Das Paradies der Erde. Roman von Ada von Gersdorff. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung > Irgend eine höfliche Schmeichelei herauszubringen, war mir ganz- unmöglich, eine seltsame Traurigkeit hatte mich efatzt. Ich hätte am tiebsten die schöne schiante Hand, mit er sie jetzt langsam über ihr Haar glitt, gestreichelt, während ich ernst sagte: „Gräfin verfügen über viel Schöneres und Anziehellberes, ats über derlei vergängliche Vorzüge, die so allgemein sind, wie — " /.Wie die Jugend," vollendete sie scherzend und fuhr heiter fort: „Manchmal hat es ja auch sein Angenehmes, alt zu sein... So manchen Zw-ang im gesellschaftlichen Verkehr braucht inan sich nicht mehr ansznerlegen, besonders bei Männern, die uns sympathisch sind, und mütterliche und tantenhafte Gefühle braucht man nicht zu verbergen, die Welt gestattet sie gern, und der Mann schätzt sie zuweilen höher, als lvenn er ans der Hut sein müßte, mißverstanden zu werden und Hoffnungen zu erregen. Vvr fünfzehn, zwcnrzig Jahren hätte ich mir wohl kaum die Freiheit nehmen dürfen, Sie, den ich erst zwei- oder drei mal gesehen habe, sans gene zu mir einzutaden, um rnit Ihnen allein die Wälder zu durchstreifen, wie wir morgen tnn werden." „Schade, daß es sich nicht umgekehrt verhält mit dem Altersunterschied," entfuhr es mir. „Ums Himmeln willen!" wehrte sie lacheird ab, „ich lveiß nicht, ob ich Sie so rasch liebgewonnen und ans zlvei Tage eingeladen hätte, wienn Sie Regijnentskommandeur und alter Hagestolz gelveseu wären. Rein, es ist sehr gilt so, wie es ist. Ich ziehe die zwanglose Unbefangenheit, dieses trauliche Tete-a tete mit Ihnen, liebes Kind." sagte sie mit graziöser Schelmerei, „Im weitem vor. So kann man sich doch gefahrlos näher kommen, sich über viele interessante Tinge unterhalten und anssprechen, die sonst alle auf den Index gesetzt wären, kann männlichen Aus- sassnngen und Ansichten die seinigen entgcgenhalten, lvie nun eben, wie es eine Mutter oder Tante dem gereiften Sohn oder Neffen gegenüber tun darf." Ich zwirbelte mein Bärtchen und neigte gehorsam zustimmend mein Haupt, während ich überlegte, ob ich, wenn Tante Lalli nur gegenübersäße, auch so von dem Sitna- tionszanber berauscht sein würde, obwohl in ihrem braunen Wellenscheitel kein einziges graues Haar ist und auch nie eines hineinkommen kann. Zarewitsch hob den vor- nehmen Kops und sah seine Herrin mit unzweifelhafter Frage an, denn der schöne Fuß, der in etwas gesteigertem Tempo sein seidiges Fell berührte, bereitete ihm augenblicklich kein solches Vergnügen wie mir das Zuschauen, has mir, ohne daß sie es ahnte, von meinenl niedrigen Sessel gns unter der schmalen Knpferplatte des .Tischchens ijiu sehr bequem gemacht war. Leider schien mir der Köter das nicht zu gönnen, oder er hoffte, daß meine Nerven ruhiger als die feiner .Herrin sein würden, um ihn nicht auch nervös zu machen. Er streckte sich vor mir nieder, und mm lagen die nervösen Füßchen still übereinander rmd kaum die glänzenden Lackspitzen sahen unter dem dunklen Kleider' säum hervor. Ohnehin hatte Gräsin Wietkrsberg die Unterhaltung ans meine Heimat, mein Elternhaus, das so lange schon geschlossen war, -gelenkt und damit ein ernstes Thema angeschlagen, das mich den Situationszauber vergessen ließ. Ich sprach, wie mir's ums .Herz war, nrrd das hatte ich bisher so recht noch nie gekonnt. Wo hätte sich auch die Ge legenheit dazu finden sollen? Früh verwaist. Erst Kadettenkorps, dann Offizierkorps: Kameradschaft — auch gute Freundschaft. Biel 'konnte man vom jungen Leben und Stre ben miteinander teilen, aber das Beste doch nicht, wenn man überhaupt ja so recht zum Bewußtsein darüber gekommen war, was denn -da so ganz tief unten int Herzen saß, und sich wohl gar noch solcher Gefühle schämte, die man nicht schneidig, nicht männlich fand. Freilich war es auch noch niemand darum zu tun gewesen, die Tiefen meines Herzens zu erforschen. Man war völlig zufrieden mit dem, was ich gab, was man sah. Nichts was über das Mittelmaß hinausging: Gentleman, schneidiger Soldat, guter Kamerad und was man sonst für di- Welt brauchte. Das Leben geliebt Und die Krone geküßt — Und den Franen das Herz gegeben... Wer weiß. wie