Jlt. 65 Der Cicfttfier Lnzel-er ericfceint täglich, außer Sonntag«. - Beilagen: -ietzenerFamIliendlLlter; Ktctsl ifitt für len Kreis Gießen. vezngspretr: monatl.wtk. >20. viertel- jährlich Mt. 3 60-. durch Abhole- u. Zweigstellen »nonall. Ittt. M<; durch die Post Tif. 3.60 oiertcl- jührl. ausjchl. Besrellq. sternsprech - ^lnschlüfse: fjirdleSchriltlt>lu»lg!13 Verlap.(^ejchä'lss1elle51 Anschr,üfürTradl,mch- richten: Lnzeiger Gießen. Erster Blatt 1b8. Jahrgang Freitag, Gietzener Anzeiger Freitag, 15. März 1918 Postscheckkonto: Frantfutt fl.Hl! U936 Ceneral-Mzeiger für Oberhessen von Anzeigen *. Die llagesminuner bis zum Nachmittag vorher ohnejedeVerbmdlichkeit Zetienpreis«: für örtliche Anzeigen 25 Bi.,für auswä rttge 30 Pi^ ftir Rekla»nen Mt. : bei Plahvor- schrisi 30*/. "AuijLlaa. Hauplichttitieiter: Aug. Goey. Verantwortlich für Politik u. ste r. Bl uilleton: Vonkvettehr: Auq. Eoetz; Stadt im* Srwkrvedan! Sletzr» 2nnb,'iS e tmifrt)tt*u.®t- nchtÄioal: W. Meyer; Swlllingriimrdnick u. Verlag: vrühl'sche Univ.-Vuch- u. Steinüruckerel «.Lange. Schriftlritllng. s-schäftzstelle ».Druckerei: Schulstr. 7. SfXt Giebel Ein Entente-Ultimatum an Holland. Neuer Luftangriff aus hartlepool. e Zeitschrift Forrnighrly Review hat es vor einiger Zeit unter dem bezeichnenden Titel Hollands letzte Chance" hüllen- und schleierlos ausgesprochen. Es wurde da gesagt, Hollands Teilnahme am iege könne den ganzen Kamps zu einem schnellen und sicheren Sieg der Mächte des wahren Fortschritts führen. Kein anderer Gedanke als dieser steckt hinter dem jetzigen Ultimatum. Holland steht vor der folgenschwersten Entscheidung seiner Geschichte und seiner Zukunft. Gibt es nach, so ist es um seine Selbständigkeit für alle Zeiten geschehen. —er. Der österreichisch-ungarische Tagesbericht. Wien. 14. März. (WTB. Nichtamtlich.) Amtlich wird verlmttlrart: Oste«. - Die Rrnnätten haben nun auch den letzten schmalen, von ihnen noch besetzt gchattenen Streifen österreichischen und ungarischen Gebietes geräumt. Der Osten der Dwrmrchie ist nach dritttjalb Jahren schwerster Kriegslast wieder völlig frei. Odessa ist seit gestern nachmittag in der Hand der Verbündeten. Während von Westen her deutsche Bataillone Vorsingen, drangen über den Frachtenbnhnhof die von Gene»- ralmajor Alfred v. Zewber geführten Vorhuten einer öster- rrichisch-ungarisck-rn Division in die Stadt ein. Italienischer Kriegsschauplatz. Die italienisckten Feldstellung n auf der Südplatte des Pnsüd io-Stocks wurden gestern in beträchtlickjer AuÄulmung in die Lust gesprengt. Die Wirkung unserer Minen war verheerend. Unsere Abteilungen besetzten das Trümmerfeld. Der Elref des Generalstabcs. Lnftschiffarigriff aus die eng tische Ostküstc. Berlin. 14. März. (WTB. Amtlich.) Im Anschluß an eine Patrouillen fahrt In der Nordsee belegte eines unserer Marine-Luftschiffe, Kommandant Kapitünlcutnant Dietrich, in der Nacht vom 13. zmn 14. März den Hafen und die Jndustrieanlagen von Hartlepool erfolgreich mit Bomben. Das Luftschiff lwt trotz zeilwcise starker feindlicher Gegenwirkung keinerlei Beschädigungen erhalten. Der Chef des Admlralstabs der Marine. London, 14. März. Reuter. (Amtl. Meldung.) Ein oder zwei Luftschiffe griffen die Nordost-Küste kurz nach 9 Uhr 30 abends an. Etwa 20 Bomben wurden nach der Küste zu abgcworfeu. Meldungen über Todesfälle oder Sachschäden liegen bis jetzt nicht vor. London, 14. März. Das Reutersche Bureau meldet amtlich: Nur ein Luftschiff hat die Küste passiert und vier Bomben auf Hartlepool abgeworfen. Das Luftschiff flog in großer Höhe und blieb nur einige Minuten über dem Lande. Die übrigen Bomben scheinen in die See gefallen zu sein. Sechs Wohnhäuser wurden zerstört und ungefähr dreißig beschädigt. Nach den letzten Berichten wurden ein Mann, eine Frau und drei Kinder getötet und drei Männer, eine Frau und fünf Kinder verwundet. Die Entente formet den holländischen Schiffsraum! A m st e r d a m, 13. März. (W.B.) Der Vertreter des Wolsffchen Bureaus in Amsterdam erfährt, daß der englische Gesandte im Hang namens der alliierten Regierungeu und der Bereinigten Staaten von Holland die Auslieferung seines gesamten Schiffsraumes gegen entspcechercde Frachtraten und Ersatz der torpedierten Schiffe nach dem Kriege für Fahrten arlch innerchalb d«S Sperrgebietes verlangt habe. Der holländischen RvUierung wurde für ihre Antwort eine Frist von acht Tagen eingeräurnt. Falls dieser Forderung der alliierten Regierungen nicht nach gekommen werden sollte, so würden die holländischen Schiffe in den Häfen der Vereinigten Staaten requiriert und die auf See befindlichen holländischen Schiffe beschlagnahmt. Außerdem würde an Holland in diesem Falle von den alliierten Regierungen kein Brotgetreide geliefert werdem Die Kämpfe in Finnland. Haparanda, 13. März. (WTB.) In Finnland treffen täglich Waffen, Munition und Truppen für die Rote Armee ein. Am 6. März kamen beispielsweise in HelsrnA« sors drei Wgggvns mit Schrapnells, sechs Waggons Karabiner, 29 Maschinengewehre und zwei Waggons mit Gewehren an. Die Verhandlungen mit Rumänien. B erl i n. 14. März. (Priv.-Tel.) Das ruffisck-e Friedens-. Instrument, welches nach Bukarest geschickt werden mußte, um die Unterschriften von Kühlmanns pnd des Grafen Czernin einzuholen, ist, wie wir erfahren, nunmehr wieder in Berlin eingetroffen und wird heute dem Buudesrat ^u- geskellt. Die kommissarischen VM^andlungen mit Rumänien nahmen, wie weiter verlautbart, einen günsttgen Verlauf. Die Hauptverhandlunaen werden nunmehr wieder ausgenommen werden, nachoem der rumänische Unterhändler in Bukarest wieder eingetrossen ist. Trotzki, Lenin und der Sowjet. Haag, 14. März. (W.B.) „Nieuwe Courant zirfolge erfährt die „Morningpost" aus Petersburg, daß Trotzki in Petersburg bleiben werde, wo er an die Spitze des Rates der Volkskommissare in Petersburg treten werde. Lenin geht nack Moskau, um dem Kongreß der Soldaten, Bauern und Kosakenvertreter beizuwohnen, der am 14. März dis Friedensbedingungen prüfen wird. Jede Abteilung de Kongresses wird erst für sich und geheim znjammenkommvn In der allgemein-en Sitzung am 17. März soll bie VCEm stimmung über die Friedensdcdingungen und die RattsikaM tkm des Friedensvertrages erfolgen. Line Rede Lloyd George». London. 