Das Paradies der Lrde. Roman von Ada von Gersdorfs. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung) Dezember. Ich habe drei Tage gar nichts aeschrie- ben Me meine freie Zeit l»abe rch in der Nabe des» Fensters gewartet. ob ich nicht Tatiana aus dem Laden ^ten sehe. Ich rnußte sie doch sprechen. — An jenem Abend drüben konnten nur lins ja gar nichts weiter sagen, als daß mir ein Herz» eine Seele, ein Denken waren, daß n>ir miteinander leben oder sterben wollten. Cs war nur ein Gestammel vor lauter Ueberfülle unserer Herzen. Ta kam ihr Vater. Als wir sein Wägelchen über das Pflaster der Rosenstraße heranrcisscln hörten, flüsterte sie mir nur noch in Eite zu, daß ich mich schnell entfernen solle; wem- ich durch das Gärtchen hinten ginge, käme ich neben dem Bäcker heraus ans die Straße Ihr Pater wäre sehr arg wöhnisch und mißtraue mir. Cs war ihm schon etwas zugetragen worden, vom Basarabend her. Er habe sie überhaupt -gar nicht hinlassen wollen, sondern nur der Bitte der Gräfin Wietersberg nachgegeben. Cr glaubt nicht, daß Offiziere mit einem Mädchen wie sie jemals etlvas Gutes und Aufrichtiges vorhätten, und er wäre auch kein besonderer Freund der Preußen. Ich entgegnen, daß er dann mit mir eine Ausnahme mache, denn «ch hätte ganz den Eindruck, daß er mir wohlgesinnt sei, und wenn er erst wisse, daß ich es gut und ernst meine, wovon er sich bald überzeugen werde, dann könnte er ihrem Glück doch nicht im Wege stehen «vollen; ich mußte ja doch die Nni form ausziehen. Wie ich das sagte, durchschoß mich ein so eisiger Schreck, als hätte mich eine Kugel mitten ins Herz getroffen. Aber als ich mein ijteb, mein ganzes Erden glück, noch einmal fest, fest an meine Brust drückte und ihre süßen Lippen auf den meinen fühlte, da war alles andre nult und nichtig und nicht eines Gedankens wert, und das heiße Leben rann lutebcr selig durch meine Adern — Jener plötzliche Schreck darüber muß ick, Tattana lvenigstens noch einmal allein sprechen, ganz abgesehen von meiner rasenden Sehnsucht .Ich schlafe überhaupt nicht mehr. . ich kann auch nicht recht denken, überlegen. Zu vickl Wider spräche häufen sich, es gibt so vieles, was unmöglich, was ganz ausgeschlossen scheint und dennoch möglich gemacht werden, dennoch durchgesetzt werden muß. Und nun kann ich sie nicht erreichen, nicht sprechen, nicht fragen, nicht küssen o Gott, nicht küssen! Das ist das Allerschlimmste! Ich soll nicht hinüberkommen! Wo soll ich sie denn sonst sprechen, hier in dem Nest, wo man keine drei Schritte gehen kann, ohne einem Bekannten, einen« Kameraden oder sonst wem zu begegnen. Leuten, die sich halbtot wundern und reden würden reden würden über sie? Das darf und kann ich nicht dulden. Sie ist mein künftiges Weib. — H)kt sie kränkt, auch nur mit einer Miene, einer Bewegung, den schieße ich nieder. Am sichersten und vernünftigsten lväre es doch, wir träfen uns bei mir Da kann ihr nichts geschehen, kann nie« wand sie beleidigen. — Als die unglückselige Frau neulich zu mir kam, begab sie sich auch in meinen ehrlichen Schutz und wußte, da sie dort sicher war. Aber freilich — ein bißchen anders ift das hier denn doch zwischen uns beiden. Tatiana bei mir — ich kann den Gedanken kaum ruhig ansdenken, Hirn und Herz dreht fick, mir im Kreise und ich sänge an zu beben, wenn ich mir's nur ausmale; «ch warte au? sie. und ft? kommt, in der Dunkelheit kommt sie. uud ich stehe in der halbossenen Tür und reiße sie herein, an meine Brust, an meine Lippen. ... Nein, es geht nicht? Ich selbst müßte sie warnen, sie bitten, nicht aus mich zu höre»«, wenn ich doch schwach genug sein könnte, ihr das vorzuschlagen. Warum kommt sie nur nie heraus vor ihre Tür, wenn ich da biik? Ob das Absicht ist? Oder der Baker? Dezember. Endlich! Ich sab sie, irti habe mit ihr gesprochen. Gesterlt abend stand ich am Fenster. Es lvar um dieselbe Stunde, wo ich sie neulich aus ihren« Spaziergänge getroffen hatte, und ich war gerüstet, ihr nachzugehen, fall- sie ans dem Hause' trete«« sollte. Ich bemerkte, daß das Fenster, an dem der alte Man«« gewöhnlich bei seiner grüner« Lampe arbeitete, dunkel blieb, während aus dem Hinterzirn »««er rötlicher Lichtschein herüberfiel. War sie