Bas Mradies der Erde. Roman von Ada von Gersdorfs. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Dezember. Ich habe Tante Lallt eben zur Bahn gebracht. — Sie schenkte mir zweihundert Mark. — Hundert hat mich der Basar gekostet. Sie fand das ganz richtig. Wenn sie nur wußte, daß ich das Geld meistens in Antiquitäten angelegt habe! Ich habe das Gerümpel in einem Koffer in die Sattelkammer gestellt und weiß nicht, was ich damit machen soll. Möcht's dem Alten wieder zustellen. Doch habe ich eine gewisse Scheu, selbst hinüberzugehen, obwohl ich doch sonst nicht furchtsam bin. Man sagt, daß das die gefährlichsten Wunden sein sollen, die man zuerst gar nicht fühlt, und ich weiß, daß meine Wunde gefährlich ist, aber ich weiß nicht, wie sie behandelt werden muß und kann niemand fragen. Durch Meier erfuhr ich, daß „das Fräulein" vom alten Kor- rolewski, so drückte er sich ans, abgereist wäre, aber wiederkäme. Dezember. Ich saß am Schreibtisch und griff eben rurch diesem, mir schon recht lieb gewordenen Buche, um mich wieder mit mir selbst zu unterhalten, als Bobby wie rasend vom Sofa sprang und nach dem Fenster, dann nach der Tür und wieder nach dem Fenster stürntte. Was hatte der Hund? Im Moment war mir's klar — Poncalet! Also doch hier! Aber derHnud jubelte nicht. Es war kein freudiges Bellen, es war ein Kläffen, ein Winseln und Knurren, als wenn er nicht recht wüßte, ob Freund oder Feind. Da ein Schatten vor meinem Fenster ein hastig drängendes Klopfen. Ich riß es auf. „Schnell schnell, Herr von Rehn," slüsterte eine angstvolle, mir so^wohlbekannte Frauenstimme. „Machen Sie mir auf, lassen Sie mich herein." - Zuerst ein Griff in das Fell des halb rasenden Hundes. Hinaus mit ihm ans den hinteren Flur und den Schlüssel umgedrcht. Dann die Vorhänge herunter. In Sicherheit war sie nun, in meinem Schutz, in meiner Wohnung — sie, die Frau meines Kommandeurs bei mir! Welche Gefahr, welche Situation für uns beide! Wie sie auf den nächsten Stuhl an der Tür siel! Wie sic die .Hände an ihr Gesicht drückte mtb schluchzte, brauchte sie nichts zu sagen. Ich konnte mir alles denken. „Nicht wahr, Ponealct ist hier?" flüsterte ich. „Er ist zu Ihnen gekonnnen. Die Katastrophe steht bevor — oder ist sie schon eingetreten? — Bitte, gnädige Frau, liebe gnädige Frau, kommen Sie, setzen Sie sich hier auf das Sofa und seien Sie ganz ruhig. Sie sind in Sicherheit. Ich weiß ja, was ich soll, und das null ich ja auch: Ihnen helfen und Poncalet und und Ihrem Mann " „Ja, ja. Mein guter Mann! Poncalet ist hier. Er war bei mir. Mein Mann sah ihn. Sie lv-erden sich schießen — sich töten und ich mich auch! O Gott!" Sie blieb an der Tür sitzen, während ich in fliegender Eile meine über dem Schreibtisch hängende Arbeitslampe an- Kündete. Ich trat zn ihr und kniete lieben ihr nieder ,nahm ihr die kalten Hände vom Gesicht, die ich küßte und fest in! den meinen behielt. „Liebe, arme gmibige Frau," stammelte ich, sie sanft umfassend, „sagen Sie mir doch endlich, was ich tun soll. Ich will's ja — und wenn's mir das Leben kostete —" Da schoß mir die Frage durch den Kopf: Was würde ich tun, wenn diese Frau meine liebe, süße Scknvester wäre, die meinen besten Freund liebte und ich, obwohl beiden diese Seligkeit gönnend, liebte und verehrte doch aber auch wie einen Vater den alten Mann, dem die jugendliche Schwester durch heilige Bande angehört? Was würde ich tun, was raten? Wie würde ich helfen? Ich stand sachte auf und zog sie mit mir empor. „So," sagte ich sanft. „Nun wollen wir ganz ruhig zusammen sprechen." Sie zitterte am ganzen Körper, während ich sie umfaßt hielt. „Sie haben mir das heiligste Vertrauen geschenkt, oas eine Frau einem Manne schenken kann — " „Ja — ja," unterbrach sie mich. „Alle vertrauen Ihnen, glauben Ihnen, auch Bernhard, auch Gras Poncalet uno ich. O, ich unbedingt! Ich weiß. Sie werden helfen, wenn es in der Welt möglich ist. Ich we.iLß nicht wie, aber — Sie werden es wissen —" „Wenn es in der Welt möglich ist, das weiß Gott und ich will es auch. Sie haben Vertrauen zu mir, Harriet, wie zu einem Bruder, in gewissem Sinne sind wir wie Schicksalsgenossen — auch mein Herz