Samstag, -ex 0. MSrz ILLZLiLLLLLL Jan von Werth. Roman aus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Mynheer Elerbrand Bredero, der Dichter, hat ein Üieb davon gemacht, das sehr lieblich zu singen war und in seiner lustigen Komödie „De spaanftbe Brabanter" gesllngeu wurde, aber da die vlamisck»en Bürger das Lied mitsangen, in dem ein vlämischer Brabanter noch im Tode zwölf spanische Brabanter in die Flucht jagt, verboten die Spanier das Lied und Mynheer Bredero kam aus zwölf Tage in peinlichen Arrest. Dieses ist also die Geschichte von: Dragoner von Breda, dem Mann und dem Wirtshaus in der Gasse am Lamberts- platz. Und diese Schenke war also bekannt in den Nordstaaten wie in Flandern, in Lothringen wie am Rhein, daß sogar der Abbe Jose Maria ihren Ruf vernommen und sie als würdig erfunden hatte, sich dort mit Jan zu tressen. An den Gedanken hatte er sich schon gewöhnt, daß die Affäre mit den Fräuleins nicht glatt abgelausen toar. Henke war die Abenddämmerung des fünften Tages, er selbst war seit zwei Tagen hier, aber kein Herzbruder ließ sich sehen. Inzwischen gefiel es Jose Maria im „Dragoner von Breda" ausnehmend. Mit Meisje Drommeloe. die eine saubere Person gegen die dreißig war, mit niilchrveißer öaut und Apfetbacken, verband ihn bereits eine zarte Liebe, eine gemeinsame Liebe, um deutlich zu sein, zu fluten eßbaren Dingen Als wenn es gleichgültig wäre, ob man den Leib mit dickem Fuhrmannsessen vollschlug oder Gerichte speiste, die infolge des Ansgebots von Geist, mit dem man sie ersann, gleichsam geadelt waren. Freilich würden ketzerische Gemüter daran Anstoß genommen haben, lvenn sie Jose Maria am Herd gesehen hätten: eine weiße Schürze Liber die Soutane gebunden und den Kochlöffel in der Hand. Denn so konnte man ihn in der Tat seheil, neben ihn» mit andächtigem Gesicht Meisje. mit bloßen Armen und einem Grübchen am Ellenbogen. Ach dieser selbstbewußte Veteran von einem .Herd! Der sich nicht in irgend einem Küchenwinkel verbarg, sondern in einer überbauten ')kische breit und frei in der Gaststube stand, als wollte er sagen, daß jedermann sehen dürfe, was auf ihm gekocht wurde. Jedermann begleitete sein Gericht vom ersten Aufbrodeln an über die mannig sachsten Gerüche, bis es vor ihm auf dem Eichentisch dampfte , eine schöne Vorbereitung auf eine so wichtige Handlung wie das Essen. Und eine vertrauenerweckende Reihe voll blitzenden Knpferkesseln, die Meis/es Rkagd zweimal in der Woche au der Maas scheuerte, stand aus dem Bordbrett über der Herdnische. „Ja," sagte Jos« Maria, „nun einen Schuß Genever." Er hatte zwei Kessel über bem Feuer, das sein und Meisjes Gesicht beschien. In dem einen schmorten zwei Hühner, in einer kurzen Brühe, die nach Machandelbeeren roch. In dem anderen vrodelte dick ein seltsames Ragoilt von einem halben Quart Rotwein, von Schinkenwürseln (ohne Speck selbstverständlich), jungen Genlüsen und fleuten Bällchen, die aus dem gewiegten Fleisch der Hühnerlebern, Herzen und Mägen bestand. Eine winzige Spitze Knoblauch war auch daran, die man mit der Rase kaum wahrnahnt. Und nun sollte itorii ein Schuß Werterer hinzu „So." sagte Jose Maria, und nahm die Hühner vom Feuer. Meisje mußte sie in kleine Stücke schneiden und in den anderen Kessel tun. „Eine halbe Stunde noch lasse uran das Ganze schmoren," sagte er feierlich und kostete die Sauce. In dicsern Angenblick trat ein Gast in die Schenke, der von dem Herdfener nur unsicher und zuckend beleuchtet war. Josö Maria blinzelte in die Dunkelheit und plötzlich erkannte er Jan. Er ließ den Lössel fallen und