etwa «nieder allein? Warum gab sie mir dann wenigstens nicht ein Zeichen? Sie muß sich doch ebenso «nie ich da««ack« sehnen, mit mir über unsre Zukunft zu sprechen. Vielleicht glaubte sie mich abweseird, «veil es bei mir dunkel blieb, daher zündete ich schnell meine Lampe an, so daß ick« irr« vollen Lichtschein stand, und ««rächte das Fenster ans. Im nächsten Mon«e««t sah ich drüben dicht am Fenster ebenfalls eine Gestalt. Tatianas Gestalt! erscheine««. Auch sie rnußte dort in« Dunkel gestan den haben und «vir hatten beide nicht bedacht, daß «vir uns aus diese Art nie ein Zeichen geben konnten. Sobald ick« die Lampe angesteckt hatte, ließ ich die Vorhänge herunter uud wartete atemlos, «vas sie tu«« rvürde. Mein Herz schlug bis zu««« Halse und das hochaufbrausende Blut sang in meine«« Ohre«« eine wilde Melodie, während ich um- eine Bildsäule am osseiren Fenster stand und mit stockerrden« Akeu« hinüber starrte. Da öffnete sich auch ihr Fenster, aber nur oben um einen Spalt. Diese Vorsicht verriet mir, daß sie allein tvar. Aber ich wußte nun, «vas ich zu tun hatte. Ich riß Mütze und Mantel vom Flurständcr imb stand im nächsten Moment auf der Straße. Natürlich machte ich euren Bogen, denn direkt unter ihr Fenster zu treten und dort stehen zu bleiben, war bei der Möglichkeit, von Unberufenen beobachtet zu werden, nicht geraten. Langsam schleuderte ich, den Pallasch hochhal tend, an ihrem Fenster vorbei, nicht näher, als daß «vir hoch stens zwei Worte hätten wechseln können. Aber als sich da plötzlich eine weiße .Hand mir entgegenstreckte, «var's »nit aller Vorsicht vorbei. Ich stand still und schloß die Hand in der «neinigen, riß sie an meine Lippen, an meine Augen. — Es tvar Seligkeit! Es war ein Schluck Wasser für den Durstigen Ach, ein Tröpfelt nur für den Verschmachtenden! 54 . „Ich mutz dich sprechen, Einzige. Geliebte! Unsrer Zn- runfl gilt cs, nnserm Gluck. --- Du mlißt zu mir kommen, dn mußt, es ist das Sicherste. In meinem Schutze kann dir nichts geschehen. Du wirst ja mein süßes Weib sein mein Heiligstes, das weißt du doch! Du mußt Vertrauen haben, bcbin gungsloses Vertrauen! Alles, was ich will, niufit dn,"darfst dn tun, als ob ich schon dein Mann wäre." So rasend rasch das über meine Lippen stürzte, so per stand sie es doch, sie verstand es mit dem Herzen. ,/Jch weiß," slüperte sie, „daß ich in deinem Schutz bei oif am sichersten bin. Und mir haben auch keine Wahl als dies Aeußerstc. Ich vertraue dir, oh, bedingungslos! Und »ch komme — morgen, wenn cs dunkelt, um diese Stunde. Ich lverde dreimal rasch an dein Fenster klopfen." Was wir nun wagten, grenzte an Wahnsinn. Aber wer an unserer Stelle hätte es ittcht ebenso gemacht? Air hatten Augen und Ohren und alle Sinne und Nerven wo anders und würden es weder gesehen noch gehört haben, wenn die Welt und das Paradies oer Erde, Zwielitsch, in Trümmer gegangen wäre. Ich hob d,e Arme und sie neigte sich heraus. — Es war ein Kunststück: das breite Fenstersims war zwischen uns und das Fenster war keineswegs niedrig, ich stand viel tiefer als sie. Aber es ging — oGolt der Liebe! es ging. Sie stützte die Hände auf meine schultern und während ihr seidiges duftiges Haar mein Gesicht streifte, fanden sich uiisre Lippen, we,in auch nur eicht und fluchtig, zusammen. Ein Tropfen Wasser nach tage- langem Dürsten... bis heut abend — noch zwei Stunden muß er reichen. Mir ist verhältnismäßig ganz ruhig zumute. Bemahe feierlich und sehr ernst, gnr nicht so stürmisch chühend, daß ich mir selbst nicht trauen dürfte.... Nein Der ganze Ernst großer Entscheidungsstunden ist in mir. — Dezember. Die Entscheidungsstunde kam — aber ganz anders, wie ich sie erwartete. Die Mirsel sind ge- fallen, für immer — über mein ganzes Leben. Merkwürdig. daß ich das noch betone, als wenn sie nicht schon in dem Augenblick gefallen ivären, wo ich Tatiana zum erstenmal sah. Obwohl ich mir darüber längst klar war, sie £ 1 . 