ist todeswund in Liebe und Schmerz, ich kann also alles verstehen." Ich nahm ihr sorgsam den schweren Mantel ab und drückte sic in die Sosaecke. Und wie sie da lehnte und zitterte und sprechen wollte und nicht konnte vor trockenem Schluchzen, erschreckte mich vorübergehend der Gedanke, sie könne hier ohnmächtig werden. „Sic müssen ein Glas Wein trinken," drang ich in sie „O, gehen Sie nicht fort!" bat sie mit einer ängstlich ablehnenden Bewegung. „Nein, nein, ich brauche nicht fortzugehen. Es ist alles hier im Schrank." Sic trank ein wenig von denk alten Sherry und eilt Schein von Farbe kanr in ihr Gesicht und das beängstigende trockene Schluchzen hörte aus. Ich setzte mich zn ihr auf das Sofa und streichelte ihre kalte Hand. Dabei sah ich still war- tend zu dem großen Bilde Kaiser Friedrichs über meinelt Schreibtisch hinüber und ihr Blick folgte dem meinen. „Helfen Sie mir — uns — um Gottes willen! Er ist lvahnsinnig — Viktor — Poncalet meine ich," stieß sie nach Atem ringend hervor. „Seit dem Basartage ist er h^er, auf denl Lande bei einem Jagdfreunde, und er ist lviederholt nach Zwielitsch gekommen und hat versucht, mich zu sehen, zu sprechen. Ich bin fast selbst wahnsinnig gelvorden vor entsetzlicher Todesangst um ihn — und um Bernhard. Mein Mann nlerkte es, o, er hat ein kluges Herz —< er sah „dich immer flmmn an mit diesem anklagenden, beschwörenden Blick, und ich konnte doch nichts tun, konnte uns doch nicht Helsen. Wenn Sie mir nur ein einzigmal begegnet wären, mich einmal ausgesucht hätten! — Am Basartage hoffte er wohl — Pvncalet — in dem Trubel mich treffen zu können ... er versuchte es aus allen Wegen, überall lauerte Gefahr — und Tod ans ihn, auf uns alle! Ich, ich lebe nicht länger, wenn einer von ihnen —" „Weiter ! Weiter!" drängte ich, denn in mir stiegen furchtbare Bilder auf, und lvenn sie es wagte, zu mir i-n meine Wohnung zu kommen, so war hier keine Minute zu verlieren. Sie drückte die Hände einen Moment aus ihre schweratlnende Brust. „Heut abend war es im Garten. Ich trat ans Fenster, um es anfzumachen, mir war so beklommen, mein Herz schlug so hart —da stand er deutlich erkennbar es war ja noch nicht ganz dunkel... Aus jedem Fenster des Hauses konnte er gesehen und erkannt werden. In ganz Zwielitsch und in der weitesten Umgebung gibt es keinen zweiten von seiner Größe, seiner Gestalt. Mein Mann war zu Hause. Er arbeitete nicht, seine Lampe brannte Glicht, sonst hätte ich den Schein sehen müssen, gerade ans dem Wege, wo er rvo Graf Pvncalet stand..." Wieder pausierte sie, ich drückte heftig ihre Hände. „Weiter - schneller!" rief ich und fühlte, wie mir Ciscskältc über den Rücken kroch. Ich nötigte ihr wieder Wein auf. „Ich wich von dem geöffneten Fenster zurück ich streckte abwehrend die Hände aus vor furchtbarem Schrecken. Ob er glaubte, ich winkle ihm — ob er die Bewegung mißverstand —" „Natürlich, natürlich!" stieß ich hervor, „lind er nwllte dav wohl auch, er wollte zu Ihnen — er war ja halb wahnsinnig. O, ich versteh's, ich versteh's jetzt. — Wahn- nnnrge Sehnsucht!" sagte ich ganz heiser vor Aufregung. Ich lühlte ja alles mit. ,,Ja, ja/' sllüsterte sie, die Augen mit den Händen bedeckend, mit erlöschenoer Stimme, „wahnsinnig vor»Sehn- suchl.... Und dann war er mit einem Sprung auf dem Fenster, war er in meinem Zimmer — zu meinen Füßen — und hatte mich umklammert. — Ich konnte mich nicht regen... Da sah ich im Spiegel, daß hinter uns - in der Portiere mein Mann stand. Und er, der Gras, sprang ans. Gr schien bei voller Besinnung und ganz ruhig führte ev mich zu einem Stuhl, weil ich schwankte. Bernhard sah stumm zu imd regte sich nicht, sein Gesicht aber'war so weiß wie Tod. Dann waren beide fort... ich hörte meines Mannes ^.ni ichiießen und darauf lvar alles still. Ich sprang aus und lief - lies zu Ihnen. O Gott! Helfen Sie — sie sollen sich nicht toten — nicht töten - hören Sie? — Schnell —" Sie wollte vom Sofa herab, zu meinen Füßen nieder- sinken. - Bisher hatte sie mit unheimlich tonloser Stimme, wie in halb visionärem Fieberflüstern gesprochen, jetzt schien Ne mh zu erwachen zu dem furchtbarsten Grauen. — Ich hielt sie hoch und zog sie auf ihren Platz zurück. Ruhig — mit Gottes willen — Sie müssen ruhiger lein, bat ich, wahrend mir fast die Stimme versagte. „Jetzt !!», od l Änb F.!