IJan von Merlh. Roman aus dem Dreißigjährigen Kriege von Franz Herwig. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Ans! Olus! Jan!" ries er und schüttelte ihn. „Sie sind fort, aber wir haben sie bald. Ans, auf, Reisegenoß, Gutsreund!" Und als Jan sich erhob: „In den Sattel, Herzbruder!" Die alte Vettel von einer Wirtin schüttelte er in hellem Uebermut. „.Holdes Weib, bete den alten Reisesegen: Dir nach ich sehe, dir nach ich sende, mit meinen fünf Fingerlein, fünfhundert Engetein! — Vorwärts, Jan! — Offen sei dir des Sieges Tor, und offen sei dir des Glückes Tor!" Die ermunterten Pferde wieherten uub die Freunde ritten eilends davon und in guter Zuversicht, denn sie hofften nichts geringeres, als am Abend mit den französischen Kavalieren einen herzhaften Becher zu leeren. Sie hatten vergeblich gehofft. Sie lvaren nicht eine Stunde weiter, als sich Jan vor Schmerzen die .Haare sträubten. Er wollte nicht vom Gaul herunter, sollte er sich auch das Fleisch vom Gebein herunterreiten, Zackerbvmben- undflöh! — Schwang vorerst einmal ein Bein herüber und ritt wie ein Weib; im Trabe mochte eö so weiter gehen. An der Furt des Knnmerbachs lagerten einige zwanzig spanische Soldaten, die ihnen .Hohnworte nachriefen. Im nächsten Dorf hatte ein ganzes Regiment Quartier, alte mit Ordre nach Brabant Die Dorsstraße war von johlenden Männern erfüllt. Jos6 Maria und Jan mußten avsteigen und ihre Pferde führen. Der Abbe fragte ein paar Soldaten, die untergesaßt vorbeijchwankten, nach der Reisekntsche. Zwei, drei lvaren durchgekommen. Erst soeben eine. —> Waren zwei Fräuleins drin, nicht wahr? — „Zwei Frälllein meint Ihr? Die sind drüben in: Gasthof. Ihr seid wohl der Beichtvater?" Und sie stießen sich mit beit Fäusten in die Seiten unb lachten wiehernd Jan hatte sein Pferd scholl quer durch die Menge gezogen. Sie sind hier! Sein Gesicht rötete sich, die Schmerzen hatte er vergessen. Da lvar der Gasthof. Lärm mtb die dünne Stimme einer Fiedel scholl heraus. Durch die grünen blasigen Fenster konnte er nicht sehen. Auch Jose Maria kaut heran; Jan lieft ihm sein Pferd und trat ein. Wie es nach Tabak und Wein roch, und nach Menschen stank, die eben ans Winterquartieren kommen? Und — lieber Gott — die Fräuleins waren gemeint? Die zwei Dirnen, die da im Tanze sprangen, daß ihnen die Brüste ans den; Mieder hüpften? Er schüttelte nach Jose Maria nur den Kops und sagte: ..Weiter". Borm Dorse festen sie den Pferden noch einmal dte .Hacken ein, aber es wurde nur ein schiebender, schleifender Arab. Wütend starrte Jan in den grauen Sand der Straße. „Wie lang ist Durantes Rechnullg," fragte lächelnd der Abbe. „Gr wird mir alles lassen inüssen, was er hat, che dte Rechnung glatt ist," er sagte es dumps und zornig. Meile auf Meile. Jan stieg ab. War schon gleich, die Gäule gingen omf> nicht schneller wie er. Und Berae rollten sich aus, die mit schwarzen Tannenwäldern bedeckt waren. Es schien, als weml der Frühling hinten bliebe. Es wurde kalt, und lvo eine Schlucht lvar, lag grauer Schnee. Meile auf Meile. Und erst als endlich Gemünd mit wenigen graublauen Häuschen aus einen! finsteren Tale heraufsah, wurde es den Kameraden ein wenig freundlicher zu Sinn. Die Pferde nahmen noch einmal die Kräfte zusammen und trabten los. Aber in Gemünd wußte niemand von einer Kutsche und zwei Fräuleins und zwei Kavalieren. Eine ungeheure Gleichgültigkeit gegen alte Fräuleins und Kavaliere der Welt stieg in den Freunden auf. Der Wunsch; nach Paris, regte sich nicht; aber der Wunsch nach Schlaf war ihr ganzes Wesen. Wie sie standen, sielen sie auss Stroh. , . Aber noch vor Tag richtete sich Jan enrpor. Werter, weiter! — Frisch und mutig ging's voran. Bergaus, bergab, ins Tal der .A-ll, Gerhardstein dräute noch vor Mittag vom