1 k - b' sohabe ich doch die allernächste Konsequenz dieses Entschlusses, nämlich des Königs Rock ansziel>en V müssen. noch nicht ein einziges Mal ernsthaft erwogen. Sobald sich mir der Gedanke daran ausdrangen wollte, habe ich ihn, als noch gar nicht an der Reihe, zurück? gewiesen, ich fürchte aus Feigheit. Auch war mir die ^age. ob ich geliebt wurde, so glühend geliebt, nrie ich }et lcuin tC ' k e ^"^sache "nd diese steht nun fest! Gott Ich wartete auf Tatianas Besuch. Alles war vorbereitet, Meier weit fortgeschickt. zu Pferde mit einer Botschaft nach Groß-Rnnow deren Wichtigkeit der alte Baron wahr- schctnlich nicht ganz begreifen »vürde. Meine Fenster waren doppelt verhanat, die Lampe stand mit einem lichtdämpfen- den Schirm aus dem Schreibtisch. Bobby war mit Meiern fort, Mles war still, nur das melancholische Geräusch des Landregens, der seit gestern ununterbrochen fortrieselte, ^ dem Steinpflaster der Gasse draußen in einer nervenberuhigenden Monotonie zu hören und das seelen- ruhige Ticken des Regulators. ' Ich hatte bis eine Stunde vor der Zeit zu schreiben ver- mich die Sammlung und ich begann alle paar Minuten durch einen Spalt der Vorhänge m fcOcu. Wer konnte wissen, ob sie nicht viclttncht frühe?kam! n» d^obredet oder ob sie nicht das dreimalige Klopfe!,, an mein Fenster vergessen konnte? Ich raffte mich zu- Unb mich still in meinen alten Korbstnhlj Aurück, nnvcrtvandt zum Bilde Kaiser Friedrichs einpor- liersnchte mir sein großes ergebungsvolles» Märtyrertum zu vergegenwärtigen, als Geaei gewicht meiner prickelnden Unruhe. Da — bci3 dreimalige Pochen... m.h fast stockendem Herzen erhob ich mich un^öffnete die Tur und vor nur stand - Wladzio Korro- ^!^wente so hoher Spannung durch Unerwar- ^gelöst loerden, ist Zunächst alles Denken so gut wie 5^ an /wndelt rein mechanisch. So tat auch alten Mann eintreteu und folgte ihm in L^"bi?^alä ^nter uns schließend. Das geschah chil erwartet^ ^ ^ ^ überhaupt niemand anders als ... s,"lkine Tochter erwartet," sagte er leise «.ÄÄlflSfÄS ..* -»'« schlug sie iricht nieder, denn mein Gewissen war absolut rein. - Langsam tvich die seelische Lähmung! der Fordernng des Augenblicks. „Ja. Ich habe Tatiana erwartet, um mit ihr über unsre Zukunft zn sprechen," sagte ich und lud ihn ein- sich auf den Sessel am Tische zu setzen. Cr nahm aber cnien zur Seite stehenden Rohrstuhl. — „Sie wollen meine Tochter Tatiana heiraten?" fragte er, mit seinen braunen Knochensingern leicht aus der Tischdecke umherlastend. „Ja, Herr Korrolewski, ich will sie heiraten," sagte ich ebenso lakonisch, wie die Frage gestellt war. „Sie sind sich klar über die Möglichkeiten? Es gibt über- Haupt solche?" Die hatte ich mir eben selbst noch nicht klar gemacht^ niid ich zögerte «neu Monrent mit der Antwort, währender, vielleicht nur um mir Zeit zu lassen, beifügte: „Ich hörte und sah alles, was an meinem Fenster gestern ahend vorging. Und ich sagte es meiner Tochter, und daß ich selbst zu Jlmen gehen ivürde statt ihrer. Meine Menschenkenntnis tauscht mich selten: seit dem Basarfeste, von dem mau mir erzählte, wußte ich, daß Sie eine (Yefahv für Tattana sein ivürdcn — und Tatiana für Sie. — Ich habe Sie als einen guten und vernünftigen Menschen schätzen^gelernt und würde Ihnen Tatiana gern geben, wenn Sie den untergeordneten Kreisen angehörten', aus denen sie selbst stammt. Obgleich ich Pole bin mit meinem Herzblut und als solcher ein Feind der Preußen, insonder- heit der preußischen Ofsiziere, wird das kein Grund für mich sein, nicht auch Ausnahmen zu machen. Ms eine solche habe ich Sie kennen gelernt, dazu genügte mir ein Blick in Ihre Augen, ein paar flüchtige Worte an dem Tage, als Sie mich überritten. Dennoch wünschte ich von Herzen, Sie und Tatiana hätten einander me gesehen, und nur mit großem Widerstreben erlaubte ich ihr, au dem Basar teilzunehmen. Ich habe es geahnt, daß Sie wie kein anderer meinem Kinde gefallen würden, und daß Tatianas große Schönheit und ihr leidenschaftliches Naturell Sie be- stricken uiüßten. Es war kein Wunder. Ich traute Ihnen nicht e J u leichtfertiges Spiel mit ihr treiben würden; ich fürchtete aber Schlimmeres — daß Sie das Unglück ihres Lebens werden würden." Ich machte eine heftig abwehrende Bewegung, uitb er pausierte m seiner langsamen, augenscheinlich sehr überlegten Rede, m der außer dem scharf polnischen Akzent nichts den Polen verriet, wohl aber eine mich überraschende tiefere Geistesbildung hervortrat. „Herr