Mittwoch, den 3. Zebruar Bfls iVüradies der lkrdr. Roman von Ada von Gersdorss. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Warum ist es uns Männern eigentlich verboten, zu wemen? Ja, warum sind Männer ohne jede sogenannte Geistes und Herzensbildung trockenen Auges, stolz auf die Kraft an sich, anr Marterpfahl getänden? Ich denke an lene Häuptlinge wilder Bolksstämmte, die ich als Knabe in heißer Begeisterung bewunderte, uu^. denen nachznabmen ich für ein stolzes Lebensziel fyiclt. — Ja, was werde ich nun anfangen, um uns beiden ihr und mir — zu helfen? Was Hab' ich gelernt? Welche zur Gründung einer Existenz erforderlichen Erfahrungen habe ich gesammelt? Gar nichts kann ich, verstehe ich, gar nichts habe ich gelernt! Ein tausendstes Blatt unter Hundertlausenden an dem großen Ban me eines Standes war ich bisher, ein armseliges Blatt, dessen Sein oder Nichtsein gar keine Bedeutung für den großen Baum hat, sondern nur in der Vielheit, unter der es entbehrlich ist, einen bestimmten Zweck erfüllen hilft. Wie oft habe ich von Kameraden gehört, die von heute aus morgen den Beruf aufgeben mußten, dem sie ihr Leben, ihre Liebe, ihre Kräfte geweiht, in dem allein sie tüchtig waren. Boi: heute auf morgen standen sie auf der Straße dllrch fremde oder eigene Schuld oder durch Schicksalszwaug, in einem Alter, wo man nicht mehr aus die Schulbank zurück kehren kann, um etwas anderes zu lernen, zu dem man vielleicht Weder Begabung noch innere Freudigkeit hat. Und dieses gehört dazu, um etwas Brauchbares zu leisten und darauf eine Existenz zu gründen. Nicht einmal für sich selbst konnten sic ausreichend sorgen, nicht einmal zu Brot, Obdach und Kleidung reichte es aus. Wie viele gesunde junge Blätter verwelkten, verdorrten, vermoderten, vom großen Hundert tausendbaumc losgetrennt, unten im Schlamm und Schmutz des Lebens! Wie wenige von ihnen können sagen: Ich habe mich durchgerungen zu neuem Leben, ich habe stark und kühn mir die Bedingungen zu einer neuen Existenz geschaffen. — Und was bringt man denn dazu mit? Eiu ehemaliger Käme rad erzählte mir. daß ein großer Kaufmann, der Hunderten von Angestellten Brot gab, ihm auf sein Ersuchen um Beschäftigung, von der er leben könnte, antwortete: „Sie besitzen gewiß Eigenschaften, die unbezahlbar und selten anzu trefsen sind: Gewissenhaftigkeit, Pflichttreue, makellose Ehrenhaftigkeit. Das sind Goldbarren von hohem Wert: aber wenn man sie nicht umwechseln kann in die gangbare Münze praktischer Leistungen, so sind sie an sich gerade zum Verhungern ausreichend, denn jene drei Eigenschaften werden ihnen zuweilen Hindernisse ans dem Wege zum Vorwärtskommen sein, und zum Lernen, wie bei uns gelernt werden muß, von der Pike an, sind Sie zu alt." So ging der Mann von Haus zu Haus ml* seinen großen Goldbarren, für die ihm niemand ein Stück Brot gab. Ob er sie nicht doch zuletzt als eine über flüssige Last fortgeworfen hat? Wer weiß! Ich habe nie wieder von ihm gehört. lind wer nun vollends nicht für sich allein, sondern, wie in meinem Falle, noch für jemand anders zu sorgen hat, was fängt der mit seinen großen Goldbarren an? Der kann sein Liebstes betteln schicken, während er selbst herumläuft und von Haus zu Haus nach Arbeit sucht... O du.mein Glück, du mein Stern! Könnte ich jetzt, in dieser dunklen, sternenlosen Nacht, dich hier haben, deine Hände fassen und dein Herz an meinem fühlen im gleichen starken Schlage und dich fragen und mit dir überlegen, mit dir, meinem klugen süßen Weibe!... Im Paradies wäre ich überall, wo du bist, möchte auch die 9fot, die grimme wilde Not des Lebens in brausenden Wogen hoch um uns aufsteigen ... Wie anders war die Etfenbahnfahrt hierher, als ich das erstemal durch dieses flache, öde Land imt seinem trüben Flüßchen und seiner stittstehenden Teichpsütze fuhr. Mir Meint es Jahre her zu sein. Vorbei in ziemlich langsamem Tempo an den grauen elenden Dörfern, die immer grauer und trauriger zu werden scheinen, je weiter inan hinein ins Polnische Land kommt. Ab und zu eine trübselige Station, mitten in flacher baumloser Oede. Fremdartige Menschen in groben Hüllen mit verdrossenen Gesichtern, die alle, alle das graue Zeichen der Sorge und der Trauer um unwiederbringlich Verlorenes, oder nie zu Erreichendes zu tragen scheinen. Im ersten Morgengrauen dieses regnerischen, kalten Muttertages kam ich an. Als das Städtchen in