Das Paradies der ltrde. Noman von AdavonGersdorff. (Nachdruck verboten.) (Fottsetzmrg.) Mit seiner gewohnten liebenswürdigen Freundlichkeit naym der Oberst mein Anerbieten einer Zigarre und eines alten Kognaks an. Ich zündete die Lampe an und zog die Borhange zu. Recht sonderbares Bild, wirklich: ich und mein Kviiunandenr in meiner Bude so gemütlich beisammen wie zwei Duzfreunde. Die Anknüpfung loar ihm nicht schwer geumchl: der Hund und die vielen Bücher aus meinem! Disch. Er blätterte darin, kannte und lobte einige und mich vazu, da sich Lesezeichfen darin fanden, die auf meinen Ge- chmack an ernster Lektüre hindeuteten. Auch Ponealet erhielt jeln Dell Lob, daß er mir die schöne Anregung für Geist und Herz vermttte t habe. Dabei glaubte ich etwas Nachdenkliches in seinem Wesen zu bemerken, als halte er mit irgend etwas Besonderem zurück. Indirekt veranlagte er mich, von dem abivesendeu Kameraden zu reden, und ich sprach mit höchster Wertschätzung von ihm, von allem Guten und Braven, das ich N/bnr kannte und von ihm gehört hatte, von Schönem und ^blem, das ich chm zutraue. Der Korpsgeist und die Kamc- radfchaftllchkelt, alle für einen und einer für alle, schlugen cn hellen Flammen in mir auf, und ich hielt ihm eine Lob- und Verteidigungsrede, die eigentlich niemand von mir ver- lailgt hatte, bis ich, mir dessen bewußt werdend, den Faden verlor und etwas Plötzlich verlegen verstummte. Der Oberst hatte manchmal bestätigend genickt und auch eine und die an dere Zwnchenfrage gestellt und mich zuletzt mit einem so ernsten, väterlich wohlwollenden Blick angesehen, das; es sich nur lchrver ans die Brust legte, als hätte ich unbewußt lind ' ungewollt nt meiner übertriebenen Wärme, mit der ich mich des abwesenden Kameraden annahm, eine schwere Verant wortung ans mich geladen. Und siedendheiß schoß's mir zu Kops, daß die ganze Art des Obersten, wie er sich so über seinen Offizier berichten ließ und dazwischen die und jene Frage stellte, etwas von einem vorsichtig sondierenden Vater hatte, der sich über den erwählten Gatten seiner Tochter unter der Hand orientieren möchte. Hatte ihm meine Wärme und Leblmstrgtelt nicht aussallen und den Glauben in ihm er- wecken müssen, daß ich dem Grafen viel näher stände, als es tatsächlich der Fall war, vielleicht gar in gefährlicher Mitwisserschaft schwerwiegender Geheimnisse sein Vertrauen genoss? — Um alles in der Welt hätte ich in einen solchen Verdacht diesem edlen vornehmen Manne gegenüber nicht kommen mögen! Was mochten da vielleicht in alter Stille für Kämpfe gekämpft, für Wunden geschlagen worden sein! Poncalets pwtzttcher und langer llrlaub hatte ja vermuten la sen, daß diese Kämpfe -abgetan lvaren, das; er entsagend das Feld geräumt habe und nicht wiederkommen wurde. unter solchen Umständetl ein heroischer Sieg über sich selbst. Doch das Benehmen des Kommandeurs liest sich damit schwer tu Einklang bringen, und es drängte sich mir das bängliche Gefühl aiis, stiller Teilhaber einer bedenklich schwankenden Firma zu sein. Zum Vertrauten hat mich ja noch nieniand geinacht. -aber dast sie mich gerii dazu machen möchteil, er scheint mir ziveisellos. Sie brancheii einen llnparteiischen alle drei: Poncalet. der Oberst und die Frau . . . und ich weiß doch eigentlich nicht, ivas -da so nnheimlsich still im Finstern Hernmschleicht. Ich soll da am Ende hineinlenchten und mir dabei die Finger verbrennen. >—(Wenn es nur