13. März. (WTB.) Meldung des Reutersche« Mk- reous. Bei der Jahresversammlung des NattonalratcS der freie« Kirchen im City-Tempel hielt Lloyd George eine Rede, in brr et sagte er sei nickst als.Minister gekommen^ sondern als schlick>1es Mitglied der Frtt-Kirchen. um in einer Stunde schwerer nchionalep Prüfung zu sprechen. In der Vergangenheit kämpften die Freikirchen für die persönliche Freiheit, jetzt für das Recht der Nation und zusammen mit den amerikanische Brüdern für die Befreiung der Welt. Seit Jahren suchten sie nach gereck«eren Mitteln zur Bet- lognng internationaler Streitigkeiten, als es die sinnlose Enttchei, düng der Kanonen und Gewehre darstelle. Die deutsche Heraus^ forderung stehe im Gegensatz zu der Bewegung nach Freiheü. dem Haß gegen Unterdrückung und dem Gefühl für Reäü und Billigkeit. Er selbst sei keiner der überlegenen Geister, welche die Valerlant>S- liebe verachteten. Der Ruf des Ktteges sei stärker als die Vater» landsliebe. Es sei schwer gewesen, nach Hüfc zu suchen gegen dis Mächte der Gewalt, es sei der Ruf des Gewissens gegen die Habgier, der Mensckftichkeit gegen die G^waltherrschast der Macht go- wesen. Das sei die Ursache, weiche MÜlionen der besten Männer des btttischen Reiches nach ihrer Schädelstätte gefühtt. habe. Nachdem Lloyd George die erfolgrcick)en Bestrebungen der Regierung, den Verbrauch an Alkohol herabzusetzen, besprochen hatte, fuhr er sott: In den nationalen Zielen des englisä>en Vol^s linde sich kein Körnck-en von Selbstsucht. Er und alle politischen Führer des Landes hätten deutlich erklärt, welches diese Ziele seien, nämlich die Vcrtttdigung des internationalen Reck-tes, die Wiederl)ersteltung der ervbettcn und zu Boden getretenen Gedicbe, die Befreiung der unterdrückten Völker, wo immer sie auch seien, in Europa, Afttka oder Asien, von der Will kür Herrschaft der fremden Despoten, lieber alleri Kttegszielen stehe eines, daß der Krieg in Zukunft als Verbrechen behandelt lvcrde, das nach dem Völkerrecht zu besttasen sei, wie die Gesellschaft sich zusammcngetan l)abe zur Bestrafung von Diebstahl und Betrug, aller Atten von Ungerechtigkeit, welche ein Individuum einem anderen znfüge, so sollten sich die Völker vereinigen zu geaeuseittgem Schutze, und die Welt als Ganzes gegen die Gewalt, Betrug und Habgier der Mächtigen. Zu schwanken bevor dies alles erreicht sei, hieße an der Gerechtigkeit des Welten» lenkers zweifeln. Aber den Krieg auch nur um eine einzigs Stunde über die Erreichung dieser Ziele hinaus weiterzuführen, hieße die Welt dem Geist des Bösen überaittworten. Einig- 5britikcr sagten, daß wir den Völlerbund nicht genügend in den Vordergrund gestellt hätten. Aber ich liabe ihn anfangs dieses Jahres m meiner sorgfältig erwogenen Erklärung über die Kttegs^ ziele der Verbündeten ausdrücklich erwähnt. Es ist nicht öfter geschehen, weil uns die Bolsck>cwiki gelehrt haben, daß der wahre Völkerbund nicht durch Reden herbeigesührt wird. Niemand sprach so bereit über den Völkerbund als der Kaiser. Er sagte kein Wott über das Aufgeben von Belgien, keine Silbe über Litacum uni» Kurland, aber über den Völkerbund hat er die besten Absichten. Er sagte: „Nicht nur, daß ich den Völkerbund annchme. socidens Deutschland ist bereit, sich an seine Spitze zu stellen." Der Geist der Vorl-errschaft ist immer noch vvrl)anden. Verträge hatten wir auch vorher. Jetzt müssen wir zeigen, daß wir sie zur Wirklichkeit machen können. Millionen ftrnger Männer auS allen Länder« des britischen Rcickws, aus Frankreich und Italien, die im Kampfe stehen, sind die wahren Apostel des Völkerbundes. Wenn sie scheitern, ist alles verloren, wenn sf^iewinnen, wird der Völkerbund Tatsache tverden. Es fehlt nicht an reichlichen Lebens-, Mitteln, um die Kraft des Dolles zu erhalten. Es besteht kcino Aussicht aus Mangel daran. Inzwischen müssen wir den Krieg zum erfolgreichen Ende führen. Wir können den Krieg nicht mit Halbheit führen, sondern müssen alle Kra t daran setzen. Ich bitte voller Brttr'auen dir Mitbürger der Frei-Kuri-en, ilwen mäeüigvm Einfluß anzuivendeir, d«nnit unser gro;^ Volk den Mut behalt, die größte Ausgabe mft Tttumph zu erfüllen, die die Borjehung in ihre Hände gelegt hat. Au» dem englischen Nnterhau». London, 13. März. (WTV.) MeLdimg des Rcuttrschnt BureauS. Unterl-auS. Bouar Law gab das Ergebnis des letzt- wöchentlichen KriogssckKÜdvorschreibtNiasfeidzugoS bekannt und füljrtc aus, der Verbaut der von der Bank von England auSge- gebenen Serien nulümaler Kttegsschuldl.>erfckZrecbmigen belief sich auf 127 870 240 Pfund Sterling Hieran sei London mit mehr als 75 Millionen Pfund-Sterling beteiligt. Hierzumüßten ore von der Post { ausg^vp'beucsn tSclZükdverfchireibungen > im Betrage von 2 900 000 Pftmd Sterling, ferner die 8 100000 Pfund Sterling betragenden von den KrrogSsparkassen gegebenen Zcwtcftkate hin, zugeroclvuet nnwden. Dann ergebe sich die große Geiamtsumme von 138 8 <0 340 Piuivd oioium. Last Haus wer de chm bdpUu&cn, bwä em stchr befrrckig-endes Ergebnis sei. (Lckhafter Beifall). M«r Law danve allen. t>ie sich barmt beteiligt hotten, und wiate, er habe Briefe ertjiftcn aus aller Teilen des Landes, die dartun würden, dos; olle Massen und alle Bezirke ihr Bestes «efcm Hütten. Ter Gesamtbetrag, der seit Anfang Oktober vorigen Jahres, wo die Ausgabe begonnen habe, verkauften KrieaS- schuldvenchreckungen, ftzelle sich auf 570 Millionen Pfund Sterl- rm^Der Ech>la des Feldzuges müsse nich' nur in einem vermeint Nttrauf von .KrioMparkalsenzertisikaten geseten wer- den Im ^ptember habe die Begebung von Kriegsiparkassen- zerttsivatön 2800 000 Pfund Sterling betragen, während sich 'Mt Februar dre Zahl auf 8 100 000 gestellt habe. Die Lage in Irland. _ c _ Bern, 14. März. (W.B.) „Daily News" berichten ans Wmts rn Irland, daß die gesamte Grafschaft Cläre mili- tamsch abgesperrt lei: man werde nur mit Militärcrlanb- msschernen durch die Sperre gelassen. Der telegraphische, telephon'.sche und der Briefvrrkchr und die Lokalpresse unterstellen einer scharfen Zensur. Nach Meldungen aus Kilti- magh rn der Grafschaft Mapo erließen dort am 1. März 25 M'elwultge eine sogenannte Proklamation, daß sie sich feierlich zu den idealen Grundsätzen bekennten, für die ihre Mhrer erngekerkert seien, und kein anderes Gesetz aner- tcunten, als das der in der Osterwoche 1916 ausgerufenen Republik"'. Am 3. März fand eine Probealarmieruna statt, ber der alle wichtigen Punkte der Ortschaft besetzt wurden. Der Zugang war nur durch die namens der Jrenrepublik ausgestellten Erlaubnisscheine gestattet Graf Luxburg. a $' 15. März. (L. A.) Times melden aus Valparaiso: Graf Luxburg ist hier angekonrmen. " . ^ Gomber- an den Sowjetkongrest. 13 - März. (W.B.) Reutet. Ter amerikanische «rvettersührer GomPerS hat im Namen der amerikanischen Allrance of XAxboux and Temocrazy an den Sowjetkongreß in Moskau ein Telegramm geschickt, in dem er ihn um die Angabe der Mittel bittet, wre dte Vereinigten Staaten am besten helfeitd eingreisen könnten. Die finnische Geiandtfchaft in Berlin. 