3ns Oaradies der Lrdr. Roman von Ada von Gersdorsf. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Zweiter Teil. Von Oberstwachtmeister Granstedt, der provisorisch das Regiment fährt, habe ich Urlaub -auf vierunozwauzig St n^ den nach Berlin erhalten. Ich will mir von Dante Lalli, meiner zweiten Mutter, die immer so gut und verständnisvoll für mich war, mein Lebensglück erbitten. Mit ein paar Mark, die sic selbst nicht entbehren wird, kann sie es mir schaffen. Mir ist so zuversichtlich zumute, wie wohl jedem Menschen, der klar weiß, was er will und wovon nichts in der Welt ihn abhält. Darin liegt die Wurzel der Tatkraft, -glaube ich. Handeln zu können, känlpsen zu dürfen tun einen Preis, ist etwas Herrliches. Aber das geduldige Ab- wartenmnssen, das Hoffen und Harren ist unerträglich, das macht schlaff, mutlos, feige! — Freilich denke ich mir's schöner, wie in alten Zeiten um das geliebte Weib aus edlem Streitroß, das Schwert in der Faust, zu kämpfen, als zu einer alten, wenn auch noch so lieben Dande zu fahren und ihr mit Geldwünschen zu kommen ... Betzingslöwens sind fort, ziemlich plötzlich nach Italien abgereist. Der Oberstabsarzt hat es dringend gewünscht, der Frau wegen, die unser Klima nicht verträgt mit ihren zarten Atmungsorganen. Zw ietitsch. Mein Besuch bei Tante Lalli liegt hinter mir und nun sitze ich wieder hier und schreibe: denn dabei kommt man am besten zu Ruhe und Klarheit. Man geht beim Medenchr eiben logischer vor. Die Gedanken wirbeln nicht mehr so toll und zusammenhanglos herum, und be dächtig scheidet man,Wichtiges und Unwichtiges voneinander. Am liebsten möchte ich viernndzwanzig Stunden lang gar nichts denken. Nach dem, was in so großen wilden Welten über nlich kam, fühle ich mich jetzt nicht in der Verfassung znnl richtigen Handeln. Und doch habe ich keine Zeit zum Abwarten. Tante Lalli saß in ihrer bunten Wohnstube, als ich bei ihr eintrat, aus ihrem großen buntgeblümten Ecksofa und stickte an cüiem großen bunten Muster mit vielen bunten Seidenfäden, die ans dem Tisch ansgebreitet lagen. (So viel ehrwürdiger bunter Kram aus uralten Zeiten sah mich hier an. Mölbel, die jetzt Antiqnitäteruvert hätten. So viel alte, liebe, bekannte Gesichter — lauter Rohns an den Wänden, darunter Tante Lalli als Vierzehnjährige irr einem weißen ausgeschnittenen Ballkteide, mit einem kolossalen Rosenkranz in blonden Ringellocken. Uebera.lt Wappen uttb Doppclwappen — llra.de! und Schwertadcl und Briefadel. Ob immer Herzadel? — Dem wollte ich hier ein Heim schaffen durch -meine Unterredung mit Tante Lalli, der letzten uuvermählten Rehn ans dem Hopse Trach. Gelbe dichte Gardinen hingen an den Fenstern und ein seltsam warmes, altmodisches Licht lag über all den vergangen»! Menschen und Zeiten, die hier ihre stumme Sprache redeten. Mir wurde ganz warm, ganz gemütlich in dieser alten Stube. Hier hatte ich immer gestanoen, wenn ich der Tante dringende und ost törichte Knabenwünsche vortragen wollte, die sie ja ost erfüllte, ost aber auch mit ihrem großen „blauen Blick" und den ein bißchen spöttisch bebenden Nasenflügeln ablehnte. Aber zu berechnen war das nie bei ihr. — So recht behaglicher Friede lag über dem alten bekannten Stilleben hier, den Bildern und S.ickereien, ime der Abendsonnenstrahl in den schmalen verschnörkelten Pfeilerspieg ln, den grün und roten Glasvasen, den Dosen und golu gen Nippes aus dem breiten Kaminsims schillerte. Hier war so gar kein Schauplatz für die düstere Tragik des Schicksals, für zerstörtes Glück, für zerrissene Liebe.. Ich konnte mir mein wunderschönes Lieb in seinem einfachen Tuchkleide so gut hierher denken in den kleinen goldenen Sessel mit dem Seidenroscnmuster neben Tante Lallis Platz. Sie legte ihre Stickerei hin und ihre großen blauen Augen leuchteten mich sreundlich an, als sie mir ihre dünne weiße Hand mit dem großen Wappenrrng, den sie nach einer uralten Mode aus dem Zeigefinger der Linken trug, zum Kuß entgegenstreckte. Dieses Kleid mit den gelben Blümchen in der grauen weichen Seide hatte sie an gehabt, als sic mir Apollo schenkte und in ineinen Ueber mut zur Kavallerie einwiUigle. Ich wußte jetzt im ersten Moment nicht, sollte ich ihr meinen neuesten Lebenswunsch leicht und heiter vorlragen, voll fester Zuversicht, daß sie ja gar nicht.anders könnre, als uns zu helfen, oder sollte ich