mancher voll mls in der Verborgenheit seines Herzens scheu einen kostbaren Schatz verschloß, ber nur von einein tiefer blickenden Menschen gehoben sein wollte — und den er selbst nie fand. Tenn das Zauberwort zu finden, das bis aus den Grund unsrer Seele dringt, das schlummernde llnbekannte in uns, wertvoll oder nich:, wachzurufen, das versteht und vermag nur eine Frau, eine Mutter odetz eine mütterliche Freundin, die uns lieb hat. Ja. lieb^haben muß sie uns, sonst läßt man sie nicht in den dunklen Schacht lmsrer Empfindungen, die uns selbst eine tsrra incognita sind, hinabsteigen. (Nun aber halt den Gaul, lieber Harry, sonst geht er durch und legt dich ins Wasser oder in die Resseln .) Ich habe kaum je solch einen interessanten Abend verlebt, obwohl die Gräsin gar nicht jo viel sprach, sondern mir meist das Wort ließ und dann darauf antwortete nutz mir manches deutete, womit ich bisher uichts anzufangen wußte. ES war fast Mitternacht, als ich, ganz erschrocken, sie so lange von der Ruhe abgehatten zu haben, aufsprang, um mich zurückzuziehen. Ich führte ihre Hand an meine Lippen und sagte, während mich leise wieder der Situationszauber umsing: „Gute Rächt, teure Gräsin, und Dank, innigen Dank für diesen so wunderbaren Abend." Dabei lächelte sie wehmütig, lvie sie sonst nie tut, Ulld iapU' leise: „Auch ich habe zu denken . . Und ihre »veißen Zahne leuchteten einen Moment zwischen ihren feinen, blassen Lippen, diesen noch unberührten und von fremden Mcinncr- lippen sicher noch nngeküßten Lippen. Und cS wallte etwa- ül mir aus wie glühende- Mitleid, das; diese so edle, gütige Frau da- Schönste im Leben nie gekannt bat, nie kennen wird: sich Heiner Liebe zu ergeben und die Erinnerung daran unauslöschlich in ihrem Busen zu verwahren. Ich sah in ihre Augen und ans diesen unberührten Mund, wäyrend ich ihre .Hand an meine Lippen zag, und da ging eS auf einmal so heiß erschrocken durch ihre Augen, sie trat zurück, und wie eine zarte rosige W^He lies eS rasch über ihr herbe- kluge- Besicht. Wunderbares Rätsel des Frauenherzen-! Sic kennt zu gut den enormen Altersunterschied, der keine andern als mütterliche und freundschaftliche Gefühle auskommen lassen kann, sie spricht zu mir wie eine mütterliche Freundin, über vieles, was zwischen den junget« Leuten beider (Geschlechter Ute berührt tvird, sich aber unbefangen über die Lippen einer edlen Frau wagen darf, die jenseits der (Grenze jugendlicher Heißblütigkeit floht und dennoch dies erschreckte Zurück weichen vor dem bloßen. vielleicht einen Moment in meinen Atigen sich verratenden Gedanken, nicht nur ihre Hand, son dern in der Aufwallung kindlicher Herzlichkeit auch jhreLip Pen -u küssen, tvie einer Mutter oder Schtvester, »vie ich Tante ^.alli küsse. N,ed doch hätte ich es nie geivagt, obivohl mir ihr schelmisches. „teilte Nacht liebes Kind!" die Berechtigung dazu hätte geben können. Ja der Kuh ist ein -wcischneidi geS Xiitt); eine nnempsindliche Berührung, eine gcdanken lose Zeremonie oder eine rasende Gefährlichkeit, eine wilde Seligkeit, die alle Nerven zusammenschünelt und Tod und (^bre ans den, Wege schleudert und ewig nnvergeszlicheS Glück bedeutet. . Notabene! so stelle ich mir die Sache in der Lheorie vor, in der Praxis habe ich solch einen Kuh wedev gegeben noch empfangen, aber ich glaube, ich fürchte säst, ich wäre fähig so zu küssen, ja. ich wünsche es mir. ich sehne mich wahnsinnig danach, wenigsten- war dies in der Nacht der Fall, als ich in Regenwalde am offenen Fenster meine« :lnttn,er- stand, vom «chlase geflohen, tveil meine Gedanken »vell zu viel Neues und Ungeahntes ausgenommen hatte Es war so totenstill im Hanse. Die Nacht lag drauhen über Mn massigen Kronen der alten Eichen, deren leise- Schwan ken sie von den Wolken am Himmel abhob. durch die der Mond seine tcharsglänzende Sichel schob. Es Halle aufgehörl Zl- regnen, die Luft war frischer wie am Abend, von Osten wehte es leicht herüber. Morgen würde ein schöner Tag ,ver den, dachte ich - Es wurde auch wirklich schön. Der Morgen war von iiXl iJIk**' fin . fm prachtvollen herbst »Jh»' k!, b fc u " b Waldaeruch, der mir angenehm entgegen »vchti. Ich haue trotz oder vielleicht wegen der großen Stille \V f ‘ n fl * cn Verrenhause. die Gedanken und Gefühle un mmen lieh, nicht so gut geschlafen, wie zu Hanse, a ^ möglichen Geräusche von der Straße, von Mono ImMi* ewig knarrendem Schild, vom Hof, von dem Fa Milien eben me,ne- kindergcsegnelen Hauswirte-, aus dem G danken" ^"den. gewöhnlich in meine ^'oanren und Träume unberufen hinemspukten. wie Kupfer stieg die Morgensonne langsam über deii blahblanen vunmel, in dem noch die Mondsichel lag äl i| klarem Wasser. und ein merkwürdig Heller' goldener Stern stand einsam dicht darüber. Da horte ich schoi! Ij 110 . 