Saa Oarlidiks der Lrde. Roman von Ada von Gersdorsf. (d!achdrruk verboten.) (Fortsetzung.) ZWiel Lisch, „Eldorado", April. Heut früh besam ich die Nachricht aus Berlin von Justizrat Klinghammer, daß sich schon nach dem ersten Aufruf in den englischen Blättern der gewisse Edmund von Rehn als lebend und gesund gemeldet habe, in Tonking angesessen als wohlhabender Mann und Besitzer eines Teehauses, vulgo Opium- tneipe. Er habe zwei Berliner Anwälte mit seiner Vertretung betraut. Die Beweise, daß er der Gesuchte sei, würden vorgelegt werden... Eben war der Groß-Rnrwwer hier. Nicht zum erstenmal. Er hat mich fast jedesnral ausgesucht, wenn er in Geschäften zur Stadt kam, und ich bin auch öfter draußen gewesen. Ich sprach mit ihm über meine Erbschastöangclegenheit. Er schmieg eine lange Weile, am Fenster stehend. „Wenn dieser Kerl wirklich mit dem Bruder Ihrer Darrte identisch ist, Rehn," klang es endlich von dorther, „dann stehen Sie vis-ä-vis de rien. Ihre Tante ist mir unverständlich. Wenn sie nicht die Beweise seines Todes hatte, na — ich will Sie nun endlich allein lassen. Sie wissen ja, wo ich zu finden bin. In Groß-Runow sind Sie jederzeit lviltkommen; beim alten Kaltwein finden Sie Rat und Tat. Aber erst mal mit sich selbst ins reine kommen — mit dem, was man so Schicksal nennt. Kopf hoch, Mann?" Er gab mir die Hand und ging. Ja. Ein Freund M Rat und Tat, ein väterlicher Freund, den ich stolz bin zu besitzen, stolz wie ich war auf Gräfin Waudas Freundschaft. Und dennoch — keine reine Freude dran? Ein bitter peinvolles Gefühl schiebt sich zwischen den Runower und rnich. Ich weiß von mehr als einer Seite, wie gern er nur mehr noch sein würde als väterlicher Freund, wie gern wirklich Vater. Er hat keinen Sohn und das soll oer Schmerz seines Lebens gewesen sein. Aber selbst wenn ich ihn verlieren müßte — ich kann nicht ihm zuliebe seine Tochter heiraten. Umgekehrt den Schwiegervater um der Frau willen in den Kauf nehme,!, ist kein so schweres Opfer, aber eine Frau wegen des Schwiegervaters heiraten — nein! Gewiß, nrir sitzt das Messer an der Kehle wie wenigen, und manche wurden nicht verstehen, daß ich nicht zngreife mit beiden Händen, aber ich kann mich nicht übertvinden, ich deute noch genau so wie an jenem Jagdtaae in Groß-Runow. Eben überlas ich wieder die Stelle in diesem Buch: „Es muß furchtbar sein, wenn einem das Messer derart an der Kehle sitzt, daß er in diesen sauren grünen Apfel beißen nmß." Ich kann mir von ihm, der sonst so klug und so vornehm von Gesinnung ist, nur das eine nickt recht denken, daß er nrir das Mädchen geben würde, wenn ich jetzt oder bald um sie anhtelte, rvo er sich doch sagen müßte, weshalb ich's täte! Mir hat'- Tante Lalti noch kurz vor ihrem Tode, Gräfin Wietersberg aus dem Basarball, Poncalet, sogar Betzingslöwen ein mal aus einem unserer Ritte gesagt, der Baron habe sich ziemlicli unumwunden geäußert, daß ich ihnr als Schwiegersohn willkommen wäre. Man weiß ja schließlich nicht, wie alles kommt, und Poncalet meinte bei seinem letzten Besuch, man solle gerade, »vas verlieben und verloben betrifft, nie etwas verschrvören, denn eben da geschähe meistens das Gegenteil von dem, was man erwartet habe Tie große heiße Wunde meines Herzens ist noch so frisch, daß mir der Gedanke überhaupt an irgend eine Beziehung zu einer anderen Frau einen seelischen und physischen Widerwillen erregt. Ich bin oft in Groß -Runow und fühle mich unbeschreib lich wohl dort, so vieles erinnert mich an mein liebes altes Elternhaus. Auch das war so friedlich, so ein bißchen alt- väterlich vornehm, so gemütlich. Selbst die Dienstleute, der alte Diener Lüttich und die freurrdlich rundliche Mamsell, erinnern mich an unsere Leute zu Hause. Ich würde gern, wenn hier alles geregelt