Isn von Merth. Roman aus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.) A (Fortsetzung.) Jan hatte kaum Zeit, sich Ln dem guten roten Wein ein wenig Mut zu trinken, da holte man ihn. In einem Saal stellte man ihn in eine Erke. Zwei Musketiere standen an der weißen Flügeltür. Zwei andere gingen auf und ab, die Muskete auf der Schulter. Eine lange Tafel in der Mitte stand unbenutzt. Nur an einem kleinen Tischchen saß ein Alter in einem schwarzen, abgetragenen Rocke und schnitt mit zärtlicher Sorgfalt Federn. Er trug eine große Hornbrille mit kreisrunden Gläsern, über die er zuweilen nach Jan sah. Dent begann das Herz zu klopfen. Aber welche seltsamen Grün,Massen machte der Alte da? Er zog bedauernd sein Gesicht lang und schüttelte den Kopf, indem er aus dem Fenster sah., Jan folgte seinem Blick, aber da war nur der weite Himmel zu sehen. Dann nahm er die Brille ab und rang die Hände, indem er seufzte. Und Plötzlich sah er Jan starr an, nickte ihm traurig zu und zog mit dem rechten Zeige!- finger einen Kreis um seinen .Hals, deutete an die Decke und verdrehte die Augen. Darauf schüttelte er wieder den Kopf und nahm eine frische Feder vor. Jan überlief ein Granen. Träumte er hier? Sah er mit offenen Augen Spuk? Vor der Flügeltür wurden Stimmen laut. Die Musketiere standen attention und der Schreiber fuhr von seinem Stuhl empor wie eine Rakete. Herein traten zwei würdige .Herren, die mit lebhaften Handbeloegungen miteinander sprachen. Jan spitzte die Ohren. „Der Kaiser —! Verlangt euch so sehr nach des Herrn Kardinals Ungnade? Was kümmert uns der Kaiser und sein Anspruch? Frankreich ist überall da, wohin seine Hand relcht, bedenkt's. Nach Verdun sagt Ihr? Damit der.Herr- Bischof, »an dem der Herr Kardinal einen sauberen Freund hat, ihn laufen läßt? Nein, Liebden Herr Retz, kurzerhand Rekurs: Eminentissimus: ergriffen — gehört — geurteilt —- gehängt. Sela." , . c * üar üblich, als ob er einen handlichen Stein rn der Kehle hätte. Er räusperte sich gewaltig. Die beiden Herren setzten sich an die Tafel nieder und der Sprecher von vorhin warf ihm den Anruf ins Gesicht: „Jnkulpat!" Jan strich seinen Schnurrbart zurecht. „Sein Name?" „Jan." „Hat er keinen anderen Namen?" „Jan von Werth." „Von Werth. Also seid Ihr von Adel?" Wenn du cs wünschst? dachte Jan und sagte: „Mit Gottes Hilfe." „Woher stammt Ihr?" „Aus dem Jülich'schen." . . "So, aus dem Jülich'schen," es klang teufelsmäßig spöttisch. „Habt Ihr Besitzungen? Plaudert ein wenig von Eurem Leben. Ihr wart in Köln, uran hat Euch gesehen. tr^bt Ihr dort? Ihr sollt Schenkknecht gewesen sein; wre Ihr -„geben müßt, eine wenig ehrenvolle Tätigkeit für einen Kavalier. Wer war der geistliche Herr bei Euch. Sprecht, mein Herr." Diesen kitzligen Fragen gegenüber wußte Jan nichts werter zu tun als verlegen zu schweigen. „Nun, mein Herr? Ihr liebt das Plaudern nicht?" „O gewiß," sagte Jan und erwachte, „ich liebe nichts so sehr als das Plaudern, aber nur mit ausgestreckten Beinen am Kamin und guten Wein dabei." „Kavaliermäßig, konzediert." „Nicht wahr? Mein Vater, dem ich das Paradies gönne, sagte immer, Jan, wenn ich nicht wüßte, daß deine Mutter eine ehrbare Frau gewesen, so wollte ich schwören, sie hätte einen Kavalier wohlgefällig angeblickt." Die .Herren lachten geroaltig. ! „Also daher schreibt^sich Euer Adel? Mir scheint, er Ifi mit Euch ein wenig von der Bank gefallen. Euer Adel." Daß er sich verredet hatte und daß man ihn höhnte^ wachte Jan wütend. Sein Mund zuckte ein paarmal unS ließ die Zähne sehen, wie bei einem bissigen .Hund. .