13 März. Nachdem in Voraussetzung der Bestätigung des abgeschlossenen Friedensvertrages die diplo- rnatl'chen Beziehungen zwischen dem Deutschen Reiche und i>er llvepublik Finnland aufgerwmmen worden sind, ist in Berlm eine finnische Gesandtschaft eingerichtet worden, die rmter Leitung des Gesandten Wirkt. Staatsrats Dr. Hielt ihre Tätigkeit begonnen hat. * * Bethmann Hollweg über die Instruktion an Herrn v. Schoeu. München, 14. März. Der Hauptschriftfeiter der „L'dlmcherter Neuesten Nachrichten" Bosselt hatte eine Unterredung vnt dem zur Zeit in München anwesenden früheren Reichskanzler d- Bethmann Hollioeg wegen der Mitteilungen Pichons über die Instruktion, die dem deutschen Gesandten in Paris, Herrn v. Schoeit, wegen der Garantie der französischen Neutralität gegeben worden war. Herr v. Detlynann Holkwog sagte u. a.: Die russischen gtegimeirtcr marschierten bereits, als dje Instruktion rwch gar mcht geschrieben war, und die ftanzösiscpe Regierung 'rußte von dem Inhalt der Instruktion auch nicht ein Sterbenswort, als sie tntfcre Frage, ob sic im Falle eines Krieges mit Rußland neutruL «eiben werde, mit der Erklärung beantwortete, sie werde tun, was Frankreichs Interessen erfordern. Aber ich möchte die fran- tzöshchen Staatsmänner, die von dieser Instruktion setzt soviel MrfhetenS machen, daran erinnern, daß Deutschland in den daraus- folgenden Tagen noch eine andere Form der Neutralitäts-Garantie dorgescklagen hatt Wir haben ausdrücklich erllärt, daß uns eine von Arankreiich erklärte Neutralität völlige Gewahr biete, falls sie von England garantiert werde. Nichts kann schärfer und unzweideutiger vartun, da ßwir es auf keinerlei der Ehre Frankreichs zu nahe tretende Handlung, geschweige beim auf einen Ueberfall Frank- veichs abgesehen satten, daß wir vielmehr bis zum le"ren Augen- blick zu allem bereit waren, was dic^ Weltkatastrophe ablvenden Interesse des Staat swvTs erhalten wollen, mit Ausnahme der ^ozi-aldemokratie, die diese Politik als einen Rückfall m bürgere liche Sentiments teMeftt. Der Mittelstand ist das Rückgrat der Vvlkskraft. Wehe -dem Volke, daS keinen Mittelstand hat, wo die Gegensätze zwischen arm und reich sich mtöermittelt gegen- überstehen. DaS deutsche Volk braucht den Nachwuckss von unten herauf. ES muß neue Kräfte durch die Kreise bekommen, die kwmer wieder sich aus dem heirnatlichm Bo^en stärken. Es muß auch für den gewerbliclien Mitt.ll stand gesorgt werden, wenn e? auch in erster Linie Aufgabe der Bundesstaaten sein muß. Tie Mittel ließen fiel) mit Hüte einer Kriegseirtict-Digung aufbringen. (Unruhe links.) Auch Rußland muß dazu herange^ogen werden angesichts der Verwüstungen in Oitpraußen. Sollte sie unterbleiben, so Würde das Volk eS nicht verstehen. Burcamkrcttische Einrichtungen können den freien Verkehr nicl,t ersetzen. Desl-alb müssen wir baldigst zu einer Organisation flammen. Gerade die Landwirtschaft hat die Rückkehr zum freien Verkehr gefördert, voraus ber viel geschmähte Herr vvn Oldenburg-^Iarruschan. (Lachen links.) Ich selber habe diese Forderung in einer Denkschrift vom 20. Mai 1916 ausgestellt. Die landwirtschaftlichen ^Genossenschaften stnd kein Faktor, der stark genug wäre, um ein Monopol sich zu erwerben in der Uebersührung der Lebensmittel vom Erzeuger zum Verbrauckxn. (Unruhe und Zurufe links.) Wir können unsere Weltstellung mir wieder erlangen, wenn wir dem freien Verkehr den Weg ebnen. Wir dürren den Mittelstand nicht seinem Schicksal überlassen. Der nsflalische Gesichtspunkt muß zurücktreten lftiiter den Interesse de> gewerblicl^m Mittelstandes und des Staatswohls. Die nötigen KrLntgenossensäpften müssen geschaffen werden, insbesondere müsset: die öffenttickrm Versichc- rungsanstalten und die Sdadtschaften diesem Zweck dienstbar gc- I macht werden. .Jsin Anschluß an das ReichswirtschasiSamt sollte [ ein t Rnchszenkralstiellc zur Fördermrg des gewerblichen Mittelstandes geschaffen werden. Schaffen wir möglich'! viele freie Existenzen im Staate, ermöglichen rmr dm aufstrebenden sittlichen Kräften v.\ unserem Volk und insbesondere auch unserer Arbeiterschaft den wirtstlmftliä^n imb sozialen Aufstieg, dann werden wir auch die Kraft haben, bis zum endgültigen Sieg auszuharren. (Beifall rechts). Abg. W e r n e r - HerSfckd (Deutsche Frall): Der Grundsatz, „Freie .Bahn dem Tüchtigen" muß für die Berufsstände aelten nicht nur für einzelne Personen. Daneben darf aber oer mittlere und untere Beamte nicht vergessen werden. Vielfach besteht die Not. und die muß beseitigt werden. Abg. Al brecht (Unabh. Doz.): Das 5)anL)werk wird doch stets der .Handlanger des Großkapitals bleiben. Tie einzige Net- ttmg liegt für den Mittelstand im Sozialismus. Abg Astor (Ztr.): Besonders sclnver hat der kausmännische Mittelstcmd unter dem Krieg zu leiden. Die Hilfe, die ihm zuteil werden muß, darf nicht von Darteipolitik diktiert sein. Damit schließt die Debatte. Nächste Sitzung Freitag 2 Uhr: Anfragen, Rechtsanwaltsgebühren, Kmvgesetz. Schluß Vs fcmite." Mb. Deutscher Reichstag. 140. Sitzung vom 14. März. Am Burchasratstisch: Freiherr v. Stern, v. Scheuch. Vizepräsident Tr. P a a s ch e eröffnet die 'Sitzung um 2.15 Uhr. lie Aussprache über die Interpellation des Zentritms, bo trqfeub den gewerblichen Mittelstand, wird sortgesttzt. Abg. Dr. Kapp (Kons.): Tie Frage des Mittelstandes ist mrs Kviiservatioen besonders sympathisch, wie alle bürgerlichen Kreise einen möglichst zahlreÄ-en ge^verblicliien Mitteliland im / 2 ? Uhr. -p Berlin, 14. März. (MTB.) Ter Aeltestenvat des Reick>s- tages trat heute vor Beginn der Vvll^ersammbmg zusammen und ainigte sich dahin, mvrgeii Feitag kleinere Vorlagen zu erledigen. Tjer SanDtag bleibt. ! ie bereits in einer früheren Sitzung be- schlossen tvorden war, sitzungsfrei zur Beratung des Hauptaus- fchusses. Am kommenden Montag wird der Hanshaltstilan für das Auswärtige Amt m der Volloersc^nmlnng zur Beratung kommen, Dienstag der Friedensvertrag mit Rußland imb Mittwoch die Kreditvorlage. Tie folgenden Tage bis zum Beginn der Osterferien sollen der weiteren Etatsbenatting gewidmet sein. Dem Reichstag ist der Entwurf eines-Geiers über d'e Veran- stalttmg von Lichtspielen zugeeans.cn. der die gewerbsmäßige Veranstaltung von Lichtspielen vom 1. März ab an die Erlarchnis knüpft und für Zuwiderl?amdlungcm Geldstrasen oder Haft vorsieht. Hessischer Landtag. Zweite Kammer. .. Sitzung vom 14. März Der Präsident eröffnet um 9V* Uhr die Sitzung. Das Lwis ist mittelmäßig besucht. Am Regiermigstisch ftnd die drei Minister anwesend. Das Haus fährt fort in der allgemeinen Aussprach e über den Voranschlag. Abg. Schott (natl.) spricht sich für die Steuerfteihett der Teuerungszulagen der Beamten aus, die nur ein Mindestmaß derselben gewesen sei. Sollten aus den Teuerungszulagen ständige Gehaltserhöbrmgen werden, müßten sie selbstverständlich versteuert weiden. Zurzeit aber ist ein Bergwleich zwischen den Tecierungs- zulagen und den stark gestiegenen Löh-ien der Arbeiterschaft nicht berechtigt. Der Redner meint, die Eisenbahnschulden brauchte:^ soweit sie bleibende Werte daritellen, mdj: aogetrajen ju werden (Widerspruch im Haus), und spricht sich dafür aus, daß die direkten Steuern beri Bundesstaaten Vorbehalten bleiben müssen. Ter Redner macht sodann Ausführungen über die Leisti.mgen der Larrdwirtschast und bringt Wünsche und Beschwerden vor. Aba. Dorsch (Bbd.): Auch wir stehen auf dem Standpunkt deS Abg. Dr. Osann, baß in Berlin unverantwortlich mit dem Gelbe gewirtschaftet wird. Das muß verstimmend aus die Zeichner der Kriegsanleihe wirken. Auch wir bc-klagen die Willkür der Kommunalverbände, cs fehlt die Einheitlichkeit im Lande. Wir leben uns wirtschaftlich cruSeinander. Die Andufttüe versteht eS^' ihre Riesenmachenschafton zu verschleiern, ihr ist gesetzlich nicht betz- zukommen, die Bauern werden wegen ein paar Sack Kartoffeln, gepackt. Hier fehlt es an der Gesetzgebung, die die kleinen Diebe hängt, die großen laufen läßt. Mein Stand versügt Gottseidank nicht über Temperament (Berständuisrolle Heiterkeit im ganzen LauS), sonst wäre es bei der Durchrübrung der Maßnahmen der Kommuualvaaabmrden, wie der Volkswitz sagt (Heiterkeit), %u