- Wenn ich auch hingingc. mich suchen bcide Männer drängte, mit welchem Recht dürste 'ch V Wer hat mich dazu veranlasst, durch wen habe ich's erfahren? voll ich sagen, dass Sie hier seien, bei mir in .. . ' — . |VIV», vv l ,1111, lll mn Ponealett zu retten vor der Kugel meiner Wohnung Ihres Mannes?" . ..Nein, nein/' ries sic. „Nicht um Poucalet allein ifi mit s zu tun, auch uni meiuen Mann. — Wie sollt' ick es ertragen — wie wciterlebeu?" , „Ja, ja Das könnten Sie nie ertragen, kein Glück iwm zu denken, keine Freude, keine Ruhe mehr, auch Ihnen bliebe mn: der Tod als Erlöser. Aber noch ist ja nicht das SMmmfte zu furchten. — Freilich — Ihr Mann schont niemand in dieser Sache. Er darf es auch nicht. Ich selbst frieirn beftcn ^dmid, der mir das geliebte Weib ."nd ich zweifle sehr, daß er lebend den Platz verließe. Aber letzt, tm Augenblick, wo diese furchtbar »urickn^??'ung ul Ihrem Hause stattfindet, ist nichts aus- ^lü !7 J} ^ öu retten. In dieser Nacht kann ja auch nichts Mschehen. Sie sagten, Gras Poucalet war ruhig, nun ^^^V'^^^onimandeur kenne ich, der ist Meister in der - - -Morgen — morgen in erster Frühe wbald es irgend möglich ist, will ich alles daransetzeu Ihre,! Harriet, zu mildern imb S'ttto™ baren Ausweg für Sie zu silcheu." H Ich war immer ruhiger, gefaßter geworden, während ich sprach, imd alle möglichen und nrnnöglichen Bilder drängten sich mir vor die Seele. Harriet kauerte in ihrer Sosa- ecke, ganz znsammengezogen, und ihre Zähne schlugen wie im Fiebersrost aufeinander. Hatte sie gehört, begriffen, was ich sagte? Oder war sie schon wahnsinnig geworden vor Angst um beide Männer, die dem Furchtbaren vielleicht stärker und gefaßter als das arme Weib gegenüberstanden? Jedenfalls war auch meine Lage recht gefährlich. Der Kommandeur mußte, wenn er es irgendwie vorzeitig erfuhr, natürlich glauben, ich sei mit den beiden im Einverständnis, da die Frau doch sonst' kaum aus den Ge- daukeu haue kommen können, sich zu niir, in meine Wohs innig zu flüchten. Für Harriet freilich konnte cs nicht Zweifel Haft sein, daß ich alles wußte oder ahnte. Sie mußte es gewußt haben, seit ich Poucalet das seinem Buch entfallene Gedicht schweigend zurückgegeben hatte; sie konnte es aus seiner intimen Freundschaft mit mir schließen, die zwar wc iiiger von mir, als von ihm ausgegangen war, uns aber oft im vertrauteren Alleinsein znsammensührte.... Wer weiß, ivas er ihr hierüber gesagt hatte. Ich halte mich ja gewiß selbst für einen Gentleman Aber solche hervorragende Beweise I>abc ich doch, soviel ich mich erinnere, hier nicht davon gegeben, daß alle Welt und selbst die Verzweifelten und Entgleisten mir blindlings glan- den und vertrauen mußten. „Kommen Sie," sagte ich fest und ernst, „sehen Sie mir einmal ruhig in die Angen — so! Wenn Sie mir ver trauen, dann muß es bis zum unbedingten Gehorsam geschehen in allenu was ich Ihnen rate." In meiner Stimme und meinem Bllick mußte jedcnsalls elivas Beruhigendes liegen, was sic zu sich brachte. Der starre Ausdruck in ihren 'lügen schwand, ihre Angen hoben sich mit einem fragenden, hoffenden Blick zu den meinen und sie stand auf. „Was soll ich tun? Was raten Sie mir?" stammelte sie. Ja, wenn ich das nur selbst gewußt hätte! Bor allem mußte ich erst Zeit und Sammlung zrnn Uebcrlegeu haben Im Augenblick wußte ich nur so viel, daß sic nicht länger bei mir bleiben konnte. „Sie müssen jetzt fort, nach Hause," sagte ick) rasch, gab ihr den Mantel um und legte das Schleier tuch über ihr Haar und schlang es ,so gut ich das verstand, un Nacken zusammen. „Natürlich lasse ich Sie nicht allein gehen, sondern ich begleite Sie," sagte ich währenddem, „nur müssen Sie ein paar Schritte voransgehen, nach dem Kloster zu, und dann nmkehren. Ich trete dann wie Anfällig ans dem Hause und schließe mich Ihnen au. Sieht uns jemand, nun so haben Sie eben einen Spaziergang gemacht, Kopfweh oder so — die Dunkelheit hat Sie überrascht und Sie trascu mich." Damit zog ich sie saust nach der Tür, und sie folgte willig. 