Söö Paradies der Lrde. Äonilitt von Ada von G e r S d o r f f. (Nachdruck verboten ) (Fortsetzung.) --Was Sie wissen, weif; ich auch und noch mehr. Die Wurzeln ihres Lebens sind mit dem meinigen verwachsen. Durch ihr Hlerz, ihr ganzes Wesen und Leben zieht sich eine unüberbrückbare Kluft: diesseits ihr Mann, jenseits ihr Ge-- Iiebter. Und nicht ist es kalte Pflicht — es ist warme, herzenswarme Liebe und Verehrung, Bewunderung und Dankbarkelt, die sie an ihren Gatten mit unzerreißbaren Banden fesseln Nie wurde ich sie restlos glücklich haben machen können, me sie gailz vergessen machen tonnen, wen und was sie in ihm verlreß und der Einsamkeit vreisgab. Immer würde sie heimlich geweint und im Geiste bittend vor ihm gekniet haben. Und einem solchen Manne wie er gegenüber hätte sie recht gehabt. Es gibt Herzen, die hat ein Schwert in zwei Teile gespalten und ist darin stecken geblieben. — Zusammenwachsen, aus- Hellen könnten diese.Herzen liicht mehr. Ewiger Zwiespalt ist ihr unseliges Los oder — eines muß sterben. Lebe ich, so wurde sie immer und überall mich zu sehen meinen, von inir> zu hören fürchten, immer zittern und bangen und zweifeln, ob sie recht tat au ihm, ob sie nicht unrecht tat an mir. — Bill ich auf Erden nirgend mehr, kann meine Liebe, meine Sehn sucht sie binieden nicht mehr berühren, dann bin ich ausgelöscht, dann lu'trb sie nicht mehr halb sehnend, halb fürchtend nach der andern Seite der Kluft spähen, sondern diesseits ihren Frieden finden. — Aber einer muß sterben, damit der andre Frieden habe — < und Sie sehen das ein, lieber Freund 7" dieser eine muß ich sein — ich! Nicht aus Feigheit, lveil ich für mich kein anderes Elltrinnen wüßte aus diesem Baun und dieser Qual — nein» sondern weil ich kein andres für sie weiß. Niemals aber darf sie wissen, daß ich freiwillig schied ein Unglücksfall aus der Jagd, im Gebirge, im Kampf. — Sonst würden wir beide den Frieden nicht finden, sie nicht im Leben, ich nicht im Tode. Daß sie die Wahrln'it nie erfährt, dafür, Harry Rehn, sorgen Sie mit, so wahr Ihnen der Jam mer andrer Menschen zu Herzen geht — das betrachten Sie als meinen letzten Willen, den müssen Sie mit aller Kraft vollstrecken helfen." Es wa^r still geworden zwischen uns. Ich hatte keine Erwiderung. Stumm, die linke Hand über die Angen gelegt, drückte ich mit der andern die schmale, fast zierliche Hand des riesenhaften Menschen. Endlich sagte ich geklommen: „Und er, Betzingslöwen? Sahen, sprachen Sie ihn? Mein Gott, ging denn wirklich alles so, ohne der üblichen Form zu genügen,^die euch die Waffen in die .Hand drückte?" „Ja. Für Betzingslöwen und mich ging das so. Denn für uns gibt es da keine Form, da gibt cs nur blutigen Ernst und tödlichen Ausgang: einer muß sterben. Aber dann wäre auch sie mit gestorben. Wir haben uns ausgesprochen — und es ist kein Groll zwischen uns. Dazu ist er viel zu gerecht und billig denkend» viel zu menschlich fühlend, und ich hatte ihm nur zu danken für das Opfer, das er ihr bringen wollte, und das sie abgelehnt hat." „Und ahnt er, was Sie beabsichtigen?" „O nein. Wie sollte ich ihn so belasten »vollen! Er weiß nur, daß ich außer Lande gehe und nicht wiederkomme." Er stand auf und streckte seine hohe Gestalt. „Darauf hat er mein Wort." „So. Das wäre abgemacht," sagte er mit einem ganz veränderten, weichen freundlichen Ton in der Stimme und legte mir die Hand aus die ©dritter, wie leise mahnend, nicht schwächer zu sein als er, denn ich mußte die Zähne aufeinander beißen und die Augen bedecken und ein Weilchen ganz still sitzen, n.m seiner überlegenen Ruhe gegenüber nicht schwach zu erscheinen. „Hier, Rehn/' sagte er, in seine Brusttasche fassend, „hier finden Sic die nötigen Notizen über die Regelung meiner Hinterlassenschaft; was ich mit Ihnen bereits besprach, ist darin genauer detailliert, ailch sind einige Personell, denen ich etwas bestimmt habe, mH Namen genannt. Im übrigell haben Sie unbegrenzte Vollmacht." Ich blickte zu ihm ans mH dem Aufdruck des Bcdanern- und des Borwurfs. Hatte er recht? War es deutbar, den Konflikt auf diese Weise zn lösen? fragte ich mich, besangen in den uralt zu Recht bestehenden Anschauungen über Die Chr-engesetze und sittlichen Forderungen des Osfizierstandes. Freilich waren diese Ehrengesetze in diesem Falle nicht öffentlich verletzt worden, uirb einer starb ja doch für die andern. War denn daiuit nicht auch dem unumstößlichen