4—** 04⁵— Nr. 1 . W 2 2 2. *. 2 — I. HI VI 38 8 007% DrA W.—.—— W. aminrinn Samstag, den 2. Jannar N, I —.....— —.— E 22 DDIH RRIIII ʒZI.IIIITITTTTTT BDas Paradies der Erde. Roman von Ada von Gersdorff (Nachdruck verboten.) Erster Teil. Ich habe in mein Schicksal eingegriffen. Wir Soldaten tun das nicht oft: den Wunsch aussprechen, in eine andere Garnison, zu einer anderen Truppengattung versetzt zu wer⸗ den, selbst wenn der Wunsch berechtigt erscheint und gern ewährt würde, wie bei mir. Ja, gewiß berechtigt!— Bären⸗ prungs Napoleon hat, als ich bei ihm im Stall war, ans⸗ gekeilt und mich am Knie getroffen. Ich lag vierzehn Tage. „„Ausgekeilt“ sollte man wohl in der Schriftsprache nicht sagen, ebenso wenig, was ich ihm darauf antwortete: „Verfl... A—8!“ Ueberhaupt das Niederschreiben mancher Dinge, den treffenden Ausdruck für Gesühle, Gedanken, Erleb⸗ nisse finden, ist nicht gerade leicht. Eher noch, wenn man es für sich allein schreibt. Gleichwohl muß ich dabei doch an den erhabenen kaiserlichen Geber denken und auch an Tante Lalli, die mir das in schönes grünes Leder gebundene Buch geschenkt hat. In grauer Vorzeit hat es ihr Großvater von unserm un⸗ vergeßlichen Kaiser Friedrich als Student bekommen und dessen Namenszug steht auf der ersten Seite:„Seinem Harry von Rehn.“ Der Großvater hat nur eine einzige Seite darin beschrieben. Es hängt eine Geschichte dran.— Tante Lalli übergab mir das Tagebuch bei meinem Abschiedsbesuch als in Ehren zu haltendes Andenken. Eigentlich hatte ich auf einen brannen Lappen gehofft! Sie sagte dabei:„Nimm Hes hin, mein Kind. Gedenke, daß ich dir nichts Geringes gebe, und daß Kaiser Friedrich, der erhabene Dulder auf der Meunschheit Höhen, seinen Namen nicht vor eine Lebens-— geschichte gesetzt haben darf, die er selbst nicht lesen dürfte. Irrtümer und Fehler und allerlei Menschliches, felbst Allzu⸗ menschliches mag dreist auf diesen reinen, weißen Blättern stehen, auch von Torheiten und Leidenschaften mag die Rede sein, aber dann auch: Reue! Doch nicht tatenlose! Das ist eine Halbheit, und Halbheiten sind die elendesten Schwächen, die einer haben kann. Tatenlose Reue ist ein Erbteil schwacher Seelen, heißt es. Auf die letzten Seiten— sieh' mal, Herry (sie spricht's englisch aus), habe ich selbst ein großes Wort bennichen 3— Von Goethe ist's. Also zwei der erhabensten eutschen Männer beginnen und schließen dein Tagebuch— dazwischen du und dein Leben.... Wenn dir das nicht wie 165 feste Richtschnur erscheint, Herry, dann kust du mir sehr eid... „Wer immer strebend sich bemüht, den können wir er— lösen,“ hatte sie geschrieben.— Aber sie sagte mit ihrem perhaltenen Lächeln, bei dem ihre feinen Nüstern immer so Luft ziehen und zittern:„Wer es freilich immer nur bei dem Versuchen und Streben bewenden läßt und nie an ein iel kommt, auf den könnte eher das alte Sprichwort passen: Der Wea zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert—.“ „Dick ist das Buch nicht. Meine ganze Lebensgeschichte geht hoffentlich nicht hinein,“ meinte ich. „Nein— behüte Gott!“ sagte sie.„Nur bis zu deiner Heirat oder Vexlobung vielleicht soll es reichen. Du wirst ja früh heiraten. Sie haben alle früh geheiratet, deine Ahnen, und waren noch jung, als ihre Söhne schon junge Männer waren.