ist, einige Wochen dort weilen^ um wieder zu mir selbst zu kommen: aber dgnn ist die Kleine wieder zurück. Jetzt ist sie nämlich nickt da, sondern in Berlin, zum Besuch bei einer verheirateten Eousine. Ich habe das dunkle Gefühl, daß sie da etwas dressiert) werden soll, ob indirekt für mich? Es tut mir zu leid um den Vater, daß ich ihm den Gefallen nicht tun kann. Ich fahre heute abend znm letztenrnal hinaus. „Eldorado", April. Auf dein Tische liegt mein Abschiedsgesuch und ein Inserat fürs Kreisblatt, um Apollo zu verkaufen. — Ta liegen die beiden Schreiben schon seit heute nacht und sind nicht abgeschickt, und jetzt ist's wieder Nacht. Mick hat's gepackt ... ich fühle jetzt, rvas es sagen will: Uniform ausziehen, Slpollo hergeben, heraus auö dem Beruf, der nrir der einzige tvar von klein auf — der einzige * Herunter vom Pferde! Zivil! Zu Fuß. Und tvas dann? Wohin? Zum .Hinsetzen und Ueberlegen habe ick nicht einmal Zeit. Geld borgen, um irgend etwas anzufangeu? Von wem? Wann wieder geben können? Der Baron Kallwein würde wohl Rat wissen . . . Gräfin Wanda auch. Tie sind aber beide ausgeschlossen, da kann ich nicht hingehen und sagen: Borgt nrir Geld und gebt mir Rat! Manche Dinge sind unmöglich. Ich grüble und denke und . . . EÄen tvar BrenckenII hier, der jetzt Adjutant ist bei Rackwitz. Ich rvar dock anfangs etwas frappiert und verletzt, daß er meine Mitteilnug von dem endgültigen Abschluß meiner bisherigen Laufbahn so heiler gleichgültig anfnahm, bis er auf einmal die beiden adressierten Briefe liegen sah und danach griff. Dann faßte er, rnich mit einem Blick ansehend, alS hielte er rnich für nicht ganz normal: „Sie sind wohl krank, Rehn? Sie »vollen den Rock ausziehen? Born Pferd 'runter? — Sie!? Versicherungsagent, Wenireisender werden, Ztgarrenfritze an der Ecke bet Löser bc Wolfs! Meine Kundschaft'ist Ihnen sicher." Er lachte und schlug mir derb aus die Schulter „Mensch, gehen Sie erst mal aus meine Kosten in eine Nervenheilanstalt, und tvenn Sie wieder normal sind, dann heiraten Sie die Tochter vom alten Kallwein. So ein einfaches Auskunftsmittel — und das fallt Ihnen nicht von selber ein?" „Weil ich kein Mädchen heirate um ihres Geldes willen, ein Mädchen, das ich iiicfjt liebe, nicht lieben kann," sagte ich scharf. „Warum denn nicht?" fragte er und riß seine großen himmelblauen Augen erstaunt auf. „Ein frisches Mädel von siebzehn Jahren - - und eine solche Mitgist, und das Groß- Runow und ein Schwiegervater, wie man ihn sich malen möchte. Und die tadellose Familie — nicht daran zu tippell nach allen Richtungen hin und — Sie können das.Mädchen nicht lieben!? Nun, Rehn, Sie tun mir lvirklich leid! Großer Himmel, lvaö ist nicht schon alles geheiratet wor den - ohne Liebe, ans allen möglichen Gründen, und die Geschichte ging meist öfter gut und seltener schief als die Heiraten, die mit einer Liebesgeschichte anfangen." So redete er noch eine ganze Weile, lind ich sagte immer lveiüger und wurde immer stiller; ich hätte ihm doch nie begreiflich gemacht, lvie es tit mir aussah. Und wenn ich ihm gar von Tatiana gesprochen hätte! Ich glaube, er hätte mir ins Gesicht gelacht. Er war mir mit all seiner Liebenswürdigkeit und seinem nicht zu leugnenden Schneid nie sehr sympathisch. Er erinnerte zu sehr all den richtigen Konnnißlelltnant, manchmal nxit einem Stich in die „Fliegenden Blätter". Endlich stand er aus. „Na, wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zll helfen," meinte er achselzuckend, „und wenn es Ihnen so leicht wird, ben Rock auszuziehen und zu Fuß herumzubummeln, dann schassen Sie sich mal erst ein andres Zivil al«. Ich kann ja lvohl die Briefe da gleich in den Kasten stecken." Ich nahm sie ihm fort und warf sie in die Schreib- lischlade. „Na, ich denke mich," meinte