einen ernsten Ton anschlagen, in dem sich meine bange Sorge verriet, mit meiner Bitte abgewiescn zu werden. „Du kannst dir wohl kaum denken, liebe Tante, was mich herführt," sagte ich, mich zur Ruhe zwingend, nachdem ich ans die üblichen Fragen nach ihrem Befinden besriedi gende Antwort erhalten hatte, und setzte mich auf den großen Wappenstuhl, der ihr gegenüber am Tisch stand, derselbe Stuhl, an dessen Lehne ich mich immer als Junge angeklammert hatte, wenn ich ein Anliegen von Bedeutung an sie hatte, und ans dem ich zuletzt vor fünf Jahren iit schwerer Stunde gesessen hatte. Sie legte das große runde Vergrößerungsglas auf das bunte Muster, steckte die lange Sticknadel iit den Roserin vpich, an dein sie arbeitete, lehnte sich ein wenig im Sofa zurück und sah mich, wie damals, als ich, ein blutjunger Leutnant, eine größere Geldsumme von ihr erbat und ihr nicht sagen konnte wofür, mit einem Blick an, der an blaues Eis erinnerte. Dieser Blick machte mich aber jetzt nicht verlegen. Er steifte mir nur den Nacken und versetzte mich in die erforderliche ernste Stimmung. „Meinst du, mein Sohn," fragte sie, „ich wüßte nicht, was dich „auf viernndzwanzig Stunden zu einer dringenden 70 — Besprechung" — so schriebst du — zu mir führt? Und ich will dir die Vorrede ersparen, Harry. Du ivillst heiraten." „Ja," sagte ich nach einer sekundenlangen Pause so kurz, wie ich neulich dieselbe unumwundene Frage Tatianas Vater beantwortet hatte. Sie kniff die schmalen Lippen zusammen, sah mich flüchtig an und sagte: „Ich bin orientiert, durch mancherlei. Du bist in das junge polnische Ladenmädchen verliebt, in einem außerordentlichen Grade, und du willst denn bei einem schüchternen Hoffen bescheidest du dich nicht du willst, daß ich dir die pekuniäre Möglichkeit geben soll, diese kleine Dame zu heiraten." Da war scholl die Kriegserklärung! Daß ich ein Rehn-Trach war, von ihrem Blut, fühlte ich im Moment an dem eisernen Trotz, der jäh in mir ausstieg wie eine Art Mauer, über die hinweg es kaum eine gütliche Verständigung gab. „Ich bitte dich zunächst, Tante Lalli, nicht in solchen: Tolle voll einer „kleinen Dame" zu sprechen. Du hast kein Recht zu dieser verächtlichen Bezeichnung, ehe du sie kennst." „Durchaus nicht," sagte sie mit einem kleinen spöttischen Lippenzucken und legte einen roten Seidenfaden, der sich in die grüne Seide verirrt hatte, sorgfältig zu seinesgleichen. „Tatiana ist eine Dame, ohne Adjektiv! Sic ist meine künftige Frau." „Ja, ja, das Hab' ich mir gedacht, als ich euch aus den: Basar sah." „Und und dll sagtest kein Wort?" stieß ich heraus, „tatest, als wenn du sie überhaupt nicht gesehen hättest?" „Harry — ich hatte sie gesehen, rein äußerlich, wie man ein hübsches Bild ansieht, das man nicht Lausen kann. Mau geht vorüber, es lohnt nicht davon zu sprechen, als daß es schön ist. Was hätte das genutzt? Ich wußte aber, daß du eines Tages hier sitzen würdest, wie du heute hier sitzest, und daß du alles das sagen würdest, was du gesagt hast und. noch sagen willst. Ich habe es erwartet, als ich dich und sie aus dein Basar sah. Dll weißt das auch! Tu kellnst mich doch: ich übersehe so leicht nichts. Und lvas ich in gwielitsch sah, war ausfallend genug. — Steh mal, Harry, ich will mich jetzt nicht lveiter auslassen über das Mißliche solcher Ehen aus zwei so verschiedenen Gesellschaftskreisen, zwischeil die Gott und Welt nun einmal einen Abgrund gelegt haben, da mögen nun die Philanthropen und Idealisten sagen, was sie wollen. Darüber brauche ich dir nichts zu erzählen^ das weißt dll allein und stimmst miv bei — selbst wenn dll dir ins eigene Fleisch schneiden mußt, dazu bist du viel zu ehrlich, gegen andere und gegen dich selbst — lvas ,licht immer das Leichteste ist. Erspare mir also eine jruchtlose Wiederholung dessen, was schon un- zähligenlal nicht nur in unseren, sondern in allen Kreisen gesagt worden ist: Künige haben es ihren Thronfolgern gesagt, die dem Volte nnebenbürtige Frauen als Königinnen ausdrängen wollten, vielleicht aus Krone unfr Reich verzichteten und damit einen ererbten Wirkungskreis Preisgaben, bem sie mit ihrer jungen Kraft zum größten Segen gereicht hätten. Und der Bauer hat es zu seinem Sohne gesagt, der die Hienstmagd vom Hof holen und sie an der Eltern Tisch als Herrin sehen wollte. Das ist nicht die Theorie des