11 11,1 •’Oflufe flcbai, hörte Ruse, fernes Eisenklirren k 1 ^ 'i fj 11 pon dem Wirtschast-Hose her' und da trat auch schon Gräfin Wanda im schwarzen Reitdreß fAiLrif "nd gertenschlank an-sehend, eine MO?.^samtene Jockei Mütze auf der schweren Masse ihrer F echten, deren Silbenäden ich selbst auf diese Ent ernnna hm leider sehr gut sehen konnte. ^"«ng ... ,2 ir ^} f ^ e mtc " c über den Arm geworfen ohne gante Knoch^ ein/"/'"" für schöne Fühe nnd eie " 1 , f f f ° furir ' "der ausgiebige Augenweide bot. flnem fröhlichen: ..Guten Morgen. Herr von Rehn ^ öum Kaffee rn der Hatte! Wir wollen gleich los " ^/ Mlch e,n. hernnterKukomme,,. Ich sprang leidrtfüßia 'vie ein Junge die schöne uralte Eichenlwlztreppe hinunter* !"" w'r das köstlich.- ...,d u-iMito Stücf tvc 1% schtneckcn zu lasten Alle-, ivas eine reiclx Landwirtidiah 0l t Echniackhaftem zu einem solennen ersten Früh- mck aufwe.ten konnte, war auf dem groß" Ti ch jn >^le anfgetragen Gräfin Herta tratet 5 S *n.lS fumt großen SchaV gewickelt, fröstelnd nnd un- bttrd>i aufsah, lag wieder wie gestern abend em rosiger Schein aus ihrem Antlitz. Wir ritten vergnügt in den frischen Morgen hinein. Die Raturbnder mit der Feder zu fixieren, Felder und Wälder, Forstbestand und Wildkultnr, selbst die prachtvollen Zwei« jähngen nnd die bildschönen Remonten, hatte für das Tage- bud) eigentttch keinen Zweck. Der Himmel mit den ziehenden Wildgansen nnd dem eleganten Riesendreieck der tfmmdje unb Fischreiher erschien tvie ein belebter Verkehrsweg und gern wäre man mitgezogen da oben in der glänzend blauen ^.llft an was? Auf der Erde loar's auds schön und min g«"ds ivoht schöner als aus dem Rücken Apollos, der zum Gluck nicht fliegen konnte. Die verheißungsvollsten Austal- teu machte er übrigens schon dazu. Ihn stachelte M der d>ö„e Hafer von .Reaentvalde und die sonnige kalte Hcrbstlust, vielleicht auch die Gesellschaft von Goldfnd-s mit den ruhigen, vollendet schönen Gängen; und ich muhte thil ein paarmal' scharf zurcchtweisen, bis Gräfin Wanda iiiil ihrem feinen Lächln riet, ich sollte ihn sich mal ans dem schweren Sandiveg, in den tvir bogen, austoben lassen. „Er weiß scheint es, nicht, wo er mit der überschüssigen Kiast hin soll, es prickelt ihm in allen Adern und er will seinen isturnilauf haben, sonst wird er nervös. — Kommen Are: Los! Galopps sagte sie nnd strich freundlich mit der Hand über seine Nüstern, die gerade in ihrem Handbcreich ».ich dein .valfo ihres Goldfuchses schnüffelten Ich setzte ihn, ctiutTc. imevioartet bic Spore« in die Staufen «ub «ach ciniflem Stellen n„b Hauen ,1 ob er in >vah„sinniqe,n Tempo ben breiten -andtveg hinauf. Ter Goldfuchs, obwohl ohne lebe Unruhe, tadellos erzogen, blieb mir har! an ben Gur» te» Xte beiden Tiere gaben einander an Wert uiciNs »ach, mir das, Apollo ein paar Jahre weniger initerm Sattel war nnd heftiger im Temperainent. — ?,n her Försterei machten wir Mittag — asten «ebl,ill,- ner imbftramtüpögcl, so tadellos -»bereitet, mie das mir in *“"v r ^’ ,fn Waldioirtschisi zu finden ist, wo man das lieb" Edelwild in feiner Weise verdirbt und oerschandelt Dn,u einen exquisiten Ranenthaler! Ter praclchiolle Ritt, das schone, Interessante, Rene, iva-> j,tiv der -lnsenthalt bin- Ijer i«, Regeinoalbe geboten twttr, machte mich ganz iiber- niiiiig ni, kam ,nir selbst ganz sreind vor, dad Leben in tiwielitich nnd Umgegend erschien mir ;>aradlesisch, ,,„d »bei die fseinen »iivvllfommeiiheiken sehte ich mich lwnte hiniveg. . r ’ ' i. l '"b>i fuhren mir in den Wald, der Förster mit — >ie wrasiii lenkte dao hellbraune erstklassige In-fergestw,,» m rohfedernen Riemenzeng über Brust