“ Ich muß immer wieder lesen, was ich auf der vorigen Seite geschrieben habe, sonst vergesse ich es, und ein sogenann⸗ ter Genuß ist das Schreiben ohnehin nicht für uns Leutnants. Einige freilich ausgenommen, die sind dann mal große Schriftsteller geworden, die ich gern lese. Wer weiß, ich werde vielleicht auch mal einer. Vorläufig habe ich noch nichts hineingeschrieben. Man hat wirklich mehr zu tun.— Von welchem Tage soll ich über⸗ haupt anfangen. Das hätte ich Tante Lalli eigentlich fragen müssen. Ich sei ihr Erbe, wenn ich mich dessen würdig zeige, sagt sie. Hoffentlich brauche ich nicht von meinem ersten Tage anzufangen. Anfang, Mittelstück und Schluß muß aber doch ein vernünftiger Brief haben, also auch ein Tagebuch, das doch eine Art Brief ist, den man an sich selbst schreibt. Meines ist freilich etwas anspruchsvoller— mehr ein Briefsan Kaiser Friedrich und an Goethe soll es ja wohl werden! Mir ahnt, daß beide am Stil keine besondere Frende haben und ihn nicht sehr klar finden würden. Es ginge ja auch über Leutnants⸗ künste. Lieber zehnmal den Säbel in der Faust und den Feind in zehnfacher Ueberlegenheit in der Front, als die Feder und in der Front den Großonkel und Tante Lalli und die beiden erhabensten Männer Deutschlands. Tante Lalli ist eine Cou⸗ sine meines Vaters und alte Jungfer, aber dies nicht aus Mangel an Heiratsanträgen. Hierüber spricht sie nicht, doch muß sie bildschön gewesen sein. Sie ist sehr reich und hat mich immer wie ihren Sohn behandelt, sie gibt mir auch die Zu⸗— lage. Zu Weihnachten bin ich bis jetzt immer bei ihr ge⸗ wesen, ich hoffe auch die nächsten Weihnachten. Ich war auch einmal ein ganz reicher Junge, aber unser Geld hat die Landwirtschaft und die Spekulation mit den Gestüten ver⸗ schlungen. Nun also, ich lag vierzehn Tage in meiner Wohnung. Lazarett war nicht nötig, nur Kühlen und Ruhe. Da kam der großse Augenblick. Ein Vormittag wars und wunder⸗ bares Wetter, als der Oberbonze, während er mir die Sehnen strich und drückte und ich ärgerlich zuckte, die Worte sprach: „Wissen Sie, Rehn, für die nächsten vierzehn Tage verbitte ich mir Laufschritt und Parademarsch und... einen vollen Grund hätten Sie beinah, überhaupt das Laufen aufzu⸗ stecken und lieber zu reiten.“ „Lieber zu reiten!“ seufzte ich.„Sie haben gut reden. Erstens habe ich kein Geld dazu; zweitens sind alle unsere ältesten Söhne beim ersten Garderegiment zu Fuß gewesen. Familientradition ist heilig— wenn Sie sich das denken können.“ „Du meine Zeit!“ sagte er achselzuckend,„wenns aber doch sein müßte.“ Er legt keinen Werk auf Traditlon, aber — + ECN SSRR. PPPPPTP T TCT TCTCTRT er loctß sehr gut. das; der Spruch Nx an der Wand, den ich selbst gemalt habe, tu meinem -erzen brennt, in dem eü heißt: ..Gesuqdheit dcS Leibes, Aul dem Rücken der Pferde, Am Herzen des Weibes — Xflij Paradies der Erde!" „Oder »vollen Sie ganz quittieren?" fragte er so oben hin. Und er weiß auch sehr gut, das; ich mit Leib und Seele, mit Knochen und Nerven und allem, was dem Menschen so „lzcilig" zu sein pflegt. Soldat bin. und er kann mich gut leiden und sagt: „So ein bißchen Kavalleristendeine haben Sie ja schon und solche Beine müssen von Rechts wegen den Gaul drücken, dag ihm alle Rippen krachen, statt sich noch weiter krumm zu laufen." „Na, dann lassen