scharfen Fels, sechs Sturrden später stand Bitbnrg golden im Abendlicht. Und am rrächstcn Tage nach einem Ritt von zlvei Stullden in der Frühe durch milde Luft klapperten die.Hrrfe ihrer Gäule über die Brücke und durchs Brückentor nach Trier hinein. Alles tvimmelte von spanischen Truppen; man sprach von Krieg mit Frankreich, aber wie Jose Maria auch fragte, von den zwei Fräuleins sprach niemand. Da saften sie nun im Gasthaus „Zum weiften Hahn", am Tisch sich gegenüber, einen Krug Burgunder zwischen sich und sahen sich tiefsinnig an und sagten nichts als; Entwischt! Und dazu nickten sie. » Jan ritt nach acht Tagen wieder, wie es sich für einen guten Christen gehört, links ein Bein und rechts,ein Bein, auf dem wiegenden Pferderücken dahin und psiss das Lied vom Innsbrucker Landsknecht. Unter den Husen ihrer Gäule war die Pariser Landstrafte und sie wollten am Abend noch Verdun erreichen. Denn daran war nun einmal nicht zu deuteln; nach Paris muftten sie. „Es gab ein Märchen " sagte Joss Maria und lieft die Augen über die Hochfläche schweifen, die kahl und gelb an der Maas sich hinzog, „ein Märchen, in dem ein gewisser Abb^ neben einer gewissen Gräfin ritt, indes hundert Schritt zurück ein — sagen wir ein Kammerdiener und ein Zöschen das Lied vom Innsbrucker Landsknecht sangen, das du gerade pfeifst. Und ich glaube fast, du selbst hast mir das Märchen erzählt, Jan. Ein schönes Märchen, ma foi." „Schweige doch " 18 * - „Weshalb- Mir ist so plauderhaft." „Wann sind wir in Paris?"' „In vier Tagen, Jan. Wem? dich die Gräfin fragt, Jan weshalb du so spät tommst, so laß mich dich entschuldigen. Ich werde ihr sagen, daß ich keine Sänfte für dich hätte aus- treiben können. Uebrigens konnte auch Karl der Fünfte das Reiten nicht vertragen, werde ich ihr sagen." „Joss Maria — du wirst das nicht tun!" „Sei ruhig, Jan, ich glaube es auch nicht. Tenn deine Gräfin wird gar nicht in Paris sein, sondern jetzt vielleicht gerade beim Kurftsürst von Köln speisen. Tenn den Schwirr, daß du damals nicht geträumt hast, kannst du sicher nicht leisten." Jan zog ein Papier aus dem Wams und hielt es Jos« Maria unter die Nase. „Ist das auch geträumt?" Joss Maria besah sich das Papier. „An Seine .Herzogliche Gnaden von Oranien, Herrn Moritz, Statthalter der Staaten, und hier das Siegel der Königin Mutter, Maria," Der Abbs sah gedankenvoll vor sich hin. ^d) bin von Mutterleib an neugierig, Jan. Auch sonst ist es nicht ohne Borteil für uns, zu wissen, was in diesen! Briefe steht. Ich lverde ihn öffnen." , Joss Maria, gib her!" Jan beugte sich nach ihin hin und versuchte ihm den Brief zu entreißen. Mer der Mb6 zog ihn an sich und in diesem Augenblick ertönte hinter ihnen das Rollen eines Wagens. Beide sahen sich um. Ta kam in scharfem Trabe große iReisekutsche, die in ihren Riemen schwankte, und voran trabten zlvei Reiter. Jan hatte gerade des Freundes Ar>n gepackt und plötzlich preßte er ihn so stark, daß der Mb« stöhnte. An ihnen vorbei trabte Monsä Durante neben seinem Genossen, grünseidene Vorhänge flatterten aus den: Wagenfenster und einen Augenblick starrte Gneis blasses Gesicht die beiden Ritter an. „Griet!" wollte Jan schreien, aber der Abbs preßte ihm die Hand aus den Mund. Tie zwei Lakeien. die hinten auf dem Wagentritt standen, sahen sich erstaunt um. In einen Hohlweg verschwand der Wagen. < , plötzlich lagen sich die Freunde in den Annen und lachten. k^/^"en sie die Gäule gespornt oder begannen sie von elbst zu traben- Bor sich sahen sie die Kutsche wieder und ie blieben m immer gleicher Entfernung, bis rechts der vtraße ein ncklößchen sichtbar ward, an dessen Mauern sich ein Dutzend Hütten drängten. Ein Büchsenschuß weit voraus stand ein einsames Haus, dort hielt die Kutsche. Es war ein Gasthaus; an