Van von Werth. Roman aus dem Dreißigjährigen Kriag» von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Es war in der Schenke sehr still geworden. Sie sahen alle nach dem Tisch herüber, wo so scharfe Worte gefallen waren. Mer Jan nahm des Wachtmeisters Krug und trank. „Ah, bah!" rief dieser und reckte sich. „Hast recht, Bursch, trinken wir." „Trinkt ihn untern Tisch," raunte dem Wachtmeister ein Dragoner zu. „Dann schleppen wir ihn fort/ Und eS Hub ein wildes Zechen an, während der Abbb in sich gekehrt dabei saß. Mußte er Jan wieder hergeben? Hergeben? Konnte er ihn ewig am Bande haben und nach sich ziehen? — Und dich, Jos2 Maria, reizt es dich nicht auch, von der Kriegswoge dich tragen zu lassen? Unterkriechen irgendwo? Oder allein nach Paris gehen und Worte glatt schleifen, während Jan sich den Sturm blutiger Affären um die Ohren sausen läßt? — Und konnte er hoffet!, dem Kardinal verborgen rn bleiben, tvo Dnrante noch lebte? — Sich in dieselbe Gefahr begeben, der Jan gerade glücklich entronnen war? „Hör mal, Bursch," sagte der Wachtmeister zu Jan, und er lallte schon ein tvenig, „ich habe die Schlacht oim Weißen Berge mitgeschlagen und den ketzerischen Winterkönig jagen helfen. Du siehst in mir einen Mann von Verdienst. Konnn mit. Ich habe urit dem tollen Christian bei Höchst die Klinge -gekrerrzt. Ich will dich fechten lehren. Dem: du tveißt ohne Zweifel kann!, wie man einen Degen ansaßt." Jan knurrte nur. „Du sollst einen Goldgulden Handgeld haben, Bursch, und in meinem Wrnett dienen. Und ein Gaul wird sich schon beim Troß finden, bis du dir bei der nächsten Affäre einen besseren sangen kannst. Straf mich Gott, wemr ich's nicht gut mit dir meine. Trink. Lümmel, der König von Spanien bezahlt alles. Meisje, der Krug ist teer." „Gib mir zu trinken, alter Eisenfresser!" sagte Jan. Und die. Dragoner stießen sich an, denn sie meinten nicht anders, als daß er trurrken sei. „Hier. Flaschenkind, sauf!" „Prost Brüderlein," sagte Jan. „Einen runden blanken Goldgulden mit des spanischen Königs leibhaftigem Konterfei bekommst du. Henker und Galgen! Was Mann sein will, muß reiten; Kerl, wenn du gestern aus dem Rathaus gewesen wärst, wie ich, Kerl! Die Erde beainnt zu brennen, sag ich dir. Der Ferdinand in Wien will rüsten. Der Däne rasselt mit dem Eisen, das unmündige Kind von Frankreich plärrt herausfordernde" „Es ist kein Wein da," sagte Jan. „Meisje — Goldherz — tveiße Taube! — Die ketzerischen Reichsstände krakeelen, mein Goldherz — aber du brauchst dich nicht zu sürchten, ich will sie dir in den Rauch hängen wie Krcnnmetsvögel. Einmal —> in Böhmen wars — Bruderherz trink!" „Trink selber. Prost," sagte Jan. Der Wachtnreister lachte aus vollem Halse und setzte den Krug an, aber der Wein stieß ihn gewaltig. „Geritten muß sein, heute über bie Schelde, morgen übern Rhein," grölte er. „Wie heißt du, Wachtmeister, sagte Exzellenz Tilly zu mir, bei Höchst; Jürgen Schulte, jag ich. Kerl, du wirst noch Oberst, sagt er. Und ich —" Der Kopf sank ihm an die Wand und die Augen fielen ihm zu. Jan stieß ihn in die Seite. „Du bist noch nicht im Quartier. Bringe deinen Sermon zu Ende." Der Wachtmeister riß sich zusammen: „Ins Quartier! Ins Quartier! Komm mit. Lümmel. Sag ja, oder ich beiß dir die Nase ab. Ich Hab dich lieb- Lünnnel." Und er umarmte Jan. Aber im nächsten AugenblKß sank er zurück und schlief. Jose Maria zog Jan von der Bank: „Jan, höre mich. Wenn du nicht zu den Soldaten willst, dann ist es Zeit zu verschwinden. Mach dich davon. Ich bleibe." „Weshalb sollte ich nicht zu den Soldaten? Ich luttl mit .Heeresmacht, .Herzbruder, mit Heeresmacht nach Pari- ziehen und meine süßen Mädchen befreien." Er stand nicht mehr sicher auf den Beinen. „Und du gehst mit, Herzbruder!" Es trat ein .Halbdutzend