böien Geschichten gekommen. (Ter Präsident rügt den Ausdruck „Ktommpnalvagabunden".) Abg. Dorsch fährt fort: Kein Vogel fliegt über das &mb. bet den Kriegsgesellschaften nicht ein Fedcrchen ausreißt. Wer noch me eine Kttietzsvervrdnung noertrat. werfe den ersten Stein auf uns. Tie konservative Aera hat Preußen groß gemacht. Deshalb ivar der Vergleich des Vizepräiidenten Payer, der die Konservativen mit den Bolschcwikis verglich ungehörig. (Sehr richer Dank. In schärfster Weise lvendet sich der Redner gegen die Mißwirttscl-ast der Kriegsgesell schäften, wo^so viele unnötige Reklamierte in Berlin ihre Orgien feiern. Ohne Schieber ist kein Auftrag in Berlin zu bekommen. (Hört, hört!) Es fehlt den Remrssrellen mt der nötigen Energie! Durch das Schieber tum ivird das Vertrauen zu unserem Beamtentum und zu unseren Offizieren säMer erschüttert. Iw 4. Kriegsiahr sind wahrhaftigen Gott diese Vermittler nicht mehr notwerrdig. Der Redner fordert die rechtliche GloickMUuna der Ka^ tholiken in Hessen. Die Regierung hat angeftagt bei der Gemeinde in Nieder°-Jngelheim, ob durch die Emriästung eines katholisck-en KinderlivrteS der konfessionelle Friede gestört werde. Solche ge*- schlichen Bestimmungen müssen fallen. In den Fragen der Rl)em" Mäur-Kanalprryekte empfiehlt der Redner den Ansrhlutz an die bayerische Kanalpolitik. Die l>essisck»e Regierung soll nicht ioarten. bis die heffisck-en Felle da vonschwimmen. Der Redner schließt mft einem Appell zur Einigstnt und zum Durchhalten. Es tritt eine viertelstündige fcaufe ein. (Schluß folgt.) Ans Stadt mti$ €an&. Gießen, den 15. Marz 1918. ** Amtliche Personalnachrichten. Der Großherzog hat den Rittmeister Mootz im Grobherzoglichen Gendarmeriekorps zum Major befördert. ** H o l z v e r st e i g e r n n g. Mont»a den l8. März 1916, v-cnttnittags 0t/, Ul)r beginnend, wird in deir Waldungen der Stadt Gießen im Bezirk Fernetvald Holz versteigert. Siehe Anzeige. Beschlagnahme und Meldepflicht von ge sammelten rohen M en schon ha a r e n. Am 15. Mär; i Gieszener Stadttheater. Schwarzwcrldmädel. * Operette in 3 Akten. Als Neuheit, zugleich als Gesamtbenefiz für das darstellende Persvml, ging gestern August Neid Harts „Schvarzwald* mädel" mit der Musik von Leon I e f f e i hier erstmalig in Szene. — Tie Operette hat auch während deS Krieges nichts von ihrovi charakteristischen TypuS verloren: der alles beherrschende Wiener Walzer ist nach wie vor musikalisches Zentrum Irnd schafft den Höhepunkt, wrrd wohl aibch hie und da leit- motivisch verwendet; ein paar flott hingeworfene Melodien im veraden Takt, die üblichen Operettensexten und harmonisch dick- Mftigen Kadenzen auf dem Septtmenakflord der Oberdvminante, der sich mit der Terz der Tonika zum Nonenakkord verbindet, — das ist das musikalische Rüstzeug, mit dem vorzugsweise gearbeitet wird. Geling^ eS dmrn, wie in diesem Falle, dem Komponisten, einige zugkräftige „Schlagett' zu schassen, so ist die Opcretta eigentlich gesichert und der Erfolg garantiert- denn wir sind sehr anspruchslos geworden seit Iohaim Sttaußeus „Fledermaus", gar nicht zu reden von den Zeiten eines Abraham Peter Schulz oder Dittersdorf und .Haydn mit ihren köstlichen Singspielen^ me wie ein goldenes Märchenland hinter uns liegen. Auch die Handlung hat selbstverständlich Aiiteil am Erfolg. In &rhrig» Chorkonzert des akad. Gesangvereins im Rahmen der Aufführung des^ Kvirzertvecerns statt. Herr Professor T ra u t ma n n lxtt für dieses Konzert 3 Perlen der Cborlitcrcrtur auLgelvahlt: Die „Nckne" von Brahms für gemischten Chor, die „Frauenchöre" öan BrahmS mit Begleitung von zavei Hörnern imb „Mirjams Siegesgesang" von Schubert, eben falte für gemischten Chor. Ten Dmtsch Schllcrs „Nänie" zu komponieren, hegt« Brahms schon längerc^Zeit. Da starb am 4. Imruar 1880 Anselm F-euerLach, und nun enttbarrd das Verlarrgen. dem hochgeschätzten Künstler eine ErtnnerungSmusik m schreiben. Der Ge'st des Grreck-entums, den Schiller in seiner „Mnie" zum Ausdruck gebracht hat, beherrschte auch ^den Maler Feuerbach und den Dduslilec Brahms. Letzterer schrieb cn Frau Feuerbach: „Hochvevehrde Frau!; Erttmben Sic, daß id'f ohne weftere Vorrede Ihnen eine Bitte vortvage. Ich syrbe in de- letzten Zeit fote Gedicht „NL.ne" von Sckftller für Elwr kompou.ierl Gar oft wußte ich. tveirn mir die schonen Worte dnrck den Sinn gingen, Ihrer und Ihres Sohnes gedenken, mrd ich empfand unwillkürlich den. Wim sch, meine Musik seinem Gedächtnisse zu weihen. Damit ich ein äußeres ZeickMi habe, erlaube ich mir die Frage, ob ich das Stück, falls ich eS'veröffentliche, Ihrren zneignen darf." Ein Denkmal edelster Klage und^ l)errlichster Verklärung Hat der Meister dem teten Künstler gesetzt. In. stillem Pimw und Pianissimto beginnt das Werk. Ein diegsancer Sechsoiertettakt bez.tnngt die gefährlicken Hexameter und Pentameter. Dar Sopran hebt an: „Auch das Schöne muß sterben" und die librigen Stimmen folgen ihm kanonsich. In marmorner Pracht baut sich der Mittelsatz auf, fau5 dem Sechsvierteltall werden Virnftertel, forte und unisonr setzt der Chor ein: „Aber sie steigt aus dem Meer"_Danach erhebt sich die Klage um den verherrlichten Sohn. Nach doppelter WicHerhotung deS Mittelsatzes kehrt der erste Teil wieder und der Sopran nimmt die Worte, die auch durch die Msiftik dem Tode griechische Anmut verleihen, ans: „Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten, ist s>errlich, dann daS emeine geht llimgloL zum OrkuS hinab." Tic Gesänge für Frauenchor bieten dem Ohr ganz- neuen Klang. Eine sckyvermütige, volksliederarticre Färbung tönt die Cböre, b^ sonders in der letzten Nummer „ß|fian$ Fingalgesang": „Wein' an den Felsen der brmrsenden Winde". Das Jahr 1828 ist eines dar fruckübarsten Jahre Schuberts mck zugleich sein Totosfahr. In unglaublicher Scknrelligllft entstanden größte Werke die C-dur-Sympi-orfte, das Strick)guartett Op. 163, die 3 letzter! Klaviersonaten. die große Messe, der 92. Psaftn, eine Menge Lieder u. MirjamS Siegesgesang von Grillparzer. Schuber- arbeitete mft einer Energie, als werur er wüßte, daß chm nur noch wenig Zeit bleibe, «n feinen Genius die letzten und höchsten An- sordenmgenstellen. Unter den Sck>ubert'sehen Elwrwerken nimmt „Mirjante Siegesgesang" die erste Stelle ein. Es ist ein breit ausgeführtes Werk, in welchem Schubert an Größe der Auffassung un# Gewalt deS Ausdrucks mit Händel wetteifert. Tie Schilderung von Pl>araoS Untergang gibt dem 3. Komponisten Gelvgenheft zu einer Tonmalerei von erfclMternder Wirkung, und die in eine gewaltige Fuge ausmündende Wiederholung d«- AnsangSnummcr schließt würdig das mächttge Werk. Das Sopran solo des Schubcrt'schen Werkes hat Frau Gusti Müller-Ar- men ding er aus Frankfurt a. M. übernommen. Tie Künstlerin wrrd auch noch Lieder von Brahms, Reger, Hugo Wolf und Sckmbert zu Gehör bringen. Außerdem wird Herr Hoskonzert-, meister S ch i e r u n g arte Tarmstadt, den besonders die Berliner Kritik als ausgezecchneten, erstklassigen Künstler rühmt, das ewig sckchne D-dur-Konzert txm Mozart und jmei w»garische Tänzs von Brahms sprelen. Tie Mavierbegleitung aller Werke hat Here Proiesior Trautmann überiwmmen. Für die beiden Hörner m den Fvauenchören konnten die beiden Solohornisten deS Frmrr- surter OpernhauLorchesters sewonnen teerten. cTtre Vekcmntmackmnff Nr. W. I. 850/11. 