einem langen Arme hing em Zumkrug quer über die Straße. ^°Jü en 'V? ö r tc 3ose Maria und trat ein. Jan ruckte sich zurecht und folgte. Es standen vier Tische in der niedrigen Kammer. Durch die mit Pergament verklebten Fenster siel nur ein matter Dcheul vom Tageslicht. Das Kaminseucr beleuchtete Du- Ä Begleiter. I», Dümmer saßen die Dame, Der Wirt in blauer Bluse trat zu Durante und sagte: .Fhäteauneus. gnädiger .Herr, erreicht Ihr nicht vor * erb \ m iu Vorspann bekommt Ihr hier rB Lf7n"kö7n.K'"""^ Wf Könicst.. von Frank. „Zeigt es mir." saß an, Kaminfeuer und las sein Brevier Za^i hielt sich mit dem Rücken nach den, Fenster und ve» chlang Durante mit seinen Blicken' Kaum war der Fran° Me hinaus, stand Griet auf. Jan eilte ans sie » U1 ,l e 5 rc,rf >feii sich ihre Hände. Sie 'sahen sich üluästrahlend und wortlos in die Augen, bis Marie" Annes aiigstliche Stimme fragte: „Mein Gott, Margusrite, wer ist das?" '„Jan! Jan aus Köln ist es, Herzenskind! Jan!" Und fte zog ihn an den Tisch heran, wo die Gräfin saß. flefol 9 t?" mCln £>f ’ rr '' * nf|tc Marie-Anne, „Ihr seid uns stammelte Jan und suchte nach schonen Satz, fand ihn aber nicht ..Nehmt Platz, mein Herr. Unser Kerkermeister wird es “Ä’PSWS'Ä /-verzeiht ihm, er betet sein Brevier." Ünd Jan stieß einen Seufzer der Befriedigung aus, als er sich an dem Tische niederließ. „Und wie hast du uns gefunden, Jan?" fragte Griet. , Oh, es muß Gott geivesen sein, der uns geführt hat," erwiderte Jan, und sah mit rollenden Augen in ihr frisches Gesicht. „Denn wir verloren am zweiten Tage eure Spur." . „Ja," sagte Marie-Anne und ihre zarte, klingende Stimme bebte, „wir sind nicht den rechten Weg gereist; wie es kam, wissen wir,ücht." „Der Wagen hielt plötzlich," fuhr Griet fort. „Du- rauke sagte: es sind Spanier. Das hörte ich. Die Borhänge durften wir nicht öffnen. Und als der Wagen weiter fuhr, hörte ich: es ist sicherer so. Und einmal hielten wir mitten Walde und Marie-Anne behauptete Wölfe heulen zu In diesem Augenblicke trat Durante wieder ein. Er machte gewaltige Augen, als er Jan am Tisch sitzen sah-. Zwar bebte Jan der Schnurrbart vor Erregung, aber er jagte sehr langsam, mit beherrschter Stimme zu Marie- Anne: '„Jedenfalls rate ich, jetzt nicht nach Paris zu reisen, sondern mit uns zu kommen. Tenn —" „Erlaubt mein Herr Irgendwer —sagte Durante, noch an der Tür. „Denn ich habe mir sagen lassen, daß Eminenz Walfisch noch immer nicht der Teufel geholt hat." >,Mein Herr," schrie Durante, „spnckt eure Lästerungen tm Stall aus, aber nicht hier." Jan lächelte. „Nach meinem Belieben, nrein Herr. Und wenn ich schon zu wählen habe, wohin ich spucke, so scheint mir ireine Fratze, Kerl, das rechte Ziel!" Durante stieß nur ein Knurren zwischen den Zähnen heraus und zog. Jan warf mit dem Fuß seinen Stuhl zurück und sein Degen blitzte. ^"Entschuldigt, meine Herren!" sagte plötzlich sehr laut Jos4 Maria und trat heran, in der Linken das Brevier, den Zeigefinger als Buchzeichen und unterm Arm den Degen eingeklemmt. „Entschuldigt, meine Herren, aber mir scheint, d.°V cs Kavalieren nicht geziemt, in Gegenwart von Damen Nch zu schlagen, um von mir zu schweigen, trotzdein ich die Soutane trage Dürfte es nicht möglich sein," fuhr er verbindlich fort, „daß eine sörinliche Aussprache die hier vorliegenden Mciniingsverschiedenheiten beseitigte?" Der Gefährte Durnnles öffnete die Tür und trat ein „Euch, mein Herr," sagte der Abbe und machte mit der Rechten eine einladende Geste, „bitte ich, Richter zu sein. Die Herren streiten sich wegen des Spuckens, - die Damen mögen verzeihen. — Dieser Herr dort," er deute,c auf Durante, „ist der deutlich ausgesprochenen Meinung, daß dieser Jüngling im «tall aus spucken solle. Der Jüngling wünscht aber diesen behaglichen