Dragoner ein. „Wir haben zwei gelvorben. Sind zwei Gulden für uns, Wein her." „Wir haben auch einen," sagte einer der Dragoner und deutete auf Jan. „Was habt ihr? — Wen habt ihr? — Zackerbomben- nndflöh, die Lüge ist eure letzte." und er zog. „Jan!" rief der Abbv. Jan fuchtelte mit dem Degen um sich. Er gewahrte den schn a rche nden Wacht me iche r. „Steh auf, Weinschlauch!" ries er. „Leg aus. Hast du nicht gesagt, ich wüßte nicht, wie man den Degen anfaßt? Und Flaschenkind? Mir? Wehr dich, großmäuliger Halunke. Meinst du, ich bin betrunken? Ich vin so tvenig betrunken, daß ich dein Ohrläppchen an die Wand spieße, wenn du nicht ausstehst!" „Herr Jan", kreischte Meisje und tvollte ihn fest- halten „Jan! Jan!" rief der Abbö. Aber Jan stieß zu und nagelte des Wachtmeisters Ohrläppchen mit einem prächtigen Stoß fest. Die Dragoner warfen sich aus ihn. Den Wachtmeister machte der Schmerz wach. Er glotzte um sich und das Blut lief ihm über den Spitzenkragen. „Jan," lallte er, „willst du Handgeld nehmend „Sag ja," raunte der Abb 6 , „sonst kommst dn vor den Prosoß!" „Ja," sagte Jan, zum erstenmal an diesen! Abend, und die Dragoner schleppten ihn davon, indessen der Wachtmeister tveiter schnarchte. Das Blut lief ihm in den Geöffneten Mund. „Leb wohl, Meisje," sagte der Abb 6 . „Ich muh ihm nach, sonst richtet er noch mehr Unheil an. Er hat einen verzweifelten Hang znm Galgen. Ich tue ein Gotteswerk, wenn ich für immer mit ihm ziehe und ihn bewahre." „Ach. Herr Abbs," weinte MeiSje, „Ihr konntet so gut kochen." „Nicht wahr, ich hätte einen prächtigen Küchenmeifte jür den Papst abgegeben. Und nun Feldkaplan!" „Die Muttergottes sei mit Euch," flüsterte Meisje, und kühte seine Hände und benetzte sie mit Tränen. * Früh vier bliesen die Trompeter „Aufsitzen". Ueber Nacht tvar Befehl gekommen nach Bergen zn reiten, in das der groote Moritz sich geworfen hatte, und eine Stunde später ritten die Dragonermusketiere, Regiment Sturmius, als erste ab; übern Lambertsplatz und vorbei an dem „Dragoner von Breda". Voran vier lange Kerle. Hinter ihnen zwanzig Trompeter, die das Lied vom Winterkönig schmetterten. Acht Mann schlugen mit spielend tainenden Schlägeln die kleinen Kesselpauken: der krieaerisckn' Marsch drohte die Gasse zn sprengen. Und fünfzig Schritt hinterher ritt auf seinem hochbeinigen Brandfuchs der Oberst Sturmius mit grauem Kne delbart und hinter ihm polterten an die 5,00 Dragoner in zehn Kornetts, im dritten Jan, den flachen Eisenhelm auf dem Kopf und die Muskete unter der rechten Schulter Hinter Jans Kornett ritt Jos 6 Maria, die violette Binde der Feld kaplane über der Brust und winkte zu Meisje herauf, die am Fenster lehnte. So zogen sie mit selbstbewuhtem Lärm bahm, nach Meclu'ln zu, über die Schelde, vor Bergen, und Me,s,e sah ihnen nach, solange sie einen Eisenhelm blinken sah. „Er konnte so gut kochen," sagte sie weinend, als der letzte verschwunden war. . , 5. Kapitel. Turnhont, Bergen op Zoom, Fleurus. ^Hels uns Gott, junger Morgen, zu einem guten Tag." Das betete Jan in jeder Früh, wenn er sich aus seine grobknochige Isabelle schwang. „Hels uns Gott zu eine,n guten Nachtquartier," beteten dre anoern Dragoner, denn sie meinten, ans einem Pferdsrücken in den frühen Morgen zu reiten sei ein langweilig und nüchtern Ding. Und wenn es aussitzen und rangieren hieß, fluchten sie jämmerlich, während Jan mit heißem Eifer die einundzwanzig Griffe lernte, die zu einem rechten und schulmäßigen Ansnehmen, Chargieren und Feuern enter spanischen Muskete gehörten. Oberst Stur- nnus war nicht der Mann, der sich Liederlichkeiten in solchen ernsthaften Dingen gefallen ließ. Besonders nicht im Eier- ö'Eren zu Pferde. „Aus der Kolonn' in Doppelreih' trab „In Glieder gesetzt!" „Eingeschlvenkt!" „Zur