er lachend, „Sie überlegen sich die Sache noch inal. Ich fahre morgeil nach Groß-Runow ouf einen Kapitalen — und werde Ihnen .Schritt machen« für das Rernleil." Ich bin in Gros; Runow und habe die Msicht, ohne Nervensanatorium normal zu handeln und Lilli Kallwein zu heiraten. Mir bleibt eigentlich nichts ailderes übrig. Ich l-abe mich zll überwinden versucht, mir Brenckens Auffassung zll eigen zll machen, und es ist inir, hoffe ich, gelullgen. Gros; Ruilolv. Wieder bin ich abgelenkt von meinem eigeneil Geschick durch das Schicksal andrer Menschen, die inir sehr nahe stehen. Betzingslöwen ist in San Remo nach schwerem, geduldig getragenem Leiden verschieden. Schon lange lvar er herzleidend gewesen: llachdem er ben Dienst quittiert hatte, verschlimmerte sich das tapfer getragene Nebel bald, um verhältnismäßig rasch zum Ende zu führen. Noch kurz vor feinem Tode bekam ich einen Brief von ihm, worin er mich anredet: „Mein lieber junger Freund." -h U nter viel Schönem und Freundlichem, was mich persönlich betrisst, schreibt er, daß er gewußt habe, er würde nicht so lange leben, um hindernd zwischen zlvei jungen Menschen zll stehen, die sich wahrhaft lieben — seine Frau Und Poncalet! Nur deshalb habe er damals das Opfer seiner Frau angenommen, weil er ein vollkommeues Glück, ein reines Glück für sie lvollte und dieses auf natürlichem Wege kommen sah. Er sei schon damals von der nur noch kurz, bemessenen Dauer seines Lebens überzeugt gewesen, und jetzt fühle er, daß es sich wohl nur noch um Tage handeln könne. Wenig Menschen, schreibt er. lväre lvohl ein so lchoner Tod vergönnt, daß sie sich sagen könnten: Mit einem einfachen Sterben hinterläßt dn denell, die bu lieb hast ei» Erbe des Glücks... „Helfen Sie mir dazu, daß es auch )o geschieht," bittet er. Und lvie damals, als anstatt der erwarteten Geliebte Poncalet kam. um inir seinen letzten Willen anzuvertrcmei verdank ulles eigene Weh vor dem Schicksal dieser dr, Menschen. Wo war Poncalet? Tot? Doch wohl, denn c war nicht der Mann, der mit solchem 'Wort und Entschln spaßte und vielleicht monatelang ans eine Gelegenheit wai tete. Ich hatte nichts mehr von ihm gehört. Ec war m niemand im Regiment sonst befreundet Ich wußte, daß e alng, mn zu sterben, und kann kaum an seinem Tode rwe sein. Aber immerhin war es möglich, daß er es vermiet unmittelbar au die Ausführung seines Entschlusses z gehen. Wäre der Trennuug sein Tod aus dem Fuße gefolgt, lo «hätte dies den Verdacht, der edleu,Frau erregen und sie mn den Frieden bringen müssen, den er ihr geben lvollte. Groß-Runow, Juli. Es ist Abend, ein klarer, friedvoller Samstagabend. Ich sitze am Fenster und schreibe. Die milde Luft voll Blnmeudüste, besonders der Rosen unter meinem Fenster, kommt ab und zu weich zu inir herein. Die hohen, fast schwarzen Tore drüben am Parkgitter stehen beinahe lvie drohend da in ihrer starren Unbeweglich keit, als müßten sie den Frieden dieses Hauses bewachen. Vor wem? — Vor mir vielleicht? Um Gott nicht! Ich habe den festesten reinsten Willen, diesen Frieden bewahren zu helfen, meine äußersten Kräfte anzuspannen, die Tochter dieses Hanfes glücklich zu machen, ihre Wünsche zu erfüllen, ihr durch Güte, Geduld-and heitere Freundlichkeit zu ersetzen, lvas ich all Liebe — Liebe, wie sie der Mann zum Weibe seiner Wahl fühlt, lvie ich sie gekannt und gefühlt habe, ihr nun doch einmal nicht geben kann. — Ich will ein Studium daraus machen, und lvas oft der heißesten Liebe nicht gelingt, einer Frau ein friedvolles Eheglück zu geben, das wirb und muß der Dankbarkeit, dem Gefühl heiligster Verpflichtung getingen. — Mzu schwer wird cs nicht sein. Sie selbst weiß ja, nmß ja doch wissen, daß mich'keine un- bezwingliche Leidenschaft zu ihr zieht. Ich habe ihr nie dergleicyen