„Verdamm mich Gott, wenn ich meine Eltern ver^ leugne. Herr, ich habe in meinem jungen Leben viel schurr kische Edellente gesehen, aber keinen schurkischen Bauern. Und lvenn ich zu wählen habe, dann stamme ich lieber von Bauern ab. Bon deutschen Bauern, um deutlich zu sprechen." „Mso vom Misthaufen gesprungen —" „Ja, vom Misthaufen gesprungen, eines Tages, als mir schien, als sei hinter dem .Horizont auch noch Welt. Ich glaubte, mein Fortun zu sehen, das mir winkte. Küh hüten konnte ich, jetzt wollte ich mehr lernen." „Ah, und triebst dich landfahrend herum, wurdest Schenkknecht und ließest dich, von Gott roeiß wem, für zioci Dukaten dingen, um harmlose Reisende anzufallen! — Straßenraub. Galgen." Jan stampfte auf. l,,Jch bin kein Straßenräuber. Ein halbes Kind, Herr, denl man die Eltern gemordet, sollte weggesckleppt iverden, vielleicht zu gleichem Los. Da ein Kavalier sie in der Gewalt hatte, mußte ein Bauer sie befreien." „Mso verliebt bist du? Gar in die junge Gräfin? und die Herren lachten. „Warum nicht?" sagte Jan und strich sich den Bart. „Mein Vater wußte einen alten Vers: Die Liebe fällt wie der Wind sie weht, Auf den Misthaufen oder das Rosenbeet, —r — 142 Wißt Ihr etwas dagegen zu sagen?" Jetzt wurde daS Gelächter noch lauter, lind selbst Jan glaubte, die Sache würde gütlich ablaufcn. Deshalb fragte er: .„Beantwortet, ich bitte Euch, eine Frage: sind die Fräuleins in guten Händen- Sind sie noch hier? Was geschieht mit ihnen?" „Die Fräuleins? Um die sorge dich nicht, um so we. Niger als sie von dir nichts wissen wollen. Sie haben jede Verbindung mit dir und deinem schwarzrockigen Gesellen abgeleugnet. Wie vorauszusehen war. Also bleibt der nackte Straßenraub, die Entführung und der Mord, ein doppelter Mord vielleicht. Aber du sollst einen Geistlichen haben, ehe du hängst. —■ Schreibt, Herr Retz: Jean soi disant de Werth. . ." Jan hörte nichts mehr. Griet hatte ihn verleugnet? Marie-Anne hatte ihn verleugnet? Ihn, der ihretwegen den blauen Hecht verlassen, Frau Josepha und das sichere Köln- Vielleicht hatte auch Josv Maria ihn verleugnet, ihn, der auf glühendem Rost noch zu seinen Freunden sich bekannt S ätte! Hängen wollte man ihn? Weil er nach einer guten. at gegriffen, wie ein Knabe nach einem Apfel am fremden Baum- Hängen? „Herren, ein ^köort," rief er und stürzte sich gegen den Tisch, hinter dem die drei erschreckt hochfuhren. „Sat est! Finitus est! Schafft ihn fort!" Er ließ sich willenlos absühren. In seinem Gefängnis stand er blaß und gebrochen, mit Hangenden Armen, stundenlang. Die zweite Nacht seiner Gefangenschaft kam. Jan erwachte langsam wieder zum Leben. Er trat zum Fenster. Aber