Korrolewski," sagte ich ernst, „Sie sprachen altes aus, was ich heute abend mit Tatiana besprechen wollte Aber werter wollte ich auch mit ihr überlegen, wie wir die schweren Hindernisse, die unfern, Glück entgegenstehen, gemeinsam be- Wlder streben —"U b,efcn Schwierigkeiten zählte sie auch Ihr „Das hat aufgehört seit gestern abend, wo sie zu meinen Füßen lag und wernte und sagte, daß ihr Herz brechen würde, uud daß sie nicht leben könnte ohne Sie, und daß Sie das Unglück ihres Lebens werden würden, wenn Sie nicht ihr Glück werden könnten. — Mein junges Weib, zwanzig Jahre lünger als ich, lag so wie Tatiana zu meinen Füßen und wollte ihr Glück von mir erflehen — ihre Liebe zu einem an- - r c 'i* d) gab sre Nicht frei — da ging sie — und ging ms Wasser. Das weiß das Kind nicht. Ich hatte hinter Tattana gestanden, gestern abend, und alles gehört, was Sie zu lhr agten v^ch halte das nicht für Tatianas Glück — auch Nicht für das Ihrige, Herr Leutnant von Rehn. Aber soll ich es auf mich nehmen, auch der Tochter, wie einst ihrer Mutter M.s^^ru, was sie für ihr Lebensglück hält, wenn sie es F «kommen kann, und vermag ich ihr ein besse- 2? i n schufen ? Ich bm ein alter Mann und wer weiß, wie bald sw ganz allein steht auf Erden. Also, Sie wollen von^Rehn?'^ ^wna zu Ihrer Frau machen, zur Frau sagte ^^ewegt"^^ ba ^ ^ das will, Herr Korrolewski," "Aiiaüa ® ^anz arm. Sie arbeitet, um zu ^den. Jch bin mcht wieder zu Vermögen gelangt; ich arbeite auch, um nur zu leben. Zurückgelegt habe ich nichts " „Das ist das wenigste!" ries ich abwehrend. „Ja es all??gibt^ °" ar ba & ^ kö sein werde, der tatiana (Fortsetzung folgt.) bb — Der Talisman. Dktzz-e von Anna Lehr. r .Schon mal so was Törichtes gesehen?" fragte Doktor Hett- th den jungen Kriegsfreiwilligen Franz Lübben, mit dem er, der Menge eingekeilt, zufällig vor einem Jnwelierlad«: stehen geblieben ivar. Sie waren beide schon in Feldgrau, in neuen, sauberen lim- formen, die noch kern Schlachtfeld gesehen hatten. ^Was denn?" fragte der andere. Ter Arzt zeigte mit dem Firmer in das Schaufenster. Tn lag -wischen dem scharfen Facetten glanz, der Edelsteine und dem Wachen Schimmer der Perlen eine Reihe mattsilberner Münzen. ..Amulette für Kriegsteilnehmer" stand auf einem Pappschildchen davor. Ter junge Main: lachte: „Simrig?" „Besonders empfehlenswert gegen Attillcrieseuer, nicht? Kin derei«:!" Ter Strom der Mensch«: tvar inzlvtschrn nach ttirzer Stok- kung weitergeslutet :md staute sich mm irgeirdtvo anders um ein neues Extrablatt. Auch die beiden wurden in: Gedränge mit fortgeschoben. Eigentlich war nran ja schon ein bißchen müde in den Knochen; die Hebungen hatten 's in sich, das war doch noch anders als Turnstunde! Aber wenn dann der Abend kam und all das Leben durch die Stadt flutete, all das Leben, das man vielleicht in diesen Tagen zum letztenmal mitlebte, da litt es einen doch nicht auf der Stube, mochten cs einem die Oruartierleute auch noch so behaglich wachen. Und die anderen waren ja mich hier. Wieder und wieder hob sich in dem Gewühl eine Hand grüßend an eine Mütze, und rmter der Mütze war meistens ein bekamttes Gesicht. „Zehntausend Russen gefangen! Zehntausend Ruflen!" klana eS Jundum. * Tie beiden hatten auch ein Blatt erhascht, und nun standen tie und lasen es zusammen. Seltsam, man konnte sich doch noch nicht recht vorstellen, daß man vielleicht binnen kurzen: auch schon mit dabei sein würde, wenn wieder zehntausend Russen gefangen würden. So, das wäre getan. In den: Koffer lag nun Franz LübbenS ganzer Zivitmensch, den er ausgezogen hatte und nach Hause schickte. Nun blieb nur noch der Soldat übrig. Und morgen gi:^ es fort. Nach Frankreich? Nach Rußland? Wer konnte das sagen? Da klopfte eS. ' Auf fein „Herein!" öffnete sich die Tür, und das Mädchen erschien mit einem Brief. Im selben Augenblick hatte er die Handschrift erkannt und war auch schon an der Tür und hatte den Brief genommen. Er amtete nicht weiter auf das Dienstmädchen, das sich mit einem verstehenden Lächeln zurückzog. trat unter die Hängelampe Jmb riß, ohne sich erst zu setzen, mit vor Freude ungeschickten Fingern den Umsckstag auf. Dabei fühlte er etwas Hartes, Biev- sckigeS wie ein