17. K. R. A., frctrcffenb Beschlagnahme und MelL-ep flicht vmr ges-amwielten rohen Mrnrschen-- Haaren in Kraft getret-en. Durch sie Norden alle gesammelten rohen. Frauenhaare sowie Chin^senhaare beschlagnahint. Ausgenommen von der Beschlagnahme sind die von einer Frau gesammelten« eigenen Haare, solange sie such im Besitz dieser Frau befinden..^ Trotz der Beschlagnahme bleibt die Veräußerung und Lieferung in bestimmtin Weise und- an bestimmte in der Bekanntmachung näher bczeichnete Stellen zulässig, sofern der Preis iür 1 Kilogramm nickst mehr als 20 Mark beträgt. Tie baffl/aginahmten Gegenstände unterliegen, sofern die Gesamtmenge bei einer Person mindestens 1 Kilogramm beträgt, meiner monatlichen Meldung an das Webstosi-Meldeanit der Kriegs-Rohstoff-Abteilung dos Königlich Preußischen Kriegsministeriums. Der Wvrtlant der Be^ kanntmackpung ist in der heactigen Nummer imseres Blattes ein- zusel>en. ** Für rückständige I m pfpfl ichti ge, d. h. also für solche Kinder, die im Jahre 1916 oder früher geboren und im Jahre 1917 aus irgendeinem Grund nicht zur Impsnng gebracht worden sind, findet am Samstag, 16. März-, nachmittags 3' 2 Uhr, ein unentgeltlicher öffentlicher Impftermin in der Turnhalle der städtischen Mädchenschule in der Schillcrstraße statt. Eltern, die diesen Termin nicht wahrnehmen und auch nicht für Impfung der Kinder durch einen Privatarzt gesorgt haben, verfallen nach dem 23. März der gesetzlichen Strafe, es sei denn, daß die Unterlassung der Impfung ans einem gesetzlichen Grund geschehen ist und dies bei Großh. Kreisgesnndh'itsamt, Gartenstraße 19, umgehend nachgewiesen wird. ** Die AusstellAng der Handarbeiten, die im 'Seminar für Handarbeitslehrerinnen angefertigt sind, ist nach Abschluß der Staatsprüfungen ^am Sonntag den 17. d. M. von 11—5 Uhr int Schul haus, Steinstr. 10, für das Publikum geöffnet. Von Nicktmitgliedern des Alice-Schul-Bereins wird zum Besten der Kriegsfürsorge ein Eintrittsgeld von 20 Pf. erhoben. Siehe auch Anzeige. ** S t a d t t he a t e r. Nochmals sei aus das am morgigen Samstag stattsrndende Gastspiel Albert Steinrücks vom Münchener Hoftheatcr in Strindbergs „T o t e n t a n z" (I. Teil) ausdrücklich hingewiesen. Steinrück steht neben Bassermann und Weguer in der allerersten Reihe der deutschen Schattspieler der Gegenwart, und da auch die andern Mitwirkenden — wir erinnern (ott Frl. Swobvda, die neulich in „Scheiterhaufen" tiefen Eindruck erzielte — ersten Idanges sind, so darf dem Gastspielabend mit berechtigter Spannung entgegengesehen werden. ** Licht spiel Haus. Ba hn hofstr a ße. Zur bevor- stehenden Aufführung des zw. iten Teiles des großen Ausklärungs- silms „Es werde Licht" sei auf eine Besprach ing der „Deutschst Tageszeittm^" verwiesen, die u. a. schreibt: Gibt der erste Teil der eigenartagen und für das Volks wo hl hochwichtigen Unternehmung eine eindringlich^ Malnnmg, mit allen Kräften gegen Prostitution und Gejchlach s krankheit m zu Felde zu ziehen, so zeigt der zweite Teil m überaus packender und dramatischer Weis« ein Bild der Größe der Gefahr der ge'ch cchtlichen Ansteckung. Bei einer Gedächtnisfeier für einen berühmten Gelehrten, der sein Lebens wert der Aufklärung über die Bedeutung und Gefahren der venerischen Krankheiten gewidmet hckt, vertritt der Enkel des Verstorbenen dessen Theorie, daß diese Geißel der Menschheit ein Unglück für die davon Betrogenen sei, gegen die selbst das Iiüst- zeug der Wissenschaft nicht vollen Schutz gewähren könne. Ein wissenschpaftlich^r Gegner bekämpft diese Ansicht tind bekennt sich zu der Anschoaurmg, daß jene ^Erkrankungen kein Unglück, sondern eine Sckimrde seien. Schicht tmd wahrheitslebendig wird in dem Film daun weiter geschildert, wie in der Wirklichkeit beide Theorien' dntrcheinanderlausen und einander abweckgeln.' Genuß fällt der Leichtsinnige und der über die Furchtbarkeit der Krankheit Utt- aufgeklärte ihr oft zum Opfer, aber häufiger noch rverden Unschuldige durch verbrecherisch-' Rücksichtslosigkeit uird gedanlen- lose Nachlässigkeit von der gefährlichen Seuche erfaßt. Kann auch ärztliche Kunst in der Mehrzahl der Fälle durch langjährige und gewissenhafte Bel-andlung die Erkrankten der Heilung zuführen, so wird eine erfolgreiche Behandlung doch nur durch rastlose Aufklärung und Schärfung des Verantwortlich.'eitsgesühls des einzelnen möglich sein. Und zu diesem Zweck ist der die Ansteckungsgefahren so vorzüglich zeigende Film ganz besonders geeignet. Die Darsteller gab-ea ihr Bestes. Tie Regie von Richard Oswald toar geradezu meisterhaft zu nennen. Wenige der bisher gespielten Tead-enzfilme vereintetr so packende Handlungen, klare und künstlerisch-vornehme Bilder und zweckdienliche Wirkung. +MV ÖjoU&JQ'C-V*A AY^r / * Neue U-Voot-Erfolge. Berlin, 14. März. Int Sperrgebiet um England, vorwiegend im 2lermelkanal, fügten unsere U-Boote den Gegnern neuerdings einen Verlust von 20 000 B.-R.-T. Handels- jchlsssraumes zu. Alle versenkten Dampfer, darnttter drei wertvolle Schiffe von 4000 bis 6000 B.-R.-T., waren bewaffnet und größtenteils stark gesichert. Namentlich feskge- stellt wurde der tiefbeladene französische Dampfer „Sene- gambie" (1623 B.-R.-T.). Den .Hauptanteil an diesen Erfolgen hat der Kapitänteulnant Viebeg. Der Chef des Admiralstabes der Marine Schrvedische Schiffe für die.Entente? Mnl m ö, 14. März. (WTB.) ^„Sybe Svenska Dagbladet" schreibt: Bei einer Versammlung, die in Gotheborg, z.vi.'ck-en mehreren Reedern und Vertretern der R.'csierung statt fand, bat, wie das „Gotl-eborger Morgenblatt" erfährt, die' Regierung um weitere 400 000 Domren schw wische Tonnage für oie, Entente. Tie Vertreter der Reedereien stnhm einem swlchm Vorsck/ag natürlich bedenklich gegeitüber. Es scheint indessen, als ob die Regierung ihre Hände schon im voraus gebunden u^rd die Handels- ftotte Sck)wedens verschenkt habe, -ohne ihre Besitzer zu fragen-. Es wurde nämlich angedeutet, daß, 'wenn die Reeder sich nicht entgegenkommend stellen, die ReTierung von dem Enteignungs'- gejetz Gebrauch mache und die.^Tonnage zwangsweise requirieren werde. Das Hospitalschiff „Guildford Castle". . London, 14. März. (W.B. Nichtamtlich.) Amtlich, nteldet das Reutersche Bureau: Das Hospitalschifs „Guildford Castle" wurde auf der Heimreise am Eingang des Kanals von Bristol am 10. März 5 U'hr 35 Minuten nachmittags von^einem feindlichen Unterseeboot olme Erfolg angegriffen. Tas Schiff führte die Rote- Kreuz-Flagge und hatte alle für Hospital schiffe vorgeschriebenen Lichter angczündet. Nach einer anderen Meldung des Reutersck>m Bureaus iimrden auf das Hospitalschiff zwei Torpedos abgefeuert. Der erste ging fehl, aber der z'.veite traf den Bug des Schiffes. Das Schiff wurde schwer l .'schädigt, ver^^l .e aber den Haien zu'erreichen, wo die zahlreichen Kranken und Verw.tt.drt(n. die sich an Boro besatrden, ohne Unfall ans Land und tns Hospital gebracht wurden. Zum Ultimatum an Holland. Berlin, 15. März. Wie der „Berl. Lok.