Ehrcngesetz Genüge gcschehell? Ich erhob mich nun ebenfalls. „Na . . .!" sagte er in dem heiter abschließenden Tone, wie gewöhnlich, lucuu er ausbrach, um im „Eldorado" noch einen Schoppen zu trinken, und schnallte den Pallasch um. „Hat mir wohlgüan, diese letzte Planderstunde mit Ihnen, Ihr anfängliches Aufbegehren und schließlich Ihr Schwei- gell. Schweigen heißt zustimmen. Uno gerade^Ihrc Znslim- mung, »venn auch 311 schon längst Entschiedenem, nehme ich gern mH. Adieu, Rehn — und, wenn möglich — auf Wiedersehen." Er gab mir die .Hand mit einem ernsten Lächeln uub ging. Leise klirrten seine Sporen ans bctt Steinen des Bor jlurs, wie ein seines, verhallendes Eiligen vom — „Para dies der Erde". Die Tür siel fast unhörbar zn. Dann war alles still . . nur der Regen tropfte und tropfte eintönig auf das Fensterblcch draußen — „wie die Minuten, die in bcu Ozean der Ewigkeit fallen", während Verhängnisse sich erfüllen, Schicksale hereinbrcchen, Leben uub Tod ihren ewigen furchtbaren Kampf mitcimiubev ringen. D e zembe r. Die Erschütterung, die das ernste Gespräch mit dein unglücklichen Kameraden in mir hinterlassen, die schlveren Zlveisel über Recht uub Unrecht, der niederdrückende Ernst des Lebens mit der rätselhajten Gewalt seines größten Faktors — der Liebe, der Leidenschaft- lichen Sehnsucht, die Mann und Weib nieinander reiht, hatten ein so brennendes Verlangen nach Licht und Glück in mir ansgelöst, das; ich ein tatsächliches Fiebern danach bekam in dem Bewußtsein, das; diese Seligkeit nur wenige Schritte von mir entfernt zu haben war, nur bewacht von einem alten Vater, der mir bisher gar nichts ge- »vesen war, als ein Handelsmann, der gelegentlich Geschäfte mit mir machen »sollte und, »nenn der Handel nicht perfekt würbe, sich mit devotesten Dienern und entschuldigendem „Nichts für ungut, Herr Leutnant", im tiefsten Bewußtsein meiner gesellschaftlichen Erhabenheit über ihn, zurückgezogen hatte. - - Etlvas anders freilich batte dieser Mann heute abend vor mir gesessen, im Besitz des höchsten Schatzes, den ich auf Erden für mich ersehnte! Und ich lvagte nicht, die »venigen Schritte hinüber in seine arme Stube zu tun, um diesen Schatz, dieses Glück nur einmal zu sehen, zu berühren, den brennenden Fieberdurst nur für Minuten zu kühlen. Und nichts tu»r, nicht handeln können! Geduldig »varten müssen, bis es Tag wurde! Und dann? Ja — was dann? Was hatte dann zu geschehen? Schwarze Nacht lag vor meinem Fenster, durch das ich aus die nasse, glitzernde Straße blickte, »vo die in unregelmäßigen Windstößen flackernde Latente sich dumpsigrot abspiegelte. — Der Rinnstein »var voll schmutzigtrüven Wassers uub der rieselnde Regen zog lange Tränenspuren über die Fensterscheiben. Es war namenlos trübselig in der Rosengasse. Auch drüben, hinter dem Fenster des Antiquitätenladens, worin das Leben, das „Licht", das Glück wohnte — heut kein Schimmer, kein Funke. — Der Vorhang war »vohl zugezogen. Hätte ich jetzt den Mten wie gewöhnlich bei seiner grünen Lampe vor seinen Rechnungsbüchern sitzen sehen — ich glaube, ich hätte es in meiner augenblicklichen Stimmung tiicht ausgehalten, sondern wäre ohne jedes Bedenken dem magnetischen Zuge folgend hinübergegangen, hätte geklopft und gesagt, ich müßte hinein, ich hätte etwas ganz Wichtiges, Unaufschiebbares 511 sagen, das ich vorher 'rein vergessen gehabt hätte. .. In der einsanlen Stube litt es mich aber nicht länger. Ich warf den Mantel über, nahm die Mütze und ging erst mal in den Stall zu Apollo. Bei ihm saß ich «in Weilchen auf der Futterkiste und sprach mit ihn», aber der gute Gaul sah mich nur stumm verwundert, ja, »vie mir vorkam, beinahe spöttisch mit seinen großen klaren Augen an, daß ich mich ordentlich vor ihm schämte über die Verwirrung in meinein Innern, »md da mir diese einseitige Unterhaltung auch nicht Erleichterung brachte, stand ich seufzend »nieder auf und trat aus dem Stall, um durch dos Hoftor auf die Straße zu gehen. In Pompejis Straßen konnte es nicht öder und leerer sein zur Stunde. Aber etwas kühlend und beruhigend wirkte das rieselnde Himmels- kvasser, das mir ilbers Gesicht und in den Kragen floß, immerhin, und ich »vor Tatrana doch um einen Schritt näher. Ich ging über die Straße, eigentlich schlich ich, als befände ich mich auf verbotenem Wege und der Alte könnte jeden Moment das Fenster öffnen und rnich »nit strafenden Worten in mein Ziminer