Hochmuts, Harry, sondern ein uraltes Gesetz, und der Beispiele, daß man es nicht ungestraft verletzt, sind Legionen, öffentlich oder heimlich. Meine Hand bieten zu etlvas, was gegen meine feste, auf ernster Lebenserfahrung beruhende Ueberzeugung ist? Nein. Dem liebsten. deni einzigen Menschen ans Erden, den ich habe, die Weae ebnenizn dem, was ich unter allen Umständen einen gesellschaftlichen Niedergang nennen müßte? — Nein! Ihm Helsen, sich dem Berus, dem er mit Leib unb Seele ergeben ist, um eines schönen Mädchens willen zu entziehen ? Nein, Harry — dazu biete ich meine Hand nicht. Unmöglich kann ich das Denken und Fühlen eines ganzer! langen Lebens verleugnen, nur deine Verbindung mit der hübschen Tochter eines polnischen Händlers zu ermöglichen. Tn wirst das begreifen, aber nicht begreisen würdest du, wenn ich sagte: Mem Kind, es freut rnich, daß du liebst und geliebt wirst, darrn liegt das höchste und einzige Glück und Heil des Lebens. Geh hin. ziehe des Kvnlitzs R!ock aus!, mit deinen sechsundzwanziß Jahren, und heirate in die Familie Korro- lewski und tritt getrost in ihre Kreise ein. Der Mann geht immer in die Familie der Frau über. Sie zieht ihn hinab, wenn sie unter ihm steht, er sie aber sehr selten hinauf. — Was ich da sage, mag ja nicht aus alle Fälle passen — auf die meisten paßt es. Und diesen Fall als eine Ausnahme zu betrachten,' jehlt mir jede Veranlassung. ■— Was ich dir bisher an ^ubsistenzmittetn aab, werde ich dir auch ferner geben, mehr nicht. Wenn oit davon eflnei Häuslichkeit, eine Familie gründeir ivillst und für die Zu- kunst auf meinen Tod wartest, so lverde ich dich nicht hindern. Aber dir zu dem verhelfen, ivas ich ein Unglück für dich nerme, nein, Harry — nein, das tue ich nicht." Sie hatte das alles mit ihrer gewöhnlichen, etwas tonlosen und trockenen (Stimme gesprochen, ohne jede Aufregung, die mich herausgesordert hätte, ihr ins Wort zu fallen, fast im Tone einer durchaus objektiv gehaltenen Betrachtung. Die Hände ruhig übe reinandergelegt, sah sie still hinaus zu dent großen Oelbilde ihres Vaters, meines Großonkels, in der Uniform der Flügeladjutanten, das uns gegenüber an dev Wand hing, vom letzten roten Abendschein seltsam überleuchtet. Eili starres tödliches Schiveigen trat ein. Ich tvußtc, daß sie ihr letztes Wort in dieser Sache gesprochen hatte... ich kannte sie seit zwanzig Jahren. — Die Stirn in die Hand gelegt, damit sie meine zuckenden Lippen nicht sehen sollte, saß ich eine Weile regungslos. Dann raffte ich rnich zusammen und erhob mich. Stumm starch- ich vor ihr. Aber sie wandte den Blick nicht von dem Bilde, und während dieses abwehrenden Hinsehens wurden ihre feinen, scharfen Züge denen des stolzen, klugen Männerkopfes dort oben außer-» ordentlich ähnlich. „Lebe wohl, liebe Tante," brachte ich endlich heiser heraus. „Ich will gehen." Jetzt schaute sie auf und nickte. „Lebe wohl, Harry. — Zu überlegen brauchst du dir das alles wohl nicht?" fragte sie kalt. „Nein." Sie nickte ein paarrnal vor sich hin. „Ich — ich fahre jetzt gleich wieder zum Bahnhof," sagte ich, „dann erreiche ich den Zug nach Zwielüsch noch. Oder wünschest du, daß ich noch bleibe?" fügte ich zögernd hinzu. „Wenn es einen Zweck hätte, Harry, wenn eine Umstimmung bei einem von uns denkbar wäre — aber — " Wir sahen uns an— Niemals werde ich ihren Blick vergessen. Es lag kein Schmerz, kein Zorn, kein Vorwurf darin, etwas viel Schlimmeres, eine kühle Gleichgültigkeit, wie man jemand ansieht, der gar kein Interesse mehr für uns hat, den man nicht entfernt versteht oder verstehen niöchte... „Ich werde dir schreiben, Tante Lalli." ,>Ja, schreibe mir," sagte sie gelassen, stand ans und ging ans dem Zimmer. — Ich fuhr zur Bahn und erreichte knapp den Zug. Man glaubt an symbolische Winke des Schicksals, aber es würde mir, wenn ich den Zug verpaßt hätte, nicht eingefallen sein, bariit eine solche Mahnung zur Umkehr zu erblicken, um es noch einmal bei der Tante zu versuchen. Da war nichts mehr zu wollen, wenn sie einmal nein gesagt» hatte. Sie will mir nur geben, was sie mir bisher gegeben, das heißt meine feste Zulage von monatlich dreihundert Mark. — Das will und muß ich annehmcn. Ich fühle auch keine Veranlassung, jetzt den Stolzen zu spielen und es zurnckzu- weiscn, und ich darf das auch gar nicht, denn ich habe nicht mehr nur für