Raum nicht zu verlassen. Was meint Ihr?" ranl >"^ ® ot dcn Kardinal und mich beleidigt!", schrie Dn- „Wenii cs so ist — ", sagte sei» Genosse. „Er hat die Damen beleidigt, indem er ihnen vorschrci- be„ wollte, nicht nach Paris zu reisen!" ' Meine Herren," sagte Jose Maria, „ich bin nach Berus und Neigung cm Mann des Friedens, aber auf die Gefahr hm euch mißfallen, muß ich sagen, daß mir scheint, als wcmidicDamen wirklich besser daran täten, nicht nach Paris (Fortsetzung folgt.) Uomödien des Lebens. Skizze von Irene Gerhard. letzt rum zehnten Male im Verlauf der letzten Viertelstunde feine Uhr hcrausgezogen und stets wieder miss neue seufzend in das dunkle, schmale .Haustor geschaut Resrarnert lehnte er sich an den Gaskandelaber, der dicht vor dem Hanse stand Mit halb geschlossenen Augen blinzelte er die leere >SL ra fyrv^ in Ä ^ n } nci fefter schlossen sich die Augen des Wartenden. Die tiefe Ruhe ringsum; das flackernde Licht und das wie aus werter Ferne herübcrklingende Ävogen und Branden eines hastenden Menschenstromes das gedämpfte Waqenqerafsel und Klingeln, all das imrkte einschläfernd. „Hollah — Tony!" ™ ® a,| S verstört starrte et in das lachende Gesicht des iuuaen 9*1«? tam,■ bfl5 lf,m B °" rMwiirt * beide Hände über die Nug?" „Guck, Max — wer isss?" Ms sie sein Gesicht sah. lachte fte laut auf: „Du hast wohl stehend geschlafen?". . „Lach nur!" gab er brummig zurück, während er seinen Arm m den ihren schob: „lieber eine halbe Stunde warte ich schon! Daß du auch nie pünktlich sein kannst!" „Brummbär!" Sie schmiegte ihr niedliches Gesicht schmeichelnd an ferne Schulter: „Der Professor hat heute mit mir meine Rolle durchgenommcn Hie ich spielen werde: wenn man eben so dabei ist mit Leib und Seele..sagte sie pathetisch. „Ich bitte dich, laß die überspannten Faxen! Bildest dir am Ende wirklich rwch ein. daß du Talent hast!. Die ganze Schau- . spielerschule, ist. euch ja doch nur Mittel zum Zweck, zur Unterhaltung, nichts weiter!" Sie zog hastig ihren Arm aus dem seinen und blieb stehen: uft verbitte mir diesen Ton?" Sie bemühte sich, ihrer Hellen Kmderstimmc einen energischen Klang zu gebe,,, und reckte ihre zierliche Gestalt höher. Lachend faßte er sie unters Kinn: „Gib dir keine Mühe, Kindchen, mir brauchst du nichts vorzuspielen, ich glaube an dein Talent darum , doch nicht und es wäre an der Zeit. Tony, daß du mit den Dummheiten endlich eininal aufhörst! Ich bin zrvar ein geduldiger Mensch, aber wir wollen doch heiraten, denk ich! Also wird es besser sein, du vertauscht die Theaterschulc mit einer tüchtigen Kochschulc — das hat dann wenigstens einen praktischen Zweck!" „Bist du jetzt fertig- Gut!" Sie zerrte ihn zu der nächsten Laterne, stellte sich so, daß ihr Schein voll auf ihrem Gesicht lag und sagte dann großartig: „Sieh mich mal an, Max!" „Mit Vergnügen! Schaust süß aus, so erhitzt und zerzaust?" „Siehst du nnr gar nichts on?" '. „Nein, was soll ich dir ansehen?" „Na ja, was sollst du auch sehen! Hast ja keine Augen im Kopfe! meinte ste spöttisch. Dann trat sie einen Schritt zurück, machte einen drolligen Knix und sagte in schnippischem Tone: „Gestatten Euer Gnaden, daß ich Ihnen die jüngste, talentlose Nawe des Egerer Stadltheaters vorstclle!" „Tony, was sollen die Narrheiten?" „Narrheit? Wahrheit, bitte!" „Was soll das heißen?" „Daß ich engagiert bin, trotz meiner von dir so liebenswürdig betonten Talenrlosigkeit. für erste Rollen, nach Eger!" "Und du willst das Engagement annehmen?" „Ich habe den Kontrakt soeben unterzeichnet, daher die kleine Verspätung!" „Das ist denn doch — " brauste er auf, mäßigte sich jedoch gewalttam und sagte ruhig: „Und ich, Tony?" tvirst dich eben damit abfinden müssen, mein Lieder eure doch nicht so ganz talentlose Braut zu