der Mond, der ihm gestern so gütig das Land in Verklärung gezeigt hatte, wollte nicht kommen. Mer plötzlich hörte er — hach, eine Trompetensanfare, irgendwo, fern, fern in der Nacht. Vielleicht zogen französische Völker heran, oder spanische. Noch einmal: die Fanfare. Er lies ihm den Rücken herunter und kribbelte ihm in den Kniekehlen, dieser wackere Ruf. Als wenn ein langer Blitz plötzlich eine lveite nächtliche Landschaft erhellt, so zeigte ihm diese Fanfare ziel>enden Heerestrab, ungeheure samtdunkle Rohre, die auf breiten, eisenbeschlagenen Rädern rumpel- ten, Eisenhauben. Piken, Degen, Musketen, Standarten — ein stolzes Durcheinander von tödlichem Kriegsgerät. Und weiter: Feuer in der Nacht, von Pulverqualm halb erstickt, rasende, rasselnde Riesenmassen Reiterei. Fußvolk verbissen ineinander, und die Trompeten, die Trompeten schrien! Da sprang ein eiserner Wille in Jans Fäuste. Verrecken am Hochgericht, wo rings die Trommel ging und die Mutigen lockte- Aus dem Schindanger eingescharrt werden, statt vor dem Feinde, Kamerad links, Kamerad rechts und die gesenkten Fahnen rauschten über sie? Am jüngsten Tag aus Pferds- und Rindsgebeinen sich herauswuhlen, anstatt kreudig ausstehen: guten Morgen, Kamerad? Er wrang hoch. Den Schemel her. Die Fäuste ins Eisen- gitter, die Zähne verbissen, daß die Backenmnskeln zu zer- platzen drohten und: Ruck! da siel er hinterrücks, aber das Mitten in den verkrampften Fäusten. Es polterte. Jetzt komme "ur /iner! Ick, schlag sie zusammen mit diesem Schmachgerat. Niemand kommt? 1 wischte er sich den Schweiß von der Stirne. r i -rx £ e, \ au * ^cm Fenster. Stücker zwölf rheinische Schuhe, just so viel wie aus seines Vaters Bodenfenster. , Er lachte: ist nicht das erstemal und sprang. Sprana ins Rutschen, den steilen H^ng hinab, auf dem die Mauer stand. Tann war'er wieder hoch. Und ohne sich umzusehen, lief er davon, erst der Landstraße entlang über den verwünschten Bach -war und dann geradewegs in den Wald. \ r«,Dw!o 2 ämn,e !' t ':, ,a . ln “ an eine Wotdhütte. Ein Mann Hunde^ ^ aben ou f' ^"ter dein Gatter heulten wütend die „Wem dienst du, Freund?" fragte er. 7,Dem Herrn von Luxemburg." 7,Gott sei Dank," stieß Jan heraus und hob die Arme. ■V 4. Kapitel.. m oii aSrebn. b«s Dragoners von Breda kannte jeder- mann in Link; in Luik ja, denn lvas ein richtiger Vläme i fr , n l n l’, U l f " fl tlie6le8 ‘ Kütttch recht den Spaniern »nm Tort S» 1 f Der Dragoner von Breda dies, eigentlich Benediktus Drommeloc, aber Namenspatron wenig Ehre, er machte feinem heiligen eher fernem Vatersnamen Drommeloe, welches, wie man zugeben muß, ein hübscher Name für einen Kriegsmann ist. Benediktils hatte lange Jahre unter dem Grafen Moritz gedient und war ein so guter Dragoner wie nur einer, berühmt vor allen wegen der Streiche, die er vollfijhrte, und wegen der Liebe zum guten Wein. Als schon der Herzog von Parma, achtundachtzig, Bergen belagerte, siel Benediktus mit einem Strciskorps in Luik ein und die guten Bürger schleppten ihn in die Schenke zum Ginsterkranz, die gleich am Sankt Lambertsmarkt in einein spaltbreiten Gäßchen