Sao Paradies der Lrde. Roman von Ada von G e r s d o r s s. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Als nach aufgehobener Tafel Gräfin Herta mit Lilli wieder nach der Plattforn: hinausging, ::nd ich mit Gräfin Wanda folgte, sagte sie rasch und leise zu mir: „Lassen Sie die Depesche noch nicht tommen, Herr von Rehn. Warten Sie bis —" Sie stockte mtb ich vollendete, mich tief über die dargereichte Hand neigend: „Solange als Sie befehlen, Gräfin." Gern bleibe ich nicht. Ich kann eine seltsame Ahnung nicht loswerden, das; ich vor einer Katastrophe stehe, ans die ich mich in keiner Weise vorbereiten kann, da ich mir nicht denken kann, woher sie kommen soll. Rege nwald c, An g ust, sechs U hr m o rg c tt s. Welch eine Nacht! Die Hochsommerschwüte der letzten Tage hat sich in einem rasenden Gewitter entladen. Drei, vier Gewitter prallten über Regemvalde zusammen. Das Schloß schien in einem weißglühenden Hochofen zu stehen, der Himmel schien sich überhairpt nicht mehr zu schließen. Aus gähnender Hölle schossen ganze Fenerströme über die ganze Gegend unt Regenwalde, dazivischen knatternder Donner, das Brüllen des herausgeführten Viehes, das Geheut der Hunde, das Schreien und Rufen von Hof zu Hof, das Rollen und Raffeln oer beiden großen Spritzen, die ans dem Spritzenhaus gezogen und mit Wasser gefüllt tvnrden. Um elf Uhr, als wir uns eben in unsere Zimmer zurückgezogen hatten, begann das Unwetter. Ich hatte mich ans offene Fenster gesetzt, mit das prachtvolle Schauspiel zu genießen und auch mit einen Ueberblick über die Hofseite zu haben, falls da etwas passieren sollte. Da sah ich Lichtschein durch die geöffnete Haustürhalle und hörte Gräfin Wanda jeinand einen Befehl geben. Ich beugte mich ans dem Fenster und fragte, ob ich hcrnnterkommen solle. Sie konnte mich in dem Lärm wohl kaum verstehen, machte mir aber ein bejahendes Zeichen und ich eilte hinaus. Sie stand am Fuß der Treppe und fragte hinauf, ob ich mich wohl bereit finden ließe, nach dent Gestüt zu fahren. Es waren ztoar zuverlässige Leute dort, aber sie wäret: doch sehr besorgt unt die zwei frenlden Stuten, die gestern cingetroffen tvären, und ein so furchtbares Wetter sei lsterorts tvohl noch niemals vorgekomtttett. Augenscheinlich sei es über dett: Losberger Hof'am schlimmsten. Ich erklärte, daß ich mich sofort fertig machen wlirde, aber vorzöge zu reiten. „Ich dattke Ihnen sehr, Herr von Rehn," sagte sie erfreut, „ich will jetzt einmal hinauf zu Lilli. Mich wnndert's, daß das furchtsame Kind nicht schon längst unten ist." Eben Uhu; ich wieder in mein Zimnter getreten, als es eilig an die Tür klopste. Gräfin Wanda stand vor mir. Sie sah ganz verstört at:s. „Mein Gott, die Kleine ist nicht da!" sagte sie hastig. „Sie hat die Gewohnheit, sich an schönen Abenden noch spät im Parke zu ergehen und auch darüber hinaus. Zarewitsch ist zwar bei ihr, aber in einem solchen Wetter kann ihr der Hund nichts nützen. Wer weiß, wie wett sie sich vom Haus entfernt hat, und die Dunkelheit ist ja plötzlich zur schwarzen Nacht geworden." Ich war schon an der Gräfin vorüber und stürmte iu den Park. Aber das Lalisen nutßte ich sehr bald anfgeben. In der Eichenallee loar nicht die Hand vor den Augen zu sehen und t:ach jedem grell die Nacht durchleuchtenden Blitze tvar die Finsternis nur um so tiefer. Wie Gewehrseuer prasselte der Hagel auf die breiten Blätter. Ich stand still und rief mit meiner ganzen Lungettkraft: „Lilli? Lilli!" — „Gnädiges Fräulein" tväre viel zu lang getvesen. Keine Antwort. Ich ging tveiter die Allee hinunter und rief wieder. Da stammte es taghell auf; nach der ungewöhnlichen Dauer der Helte zu schließen, mußten sich Blitze oon verschiedenen Seiten vereinigt haben, und ich sah aus der schmalen, nur mit einem niedrigen Birken- geländer versehenen Hängebrücke, die über den Parkteich führt, ein weißes Kleid flattern. Dann glaubte ich einen hellen Schrei zu hören, als ob sie auch mich gesehen habe, was sehr unwahrscheinlich tvar, weil die Entfernung zu groß war und wtiitc Gestalt im Dunkeln stand. Ich mußte noch ein ganzes Ende die Allee entlang laufen und dann links iit eilten Weg biegen, um nach einer abermaligen Biegung nach rechts hinauf zur Brücke zu kommen. Wenn sie mich wirklich gesehen