9lber den Blick, den sie dabei zu mir erhob- /vergesse ich nie, so hilflos bittend, daß mir das Herz weh lat. Mein Paletot hing dummerweise nicht im Flur. Ich hätte erst Meier rufen müssen, der ihn wahrscheinlich gerade pichte. So setzte ich mir die Mütze ans und nach einigen Sekunden, in denen sie wohl drei Schritt weit sein konnte, trat ich selbst hinaus in den leise rieselnden tffcwu. Leuten, die mir etwa begegneten, mußte es immerhin seltsam erscheinen, daß ich bei dem Wetter (kalt war es auch noch) ohne Paletot ging und auch noch die Kvmman-deuse getroffen hatte, und zwar auf dem ebenfalls recht seltsamen Spaziergailg nach dem Kloster hin, während sie es doch von ihrem Hanse aus viel näher gehabt hätte, ans der Stadt zu kommen. Ja, alles konnte ich eben nicht in per ^md haben, und wie man mir so völlig vertrante, mußte ich meinerseits meinem Glück vertrauen. Es war ja übrigens auch nicht wahrscheinlich, daß wir jemand trafen, und die Rosenstraße war denn auch menschenleer. Mir gingen rasch und erreichten unbehelligt den Marktplatz imd das Hans des Kommandeurs, das etwas zurück von der Sttaße m einem Garten lag. Ich blieb außerhalb mn Gitter stehen, bis meine Begleiterin in der Haustür ver- chwunden war. Sämtliche Fenster lagen in Dunkelheit Ter Kommandeur schien nicht zu Hause. Vielleicht war ihre Abwesenheit gar uicht bemerkt worden. An atmend machte ich kehrt und ging in raschem Tempo nach meiner Wohnung zurück, vollkommen durchnäßt in dem dünnen Rock, m dem mich enipsindlich m frieren begann, als die Anfregniig sich legte und mein Blut wieder langsamer floß. (Fortsetzung folgt.) Jungfer Lieser Sohn. Eine deutsche Kriegsgeschichte von Erck Inet. Autor. Uebers aus dem Schwedischen von Rhen Sternberg. Müllers Liese war heimgelehrt — heim zum Müller, nach vielen Jahren der Abwesenheit. Müllers Lieses Fritz war 18 Jahre alt und sollte das wußte Liese mit in den Krieg und deshalb hatte sie beschlossen, nach Hause 31t fahren, um ihren Jungen noch einmal zn sel-en. Um seinetwillen hatte sie vor vielen Jahren die Hnmcrt verlassen und den kleinen Herl den erzürnten Eltern übergeben. §ie war nach der großen Stadl gegangen, uw ihr niemand zürnen konnte lvegcn ihres Irin', denn da gab es ja keinen Menschen, der darum mufete, daß sie dieses kleine Wesen in die Welt gesetzt hatte. Böse Worte nnd .Hohn und Spott hatteit sie von der Heimat sortgctrieben. Daß eine unverheiratete Fran ein Kind hatte, war eine Schande, nicht nur für sie nnd ihre Familie, sondern für die ganze Gemeinde des strengen, rauhen Dorfes, in dem die Mühle stand, nnd in den» die Müllersleute sich bisher durchs Leben gekämpft halten in Zucht und Ehren, bis Liese . . . Ja. lvärc sie doch lieber in den See gegangen, sagte der Müller; die Müllerssran aber schwieg. Liese nwr ja doch ihr eigenes Fleisch nnd Blut, n»»d der kleine Fritz in der Wiege gewann bald ihr Herz. Und die Müllerin hielt die Berbiudnng mit Liese aufrecht wenn auch heimlich, ganz heimlich. Denn wenn der Müller, der Lehrer oder, (tfott bewahre, gar der Pastor es erfahren hätte, dann hätte sie wohl denselben Weg gehen können wie Liese: fort von der lieben Mühle, der alten, grauen Mühle dort aus dem flachen Boden, die ihnen den spärlichen Unterhalt gab. So hatte Liese nur selten etwas ans der Heimat gehört. Im Koffer barg sie eine Photographie von ihren» Jungen, die sie vor vielen, vielen Jahren geschielt bekommen hatte. Wie nett er anssah in seinem weiße»» Rückchen, unter dem die nackte»» Füßchen hervorstaken. Gern hätte sie in ihrem Mutter stolz das Bildchen ihrer Herrin gezeigt, aber die Furcht hielt sie davon zurück, und so bewahrte sie ihr Geheimnis tief unten im Koster und in ihren» Herzen, bis zu dem Tage, da sie hörte, daß ihr Sohn in den Krieg sollte, um sie und das Land zn verteidigen gegen die abscheulichen Russe»» nnd Franzosen, die nun das ganze Christenvolk bedrohten. Sie ging in ihre Kammer, schloß ihren Koffer auf und lpilte die alle Photographie heraus, die, sorgsam in ein Taschentuch eingewickelt, in ihrem Gebetbuch lag. Lange stand sie da und betrachtete ihren Sohn, und ihr Mutterstolz