Sie mich doch zur Kavallerie — versetzen. verehrter Doktor," sagte ich bäse. „Wenn Sie wollen," entgegnete er und lachte listig, „außer mir wirdö am Emde keiner tun." Ick» hatte ntich hochgesc't und durch meinen ganzen Körper schlugS wie Feuerflammeii. „Doktor," sagte ich, „sprechen Sie im Ernst? Müßt' ich wirklich wegen der kleinen Sehnenzerrung da am Knie zur Kavallerie, wenn ich weiter dienen wi l'h Ich glaube, ich war puterrot und meine Stimme schnappte ein wenig, als hätte ich seine rechte Luft. „Na — müssen...? Und er zuckte die Achseln. „Es kann ja a„ch ganz ausheUen. Kleine Schwäche bleibt wohl/ „Und Sie meinen, ich könnt- mit gutem Gewissen und Sie könnten mir so ein Attest geben?" stotterte ich ordentlich ergriffen, gerade a.S draußen die Gardeulanen nrit schmetternder Musik vorbeirassekten. ..Verantworten könnt' ich so ein Attest ja: aber wenn Sie sich recht schonen —" „Den kuckuck werd' ich mich schonen!" schrie ich und streichelte mein Knie und bat den, Napoleon das ..Verfluchte A—S" zehnfach ad Denn eigentlich war er es, der mir den „fühlbaren" Wink gegeben !>attc: Lieber aufs Pferd, als hinters Pferd? * Jetzt lg'rts ans sachte zu regnen. Es prescht und prasselt eintönig auf daS Fensterbrett meines Parterres hinab. Ich kann vom Schreibtisch aus aus die Straße sehen E tel Nässe. aUcS eitel Glanz, die unregelmäßigen großen Pflastersteine glitzern, die Rinnsteine schwellen voll lehmigen Wassers. Ja, Rinnsteine — Dachrinnen, die ihre Ströme niedersausen lassen, daß der Schmutz draußen hoch aufspritzt. Du bist nicht in Berlin, mein lieber Harro Rehn. wohnst nicht „Unter den Linden". Htraßenreinigung, Abflüsse. Ka- näle sind hier unbekannt In Zwie.itsch. in der Was cr- polackei, hilft die Natur sich selbst .. Aber — du Hafts er- reickU das Ziel deiner stillen, k-eißen. einzigen Sehnsucht: das Vferd! Zwei sogar in, Stall, dicht neben mir. Ich hcne die löftlirfK Musik, die mir ihr Dasein bezeugt' dumpfes «stampfen, KettenMrren Ehargcnp erd. ein tiicfw ttflcr Gaul; gutes kreuz, gute Beine, ein bißchen rohrt er. auch ein bißchen Sternchenkiker. Aber ich lverds ihm schon legen. Dann mein eigenes Pferd, von Bärensprnng gehandelt. Aber nicht der Napoleon, nein, so weit ging meine Dankbarkett denn doch nicht. Apollo heißt er. Der dämliche Meier spricht „Alwollo". Bildschönes Hcttbblnt Mer wie den Schaden besieht, kann der Racker den Pallasch nicht sehen! Wenn ich ran komme und es blinkt und rasselt so ein bißchen, dann muß ich ihn nmkosen und ninschmeichesn wie eine spröde Schöne, der Racker lästt „ick>t oufftW JeifltntHrf) rann man solch hesiige-j Pferd nicht vor der Tire nt drauclsen. Aber der Kommandeur hier sieht es gern — Meier riet mir. den Pallasch mit seiner blauen Putzschürze zu umwickeln. Ich rvollte erst nicht, denn mit der Plempe in der ^ckuirze wäre ich mir doch etwas nnritterlich vorae rommen: aber als ich einmal keine Zeit hatte, meinem Ahpollo er,t die Cour zu machen, versuchte ichs dock> und stieg mit der schürze auf. Na. ich danke! Aufsitzen ließ er wohl, aber als er inerkte. daß ich mich ohne AuSkeilen und Bocken m den saitel geschinugge t hatte, wollte er utit !