hatte, so war anzunehnten, daß sie, sich an das Geländer klammernd, stehen geblieben tvar ttttd auf mietwa riete, ohne sich weiter vorzntvagen. Einet: Moment lang schien die Natur Atem zu schöpfen zu neuen: Toben und Rasen, uub um vorwärts zu kommen, mußte ich immer warten, bis ein Blitz meinen Weg erleuchtete. Mir stand fast das Herz still tut: sie. Denn sie hatte sich wirklich' au das sehr gebrechliche Brückengeländer geklammert. Jeden Momettt konnte der orkanartige Sturm in seinem erneuten Anprall die leichte Gestalt hinunter ins Wasser schleudern. Uub ich wußte, daß der Teich tief und inoorgrundig war. In: ttächstett Ausflannnen aber sah ich, das; sie losgelassen hatte und wie ein tveißer Vogel in taumelndem Flattern die stark abschüssige Brücke herunterlief — mir entgegen, es sah mehr einem unfreiwilligen Stürzen als einer überlegten Flucht ähnlich. Aus die Gefahr hin, in der tviedereingetretenen Finsternis selbst zu fallen, machte ich ein paar Sätze vorwärts gegen die Brücke ttttd bl.icb dann stehet:, berechnend, daß sie mir geradesweas cnkgegenlaufcn mußte. Int nächsten Moment fühlte ich den immerhin heftigen Anprall ihrer zarten Gestalt gegen meine Brust und wollte schnell die Anne unt sie schließen, als sie mit einem Schmerzensschrei mir entglitt und niedersank. Ich hob sie auf, aber sie konnte nicht stehen, schien es, ttnd hielt sich ängstlich att mir fest. — Sie tnutzte sich tvohl det: Fuß verletzt haben, und es blieb nichts andres übrig. als die leichte Last empörzüyebtzn und in meine Hrme zu nehmen. Ich umschlang sie fest und trug sie durch das Toben, Blitzen und das Dröhnen des Donners vorsichtig dem Hause 6,1!. Ihre Arme hatte ich um meinen Hals legen müssen und mir war, als suhlte ich ihr Herzchen wild gegen das meine klopfen. „Kleine Lilli," sagte ich leise, dicht nit ihrem Hals, „arme verirrte Lilli, ist nun altes gut, ist alle Angst vorbei?" Ich vernahm keine Antwort, aber sie schmiegte sich enger au meine Schulter und ihre Arme schlossen sich fester um in ich. Ein Hauch von Beilchen umwehte mich, und die seidenweichen Flechten reihten dicht an meinen Lippen, während ich die leichte Last der zarten jungen Glieder durch das Unwetter trug. „Drücken Sie Ihr Gesicht fest an meine Brust, kleine Lilli, oas; der Hagel Sie nicht trifft/' mahnte ich vorsorglich und um ihrem Gehorsam entgeaen- zukommen, preßte ich meine Lippen ans ihr Veilchen duftendes Haar. Das konnte sie nicht merken. — Was war es doch für ein Gefühl! llnbeschreiblich, überirdisch seltsam und in seiner Wirklichkeit doch irdisch l^eiß... so in der wilden Wetternacht dahin zu gehen, umbraust vom Sturm, umflammt von Blitzen, das dröhnende, zornige Rollen des Donners über den wild nnchergeschüttelten Baninwipseln, in den Armen, an der pochenden Brust ein süßes junges Weib, die zarten, lveichen Glieder hilflos an mich geschmiegt. Und doch zu wissen — morgen abend kommt Brenckeu. Komm du mir 511 Hilfe in meiner sentimentalen Rührseligkeit, du alter flotter leichtsinniger Kavalteristensprnch: „Gesundheit des Leibes, Auf dem Rücken der Pferde, Am Herzen des Weibes — Das Paradies der Erde!" Und als ich sie in die Arme Gräfin Wandas gelegt r>atte, wandte ich mich schnell ab, um mich aus den Rücken des Pferdes zu werfen, und jagte nach dem Gestüt. Mir war auch um Apollo angst geworden. Ich kannte den wilden Burschen; schwere Wetter machen ihn zornig; dann sprengt er Eisenketten, als wären es Rosengirlanden. Und wer zlvang ihn dann, lvenn nicht ich? R e g c n lv a l d e, e i n U h r n a ch t s. Ich bin gar nich müde, sondern so schrecklich wach, daß ich vermutlich nichi erst zu Bett gehen «verde. Ich lverde mir aus der Bücherei m der Halle eins von den prachtvollen alten Iagdbüchern holen. - - Ich lvar unten. Ich habe aber kein Buch mitgebracht, denn ich kam nur bis zur Schwelle. Es war jemand in der Halle, und den hätte ich ans jeden Fall sehr erschreckt. Die Tür war nur angelehnt, und wie festgewurzelt blieb ich an dem handbreiten Spalt dahinter stehen. Tie große Laterne brannte nicht, alles war dunkel, tiefe Schatten lagerten in den Nischen und den Teckenbogen Um so heller beleuchtet war das Bild am Kamin. Eino Kerze stand auf dem Sims mib das Feiler im Kamin war mit einigen trockenen Zweigen