geheuchelt. Sie will mich eben. Warum weiß ich nicht. Ich habe so gar nichts vom „schönen Mann", vom verführerischen Ton Juan an mir, sonst doch so beliebte Eigenschaften sehr jungen Mädchen gegenüber. Mein Gesicht ist eigentlich ein Dutzenbgeslcht aus einer langen Reihe von Rehns. So ähnlich haben sie alle ansgesehen, schmale braune Gesichter, fast bartlos bis auf einen dunklen Flaum über den Lippen. Also nicht einmal die berühmte Maunesnerde, ein flotter Schnurrbart, ward mir von der Natur zuteil, wie überhaupt keinem Rehu. Ich habe auch nicht Poncalets stolzschöne Figur, bin nur sehr groß, ja, und sehr schlank, um nicht zu sagen knochig. Bärenhorst bemerkte einmal, ich hätte etwas von einem englischen Vollblüter, aber schon trainiert, dicht vorm Start. Der Vergleich gefiel mir ganz gut. Aber daß das nun gerade aus so viel Verständnis bei der siebzehnjährigen Lilli Kall- wein stößt, begreife ich nicht. Und gerstrg, seelisch kann die Bezauberung auch nicht vor sich gegangen sein. Was ich allenfalls darin bieten kann, habe ich erst in unsrer kleinen Garnison durch Langweile, Einsamkeit, Mangel an Zerstreuungen gelernt und in freundschaftlichem Verkehr mit Poncalet und Gräfin Wanda, mir also eigentlich von andern Leuten angeeignet. Aber um es in der Unterhaltung mit der Kleinen anznwenden, habe ich weder Gelegenheit gehabt noch gesucht. Ich werde morgen um das Fräulein von Kaltlvein bei ihrem Pater anhalten. Und mit der Hochzeit werde ich dann nicht lange warten. Es ist ja alles so einfach, so schrecklich nüchtern für alle Beteiligten, daß man ruhig dev kürzesten Wea zum Ziel einschlagen darf, ohne Befremden zu erregen. Das ist übrigens ein wahres Geschenk für mich, ich nehme es an, weil der sonst unausbleibliche Zusammenbruch meines Lebens mich dazu drängt, wie so viele andere. Die Mädchen heiraten doch jo oft und so selbstverständlich lvie wir auch nur aus reellen Gründen. Und da sie nach absoluter Gleichheit mit uns Männern streben, kann die Initiative ja zur Abwechslung auch von ihnen ausgeheu. Es würde manchem ganz bequem sein, wenn er nur zu. warten braucht, bis ihn eine fragt: Willst du mich heiraten ? — Sehr oft liegt das Schwierige darin, daß der Anstoß vom Manne aixsgehen muß, daß er handeln und die Schisse hinter sich verbrennen mutz. Davon ist schon mancher kopfscheu gelvorden und hat hier gezögert und hat da gezögert, bis er den rechten Augenblick verpaßte.' Ich selbst kenne manchen, der vor lauter Bedenken und Ueberlegen und egoistisch pekuniären Aengslen nie zur Bewerbung kommt und von ganzem Herzen ja sagen würde, wenn ein nettes Mädel ihn einfach fragen würde. Daher plädiere ich für freies Wahlrecht der Frauen, wenigstens in dieser Be- - ziehung. Es ist heute eine große Ruhe und Sicherheit über mich gekommen. Ich habe keine Wahl und das ist vielleicht gnt. Morgen mit zwölf Uhr mittags werde ich um Lilli Kallwern anhalten. Umform und Helm habe ich auf jeden Fall schon hergebracht. " (Fortsetzung folgt.) 83 Die Botschaft der Brotes. Bon Martin P r o s k a u e r. Der langbeinige $>od>Iäiiber gtt,g mit geschultertem Gewehr vor dem Eingang deS Inder-Lagers auf und ab. Schwarz und kalt lag die Nacht über den kahlen Bäumen zwischen den erdbraunen Zellen, und von fern her trug der Wind daS tiefe Dröhnen des Kanonendonners. Plötzlich fuhr der Posten ans und horchte in das Dunkel. Aber er sah den irrdischen Sergeanten nicht, der f(acl> an den Boden gedrückt im Schatten lag und mit finstern: Gesicht Nach dein Hochländer starrte. Der Posten lauschte einen ?lugen- blick, dann ging er mit langsamen: Schritt beruhigt seinen Wach> gang vor der Lagerpforte lveiter. Ter Jrrder hatte den Sol baten, aus dunkeln Augen starrend, verfolgt, jetzt kroch er geräuschlos weiter, kreuzte tut Schatten