zurücklveisen. Wenn's nur erst morgen märe! Da mußte etlvas geschehen, da mußte ich mit aller Energie in die Aktion treten... ohne jeden Aufschub. Zum Kommandeur? — Eigentlich hatte das »oohl keinen ersichtlichen Zweck bei genauer Ueberlegung. Was sollte ich ihm eige»itlich Mitteilen? An Tatsachen doch nur, daß ich und wen ich liebte -- bis zum Wahnsinn liebte. Darauf konnte er mich nur fragen: Und tvas »vollen Sie nun ansangen? — Königs Rock ausziehen, »voran Sie niemand hinderii »vird, und dann das polnische kleine Mädchen mrs dem Raritäten- laden — Konfektioneuse oder so etwas in einem Posener Geschäft — heiraten? Schön, und »voranshin wolle»! Sie heiraten? — Was er mir dann »oeiter raten und vorstellen »vürde u»id müßte als älterer, erfahrener Mann, das konnte ich mir denken. Und »vos »vürde ich darauf antlvorten? Nein -- das erste impulsive Verlangen noch dem gütigen, verständnisvollen väterlichen Freunde kühlte sich ab, je ruhiger ich wurde, je mehr ich versnchte, mich auf eitlen objektiven Standpunkt zu stellen. Und dann stieg ein andres Bild vor mir aus. Ach, da "SM immer wie ein ernster Unterton durch da 3»'2* 85 - -.motiv meines Herzens: Gräfin Wanda Mich faßte eine förmliche Sehnsucht nach ihr, die ich imme hoch über alle andern Frauen stellen »nußte. Was Halts ich darum gegeben, nur eine einzige Stunde ihr gegenüber ani Kamin in der hohen, ernsten Halle sitzen zu dürfen, in stillverschwiegener Nacht, und das klare Licht ihres vornehmen Frauenherzens über die slammende Unruhe in dem »»»einigen leuchten zu lassen. Ich gi»ig die Rosenstraße hinab, im strörnenden Regen, die Straße nach dem Kasino hin, bis ich die Lichter aus dem alten Kasten schimmern sah, und kehrte um. Keine zehn Pferde hätten mich jetzt dahin gebracht... und ganz plötzlich üoerkam mich ein seltsames Gefühl, als gehört'.' ich auch da eigentlich nicht mehr hin. Ich »rußte nicht, ob mir das weh oder »vohl tat, denn der Mensch kann zu gleicher Zeit nicyt mit ztvei so mächtigen Erwägungen fertig iverdeu. Eine »nutz aber Sieger bleiben. Also die Liebe. ,, - am Herzen des Weibes — Das Paradies der Erde!" Da tönte Hufschlag aus dem Steinpflaster. Meier kam »vohl ans Groß-Rilnow. Mit rasendem Freudengekläfs stürzte Booby, den der Straßenschmutz aus einem weißen in einen schwarzen Terrier verwandelt hatte, aus mich los, gerade vor Korroleivskis Fenster. Das »vor famos von dem alten Köter! — Wer tveiß, ob Tatiana nicht ans Fenster kam, um zu sehen, was das tolle Gebell bedeute; vielleicht erkannte sie meinen Bobby und deutete das Gekläff richtig als Fre»idengeschrei, das nur seinem Herrn gelten konnte, der ich übrigens jetzt tatsächlich »var, und mich in der Nähe vermutend, kam sie am Ende gar heraus. Llber alles blieb still und dunkel in dem Laden. Da ich mir aus dem Resultat meiner Bestellung in Gros; Runvw — es handelte sich »tn eine besonders seine Haferlieserung — absolut nichts »nachte, kniff ich in meiner Gemütsverfassung vor Meiern aus, das heißt, als er in Sicht kam, verschwand ich eiligst in meinem dunklen Hausflur. Mit einem überraschten „Holla, Pardon!" wich ich wieder zurück, denn ich stieß hart an jemand an, der mir im Stocksinstern entgegentrat. (Fortsetzung folgt.) Lssentragen. Von Wilhelm A r m i n i u s. Zwei Tage und zivei Nächte schon lag das Häuslein Landwehr- maniier in dem gegen den Fluß hin vorgesä)obenen Schützengraben, und keiner von ihnen hoffte mehr, bald abgelöst zu »oerden. Da erschien am dritten Morgen Karl Tetzlaff zwilchen den nassen Lehmwänden bei ihnen. Als man die erstatten Glieder dehnte und sich die Nachtfeuchte aus den Augen rieb, »var er da — starkknochig, stoppelbärtig, um den breiten Mund ein freundliches Ent- schuldigungsgrinsen über sein uiierwartetes Dasein. „Kinnings, ick büws man — ick, Tetzlaffs Koorl!" Und cs war, als wäre er niemanden ein Fremder. Es ergab sich, daß er bei einem Nachtangrif» seinem Regiment abhanden gekommen war und den Flußlauf zuin Anschleichen benutzt hatte. Da es ein langes Untersuchen hier an der Aisne nicht gab, »0 hieß cs für ihn einfach, bei der neuen Kameradschaft aus- haltcn. ■aiitc *uum irnr er genugem> oetraci,^», r u uutjtiu- uti immer Hungrige der Sä»ar mit einem Blick auf des Angekommcnen kräftige Zahnreihen bereits: „Minsch, dich können »v.i nich bruchen! Ick glöw du freist uns Essen all allcene weg!" Darüber wurde der Angeredete doch bedenklich. Gab's hier so