mib Tannenzapfen neu ne- schürt worden. ü Aus dem dunklen Bärenfell davor kniete Lilli. Sie Irltg ein zartrosiges langfaltiges Kleid; ihr Haar lvar lvohl schon zur Nacht ansgelöst und floß wie ein breiter blaßgoldiger Strom über Schultern und Nacken bis auf die Erde, loo es sich mit dem zottigen schwarzen Bärenhaar mischte. Es lvar ein märchenhafter Anblick, dnrch die zlvie l'paltige Beleuchtung, oben das stillbrennendc Licht und unten das flackernde Feiler, noch gehobeli. Ihr Gesicht mit dem seinen Naschen, das an der Spitze ein wenig iiach oben lvippt, war tvieder traurig und der weiche blasse Kinder- ninnd bitter verzogen. Neben ihr lag der Barsoi, den spitzen Kops aus den Borderpfoten, die großen grüulicheii Augen unverwandt auf das Mädchen gerichtet, dem er mit größtem Interesse zuznsehen schien. Sie hielt ein Buch in der Vaud mit einem lveißgoldenen Deckel und einer großen goldeiien Inschrist. Ich konnte ganz gut erkennen, daß es e,n „Poeliealbum" lvar. - Wollte sie es nächtlicherweile verbrennen? Enthielt dies weißgoldene Büchlein Geheim- m e, die ihr künftiger Gemahl nicht wissen durste? Jeden- sallc- irmr sie aus ihrem Zimmer, ans deni ich durch die offene Dur den roten Schimmer der Nachtampel sah, noch einmal heimlich heransgekoinmen, um in später Nachtstunde ängstlich bangend ihr Zerstörungslverk an de,n Zeugen aus nL tt ^anaeuhert zu vollbringen. - Aus den Blättern nJi jetzt ein vertrocknetes plattgedrücktes Sträußchen und legte es auf die Glut. während langsam große glitzernde Dränen unter den Wimpern hcrvorperltcu. Ich lveiß nicht, durch lvelch blitzschnelle Ideenvcrbindilng ich sofort orientiert war, daß die kleinen roten verwitterten Blümchen Ranunkelröschen waren, uiid daß ich selbst ihr dieses unansehnliche Sträußchen gegeben hatte. Es war vor Jahr und Dag gewesen, als ich die erste Jagd in Groß^Ruiiow mitmachte »iid sie in ihrem slammendroten Tarlatankleide immer wieder knicksend vor mir stand und mit mir tanzen wollte und ich sie spöttisch mit diesem Sträußchen absand, das sie jetzt, trauernd ivie über eine liebe verlorene Erinnerung, vernichten zu müssen glaubte. Es lvar ein rührend liebliches Bild, wie sie btüniete in ihrem rosigen Morgen kleide, über das die blonden .Haare wie ein Mantel niederflossen, eigentlich ein Kinderbild Ich habe einmal ein solches gesehen von einem berühmten Kindermaler: „Das Abendgebet" hieß es. Jetzt zog sie langsam Seite ans Seite ans dem Büchlein und legte sie in die Glut, die gierig die dünnen Blättchen verschlang. Es schienen ihrer nur wellige beschrieben. Ich hatte Angst, sie würde mit ihrem flimmernden Gvldschleier von Haaren, die so ilahe dem Feuer bei dem Neigen mib Bücken ihr immer wieder über das Gesicht sielen, den Flammen zu nahe kommen, und ich müßte schnell znspringen, sie zu retten. Dabei habe ich unwillkürlich eine Bewegung gemacht, denn plötzlich hob Zarewitsch aufmerksam lauschend m'n Kopf nach der Tür, hinter der ich stand, und die knrza Lbcrlippe zuckte unter einem leise drohenden Knurren. Schnell zog ich mich daher zurück in heiß aufsteigcnder Beschämung über mein unritterliches Lauschen und sprang mit lautlosen Sätzen die teppichbelegteu Treppen hinauf Regenwalde. Das Gewitter hat wlossal abgekühlt. Es regnet intensiv. In solcher Wetterstimlnung macht Regenwalde seinem Namen alle Ehre. Die hohen Glastüren nach dem Park waren geschlossen und der Blick durch die feuchten scheiben auf die düsteren Baummasseil des Totenweges, die mau durch den rieselnden Regen mie durch einen graueitl zrttcrigeu Schleier sah, war unbeschreiblich trübselig. In dem großen Kamin der Halle brannten Eichenknorren mie damals, als ich das erstemal hier war, und die blaue Riesenlaterne über dem weihen großen Marmortisch in der Mitte verbreitete den ganzen Tag über ihr schwermütiges Licht . . >;ch saß am Kamin und rauchte, streichelte mit der Fußspitze das weiße Seidenfell des Zarewitsch, der ebenfalls den Kaminplatz am angenehmsten fand, und dachte an meine Abreise aus der Heimat, lind daß ich wahrscheinlich nie wieder hier sitzen würde und dafür morgen Brenckeu meinen Platz entnehmen würde, ivährend ich mich aus dem Wege befand, inein Gluck in der Fremde zu suchen. Ich war entschlossen, meinen hiesigen Aufenthalt noch abzukürzen tiub morgen früh ru reifen. Hier hielt mich nichts... im Gegenteil.