-Anz." aus hiesigen diplomatischen Kreisen erfährt, gilt es als atisgeschlossen, daß Hol- la-nd aus die Bedingunge-u der Entente eittgehen wird. Man weiß im Haag sehr wohl, daß Deutschland eine derartige Auslie'erung niederländischen Schiffsraumes an seine Feinde ohne Zwei i et als einen unneutralen Akt ansehett wird und oie Folgerungen daraus ziehen würde. Andererseits verhelft man sich in den Niederlanden keineswegs, daß die Weigerung der Entente zu wlllm zu sein, den Verlust Hclländisch-Jndiens zur Folge haben könnte, utrd so gibt es nach Ansicht der holländischen Politiker nur einen Ausweg, (Lewalt vor Recht gehen zu lassen. Deshalb.mü se man anueksnen, haß die holländische Negierung schon jetzt entschlossen sei, so viele Schiffe sich fortnehmen zu lassen, als der Entente eben beliebt. Einen Ausweg hofft man bezüglich des schwierigen Ernährungs- Problems dadurch zu finden, daß die Entente den mit Lebensmitteln beladenen Dampfern freie Fahrt gewähret: wird. 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Klinik, Fraaksnrter Straße 99 Gartet» möglichst aus dem Nahrnngö- berg. zu pachten gesucht. Frau Eichbaum, 1905 Goelhestr. 40. Ufos sior. LusdSL-Zamlaig v. West-Auiage b. Schau;enstr. vsrlarsL. Ter Uhr, sind die am 16. März Geimpften zur gesevlichen Nachschau wieder vorzustellen. Gietzen, den 12. März 1918. 1848B Ter Oberbürgermeister: Keller. HchnttjikigklM der Light Acßku. Montag den 18. März 1918, vormittag- 9'/, Ubr beginnend, werden in den Waldungen der Stadt Gieven im Bezirk Ferncwald meistbietend versteigert: 6,7V Fstm. Fichten Derbitanaen (7—11 cm Durchmesser!. 2200 Wellen Ei henreisig, 1520 Wellen Fichrenreisig. 54 Rm. Etchenstockholz. ^ Die Zusammenkunft ist am Kohlschlag, Abteilung Nr. 16. Hoizbändler sind vom Mitbieten ausgeschlossen. Jeder Steigerer darf nur feinen Etgen-Bedars steigern. Sieben, den 14. Mär» 1918. 19146 Ter Oberbürgermeister. I. B.: Grünewald. Nüben-Verkauf. Bei der städt. Obst' und Gemüfeverkeilungsstelle. Brandvlatz 3, kommen Dienstag. Donnerstag und Sams» tag Gelbe Möhren, Kohlraben und Wcihrüben zum Verkauf. KansWSllische FMck Gießt». Staatlich anerkannte NnterrichtSaustalt für jungeLeulemänttlichen undweiblichen Geschlechtes. Da- neue Schuljahr unserer Anstalt beginnt Donner-t^g den I I. April l. abend- 8 Uhr, zu welcher Zeit sich alle Schüler und Schülerinnen in dem Kausmännischen BereinShause — Nord- Anlage 15 — einzufinden haben. Anmeldungen neuer Schüler und Schülerinnen werden SamStag den 16. März, abends von 8 bis 10 Nhr im Schulhause — Nord-Anlage 15 — entgegengenommen. Die Anstalt gliedert sich in eine Unter-, Mittel- und Oberstuse, von denen jede 3 Parallelklassen umsaßt. Neueintretende Schüler und Schülerinnen werden in der Regel der 3. Klasse überwiesen. Können sie aber durch eine Prüfung den Nachweis erbringen, daß sie befähigt sind, in einer höheren Klaffe mitkommen zu können, so werden sie in eine 2. oder gar l v Klaffe eingereiht. Die Pflichtfächer der Anstalt find: Einfache, doppelte und amerikanische Buchführung, Wechsel- lehre. Handelslehre. Rechnen, Deutsch, Korrespondenz, Schönschreiben, Handelsgeographie und Warenkunde. Die Wahlfächer sind: Französisch, Englisch, Kurz- schrist und Maschinenschreiben. Der Unterricht findet an den 6 Wochenabeuden von 8 bi- 10 Uhr statt. Der Besuch der Anstalt befreit die schulpflichtigen Schüler vom Besuch der allgemeinen FortbildungS schule; schulpflichtig sind alle anS der Volksschule entlaffenen Knaben, sowie die Schüler höherer Lehranstalten, die nach vollendetem 14 Lebensjahre aus treten, ohne ein Jahr der Ober-Tertia angehört zu haben. Das Schulgeld beträgt für die Pflichtfächer 36 Mk. — für die Wahlfächer Französisch und Englisch je 20 Mk. — für Kurzschrift nnd Maschinenschreiben je 3 Mt. Gießen, den 9. März 1918. Die Echultommisflon. IWS D Die Ausstellung der Arbeiten des ^andarbeitslehrerinneu-Seminurs im Schulharr-. Steinstraße 10, st Sonntag de« 17. März, von 11-5 Ubr geöffnet, amritt frei für die Mitglieder des Alrcesckut-BereinS: on Nichtmitgliedern wird ein Eintrittsgeld von 0 Psg. zum Besten der SriegSsürsorge erhoben 1898D Aktiva. 4 4 Passiva. JC $ Kasienbestand 531.44 Geschäftsanteile Warenbestand d. Mitglieder 1390.— nach Einkauf 9802.51 Eintrittsgeld 4.— Mobiliar nach NeservesondS 1315.35 10% Sbjdjt. 248.33 Warenvor- Debitoren 2379.28 schußsondS Kreditoren Reingewinn 1001.96 7802.90 1447.35 tm 12Ü61.56 12961.56 Zahl der Mitglieder und Geschäftsanteile Ende 1916 Zugang in 1917 . Abgang in 1917 . Stand Ende 1917 Dffhe des Geschäst-guthabens Ende Zugang in 1917 .... Abgang in 1917 .... Stand Ende 1917 .... Gesamthastsumme Ende 1916 Zugang in 1917 . . . , Abgang in 1917 . . . . Stand Ende 1917 .... Watzenborn, den 14. März 1918. Konsumverein !!. (e. G Happel IV. Jung IV. 52 8 1916 1390 JC 1560 „ 240 „ m. 1800 M b. H.) Pf°fs. « Leitung: Hofrat Hermann Steingoettsr. Samstag den 16. Mär». abeudS 7'/, Ubr: Gastspiel Albert Stein»Uck vom Hosthcater München mit Ensemble. Totentanz Drama in vier Akten von Dirindbcrg. Sonntag. 17. März 1918. nachmittag- 8'/, Ubr: im weißen Ross! Lustspiel in 3 Akten vonBiumenlhal ».Kadelbura AbendS 7',. Ubr: MI Operette in 3 Akten von 9. Jeffel. Montan den 18. März, abends 7'/, Ubr: (Gutscheine haben Gültigkeit) Liebelei Schauspiel in 3 Akte« von Schnitzler 1924c Unterrlchtskeglnn : 3. April 1918. Frcvprrnrome kostenlos. Oberkursni mit Abschlußprüfung für Leiterinnen von Gartenbaukolonicn. — Untevkarans für Franeti nnd Mä'ieheu zur Ausbildung im praktischen Garten- und Gemüsebau. — ISospItaiBtlnnen- korse vorgesehen. — Aeimoldnnicera wie Auskunft im Landw. Inatltut (Oeschättsumraer». 1019V Zikijnnii Atßn m Sitten Sreaj. Die Hauptversammlung soll Freitag den 12. Avril d. I.. nachmittags 8'/, Ubr. tm derzeiltgen Geschäftszimmer des ZwetgvereinS in der Alten Klinik, Medtsstrake. stattstnden. wozu die Der- einsmitglieder hiermit etngeladen werden. Tagesordnung: t Bericht flbrr die Tätigkeit des ZwetyvereinS; 2. Rech. nungSablage ^ür 1»17; 3. Beschlutzfaffung über Anträge des der Mitglieder, 4. BorstandSwahl. Vorstandes oder Gtehen. den 12. März 1018 1908c ✓ Ter Vorsitzende! Wiener. Freiwillige Oail sche Feuerwehr. Montan den 1«. d. M., abends pünktlich um 9 Uhr. bei Kamerad Arnold, Schtpkaoah. Hauptversammlung Tagesordnung: 1. Jahresbericht, 2. Kaffen bericht. 3. Rechnungsprüfung, 4. Etwaige Anträge, 5. Verleihung von Dtenstabzeichen. 6. BerfchiedeneS Anzug: In ArbeUSauSrüstnng ' 16790 Das Kommando. Holzvergebung. Die an den KreiSstrahen im Kreise Lauterbach (Ober« Hessen) lagernden Stämme «Baoveln. Aschen. Lindew Ulmen und Ahorn), zus. rund 400 Jstm., sollen in t3 Losen ans dem Weg önettl ichen Angrbotc. verkauft werden. Hoizverzeich- niffe werden zntn Selbsikostenvrels abgegeben. Die Be» dtngungen können aus dent Amtszimmer des Unterzeich- neten am 16., «8.. 20., 23., 23. und 27. d. Mts., jeweils vorm, von 10—12 Uhr. cingeselen werden. Eröstnungstermin 4. Avril ö. I., 11 Uhr vorm. Zuschlagsfrist 14 Tage. Latnerbach, am 14. M.trz 1918. 1925V Ter Grostb. KreiSbaninipektor. __ DaS echte Staffelet Sim©ns*Bro 4 ist von jetzt ab wieder regelmähig und tn bekannier Güte gegen Brot» marken erhältlich bet <***hv Carl Schwaab, Gg. Wallenfels, lieh. Driesch. \ Kräüigimosmiitel- hi reichster Auswahl emptietdt Med.