Attack' formiert. Und Jan hatte seine liebe Not milzukommen, besonders wenn er am äußeren Flügel ritt, denn feine Jsa- xlle gab»,cht viel her. so sehr sic auch mit erhvbenqin »tummrlschlvan- in der blauen Lust l^erumpinselte. . Freilich im Fechten tat es ihm keiner nach. Und da er hell und frisch a»S den Augen sah, ritt er bald 51 , yueit obet dritt ans Kundschaft, denn als sie an die Wester,'cknlde kamen zeigte sich hier und da der Feind, ein wohldiszi- LlÄ^r. "Ä couragierter Feind, der den Spaniern manches zu schaffen machte. Der Wachttneister Schulte hatte ihn, längst das Loch ""..^czipsel verziehen, als er merkte, welchen Goldhalnr er sich an Jan gefangen hatte. „Der groote Mori§ soll mich hängen, tvenn du nicht ein guter Dragoner wirst," sagte er - nur darauf, endlich an den Feind zu- aSnrMnfhpff! ^lgte sich, daß sie von Süden her nicht an ^nnten. Sie mußten nach TurnhoM zurück, s^r drr Spanier sta.Lm ^ "enmdzwauzig Feld- Dragonern gefiel das Hin- und Herreiten im Lande kvenig ^:e zogen schiefe Minler, denn sie hatten ! geschworen, beim ersten Sturm Bergen allein zu nehmen. Jni dritten Kornett, in denr Jan diente, gab eS indessen viel rheinische Jungen, die sich guten Mit bewahrten rmd wenn es wieder einmal Meil. auf Meil, Trab, trab, ans und ab" ging, so sang ihr Chor von Hohen und kieseir Stimme!: gar schön übers Feld, so daß die Pferde die Ohren spitzten und noch eins so munter trabten. Jan S "\c jeden verwundert angesehen, der ihm in Köln ge- t hätte, daß er noch einmal in seinein Leben Netterer in zierliche Reime setze:: würde. Mer die giiten Gesänge flogen nur so in der Lust mit und es geschah dann nicht selten, daß Jans Helle Stimme plötzlich über das Kornett hinschmetterte und die Kameraden mit Lachen ein- sicleir. Etwa so: Schön sein die Mädchen, man muß sie küssen, Schön sein die. Mädchen in Dors und Feld. Ich Hab es probiert, ich muß es wissen Wie man die Banerndirn — Wie man die Bauerndirn — Die Kameraden: In, ja im Arme, Im Arme hält. Schön sein die Mädchen, n:an muß sie küssen, Schön sein die Mädchen in S'adt und Haus. Zwar tun sie ehrbar, ich muß es wissen, Doch keine jagt mich Doch keine jagt mich — Die Kameraden: In. ju, zur Kammer Zur Kammer 'naus. Schön sein die Mädchen, man muß sie küssen, S *lön sein die Mädchen in Schlog und Saal, Ich muß das wissen, ich Hab sie gerissen In meinen: starken Arm — In nleinem starken Arm — Die Kameraden: In, ja. so mannichmaf, So mannichmal. Schöll sein die Mädchen, man muß sie küssen, Schön seii: sie alle in Stroh und Bett, , Wenn ich frühmorgens Hab scheiden müssen, War ich noch immer —, War ich noch immer — Die Kameraden: Ju, ja, so aairz labety. So ganz labeth. Zwar meinte Joss Maria des Abends im Quartier zu Jan, daß dies unziemliche Lieder seien und es sei wenig freundschaftlich von ihm (um von der Moral gar nicht zu reden), daß er sittenlose Menschen mit seinen sittenlosen Liedern noch sittenloser mache und seinem Feldkaplan also die Arbeit erschwere. Mer Jan meinte, daß der Feldkaplan Ehrwurden ihm nur dankbar sein solle, denn je schwerer er ihm die Arbeit fürs» Seelenheil mache, desto mehr Ber- dienst habe Jos 6 Maria doch im Himmel und inr übrigen müsse ihm, Jan, der König von Spanien dankbar sein, indem er seinen Soldaten ein wenig Erdenschwere anhänae sonst würden ihnen noch Flügel wachsen und sie als Engel davonsliegeii. Denn der König ivolle sicher lieber ein Tausend herzstarker Soldaten, als ein Tausend seelstarker Engel haben. ' Jan liebte ein schnelles und klingenblitzeudes Wort Aber wer sem Herz kannte, und das war Jose Maria, wußte daß es weich und treu wars nach Westen umzubiegen und Bergen im Rücken zu (Fortsetzung folgt) 161 — Lin Meister btt deutschen votanik. Zum 70. Geburtstage Wtlhchlrn PsrfferS, 9. März. Wilhelm