— (Schluß folgt.) jeanenes imeDttts mit vem preuhen. Bon Waldemar B 0 n s e l s. _ Es war allen längst Gewißheit, daß die Deutschen aus ihrem ^u-geszug durch Belgien auch in L. einrücken ivürdeu. Hätte nicht der naher und näher erdröhnende Donner der Geschütze cs bewies^,, der wie ein herannahendes Gewitter hinter den Hügeln ^aiid, f° mußten die zurück,(reichenden belgischen und ttanzofnchen Truppen Zeugnis davon ablegen. In regellosen Scharen durcheilten jic den Ort Dag und Nacht. Wo tvaren ibr froml ..»nt, ihre iLiegesgewißheil geblieben, ihr Scherzerl und der Klang und Glanz rhrer prunkvollen Durchzüge?. Nun Nangcn schon tage- und nachtelang die Straßen, erst von den Geschützen von den Rusen der Kanoniere 1111b dein Schnauben der über- anstrengten Trere, dann kamen Reiter und Infanterie, du lieber Gott, ivrc sahen ihre Uiiiformcn ans! Gewißlich trnaen sie den Staub des^eimatlichen Erdbodens in Ehren, aber dichB^rrckü" dnt diese ^raurrgkert, dre über ihnen allen lagerte! Es war eine furchlbare, bösartige ^tr le ,n allen Gesichtern. Das Königreich war versunken, unwahrscheinlich rasch, ivie in einem schrecklichen Traum. 1 ; .. Als die letzten Kompagnien in Eilmärschen durchzogen, schlossen bu'.^.^u-ohner- fich ihnen zum größten Teil an. Kelne D?oh HZ Md kein Verbot brachten sre davon ab, mrd die Offiziere der- ltz'unlich 'hre ^Darl-eit, in der sie nienrals den kindischen md schmachvolle,^ Gerüchten gewehrt hatten, die im Lande Wer ne preußischen -Loldaten mr Umlauf lvaren. half keine Mahnung zur Besonnenheit niehr, die traurigen Züge hungcr'nder LLll'L StyJ** und erbarinrmgstvürdig ^ begleiteten ihre gettclüeten Heeresmassen, nahnren den zurückgeN'vrsenen Mannschgsten ihren letzten Mut und Mtm >ie Herzen mit Verzweiflung?. Was half es den Deutschen und mmer wieder den Deutschen alle Schuld zuzuschieben, niemand ragte mehr nach Schuld, das Geschrei ging um Nahrung, lvie >raußen das Brüllen der verwilderten Haustiere, die auf den Feldern umherirrten. Jeannettes Eltern warfen tut Grau der Morgendämmerung das Wertvollste ihrer Habseligkeiten auf einen Karren, verstört vor Angst, fast von Sinnen und bis zu Tränen erbittert. Das »eine Mädchen stand im Rahmen der Tür, unten im Zimmer brannte noch eine Lampe aus dem leeren Tisch und ihre Flamm, flackerte un Zug der offenen Fenster. Es regnete ohne Aufhören Jeannette wußte, daß sie bleiben würde, denn die kranke Groß mutter konnte nicht allein zurückgelassen werden. Sie' hatte sich mit den Schrecken dieser Erwartung abgefunden wie mit ihrem Twde und jene kindliche Entschlossenheit gezeigt, lvie nur junge Seelen fte m solch schrankenloser Hingabe auflveisen. Welch einen streit es in der qualvollen .Hast des Ausbruches gegeben hatte! „Sie lverden ein Kind nicht löten!" schrie ihr Vater, „eine sterbende Greisin!" Er zerrte sein Weib mit sich hinaus: „Willst du, daß wir alle verderben, denk an die kleinen Kinder!" Es war herzzerreißend. Die Mutter riß'Jeannette in ihre Arme, nur von ihrer eigenen Angst beherrscht und ohne zu be- nt,oajj ihr sinnloser Schmerzensausbruch die Qualen und die Befürchtungen ihres Kindes verdoppelte. Jeannette fühlte, re '^"tter zitterte, sie vermochte keinen der törichten Rat- schlage zu beachten, die ihr mit fliegendem Atem erteilt wurden, iur etns blieb ihr mit seltsamer Deutlichkeit im Bewußtsein, als der Wagen mit den Ihren längst hinter den Häusern der Torf- trahe verschwunden war: daß der Sonntagshut ihrer Mutter ®/~S9«I' €n kaft ihre Haare, dünn und grau, mt niedergefallen und vom Regen nah waren. „Maria schütze dich, Jeannette, Kind.. Nun war es merkwürdig still. Die Torfuhr schlug im ueb ligen Morgen, es war hell geworden. Jetzt würden die Preußen kommen.. Das kleine Mädchen schritt langsanr die Stiege des «KJ? k *2 * kmpor, bis in die Kammer, in der in der großen Bettlade die kranke, alte Frau schlief. Mit dem Ernst seiner vier- ^"^ahrennd einem tiefen Seufzer ließ das Mädchen sich neben cvL x n c M *£ r ""^. betrachtete lange sinnend das welke Ge- sicht der Schlafenden. Die schrecklichen Eindrücke und Aengste der letzten ^.age lvaren gar zu rasch und unerwartet gekomnieii, als es ihr möglich gelvesen