Sicht kam. mußte ich plötzlich eine« fremden Schicksals gedenken. Einen so liebenswürdigen, gütigen Kommandeur wie Betzingslöwen wird das Regiment wohl nicht wiederbetommen. Nun ist er mit seiner Frau gewiß scholl in Italien und beide versuchen sich mit ihrem Schicksal abzufinden. Dann nberläuft mich eine Art Grauen: Poncalet! Der erste Mensch, dem ich begegne, wird mir vielleicht die Neuigkeit erzählen, daß er tot, aus der Jagd verunglückt oder ermordet ist von asiatischen Barbaren. * Zwielitsch. Januar Der erste Mensch, der mir begegnete, war Meier mit Bobby. Die schienen beide nichts von Poncalet zu wissen, lvas von dem Köter eigentlich nicht schön ist. Er war lvie besessen vor Freude, mich wieder zll haben. „Le roi est mort, vivc le roi?" dachte -er vielleicht in seiner Hundeart. Widerstehen kann man ja nun solch einem Tier nicht, wenn es einen so ahnungslos liebevoll ansieht, mau muß ihm den Buckel klapsen und rasch mal hinter den Ohren krauen — und wenn man auf dem Wege jmn Schafott wäre. Wie trübselig verwittert und lveltvergessen sah der alte kleine Bahnhof aus! Und das Städtchen, oit lieber Gott, ein schmutziges polnisches Nest, grau in grau, wie ein t auberthealer bei Tage, entkleidet der goldgewebten chleier und Illusionen. O mein „Paradies der Erde", — 74 wohin versankst du? — Und der graue Regenschleier floß dicht, ganz dicht vor meinen Augen nieder das ewige Regnen hier ist mir noch nie so ausgefallen wie heute. Ich setzte mich deshalb mit Meiern und Bobby in den Omnibus vom „Eldorado". Ja, wer so nach Hause kommt, vom Massengrabe seiner liebsten Hoffnungen, und wird klappernd, rasselnd, klirrend von so einem zugigen, feuchtklebrigen Eldoradoomnibus über das Zwielitscher Pflaster geschüttelt, während der Regen lange Furchen in den Schmutz der Scheiben zieht, der kann wohl sagen: „Dort, wo bu nicht bist . . . ist das Paradies der Erde." — Unterwegs erzählte mir Meier, daß es den Pferden au^i3 c ä G \^) nc ^ ginge, dem Apollo sogar ein bißchen gar zu wohl würde; er keilte hinten und vorn aus, und auch nachts hätt' er keine Ruhe gehalten, immer getrampelt und mit den Ketten gerasselt, daß er schon doppelt gekettet werden mußte, damit er sich nicht losrisse. Wenn er (Meier) ihm auch immer zugerufeu hätte: „Steh, Bursch!" so hat er doch nicht daraus gehört. Ter Gaul scheint nur des Herrn Leutnants Stimme zu kennen. Und ihn reiten! „'raus Hab'ich mir wohl aus ihm gekriegt, aber er kriegte mir auch wieder 'runter — und dem Herrn Wachtmeister, der ihn bewegen wollte, wär's auch beinah so gegangen. All seine ulten Nicken hat er sich wieder angeschafft... ließ nicht aussitzen mit dem Pallasch." „So, so," sagte ich, „na warte! Wir wollen dich schon wieder zahm kriegen!" Und mir wurde einen Moment lang ein bißchen heller zniuute. Das war gut, daß mir Apollo ju schassen machen würde. Das reißt den Menschen zusammen; die Gedanken konzentrieren sich auf das Tier, das inan unter sich meistern muß, zerstreut und nervös fein ist da nicht angebracht. — Meier war rührend, er meinte: „Der Apollo hat sich wohl bloß so gebangt nach ’m Herrn Leutnant, daß er mit kein' andern nicht Frieden haben wollt'." Ich war wieder zu Hause. Meine Stuben? Sile waren mir der Inbegriff des Gemütlichen, Behaglichen gewesen und nun schien die graue Farbe auch hier alles überzogen zu haben und an den Wänden standen schwarze Feuchtig- keitsslocken, die Gardinen waren entschieden schmutzig, eine naßkalte Temperatur herrschte, etwas Ungewöhnliches machte sich geltend — und der Regulator stand natürlich. — Einen sehr überraschenden und peinlichen Brief aber fand ich vor: jener Rehn — Edmund Rehn, oer verschollene Bruder von Tante Lalli — hat sich wieder angefunden! Er ist nach Europa samt seiner farbigen Familie zurückgekehrt und ersucht mich um Auskunft über den Verbleib der einstmaligen Rehnschen Familiengüter, die er wieder kaufen möchte. Bon Tante Lalli hat er keine Antwort bekommen, kann ich mir denken? Von mir bekommt er auch keine. Der Kerl soll machen, daß er wieder nach Afrika oder Asien kommt! Zwielitsch. Jannar. Nach langer Pause öffne ich luieber mein Tagebuch, um nachzntraaen. Draußen liegt ein grauer, kalter Winterabend Während ich an meinem Pult sitze, sehe ich zuweilen hinüber nach der andern Seite der ^ttaße. Aber kein Schimmer von der grünen Lampe grüßt herüber. Das Fenster verbirgt sich hinter