rnich allein zu sorgen. — Die reichen Geschenke aber, die meinem Einkomuren gegenüber sehr bedeutende Summen waren, zu Weihnachten, zu Geburtslagen, zu den verschiedenen Urlaubsreifen und neuen Anschaffungen — die fallen weg. Ans die will ich verzichten, selbst wenn sie das nicht wünschte. Für meine standesgemäße Existenz zu sorgen, hat sie sich verpflichtet, als sie mich an Kindesstatt annahm — das ist etlvas andres. Aber mir etwas schenken lassen, sei es auch aus Gutherzigkeit, aus Mitleid mit mir und meinem Weibe niemals! Niemand auf Erden dürste das, und wenn es meine eigene, wirkliche Mutter wäre — niemand, der mein Weib achtet...! Still — da komme ich an eine Grenze, über die meine Denkkraft nicht hinüberreicht. Ich will lieber bei dem bleiben, was mir jetzt zunächst liegt)! was habe ich zu tun — zu lassen? Zu tun vorerst: des Kölligs Rock ausziehen ... Apollo verkaufen... Es lvird genug Menschen geben, die mit mir wissen, was es heißt: alles opfern, um eines zu erreichen. (Fortsetzung folgt.) — 71 — Die Prophezeiung. Ski-ze von Adolf Stark. Es gibt Nur zwei lebende Menschen, welche die unheünlichü Geschichte von Matthias Schuichenstiels Tod und der vorhergehenden Prophezeiung kennen: Doktor Werner und ich. Unlängst haben nur zwei Nach fast 20 Jahren uns wieder getroffen, in derselben Stadls wo lvir einst als Stttdenten lebten und träumten und Pläne schmiedeten und die Welt aus den Angeln hoben im Gefühle unserer jugendlichen Kraft, für die keine Aufgabe zu schwer war. — Ach Gott, wir haben die Welt nicht aus den Angeln gehoben, wir haben nichts geändert an dem gleichmäßigen Gang der iDinge, der uns dereinst so langsam, so verkehrt und so verbesserungswürdig ersclsten. Ich selbst habe mir wenigstens mein bißchen Freiheit noch gerettet, mein bißchen Gedankenfreiheit vor allem. Aber .Werner! Finanzrat ist er geworden, steif und Nüchtern, ein wenig selbstgefällig und, »oie mir scheinen will, ein bißchen beschränkt. Vielleicht muß das so sein. Wer sich als Rad oder Rädchen — vielleicht sollte man „Rat oder Rät- chen" schreibe,! — in das große Getriebe einpassen will, muß alle Ecken und Unebenheiten abschleifen, muß alle Selbständig- keitsgclüste aufgeben und die rostige Feder, welche das ganze Werk treibt, nnderspruchslos als eine Art göttliche leitende Macht anerkennen. Ich glaube, Werner ist nur deshalb jum Stelldichein gekommen, wie wir es vor zwanzig Jahren am Tage unserer Trennung vereinbarten, um uns zu zeigen, nrie weit er eS gebracht, und sich an unserer Bewunderung zu sonnen. Da lvar mir im.Grunde genommen Schuichenstiel noch lieber, obgleich auch er sich nicht gerade zum Helden entwickelt hatte. In seiner Heimat Tirol, in irgendeinem abgelegenen Gebirgsorte saß er als Arzt unter den Bauern und lvar selbst ein Bauer geworden, äußerlich und mehr iroch innerlich. Im Gegensatz zur Selbstzufriedenheit Werners empfand er den Unterschiä» zwischen den Hoffnungen bpn einst und der Wahrheit von heute, und wenn er auch viel zu stumpf geworden, um darüber glühend« Tränen zu vergießen, so drückte die Erkenntnis doch aus ferne Laune. Alles in allem, es lvar kein glücklicher Tag, dieses verabredete Wiedersehen nach 20 Jahren. Wir strichen durch die Gassen, wie dereinst, machten uns auf die Veränderungen aufmerksam, empfanden die breiten, nüchternen Gassen mit den hohen, überladenen Häusern, die an Stelle der alten Gäßchen mit ihren düsteren Häusern getreten waren, als groteske Parallele zu denr eigenen Lebenslauf, der auch so alltäglich und Nüchtern geworden, und wurden das Unbehagen selbst dort nicht los. wo die Zeit an dem Satdtbilde spurlos vorüber gegangen. Im Gegenteil, in der alten Umgebung erkannten »vir erst so reckst, wie wir selbst uns geändert hatten. Wenn ich sage: „wir", so meine ich damit Schuichenstiel und mich. Werner fühlte sich offenbar ganz behaglich in seiner Haut. Er belächelte die Träume der Vergangenheit und fand, daß er mit seinen 43 Jabren es herrlich weit gebracht l-abe: „bitte, dis zum Finanzrat!" Keiner seiner Kollegen lvar noch so weit. Und dies alles ohne Protektion, wahrhaftig, ohne Protektion, die er stets abgelehnt habe, obgleich sein Schwiegervater Hofrat tmd der Onkel seiner Frau sogar Sektionschef »var! Hier drinnen hat uns die alte Zigeunerin damals unser Schicksal prophezeit," unterbrach Schuichenstiel