der Bäume den Weg und verschwaird auf der anderen Seite der Straße. Bald «var er auö der Hörweite deS Postens gekoimnen, halb gebückt richtete er sich auf imd eilte an: Rande des Gehölzes davon, bis e:n§ Reihe spitzer Zelte vor ihm anftauchtc. Vorsichtig ging er weiter toub sab sich suchend um. Ein iirdischer Soldat kam hinter einem Zelt hervor, der Sergeant rief ihn an: „Hollah, Du Sepoy, wo ist das Zelt der Vorgesetzten?" Ter indische Infanterist richtete sich auf: ,,Dort in den: großen Zelt hinter der Stange wohnen die Offiziere; und da drüben," er zeigte auf ein breites, flach hin- gelagertes Gebäude aus Zelttüchern, „ist das Zelt der Korporale!" „Seit wa:ut seid Ihr hier im Faringi-Lande?" „Seit Neumond!" Ter Sergeant winkte ab: „Gut, geht!" Daun ging er ans das Zelt der Unteroffiziere zu. Bor dem Eingang blieb er stehen uick) bückte sich lauschend, dann schob er den Vorhang zur Seite und trat ein. In dem niederen Raum saßen .auf den Knien hockend etwa dreißig indische Soldaten, aux dem Kopf den Turban, in Kakhi-Uniform gekleidet, alle Mis den: Aermel die Tressen der Urtteroffiziere oder Korporale. Der Erntreteirde hob grüßend die Hände: „Gute:: Abend, Kameraden! Ich bin der Tuffadar Nihal Singh von den 4. Bengal-Reitern. Heute" nach Sonnenuntergang kamen wir hier im Lager an, erst seit gestern sind «vir un Lande der Faringi!" — Die bärtigen dunklen Gesichter der Inder wendeten sich den: Sprecher zu, doch alle schwiegen. Endlich sagte ein alter Soldat Mit den: Abzeick^en eines Unteroffiziers, dessen weißgrauer krauser Bart seltsam den schwarzbraunen Kopf umrahmte. „Set willkommen, Tuffadar, u:ü> setz' Dich! Warum kommst 5&u in der Nacht?" Der Bengal-Reiter lachte grimmig: „Weil ich wie ein feiger Hund mich fortschleichen mußte! Weil die Sahib-Offiziere verboten habe::, das; einer von unS Nnren das Lager verläßt und mit Euch spricht!" Der Alte ließ daS Mundstück der Wasserpfeife, die er, wie fast alle anderen, vor sich stehen hatte, sinken. „Kamerad." sagte er langsam', „lvas gibt es Neues in Bengal und Hindostan?" — Nihal Singh, der Tuffadar der Lanzenreiter, stand auf Wtd fragte: „Wie heißt Du, Naik?" — „Ich bin Ali Topi von den 23. Sikh-Pionieren; ich bin der älteste Naik im Lager hier!" erwiderte der Alte würdevoll. Der Sergeant sah sich vorsichtig um: „Sind wir gan- sicher?" „Ganz sicher, Kamerad! Nun sprich, was weißt Tu von d>r Heimat?" — Ter Bengal Reiter beugte sich vor u:ü> sagte halblaut: „Am Tage vor unserer Abfahrt kan: ein Mann zu mir und brachte mir eine Botschaft für Euch alle, Kameraden, im Fa- iing:la,ck)e!" „Was für eine Botschaft?" riesen die tiefen Stiunnen der Inder zugleich. Nihal Singh griff au seinen Turban, nahm mit rascher Hand das vielfach gewundene Tuch ab, UndeUe cs hockte sich im Kreise der Kameraden nieder. Schweigend starrten alle aus ihre Wasserpfeifen, derer: dünne Schläuche »me kriechende Schlangen auf dem Boden lagen. Mi Topi, der Sikh-Unteroffizier. sprach zuerst: „Wir hören die Botschaft, doch wir sind nicht Mle. Laßt uns die andern holen!" Mehrere Unterosffziere sprangen auf und eilten zur Tür üüu- aus, gleich daraus kehrten sie mit neuen Kaineraden zurück, und bald war tu den: niederen Raum eine Schar von Indern versammelt. Dicht Leib an Leib gerückt, standen sie an-die Zeltwand gedrängt, in duinpsen Wellen «vehte die Wärme der vielen Körper durch den Raum, und heiß klang«: die erregten Atenrzüge. Ter Tuffadar Nihal Singh trat in die Mitte des Raumes und wieherholte seine Botschaft. Mle Augen starrten auf ihn, das heiße Schweigen durchglühte alle Gesichter, als er den Turban abnahm.' und das Eliupatti-Brot hervorholte. Tann brach ein Sturm vo«t Rusen und Fratzen aus, die Stimmen erhoben sich leidenschaftlich, bis Mi Top: Schweigen gebot. Er