einem -etlvas nützt und ein ehrlicher Wkassengang ist, will ich gern sekundieren und Unparteiischer sein und alles tun, was ich nnr irgend vermag. Aber nur nichts Lichtscheues, nichts so,anS dein Hinterhalt Kommendes, nein, da ,nach' ich nicht mit! Das könnte ich auch diese,« Buche und den ztvei erhaben sten Männern Deutschlands nicht erzählen. Es must ja etloas Furchtbares sein um die wirkliche leidenschaftliche Liebe und um das seltsame Ding, was der Höhepunkt solcher Leidenschaft sein soll: die sogenannte Liebeshörigkeit. Darüber ist ganz Interessantes in einem von Poncalets Büchern zu lesen, und an einer Stelle .ist ein schwacher Blanstist- strich erkennbar und ein paar wie hingehancht anssehende Buchstaben: „Harry". Ec» könnte mein Name sein — ift's aber nicht. Dae. kleine t am Ende ist ganz deutlich, es könnte ans Harriet deuten — so heißt sie? — Na wenn man argwöhnisch ist! — * Tie Kommandeuse hat den Basar abgegeben, wegen dauernder Indisposition, an die „Oberftwachtmeister". In Berlin war es in gewissen Mreifen Brauch, den Täte! einfach aus die Frau zu übertragen. Zu drollig klang das: ,Die liebMRegiernngsrat" — „die gute Oberst". — Aber hier in ZnnelUsch haben lvir triftigen Grund, schlechthin nur von einer „Oberstwachtmeister" zu sprechen; sie ist es wirklich und -er" nnterhant bloß. Ich verbringe also manche Abend- und Nachmittagsstunden bei Granstedts in Beratungen mit ihr. Auch »ein „Situationszanber", aber kein berückender. Heute bekam ich zwei Briefe, die mich frappierten. Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. — Morgens kam einer mit Grasenkrone in Silber ans grauem Leinen von Gräfin Wanda Wretersberg. Halb erschrak ich, halb freute ich mich und steckte ihn ungelesen in den Ueberrockanf schlag. Ich ließ. ,veil es regnete, in der Manege reiten und mir in der Panse einen Gitta aus der Kantine holen. Den Pallasch unterm Arm, las ich den grauen Brief unter einem Stallfenster. Ich fühlte mich wirklich tief gerührt, aber doch ein bißchen unbehaglich. Manche Tinge dürfen -eigentlich keinen Nachktang haben. Er kann nie rein sein. Wenn ein Erzengel vom Himmel kommt in einsamer Nacht und bringt uns eine Offenbarung, so muß er es uns selbst überlassen, was wir damit anfangen wollen, aber mit nachträglichen Erklärungen wiederkommen, das darf er picht. Gott, diese armen Frauen. Wenn sie nur einen halben Schritt ans dem gewohnten Pfade getan haben, glauben sie gleich um Verzeihung bitten zu müssen. Um Verze»bn»»a oder E»»1- kthuldigung hat mich die Gräfin Wanda ja nicht bittcu können Ich wüßte auch nicht wofür. Aber aus dem ganzen Briefe klang ein solch scheues gurücüveichen, eine solche Be i orgniS, ich könnte falsche Schlüsse ziehen, jio ganz falsch Der* tauben haben, solch ein Verleuanen jenes LitualionszaubcrS, »aß »nir'o weh tat. Schade! Hätte sie eS doch gelassen, wie es war, so war'- gut und schön und sie stand nur hoch! -7 Warna» schrieb sie überhaupt? Ein großes ewiges Schwei* gen muhte über jenen Wunderdingen ruhen! Wie kann ne nur fürchten, daß sie sich lächerlich gemacht habe? Nun möchte ich mir fast den Vorwurf machen, in einer „inometttanen Stimmung" ein leichtfertiges Unheil angerichtet zu haben, tvic etwa eine brennende Zigarette, die man in einen herbst lichin Wald warf.. und nun schwelt und schwelt es! — Ich habe noch gar nicht darüber nachgedacht, ob überhaupt noch irgend etwa- Nachkommen müsse. Jur mich