lag und die wegen ihres guten französischen Weins und ihres Genevers bekannt war. Wie so die Rede auf die Gefahren kam, die Benediktus schon ans- gestanden, verschwor er sich einmal, so durstig gewesen zu (eilt, daß er seinen Reiterstiesel voll Maaswasser in einem Biegen ausgetrunken habe. Es gab Ungläubige: acht Amsterdamer Maß könnte kein Mensch heruntertrinken. „Acht?" sagte Benediktus, „mein Schutzpatron soll mich holen, wenn nicht zehn Maß in meinen Stiefel gehen." Es wurde eine Wette geschlossen, man wollte den Stiesel mit Wein füllen und wenn zehn Maß hineiugingen, sollten die Bürger sie bezahlen, acht Maß aber sollte Benediktus ans einen Sitz austrinken. Es waren nur acht Maß und Benediktus trank sie ans. Mer ehe er von der Bank siel, lallte er noch: Wia schade, daß nicht zehn Maß hineingingen. Dieser Dragoner heiratete später, als er invalid wurde, die Wirtin zum Ginsterkranz, eine ehrwürdige Dame von fünfzig Jahren, mit der er aber noch eine Tochter zeugten Mersje Drommeloe. Er taufte den Ginsterkranz nun „Zum Dragoner von Breda" und hängte seinen Reiterstiesel ins Wirtshansschild. Als er älter wurde, behauptete er, sein Magen verengere sich, und er trank fortan nur noch Genever. Er trank in all den Jahren so viel Genever, daß sein Leib kein Leib vou Fleisch und Bein mehr war, sondern ein Schwamm, der sich mit Geneoer voll gesogen hatte. Und das war so die Ursache, weshalb er nach seinem« Tode noch! zwölf Spanier in die Flucht schlug. Als Luik wieder einmal' belagert wurde, schossen die Spanier so viel Kugeln in die Stadt, daß niemand sich mehr aus die Gasse wagte. Als Benedlktus 511 dieser Zeit starb, legten seine Witwe und ne Gaste ihn in eine große Kiste, nagelten sie zu und trugew ie ln beit Keller. So schlief der Dragoner von Breda schon uns Monat im Keller, als endlich die Stadt siel und die Spanier enidrangen. So ein Dutzend drang auch in Drom- meloes .Haus, kam in den Keller und fand die Kiste. Da sie Kostbarkeiten darin vermuteten, brachen sie dieselbe aus und fanden Benediktus, der einen lieblichen Wohlgeruch nach Genever verbreitete. Indem nun einige den alteil Dragoner aus seiner Kiste nahmen und an die Wand stellten, denn sie hielteu das Garize für eine List und glaubten Schätze in der Klste zu finden, meinten andere, Benediktus sei gar nicht tot Indern nur pumvenvoll betrunken. Ein Frechling schlug Feuer und hielt dem ehrlichen Dragoner den glühenden schwamm unter die Nase. Mer da begann Benediktus blaue Flammen aus beit Nasenlöchern zu blasen und aus dem Mund schlug eine blaue Flamine, so daß die Plünderer in ihrer Angst sortzulanfen begannen, wobei einer Bene- dtktus anstieß, der nun slammenspeiend mit großer Wucht aus die anderen Plünderer stürzte, die, gebeugt über die Mste, noch nach Goldgulden und Karotins suchten Ihre entsetzte Flucht war von wildem, wahnwitzigen Geschrei begleitet, wie es sich denken läßt. Benediktils aber brannte m,t schöner, blauer, ruhiger Flamme zu Ende, und es blieb nichts von ihm ubria, wie ein wenig Asche, die seine Witwe sammeln und ans dem Lambertuskirchhof bestatten tiep. (Fortsetzung folgt.) vir rosa Zamllie. -Eine heitere Kriegsepisode von E. Fahrow (Berlin) SAN- - M - „Na, so laß sie doch rein, die Alte." gebrach/" *** nwW.