: GanS, Lang. Kchrlftleitung: Auq. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brüb>'schen UniversitälS-Buch- und itembmcfcret, R. Longe, Gießen.