wäre sich mit ihnen abzufinden und L'vas wie eine heilsame Anteflloftgkett der Erschöpfung beruhigte ibr Gemüt ein wenig. Sie überlegte, ob es nicht ratsam sei, zum ßfarrcr zu gehn, von dem sie wußte, daß er, lvie auch der.Lehrer, Ich Nicht an der allgemeinen Flucht beteiligt hatte, aber darüber um ihr in den Sinn, daß sie damit ihr Geschick nur um einige Mnuten hinauszogerte, chm aber nicht entging. Wenn nur die chrecklichen Gedanken ausblcchen toürdcn, bis alles erlitten und vorüber war, diese Eritmeruimen an die grausamen Geschichten aller Schandtaten der Preußen. Sie schloß die Augen und erschauerte, vielleicht würde sie nicht gefunden. Aber da überfiel sw eine furchtbare Vorstellung: Wie nun, wenn das Hans in Feuer auf fiiim und niemand half ihr, die Großiuuttcr hinauszutragen? Sie dackflc gar Nicht mehr an sich und an die Sicherheit ihrer eigenen fleineii Person. Vielleicht sterbe ich vorher, kam ihr in den Sinn und sebe Nichts mehr von allem Nnheil. Ob man daruui bitten konnte? Ja, wenn es Nicht die Preußen wären. Die Bayern Ulten mel menschlicher sein, sie schlugen alles aleich mit dem Geivehrkolben tot, aber die Preußen nahmen Kinder auf die Lanzen, die noch schnei!... ' Jeannette erhob sich nach einer Weite und begann im Hause Ordnung zu schassen, so gut es gehen wollte, sie tat es gedankenlos und m einem leeren Traumzustand. Es sah umher aus, als seien die Z"nde schon dagewesen. Wie mutlos dies Chaos machte, das Me Augst der Ihren zuruckgelassen hatte. Als sie das Haus ver- lien, um zum Brunnen zu gehen, brach die Sonne durch das .Rorgengewolk, cs war hell und frisch. In weiter Ferne rollte es dumpf und drohend hinter den Hügeln, näher und deutlick)er als gefter«, aber b"' schast lag still und verlassen und aus den Nachbarhöfe stieg kein Rauch mehr. WS das Mädchen nach einer Weile den Blick vom Brunnen! erhob und sich an,chickte, mit den Wassereiuieru über die Straße MAckMehen, erstarrte sie vor Entsetzen bei dem Anblick, der sich ihren Augen auf der kleinen Anhöhe bot, über die der Weg ins Don führte. Sie erblickte, schräg von der Morgensonne beschienen, vier oder fünf Reiter, die in gemächlichem Trab auf ihr Vaterhaus t zarkamen: sw hoben sich groß und drohend vom.' Hellen Himmel und über ihren schultern, neben den Helmen mit den seltsamen, ^lant^en Tellern darauf, tanzten die schrecklichen Lanzen auf . . SK S>*t4cit die schweren Wassereimer die Arme des Dndes nicht niedergezogen, so wäre es sicher in seiner Erstar- r rung unbeweglich stehen geblieben, nun ließ sie ihre Last zurück auf das Haus zu, aber an der Steinschwelle verließen Kräfte sie. Sie fühlte eS vor ihren Augen dunkel werden und mnt am Türrahmm auf die Knie nieder. Um ,vas hatte sie doch woflen? Mana hilf, erbarm' dich..." stammelte sie. Vreg dröhnte, uitb laute, fremde Stimnien erschollen, z^sannnte nrerkte daran, baß die Schatten ber Reiter aus die Schwelle friert, baß sie vor ihr angelangt tvaren, sie wagte eS Mt, ihre Blicke denr Tod entgegen zu heben, den sie erwartete. Ein Pferd schnarchte und sie zuckte zusammen. Dann wurde gerufen, das mußte ihr gelten. So lvar es wahr, daß diese Grausamen ihr Opfer vor denv Tode quälten... Sic wollte beten, aber ihre blassen Lippen bewegten sich nicht. Da fühlte sie einen seltsamen Truck auf ihrem Scheitel, cs glitt über ihre Haare hin und an den Schläfen nieder, und dann ßioch emmal. Ehe sie begriff, was ihr geschah, fühlte sie eine harte Hand vorsichtig und liebevoll unter ihr Kinn fassen und ob fw wollte oder nicht, sie mußte dem sanften Druck nachgeben, der ihr den Kopf hob. Da schlug sie rasch die Augen auf, ganz betört von dem Unerwarteten, das sie überwältigte, und ihre Blicke KV 1 * l n,tor cm bcm harten Helm zwei helle, blaue Augen in einem lächelnden Mannergesicht. Der Reiter tvar vom Pferd gesprungen cr iucktc ihr zu und richtete sie auf. Sein Gesicht drückte ein so aufrichtiges Erbarmen aus, daß niemand darüber hätte in Zivcifet blcwclr können, was ihn beioegte, am wenigsten« ein Kind. Ler Reiter schien etwas sagen zu wollen. er wandte sich an laue Leute, eS__toar dann aber, als kämse ihm nichts in idem ««ln, er schüttelte nur langsam den Köpf und nahm sein Merd benn Zugel, um! es aus Jeannettes Wassereimern trinken zu lassen wie