Ü U k j ll,, £j , ! tu ' beu Sv il,m .Hoftor hinaus samt dem Pallasch l" der sck)urze. Das wäre etwas für die Kwielitscher ae- »ve,en ! Aber Meier hatte den Griebs. d bc, I närrischen Küilz attmählich doch hin. Beuiunft. Wenn er denn mal im Gange ist. macht er eine famose Figur, mit der seinen Halsung und dem übrigen Apparat. Bor der Front muß man eben aiifpassen. Der Oberst ist entzückt von ihm. Hauptsache: ja, nxrs einem! ein Pferd ist, weiß niemand so, wie ein K wallcrist, ein Geftütssohn, ein Iusantcrist, der sich zur Stillung seiner Sehnsucht nach dem Pferd zur Kavallerie versetzen liest, gleichgültig wohin, selbst weg von Berlin, von der Garde lveg! Da I-eißts so ziemlich alles opfern, was das Leben genußreich macht. Das geht noch über die sogenannle „unglückliche Liebe". Kenn' ich allerdings nicht, aber die Leute schießen sich ja deswegen tot und lassen sich totschießen. Aus der elenden Gasse ist kein lebendes Wesen zu sehen. Bloß drüben an seinem k.einen nnverlrairgenen Fenster, in seinem dunklen Ladensttibchen sehe ich W.adzio kvrrolewsti gebückt sitzen, ein schwarzes Käppchen auf de,u grauen Lockenkops. Er macht's wie ich: schreibt in ein grünes Buch der einer grünen Lampe neben sich, wal-rscheinlich aber kein Tagebuch und keine Lcbensgeschichte, sondern wohl etwas Einträglicheres. — Er ist mir so nal>e, das; ich über unser Gäßchen hinüber ihm fast die Hand drücken oder von Fenster zn 'Fenster inangelS anderer Beschäftigung mit ihm plaudern könnte. Wer weiß, wie lc>sil nrans hier noch einmal bringt. Zwischen Fenster und Tür hängt wi noschief ein viel zn großes, elvig laut jammerndes Schild, das früher wohl über einem großen breiten Schaufenster paradiert haben 'muß. Daraus steht mit grünspanig angehauchten Goldbuchs,aben aus einstmals blauem Grunde: „Autiguitätenhandlung von Wladzio KorrolewSki Oll parlc fran^ais English spoken." was mir immer ein erstauntes Kopfschütteln ablockt. — Ich fyalH' noch nie ein Bild traurigerer Hcrabge-konnnenheit gesehen, das so vielsagend in vier Sprachen von ehemaligeu besseren Zeiten redet, das heisere Akkompagnement bei jedem Windzug ganz ungerechnet. Fürwahr! eine geradezu tragikomische Stassage zu dieser elenden, menschenleeren Gasse und zu diesem scheußlich regennas,en Oktoberabend: „On parle fran^ais — English spoken!“ Und darüber guckt auch noch ein verzweiselt abgelebter Kater zur ofseuen Dachluke heraus. Ich bin jetzt mit Wladzio KorrolewSki so gräßlich allein auf der Welt, daß ich mit meiner Schreiberei hier abbrechen und mich in bessere Gesel.schaft begaben will, in den Stall zu meinem geliebten Hottcpferdchen. Meier füttert jetzt, und da sehe ich immer zu uiro unterhalte mich mit ihnen. Wir verstehen uns so gut. Man kann wirklich aus dev ganzen Welt keine schaueren Augen sehen, a.s solch ein edles Pscro hat, so klar und ernst, so ruhig, überlegen und doch so gut! Selbst bei den unedlen, den armseligste!- Pferden. Was für eine tiefe Traurigkeit und Ergebung, was für eine stumme, vorwurssvol.e Frage liegi in ihren Augen! Ich habe mich schon manchmal ganz betrübt ab- gewendet, wenn ich an einem Drosch.kensta.no vorbeistrich und gerade fotd>e Augen ganz unmittelbar auf mich gerichtet sah Ein großer Maler hat einst ge.agt, wenn er die Begriffe Geduld und Ergebung personisizreren sollte, so würde er ihnen nicht die Gestalt eines Engels, sondern eines Droschkengauls geben. Was macht mau eigentlich