griff an seine Seite, «vo daS kurze breite Messer hing, und zerschnitt das Stück Brot in viele kleine Teile. Jeden der Inder rief er mit Namen und gab ihm ein Stückchen: dann beugten sich die beturbanten Köpfe wieder zusammen. Heiser flüsterten die aufgeregten Stimmen, und aus den kransbärtigen schwarten Gesichtern glühten leidenschaftlich und feindlich die Augen der Sprechenden. Plötzlich zeigte ein Pfiff der Wachen vor dein Zellhaus die Morgenstunde an, und leise und einzeln schlichen die Soldaten zu ihren Ateilungen zurück. * Zwei Tage später »virbelten die Trouttneli: durch das Laaer der Inder. Tic Mannschaften rannt«: zu de«: Gewehren, um bem weichen tierartig einknickenden Trab der Halbwilden eilten GurtdaS vorbei, noch im Laus die breiten Lendenrieinerl zuschnallend, und rasch standen die indischen Regimenter, den: Mann gehorchend, marschbereit da. Hinter den Bäumen leuchtete ein frostartiaer fahler Winterhimmel, von der Straße her rasselten Geschütze und klangen Kommandoruse. Tann ritt«: die englischen Führer heran. Die Eingeborenen- Ossiziere machten ihre Meldungen; ein kurzes Befehlswort, vielfach «vetter-gegeben, tönte über den Platz, und die Regim«ltcr marschierten in Reih«: ab. Ter Kanonendonner, dessen Schall den ganzen Tag «vie eine dichte Decke zitternd über den: Lande gehangen hatte, imtrbe stärker. Man unterschied das Aufbrüllen der scywcren Geschütze und den Heller«: Knall der Feldkanon«:. Auf d«: Stras;cn trabten Wagen mit Verwundeten den Indern entgegen, Autos jagten vorüber, uiib einmal schoß ein PuLrouillenfahrer aus einem knatternden Motorrad wie ein Teufel blitzschnell mit schreiendem Warnuugssignal vorbei, daß die Kolmmeu erschreckt vur Seite fuhren. Nun tauchte«: die erst«: Infantcriestellungen au:', Meldereiter galoppierten her, hielten die sc, witzend«: Pferde kurz an und jagte,^ zurück. Jetzt kanten die Befehle für die frischen Truppen. Zwei Regimenter gingen vor. In kurzem Trab, das Gewehr in der Hand, liefen die Inder rechts und lints u«u die Stellungen der Franzosen und Engländer und tauchten^:«: den breiten Waldsau«::, bessert ?lusläuse: sich dicht vor den Schützengräben hinzogen. M(aifct>inb fuhren die Kugeln der Deutschen in die Bäume oder pfiffen mit kurzem Rascheln durch das welke Laub, die Signalpfeifen der Off: ziere trillerten, und flach, «vie mit einem Ruck hingeworsen, lagen die Inder am Boden. Ein englischer Adjutant kroch von hinten ans den Stellungen zu den Führern heran: ^Befehl des Generals! Die Eingeborenen-Truppen sollen sofort im Sturmangriff gegen die Deutschen Vorgehen, je «veiler vor, desto besser. Die englischen Regimenter rücken sofort als Reserve nach!" — « Neben dem Obersten der Sikh-Pioniere lag Ali Topi, der alte Unteroffiz,er. Er verstand sehr gut Englisch, wenn er es auch den Vorgesetzten gegenilber nie zugab. Sein Gesicht wurde finster. Er 84 rückte nach rechts, wo der nächste Inder ton und flüsterte ihm etwas zu. Wie ein leises Müschen, wie eine tachtmäßige Bewegung lief es durch die Rechen der braunen Soldaten: keiner der weißen Führer katte etwas bemerkt. Jetzt schrillten die Pfeifen, die Offiziere sprangen auf. und die ganze Linie stürmte vorwärts in den Wach, den deutschen Stellungen entgegen. Aber schon nach wenigen Sprüngen ließen sich die Inder fallen: und ehe noch die weißen Offiziere ein Wort sagen konnten, fuhren ihnen die breiten Messer der Nächstliegenden in Hals und Rücken. Ali Topi sah mit blinkenden Augen auf den Oberst, der im Gras still dalag, wischte das Messer sorgfältig im Grasboden ab und ries dem indischen Hornisten einen Befehl zu. Ein Trompetcnsignal klang, und gleich darauf hörte man das an- feuernde Rufen und die ungleichmäßig stampfenden Schritte der aus den Reservestellungen heranstürmcnden