schon die Anderen es vor ihm getan litten. Dabei gebärdete er sich rauh und beinahe böse, als müßte er etwas in der eigenen Brust bekämpfen, das sein Soldatenherz nicht duldete. Tann sah er wieder iiach dem kleinen Müdchen hinüber und mm lchwieg er erst recht, beim es ruhte im Blick dieses .Kindes ein Gedanke, der^groß^vre die Welt erschien, zugleich einsam und ubervolt an Tank. Solche Blicke können in den Augen der Men- erstehen wenn unerwartet eine heilige Freude die Finsternis des Bösen ilberwindet, oder wenn alles in einer Seele sich plötzlich für ern ganzes Leben entscheidet. Und so kam es, daß »wischen der kleinen Jeannette und dem preußischen Reiter kein Wort gewechselt lourde und daß sie einander doch auf wunderbare Art in ihrem Gemüt verstanden. Nur vom Sattel aus rief der Reiter dem Kinde zmn Abschied zur „Merci! Mern! und strich sich über die Augen. Der erste Unterseebootangriff vor f00 Zähren. Es war in der letzten Zeit des langen Krieges, den England nnt den Bereinigten Staaten führte, als am 19. Juli 1812 das englische Kriegsschiff „Ramfllies^ vor New London vor Anker lag und diese amerikanische Stadt blockierte. Der Befehlshaber der „Raniillies war der Kapitän Hardt), ein Kampfgenosse Nelsons, der unter ihm großen Knegsruhm erlarrgt hatte. Die Deckwache, die auf Posten auf nuk> ab ging, bückte sich zufällig über Bord und bemerkte dabei plötzlich einen Gegenstand an der Oberfläche des Meeres, ganz nahe am Schiff. Der Ruf „Boat ahoy"! hallte laut über das Schiff, aber als mau näher die Sache untersuchte war nichts zu scheu. Der Wachtmatrose mußte sich allerlei Spott gefallen lassen, weil er „Geister sah"; aber dann erkannte man eine dunkle Masse, die frch au dem Wasserspiegel emporhob, und nun wußte mau: es tvar ein Unterseeboot. Die Alarmkanone dröhnte nun durch die Stille: die Ankerketten lvurden rasch durch» schnitten: alle Hände waren geschäftig, und das Schiff ging mit großer Schnelligkeit m See. Noch einmal tauchte der unheimliche Fremde an der Oberfläche auf, aber bevor noch die Kanonen gegen die Stelle gerichtet wurden, war- der gefährliche Besucher wieder u"tergetaucht und heftete sich fest an den Kiel des englischen Schiffes. Eine halbe Stunde lang blieb der furchtbare Feind an dem Rumps seines Gegners, der machtlos war, sich zu wehren, und dessen Besatzung das Schlimmste befürchtete: während diestr Zeit gluckte es dem Manu, der in dein Unterseeboot war, ein Lock durch die Kupferivand des „Ramillies" zu bohren, aber die Schraube, mit der er den Explosivstoff au dem Schisfsboden befestigen wollte, zerbrach, und so mißglückte der Versuch, das Schiss zum Sinken zu bringen Einen ausführlichen Bericht von diesem Unterseeboots-Angriff, dem ersten, der den Schrecken der heute als so furchtbar erkannten Waffe wirklich ahnen ließ, hat Kapitän varbv m seruer interessanten Selbflbiögraphie gegeben: er erzählt, dan dieses amenkanMe Tauchboot von seinem Erfinder bereits außerordentlich vervollkommnet tvar, mehr als 5 Kilometer in Stunde zurücklegen und nach Belieben aufsteigen und unter- tauchen konnte. , Schon vorher lvaren Nnterwasserbootc in dem Kriege zwischen England und Amerika auf amerikanischer Seite verlvendet wor- s"' Ist ^ ° bne Erfolg. Der Gedanke, das Unterseeboot zur Kriegführung zu benutzen, ist ja fast so alt tvie der Gedanke der Erfindung selbst Der erste Mann, der diesen Plan näher ins Auge lfeiatzt hat, durfte merkwürdigerweise ein Bischof gewesen sein k WL* 11 . englischer Kirchenfürst, John Wilkins von Chester, ver 1648 nn ideenreiches Buch „Mathematicall Maqick" ver- öffentlichte. Ob er von der merkwürdigen Erfindung des Holländers Cornelius Drebbel gehört hatte, der 1624 das erste unterwafserboot baute und damit eine Fahrt aus der Themse unternahm, bleibe dahingestellt. Jedenfalls beschäftigte er sich YLSSF* Eber Malichkeit. ein Boot für Untersee sch ffahrt -ll bauen Er verkannte die Schwierigkeiten dieser Ans gäbe lucht, verweilte aber mit Behagen bei den Vorteilen, die 104 solch ein Unterseeboot „zum /schütze gegen Seeräuber, Stürme, Eismassen und beim Seekrieg" ^bren nmrde Er malt lch sebr anschaulich aus. wie der Bender solch unsichtbarer Schiffe jeder andern Seemacht überlegen fern müsse. und da er ein pyan- tasievoller