>hr erster Gang galt dem Schweinestall, wo inzwischen die Magd einen strengen Befehl ihres Herrn auögestihrt hatte. Mein Marjettckren will ich haben!" zeterte die Klameiten, „und die Ferkel dazu. Und mein Pony will rch haben urtd niein Hündchen, inein liebes — roo sürd die Ferkel, du alter Satan?" Diese liebliche Anrede galt der Magd, die hämisch lächelnd die Bucht aufschloß. wo die rosa Mama mit drei Sprößlingen grunzte. Luise Klameit aber mochte schreien und heulen, so viel sie wollte, sie bekam nur drei von den rosa Kindern. iDas gelbe Pferdchen war rund und fett geworden, und der kleine Hund wollte sich gar nicht von der Mamsell trennen, die ihn so gut verpflegt hatte. Aus der Freitreppe stand Herr von Plorkitten und wartete, was nun noch kommen werde. Es kam aber nicht einmal ein Wort des Dankes von der enttäuschten Alten. Schimpfen durfte sie auch nicht, denn man wußte, daß der gnädige Herr auch zuweilen sehr ungnädig werden konnte. Als sie aber schon am Hoftor angekommen war, rief er sie noch einmal zurück und beschloß, ein salomonisches Urteil zu erlassen. „Klameiten," sprach er leise zu ihr, da sie die Stufen hinaufgeklettert war und nun, halb wutschnaubend und halb angstbebend vor ihm stand, „ich will Ihnen die Wahl lassen mit dm Ferkeln. Entweder es erfährt niemand von Ihrem niederträchtigen Gelüge, und Sie schenken dann freiwillig sechs von den Ferkeln dem Noten l>tteuz für die Lazarette. Oder Sie weigern sich — dann behalte ich die z e h n Stück, und Sie bekommen nur die drei dort. Außer dem erfährt alle Welt natürlich die Wahrheit." Luise Klameit rechnete fix im Kopf das Geschäft aus und fragte, schon mit hellerer Miene: „Wenn ich die sechs also hinschenke, darf ich mir noch vier nehmen? Sieben für mich und sechs für die Lazarette?" Plorkitten nickte langsam und gewichtig wie der Komtur. „Na ja," sagte Luise, einen schweren Seufzer unterdrückend, „dann soll eS mir ja auch nicht drauf ankommen. Man gibt ja gern was fürs Vaterland." Auf diese Weise entdeckte die Klanreiten ihre Vaterlandsliebe. Die rosa Familie aber ward herzlos auseinandergerissen und wanderte zu sechs Dreizehnteln in die Lazarette. getreten und fuhren als Kennzeichen bett schwarzen Ueberdruckr -Bel iten 8 6, 10, 25 Centime-«. Da- Gleiche ist mit den 6. und 10°Pfenntg-Postkarten geschehen. Tie Türket hat mit als erste« Zeichen dafür, daß sie sich von allein Ausländischen lretmachen will, die fremden Postämter innerhalb ihrer Grenzen geschlossen und aus diesem Anlaß eme Soliderausgabe geschaffen mit einem zweizeilige,i türkischen Aufdruck in arabischen Buchstaben, deffen Uebersetzung lautet: „Aufhebung der Kapitulationen®. Alle dies« RriegSmarken von 1914 und 1916 werden sicherlich einst einen hohen -llert haben imb von den Sammlern estrig gesucht werden. lrrkegrbrlefmarkn. < ^e jeder Sport, hat auch das Briefniarkensaliuneln seine Moden und die neueste große Mode sind die Kriegsbriefmarken. Tie bedeutende Anzahl von