einem alten defekten »olzladen uiib vor die schiefe Tür ist eine rostige Ensenstange mit einem Schloß gelegt. Der Mte ist nicht zu Hause . Und seine Tochter?. . Gleich an demselben Mend schrieb ich au Tatiaua und teilte ihr den Mißerfolg meiner Re,se zu Tante Lalli mit. Ich enthielt mich aller Beschäm gungsversuche, aller lockendeil Liebesworte, uni jeden Anschein, sie zu beeinflussen, zu vermeiden. Sie sollte entscheiden. ob sie im festen Vertrauen aus meine Kraft auch in Armut und Sorge mir angehören ,volle. Was sie mir antworten lvürde, glanbte ich im voraus genau zu wissen. Mein Herz sagte cs mir, imb diese Stimme konnte nicht trugen Aber ich erhielt keine Nachricht von ihr und bekam sie auch nicht zu sehen. Das letztere konnte ich mir erklären, dahinter stand ihr Vater; aber ihr Schlveigen auf meinen Brief war mir ein unlösbares Rätsel. Meine Unruhe wuchs mit jedem Tage, mit jeder Stunde. Den Zustand Ertrug ich nicht länger. Ich beschloß, hinüberzugeheu... ^ch legte Zivil an. Der rasende Herzschlag erstickte mich fast: mir war der Hals wie zugeschnürt und die Lippen heiß Und zersprungen vor Aufregung. Ich nahm vorher einen großen Kognak und lief dann fast erschrocken in mein Schlafzimmer, um den Geruch von meinen Lippen sortzubrinaen. Was hätte Tattana von mir denken müssen! Und dann faß ich in der Hinterstube mit den zerbrochenen Wappen und den dllnklen unkenntlichen Ahnenbildern eines ausgestorbenen polnischen Geschlechtes. Die grüne Lampe stand auf einer Tischecke und ihr fahler Schein lag aus dem finstern verwitterten Gesicht des alten Mannes. Und Tatiana war nirgends. — Sie war in Posen bei Freunden. Er sagte es mir ganz trocken, daß er sie fortgeschickt hätte. Was ich erreicht hatte, würde er mir leicht angesehen haben, selbst wenn nicht anzunehmen war, daß er es aus meinem Briefe an seine Tochter wußte. Was ich beabsichtigte, sagte ich ihm mit kurzen dürren Worten — ich sprach ihm von meiner Liebe, meiner Sehnsucht und meinem Glück, das nur allein Tatiana hieß, schlug aber, bei meinem Widerwillen gegen den Zuhörer, einen so trockenen Ton an, daß er vielleicht das Gefühl hatte, meine Worte seien nur tote Phrasen und es sei mir nur darum zu tun, meisir gegebenes Wort einzulösen. Ich sagte ihm, daß ich den Abschied nehmen ivollte, einen bürgerlichen Berus ergreifen werde und dreihundert Mark monatlich Einnahme habe, daß wir davon natürlich nicht heiraten könnten, sondern warten müßten, bis ich eine auskömmliche Stellung, eine passende Beschäftigung haben würde. Dann fügte ich hinzu, daß ich Tatiana als meine verlobte Braut betrachte und mir von niemand auf Erden, auch von ihrem Vater nicht, den persönlichen Verkehr mit ihr verbieten lassen würde. Er sah mich, während ich sprach, unter den faltigen schweren Lidern mit einem unangenehm lauernden Blick an, auch noch als ich schwieg, als könne meine Rede noch nicht zu Ende sein, oder er hätte noch nicht begriffen, was ich eigentlich von ihm wollte, wie wenn ich ihm etwa ein Geschäft anböte, das gar nicht in sein Fach schlüge. Mir stieg vor seinem höhnischen Anstarren das Blut jäh zu Kopf imb ich wollte schon aufspringeu und sortgehen, als sei, nachdem ich ihm meinen Wunsch und Willen mitgeteilt hätte, die Angelegenheit, die mich zu ihm geführt hatte, für mich erledigt. Aber da sagte er etwas. Er stand auf derselben Stelle, wo ich und Tatiana gestanden hatten, als ich sie zum erstenmal küßte.. . Was er sagte, war eine so furchtbare Ueberraschung, daß ich ini ersten Moment völlig ruhig und kühl blieb Um das Plötzliche zu begreifen, brauchte ich Zeit. D-er Verstand erfaßte den Sinn der Worte, aber es lvar, als ob meine Empfindungssähigkeit völlig gelähmt sei. Alles Subjektive schien in mir ausgeschaltet, als beträfe mich die Mitteilung nicht direkt, und ich glaube, mein Herz stand tvirklich still, wenn das möglich wäre. Er sagte: Sie wissen wohl noch nicht, was ich bis vor kurzem auch nicht wußte? Daß meine Tochter verlobt ist — seit einem Jahre schon..." „Mit wem?" fragte ich mechanisch. „Mit einem jungen Mediziner in Posen." „Das ist mir ganz gleichgültig," sagte ich heiser. „-L 0 ? Gleichgültig, wenn Sie einem Mann die Braut stehlen, Herr Leutnant?" entgegnete er scharf. „Ich Hab' immer was von Ihnen gehalten und geglaubt, daß Sie so eine Art Ausnahme wären, anders wie die meisten Ihresgleichen." „Es kann nichts ändern