die Ausführungen Werners. Ich erinnerte mich noch genau an den Vorfall, aber seltsamer weise nicht daran, lvas mir selbsr prophezeit worden war. Nur, daß sie sich geweigert hatte, Schrnchenstiel aus der Hand wahr zu sagen und daß sie schließlich, durch zlver blanke Gulden bestochen, allerhand tolles Zeug geschivatzt hatte. Der Doktor nickte. „Ich lveiß noch jedes Wort. „Wenn die Sonne bei Nack)t scheint und die Menschen auf dem Kopse gehen," sagte sie, „bann hüte dich!" Weißt du noch, lute sie aufschrie, daß es mir durch Mark und Brün ging, und alle Gäste sich Umdrehten- „Er zielt nach dem roten Herzen und Steine regnen hernieder; Säbel blitzen und das Blut fließt. Hüte dich!" Werner lächelte überlegen. „Wie du dir die Sache nur gemerkt hast. Du glaubst doch nicht etlva an den Unsinn. Ob- gleich ich gestehen muß, daß sie bei mir so ziemlich deu Verlauf meines Lebens erkannt hat. „Du wirst hoch steigert, Herr." Na ja, das ist natürlich nur Zufall. So etivas glaubt doch ein vernünftiger Mensch tticht." „Glauben? Als ob das vom Willen abhinge." Schuichen- ftiel schüttelte sich, als taufe ihm ein Schauer über den Leib. „Lacht mich meinetwegeit aus. Aber lvenu ich geworden bin, was ich bin, ein Bauer unter Bauern, ein Lattdbader, nicht viel mehr als ein diplomierter Quacksalber, so hat die alte Hexe nicht tvenig Anteil daran. Ich hätte Gelegenheit gehabt, beim Lloyd als Schiffsar^t anzukommen, fremde Länder zu sehen, zu leben, zu lernen. Es war dies immer mein Ideal. Mer die Worte der Mten: „wenn jbie Sonne bei Nacht scheint und die Menschen auf dem Kopfe gehen", das kantt sich nur ans die Antipoden beziehen. Es mag ja lächerlich sein, daß matt so am Leben hängt, an so einein Leben, aber ich habe die Schisfsarzt- stelle ausaeschlagen; deshalb!" Die Stimmung hntrbe immer unbehaglicher Es war besser, wir gingen in irgendein Bergttügungslokal und verbrachten Veit Abend unter fremden Mensche*, I* ganz banaler Weise, als so durch die Straßen zu fchleichrr, alS die Last der toten Vergangenheit und der nüchternen Gegenwart auf dett Stätten spa- ztereir zu führen, die einst unser Hoffen sahen. Ich schlug vor, da es silrs Theater ztt spät gcioorden lvar, eilt Variete auszu suchen, uub die anderen lvaren einverstanden. Wir kamett mitten in die Vorstellung. Werner erblickte gleich beim Eintreten in einer Loge einen Vorgesetzten lurd emp fahl sich, ttnt nicht Mehr zurückzu kommen. Vielleicht war es ihm auch peinlich, dem Herrn Finanzrat, sich öffentlich in Gesellschaft eines titellosen Schriftstellers und eines verbauerten Land arztes zu zeigen. So blieben wir beide allein au de nt Tische. Ich dachte Über Vergangenheit und Gegenwart nach und widmete den Vorgängen auf der Bühne keine Aufmerksamkeit. Schuichenstiel, der Tiroler Hinterwäldler, dem solche Vorführungen offenbar ein neuer Genuß waren, applaudierte wie toll und trank während des Zuschauens ein Glas Bier nach dem andern. DaS Schicksal so vieler vereinsamter Menschen war auch das seine geworden: Der Alkohol ward ihm zum Freunde und Tröster. Plötzlich faßte er mich heftig am Arme. Ausschauend sah ich in ein totenblasses Gesicht. „Sie gehen auf den Köpfen," stammelte er. „Nun, das ist für Akrobaten gerade keine uttgewöhnliche Stellung," erwiderte ich, ohne anfangs seine Aufregung zu verstehen. Mer er beutete nach der Decke, wo eine große goldene Sonne vom weißen Stuckplafond herab das Licht auf bett Zuschauerraum anszustrahlen schien: „Sie gehen mts dem Kopfe und oie Sonne leuchtet bei Nacht." Das war freilich ein sonderbarer Zufall, aber ich wollte ntcht mit ihm debattieren, zumal, da er sichtlich nicht mehr ganz nüchtern war. „Komm, gehen wir, bat ich. Doch er wollte nicht. Die nächste Nummer, zwei russische Tänzerinnen, zerstreute sein Bedenken, und eine englische Clownszene, die ihn Tränen lachen ließ, brachte seine Geistesstimmung lvteder ins Gleiche. Dazu trank er Glas um Glas. Dann laut die letzte Nummer, der Scharfschütze. Das lvollte Sckruichenstiel aus jeden Fall sehen. Er war Jäger, passionierter Jäger. Das war noch das einzige, nwfür er Verständnis und Interesse hatte: die Jagd und das Wild. Das Publikum bejubelte den geschickten Schützen, undSchutchen- stiel jubelte und klatsckste mit den attdern. „Sakra, mit dem zusammen möchte ich einmal auf die Gemsjagd gehen." Plötzlich fuhr er