flaches Schächtelchen. Doch erst das Geschriebene! Ter leichte Bogen,, zitterte, wie er ihn hielt. Es war kein langer Brief Mer er machte sein Herz schlagen. Das alte geliebte Leb«: griff noch einmal mit heißer Hand nach ihm. Ein paar M genblicke sah er nichts von dem', »vaS ihn umgab, er sah nur ein feines, bewegliches, blasses Geslchtchen. das bistn: Abschied zu lächeln versuchte, während die Tränen immer wieder aus den blauen Augen stiegen wie aus zwei Brunnen. Wie er dieses Gesichtchen küssen wollte, wenn er wiederkam! Wein:- Doch das Schächtelchen. Was tonnte darin sein? Ein M- denken? Eine Locke? Eine von den blonden, feinen, die fick immer so widerspenstig aus allen Nadeln und Spangen befreiten und um ihre Schläfen stand«: ? N^gierig ließ er den dünnen Gummiring abschnellen, wickelte das Seidenpapter los. hob den Deckel und — neu:, es war keine Locke. Da lag auf rosa Watte an einen: langen, weichen Band eine kleine mattsilberne Münze: ein Talisman! Ter junge Mann lächelte. Törichtes kleines Mädchen! Glaubte sie denn an den Unsinn7 Er hatte sie eigentlich für vernünftiger gehalten. Immerhin, es war gut gemeint. Belustigt, immer noch lächelnd ließ er das Anmlett uirvsamt dem Bande in die Goldtasck'e seines Porteinonnaies gleiten. Um den Hals roürde er es natürlich nicht tragen! Er. ein Mann! Das wäre zu lächerlich gewesen. Mer in der Tasche mit- Nehmen, so als Andenken — warum nicht? * Der Wind fuhr in weitausholendcn Stößen um das Bauern- MMS, auf den: snt dem Morgen die Fahne des Rot«: Kreuzes natterte. Zuweilen setzte er auS. wie um Mein zu holen. Danach stürzte er stärker wieder heran und rüttelte nrit doppelter Milt an den Fensterläden. Ter Arzt und die Pfleger drinnen hatten freilich feine Zeit, Daraus S» achten Auch den meisten Verwundeten lag ,wch zu laut der Höllenlärm, der vergangenen Schlacht im Obr, oder sie Prien überhaupt nichts. vom -Morph: nmschlas oder der Qual ihrer Schmerzen betäubt. Nur ein junger Soldat, der nicht sehr zu leiden schien, lag ruhig mit ofseneri Augen und lauschte aus den Sturm. Er ivar schon tu der Frühe hierher getragen. Eine Weile hütle cr auch geschlafen. Nun betrachtete er langsam und geduldig alles, was ihn umgab die Lampeii, das große Zimmer, die improvisiert«: Lagerstätten, die anderen Kranken, die Pfleger, die h:w- und hergingen. Vom Afrzt, der an: anderen Ende des Raumes hantierte, sah er nur den Rücken. Wie der Verwundete den Kopf ein wenig wandte, um nach der anderen Sette zu sehen, fühlte er ein Mud mir seinen Hals. Lauen Augenblick dachte er au die Erkennungsmarke. Nein doch, die hmg ,a schon am Bettpfosten. Ach so, das Anmlett! Er fcua es imu doch nicht mehr im Portemonnaie. Tie es ihm geschentt hatte, hatte es ;a auch anders gemeint, entschuldigte er sich vor seinen: Verstände. ~ — er runzelte die Stirn —. wem: man ihm die Erkennungsmarke abg«wmw«l hatte, mußte man das andere auch gesehen haben. Er besann sich »licht darauf, es mußte geschehen sem, während er schlief. Vielleicht hatte der Doktor sogar selber — das war ihm nun keineswegs recht. Der Doktor hätte das eigentlich nicht zu sehen brauchen. Aerzte »varen Skeptiker. Tie lachten über so was, wie er selber m: Grunde ia auch. <$? r bem wollte er gewiß nickst wie ein verliebter Junge da stehen. Ta wollte er das dumme Tiug doch lieber verstecken W grM nach der Lxünur.uud suchte den Knoten zu lösen. ,™„ ^ber bad ging nicht so leicht. Tie feine Fessel spottete der Mannerhand. Und dann löste die Bewegung des Armes einen Schninz ans daß er umehalten mußte. „Verflucht noch mal," Meß er zlmschei: den Zähnen hervor. '\Th,12 a ri^ ^ Was wollen Sie denn eigentlich? Lassen Lücken!"^ ^lche Band kann Sie doch unmöglich ^..So>da war der Doktor selber. Und noch dazu Doktor Hell- mpthk Er hatte ihn gar nicht kominen seh«k. Nun stand er da neben ihm. und nun war es zu spät. Ka9 dlergerlich beschämt riß Franz Lübben »vieder an dem Band> ^ nt $ 9(ü ?;, »M was, das irritiert mich," beharrte er ^ch auch eine Albernheit, einen vernünftigen Menschen mit so einen: Mhängsel zu beglücken'" Ter andere stimmte nicht zu. Er lackste nicht einmal ' . , es deswegen ist." sagte Tottor Hellmuth ruhig, „da. N/" Sie her " und er zog aus den:, Ausschnitt seines Kittels ein silbernes Kettcheu, au dem «ne kleine mattschimmernde Scheib'« hmg; ein Talisman. cy A seiner Augen nicht: „Auch Sie, Doktor? ^ machte. Sie hatten doch ,elber aemlg danlber gespottet!" "Ach la, lch ennnere mich. Mer das war damals." „Damals? Bor vier Wochen!" V?