war'- abgetan. - Gewiß hätte ich sie mir gern erhalte»», als Freundin, Schtoester, n'amcraoiii sozusagen. Welch ein Segen könnte eine so reine Beziehung für unsereinen sein! Aber wenn eilte Frau und nur im geringsten al-Frau interessiert, so ist die Naineradschast eine gefährliche Selbsttäuschung. Und interessiert sie uns überhaupt nrcht, so wird, glaube ich. Feilt Mann einen .Nameraden in ihr suchen. Mir »venigstenS siele zum Beispiel so etwa- bei der „Oberstwachtineister" gar nicht ein, und wenn ich ans einer »vüsten Insel mit ihr süße an den allerlängsten Regentagen und KaminscuernÜchten. — ES bleibt leider »vahr: eine reine Freundschaft ist zwischen Mann und Weib nicht denkbar, wenn sic nicht verheiratet sind. Na - und eine glückliche Ehe denke ich mir überhaupt nicht ander- lvie eine ruhige Freundschaft. Am besten antwortet man auf gewisse Briese gar nicht. Daö wird ja hiev auch nicht gefordert und Schweigen ist auch eine Antwort: Einverständnis. Eingeladen hat sie »nich nicht. Aber irgend luo wieoerbegcgnen werden wir uns »vohl. Sicher zum Basar. Der andere Brief »var von Tante Lall». Sonderbare Gerüchte gingen über »nich um, schreibt sie. Ich sollte in Ztvielitsch seltsame Seiten herausrehren. den ausgesprochenen Blasierten und Sonderling spielen, die jüngeren Kameraden und ihre Kreise meiden und mich desto mehr an einen, in» Rufe der Ueberspanntheit und starker Nervosität stehenden älteren Herrn lPoncalet) angeschlossen haben. Zuletzt kan» a»»ch Tante- Besorgnis um ihren LiebltngS- »vunsch aum Borschein, mich nach alter Familientradition jll»»a und mit einem meiner Jugend entsprechenden Wesen verheiratet zu scheu, indein sie auf Huldiaungen au spielte, die ich älteren, in keiner Weise zu mir passende»» Damen zu Füßen lege — Die Kommanoeuse wäre ja den Jahren »»ach noch keine ältere Dame, schrieb sie, aber ihre Stellung »nachte jic zu einem ebenso ungeeigneten als gesähr- ltchen (Gegenstände meiner „Herrensivallllngen". Gefürchtet habe sie immer, in dieser Richtung einmal etwas über »nich ljören. Und so eine kleine, weltvergessene Garnison wie Ztvielitsch sei viel gefährlicher als das große Berlin mit seinen tausendfache»» Bcrsuchunge»». Da fände ein junger Mensch gar nicht die Zeit zu einer so einseitigen Verirrung» und durch die Vielheit der Erscheinungen würden feittr; Gedanken beständig abgelenkt Aber »venn einer sich bei dem stille»» eintönigen Leben in Ztvielitsch auch nochOvon den Kameradenkreisen abschließt und in unpassende Gesellschaft gerat, die ihn zu nehmen weiß, und »venn man in. acwissen Dingen »,och ein „imbeschrieveueS Blatt" sei »vic sch, dann hätten meine wahren Freunde recht, »nich zu warnen, möchten auch die untlausenden Gerüchte an und kür sich ganz harmlos sein, etwas Wahre- sei immer daran. — Zum Basar käme sie, also in acht Tage»», und ich sollte ihr ein Ehambre garnte besorgen, »n-glichst in meiner Nähe. Den Tag ivürdo sie ja doch bei mir verbringen ... Wege»» des Basar- allein läme die gute Tante Lolli wohl schwerlich nach Z»viclitsch! Sie kommt wegen der Gerüchte. — Nun, da kann ich sie ja beruhigen,' nach alleit Seite» hin Ich bin iminer noch gänzlich „unbeschrieben"! Möchte nur »infto», wer ihr diese Gerüchte, woran imrner etrvas Wahre- ist, hinterdringt. Dezember. Morgen also ist der Basar. Tante Lalli kommt am Bormittag an. Die Subskription-l»ste ist übervoll. Garnison und Land reich vertreten und alle-, was