empor, stand da, auf den Tisch gestützt, m,t schwankenden Beinen, die Augen verglast und weit ausgertssen, ein Bild des Entsetzens. Uebrigens fiel das weiter nicht aus, denn auch die anderen hielten den Atem an, als das junge, schöne Weib, um die Lippen ein freundliches Lächeln, sich aufstellte und das Herzaß aus Handbreite über den Kopf hielt, lvährend der Kunstschütze eben auf der höchsten Galerie, durch die ganze Breite des Zuschauer- raumes getrennt, Posten gefaßt hatte und langsani und bedächtig * Ich muß gestehen, auch mich faßte das Entsetzen. Zwar sagte mein Verstand noch immer: Zufall, nichts wie Zufall, aber mein Herz hörte nicht aus, stürmisch zu pochen, sondern lausäste der raunenden Stimme, die irgendwo aus ungeahnten Tiefen des Ich auspieg und die sinnlosen Worte von einst lviederholte, die heute so leltsam zu Sinn und Bedeutung gekotnmen zu sein schienen: lvenn die Sonne bei Nacht scheint und die Menschett auf dem Kopse gehen und er nach dein roten Herzen zielt —„Sonder barer Zufall," sagte ntcin Verstand und merne Lippen sprachen cs nach. Von drinnen der drang, dumpf brausettd. immer stärker auschwellend, wie das Rauschen eines fernen Meeres der Beifall, welchen matt dent Schützen spetrdete. Das schwierigste und ge sährlichste Stück feiner Produktion war glücklich abgelausen. Aber diese Vorstellung, welche dock geeignet gelvesen wäre, ntich zu de ruhigen und den tollen Spuk zu verjagen, vertnochte nicht aus zukommen gegen den bangeit Druck der namettlosetr Furcht. Nein, Furcht ist nicht der richtige Ausdruck. Es war etwas atrderes, das Vorgefühl einer kommenden Katastrophe, der aus- znwetchen nicht möglich ist, die vernichtend, niederschmetternd fein nnrd, und deren Kommen man denttoch mit einer Art wahnsinniger Neugier herbeisehnt. So ungefähr «tag dem Kinde zumute sein, welcl>es am Nikolaustag den kettenrasselnden schwarzen, Hörner geschmückten Krampus erwartet. Nur daß die Gefühle der Erwachsenett in diesem Falle viel tiefer, viel nachhaltiger, viel ge lvaltigcr sind, ein Meer von Schauder uub Erwartung. Es lvar eine uitruhige Zeit damals. Soziale Not vereinte ftch mit denr alten, eingewurzelten nationalen Hader, und diese Mischung, gleich dent Gemenge von Salpeter, Schwefel und Holzkohle, brauchte nur einen Funken, um zu explodieren. Kleine Zusammenstöße zwischen der Menge uttb der Polizei waren an der TageSordmmg. Beinahe hakte man sich schon darait gewöhnt. Als ich daher in der Nähe des Altstädter Ringes einen Trupp johlender, schreiettder Burscl>en auf uns zukommen sah, fast laufend, wie Schafe, die vout Hirten getrieben tverden, lvnßte ich sogleich, was das bedeutete. Wir drückten uns beide in eilten Hansslur, um den Sturm vorüber zu lassen. Gerade gegenüber wurde ein Neubau ausgeführt, da lagen Ziegelsteine sorgsam aufgeschichtet. Plötzlich schlvirrte ein roter Brocket; durch die Lust. Wie ein ültsteckender Wahttsitln lvar es. Die vor we- nigen Sekundett noch, trotz allem, lackenden Menschen waren 72 jetzt, da sie die Ziegelsteine wie eine Art Masse in den Händen Wllen, zu Bestien geworden. Ein Steinhagel sauste der Wache entgegen. Diese zog vom Leder, die Klingen blitzten, die Helmte funkelten im Glicht. Wir sahen ein paar Burschen nieder- stürzen. War cd die in 20 Jahren erworbene Gewohnheit, ärztliche Hilfe zu leisten, war es die dunkle Macht, welche sein Ge- chick lenkte, genug, Schuiclienstiel sprang vorwärts und beugte ich über -einen der Gefallenen: da sauste auch schon der Säbel eines berittenen Wachmannes ans ihn hernieder, ein breiter, roter Streifen floh über sein Gesicht, dann wankte er und siel. vermischte». * Lichtmeß und B o l k s a l a u b e. Hat der Landmann erst die Lichtmeß (2 Jebruar) hinter sich, so längt er an, seine Vorbereitungen für das Frlihsabr zn treffen: denn nun nehmen die Tage raset, ivieder au und die Sonne beginnt warn,er zu scheinen. Aber der Landinann weiß auch aus feinen vielfachen Beobachtungen, da» »varme Tage in, Februar noch feinen Besiand haben und daß dann ge»vobnl,ch doch noch ein kürzerer oder längerer Rachivmter kommt. DeShckb finben mir i>! Deutschland in Srr'chnwrieru vielfach die Ansicht vertreten» daß zu Lichtmeß noch ein wmterlirt es Wetter herrschen nulß „Licht,neb in, Schnee - Ottern in, Klee"» sagen die Landleute in der 'HaU; bei den Landleuten in DlecNen bürg