Werna? Schon aber halle ein Mißvergnügter hinzugesetzt: „Un »penn nn s nur ümmer kriegten!" "W?t — keen Eten kriegen?!" Himmelkrcuzscho-kschwcrenot! war das mit den Goulaschkanonen hier so beschaffen? Da aber stellte sich heraus, gekocht »vürde das Men schon und auch herangesahren — allerdings nur bis dort hinter die letzte Bodenerhöhung. Aber die gestillten Gefäße, die tausend Schnitt« von da hierher zu sckxrffen — das »var die Schwierigkeit — »ver wollte denn sein Leben opfern, wd der Feind drüben am Userhana» stufenweis übereinander eingebaut »var und aus alles, was sich regte, Scheibenschießen veranstaltete! , ^."irklich so schlimm?" — Mit gclindern Kopfkraulen suchte Karl me Frage zu ergründen. Aber kaum hatte er d»e Hand doch, da »var die Antwort da. „Hsst - hsst - hsst machte es dicht über seinem Schädel, daß er laitt ailslacheu mußte. Ja -» »a — die hltzigen Luder! Dann aber verbiesterte sich seine Miene, merkbar und e»ldlich »chob er energisch die Unterlippe vor. „Nu, denn.hole ick euch eben dat Eten!" Damit »var für ihn die Sache erledigt, und er machte es sich in seinen, Lehinwinkel so bequem wie möglich. Drei Stunden lang hatten die Rothosen dafür gesorgt, daß an die Magenfrage nicht wieder gedacht worden war. Geyen 6 Uhr aber drehte der mit dem Dauerhunger die Nase nach hrnten und schmunzelte: „Jungens, ick rüke de Supp! Wer is Hut dran mit Holen?" Da hatte Tetzlasss Karl schon sein 'heißgeschossenes Gewehr an die Lehmwand yelehnt und nach den beiden leeren Suppen- rimrat gegriffen. „Kinnina-, dat ick nich so lang to faulen heww, hatte er sich aus dem Schlamm des Grabens heransgesträkelt und seggt mi bloß: also dorr an Eck? Is richtig? — Gand!" Und schon hatte er sich aus dem Schlamm des Grabens herausgestrickelt »ind tapste mit' langen Schritten gemächlich i'ibcr das freie, ebene Feld dahin. „Hsst — hsst — hsst — " inachten haßzischend wieder die feindlichen Kugeln. Aber der Gänger drehte sich bloß um und lachte sein eigenes Lachen. Dann verschwand er hinter der Bodenwelle, und es dauerte eine ganze Weile, bis er wiederkam. Da tuUrvn viele starre Augen auf ihn gerichtet und viele Mäuler offen. Manch einer hatte den Weg in heißer Not sckpin gewagt, manch einer dachte daran, daß er ihn twch machen iwüßke.., und die Gedanken flogen dabei... flogen bis in die Heimat... Aber der Heran kommende bemerkte von denk Wunderlichen nichts. Er ihatte alle Sorge auf die beiden gefüllten Blechnäpfe zu verwenden, die Lar nickst so leicht waren. Darum auch giny ihn, der ganze feindliche Höllenspektakel, der seinetwillen anhob, eigentlich gar nichts an. Am Grabetirand angelcuigt, gab er erst vor'ichtig die Eiincr in die.Tiefe, dann end.ich verschwand er hinterher. Unter energischem Löffeln und letztst Ausstrclchen der suppennassen Schnauzbürte bekam er sein Lob: „Jungens, wer seggt wat dagegen? So vcel heww wi iwch nie kragen! Da is ooch keen Lorbeerblatt utschwappt! Nu will ick meenen - wißt Ihr, war? — Tetzlasss Kvorl kann de Supp ümmer holen." Ein paar wollten lacken, rin paar den Mund öffnen: „Moll, dat soll e — " aber es kam weder zum Lachen noch zum Sprechen. Dafür stand in den blauen Augen ringsuin das stille starre (trauen... So im Graben oder beim flotten „2lus! 2lus!" von der Kugel hingerissen zu »verdcn, was bedeutet das gegen den Gang über das »oeite freie Feld, wo he Sekunde Todesangst umschloß! Und den einem Kameraden aufdrängen...?! Llber aus der Welt zu schaffen »oar dieser Gang nicht. Sein Zwang lehrte regelmäßig wieder wie der nageirde Hunger — ieden Morgen — jeden Abend, »venn die Kälte und Feuckste die Geister abgestumpft und die Glieder gelähmt hatte. Und die Reibenfolge der Gänger war fortgesetzt und der Jmnrerhungrige würde sich melden wieder und wiäwr mit der Frage: „Jungens, de Supp! Wer.is dran mit Holen?" Die Al>endnebel schleppten schu-er den Fluß herauf, da klang sie. Aber der kleine Weißblonde mit dem hellblanken nagelncnen Ehering am tnageren Finger, der rasch seinen blutenden Arm im Mantel barg und sich mit krampfhaft verzerrtem Gesicht erhob, wurde sogleich niedergezogen. ^.Kinnings — ick doch'. Und im Dämmergrau verschwand wieder Kar s breite Gestalt, und die Kugeln fauchten ihm nach: „Hßt! Wenn wir Dich kriegen!" So ging es am Morgen und Mend — vier Tage lang. Wenn sich bei dem Anruf der Hungrigen auch jedesmal ein Mund meldete, rin Haupt reckte, immer hatte Karl Tetzlass lachend