sonst in Berlin um diese Zeit? Wo ich hier schon stundenlang schreibe, weil ich nichts Besseres zu tun habe, bis zum Abendessen im „Eldorado". Ganz anständiges Hotel übrigens. Wir jüngeren Herren, essen da öfter abends, das Kasino ist etwas lveit draußen, da wo die letzten Häuser stehen, ein ehemaliges Kloster. Ganz feudal. (Fortsetzung folgt.) Au; alten Aalenvern. Bon Th. Ebner-Ulm. Das viele Lesen war früher im deutscl-cn Volke nicht üblich. ES hatte wichtigere Dinge zu tun. Ob cs ein Vorteil war oder nicht wer will das bestimmt sagen. Tie Welt ist heute nicht besser und Nimt schlimmer als früher, als des gemeinen Mannes einzige Lektüre neben der Bibel und dem Gebetbuch der Kalender war. U,rd auw an dem haben die Jahrhunderte lange herumgcarbeitet, hier sich zu einem Volksfremid ausgewachsen hatte. Man merkte sich eben biS balnn die Tage und Wochen und Monate und Jahres- zetten so gut es ging, mit allerlei einfachen Hilfsmitteln. und da der erste gedruckte Kalender erst um das Irhrr 147G erschien, dauerte das ziemlich lange. Dieser Kaleiider, bearbeitet von dem Ustronomcn Mutter von Königsberg, ivar dafür aber auch gleich ÖU [ K «Jr? e berechnet, und da ein l^emplar mit 12 Gold- gulven hetohtt rmirde. brasste er seinem Herausgeber ein schiveres — 3 — Gklb ein. Es rcbcfc da freilich Oft bei* Bearbeitung eines solchen Kalenders auch immer noch ein gut Stück Astrologie mit und auch ein Gelehrter, wie der berühmte Doktor Theophrast Bombast Paracelsus verschmähte cs nicht, sich in die Reihe der Kvlender- wacher zu stellen. Ja auch der nicht weniger berühmte Astronom Kepler gehörte zu den Kalendcrmachern. Ter Jul-alt aller dieser alten Kalender ist so ziemlich immer der gleiche. Einen breiten Raum nehmen schon hier allerlei Haus- und landwirtschaftliche Porschristen ein. die heute freilich mir noch als Kuriosa gelten, wenn z. B als Mittel gegen das Käsenbluten das Legen einer pulverisierten Schnecke auf die Stirne empfohlen oder bei dem Nährwert der verschiedenen Flcischsorten das Schweinefleisch an erster Stelle genannt wird. Nach und nach kommt freilich auch in den Inhalt der Kalender so etwa- wie ein geschichtlicher Zug. Nicht ohne Bezug darauf wurden sie deswegen oft als Boten bezeickmct Der Titel dafür ist freilich manchmal noch ziemlich lveitschweifig. „Ter Hinckend und Stolpernd doch eilfertig steigende und lausende Reichs Bott: Evangel. verbesserter katholisch Neuer und Aller Jnlianisch. Röm. Kayserl. Reichs- Staats Kriegs Siegs- und GcfchichtSkalcnder. Auf Franckfnrtisck. scheinbarem Meridian Horizont und Polhühe 50° cakustirt von Friedrich Wohlgemuth genannt der Hinkende Bott, der malhcmat. Künsten und denklvürdigen Geschichten Liebhabern". TaS ist der Titel eines Kalenders, dessen Inhalt eine ganze Reihe geschichtlicher Begebenheiten answeist. Daneben gehen allerdings auch jetzt schon allerlei belehrsame Kalendergeschichten, für welche bekanntlich I. P. Hebel das bis jetzt unerreichte Bor bild geblieben ist, und daß die Kalcnderschreibcr auch vor Schauergeschichten nicht zurückschreckten, das beweist der Bericht „Bon einer unerhörten Grculichkeit, so eine Mutter in Frankreich vor kurzer Zeit wider ihre eigenen Kinder gebraucht hat. In welchem Scythierland ist eine solche greuliche Thal jemal- verbracht