breitete die Arme aus: ,Aerzensjirirge! Jan? Benedicamos Domini! Er ist da!" Jan bleich, und mit beschmutzten Kleidern, trat näher und sagte mit bitterer Stimme, ohne die ansgebreiteten Arme zu beachten: „Ah, man ergötzt sich hier, man läßt sich's wohl sein, meiner Treu! Indes unsereiner die Kugeln um sich pfeifen hört, mit Mehlbrei erstick! mabeu und dann gebangt werden soll. Und in beu Wäldern schläft wie ein wildes Tier, jawohl. Und verraten wird von denen, die er geliebt hat, für die er sich in Rot und Gefahr begeben hat. Verleugnet und verraten! Meint Ihr, das sei »licht »nöglich. ehrwürdiger Herr, wo Ihr doch im Begriffe steht. zum .Festschmaus Euch zu setzen, während Euer Gutgesell schon ans dem Schindanger faulen würde, wenn Gott und die vierzehn Rothelser ihn» nicht beigestanden??" „Eine lange Rede, eine verteufelte Rede. Jan. Trink ein wenig von diesein guten Weißwein aus Soissons, damit dein Kops klarer wird." Und er reichte ihm eine behäbige Kanne, die Jan an den Mund setzte und nicht eher losließ, bis der töstliche Strom versiegt war. Dann tief; er sich auf die Bank fallen, streckte die Beine ans und seuszte sich eine Last von der Seele. Indessen setzte Meisje die Schüssel auf den Tisch und Jans Rasenflügel begänne» 311 zittern. Langsam richtete er sich auf und hob den Deckel ein wenig. „Was habt ihr da?" „Da es nun lvirklich ein Festschmaus wird," sagte Joss Maria und band die Schürze ab, „so wollen wir das Geücht 146 — Ragout Gaiiit-Jeail nennen. Im übrigen ist es ein Essen für einen Kardinal." Und sie setztm sich zu dritt an den Tisch, und es wurde eine zwar stninme, aber desto innigere Feier. * „Und welches sind nun deine Pläne, Jan," fragte der Abb6, nachdem Jan ihm seine Geschichte erzählt hatte. „Pläne?" machte Jan: „nun einen'Wunsch habe ich: den falschen Weibern meine Verachtung ins Gesicht zu sagen. Dazu muß ich nach Paris. Morgen schon.". „O Jan, wie sehr beklage ich, daß ich dich lebensfremden Jüngling in die große Well geleitet habe! Du bist ein Kind, das sich zu Unrechter Stunde von den Rocken der Frau Josepha losgerissen hat. Bleib sitzen, Feuerkopf. Bist du denn sicher, daß Ehren dein Richter dichnicht angelogen hat? Und wenn er die Wahrheit sprach, was lvirfst du den Kindern Untreu und Verrat vor. Hätten sie sich zu dir bekannt, würde inan ihnen dann nicht bös zugesetzt haben? Und wenn sie um den Preis der Lossage von dir sich frei machten, bist du wirklich so wenig ritterlich, daß du ihnen das Opfer deiner selbst nicht bringen würdest — ? Meiche, ineine Freundin, er bleibt ein Bauer, er wird mich fressen, aber sei's drum." Jan sah ihn verdiitzt an, dann ivurde er brennend rot. Es blieb eine lange Stille. Dann fuhr er sich durch diel Haare und sagte: „Das ist also erledigt. — Ich danke dir. — Aber nun will ich trotzdem nach Paris. Wieder gut machen, was ich in Gedenken an ihnen gesündigt. Ob sie verheiratet oder eingekerkert oder gar geköpft werden — ist alles eins. Ich gehe geradewegs in den Rachen des großen Fischs hinein und rette sie. Gelobt, geschworen und kein Wort dagegen." Und wie zur Bekräftigung nahm er einen langen Schluck. „Heilige Mutter-gottes von Kevelaer," ries Meisje, „steh den armen Kindern bei. Wenil Ihr sie habt, Herr Jan, dann bringt sie hierher. Es soll ihnen nichts abgehen. Ich habe da oben zwei schöne Stuben; weiin man sich ein wenig aus dem Fenster lehnt, kann man den grooten Lambert sehen. — Und welche von beiden wollt Ihr heiraten?" Jan zwinkerte mit den Augen und rieb sich die Hände; und es war schon wieder der alte Jan, der jetzt sagte: „Ich will in Durantes Hände fallen, wenn es mir nicht schon leid geworden ist, seitdem ich Euch gesehen habe." Meisje wurde rot und stand auf, um eine frische Kanne zu holen. * „Trinkt, Herr Jan, das ist besser als häßliche Reden fithren." % Inzwischen hatte sich die Schenke mit Gästen gefüllt. Jetzt traten zwei Dragoner herein, von denen einer, ein dicker, grauhaariger Mann mit rotem Gesicht, ein Wachtmeister war. „Es sind Werber," raunte Jose Maria Jan zu. „Antworte nie: ja, ivenn sic dich etwas fragen." „Also: nein?" „Das ist besser." „Liegen denn in Lüttich Soldaten in Quartier?" Der Wachtmeister, der die Frage gehört h«rtte, trat heran: ' „Wackere Soldaten," rief er,> „will ich meinen. Die besten Regimenter. Sturmius-Dragoner — Satanskerle, sag ich Eiich. Wir gehören zum Regiment." ^ . "A"" sieht Euch die Tapferkeit an, Gesicht an," sagte Jofe Maria. ö .,Wenn die Herren nicht inkommodiert sind — ?" meinte der Wachtmeister und setzte sich zu ihnen. „Man sieht's uns an Wahrhaftig, Herr Abbö. Meint Ihr nicht auch?" fragte Jan glotzte ihn an und sagte dann: „Rein." >„Hoh! Galgen und Prosoß! Habt Ihr nicht bessere Meinung von uns?" " „Rein," saate Jan und glotzte. „Jungfer Meisje: einen Krug, Burgunder. Ter König von Spanien zahlt alles!", und er schlug sich auf seine Hose darin es klingelte. * ' ' -recht" Trin?t mst " e * n ^"goner, „der Wachtmeister hat Jan iiahm uiid trank. „Ja, ja," sagte der Wachtmeister, „den spanischen Soldaten geht nichts ab. Und immer tm Feld voran und ta* mit bei der Beute. Ich sage euch, jeder Dragoner könnte sich schon ein Bauerngut kaufen, aber sie mögen nicht hinter dem Pfluge gehen. Und Weiber haben wir, iinmcr frisch, lästern sind wieder zwei venezianische Kurtisanen ins Lager gekommen. Ihr habt doch die Weiber gern?" „Rein", sagte Jan. „Ha, der Appetit »vird schon kommen." „Ich bin ztvar qii den Umgang mit KriegSmännern gewöhnt," sagte der Mb« und strich seine Soutane gliUt, „aber ich bitte Euch, schont die Ohren dieses Knaben. Im übrigen hat er eine Braut." „Was Braut?" schrie der Wachtmeister uitb schlug auf den Tisch. „Spanischer Majestät Dragoner haben nur eine ^Brant: die Muskete." „Dieser Jüngling ist kein Dragoner." „Wird's! Wird's! So wahr ich mit dem tollen Christian bei Höchst die Klinge gekreuzt , habe! Dragoner! Tags die Muskete im Arme; wie sie heiß wird und Feuer atmet! Und nachts die Dirne im Arm, und morgens, lunm die Trompeter „Aufsitzen" blasen, kein Lebewohl!" „Und wohin gehl's, wenn Ihr reden dürft?" „Wohitt, ehrwürdiger Herr?' ' Und schnauben erst die Rösser Und brennen erst die Schlösser An der Schelde oder am Rhein — Es muß geritten sein!- Um ernsthaft zu sprechen, wir wissen nie, wohin es geht. Hatte gestern aus dem Rathaus die Wache. Ging die Rede, es sollte bald für den Franzos gesattelt werden." „Rach Frankreich?" ries Jan, „nach Paris?" „Rach Paris? Kann leicht sein! Hast du Lust, milzn- reiten?" ' * „Rein," sagte Jan, aber er brütete. „Verflucht dein Jungsernwein! Trink dir Courage, Bursch, Meisje! Die Kanne ist leer. Spanische Majestät bezahlt!" „Trink nicht so viel, Jan," sagte Joss Maria. „Herr Ltbbs", schrie der Wachtmeister und rollte die Bürgen, „lch weiß nicht, ob Ihr ein Recht habt, dem Burschen den Wein zu verbieten, aber wenn er Euch nichts angeht, dann möchte ich gerade heraus sagen: Laßt ihm sein Vergnügen." „Und ich niöchte Euch geradeheraus sagen, daß auch Ihr besser tätet, nicht so viel zu trinken, denn es steht grauem Haare schlecht an, aus einem Kopf zu wachsen, den der Wein verwirrt!" Der Alte schlug wie