in der Bürgerschaft zu den Honoratioren gehört. Die Mädchen, die BerkaufSbuden haben sollen, sind von den Borstands- damen a,»-gewählt »vorder», nicht von mir, obwohl ick» doch maltre de plaieir bin! Und ein PlaFer »ft es nun eigentlich »oirklich, die niedliche Bürgcr»ncifterotochter am tisch zu sehen und die fesche, kleine Postsekretärsfrau am Büfett. Sonst und anderswo würde das ia überhaupt nie geschehen, daß „außergesellschaftliche Kräfte" an die Verkaufs tische zwischen den Damen der Gesellschaft placiert »verden. Aber nach langer Beratung wurde in Z»viel»tsch eine Ausnahme gemacht »mb von den gesamten Damen des Komitee-, an der Spitze die Kommandeufe und die Gräfinnen Wie tersberg, befürlvortet. Es sind zufälligerweise gar zukvenig geeignete Persönlichkeiten «nter unfern RegimentSdamen und unter den Landfamilien. Und »venn der gute Zweck, recht viel Geld einzunchinen,«erreicht »verden sollte, so »nutzte schon eine »veitgehende Toleranz geübt werden, auch der vielen Leutnants wegen, um» ihnen das Kaufen zu versüßen. Der Eldorado»virt, Herr Karfunkeistein polnischer sJude reinster Rasse gibt das Lokal umsonst zu dem wohl- tütigcn Zrveck: vertvahrlofte Kinder des ganzen Kreifes, ohne Unterschied der Ko»»session, in einem eigenen Heim unter- znbringen und zu erziehen. Die Ko»n»nandense hat übrigens das Präsidium behalte»» und wird beul abend die Lad»)patronesse deS ganzen Rummels sein. Alle Wünsche hat man an sic zu richten. Sie rvird in einer Art Zelt sitzen und dort Cercle halten Unten uns gesagt: sic wird die Zwielitscher für eine Mark Eintrittsgeld in der Nähe beivundern lasse»», »vaS Schönheit, Vornehmheit und Eleaan.; ist. Der Eldoradosaal »tt märchenhaft geschinückt? Närnlich Papiergirlandcn und Jahnen, deutsche »rnd polnische, sogar eine Trikolore. Sie gehört, glaube ich, de»»r Uhr- macker. der vor» de»» Hugenotten ftainint, und als die größte hatte»» sie die Handwerker in der Mitte über dem Eingang anbringen »vollen; ich kan» zum Glück noch zu rechter Zeit, um dies zu verhindern. Aus jedem Treppenabsatz prangen Lorbeer und struppige Olea»ldcrbäuine mtt bunten Papier laternen, und sämtliche Bettvorleger des „Eldorado" schmücken als Teppiche die Stufen. Es muß magisch orientalisch wirken an» Abend! Besonders »venn Herr und Frau Karfuilkelstein die Honneurs des Palastes machen, muß der Oricutzauber vcrblüjscnd sei»». Der Saal bietet, ein »venig aus der Ferne betrachtet, das übliche Basarbild; die Bude»» mit allen» möglichen Kram, der noch mit Papier und Tücher bedeckt ist, das „Königszelt" für die Präsidentin und am oberen Ende, vor den» Podium, kvv dir Musiker sitzen sollen, Nischen und Lauben und höchst verführerische Cabinets s 6 par£s in den Ecke»», verschleiert von Eseugittern, künstlichen Blattungcheuern, Teppiche»» und rotgeslaminten Eldoradotischdecken. Rote Papierlampions werden unbeschreibliche Illusionen verbreiten u»id »vas daran »»och fehlt, »vird der Sekt besorgen, den »vir in ungezählten Flasche»» gratis für „Vertvahrlofte aller Konfessionen" geliefert haben. Nachher sollen die Buden »veggeräuint und ein Tänzchen gemacht »verden. DaS ganze Regiment ist da, einschließlich der Avantageure, Einjährigen, Aerzre und Zahlmeister. — Seltsam, eben kommt Meier und erzählt mir so beiläufig, daß er Poncalet gesehen haben will in Zivil. DaS ist doch kann» »nüglich... er hat ja eben erst Nachurlaub be- kommen. — Was un» Gottes willen