worden. »velche ich jetzt beschreiben will? Welch, Wölfin, Tigerthrcr und Trach, ja allergrausamsteS Thier des Landes »vokania kann wohl einer solchen Mutter verglichen werden. ES ist ein Exempel ohne Exempel..." Sehen wir uns in einem solchen Kalender — nehmen wir einmal einen aus dem Jahre 1659 — etwas näher um. Neben einem Kalendarium, das wesentlich die gleiche Form zeigt, wie das der heutigen Kalender, bringt er „kurtze Anzeigungen der vornehmsten Kriegshändel, und anderer denkwürdiger Sachen, die sich von Anno 1650_ bis 1658 im Röm. Reiche, von 1655 bis 1658 zwischen den Schiveden, Polen und Moskowittern und derer Alliierten und von Anno 1657—1658 zwischen den Schulden und Dähnen begeben haben" und fügt dieser politischen Iah- jresübersicht für jeder! Monat Gesundheitsregeln bei, die nicht ohne Humor sind. Es seien deren mr ;>ic für die letzten drer Monate des Jahres bestimmten angeführt. SBeinmo n. Artzneyen das ist jetz und gut. Hast Du zu viel, so last. Tein Blut. IN ringe Speist und halt dich- wohl. Ein Hebung l-ab, Irina Dich nicht voll. W intcrm on. Ist, wärmend Speist, trinck starken Wein, Dock) nicht zu viel, last Artzney seyn, ^ Ueb Dich, im Feld doch nicht zu sehr, Leb mäßiglich, folg meiner Lehr. Christin o n. Bon! Schweinefleisch ist. nicht zu viel, Ter Magen macht sonst böses Spiel, Ist hitzig Speist, trinck starken Wein Und last Artzneyen jctzund seyn. In keinem Kalender fehlte natürlich das Kapitel von! Pur- giren und Aderlasten und fehlte auch nicht die „Große Practica oder (wie es insgemein genannt wird) eine Porsorgung. das ist Beschreibung derjenigen Dingen, welche sich in dem gestirnten Himmel, in der Luft und unten aufs Erden zutragen iverden, neben ausführlichen! Bericht von den Finsternissen". Ta kouv- men nun die vier Jahreszeiten mit ihren Wetterausfichten, kommen d.ie einzelnen Monate mit der Witterung und den „vermutlichen Welthändeln" und natürlich auch die landwirtschaftlichen Ratschläge, sowie Belehrungen über Krankheiten, die nach einem solchen Kalender zumeist von den herrühren, „was wir essen und trincken und von dem Lufft, den wir als rin nothwendigesi Stück der Erhaltung unseres Lebens an uns ziehen, und in uns schlucken. — Dcßwcgen jeder, dein seine Gesundheit lieb ist, sich vorsehen und mäßig leben soll. Es werden sich erstlich allerley kalte flüssige Kranckheilen, heruacher aber hitzige Fieber, Kopff- wehe, Seüenstechen, und dergleichen erzeigen, und vielen den Garaust machen, ivelches doch Gott verhüten und uns ein gesundes Jahr verleihen wolle." Dast auch die Unglückstage namentlich im Bauernkalender eine große Rolle spielten, ist wohl kaum überraschend. Sie sind ia freilich nur heidnische Erbschaft, die der christlichen Geistlichkeit mancherlei zu schaffen machte, so dast ein bayrischer Geistlicher tchon im .Jahrhundert Gelegenheit nimmt, 'eifrig dagegen zu sprechen. „Nicht wenige," sagt er ln einer Predigt, fallen auch iri diese Laster, ba sie sorgfältig zu erspähen suchen, an welchem Tage sie auf Reisen gehen sollen. Sic nehmen ängstlich Rücksicht auf Sonne, Mond, Merkur, Jupiter, Benus, Saturn, ohne zu wissen, die Unseligen, dast falls sie nicht durch Büste sich! reinigen. sie an der Höllengnal teilnehmen, deren trügerische Ehre sic augenscheinlich ans dieser