‘ ?or vier Wochen, das ist für mich schon damals. Dazwischen liegt eine Ewigkeit. Für Sie nicht V „Doch! Aber das erklärt mir noch nicht, warum auch Sie — — Lne werden mir nicht einreden woslen, daß Sie seitdem gelernt haben, an übeniatürliche Beeinflussungen zu glauben!" . .. '-^/^oegnete der Arzt langsam, „ich glaube auch letzt noch »ncht daran. Mer darauf kommt es ja auch hierbei gar nicht an, »vas ich glaube, lvas wir glauben. Wissen Sie, Talisman habe? Bon einer Frau. Sie lächeln? Ach die Frau, die ihn Mir gab. war nickst jmig, nickst schön. W war «ne alte Dame, die sich mir verpflichtet glaubte, lveil ich nach ihrer Ansicht einem ihrer Enkel das Leben gerettet habe Und sie besuchte mich am letzten Abend vor dem Ans- warsch und brachte mir das und flehte mich an, es zu tragen^ sie würde sonst keme Ruhe haben. Und ich sollte ihr nicht die Freude machen, nur weil ich weiß, daß es Unsinn ist und mich nicht schützen wird geg«i Kugeln und Seuchen?" Und dann fuhr er ein wenig nachdenklich fort: „Ist nicht im Grunde in jedem menschlichen Herzen so ein Winkel, wo ein Stückchen Aberglaube hängen geblieben ist? Man zeigt ihn nickst, so lange es einem gut geht; man scheut! den Spott. Kommt aber der Tag der Not, dann schickt den Sterbende, der an den Aerzten verzweifelt, zum alten Schäfer, schl«cht d:e unglücklich Liebende zur Wahrsagerin." Der Arzt schwieg, und Franz Lübben sah wieder das feine. b«oegliche, blasse, Gesichtchen.-Hatte der Doktor recht? Hatte sie zu törichtem Zauberglauben ihre Zuflucht getrommen, weil sie mit den vernünftigen Mittekn zu Ende, »veil sie verzweifelt ivar? Und wenn sic verziveifett ivar, war sie es nicht aus Liebe zu ihm? Leise trat der Arzt zurück. Der Kranke bemerkte es gar nicht. Seine Finger umsckstossen die Anne Münze, die fest an ihrem Bande hing Er versuchte nicht mehr, den Knoten zu lösew Vtrmifcfet*». Kriegsstuben". Noch zu Zeiten, als in ander«: Gegenden dre Spinnstub«:, in den«: sich die jungen Leute : r den Abendstunden znm Spinnen, zu anderen Arbeiten und auch 56 zum Plaudern cinfaiion», lnngst nicht mehr beshanden, hl.eit.en die Leute de- Erzgebirge» und de- Bogtlcmdes noch an ihren Spinnstuben. oder, wie sie dort genannt wurden, alt ihren Hntzen- stuben fest Mer mit der Zeit gingen diese abendlichen, bel den Dorsbewohirern umlpechscBkdcn Zuia»n»»»enkünfte doch eilt. Jetzt in der Kriegszeit nnd hailptsächticy seit der Winter sein«: Einzug gehalten hat. sind sie in »nanchen Dörfern des Erzgebirge- rwn neuem entstanden Allerdings haben diese Zusammenkünfte einen anderen Namen bekommen. man versantmelt sich nicht mehr in der Hntzenftube, sondern in der „Kriegsstirbe". Wer irgendwie anf ein paar Stunden Zeit bat, der lomnlt am Abend in die „Kriegsstnbe". Irgend jemand, ein Mann oder ein Bnrscbe, eine Frau oder ein Mädchen, der im Borlesen einigermaßen geübt ist, mutz die Nachrichten über den Krieg ans den Zest -tungen vorlesen. Dabei wird oft jede Zeile vorgetragen, die den Krieg betrifft. Manchural ist auch eure Karte von den Kriegsschauplätze,» zur §>and. Da »verden dann der rrersammelten Dorf' belvobuerschart die Stellungen unserer Deere und die Begebnisse des Krieges erNärt Daß dabcä die Erklärungen nicht so aus- fallen, wie sic ein Generalstab sofsizier machen würde, nrüssen die wikbegierigen Dorsb^ ivohner hingelren lasseil Sind Briefe von Freunden. Verwandten und Nachbarn aus dem Felde angetom- men. so werden sie wohl auch laut vorgelesen, und wenn einmal ein altes Mülterrlren da ist, die mit der Feder nicht so recht umzugchen versteht und die doch dem im Feindesland stehendem Sohn oder Enkel ein paar Worte der mütterlichen oder großmütterlichen Liebe Istnaussenden mochte, jo findet sich auch ein junges Mädchen, das sogleich einen Brief anfsetzt. In manchen Dörfern geht die ..