überwand alles andere. Sie empfand nun weder Schanr noch Furcht, als sic das Bild zeigte. „Das ist mein Sohn, und er soll mm mit in den Krieg und ims alle mrteidigeu gegen die Russen und Franzosen/" erzählte sie hier und da und überall. Und das Bildchen ging' voir Hand zu Hand nnd wurde bewundert nnd besichtigt »mt> getvendet nnd gedreht von den erstaunten Frauen, die nun zum erstenmal von Jungfer Lieses Sohn Fritz vernahnlen. Dock- Liese genoß nur zn lauge ihren Triunrph in der Stadt. Alle Kleinhändler, alle Nachbarn, alle Dienstmädchen und alle Por- tierssranen der Umgegend sollten Jungfer Lieses Sohn Fritz fehen, der nun mit mußte in den Krieg und die ganze Gesell» schaft verteidigen gegen die Russe»» und Franzosen. Und dabei wurde überall Kaffee getrunken und aus dein Kasfeegrund gewahrsagt und Karten gelegt, nnd stets siel die Prophezeiung glück- lich aus für Lics-es Fritz, der die Feinde schlug und das Bat er lcmd und die Christenheit rettete. ,,Ter kleine David geyen Goliath," sagte die Haushälterin des Kaplans, die sehr bibelfest ivar. „Ter kleine David," wiederholte sie, während sie die Photographie betrachtete. Aber als Liese cnt>ltd> nach Hanse kam znur Mittler, war Fritz schm» lange auf dem Weg gegen den Feind. Es lvnrden incht viele Worte gewechselt. Alt und gebeugt saß der Müller da, ünd die Müllerssran stand mit krummem Rücken, ihre. Hände waren geschwollen und steif von Mühe und Arbeit und Gicht, ulld es fiel ihnen schwer, den Teig zu kneten nnd das' Brot zu formen. - Ä,"' griff ah, daß das Mehl rings um sic stand wie eure Wolke, und sie formte die schönsten Wecken und Schnecken mit Schnörkeln und Windungen und dachte dabei an ihren Fritz in dem kleinen weißen Röckchen auf der Photographie, die vor lhr stand — den kleinen Sritz, der min draußen »var im Ki'icg, um das Baterland zu verteidigen. Und dann nahm sie den Wagen mit dem Fuchs, den Fritz bisher gefahren hatte, ,lnd ratterte in der Gegend »unher und verkaufte Schnecken und Brote nnd erzählte weit nnd breit von chrem Fntz und zeigte, fein Bild und versicherte, des Kaplans Haushaltenn hätte ihn „David" genanitt, „David gegen Goliath" »md ste mußte ohne Ende zn erzählen von ihren» Fritz und scluen Heldentaten. Er schlug die Russen, und er schlug die Franzosen, nnd die Grünkrämersfrau drinnen in der Stadt hatte prophezeit, daß ihr Fritz etlvas Großes tocrden lvürde das hatte man deutlich aus den Karten lesen können. Und überall, iiwljn» Liese nun mit ihrem kleinen Wagen kam, wnrde sie geehrt und gefeiert, und mau kaufte ihr Brot, dem, »uau wollt.- gern etlvas Neues vom Krieg hören, hier in ch' v Oede, uo die spärlichen Häuser so weit voneinander erttserut lagen Und L '' wußte Bescheid. Sie hatte ja ihren Fritz im Krieg, und r>- hatte den Kaiser gesehen, und den Kronprinzen nnd all bn großen Generäle, leibhaftig halte er sie alle gesehen, mit eigene» Angen. in den» großen Berlin. Und als daS Gerücht sich ver breitete, daß nun auch die Engländer, ja, selbst die gelben Japaner sich an die Feinde augeschlossen hätten, nra&te Liese überatt, wohin sie kam, den sinkenden Mut zu heben. „Laßt sie .kommen, laßt sie nur kommen," sagte sie, „Fritz wnds »hncn schon besorgen." Und sie zeigte ihre Photographie, ihren Fr»tz in dem weißen Kleidchen, unter den, die uacktcn Füßchcn hcrvorguckten. Was einmal prophezeit lvird, muß auch in Erfüllung gehen, das »cm leder, der sich auf die Kunst versteht. Tie Grün krainersirau drinnen in der Stadt muß besonders begabt dafür gewesen sein, und des Kaplans .Haushälterin nicht minder. Und Lie,c »nckte nnd senkte andächtig den Kopf vor der großen Weisheit, d»e »m Kasfeegrund liegt nnd in den Katten. Denn kam nicht eines schönen Tages — u>e»m auch nicht für sie, sondern für den Mütter, denn Fritz kannte ja seine Mutter nicht — eine vrachtvottc Photographie von ihrem Fritz, in Uniform »nit Knöpfen und ^>äbel nnd Quaste und Gehänge, und vor de»» einst so kleinen Bcinchcn eilte mackstige eroberte Kano»»e! Und stand mcht m dem Brief, daß. Fritz geehrt und gefeiert lvorden sei vor der ganze»» Front, und zum Gefreiten ernannt und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet fei zum Lohn für seine Tapferkeit! Uird als selbst der Pastor in der Kirche ihr Slück wünschte und sagte, daß sie stolz sein könne, einen solchen Sohn zu haben vergaßen sie alle — der Pastor und Liese und der Müller ui»d der Schullehrer und die ganze Gemeinde — vollständig, daß Frnz »a jm Grunde eigentlich gar nicht „da sein dürste!" Lodzer vilder. Weither schon grüßt sie. die „deutsche" Stadt, 2 lher sv trauerumflort steht sie dorr im slack-eu kahlen Lande, so trübe und slunuu iur sagenreichen Polen, »vie eine Beremsantte in der Freu»de. Grane Türme, schrvere, sich gleick-sanr unter der eigenen Last mühsam ausreckende Türme ragen aus der undeutlichen Häusermassc empor, und schwarze kalte Fabrrkschlote zeichne,» sich düster am Hiinmek gb. Uird wie diese Stadt, so die Wege zu ihr. Llnch sie trostlos, zerfahren und zerrissen, bedeckt von knöcheltiefen» Schla»n»n, kein Baum an den Seiten, kein Richtstein, kein Telegraphemnaft nichts als Schmutz und stttnnnes In- sichversuirkensein ... Das ist der Eindruck, den Leoirhard S ch r i ck e l en»pfing, als er sich Lodz näherte. In einer überaus fessel»»den Schilderung, die im nächste»» Hefte der „Grenzboten" erscheiitt, gibt er die Bilder »vieder, die ein Besuck) der Stadt in dieser schulsalsvollen Zeit ihn» vermittelte. Wie in eine riesenhafte Katakon»de tritt »»»an zuerst in die anscheiirend tote, leere Stadt ein. Doch »vie bald und »me jäh ändert sich das Bild! Zwar die erste Gasse, in die nufer Weg cinmündet, ist »roch ebenso unerbttttich schrnntzig und holperig, wrd die Büdchen recksts »md links sitzen am Rande dieses zähen Sumpfes »vie uralte, schiminelige Schildkröten; aber die Straße ist durchpulst von lärmendenr Leben. Da laufen schreiende Kinder leglichen Alters die .Kreuz und die Quer. Zei tuugcu ältesten.und iteueftm D att»ms, deutscher, n»ssischer, polnischer, indischer, englisck-er, galizischcr Herkunft, Zigaretten seltenster Art, Brat, Schuhnägel. Brennholz. Zucker Huttrümmer und »vaS es sonst an schnurrigem Zeug yibt. fcilbietend uird tu den schlvärzlichen Händen oder sraglvürdrgen Mützen arisdrrng- tich präsentierend. Auf de»» H^rnsttir-stufeir, die hier Mil- und dort ablvärts ^ur Schnwtto führe»», bennihen sich lockenübcr lvucherte Jünglu»tzc »md dunkeläugige Jungfrauen im ernsten Eifer, jene Schreier »roch zu üderschreien oder durch weitaus holende Geberde»r $u überl runipsen, um ihre eigene Ware au den Maw» zu dringen. Und in der Sttaßernnitte schleppe»» Männer u»»d Frauen aus »vackeligei» Karren, vor dene»» nur hi»» und wieder ei»» klapperdürres, spatlahmcs Rößlern einhrr- »vankt, Kartosseln, Rüben, Fleisch. . . Womöglich noch lauter tmd brutter geht es aus dem Markte zu, der uns alsbald aufninmlt, ohne daß »Dir es vorerst bemerken Ar»cb hier sind hohe, zvtrsserdichte Stiefel das ttnentbrünlichste; dancbe»» braucht es allerdings auch nock» Gckd»»ld urrd NachsickK. beim das Schieben i»nd Stotzen »urd Drängen der durcheil»a»»dn hastenden Händler und Unterhändler, Käufer und .Wiede» ver- käuser erster bis sechster Hand, Schleppe»-, Horcher und spekula tiveu Müßiggänger ist unbeschreiblich ^)lber die lauten Gassen und lärn»e»»deu Märkte sind noch nickw Lodz. Jtltseits von ihnen öffnen sich breite, großstädtisch au»unte»»de Strayen, »me die Piottkolvskö. die die Halbmilliouenstadt von Nord nach Süd durchschireDei »l»»d au der sich alles au gesiedelt hat. »r»as aitf das Prädldrt „vor»»ehm" und „erstklassig^ glaubt Anspruch erlnMn zu dür sen Da gibt es auch „Geschäfte", d^rs heißt et»w das. was u»ii vern'öhule Großstadtdeutschen als Geschäfte zu bezeichnen psle gen: gnt eingerichtete, saubere, bisiveilen elegante Laden. Hotels Mid besonders viele Kaffees. Bor ihren breiten Fenster»» klillgeln die schnrucken. stets überfüllten Elberfeld.» Waren der eieln, scheu Straß-ulahn vorüber, fahren herrsck'astltche Dro-u-le.» nn> Kutschen unterschiedlichster Klassen vorbei jagen riesige feldgraue Autos dahin, beladen mit Ostizieren undÄerzten, Ordonnanzen oder Postpaketen, traben flinke. Meldereiter ihre Straße oder endlos lange schtrere e Bagage »lud Mumtionskol innen, neben denen die östcrreickn