Pfeffer — es mag manchen, selbst unter den gebil- oeten Deutschen geben, an dessen Ohr der Name dieses Gelehrten nur von lerne gedrungen Ist. Und doch zäblt dieser Forscher, der jetzt sein 70. Lebensjahr vollendet, zu den genialsten Bahnbrechern und größten Entdeckern, die die Geschichte der modernen Botanik «ulzuweisen hat. ja man kann sagen, daß ein ganzes Neuland der botanischen Wissenschaft von Messer erst entdeckt worden ist: daL ist die moderne Pflanzcnphystologie, deren Grundlagen Pfeffer im «"'chiuß an die Forschungen seines Lehrers Julius ^achs erst ge- schaffen hat. Zn den — auch bem 9tichtfachmanne einigermaßen geläufigen — Rätseln des Pflanzenlebens, die in» ArbeitS'elde PiefferS einen breiten Raun» eingenommen haben, gehören das Wie und Warum des Zusammenfällen« der Ati»nojendläiter bei Stoß oder Erschütterung, »vie sie ein jeder im Treibhause botanischer Gärten beobachten kam», ferner andere Re zbe»veg»»ngen, »vie das Oeffneu und Schließen der Blüten, die Schlaldeivegungen, die Be» wegungen der Etalibgesäße gewisser Pflanzen, die Krümmung der Ranken, die Erschemnngen der Chen'otaxiS, der Anlockung be»veg- stcher Organismen durch chemische Reize, »vosiir die Anlockung der San»enfäden von Atoosen und Farne»» etneß der bekannteuen Bei- sviele ist. So »venig der Name des Leipziger Gelehrte»» nun der Allgemeinheit bekannt geivorde»» ist, so hoch schätzen ihn die Fach- le»»te, und zwar nicht nur die Botaniker, sondern auch die Forscher aus Gebiete»», die oft Han> in Hand mit der Botanik arbeiten, in kkster Linie Chemie und Physik, ganz besonders aber die Zwitler- wiffenschast der physikalischen C Hernie, ja tu gewissem Sinne kann Pfeffer als 'Mitbegründer der physikalische»» Chemie angesi rochen werden: eine seiner gr»»ndleqenden Arbeiten - die .osmotischen Untersuchungen — habe», stch fiir de»» große»» physikalischen Chemiker van 't Hoff als »vahre Fundgruben wichtiger experimenteller Taten entpllppt und diente»» ihn» bet seinen llntersuchungen als tre»»eS Bademecun». Zur Feier des 70. Geburtslaues Pseffers, der üb- rigens vor kurzein bereits ieln golden'es Tokto»j»»btläun» begehe»» konnte, habe»» die bei Julius Springer in Berlin erscheinenden ,Nat»»rwlssenschastei»- ihr neueueS Heft zu einer Pieffer-Festnurnmer a»»Sgettaltet, deren amtliche Beiträge a»,S ber Feder von Haber- landt (Berlin-Tahlem', Code,» (Utrecht), Czapek (Prag), Kinev iWiirzburg) und Jost (Straßbnrg) flammender Darstellung des Lebe»»s»verkeS PfefsirS und seiner Beziehung -»» anderen Wlffen- schalten in trefflicher Weise gerecht »verden. Die Pflanzenpbysiologte und die Re»zphysiologie (die »mter anderen» dort getrennt behandelt werden) im besonderen bilden den Rahinen zu dem umfassende»» - LedenS,vcrke Pfeffer«. Einer der ersten groben Würfe. der Meffer in» Jahre 1877 gelang, waren die .osinotifchen Untersuchungen*. Ihr bedeutsa.nsteS Er ebnis ist. daß die lebende Zelle imstande ist, außerordentlich Hobe hydrodynainische Truckletstung zu entwickeln. Tie hierbei tätigen Krä te sind es, die Pfeffer a»llgezeigt hat. und ihre Unter- stichnng hat den Phynkern die »vertvoll'len Ausschlüsse geliefert. Wetter hat Pfeffer die Rolle derPflanzenatmung bei der Beschaffung der Beirtebsenergte, Wese»» »nid Bedeutung der Pfl »»»zeiiatmung überhaupt — der Begriff der Zntramolett,lare>» Atmung" »st von ihm eingeluhrt — geklärt, die Kenntnis der Plasmahaut, der Umsatz der Energie der Pflanze, sowie die gesa,nte Ernäyrmiasphysio- wgie gewaltig gefördert. Tie Erscheinungen der Reizphysiologte. die oben k»»rz angedeutet sind — Pfeffer« erster Unter suchungs- gegenstand »var die Mi,nose — bat Pfeffer aus eine plötzliche Depression deS hydrostatischen Druckes in Zellumen zurückgeführt. wofür sich allerdings der experimentelle