rasend mit den Fäusten auf den Trsch. Ich würde Euch sordern. Aber Ihr seid geistlich, und ich kann Euch nicht töten." „Rein, das könnt Ihr wahrlich nicht," sagte J,os6 Maria und lächelte niederträchtig. „Im übrigen scheint mir, daß Ihr weniger ein Wachtmeister seid als ein Paukenschläger. Mer Ihr irrt, dieser Eichentisch ist kein Kalbfell." Allerdings war Jose Maria wütend. Denn er sah Jan vor sich hiiistieren und an den Lippen nagen. Erriet er seine Gedanken? Daß er hier wieder mit den Sturmius- Dragonern zusaniinentras, die ihm in Köln.zuerst die Courage ins Herz trompete! hatten und die vielleicht jetzt nach Frankreich zogen, wo Griet saß und Marie-Anne saß, deren Schicksal ungewiß war. (Fortsetzung folgt.) Ein Länger der Vaterlandsliebe und de§ Preußentums. (-Zum 200. Geburtstage Ewalds von Kleist, den 7. März.) Von Tr. Paul Landau. tinuocrwuno nes veer, mit dein Tod und Verderben In Legionen Feinde dringt, Um das der frohe Sieg die güld'nen Flügel schwingt, O Heer, bereit zum liegen oder Sterben? -Sieh Feinde, deren Last die Hügel fast versinken, Ten Erdkreis beben macht, Zieh'« gegen Dich und droh'n mit Qual und etv'ger Nacht, Das Wasser fehlt, wo ihre Rosse trinken. tr«bt riiedcrträch'ge Scharen m* Dkstund >Lüd herauf 147 Und Nordens Höhlen spein, so wie des Osts, Barbaren Und Ungeheu'r, Dich zu verschlingen aus. Och W)\ ich sehe schon — freut Euch, o Preußens Freunde Tic Tage Deines Ruhms sich nah'n. Nngewirtern zieh'n die Wilden stolz heran: Toch Friedrich winket Dir — wo sind sie nun, die Feinde? Ist das ein Gedicht aus unfern Tagen? Wann hätte je schon vorher ein Deutscher so gesungen, so singen dürfen? Mit gutem Recht hat man gesagt, daß Deutschland sich heute „in der Lage Friedrichs des Großen" bcfiirde, und Strophen aus dem 7jährigen Kriege sind cs auch, „das beste -Kriegsliü» der ftiederiziani scheu Zeit 'c Ewald von Kleists „Ode an »die preußische Armee". Wenn wir in diesen gewaltigen Tagen, inchenen die Gegenwart uns ganz gefangen nimmt, eines vor zwei Jahrhunderten geborenen, fast vergessenen Dichters gedenken, so muß sein Wesen und Werk iu unsre Stimmung Hineinpassen, und das ist bei der Persönlichkeit und Dichtung Kleists in hohem Maße der Fall. Der preußische Major, der bei Kunersdorf den Heldentod starb, ist der eigentliche Sänger der Heldentaten Friedrichs, so wie Körner der der Befreiungskriege und wie Liliencron der von 1670. Auch bei ihm sind Leben und Dichten unaushörlick) verknüpft, und diese Weihe des tiefsten Gefühls, diese innere Wahrheit hebt seine Verse über die von ihm angeregten, so prächtig nachempfundenen Grenadierlieder des Kanonikus Gleim. Wie Körner und Liliencron ist er durch den Krieg erst eigentlich zum Künstler geworden. Alles, was er vor diesem großen Erlebnis geschaffen, ist zwar begabt, aber matt, tändelnd undnnversönlich: selbst fern viel gerühmter „Frühling", der lange für das Muster eines beschreibenden Gedichtes galt, ist ein Stubcngewächs und trotz vieler feiner Bilder und anschaulicher Züge ohne rechtes Leben. Im zweiten schlesischen Krieg<. in den: er an keiner der großen ruhmreichen Schlachten teilmymen durfte, hatte er nur die Kehrseiten des Waffen handiverks, die Greuel und Entbehrungen, kennen gelernt. Seine weich-e empfindsame Seele flüchtete sich deshalb zur friedlichen Jdyllik, und sckiauderird stellt er einmal eine Schlachtszene als furchtbares Gegenstück dem Bilde eines ländlich-stillen Glücks gegenüber. Erst die Feuerprobe des preußischen Staates, der 7jährige Krieg, entlockt dieser träumenden und innerlich grübelnden Seele Töne