besitzen!" „Memst du? Und du denkst, ich werde ruhig hier sitzen bleiben und auf dick) warten, während du dich aus allen möglichen Schmieren herum trn bst!" „Oho?" fuhr sie erregt auf, „Eger ist keine Schmiere, und ivenn man ernste Rollen spielt, treibt man sich nicht herum!" „Aber, Kind, Kind, das ist ja alles Wahnsinn! Tonychen, bedenke doch nur du willst weg von mir, in die Welt hineinlaufen, m eine Welt, die du dir ganz anders vorftellst." „Bitte hör aus!" unterbrach sie ihn. „iolche langweilige Be- osu/bnUnd du willst ein moderner Mensch sein! Ein Mords-, Philister bist du! Wir wollen heilte auch hinaus ins Leben, wir Frauen." r w hat in erster Linie zu tun. was ich für gut o S £ irrm c’ "ana lo hart daß sie ausfuhr: „Wehr der SBuib daher? Den Herrn spielen willst du? Mich knebeln? Ah. nein, du, da bist du an die Unrechte gekommen! Heiraten kannst du nnch erst in zwei Jahren, hast du gesagt, Nws sollte ich denn in der Zeit nach deiner Meinung tun?" „Vernünftig sein — " "^5 heibt bei dir wohl, daheim sitzen. Mutter in die Koch- löpse gucken, und Strümpfe stopfen?" unterbrach sie ihn heftig. YjFiL ne lr't n -' ? u ? h k m Holz bin ich nicht, dazu habe ich kein Talent. ich fühls, daß ich zu etwas sHöberem geboren bm " Quatsch auf, Tony, sonst reißt mir doch noch die Geduld — . "5“ ^ ^ infrIci , Z'vang an. wozu noch ein Wort verlieren! Zn vierzehn Tagen trete ich mein Engagement an'" „Das wirst du nicht, Tony!" „Das werde ich, Max-!" h®/. ‘ijL 8 ™* b i,*‘. arl . , heran und fhe& schweratmend bfiuor . „Und wenn bii durch deinen fmbudioit Starrsinn, durch fÄ r“"" 0 ' bf,nn " ,rbr ’ ft ^ E' unsere Zukunft aufs Spiel „Lächerlich?" w.» '",'d meine Mutter, Ton»! Ich kan» und aiift I11 j ta Hf t,u '"s.LauS bringen, die sich in cincr ndrb 1,1 1 , inb mit frcmb E- immer fremd bleiben b aa A' ""lange von deiner Liebe, dab du deinen M^blElchen Wunsch unterdrückst! Du wirst nicht »ach Eger Mt ii" ihn doch betroffen an: das klang so crnstl Abe, nachgeben, ans das verzichte», ivas sich so köstlich lockend vor ihr ausgetan da« konnte sie nicht. Sic schmiegte sich an ihn und schmeichelte bittend: „Sei doch nicht so hart. Mar — schenke mrr zwei Jahre — dann komme ick) zu dir zurück —" „So, wie du dann kommst — mag ich dich nicht —" „Das ist kleinlich uiid engherzig!" . „Es ist, wie es ist! Wähle zwischen mir und der Erfüllung demer Laune!" „Es ist keine Laune, du!" sagte sie heftig. „Möglich! Dann mußt du erst recht überlegen, ob du um einer sicheren Enttäuschung nullen deine Zukunft an meiner Seite I opfern willst!" ! cv» r®* 1 ' tr ^ t hastig mit dem Fuße auf und warf den Kopf in den - Nacken: „Gut. ich habe entschieden! Leb wohl!" Sie streckte ihm I die Hand entgegen. „Tony, so leicht gibst du Mich aus?" „Tu läßt mich ja gehen!" iS! Sitt, sage endlich, daß du mich nur quälen wolltest." mtinen ®;Ä b 5 C *“* if ‘ b " 9l0ubff - ** "'"b 4? kein letztes Wort? Ueberlcge es gut!" „Es ist überlegt!" „.Er wandte sich blitzschnell um und begann die Straße hiuab- zulaustn. „^ch muß chr mal den Ernst zeigen, dann nnrd sic schon E ha&M j r lln \ horchte angstvoll zurück. Jicfa? ron , n ,t itc nur nach — da — da höre ich schon ihre Schritte — td> wußte es ia. Atemlos wandte er sich um — er- stand allein sie war ihm nicht nachgekonimen! Zehn Jahre waren vergangen. Was kaum einer so recht für Iß 0 * lr^lwn, hockte sich erfüllt, der Knegsfturm brauste durck) die halbe Welt, erschütterte sie in ihren Grundfesten ^ffechauses in Eger am Haupt- ,ap ent .