sollte dem» das bedenken? Heute morgen waren seine Fenster noch alle verhängt. Und er »värc doch sicher bei mir gelvesen! Was nriU er hier? Z" diese»»'. Basar »vird er doch nicht notwendig sein. — Mir ist so sch»ver zumute. Wenn nur heute abend nichts sehr Ernstes passiert! — (Fortsetzung folgt.) Aus dem Ariegstagebuch eines Zel-Intendanten. Mit geteilt von L. Malten. Als mir meine Jüngste das Bändchen voll unbeschriebener Blätter in den Koffer sckob. mit der lakonischen Bemerkung: „So. Baker, das ist von mir. »venn du mal Zeit hast..mußte icy trvv des Ernstes der Situation doch herzlich lacken. Was fidf solch Ding von Acktzeb.n sürr Ideen vo»n Krieg und von der Verantwortung der Beteiligten macht... Zeit.., un fremden Landen, dessen Sprache man schrver beherrscht, Quartiere suchen, zirka hundert Mann und Pferde unterbringcn rurd dazu mü Gelen unvorhergesehenen Dingen kämpifen . wer soN da z»» schriftlichen Ergüssen Zeit find brachte. Und nun ins Stroh! H> Stunden ohne jegliche Mahlzeit, aber sonst ganz gesund, beschloß ich den denkwürdigen Tag, da ich vor 25 Jahren mit meinem besten Kameraden vorm Altar dio Ringe gewechselt. Damals war das Zeichen, unter dem der Tag gestanden: Myrrhe und Gold . . hent ist'S Blut und . . . Eisen. Meine Hand hälts fest . . . Und mein Herz sagt: Trotz und Trotz ein herrlicher großer Tag! Wir wollen ihn feiern — im Frieden., Um 1 Uhr nachts kam das Gepäck. Unausgezogen kroch ich in den Bettsack. Schlaf gab'S nicht. Dauernd kamen Mannschaften und suchten Unterkommen in der Scheune. 5 Uhr aufstehn — Morgenwäsche übriger Luxus, naß war man ja noch vom Tage vorher . . . Zur Menage? Rach 24 Stunden Fasten eine heiße Fleischi'uppe mit einem guten Stück Fleisch und daraus einen Sol- datenbecher mit Kaffee Das schmeckt. So hat's einem noch nie geschm.rit. Ob das früh >/$ Uhr oder nachlS um 12 Uhr statt- findet, das ist dem Krieger gcniz egal. Zeiteinteilung spielt im Krieg keine Rolle mehr. 12/13. 10. Das Generalkommando mit Mann und Pferd in einer Feldscheune untergcbracht, die die Nacht hindurch von den Russen mit Schrapnells beschossen wurde. Sie hatten einen Ueberfall aus unS geplant — der mehr der Kasse, die wohlgesüllt lvar, galt — als unS persönlich. Aber alles ging gut . . wenigstens Wenn wir bloß erst auö dieser armseligen Gegend herans- kämen! Das heißt, heute wäre nnr auf der Suche nach einem menschlichen Unterkommen sür meine Leute dieser Wunsch beinahe schneller in Erfüllung gegangen, als mir lieb gewesen; ich geriet in ein Schrapnell und Granatenfeuer, daß es selber meinem Gaul zu viel wurde. 17. 12. 14. Rührend sind die Briese aus der Heimat. Sie warnen uns, besonders Frau und Töchter, — daß wir die Festtage Vorsicht walten lassen. Sie bangen sich, daß wir feiern und uns die Feinde, damit rechnend, überfallen. Wie ste alte mit uns sind in der Heimat! Ja. il-r getreuen Lieben, mit sind am Heiligen Abend vorsichtig, vergessen das augenblicklich Wichtigere nicht — wenn auch das Herz im Himmel beim Christkind und bei den Lieben in ber Heimat ist, das Auge und der Verstand sind gegen den Feind gerichtet. — Sogar in poetischer Form gelangen die Warnungen an. Merkwürdig . . Man sitzt 15—18 Stunden zu Pferde, man ißt früh um 5 Uhr zu Mittag und trinkt seinen Frühstückstee hinterher, man verhandelt, kaust ein, requiriert . . . wenns was zu requirieren gibt, schreibt seine Akten — im eigentlichen Simt arbeitet man