neuen Marten, die dem Krieg tbren Uriprung verdanken, hat nicht nur daS lebhafteste Interesse der Sammler erregt, sondern auch ein großer Teil des sonst nicht Brief- inarken saminelnden Publikums ,vill diese Marken haben. In London hat auch bereits eine Ausstellung von KriegSmarken lind -Postkarten ihre Tore geöffnet, und der Sammler erfährt dort zu feinem Erstaunen, daß er sich für die Kriegsmarkeil schon fast ein eigenes Albu,n anschaffen muß. ES gibt schon 153 verschiedene Kriegsmarken, von denen der größere Teil von unseren Feinden ausgegeben ist. 95 Marken koininen aus die Engländer und Fran- zosen; 56 rühren von Teutschen, Oesterreichern und Türken her, 2 von einem neutralen La,ld, Rumänien. Tazit koinmen dann noch besondere Nuancen, ,vle sie durch n,erkwürdjge Jrrtümer und andere zufällige Merkinale geschaffen sind. Die rumänischen 5- niid 10-Bani-Marken mit dein Aufdruck „Tirnbrn de Ajntor" haben den wie es die Aufschrift zeigt, für die in Rumänien durch deu Krieg geschaffene Lage durch ihren Erlös einen Beitrag zu ststten. Auch die beiden in De»ltschland herausgegebencn halboifiztellen Postkarten sind für ivohltätige Zwecke bestimmt. Tie Rote Kreuz-Karte des Deutschen Reiches zeigt auf der Vorderseite die Inschrift: Deutsche Kriegskarte 1914®, ein rotes Kreuz uiid die Worte: „Auf Beiebl S. M. des Kaisers zu Gunsten des Rote,i Kreuzes®. Die Rückseite zeigt das Brustbild des Kaisers und die Worte: „Ich kenne keu.e Parieien mehr, ich kenne ,iur noch Deutsche.« Tie Rote- Krenä'Karte für Bayern trägt den Ausdruck „Kriegskarte 1914, ein "iit der Uelerschrikt: „Zu Gunsten deS Noten Kreuzes«' die Rückseite zeigt daS Bild Königs L.ldwigS III. und als Unter- schrtt d,e Worte: „Viel' Feind', viel Ehr'!« Wie Dr. Kamnitzer m .lieber Land und Meer« auSsührt. hat Oesterreich-llngarn die meisten Wohltatigkeitsmarken ausgegeben. Zu Gunsten deS Roten Kieuzes werden zwei Marken zu 5 und 10 Heller Nennwert mit dem Bildnis deS Kaisers und der Jahreszahl 1914 mit einem Aufschlag von 2 Heller verkauft, der dem Rote>i Kreuz zufällt. Ungarn verdruckte zur Unterstützung von Witwen und Waisen KrieaS- nemuener feine Serie von 1—25 Filler; der Ueberdruck heißt über- lc>;! : „Knegsiurforge. Witwen l,nd Waisen 2 Fillör® und ist für ?ue Marken rot. für die 10-Fillär-Marke grün. Den 5- und ib v-eller-Wertstufen der LandschastSauSgabe Bosnien von 1906 wurde d,e Jahreszahl 1914 lind darunter 7 bezw. 12 Heller tn roter Farbe ausgedruckt. Als .Kriegskarte® hat die bekannte Jubi- kaumstarte von 1908 mit dem Kniebild des Kaisers Franz auf der Borderseue eine stilisierte Kaiserkrone mit der Unterschrift „Viril,™ die Stelle der belgische,i Marken sind bekanntlich die Marken des Deutschen Reiche« zu 3, b, 10, 20 Pfennig Die Küche im Kriege. (Nachdruck dringend erwünscht.) ® onsupp e. 1 kleine oder eine halbe große Salz- -.fr**' 4 Eßlöffel Mehl, IVa Liter Wasser, 1 Essig, Salz, Fett und Mehl werden geschwitzt und das Wasser langsam dazugegossen. Wenn die Suppe gekocht hat, wird die in kleine Würfel geschnittene Gurke hrnemgetan, Salz und Essig an die Stippe gegeben und