nnd Schultern Ich last neben ihr An, halsbrecherische,, Wegen ging es in abends q r m ’ r &1U '^ Me ^rübni. da st die Bieidetopse hoch über uns standen, wen» sie drüben lan- tfn,c schwache, ein Zurnlkhalte» ein Tesckt am ^deizeug und wir Hütten unter Pferd und Wagen i», 7,!? " fl S«j ejße . n ' ,uflr berauschend schön! Ab „ndzu ein der Peitsche. lautloses Schauen, Rehioild in Gruppen, Fuchs miD Iltis über den Weg nnd der chvöls- ender, den ,ch morgen früh treffen sollte, «rat in stolzer Ruhe ans hie Lichtung . Herz und Nerve» schauerten Lebenslust und in vorahnender Weidmannsfreude rann zurück ins ForsthanS nub wieder aus die Pjerde Apotto hatte ausgelobt Ruhig ,a„e„ö ,,„d nickend, schritt geivöhitt' h Me ^ben dem edlen Geführ ten, an den er sich lFortsetzung folgt.) ver englische Hut. Skizze aus unseren Tagen von Walter Kaulfuß. tfinie 8eit öor AuSbruch des Krieges hatte Ich mir einen neuen Hut gekauft. Einen schwarzen, ftetten Hut mit hellblauem Mltter und Goldduchstaben darin. Tie Goldbuchstaben stammten von der Hutfabrik und zeigten neben der Firma auch die Form und die Echtheit des Hutes an. ..Echt enatischeS Fabrikat." hotte mir der Verkäufer gesagt, als ich mir in einem großen Hut laden die neue Kopfbedeckung kaufen wollte. „Sooo?" „Ja. fetzen Sie hier" — und damit nahm mir der Kauf- mann d.en .Hut, den ich schon liebevoll von allen Seiten de- setzen hatte, wieder aus der Hand, wandte itzn um und zeigte wir seinem Zeigefinger auf das hellblaue Futter — „sehen Sre, hier ,teht e$: Smith and Son. Made ,n Great-Britain. Noviry." ijfyiti." Weiter sagte ich nichts. den Hut imeder und setzte ihn aus. Alö ich in den Spiegäl sah, mußte ich ga- stellen, daß, er mir recht gut stand. „Also wirklich letzte englische Neuheit?" ..Jawohl, mein Herr." Ter echte englische Hut lvar mein Eigentum getvorden. »»« besaß ich zwei derartige Kopfbedeckungen. Ter eine war für Die Wochentage, der andere — der englische — für <5onn- und Feiertage bestimmt. Ter Krieg brauste über das Land und fegte mit sich weg Ä1A_ lvaS nicht gut deutsch war. Schilder wurden geändert, Gescv aftsempfehl ungen neu gednutt. Auf den Speisekarten fo> Ueißigte man sich der Anlvendnng von deutschen Bezeichnungen'. Kurzum — wir haben es ja auch alle miterlebt — cs begann, cme Remmung der deutschen Sprache. Ein jeder Mensch übte in tne,er Beziehung Selbstzucht. ViS hierher hatte ich an meinem neuen Hut immer Freude gclmbt. Sorgfältig lag er ,nährend der ganzen Woche fein säuberlich tn ei ner Schachtel tm schrank und wurde am fiebenteic m der Woche l>ervorgeholt, damit er meinen Kopf ordenb- . Bon nun an lvar nur die „letzte englische Neiv- heit verleidet worden. Und da ich ein Mann von Grundsätze llül'? nur, den Hut nicht wieder aufzuseven. WaS aber sollte rch mit dem Ting inack-en? vellchenken? Dann i!!K lmeder jum Zeichen lvidcr alles, lvao deutsch lvar. Und das wollte ich doch gerade verureldcn. Sollte ich den Hut IZJ 5d,ranf verstubaen lassen? Tas wäre wohl möglich gewesen. 1111 X er ' * wmt *ch aus dem Spinde etwas herausholen mußte, lvmbe tch an Den englischen Hut erinnert tocrdeu. llnd daS würde dock) ärgerlich fein, zumal cr gutes deuisä>es Grld ge- hatte daS nun unwiederbringlich nach England gckonniieli lvar Mreb also nur noch das eine übrig: den Hut vernichten, so, daß er nimmer niehr zum Vorschein kam. Sonntag morgen umrdc er denn zunr letzte,i Male hcrvorgeholt. Mit meinem Rasiermesser — daS Gott sec WnM war - schnitt ich bcii «fit cnglischen !F* und klem und brachte die emzeliicn Stücke zu memev »frau in die Küche, Damit sie Die Ueberreste sang- und klanglos rm Herde verbrenne. Der englische Hut halte bestanden. Ich beschloß, um die Ausgabe zu verschmerzen, einige Zeit den Alltagshut auch Lonntags zu tragen, so lauge, bis der Schaden, den ich nur selbst zuzuschreiben hatte, wieder ausgeglichen sein würde. Aber eS kam anders. Meine Frau erklärte mir, ich könnte Inn dem alten Hut des Sonntags nicht über die Straße gehen und niumc mir unbedingt einen neuen kaufen. „Uedrigens" so setzte sw hinzu, „in diesen Zeiten des geschäftlichen Niederganges muß man unsere deutschen Kanflcute und Fabrikanten Unterstützen." Eine Stunde später stand ich