Mann war. geht .er noch werter und sagt vorau», man ivcrde noch einmal so wett kommen, das; Menschen beständig unter Wasser (eben könnten und nicht nur für eine kurze Mette untertauchen, sondern Jahre und ihr ganzes Leben aus dem Meeresgründe verbringen könnten. . Der kühne Oiedanke des englrschen Biselwfs ruhte ,edoch ctu Jahrhundert, und erst um 1750 machten die Versuche, ein Untersee boot zu bauen, mehr von sich reden. Ein unerschrockener: Märtyrer seiner Idee war John Day, ein anner, wissenschaftlich nicht gebildeter Mann, der 1774 mit seiner Schaluppe von 50 Tonnen, in der sich eine luftdichte Kammer befand, bei Plymouth ins Meer tauchte. Er glaubte sich seines Erfolges so sicher, dast er alle Vorsichtsmastregeln ablchnte und nur eine Hängematte, eine Uhr. eine Wachskerze, eine Flasche mit Wasser und cm paar Bis- fiiit* mitnahm, weil er einen ganzen Tag unten bleiben wollte. Doch er kam niemals inieder, und die Menschenmenge, die ängstlich auf sein Wiedercrscheinen harrte, muhte schlicstlich ihr Warten aufgeben. Mehr Glück hatte der Amerikaner Bushnell aus Connecticut, der sich mit seinem Boot einige Zeit unter Wasser hielt. Die Anlerikaiier gingen dann auch sofort daran, diese Erfindung in ihren, Seekrieg mit den Engländern auszunupen, und schon vor dem Angriff auf den „RamillieS" 1812 wurden drei Versuche der Art von den Amerikanern unternommen. Die Unterseeboote kamen jedesmal mit dem Boden der Kriegsschiffe in Berührung, doch gelang cs ihnen nie, die Explosivstoffe wirksam anzubrmgen. 1797 entwarf der berühmte Schöpfer der Dampsschiffahrt. der Amerikaner Robert Fulton, ein Unterseeboot, dessen Bau Napoleon unterstützte, weil er darin ein wertvolles Mittel zum Kampf gegen die Engländer ahnte. Dies „Tauchboot" tt'ultons, das den Namen „Nautilus" führte, unternahni 1801 aus der Seine Probefahrten: cs hielt sich in einer Tiefe von 22 Fust eine Stunde unter Wasser und bewies seine Fähigkeiten zum Angriff, indem cs im August 1801 bei Brest einen alten Schoner durch cm Torpedo in die Luft sprengte Greifbare Kriegsersolge wurden freilich auch mit Fultons Schiff nicht erreicht, und zur wirft amen Kriegswaffe ist das Unterseeboot erst ein Jahrhundert später geworben. Die incrkwürdige Idee einer Verbindung von Untersee boot mit Luftschiff hat übrigens der berühmte Erfinder Charles Babbaac 1840 ausgesprochen, der hier „eine ideale Mischung wm Fisch und Vogel" liefern wollte. 48b Tonnen und ruht auf nicht weniger als 14 Achsen. Jl^e Bau- ent weicht, wie wir den, .Prometheus- entnehmen, iitfoferu von der der üblichen Lokomotiven ab, als sie drei getrennte Dampf- Maschinen aulweist, von denen zivei unter dein Lokomotiokestel angebracht sind, während die dritte unter dein Tender liegt. Dadurch wird daS recht beträchtliche Gewicht des Tenders, der auster 4k> Kbm. Wasser noch 10 Tonnen Kohlen lastt, auch für die Zug- Wirkung de§ Ganzen nutzbar gemacht. Die initiiere Maschine ist die Hochdruckmaschine, während die beiden anderen als Niederdruck- liiaschlneii aittgebildel sind. Tie Zylinder besitzen alle deii gleichen Durchinesser von 900 Millimeter uiid de», gle>chc>i Htlb von 700 Vkilli- Nieter und sind auch in den übrigen Groben- und Kuppelungsverhältnissen durchaiiS gleichmästig onsgebildet. Der in dem mächtigen Kessel von 700 Quadratmeter Heizfläche erzeugte Dampf wird »roch besonders überhitzt und mit einer Spannung von elf Atmosphären dem inkttleren Zylinderpaar der Hochdruckmaschtne ziigelührt. Ter aus den, rechten Hochdruckzylinder austretende Dampf wird dann dein vorderen Niederdruckzylitiderpaar zugcieitet, während der aus de»i, änderet, Hochdruckzylinder der hinteren Niederdruck«, aschine -»«geht. Diese Tailip'ziiiühruugsrohre besitzen natürlich Gelenke, denn eine starre Verbindung so weit auseinander- liegender Teile würde beim Turchlabren von Kurven zit Brüchen führen. Der Abdampf der vorderen Maschine >vird, ,vie astgemein üblich, in den Schornstein geleitet und dient zur VerslärkiNig des Zuges während der Abdampf der Tendermaschine durch die Rohre des 'Wasserbehälters läuft und daS Spetfewasser vorivarmt. Die geivaltige Dtnschiiie besitzt eine Zugkraft voi, 80 Tonneil. Die Küche im Kriege. (Nachdrlick dringend erwünscht.) Hafermehls u p p e. 90 Gramm