Be,ve»S für die Mimose nicht führen ließ. Auf knappem Raum alle Ciuzelheiten von Pseffers Lebensarbeit anzuführen, ist u.unöglich: jeder Botaniker kennt feine gewaltige .Pfla,»zenphysioloqte*. er», Werk, das in der gesamten botanischen Literatur aller Kulturvölker einzig dasteht, »vie Haver- landt init Recht sagt. t . d^fferS äußerer LebenSgang bietet »venig Befo.ldereS. Wil- heln» Pfeffer »st in Grebenstein al« Sohn eines 'Apothekers gebore,». war selbst eine Zeitlang Apotheker, behandelte in seiner Doktor- ardeit ein rein chemisches Thema und »vandte sich erst später der Botanik zu. Seine bede»»tendstu»valki, also das von unseren Truppen besetzte Aebiet. am wem-sten vorgeschritten. Es gab dort bereits im Jahre 1894 508 Fabriken: ihre Zahl hat sich seither noch vermehrt Tic Bewirtschaftung ist intensiver als in den Kvwnocr und Mil- naer Bezirken, wie überhaupt auch der Knltnrzustand der litauischen Suivalkicr Bevölkerung ein höherer »st. Die litauische Bevölkerung dieser drei russische» Gouvernements ist in mannigfaltiger Hinsicht von Interesse W»e Ga,galat hervorhebt, besitzt das großlitanische Bolk eifriges Streben nach Bildung. In dieser Beziehung steht es zum Teu über den preußischen Litauern. Auch un'nig begüterte Baliern bemühen sich, ivenigstens einen Sohn aus das Gnmnasium zu schicken, zunächst mit dem Ziel, ihn einst als Geistlickstm im prie terlichen. Gewände zu sehen. Daher kon.ml es, daß die gesamte Geistlichkeit ut Litauen mitsamt den Bischöfen rein litauisch Uf. lin ^ lmch lita »lisch fühlt und sich in litauisch-nationalen» r^ cr viele Gymnasiasten ziehen es vor, statt rn das Priester,eimnar zu treten. das Gstinnasium bis zur Reife- prü llng zu durchlaufen, um später als Mediziner. Advokaten oder Philologen ihrem Volke zu dienen. In letzter Zeit haben sich manche auch dem Bankivesen zuaewandt. einem Zweige, der, wie hatte ^"0" dahin bei den Litauern keine Vorliebe gesiindeu Besonders deutlich zeigt sich das Streben der Litauer liüd, ■/* U1 L 11 ?^ J 0il 5/ €r Selbsthilfe im Verein sieben. Die litauische wistenschastliche Vereinigung in Wilna zählt fast alle gebildeten Litauer zu ihren Mrtglied»'rn; sie besitzt ein Museum für Volkskunde mrd eine wertvolle Bibliothek. Der litauische Kunstverein veranstaltet alljährlich Kunstausstellungen und besitzt ebenfalls e»n Kunstmuseum. Drei große Volksbildungsvereinigungen arbeiten mit huudertunddrertzig Zwcigvereinen an der kulturellen Hebung des Volkes. Zivei Vereine sorgen für Unterstützung bedürftiger Studenten: sechs Genossenschaften und Aktiengesellschaften be- zlvecken die Herausgabe von Bücher,» und Zettschriften. Wich Uven d,c Litauer Arbeiter., grauen-, Theater- und ähnlül>e - -Uliahrlich werden hier und dort ettva z»veihul»dertund- fünfzig TI>eaterausführungen veranstaltet. Die Temperenzvereini-- gungen habei, etwa 30 000 Mitglieder. Im allgen,einen ist höhere Vuoung unter den Litauern etivas rveniger verbreitet, als unter den Letten, welch letztere sckwn seit Jahrzehnten völlig selbständig für ihre eigenen kulturellen Bedürfnisse zu sorgen m der Lage »varen. Am wenigsten sind die Ostlitauer in knltr»reHer und natwnaler Beziehung vorwärts gekommen. Sie stehen zu sehr unter polnischen! und weißrussischem Einfluß, der sie in jeder Weiterentwicklung hemmt. In wirtschaftlicher Hinsicht fanit Litauen gerade nicht als e»n sonderlich produktives Land angesehen werden. Bodenschätze gibt es wenige. Getreide- ui»d Flachsbau. Viehzucht und Waldwirtschaft Jtitb die hauptsächlichsten Erwerbsziveige der Bevölke- rung. Dock) finden fich in größeren Orteii, wie Wilna, Koiono, Sckaulen und anderen verschiedene Fabriken, nanrentlich Eifew gießerelen, Draht- urrd Nagelfabrikcu, Brauereien und Brennereien. Tabak- und Bauinwollfabriken, Mühlen. Gerbereien