üit Laden des Huthändlcrs. in dem ich mir nirzlich den Englisckfen gekauft hatte. Eigentlich lvollte ich dre,cs Geschäft nicht mehr betteten. Aber, sagte ich mir, gehe dorthin, und lvenn dir der Mann loicder ausländisches Fabrikat vorlegt, so mache ihn auf sein Deutschtum aufmerksam. So erfüllst bn eine gute vaterländische Pflicht. „Ich möchte einen neuen Hut kaufen " „Bitte sehr mein .Herr. Hier ist eine Auslvahl guter Ware. .Ans deutschen Fabriken hervorgegangen." Aha, dachte ich bei mir. Hat mich schon gelernt, deutsch zu fein. Ich sah mir die Hüte an. Sie lvarcn sehr schön, l-atten eine gute Form. Nur eins gefiel mir nicht, sie hatten alle ttm Futter. Wie em Blitz schoß es mir durch den Kops: deck «ausmann hat das Futter hcrauSgetrennt. um seine englische Ware loszuwerdeu. Warte, Fr-cundchcn, das werde ich heraus- krtegen. Tafür wirst du bützeu müssen. ^... "baben Sle^keine Hüte mit Futter Ich wünsche einen Hut Mit hellblauem ^eidenfutter." Ter Kaufmann wurde verlegen. „Bedaure wirklich, mein Herr," jagte er nach einer kleinen Krause, „aber die gefütterten Hüte sind zurzeit ansgegangen Tie neue Sendung tnnt m den nächsten Tagen ein." Nun schwol mir btr JjomiiL Aus solche Art wollte der Kau,'. « bo £J ?u , bliflm ! * 4uft, P- Da kam er bei mir an die falsche N"sse Jch sagte ihm mit aller DcuIItchleil. das, tch mir eine r«>chchunä >'crbü,e und er solle sehen, datz er seine an», tondlto^ Ware bn den Hottentotten loö werde, aber nicht bei den Teuttchen Der Kaufmann hatte verstanden. Als ich schon die Türkttme in der Hand hatte, rief er n»ich zurück, entschuldigte sich — ich wußte m Augenblick nicht, ivoftlr. — und gab nur «ine Erklärung ab. Em über daS andere Mal mußte er sich überbneinen Scharfblick wundern, was mir natürlich gelvaltig Freude machte . Herr, wenn Sie diesen Hut kaufen, so haben Sie deutsches Fabrikat erworben und ihr Geld deutschen Fabrikanten und deutschen Arbeitern zusließen lajsen." , doch aber nicht möglich. Denn daS sind doch die meichen Hüte, die Sie mir vor einigen Wochen als englisches Fabrikat vorlegten. Sie haben eben nur daS Futter heraus gettcnnl. damit man den Ursprung nicht erfahren kann." „Wieder haben Sie recht, bis zu einem gewissen Punkt." „Und der loäre?" Mutter ist herauöaetrennt worden, aber erst, nacksdem V? 11 de"l Fabrikanten erfahren habe, da!; er jahrelang eine Täuschimg begangen tzabe." „DaS ist ja geradezu empörend." ^ , au ^ ^der. bedenken Sie, mein Herr, das Publikum hat eü so gewollt." ÄA machte eine ablvehrende Betvegung. „Doch, eS ist so. Denken Sie an die Zeiten zurück. Wollte derttfche Hüte kaufen? CS mußte englische Form, eS mußte eiiglische Mode sein. Und wir haben in Deutschland sehr viele Hatfabriken mit Tausenden von Arbeitern. Sie alle wollten leben. Und da sie ihre Waren absetzen mußten, so begingen sie eben die verlangte Täuschung." cL* 0 * ± rfin £? Privatissimum, das mir der Kaufmann biklt. Ich errötete wohl und wollte inich entfernen. r' l ,ll, l n a i ri .'i ID ^f f ,i n f e Täuschung nicht mehr Vorkommen. Das kaufende Publikum selbst wird daran Mitarbeiten." Lchnell kaufte ich mir einen neuen Hut. Deutsches Fabrikat. . VrVL ux.f tr ? 6e I ,cI . L nir bin. daß ich den „englischen Hut" eigentlich hätte nn Lpinde verstauben lassen können bis zum heutigen Tag. War das Futter heraus, war er deutsch. Ich schluckte diese ErkenmniS herunter. Aber die „Ohrfeigt, die ich soeben erhalten hatte, brauute heiß auf meiner Wange._ wie man Weihbrot frisch erhält. m Laöidurch einen Beschluß des BundeSrats erlassene Verbot der Nachtbackercl bereitet den Freunden der Brötchen und Semmeln ! oIIfn s'l'-um Morgenkaffee und zum Frühstück ihr frisches, knusperiges Weißbrot nehmen? Nim, auch für dieienigen. die zur .Krie^szeit ihre Brötck)en nicht missen mögen oder tic anS Gesundheitsrücksichten nicht entbehren können, ist gesorgt. ? Katz hat eingehende Untersuchungen über d,e Ursache des Altbackemoerdeiis dcS Weißbrotes angestellt, S't um gleich vorwegzunehmen, besonder« Mrotschränke für kleinere und größere Betriebe bmien ließ, die jid) als äußerst brmlchbar bewährt l-abeu. Das Innere des Bröt- chenS die sogenannte Krmne, vermaa heute jeder Bäcker so zii, backen, daf, ftc