Erde fördern. Deshalb fliehet vor allem jene abergläubischen Greuel und meidet sie wie todbringendes Gift." Und weiter führt der Geistliche dann auS, dast Gott die Lonne und den Mond als unsere Wohltäter und nicht als unsere Götzen ersck-assen, wesl-alb wir ihm zu ewigem Tank verpflichtet Und. Merkur, Jupiter, Benus und Saturn sind aber nach der Lage, verworfene, habsüchtige, gelvalltänge und wollüstige Bösc- wickle gewesen, und zu einer Zeit geboren worden, als die Kinder Israel in Aegypten waren: damals auch seien die Tage »ach ihnen genannt worden gegen Gottes Gesetz, da frühen die Tage als erster Tag, zweiter Tag usw. bezeickM't werden mußten. Und in einem allen Kalender heißt cs nach Ermahnung solcher Unglückstage: „So auch die l-nttige Aftrosofi Hallen vor gewiß, das obbeschncbene Tage unglückliche Tage seien, an denselben soll niemand zur Aderlasten. auch nicht Artzney ein- nehmen, denn, sagen sie, derjenige so auf einer dieser Tagen ui eine Kranki-eil fällt, so werde er daran sterben, und nifc toterer genesen; desgleichen so einer Blut von sich lasset, er sev zur Aderlasten, Schröpfen, Fallen oder sonstviel Blut von ihm gehl biese, laut 511 schreien, wenn fie cm berausch horeir wurden. Dann nahm sie eine kl me laterne und ging eine Treppe hinaus, wo sic so tat. als ob sie ausglitte und nut orouein larin die Trevpe huiunterstürzte, ivobei fie 311 schreien chülng, so dag auch die herbcieilendeu Nachbarn in ihr Geschrei em'iunmten. Da sah mau, wie der stumme Sohu der Frau aus der Küche zn der scheinbar herabgestürzten Mlitter hinei!te und vor w! s bei ihr zusammcnbrach. Zunächst glaubte man. tc " »" aewei-u wäre ,.„d tt,n getötet hatte. Aber nach kau einer Ltundc kam er ivieder rn sich SR«,-, me TO„n S ’. ,ur ">tt Mühe gelang, er konnte doch dai rlort „Wasser hervorbnngen. Leitdent begann er ganz longsonr u 2 b ~! ,aIb ,ü t ar ec f0 we t. das; die Mutter ihn J , 6 Jctnc Grafte 311 schonen: aber ank ihre Vorstellungen sälmck habe!" ""E'uorten: «Ich inub doch nachholen, was ich ver- A u S d ein s r an z ö s t s ch e n C ch i in p i r e g i st e r über ^'cnS enn ,r * r baS wüste Geschinips lesen, daS heute die kranzo ischen Blatter aus die führenden Männer Dentschland^ an» st.mn.en . so erleben wir damit nur eine Wiederholung jener Nörgle,, d!le 1870 der gallische Lahn in die Welt hinaus- krähte, llnd keinem rst eS damals übler ergangen als Bismarck. Wtr »verden die neuen Deneunungen der Deutschen und ihrer xuhrrr. d,e ja an übelriechender Mannigsaltigkeit NlchtS zu wünschen Übrig lassen, richtiger einschätze,,, wenn wir eine kleine Blütenlese anö dem reichen Schimpibukett veranstalten, mit dem die firart- aoie» 1870 den Echöpker der dent.chen Neichße.nheit bedachten. Worte wie .Ter furchtbare Etsenkanzler". .der Mann der Gewalt, der das Recht umerdrnät", »der Allerweltskerl", lassen noch eine gewisse Lochachtung erkennen: ebenso „der berüchtigte Schövier der Politrk von Blut und Eisen". „der Schüler MaechiavellL". «der Grobprel.be , ,vaS an „(tzrobtiirke" cd,mm, soll. Schlimmer ist schon: «Der grobe Beelzebub", ,vie ihn die radikalen Blatter nannten, «der Pmhl in» Fleische der Gesetlschasi", „der politische r? •* v # ^-ger der Wilhelmürabe", »vie ihn die „Blonde" slaudig bezerchnete. .der verhabte'le Mensch