Hafermehl, 20Gramm Fetft Suppengemüse, Salz, 1 Vs Liter Wasser. Das Gemüse wird in dem Wasser ausgekocht, dann wird die Flüssigkeit durch ein Sieb gegossen und das in etwas kaltem Wasser angerührte Hafermehl unter Rühren dazugegeben. Die Suppe nnrß eine halbe Stunde kochen. Petersilie-Kartoffeln: Man läßt sein gehackte Zwiebel in B,rtter gelblich schwitzen, tut fein gehackte Petersilie dazu, rührt etwas Mehl mit warmem Wasser daran, so daß man eine dünnsänlige Tunke erhält, in welcher man nun die in Scheiben geschnitteiicn Kartoffeln tüchtig umschüttelt. _ verniNebt(A. • Eine Klassikerin bc-5 „Sdimofcvä". Tee Tod der enali'chen Roinonschriltstellerin Mary Elisabeth Braddon wird auch bei uns manchem älteren Bücherleser die Erinnerung an rmterhaltkame Stunden zurückrillen, de>,n diese „englische Marlitt" hat vor einem Dierteljnhrhundert anctj bei uns erneu groben eser- kreis gehabt, und selbst Moltke gestand, dast mau sich mit einem Buche von ihr recht gut die Zelt vertreiben könne. Ter Literarhistoriker, der sich in einer späteren Zeit einen Degrifs von der Unterbaltungßliteratnr der Zeit der Königin Viktoria, von dein berühmten „englischen Dreibäuder', der den Lesehlmger der ganzen Well stillte, wird machen wollen, mutz zll den Romanen der Braddon greise,^ etwa zu .Ladn Audley's secret", mit dem sie ihren Ruhm begründete. Auch im deutschen Schrifttum hat ihre Technik, die um irgerid ein spannendes Geheimnis breite Familien- szeiien gruppierte, deutliche Spuren hiiiterlassen, und eine ganze Schar von deutschen „Blaustrümpfen", von der Heimburg bis mr Eschstruth. ist ans ihren Spuren geivandelt. 75 Jahre ist die schreiblustige Dame alt geworden und 75 grobe Romane hat sie verfaßt, alle mehrbändig, ei»ie statiliche Leistuna, in der eine Menge Erfindungskraft mid viel Fleiß steckt. Dast sie schnell hintereinander schrieb und nicht viel Zeit zum Feilen hatte, sieht man nuS der nachlässigen Art, mit der die Sprache behandelt ist. nur im Dialog ivird ihr Bnchdeutsch recht lebendig. Cie war die Tochter eines Loildoncr Rechtsanwalts und heiratete ihren erstell Verleger. Mit englischen Veihältuissen imibte sie aut Bescheid; freilich war cs daS England um die Milte des vorigen Jahrhunderts, das sie bis in die neueste Zeit darstellte, ein gemütlicheres, idyllischeres und humorvolleres Land als daS heutige „Empire". AIS sie iljrcn eiften Versuch, den Roman „Der Schwanz der Schlange-, mit zwanzig Jahren zu einen, Drucker in Porkshire brachte, bot ihr der als Honorar 800 Mark imb gab dann schliestlich 410 Alk. Bald aber fand sie den richtigen Ton, und als sie den Verleger John Maxwell heiratete, fetzte das Ehepaar Millionen von Exemplaren ihrer Bücher um und verdiente Millionen. Ihre ersten Bücher, die „Auxpra Floyd" und „Henry Dnnbar", sind a»lch ihre besten ge- blieben und in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. * Die gröstie Güterz,ialoko,notive der Welt. Die gröstte zur Zeit in Betrieb befindliche Gülerziiglokoilioltve dürste die vo>, de>, Baldivti>-Loko»uotivlverken für die amerikanische Erie-Olsenbahi, gelieferte Lokonioltve sein, die für die Beförderuilg langer Güterzuge aus lesonderS steil ansteigenden Strecken verwendet wird. Sie besitzt mit dem Tender ein Gesamtgewicht von vüchertisch. — Eulen bürg, Pros. Dr. F., DaS Geld im Kriege ,l n d Deutschlands f i n a n z t c l l e Rüstung. PrelS 75 Pfg. Leipzig, Verlag von K. F. Koehler. — Tiefe Abhandlung des bekannten Gelehrten ist eil, erweiterter Vortrag, der in all- gemeinverständlicher Fassung die Berechnungen über die Kosten des Krieges auf wissenschastlicher Basis aufffelU. Auf ein reich- halliacS statistisches Material filstend. ist dies- exakte Berechnung der Kosten deS Krieges tuv aste Beteiligten, die genaue Beurteilung der finanziellen Rüstung der Kriegführenden, eine Untersuchung deS Wirtschaftslebens auf feinen Zustand und leine Entwicklung, eine sorgfmn begründete Prognose der kriegswirtschaftlichen Zukunft. Schach-Aufgabe. Scknvarz. Meist setzt mit den, dritten Zuge Matt. Auslösung in nächster Nummer. .Auflösung des Rätsels in voriger Nummer: Serben, sterben, Erben. Schristleitimg: Ang. Goetz. - RotationSdriick und Verlag der Vrühl'schen UniversitälS-Buch- und Steindrnckerei, R. Lange, Gießen.