ftch ohne Anwendung besonderer Kunstgriffe Mölf bis fttnszehu Stunden frisch erhält. Etwas anderes ist es aber mit der Rinde, die ihre Knusperigkeit sckpiell verliert. Gerade diese Kiiusperiw- - a ^!L r Wtpot Weißbrot feinen besonderen Reiz und Geschmack. DaS Weichwerdeii der Rinde »vird, wie Katz seststellte, durch den Unterschied der Wasserdampfspannung von Krume Mid Kruste bedumt. Während die Krume fast die gleiche Dampfspannung w.e remes Wasser, nämlich 97 bi* 100 v H. besitzt, hat die Kruste durch das starke ?toSttocknen im Backofen eine sehr niedrige Damp^ spannung von höchstens 1ü v H. erhalten Beim Aufbttvahren der Brötchen beginnt daber bald Wasser von der Krume zur Kruste zu drmgen. und diese Wasserausnahme der Rinde, die natttrlich durch die Aufbewahrung des Gebäcks in feuä>ter Luft noch beschleunigt so,rd, hält so lange an, b,s in der Dampfspannung zuckschen Krume sind Kruste Gleichgewicht besteht. Das Weichloerden der Rinde ist also ein OueUunasvorgang, bei dem sich Wasser zwischen den kleinsten Teilchen der Kruste lagert. Um diese Verändenmg zahlenmäßig zu untersuchen, hat Katz die Kruste eines frischen Brötchens zu kleinen Schuppen geschabt und diese über Schwefelsäure-Wasser- Gemisches von bekannter Wasserdampfspannung stehen lassen, so datz er den jesveils verschiedenen Wassergehalt genau feststellen konnte. Labe, zeigte sich, daß die Rinde solange knusperig bleibt, pls sie nicht mehr denn 18 v. H. Wasser enthält. Sobald sie mehr Wasser anmimmt. wird sie weich. Dieser Wassergehalt von 16 v. H. entspricht aber einer Wasserdampfspannung von 85 v. H. der Maxi malspannung. Oder mit anderen Worten: in einem Räume mit aetrockrieter Luft, bei der die Feuchtigkeit nur 85 v. H. oder weniger beträgt, bleibt die Rinde ständig knnsperia; freilief; darf die Aus nicht zu weit geben, damit nickst etwa die Krume a\\ Wasser verliert und so daS tzmiere des Gebäcks trocken lvird. Man darf sich also von einem Feuchtigkeitsgehalt von 85 v. H. nicht weil nach unten entfernen Im allgemeinen kann mm, sagen, daß bei Feuchtigkeiten von 75 bis 80 v. H Spannuiig die Rinde der Bröl chen mtb Senuneln nach 11 otunbcu noch fcoUtomateit irisch und knusperig ist. Man kann also -am Llbend gebackenes LLeißdrot in entsprechenden. kräftig ventilierten Trockenvorrichtnngen unabhängig vom Ferrchtigkeitsgehalt der Luft und der Witterung mrt knusperiger Rinde bis zum Verkauf am nächsten Morgen aufbewahren, wenn der Bäcker nur dafür ^orge trägt, daß die Krume derartig aus^ gebacken ist. daß sie dieselbe Zeit hindurch frisch blecht, £te Unter- suchnnqen von Katz haben aber nicht ^nur ihre Bckentung für die jetzige Kriegs zeit. Auf die sozialen Schäden der Nachtarvert ,m Bäckereibetrieb ist schon viellach hingewiesen worden.. Da letzt dre Möglichkeit besteht, am Abend gebackenes Weißbrot brs zum nächsten Morgen frisch zu erlnüten. kann die Nachtbäckerei vn'tlercht auch nach dem Kriege eine nicht unwesentliche Einschränkung erfahren. _ vermischtes. • Ein Frankt ireur-A ns cbtag vor 222 Jahren. DaS Franktireurwesen, unter dein unsere Truppen bekanntlich vor- wiegend am belgischen Kriegsschauplätzen zu leiben hatten, ist keineswegs erst neueren Datums, oder gar. wie vielfach angenommen wird, eine „Errungenschaft* des Feldzuges 1870/71. Im Buche der Geschichte fehlt es feit Jahrhunderten nicht an Beispielen hurteriistiger Ueberiälle von Nichtsoldaten cuif feindliche Truvoen- verbande. Und e4 ist heute für nnS von besonderen, Interesse, daran zu erinnern, daß diese verabfcheunugSwucdige Art der Kriegs- fnhrung besonders bei der Bevölkerung der Gebiete um Lüttich und Namnr anscheinend als gehelttgtellebertteferuna gilt. Wurde doch gerade in Namnr vor genau 222 Jahren ein wenig bekannter, aber überaus bezeichnender Franklireur-Anschlag auigedeckt. Tie französische»» Memoirenschreiber Bhllivve von Dangea»» und Louis von Soiiil-Sitnoit, von denen letzterer als Offizier in der Armee Ludwigs XIV. Augenzeuge des intereffauleii Vorfalles wurde, erwähnen in ihren Sch ldernugen übereinst»m»»»end diese geschichtliche Tatsache. ES »var iin Sommer des Jahres 1692, als L»»d,vig XIV., der sich durch den Aacknmer Friede»» von 1668 die Niederlande