Engländer. Da gab der alte Sikh-Unteroffizier einen Pfiff auf seiner Signalflöte ab, die indischen Korporale nahmen den Befehl auf: lind kurz vor der Front der vorrückenden Engländer glitten die Reiben der Inder dapon, geschmeidig und geräuschlos, duckten sich im Schatten, krochen zur Seite, bargen sich in laubgesüllten Gräben und gaben zu beiden Seiten den Engländern den Weg frei. Und in die breiten Reiben der Stürmenden, die immer noch die Inder vor sich wähnten, prasselte das Geweyrfeuer der Deutschen. rissen die hämmernden Maschinengewehre der Feinde Lücken, die blitzschnell die Stunnkolonnen zu einzelnen richtung-losen Haufen auflösten. Während die englischen Offiziere die wenigen noch Lebenden zu halten und znrückzuführen suchten, während die Deutschen jetzt selbst zum Sturmangriff ans ihren Gräben sprangen, trabten die Inder, unbeirrt durch das Sausen der Geschosse, rechts und links in weitem Bogen das Schußfeld umgebend, durch den dunkeln Winterabend über die hartgefrorenen Felder nach dein Lager zurück . . _ Entwischt! Ein interessantes und kübnes Kriegsabenteuer erzählt Ernst Rudolf in der bei der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinenden Zeitschrift „lieber Land und Meer". Er war mit seinem Auto in l>echschwarzer Nacht durch einen Wald gefahren, hatte sich zu weit vor die deutsche Front gewagt und wurde nun plötzlich von einer französischen Patrouille umringt, die ihn und seinen Autofübrer gefangen nahm. Mau brachte die beiden in ihrem Wagen nach einen: stattlichen Gutsbause in der Nabe, in dessen Hof sich schon etwa 20 Autos befanden. Nach kurzem Verhör wurden die beiden Gefangenen in ein ganz behagliches Zimmer geführt und konnten nun in Ruhe über ihre Lage Nachdenken. Die Generalstabskarte war ihnen durch einen Zufall bei ihrer Durchsuchung nicht abgerwurmen worden, und so formten sie feststellen, daß die deutschen Schützengräben nicht mehr als l0—12 Kilometer entfernt waren. Schlaflos durchwachten sie die Nacht. Da hörte Rudolf gegen 4 ein paar „Wie ein auSkneisen können?" erzählt Rndolf. Schnell die Karte her, die Taschenlampe. Nach einigem Suchen finde ich G. Nrn dorthin zu gelangen. muß nwn den gleichen Weg einschlagen, den wir gestern kamen, bis fast zu der Stelle, wo mau unö gefangen Noch ein paar Minuten überlege ich. Es ist ein sehr gewagtes Spiel, wenn ich eS versuche. Aber Gott verläßt die Deutschen nicht! „F., wollen wir auSkneisen?" „Ja, wenn's ginge, schon, aber 's geht nickt: und der Magen ist so lote so hin " „Nein, wir fahren mit unserm Wagen." Der biedere Ehaufseur sagt gar nichts mehr, hält rnick aber scheinbar nicht für ganz normal. „F., passerr Sie mal aus. abend hier standen, sind nun längst abgelöst. Die Wagen sollen nach G, müssen also nahe an den Weg heran, den wir gestern Nacht verfehlt haben. Wenn roir als letzte fahren, können wir uns vielleicht drücken." „Na, mir soll's recht sein, ick mache mit: mehr wie totgeschossen werhi kann wer nich." Wir verfolgen nun aufmerksam die Vorgänge unten im Hose. Vier Wagen sind fertig zur Abfahrt: sie stehen nicht beisammen, sondern verteilt, ein Umstand. der Air un- günstig ist. Halb fünf Uhr ist vorbei, »vir müssen lnucdeln. Leise schwingen wir uns zuni Fenster hinaus auf das Staker, das ungefähr einen halben Meter von der Mauer entfernt ist, und steigen hinab. Unbemerkt langen »vir unten an und warten hinter den» breitästigen Obstbaum. Noch zehn Minuten vergehen, da nahen Offiziere und begeben sich zu den bereitstehenden Wagen, deren Scheinwerfer blendendes Licht verbreiten. Jetzt ist unsere Jett gekommen. Klopfenden Herzens gehen »vir frank und frei hinter den Wagen herum, »oo es duukel ist. Niemand kümmert sich um uns, da alles beschäftigt ist, den Offizieren zu helfen. Mein Fahrer setzt