-Drog. zum Kreuzplatz, KreaapBatx 9. 16S0 Ä REIS&MÜSTEE Sommer-Damen-Handschiüie PT Rieaen-Answahl XI 1920a Kauf hays lCatz,Bahnhofsir .14 Fürftenhof Sishsn Samstag and Sonntaff Familienkonzert wen! — Humorist H. Berger-Prinz — se«i LICHTSPIELHAUS Künstler - Konzerte. lorgen Samotae UrautfUhraiss Kultur- und Aufklärungsfilm in 5 Akten. litDHterstöiznasderAerztUleseüscbait iür Gescbleciitskrankbeitefi. Ein Film in sich abireschlossen und unabhängig vom I. TeiL Hauptdarsteller: Bernd A!dor. Bofflnn der Vorstellungen ftnmntag f:ttnklllcb 8, 4.45, 6.30 un«l 8.30 Uhr. Wir weiten liöfl. auf die 3 ersten Nachmittage vortteilungeu hin. 1968a I>1© Direktion. Nr. «3 Zweit« Blatt Stehen« Anzeiger (General-Anzeiger für SderhesjenZ Lreitag, V. Mrz!9>8 Hessischer Landtag. Zweite Kammer. 54. Sitzung vom 13. MLrz 1918. (Schluß.) Utzg Dr. Weber (Bbd): Im Namen meiner Fvaklion kann ich die Ausführungen meines Herrn Vorredners im allgemerncn be stätigen. im einzelnen vertiefen. 1914 habe ich die Grulüüagen deS Staaksvoranschlages in sichere und unsiclZere untevschieden. Die sicherste Grundlage ist die Staalseinkommensteuer, die in einer ständigen Zunahme begrissen ist. Im Kriege (.1914 bis 1918) »st srr von 20 aus 30 Millionen gestiegen, während sre im letzten Friedens- jahrzehnt nur um 8 Millionen gestiegen ist. Zum Teil rührt sie aus der gesunkenen Niufkraft be3 Geldes, die in den erhöhten Löhnen und Gehältern zum Ausdruck kommt, wodurch sie automatisch in höhere Steuerklassen kommen. Erfreulich ist die langsame Wertsteigerung von Grund und Boden, die eine bleibende VolkS- vermögenszunahme und damit eine ständige erhöhte Steuerguelle bilden wird. Unsere Landwirtschaft ist gezwungen, Raubbau zu treiben. Die Boden Verteuerung uitid die Ersetzung deS Inventars wird große Summen verschlingen. Ich besürcl?te nicht, daß das Reich sein Fundament, die Landwirtschaft, untergraben wird, durch eine verkehrte Zollpolitik. Auch bei einem milteleuropäisäxm Wirt- schastsbündnis gilt eS. die Interessen der deutschen Landwirtschaft »u wahren. Auch der Redner spricht über die Mißstimmung ans dem Lande. Der Händler ist zum Herrn über den Bauern gesetzt werden. (Sehr richtig? im Bauernbund.) Die Negierung hat rede Gewalt über die Kommrrnalverbände verloren. Ich warne davor, den Fehler des Schwein emordes bei dem Rindermord zu wiederholen. Ties bedeutet eine Milchnot und damit einen Kindermord! (Lebhafte Zustimmung beim Bauernbund.) Der Redner bedauert drc Unkenntnis der Kreisbeamlen in dm Landwirtscha n und fordert den Numerus clausus für Staatsdienstanwärter. Wir betrachten die Teuerungszulage als eine bleibende GelxlldSzulage und juio l.-cs- halb gegen deren Steuerfreiheit. Wenn der Landtag einen größeren Einfluß haben will auf die R^ierung, muß er den Parteihader mehr zurückstellen. Ich bin der Verbrecher, der an der Einführung des Pluralwahlrechts schuld ist, tveil der Fortschritt nicht aus das Wahlprioileg von Alsfeld und FriÄ>öerg verzichten wollte. (Ironische Zurufe von den Sozialdenrotraten.) Der Redner kourrüt sodann auf die Forsteinnahmen zu sprechen, die eine gewaltige Steigerung erfahren haben. Er fordert, daß die gewaltige Mehreinnahmc aus den Mchrsällungen, die eine vorübergehende für die nächsten Jahre sei, zur Bildung eines Forstbetriebsstockes verwendet werde und verliest seinen diesbezüglichen Antrag, der in den Finanzausschüssen beider Kammern urid bei der Negierung Zustimmung finden möge. Der unsicherste Faktor der Staatseinnahmen sind die Eisenbahnen. Vor fünf Jahren reichten die Eisen bahne mnahmen mit 18 Millio- nen an die Staatssteuer mit 20 Millionen nalx heran. Der Durchschnitt der Eisenbahneinnahmen betrug 4 Prozent, die Verzinsung der Schulden kostete 37* Prozent. Bei den großen Rückschlägen der Eisenbahneinnahmen müssen wir eitrige hundert Milli»nen der nach dem Kriege notweirdigen Eisenbahnanleihen auf uns nehmen, die wir mit 5 Prozent bezahlen müssen. Deshalb ist zu befürclüen, daß das Eisenbahngeschäft in der nächsten Zeü für Hessen sehr verlustreich sein werde. Der Redner bespricht sodann das Verhältnis der Bundesstaaten zum Reich. Bisher brachte das deutsche Volk an direkten Staats- u?ld Gnneirchestenern 2.8 Milliarden aus. Es bleibt nichts übrig für daS Reich als indirekte Steuern und Monopole. Auch hoffen wir auf eine starke Kriegsentschädigung. (Beifall beim Bauernbund.) Albg. So Herr (Ztr.): Ter Krieg wird noch lange auf die Staatseinnahmen einen Einfluß ausüden. Bisher hat der Staat Unter dem Krieg nicht gelitten, denn seinen Mehreinnahmen stehen ran die Teuerungszulagen gegenüber, schwer gelitten haben die Gemeinden. Ebenso günstig wie die Forsteimrahmen sind die Weineinnahmen.. Aber auch hier muß mit Rückschlägen gerechnet Werdern Dem Weinbau war nach den vielen Fehtjahren eine Er-- holnrrg lvahrlich zu gönnen. 1915 kam der Prosit dem Weinhandel zugute, 1917 kam er dem Winzer zugute, der sich so erholen konnte. Ich hoffe, daß die Reichs,veinstencr sich in maßvollen Grenzen halten wird. Bei rückläufiger Konjunktur und hoher Weinsteuer muß der Weinbau in schlimmere Lage kommen als je. Auch dieser Redner bespricht den ungünstigen Stand der Eisenbahneinnah- m-en, den erfreulichen Stand der Einkommensteuer, an den Rhein- I Hessen infolge seiner Weinernte einen großen Anteil habe. Er spricht sich gegen die Erhöhung der Matrikularbeiträge aus und fordert einen energischen Mittelstandsschutz. Tie Einrichtung der Staatsschuldenkaise hat sich nrcht bewährt, so daß die Regierung vorschlägt, das Kassenwesen wieder zu vereinigen. Es tritt eine Pause von 10 Minuten ein. Abg. Henrich (Fortschr.): Bei den großen Weltereignissen ist das Interesse für den Staatsvoranschlag nur gering. Für die Kdnegszeit reicht das Geld, mrd wir dürfen auch für die kommende .Kriegsanleihe ein befriedigendes Ergebnis erwarten. Unsere Sorgen beginnen erst für die Friedenszeit, auf die wir jetzt schon unsere Blicke richten müssen. Tic Hauptschwierigkeit hat das Reich zu tragen. Eine stärkere Heranziehung der Bundesstaaten durch «Lrhöhnng der M-atrilülarbeiträge ist zweifelhaft. Vielleicht vom Standpunkt des Finanzministers, aber nicht von der Seite der Volksvertretung rst der Widerssand gegen direkte Reichssteuern verständlich. Sie hat kein Interesse, hohe Vermögen zugunsten der kleinen Verbraucher zu schonen. Technisch mögen direkte ReichS- steuern schlvierig seirx, aber für eine nnrklichc soziale Staffelungt der Steuern- ist eine Rcichsstcuer iwtwendig. Ter Gedanke einer. Rücklage auS den Fvrsteiirnahmcn ist richtig, aber aegcn die Bildung eines eigenen Fvrstbctriebsstockes habe ich Bedeuten wegen der Uebersichtlichkeit. Ein dunkles Gebiet sind die Eisenbahnen. Tie Einnahmen werden auch nach dem Krieg steigen, schon infolge der Tariferhöhung, aber noch viel stärker ist die Steigerung der Ausgaben. Tie persönlichen Lllrsgaben werden größtenteils bleiben: die Reparattukosten werben in Milliarden gehen. Werden die aris deri Aclriebsemnahmen gedeckt, so wird unser Tilgungsstock in kurzer Zeit