z»»m erbittertsten Feinde gemacht batte, an der Spitze seiner Arinee das ftmf be estigte Namnr nach kaurn einmonatlicher Belagerui»g ein- nahm. Trotzdem König Ludwig sich als äußerst humaner Eroberer erwies, zeigte es sich doch, daß gegenüber der Bevölkerung NamnrS scharfes Mißtrauen a,n Platze war. Zur Vorsicht liest »nan, ehe der König in die Stadt enizog, eine peinlich ge»»a»»e Durchsuchung der Feste nach Kriegsmaterial und Waffen vornehmen. die zu einen» überraschenden Ergebnis führte. In den» Kellergewölbe ei»»es Klosters, daS erst auf wiederholte energische Aufforderung seine Pforten öffnete, fand »nan eine grobe Menge Pulver u»»d nicht weui er als 1250 Bomben. Es »var offenbar, dast es stch hier un» ein vorbereitetes Franktireur-Komplott handelte, dessen Gelingen für die siegreichen Truppen u»»d König Ludwig selbst »m> berechenbare Folgen hätte haben können. Ob»uohl die A»»sdeckung des helmtückifchen Anschlages die strengsten Strastnaßregeln berauS- forderte, ließ es der König dabei bewendcn, das geinndene Bomben- material zu beschlagnah»nen und den Abt des Klosters seiner Stellung zu entheben. * 2 6 7 16 Pfund K u n st l Eine höchst merkwürdige und annisante ttunstfchätzung hat sich in» Jahre 1738 der Doktor Johann Ehr»stian Kund»nann, Arzt z»» Breslau und Mitglied der katser- liehen Reichsakademie der Naturkunde, geleistet. Selbiger Kund- mann hat ln gedachten» Jahre ein Buch über berühmte Schlesier in Münzen erscheine,! laffen, »vorm er anhangioeife eine Beschreibung der vom Bresta»»er Karb»»,albischos Landgraf Friedrich von Hesse»» >l Ehre», der heiligen Elisabeth in» dortigen Don»e genisteten Kapelle teserte. Diese Kapelle »var tu den Jahren 16 ü bis 1700 ,l>er- gestellt und »»»it Btldha,»erarbeiten geschmückt »vorden, die sämtlich in Ron» a»»S karrariscben» Marmor gefertigt imtrben. Diese Statue»» erregten die höchste Beivunderung des Breslauer Natnr- und Ku»»stk»nldigen, »md tim von dem Kunstwerte der Bildwerke auch den» Leser einen »vürdlgen Begriff zn vermittelrr, teilte er ihm in seiner Beschrekbung d»e folgenden Tatsache»» mit: »Tiese Statuen haben allein weit über 20 000 Rthl. gekostet, und daurit »nan ihre Größe und Korpulenz jud»zieren könne, setze des,vege»t jeder Statue Gewicht anher, und z»r»ar nach romanischen Genricht »vieget: Tie Heilige Elisabeth 3 600 Mund: Die zwei Engel an den blauen, marmornen Säulen 4!b6 Pfund: Tie drei Engel aus dem Altäre 1700 Pfund: Ter Kardinal 380b Pfund : Die Wahrheit 39 .6 Pfund: Tie E,vigkeit 4259 Pfund: Tie zivei Löwen über der Medaille 1500 Pfund: Die zrvei Knaben ans beiden Selten 1548 Piund.* 2l»»ßer diese»» ^ge,vicht»gen" Kunstwerke»» u»»»ß aber die Elisabeth- Kapelle noch »ve»tere 1994 Pfu»»d Ku»»st besesse»» haben, denn Dr. K»u»d,»»anu rechnet für sie in» ganzen eine Summe vo»» 26 718Pf»md heraus. Er war offenbar der Ansicht, »nan soll die K»n»stwerke »vage»», will »nan ihren Wert erkennew * Josfres spanischer Ursprung. Ein französischer Journalist, der sich iir Rivesaltes in Französisch Katalonien befindet. bat eilte jüngere Schwester des Generalissimus Jossre ailfgesucht. die ih»n einige bemerkensiverte Angaben über ihre Familie inacht. „Unsere Familie ist," erklärte sie, „wenn wir den Dokumenten Glauben schenken. spanisch. llnfer Urgroßvater wurde ans politischen Gründe»» a»»s seiner Heimat vertrieben und ist über die Pvrenäen nach Frankreich gekvimneu, um sich im Rivesaltes niederzulassen. Er hieß Gouftre, aber er gab seinem Namen die französische Form Jossre. Als er starb, übernahm mein Großvater die Leitung der Geschäfte: er verheiratete sich »md hatte mehrere Töchter und im Alter von 43 Jahren noch einen Sohn. Dieser Sohn lernte das Böttcherhandwerk und übte es lange Zeit aus. Er hatte elf Kinder, von denen nur drei Heute noch leben: der General, ein Finanzbeamter und ich." JossreS Schwester erzählte ltocl) manches von der Laufbahn des jetzigen Generalissimus und fügt hinzu, daß dieser in jeidem Jahr einige Wochen bei seinen» alte»» Vater zu »veilen pflegt. In seinem 5)ei»natsland spricht er katatonisch, spielt Karten mtb beschäftigt sich auch mit den Grabungsarbeiteu auf den väterlichen Gütern, die zur Ableitung der Wasser dienen. * Der