mehr »vie zu Hai^ und ... l-at Zeit . . . DaS ist der Krieg ... Er lehrt uns viel. Üfr lehrt uns — neu. . . Unsere Quartiere sind seit einiger Zeit leidlich. Me cs jetzt, da die Russen Keile bekommen haben und lausen, wird, lveih Gott allein? Er schütze die Heimat — und uns alle! vermischte». — Ter Urwald als K a m v f f e l d. Interessante nähere Angaben über die äußerst schwierigen tveländeverhältnisse, unter denen die Kämpfe in Kamerun stattsindcn, enthält der Brief eines englischen Offiziers, der schreibt: „Tie Zeit vergeht, und wir sind noch immer nicht recht „ran". Gs ist ein sehr schwieriges! (Gelände, in dem wir kämpfen, und alles geht sehr langsam vor sich. Das Klima mit seiner furchtbaren Hitze, seinen tropischen Regengüssen und heftigen Tornados, die Mangrovensümpfe. daS dichte, z. T. undurchdringliche Tsck-ungel, die Mühseligkeiten dcsi Transportes, all das trägt vereint dazu bei, jeden Fortschritt zu! hindern. Ist man erst einmal tm dicken Büsch drin, dann beginnt ein Kampf mit der Natur, der einen müder macht, als die größten Gewaltmärsche auf guten Straßen. Bisweilen ist es niederes Unter- aehölz, durch das man sich mit Messer und 2lxt deu schmalen Pfad erst bahnen muß; noch öfter aber ist es der lvilde Urwald Westasrikas. Das sind dann große Bäume, die üppig umwuchert sind von Schlingpflanzen, behängt und verwachsen mit einer unglaublich reichen Vegetation. Vögel auf jedem Zweig glänzen in allen Farben, voni leuchtenden Blau und Pnrpllr bis zum schimmernden Geld und Orange: sie fliegen von Baum zu Baum über uns her und scheinen sich mit ihrem Rusen und Singen über uns lustig zu machen. Dazu Insekten von jeder Art, von riesigen Schmetterlingen bis zu Stechfliegen, die den Marsch auch nicht gerade erleichtern und recht schmerzhafte Wunden verursachen, bevor man noch an den Feind kommt. So kommen unsere Kolonnen schlecht vorwärts. Wir drangen schließlich bis zu den Vorposten durch, und ganz nahe dabei ist eine tiefe Lichtung, wo Oberst vor kurzem von einer deutschen Streitmacht in einen Hinterhalt gelockt, mit verborgenen Masclni l eng ew r hren empfangen und scluvsv gesckmdigt wurde. Wir hatten ein paar Dutzend Tote. Tie deutschen (Gräben sind iwch zu sehen, damischen Löcher, und wenn inan sich weiter öorwagt. stöfzt man aus deutliche Spuren des Kampfes. Zwei englische Offiziere verirrten sich kürzlich tui Unvald und blieben vrer Tage lang ohne Speise und Trank. Das kann einem leicht passieren und ist eine stete Gefahr, denn allein im Dickicht i» man so gut wie verloren. Der einefam glücklichenveise, halb verhungert und verdurstet, nach -der K . . . Station, der andere stich aus einen deutschen Vorposten und geriet in Gefangenschaft. Oberst . . Lager wurde vor wenigen Tagen von einer H c vde v o u Elefanten überraunt, die die ganzen Berschanzungen in Grund und Boden zertrampelten. An Elefanten ist hier' überhaupt eru grober Reichtum, und auch sonst siebt man au unseren Lnneu merbvürdiges Getier. So stieb ich auf ein Krokodil und dairn aus ein 6 ftufc grobes fckm'arzes Mamba. Die Deutschen haben ernen Panzerzrig und haben die Eisenbahnlinie, die wtedcr- hergcstellt worden tvar, gesprengt, rvvbei sie augenscheinlich eine grobe Menge Dynamit vcrtoendetcn, denn die Explosion jvar auf . KUometer hörbar. Des Rachmittags fanden die Eingeborenen eure Grimate rm Wasser in der Nabe des Kais, wahrscheinlich eine der letzten die der „Challenger" bei der Beschickung von Duala abgeseuert hat, gingen ihr mit einem Kammer zu Leibe und spreng- ten sich daber selbst tu die Luft. Stticke davon flogen fast bis an me Steile, wo ich stand, aber als ich die Granate untersuchen wollte, fand rch nicht ein Stvck, mir die unglücklichen Bnrsch-n, mausetot, gauz zerrissen von der Granate . . " ^l te u n b neue Spionengeschichte n. So viele «sptone. wre die Engländer in ihrem Lande zu haben glauben. S bt es wahrscheinlich in der ganzen Welt nicht: dennoch spielen tnvne ,m gegenwärtigen Kriege wohl eine bedeutende Rotte für mc meisten Kriegführenden, wie sie es in vielen früheren Kriegen ^ben Im Pariser Kriegsministerium bewahrt man rn den »Archiven, wie die „Vita" erzählt, ein merkwürdiges Spionen . -k m, i ^rne Urkunde, die der König im Jahre 1652 einem gewissen Franz Berthoud verlieh. Nach diesem Patente war der Inhaber bewhtrgt. sich in Paris, in Bordeaux und an anderen LlNen anfznbalten. um, nach besten Kräften verkleidet, im Dienste des Staates Geheimnisse auSzukundschaften. — Prinz Eugen, so er- dle 'tatten, che Zeitschrift weiter, sott eine Reche seiner gromen Erfolge der glänzenden Organisation seines Spionen- Wesens verdanken mtf Grund der Angaben, die er sich durch Spione i^erfivaftt batte, soll er 1701 Mantua genommen haben, und evenso soll ihm die Ueberrumvelung Cremonas im folgenden Jahre imr dank feiner Spione gelungen sein Es wird von ihm erzählt, SLSSr unter dem Vorwände, dringend ein« Verchtigers zu bedürfen, aus den feindlichen Städten Mönche an slM zu ziehen, und diese habe er aus seinem Lager nickt, wstder' ennajfen. ehe er mckt aus ihnen die Nachrichten ln-rauSgclockt hatte, Die er brauchte. - Im französischen Heere war im 18. Jahrhundert dav ^pkonenlvesen großzügig organisiert, ja es gab sogar den Grad eines „cm despwns", der jedoch nicht allzulange Bestand Mte. — Spione, bte man ertappt, werden heute wie in früherer Bett gewöhnlich kurzerhand hingerichtet. Eine humoristische spwneugcschickte. m der ein ertappter Svion nicht nur begnadigt, sondern sogar frergelassen wurde, sott sich im Jahre 1859 ereignet haben: das französische Heer unter Bourbaki erwartete die Oester- reicher. aber der Feind kam nicht. Die Vorposten nahmen einen spion gefangen, dieser wlirde vor Bourbaki gebracht, und es ent- mettwütbws HerbSr. „Du bist ein österreichischer « - / 'ß a ' ^rr General." „Du willst also den Oesterreichern "Ues berlchten. waS du un französischen Lager siehst^" Ja" „Hältst du demen Beruf für ehrenhaft?" „Ja." „Willst du als Spion ui unsere Dienste übertreten?" „Nein." „Gut. so bist du srer. aber mach dich auf bie Beine, laufe zu deinen Oesterreichern und sage ihnen: ,ich warte schon zwei Stunden auf sie, und die Geschichte wird mir allmählich langweilig!" Wie man einen Sitz plan bekommt. Nicht nur bei !!i* 5 ^"0^0'e Ctrabenbahmvagen häufig so überfüllt, daß da« schwache Geschlecht sieben mim, sondern das ist auch in Amerika der Fall, und da die Herren der Schöpfung dort nicht immer so galant sind, um einer Dame ihren Platz ak.zubieten, hat eine fmdige Amerckanerm ein probates Mittel angen>endet. Wie ans berichtet wird, bestieg dort eine junge Dame die ^ l€ etn on Augenzeugen und Be- ,„,a n»? «t?