sich. an das Steuerrad, ich werfe den Motor an. der gehorsani anspringt, und setze mich dann neben meinen Fahrer. Die Scheins werfet haben wir nicht angezündet, um nickt erkannt zu werden. Brr warten. Stunden dünken nnS die paar Minuten, l»iS endlich die Autos sich in Bewegung setzten. Zioei, drei Waaen verlassen daS breite Hoftor, da schalten »vir die elektrischen Laternen ein und fahren los. Tickt binter dem vierten französischen Wagen biegen tj?ii durch das Tor hinaus auf die Straße — der erstes Teil rmserer Flucht ist geglückt! In flottem Tempo ziehen vom die Franzosen los. Aufmerksam vergleiche ich die Karte. Bald müssen die Franzosen rechts ab, wir aber zunächst geradeaus« und spater halblinks. Und richtig, schon sehen wir die Lichter des ersten Wagens nach rechts zu deil Weg verlassen, die drei andern folgen, während wir entschlossen geradeaus steuern. Ein kurzes Stück weiter stehen französisch.' Soldaten. Sie hatten wohl schon von ferne die Lichter der .Wagen gesehen und hielten uns natürlich für Franzosen. Wir sausen glatt vorbei... So jagen wir ^nit sechzig Kilometer durch die Dämmerung. Sind wir noch nicht bald an den deutschen Linien? „HalblinN," rufe ick, als ich einen breiteren Weg den unfern kreuzen sehe. Wir biegen jjciuni — und int gleichen Augenblick springen dunkle Gestalten ans den Straßengräben, die Gewehre schußbereit. Vorbei, denke ich. die Flucht ist ntißglückt. während mein Fahrer mit wildem Fluche den Wagen Füm Stehen bringt. „Hände hoch!" rnst's uns entgegen, und „Deutsche!" antworte ich, so laut ich kann. Da springen sie herbei, die grauen Burschen, mächtige Gardemänner. Wie stimmen sie, als sie in uns Landsleute erkennen!" Nachdem der Sachverhalt aufgeklärt war, hat man viel gelacht über diese kühne wohlgelnngene Flucht. Die Küche im ftritge. (Nachdruck dringend erwünscht.) Buttermilch-Suppe: Man kocht Buttermilch auf, hat vorher Kartosselbret bereitet. Sobald die Buttermilch kocht, tut man den Kartoffelbrei hinein, so daß es eine ganz ebene dickliche Suppe gibt Man schneidet Speck in feine Würfel, zerläßt ihn und schüttet diesen zerlassenen Speck in die Suppe. Eine andere Buttermilch-Suppe. Beim Aufkochen der Buttermilch quirlt man, um das Gerinnen KU verhindern, wenig Mehl in süßer Milch recht klar rmd gießt es zu der Buttermilch. Dieselbe muß dabei aus ziemlich starken! Feuer unter fortgesetztem Rühren kochen. Inzwischen kocht man Graupen oder Grüße in Wasser weich und tut sie in die kochende Buttermilch. Schwarzwurzeln mit Fleischktvßen und, Kartoffeln. 1 Pfd. Schwarzwurzeln, 40 Gramm Fett,. 60 Gramm Mehl, ^4 Pfd. gehacktes Fleisch, 3 alte Semmel, Salz, Psesfer, Zwiebeln. Die Wurzeln werden geschabt, in Stücke geschnitten und um das Schwarzwerden zu verhüten, gleich in Essigwasser gelegt. 1 Liter Wassex wird zum Kochen gebracht, die Wurzeln mit etwas Salz hineingetan und gargekocht (ca 1 Stunde). Inzwischen arbeitet man aus dem Fleisch. Salz, Gewürz und Semmel Fleischtlöße, gibt dies« zu dem Gemüse und läßt sie darin gar werden, dann nimmt man beides aus der Brühe. Mehl und Fett werden geschwitzt mit V 4 Liter der Brühe aufgegossen und gut durchgerocht. Nun legt man die Klöße und Wurzeln wieder in die Sau 00 , läßt sie recht heiß darin werden und gibt sie mit Sal^ kartofseln zu Tisch. Statt Schwarzwurzeln kann man auch Steckrüben, Kohlrabi, Sellerie und Blumenkohl nehmen. rUtügyptische Hieroglyphen. Jede- Bild bezeichnet den Anfangsbuchstaben seines Namens, z. B Sonne s, Glas = g rc. Tie Vokale sind zu ergänzm.) Auflösung des ArithmogriphS in voriger RumrvVl BundeSrat, Uhr, NarfeS. Drau, Erde, Sand, Reseda. Athen, Therese, Hand. Schriftletlung: Aug. Ooetz. - Rotationsdruck und Verlag der Brichl'schkN Univ-rsitätS-Buch- und Dteindructerei, R Lange, Gteß«^