an der Tatsache, daß Tatiaua natürlich diese Verlobung gelöst hatte, als sie mir gehören wollte, sie wollte eher in das Wasser gehen, als mir entsagen." „Ja, ich gebe es zu... sie wußte vor Verzweiflung nicht mehr aus noch ein. Bloß, weil ich sie nicht zu Ihnen- lassen wollte, war das nicht... ich vermutete gleich, daß. noch etwas andres dahinter steckte." Wie ein jäher Blitzschlag durchzuckte es mich, daß ich das ja gefühlt hatte, jenes Stück Heimlichkeit in ihr. „Und Sie ahnten auch so etwas," nickte er, mein hastiges Ausfahren rasch verstehend. „Es ist besser, Sie lassen sie dem Manne, der sie doch vor Ihnen hatte, und dem sie vor Ihnen so gern gehören wollte, daß sie auf ihn warten wollte, bis er genug Erwerb hatte — für zwei." „Nein." „Es ist aber besser für Tatiana," beharrte er finster, „es ist etwas Reelles, Sicheres! Ein Mann von Mitte Dreißig. Mit Ihnen wäre das so ein Abenteuer, so in die Luft gemalt — nirgends Grund und .halt. Was soll ich da noch viel reden — Sie müssen's einseheu und Sie werden's, wenn auch nicht gleich, na, und das verlangt auch niemand. — Jener Mann steht uns im gesellschaftlichen Range Th auch nicht gleich, aber er Kat etwas Ordentliches gelernt und darauf eine sichere Existenz gegründet. Der will Tertiana und der kann sie nun heiraten... Es ist ein freier, ein selbständiger Mann, der braucht niemand zu danken und auf niemands Tod zu warten... Nichts für ungut, Herr Leutnant, sonst hält' ich wohl nichts gegen Sue," schloß er, in seinen alten respektvollen Ton sauend. „Nein!" brachte ich nur heraus, das einzige, was ich -u sagen wußte, fest entschlossen, sie nicht herzugeben, sie nicht dem andern zu lassen... „Nein." Er hatte sich umgedreht und griff nach dem langen, schmalen Geschäftsbuch, worin sie damals geblättert hatte, als ich sie das erstemal küßte. „Hier ist etwas für Sie," sagte er freundlich und reichte mir ein graues Hanfkuvert mit seiner in Deutsch und Polnisch darauf gedruckten Firma „Antiquitätenhandlung" und so weiter. Ich nahm es und steckte es in den Aermelausschlag, ohne es lveiter zu beachten, und wandte mich stumm nach der Tür, die er vor mir öffnete. Und ich hörte hinter mir das rostige Schloß knirschen, und in mir rief es und höhnte es: „Der kann sie heiraten... er ist ein freier, ein selbständiger Mann..." . (Fortsetzung folgt.) Als Kriegsberichterstatter in Nordsrankreich. „Freud und Leid des Kriegsberichterstatters" — so überschreibt ein holländischer Kriegsberichterstatter die Erzählung seiner Erlebnisse in Nordfrankreich, die er dem „Nieuwe Rotterda in sche.Courant" jüngst zugesandt hat. Das Leben des Kriegsberichterstatters bietet auch daun, wenn er nicht au der Front ist, genug des Interessanten; gerade beim Kreuz- und Querreisen durch das Land hat man oft fesselnde Erlebnisse. Auch der Kriegsberichterstatter muß Nahrung und Schlaf entbehren können; so reiste der Holländer von der Front aus nach Havre und war drei Tage unterwegs, bald im Auto, bald im Eisenbahnzuge, ohne etwas warmes zu essen und ein Bett zum schlafen zu finden. Unterwegs, sowohl in den verschiedenen Fahrzeugen, wie beim 9lnfenthalte in allerhand kleinen Städtchen, hatte er eine Reihe merkwürdiger Begegnungen, und er war erstaunt, wie rasch die Menschen in Kriegszeit einander nahe kommen: kaum stieg ein neuer einsamer Reisender in den Zug, so entspann sich bald ein Gespräch, man erzählte aus seinem Leben, als ob man seit Jahren miteinander bekannt sei, mau teilte Brot, Aepfel, Schokolade und Zigaretten und trennte sich, wenn die Wege auseinander gingen, mit einem herzlichen Abschiedsgruße. Den ersten Aufenthalt nahm der Holländer in einer kleinen Stadt, in die ihn ein Militärauto gefahren hatte; es war stockdunkel: alle Fenster waren verhängt oder vernagelt, und selten siel ein Lichtschein auf die Straße, wenn eine Tür sich öffnete. Er war todmüde und hatte nur den einen Wunsch: für die Nacht ein Bett zu bekommen. So lappte er sich durch die Stadt. Er fand eine Art Wirtschaft, in der Soldaten am Schenktische standen: mit Mühe drängte er sich durch, brachte sein Anliegen vor und erfuhr, daß alles voll sei. In anderen .Häusern ging es ihm ebenso: schon machte er sich darauf gefaßt, die Nacht ohne Nachtlager zuzubringen, da führte ihm der Zufall einen belgischen Gendarmen in den Weg. den er bereits einmal auf seinen Fahrten getroffen hatte. Der Belgier