beifet eS: „Liebtnnsseu dunkel» denn rvard der Bur 'n Jmiker*. Ein Sprichwo't, das in ganz Deutschland lind darüber dinauL verbreitet isi, heißt: „Wem,- au Lichtinel; schneit, in der Faühlrng nicht mehr weit, isi's dagegen klar und hell, konnnt der ivviiblma nicht so schnell" : ein anderes Sprichwort bringt denselben Gedanken zum Ausdruck, wenn es sagt: »Find'l die Gang zu Lichtmeß dunkel und nab, hat das Schal zu Marien (25. März) '^ras". AtlS der Z it, da im Winter noch öfter Wölfe auüraten» stannnt ein Sprichwort, >'aL laut t: „Besser, das; die Wölf in den Schainall tonunen, als daff zu Lichtmeß scheint die Sonnen " Ob es zu Lichtmev friert oder ichneit, ob es regnet oder Stürme über das Land toben, das ist de,u Landwirt gleich, nur die Sonne soll au diesem Tage nicht schemen, deim sie täuscht einen Frühling vor, der noch nicht kommen kann. 'Was e , »l c englische G o u v e r.n ante in einem deutschen Prinzen banse ,h e r a u S f a n d". Wenn noch irgend ei»! Menfch in den beiden Erdhcilften übrig sein sollte, der von Deutschlands Schuld au der Anstiftung des gegenwärtigen Volkerkrieges nicht überzeugt ist. so lvird er eine einfache, aber znüunende Antivort zwischen beu Teckeln des kleinen Buches..Was ich beransfand" erbatteii." So kündigt ein grobes Londoner Blatt ein soebeil erschienenes Blich an, das bertlien sein soll, iu Europa und Amerika eine grobe Sensation zu erreaen. Tie Verfasserin ist e.ne junge Engtäitderm, die anonym bleibt, aber doch viel voil ih er Person und ihrer Fauulie erzählt, um sich als glaubwürdige t eugiu ausznweisen. Tnrch ihren Grobvater, der amerikaniscler eeoisizier ,var und als solcher die Bekanntschaft des Prinzen Heinrich gemacht hatte, ist sie in, Jahre 1909 in die Stellung einer engli'chen Gouvernante bei zwei kleinen Prinzen im Alter von 5 und 6 Fahren, den Söhnen eines königlichen HmsieS, über das sie allerhand A,»deuti,naen umcht, ohne es jedoch zu neiinen, gelangt, und hier hat die englische Miß alle die Abenteuer erlebt, die sie erzählt und die Deutschlands sinsiere Pläne lange vor den, Ans- briich des Krieges erkennen lassen sollen. Gleich die erste Be gegnuug mit ihren Zöglingen enthüllten ihr ein düsteres Schreck bild. Die kleinen Prinzen spielten in einem Gartenhaus, als sie ankam, und man hörte schon von weiten! wildes Schreien, das die Grobe ihres Vergnügens anzeigte. Und waS inußten d,eA„g^n der Engländerin seh n? Auf dem Fußboden war ein vollnändt>,es Modell der E i t y von London aufgebaiit. und über den Srrabeu und Plätzen, den Türrnen und Kirchen flog eine Flotte von kleinen Zepoel inen, die die Kinder sehr geschickt lenkten. .Niemals Feit oder Zitate» ial verschwenden," schrie eine Männerstimme- „Paßt ans, wie ich es niache. Ich bin über Westminier- Abt i " Der so sprach, war ein junger preußischer Leutnant, der d,e uiilitarische Erziehung der Kinder zu letten hatte. Als er die Engländerin erblickte, war er etwas u angenehui überrascht, erklärte jedoch, eS wäre ein unschuldiges KnegSipiel, das der Er- sinder Graf Zeppelin den Kindern geschenkt hätte Die englticbe wlib hatte so aber gleich einen Borgefchmack von den» wilden r an erhalten, den sie dann aus Schritt und Tritt zu verspüren glaubte. Jeder,nanu in ihrer Umgebung hat sich augenscheinlich i'che gegeben, ihr das klar zu machen. Schon dan,als — so erzählt sie t,ente - hörte sie von der wundervollen .Ueberraschung" flünern, die a,ü den Krl'pvwerken m Vorbereitung wäre. Der junge Leut uant. der zunächst, wie sie verschämt andeutet, einen vergebltchen Angriff auf ihr kühles Herz unternahm, schüttete der Spröden troh- dem ,em ganzes Herz aus und erzählte ihr, daß das deutsche Heer ebenso n'ie die Flotte lim .den Tag" beteten, womit die Ber- foneiin einen hübschen Anachronismus begeht, denn das so be tttelte wtücf Barries und die darin liegende "Anspielung auf den bei nhinten „Hatzaesang gegeti England" sind za erst nach dem Ausbruch des Krieges entstanden: aber derartige kleine llu* gereunthelten stören die Verfasserin nicht >m mindeien. Auch der düstere „Gra> JPmiTjavbi* hatte vor tfx keine Geheimnisse über den militärischen Ehrgeiz seines Landes. Und selbst der Kaiser hat sic einer Atkseinandersetzung über seine Anschauungen gewürdigt, sich darüber beklagt, daß die Deutschen in der ganzen Welt rricht verstanden lvürdeil. dab