und anderes mehr. Tie Landwirtschaft steht nicht überall gleich: suwalki geht voran, es folgt Kowno. dann erst Wilna. Seit der Revolution 190:» ist allgemein eine freiere Enttvicklung auch rm wirtschaftlichen Leben festzustellen: etwa hundert Konsmw- vereme. eine größere Anzahl landwirtschaftlicher und sonstiger Benlssvereme haben sich gebildet: es fiiiden landwirtsck>aftliche Ausstellungen mit Prämiierungen statt, zwei Aktienqesellschaj- te»» für den Vertrieb moderner landwirtt'chaftlick>cr Maschine,! haben sich aufgetan, eiue vielseitige Presse belehrt daS Volk über intensive Wirtschaftsführung und Schcrffung neuer Eriverbs ziveige: cur neues hosfuungsfreudiges wirtschaftliches Leben ist im Aufblühen begriffen. T^' Boden ist zu»n größten Teil frucht- dar urrd ertragreich. Leider sind viele Güter, die sich in polnischen ™oi.fdKn ftänben befinden, infolge Saumseligkeit und schlech- ^lrlschaftsführung der Besitzer stark verschuldet und vernachlässigt; fl, könne», kein Vorbild für die Bauern bieten. Unter einer sürs-rglichen und »veitschauenden Regierung würde Litauen bald ein blühendes Land mit wohlhabender Bevölkerung werden, denn das Volk ist fleißig und äutzerst ksildnngsfähig. Aus dem rusfischen Litauen. der deutschen Truppe» sind erhebliche Teile des russischen Litauens unter deutsche Herrschaft getreten, und wmdet sich diesen Landstrichen naturgemäß ein lebhaftes Interesse zu. Dr G a i g a t n t, das bekannte Mitglied des wandelnde Setteidebiindel. Ein eigenartiges Kriegserlebnis wird von einem Mitkäinpfer, cmern Bayern, im neuesten Heft der bei der Deutschen Verlags- Anstalt in Stuttgart erschei,lenden Zeitschrift „Ueber Land und Meer" erzählt. Es war im Oktober in der Umgebung von Thiau- court, rvo die Bat-ern in der Mähe der Einmündung des Flüßchens Madme in Me 9hijt be Made Äuf Vorposten kommandiert paaren. Ein scharfer W»,id pfiff über die zerstampften Felder, und als die .Rächt hereingebrochen ,var. silchten sich die Soldaten es in einem 1*8 Versteck etwas bequemer zu machen und 'zur Erwar»lmng mtt Hüte eines kleinen Kochapparates Tee zu bereite»!. Als fie gerade das ersehnte Getränk in ihre Alumininmbecher goss«», drang plötzlich ein seltsanrer dumpfer Laut, gleich dem Röcheln eures Sterbenden, an chr Ohr. „Xaver!, was mag dös gwes n !«? — „Wvaß nit, Han-, aber b'sunders is mir dös vürkemrna — los is -eppS, do möcht i alei »nein Kopf verwett'n! — „So! dann dann timm — schau g,» ma nach!" Dies war nun zwar gut gemeint, aber leichter gesagt als getan, denn ich strengte »neure Angen und Ohren ohnedies schon längst furchtbar a»r. aber dre ersteren sahen nichts als daS eintönige Schwarz, und die letzter«» gaben ununterbrochen das Sausen und Pfeifen des Wmdes an mein Gehirn »veiter. Es blieb also nichts übrig, als einmal Fühlung mit unfern Nachbarposten zrr nehmen. „Du gehst rechts uird i links, aber sei vorsichtig!" entschied ich deshalb rasch. Zehn Minuten waren seit unserer Trennung »roch nicht verstrichen, als ich auf die mir e»»tgegeneilenden Kameraden des linken Neben- Postens stieß. ,,Hotta, Kanreraden, fehlt bei enk »vas?" — „Nil grad — aber habt- ös nix g'hört? Es im»aß ja in enkerm Bereich g'wes'n sei!" Schnell ward, »vas ich wußte, gesagt, und alsdann eilten nur brei zu unscrm recksten 'Nachbarposten. Wenige Meter hatten nur zurückgeleigt, da kain uns durch das nächllick-e Dunkel mein Freund Hans entgegen. .^Xaverl, der 'rechte Neb'npost'n is nit -'finden. I Hab alls abg'macht!