bot ihm ztvar kein Bett, wohl aber eine Schlafgelegenheit an und nahm ihn mit in seine Wohnung. Dort wurden zwei Bänke aneinandergerückt, mau breitete einen Strohsack darüber, im letzten Augenblick kam noch ein dritter Schlafgenosse, ein belgischer Kriegschauffeur, der um Obdach bat, und so rückten die beiden Männer zusammen und lnachteu noch dem dritten Platz. Mit belgischen Militärmänteln deckten sie sich zu. Zum Schlafen kamen sie zwar nicht viel, denn sie verbrachten fast die ganze Nacht im Gespräch, aber der .Holländer hatte doch in der Nacht ein Dach über dem Kopse und ein Lager gehabt, aus dein er sich ausstreckcu konnte. Am nächsten Tage fuhr er mit der Eisenbahn weiter. Diesmal waren seine Reisegenossen ein paar Damen, belgische Flüchtlinge, die aus einem zerschossenen Dorfe in der Nähe von Dixmuiden kamen, von dem nichts übrig geblieben war. Sie wollten nach Paris, um irgend welche Arbeit zu finden. All das erzählten sie dem Holländer: dieser ließ sich in ein längeres Gespräch niit ihnen ein und daln-i fiel der einen Frau auf, daß seine Sprache — die Unterhaltung fand auf Blämisch statt. — ihr etwas eigentünüich klang. Sie ntieinte, er spräche wohl besser französisch als vlämtsch, und war erstaunt, als er sich als Niederländer zu erkennen gab. Plötzlich jedoch kam ihr eine Erleuchtung und lachend gestand fte, seine Sprache sei doch schönes Blämisch. Nun stellte sich heraus, daß die flüchtigen Frauen des Französischen überhaupt mcht mächtig seien. Aus die Schwierigkeit, die sie wegen ihrer mangelnden Sprachkenntnisse in Paris zu überwinden hätten, wurden sie jetzt erst aufmerksam gemacht. Die eine von ihnen fragte den Holländer, ob in Holland alle so sprächen, wie er. als ihnen dies bestätigt wurde und sie zudem noch erfuhren, daß dort keine Deutschen seien, faßten sie schleunigst den Entschluß, sich doch lieber nach Holland zu wenden. Ob sie den Plan ausgeführt haben, weiß der Kriegsberichterstatter natürlich nicht, denn er mußte bald aussteigen, wieder in einer kleinen Stadt. .Hier faub er in einem Wirtshaus zwischen Soldaten, die am Ofen auf dem Boden lagen, ein wenig Platz und verbrachte die Nacht mit einem französischen Militärmantel zugedeckt. Am nächsten Tage ging die Eisenbahn- reife weiter: er mußte jedoch, wie bei der Eisenbahnreise vorher, verschiedentlich um steigen und auf seiner letzten Haltestelle vor den: Ziele, in Malauny, hatte er ein Reiseabenteuer, das leicht Unangenehm hätte auslaufen können. Tie Zeit des Wartens verbrachte er in einem Kaffee; mit einem jungen Manne, der sich ihm in der.Eiseilbahn angeschlossen hatte, weil er gleichfalls nach Havre wollte, unterhielt er sich, und seine Aussprache des -Französischen siel einem anderen Reisenden auf, der gleichfalls auf den Zug wartete. Nach wenigen Augenblicken entfernte sich dieser und kam nach kurzer Zeit mit einem Gendarm zurück, der drei Soldaten mit ausqepflanztem Bajonett bei sich hatte. Es war klar: der holländische Kriegsberichterstatter stand in dem Verdachte, ein Spion zu sein! Der Gendarm verlangte seine Papiere. Der Holländer legte einen ganzen Stapel von Ausweisen vor^ Allein sic hatten einen Huken: sie waren zu gut. Einige waren nämlich vom belgischen Kriegsminister selbst unterzeichnet, was den Verdacht bestärkte. Alsbald besckstoß der Gendarm, die nächsthöhere Autorität anzurnsen, und als diese stellte sich der Bahnhofsvorsteher — nicht etwa ein Bahnhofskommandant — heraus. Dieser Herr entpuppte sich als wahrer Salonw. Er entschied, »venu der Holländer eine Fahrkarte bei sich hätte, deren Reiseziel mit den Angaben der Ausweispapiere übereinstimmte, wäre er kein .Spion. Eine solche Karte hatte er, und so wurde er siir unschuldig erklärt.. *. Oie Taaung der Ueberlebenden von Avezzano. Ern erschütterndes Bild bot sich am letzten Sonntag in der von, Erdbeben zerstörten Stadt Avezzcuw. als, 12 Tage nach denr niederschmetternden Unglück, zum ersten Male wieder ein öffentliches Leben sich bemerkbar machte. Ms den Trümmern der Kirchen waren die Mtarsteine herausgeholt, und so lasen im Freien die Priester, die an die Stelle der 26 ums Leben gekommenen Pfarrer getreten waren, die Messe. Inmitten all der Trünrmer standen die lieber- lebenden, das Haupt geneigt und betend, hie und da ertönte unterdrücktes Schluchzen. Im Mittelpunkt der Stadt vereinigten sich dann die Ueberlebendcn zu einer