aufgebraucht. In 1919 werden wir nicht mehr an die Verhältnisse von 1914 «rnknüpfen könnet. Ter Krieg hat hu große Umwälzungen mit sich gebracht. Das Volk verlangt sein Anreclft am Staat. Der Staatsmann ist der weiseste, der diese DLirge voranssieht und sich ihnen von vornherein anpaßt. Tie Mitarbeit aller- Bevölkerung-kreise l>at sich bei den Kriegsauf, gaben bestens bewährt. Ter Siegesz-ug der Volksrechte ist nicht auszul-alden. Auch in Hessen muß das Plural wähl recht fallen. Unser Festhalten an d-ent Wahlprioileg der lleinen Städte war nur bedingt, well eine wirklich gerechte Wahlkreiseinteilung nicht zu erreichen »var infolge des Widerstandes des Bauernbundes. (Abg. Ulrich: Sehr ri.htig! Lau bsägewLhllreis!) Die wirtschaftliche Seite deS Beamten standes bedarf mrch den: Kriege emcx Neuregelung. Für den Krieg behallfen wir uns mit einer rrngenügendeir Teue, rungStzulage von 12—15 Prozent. M'nu Preußen und das Reich in nächster Zeit eine neue Zulage bewilligen, wird unsere Regierung eine neue Zulage bringen müssen. Ich pflichte dem Abg. Dr. Osann in der Frage der Steuerfreiheit der Teuerungszulagen zu. Ich bodaure im lern Be'chiuß, daß wir die Pensionäre von der Zulage ausschlossen. Die Uebergcmge von einer Bvamtenklasfe in eine andere müssen erleiclikrt werden. Soweit die Anwärtersrage auf Ueberfüllung beruht, läßt cs sich nicht ändern, aber wir wirtschaften zuviel mit Hilfskräften. Ich begrüße deshalb die neuen Stellen. Der Redner konnnt auf die Frage des Arbeiter-, Handwerker und Harckelsstcmdes zur sprechen, ferner auf die öfseirtliche Bewirt schastung: Wer di« volle Freiheit des Handels fordeoe. muß mit dem Schleichhandel gute Erfahrungen genracht haben. Der Redner forderte eine Landesausgleichsstelle für die hessisck^rr Kommunal verbände für Getreide. Die Frage Schutzzoll oder Freihandel wird bei rrnserem ungeheueren Bv>crrs kür die nächsten Jahre nicht brennend werden. Eine Abkürzung de- Krieges, ein Verständigung-- friede wird immer noch das klrerere Uebel sein als die unsichere Fortsetzung des Krieges. Der Redner polemisiert gegen das Bestreben, ,verliere Teile des Volles wieder in Oppositimr mm Staate zu drmrgen. (Beisnm«vtng bei den Sozialdemokraten, WQerspruch beim Bauernbund.) Der Rcdner schließt mit Worten warmer Anerknmung für die Leistungen der neulich vom Ausschuß besichtigten Ofsenbacher Lazarette. Abg. Ulrich (So).): Tie optimistische Auffassung des Abg. Osarm über den BoranfchLag wird sehr geomnpft, wenn man Ber gleiche mit srühererr BoranschlLaen anstellt. Tie Verwaltung trnrd immer teuerer. Tie DteigerlMg der EinLormnsns- und Vermögens st euer beritht zum großen .Teil auf KrisgSgewrmren und Teuerst Mulagen mrd wird mach dem Kelege wieder verschüvrnden.. Man darf den Beamten die Steuerfreiheit nicht zlcgest^en, wenn man sie den Arbeitern nicht auch zugeilsheil wÄ. Während so die Steigerungen des Verdienstes den Arbeitern wieder gerVmmen werden, erzielen viele Unternehnver ungeheuere Geivinne. Er er« innert an den Herrn v. Behr-iPinn-ow, an Philipp! und an Daimler. Hier liegt eine unerhörte Ausräubung des deutschen Volles var. Soll der Staatsanwalt nur ^egeir streikende Arbeiter in Bewegung gesetzt werden? Auch die L^-udwirtschast hat gvotze Gewinne gemacht. Das geht deutlich auS den steigenden .Rriner- trägen hervor, die von 89,89 vor dem Kriege rast 150,0 im Jahve 1916 gestiegen sind. Er neidA das der Landwirt,chast nicht, um so mehr betont er aber die Verbesserung der Lage der ar- beitcrL«n Klassen. Ter Rückgang der Hundesteuer beweist u. a. auch die Verschlschternng dec Lage des Mittelstandes. Für die Ausgaben der Zukunft muß man die höheren Einkommen und Vermögen stärker heranziel-en. Wenn man sich gegen den Zugriff 4>eS Reichs auf die direkten Steuern wehrt, so warnt er vor der .Hevcmziechmg der indirekter Steuern, die feie Ernährung des Volles noch mehr erschweren und die V)lksseuchen vermehrvr würden. Auf Rohstoffe werden wir bei deren Mangel doch auch keine Steuern legen, da sonst an die Stelle der Warenausfuhr die der Menschn treten wird. Er bittet die Vermögenden, sich nick-t aus die mdircktcn Steuern zu stützen. Wer die Steuenr auf die starken Schultern legt, der hcnrdest wahrhrst patriotisch. Kriegsentschädi^ guug herauSzulchen, ist sck-wer. Kaltblütige Rechner denken nicht daran, daß eS möglich sein wird, den Amerikan rwch vorher der Krieg beerdigt werden könnte. Wir sind zum Frieden bereit, aber tvenn die Feinde nicht wollen, muh zum Kampfe entschlossen. Ter Eisenbahnetat stilnmt bedenklich. Da9 ganze Material ist heruntergewirtschaftet. Es ist die höchi^e Eifen^ bahn, daß da Wandel geschaffen wird. TaS wird aber groß? Kosten' verursachen, und die Regierung soll erlergiich auf die Revisor des Ei enbahn vertrag eS 'hinarbeiten, sonst komm er: wir in eine üble Lage. — Tie Versnche gewisser Eleinente, eine gesteigerte An- teilnahnre des Beides an der Regierung ^intanzuhalten, ist gefährlich, sie ist gleichbedeutend mit der ^ckIließung do? Ventils eines überl-eizton Dampfkessels. ES ist erfreckich, daß 'Mg.Osann für eine Verbesserung deS hesfischen Wahlrechts nntritt. Tie heimkehrenden Käiegcr werden sich kaum eine sckjHechtere Behandlung! gegenüber den du heimgebliebenen alten Männern gefallen lassen. Diese und andere Reformen sind ^invenneidlich. Es hat Temen Schützengraben 1., 2. irrtb 3. Klasse gegeben. Wir rvolleir die Gleichberechtigung Aller durchsetzen uno unser Volk glücklich und zufrieden machen. — Schluß der Sitzrmg V/z Uhr. Nächste Sitzung Tonrrersbag 3 Uhr. Zvm §a8 „Daimler". Im Fall Daimler wandet sich der Rektor der Terhntz'chen Hochschule in Stuttgart mit siolgender Zuschrift an oi-e Ceffent« licht eit: Innige überaus bedauerlicher VorkommTnsst geht zurzeit der Name Daimler durch die Presse. Daimler war derjenige- dessen Ingenienrteisvm-gcn daS Allsehen der Daimlerwerke ermöglicht haben. Seine Leistmrgen als Jngenielrr auf dem Gebiete der Kraftfahrzeuge hatteir ilM ein außerordentlich gro-ßss Ansehen auch im Ausland, namentlich in .Frankreich verschafft. Er war «nre einfache, dirrchruS ehrenhafte Natur und j«oem Schwindel abhold. Werm er das wüßte, waS in der Daimler», gescllschaft nach den Mitteilungen über die SSerfoatibhmgen dsS RcichStags-HauptmrSchusses zum tiefcit Bedauern at ler voter« lanmfch denkenden Männer vorgsgangen ist, so würde ihn En> setzen packen. Warum wird mm das Schlimme, das hier geschehen! ist, an den ehrlichen Vkamen dieses redlichen Mannes gehängt, warum nennt man nicht den Namen deri-enigen, die den den Streik arcknohonden Brief schieben rmd die Dinge so gsdeickrett haben, wie es tatsächlich^ ge,Ziehen ist? Die Terhrrchche Hock»chrche deS Landes, in dem der Ingenieur Daimler geboren und archxewachse;'. ist, m dem er seine W^rke entworfen, mrS-geführt und entwickelt bat. und in dem noch seine Witwe lebt, empfindet die Psticht, festznstellen. daß der im Grabe prrhemx Daimler nickt- gemein bat mit dem, waS in der Oeffmcklichkeit jetzt gebrarrdmarkt wird. — Tie gleiche Meinung vertritt in einer weiteren Zuschrift der württembergische Ingenieur verein, dem der Konn'neczMwat Gott- srück Daimler jahrelang «rngehört hat.