^ — „Herrgott, »vas soll nur los sein und »vas machen in dieser rabenschwarzen Mcht?" Fragend blickten »vir einander an, da — ein leises Rauschen, ein dumpfer Schrei. Ich sah gerade noch '»neinen Neben»nann hinten- übersinken, als jlvei Hände meinen Hals umklainmerten. Meine»»» Körper gab's einen geivaltigen Ruck, aber soviel »neine starken Hände auch nach dein unsichtbaren Gegner griffen, sie erliaschten nur Stroh. Scharf knallten z»vei Schlisse durch die Nacht, eisig kalter Stahl bohrte sich in meine Schultern, aber in diesem Mo»nent ließ auch die feste Umklammerung »»»eines Halses nach. „Xaverl, fehlt'S »seit?" drang die Stimme meines Freundes an meine Ohren, und die schon im Entschwinden begriffenen Sinna kehrten »nieder. Ich hatte keine Zeit zum A»»tnwrte>», denn mein Kamerad hatte mich bereits ausgenommen und trug »nich in einen nicht rveit entfernten Graben. Was es »var? Der Feind hatte sich in Getreidegarben gesteckt und »var so an uns herangeschlichen „Herrgott, Xaverl. da Mond ki»nmthurra, da Mond fimmt!" jauchzte mein Freund und feirerte Schuß um Schuß aus seinem Gewehr. Wir hörten eilige Schritte und »vußte»», daß die Unsrigen nun kämen, und eben als diese über denr kleinen Hüaelkamm auftauchten, schlüpfte der Mond ans dem Ge»oölke. Rasch sprengte der Hauptmann herbei. „Posten, »vas gibt eS?" — „Ein Ueberfall der Posten durch den Feind!" — „Aber es ist nicht- zu sehen!" — „Einen Augenblick, Herr Hauptmann — dort die Getreidegarben r schnmnzelte »nein Kamerad, legte sein Gelvehr an, und pfaff — wirklich, 'die vorderste der etlva 60 Meter entfernten Garben machte einen deutlich merkbaren Sprung. Nicht nur ich und der Vorgesetzte, sondern auch die etwas rückwärts auseinanderziehende Ma»»nschaft hatten die Situation rasch erfaßt und nahmen die herumstehenden Getreidegarben sofort aufs Korn. Vielleicht drei Minuten mochte das Feuer angedanert haben, da wurde e- in den Feldern vor un- lebendig. Aus den Garben schälte sich Franzmann um Franzmann. und alle warfen schnell ihr Gewehr »veg, zum Zeichen, daß sie sich ergeben wollten. Es war ein ganz nettes Häuflein, das sich dem nicht schlecht erdachten und für unS recht gefährlichen Munrmenschanz hingegeben hatte. 43 Gefangene, 7 Berw»»ndete und ein kleine- Häuflein Toter »var der Erfolg auf unserer Seite." Damit war jedoch der Kamps nicht zu Ende. Bon den Gefangenen erfuhr man, daß der Plan, die Deutschen mit Hilfe einer derartigen Kriegslist zu überfallen, wn dem Führer einer hinter den» nächsten Hügel versteckterr größeren Abteilung ausgeheckt »var. Als die Deutschen dorthin vordrangen, »var der Fe»nd verschwunden. Zu gleicher Zeit setzte aber starkes Ge»vehrfe»»er bei der zurückgebliebenen deutschen Abteilung ein. und alö sie im Laufschritt zurückkehrten, sarrden fie die Franzosen im lebhaften Gefecht mit den ihrigen. Durch die Zurückkehrenden nun auch im Rücken bedroht, mußten sich die Rothosen ergeben, und so kam der durch die merkwürdige Kriegslist einaeleitete französische Nachtangriff zu einem für uns günstigen Ende „Punch" über bie Seppelin Zurcht. Eine unserer Leserinnen übersetzt un» aus den» englischen Witzblatt »Punck* folgende kleine Satire, in der der englische Verfasser in lustiger Meise seine eigenen Land»le»ite verspottet: Zeppelin Drill. Ost habe ich die kleine Dame von Nr. 4 gesehen, aber erst jetzt habe ich entdeckt, daß in ihr die Fähigkeiten eines Generals schlum»nern. Aul Umwegen erfuhren »vir von ihrer strategischen Begabung, v?* ^Achen erzählte es dem Milchmann und auf diesen» natürlichen Wege kam die Nachricht zu uns: Jeden Abend legt daS Mädchen einen Pelzmantel, ein Paar hohe Stiefel und einen Kohlenschütter für sie bereit. Das sind ihre Vorkehrungen für einen Zeppelinangrlff. Jederman»» bereitet sich darauf vor. Die Mutter von Bulpitt» Frau z. B. — Bulpitt ist mein nächster Nachbar — ließ sich von ihm ein bombensicheres Loch im Garten graben. Bulpitt »neint^ es würde wohl nicht so einfach sein, sie da hinein zu bringen. I« »nachte ihm klar, daß es wohl schwerer »väre, sie wieder heraus