niemand ihnen gerecht würde und alle nur eikerjüchlig ans sie u>ären; wenn sie ein Blich schriebe, ko täte sie gut, ihn vorher ihre Notizen lesen zu lassen, er könnte ihrem Urteil Hellen . . . Fügt man noch lnuz», daß die Verfasserin erzählt, daß eine hervorragende Gräfin ihr gesagt habe, der deutsche Kronprinz iväre mit dcr zngeüaiidenen Abncht »iach Jndietl gereist, unter beu eingeborenen Herrschern Unsiieden zu sli ten, iind Aegypten hätte er auf dein Wege in Atlinchr bringen tolle»!, daß sie weiter erzählt, sie habe im Juli einen Brief an den engltschen Premicrmiinsler geschrieben, um ihn zu warnen, aber dieser Brie» sei genohlen tvorden, und sie wäre dann unter den größten Gefahren geflüchtet, - so hat man eine kleine Blutenlese vo,i all bem Unsinn, den die Engländer der Welt alS wichtige»! ^weis für Deutschlands Schuld an dem Kriege vorsetzen wollen. * D i e e r s i n d e r i s ch e S ch u l j u g e n d. AuS Sänger- l> a n s e n wird uns geschrieben: Wie überall im Deutschen Reiche »nacl-t sich auch iu »ulierein Lrte als euiziae Knegsnot empsindllcher P e t r o l e u in m a u g e l bemerkbar. Viele Haushaltungen sind tage- und rvocheulang one citieti Trov^en veud toi und >ver keinen Auschlui; all die l^asleitiing hat oder die teirre und dabei doch tiur unvoltiommene KerzenbetenchtuW scheut der»! bleibt nichts ande»eS übrig, als mit Hühnern und Spatzen sich m Biorphens Hut zu begeben Dieser Tage iiihrle die Petroleuniknappheit zu emer eigenartigen Folgeerscheiitnng, dre des heiteren Beigeschmacks nicht ent- beli> t. Es hatten bereits ieit geraniner Zeit mehrere Sangerhansener Schüler ihre hänslrchetl Arbeiten mir unter geschickier Ausnutzung des schon so frühzeitig scheidenden Tageslichts secktguellen können. .ll4 sie aber do n einmal die Dunkelheit überraschte und zu Hanse keine brennsähigen Lampen au'gctr>eben rverden Io »nten, ,var guter “iat teuer. Doch sie wußten sich zu hel'en. Und so sehr auch der Versucher flüsierle, man könne dod, einfach anderen Tags mit dem leeren Schreibhe t vor ben .ebrer treten und das Fehlen der HauS- ausgaben entschuldigend mit dein Fehlen des Petroleums begründen — die Knaben drüutsn sich dennoch nicht. Vietinehr sah »nair sie an, nasjlalten Winterabend burch die Stadt laufen und ^lusschan halten nach einer gm leuchtenden — Straßenlaterne. Und ihre Bemühungen bliebe» nicht ohne Erfolg: unter einem GaS- kandela er ivählten sie sich einen ziigigen Brückenkopf zu ihrem Schreibtisch aus unb erledigten hier unbekümmert um ihre helfen Fiiiger lind das Schmunzeln der Vorübergehenden ihr Vensinn in Treuen. Ter beutfeije Junge des Kriegsjahres 1915 besitzt Pflicht- bennißtsein!" Die Küche im Kriege. (Nachdruck dringend erivünscht.) Grün kern supp e: Man schneidet reichlich Sellerie, Larich, Mohrrüben fein, kocht alles mit geschmorten Zwiebeln zu einer kräftigen Brühe, rührt diese durch und kocht iu derselben daun Grünkeriistocken. Mn Mgelb znm Schluß verschönert die Suppe, ist rtber nicht nötig.' Getrocknete Mohrrüben mit Harnmel - oder R l n d f l e i s ch. y 8 Pfd. getrocknete Mohrrübetl, »/. Pfd. Fleisch, 3 Pfd. Kartosseln, Salz, Petersilie. Die Mohrrüben lverden gewchä-en, in kaltem Wasser eing^veicht, am folgenden D-age mit dein (Sitlweichwasser lind Salz aiifgesetzt, das Fleisch dazugegeben und das Flericht sehr langsam gar>- gelocht. Nach V.Sturrden Kochzeit werden die in Stücke geschnittenen Kartoffeln zn den Mohrrüben geschüttet. Wensr alles gar ist, wird die Petersilie hinzngefügt. Sttatenratfei. AuS jedem der folgenden Zitate ist ein Wort zu nehmen, f* daß sich ein neues Zitat ergibt: 1. Ich weiß nicht, ivas soll es bedeuten .... 2. Was? Dec Blitz! Das ist ja die vwstel aus Blajewitz. 3 ''Alles ist verloren, nur die Ehre nicht. 4. Für die Jugend in daß Beste gut genug- b. Das ist das Unglück der Könige, daß sie die Wahrl-eit me hören wollen. 6. Musik in der Schlüssel vom iveiblichen Herzen. 7. Kein Dlensch muß müssen! 6. Geld allem niacht nicht glücklich, man — mu& es auch haben. 9. Zwischen uns sei Wahrheit l Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Rä'.sethaiten Jnsclnist iu voriger Stummer: Co a rätselhane Julchrtit zu ent-rfferu, is noet (tst nicht) einiach. S christieitu ngr Ang. Goetz. - Rotationsdruck und «erlag der Brübl'ichen Univerfitäts-Buch. Steindnickern R. Lgnae, Gietzsn.