^andwehro fizzer, dem man'S ansah. daß er »vohl s^oe Zn hmdurtch bie Uniform nicht getragen Er war behäbig, sah sicher älter aus als er war. ^^Mißmutig sah er aut den Platz hinaus, auf dem cur ganz un- gewohntcv Leben herrschte. Wütend war er. einfach wütend.' WaS dals ihm nun seine flammende Begeisterung für die gerechte Aach»', sem ihm selbst so verwunderlicher Tatendrang, der über seine Bequemlichkeit, über seine so rege Vernunft den Sieg da- vougettagen, so daß er sich sofort zum Fclddienst gemeldet hatte, ^u warten bis seine Einberufung kam? Draußen, dort, wo is lhn hlndrangte. konnten sie ihn nicht brauchen, in so ein Pro- vinznest steckten sie ihn. zum Rrkrmendrillen! Na. wenn er das Freilich, auch das mußte, sein, auch damit diente man temem Kaiser, seinem Vaterland, aber — er konnte mal ^ownzncftcr nicht ausstehen, er hatte sich ein frisch-fröh- Uches Hcldcntmn geträumt, das ihn mit einem Schlage heraus ht'beu sollte mrs der breiten Straße des Alltags, und nun saß er Sfjrf MN Kasfechaustisch und noch dazu in so einem Provinz- kasfeehaus. wo er alles scheußlich fand. Er ließ seine üble Laune au mm armen, kleinen Pikkolo aus. mit denr er unausgesetzt schimpfte. Eben hatte er lmedcr über die vorsintflutlichen Schwe- selhölzer geflucht die der Pikkolo ihm schlotternd vor Angst hingestellt, da ließ sich aus di'r Tiefe des Büfetts eine fettige Stimme vernehmen: „Wenns dem Herrn Oberleuttiant bei uns so miß- wl t. M er doch nickck gezwungen, hier zu bleiben? Gibt ja noch Kaffeehäuser hier!" w ÖT 1 ^„ Qn ^ t0 , u ^ der kritische Gast um. Herrgott, »vur tws cm Ungetüm! Gar^ entgeistert starrte er aus die massige Frauengestalt die mit sckläsngem Gesicht da im Büfett saß. Nun o.uu V .yMuui im- inu jaHamnem gesicht da tni Büfett saß Nun hob sie ^ir.Llick. so daß er ihre M.qen sah. Da stutzte er. aut semem Gesicht malte sich cm hastiges, quälendes Suchen Die Augm. woher kennt er nur die Augen! „Der Herr Oberleutnant ^mmt ivohl direkt aus der Großstadt?" begann da die schläsriac Stimme auss neue, ungeniert zu ihm herüber sprechend. .Bei uns IN der Provinz spürt num eben den Krieg viel mein: do kann nicht alles so tipp topp sein, wir müssen froh sein mit tan, was lmr kriegen!" , ' Wie vorwärts gerncden stand der Offizier vor dem Büfett und starrte die Sprecher,n hilflos an Die lachte jetzt plötzlich b E 8nr "'** -u der massigech Person vablr, ein »inder achcn „Jesus, ja. da ichan« du. ,oas Marl? Na ,a. anck nur. ich bi» es nnrklich, die Ton»! Tah :vir Fra,im doch «inner das bessere Gedächtnis haben! Denn vcrän- oert hast du dich schon auch in den zehn Jahren, mein Lieber, aber erkannt habe ich dich doch, trotz der Unifonn!" „Tony!" Fassungslos starite er ^le an. "Beruhige dich nur. ich bin es wirklich. Max!" Sie seufzte am. „Ich begreife ja, daß du staunst, denn ein loenig ander- habe rch wohl ansaesehen — damals —" „Tony, ist es denn möglich?" „Ja. ja, tzlaub's nur so ist der schreckliche Krieg doch zu etwas gut, bringt alte Bickannte wieder zusammen! Aber ich freu mich, dich zu sehen!" Mühsam ins,,e sich der Offizier und schlug in die sleischigc Hand, die sich ihm so warm eutgegenstreckte. „Daß wir uns so »viedcrsehen würden. Tony." - » was, und nach so langer, langer Zeit? Das Leben ist salt darüber vergangen!" Wieder seuffle sie: „Alwr jetzt er,«die wie ,reht es dir, lnst du verheiratet?" „m laß mich aus dem Spiel, mein Leben ist so herrlich uninteressant, und verheiratet bin ich nicht... Gott sei Dank! Perzeih, aber du —" . Sie lachte: „O ja — rch bms — und fest auch noch! „Na, und das Theater? Wie ging's denn damit?" Ueber ihr sckstvammiges Gesicht, in denl nur bic Augen noch an die alte, hübsche Tony gemahnten, glitt ein trauriger Zug. „Das war eine böse Sache. Max! Zuerst, als ich herkam, gmg es mir wie dir, mir war's, als hielte ick's keinen Tag aus in dem „Nest', da steckte auch mir der Großstadtdochmut noch in den Gliedern Die kleinen Straßen, die kleinen Menschen, alles erdrückte mich!" „Warum bliebst du?" . „Dir recht geben? Lieber