scheu Kolonnen mit ihren leichten Wagen nnd Pferdchen schier frölUich einherrollen, nnd z)viscl>en all die sein kunterk'nntcn Geivühl marschieren iinmer wieder Regimenter aller dentstben Gaue, inrd oft genirg auch noch lange Züge russischer befangener, llnd dann gibt cs anch hier natürlich Hunderte voll eursigen Händlern jeglichen Alters und von aller Art Güte, zahllose Herumsteher ilnd Flaneure mtb eine schier unabsehbare Schar von Mädchen zweifelhaften Herkommens. Das flutet nnaushür.ich ans ruid nieder nnd anirlt brausend durcheinander. In den Nebenstraßen freilich ist es still. Aber diese Stifte ist etwas Fremdartiges in Lodz nnd wird nur er- zeugt durch das Schweigen der h ochra g er »den Fabriken, dieser überall in den Seitenstraß-n sich ausrichtend^m, weit ausgedehnten Nießmbanten, darin att die gen»altigett Maschinen, die wuchtigen, riesigen Schroungräder nnd Turbinen schlafen. Fast ansnahms los sind diese Untcrnebmuugen von deutschen» Geiste, deutsck>cnl Kazntal nnd deutschem Fleis^e gesck>afseu worden. In ganze Stadtteile gliedern sie sich mitunter: hier liegen Fabriken, Wohn- lranten, Schulen und Kranken Häuser, Kaufhäuser. Das ist sür das heutige Lodz kennzeichnend, daß hart neben dem blanken Herrenhaus die elende Hütte des Hörigen fteht, dicht neben dem Neuen das Alte Und Uralte, neben den» Städtchen der Riesensabrik der säst »veglose Pfuhl des wirr zusammengewür selten Vagabllnden- und Bettlervierteis. Das macht das Stadt bild bunt und abwechslungsreich, aber nicht schön unb auch »licht eigentlich interessant, zumal ixi die neuen „reichert" Bauten nicht selten durch protzig überladene und geschmacklose Schau seiten entstellt nrcrdeu. Man merkt es allenthalben, daß irr Lodz die Lebensmittel knapper sind, als sonst tvohl. Vielleicht freilich ist die Waren knappheit nur durch gewissenlose Spekulanten veranlaßt, die ihre aufgespeicherten Vorräte nur tropsenrveise heransbringen, nur die Preise zu treiben. Aber diesmal l>at nran die Rechrumg ohne den Wirt gemacht, das heißt ohne die deutsckw Heeresverwaltung, die umsichtig und schonungslos ihres Arntes waltet und regelnd und helfend eingreist. Nun u*efjc dem Großhändler, der sein voslgerüttelt Lager nicht öffnet! Die deutsche Heeresverwaltung greift nicht r»ur mit entschlossener Hand zu, sondern sorgt auch in aller Stille sür die Erschließung neuer Quellen und stete Zufuhr von ausjen. So war ein großer Tag jener 26. Dezember, der die .erste Lokomiotive auf der durch die wackeren deutschen Eisenbahner nnd Pioniere wiederhergestetltcn Kalischcr Strecke daherdampscit und in den Bahnhof von Lodz eintaujen sah. Der belle, langhinlwltende Pfiff der bekränzten Maschine klang »me der Anstalt zur großen Sinfonie des Wiedererstehens der schwer beimqestlchtcn Stadt Das ttaufhaus au den Schützengräben. In den ersten Wochen nach dem Ansbrnche des Krieges begegnete die Versorgung der an der Front stehenden Trup- pen mit Gebrauchsgegenstätlden und Ge»u»ßmitteln beson deren Schwierigkeiten. Bahn- und Postverkehr waren durch Truppenbewegungen in Anspruch genommen, und in den von den Truppen besetzten Städten waren großenteils die Einwohner gefluchtet, die Geschäfte geschlossen, ihre Eingänge verrammelt Da war es denn eilt glücklicher Gedanke, daß ein Hamburger Großhaus sich entschloß, einen selbständigen Warentransport an die Front zu organisieren. Mit den nötigen Enipfeblungen versehen, »nachte sich dies wandenlde Kaufhaus nach Osten und Westen aus den Weg. Es war eine interessante Expedition, »vie aus den im „Konfektionär" veröffentlichten Mitteilungen eines Teilnehmers zu ersehen ist. Zwei Mann und ein Kraftwagenführer leiteten das Wanderkalls- haus, das ans drei Waggons mit Zigarren, Zigaretten, Wurstwaren, Käse, Schmalz, Schokolade, Tabak. Streichhölzern, Lichten, Taschenlampen, Batterieen, Stiefelschmiere, Briefpapier, Feldpostkarten und ähnlichen, dem Ävldaten willkommenen Gegenständen sich zusammcnsetzte. Auch ein Kraftwagen zur Benutzung unterwegs wurde mit verlade»!, und das erwies sich als eine sehr angebrachte Vorsichtsmaßregel. Denn es war z. B. in dem verwüsteten Ostpreußen mit großen Schwierigkeiten