zu bringen — das Loch ist sehr tief. — Darüber mache er sich keine Gedanken, sagte er — Zwei Nächte darauf — Schüsse! — alle Lichter längs der Straße verlöschen, jeder sucht sich in Sicherheit zu bringen. — Nachher stellte sich heraus, daß Stewart seinen Familien-Zeppelin- Drill hatte ausprobieren wollen und drer Schüsse abgegeben hatte, um die Sache recht realistisch zu machen. — Seine Frau steckte das Baby^ in einen Kochtopf (den Deckel schief darauf, daß eilt schmaler Spalt blieb). Sie selbst pfla»»zte sich an einer bestimmt«» Wand auf, die — nach Stewart — nicht Umstürzen konnte, »vegen der Taue und Ge»vichte, »nit denen er sie befestigt hatte. Für ihn war das so tveit schön und gut. Nur »var es nicht ganz progranunäßlg, daß in dem Kochtopf noch Wasser war. — Aber der arme Johnson, der alle Matratzen in dem Kohlenkeller ansstapeln mußte? Er war rabe»»schwarz — und fuchswild, als er die Ursache erfuhr. Und Carruther, der einen Löscheimer über den» Kaminfeuer im Wohnzimmer ausleerte und nun seiner Frau, die fast taub ist und daher die Schüsse nicht gehört hatte, eine schwarze Pfütze auf den» Fußboden erklären mußte. Bulpitt- Schwiegennutter, rm, die saß über eine Stunde in dem Erdloch, ehe »vir sie herauszogen. Als »vir sie das erstemal hoch hatten, sagte sie, etwas schwer atmend, jedoch lächelnd: „Nun weiß ich doch, wie es in einem Schützengr—" und da glitt si» »vieder herunter, plumps. — Das zweitemal sagte sie: ,Lch glaube nicht, daß sie wiederk—Das drittemal sagte sie: „Mir liegt nichts dran, wenn die Zeppel—" Und als wir sie »virklick herausbrachten, sagte sie gar nichts mehr und mir tat Bulpitt leid! — Inmitten all dieses Wirrwarrs stand Fräulein Agathe von Nr. 4 in voller Bereitschaft im Pelzmantel, ui hohen Stiefeln, in die man schnell hinemfahren kann, den Kohlenschütter auf dem Haupt, »vohlgefchützt vor Bomben. — Da stand sie, warm, ruhig, sicher, durchaus der Sachlage entsprechend gekleidet und »vartete, bis daS Haus um sie her Zusammenstürzen »vürde, bis sie sich selbst retten müßte. Ich hasse den Gedanken an Zeppeline, aber »venn sie »virklich. kommen sollt«», dann hoffe ich, — hoffe ich sehr —, daß ich in der Nähe von Nr. 4 sein kann, um die kleine, unbezwingliche Dame auftauchen zu sehen. * ' v Die Küche im Kriege. (Nachdruck dringeich ernn'tnscktZ Roggen »nehlsuppe: 1 Liter Magermilch, Vr Liter Wasser, 90 Gram»n Roggenmehl, Salz, Zucker. Die Milch »vird aus de»» Herd gestellt, das mit etwas Wasser angerührte Roaqenmebl dazaaegossen und Vs Std. gekocht, dann mit Satz und Zruker abgeschmeckt. Zwetschengrütze: 200 Gra»nm Zlvetschen, V» Liter Wasser, 75 Gra»nm Zucker, 40 Gramm Sagomehl genügen für 6 Personen. Die getrockneten Zwetschen »verde»» tüchtig gewaschen, am Atzend vorher eingeweicht »rnd am nächsten Morgen dann ii» demseltzen Wasser gekocht, dcnm wird Zinker und Mehl dazn getan, alles gilt verkocht und nachde»n die Grütze fertig ist, »vird sie »nit süßer Milch verzehrt. Es ist ein Gericht, das sehr sättigt, nährt und dadurch nicht teuer ist. Statt der Pflaumen ka,m man auch getrocknete Aepsel nehmen. Tauschrätsel. Eid — Mund — Oder — Hosen — Fuchs - Enkel — fltQev — Haube — Michel — Mag«, — Aftern — Rampe — Radel — Bier — Gabe Die Anfangsbuchstaben vorstehender Wörter sind mit anderen Buchstaben derart zu vertauschen, daß man ebensovieie neue Wörter erhält, deren Anfangsbuchstaben den Rainen einer ehedem gefeierten Künstlerin ergeben. Auflösung in nächster ykummer. Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummert Demeter — Emili« — Taurus — F(cbecmaus — Iwiv« — rrucuflrab — Hundewitt — vhrislopb; Del fluscht besser Tchrlstleitung: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der BrHhl'fchen Universitäts-Buch- »u»d Stcindruckerei, R. Lange, Gieße»».