Änegsstube' die Reihe um, sie wird bald bei diesem, bald bei jenem Dorfbewohner abgehalten, in anderen Orter, wieder bestebt die Einrichtung, daß die Zusammenkünfte immer an der gleichen Stelle abgebatten werden, daß aber die gesamte Beroohnerschaft die Kosten für die Beleuchtung trägt. Traurig geht es in der „Kriegsstube" zn, immn einmal dis Nachricht enttrifft, daß. einer aus beiu Freundeskreise fern der Heimat. aber für die Heimat sein Leben lassen mußte. Die dunkle „Lichtstadt". Paris, die „Lichtstadt", lvle sie stch stolz zu nen»»en beliebt folgt dem Beispiel Londons und bullt stch in tiefe Dunkelheit. Sieben ist die Verordnung des Poltzeiprätekten erschienen, die bezweckt, die bis dahin nicht genügend durchgeführte Versinsten,ng der Stadt anch bei den Privatleuten streng durchzu^ühreu, damit. »oenn die Zeppeline auf ihren «tächtlichen Fahrten üch der französischen Daliptstadt nähern, ihnen keinerlei Anhaltspunkte für ihre Unternehmungen gegeben werden. Die Verordnung, die Paris in Rächt und Dunkelheit versenkt, !a»tet: .In der Erivägung. daß es kein«!» Zweck haben würde, die Herabicnunq der öffentlichen Beleuchtung aufrectttzuerhallen. die seit einigen Wochen außer den VertetdigungSinaßregeln der Militärbehörde gegen alle U eberfallversuche fetn&licbet Flugzeuge über Paris ober der (hineinde der Parlier Bannmeile durchgelükrt wird, wenn die private Beleuchtung fortführe, Straßen oder Aege, die im Dunkeln liegen, zu erleuchte»», wird verordnet: Vom Zeit- punTt der Veröffentlichung dieser Verordnung an »verden folgende Vorsichtsmaßregeln in Paris und in den Gemeinden des Departements der Seine bis zu einer neuen Mitte«l»»ng getroffen: Vom -age-ende b»s zmn Morgen sind in den erleuchteten Zimmern die doppelten Vorhänge vorzuziehen oder die Rolläden an der Fassade oder zum Hof bluouS zu schließen. Wenn sie ielsten, ist die Helligkeit des Zimmers durch wirksame Auordnm»gen für die Außenwelt zu verhüllen. Die Erleuchtung der öfie»»tlichen oder privaten Gebäude, der Werkstätteu. der Läden ,»nd im atlgerneine»» aller Gebäude. d»e eine starke Helligkeit durch die Fenster nach außen werden, ist aui das durchaus Notwendige z>» beschränken »ind qletch- saus durch jede »nögltchen Mittel z»» verhüllen. Die Außen- erleucktung der Terraffen und der Auslagen ist z», unterdri»cken Z»n Interesse der Sicherheit ist eS unu»ngängUch. ei»»en Teil der Erlenchtnng zu erhalten; für diese »vird erne besondere Erlaubnis gegeben »verden." 0 che Uhren. 30 Millionen Mark jährlich aus den naschen der Deutsche», in die Tajcire»» g»»ter echter Engländer zu letten -- daS ist die Aufgabe, die stch eine Versa»ninlu»rg der englischen Uhunacher tu London gestellt hat. Ir» beweglichen Worten wurde hier daS alte L»ed gelingen, das de», Briten jetzt immer lauter und häufiger in den Ohre», gellt: daß sie mit ihrem Handel v''/er den De»»tscKe»l znrückgel lieben sind. D«e Uhren sind ein Avlatz m diesem große,: Kapitel. Vor 60 Jahren. \o sprachen die engl,ichen llhrmacl-er von l>e»tte, da waren die britischen Uhren als die besten m der ganzen Welt bekannt. Elerkenwett. ,vo sie ge» 'nacht wurden, war eine blühende nird ciev britisch« »Künstler" eine einzige voll-,»dete. Ötruür- U l. ru.ircu die deutschen Uhre»r brlllger. mtb sie muffen »vohl auch 1 • r r 25?oesen sei»», denn der englische Uhrenhandel gn,g völlig zu- rmr Wenn der Engländer jetzt auf seine Uhr „,ua<1c in Gennany“ tl»ul, »ü iNtig »hu» das — „ach Ansicht der b» irischen Uhr»»»acher emei« ctich durchs Herz geben: er »vtrd die Uhr »vegiver'eu »ind e»>»c englische kaufe»»« Und die Gelegenheit dazu sott ihn» in I nicht allz»! la»»ger Zeit geböte»» »verde»». Z,vei oder drei englische Uhrenfabriken habe»» sich bereits mit deutfchen Maschinen versehen, und man beabsichtigt, die delitsche Fabrikation-weise in» große»» einzufübren. Dann soll a»»ch Elerkenwell wieder blühen wie einst, wenn »licht bis dahin die deutsche»» Waren schon wieder da sind, «»n die englischen anS dem Feld« z,» schlagen. * Die sch,viertge Lage des russischen Kaviar- Handels. Ans Astrachan erhalten russische Blätter folgende Mitteiluiigei» eines genaue« Kenners der Ftscherei-Jndustne: .ES ist eine stehende Redensart ti» R»»ßland geivorden: „Wir müffe»» »»nS von der deutschen Abhä»»gigkeit befreie»»." Das