Perbunden, bis in die vordere Kampffront zu gelangen. War die Eisenbahn nicht mehr zu benutzen, so mnßte das Auto herhcrlten; die Waren wurden darin verladen, und man drang auf diese Weise so weit »vie möglich vor. Wo die Wege auch die Bc»lutzung des Kraftwagens ausschlossen, »vurde der Versuch geinacht, mit Hilfe von Ortsvorsteher, Pfarrer oder Lehrer einen Wagen aufzutreiben, der als fahrendes Kaufhaus zu dienen hatte. So gelang es Kchristleitnng: Aug. Goetz. - Rotationsdruck und Verlag der Bei denn wirklich, die Wagen bis zu den an der Front befindlicher" Truppen vorzntragen. Unsere »vackeren Feldgrauen aber waren über das Erscheinen des Feld-Kaufhauses regelmäßif hochbeglückt und nutzten die Gelegenheit sich zu versorge» reichlich aus. Die Waren fanden reißenden Absatz, und di» Tageseinnahme belief sich mitunter ans 5)000 bis 6000 Mark. Dafür mußte freilich anch so »nanrhe Schwierigkeit in Kauf genommen werden. Oft wurde das fahrende Kaufhaus von Kanonendonner begleitet nnd zuweilen selbst von Kugeln entpfangen, und »vas die Schlafgelegenheiten betrifft, so mußte man sehr vorlieb »rehmen. Aber die Unternehmung er füllte ihren Zweck vollkommen nnd erst, als die Verkehrs Verhältnisse sich besserten und die großen Züge von Liebesgaben bei den Truppen einzutrefscn begannen, kehrte das Kriegs-Kaufhaus wohlverrichteter Sache znm Elbestrand zurück. _ vermischte». Eine Geschichte v o n den Barbaren, die für den Geist unserer Truppen bezeichnend ist, wird in „lieber Land und Meer" crzäblt. Nach einem hartnäckigen Kampf hatte ein bäuerisches Lolldwehrbataillon mit vielen andern Truppen die Franzosen a,»s einem heißinnstrittenen Ort geworfen, nnd die kampsinüdcn ^Soldaten durften nun rasten. Die Mannschaften »vare,l vom größten Durst und .Hunger geplagt, und so erlaubten ihnen die Vorgesetzten, die Häuser nach genießbaren Dingen zu durchsuchen. Die zahlreichen mit der Flagge des Roten Kreuzes geschmückte»» Gebäude »vuiden natürlich verschont, in den andern von den Eintvohnern verlassenen .Häusertl aber machte man sich gründlich an die Arbeit, um noch etwas aufzn treiben. Viel »var es glicht. Nur in cine»n »veiter curßen an der Ortsgrcnze gelegenen Häuschen fand man Lebensmittel nnd Wein in Fülle, und die glücklichen Entdecker füllten denn auch ihre Feldflaschen mit dem feurigen Bacchustrank, versahen sich mit Speck nnd Brot nnd wollten so mit eß und trinkbarer Beute beladen ab ziehen. Da siel der Mick eines bayerischen Landwehrinannes auf eineir kleinen Zettel, der an der Haustür bestchigt war. Die Schrift besagte, daß der Besitzer und die Besitzerin des .Häus- chells, zwei hochbetagte Leute, sich in anerkennens»oerter Weise um die Pflege der Verwundeten verdient gemacht hätten und anch deutschen Soldaten.Hilfe airgedcihen ileßen Sofort ertöne ans dem .Munde des Wehrmai ms ein kräftiges: „Halt, Käme raden! Daher mit Euren Sacken. Wir müssen sie sofort »nieder zurücktragen, denn ein Hundsfott derjenige, der einen deutsclwn Befehl nickt respektiert — und da seht her, hier steht einer!" Dabei zeigte der Brave auf die Inschrift und erläuterte bcu Herzildrängendrn, daß der Zettel getviß von einem Offizier, der beriets früher hier gerveseuen dciltschen Truppen angescblagell worden sei. So sehr die Leute sich über die erbeuteten Sacheit gefreut hatte», so hungrig u»ld durstig sie »varen, trotzdem trug jetzt jeder die mitgenommenen Eßwareu uird den Wein wieder in .das Haus zurück. Der Weiil »vurde in ein sauberes Gefäß geschüttet: Speck und Brot aus den Tisch gelegt »md dazu ein Zettel, aus .den der wackere Landivchtmanu mit Bleistift die Worte schrieb: „Entschuldigen Sie, Mosjö und Madam B..., Deutsche lmtteu Hunger, ihre Lebensmittetwageu aber lagen tuett zurück. Wir suchten also und fanden Lebensmittel, aber auch einen Zettel, der uns von Ihrer Tätigkeit für Verwundere erzählte. Sie opfern also der Menschlichkeit, und drum petzen »vir wieder hungrig ab. Von Ihren Sachen fehlt keine Krume!" Zilderräl el. Auslösung in »iächster Nuiinner. Auflösung dcS Anagramms in voriger Ntliinner: Lech, Elch. ühl'schcn Nniversitä!s-Vnch- und Ctcindruckcrei, R. Lange, Gießen.