Tagung ; viele von ihnen hatten einander nach dem Unglück noch nicht wiedergesehew da sie völlig mit den Msgrabungscrrbeiten beschäftigt waren. Sie hatten einander schreckliche Tinge zu erzählen. „Mlir sind 6 Kinder, meine Frau, meine Mutter und eine Tante gestorben," hörte nwn ben einen sagen. Ein anderer erzähtte, daß er seine drei Schwestern, den Vater und eine Schwägerin verloren habe. Biel erörtert wurde die Schwierigkeit, für alle die Leichen Särge zu beschaffen. Die Menge, die immer größer wurde, begab sich daraus vor die große Baracke, die von Rom geschenkt worden ist und auf der man die Inschrift liest: „Rathaus von Avezzano". Ein merftvürdiges Rathaus, das in der Nacht den Angestellten als Sckstasraum dient, die sich hier znnschen die halbzerstörten Menpakete des Standesamts und des Archivs bin strecken. Tie Versammelten, etwa 300 an der Zahl, waren alle Familienhäupter. Das einzige lebende Mitglied des Stadtrates. ent Gemeindesekretär, der vier Stunden nach dem Erdbeben aus den Trümmern hervvrgezo^en wurde, hielt unter tiefem Schweigen eine Ansprache: „Wir Und die lieber- lebeirden. Wir grüßen unsere Toten, und um! der Liebe willen, die sie ihrer Stadt Avezzano darbrachten, wollen »vir sie wieder zum Leben erwecken. Unsere Stadt darf nicht verlöschen. Ihre günstige Lage durch die Eisenbahn, durch Industrie und Ackerbau legen uns diese Aufgabe aus. Wir sind mir wenige zurückgeblieben, aber der Kern, den wir darstelleu, wird seine Arbeit verhundertfachen. Wir werden es nicht zngeben, daß die öffentlichen Aemter von Avezzano verlegt werden Wir fordern von der Regierung, daß sie uns das Wert der Wiedergeburt anvertrane." Stürmischer Beifall, in den sich lautes Weinen mischte, gab die Zustimmung der Bersaminelten zu erkennen. In der nun folgenden Aussprache inur- den die Wünsche der Ueberlebendcn zum Ausdruck gebracht. Es soll ein Komitee siir das öffentliche Wohl gebildet weiden, das für die gerechte Verteilung der Lebensmittel, der Baracken uitb der Decken sorgt. Man will eine genaue Zählung der jetzige»! Bevöl kerung der Stadt vornehmen. Jedes Faminenhanvt sott täglich die Gutscheine erhalten, die es für die dringendsten Erfordernisse braucht. Sobald die Zeit der Bestattnngs arbeiten, die auf 20 Tage festgesetzt ist, vorüber sein wird, wird über die Trünuner Kalk gebreitet werden, und Soldaten sollen Wacht' halten, da noch viele Werte darunter begraben liegen. vermischte«. * R i e s c n s p r e n g u n g e n. Die modernen Sprengstoffe äußern heute aus allen Kriegsschauplätzen ihre ftirchtbare Zerstörungskraft, mögen sie nun in den Granaten unserer »reuen Riesenmörser die feindlichen Festungen in Sckmtt und Trümmer legen, als Torpedos den Sckstachtschiffen des Gegners de»» Unter gang bringen oder als Fliegerbomben Tod und Verderben ln 76 — reiten. Ein Hmlveis auf einige Höchstleistungen, die mit diesen Sprengmitteln in Friedensreiten erzielt wurden, dürfte daher heute am Platze sein. In den Bereinigten Staaten hat man neuerdings mit gutem Erfolg verschiedene Riesensprengungen aus- geführt, bei heilen mehrere tausend Kilogramm Dynamit und Pulver gleichzeitig zur Detonation gebracht lvurden. So hat man nn!trugst beinr Ban einer Abkürzungslinie der Lackatvanna- Eisenbahn einen 14 Meter hohen und 100 Meter langen Felsvorsprung durch eine einzige Sprengung beseitigt. zu der über 16 500 Kilogramm Dynamit und Pulver verwendet wurden. Jur Vornahme dieser Sprengung trieb man zunächst einen 1,2 Meter hohen Stollen 88 Meter tief in horizontaler Richtung in das Innere des BeraA vor, an diesen anschließend zwei Querstollen von 20 und 8 Meter Länge. Nach Eindringling der Spreng» ladung wurden Haupt- und Seitenstollen durch eine Steinpackung ausgefüllt und der Eingang durch eine Bruchsteinmauer uud eine etwa 4 Meter starke Betonschicht verschlossen. Für die Einbringung der Ladung und die Ausfüllung deS Stollens wurden 12 Arbeitstage benötigt. Durch den Sprengfchuß wurden gegen 20000 Tonnen Gestein losgesprengt .Einige Blöcke wurden aus Entfernungen bis zu 200 Meter fortgeschleudert, im übrigen jedoch kern Schaden angerichtet. Der Verbrauch an Sprengstoffen bei dem erwähnten Bahnbau nwr so groß, daß mau eine besondere Dyuamitfabrik in der Nähe errichtete, die im ganzen über zwei Millionen Kilogramm Dynamit lieferte. — Auch in einem westfälischen Steinbruch bei Nachrodt wurde neuerdings