dickste Mann der Welt. Ten Rnhm, der dickste Mamt der Welt zu sein, kann kühnlich Mr. L. Lee ans TalkaS in Texas für ftch in Anspruch nehmen. Daß seine Wohlbeleibtheit nicht zu übertreten ist, ist ihm allgonrein in den Vereinigten Staaten bestätigt worden, wenn er sich dem neugierigen Publikum in seiner ganzen Massigkeit -zur Schau stellte. Sein Leibesumfang hat ihm auch reichen klingenden Erfolg eingetragen. deirn die Be- wohner der Bereinigten Staaten »vogeir die einfache Darstellung seiner ungeheuren Persön-lichkeit -reich mit Oold cnif, und heute besitzt er ein hübschas Landgut bei Dallas, auf dem er sich in Behagen und Rübe sein Bäuchlein »mistet, wenn er sich nicht gerade mit eben diesem Riesenenbonpomt ans Gastreisen durch die Barietss und Schaukabinette Amerikas befindet. Erstaunlich und gewaltig ist wirklich die Körperfülle dieses Mannes, mtb wenn er auf der Straße erscheint, so folgt ihm stets eine große Menge. Der 34- jährige Marrn wiegt 6 2 8 Pfund, und seine „Taille" inißt nicht weniger als 84 Zoll. Dabei erfreut er sich einer vorzüglichen Gesundheit und behauptet, in seinem Leben noch nicht einen Tag krank gewesen z»r sein. * Homevule tut Sing-Sing-Gefängnis. Der neue Direktor des großen amerikanischen Staatsgefängnisses von Srrrg-Sing, Thomas Mott Osborne, hat „ein neues System der Gefängnisdemotratie und -Justiz" eingesührt. das in kriminalistischen Kreisen Aufsehen erregen tvird. Er gewährt nämlich den Verbrechern vollständige Selbstverwaltung und behauptet, damit die besten Erfolge zn erzielen. In Sing-Siug hatte sich eine Bereinigung der Gefangenen gebildet, die sich „die Brüderschaft des goldenen G^etzes" nannte und aus solche»» Verbrechern besteht, die den Glauben an sich selbst und an ihre Zukunft noch nickt ausgegebeu habe»». Aus den Reihen dieser Brüderschaft bildete S'Sborne ein „Kabinett", das die Regierung über das große Gefängnis unter Mithilfe und Aufsicht des Direktors und seiner Untergebenen führt. Auch die Gerichtsbarkeit über ihre .Genossen steht diesen Sträflingen zu. und z»var entscheidet der sog. „Känguruh-Gerichtshof" über schlverere Verbrechen, »vie Aufruhr. Fluchtversuch, Widerstand, Schrnuggel nslv., während der „Gerichtshof der besonderen Sitzungen" leichtere Vergehen aburteilt. Die rechtspreckenden Verbrecher geben sich nicht viel mit Gefetzesparagravhen ab, sondern sie fällen ihr Urteil »rack dem gesunden MeuschenDerstand »md nach einer tiefgehenden Kenntnis ihrer Kameraden. Der Direktor bildet die Berufungsinstanz. Er hält auch öfters Sitzungen mit seinem ..Ministe rkabinett" ab, »un auf diese Weise alle berechtigten Wünsche der Gefangenen zu erjahren und die Vorschläge der „Regierung" entgeaenzunehmen. Verschiedene Veränderungen haben bereits in der Verwaltung von Sing Siirg stattgefunden. So ist z. B. die Erlaubnis des Briefschreibens für die Gefangenen bedeutend erweitert worden: der Sonntag, der bisher immer der eintönigste und langweiligste Tag in Sing Sing »var, wird durch Kinovor ftihrnngen erfreulicher gestaltet »»stv. Auch die Rechtsprechung der Sträflinge hat sich nacj» dem Bericht Osbornes durchaus bewährt Es wird dadurch eine bessere allgemeine Disziplin erreicht: die Gefangenen bewahren unter der Anfsicht ihrer Genossen bessere. Ordnung und zeigen größeren Eifer, so daß viel mehr Arbeit geleistet »oird. Die Absicht des Direktors geht dahin, „jedem Gefangenen Gelegercheit zur Besserung zu geben." Vertrauen erzeugt nach seiner Meinung Vertrauen, und die Zuversicht der Verbrecher in ihre eigenen sittlichen Kräfte wird durch die Zuversicht des Direktors gestärkt. „Wenn ich nur ein Prozent von ihnen vor künftigem Verbrechen danrit belvahren kann, sagte Osborne, „so biu ich zufrieden. Aber ich bin fest davon überzeugt, daß es beträchtlich mehr fein werden." Logögllph. Leuchtend dr»rchbrech' ich dar nächtliche Dunkel mit an der Spitze; Trag' ich im Haupte ein l ,^\ folg' ich dir ireitltcC) als Hund. Auflösung in nächster Nuiruuer. Auslösung deS Zrtatenrätsels in voriger Nuinmer: Oh»»e Fe»»er nur roh, ohne Leide»» nicht sroh. Schriftleitung: Aug. Goetz. - NotationSdr»»ck und Verlag der Brühl'sche»» Unirersitäts-B»»ch- und Steindrnckerer. R. Lange, Gießen.