sterben! Der Antang will eben gemacht sein, ich wollte es schon vorwärts bringen, aber das mit der Tatenlosigkeit scheint dock mehr als nur Böswilligkeit von dir gewesen zu sein!" „Siehst du!" - „Ja — gedacht l)abe ich wie oft an dich? Ich versuchte es da und dort — es ging nicht! Schließlich kam ich hierher zunick und war noch froh, daß sie mich haben wollten. Klein wurde ich, immer kleiner, so, wie man hier eben sein nruß! Dann — kam mein Mann —" Sie lachte plötzlich wieder und drückte auf eine Klingel. Gleich darauf öffnete sich eine Tür und vier dicke, kugelrunde, bloubc Mädels drängten sich heraus, um sofort wieder zu verschwinden. als sie des Offiziers ansichtig wurden, der da bei der Mutter stand. . , . . L ^ „ „Siehst, das sind meine Bühnenerfolge!" sagte die Frau halb lachend, halb traurig. „Du hast eben doch mein wahres Talent erkannt!" „Und du wolltst es m i r leider nicht glauben?" ,La, ja, aber, wer lveiß, wozu es gut war! Wir beide, ich glaube immer, wir batten doch nicht zueinander gepaßt!" „Vielleicht hast du recht, aber ich meine, du hast daS bessere Teil erwählt, Tony! Schließlich ist die Hauptsache ja doch, wenn man seine Ruhe und sein gesichertes Auskommen hat." „Wenn auch in der Provinz, ivo's nicht einmal ein amtän- diges Kaffeehaus gibt, nicht wahr?" unterbrach sie ihn lachend, „möchtest mit mir tauschen?" „Um Gotteswillen. nein! Ich will ja heraus aus dem Alltag: ich sehne mich nach dem großen Erleben, das dieser Krieg uns Deutschen bedeutet. ich weiß ja nicht, wie ich es eine Spanne Zeit hier aushalten soll, solange mich der Dienst sesthält — " Sie sah jhn von der Seite an und nickte. „Damals — als wir jung ivaren. hast dus nickst verstehen wollen, daß cs so.in mir rumorte, daß mir graute vor der großen Stille, die damals dein Leben war! Ich bin ja jetzt ruhig geworden — und du — " ,Za." sagte er leise, „ich möchte mich jetzt, vor Torschluß noch einmal hinausflückten in das Erleben, weil in der Oede des Alltags mein Leben fast vorübergegangen wäre, ohne mir zu dem Bewußtsein verholfen zu haben, daß es wert war, gelebt zu werden!" — Und dann plauderten sie von Alltäglichem, als hätten sie einander nie etwas Tieferes zu sagen gehabt. nur in Ländern getragen werden, in denen man nicht kämpft. Da» Himmelblau lmserer Uni'ormen findet Beifall überall auf der Welt, und deshalb darf inan eS Unseren Frauen nicht übel nehmen, wenn sie sich allch in diese Farbe des AetherS kleiden, die unsichtbar macht." * Grüne Pferde. Bei der Musterung der Pferde für Kriegszwecke pflegt man in Frankreich wie anderwärts allch die Schinnnel als untauglich für ben Kriegsdienst zu erklären, weil sie zu weit sichtbar sind. Die Franzosen dachten jedoch, ihre au»- gemusterten Schiminel künstlich in eme Art Feldgrau zll kleiden, das sie ebe»lso unsichtbar lnachen sollte, »vie die deutschen Krieger in ihrer feldgrauen Uniform. Eine ganze Reihe von Erfindungen wurden der Negierung vorgeleqt und nach langem Hin« und Herberaten entschied Ulan sich dcvür, eine dieser künstlichen Pferdefarben einzuführen. 24 Schimmel »vurden zu dem Versuche requiriert und alsbald feldgrau angestrichen. Dann machte man mit ihnen eine Geländeübung. Cie dienteil als Artilleriegespanne. Bei den schwereil Manöverarbeiten singen sie an, kräftig zu schwitzen, und darnit hatte der Erfinder des feldgrauen Allstrichs ft'ir Pferde offenbar nicht gerechnet: das Feldgrau verlor seinen schönen Farbenton ulld wurde statt dessen grün. Null sitzen die Frailzosen da: erstens mit der traurigen Erfahrung, daß man Schimmel nicht feldgrau färben kann, zweitens aber mit 24 Pferden, die vormals Schiminel waren, jetzt aber grün anziifehen sind. Die .Minerva*, die diese drollige Geschichte erzählt, ohne sich übrigens für die Wahrheit 51 t verbürgen, meint, diese grüilen Schimmel könnten vielleicht inl Heeresdienste doch verwendet werde»», wenn die Wälder und Wiesen im Schmncke des neuen Frühlingsgrün» pra,lgen. Die Küche im Kriege. (Nachdruck dringend erwünscht.) Kohlsuppe: Etn kleiner Kopf Wirsing oder Weißkohl. 