Europas", «dieser »lene Tyrann des Weltalls'', „der Gronpontikez der Revolution", «der 4 'tann ""t dem Tenielselnflub", «der Lenker des Katholizismus", ein Wort Vettillots, «der scheubliche Teutoue", «^er Siofct seines perrschers", «die Art einer neuen Welt", „diese brutalste Verkörperung des Bösen , «dieicr 9lero", «Jupiter, der an der Spree donuert , «dieser verzweifelte Spieler, den Nets das Glück be- gllnillgt", „diese schreckliche »md bizarre Person", wie ihn die Zeitung „UniverS" gern nannte, „der eivige Plagegeist der Welt", 5 , /,."eue Herzog von Alba", .der i'ene aldirektor der deutschen Politik, «der greulige Einücdler vo»i Varzin", .«'ine 9lrt Lonoois, l".bem der Geist Richeliclts lebt, brrual, unduldsam uud keine,. Widerstand duldend", »der Dlan»i des crvigen Kanipies und Passes , die drohende Schildivache an nn'eren Grenzen" Aus dieser lleiueii^ .lusivabl alts den, unendlich reichen Sckump register, in dein alle > 2 p!elo>teii der Furcht, der Wut inid einer imbeivilbteu und »n,etilgeita»,denen Beivunderling enthalten sind, gebt gnr Ge nuqe hervor, dab die Franzosen a,lch früher schon um Worte nicht verlegen waren. ,venn die Tate.i mit ihrer nationalen Eitelkeit nicht in Einklang standen. vüchertlsch. e . ^ 1S ' ^r> cf • bei Zeitschrift «Der Völker- krieg (Verlag von JulmS Loffmann in St»ttaart> des''liebt die Schilderung der ostpreni,ischen Kämpfe, deren einaei ender Dar- stellimg das vorbergehendc Leit gewidmet war, mit einigen trefflich anSgewahlten Episoden Es ist überhaupt ein Verdieiist der Feit- schri't, dab üe sich nicht Mit der sorg'ältigcn und Interessanten Wiedergabe der groben Ereignisse begnügt, sondern ihnen stets eine bildete von Ein-elerlebttiffen, kleinen Genrebildern i.nd Brieen anbängt, in denen die Umwelt der Kainpier und der Geist der ^cit ganz besonders lebendig iverden. Ein kurzer Lauptabschnitt entwirft dann in klaren llmriffen cm Bild von AuhlandS tiinerer ^.'age während der gallzischei, und ostpreubischen Känivke. Tie Verwaltung in den von den Deutschen besetzten Landesteilen, Lok Regierung, Presse und öffentliche Meinung, die Lage der gefangenen Drutschcn. die Gärung in verschiedenen Provinzen und die wirl- scha'tlichen Folgen des Krieges »verden an der Land beiter Quellen gef tnldert. Die zweite Laltze deS LeiieS hat die Kämpfe der Liter» relchjsch.ungarischen Arnlee geuen Serben und Montenegriner znin Gegenstand. Wenn man die erbe Scheu vor den sla.vischen Namen imd Oitsbezelchnimgen überwunden hat. find t inan, dab dieser «Nebenfriegsschauvlatz" nicht iveniger inieresiant ist als die anderen Be onde.s spamiend lesen sich die Abschnitte über die Vernichtung der serl ischen Tlmokdiv»sion und über die Käinpie von Eattaro Vorztigiiche Bildnisse der russischen Generäle und Miuiüer iowie An'na.men von rns'ischen. serbi.chen und österreichisch-imgarischen Truppeiitelleu schnincken oas Letz, dem auch eine ante Karte von Westserblen und Bkonleiiegro beigegebeii ist. ^k' \ -iqabe. Vorhand erhält iolgeiide Karte,!: -I! ES m V ch ch 9i\ H LV%J ch v ch < 0^0 o o 0<>0 o O Sie spielt GrünlPig,ie).Solo. kann aber nur 4'^ Angen heim, bringen. — Welche Karlen bcsaben die Gegner und wie wurde oe. sprelt? (Auflösung in nächster Nunimer.) Anflosung des inagischen StnadratS in voriger Nunnneri