schon die Eimer am Henkel und lachte und sang auf seinem gefahrvollen Wege und kam zurück und hatte nichts übergesckgvappt. Matter wurden die Geister um ihn herum. Nach Ablösung lechzten sie. Aber die schwere Artillerie, die den Stufengräben am jensettigen Uferhange etwas hätte anhabcn können, traf nicht rin, und Jnfanterieersatz gab es bei der langausgezogenen Um- zingelungslinie der Deutschen gegen die Franzosen schon längst nicht mehr — das wußten alle. Längst auch sahnt die Gesichter der Lagerrtden entstellt aus durch den wild wachsenden Bart, durch Schmutz und Linien der beginneitden Mmaltung, und die besten Freunde gaben auseinander nicht mehr ackst. Aus einen aber sah Karl Tetzlafs, der immer Lustige, dennoch manchmal mit nmnderlich prüfendem Blick. Es war ein eben- mäsüg gebauter, schwarzhaariger Mensch mit dichtem Bartwuchs, der seine gefälligen Züge fast verdeckte. Er hatte sich die ganze Zeit über am entgegengesetzten Ende des Schützengrabens ausgehalten. Wenn sich Blick einmal mit Blick kreuzte, zeigte er wunderlich unruhig flackernde ylugen. So war er bis zur letzten Nacht gewesen, lvo feindliche Boote versucht hatten, im Schuh des Dunkels über den Fluß zu setzen, und alle Mann aus dem Graben zum Wasser hatten hinunterstürmen müssen. Da »var die Reihe durcheinander gekommen, und jeder Ueberlebende hatte nach Berscheuchung des Feindes schnell den Schutz im Graben wieder ausgesucht. Am Morgen aber hatte der Schwarze unweit von Karl Tetzlafs gestandeit.. . abgeivandten Gesichts. „Jungens ick nike de Supp..." Der elvig hungrige Magen war also noch nicht zum Berstumnten gebracht. „Wer is dran?" — Der Gefreite zog den Zettel. „Hein Winter." „Liggt dor unnen!" „Denn Jan Meritzkp." Der Schrvarze erhob sich, zögerte, ivandte sich und machte ein paar schritte auf dte Etnter zu, ein paar rasche, übermäßig gewaltsame Schritte. Freilich stand da schon einer mtd hatte die Knöchel hart um die Griffe gekrampft, aber keine lachende M-> wehr nrie sonst: „Jung, lat mi doch den Spaß!" scheuchte diesmal den Ankömmling. Auge krallte sich in Auge, und von zitternden Lippen unter entstelltem Gesicht rang es sich hervor: „So.. . Du büst dat doch!? Un hier mutt wi tosamenkamen..." Und es »var drohend mtd schwer gesprochen, wie nahe Vergeltung aus versuchte oder geschehene Untat »veist. Der Sckfwarze bog sich nieder . „Gah mi ut'n Weg, du! Dat ier is mien Angelegenheit!" und seine Augen funkelten ungc- ändig in wildem Trotz. Aber: „Nee, mien Jung!" erscholl cs jetzt stark, wenn auch zurückgehalten über ihm. „Sallst du meenen, an so eenen wi di harr ick mi wull rächen? Un mi Lowising — fall se denken, ick gäw uv di oll lausige Sach mit di noch e lützel? Dir ölverlateitz wat mien Amt is... ?! Toveel Ehr war dat för di! Platz, segg ich! Ick gah nich für d i — wahrlich «ich! — Ick gah, weck ick gähn m u t t, deiut mien Lowising verlangt dat nu vun mi! Ihr Ehr wegen! Basteihst nn? Ihr... Ehr... wegen!" Damit halte er dem andern die Eimer schon entrissen, und nnt einem: „Kusch di, Düwel, Kvorl Tetzlafs komntt!" stand er bereits auf dem Grabenrand. Seine breite Gestalt hob sich massig gegen die lichte Wand des Nebels ab und bot den feindlichen Schüssen rin deutliches Ziel. Aber mit lässigen Schritten wie immer durch- maß er das Stück ebenen Feldes, das von Nässe triefte, und wandte sich dein Aufenthalt der Feldküche zu. Hinter ihm drein starrten zivei.Augen mit dein krassen Ausdruck tiefster, seelenpeinigender Scham, murmelten zwei Lippeit schaurige Verwünschungen, abgerissene Gebete: „Da geht er!... Drüben ist er... heil... Llbcr er muß zurück!... Will er es denn haben ... gut so ... gut... Mich hat sie zurückgestoßen ... die Luise... So soll auch er sie nicht haben!. .. Teufel, komm über ihn!... Jetzt... da ist er ... pack ihn ... zerreiß ihn ... Herrgott... doch nein!... O, Herrgott, es ist ihr Mann!... Teufel, was sage ich... was willst du?... Er soll nicht... Er soll nicht fallen!... Zurück, Karl Tetzlafs!... Hör mich... hör mich doch .. . Sie schießen!... Entgegen muß ich ... entgegen.. Und s dyo h springt er auf, erkliimnt den Rand des Grabens... Da ist es plötzlich, als löse sich aus der Nebeldichte über ihm rin ungesehenes, furchtbares Wetter. Mit lohenden Flammett kommt es daher ,mit kracheirden Schlägen. lieber den Köpfen der int Graben Befindlichen durchreißt irgeitd etwas Gewaltiges prasselnd die Lust, durchschnellt