2 Eßlöffel Fett, 4 Eßlöffel Mehl, IV 2 Liter Wasser, Messerspitze Pfeffer, Salz. Der Kohl wird yepvtzt, in Streifen geschnitten und gewaschen, das Fett flüssig gemacht, der Kohl hineingeschüttet und darin gedünstet, das Mehl darüber gestreut und gut durchgerührt, mit dem Wasser a.us- gefüllt und l^ibis 2 Stunden langsam gekocht, abgeschmeekt. Kartoffel-Karbonade mit Fleisch: Etwa für 6 Personen. 250 Grannn Schweinefleisch (Wellfleisch), 10V Grannn Kartoffeln, 140 Gramm geriebenen Zwiebacr, Salz usw., 25 Gramm Mehl, 30 Gramm Palmin. Das Fleuch wird einmal durch die Maschine getrieben, mit den gekochten geriebenen Kartoffeln und dem geriebenen Weißbrot Vermischt, Salz, eventuell etwas Pfeffer hinznaetan und ans dieser Masse flach gedrückte Klöße geformt, die in einen Mehlbrei eingetunkt und in einer Pfanne in Palmin gebraten werden. Man gibt sie mit einer Sauce und Kartoffeln. vermochte». * Der russische Stiesel der Pariserin. Die Französin ist auf ihre Verbündeteil ,licht gut z»l sprechen. weil sie sich in deil Hoffnungen, bie sie auf sie gesetzt hat, enttäuscht siebt. Die Russen sind noch nicht in Berlin, lind die Engländer hoben die Deutschen noch nicht ausgehungert, »vas sie doch nach foätestenS einein Vierteljahr erlvartete. Jmmerhtn fiiib ihr die alten Genossen aus den» Osten ,lvch lieber als die neuen Freunde voll im» feite des Kanals, denn die »lahe Berührung blieb ihr erspart, dlirch die man sich ja bekanntlich erst richtig femim lernt. Ein Beweis für diese Gesnhle sind die neuesten Dieben der Pariserin, denn sie ist ja gewohnt, ibr geheinlstes Empsinden in ihrer Meldung a,,4- zudrücken. Währe,ld nun jede Anspielung aus England seblt, tragen die sranzösischell Danlen letzt mit Vorliebe russische Stiefel Es ist kein zierlicher Schllh, sondern ein richtiger Stiefel mit ziemlich weiten Stulpen, die Falten schlage»,, eine gena»le Nachahnl»,ng des etwa» plnmpen und haltbaren SchuhwerkS, aui das der russiiche Bauer so stolz ist. Natürlich aber hat der russische Stiesel eine Der einerung erfahren. Er ist a,ls se nstein »veichem Leder geser- ligt. auS schwarzem Lackleder, das wie Seide glänzt, aus blauem Maroquiuleder, oder aus weichster Antilopenhaut. die sich an- schnncgt wie ein Handschuh. Was nützten aber diese schönen Russen- stiesel, lvenn man sie nicht sehen würde? Deshalb trägt die Da,ne daz»l ganz kurze Röcke, die breit fallen, und bringt die Farbe dieses Rockes in Einklang mit der Farbe ihrer Fußbekleidung. Deshalb gibt cL Rnssenstiefel in allen Farben, blau, flaschengrün, braun, tiesschwarz ilsw. Der Plauderer des „Journal des D 6 bats*, der nnS diese Einzelbeiten ans der neuesteil Kleidung der Pariserin verrät, meint, daß überhaupt die Toilelle der Danien wenig mit der Einfachheit übereinsiimme, die man allgeinein als das Passende inr den Krieg predige. »Plan soll nicht g!a»»ben, daß die Plode während deS Krieges nicht ivecbsele. Im Gegeiiteil, iiiemals bat sie sich schneller verändert. Dian sagt nl,s, daß man neue Plodelle i'ir die Fremden verfertigen muß und daß alle diese Kriegstoiletten Schach-Ausgade. Schwarz. nbcdefgh Weiß. Weiß setzt mit dem zweiten Zuge Matt. Auflösung in nächster Nummer. Auslösung des Gleichklangrätsels in voriger Nummer r Becken (als geographischer Begriff. Varbiergerät, musikalische» Schlaginstrilmelit, Teil des Skeletts) — Ecken. Schriftleitnng: Anq. Gock. - Rotationsdruck und Verlag der Brüsst'sche,' ttninersitäte.Dnch- und Steindruckere,, R. Lange, Gießen.