-' ? ^ Natsel der deut^Hen südichivenlnug vor Paris Staudpuntt ^In,Rückzugs sverden vom militärischen erörtert. Die Deutungen, die hier Oihmsl/i ^ 5 "^ 5 ordcntlich einleuchtend. Die nenq Offtnswe^brachte rasch Entschädigung: der Angriff der Bauern Ni!d slr btt in der Einnahme von St. Mihie. in, M Torts Vamps des Ralnains feinen £»öV ft .”, ' a s ’.' b , ^"rd Oll, „„vrrganall.beö Ruhmröblatt i,l der Gs- Ofeiben. .!„ verdanke,, ist dieser Erfa^ vor allem unseren schweren Geschähen der verschiedensten Kaliber deien Langkeit Professor Georg Wegener «162« Ä fron/ nsm'^ tznNorden zog .ichEmwod-ess-en die Schlackt- if ii, tlf 1 französischen Nmgchungsmanöver gegen unseren hlr il ,e ^ ni _ b ' e r ^ünoo. und näherte sich rasch der Nordse.. .vohepunktc der Darstellung sind hier die Berickle “ol ? lia ^ imb bic Einnahme von Lille. Nach ml..?, A'itiverp.n konnte der deutschen Abchlichung^ mauer der Sckilutzstein emgefngt sverden. Die Belagerung von das fesselndste und abgerundetste Stück, da-, diese Knegschr-outk bisher gebracht hak. Die Verfolgung der b. lg, ick-englischen VerteidigungSarmee fand mit der Einnahme von Ostende ihren .lbchlnh. Den boigegebenen Bildern und Sr fi r an ' m Wf,> Hefte mit besonderer Sorg satt «v, Eberhard Büchner, Kriegs d'vkn m ente 'D^- Weltkrieg 1914 in der Darstellung der zeitgenössische,l Press/ w r n C rH ^t-kV Vorgeschichte Der Krieg bis zur Vogesen- ' Umschlag uiid Elnbandzeichnnng von Professor 8 N Kunden 4 Mk. Verlag von l,t unmöglich, schon heute eine Weltkrieges W/chrerben. Das hat Eberhard Bnch- n % ,vo h} erkannt. Seme Absicht ist es deshalb, das unendliche reiche Material zu dieser Geschichte, das uns die Zeitung jedei,' Tag von neuem wieder an die Hand gibt, vorläufig zu sammeln und zu sichten. Unter seinen bewährten Händen haben sich die Hunderte von Zeitungsnachrichten und Beitnngsartikeln zsvar nicht zu einer Geschichte, aber doch zu einer Kulturgeschichte des gegenwärtigen Krieges zusammengeschlosseik. Er Iwt ein Doku- menteinverk geschaffen, das, aus der Stunde heraus geboren SJ !' nnnnttelbares Lebeil atniet, wie es der nachträglichen -«rstelttmg auch ans der genialsten Feder stets versagt bleiben mns ^ stellt, rm Gegensatz zum Historiker, der erst den richtigen Abstand tzu den Ereignissen seiner Zeit geivinnen muß, eben diese Zeit dar. \mt ste selbst sich gab, nnbekümincrt um Zuiammenhänge mit der geschichtlichen Vergangenheit und Hin- deutuugen auf die Zukunft. Jede Stunde dieser Zeft hat ihr eigenes L^ben, ihre eigene Sprache,- Büchner ist es qrlnnaen sie unverfälscht ft, Worte kommen zu lassen und aus Einzelheiten em starkes Ganzes zu bilden: ein achtes Bild unserer Tage. Ztädterätsel. Erkelenz — Eschwetter — Bnckaiach — Bingen — Holge,«urnr - Honnef - Mainz - Mühlhauken. L,e vors ehenden Stadtena,neu sollen derart geordnet .verden, dab der erste Buchstabe des ersten Namens, der zweite de» z,veiten, der dritte de2 dritten nfw. wiederum einen Etädtenamen ergeben. Auflösung in nächster Nummer. Auflösung der Skat-Aufgabe in voriger Nummer r Abküiznngen: tr-rrefi, p — Pique, o—Coeur, crir — Earreau, tr o ^^"fs-Bube, pA -- Pig„e°Ab. cD Coenr-Dame usw. Im Skat lagen p9 und p8. Vorhand hatte cB. trf» tr8 tr7 p7, cZ, cD, c9, c8, c7 und Hinterland den Rest. Spiefgang ' 1. V. ev M. cA*) H. c&rB = - 16 2. H. carZ V. cB M. c,\rA — - 33 3. V. cZ M.eL H. trZ — — 84 •) Zu schneiden iunve verkehrt, da Mittelhand doch darnach trachten mntz, ans Spiel zu kommen. Kchriftleitnng: Äug. Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Bnihl'schen Nniversitärs Bnch. und Steindrnckerei. R. Lange, Giehen-