mit fauchendem Atent die Leere, wirft sich grimmwülend auf das Entgegenstehende und zerschellt es mit donnerndem Aufspratzeit in Atome. „Weg mit dir! Deutsche Granaken schassen Raum!" Noch »vagen sich die kleinen surrenden Flintenkugeln der Franzosen von drüben dem rauschenden Herniedersträhnen von wuchtig daher fahrendem, springenden, platzenden Eisenmassen entgegen, doch ist es bald mit ihrem heißen Atem zu Ende, die Franzosen fliehen, flüchten in stürmischer Eile von Versteck zu Versteck, und überall leuchten doch ihre roten Hosen, ihre weit nachflatternden blauen Mäntel, und manche nachgesandte Kugel findet ihr Ziel. Mit lachenden Lippen aber, die markige Gestalt hoch ausgereckt, ruft Karl Tetzlafs dem vor ihm stehenden, so bittend blickenden, einstigen Gegner die freudige Nachricht zu: „Jan — ale Jung — wo die Artollerie nu da is. uns groteit Brummer, da sallste eenen Emmer aphcbben zum Tragen, det de nich seggen kannst, ick war di hier m Feindesland an solchen Freudendag noch giftig. Aber machst dich noch eenmal ait mien Lowising ran, schlag ick di de Knoch im Liw kaput! — litt nu täuw un schwapp nich!" — Was die Franzosen während des Krieges lesen. Eine französische Zeitung hat eine Umfrage veranstaltet, um zu wissen, was man in Frankreich während des Krieges liest. Es versteht sich von selbst, daß in diesen Zeiten an erster Stelle die Tageszeitungen mit ihren Nachrichten über den Krieg, den Erläuterungen der kriegcrischeit Ereignisse, ihren Schilderungen von ruhnwollen Taten und Neineit Begebenheiten aus dem Kriege stehen. Aber man liest auch anderes, weil man überraschenderweise in der Kriegszeit viel liest. Die öffentlichen Bibliotheken geben hier wertvolle Anhaltspunkte. Jnnge und Alte, zum Kriegsdtenst Ein- berufene und andere, alle kommen hierher, um Mlenkunq zu suckzen, und es scheint fast, als ob die großeit Erinnerungen der Vergangenheit den Mut in der Brust der Kämpfer von früher und derer, die morgen zur Front gehen, beleben solleir. Sie machen sich mit allem vertraut, was den Feind angeht, mit seinen Sitten, seiner Widerstandskraft, mit der Größe sriner Heeresmackst usw. Die Werke der Militärkritiker haben nicht itur für die Spezialisten Wert, sie sind eine allgeincine Lektüre geworden. So verlangt man besonders die inhaltrrichen Schilderuugeit von Jules .Huret und von Georges Bourdon über das Deutsche Reich, Werke über den Kaiser, auch genüsse Bände, die in den verschiedensten prophetischen Forme»! das Ende der .Hohenzollern und der deutsch Herrschaft ankündiget' gleich als wollte man aus ihnen Trost sckwpsen gegenüber iv,< Schwierigkeiten der wirklichen Lage. Merkivürdig ist das In krasse, das ntan für Bilses ,Ais einer kleinen Garnison" au den Tag legt: die preußischen Offiziere, deren Leben da in unfreundlich Wetse gesckiildert wird, könnte man ja jetzt ans größerer Nähe kennen lernen. Sehr in Aufnahme sind die Romane von Erckinan Chatrian gekommen, die heute fast so stark gelesen werden wie vor 40 Jahren. In den Buchhairdlunge» nmchen sich dieselben pa^ triotischen Bedürfnisse geltend wie in den Bibliotheken. Man kauft die Bücher über die Revolutionskriege und Wer die Zeit Napoleons, über den Krieg von 1870, über die Belagerung von Paris, über die Luftschisfahrt, über die deutschen Militärverhältnisse und auch über das französische Heer. Werke, die schon ziemlich vergessen «waren, erscheinen heute 1 nieder in den Auslagen: „L'Annoc terrible" von Victor Hugo, „Souvenirs" von Francisaue Sarcey, „Jdptles Prussiens" von Theodore de Banville, Dichtungen von Franyois Eoppöe und ganz besonder- die „Chants du Soldat" von Tcrou- löde. Man geht aber auch noch weiter und kaust sich Geographie- werke und alte Karten, um das beliebte Spiel der Neuverteilung der Grenzen auf „historischer" Grundlage treiben zu können. * Das mißverstandene Fettauge. Eine heitere Verwechslung ist dein Kommandanten eines kranzönsche > Gefangenenlagers in Südfrankreich passiert, In seiner Obhut befand sich der Bürgermeister von Weulbetm, Wettstein, der im Wechselst ück des Kanipses zum Krieqsg. kangenen gemacht worden rvar. besonders vergnügt ,verden die Insasse,» des französischen Lagers ihre Tage ja nicht verb,acht haben. Zu ,bren» Trost batten sie deritsche Lektüre, »>nd besonders »var es ein Werk, das grobes Ber- guügeu bei ihnen auStösle. ES »var daS das Buch „Bauern- gfelchteS* vo»» Ada,»» Korlsten. Die