nrännlichster Kraft und heroischer Erhabenheit, hämmert das empfindsame Herz stahlhart, und von dem treuen Freunde Lessing beraten, führt er nun das Morgenrot einer nationalen patriotischen Dichtung herauf, wird zum ersten Ber- Arrlicher einer preußischen Vaterlandsliebe und gibt zugleich die Anregung zur „wahrsten Ausgeburt des siebenjährigen Krieges", wie Goethe Lessings „Minna von Barnhelnr" genannt hat. Als Mttlchöpser des deutschen Patriotismus und als Urbild des Tellheim wird uns Ewald von Kleist stets teuer bleiben als -Sänger und Held wie als Jdealgestalt des preußischen Offiziers. Wie Tellheim fühlte auch er sich vor allem als Soldat. Er glüht vor Kampsbegier und empfindet als sein größtes Unglück, baß er mcht vor den Feind kommt. „Ich wünsche nichts mehr'," schreibt er an Gleim, „als nur einmal mit 200 Mann komman- mert zu fein und dann von 2000 Oesterreichern aufgegriffen zu werden^: wenn ich mich ergebe, so möchte mich immer der König junt Schelme machen lassen." Voll Ingrimm nimmt er seine Versetzung aus seinem altpreußischen Regiment in ein neues, aus den besiegten Sachsen gebildetes auf. das ihn zum. Drill und Gamaschendienst verurteilt: „Huirdert andern wäre eine Veränderung, wie die meinige ist, gedient gewesen. und die müssen int Felde bleiben, und ich. dessen größte Glückseligkeit es gewesen wäre, dann zu bleiben, ich muß heraus und hinter die Mauer, Es will mir in gar nichts glücken." Ein andermal heißt es: „Ich habe so viel Ehre wie alle die Kerls, die besser geachtet werden als ich, und niuß hinter der Mauer sitzen." Aber alle Nngerechttgkett und aller Tort können ihn nicht einen Angen^ bnck wankend machen m seiner begeisterten Liebe zu seinein großen König, den er für einen „inkomparableu General" erklärt und der eben Wichtigeres zu bedenken hat als dos Wohl des Ein- '-"eben derbem Humor und stolzem Heldentum steht bei ihm wie bei Tellheim eine zarte, weiche, fast schivärmerische Empfindung. Das melancholische Nachgesübl einer unglücklichen Liebe, — zu jener Wilhelm ine von der Goltz, der Minna ihren Vornamen verdankt, — verschleiert seine Visionen und gaukelt ihm das verlorene Liebesglück in fchäscrlich elegischen Versen vor. Ein Zwiespalt zwischen Berus und Neigung ist in dem eintönigen, im gletchnräßigen Ablauf täglich sich wiederholenden Garnison- leven. m dem durch die vielen Soldaten zu einer einzigen Kaserne umgewaitdelten Potsdam quälend hervor. „Potsdam ist für mein /melancholisches Temperament zu traurig." meint er. „ich kann es nicht darin aushaltcn". Er sinnt beständig auf Reisen, die Mn "st als Hauptmann in Werbegeschäften bis in die Schweiz und zu den Vorkämpfern der neuen Dichtung führten: er eilt oft ohne Urlaub nach Berlin, wo ihn die literarischen Kreise an- Lseyeil. „Unter den Offizieren ist es eine Schande. Dichter zu au ft €r ‘ ??d feilte Tollkühnheit in dem Kriege ist durch Sr 11 ! ** r ?4 t ** Worden, als sogenannter Schöngeist seine mWMr * K ^. n rohen Draufgängertums zu sichern. Wohl hat er über fernem Mttwn einmal vergessen. di« Wache ab- zulöftn, aber aenwwlltch ivar er eisern streng im- Dienst. Erholung fw thin ein ftöhi -cher Rru durch die Umgebung Potsdams: mit N»n Fuß „fühlt er sich schon m Steigbügel", auch beim Dichten. Aus solchen keckeil und doch nachdenksamen Ausftügen ist sein „Frichlmg" geboren worden. Mer auch durch die lieblichen Bilder des Naturgedichts klingt der dunkle Mollton einer unbefriedigten, nach Taten durstigen Seele, die riefe Sehnsucht nach kühnem Fechten und schönem! Sterben. Den hellen Klang der Große und des