ab- geschmeckt. Kartofselklöße der verschiedensten Art und ebenso die verschiedensten Kartoffelsalate vervollständigen drese Kartosselgerichte. Einen besonders tvoh-lschmeckenden Kartoffelsalat erhält man von gleichen Teilen Kartoffeln, klern geschnittenen Aepfeln und in Würfel geschnittenen Salzgurken. Dies dann als Salat angenracht. vüchertisch. .. , ^ Die Kunst. Unbeirrt durch den Krieg und die durch diesen verursachten Hindernis,e und Unzuträglichkeiten er,cheinen — -unr größten Erstaunen de« Auslandes - die d e u t s ch e n Kunst- zeitschrlftcn ungestört weiter. Auch „Die K u n st«, MonatSdeste für freie und angewandte Kunst (München, F. Brückmann» stellt sich regelmäßig gegen Ende deS MonatS ein und überrascht unS durch Ihre von Friedenszeiten her gewohnte Fülle, Reichhaltigkeit und unverändert glänzende Ausstattung. DaS soeben herauS- aegebene Märzheft enthalt einen reich illustrierten Aufsatz über dt« Neuerwerbungen der Düsseldorfer Galerie mit einer vrächtiaen rzarbentafel nach Böcklin. Es folgt ein Aufsatz über Franz Helemv einen Wiener Holzschnitzer, deffen urkom.sche Einfälle, eben,o gut erdacht wie anSgeführt, man mit Freude und Vergnügen bet rächtet. Wilhelni SchreuerS vorzügliche .KriegSbilder führen unS in die rauhe Wirklichkeit zurück, imd Felix Hollenberg stellt sich mit Radierunyen aus seiner schwäbischen Heimat Liebhabern guter Graphik durch stiinmungSvolle. fein enipfundene Landschaften vor Der dekorative Teil des HefteS enthält aktuelle Aufsätze über SiedelungSarbeiten und Gedächtnismale für gefallene Krieger Auer über neue Kanlitzpuppen (mit sehr lustigen Abbildungen/ Glaser aus der bayerischen Glasindustrie nach Entwürfen von Brui,o Mauder und Medaillen von Max Pfeiffer. - „AuS deutschem Süden.« Nach England sind aus« neue alle Gedanken gerichtet, in der richtigen Erkenntnis, daß dort auf dem abgeschloffenen Insellande, auf dem er sich für alle fetten sicher fühlte, unser einziger, wahrer Feind zu suchen sei. In den Schützengräben, auf hoher See, draußen tn der Ferne und daheim bis in die siillnen Dörfer, lebt und brennt dieser eine Gedanke: Nach England! Dieser Stimnlung verleiht das zweite Blatt der Kriegsflugblätter „Aus deutschem Süden® (Preis 25 Pfemna. Reuß & Jtta, Konstanz) Ausdruck, indem es Vers- und Prosa! beitrüge der besten süddeutschen Schriftsteller — eS sind zwanzig der bekanntesten Namen - vereinigt. Neben ernsten Aussätzen ist auch der Glosse und Satyre genügend Raun, gelaffen, so daß ein Inhalts- und abivechslungsreiche« Heft zustande gekommen ist. Logogrlph. Mit a ein schrecklich offnes Höllentor Für'S arme Opfer, das sich d'rtn verlor. Den Schlangen, Bären, Tigern tst's verlieh'«. UnS Menschen auch, so lehrt die Medizin. Mit o statt a der See,nann eS »vohl kennt. DaS tiefe Weltmeer ist fein Element. Und wenn thr'S nicht mit e zu nennen wißt, Muß ich euch zeigen, waS 'ne Harke ist. .Auflösung in nächster Nummer. Auflösung de» inagi chen Quadrats H 0 l L z 0 l B 0 E L 0 * I z i E I T Kch>M-Itm,n! ?,»>, fflotf). - Rotationsdruck ,mt> veilna der D>ÜhI',»en Ninv-rfll/IIS-Duch. und Ttklndruckeve!, 9*. l>ang«,