deuts.heu Gekangene > ergötzten sich so ai» de»,» Werk, das; der Bürgermeister sich verpflichrei kühlte, sich hinzusetze«» »u»d an den Verfasser eilten Daukbriei zu schreibe,». In diesen» Dankbrre» gebrauchte er die volkstünllche Rede- >oei»dm»g: „Mir »var das Werk ein Fettauge aui der Atltagssnppe des LebenS*. - Der Bürgermeister hatte aber nicht mit dein Kommandanten als Zensor aerechnet. Dieser verstand genügend Deutsch, um die Begriffe „Fettauge" und „Alllagssuppe" zu kapieren, »>nd er brachte sie natürlich in einen Zusam»uenhailg mit den »vohl nicht allzu reichlichen Gekangenensuppen der Jnhnstierten. -Ter Herr Kommandant bezivang sich z,var und ließ de»» für die französische Gekangenenkost so beleidigeiideu Brief durchgehen, er konnte sich aber doch »»icht enthalte»», ihm folgende j Beinerk»,i,g anzuhängen: „Mo,isie»,r Wettileir», der »»ach Frankreich gekommen ist, ohne elirgetaden zu sein, fauii sich glücklich schätzen, daß er für z,ve» Franken im Tag eine ansgezeichnele Nahrung erhält, die ihn, durch eines der besten Hotels in Eette serviert »vird. Taube u,»d n»enig geistreiche Scherze sind seine Bemerkunge,», aber sie sii»d belanglos für uns.* — So, jetzt hat der Bürgermeister sein «Fett* »veg. * Ein kostbares türkisches Holz. Aui dem jetzige,» türkisch-russischen Kriegsschauplätze gedeiht, »vie die Holzwelt berichtet, das beste Buchsbaumholz der Welt, das inolge seiner Seltenheit zehninal so viel kostet »vie Mahagom. Alle Versuche, den türkis hen BuchSbamn in Süd- »,ud Westeuropa auzupstauzcn, haben keine befriedigende»» Ergebnisse gehabt: das Holz ,var hier leichter ah von den Psia,»ze»», die in den Bergen der Türkei »mb Persiens südlich vom Schwarzen Meer »ind Kaipischen See heran- ge»vachsen »varen. Der B»,chsbanm erreicht dabei selten eine gröbere Höhe als 9 rn, bei einein D»»rchn»esier von etlva 90 cm. Die Nutzstäinme sind selten länger als 2 m, die ine.slen sind nur 1-1 * 1 /, w lang und habe»» au» dicken Ende eitteu Durch»»»esser von 1& cm. Cie haben dabei die For»»» vou gewaltigen Kenten. Das gelbe Holz dient zur Ansertig»n»q erstklassiger teuer Tischlermaß- stäbe, die ihre Farbe tmmei behalten. A»rch Rollschuhkabriken sind g»,te Abnehlner von B»,chSba»,mholz. Das Wachstum des Buchö- baunies geht sehr langsam vor sich, »»nd die Jahresringe bleiben bemahe »»„sichtbar, währe»»d die in Etrropa »md ^Imcrtfa gezogene» Vamne ziemlich fcfmeQ wachsen und die Jahresringe deutlich erkennbar sind. Das Gewicht des Holzes ist sehr verschieden; manches ist etwas schwerer als Ahorn, andere; sinkt »nieder im Wasser so- 1ort unter. Tie Härte ist bedeutend, »uemt sie auch nicht d»e des Ebenholzes errei t t. Heilte ist das Holz schon so selten, daß die Bäuiiie ausgegraben »md auch die Wiirzel»» verbraucht »verden. A »n e r i ka n i s ch e Flug voll. Wie aus Nerv Port berichtet »vird, hat ei,re Nnlersnchungßkonunijsiou über dcu Po 'dienst ihre Arbeiten beendet und soeben ctxtcit Bericht veröffentlicht, in bem a»,sgekührt ivird, das» »>» viele»» Bezirke»» der Vereinigte»» Staaten die Postbesorder»mg verbessert und beschleunigt »verden könne, »»»den» man sich der Flugzeuge bedient. Dieser Gedanke, Flugzeuge in» Dienste der Post zu ver>vendei», hat »um nicht nur m»§ postalischen Gründen Unterstützung gefunden, sondern cs »vird besonders daraus hingelviesei», daß die »vichtigste Rechtfertigung der kühnen Neuerung darin läge, das; in KriegSzeiten die Nation auf diese Weise über eine grobe Zahl von Fliegen» kür daS Heer verwüsten »vürde, ohne die eine »noderne Kriegiührung kann» noch denkbar »varc. Bia,» weist emi die außerordentlich »vichligen Tic»»ste hin, d,c in» europäischen Kriege die Flugzeuge kür die Erk»n»d»i,,g ge- !e«>iet habe»». Sie haben sich als die Augen der Heere erwiesen >.nd hoben gezeigt, daß sie auch als Kampkwerkzeuge Wert besitze«: trol; ihrer anscheineliden Gebrechlichkeit haben sie von» Fe»»er ber ^e,vehre »md der Kanonen »ve»»ig zu kürchte,». Die Bild»»ng einer Truppe von nlieger-Postboten wäre daher für die Amerikaner daS beste Atitlel, sich eine »vcrtvolle Reserve für de>» Kriegsfall zn schasse». * Krupps „Trojanisches Pferd" und die Mitra i l l e u s e it. In der Pariser Weltausfteslnng von 1867 erregte, so erzählt die „Stampa". ein geivaltiges Belagerungsgeschütz aus Krupps Werkstatt besondere Aufmerksamkeit. Es war noch nicht der 42er-Mürser, aber cs »var doch schon ein Vorläufer. Dieses