Sieges fand er erst, als die gwßc Stunde des Kammes schlug. Prophetisch rief er damals ans: Auch ich, ich werde noch — vergönn es mir, o Himmel! — Einher vor wenig Helden zieh». Ich seh' dich, stolzer Feind, den kleinen Häufelt flich'n. Und ftnd' Ehr' oder Tod inr rasenden Getümmel. . . Todesahnungen hatten deit melancholischen Krieger schon oft betallen. Früh begegnen lvir in seinen Briefen Ausrufen tvie dem schmerzlichen: „Warum müssen doch die sterben, die gerne leben daß sie leben, und warum sterben die nicht, deren 2^’-^ Iöd Tod wäre!" Seine Phantasie „vermählt sich im- dem Kirchhof .und so wachst ferne Gestatt zu einem todes- mrklärtcn Blutzeugen des preußischen Heldenruhmes einpör. Die Freundlchait nnt Lessing, ein echt antiker Bimd gegenseitiger Hingabe und Verehrung, läßt diesen letzten Jahren erst die dichterische Reise erbluhen. Von der gefühlvoll zerfließerrden, mit Rede- schmuck und schnorgligen Arabesken des Stils überreich verzierten Wortmaleret schreitet er über eine Periode knapper Epigrammen- kunst zu crner Prunklos schlichten, nach ernster starrer Größe ringcn- v ü nr # l u ^ n , cmj Preußisch^römischen Hcldenpathos, das, den stärksten Allödruck in Lessings „Philotas" gesunden hat. aber auch wundervoll m Friedrichs j>. Gr. Schriften durch die sran- zos scheu Satze tönt, z. B. inr Lehrgedicht vom Kriege. In den letzten Oden, der stolz großartigen „Ode an die preußische Ar- nree .tu dem bitter kraftvollen „Geburtslied". in der männlich religiösen „Hymne", die er, durch die frommen Lieder seiner Grenadiere auf dem Marsche gerührt, weinend auf seinem Pferde mitwarf. auch m dem schönen „Irin" har Kleist sein Bestes als Dichter gegeben. Un Glerm schrieb er, was nun seine Seele poe- Inch erregte: ,,E§ muß Großmitt, unglückliche Tugend, wunder- bare Effekte der Vorsehung, Größe der Seele oder sonst viel Rührendes und Erhabenes in der Geschichte sein, sonst ist es mir fad und ich kann es nicht machen. Ich bin das Malerische, Verliebte ,ehr Poetische nsw. überdrüssig." Sein heroischer 4chwa- nengesang war daS Heldenlied „Ciffides und Paches". das den Opsertod zweier makedonischer Krieger bei der Relttlng deS Ba- tnlandes gegen die Athener schildert, ein Preislied aus Freund- schaft und Heldengeist, dessen Szenen hinter dem antifen Kostüm Kriegöerlebmlse der Gegenwart enthalten und dessen Krieger trotz der griechischen Namen Soldaten Friedrichs sind. Tie kalten steifen -Jamben dieses Gedichtes haben doch ihren feinen, innerlich Klebten Zertstil, den .eines etwa zopfigen KlassiziSnuts. der bet Mer Befangenheit und unbewegten Plastik glüht und wirkt nt einer echten, heiligen Sttmmuirg, in einer monumentalcn Formenstrenge. „Der König lvar ifnr zu groß:" ihn konnte er nicht stngen, aber den Geist der „Potsdamer Wachtvarade" hat er ge- ftlngen und zugleich sein eigenes Sterbclied. In dem surckstbaren Kanrps von Kunersdorf empfing er da, Todesstteich. nEent er mit unvergleichlicher Bravour gekämpft und 15 Verwundungen erhalten lütte. Die schönen Schlußworte seines Epos waren in Erfüllung gegangen: „Ihr Krieger, die ihr meiner Helden Grab in später Zeit nodt seht, streut Rosen drauf und pflanzt umher von Lorbeern einen Wald. Der Tod für's Vaterland ist ewiger Verehrung wert. — Wie gern’ sterb' ich ihn auch, den edlen Tvd, wenn meut Verhängnis ruft! cr> über Tod unb Grab hinaus hat diese nach einem schönen Wort Goethes „gleichsam selig gesprochene beuffdK Dichtergeftalt" noch stärkend und besnlchtend ans den deutschen Geist gewirkt. Man hat jetzt wieder daran erinnert, daß die Geburt des u