eine ähnliche Riesensprengung ausgeführt. Hier hat man mit einer einzigen, aus 12 000 Kilogramm Pulver bestehenden Sprengladung rrmd 120000 Kubikmeter Gestein losgebrochen. Tic Zündung des Sprengstoffes, der in drei je 35 Meter tief im Felsen liegenden Minenkammern untergehracht war. erfolgte aus einem Abstand von 500 Metern. Obwohl die Kosten derartiger Riesen- jprcngungen sehr bedeutend sind — sie stellten sich im letzteren Falle auf rmrd 30 000 Mk.! —, ist man doch mit den wirtschaftlichen Ergebnissen sehr zufrieden, so daß das neue Verfahren sich rasch Bahn brechen dürfte. Beobacht «naen t in Erdbeben gebiet Ter Padre Allani, der bekannte Florentiner Erdbebenlorlcher, ist sosort nach den, Bekanntwerden der Nachricht in das Erdbebenae iet im Becken des Fucmer Sees gereist, mit Beobachtungen über die Art und Größe der Erschntterund zu sammeln. V tt8 den § puren, die das Erdbeben hinterlasten, gewann er die lleberzeugunp, daß es n>cht weniger heilig gewesen isi alS jenes, das Meistna und Calabrren zerstörte. Tie Ueberlebenden gaben an. daß die Risse im Augenblick des Erdstoßes bis »u drei Metern Breite ivie riesige lange Locher ausklastten Alle Auaenzenaen beschrieben die Vorgänge so. daß der Zutammensturz nicht m einem einzigen "Augenblick enitrat, sondern in einer Folge von Augenblicken, als ob Kulissen eine na b der anderen einfielen. Allani stellte lesi, daß d-e Ortscha'le',, die ans den A> hän en der Berge gebaut ivaren» nicht ein'ach nieder- gebrochen. sondern tn Staub ve» wandelt sind. Er erklärt die» aus der Tatsache, daß die bhänge der Berge an» E»dswtckuen bestehen, die aus den Fels auslagern: im Augenblick deS Erdbebens pr Oie die Tüncht auf dem Felft" zurück. Es wäre daher unbedingt notwendig, die Erbauung von Ortschaften in solcher Lage zu verbieten. Tie Wohngebäude haben keinerlei Widerstand geleinet, »veil sie ans Felssteinen obne genügende Btndemitiel errichtet ivaren. In Japan, wo last allwöchentlich Erdbeben eintreten, werde» nur einstöckige Fachwerkbäuser errichtet: eine in dieser Art gebaute Stadt verlor auch bet einem starken Erdbeben von 879-00 Einwohnern nur 177. ES ist auch notwendig, daß man in den Vierteln, in denen die stehengebliebenen Mauern nicht niedergelegt sind, den Berkehr verbietet. Ebensowenig dail man die Rückkebr der Emwohner in die Häuser, die sich noch aus'echt halten, gestatten. Padre Ailant sah in Peschina derartige Häuser, die wieder bewobnt waren und bei denen der leichteste neue Erdstoß genügen »vürde, sie ganz in Trümmer zu ieqe»i. Tie größten Vorsichtsmaßregeln werden auch längs der Eisenbahnlinie getrosten. Tie Züge fahren äußerst langsam, wenn sie an beiroffenen Häusern vornberkommen. uni ihnen nicht durch die Erschütterung bei schneller Fahrt den Reb zu geben. Die Bewohner sind vorläufig m Hol,baracken untergebracht. .. * Merkwürdige Reklame. In der itallentschen Zeit- lchritt »Vela Latina- werden einige besonders gelungene neue Anstrengungen ans de»n Gebiete der Reklame aus Italien zusammen» gestellt. ^5' 000 Lire", so las man in einer Ankündigung, »sichert aiS Rente ,nein Haus demienigen zu. der na i weist, daß einer von meinen Anzügen -errissen oder in seinen Nähten geplatzt ist. Einmal blieb ein Kunde, der zum Bahnhof gegangen ivar, um einen Freund zil geleiten, mit dem Knopfloch an der Wagentür hängen, a!S der c 11 m!!5 r ^kivegung setzte. Ter Zug mußte halten, so stark war der Widerstand des Anzugs.* In einem SenlationSpro^eß, erzählt eme andere Reklame, fragte der Richter den'Angeklagten, der schon so NM wie verurteilt war: „Haben Sie nichts hinzuzufügen?• Worauf dieser antwortete: .Herr Richter, ich bin unschuldig: ich 0 ü- c « • ^ ^ C,,n ich ha' e mich mit der X.-Seüe gewaschen.^ rtuch d,e Liköre wollen in tlesen effektvollen Stundungen nicht -nrnckbtetben: »Ein Mann stürzt sich in den Arno. Im letzten Augenblick wird er noch gerettet. ES war ein Misanthrop, der des Lebens überdrüssig war. Als er gerettet war, gab man ihn, zivet Gläser ^.