industrielle Erzeugnis wurde das „Trojanische Pferd" genanul, »»nd es gab Leute gerrug, die darin eine kleine Mahnung Bismarcks an die Franzosen erkennen wollten. Ltber Napoleon Hl. glaubte schnell seine „Revanche" nehmen zu können Die Ausstellung erhielt die Ehre eines Besuclws von dem russischen Zaren Alexander II. »mb von König Wilhelm von Preusieu, i»nd diesen wollte Napoleon das Schauspiel einer großen Parade geben, die in Longchampö am 6. Juni 1867 ftatnand. A»i dieser Parade nahmen 40 000 Soldaten aller Waffen teil, und gut 900 000 Pariser waren dazu nach Lvngchalnps hinausgeströntt. Im Gefolge der Artillerie kan»en 6 Wagen, jeder von zwei Pferden gezogen, ans denen ein Krregs- instrnment gehernrinövoll durch eine starke Decke verhüllt und »»icht einmal in seinen Formen erkenntlich »var. Als diese Wagen vor- überfnhren, wies die Menge nnt Fmgern darauf hin, leise Flüstcnvorte gingen von Murrd zu Mund, mtb alle schienen hoch befriedigt. Unter der.Hiille »var die schrccNiche Ersrndung verborgen, von der man sich schon seit einiger Zeit die merkwürdigsten Tinge zurannte: jedermann »var überzeugt, das; hier das lut- widerstehliche Werkzeug komn»ender französischer Siege gestruden war: die „Mttrailleuse". Em Llugenzengc erzählt, das; Napoleon III, während die Mitrailleusen vornberfubren, König Wilhelm scharf ins Auge faßte »md das; dieser seinerseits aus den Grafen Bismarck blickte, der sich im Gefolge befand und in glänzender Uniform allgemeine Aufmerksamkeit erregte Der Augenzeuge hatte von dieser stummen Szene einen zwiespältigen Ein- druck erhalten. Ihm schien cs, als ob durch den Kops des Neffe»» des großen Bonaparte der Geda»»ke zuckte: ..Dort, »mter diesem Tuch, liegt die Geißel." Dagegen konnte der Blick, den König Wilhelm und sein erster Minister austauschten, bedeuten: ..Das Spielzeug kennen »vir!" In der Tat hatte ja die Mitrailleuse i»n Kriege Von 1870/71 gar keine Bedeutn»ig. Tie Preußen, die sie kannte» »»nd die einige hatte»: bauen lassen, uin sie zn erproben, fanden die Waffe unvollkoncknen »nd inehr hinderlich als nützlich. Sie hatten 1870 keine Mitrailleusen, wohl aber jene gewaltigc», Geschütze, von denen das Ausstellungsstück von 1867 den Franzosen eine Abnung gegeben hatte uiid die sich bei den Belagerungen von Straßburg- Metz und Paris ausgezeichnet bewährten. vücherlisch. " V e l kr a g e n & KlaslngS Volksbücher. Preis jedes Bandes 60 Ptennig. ^Deutsche Heerktthrer* — so nennt sich eins der neliesten 'Vävd i'en von Velbaaen & KlasingS Voltö- bsichern (Nr. 122). ProWk: Dr. Otto Hoensch, der l'ekannte Berliner Historiker, schildert^^^ mit fuappen und kesselnden Worten die großen Helden mckeres HWnvkes. Einen besonderen Reiz e»np- sängt doS Hest durch die zahlreichen, zum große»» Teil erstmalig veröffentlichken Bildnisse a»»s den Jugend- und ManneSjahreu Hi,Idenburgs, Bülows, BeselerS. KluckS u. a. — Dem ^Eisernen K r c u z". seiner Geschichte »md seinen Trägern »vidmet Ha»»»»s von Zobeltitz eine gründliche und ebeisialls mannigfach »ll»»ftrierte Darstellung (Nr. 129), »vähreud Alfred Geiser das „perfide A l b i o ,»* und seine Ränke d»,rch die Jahrhunderte beleuchtet sNr. 129). Das Geüersche Hest ist zündend geschrieben »,nd mit zahlreichen SvoltbilSern aus deutschen und ansländischen Wil;.- blätrern auSgestattet. Rtit diesen drei Büchern, die der Zeit dienen, erscheinen noch z>vei ,vettere, die die llteratnr- und die kunstgekchicht- liche Folge der Volksbücher kortfetzen: Walther 9tovl scknleert HanS Sachs »md seine Zeck (Nr. 115): Dr. V. Wallerstein slestt Kunst »md Leben van DnckS dar »md wird dabei von auS- ge-eichnetei», zun» Teil karbiaen Wiedergaben der Gemälde des Antwcrpener Dkeistcrs »mterslützt (Nr. 117). Magisches Dreieck. In die Felder »»ebenstehcr,der Figur sind die Buchstaben a a a, d, e e e, g g, 11, n n, r r derart einzutragen, daß die e»„a»,der entsprechenden »vagerechten »md senkrechten Reihen gleichlautend folgendes bedenlen: 1. Eine Pstai»ze»,samltie. 2 . Figur ans einenlChakespeare'schenDrama. 9. Biblischen Nainen. 4. Ein Fürwort. 5. Einen Ko»»sonanten Attslösung in nächster Nummer. Auslösung der Schach-Ausgabe in voriger Nununerr Weiß. Sch,varz. 1. L ff 5 — hG f K g 7 — h 6 2. S d 6 — f 5 y K b G — h 5. e 2 * 4 5 — g 4 | und Malt. Kckriktleitiing: Ang. Goctz. ^ Rotationsdruck und Verlag der Vn» hl'scheu NniversitätS-Buch- und Steindrnckerci, Sk. Lange, Gieße,».