ist aber leichter gesagt als gctar» »l,,d »vir dürfen es »,ns nicht verhehlen, daß »vir noch auf vielen Gebieren des Wirtschaftslebens recht unsicher gehen« Drn besten BeiveiS das»"ir crbri»rgt die Ftscheret- Znduskrie von Astrachan. Sie ist durch den Krieg in die bedenklichste Lage geraten, »ind ganz besonders schwierstg gestaltet sich das Kaviargeschäft. Den Lö»vena»»teil an u»»se»e»n Kaviarerport hatte Deutschland, inden» es Massen v0i»5xaviar bezog und nach anderen Rlärkteu des Arislanbes absetzte. Znsolgedeffei, sitzen »vir jetzt fest n»it »insern» Kaviar u»»d der Preis ist von 4—5 Niibel auf 2 bis 3 Rubel heru»»tergegat»ge»i, so daß diese Delikateffe jetzt a»»ch »inserein kleinbürgerlichen Publ»k»nn zngüuqlich geworden Ut. Die Hariplirage bleibt aber die, ob »vir imstande sind,' ob»re Vennitt- liiirg TeiUschlands mit Frankreicl), England und A,nerika zu per- haiidel»». Tie letzten Erfahrungen auf de»n Markte in Astrachan berechtigen kaum zu dieser Erwartung! Die Hauptver,vall»tng des r»ts»ischen Aclerbauwesens »vollte nach Ausbruch des Krieges der Fischerei entgegenkommen und bestellte 120000 Pud Fische in Packungen von je 15 000 P»,d. DaS erivtes sich als nicht durchführbar und der Ankauf eriolgte in Batri, »vährend Astrachan über 1.>00 000 Pud lagernde Fische verfügte. Wir haben eben noch zu »venig vom ^lustaiide geler»»t und beso»»derS nichts getan, »»m anS eigener Kraft die Absatzmärkte des Aiislandes zu erober,».* Zprachecke de§ Allgemekven Veutfchen Speachveeeinr. *Der gemeine Soldat. Für .So.dat sein" gilt noch heute nebelt dem deut'chen Ausdruck .diene»,- der bis auf die Zeit der Landsknechte ziirückgekende. den» Latein entsta»n»nende AuS- dr»,ek .beim Kominlß fein-, d. h. eigentlich: in kriegsberrticher Verpflegung se»n. Wer mm neu zum.Kommiß- kon»n»t, muß sich natürllch als R«tr»tt von den „alten Le»»ten" idie übrigens von den jüngeren Leuten auch mit Be,na»nen »vie Alte Knochen, LtöckskeS »l. a. bedacht »verdei») niancf>ccfei auf militärische Unreife hinzielende Spottnamen gefallen lasse»,, »vie der Grüne (in Bayern Wurfe, ebenfalls grün), nasser Stift (noch »»icht troeke,» hinter den Ohr-n), Hanrmel (weil inan sich leicht verlä»»ft und ohne Führer verlöre»» t Rliffe (weil noch roh und »tngeschliffe»».' Selte»»ere Bezeichnungen sind Mistkäfer (bei der Garde». Rehkopf, Spund u«a. - Für de»» Ersatz in» Felde ist der verbrei'etste Ausdr.uk Schwanun und f»,r die ei>»zelnen Leute Schivannnbrüder (dnriebe»» auch für die ti» der Garnison Zilrückgcbliebenen »»nd für die Abkonnnan- dterten), oh,»e Z»veiiel eine Hindeutunq aus die gerillge Widerstandsfähigkeit, die man diese»» Lc»ltei» lut allgemeinen zutraut, dl »ich für d»e Ermtzreservisteu der Friedenszett a»bt es allerlei scherzhafte Ausdrüeke. »vic Eskimos (Preuße»,) und ^atzkarpfen oder bloß Karpfen, Warpen «Sachsen». — Die Einjährigen sind d»e Lateiner, die feinen Herren, auch die Einspännigen, Ernhaarigen, Frösche oder Sommerrekrnten. — Der Geire,te, der .den höheren Grad der Geineinheit erreicht hat" heißt K»»opisoldat. Spatz (An- vielung an» den kleinen Adler auf den» Gesreitenknops). Sechser «ergeanh Fünigroschenschlucter, Cpcckkopst F,n»ne (Esten). Silbeiträtyel. af, bal, lf, bri, cyn», da, den, di, e, Hai, l>e, hn,n, ^ i, kei, na, l>, li, »nasch, »ni, rü, run, sal, so», dl» iS vorstehenden Silben imb Buchstaben sotten »temt Wörter g ebildet und derart »intereinander gesetzt »verden, daß die Arrfcmgs- uchstabe,» vo»l oben iiach unten und die Eudbuchstaben von unten nach eben gelesen den Ra»nen eines 'AltectuniLforschers ergeben 06 «‘Cteutn, aber die einzelnen Wörter solgeiides: 1. Ei,»e Inseigrilppe. 2. Belanntcn Erfinder. 3. Weiblichen Vor>»a»»»ei». 4. Altteftainentttche»» Propheten. 5. Eine Pflanze. 6. Riissisctre Handelc-stadt. 7. Ein Toiiiverkzei'g. 8. Eßbaren Pilz. 9. En, -<>«»!,ntttel. Auflösung in nächster Nun,»»,er. Auslösung des Ergänzungsrätscls in voriger Nu»n»nert Et»l Kainpsplat; ist die Welt; Das Kränzlem »»nd die Krön' Trägt keiner, der nicht kän»pft, Dtit Ruhm iiiid El^r' davon. Schrkftleitrmg: Aug. Goetz^ - Rotatio.lSdruck und Verlag der Brlihl'sche,» UniversitätS-Buch- und Eteindruckeret, R. Lange, Gietze^