-Schnaps zu trinken: nach dem ersten östnete er wieder die Augen, »ach dem zweiten begann er seelenvergnügt zu sprechen, wurde mit dem Leben ausgesöhnt, ein Mensche,Erennd, e>n Wunder an Energie, vor, Zuvorkommenheit — ein Trost für alle UnglücklichenI - - Die Küche im Kriege. (Nachdruck dringend envünscht.) Suppe von weißen Bohnen: Pan quellt am Abend vorher große weiße Bohnen, nachdem inan sie gewaschen hat, in genügendem Wasser auf. Früh ain nächsten Morgen setzt man sie mit demselben Wasser an und gibt) etwas später sein geschnittenen Sellerie und Lauch darmv nebst geschmorter Zwiebel. Ist alles weich, so rührt man es durch und kann noch etwas Zitronensaft und Soja daran tun. Wer üppig fern will, tut etwas sauren Rahm daran.. R e i s f l e t s ch. '/, Psd. gemischtes F.eisch, 1 Psd. Reis, 2 Eßlöffel Fett, Wasser oder Fleischbrühe, Satz. Pfeffer, 1 Zwiebel, Suppengrün, gewiegt, etwas Speck. Das Fleisch wird in Würfel geschnitten, -dann läßt man es im Fett mit Zwiebel und .Grünzeug andnnsten, schmort das Fleisch wie bei Gulasch Vi Stunde Reis wird gebrüht dazugegeben und soviel Flüssigkeit übergefüllt, daß der Reis gut bedeckt ist. Das Gericht wird 5 -10 Minuten angekocht und 2 —6 Stunden in der Kochkiste zum Garkochen gelassen. In 2 Stunden ist die Speise gar; 6 und mehr Stunden kann sie in der Kochkiste bleiben, ohne zu verderben vüchertisch. — Beiträge zum Einfall der Russen in Ostpreußen 1 9 1 4. Ein bemerkenswertes Stück aus der Geschichte der Gegenwart bilden Hie „Beiträge zum Einfall der Russen in Ostpreußen", die der Verlag der „Ostdeutschen Volkszeimng" in Insterburg, vielfachen Wünschen entsprechend, soeben heramgegoben hat. Sie sind in einer Mappe zusammengemgt. In einem Vorwort und in einer Inhaltsübersicht sind ihnen noch imere,sante Notizen über Invasionser.eonisse in Insterburg bergenden. Ter erste Teil enthält eine größere Anzahl von Plakaten mit den Befehlen und Verfügungen des von den Russen eingesetzten derzeitigen Gouverneurs, eines Jnstcrburger Arztes, während der Besetzung der Stadt durch die Russen vom 24. August bis 11. September. Die Plakate sind auf Anordnung des Gouverneurs in der Trrlckerei der ..Ostdeutschen Vol.szeitung" hergestellt worden. Da die Schriftplatten noch sämtlich vorhanden sind, konnte der Wortlaut in historisch getreuer- Nachbildung wiedergegeüen werden Auch der Umsang und die Farbe des Papiers ist dabei berücksichtigt worden. Tie Befehle und Verfügungen sind typisch für die Art, wie das zarrsche Regiment in deutschen Landen durchgeführt werden sollte. Es fehlen darin nicht Todesdrobnugen gegen die Bürger wie die Androhung, die ganze Stadt nicderzubrennen. Der zweite Teil enthält eine Bekanntmachung des russischen Generals Rennenkamps, rn der allen Enrwohnern Ostpreußens mitgeteilt »vird, daß jeder dem russischen Heere geleistete Widerstand schonungslos und ohne Unterschied des Geschlechts und des Alters bestraft wird. Tie Bekanntmachung maa mit dazu beigetragen haben, daß viele Hunderts von samldlosen Männern, Frauen und Kindern erbarmungslos medergemacht wurden. Eine andere Bekanntmachung ist gegen Die putschen Förster gerichtet, in der ihnen wegen ihrer angeblichen Beterttguna an feindlichen Handlungen gegen die russischen Truppen nnt schwersten Strafen gedroht wird. Daß die Russen ihre Drohung wahr gemacht haben, ist in den Beiträgen «ach anrtlichen Quellen ur f in€ 2H 6^15» mit geteilt: sie haben einen deutschen OberfSrsw m der Nähe der Stadt erschossen, dticht uninteressant sind auch die m Insterburg verbreiteten neun unwahren russischen Krieg-tele- gramme und die Uebersttzung eines Aufrufs des n,Fischen Oberbefehlshabers der Arnree und der Flotte an die Polen. Im dritten Teile befinden sich Auszeichnungen des ehemaligen Gouverneur- über seine Verhandlungen mit Rennenkampf, ein Stimmungsbild eines Augenzeugen über die Stellring rwn Jnsterburgern als Ä'isetu der Russen und Mitteilunaen aus der Insterburger Stadwerwab« tung während der Invasion- eit. Tie Map -e mit den B itrügen ist zu bezrehen vom Berlage der ..Ostdeutschen Volkszeittmg" in Insterburg und koswt in der Expedition Insterburg 2 Mk., beimBezug durch die Post 2,20 Mk. _ Verwandlungs-Ausgabe Hort — den — Ader - Stern - und — Leier — Blech — blaß - Adel — Rand — Brut — Eder — malen. Die vorsteheuden Wörter sollen durch Hinzmüaea je eines Buchstaben derart ,n ebenso viele neue Wörter verwandelt werden, daß die binzugefügten Buchstaben der Reibe nach gelesen den Namen eines Komponisten ergeben. (Aust, tn nächst. Nummer.) Auflösiing des Zitatenrätsels in voriger Nummert Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Schrlllleitmig: Aug. Goch. - Ro,i»iou«drurk und verlna der Brühl'lchkn 1I,i«vers»«„-B»ch. „nd Llcindruckkre«, R. Lange, G>e»,n.